Faktenlage (16): vor dem heißen Herbst

Die Lage wird dynamisch. Schauen wir auf die politischen Trends und Stimmungsbilder vor dem möglichen heißen Herbst.

Daniel Fiß

Daniel Fiß ist freier Publizist.

Poli­tisch gespannt blickt das gesam­te rech­te und patrio­ti­sche Lager auf den kom­men­den Herbst/Winter 2022. Ener­gie­kos­ten, Infla­ti­on und der Zusam­men­bruch gan­zer Indus­trie­sek­to­ren, die auf­grund man­geln­der Gas­ver­sor­gung nicht mehr pro­du­zie­ren könn­ten, sind nicht mehr nur apo­ka­lyp­ti­sche Sze­na­ri­en, die von Oppo­si­tio­nel­len an die Wand gemalt werden.

Auch die inter­ne Ver­wal­tungs­ko­or­di­na­ti­on und Kom­mu­ni­ka­ti­on der Bun­des­mi­nis­te­ri­en berei­tet sich auf erns­te Kri­sen­sze­na­ri­en vor. Die Offen­heit, mit der eine Außen­mi­nis­te­rin Anna­le­na Baer­bock von „dro­hen­den Volks­auf­stän­den“ spricht, Robert Habeck über „Gas-Not­fall­plä­ne“ auf EU-Ebe­ne ver­han­delt und die Innen­mi­nis­te­rin Nan­cy Fae­ser bereits prä­ven­tiv vor von „rechts unter­wan­der­ten“ Mas­sen­pro­tes­ten warnt, ist schon bemerkenswert.

Braut sich hier tat­säch­lich etwas zusam­men oder erlebt ins­be­son­de­re die AfD ihr „Coro­na-Déjà-vu“ und die erwar­te­te Kri­sen­dy­na­mik wird durch staat­li­che Geld­ge­schen­ke und dem Ein­schwö­ren auf einen „Ener­gie­spar-Patrio­tis­mus“ abgebremst?

Wäh­rend im März und April die öffent­li­che Auf­merk­sam­keit noch auf die Unmit­tel­bar­keit des Ukrai­ne-Krie­ges und die Bil­der des Kon­flikts prä­sent waren, erle­ben wir nun eine zuneh­men­de Ver­schie­bung in die kon­kre­te Lebens­rea­li­tät der Men­schen. Die mate­ri­el­len und öko­no­mi­schen Fol­gen die­ses Kon­flikts haben die Abs­trak­ti­ons­ebe­ne ver­las­sen und sind in den All­tag eingedrungen.

Inner­halb weni­ger Mona­te ist das The­ma Kosten/Löhne zum wich­tigs­ten Pro­blem in der Wahr­neh­mung der Öffent­lich­keit gewor­den. Eine ähn­lich hohe Pro­blem­wahr­neh­mung zeig­te sich zuletzt in der Finanz- und Wirt­schafts­kri­se 2008/2009.

Für die meis­ten Men­schen sind die aktu­el­len Ver­hält­nis­se schon jetzt mit Ein­schrän­kun­gen ver­bun­den. Dabei wird in nahe­zu allen Umfra­gen deut­lich, daß es den Bür­gern vor­wie­gend um bana­le Grund­be­dürf­nis­se geht und kei­ne poli­ti­schen Spe­zi­al­pro­jek­te wie die Beschleu­ni­gung zum Aus­bau alter­na­ti­ver Ener­gie­quel­len. Die höchs­te Prio­ri­tät haben Ener­gie­ver­füg­bar­keit und Bezahl­bar­keit. Erst dahin­ter kom­men alle wei­te­ren spe­zi­el­len Themenkomplexe.

Die aktu­el­le Pro­blem­wahr­neh­mung ist dem­nach exis­ten­zi­ell und kei­ne poli­ti­sche Nischen­an­ge­le­gen­heit. Immer­hin sind 86 % davon über­zeugt, daß die Regie­rung kei­ne zuver­läs­si­ge Ener­gie­ver­sor­gung, weder für die pri­va­ten Haus­hal­te noch für die Indus­trie, garan­tie­ren kann.

Die indi­vi­du­ell-per­sön­li­che Gewiß­heit für die Kri­se und anste­hen­de Vor­be­rei­tung auf här­te­re Zei­ten sind in der aktu­el­len Kol­lek­tiv­men­ta­li­tät längst ange­kom­men. Die Fra­ge ist nur, wann dies auch zu einem Umschwen­ken in den poli­ti­schen Wahl­prä­fe­ren­zen und Moti­va­tio­nen führt.

Auch in der Bewer­tung der per­sön­li­chen als auch all­ge­mei­nen Wirt­schafts­la­ge kön­nen wir einen Trend beob­ach­ten, der zwar mehr­heit­lich immer noch eine gewis­se öko­no­mi­sche Zufrie­den­heit zum Aus­druck bringt, aber gleich­zei­tig mit deut­li­chen pes­si­mis­ti­schen Erwar­tun­gen ver­knüpft ist. Eine rela­ti­ve Mehr­heit der Bevöl­ke­rung von 48 % geht davon aus, daß sich ihre eige­ne per­sön­li­che wirt­schaft­li­che Lage inner­halb der kom­men­den Jah­re ver­schlech­tern wird, wäh­rend die aktu­el­le Situa­ti­on noch über­wie­gend posi­tiv bewer­tet wird.

74 % der Bür­ger sind laut INSA Umfra­ge davon über­zeugt, daß die Wirt­schaft dem­nächst in eine rezes­si­ve Pha­se kom­men und die Arbeits­lo­sig­keit anstei­gen wird. 83 % pro­gnos­ti­zie­ren wei­te­re Preis­stei­ge­run­gen und höhe­re Lebens­hal­tungs­kos­ten im Alltag.

Auch das Stim­mungs­bild gegen­über den Russ­landsank­tio­nen scheint sich zu wen­den. Fast jeder Zwei­te denkt, daß die Sank­tio­nen Deutsch­land mehr scha­den als Ruß­land. Nur eine Min­der­heit von 12 % glaubt noch an einen stär­ke­ren Scha­den für Ruß­land. Noch im April sprach sich eine knap­pe Mehr­heit von 50 % für einen Ener­gie­boy­kott gegen­über Russ­land aus. Die­ses Bild scheint sich inner­halb der letz­ten drei Mona­te voll­ends umge­kehrt zu haben. Ener­giesank­tio­nen und Krieg tref­fen inner­halb eines äußerst kur­zen Zeit­rau­mes auf immer weni­ger Ver­ständ­nis in der Bevölkerung.

In der Par­tei­prä­fe­renz sehen wir ein­mal mehr die sozio­öko­no­mi­sche Zuspit­zung und auch mate­ri­el­le Pola­ri­sie­rung in der Gesell­schaft deut­lich. In einer kürz­lich erschie­nen You­Gov Umfra­ge wur­den die Fra­gen nach per­sön­li­chen Ein­schrän­kun­gen im all­täg­li­chen Leben und gene­rel­len Aus­wir­kun­gen der Preis­stei­ge­run­gen nach Par­tei­prä­fe­ren­zen aufgeschlüsselt.

Grund­sätz­lich zeigt sich, daß über alle Par­tei-Anhän­ger­schaf­ten hin­weg eine gro­ße Mehr­heit von unmit­tel­ba­ren Aus­wir­kun­gen der Preis­stei­ge­run­gen auf das All­tags­le­ben betrof­fen ist. Doch bei rea­len Ein­schrän­kun­gen wie bspw. dem Ein­kauf im Super­markt wer­den die Unter­schie­de deut­li­cher. 84 % der AfD-Anhän­ger geben hier an, daß sie beim Ein­kau­fen stär­ker auf die Prei­se ach­ten und bereits Ver­zicht üben müssen.

Im grü­nen Wohl­stands­mi­lieu geben jedoch nur 68 % an, daß sie sich bei Ein­käu­fen selbst beschrän­ken. Somit über­rascht es auch nicht, daß auch in den Umfra­gen zum Ener­gie­boy­kott stets die Anhän­ger der Grü­nen einen schär­fe­ren Kurs gegen Ruß­land unter­stüt­zen. Sie sind öko­no­misch abge­si­chert und haben mehr Pla­nungs­si­cher­heit für die nächs­te Abschlagsrechnung.

 

Der­weil wird unter den Grü­nen-Anhän­gern wei­ter­hin auch die kos­ten­in­ten­si­ve und kaum rea­li­sier­ba­re Poli­tik der Ener­gie­wen­de befür­wor­tet. Die aktu­el­le Bun­des­re­gie­rung scheint aber aktu­ell (anders als noch in der Coro­na­kri­se) weni­ge finan­zi­el­le Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te zu unterbreiten.

Ver­zichts­ap­pel­le und Absichts­er­klä­run­gen, daß nie­mand allein gelas­sen wer­den wür­de (Olaf Scholz: „You´ll never walk alo­ne“) sind aktu­ell Beleg einer wenig über­zeu­gen­den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie und poli­ti­schen Hilfslosigkeit.

Das 9€-Ticket scheint bei vie­len ledig­lich auf­schie­ben­de Wir­kung für den öko­no­mi­schen Kipp­punkt zu haben. Der Tan­kra­batt kommt nicht bei den Ver­brau­chern an. Ver­si­cher­te in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung müs­sen künf­tig mit höhe­ren Bei­trä­gen rech­nen, und gegen die stei­gen­de Infla­ti­on sind alle geld­po­li­ti­schen Instru­men­te ausgeschöpft.

In den letz­ten Jah­ren beschrieb die Poli­tik­wis­sen­schaft den Auf­stieg des Rechts­po­pu­lis­mus meist als ein kul­tu­rell codier­tes Kon­flikt­sys­tem („Cul­tu­ral Back­lash“) zwi­schen einem pro­gres­siv-libe­ral­intel­lek­tu­el­len Milieu und einer kon­ser­va­tiv-reak­tio­nä­ren Gegen­be­we­gung, in der öko­no­mi­sche Varia­blen für eine rech­te Wahl­ent­schei­dung kor­re­lier­ten, aber noch nicht die ent­schei­den­de Moti­va­ti­on darstellten.

Mit der kom­men­den Kri­se könn­te die mate­ri­ell-öko­no­mi­sche Per­spek­ti­ve durch­aus mehr Gewicht bekom­men und eine Art Kri­sen­wech­sel­wir­kung zwi­schen dem „woken“ Kul­tur­kampf und einer wach­sen­den sozia­len Kluft her­vor­ru­fen. In den Dua­lis­mus zwi­schen den Glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­kern und Befür­wor­tern fügt sich eine neue Ebe­ne des mate­ri­el­len Besitz­stands­kamp­fes ein.

 

Die gro­ße Fra­ge bleibt jedoch, ob die­se ein­deu­ti­gen Befun­de aus nahe­zu allen Umfra­gen der letz­ten Wochen auch in poli­ti­sches Zustim­mungs­ka­pi­tal trans­fe­riert wer­den kön­nen. Daß gesell­schaft­li­che und sozia­le Kri­sen­mo­men­te kei­nen Auto­ma­tis­mus ent­hal­ten, der eine oppo­si­tio­nel­le Rechts­par­tei wie die AfD stärkt, soll­te spä­tes­tens seit der Coro­na­kri­se gelernt wor­den sein.

Die bevor­ste­hen­den öko­no­mi­schen Ver­wer­fun­gen sind jedoch kein exo­ge­nes Ereig­nis wie die Coro­na­pan­de­mie, son­dern betref­fen kon­kre­te Ver­ant­wort­lich­kei­ten von poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­gern und sie bau­en auf dem fach­po­li­ti­schen Grün­dungs­my­thos der AfD als wirt­schaft­li­che Kompetenzpartei.

Den­noch sehen wir aktu­ell kei­nen voll­stän­di­gen Par­al­lel­ver­lauf zwi­schen den Par­tei­wahl­um­fra­gen und der wach­sen­den Unzu­frie­den­heit. In den letz­ten Wochen lässt sich zwar bei allen Umfra­ge­insti­tu­ten ein mini­ma­ler Posi­tiv­trend für die AfD kon­sta­tie­ren, aber der Umfra­ge­durch­bruch bleibt bis­her aus.

Die öko­no­mi­schen Mei­nungs­bil­der geben allein noch kei­nen Auf­schluss über eine mög­li­che zu anti­zi­pie­ren­de poli­ti­sche Ver­än­de­rungs­kraft. Auch in der Coro­na­kri­se waren die wirt­schaft­li­chen Erwar­tun­gen von der Bevöl­ke­rung ähn­lich nega­tiv ein­ge­schätzt wie jetzt. Aller­dings zeig­te sich in den gene­rel­len Zufrie­den­heits­wer­ten mit der dama­li­gen Bun­des­re­gie­rung über das gesam­te Jahr 2020 eine deut­li­che Mehr­heit, die mit der Arbeit der Bun­des­re­gie­rung zufrie­den war, was die The­se zu bestä­ti­gen scheint, daß die aktu­el­le Kri­se Fol­ge eines poli­ti­schen Ver­sa­gens sein wird, mit dem Ent­schei­der auch direkt zu Adres­sa­ten einer oppo­si­tio­nel­len Kri­tik wer­den können.

Die Stim­mungs­la­ge ist somit weit­aus dyna­mi­scher und vola­ti­ler als zu Coro­na-Zei­ten. Dar­auf wird sich poli­tisch ein­zu­stel­len sein.

Für die AfD erge­ben sich jetzt drei Chancen:

1. Der Per­spek­tiv­wech­sel vom fer­nen Krieg in der Ukrai­ne auf die unmit­tel­ba­ren Aus­wir­kun­gen der wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on in der Bevöl­ke­rung und Indus­trie. Damit wäre auch der inner­par­tei­li­che Kon­flikt um die Posi­tio­nie­rung im Russ­land-Ukrai­ne Kon­flikt ent­schärft. Die außen­po­li­ti­sche Akzent­set­zung der letz­ten Mona­te ist der Par­tei offen­sicht­lich nicht gelun­gen. Die gro­ße Welt­po­li­tik wird für die AfD vor­erst eher ein fach­po­li­ti­sches Spe­zi­al­the­ma blei­ben und erscheint wenig kampagnenfähig.

2. Die sozi­al- und wirt­schafts­po­li­ti­sche Pro­fil­schär­fung und Auf­bau fach­po­li­ti­scher Kom­pe­tenz – Kri­sen bie­ten einer Par­tei immer auch die Mög­lich­keit, ihre eige­nen Kom­pe­tenz­wer­te zu opti­mie­ren. Die the­ma­ti­sche Mul­ti­di­men­sio­na­li­tät von Coro­na bot wenig Chan­cen auf eine fach­po­li­ti­sche Kom­pe­tenz­bil­dung. Die Sozi­al- und Wirt­schafts­po­li­ti­ker in der AfD haben zumeist aus der zwei­ten Rei­he agiert. Jetzt bie­tet sich die Mög­lich­keit, sprech­fä­hi­ge Per­so­nen auf­zu­bau­en und nach vorn zu stellen.

3. Com­mu­ni­ty-Orga­ni­sa­ti­on und Bür­ger­nä­he – 44 % der Deut­schen kön­nen sich vor­stel­len, im Herbst auf die Stra­ße zu gehen. Das ist fast eine Ver­drei­fa­chung im Ver­gleich zur Coro­na­kri­se, wo nur 16 % Demons­tra­ti­ons­be­reit­schaft signa­li­siert haben. Die AfD wird sicher kein akti­ver Initia­tor die­ser Pro­tes­te sein. Den­noch hat die Par­tei eine Viel­zahl an Wahl­kreis­bü­ros, regio­na­le Infra­struk­tur, Wahl­kreis­mit­ar­bei­ter und Mitglieder.

Es ist nicht ent­schei­dend, ob die AfD direkt als Akteur im Zen­trum der Pro­tes­te auf­tritt, son­dern daß sie Ver­net­zungs- und Bera­tungs­an­ge­bo­te, Hilfs­netz­wer­ke und regio­na­le Anlauf­zen­tren schafft. Es geht dar­um, Sicht­bar­keit und Berüh­rungs­punk­te her­zu­stel­len. Die Par­tei muss schließ­lich rea­lis­tisch aner­ken­nen, daß ihr gro­ße Mas­sen­mo­bi­li­sie­run­gen mit meh­re­ren tau­send Demons­tra­ti­ons­teil­neh­mern nicht mehr gelin­gen. Hier braucht es orga­ni­sa­to­ri­sche und logis­ti­sche Flexibilität.

Daniel Fiß

Daniel Fiß ist freier Publizist.

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Kommentare (58)

Rheinlaender

28. Juli 2022 09:06

Der Beitrag beschreibt m. E. etwas zu freundlich die Tatsache, dass die Partei mit komplexen Fachthemen überfordert ist, in den zentralen Fragen der Gegenwart über keine gemeinsame Linie verfügt und ihre führenden Repräsentanten diesbezüglich kaum sprechfähig sind, weshalb die Partei nicht in der Lage wäre, das Land zu führen. Statt dessen muss sie sich damit begnügen, der Straße hinterherzulaufen und zu hoffen, dass ein paar Unzufriedene sie wählen, weil der Staat bald nicht mehr die Mittel hat, sie wie gewohnt zu alimentieren.

Mitleser2

28. Juli 2022 09:17

Zur Grafik "Prioritäten Energiepolitik": Ist ja wichtig, dass Sicherheit und Bezahlbarkeit oben stehen. Aber solange "Ausbau erneuerbare", Klimaschonende Energie", "kein russ. Öl/Gas" und "e-Mobilität" noch so hohe Prioritätswerte bis zu 77% haben, haben die Befragten nichts begriffen, und haben noch gar nicht angefangen, wirklich umzudenken. Bevor das nicht passiert, werden sie auch nicht anders wählen.

Niekisch

28. Juli 2022 09:26

44 % der Deutschen können sich vorstellen, im Herbst auf die Straße zu gehen."

Überlegen wir uns doch schon mal Parolen,z.B. "Deutschland, wach auf! - Rettet, was uns lieb und wert ist!

Niekisch

28. Juli 2022 09:44

"ein paar Unzufriedene sie wählen, weil der Staat bald nicht mehr die Mittel hat, sie wie gewohnt zu alimentieren."

@ Rheinlaender 28.7. 9:06: Verkennen Sie da nicht ein wenig die für immer mehr ganz normale, fleißige Menschen bedrohlich werdende Lage? 

kikl

28. Juli 2022 10:02

Insgesamt eine treffende Analyse, allerdings stolpere ich immer wieder über Sätze wie diesen - "Die thematische Multidimensionalität von Corona bot wenig Chancen auf eine fachpolitische Kompetenzbildung." - deren Inhalt sich mir auch nach mehrmaligem Lesen nicht erschließt. Wie viele Dimensionen hat das Virus? Was ist eine "thematische Dimension"? Für mich ist das Chinesisch.

"Die AfD wird sicher kein aktiver Initiator dieser Proteste sein." Wieso nicht, sie kann doch auch Demonstrationen organisieren? Was spricht dagegen?

"Die Partei muss schließlich realistisch anerkennen, daß ihr große Massenmobilisierungen mit mehreren tausend Demonstrationsteilnehmern nicht mehr gelingen." Wieso sollte das nicht gelingen, wenn 44% der Bevölkerung zu Protesten bereit ist? Das sind doch knapp 40 Millionen Menschen?

"Es ist nicht entscheidend, ob die AfD direkt als Akteur im Zentrum der Proteste auftritt, sondern daß sie Vernetzungs- und Beratungsangebote, Hilfsnetzwerke und regionale Anlaufzentren schafft."

Entscheidend ist, dass die AFD mit den Demonstranten ins Gespräch kommt. Wie das geschieht, ist nicht so wichtig. Insofern stimme ich zu.

Daniel Fiß

28. Juli 2022 10:23

-> Corona betraf sowohl gesundheitspolitische, ökonomische, soziale als auch bildungspolitische Fragen. Es gab keine konkrete Policy Dimension. Dazu habe ich kürzlich hier etwas aufgeschrieben: https://feldzug.net/2022/07/26/kurzanalyse-01/

-> Die Bereitschaft sich AfD-Protesten anzuschließen ist (je nach Region) geringer als an lokalen und selbstorganisierten Bürgerprotesten. Phillip Stein und Benedikt Kaiser haben dazu im verlinkten Podcast auch einige Gedanken formuliert.

-> Wie gesagt: Es geht hier um eine Grundgesamtheit des Demonstrationspotentials. Das ist nicht alles von der AfD abschöpfbar.

-> Letzter Punkt sind wir uns einig.

Franz Bettinger

28. Juli 2022 10:43

@Kickl: Ich bin immer wieder froh um ihre nüchternen guten Kommentare. Den Rest meines Sermons kann man meinetwegen löschen: Es gibt im SiN-Forum zu wenig Natur- und zu viele Geistes-Wissenschaftler. (Ich meine damit meine ich nicht D. Fiss.) Anders gesagt, es gibt zu wenig Sachwissen und deshalb auch keine Lust, sich mit Sach-Argumenten zu befassen und schon gar nicht in die Tiefe gehend. Schnell rutscht man lieber wieder zurück auf die bequeme und einstudierte ad personam Ebene, wo man herrlich kompetent klug glänzen kann. Liebe Leute, ihr wisst nicht welchen Spaß es macht nach Grundwasser  zu bohren und es auch zu finden. Einige verwechseln ein aufgrund von Sachwissen furchtloses Denken & sicheres Auftreten mit Arroganz. Wie arrogant! Halten wir es doch lieber wie @Südburgunder: "Es gibt nichts Gutes außer man tut es." Tun wir’s!  

Rheinlaender

28. Juli 2022 11:11

@Niekisch

Dass die Lage von normalen Bürger zunehmend als schwierig betrachtet wird, entnehme ich auch Statistiken über deren Konsumverhalten. Allerdings habe ich wenig Vertrauen, dass aus der resultierenden Unzufriedenheit (die dürfte ab dem Herbst sehr groß werden) ohne die entsprechende politische Führung sinnvolle politische Alternativen entstehen werden. Man konnte das m. E. im Zuge der Proteste gegen die Corona-Maßnahmen beobachten. Das Bauchgefühl der Teilnehmer war vermutlich richtig, aber weder der normale Bürger noch die sich mehr oder weniger spontan an ihre Spitze setzenden Personen konnten die Lage wirklich beurteilen oder ein schlüssiges Konzept zur Überwindung der Krise formulieren. Eine alternative Partei, die diesen Staat besser führen will, müsste zuerst dazu in der Lage sein, zumal sie bald mit Linken um das absteigende Bürgertum konkurrieren wird. Für nicht wenige dieser Bürger werden (fehlgeleitete) linke Konzepte wie Umverteilung und Verstaatlichungen attraktiver sein als rechte Empörung.

Allnichts

28. Juli 2022 11:21

Als Ganzes wahrscheinlich wenig überraschend, aber trotzdem sinnvoll und nützlich, das einmal als mit Zahlen untermauerte Zusammenfassung vor Augen zu haben.

Zu 1.: Das sehe ich nicht so kommen, da vieles - Gas als wahrscheinlich wichtigstes Thema der ersten Protestphase ohnehin - mit dem Krieg in der Ukraine zusammenhängt oder in Zusammenhang gebracht wird, was eine weitere andauernde Positionierung erforderlich macht, was wiederum eine Entschärfung des innerparteilichen Konfliktes schwierig machen dürfte.

Zu 3.: Theoretisch klingt das halbwegs positiv, aber ich finde es dennoch sehr ernüchternd, eben weil sich trotz gefestigter Strukturen und einem hohen Protestpotential jetzt schon Handlungsschwäche ankündigt. Es fehlt mehr Zug, mehr Aufbruchstimmung, mehr Entschlossenheit. Es dümpelt jetzt schon vor sich hin. Das ist aber weniger Fehler des Autors oder des Textes, es handelt sich ja eher um eine nüchterne Analyse.

Noch zu den Milliarden Impftoten:

Das war natürlich eine nicht ganz ernstgemeinte Überspitzung meinerseits.

Mitleser2

28. Juli 2022 12:03

@Rheinlaender: "Für nicht wenige dieser Bürger werden (fehlgeleitete) linke Konzepte wie Umverteilung und Verstaatlichungen attraktiver sein als rechte Empörung."

Das ist ja jetzt schon das Problem. Das vermeintliche "Underdog"-Potential für die AfD wird durch "Bürgergeld", Aufhebung jeglicher Hartz 4 Sanktionen, etc. etc. ruhig gestellt. Wie sich diejenigen, die knapp über der Sozialhilfe sind, in Zukunft positionieren werden, ist völlig offen.

Niekisch

28. Juli 2022 12:04

"Eine alternative Partei, die diesen Staat besser führen will, müsste zuerst dazu in der Lage sein, zumal sie bald mit Linken um das absteigende Bürgertum konkurrieren wird. Für nicht wenige dieser Bürger werden (fehlgeleitete) linke Konzepte wie Umverteilung und Verstaatlichungen attraktiver sein als rechte Empörung."

@ Rheinlaender 28.7. 11:11: Die AfD liegt im Prokrustes-Bett des Parteiengesetzes und ihre Programmatik unterliegt wegen Kompromiß immer der Verwässerung. Die lahme Ente AfD muß von einem reißenden Tiger außerparlamentarisch gestützt und zugleich angetrieben werden. Wieso sind Rücknahme skandalöser Gewinnmaximierung und Anwendung des Art. 14 GG  - Vergesellschaftung- ein fehlgeleitetes Konzept? Es ist nur in den falschen Händen von Internationalisten. Den "Linken" brauchbares Wollen entreißen!

kikl

28. Juli 2022 12:07

@Daniel Fiß Vielen Dank für die Antwort. Ich lese mir den Link bei Gelegenheit durch.

@Franz Bettinger Vielen Dank für das Lob. Ich bin sprachlich etwas einfacher gestrickt und bin auch kein Politologe. Aber das hat zu Weilen auch etwas für sich.

Volksdeutscher

28. Juli 2022 12:48

".... oder erlebt insbesondere die AfD ihr „Corona-Déjà-vu“ und die erwartete Krisendynamik wird durch staatliche Geldgeschenke und dem Einschwören auf einen „Energiespar-Patriotismus“ abgebremst?"

Daß das System versuchen könnte, Proteste durch "Geschenke" zu unterlaufen, ist meiner Meinung nach vorstellbar. Die Frage dabei ist, ob das ausreicht und wirkt, da weder das Ende der Energiekrise noch ihre Tiefe voraussehbar sind.

Mitleser2

28. Juli 2022 12:52

@Niekisch: Verstaatlichung? Dass mein Kläranlagenbetreiber und mein Wasserwerk Kommunalunternehmen sind - gerne. Aber sonst? Die Bahn AG ist 100% im Eigentum des Bundes. Das Ergebnis ist bekannt.

Volksdeutscher

28. Juli 2022 12:55

"Die AfD wird sicher kein aktiver Initiator dieser Proteste sein. Die Partei muss schließlich realistisch anerkennen, daß ihr große Massenmobilisierungen mit mehreren tausend Demonstrationsteilnehmern nicht mehr gelingen. Hier braucht es organisatorische und logistische Flexibilität."

Und warum wird sie das nicht? Herr Fiß meint also: Wenn sie das nicht werde, dann sei sie realistisch... Was spricht aber dagegen, daß die AfD gelungene Massendemonstrationen durchführen kann? Was wäre der Beweis dafür, daß sie Eigenschaften wie organisatorische Fähigkeit und logistische Flexibilität nicht aufbringen könnte, wenn sie wollte?

Für mich sind das pure Behauptungen.

 

Volksdeutscher

28. Juli 2022 13:11

@Franz Bettinger - "Anders gesagt, es gibt zu wenig Sachwissen und deshalb auch keine Lust, sich mit Sach-Argumenten zu befassen und schon gar nicht in die Tiefe gehend. Schnell rutscht man lieber wieder zurück auf die bequeme und einstudierte ad personam Ebene, wo man herrlich kompetent klug glänzen kann."

So sehe ich das auch ungefähr. Zuweilen kommt man sich hier vor wie in einer überbevölkerten Metropole aus Elfenbeintürmen. Es gibt hier sogar durch und durch verbildete Leute, die keine Gelegenheit auslassen damit zu protzen, was sie schon alles lasen, wer was ihnen sagte, welche Bekanntheit ihnen ein Hello zwischen Tür und Angel zuwarf und sie sich danach bücken durften - ein unübersehbares Zeichen der Provinzialität.

Imagine

28. Juli 2022 13:20

Ein heißer Herbst – in Deutschland?

Im Herbst holen sich die Deutschen die 4. und 5. Gen-Ladung ab und setzen ihre Maske auf.

Zu mehr als zu Latschdemos hat es in D in den letzten 50 Jahren nicht gereicht. Kein einziger politischer Streik, geschweige denn ein Generalstreik.

Die meisten werden versuchen, sich irgendwie individuell durchzuwursteln und zu verhindern, dass sie politisch negativ auffallen und dabei den Job riskieren oder Repressionen erleiden. Viele Kommentare auf SiN haben sich in dieser Richtung geäußert.
 

RMH

28. Juli 2022 14:09

Die nächsten größeren und letzten Wahlen in diesem Jahr sind Anfang Oktober in Niedersachsen. Im Oktober können die Gasversorger ihre Umlagen erhöhen. Mal sehn, ob die geänderten Abschläge noch vor dem Wahltermin 09.10. an die Bürger in Niedersachsen raus gehen werden oder ob damit aus "technischen Gründen" gewartet wird.

Dann sind erst wieder deutlich nach dem Winter in 2023 Wahlen. Was soll die AfD als parlamentarische Partei groß Zeichen setzen, außer zur Wahl in Niedersachsen? Niedersachsen ist aber nicht unbedingt ihr bestes Pflaster.

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/landtagswahl_2022/Vor-Landtagswahl-AfD-Landesliste-womoeglich-nicht-rechtssicher,afd2910.html

Schobbepetzer

28. Juli 2022 14:16

@Volksdeutscher und Bettinger

Geht mir auch so, aber ist wie in einer Fussballmannschaft, die Mischung macht es aus.
 

Nun zur Analyse.
Es ist nicht wichtig, ob die AfD die Demos anführt oder organisiert. Entscheidend ist, dass die Demos stattfinden bzw. was sich daraus entwickelt. Kann auch sein, dass daraus ein möglicher Bündnispartner für die AfD entsteht. Ich glaube sogar, es wäre kontraproduktiv, wenn die AfD damit im Zusammenhang steht, das könnte wieder viele abschrecken.
Habe noch einmal die Analyse von BK zu Corona vom letzten Herbst gehört. Die Demos waren ein bunter Mix, vor allem überproportional Akademiker und Selbstständige. Wichtig ist, dass der Kreis der "tatsächlichen Opposition" wächst. 

Nach meiner Wahrnehmung ist dieser Kreis von Leuten, die an den Corona-Demos teilnahmen, nun eher aufnahmefähig für patriotisches Denken. Oder anders gesagt, die sehen das größere Problem in der Regierung, als in der AfD.

Mir geht es eher um den Brückenbau zu anderen Gruppen. Daher finde ich Diskussionen z.B. mit Anselm Lenz beim Sommerfest, einen wichtigen Punkt. Politisch bin ich in vielem völlig anderer Meinung, als er.

Realistisch, wir bringen alleine keine 50% zusammen und die These von EinProzent, das würde reichen für einen Wechsel, die ist spätestens seit Corona widerlegt.

Schobbepetzer

28. Juli 2022 14:20

und noch eine kleine Ergänzung.

Wer weiß, was aus großen Demos und evt. Unruhen im Herbst wird? Vielleicht entsteht, daraus eine neue politische Bewegung. Vielleicht ist es sinnvoller, dort gezielt einzutreten und den Wandel zu gestaltet. Die Linken, DKP, KPD usw. waren bei solchen Dinge immer sehr flexibel. Trittin ist so ein Beispiel.

Bis dahin, finde ich, gilt, was ich an anderer Stelle gesagt habe. Es läuft eher in unsere Richtung, einfach mal abwarten und Loge sitzen.

kikl

28. Juli 2022 14:31

Ich meine mich daran zu erinnern, dass eine AFD-Gruppe im letzten Jahr eine Corona-Demo in Berlin angemeldet und durchgeführt hat. Die Versammlung begann mit Ansprachen in der Nähe des Hauptbahnhofes. An die Redner kann ich mich nicht genau erinnern, vielleicht war Herr Bystron dabei?

Danach zogen die Demonstranten in Richtung Mitte. Es waren ca. eintausend Demonstranten. Die Polizei hat die zwangsmaskierten Demonstranten durch die Stadt begleitet. Ich bin aber relativ schnell irgendwo zwischen Reichstag und Brandenburger Tor wieder ausgestiegen, weil ich keine Zeit mehr hatte. Die Gespräche mit den übrigen Demonstranten waren interessant und es waren keineswegs alles AFD-Wähler.

Auch wenn die AFD jetzt nicht Massen mobilisieren kann wie der vorsorglich eingesperrte Michael Ballweg, so ist eine derartige Demonstration doch die Gelegenheit dafür, mit den Bürgern abseits vom Nazi-Framing des ÖRR und der Kartellparteien ins Gespräch zu kommen. Unter den als Querterroristen oder sonstwas Denunzierten sinkt die Kontaktscheu mit der AFD. Wer selbst so ungerecht behandelt wurde, der traut auch nicht dem Urteil des Mainstreams über die AFD.

Es wäre gut, wenn die AFD an den Massenprotesten aktiv teilnähme. Letztlich war die erfolgreiche Spaltung des Protests gegen Corona mittels eingeforderter Distanziritis gegenüber Falschdenkern der Grund für ihr scheitern. Frau Faeser hat schon damit begonnen, zukünftige Demonstranten zu denunzieren. Es geht also wieder los.

Niekisch

28. Juli 2022 16:19

"Das Ergebnis ist bekannt."

@ Mitleser 2 28.7. 12.: Das Grundgesetz spricht von Vergesellschaftung. Wandel der Gesinnungen kann auch Wandel des Wirtschaftens bewirken...

"Frau Faeser hat schon damit begonnen, zukünftige Demonstranten zu denunzieren. Es geht also wieder los."

@ kikl 28.7 14:31: Es geht jedesmal los, bis sich die Leier ausleiert.

Wir sollten mit originellen Parolen so oder so dabeisein.

Gracchus

28. Juli 2022 17:06

Die Redaktion sollte unbedingt die Vorschläge von FB und VD aufgreifen, z. B. in Form einer Quotenregelung: Mindestens 75% der Kommentare sollten naturwissenschaftliche sein. Die Quote bedarf ständiger Überwachung; liegt die Anzahl naturwissenschaftlicher Kommentare darunter: Stop für sonstwelche Kommentare, bis die Quote wieder stimmt.

Schließlich ist SiN ein naturwissenschaftliches Forum und muss dem auch gerecht werden. 

Bezugnahmen auf Ernst Jünger sind nur noch erlaubt, soweit sie seine entomologische Forschung betreffen! 

Ironische Kommentare wie dieser sind auch sofort zu löschen. Ironie ist nämlich nicht naturwissenschaftlich, wie generell alle rhetorischen Mittel. Also keine Metaphern etc. mehr, und seien sie noch so raffiniert, wie die von den "provinziellen Metropolen".

Gotlandfahrer

28. Juli 2022 23:20

Aus meiner Sicht kann die AfD zur Zeit nicht viel mehr machen, als Fehler zu vermeiden, um wenigstens noch da zu sein, wenn sich die Lage fundamental ändert.  Solange die Lage einfach nur schlechter wird, kann die AfD umso besser als Sündenbock dienen, je mehr sie zum wirklichen Risiko für die abwechselnd berufenen  Einheitspolitikfraktionen wird.  Deswegen gilt hier gutes Überwintern.  Sie wird unter diesen Rahmenbedingungen niemals Regierungspartei, auf welche Weise auch immer, aber immer nicht.  Heti und Pleti kann man die Entscheidung nicht zumuten, wie sie geordnet aus ihrer brennende Kirche herausfinden.  Das geschieht entweder ungeordnet oder durch jemand, der die alten Priester von der Kanzel stößt, sofern der nicht von alleine fällt. Gewählt wird da nix. 

Ausguck

28. Juli 2022 23:50

@ Gracchus:

"Die Redaktion sollte unbedingt die Vorschläge von FB und VD aufgreifen...."

Ach Gottchen! Fühlt man sich etwa angegriffen, beleidigt gar? Merke: Übertreibungen sind oft ein gutes Mittel zur Verdeutlichung eines ansonsten eher minderbedeutenden Kritikpunktes. In dem hier angesprochenen Zusammenhang jedoch vermitteln sie durchaus den Sinn des Sprichwortes "Wer sich verteidigt, klagt sich an." Franz Bettinger und Volksdeutscher haben vollkommen recht: Dieses Forum neigt zum Geschwätz und zur Selbstdarstellung und wird daher keinerlei Auswirkungen auf eine Korrektur der Zeitläufte haben, wenn nicht gewisse Korrekturen erfolgen. Man muß sich nämlich müßiges Gerede auch zeitlich leisten können - ganz besonders gilt das jedoch dann, wenn die Zeit knapp zu werden droht.

 

Franz Bettinger

28. Juli 2022 23:57

@Kickl schreibt: "Letztlich war die Spaltung des Protests gegen die C-Politik mittels eingeforderter Distanzeritis  der Grund für das Scheitern der AfD.“ Sehe ich auch so. Die ganze blöde Unvereinbarkeit-Liste muss weg! Wieso soll einer, der früher mal in der DKP oder NPD war, seine Haltung nicht ändern und nun in der CDU oder AfD sein dürfen?

Volksdeutscher

29. Juli 2022 01:37

@Franz Bettinger - "Wieso soll einer, der früher mal in der DKP oder NPD war, seine Haltung nicht ändern und nun in der CDU oder AfD sein dürfen?"

Das ist eine gute Frage, die ich mir auch einmal stellte. Man müßte es aber an allererster Stelle bei denjenigen erfragen, die diesen Satzungspunkt ersannen und ihn nach wie vor für unhinterfragbar richtig halten. Wenn ich darüber nachgrüble, komme ich zu dem Schluß, daß er wohl deshalb existiert, weil die Gründer der AfD damals wohl gedacht haben könnten, daß sie eines Tages im Establishments ankommen würden, zu dessen Moralkodex solche den anständigen Teil der Menschheit beruhigenden Bekenntnisse gehören. Also schrieben sie es bei denen ab. Wir können das auch als Unterwerfungsgeste deuten, angenehmer klingt freilich aus der Verhaltensforschung stammender Ausdruck "positive Anpassung". Die Partei selbst hält es - wenn ich mich recht erinnere - für eine "Alternative für Deutschland"....

Volksdeutscher

29. Juli 2022 01:43

@Gracchus - "....wie die von den "provinziellen Metropolen"."

Das habe ich nicht geschrieben.

RMH

29. Juli 2022 07:00

@Ausguck,

"und wird daher keinerlei Auswirkungen auf eine Korrektur der Zeitläufte haben,"

"Ach Gottchen", haben Sie jemals ernsthaft geglaubt, dass es anders wäre oder auch nur sein könnte? Internetdebatten in Forenräumen wie diesen sind stets so etwas wie vergrößerte Zuschauerlogen bei der Muppet Show, nur dass eben nicht nur Waldorf und Statler dort sitzen, sondern einige mehr und einer, der die "Sind doch alles Schwätzer"-Karte zieht, ist immer mit an Bord. Überraschen Sie das Plenum doch bitte einmal mit etwas Neuem.

"wenn nicht gewisse Korrekturen erfolgen."

Und wer legt die fest oder führt sie durch? Mit welchem Ziel? Aus welchem Grund?

Wer nicht in der Lage ist, cum grano salis zu lesen, der sollte auf örtliche Demonstrationen gehen oder in irgendwelchen Gartenhäuschen die Weltrevolution planen aber seine wertvolle Zeit nicht bei Internetdiskussionen verschwenden.

RMH

29. Juli 2022 07:14

@Volksdeutscher,

das man Ihnen heute - ca. 9 Jahre nach Gründung der AfD - noch die Gründe für die Unvereinbarkeitsliste erklären muss, nehme ich Ihnen einfach nicht ab. Und für unhinterfragbar erklärt sie keiner. Und für alle, außer Volksdeutscher, der die Gründe exakt kennt und hier nur eine Nebelkerze wirft, die sich nicht mehr daran erinnern wollen oder können:

Es macht nach wie vor Sinn, wenn eine alternative Partei Mitglieder und Führungskräfte hat, bei denen die Presse nicht ständig "ehemals" NPD oder DVU, Volksfront von Judäa etc. dahinter schreiben kann. Es ging damals um diesbzgl. unverbrannte Parteimitglieder, die auch ein Angebot für die unzufriedene Mitte (sic! Auch die gab und gibt es) sein sollten und nicht um das Angebot an Kader rechter Parteien, unter neuem Label ihre alten und erfolglosen Karrieren fortzuführen. Wie richtig das war, erkennt man daran, wie das Establishment bemüht ist andere vermeintliche Feindmarkierungen zu entwickeln, wie bspw. "trat auch in Schnellroda auf". Nur das verfängt halt nicht so gut. Natürlich kann man ab Jahr 10 so langsam - es verjährt ja außer Mord alles - darüber nachdenken, ob und wie man Ausnahmen macht, aber an der Richtigkeit der damaligen Grundsätze ändert es nichts.

Ausguck

29. Juli 2022 10:31

@ RMH:

Nein, das habe ich nicht.

Aber ganz klar habe ich darauf hingewiesen, daß besonders in diesem Forum solcherlei Geschwätz- und Selbstdarstellungstendenzen derer auffallen, die sich expressis verbis den Geisteswissenschaften zugehörig fühlen. Hätten Sie genauer gelesen, wäre Ihnen aufgefallen, daß ich FB's "...es gibt zu wenig Sachwissen und deshalb auch keine Lust, sich mit Sach-Argumenten zu befassen und schon gar nicht in die Tiefe gehend...." - Passage zum Anlaß nahm, diesen bedauerlichen Sachverhalt weiter zu beleuchten.

"Und wer legt Korrekturen fest oder führt sie durch?"  Meine Güte!  Woher soll ich das wissen? Vielleicht wir alle gemeinsam?

" Mit welchem Ziel? Aus welchem Grund?" Wer so fragt, hat bereits verloren, denn wenn Sie das Ziel und/oder den Grund nicht erkennen, verschwenden ganz bestimmt Sie hier jede Menge wertvolle Zeit.

Auf dieser Basis kann ich mir nicht vorstellen, daß Sie oder viele andere des "Plenums" für Neues zugänglich wären.

 

 

 

Franz Bettinger

29. Juli 2022 11:05

@RMH. Sie sagen, die Unvereinbarkeits-Liste der AfD existiere nicht, weil man was gegen ehemalige SED-ler, NPD-ler oder DVD-ler habe, sondern aus rein taktischen Gründen. Nun das ist wenigstens ehrlich. Und dann habe man auch der Unzufriedenen Mitte ein Angebot machen wollen. Hm, hat diese Unzufriedene Mitte angebissen, in mittlerweile 10 Jahren? Und nun vergleichen wir mal mit den Grünen. Erinnern Sie sich noch? Haben die Grünen Kompromisse gemacht? Ich meine in der Anfangsphase. Nicht die Bohne! Mit Strickpullovern und häkelnd oder gar stillend saßen diese Typen - damals mochte ich sie! - im Bundestag und lutschten in Interviews Bonbons, statt Zigarette oder Pfeife zu rauchen (wie sich das gehörte). Und wer hat das Rennen gemacht? Ich frag ja bloß. 

anatol broder

29. Juli 2022 14:25

@ niekisch 16:19

«wir sollten mit originellen parolen so oder so dabeisein.»

soweit ich fiss verstehe, sollen die demonstrationen im herbst zu mehr stimmen für die afd führen. würden «originelle parolen» dich als nichtwähler zurück an die wahlurne führen?

heinrichbrueck

29. Juli 2022 14:27

"Die Frage dabei ist, ob das ausreicht und wirkt, da weder das Ende der Energiekrise noch ihre Tiefe voraussehbar sind."
Wenn man das lange Spiel spielen will, sollte man voraussehen können. Es wird nicht ausreichen, gelegentlich den Wagen vor das Pferd zu spannen. Oder wie Leif-Erik Holm im Morgenmagazin konstatierte, Deutschland sei der „Energieparasit in Europa“. Solche Formulierungen zeigen eine Subordination, machen also das Eigene angreifbar. (Oder anders formuliert: Sekundärer Patriotismus unterliegt ethnischem Nationalismus.) Die Widersprüche scheinen nicht klar zu sein. Lagebeschreibung und Machtübernahme (Machtdenken) hadern miteinander. Ein Zusammenpassen in der Realität, von einer Qualität jenseits irgendwelcher Verführungen. Sich darauf zu einigen, keine antiweißen Kriege zu führen, wäre ein erster Schritt. Der Rest, Politik für die nächsten Jahrtausende, Geduld und Konzentration. Das lange Spiel. 

Gracchus

29. Juli 2022 17:17

@Ausguck

Wie im Kindergarten: selber.

RMH hat mein Anliegen gut zusammengefasst.

Der Kommentar von FB war jetzt nicht gerade allererste Sahne. Ich gehe doch auch nicht in eine Bäckerei und beschwere mich über die Wurstauswahl. Das ist doch albern.

Und dann bewegen Sie, FB und VD sich auf der ad personam-Ebene, die FB anprangert - allerdings ohne Ross u. Reiter zu nennen. 

@VD: nein, haben Sie nicht. Das war eine freie Interpretation meinerseits. 

Niekisch

29. Juli 2022 18:15

"würden «originelle parolen» dich als nichtwähler zurück an die wahlurne führen?"

@ anatolbroder 29.7. 14:25: Ich bezog mich explizit auf "Demonstrationen" im Rahmen einer außerparlamentarischen Bewegung. Nichtwähler bleibe ich.

Zu den avisierten Hinweisen auf durch das Christentum "weggesperrte Serelenanteile": da beziehe ich mich als erstes auf Haudry, Jean, Die Indo-Europäer, Age D´Homme Karlolinger, 1981, S. 21 - 42. Ich nenne nach und nach alle Hinweise und fasse sie später zusammen. Stichworte: Ideen nur als lebendig, Gedanken nur als erlebt geschätzt. Fortleben in der Erinnerung der künftigen Generationen. Werde,wie Du benannt bist. Ersehnen von unverwelkbarem Ruhm. Schätzen von Leben, weiten Räumen, irdischen Gütern. Haupteigenschaften des Menschen Charakter und Tatendrang. Eher Angst vor Schande als Gefühl der Schuld im Falle der Verfehlung. Unbedingte innere Wahrheitsverpflichtung. Religiosität ist nicht vorherrschender Gedanke und kein Selbstzweck. Das Individuum sieht sich nicht als vorrangig, ebenso nicht die Welt. Gefühlte Leib-Seele -Einheit. Unsterblichkeit wird nicht gegeben, sondern erworben. Kein Egalitätsbewußtsein. Das Denken wird innHerz und Lunge lokalisiert als "Hauch". 

weiter II.

Niekisch

29. Juli 2022 18:33

II. 

Die seelisch gesteuerte Aura des Menschen ist metaphiert aus Feuer, Flamme. Seelengröße im Bewußtsein eines großen Schicksals. Vermeiden von Introspektion. Trancezustand, Austritt aus dem Körper. Für möglich Halten von Seelenwanderung. Sein Wesen zu erkennen und zu kennen ist nicht von entscheidender Bedetung, sondern das eigene Verhalten festzulegen und zu lenken. Inneres Pflichtgefühl gegenüber der Geschlechterlinie: Glaube, daß Rasse, Stamm metaphysische Realität sind und der Einzelne lediglich das vorübergehende Kettenglied der ideal ewigen Familie darstellt und Zeit seines Lebens Namen, Ruf, Status und Besitz der Familie treuhänderisch aufbewahrt und weitergibt. Der Einzelne erlangt Unsterblichkeit, wenn die Nachkommenschaft und insbesondere die eigenen Nachkommensich seiner mit Stolz und Ehre erinnern.

Nicht alles wurde weggesperrt, aber das Wesentliche.

 

B Traven

29. Juli 2022 19:47

Die hier herbeigewuenschte Kampagnenfaehigkeit der AfD verweise ich auf Grund konkreter Erfahrung ins Reich des Wunschdenkens. Beim letzten Aktionstag der AfD verirrten sich nur Mitglieder (und davon auch nur eine Minderheit) , Mitarbeiter und solche die es werden wollen, auf die Versammlungsplaetze.

Schließlich: Was wäre gewonnen mit zB einer Verdoppelung der Sitze zB im Niedersächsischen Landtag, wenn sofort ein Gerangel um finanzielle Funktionszulagen einsetzt?

Die AfD ist aktuell auch nicht mehr in der Lage, die überwiegende Mehrheit ihrer Mitglieder zur Wahlkampfunterstuetzung zu motivieren.

Vor diesem Hintergrund wirkt die Diskussion hier sehr theoretisch. 

Gracchus

29. Juli 2022 21:35

@Niekisch

Eher ungünstig auf Bücher, tote Buchstaben, zu verweisen. Das müsste doch spürbar sein, wenn Seelenanteile "weggesperrt" wären und an ihren Käfigtüren rüttelten. "Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen". 

Mit einigen Punkten kann ich mich sogar identifizieren, einige finden sich bei der Anthroposophie oder bei Beuys wieder. Barkhoff hat - wie ich schon erwähnte - in den Briefen darüber einiges angedeutet. 

Einige Punkte sind überholt, insbesondere dass der Einzelne nur Glied eines Stamms oder Rasse sei. 

Ich bleibe dabei: Das Christentum hat nichts weggesperrt, es war eben römisch geprägt, dann aber in weiten Teilen reformatorisch.

 

frdnkndr

29. Juli 2022 22:22

Im kürzlich auch hier im SIN-Kommentariat bejubelten Sri Lanka (Hungersnot, Demonstrationen, gestürmter Palast, Staatschef geflohen etc...) wird aktuell von der 'neuen' Regierung (oh Wunder) flächendeckend die pers. an div. Bed. gekoppelte Authentifizierung per QR-Code in allen Lebensbereichen eingeführt - ohne diesen bekommt man bspw. mittlerweile nicht einmal mehr ein paar Liter vom zugeteilten Sprit-Kontingent fürs Mopped...

Träumt Ihr hier nur weiter vom 'heißen Herbst' und irgendwelchen Umbrüchen, Bewusstseinswerdungen im Volke und damit verb. Chancen fürs rechte Lager durch die Zunahme der aktuellen Verwerfungen; haltet diese Entwicklungen alle weiterhin größtenteils für zufällig bzw. zumindest in Eurem Sinne handhabbar.

Sorry to say, aber der Arsch ist sowas von ab - auch bzw. gerade für Dtl.

Gotlandfahrer

29. Juli 2022 23:42

@frdnkndr

Die Geschichte Sri Lankas ist - wie überall - noch nicht zu Ende. Sri Lanka, wie manch anderes Land, das auch uns interessiert, ist in den Lokus gewirtschaftet worden.  Dass man nicht per Fingerschnipp Wirtschaftswunderverhältnisse herbeiführen und gleichzeitig die WEF-Mischpoke loswird, dürfte auf der Hand liegen.  Wenn man also durch das Tal erst noch tiefer durch muss und einiges Unerfreuliches entweder nicht vermeidbar oder ggf. hilfreich für richtigen Veränderungswillen ist - warum das nicht die sichtbar anführen lassen, die den Karren auch vorher schon in den Dreck gesteuert haben? Wenn jetzt der ganze geplante Müll im Eiltempo ans Licht gepumpt wird, ist das besser, als wenn es peu à peu geschähe - denken Sie an den Frosch im erwärmten Wasser.  Jetzt wird es schnell richtig heiß! Stellen Sie sich vor, die AfD müsste jetzt übernehmen - ne, da sollen schön andere stehen, wenn der Vorhang fällt.  Und fallen muss er.  

Laurenz

30. Juli 2022 16:24

Hier ein aktuelles Kickl-Interview von vorgestern mit Krone.tv

https://youtu.be/38AvVjzpEUM

Franz Bettinger

30. Juli 2022 22:31

Wie heißt das Bergmassiv auf dem Foto im Hintergrund von Kickl's Wohnzimmer? Und warum hängt es dort? Es hat Ähnlichkeit mit dem Dhaulagiri. Ist HK Bergsteiger? Gar Höhenbergsteiger?

Volksdeutscher

30. Juli 2022 22:54

1. @RMH - "Es macht nach wie vor Sinn, wenn eine alternative Partei Mitglieder und Führungskräfte hat, bei denen die Presse nicht ständig "ehemals" NPD oder DVU, Volksfront von Judäa etc. dahinter schreiben kann."

Das ist ja gerade rührend, dieser "Sinn".... Aber sagen Sie mir bitte: Wer oder was zwingt die AfD denn dazu, sich für die ehemaligen Mitgliedschaften ihrer Politiker erklären oder gar entschuldigen zu müssen? Haben die Linken sich jemals für die ehemaligen KPD-, DKP- oder MLPD-Mitgliedschaften ihrer Politiker erklärt oder gar entschuldigt? Warum müssen es immer die Rechten sein, die wie unter einer Neurose leidend aller Welt krankhaft beweisen wollen, daß sie anständig seien und aus der Vergangenheit gelernt haben? Vor welcher fremder Macht kriechen die Rechten, wenn sie das tun und um Entschuldigung betteln? Muß ich Ihnen die Antwort auf diese Frage ausschreiben oder kennen Sie sie womöglich auch selber? Die Linken kratzt es nicht, was die Rechten zu den ehemaligen Mitgliedschaften ihrer Politiker meinen, warum müssen sich die Rechten dafür ständig kratzen? Warum sind die Rechten so aufs Maul gefallen, daß sie vollkommen unfähig sind, verbale Angriffe adäquat, d.h. frappant/lakonisch/kaltschnäuzig/geistreich zu parieren?

Mir scheint übrigens, die Linke Presse mit ihrem eh voraussehbaren Gehabe scheint auf Sie einen großen Eindruck zu machen.  Eine schlechte Platzierung für eine Partei, die sich so großspurig "Alternative" nennt.

Volksdeutscher

30. Juli 2022 23:42

2. @RMH - "Es macht nach wie vor Sinn, wenn eine alternative Partei Mitglieder und Führungskräfte hat, bei denen die Presse nicht ständig "ehemals" NPD oder DVU, Volksfront von Judäa etc. dahinter schreiben kann."

Die AfD ist also auf solche Bewerber scharf, die ohne politische Erfahrung, sozusagen "unbescholten", "keusch" und  "ohne Vergangenheit" sind. Richtig? Aber sind das wirklich unter allen Umständen und in allen Situationen die richtigen Leute? Man beklagt aber tränenreich die linke mediale Dominanz.... Nun, mit Ducken, Kriechen und Leisetreten wird sich gewiß nichts an diesem Mißstand ändern und die politische Arena bleibt so weiterhin unter linker Dominanz.

Volksdeutscher

31. Juli 2022 00:34

5. @RMH - "Wie richtig das war, erkennt man daran, wie das Establishment bemüht ist andere vermeintliche Feindmarkierungen zu entwickeln, wie bspw. "trat auch in Schnellroda auf"."

Mir scheint, Sie fallen sich selber ins Wort. Einerseits behaupten Sie, daß Ihre Partei nur aus strategischen Gründen diese Unvereinbarkeitsliste habe, andererseits geben Sie zu, daß diese Strategie gar nichts nutze, da der politische Gegner unverändert Denunziationsfloskeln fabriziere. Daß die Feindmarkierung "trat auch in Schnellroda auf" nicht so recht zieht, ist doch kein Verdienst der Unvereinbarkeitsliste, sondern der der Phantasielosigkeit des politischen Gegners. Und er wird die Denunziation weiterhin fortspinnen, weil die Partei sich an solchen Grashalmen, wie der gesinnungstüchtigen Unvereinbarkeitsliste festhält. Schrecklich sich vorzustellen, was geschähe, wenn sie diesen Grashalm losließe, nicht? Was hätten dann die vielen hochbegabten "unbeschriebenen Blätter" von AfD-Politiker zu tun?

Volksdeutscher

31. Juli 2022 01:08

@Ausguck - "Dieses Forum neigt zum Geschwätz und zur Selbstdarstellung und wird daher keinerlei Auswirkungen auf eine Korrektur der Zeitläufte haben, wenn nicht gewisse Korrekturen erfolgen."

@Franz Bettinger an @Kikl hat sich für einen veränderten Umgang mit Kommentaren ausgesprochen. Dafür bekam er Kritik, aber widerlegen konnte ihn niemand. Es gibt jedoch auch einen anderen Grund, warum man die geschwätzige narzistische Selbstdarstellung außen vor lassen sollte und dieser Grund ist ein ästhetischer. Bildung ist nämlich wie Besitz - sie wird erworben, damit zu protzen ist nicht schön. Vornehme Naturen verstecken sowohl Bildung als Besitz und lassen sie lieber durch ihre Gedanken und Taten hindurchscheinen. Wer will schon als geschmackloser Neureicher der Bildung gelten?

Gotlandfahrer

31. Juli 2022 01:33

@ Franz Bettinger:

Es könnte sich um die Merkl-Rinne am Nanga Parbat handeln, dem "Schicksalsberg der Deutschen". Ganz sicher bin ich nicht. Da sind aber viele abgestürzt.

Niekisch

31. Juli 2022 14:39

"einige finden sich bei der Anthroposophie oder bei Beuys wieder."

@ Gracchus 29.7. 21:35: Na, dann wurden sie doch gefühlt. 

"Einige Punkte sind überholt, insbesondere dass der Einzelne nur Glied eines Stamms oder Rasse sei." Habe ich nicht ein Pflichtgefühl benannt und nicht vorliegende V o r r a n g i g k e i t  des Individuums? 

"Ich bleibe dabei: Das Christentum hat nichts weggesperrt, es war eben römisch geprägt, dann aber in weiten Teilen reformatorisch."

Dann werden wir uns nicht einig und müssen abwarten, welche seelischen Anteile in den kommenden Notzeiten die Menschen stärker bewegen.

 

Volksdeutscher

31. Juli 2022 16:22

@RMH - "Es macht nach wie vor Sinn, wenn eine alternative Partei Mitglieder und Führungskräfte hat, bei denen die Presse nicht ständig "ehemals" NPD oder DVU, Volksfront von Judäa etc. dahinter schreiben kann."

Daß das linksliberale just milieu neue, aber hilflose Denunziationstechniken entwickelt, entging mir auch nicht. Ihr Argument jedoch, daß die Unvereinbarkeitsliste existiere, weil die AfD kein Angebot an ehemalige Kader rechter Parteien machen wolle, ist ein Scheinargument - eine Nebelkerze - wenn Sie es so wollen. Denn mit der Unvereinbarkeitsliste soll nicht eigentlich das Karrieremachen, sondern allgemein das Mitgliedwerden blockiert werden. Man könnte solchen Ansinnen nämlich schon im Vorfeld entgegentreten, indem man dem Bewerber nahelegt, daß er zwar Mitglied werden, aber keine bedeutendere Funktionen übernehmen könne. Außerdem stellten solche, die Funktionäre rechter Parteien und Organisationen waren und bereit wären, der AfD beizutreten, eine bedeutungslose Minderheit dar. Die Unvereinbarkeitsliste richtet sich also einfach gegen das Mitgliedwerden - ob mit oder ohne Kader.

RMH

31. Juli 2022 21:11

@Volksdeutscher,

natürlich richtet sich die Unvereinbarkeitsliste gegen die Mitgliedschaft an und für sich, denn eine Art Teilmitgliedschaft gibt es nicht und ist auch nicht möglich. Wer Mitglied ist, der kann auf seinen Ebenen wählen und gewählt werden, insofern ist ihr Argument nicht richtig. Im Übrigen war anno 2013 die AfD ein Projekt mit Blick auf Mitte und Mehrheiten bzw. Anschluss an solche. Ob das 2023 das noch der Fall sein wird, zeigt sich von Mitgliederversammlung zu Mitgliederversammlung aufs Neue. Rechte haben ob des Erfolges der AfD ihre Begehren in die diese Partei gelegt und scheinen sich nicht mehr an die Anfänge bzw. überwiegende Zeit des bisherigen Bestehens der Partei erinnern zu wollen - mangelnder Respekt.

@F.B, man kann die Grünen nicht mit der AfD vergleichen, weil die Grünen mit dem Thema Umwelt ein Thema damals hatten, dass Lagerübergreifend bejaht und rasch  aufgegriffen wurde. Zudem kamen sie ganz schnell in Hessen in Regierungsverantwortung. All  das hat die AfD nicht vorzuweisen.

Laurenz

31. Juli 2022 21:13

@Niekisch @Gracchus

Das Christentum hat nichts weggesperrt, es war eben römisch geprägt.

Man kann sagen, ohne die Infrastruktur des Römischen Reiches hätte sich das Christentum nicht verbreiten können. Aber das Christentum ist nicht römisch geprägt, sondern orientalisch, wie an der Tracht kirchlicher Würdenträger, Mönchen oder Nonnen eindeutig ersichtlich ist. Und natürlich hat das Christentum nicht nur nichts weggesperrt, sondern alles. Gerade unsere Frauen gingen durch ein tausendjähriges Martyrium der Nichtachtung & Respektlosigkeit.

Carsten Lucke

31. Juli 2022 22:09

@ Gotlandfahrer

"Es könnte sich um die Merkl-Rinne am Nanga Parbat handeln, dem "Schicksalsberg der Deutschen". Ganz sicher bin ich nicht. Da sind aber viele abgestürzt."

Soso, Nanga Parbat ... Sie sind sicher, daß es nicht die Uckermark ist ?!

Gracchus

31. Juli 2022 22:23

@Volksdeutscher

Der zweite Teil Ihrer Antwort auf @Ausguck ist zutreffend. Nur wer protzt denn mit seiner Bildung?Franz Bettinger mit seinem naturwissenschaftlichen Background?

Um Bettingers These widerlegen zu können, müsste sie erst belegt werden, und zwar mit Beispielen, dass Naturwissenschaftler "in die Tiefe gehender" denken als Geisteswissenschaftler (Philosophen inbegriffen?). Dann frage ich mich, was dieser Kommentar unter einem Artikel über die AfD aussagen soll - was können Naturwissenschaften über politische Parteien sagen? Das würde mich ebenfalls interessieren. 

Gracchus

31. Juli 2022 22:28

@Niekisch: 

Sie spalten Haare. Ich bezog mich auf diese Stelle Ihres Kommentars: 

"Glaube, daß Rasse, Stamm metaphysische Realität sind und der Einzelne lediglich das vorübergehende Kettenglied der ideal ewigen Familie darstellt und Zeit seines Lebens Namen, Ruf, Status und Besitz der Familie treuhänderisch aufbewahrt und weitergibt."

Das halte ich teilweise für obsolet. Der Mensch steht im Spannungsfeld zwischen seinem Herkommen und seiner Individualität. Das könnte man als die "europäische Situation" bezeichnen. 

Gracchus

31. Juli 2022 22:36

@Niekisch

"Dann werden wir uns nicht einig und müssen abwarten, welche seelischen Anteile in den kommenden Notzeiten die Menschen stärker bewegen."

Ich denke ja, dass es keine unchristlichen (oder ungöttlichen) Seelenanteile gibt. 

Mmh, warum abwarten? Was man jetzt schon erkennen kann, ist, dass die meisten auf Gruppenzugehörigkeit setzen und daher bereitwillig mittragen, was die Gruppenführer (die Regierung) als Marschroute ausgeben. 

Kurativ

31. Juli 2022 22:46

Niekischm28. Juli 2022 09:26 "Überlegen wir uns doch schon mal Parolen"

Wie wäre es mit "Öko-Nazis RAUS" oder "Selenski hat die Schnauze!" ?

Kositza: Ja super, richtig originell!!!

Kurativ

31. Juli 2022 22:58

Die Analyse ist gut zu lesen. Die Handlungsempfehlungen sind schwierig. Wenn man keine Macht hat (Opposition, Medien, neue Corona-Viren, ...) dann kann man nur re-agieren. Ich würde nach Bündnissen schauen. Die Basis und Corona-Demos haben Strukturen geschaffen, welche undogmatisch den Nutzen sehen und mit AfD und anderen Rechten vernünftigerweise kooperieren. Auch ich haben schon öfters den "Demokratischen Widerstand" (1000 Stück) bestellt und in die Briefkästen der Hochhäuser geworfen. Auch wenn ich nicht allem zustimme was dort geschrieben steht... Die Wirkung ist erstaunlich. Weg von Internet, hin zur materiellen Verwirklichung. Eine Zeitung kann man nicht einfach per Knopfdruck abschalten. Udn Marketing und Juristerei wirken wie Schrotladungen. Irgendwas kommt immer an. Nach einiger Zeit haben sich Gruppen mit dieser Zeitung in der Hand manifestiert. Die AfD ist unauffällig dabei und man grüßt sich mit vielsagenden Blick. Dabei keine Aussließeritis von der Seite der Corona-Aktivisten. Ich würde ein Wahlbündnis empfehlen.

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