Kritik der Woche (31): Der Aufmarsch

von Jörg Seidel -- Jörg Kronauers Der Aufmarsch gehört in dieser Buchsaison zu den wichtigen Veröffentlichungen der linken Verlagwelt.

 Gastbeitrag

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Der lin­ke Papy­Ros­sa-Ver­lag steht in der Pahl-Rugen­stein-Tra­di­ti­on. Er zählt zu den inter­es­san­te­ren die­ses Seg­ments und deckt vor allem gesell­schafts­theo­re­ti­sche Fel­der ab.  In Jörg Kro­nau­ers Der Auf­marsch gibt der Autor – der auch für die „Jun­ge Welt“, „Jung­le World“ oder das DKP-Blatt schreibt – einen kom­pri­mier­ten und fak­ten­sat­ten Über­blick über die His­to­rie, die poli­ti­schen, öko­no­mi­schen, mili­tä­ri­schen und stra­te­gi­schen Hin­ter­grün­de der bei­den glo­ba­len Grund­kon­flik­te unse­rer Epoche.

Der ers­te Teil, der den Gegen­satz zwi­schen den USA und Ruß­land oder im wei­te­ren Sin­ne den zwi­schen dem Wes­ten und Ruß­land the­ma­ti­siert, erlangt nicht nur durch sei­ne Aktua­li­tät Bri­sanz, er kann sich auch auf lang­jäh­ri­ge Vor­stu­di­en beru­fen, die Kro­nau­er in frü­he­ren Büchern ver­öf­fent­lich­te (Ukrai­ne über alles 2014, Meinst Du, die Rus­sen wol­len Krieg? 2018). Die Fra­ge nach dem Krieg hat­te Kro­nau­er sei­ner­zeit natür­lich ver­neint, nun stellt die Ant­wort ihn vor Probleme.

Es gelingt ihm jedoch anhand von unge­zähl­ten Details die tie­fe­ren Ursa­chen des Krie­ges und damit auch die NATO-Mit­ver­ant­wor­tung wesen­haft sicht­bar zu machen. Fein säu­ber­lich geteilt in poli­ti­sche und wirt­schaft­li­che Aggres­sio­nen einer­seits und in mili­tä­ri­sche ande­rer­seits, vor dem Hin­ter­grund viel­fa­cher vom Wes­ten tor­pe­dier­ter Annä­he­rungs­ver­su­che Ruß­lands, wird in der immensen Viel­falt an Aspek­ten, die das Ein­zel­er­eig­nis rela­ti­vie­ren und ein­ord­nen, den­noch eine rote Linie erkenn­bar, die auf Kon­fron­ta­ti­on zuläuft. Sicht­bar wird die gan­ze Wucht der jahr­zehn­te­lan­gen mili­tä­risch-stra­te­gi­schen Ein­krei­sung Ruß­lands, aber auch die Frag­wür­dig­keit bis­he­ri­ger Poli­tik der Sank­tio­nen und der inne­ren Ein­mi­schung. Kro­nau­ers Ana­ly­se reicht bis ins Früh­jahr 2022 hin­ein, wenn er etwa den Aus­schluß Ruß­lands aus dem SWIFT the­ma­ti­siert, womit sich der Wes­ten womög­lich sein eige­nes Grab gegra­ben habe.

Denn hier kommt der zwei­te Big Play­er ins Spiel: Chi­na. Soll­ten Ruß­land und Chi­na durch die west­li­chen Aggres­sio­nen in die stra­te­gi­sche Part­ner­schaft getrie­ben wer­den – etwa durch ein inter­nes Ban­ken­kom­mu­ni­ka­ti­ons­netz – dann könn­te der Wes­ten bald in der Mar­gi­na­li­tät enden. Folg­lich sei es Ziel der US-Poli­tik, nicht nur einen Keil zwi­schen Euro­pa (Deutsch­land) und Ruß­land, son­dern auch zwi­schen Chi­na und Ruß­land zu trei­ben. Die bis­he­ri­gen Mit­tel erwie­sen sich frei­lich meist als kon­tra­pro­duk­tiv. Bei­de Gigan­ten kom­men auch aus ver­schie­de­nen his­to­ri­schen Strö­men: Wäh­rend Ruß­land ins 20. Jahr­hun­dert zurück­strebt und die alten Posi­tio­nen ver­tei­digt, will Chi­na aus dem 20. Jahr­hun­dert her­aus eine Zukunfts­macht werden.

Das Kon­glo­me­rat aus „Wirt­schafts­krieg, Sank­tio­nen und Pro­pa­gan­da“ – Kro­nau­er drö­selt es akri­bisch auf –, der Umgang mit Hong­kong oder der Uigu­ren-Fra­ge, der Kul­tur­kampf, die neu­en Bünd­nis­se etwa im „Indo-Pazi­fik“ usw. haben bis­her wenig Erfolg gezei­tigt. Ergo wird die mili­tä­ri­sche Kon­fron­ta­ti­on vor­an­ge­trie­ben, krie­ge­ri­sche Sze­na­ri­en – etwa um Tai­wan oder die Chi­na vor­ge­la­ger­ten Insel­grup­pen – wer­den immer wahr­schein­li­cher, und ein sieg­rei­cher Aus­gang für den Wes­ten rückt mit der wei­te­ren Stär­kung Chi­nas in grö­ße­re Fer­ne. Geo­stra­te­gi­sche Über­le­gun­gen machen so man­ches poli­ti­sche Ereig­nis verstehbar.

In einem drit­ten Teil geht es um die prak­ti­sche Fra­ge eines kom­men­den Krie­ges zwi­schen den Groß­mäch­ten, der unaus­weich­lich scheint. Die west­li­che Repres­si­ons­po­li­tik zwingt die bei­den öst­li­chen Mäch­te trotz zahl­rei­cher inter­ner Zwis­te und Dif­fe­ren­zen immer wei­ter zusam­men. Schon kann man die USA dabei beob­ach­ten, die eige­ne Mili­tär­stra­te­gie zur Dis­kus­si­on zu stel­len. Im Nach­hin­ein könn­te sich die Ost­po­li­tik des Wes­tens als kolos­sa­ler Feh­ler her­aus­stel­len. Kro­nau­er sam­melt in sei­nem Buch wie in einem Kom­pen­di­um die Tat­sa­chen und die Fak­ten, nur sehr sel­ten greift er inter­pre­tie­rend oder welt­an­schau­lich lei­tend ein, so daß sich das Buch bes­tens als umfas­sen­de Infor­ma­ti­ons­quel­le eig­net, gera­de statt­fin­den­de und kom­men­de Kon­flik­te, Krie­ge und Kata­stro­phen zu verstehen.

– – –

Jörg Kro­nau­er: Der Auf­marsch – Vor­ge­schich­te zum Krieg. Ruß­land, Chi­na und der Wes­ten. Köln: Papy­Ros­sa 2022. 207 S., 14,90 € – hier bestel­len.

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Kommentare (24)

Nordlicht

30. Juni 2022 12:52

Interessant ist doch, dass die "Klimakatastrophe", wegen der in D und anderen klimawoken Ländern die Kohle-Kraftwerke UNBEDINGT sofot abeschaltet werden müssen, nur noch ein paar verirrte Jugendliche Bewegt, während für die Erwachsenen der Abstieg Russlands in die 3. Liga prioritär ist, wozu dann auch mehr Kohe verbrannt werden darf.

Der Link von Geopolitik zu Energiepolitik (- vulgo Klima"rettung") fehlt nach meiner Kenntnis bei dem rezensierten Buch.

Russland ist wegen seiner Erdgas- und Erdölexporte nach 1991 wirtschaftlich hoch gekommen; das Pro-Kopf-BIP ist dreimal so hoch wie das der Ukraine - obwohl seit 2014 die USA dort wie wild investieren. Aus Letzterem folgt, dass Korruption, Unfähigkeit und Clandenken dort extremer sind als in RUS. 

Der Gehenkte

30. Juni 2022 13:17

@ Umlautkombinat

Steht mehr oder weniger (ausgearbeitet) alles drin.

Niekisch

30. Juni 2022 13:17

An Martin Sellners letzten Artikel anknüpfend stellt sich die Frage, ob wir sehenden Auges wieder Opfer fremder Interessen werden wollen und in einem Dritten Weltkrieg zu Staub werden oder ob wir schnellstmöglich eine "Deutsche Friedensbewegung" initiieren. Die Begriffe "rechts" und "links" werden dabei bedeutungslos und wir können endlich zu einer echten Avantgarde für Souveränität, Identität und Sozialität werden.

Laurenz

30. Juni 2022 13:44

Rußland & China waren einst Erbfeinde. Der Westen sorgte selbst für die Synergien, die eine strategische Partnerschaft mehr oder weniger erzwangen & weiter erzwingen. Trump, der als erster us amerikanischer Politiker die Notwendigkeit erkannte, China da zu schlagen, wo es weh tut, durch Rückholung der Produktionsmittel, wurde abgewählt & die Demokraten haben niemanden, der in der Lage wäre, Trump zu ersetzen. Noch schlimmer, zu einem Zeitpunkt, wo der ökonomische Konflikt mit China hätte in den Fokus gerückt werden müssen, schwächt sich der Westen selbst mit einer durch eine lange Kette von außenpolitischen Mißerfolgen enttäuschten, wie größenwahnsinnigen US-Politik im Ukraine-Konflikt. Das nehmen jetzt die großen Schwellenstaaten zum Anlaß, sich auf die multipolare Seite zu schlagen & sich endgültig vom US-Diktat zu befreien. Gerade die Latein- & Südamerikaner, welche seit den Siegen Cochranes über die Spanier unter der anglo-amerikanischen Fuchtel standen, sehen ihre Zeit gekommen. ZB Argentinien hat die Aufnahme in die BRICS+-Staaten beantragt.

Imagine

30. Juni 2022 13:54

1/2

@Umlautkombinat   30. Juni 2022 12:16
„Ich sehe in dem Zusammenhang auch nicht den Zwang, sich verengend auf "Krieg und Katastrophen" fokussieren zu muessen. Es mag auch 'nur' ein Kollabieren des Westens als Ganzes in primitivere gesplittete Strukturen in Unbedeutendheit hinein stattfinden (noch einmal dieses Buch erwaehnt).“

Ob es durch die Kriegseskalation durch Waffenlieferungen, Logistik, militärische Nachrichtengewinnung und Aufklärung etc. zu einer Ausweitung des bislang regional begrenzten Ukraine-Kriegs auf Europa kommt, wissen wir nicht. Aber die Kriegseskalation erhöht dieses Risiko.

Der Begriff der „Katastrophe“ ist je nach Betroffenheit relativ. Meist gibt es in solchen Zeiten Gewinner und Verlierer.

Für viele Deutsche war der Hitler-Faschismus keine Katastrophe, sondern das Gegenteil.

Eine Schweizerin, die zur Zeit des Pinochet-Putsches in Chile lebte, erzählte mir, dass das Leben dort gut und normal gewesen sei. Dass es dort massenhaft Mord und Folter gab, hatte sie gar nicht interessiert, es betraf auch nicht ihre Lebenswelt.

Ebenso eine Schulfreundin, die aus einem liberalen Elternhaus stammt und inzwischen STERN-Journalistin geworden war, meinte bei einem Treffen im Herbst 1973 zu Chile: „Aber es sind doch nur Kommunisten betroffen …“

Die meisten in der CDU/CSU sympathisierten mit dem Pinochet-Regime, Margaret Thatcher war sogar eine gute Freundin von Pinochet.

Imagine

30. Juni 2022 13:56

2/2

Wenn ich von einer Zivilisationskatastrophe spreche, dann aus der Perspektive reflexiver Distanz und auf Basis eines christlich-humanistischen Menschen- und Gesellschaftsbildes.

Selbstverständlich weiß ich, dass sich unsere Gesellschaft vom Humanismus und der Solidarität  der Nachkriegszeit verabschiedet hat.

Schon in den 70-er Jahren wies Horst-Eberhard Richter auf die zunehmende Tendenz zur Entwicklung einer Ellenbogen-Gesellschaft hin.

Inzwischen ist der Sozialdarwinismus Normalität. Kein Manager schläft heute schlecht, wenn er Massenentlassungen oder Betriebsverlagerungen zur Gewinnoptimierung vornimmt. Und die negativen Folgen der Corona- und Sanktionspolitik für die betroffenen Teile der Bevölkerung rufen keine Gewissensqualen beim politischen Establishment hervor.

Allnichts

30. Juni 2022 14:13

Ich fasse zusammen: Angreifer ist immer die USA, ist immer der Westen, Russland verteidigt sich nur, selbst wenn es angreift. Diese Sichtweise scheint sich nicht nur durch das Buch zu ziehen, sie zieht sich auf jeden Fall durch alle Artikel von Jörg Kronauer, die ich auf all den anti-deutschen Seiten gelesen habe, die sie veröffentlichen, sie zieht sich allgemein durch kommunistische und andere klassisch linke Kreise und sie zieht sich ebenso durch weite Teile der Neuen Rechten.

Die Querfront wird endlich Realität, das Bemühen Russlands, die oppositionellen Kräfte in Deutschland, in Europa für eigene Interessen einzuspannen, trägt Früchte.

RMH

30. Juni 2022 14:24

"ob wir sehenden Auges wieder Opfer fremder Interessen werden wollen"

Sind wir bereits ununterbrochen seit spätestens 1918 - Unser Wollen, selbst wenn es endlich einmal halbwegs einheitlich wäre (was nie passieren wird - die deutsche Passion ), interessiert es keinen.

"Dritten Weltkrieg zu Staub werden"

Wenn es so kommt, dann kommt es so, Karma - wir wären dann nicht die einzigen.

"schnellstmöglich eine "Deutsche Friedensbewegung" initiieren."

die gibt es bereits, hat aber kein echtes Interesse und im Übrigen gilt das obige - der Wille zählt nicht. Jetzt "Nazis für den Frieden" oder wie auch immer man es bezeichnen mag zu initiieren, wäre leicht absurd. Die alte rechte hat schon lange fertig und die neue muss sich erst mal wieder sortieren, was bekanntermaßen bereits seit etlichen Jahren andauert und auf absehbare Zeit nicht abgeschlossen sein wird. Zu viele Sonnen und zu wenige Planeten.

Ergo: Augen zu und durch. Gesunder Fatalismus.

Umlautkombinat

30. Juni 2022 14:54

"Der Begriff der „Katastrophe“ ist je nach Betroffenheit relativ. Meist gibt es in solchen Zeiten Gewinner und Verlierer."

Das gilt fuer Aenderungen generell oft. Trotzdem jede Katastrophe eine Aenderung ist, gilt das Umgekehrte nicht. Und die Art der Aenderung ist halt offen. Diese zu Antizipieren ist die Moeglichkeit, die menschlichem Denken gegeben ist. Keine Erfolgsgarantie, aber ohne den Versuch sinken die Chancen nur. Deswegen sollte man es benutzen ohne sich durch ausschliesslich fatalistische Auspraegungen einengen zu lassen.

Mitleser2

30. Juni 2022 16:08

@Allnichts: "Die Querfront wird endlich Realität, das Bemühen Russlands, die oppositionellen Kräfte in Deutschland, in Europa für eigene Interessen einzuspannen, trägt Früchte."

Natürlich ist nichts nur schwarz-weiß, aber sehen Sie Ihre Interessen durch das Biden-Amerika besser vertreten? Die kaum sichtbaren Kreise hinter Biden (die die Sache im Hintergrund tatsächlich bestimmen) haben jedenfalls auch nicht die Interessen Deutschlands im Sinn, siehe North Stream 2. Äquidistanz wäre gefragt.

deutscheridentitaerer

30. Juni 2022 17:28

@Allnichts

 

Die Querfront wird endlich Realität, das Bemühen Russlands, die oppositionellen Kräfte in Deutschland, in Europa für eigene Interessen einzuspannen, trägt Früchte.

 

Wenn dem so sein sollte, wird das seine Gründe haben. Und vermutlich ist der Grund nicht die ungeschickte Propaganda Russlands via RT oder ähnlichem, die den Eliten lustigerweise seit einiger Zeit als Erklärungdafür herhalten muss, dass sich das Volk punktuell unbotmäßig zeigt.

 

heinrichbrueck

30. Juni 2022 18:56

Die Globalisten (Deep State) wollen die Pleite der USA (Pax Americana). Rußland ist das vorübergehend akzeptierte Werkzeug der Globalisten, USA und Europa zu zerstören, bevor Rußland an die Reihe kommt. Welchen Deal hat Putin gemacht? Ich kann keine langfristige russische Argumentation erkennen, antiglobalistisch orientiert, schließlich haben die Globalisten russische Ressourcen vom Westen abgetrennt.
China wird seit Jahrzehnten aufgebaut. Der Westen erlebt Umvolkung, Lockdown, Sanktionen. Fehlende Souveränität hat einen Grund: Landeselite und Geopolitik (Kindergartenpolitik). 
Sich Wartezeiten gönnen zu können, nicht zum eigenen Schaden arbeiten zu müssen, ist ein Vorteil, wenn die Voraussetzungen der eigenen Werteordnung nicht der propagierten Gleichheitsmaschinerie zum Opfer fallen. Fehlen die kollektiven Stärken, ist die Steuerung in fremder (feindlicher) Hand. Die Globalisten steuern die Scheinrealität, wie solche Bücher (Erzeugnisse) meistens beweisen. 

Volksdeutscher

30. Juni 2022 20:01

@Niekisch - "Die Begriffe "rechts" und "links" werden dabei bedeutungslos und wir können endlich zu einer echten Avantgarde für Souveränität, Identität und Sozialität werden."

Und am Ende dieser Vereinfachung steht der Liberalismus mit seiner unhinterfragbaren totalitären Mitte. Sehe ich das richtig? Warum sollte diese Alternativlosigkeit von Vorteil sein und für wen und wie lange?

Niekisch

30. Juni 2022 20:06

@ RMH 30.6. 14:24: ...und das am Tage der "Bartholomäusnacht" ..si tacuisses...

Nordlicht

1. Juli 2022 00:22

@Allnichts: Ich habe gerade heute das Buch erhalten und durchgeblättert.

Was Sie unterstellen, davon schreibt der Autor Kronauer kein Wort. Versuchen Sie doch Mal, eine Rezension erst dann zu schreiben, wenn Sie das Buch zumindest aufgeschlagen haben.

 

Niekisch

1. Juli 2022 10:48

"Und am Ende dieser Vereinfachung steht der Liberalismus mit seiner unhinterfragbaren totalitären Mitte."

@ Vorlksdeutscher 30.6. 20:01: Gerade Sie müßten verstenen, was ich meine. Liberalismus? Ausgerechnet dieses Einfallstor fast allen Übels?

Dietrichs Bern

1. Juli 2022 10:53

Mir sind diese Analysen immer zu einseitig sympathiegeladen und warum jemand, der den russischen Angriff ausgeschlossen hat, jetzt glaubwürdiger daherkommen soll, verstehe ich nicht - hat wohl auch etwas mit Sympathien zu tun.

Als bescheidener Hansel aus einfachen Verhältnissen habe ich wohl am Ehesten in Deutschland die Chance auf Frieden und erheblichen Wohlstand gehabt und nicht in Russland, China oder den USA, die aber immerhin lange Zeit dafür gesorgt haben, dass ich nicht mit Hammer und Zirkel herumlaufen musste, das das auch den eigenen Interessen gedient hat, was soll es.

Bei all den fein ziselierten Analysen fehlt mir, dass alle Blöcke - auch China-in der Krise sind und das das herrschende Chaos für mich nicht nach der strategischen Planung der auf diesen Seiten so geradezu verehrten finsteren Dunkelmänner im Hintergrund passt.

 

Umlautkombinat

1. Juli 2022 11:32

"Die Globalisten steuern die Scheinrealität, wie solche Bücher (Erzeugnisse) meistens beweisen."

Wenn ein Buch erscheint, ist dieser Fakt fuer sich allein also eigentlich schon Beweis der Systemvertraeglichkeit des Inhalts.

Kann man so sehen - ich praeferiere fuer Aktuelles auch eher andere Quellen - aber man sollte m.E. das Kind nicht mit dem Bad ausschuetten. Letztlich kann Wertung nur am Inhalt erfolgen.

 

Laurenz

1. Juli 2022 11:45

@Heinrichbrück

Die Globalisten (Deep State) wollen die Pleite der USA (Pax Americana). Rußland ist das vorübergehend akzeptierte Werkzeug der Globalisten, USA und Europa zu zerstören, bevor Rußland an die Reihe kommt. Welchen Deal hat Putin gemacht? 

Der Haken an Ihrem Beitrag oder besser Ihren Beiträgen ist, ähnlich den diesbezüglichen Beiträgen meines Freundes @Franz Bettinger ist Ihr religiöser Ansatz. Sie sind ein Anhänger der Deep-State-Religion. Damit relativieren Sie den tatsächlichen Deep State. Egal was Putin oder besser die Russen tun oder nicht tun, immer steckt der Deep State dahinter. Bei Ihnen ist immer alles Scheiße, Hauptsache Ihre religiöser Ansatz bleibt, irgendwie an den Haaren herbeigezogen, begründet.

Bei den aktuellen politischen & ökonomischen Verwerfungen, die wir sehen, sind die Vermögen Ihrer Great-Resetter viel zu klein, um noch irgendwie groß Einfluß nehmen zu können. Aber mit den abstrakten Zahlen von Staats-Finanzen haben sich rechte Foristen selten beschäftigt. Vielleicht holen Sie, Heinrichbrück, das mal nach, was uns Ihre Schauergeschichten ersparen würde.

Allnichts

1. Juli 2022 11:47

1/2

Mitleser2:

Ich fühle mich weder durch Amerika noch durch Russland vertreten. Müsste ich eines von beiden nur anhand der verwirklichten und beabsichtigten Grundwerte, der Weltanschauung, auswählen, so fiele die Wahl sicherlich auf Russland, wie wohl bei jedem, der sich in irgendeiner Weise rechts verortet.

Das hilft am Ende aber auch nichts und ist sehr theoretisch, weil 1. die weltanschaulichen, politischen Vorstellungen an entscheidenden Stellen offensichtlich doch zu unterschiedlich sind und 2. Russland faktisch feindlich handelt, was sich nicht nur an dem Angriffskrieg gegen die Ukraine zeigt, sondern auch an dem Vorgehen Putins gegen Nationalisten im Allgemeinen. Jene in der Ukraine, die ich als wirkliche Verbündete sehe, sind für Putin Kriegsgrund, er lässt sie töten. Im Westen wird man wenigstens nur weggesperrt.

"Äquidistanz" schön und gut, "Es ist nicht unser Krieg" schön und gut, aber in gewisser Weise auch unrealistisch. Schon geographisch liegt die Ukraine nicht weit entfernt, aber auch politisch kann dieser Krieg nicht auf die unmittelbare Region beschränkt behandelt werden, dafür sind die Zusammenhänge und Folgen zu weitreichend und zu komplex. Sich einfach rauszuhalten, würde bedeuten, ein europäisches Land, ein europäisches Volk dem russischen Imperialismus zu opfern.

Allnichts

1. Juli 2022 11:51

2/2

Und es ist bezeichnend, dass die Rechte, die seit Jahrzehnten vom Selbstbestimmungsrecht der Völker faselt, sich nicht eindeutig auf die Seite des angegriffenen Volkes stellen kann, nur weil ihr der Angreifer ideologisch mehr oder weniger nahesteht.

deutscheridentitaerer:

Es ist ein Anti-Westen-Bündnis, das wie viele andere Anti-Bündnisse auch übersieht, dass der Feind des Feindes nicht unbedingt Freund sein muss. Ein Friedensbündnis ist es jedenfalls nicht, sonst würde als erstes der komplette Rückzug Russlands aus der Ukraine gefordert und nicht bspw. die Einstellung der Waffenlieferungen.

Gerechterweise muss gesagt werden, dass es natürlich eine ganze Bandbreite von Stellungnahmen gibt, ich bezog mich auf eine bestimmte, weit verbreitete Bewegung.

Nordlicht:

Ich habe auf Grundlage des Textes von Jörg Seidel eine Vermutung über das Buch geäussert, welche auch deutlich als solche und nicht als Rezension zu erkennen ist.

Maiordomus

1. Juli 2022 11:55

@Umlautkombinat. Was Sie schreiben, dass das Erscheinen eines Buches schon Beweis für die Systemverträglichkeit sei, stimmte selbst im 16. und 17. Jahrhundert nur mit Einschränkungen. Selbst noch unter den Verhältnissen des Nationalsozialismus und des Kommunismus gab es erstaunlich mutige und eigenständige, nicht systemkonforme Bücher, wobei freilich China diesbezüglich eher strenger war als Hitlerdeutschland, so nach meiner Erfahrung noch vor 12 Jahren, bin nicht sicher, ob es seither gebessert hat. Bei Aussenseiterverlagen und auf eigene Kosten können sie auch heute noch fast jeden erwünschten oder unerwünschten Stuss und praktisch jede sektiererische Meinung drucken, schon weil die grosse Mehrheit der heute gedruckten Bücher von sehr wenigen und oft praktisch von niemandem beachtet wird. Soeben liess ein entfernter Kollege von mir in der Auflage von 200 Stück ein Buch über die Philosophie von Oswald Spengler drucken mit zum Teil sogar sehr plumpen politisch nicht korrekten Formulierungen. Danach kräht buchstäblich kein Hahn. Und selbst für den vieldiskutierten Uwe gilt, dass man sich nur äussert über was man vom Hörensagen zum Buch vernommen hat, z.B. das Weltwoche-Interview der vorletzten Nummer. Köppel hatte unmöglich die Zeit, das Buch zu lesen oder gar zu analysieren.  

Umlautkombinat

1. Juli 2022 13:41

"Was Sie schreiben, dass das Erscheinen eines Buches schon Beweis für die Systemverträglichkeit sei, stimmte selbst im 16. und 17. Jahrhundert nur mit Einschränkungen."

Da das in Ihrer Entgegnung nicht ganz klar wird - Sie haben hoffentlich schon den ironischen Zweck meiner Zuspitzung gesehen? Es war nur eine Reaktion, weil ich einen solchen Standpunkt als selbstlimitierend ansehe. Instrumentalisierungen gibt es natuerlich trotzdem immer wieder.

Und was das "selbst im  16. Jahrhundert..." betrifft denke ich fast, dass das auf Ebene der Wirksamkeit betrachtet gegenueber heute eine regelrecht paradiesische Zeit war. Die Techniken sind viel subtiler aber andererseits deutlich durchgehender in ihrem Fragmentierungs- und Verunsicherungsvermoegen des Denkens der durch sie adressierten Einzelperson oder gesellschaftlichen Gruppen. Eine klassische Inquisition ist dahingehend ein Muster an Klarheit. Da weiss man schnell, wo man steht.

 

Laurenz

1. Juli 2022 14:25

@Allnichts

So wirklich habe ich nichts gegen Ihren Doppel-Beitrag einzuwenden. Aber etwas mehr historischer Bezug würde auch Ihnen guttun. Wenn sich Rußland mit der Ukraine im Krieg befindet, ist das in etwa so, also ob Bayern in Thüringen einmarschiert. Was die Aggression Polens gegen Rußland angeht, so ist es Polen, was gegen Rußland (& natürlich Deutschland)  Rechnungen offen gelassen hat. Wenn man so will, hat Weißrußland noch mit Polen Hühner zu rupfen.

Daß sich Rußland, was Identitäten angeht, in einem inneren Widerspruch befindet, weiß jeder interessierte Konservative. Ebenso weiß man dann auch, daß man den Russen das Trauma einer sinnlosen sowjetischen Existenz nur in vielen Jahrzehnten lindern kann. Gagarin, der Sport & der Große Vaterländische Krieg sind die einzigen Identitätsmerkmale des heutigen Rußlands bezüglich der Sowjetunion, ähnlich bei uns, die wir uns nur über Schuld-Kult & Holocaust definieren können.

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