Scheils deutscher Donner und die Gestalt des Reiches

Nach zweimaliger Lektüre von Stefan Scheils kaplaken-Band Der deutsche Donner. Deutschlands Kampf mit sich und der Welt 1796-1946 konstatiere ich:

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

Die­ses Büch­lein liest sich wie eine drin­gend nöti­ge Hin­füh­rung auf den Brief­wech­sel (Volks­tod – Volks­auf­er­ste­hung), den ich mit Mar­tin Bark­hoff im vor­ver­gan­ge­nen Jahr über das Schick­sal Deutsch­lands geführt habe.

Die Scheu vor dem Reichs­be­griff erwies sich als so groß, daß er in kei­nem Doku­ment der Nach­kriegs­re­ge­lun­gen vor­kommt und dar­über hin­aus aus Begriff selbst aus dem Gedächt­nis der Deut­schen getilgt wur­de, jeden­falls aus dem Bereich der poli­ti­schen Selbst­ver­ständ­lich­keit verbannt.

Dies schreibt Scheil fast zum Schluß sei­nes Buches. War­um ist das so? Der Reichs­be­griff ist, wich­tig zum Ver­ständ­nis sei­nes Groß­essays, ja nicht bloß durch den NS “ver­brannt” – auch wenn als “poli­ti­sche Bil­dung” gilt, dies zu behaup­ten – son­dern stellt als Begriff selbst seit der Auf­lö­sung des Alten Rei­ches 1796 unun­ter­bro­chen “die deut­sche Frage” .

US-Prä­si­dent Frank­lin D. Roo­se­velt dekre­tier­te 1944, so zitiert Scheil, “die­ses Wort ‘Reich’ und alles, wofür es steht, (ist) aus­zu­mer­zen”. War­um? Es steht für mehr als bloß den (von Roo­se­velt erwähn­ten) “Inbe­griff von Natio­na­li­tät”. Es steht für weit mehr!

Ste­fan Scheil schrei­tet bezeich­nen­der­wei­se den Weg der Reichs­klein­odi­en (Reichs­kro­ne, Hei­li­ge Lan­ze und Reichs­schwert) über die Jahr­hun­der­te ab. Wie­der fra­ge ich: war­um tut er das? Auf der his­to­ri­schen Ober­flä­che läßt sich sehen, daß sie wan­dern: von Nürn­berg nach Wien (1796), 1871 gelingt es dem re-instal­lier­ten deut­schen Kai­ser nicht, sie von Öster­reich-Ungarn zurück­zu­er­hal­ten, 1938 wer­den sie pro­pa­gan­da­träch­tig nach Nürn­berg zurück­ge­führt, um dann 1946 auf Befehl der ame­ri­ka­ni­schen Mili­tär­ver­wal­tung mit einem Pan­zer­kon­voi nach Wien ver­bracht zu wer­den, wo sie bis heu­te in der Schatz­kam­mer der Wie­ner Hof­burg liegen.

Geht es um den “Sym­bol­wert” des Reichs­schat­zes? Um eine Art Zei­chen­be­zie­hung zwi­schen “sym­bo­lisch auf­ge­la­de­nen” Gegen­stän­den und der poli­ti­schen Struk­tur eines bzw. meh­re­rer (Stich­wor­te: “Klein­staa­te­rei”, “groß- und klein­deut­sche Lösung” etc.) Staa­ten der Deutschen?

Wesent­lich mehr kann ein gegen­wär­ti­ger His­to­ri­ker, respek­ti­ve nach dem “sym­bo­lic turn”, der aus der Geschichts- eine dekon­struk­ti­vis­ti­sche Kul­tur­wis­sen­schaft unter vie­len gemacht hat, nicht herausbekommen.

Ste­fan Scheils kapla­ken liest sich mei­nes Erach­tens des­halb so elek­tri­sie­rend, weil er – ohne daß er irgend­ei­ne alte oder neu­mo­di­sche Groß­theo­rie der His­to­ri­ker­zunft sehen läßt – die­se “Sym­bo­le­be­ne” an vie­len Stel­len über­schrei­tet. Das Reich ist weder sym­bo­lisch, geschwei­ge denn fak­ten­his­to­risch, noch poli­tisch (also als Macht­fra­ge) zu fas­sen, und auch nicht, füge ich zur Sicher­heit noch hin­zu, “reli­gi­ös” im Sin­ne des alten katho­li­schen “Hei­li­gen Römi­schen Rei­ches Deut­scher Nation”.

In unse­rem Brief­wech­sel faßt Mar­tin Bark­hoff “das Reich” als geis­ti­ge Gestalt. Das phy­si­sche Deut­sche Reich ist Aus­druck eines lang­an­dau­ern­den Gesche­hens, in dem die Men­schen­ge­ne­ra­tio­nen und Macht­for­men ein­an­der ablö­sen, aber etwas Höhe­res durch­ge­tra­gen wird – auch dann und gera­de dann, wenn geo­po­li­tisch das Reich bedroht ist oder gar ganz aufgelöst.

Man kann sich die­ses Höhe­re schön greif­bar vor­stel­len, wenn man sich ein­mal die zwei­te Bit­te des Vater­un­sers (“dein Reich kom­me” oder “zu uns kom­me dein Reich”) vergegenwärtigt:

Das Reich ist “nicht von die­ser Welt” (Joh 18, 36), und doch bestän­dig “inwen­dig in uns” (Luk 17, 21). Wir haben als Men­schen in die­ser Span­nung tätig dazu bei­zu­tra­gen, daß es kom­me. Von sol­cher Art ist in einem geis­ti­gen (wie­der: nicht reli­giö­sen, also an Insti­tu­ti­on und Kon­fes­si­on gebun­de­nen) Sin­ne auch das Deut­sche Reich.

Wie­so nun wie­der­um das so ist, las ich unlängst in Rudolf Stei­ners Zeit­ge­schicht­li­chen Betrach­tun­gen (eine hun­dert Jah­re alte Folie, die der Leser auf die Ereig­nis­se im Osten, die Ereig­nis­se des jet­zi­gen Krie­ges, legen möch­te und sehen, was sich da ver­wirk­licht). Da schreibt er:

Man muß sich dar­über doch klar sein – dar­auf sei noch­mals hin­ge­wie­sen -, daß die in Mit­tel­eu­ro­pa zusam­men­ge­dräng­te Bevöl­ke­rung unter einem ganz andern Gesichts­win­kel zu beur­tei­len ist, weil da die Men­schen exis­ten­zi­ell bedrängt sind, wäh­rend das­je­ni­ge, was rings­her­um ist – nur soweit es krieg­füh­ren­de Mäch­te sind selbst­ver­ständ­lich – für eine lan­ge Zeit noch, wenigs­tens bis gewis­se Zustän­de ein­tre­ten, falls der Krieg noch jah­re­lang dau­ert – nur staat­lich und poli­tisch beur­teilt wer­den muß. Für Mit­tel­eu­ro­pa han­delt es sich um das Geis­tes­gut, um die See­len­ent­wick­lung, um das, was in Jahr­hun­der­ten pro­du­zier­tes Geis­tes­gut ist. (GA 173a, S. 54)

Man kann an der “exis­ten­zi­el­len Bedräng­nis” der Deut­schen (damals wie heu­te) wie der Arzt an einem Krank­heits­sym­ptom able­sen und abspü­ren, daß die Not eine see­li­sche Ursa­che hat. Wer nur “staat­lich und poli­tisch” inter­pre­tiert, stellt die­se gewis­ser­ma­ßen the­ra­peu­ti­sche Bezie­hung nicht her.

Gera­de die Deut­schen haben eine son­der­li­che, als Volk indi­vi­du­el­le und indi­vi­dua­ti­ve (sich von ande­ren Völ­kern unter­schei­den­de) Bezie­hung zum Reich, in wel­che die christ­li­che Vor­stel­lung vom “Reich Got­tes” von Beginn an hin­ein­ge­spielt hat, und ohne die der “Reichs­ge­dan­ke” kalt bleibt. Im Reich, das da war und das da kom­men soll, bewah­ren wir einen Wär­me­strom auf. Gegen den kön­nen die gehirn­wa­schen­den und see­len­ver­dre­hen­den Roo­se­velts die­ser Welt nur quan­ti­ta­tiv etwas aus­rich­ten (wie Scheil meint: das Reich ist “aus dem Bereich der poli­ti­schen Selbst­ver­ständ­lich­keit ver­bannt”, die aller­meis­ten Deut­schen füh­len und ver­ste­hen es nicht mehr), aber nicht qualitativ.

Von die­ser Qua­li­tät spürt man eini­ges in Der deut­sche Don­ner. Die titel­ge­ben­de Meta­pher (mehr als nur eine “sym­bo­li­sche” Meta­pher, eher: eine “sym­pto­ma­to­lo­gi­sche”) stammt von Hein­rich Hei­ne, der 1834 fol­gen­de Wor­te notiert hat:

Der deut­sche Don­ner ist frei­lich auch ein Deut­scher und ist nicht sehr gelen­kig und kommt etwas lang­sam her­an­ge­rollt; aber kom­men wird er, und wenn Ihr es einst kra­chen hört, wie es noch nie­mals in der Welt­ge­schich­te gekracht hat, so wißt, der deut­sche Don­ner hat end­lich sein Ziel erreicht.

Die­ser his­to­risch offen­ge­las­se­ne Satz muß weiß Gott nicht auf den II. Welt­krieg als fina­les Moment bezo­gen blei­ben, auch wenn ihm bis­lang die­se Deu­tung aus dem Bewußt­sein der “poli­ti­schen Bil­dung” her­aus auto­ma­tisch zuge­kom­men ist.

– – –

Ste­fan Scheil: Der deut­sche Don­ner. Deutsch­lands Kampf mit sich und der Welt 1796–1945hier bestel­len.

Mar­tin Bark­hoff und Caro­li­ne Som­mer­feld: Volks­tod – Volks­auf­er­ste­hunghier bestel­len.

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

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Kommentare (56)

Ein Fremder aus Elea

2. August 2022 14:35

Was "Reich" bedeutet, kann man sich am besten zu Tisch veranschaulichen, nämlich als jenen Bereich, welcher in Reichweite liegt, und wo man überall hinreichen kann, um sich etwas in den Mund zu stopfen, also politisch übertragen: Das Reich ist jener Bereich, in welchem die Dinge so eingerichtet sind, wie man es will, wobei das "man" das Reich näher bestimmt, sind's die Deutschen, so ist es das Deutsche Reich, ist's der Kaiser, so ist es das Kaiserreich und so weiter.

Ein Fremder aus Elea

2. August 2022 14:46

Hmm, nein, ich kann dem nicht zustimmen. Das Deutsche Reich kommt nicht erst noch, das Deutsche Reich ist jeweils schon. Übrigens, wenn Sie mal in Leipzig sind und sich das Völkerschlachtdenkmal ansehen, da sind Briefe ausgestellt, deren Zweck es war, die Deutschen gegen die Franzosen zu mobilisieren. Wagner hat den Ton schön in den Meistersingern getroffen, von wegen welscher Tand und so, im wesentlichen: Wie kämpfen dafür, daß der Meisterbrief ein Meisterbrief bleibt, wir lassen uns von den Franzosen nicht sagen, wer welcher Rechte zu haben hat!

Das stimmt einfach nicht, das Reich ist kein Leitstern, sondern das bereits Erreichte, worauf man auch mächtig stolz ist.

Franz Bettinger

2. August 2022 14:53

Reichs-Insignien hin oder her:  Das 1. Deutsche Reich existierte nur auf dem Papier. Nie hat es eine Schlacht gemeinsam gefochten, immer nur Feden in den eigenen Grenzen ausgetragen. Im seltsamen sogenannten Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation wurde der Kaiser von den Kurfürsten gewählt, die damit ihre eigenen Interessen verbanden. Deshalb zerfiel das 1. Deutsche Reich (962-1806, d.h. von der Schlacht auf dem Lech-Feld bis Napoleon, bzw. von Otto I bis zu Franz II) während Frankreich, England, Russland und die USA zu Großmächten heranwuchsen, die ganz selbstverständlich ihr Imperium ausdehnten und die Welt kolonialisierten.  Als Vielvölkerstaat, der aus etwa 360 Ländchen bestand, entwickelte sich das 1. Deutsche Reich nicht zu einem Nationalstaat, sondern blieb ein von Landes-Monarchen  geführtes, ständisch geprägtes Gebilde mit einem Kaiser an der Spitze, der kaum etwas zu sagen hatte.

Erst das 2. Deutsche Reich (1871-1918) schaffte das, was wir heute die Deutsche Nation nennen: ein Gefühl des Zusammenhaltens aufgrund der gemeinsamen Geschichte, die durch den gewonnenen Deutsch-Französischen und den verlorenen 1. Weltkrieg bestimmt war. Großes Glück und großes Leid sind der Kitt, der zusammenschweißt, nicht nur Freundschaften, auch Völker. Echte Integration wird eben mit Hammer und Amboss geschmiedet, nie nur aufgrund einer gemeinsamen Brieftasche. Im Gegenteil, überall sieht man solche Zwangsehen wieder auseinander gehen: Belgien, Irland, Tschechen, Slowaken, die Krim und die Ukraine, Katalonien und Spanien, die zwei Teile Zyperns, Kanada womöglich.

In Wirklichkeit gab es nie ein Deutsches Reich. Ein Volk ja. Auch eine Nation. Die gibt es immer noch und umfasst D, Austria und Teile der Schweiz, eben überall, wo 'auf Deutschem Boden' Deutsch gesprochen wird. Ein Reich aber muss mMn über die Nation hinausreichen. Es muss andere Völker mit erfassen. Die Österreicher hatten so was: das Habsburger Reich. Die Franzosen, Engländer, USA hatten (haben) so etwas. Die Deutschen: nie. Die hatten nur eine Idee davon. 

quarz

2. August 2022 16:41

Ein Reich ist ein Gebilde, das seine Funktion aus der Herrschaftsperspektive ableitet. Insofern ist es gerade nicht "Inbegriff von Nationalität", denn letztere ist ein Charakteristikum eines kulturell verbundenen Volkes, mag dieses nun unter gemeinsamer politischer Herrschaft stehen oder nicht.

Folglich ist auch immer wieder das allen politischen Wandel überdauernde kulturelle Element (insbesodere in der Kunst) hervorgehoben worden, sei es bei Richard Wagner ("Zerging in Dunst / das heil’ge röm’sche Reich, / uns bliebe gleich / die heil’ge deutsche Kunst!") oder bei Richard Strauß, der 1948 notierte: "Ich war gestern beim Oktett der Wiener, bezaubernd! Was geht einen da die Zerstörung der übrigen sogenannten Welt an! Der deutsche Geist, der sich in solchen Werken offenbart (und nicht in Hermann dem Cherusker und Friedrich II.), bleibt, bis die Erdkrüste vereist ist und wohl noch darüber hinaus!".

Laurenz

2. August 2022 18:33

@CS (1)

Da haben Sie aber wieder ein Faß aufgemacht, aber sicherlich spannend zu sehen, wie dick der Wein ist, der fließt.

Kann leider weder Ihnen, noch dem Eleaner, noch Franz Bettinger zustimmen.

Die Auswahl Ihrer Bibelzitate um sich säkular zum Deutschen Reich zu erklären, sind zu opportunistisch gewählt, als Argument nur unvollständig lauter oder unlauter. Von den Autoren des NTs selbst bis zur heutigen Wissenschaft prügeln sich 2 Fraktionen. Die einen, die, wie Paulus & Sie, CS, alles auf den Glauben beziehen, die Auferstehung, für die es so gut, wie keine Zeugen gibt, & die anderen, wie Petrus oder Judas, die Butter bei die Fische .... & das gereinigte, reformierte, materialisierte Königreich Israel (von Gottes Gnaden) sehen wollen, siehe die 12 Throne, ein rein materieller Machtanspruch. https://www.bibelstudium.de/articles/2831/der-zwoelfte-apostel.html

Insofern ist das geistige Reich nicht vom materiellen Reich trennbar, zumindest nicht in einem diesseits.

Ohne das größere ICH, als Individuum Teil des Reichs zu sein, gibt es keinen..., mir fehlen da die Worte, ich sage mal .. Fortschritt oder Evolution. Am besten ist das mit dem Militär zu erklären. Laut einer Umfrage wären aktuell nur 17% der Deutschen bereit für ihr Land zu sterben. Das ist der schlechteste Wert in ganz Europa.

Kommentar Sommerfeld: "Ohne das größere ICH, als Individuum Teil des Reichs zu sein, gibt es keinen..., mir fehlen da die Worte, ich sage mal .. Fortschritt oder Evolution" - genau so sieht Steiner das auch. Die Menschheitsentwicklung benötigt das Individuum als "Teil des Reiches". Das römische, rein gruppenseelenhafte "dulce et decorum est pro patria mori" hat das Individuum im "Bewußtseinsseelenzeitalter", also unserem, allerdings zurückgelassen.

Laurenz

2. August 2022 19:01

@CS (2)

Volksweit betrachtet, zumindest was das II. Reich angeht, war es der Volksdichter Karl May, der unser Wesen bis in die unteren Schichten am besten beschrieb. Das ambivalente Fernweh, welches im Deutschen schmachtet, gepaart mit der unlösbaren Fessel an die heißgeliebte Heimat. Das traf Mio. von einfachen Lesern, zB Lesern der Zeitschriften Schacht & Hütte oder Deutscher Hausschatz, mitten ins Herz, auch mich, noch 60 oder 70 Jahre nach Seinem Tode. Diesen Millionen braucht man nicht wirklich mit den elitären Meistersingern angeschissen kommen. Zugang nach Neuschwanstein bekam nämlich nur einer, mit etwas Dienerschaft & ein paar Gästen. Das II. Reich entspricht uns hier wohl am ehesten, ein Ideal mit Schönheitsfehlern, vor allem der Klassengesellschaft & der sozialen Frage. Beides kommt gerade bei Karl May, als notorischer Hochstapler, durchweg zum Tragen. Da CS hier mehrfach Roosevelt anführte. Es waren vor allem Auswanderer aus dem II. Reich, welche die USA zu dem machten, was sie heute sind. Die USA sind zwar formal wie die Römische Republik organisiert, agieren aber immer als Imperium.

Kommentar Sommerfeld: Zu Karl May erscheint demnächst im Karolinger Verlag ein interessantes Buch.

notker balbulus

2. August 2022 19:14

"Reich" ist ein sowohl politischer wie metaphysischer Begriff. Der erstere hat sich im Lauf der Jahrhunderte von letzterem mehr und mehr abgelöst; insbesondere seit Bismarcks Realpolitik war vom transzendenten Reichsbegriff kaum mehr etwas übrig geblieben. Der Dichter, Spagyriker und Alchimist Alexander von Bernus hat im Ersten Weltkrieg mit seiner Zeitschrift "Das Reich" versucht, die geistige Potenz dieses Schlüsselwortes aufleben zu lassen; Steiner war dabei eine seiner Inspirationsquellen, wahrscheinlich die stärkste. Aber der entschiedenste und zugleich pervertierteste Rückgriff auf den Reichsbegriff erfolgte unter den Nationalsozialisten und ihrem "Dritten Reich", mit dem sie Heilsgeschichte zu schreiben vorgaben - freilich nur so lange, wie es ihrem Vulgärnationalismus nützlich war. Das wahre Reich ist nicht von dieser Welt. Das hat auch Stauffenberg mit seinem letzten Wort gemeint.

Laurenz

2. August 2022 19:28

@CS (3)

Möchte noch gerne Franz Bettinger widersprechen. Es stimmt mehr oder weniger alles, was Er kommentierte. Aber Franz hat eines, das wesentliche, übersehen. Das I. Reich stellt unseren Volkscharakter am besten dar. Genauso sind wir. Das sollte man als Deutscher wissen. Das betrifft nicht nur das I. Reich, sondern quasi ganz Europa, zumindest den seinerzeit entscheidenden Adel. Auch die heutige, völlig lächerliche Politiker-Generation trägt noch alle negativen deutschen Charakterzüge in sich, tatsächlich bis zum Exzeß, über alle imaginären Reichsgrenzen hinweg. Frau Bärbock & Co. sind viel faschistoider, als es die gesamte NPD jemals war. Wer Taiwan bei einem chinesischen Überfall Unterstützung zusagt (Taipeh hat hier nicht mal eine Botschaft), ist schlicht vom deutschen Größenwahn besessen & zerfressen. Man bedroht China, unseren wichtigsten Handelspartner, einfach mal so auf der Straße.

@Franz

Wenn Du den CS-Artikel mit den Reichskleinodien verfolgst, war ein weiterer Haken, Bismarcks Ausschluß Österreichs aus dem Reich.  https://www.welt.de/geschichte/article156491191/Wie-Bismarck-Oesterreich-1866-zum-Krieg-zwang.html

Vielleicht hätte Bismarck durchziehen sollen, nach Wien.

Imagine

2. August 2022 19:58

@Franz Bettinger  2. August 2022 14:53
„In Wirklichkeit gab es nie ein Deutsches Reich. Ein Volk ja. Auch eine Nation. Die gibt es immer noch und umfasst D, Austria und Teile der Schweiz, eben überall, wo 'auf Deutschem Boden' Deutsch gesprochen wird. Ein Reich aber muss mMn über die Nation hinausreichen. Es muss andere Völker mit erfassen.“

Richtig, es gab nie ein Deutsches Reich. Reich wird lateinisch als Imperium, englisch als Empire bezeichnet.

Um ein Reich zu bilden, bedarf es eines erfolgreichen Imperialismus, dessen Reichtum andere Völker als Sklaven und Ausgebeutete mehren.

Gibt es ein deutsches Volk noch? Braucht es dazu nicht eine völkische Identität? Und Österreicher und Schweizer zur deutschen Nation hinzuzuzählen, ist voll daneben. Bis auf wenige Ausnahmen will dies kein Österreicher oder Schweizer. Zumal nicht zu diesem Loser- und Niedriglohn-Deutschland.

In Deutschland gibt es die Anti-Deutschen. Wessis und Ossis erleben sich nicht wirklich als ein Volk. Ich kenne viele, welche die Ossis am liebsten wieder loswerden würden. Sowohl als finanziellen wie auch kulturellen Gründen.

Europa war die große Perspektive und Sehnsucht der meisten Nachkriegs-Westdeutschen und eben nicht ein „großdeutsches Reich“.

kikl

2. August 2022 20:00

Das Reich war lange auch Wunschtraum und Legende.

Barbarossa

Der alte Barbarossa,
Der Kaiser Friederich,
Im unterird’schen Schlosse
Hält er verzaubert sich.

Er ist niemals gestorben,
Er lebt darin noch jetzt;
Er hat im Schloß verborgen
Zum Schlaf sich hingesetzt.

Er hat hinabgenommen
Des Reiches Herrlichkeit,
Und wird einst wiederkommen,
Mit ihr, zu seiner Zeit.

Der Stuhl ist elfenbeinern,
Darauf der Kaiser sitzt:
Der Tisch ist marmelsteinern,
Worauf sein Haupt er stützt.

...

Er spricht im Schlaf zum Knaben:
Geh hin vors Schloß, o Zwerg,
Und sieh, ob noch die Raben
Herfliegen um den Berg.

Und wenn die alten Raben
Noch fliegen immerdar,
So muß auch ich noch schlafen
Verzaubert hundert Jahr.

Friedrich Rückert

Valjean72

2. August 2022 20:31

@Franz Bettinger:

mE erfassen Sie den Begriff "Reich" zu eindimensional, reduziert auf die allein politische Bedeutung, wie sie dem lateinischen und damit auch englischen und französischen Verständnis entspricht, als Imperium. Rein materialistisch eben.

Aber das Reich Gottes ist kein Imperium, auch nicht das Himmelreich und nicht das Reich der Träume. 

 

Ich werde mir den besprochenen Kaplakenband bestellen.

JungspundF

2. August 2022 20:35

Ich habe gestern auch zufällig Scheils Kaplaken gelesen (nach einer Kette von Videos die Stimmung darauf machten), und war auch hin und weg. An einem Stück durchgelesen.

Ein Geschenk und eine Frage (die sich aus dem Inhalt selbst beantwortet) zugleich, warum der Titel nicht auf die deutsche Reichsidee als Themenschwerpunkt hinweist. Ich habe jetzt hier seit knapp 1,5 Jahren van den Brucks "Das dritte Reich" in meinem Regal stehen, aber ich fühlte mich nicht bereit es zu lesen (sowie einem weiteren Buch in dieser Richtung). Jetzt fühle ich mich bereit, gerüstet, ausgestattet, um dem Buch gerecht zu werden, es von nun an anzugehen.

Spannend finde ich auch, dass Sommerfeld auf "dein Reich komme" anspielt. Noch dieses Semester Gunnar Hindrichs Philosophie der Revolution gehabt, in der genau diese Frage behandelt wurde, und mein Denken und Standpunkt wegweisend beeinflusst hat. 

Ich bin für solche Gemengelagen die unerwartet zusammenspielen sehr dankbar. Manchmal sind die Wege wirklich unergründlich.

Ein Fremder aus Elea

2. August 2022 21:28

Laurenz,

"Reich" als Befindlichkeit von von der Südsee träumenden klassengebundenen Berlinern?

Gibt da ein schönes Lied von Hubert Kah zu. (Wer das Album nicht kennt: Es heißt "Goldene Zeiten" und ist das beste deutsche Album der Schallplattenära.)

Und mit Verlaub, auch wenn der Kaiser das Max Planck Institut gegründet hat, der Fortschritt ist damit nicht in die Welt gekommen. Hat sich das Automobil nur aufgrund einer Reichsidee durchsetzen können? (Ja, dieselbe half beim Bau von Autobahnen, das ist hinlänglich bekannt.)

Mich amüsiert Ihr Beitrag ehrlich gesagt. Vielleicht sollte das Lob des Kaisers eher so lauten, daß er den Deutschen den ihnen am meisten zusagenden Rahmen gab, sich als solche die nationale Entwicklung betreffend einzubringen. Die Aussage dürfte stimmen, aber ich sehe da keine Äquivalenz zu Ihren Aussagen.

Ein Fremder aus Elea

2. August 2022 21:48

Valjean72,

nein, das Reich der Träume ist das Reich, in welchem ihre Gesetze gelten, und mit dem Reich Gottes ist es dasselbe, wie ich eingangs sagte: Man kann spezifizieren, wer sich nach Belieben den Mund vollstopfen kann.

Da steht im griechischen Original stets tou kosmou toutou: die Welt, diese. Wenn man dann sagt: Der Teufel ist der Herr der Welt, dieser hier, hat das doch, jedenfalls in meinen Ohren, einen ganz anderen Klang, nämlich, daß halt vieles im Argen liegt, aber man sich nicht davon beeindrucken lassen sollte, quasi als wenn man die gegenwärtigen Zustände als Schweinestall bezeichnete. Ist damit gesagt, daß es immer ein Schweinestall bleiben wird?

Das ist nicht die entscheidende Frage. Entscheidend ist, sich auf die Verbesserung zu konzentrieren und meinetwegen auch auf die Gefahr, welche von einem Gebilde ausgeht, welches anderen Erwägungen als der Frage nach dem Besten folgt. Wenn mein Reich von dieser Welt wäre, würden meine Jünger für mich kämpfen. Aber genau das tun sie, wenn sie das Tier überwinden. Wir reden schlicht von einem langen Werk, welches es vorbereitet.

Gustav Grambauer

2. August 2022 22:03

Für mich der Schlüsseltext hierzu, der das Thema aus "einem großen Zug der Lebensanschauung" wie zugleich aus der Lebensnot heraus entfaltet - und der sogar so präzise durchkomponiert ist, daß jedes Komma seinen genauen Platz hat. Werde auch weiterhin immer wieder auf ihn hinweisen.

Das mindeste, was man daraus entnehmen könnte, wäre doch die Schlußfolgerung, daß jeder Vorstoß zum Nachäffen anderer oder früherer Reiche die Misere nur verschlimmert.  

- G. G.

Franz Bettinger

2. August 2022 22:36

@Lau: Karl May, ja, aber auch Ernst Wiechert - dessen Der Totenwolf ich gerade mit großem Genuss lese - haben das deutsche Wesen (und darin die Abenteuer-Lust) gut erfasst.

Gracchus

2. August 2022 23:37

Mit dem Reichs-Gedanken kann ich schon etwas anfangen; der Klang des Wortes weckt schon etwas (wenn man ihn von den Nazi-Assoziationen reinigt). Mit Reich verbinde ich eine eher lockere, durch ein Geistiges Band verbundene Herrschaftsform.

Derzeit neige ich aber eher EKs "Down to Earth"-Maxime zu. Was nicht heißt, sich von allen Idealen zu trennen, aber damit sich etwas Ideelles, Geistiges verwirklichen kann, muss man ihm einen Boden bereiten. 

Liest man den von G. G. verlinkten Steiner-Text, muss man sich fragen, ob man seither auch nur einen halben Schritt vorangekommen ist - oder nicht vielmehr zurückgegangen ist; letzteres scheint eher der Fall. 

Laurenz

3. August 2022 00:06

@Ein Fremder aus Elea @L.

Bin mehr oder weniger kein Freund deutscher Kaiser, aber unähnlich Franz Bettinger. Ich nehme sie einfach zu unserer Geschichte gehörend hin. Daß die Reichsfürsten den König/Kaiser nach germanischer Tradition wählten, hat nur durch die Existenz des Geldes versagt. Sonst bin ich gegen die Erbfolge eines führenden Adligen, der durch die berufliche Tätigkeit als König überlastet, nicht mehr in der Lage war, gescheite Töchter oder Söhne zu zeugen. Man sollte immer den Besten zum Anführer wählen & damit meine ich nicht den Besten jener, die sich freiwillig anbieten. Ich habe da eher den Terminus Berufung im Sinn.

@Kikl

Es gibt keine Erlöser. Wir müssen schon ohne klarkommen.

@Imagine @Franz Bettinger

Deutsche in Österreich & der Schweiz

Das ist rein eine Frage des Bewußtseins. Natürlich sind Österreicher & die meisten Schweizer Deutsche. Das weiß ein Roger Köppel & das weiß auch eine CS.

@Valjean72 @Franz Bettinger:

Aber das Reich Gottes ist kein Imperium, auch nicht das Himmelreich und nicht das Reich der Träume.

Was ist es dann?

@JungspundF

CS auf "dein Reich komme" anspielt

Ja, zutiefst tragisch, nicht? Denn es kam nie, oder wenn doch, nur sehr kurz.

Ausguck

3. August 2022 00:13

@ Franz Bettinger:

"Nie hat es eine Schlacht gemeinsam gefochten, immer nur Feden in den eigenen Grenzen ausgetragen."

Das ist nicht richtig. Vergessen wir bitte nicht die mörderische Schlacht bei Liegnitz in Schlesien, als das deutsche Heer unter Heinrich von Breslau am 9.April 1241 gegen eine gewaltige mongolische Übermacht das Reich rettete. Zugegeben, die Schlacht wäre verloren gewesen wenn nicht der mongolische Herrscher plötzlich gestorben wäre. Aber solche "Wunder an der Marne" gab es - wie wir wissen- öfter. Man sollte in diesem Zusammenhang auch nicht die Taten der Hanse und des "Deutschen Ritterordens" vergessen, die aus dem Reich heraus den Osten und Norden Europas für Deutschland kolonialisierten. Und auch den ersten Dreißigjährigen Krieg gegen das Deutsche Reich muß man anders sehen als er gewöhnlich interpretiert wird: Nein, es handelte sich dabei nicht um einen Religionskrieg, sondern um einen Krieg gegen den deutschen Reichsgedanken.

Gracchus

3. August 2022 00:19

P. S. Was Steiner, denke ich, da ganz richtig gesehen hat, ist das Fehlen einer wesensgemässen übergeordneten Aufgabe. Diese oder deren Anerkennung fehlt bis heute. Wohlstandsmehrung oder -erhaltung wäre dann Mittel, nicht Zweck. Die westliche Welt hat da nichts anzubieten. Die Werte-Semantik ist nichts als Tünche. Aus dieser Leere oder diesem Abgrund entspringen naturgemäß autodestruktive Energien. Man dreht sich im Kreis. 

Ausguck

3. August 2022 00:57

@ Laurenz,

"Das I. Reich stellt unseren Volkscharakter am besten dar. Genauso sind wir.."

Chapeau! Auch wenn wir uns in Marinefragen uneins sind, hierbei stimme ich Ihnen jedoch voll und ganz zu. Im ersten Reich hatte Otto der Große tatsächlich unsere positiven Eigenschaften erkannt, auch um einem Großteil Europas Frieden zu bringen. Er hatte dabei die Sucht seiner Landsleute nach dem Makellosen, nach klarer Ordnung und Übersichtlichkeit und  nach einer Idee und sei sie noch so wirklichkeitsfern, genutzt, denn es war ihm nach vielen -oft ernüchternden Anläufen - endlich gelungen, die deutschen Fürsten auf seine Seite zu bringen, als es darum ging, die gemeinsame Sicherheit gegen ein zu sehr erstarkendes Italien (Stichworte: Berengar, Lombardei) zu erzielen. Das haben manche nach ihm immer wieder versucht, aber es ist später immer bei einem (schönen) Traum geblieben - bis heute.

Niekisch

3. August 2022 09:47

Vor einigen Jahren fragte mich ein mühevoll den Steilhang pflügender Südtiroler Bauer: "Kommst aus dem Reich? Ohne zu zögern antwortete ich mit einem kräftigen "Ja, selbstverständlich" Bei einem hervorragenden Roten besprachen wir abends die Geschichte unserer Familien mit vielen Parallelen. Was für ein wunderbarer seelischer Gleichklang! 

D a s   ist das Reich und es lebt, wie auch immer wir hier herumeiern.

kikl

3. August 2022 09:56

@ Laurenz

Kaiser Rotbart steigt ja auch erst aus seinem Grab hervor und errichtet die Herrlichkeit des Reiches, wenn die "alten Raben" vertrieben wurden. Insofern reimt sich das Gedicht auf die Volksweisheit "Hilf Dir selbst, so hilft Dir Gott."

Die Wiederkunft des Erlösers Barbarossa ist natürlich inspiriert von der Wiederkunft Jesu und der Errichtung des Gottesreiches. Der Rabe gilt zwar in der germanischen Mythologie als Symbol der Weisheit, aber hier ist wohl eher der Unglücksrabe gemeint oder die alten Raben sind teuflische Gestalten oder Gedanken. Die Raben umkreisen den Berg wie böse Gedanken, die einen verfolgen.

Letztlich manifestiert sich in dieser Sage und in Rückerts wunderbarem Gedicht, der Wunsch nach einem geeinigten und herrlichen Reich. Deutschland wurde in seiner Geschichte sehr häufig verheert in Folge seiner Uneinigkeit und daraus resultierenden Ohnmacht. Aus dieser Erfahrung entsprang der Wunsch nach einem herrlichen Deutschen Reich.

Valjean72

3. August 2022 10:16

@ein Fremder aus Elea:

"nein, das Reich der Träume ist das Reich, in welchem ihre Gesetze gelten"

---

Wessen Gesetze meinen Sie? Ich nehmen an die meinen und auch da bin ich anderer Auffassung aber das ist ein anderes Thema.

Der deutsch (germanische*) Begriff Reich ist eben nicht deckungsgleich mit dem romanischen Imperium.

Im englischen gibt es den Begriff "realm".

Realm of  shades = Schattenreich

Realm of the dead = Reich der Toten

Realm of dreams = Reich der Träume

 

Das Reich Gottes wird im englischen mit kingdom of God bezeichnet (im französischen: Royaume de dieu).

---

*das schwedische Parlament ist der riksdag (Reichstag)

*das niederländische Nationalmuseum der Künste ... ist das Rijksmuseum in Amsterdam

quer

3. August 2022 10:41

Vorschlag:

Otto v. Habsburg: "Die Reichsidee" 1986 bei Amalthea, ISBN 3-85002-228-5

Kann für die Diskussion und das Verständnis hilfreich sein. Das Reich war ziemlich genau dem Volkscharakter angemessen. Und es war tatsächlich der würdige Nachfolger Roms.

KlausD.

3. August 2022 10:45

@Imagine  2. August 2022 19:58

"Ich kenne viele, welche die Ossis am liebsten wieder loswerden würden."

Stimmt, aus meiner (ostdeutschen) Sicht allerdings muss hier "Wessis" (statt "Ossis") stehn ...

"Europa war die große Perspektive und Sehnsucht der meisten Nachkriegs- ..."

Auch diesen Satz kann man prinzipiell so stehen lassen, nur muss hier (aus ostdeutscher Sicht) "Deutschland" (statt "Europa") stehn ...

Wofür die Wittenberger am 25.7.22 auf die Straße gingen, kann man nachfolgend ab Minute 0:30 und ab 3:00 sehen ...

https://www.youtube.com/watch?v=nvJDScZGDM4

 

Gotlandfahrer

3. August 2022 10:48

Als Geburts- und Kulturdeutscher kann man sich dem Reich genauso entziehen - selbst in dessen Verneinung und Ignorieren liegt es noch - wie ohne Gehirnstrom leben: Gar nicht.

Das Reich ist der in einem alten ausfasernden Keim rückgebundene und in sich verwachsene Lebensschaft, tief verwurzelt in einer lebendig durchwirkten Muttererde,  an dem wir als blinde und taube Knospen sprießen und in unserem Vergehen sein Leben weiterführen. Es umschlingen uns andere Geschöpfe, winden sich an unserem Stamm empor, saugen Säfte, dringen ein. Ein Roosevelt war nicht gehirngewaschen, er wuchs nur aus anderer Quelle, und seinesgleichen – blind wie wir – arbeitet an uns wie Stickwurz, gierig nach mehr Licht und unserer Kraft, spürend, dass ein Ablassen ihn zurückwürfe auf ein Dasein ohne diesen festen, ergiebigen Halt.

Das Reich ist „inwendig in uns“ solange wir die Wirklichkeit verachten, ob geschlechtsgewandelt im Safe Space oder mit einer letzten Panzerfaust am Orteingang. Also immer, solange der Stamm noch nicht verendet ist. Volk und Reich sind eins, der Staat ist was anderes.

RMH

3. August 2022 10:54

"Realm of  shades = Schattenreich

Realm of the dead = Reich der Toten

Realm of dreams = Reich der Träume"

und natürlich auch "Lord of the realm" :)

https://www.youtube.com/watch?v=GvrOlKUUSlI

Fight the good Fight ... :)

"Reich der Träume"

https://www.youtube.com/watch?v=3SR2VwE47r0

(Proto-Neofolk von Nico - unvergessen).

Volksdeutscher

3. August 2022 11:11

- "....wie Scheil meint: das Reich ist “aus dem Bereich der politischen Selbstverständlichkeit verbannt”, die allermeisten Deutschen fühlen und verstehen es nicht mehr...."

Diese Aussage dürfte stimmen. Aber bleiben wir nicht bei den Deutschen der Gegenwart stehen, machen wir einen mutigen Schritt über sie hinaus in die Zukunft der zukünftigen Deutschen... Man kann den Reichsgedanken sehr wohl reaktivieren und ins Herz und Bewußtsein der Deutschen pflanzen. Man beginne fürs erste damit, das Wort Reich im Sinne eines funktionalen rethorischen Einsatzes in einfachen emphatisierten Ausdrücken und Redewendungen zu gebrauchen - sozusagen "inhaltsneutral" - und wiederhole diese bei jeder passenden Gelegenheit. Nennen wir dies emotionale Aufladung von Wörtern und Worten. Denn der Hinweis darauf, daß es im Gegensatz zu anderen Nationen nie wirklich ein deutsches Reich existierte, ist in Bezug auf dieses Ziel und was man damit verknüpft, nicht wirklich entscheidend. Alle ihre Reiche sind indes für immer untergegangen, da unser Reich aber nie wirklich war, ist es auch nie wirklich untergegangen:

Es ist das Reich als Faden der Ariadne, der aus dem Labyrinth des Lebens führt; es ist das Reich als Horizont, der immer unerreichbar ist und unerreichbar immer sein wird; es ist das Reich als Richtschnur, die niemals reißt; es ist das Reich als Versprechen, das nicht gebrochen werden kann. Oder wem es besser gefällt: Das Reich als innerer Kompass, der nie die falsche Richtung anzeigt.

Laurenz

3. August 2022 11:45

@Kikl @L.

Das Gedicht Rückerts hat auf mich dieselbe Wirkung, wie auf Sie oder wahrscheinlich uns alle. Sie & auch Ausguck haben mir ja quasi dasselbe geschrieben. Was ich aber Franz Bettinger oder Ihnen sagen wollte, was Ausguck auch wohl verstanden hat, daß wir alle ganz & gar nicht unsere eigene Reichsidee sind, in über 1k Jahren noch nie waren. Einen Otto oder einen 3/4-Otto, wie Bismarck, gibt es eben nur alle 1k Jahre. Gerade ein Franz Bettinger macht nur, was Er will, ein völlig opportuner Germane. Dann zieht man eben auch mal 30 Jahre in einen Krieg, um die Cretins von Päpsten loszuwerden. Von daher versuche ich Ihre Aufmerksamkeit darauf zu lenken, daß wir uns, gerade hier auf der SiN, uns nichts über uns selbst vormachen sollten, was aber bei den Reichsfetischisten gerne der Fall ist. Deswegen verwies ich auch auf Karl May (1842-1912), der zwar vom Kaiser schrieb, aber nie/selten vom Reich. May schrieb immer, daß Er Deutscher (Sachse) sei & aus Deutschland komme, was in meinen Augen das wesentliche ist. Für die Mehrheit der Leibeigenen war das Reich nie der Burner. Mit Deutschland kann jeder Deutsche was anfangen. Ich denke, den Philosophen fehlt der Blick für's Entscheidende/Wesentliche.

Volksdeutscher

3. August 2022 11:51

"Die Reichskleinodien..... um dann 1946 auf Befehl der amerikanischen Militärverwaltung mit einem Panzerkonvoi nach Wien verbracht zu werden, wo sie bis heute in der Schatzkammer der Wiener Hofburg liegen."

Ich möchte auf eine geschichtliche Parallele zu Ungarn hinweisen: Das Schwert des heiligen Stephanus und die Krönungsreliquien sind politische Symbole der Herrschaft - im ungarischen Parlament. In einem Museum jedoch wären sie bloß schöne historische Kunstschätze. Aus diesem Grund wollten damals die Liberalen das Schwert und die Könungsreliquien im ungarischen Nationalmuseum behalten. Dies war ihr offensichtliches Bestreben, das Geschichtsbewußtsein der ungarischen Nation zu schwächen und ad acta zu legen.

Daraus möchte ich folgern: Will man den Reichsgedanken reaktivieren und dem kommenden Reich den Weg ebnen, wird man zu allererst die Reichsreliquien aus ihrem musealen Dornröschenschlaf befreien müssen, damit sie ihren angestammten Platz im deutschen Bewußtsein einnehmen, um dort symbolmächtig ihre Wirkung entfalten zu können. Ob in Wien oder in Nürnberg - das müssen die Deutschen unter sich ausmachen.

Valjean72

3. August 2022 11:53

@kikl:

Die Wiederkunft des Erlösers Barbarossa ist natürlich inspiriert von der Wiederkunft Jesu und der Errichtung des Gottesreiches. Der Rabe gilt zwar in der germanischen Mythologie als Symbol der Weisheit

Der Ursprung dieser Sage ist weitaus älter und vorchristlichen Ursprungs. Der Berg auf welchem das Barbarossa-Denkmal im Kyffhäuser steht, hiess früher Wotansberg.

Und Wotan wurde schliesslich von zwei Raben begleitet (Hugin und Munin) und trug daher auch den Beinamen Rabengott.

 

Hajo Blaschke

3. August 2022 12:25

Vor etlichen Jahren konnte man auf einem Südtiroler Radiosender hören: Nachrichten aus dem Reich, im Gegensatz zu Nachrichten aus Österreich. Oder, wenn mit einem Zuhörer gesprochen wurde: Sind Sie aus dem Reich oder aus Österreich?

Lausitzer

3. August 2022 13:46

Liebe Frau Sommerfeld, 

mich hat tatsächlich Scheils Kaplake seelisch bewegt und durch diesen Text, den ich wunderschön finde, bin ich angeregt, mich wieder Ihrem Briefwechsel zuzuwenden und ihn zu Ende zu lesen.

So langsam fange ich an zu ahnen, um welche geistige Dimension es Ihnen geht.

Ihr

Lausitzer 

Ein Fremder aus Elea

3. August 2022 17:54

Valjean72,

die Gesetze der Träume natürlich, Wir sind nicht verschiedener Meinung. Ich würde Reich auch als realm ins Englische übersetzen, wobei ich nicht weiß, ob realm im Englischen mit reach verwandt ist oder nicht, aber reach als Substantiv bedeutet natürlich Reichweite und nicht Reich, kann man im Englischen ja immer machen: face the face, walk the walk, talk the talk, reach the reach und so weiter.

Salzburger

3. August 2022 18:31

Ich frage mich bei solcherart historischen Reflexionen stets, ob sie nicht einfach nur mehr die Fluchtphantasie jenes Teils des konservativen Milieus darstellen, welches die traumatische Erfahrung der multiethnischen Transformation (und des damit einhergehenden radikalen Bruchs des historisch-nationalen Kontinuums) noch gar nicht begonnen hat zu verarbeiten, wenn es denn noch beständig auf eine nationale Substanz referenziert, deren kulturelle Koordinaten und Viskosität in der Gegenwart nur mehr in Bruchstücken vorzufinden ist.

Volksdeutscher

3. August 2022 21:46

@Salzburger - "....welches die traumatische Erfahrung der multiethnischen Transformation (und des damit einhergehenden radikalen Bruchs des historisch-nationalen Kontinuums) noch gar nicht begonnen hat zu verarbeiten...."

Und ich frage mich, ob Sie verstehen, worum es hier geht, was uns, die die Flinte nicht ins Korn werfen, beseelt. Ein Volk kann man nicht transformieren, man kann es nur verschwinden machen. Ein negroides Volk, das als Deutscher / Franzose /Engländer usw. bezeichnet werden würde, wäre kein transformiertes Deutschtum / Franzosentum / Engländertum, sondern das sichtbare Zeichen seines Nichtvorhandenseins. Durch Rassenvermischung  kann man kein einziges Volk transformieren, ohne es für immer verschwinden zu machen. Lesen Sie Martin Sellner. Wir jedoch haben nichts zu verarbeiten, wir haben nichts, womit wir uns abzufinden oder zu arrangieren haben. Sie wollen aber offensichtlich nicht kämpfen, Sie geben auf, Sie haben sich mit der "multiethnischen Transformation" abgefunden, womöglich sind Sie bereit, sich mit ihr zu arrangieren. Auf jeden Fall scheinen Sie diese Floskel für bare Münze mit Realitätscharakter zu nehmen. Für Sie scheint alles verloren zu sein, nichts davon, was (noch) existiert, ist in Ihren Augen wert, verteidigt zu werden, damit es weiterhin erhalten und bestehen bleibt. Nennt man soetwas Defätismus?

Kommentar Sommerfeld:
Die "Transformation" IST Realität, da kann man "kämpfen" wie man will auf der politischen Ebene. Defätismus ist, nur die Rasse bewahren zu wollen und keine Hoffnung auf und keine Rückbindung an die geistig durchtragende Gestalt der Volksseele zu haben. Ich bin gespannt, was der "Salzburger" denkt.

quarz

3. August 2022 22:10

@Salzburger

Was schlagen Sie denn vor? Aufstehen, Krönchen richten, Achsel zucken, weitergehen?

Laurenz

3. August 2022 22:24

CS & Salzburger

haben doch den Finger auf die Wunde gelegt. 3 Reiche sind tot, wir brauchen kein 4.

Auch das Reich der Mitte wurde transformiert & steht heute besser da, als je zuvor. 

Natürlich muß man nicht den biologischen Genozid an uns tolerieren. Aber wie die Chinesen müssen wir eben etwas Neues erschaffen & die alten Zöpfe abschneiden.

nom de guerre

3. August 2022 22:31

@ Frau Sommerfeld

„Defätismus ist, nur die Rasse bewahren zu wollen und keine Hoffnung auf und keine Rückbindung an die geistig durchtragende Gestalt der Volksseele zu haben.“

Ihr Buch, d.h. den Briefwechsel habe ich nicht gelesen, vielleicht würde sich meine Frage dann erübrigen. Ist die Volksseele denn nicht an eine bestimmte Ethnie gebunden, ohne deren Fortleben sie nicht weitergetragen werden kann? Sonst wäre sie doch ein reines Abstraktum ohne jegliche Wirksamkeit. Oder verstehe ich Sie falsch?

Kommentar Sommerfeld: Nicht so einfach in drei Zeilen zu klären ... die Volksseele war an an ein bestimmtes Volk gebunden bzw. dieses drückte sie aus, aber die "Blutsbande" sind in der Zukunft nicht mehr das Entscheidende. Ohne daß sie an ein Volk gebunden WAR, wäre sie nicht erlebbar für konkrete Menschen. Jetzt leiden wir gewissermaßen an einem Phantomschmerz, "Volksseelenschmerz" hab ich das genannt. Wie "Volksauferstehung" real stattfinden kann, davon handelt unser Buch.

Laurenz

4. August 2022 01:28

@CS

die Volksseele war an an ein bestimmtes Volk gebunden. aber die "Blutsbande" sind in der Zukunft nicht mehr das Entscheidende

Ich zweifle das an.

Wenn dem so wäre, können Sie auch Ihre Kinder abgeben. Können Sie das?

Um Ihnen einen Vorschlag, der Kontrolle bietet, zu machen. Falls Martin Barkhoff wieder mal hier sein sollte, könnten Sie es gemeinsam machen. Gehen Sie zu einem Familiensteller in Wien und stellen die Deutsche Volksseele auf, zB bei  https://www.karingraf.at/

Kenne die Dame nicht, sieht aber vertrauenswürdig aus.

Franz Bettinger

4. August 2022 02:45

@Volksdeutscher 21:46: Wow, Ihre Ansprache sitzt. Das haben Sie wieder prächtig formuliert. Erfrischend klare Gedanken. Und nein, @CS: Die Transformation ist keine Realität. Sie ist biologisch nicht machbar. Wieso das so nicht machbar ist, hat @VD gerade recht schön erklärt. Eine (Volks) Seele existiert nicht außerhalb des Körpers. Es scheint seelenlose Körper zu geben, aber keine körper-losen Seelen. Na, mir ist jedenfalls noch keine entgegen geschebt. Was soll eine negroid-arabische Bevölkerung noch mit dem Deutschtum zu tun haben? So viel wie ein Pekinese mit dem Wolf.  

Kommentar Sommerfeld: Natürlich ist es keine abstrakt-körperlose Seele, sie braucht ja auf Erden ein Ausdrucksfeld. Aber eine Volksseele ist nicht an eine bestimmte physische Beschaffenheit der Körper gebunden, genausowenig wie eine Menschenseele nur gekoppelt an diese eine Physis existieren kann (hier kommen wir jetzt in die Anthroposophie hinein). Wer "Seele" als "Psyche" versteht, bleibt auf den Körper und sein Gehirn angewiesen. Es ist möglich, daß die deutsche Volksseele in der Vergangenheit einem physisch satten, lebensvollen, eindeutig blutsmäßig untereinander verbundenen Volk voll zum Ausdruck gekommen ist, und nun absterben muß, um gewandelt (der "Salzburger" würde einigermaßen soziologisch-jargonhaft sagen "transformiert") wieder zu erstehen. Es bleibt "etwas Deutsches" in der Welt, auch wenn die Körper auf dem Territorium der BRD längst nimmermehr "Biodeutsche" (auch Jargon) sind.

Maiordomus

4. August 2022 06:37

Bei keinem neueren deutschen Schriftsteller, der sich zwar lange einseitig von den Katholen vereinnahmen liess, ist der Reichsbegriff so bedeutend und vielschichtig wie bei Reinhold Schneider (1903 - 1958). so schon ab seinem Frühwerk "Die Hohenzollern" wie auch dem Tagebuch um 1930. dann im Inselband "Auf Wegen deutscher Geschichte" sowie auch der posthum erschienenen Studie "Innozenz III.". Noch bedeutend war diesbezüglich eine in "Reichshof" 1943 illegal gedruckte Sammelpublikation von Gedichten und Prosa zu dieser Thematik. Die bedeutendste Zeitschrift, die sich mit dem Reichsgedanken auseinandergesetzt hat, waren die von Karl Ludwig von Guttenberg redigierten "Weissen Blätter", 1943 mittels Unterdrückung von Papierlieferungen zur Einstellung gezwungen. Zu den Mitarbeitern gehörten nebst Schneider, Bergengruen, Ida Friederike Görres auch Klaus Bonhoeffer und u.a. der auf dem Felde zurückgebliebene Vater des nachmaligen Terroristen Andreas Baader. Dass dieser Befund in deutschen Schulbüchern aussen vor bleibt, grenzt an geisteshistorischen Analphabetismus. Schneider: Noch "Winter in Wien" (1958)  ist eine zwar apokalyptisch anmutende Apotheose des Reiches. 

Kommentar Sommerfeld: Ich las im vergangenen Winter in Wien Schneiders "Winter in Wien" - herrlich, tragisch, voll des Reichsgedankens ...

Maiordomus

4. August 2022 06:46

@nom de guerre. Sehr viel mit der deutschen "Volksseele" hatte der als Jude diesbezüglich  "ethnisch" nicht anerkannte Rudolf Borchardt mit seiner bis heute lesenswerten Sammlung "Ewiger Vorrat deutscher Poesie" vom Beginn der Dreissigerjahre des vorigen Jahrhunderts. Persönlich habe ich es mit der sog. deutschen Volksseele nie so gehalten, eher würde ich zum Beispiel von einer "Seele Schlesiens" sprechen; auch mit der Schweizer "Volksseele", deren eindrücklichstes Symbol der Ahorn von Trun ist, der von Rätoromanen 1424 beschworene "Graue Bund", verhält es sich relativ komplex. Siehe den St. Gotthard, ein Name, der auf den bei den Walsern sehr verehrten Bischof von Hildesheim zurückgeht, begründet nach Canetti das Massensymbol der Schweiz, die Alpen. Als das Massensymbol Deutschlands gilt nach Canetti der Wald, vgl. die Figur des Oberförsters in Ernst Jüngers bedeutender, wenn auch für Junge von heute schwerlich lesbarem, jede Zensur hinter sich lassenden schwarzen Bodensee-Idylle "Auf den Marmorklippen". Mein Vorschlag, dem Hundertjährigen für dieses Werk den Bodenseeliteraturpreis doch noch zugzugestehen, Bruder Friedrich Georg hatte ihn schon, wurde indes zurückgewiesen wegen antisemitischer Passagen in frühen Werken von Jünger. 

kikl

4. August 2022 07:44

Diese Kommentarspalte ist mittlerweile zu einem lebhaften Diskurs über das Wort "Reich" geworden. Wie so viele Worte der deutschen Sprache wurde der Begriff nach 1945 irgendwie verdreht und verzerrt. Reich ist genauso igitt wie Volk, deutsch usw... Wir wissen, was im Zuge der alliierten Besatzung Deutschlands mit der deutschen Sprache passiert ist.

Die Epoch Times hat dazu einen interessanten Artikel veröffentlicht, in dem sie die These vertritt, dass diese Sprachdeformation gezielt von den Siegermächten in Gang gesetzt wurde (Bletchley-Park und Sefton Delmer werden genannt). Der Artikel heißt "Worte, die verloren gegangen sind".

https://www.epochtimes.de/politik/deutschland/worte-die-verloren-gegangen-sind-a3907536.html

In gewisser Weise gehört auch das Wort "Reich" zu den verlorenen Worten. Denn wer heute über das deutsche Reich spricht, der hat dazu üblicherweise eine andere emotionale Bindung als unsere Vorfahren vor 1945.

Die Epoch Times macht den Leser deshalb auf das Projekt - Die verlorenen Worte - aufmerksam. Dieses Projekt hat es sich zum Ziel gesetzt, die verlorenen Worte der deutschen Sprache wiederzuentdecken.

https://www.verloreneworte.de/

Ich dachte, das passt auch hier ganz gut hin und könnte einige Kommentatoren und Leser interessieren.

Kommentar Sommerfeld: Ach, ist ja interessant - Epoch Times gehört "Falun Gong" und die "verlorenen Worte" gehören zu William Toel.

RMH

4. August 2022 08:09

Es läuft einiges durcheinander. Man sollte berücksichtigen, dass das sog. erste Reich ein "heiliges" war, also durchdrungen von Religion. Die sog. 2 Schwerter Lehre im Mittelalter drückte dies klar aus. Das geistliche Schwert führte die Kirche, das weltliche der Kaiser und seine Lehensherrn, wobei sie das weltliche Schwert für die Kirche zu führen hatten. Dies führte letztlich zu den bekannten Streitereien wie den Investiturstreit etc. Die Lutheraner sprachen dann von den 2 Reichen, geistliches und weltliches und hatten aber ab den protestantischen Preußen und dem 2. deutschen Reich immer die Neigung oder den innerlichen Traum, quasi Staatskirche und Staatsreligion zu werden. Diese Anbiederung finden wir dann im 3. Reich und bis heute über ihren weltlichen Arm, den Grünen.

Evola beschreibt das Durchdrungensein einer Gesellschaft von oben nach unten durch Religion in seinem von Guénon entwickelten Traditionalismus. Voegelin in seiner Schrift "Politische Religionen" entdeckt dann in vermeintlich säkularen Massenbewegungen des 20. Jhdts, wieder das Religiöse und für Leute wie Steiner ist ohnehin alles in einem tieferen Sinnverbunden, vom Feinstofflichen zum Materiellen.

Der Rassist ist grober Materialist. Ähnlich wie ein Hundezüchter denkt er, steuern zu können, wie sich die Leute paaren um seine Ideale zu verwirklichen. Ist in dieser Debatte eigentlich schon der Name Hans-Dietrich Sander gefallen? Dessen Reichsidee und Staatsbriefe flackern doch auch hier immer wieder mal auf - herrlich exzentrisch.

Maiordomus

4. August 2022 09:17

@kiki. Der Begriff "Reich" wurde schon vor 1945 verdreht, und zwar massiv. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation bestand nie aus nur "einem Volk", und einen wirklichen Führer gab es so gut wie nie, siehe die Zeit der Reformation und des Dreissigjährigen Krieges.

Maiordomus

4. August 2022 10:25

@RMH. Das mit den zwei Schwertern, besonders dem geistlichen, bleibt äusserst fragwürdig, ist aber immer noch besser als ein Schwert, was z.B. die Zivilreligion der sog.  Zivilgesellschaft zu führen beansprucht. Das Sowohl - als auch war immerhin ein minimer Ansatz zu einer Art Gewaltentrennung, wobei aber, wie Corona abermals zeigte, Carl Schmitt unbeschadet seiner Verhasstheit recht bekam mit der Festsstellung, dass souverän sei, wer den Ernstfall erklären könne und auf dieser Basis sich zum Handeln ermächtige. Siehe auch das bekannte Diktum von den Gerichtshöfen der Moral, die selbst in den unerträglichen Reden von Freisler überall ihr Unwesen verkünden. 

Volksdeutscher

4. August 2022 10:34

@Franz Bettinger an Caroline Sommerfeld - "Die Transformation ist keine Realität. Sie ist biologisch nicht machbar ....... Eine (Volks) Seele existiert nicht außerhalb des Körpers."

Lieber  "Franz Bettinger", ich danke für Ihre hellsichtige Bemerkung. Nicht um mich wichtig zu machen, sondern um meinen von Ihnen zitierten Gedanken zu präzisieren, möchte ich ergänzend hinzufügen:

Eine Volksseele existiert nicht außerhalb des ihr entprechenden Volkskörpers, und d.h. nicht ohne ihn. Ich habe mich dazu schon in einem früheren Kommentar in diesem Sinne ausgesprochen, auch Martin Sellner ist unabhängig von mir zu dieser Erkenntnis gekommen.

Laurenz

4. August 2022 10:38

Rammstein - Feuerräder

So die älteste Aufnahme von Rammstein, die ich kenne (1994), noch sehr DDR-punkig. Hier benutzt der Germanist der Band, Till Lindemann, den Terminus Sternenreich, schönes Wort. Wenn man den Begriff in der Suchmaschine eingibt, erscheint viel alte Scifi-Literatur, teils aus den 50ern. Ich mag es, wenn Lindemann alte Worte, wie Lichtspielhaus, aus der Mottenkiste zaubert.

https://youtu.be/T4_tQ8Wzc6c

@RMH

Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation

Hätte mich gefreut, wenn Sie es direkt ausgedrückt hätten. Es handelt sich um einen Gottesstaat. Es gibt auch heute noch Gottesstaaten, wie den Iran, die sich auch nicht sehr von unserem historischen unterscheiden.

das weltliche der Kaiser und seine Lehensherrn

Auch der Kaiser verdankt seine Position Gottes Gnaden. Hier lag auch das Problem Luthers begraben. Wer den katholischen Glauben anzweifelt, zweifelt den Kaiser an. Die protestantischen Reichsfürsten, hingegen, machten den Spagat. Sie wollten nicht den Kaiser an sich loswerden, sondern den Papst, was aber in erster Linie für die entsprechenden Reichsfürsten wohl finanzielle Gründe hatte.

Volksdeutscher

4. August 2022 11:28

@RMH - "Der Rassist ist grober Materialist. Ähnlich wie ein Hundezüchter denkt er, steuern zu können, wie sich die Leute paaren um seine Ideale zu verwirklichen."

Und genauso kommt es mir vor, was man mit uns und anderen Kulturnationen Europas machen will: Korrupte Politikern bedienen die groben rassistisch-materialistischen Vorsstellungen der mafiösen globalistischen Kaste, um die Nationen durch kulturell und ethnisch nicht kompatiblen Völkern durcheinanderzuwürfeln. Das geschieht in ideologischer Hinsicht nach dem linksliberalen Muster der Volks-, Kultur- und Gesellschaftszersetzung: Verschiedenes zusammenbringen - Gleiches voneinander trennen. Das Ergebnis ist Chaos. Bei der "Quotenregelung" geht es ja um nichts anderes als dies: Die Globalisten liefern aus aller Welt das "Zuchtmaterial" und die Nationen sollen ihren Anteil davon zu ihrer eigenen Vernichtung übernehmen. Zumindest haben die Globalisten sich das so vorgestellt. Die Perversion der in ihrem Sold stehenden Politiker geht schon so weit, Personen und Kollektiven als rassistisch zu diffamieren, die sich trauen, sich dagegen zu wehren. Sie sollen nicht das Recht dazu haben. Man sollte deshalb endlich damit aufhören, die Kaste der Globalisten als "Elite" zu bezeichnen. Sie gleichen eher Milliarden besitzenden Proleten. Aber an allererster Stelle parasitären Kriminellen.

nom de guerre

4. August 2022 12:35

@ Maiordomus – Borchardt/Volksseele: Hier sehe ich den Widerspruch nicht. Ich wollte nicht auf die ethnische Zugehörigkeit von Einzelpersonen und ob diese infolgedessen eine Verbindung zur deutschen Volksseele haben können, hinaus (so biologistisch od. materialistisch denke ich nicht, wir sind keine Rassehunde mit Stammbaum), sondern darauf, ob das Weiterleben einer Volksseele völlig ohne ethnischen Bezug auskommt, wenn also niemand mehr da ist, der dem betreffenden Volk angehört. (Nebenbei bemerkt zum Wald als Symbol der deutschen Volksseele – mit Jüngers Oberförster haben Sie zielsicher ein Negativbeispiel ausgewählt; tatsächlich ist das Ganze doch aber ambivalent, was nicht zuletzt Jünger selber schreibt, wenn er im Waldgang den Wald als inneren Zufluchtsort sieht.)

nom de guerre

4. August 2022 12:39

@ C.S. – Anhand Ihrer Antwort an Franz Bettinger glaube ich zu verstehen, worauf Sie hinauswollen. Das ist, verkürzt gesagt, nicht meins. Ich möchte, dass wir als Volk real überleben, nicht „nur“ als Idee, die sich einen neuen Träger suchen muss. Um den Einwand vorwegzunehmen, dass jeder Dreijährige in der Lage ist, mit dem Fuß aufzustampfen und „ICH WILL!“ zu rufen, dieser zum Ausdruck gebrachte Wille jedoch keine Folgen haben wird – nun ja, das mag sein. Aber eine bessere Antwort auf dieses Problem habe ich nicht.

zeitschnur

4. August 2022 13:06

@ FB 2. August 2022 14:53

Sie bestätigen mit Ihren Worten CSs Worte, ohne das selbst zu verstehen:

Man kann an der “existenziellen Bedrängnis” der Deutschen (damals wie heute) wie der Arzt an einem Krankheitssymptom ablesen und abspüren, daß die Not eine seelische Ursache hat. Wer nur “staatlich und politisch” interpretiert, stellt diese gewissermaßen therapeutische Beziehung nicht her.

Gerade die Deutschen haben eine sonderliche, als Volk individuelle und individuative (sich von anderen Völkern unterscheidende) Beziehung zum Reich, in welche die christliche Vorstellung vom “Reich Gottes” von Beginn an hineingespielt hat, und ohne die der “Reichsgedanke” kalt bleibt. Im Reich, das da war und das da kommen soll, bewahren wir einen Wärmestrom auf.

Es ist das, was ich im Innenkönig als die Beziehung zur Basileia tou Theou benannt habe: das ist die deutsche Mission. Und ohne sie gibt es kein deutsches Volk.

Der Kommentarstrang zeigt, dass die Deutschen sich auch "rechts" vielfach selbst nicht verstehen. Danke CS für die Besprechung.

heinrichbrueck

4. August 2022 13:10

@ Maiordomus
Was ist Souveränität?
Corona steuert den Ernstfall, die Maßnahmenbefürworter sind souverän? Nach dem Motto: Theologe ist, wer ein Wunder vollbringt. Oder: Souveräner Politiker ist, wer vor dem Virus Rechenschaft ablegt. Eine Souveränität ohne Gott = Materialismus, Atheismus, Verwirrung. Spirituelle Natur auf Abwegen, Verstand umprogrammiert, Souveränität vorgegeben. Eine gottlose Souveränität, unfrei. 

Ein Fremder aus Elea

4. August 2022 13:33

Frau Sommerfeld,

ich wollte eigentlich nichts zu "Volksseele" sagen, weil sie nichts mit der Seele eines Menschen zu tun hat, aber mit Ihrem Kommentar an Herrn Bettinger zwingen Sie mich quasi dazu.

Seelen im eigentlichen Sinne sind Schöpfungen Gottes, zwischen welchen sich die Realität als eine Art Spannungsfeld entfaltet, was Gott in die Lage versetzt, sie zu harmonisieren.

Vielleicht zu präzis für die allgemeine Diskussion formuliert, aber in jedem Fall sind die Seelen keine Produkte menschlichen Handelns, sondern umgekehrt menschliches Handeln ihr Produkt, und was das Schicksal der Seelen selbst betrifft, so hängt es davon ab, ob sie ihre Rolle in Gottes Harmonie finden oder nicht, und das bemißt sich nicht nach der Quantität ihres Wirkens.

Ein Volk besitzt wie gesagt in diesem Sinne keine Seele. Die "Volksseele" beschreibt eine Übereinkunft, genauer gesagt einen Begriff von Sittlichkeit, Gehörigkeit, Gerechtigkeit, Verpflichtung und so weiter.

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