Kritik der Woche (30): Der Kult

Gunnar Kaiser ahnt etwas.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Gun­nar Kai­ser schmückt sei­nen You­tube-Kanal mit dem Hash­tag #ich­mach­da­nicht­mit, einem Leit­spruch also, der unse­rem sezes­sio­nis­ti­schen „eti­am si omnes, ego non“ ziem­lich ähn­lich ist.

In der Ver­gan­gen­heit hat Kai­ser schar­fe Kri­tik an der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung geübt, die er als sei­ten­ver­kehr­tes Gegen­stück zu den eben­falls von ihm atta­ckier­ten lin­ken „SJWs“ (“Social Jus­ti­ce War­ri­ors”) hin­zu­stel­len ver­such­te, nach dem belieb­ten Strick­mus­ter: „Hier die lin­ken, dort die rech­ten Kol­lek­ti­vis­ten und Eta­tis­ten, und ich in der ver­nünf­ti­gen libe­ra­len Mitte“.

Im Gegen­satz zu ande­ren Ver­tre­tern die­ser Spar­te scheut er jedoch nicht vor Kon­fron­ta­tio­nen mit dem Geg­ner zurück und traf sich Ende 2019 mit Gott­sei­bei­uns Mar­tin Sell­ner zu einem höf­li­chen Streit­ge­spräch, das er auch auf sei­nem Kanal ver­öf­fent­lich­te. Kai­ser gehört zu jener ehren­haf­ten, aus­ster­ben­den Sor­te von „klas­si­schen“ Libe­ra­len oder Liber­tä­ren, die es ernst mei­nen mit Mei­nungs­frei­heit, gewis­sen­haf­ter Wahr­heits­fin­dung und indi­vi­du­el­ler Selbstverantwortung.

Dies stell­te er im Lau­fe der Coro­na-Kri­se ein­drucks­voll unter Beweis, als einer der klügs­ten und ent­schie­dens­ten Kri­ti­ker des spin­nen­netz­ar­ti­gen „Nar­ra­tivs“ und sei­ner tota­li­tä­ren Aus­wüch­se. Sein Buch Der Kult ist die Sum­me sei­ner Betrach­tun­gen und Erfah­run­gen aus zwei Jah­ren Pan­de­mie-Regime und „neu­er Normalität“.

Wie schon der Titel andeu­tet, legt er das Schwer­ge­wicht auf die irra­tio­na­len, kryp­tore­li­giö­sen, mas­sen­psy­cho­lo­gi­schen und ‑psy­cho­ti­schen Aspek­te eines „Kri­sen­phä­no­mens“ unter dem Ban­ner einer auto­ri­tä­ren Wis­sen­schafts­gläu­big­keit, die mit ech­ter Wis­sen­schaft wenig zu tun hat und einem über­grif­fi­gen Staat als Herr­schafts- und Legi­ti­ma­ti­ons­in­stru­ment dient.

Kai­ser ana­ly­siert die Rol­le der über­zeug­ten „Coro­na­zis“ und ihrer irre­ge­führ­ten „Loya­lis­ten“, der zyni­schen Kult­füh­rer und der getäusch­ten Mas­sen, der Feder­füh­rer und der Mit­läu­fer, der Pro­pa­gan­dis­ten, Pro­fi­teu­re, Poli­ti­ker, Funk­tio­nä­re, Lob­by­is­ten, Wis­sen­schaft­ler, Wirt­schafts­bos­se, Nor­mo­pa­then, Pro­mi­nen­ten und nicht zuletzt der „Intel­lek­tu­el­len“, denen er „Ver­rat“ und Aus­ver­kauf vorwirft.

Das ist für­wahr eine enor­me Geg­ner­schaft, der Kai­ser sein „ego non“ ent­ge­gen­wirft. Sie ist nicht nur quan­ti­ta­tiv in der Über­zahl, sie ist auch qua­li­ta­tiv von einer enor­men geis­ti­gen und psy­cho­lo­gi­schen Zähig­keit. Die brei­te, mani­pu­lier­te Mas­se der „Loya­lis­ten“, die im Gegen­satz zu den „Coro­na­zis“ im Zustand eines „tag­täg­li­chen Selbst­be­trugs“ lebt, und dar­um zumin­dest eine Chan­ce auf Erkennt­nis und Umkehr hat, beschreibt Kai­ser so:

Ihre Denk­wei­se ist nicht ein­fach und klar, son­dern erstaun­lich kon­fus – eine Mischung aus Idea­lis­mus und Gelas­sen­heit, aus Miss­trau­en und Nai­vi­tät, aus Gier und Opfer­be­reit­schaft, aus Grau­sam­keit und Sen­ti­men­ta­li­tät, aus Anstän­dig­keit und Infa­mie, aus Klug­heit und Dumm­heit, aus Hals­star­rig­keit und Inkon­se­quenz, aus Emp­find­lich­keit und Takt­lo­sig­keit, aus Harm­lo­sig­keit und Bos­heit, aus Wen­dig­keit und Beschränkt­heit – und all das mög­li­cher­wei­se in ver­schie­de­ne Käst­chen unter­teilt, die sau­ber von­ein­an­der getrennt sind.

Kurz gesagt wäre es die mensch­li­che Natur selbst, gegen die Kai­ser eine Ver­nunft- und Auf­klä­rungs­off­fen­si­ve füh­ren will. Das ist frei­lich ein aus­sichts­lo­ses Unter­fan­gen. Um Licht in die Fins­ter­nis des Kults zu brin­gen, kon­sul­tiert Kai­ser, ein umfas­send bele­se­ner Phi­lo­so­phen-Lite­ra­ten-Hybrid, etli­che Den­ker, von denen wir vor 2020 dach­ten, daß wir sie zur Genü­ge ver­stan­den hät­ten: Uns begeg­nen Toc­que­vil­le und Canet­ti, Fou­cault und Deleu­ze, Mit­scher­lich und Mar­cu­se, Arendt und Schelsky.

Man­ches erscheint uns dabei merk­wür­dig abge­stan­den und zum Über­druß ver­traut. Haben wir sie nicht alle zum Erbre­chen gehört und gelernt, die Lek­tio­nen von Iones­co, Erich Fromm, Franz Kaf­ka, aus „Die Wel­le“ oder Lenz’ „Deutsch­stun­de“? Haben wir nicht alle im puber­tä­ren Hoch­mut Hes­ses „Demi­an“ gele­sen und waren fas­zi­niert vom Bild der aus­er­wähl­ten Trä­ger des „Kains­mals“, die von der Mas­se geh­aßt und ver­ach­tet werden?

Nach 2020 erschei­nen alle die­se Dich­ter und Den­ker in neu­er Bedeu­tung und Fri­sche, aller­dings vor allem der Min­der­heit der Dis­si­den­ten, die vom Sys­tem als „Staats­fein­de“, „Rechts­ra­di­ka­le“ oder „Ver­schwö­rungs­gläu­bi­ge“ mar­kiert werden.

Der Libe­ra­le Kai­ser lan­det am Ende genau dort, wo wir Rech­ten zu einem gro­ßen Teil schon gelan­det sind: Das Sys­tem ist nicht mehr refor­mier­bar, es bedarf des Aus­stiegs und der Ver­net­zung der Aus­stei­ger, der Abkehr, der Sezes­si­on, idea­ler­wei­se der Grün­dung neu­er Gemein­schaf­ten oder „Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten“, die sich dem Zugriff des Mas­sen­wahns und der kom­men­den tech­no­kra­ti­schen Dys­to­pie entziehen.

Die­ses Anlie­gen trägt Kai­ser, der inzwi­schen tap­fer mit einer Krebs­er­kran­kung ringt, mit Ver­ve und Pathos vor, aber auch mit einer Aus­führ­lich­keit und lei­der auch Red­un­danz, die auf die Dau­er etwas ermü­dend wirkt. Eine Kür­zung um min­des­tens hun­dert­fünf­zig Sei­ten hät­te sei­nem Buch gut getan.

– – –

Gun­nar Kai­ser: Der Kult. Über die Vira­li­tät des Bösen, Mün­chen, 2022, 360 Seiten,20,60 € – hier bestel­len.

Kai­ser ist übri­gens Dau­er­den­ker und hat bereits nach­ge­legt: Sei­nen Band Die Ethik des Imp­fens. Über die Wie­der­ge­win­nung der Mün­dig­keit, 120 S., 12 €, kann man hier bestel­len.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (19)

Hartwig aus LG8

23. Juni 2022 10:42

In diesem Video kehrt Kaiser sein Innerstes nach Außen. Auch hier wären ein paar Minuten weniger mehr gewesen. Aber wenn einer erstmal dabei ist, alles rauszulassen ...

https://www.youtube.com/watch?v=fqKDMv5uDY8

Carsten Lucke

23. Juni 2022 11:59

Dieser in jeder Hinsicht unerträgliche Typ ist das widerlichste und verlogenste Beispiel Mensch, dessen ich je gewahr werden durfte. Auch optisch.

ML: Das Urteil überrascht mich. Inwiefern ist Kaiser "verlogen"?

Da ziehe ich sogar noch Kevin Kühnert vor - und das heißt was.

Hoffe, daß dies als Haß-Mail durchgeht !

Carsten Lucke

23. Juni 2022 12:57

ML: Das Urteil überrascht mich. Inwiefern ist Kaiser "verlogen"?

Ich weiß nicht, wo ich da anfangen, gar aufhören sollte. Es entstünde eine Suada, die ich mir - zumal hier - verbiete.

ML: Ernsthaft! Ich bitte darum!

Von allem "Inhaltlichen" abgesehen, das dieser Herr absondert - Herr Lichtmesz, Sie sind doch sicher Psychologe (Bosselmann ist's) !? Einen meiner Lieblingssätze von Nietzsche, der mir stets ein ultimativer Wegweiser war und ist, erlaube ich mir, Ihnen freundlichst beizufügen : "Das Wesen der Dinge ist ihre Oberfläche."

Viele Grüße !

Maiordomus

23. Juni 2022 13:15

"Kaiser, der umfassend belesene Literaten-Hybrid"?  Ich war etwa 1970 auf seinem Standard, glaube aber heute, 52 Jahre danach, noch bei weitem nicht einem solchen, übrigens nicht gerade sympathischen Attribut zu genügen .Kommt dazu, dass das Gelesene nicht nur zitierfähig gemacht werden muss, sondern zumal verdaut, betrachtet und vor allem bedacht werden muss. Hoffe indes das Beste für die Gesundheit des jungen Mannes, dessen Formulierungsfähigkeit von ML im obigen Artikel durchaus eindrücklich unter Beweis gestellt wurde. Ich würde Kaiser als in hohem Grade kommunikationsfähig und in seinen besten Augenblicken als geistvoll einschätzen. Der offenbar provozierte Hate-Speech von CL oben ist eine Wirkung, die ein altkluger Junge, noch dazu mit jüdisch anmutendem Erscheinungsbild, offenbar in Kauf nehmen muss. Gegen Kaisers Belesenheit ist nichts einzuwenden. Indes würde ihm konkrete praktisch-politische Erfahrung, und sei es nur in einem Regionalparlament, nichts schaden. Bei Antragsbegründungen empfiehlt es sich indes, in Sachen Belesenheit nicht zu weit auszuholen. 

Laurenz

23. Juni 2022 13:26

Ich empfinde keinen Haß gegen Herrn Kaiser, er langweilt nur zutiefst. Nach einer Minute stoppe ich jedes Video. Warum erzählt er nie was Neues? Wenn ich mir bei Schnellroda-Videos mehr Zeit nehme, liegt das darin begründet, daß ich meist (das GK-Tillschneider-Interview fand ich zB  ausnahmsweise extrem schlecht) was mitnehmen kann, ein tatsächlicher Mehrwert. Schaue ich Tim Kellner, so bringt Er die täglichen Nachrichten, quasi künstlerisch, in ein erträgliches Format. Aber es gibt nicht einen einzigen Grund Gunnar Kaiser zu schauen. Langeweile bedeutet immer, daß keine Energie vorhanden ist. Bei Kurzweil sprüht alles vor Energie. Machen Sie, ML, Sich nichts vor. Sie unterscheiden Sich von Gunnar Kaiser diametral. Was Covid angeht, so lese ich doch lieber Ziegler & Frank bei Achgut, ML auf der SiN, oder Artikel auf Zerohedge. https://www.zerohedge.com/covid-19/stanford-ucla-study-finds-excess-risk-serious-adverse-events-pfizer-moderna-covid-jabs

Maiordomus

23. Juni 2022 14:15

@Laurenz.Gunnar  Kaiser und Tim Kellner bedienen ein doch sehr unterschiedliches Publikum mit zwar nicht gerade zu erwartender, aber doch existierender Schnittmenge. Kellner hat zweifelsohne den kurzfristig höheren Unterhaltungswert, wobei aber die Kalauer durch ständige Wiederholung die Sendung abwerten bzw. Überdruss erzeugen, wohingegen Kaiser ein manchmal allzu betonter Didaktiker mit intellektuellem Anspruch bleibt und ein sog. breites Publikum womöglich gar nicht ins Auge fasst. @Castaneda ist bei einer phänomenologischen Erörterung über den Begriff der Sünde zweifellos eine Fussnote wert, so wie zum Beispiel Umberto Eco mit "Der Name der Rose" es verdient, bei der Phänomenologie des Lachen zitiert zu werden, wiewohl Romane natürlich wissenschaftliche Fachliteratur nicht ersetzen können. 

kikl

23. Juni 2022 15:13

Ich teile MLs Urteil über Gunnar Kaiser. Als Intellektueller Kontrahent ist er gewiss satisfaktionsfähig.

Manchmal ist Kaiser arg eitel und im Dialog mit Sellner war er aus meiner Sicht unbeholfen aggressiv, wahrscheinlich weil er mit jeder Geste ausdrücken wollte, ich bin nicht wie er. Aber Kaiser hat sich dem Dialog gestellt und das verdient Anerkennung.

Ich wünsche Gunnar Kaiser eine gute Besserung; er ist eine große Bereicherung für die außerparlamentarische Opposition in Deutschland.

Noch ein Hesse

23. Juni 2022 16:27

Man kann ihn ja langweilig finden, aber einfach rauszuhauen, er sei "verlogen", ohne es ansatzweise zu begründen ... naja. Ich persönlich höre G. Kaiser immer wieder gern, nicht alles, aber vieles, und ich habe während der Coronazeit eine sehr interessante Entwicklung bei ihm bemerkt, die ich absolut nicht verlogen, sondern höchst ehrlich finde. Kaiser wusste nämlich keineswegs von Anfang an, was gespielt wird, und hat sich durch das Jahr 2020 hindurch zum substantiellen gesundheitspolitischen Kritiker entwickelt. Diese Entwicklung hat er sehr transparent gemacht, genau wie den Umgang mit seiner Krebsdiagnose. Und: In Gesprächen wie denen mit Raymond Unger hat er sich durchaus an genuin rechte Themen gewagt - Respekt!

wolfdieter

24. Juni 2022 11:07

Nach einigem Zögern mein Senf zum Thema.

Als Nicht-Philosoph hab ich Kaisers Auslassungen zu Philosophie immer übersprungen. Von Herzen erfreut hat mich seine Metzelei an Vertretern des Kanals FUNK, speziell Moritz Neumeier. Länger her. Denn ganz tief drinnen bin ich böse.

@Carsten Lucke –

in jeder Hinsicht unerträglicher Typ

– da brach was raus, nicht wahr? Gunnar Kaiser „gibt den Goethe“?

Imagine

24. Juni 2022 12:38

1/2

Gunnar Kaiser war bis zum Corona-Szenario ein Intellektueller in der Mitte der Gesellschaft. Er war beamteter Gymnasiallehrer, er publizierte in namhaften Zeitungen (NZZ, Welt, Schweizer Monat, Berliner Zeitung, Jüdische Allgemeine, taz, Rheinischer Merkur, junge Welt u. a.) und betrieb aus aufklärerischem Bildungsoptimismus einen Philosophie-Blog. . Letzteres – so meine Vermutung - aus Frust über die Schulsituation und die vielen bildungsdesinteressierten Schüler. Dieser Blog war er so etwas wie eine „private Volkshochschule“ für an Bildung und Kultur begeisterte Menschen.

Im Mai 2021 gab Gunnar Kaiser bekannt, nicht mehr als beamteter Lehrer zu arbeiten: „Ich schmeiße hin. D.h. keine Schule mehr, kein Beamtentum mehr.“

Seitdem ist er hauptberuflich Internet-Blogger mit eigenem Unternehmen (Kaiser-TV) und einem typischen Format, in dem er Interviews mit bekannten – meist oppositionellen oder alternativ orientierten – Persönlichkeiten führt.

Kaiser ist – so könnte man sagen – ein Teil der „neuen Internet-APO“, wo er zu den „ganz Großen“ gehört.

Imagine

24. Juni 2022 12:40

2/2

Das Interessante an dieser neuen Internet-APO ist, dass deren Informations- und Kommunikationsverhalten die Milieu- und Organisationsgrenzen des „Real Live“ überschreitet. Z. B. informieren sich „neue Rechte“ bei „Linken“, wie NDS, Rubikon, Multipolar, KenFM/Apolut etc.

Übers Internet entstehen neue politische Milieus übergreifenden Aktionsformen (z.B. Demos, Spaziergänge), aber insgesamt ist die heutige APO – anders als die APO gegen die Notstandsgesetze – zersplittert und segmentiert in traditionelle politische Milieus und Organisationen und erreicht deshalb – anders als Kaiser – nicht oder nur begrenzt die gesellschaftliche Mitte. Kaiser wird zwar von der herrschenden Polit- und Medienmafia  bekämpft, aber diese kann ihn (bislang) nicht politisch-kulturell zu einem Paria machen, sondern er hat Reichweite „in die Mitte“.

 

Laurenz

24. Juni 2022 13:13

@Imagine

Sie schreiben etwas wirr. Kaiser hat knapp 62k Abos, das ist schon ganz gut, aber die Mitte der Gesellschaft ist damit nicht erreicht, vielleicht eine Dolomitenspitze der Mitte.

ML: Er hat doch geschrieben, dass Kaiser FRÜHER in der "Mitte der Gesellschaft" stand und im Mainstream fleißig publiziert hat.

Kaiser berichtet zB über den SEK Einsatz gegen Paul Brandenburg, das übliche. Kellner hatte 4 Hausdurchsuchungen, 2 davon mit SEK. Das deutet doch eher daraufhin, wenn sieht das Polit-System als Bedrohung an oder nicht. Kaiser scheint bisher keine zu sein.

Hier ein relativ neues Video aus dem Mai mit Guérot & Burchardt über europäische Republik oder Nationalstaat. Die 1. Minute war hier vielversprechender als sonst, weil Kaiser diszipliniert blieb & selbst nicht so viel belangloses Zeug quatscht, einfach ganz gut moderiert. https://youtu.be/fl7KFGpN4DY

Das werde ich mir mal an einem Abend reinziehen. Hier wurde mir auch sofort klar, worin die Wirkung Guérots liegt. Obwohl keine Schönheit im eigentlichen Sinne, wirkt sie auf Männer, sie hat ein Schild auf der Stirn.

frdnkndr

24. Juni 2022 19:09

Ich empfinde Kaiser gegenüber ebenfalls eine intuitive Abneigung, irgendetwas schwingt da mit, stimmt nicht, wirkt falsch.

Das Betrachten eines seiner letzten Videos, im ersten Kommentar des Stranges hier verlinkt, musste ich nach wenigen Minuten abbrechen - es ging einfach nicht, mir dieses 'Geseiere' komplett anzutun, trotz dass ich es mir vornahm.

Meine Erfahrung besagt, dass ich bei derartigem Bauchgefühl lieber einen Schritt Abstand nehme, auch wenn ich es nicht ad hoc konkret begründen kann und zu einer näheren Auseinandersetzung keine Notwendigkeit besteht.

 Umso interessierter wäre auch ich, ein paar Beweggründe für Carsten Luckes Abneigung zu erfahren - es muss ja nicht gleich ausarten.

Imagine

24. Juni 2022 21:10

1/2

@ML:
„Der Liberale Kaiser landet am Ende genau dort, wo wir Rechten zu einem großen Teil schon gelandet sind: Das System ist nicht mehr reformierbar, es bedarf des Ausstiegs und der Vernetzung der Aussteiger, der Abkehr, der Sezession, idealerweise der Gründung neuer Gemeinschaften oder „Parallelgesellschaften“, die sich dem Zugriff des Massenwahns und der kommenden technokratischen Dystopie entziehen.“

Da waren bereits die revolutionären 68-er ums Jahr 1970 gelandet. Die einen gingen in polit-religiösen K-Gruppen, die anderen in ein Alternativmilieu und wollten dort alternative Kommunen und/oder Geschäftsmodelle entwickeln. Mitte der 70er Jahre haben sich dann die K-Gruppen aufgelöst. Die meisten Menschen hatten damals von Politik genug und traten einen Rückzug ins Private an.

Die alternativen Geschäftsmodelle waren, sofern sie nicht kaputtgingen, nach einiger Zeit nicht mehr von den normalen kapitalistischen zu unterscheiden, so wie die grüne Alternativpartei sich mit der Machtübernahme der Realos immer weniger in ihrer politischen Praxis von den etablierten Parteien unterschied. Das wurde jedoch von den Grünen verleugnet, was zu schizophrenieähnlichen Formen von Identitätsstörungen in diesem Milieu führte, die sich im Laufe der Jahre noch verschlimmerten, wie zu beobachten ist.

Imagine

24. Juni 2022 21:21

2/2

Das Problem bei Gunnar Kaisers Ausstieg aus seinem Beruf als beamteter Lehrer ist m.E., dass er mit seinem neuen Geschäftsmodell marktabhängig von den Bedürfnissen und Interessen seiner Konsumenten geworden ist.

Man merkt dies bei seinen Interviewpartnern, die doch zu einem erheblichen Teil aus konfusen, irrationalen, esoterischen, realitätsfernen Menschen bestehen, wie sie eben im Internet massenhaft vorhanden sind, so auch viele der „Influenzer“ und „Opinion Leader“ mit einer großem Zahl von Followern. Letztere suchen eine Bestätigung für ihre subjektiven Realitätskonstrukte suchen, darin vergleichbar mit BILD-Zeitungslesern und Junk-TV-Konsumenten.

Im Grunde sind viele der derartigen Interviewpartner für einen kritischen und wissenschaftlich gebildeten Menschen inakzeptabel. Daher habe ich eine Reihe von Kaisers Video-Interviews gleich nach Beginn weggeklickt.

Auf der anderen Seite fehlen bei Kaiser wichtige Interviewpartner, die neue Perspektiven hineinbringen könnten. Das System ist nicht (mehr) reformierbar, aber es wird sich verändern. Wir befinden uns im einem tsunamiartigen Übergangsprozess zu einer neuen historischen Formation, vergleichbar mit dem Übergang der feudalen Gesellschaften mit ihrer statischen Ökonomie in die liberalen marktförmigen Industriegesellschaften mit ihrer dynamischen Wachstumsökonomie.

 

Umlautkombinat

24. Juni 2022 21:32

"wirkt sie auf Männer, sie hat ein Schild auf der Stirn."

Welches Schild, vielleicht fehlte ja die Beschriftung und es blieb nur ein Brett...

Ehrlich, bleiben Sie lieber vorsichtig mit Verallgemeinerungen des Geschmacks. Fuer mich ist das ein voelliger Abtoerner, schon die Koerpersprache, das Gefuchtel mit den Haenden. Ich bin wichtig, ich bin intellektuell...

Keine Misogynie, haargenau denselben Typ gibt es auch in maennlich.

Simplicius Teutsch

25. Juni 2022 12:04

Eigentlich, sehr geehrter Herr Lichtmesz,

sollten Sie für einen impulsiven Stinkstiefel-Kommentar, wie dem obigen von C.L., die Kommentarspalten nicht aufmachen. Es ist Luftverpestung im eigenen Schützengraben.

ML: Ich hätte gerne die Gründe für dieses abschätzige Urteil gehört...

Ich habe lange gezögert, aber es hat mich ersichtlich dazu provoziert, Gunnar Kaiser hiermit beizuspringen.

Ich bin kein kritikloser Fan oder Dauer-Rezipient seiner Veröffentlichungen, ich schaue und höre Gunnar Kaiser ab und zu auf Youtube, aber der Artikel von Lichtmesz zeichnet ein Bild, das meinen eigenen, bruchstückhaften Eindrücken von G. K. entspricht:

"Kaiser gehört zu jener ehrenhaften, aussterbenden Sorte von „klassischen“ Liberalen oder Libertären, die es ernst meinen mit Meinungsfreiheit, gewissenhafter Wahrheitsfindung und individueller Selbstverantwortung."

 

Carsten Lucke

25. Juni 2022 14:22

Simplicius Teutsch

Wenn Sie jemals - wenn auch nur unter Manöverbedingungen - im Winter ein Stück Schützengraben unter Vollschutz mit dem Klappspaten ausheben und dort einen Tag verbringen durften, lasse ich Ihre Metapher gelten.

Ansonsten : Gehen Sie im Vorgarten auf die Pirsch !

Simplicius Teutsch

25. Juni 2022 20:25

@ Carsten Lucke

Was soll ich sagen? Ich will hier nicht eskalieren. Aber Ihr erster Kommentar gegen Gunnar Kaiser ist eine bodenlose Gehässigkeit, wenn Sie nicht eine Begründung liefern können.

Und da werden Sie mir ja nicht widersprechen, denn Sie schrieben selbst: „Hoffe, daß dies als Haß-Mail durchgeht !“

Etwas Ähnliches habe ich in abgewandelter Form vor einigen Tagen in einer Gruppe von fünfzig Leuten bei einer gemeinsamen Unternehmung erleben müssen. – Es war peinlich für alle anderen. Man zog allgemein das Schweigen vor.

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