Abseits der Vormarschstraße

PDF der Druckfassung aus Sezession 103/ August 2021

aus dem Kriegstagebuch Jochen Kleppers

 Gastbeitrag

Fremde Federn reichen Beiträge ein. Sind sie gut, bringen wir sie.

Der Schrift­stel­ler Jochen Klep­per (1903 – 1942) war 37 Jah­re alt, als er zum Nach­schub ein­ge­zo­gen wur­de, eine Grund­aus­bil­dung absol­vier­te und – ohne je Feind­be­rüh­rung zu erle­ben – den Bal­kan­feld­zug und den Vor­marsch der 76. Infan­te­rie-Divi­si­on durch Bes­sa­ra­bi­en und die Süd­ukraine mit­mach­te. Klep­per war in Mili­tär­krei­sen berühmt als Ver­fas­ser des Preu­ßen­ro­mans Der Vater und erhielt den Son­der­auf­trag, eine Nach­schub­ge­schich­te sei­ner Divi­si­on zu ver­fas­sen. Es blieb bei eini­gen Pro­sa­skiz­zen, denn Klep­per wur­de bereits im Okto­ber 1941 wie­der ent­las­sen, weil er mit der Jüdin Johan­na Stein 1931 eine Ehe ein­ge­gan­gen war und dadurch als wehr­un­wür­dig galt. Wir doku­men­tie­ren aus dem umfang­rei­chen Tage­buch Klep­pers drei Tage, die er in der für ihn typi­schen Wei­se aus Wahr­neh­mung, Refle­xi­on und Urteil beschreibt.

 

 

11. AUGUST / MONTAG · SUCHARJA WERBA

 

Ver­zet­tel­ter, mor­gend­li­cher Auf­bruch. 40 Kilo­me­ter nach Such­ar­ja Wer­ba. Den neu­en Orten gegen­über emp­fin­det man schon gar kei­ne Span­nung mehr. Einer ist immer elen­der als der andere.

Bei dem raschen Vor­marsch durch immer öder wer­den­de Step­pen­land­schaft scheint nicht so hef­tig gekämpft wor­den zu sein; nur wenig Spu­ren: ein paar ver­las­se­ne rus­si­sche Feld­kü­chen und Geschüt­ze; und in Brand gesteck­te, ver­kohl­te Gar­ben und Feld­strei­fen. Die Wege fürch­ter­lich – an Erd­ris­sen ent­lang, durch tie­fe Gru­ben, übers Feld. Immer wie­der an den Rumä­nen vor­bei, die alles so erschweren.

Mit­tags in Such­ar­ja Wer­ba. Das ärms­te aller armen Dör­fer. Nur noch Lehm­hüt­ten, mit jenen Gras- und Sand­dä­chern. Die Brun­nen was­ser­arm. Mit ihren Schwen­gel­bäu­men wie Gal­gen in der Ein­öde. (In der Puß­ta gaben sie in ihrer Men­ge der lee­ren Land­schaft einen skan­die­ren­den Rhyth­mus wie Noten.)

Zum ers­ten­mal haben wir auf der Fahrt gefrös­telt; dann wur­de der Tag wär­mer, reg­ne­risch; Abendsonne.

Hier sind deut­sche Bau­ern seit 170 Jah­ren ange­sie­delt. Denen hat der Sowjet­staat fast alles genom­men; von dem Kol­lek­tiv­be­sitz haben sie nur Last und Mühe und kei­ner­lei Nut­zen gehabt.

Nahe Gebie­te lagen mit­tags noch unter Artil­le­rie­be­schuß. 3 Kilo­me­ter von uns soll ein Wol­ken­bruch gewe­sen sein; der Divi­si­ons­stab soll ste­cken­ge­blie­ben sein.

Zwei­mal von rus­si­schen Flie­gern über­flo­gen. Schwa­cher, flüch­ti­ger Abwehr­be­schuß. Deut­sche Jäger.

Da das Zusam­men­ar­bei­ten von Kom­man­dan­tur und Adju­tan­tur – alle so ner­vös – im Bus räum­lich ein­fach nicht mög­lich ist, haben wir uns eine der klei­nen, lee­ren Lehm­hüt­ten ein­ge­rich­tet: Schlaf­stät­te, Küche, Arbeits­stu­be, mit Schul­bank. Ali, »die Bie­ne«, kocht schon wie­der vom letz­ten Zucker Pud­ding für die an jedem Ort in alter Wei­se aus- und ein­ge­hen­den Gäste.

Heu­te ist der zwei­te Teil der Fern­trau­ung von Dr. Braun, die Trau­ung der Braut. Man schlach­tet fürs »Kasi­no«, schmückt mit Wein­ran­ken und Feld­blu­men, einer Fül­le von Son­nen­blu­men, auf einer Tru­he in Krü­gen, an den Tür­pfos­ten der Bau­ern­stu­ben gebun­den. Ein­fa­che Män­ner schmü­cken so naiv, refle­xi­ons­los – so schön.

Das Getrei­de steht hier elend. Fast nur ­Wei­de­land für Kühe. Sehr, sehr stark Steppencharakter.

Auch die Offi­zie­re müs­sen sich nun mit den mit sehr viel Geschick der Bur­schen her­ge­rich­te­ten Lagern in Zelt und Scheu­ne begnü­gen; auf man­chem Bett sah ich den »Vater« bereitgelegt.

Beson­ders inter­es­se­voll, weil bei mei­nem Vor­trag nicht dabei, unter­hielt sich heu­te wie­der der net­tes­te aller Offi­zie­re, Phi­lo­lo­ge, Haupt­mann Alpes, z.b.V. und Stell­ver­tre­ten­der Kom­man­deur, mit mir, wie ich ja über­haupt in all die zum Teil berech­tig­ten Kla­gen über den Sno­bis­mus der Offi­zie­re für mei­ne Per­son nicht ein­stim­men kann.

Unse­re Män­ner schi­cken viel Geld heim, weil sie nichts mehr mit Wehr­sold und Front­zu­la­ge begin­nen können.

Abend­li­che Skat­run­de in dem »Büro«; in der Schlaf­stu­be frem­der Unter­of­fi­zier, weit­her gekom­men, ohne alles, als Schlaf­gast; in der ­»Küche« bei mir Wer­ner Ewert, Har­ry und Jupp zu Besuch. Wie es fast all­abend­lich not­wen­dig ist, auch heu­te Mahl­zeit und Lager für Durch­gän­ger, Ver­spreng­te, Mel­der bereit­zu­hal­ten, macht mir als ein wich­ti­ges Stück Für­sor­ge im Krie­ge viel Freu­de. Frei­lich auch da Blick in Abgrün­de, selbst wenn ein Mensch, nach und vor lan­ger Step­pen­wan­de­rung, für Nacht­stun­den auftaucht.

 

 

12. AUGUST / DIENSTAG · SUCHARJA WERBA – LICHTENFELD

 

In die ers­te Mor­gen­frü­he schien der Mond. Der Mor­gen: Spät­som­mer, zar­te küh­le Son­ne, Wind. Beim Früh­stück im Hof ent­behr­ten wir zum ers­ten Male nicht den sonst so gelieb­ten Schat­ten eines gro­ßen Bau­mes. Hier sind kei­ne Bäu­me. Hier ist eine Step­pen­öde. Und doch etwas von Dünen­stim­mung. Ein gefan­ge­ner Rus­se hilft uns heu­te mit Abwasch und dem Was­ser­ho­len – das Was­ser ist schmut­zig, der Brun­nen erschöpft – in unse­rem Adju­tan­ten­häus­chen. ­Immer wie­der machen wir es uns hei­misch und sau­ber, mit Ener­gie und Geduld.

Erst nach­dem ich alle die inter­nen Span­nun­gen beim Sta­be, Mann­schaf­ten wie Offi­zie­ren, über­bli­cke und mich zwi­schen ihnen unan­ge­foch­ten hin­durch­fin­de, bin ich wohl ganz zuge­hö­rig. In unse­rer engs­ten, aus dem Bus ver­trie­be­nen Adju­tan­tur­fa­mi­lie mit ihren Schütz­lin­gen Wal­ter Grei­ner, Ali Ker­kau und Sani­täts­un­ter­of­fi­zier Wer­ner Kurz herrscht aber tiefs­ter Frie­de. Das liegt weit­hin dar­an, daß Mar­tin Ninas als der Dienst­stel­len­lei­ter die­sel­be Ein­stel­lung zur »Schüt­te« hat wie ich. – Täg­lich wer­den uns (200) Gefan­ge­ne gebracht; sie wer­den bis zur Wei­ter­lei­tung bei uns freund­lich und für­sorg­lich behan­delt und zei­gen sich nach dem ers­ten Augen­schein gefäl­lig und dankbar.

Unser Divi­si­ons­stab soll doch schon 20 Kilo­me­ter wei­ter sein, sonst aber wer­den nahe von uns end­lo­se Weg­ver­stop­fun­gen gemel­det, und wir haben vor­erst noch kei­nen Befehl zum Weitermarsch.

Ich habe nun zwangs­läu­fig schon 160.– M gespart, da es nichts, nichts zu kau­fen gibt; nir­gends. Nur den Honig und das Geflü­gel bei den Bau­ern (man­che unse­rer Sol­da­ten requi­rie­ren es lei­der doch). Auch der Sprit­man­gel soll ein Grund sein, daß wir noch nicht weiterkönnen.

Doch fuh­ren wir nach­mit­tags 5 Kilo­me­ter wei­ter – es war sehr schön und son­nig gewor­den – nach dem gro­ßen, klar ange­leg­ten, wenn auch wenig schö­nen Dor­fe Lich­ten­feld, das noch von deut­schen Sied­lern bewohnt ist, die seit Genera­tio­nen hier ansäs­sig sind. Jedoch nichts Alter­tüm­li­ches. Bevöl­ke­rung mit süd­deut­schem Idi­om; arm. 24 Män­ner von den Rus­sen ver­schleppt. Die Leh­re­rin hat seit vier Jah­ren nichts von Mann und Kind gehört. –

Gro­ße, sau­be­re Dorf­schu­le mit zum Teil ­deutsch­spra­chi­ger kom­mu­nis­ti­scher Biblio­thek; z. B. »Sol­dat Schwe­jk«. II a, wir von der Adju­tan­tur haben die mit­tel­gro­ße Phy­sik­klas­se für uns als Büro und Schlaf­raum zur Ver­fü­gung – und den Brun­nen vor der Tür, den Schul­hof, ver­wil­dert, für die Mahl­zei­ten; mehr wol­len wir nicht. Im Gegen­satz zum vori­gen Ort hier wie­der viel und sau­be­res Was­ser. Bis auf eine Obst­plan­ta­ge vor dem Dorf­aus­gang eigen­tüm­lich baumlos.

Umwölk­ter, sehr win­di­ger Mit­tag und Nach­mit­tag; hei­ßer Spät­nach­mit­tag; kla­re Abend­son­ne in unse­rem nach Wes­ten lie­gen­den Physikzimmer.

Päck­chen von Han­ni, die immer noch das Unmög­li­che mög­lich zu machen wuß­te, zei­gen, daß es in Ber­lin gar nichts mehr gibt: Lichter­reste, altes Polo­hemd, Rasierlappen.

Major Eras hoch­er­freut über die neu­en Lie­der; das Nach­schub­lied ihm gewid­met, das Lied vom Helm dem Adju­tan­ten. Län­ge­re Unter­hal­tung mit Eras, der die Lie­der mor­gen dem Gene­ral mitnimmt.

Elek­tri­sche Licht­an­la­ge, auch auf der Dorf­stra­ße; funk­tio­niert aber nicht.

Bevöl­ke­rung hilft ein­rich­ten; liest sich, recht schwer­fäl­lig, deut­sche Zei­tun­gen vor. Die deut­sche Leis­tung trotz der Kol­lek­ti­vie­rung nicht zu verkennen.

Sehr eigen­tüm­lich, mit der Bevöl­ke­rung deutsch spre­chen zu kön­nen; natür­lich durf­ten sie es nur in der Fami­lie. Män­ner kom­men uns im Büro mit Hand­schlag begrü­ßen, brin­gen uns Stroh­sä­cke für die Nacht.

Wir fin­den hier die deut­schen Über­set­zun­gen der bis­her auf­ge­stö­ber­ten rus­si­schen Parteigeschichten.

Zer­schla­ge­nes Lenin­denk­mal. Immer Gips. Kin­der sin­gen abends für sich deut­sche Lie­der, die wir jedoch nicht kennen.

Gro­ßer, roter, herr­li­cher Sonnenuntergang.

Wir fin­den Gut­schei­ne als Arbeits­lohn, die nie ein­ge­löst wurden.

Mit uns liegt Kasi­no und Zahl­meis­te­rei in der Schule.

Für das Kol­lek­tiv Zwangs­ab­ga­ben an Pro­duk­ten in sol­cher Höhe, daß man sei­ne letz­te Habe ver­kau­fen muß­te, um die feh­len­den Men­gen zu beschaf­fen. Was einem gemäß der Ratio­nie­rung zustand, wur­de einem nicht ver­kauft und ging in den Schleich­han­del, der ganz in den Hän­den har­ter Juden war wie der Han­del über­haupt. In der Stadt Anste­hen zu Tau­sen­den um ein paar Meter Stoff; bei den Schlä­ge­rei­en dar­um kam es oft zu Todes­fäl­len. Kein Haß der Volks­deut­schen gegen die rus­si­sche Bevöl­ke­rung – nur gegen Regie­rung, Par­tei und Juden furcht­ba­re Ver­bit­te­rung (nur alte Klei­der zu Wucherpreisen).

Wir hören von der gro­ßen Not des feind­li­chen Hee­res, das hier durch­kam: Hun­ger und plan­lo­ses Rück­ge­hen. Man weiß nichts mehr von den anderen.

Aber die immer wie­der­keh­ren­de, ­wich­tigs­te Kla­ge, den Men­schen noch viel wich­ti­ger als das Mate­ri­el­le: »Wir haben Gott ver­leug­nen müs­sen – «. »Nie mehr Kir­che!« »Wir durf­ten kein Gesang­buch­lied sin­gen.« – »Wo sind unse­re Geist­li­chen hingekommen – ?!«

Den gan­zen Abend über Volks­deut­sche bei uns, die uns erzäh­len. Noch etwas ungläu­big, ob es ihnen nun bes­ser gehen wird. Schö­ne Frau­en­köp­fe, aber so ver­härmt; arme, ordent­li­che Klei­dung. Viel Lebens­art. Auch Intelligenz.

Sehr selt­sam, als zu die­sen Gesprä­chen die Ker­zen­res­te von Advent und Geburts­tag brann­ten, die Han­ni mir bei dem Lich­ter­man­gel sandte.

Hier wird nun von den Dörf­lern Tee getrun­ken. Aber nur von dem, was in ihren Gär­ten wächst.

Kur­zer Abend­spa­zier­gang mit Ninas und Grei­ner durchs dunk­le Dorf unter den Ster­nen. Über­all Land­ser und Bevöl­ke­rung in der Unter­hal­tung. Die Land­ser hat­ten vom Bauern­elend kei­ne Vor­stel­lung gehabt, unser­eins ja.

Tie­fer Schlaf.

 

 

  1. AUGUST / MITTWOCH · RASTATT

 

Um 10 Uhr früh wie­der wei­ter­ge­zo­gen. Früh hal­fen uns die jun­ge Leh­rers­frau und eine Bäue­rin beim – wie­der ein­mal blitz­saube­ren – Abwasch; hof­fend, noch ein wenig ungläu­big nahm man unse­re Kre­dit­kas­sen­schei­ne hier als Prä­sent, dort als Bezah­lung ent­ge­gen: für Honig, Eier, Milch, Toma­ten, mit denen wir, samt einer köst­li­chen süßen Sup­pe, Früh­stück hiel­ten im Schulhof.

Der frü­hes­te Mor­gen war von zar­ter Küh­le und kla­rem Leuch­ten gewe­sen, dann wur­de die Son­ne immer stär­ker; glü­hen­der Step­pen­au­gust. In die­sem Dorf waren wir abseits der Vor­marsch­stra­ße gewe­sen, in die wir nun wie­der ein­bo­gen. Die sau­be­re und arm geklei­de­te Bevöl­ke­rung wink­te uns freund­lich zum Abschied.

Hei­ße, öde Fahrt. Durch Zel­te in kah­ler Schlucht sehr star­ke Erin­ne­rung an Expe­di­ti­ons­stra­ßen etwa in Tibet. Nur ein­mal ein Schloß aus der Jahr­hun­dert­wen­de und ein Park.

Spu­ren des Kamp­fes: kaput­te, umge­stürz­te LKWs; eini­ge tote Pfer­de; weni­ge Rui­nen, von denen man nicht ein­mal weiß, ob der Krieg in die­sen Tagen sie schuf; LKW mit halb­ver­brann­tem Rus­sen davor; nie­der­ge­brann­te Feldstreifen.

Mit ande­ren Ein­hei­ten und ande­rem Stab lie­gen wir nun in Ras­tatt (wie Mün­chen, Leip­zig usw. Dorf). Ärmer und klei­ner als das gest­ri­ge. Die Leu­te haben von allem nur ein Stück. Beschaf­fung der Tische, Stüh­le, Bet­ten für die Offi­zie­re macht viel Mühe. Über­haupt das täg­li­che Packen, Räu­men. Frau­en aus dem Dorf säu­bern uns das »Kon­tor« der Par­tei. Nun ist’s ein ziem­lich sau­be­res, geeig­ne­tes Büro­ge­bäu­de für unser I b und II a, Kom­man­dan­tur und Adju­tan­tur gewor­den, mit Schlaf­raum für die Mel­der und ein­sa­men Schütz­lin­ge und Wirt­schafts­raum. Män­ner brin­gen uns Stroh, Frau­en Milch und wun­der­ba­res Brot, wie hohe Napf­ku­chen, und Eier. Bevöl­ke­rung ist erst von der Flucht zurück­ge­kehrt. Kein noch so mini­ma­ler rus­si­scher Sprach­anklang. Aber Her­kunft der Vor­fah­ren müs­sen wir aus Dia­lekt und Namen der Orte schlie­ßen: die Heu­ti­gen wis­sen es nicht mehr. Ein Mann erzählt mir, daß ihm zwei klei­ne Kin­der ver­hun­gert sind. – Vor vier Tagen waren noch die Rus­sen hier. Zur Arbeit kamen wir erst vom Nach­mit­tag an. Es heißt, daß wir hier ein paar Tage blei­ben sollen.

Beim Vor­bei­fah­ren bei einer Pan­je­ko­lon­ne Heinz Hin­ze gese­hen, der wohl und mun­ter aus­sah; es mag ihm aber doch schmerz­lich gewe­sen sein.

Tor­sos von dach­lo­sen Lehm­rund­müh­len in hol­län­di­scher Art und klei­nen qua­dra­ti­schen Fens­ter­lö­chern. Selt­sa­mer­wei­se ver­stär­ken sie den Ein­druck: Tibet. Wie ein­sa­me Wach­tür­me. Die Brun­nen wie Galgen.

Hei­ßes Nach­mit­tags­ge­wölk. Staub. Kein gro­ßes Vormarschtreiben.

Kru­zi­fi­xe von der Bevöl­ke­rung wie­der her­vor­ge­holt, oder nie verschwunden?

Zum Mit­tag­brot in die­ser Woche Kalbs­bra­ten, Schmor­bra­ten, Schwei­ne­bra­ten – alles das bes­te, zar­tes­te Fleisch. Aber wir sind wie ver­ses­sen auf Gemü­se. Was bedeu­tet uns das kost­ba­re Brot! Und Milch, wie man sie nicht ein­mal mehr in Erin­ne­rung hatte.

Wie einem das vor­kommt: daß uns wie­der mit hei­ßem Was­ser und sau­be­rem Hand­tuch abge­wa­schen und Wäsche sogar gebü­gelt wird. Und da wir nun so viel Wäsche­rin­nen und etwas, wenn auch schlech­te, Beu­te­sei­fe haben, ­kön­nen wir uns auch mit­ten in der Woche noch einen zwei­ten Wäsche­wechsel gestat­ten. Es ist eben sofort wie eine Berüh­rung mit Deutschland.

Noch sechs Stun­den Auto­fahrt, und wir wären am Schwar­zen Meer. Doch wer­den wir es sehen? Oder par­al­lel dar­an vor­bei­fah­ren, nach dem alten Land­ser­mot­to, daß es »Brei reg­net, und wir kei­nen Löf­fel da haben«? – Lan­dung eines Flug­zeu­ges auf der Dorfstraße.

 

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