“Das Verteufelte kehrt wieder” – ein Briefwechsel (2)

Burg Schreckenstein, 11. Juli 2022 -- Lieber Götz, eine Flucht ins Private ist in Krisenzeiten nicht möglich, das hat uns Schiller in seinem Tell gezeigt.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Und auch eine Emi­gra­ti­on ins Aus­land schö­be den Zugriff Behe­mo­ths und Levia­thans auf uns selbst nur auf. Die ent­schei­den­de Fra­ge lau­tet, wer in der Bun­des­re­pu­blik einen Rüt­li­schwur able­gen kann und will, ob und wie über­haupt ein »neu­er Bund« mög­lich ist.

Wir müs­sen hier zunächst zwei Krö­ten schlu­cken: daß es, ers­tens, weder für uns noch irgend jemand ande­ren einen Weg zurück zu irgend­ei­nem Vor­her gibt; und zwei­tens, daß für einen Rüt­li­schwur Män­ner nötig sind, die in den Insti­tu­tio­nen des schwind­süch­ti­gen Staa­tes ein­ge­bun­den und in der Wirt­schaft tätig sind, also über Ein­sicht, Kennt­nis­se und Erfah­rung verfügen.

Damit befin­den wir uns bereits inmit­ten jener Gedan­ken­spie­le­rei­en oder Groß­raum­ge­sprä­che, von denen Du sprichst. Sie sind not­wen­dig, um uns über unse­re Lage und Mög­lich­kei­ten klar­zu­wer­den – wir dür­fen dabei frei­lich nicht so tun, als ver­füg­ten wir über Mit­tel und Kräf­te, die wir nicht haben.

Gibt es denn noch Leu­te, die wil­lens und fähig wären, einen neu­en »Kreis­au­er Kreis« zu bil­den? Wie wären sie zu iden­ti­fi­zie­ren, wie zusam­men­zu­füh­ren, ohne von den Scher­gen früh­zei­tig ver­nich­tet zu werden?

Die »gro­ße Lage« spielt hier, damals wie heu­te, eine ent­schei­den­de Rol­le, denn wir brau­chen uns kei­ner Illu­si­on hin­zu­ge­ben: Hier­zu­lan­de geschieht nichts, das nicht »von außen« zuge­las­sen oder beein­flußt wäre, und den USA geht es sowe­nig um das Wohl­erge­hen der Deut­schen wie den Rus­sen oder den Chinesen.

Damit sind wir auch bei Dei­ner Fra­ge nach einer Feind­be­stim­mung im aktu­el­len Krieg im Osten. De fac­to wird den Deut­schen mas­siv vor Augen geführt, wer der Feind sein soll, was zu den bekannt-absur­den Ver­ren­kun­gen führt: Ban­de­ra-Tra­di­tio­nen in der Ukrai­ne, vor einem Jahr noch Aus­ge­bur­ten des Schai­tans, bil­den jetzt die Basis euro­päi­scher Vor­ne­ver­tei­di­gung gegen rus­sisch-asia­ti­sche Hor­den, wäh­rend grü­ne und rosa­ro­te Wehr­dienst­ver­wei­ge­rer, Christ- und Frei­zeit­de­mo­kra­ten ihre fried­li­chen bun­des­deut­schen Scha­fe tap­fer auf einen Kampf gegen den alt bösen Feind einschwören.

Hier ist der Ver­such einer eige­nen Feind­be­stim­mung von uns Macht­lo­sen im aktu­el­len Krieg wohl ein Sand­kas­ten­spiel, das indes, betreibt man es rich­tig, die Grund­la­ge künf­ti­ger Ent­schei­dun­gen bil­den kann.

Von einer deut­schen Posi­ti­on aus zer­stört uns die Poli­tik der USA und der EU, aber auch die rus­si­sche Poli­tik ope­riert, ins­be­son­de­re ver­gan­gen­heits­po­li­tisch, so, daß sie uns mehr scha­det als nützt. Dar­aus ergibt sich für mich mit Blick auf die gege­be­nen Kräf­te­ver­hält­nis­se eine Linie, wie sie unser Cum-Ex-Scholz mit sei­nen beschränk­ten Fähig­kei­ten zu ver­fol­gen such­te: sich her­aus­hal­ten, ohne zu sehr anzuecken.

Wenn ich mir vor­stel­le, Black­Rock-Merz oder gar einer der pen­sio­nier­ten AfD-Obris­ten säße an sei­ner Stel­le, bin ich fast froh, daß der vor­ma­li­ge Jung­so­zia­list heu­te als Kanz­ler her­um­zu­ei­ern versucht.

Weder eine »Rote Kapel­le« noch die gefor­der­te Nibe­lun­gen­treue zur NATO kön­nen der­zeit die Opti­on einer deut­schen Dis­si­denz sein. Die drän­gen­de Fra­ge, was einem selbst in die­ser beschis­se­nen Lage an poli­ti­schen Hand­lungs­mög­lich­kei­ten bleibt, brennt mir wei­ter auf der Haut, aus mei­ner Rat­lo­sig­keit habe ich noch nicht herausgefunden.

Was also tun?

Sans aucu­ne illusion,

Ivor

– – –

Schnell­ro­da, 12. Juli 2022

Lie­ber Ivor,

Dei­ne Skiz­ze der Lage wür­de, das war mir klar, ein für uns Deut­sche läh­men­des Bild abge­ben. Kannst Du Dich an die irre Sze­ne erin­nern, die sich am Rand jener Ber­li­ner Groß­de­mons­tra­ti­on vom 1. August 2021 abspiel­te, von der einer unse­rer Lands­män­ner beim vor­abend­li­chen Gang über das kom­men­de Schlacht­feld behaup­te­te, dies wür­de der wohl wich­tigs­te Tag der deut­schen Geschich­te seit dem 8. Mai 1945 werden?

Es schar­te sich damals ein Hau­fe vor den Ein­gän­gen der rus­si­schen und der ame­ri­ka­ni­schen Bot­schaft und fleh­te um Frie­dens­ver­trä­ge und um Erlö­sung von den Schul­der­zäh­lun­gen. Die­se Bitt­ge­su­che wur­den von den Ver­an­stal­tern auf­ge­grif­fen und ver­kün­det. Glaub mir, Ivor: Die­se Sze­ne ver­paß­te mir Gän­se­haut und eine Auf­wal­lung von Mit­leid. Die Hoff­nung die­ser Leu­te war spür­bar echt, sie war nicht abge­brüht oder kal­ku­liert, son­dern kam aus dem Her­zen, hat­te für die­je­ni­gen, die mit­wog­ten und mit­fleh­ten, tat­säch­lich die ver­dich­ten­de Kraft einer Stern­stun­de der Mensch­heit, war zugleich aber für fer­ne Beob­ach­ter wie mich irr­sin­nig wie ein Veitstanz.

Als die Spann­kraft nach­ließ, kam es zu Ernüch­te­rungs­sze­nen. Ver­zwei­felt wei­nen­de Demons­tran­ten, jähe Unbe­haust­heit im Potem­kin­schen Dorf, Scham: der Deut­sche als poli­ti­scher Roman­ti­ker mit der Gemüts­ver­fas­sung eines klei­nen Kin­des … Jede Sei­te ist die fal­sche – Meis­ter Klo­n­ovs­ky ver­wen­det die­ses Dik­tum gern, es paßt auch hierher.

Ich spre­che immer vom Wind­schat­ten, in den ich unser Land wün­sche, wenn mich einer nach dem poli­ti­schen Mini­mum fragt. Bloß ist Deutsch­land für den Wind­schat­ten zu groß, immer noch zu wesent­lich. Wir sind halt nicht Por­tu­gal oder Ungarn.

Laß uns also mal ein paar Wahr­neh­mun­gen auf der unte­ren Ebe­ne durch­de­kli­nie­ren und Schluß­fol­ge­run­gen aus ihnen zie­hen. Ich will mit einem The­men­kom­plex begin­nen, der Kon­junk­tur hat, seit es um Wehr­be­reit­schaft, Ver­tei­di­gung, Selbst­ver­sor­gung in abge­schnit­te­nen Räu­men und ums Über­le­ben an sich geht.

Ich sah einen Arte-Film über schwe­di­sche Prep­per und über die mili­tä­ri­sche Sei­te die­ser Kri­sen- und Kriegs­vor­be­rei­tung: die schwe­di­sche Heim­wehr. Die­ser Film berich­te­te ohne jede Her­ab­las­sung oder Dekon­struk­ti­on über das, was wir frü­her aus den Sur­vi­val-Büchern des Kon­di­tor­meis­ters Rüdi­ger Neh­berg nach­bas­tel­ten und beim Mili­tär lern­ten: Feu­er bei jedem Wet­ter (auch im Film wird die­ser idio­ti­sche Zufall wie­der­holt, daß man zwar kein Feu­er­zeug, aber einen Magne­si­umstein plus Scha­ber in der Hosen­ta­sche habe …), dazu Anlei­tung zum klei­nen Krieg, zum tota­len Widerstand.

Schwe­den dort, Deutsch­land hier. Was der Film zeigt, wird hier­zu­lan­de kri­mi­na­li­siert: zu ler­nen, wie man in einer in jeg­li­cher Hin­sicht nicht­aut­ar­ken Groß­stadt­woh­nung im Ernst­fall nicht friert und hun­gert, son­dern selbst­be­wußt dabei hel­fen kann, die Ord­nung auf­recht­zu­er­hal­ten; dann: zu üben, wie man vor dem Feind nicht »blank« dasteht, son­dern mit Waf­fen umzu­ge­hen weiß.

Es geht in der Doku­men­ta­ti­on tat­säch­lich um Wehr­sport, Vor­rats­hal­tung, auf Wochen oder Mona­te ange­leg­te Aut­ar­kie, iden­ti­tä­res Selbst­be­wußt­sein, Mobil­ma­chung, Ertüchtigung.

In Deutsch­land sind die­se Impul­se in jus­ti­tia­ble Kist­chen abge­legt wor­den: Reichs­bür­ger, Prep­per, Mili­ta­ris­ten, völ­ki­sche Sied­ler. Legen wir die 100 Mil­li­ar­den zusätz­li­cher Schul­den für die Auf­rüs­tung der Bun­des­wehr dane­ben: Sie sind doch ein Beweis dafür, daß sich die Gefähr­dungs­la­ge ver­schlech­tert haben muß!

Was läge also näher als eine prak­ti­sche und geis­ti­ge Auf­rüs­tung des Nor­mal­bür­gers, eine Kräf­ti­gung sei­nes Wider­stands­po­ten­ti­als? Es schält sich doch in einer sol­chen Lage ein bestimm­ter Typ her­aus: der­je­ni­ge näm­lich, der trotz allem dar­an fest­hält, unser Land sei etwas, das zu ver­tei­di­gen sich loh­ne. Die Fra­ge nach dem Volk wird laut: Wer wäre das »Wir« im Ernst­fall? An wen wür­de man sich rich­ten, wer wäre gefragt, wenn es nicht mehr um Dienst nach Vor­schrift geht?

Das Ver­teu­fel­te kehrt zurück: Koh­le­kraft­wer­ke, Män­ner, Waf­fen, sogar Söld­ner dürf­te man wie­der sein, wenn man auf der rich­ti­gen Sei­te kämpft und die Bösen jagt.

Du siehst, es ist wie stets mit mir: Man denkt nach, kommt ins Fabu­lie­ren, wird sar­kas­tisch. Dabei soll­te man ernst blei­ben: ja, Not­la­ge, Män­ner, Waf­fen, Aske­se, Ein­satz, Wir. Der gan­ze Rest ist zumin­dest dort, wo der Ernst­fall aus­ge­bro­chen, ein­ge­bro­chen, aus­ge­ru­fen ist, nicht mehr so wichtig.

Götz

– – –

Burg Schre­cken­stein, 13. Juli 2022

Lie­ber Götz,

die Ein­sicht in das, was ist, darf sich nicht nach dem Wün­schens­wer­ten rich­ten, das brau­che ich Dir eben­so­we­nig zu erklä­ren wie den Grund­satz, daß in der Ruhe die Kraft liegt – wer sich läh­men läßt oder kopf­los wird, ist ver­lo­ren. Wir haben das bei­de bei den sprin­gen­den Trup­pen gelernt.

Oder vor­neh­mer mit Goe­then: Es gibt kei­ne Lage, die sich nicht ver­edeln lie­ße, ent­we­der durch Leis­ten oder durch Dul­den. Man schanzt, wenn man sonst nichts tun kann, gräbt sich tie­fer ein, und sucht doch stets nach Mög­lich­kei­ten, die Initia­ti­ve zu gewin­nen und den Angriff zu wagen, auch wenn’s ein letz­tes Mal wäre.

Das Gute an der gegen­wär­ti­gen Zuspit­zung einer seit lan­gem schwe­len­den Kri­se ist ja, daß die »gro­ße Lage« nun tat­säch­lich in Fluß gera­ten ist wie seit 1989 nicht mehr, sie ist nur ris­kan­ter und gefähr­li­cher als damals. Das bie­tet wie­der­um Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten auch für die »klei­ne Lage« der Dis­si­denz, die noch nicht abseh­bar sind.

Ich beob­ach­te inzwi­schen das­sel­be wie Du: Die Leu­te sind nicht dumm, sie wis­sen, was es geschla­gen hat – man hor­tet, knüpft Ver­bin­dung zu sei­nes­glei­chen, zum Bau­ern auch, zum Förs­ter und zum Jäger, legt sich Holz­öfen und Not­strom­ag­gre­ga­te zu und redet offen, wenn man sich kennt. Nur müs­sen all die­se Leu­te eben zudem ihren All­tag im Hier und Jetzt wei­ter­le­ben, hal­ten also den Ball nach außen hin wohl­weis­lich flach, wegen der von Dir ange­spro­che­nen Denun­zia­ti­on und Kri­mi­na­li­sie­rung sol­cher täti­gen Selbst­vor­sor­ge durch den okku­pier­ten Staat und sei­ne »zivil­ge­sell­schaft­li­chen« Lemuren.

Auch in die­ser Ruhe liegt Kraft, denn selbst wenn ich eine Eska­la­ti­on bis hin zu einem auf Kern­eu­ro­pa begrenz­ten Ein­satz ato­ma­rer Kampf­mit­tel für mög­lich hal­te, wer­den »wir« vor­erst wohl nicht auf unse­rem Boden gegen »den Rus­sen« kämp­fen müs­sen. Ich rech­ne hier viel­mehr mit der Ver­dich­tung (ver­zeih mir den Kalau­er) jenes Enzens­ber­ger­schen mole­ku­la­ren Bür­ger­kriegs zum »Ernst­fall«. Da kann sich das »Wir« dann lokal und regio­nal recht schnell zei­gen, mit allen guten und schlech­ten Seiten.

Den »bestimm­ten Typ«, von dem Du sprichst, gibt es ja noch immer, als Frei­wil­li­gen im Tech­ni­schen Hilfs­werk, bei den Feu­er­weh­ren und Ret­tungs­sa­ni­tä­tern, in Reser­vis­ten­ka­me­rad­schaf­ten und Sport­ver­ei­nen, aber auch, frei­lich in zuneh­men­der Ver­dün­nung, in den Streit­kräf­ten und bei der Poli­zei, die alle genau des­we­gen für die defor­mier­te poli­tisch-media­le Meu­te in Deutsch­land zum vor­ran­gi­gen Ziel der Zer­set­zung gewor­den sind.

Auf­er­stan­den aus Rui­nen und der Zukunft zuge­wandt – das muß unse­re Devi­se sein, das alte Ziel von Einig­keit und Recht und Frei­heit ist für das deut­sche Vater­land neu anzu­ge­hen, und dafür gilt es, auf »mole­ku­la­rer Ebe­ne«, wei­ter­zu­ar­bei­ten, sich vor­zu­be­rei­ten, nicht nur im per­sön­li­chen Umfeld, son­dern auch grundsätzlich:

Gibt es in Deutsch­land Kon­zep­te und Leu­te für den Wie­der­auf­bau einer Volks­wirt­schaft mit allen wich­ti­gen Spar­ten wie Ener­gie­ver­sor­gung, Land­wirt­schaft und Ver­kehrs­we­sen? Ver­folgt jemand Ansät­ze für eine zeit­ge­mä­ße Restruk­tu­rie­rung der Streit­kräf­te und ande­rer Exe­ku­tiv­or­ga­ne unter den aktu­ell und abseh­bar wei­ter­hin schwe­ren öko­no­mi­schen, per­so­nel­len und außen­po­li­ti­schen Bedin­gun­gen? Auf wel­che Über­le­gun­gen zur Reform des poli­ti­schen Sys­tems mit sei­nem kor­rup­ten Par­tei­en­re­gime kann rea­lis­tisch zurück­ge­grif­fen wer­den? Wel­che Exper­ti­sen braucht es, um den Kar­ren wie­der flott zu kriegen?

Das sind alles unge­heu­er kom­ple­xe und gro­ße Fra­gen, zugleich hin­rei­chend kon­kret – sie müs­sen ange­gan­gen wer­den, Tell hin oder her.

Vor­wärts also, und: nichts vergessen!

Ivor

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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Kommentare (100)

Dieter Rose

17. August 2022 09:45

"Ich enthalte mich . . . " nach Pyrrhon,

sh. Montaigne!

Franz Bettinger

17. August 2022 10:33

Nur wenn das deutsche Volk sich en masse von dem Lügengebäude abwendet, haben wir eine Chance, d.h. wenn die Lügen immer häufiger und von allen Seiten, von allen Schichten, vor allem aber den unteren, auf steinigen Boden fallen und der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Und so sieht es tatsächlich aus. Wir werden mehr. Je mehr Lauterbäche Hanebüchenes verbreiten, desto besser. Ein Generalstreik muss nicht generalstabsmäßig vorbereitet werden, im Gegenteil, er ergibt sich meist spontan; siehe Chile. Und dann geht es meist sehr schnell, und es fallen nicht nur Dominosteine. Geduld, der Irrsinn wird bald zu Ende sein. Deep State tut viel für den eigenen Untergang, ohne es selbst zu begreifen. 

Franz Bettinger

17. August 2022 11:18

@Caroline Sommerfeld schrieb neulich: "Es bleibt Etwas Deutsches in der Welt, auch wenn die Körper Keine Bio-Deutsche mehr sind.“ Stimmt das? Wo ist sie geblieben, die Seele der Karthager, Inkas, Azteken & die Volksseele der letzten Mohikaner? Was ist aus den Venezianern und den Alten Griechen, den Spartanern gar, geworden, ihrer Seele, ihrer Leistung, ihrem Vermächtnis? Was wird aus Tibet? - Was sind Wir bereits geworden, wir Deutschen? Transformiert? Was haben wir noch gemein mit unserer Vätern & Großvätern? Sind all die untergegangenen, einst starken Völker gewandelt worden. Zu was? Wir wissen nicht mal mehr, welche Seele sie besaßen. Machen wir uns nichts vor. Verschwunden und zermalmt worden sind sie für immer. Und wir wohl bald auch. Doch noch ist es nicht soweit! Weniger pathetisch, dafür saarländisch: Ist das Wetter noch so trieb, immer hoch die Gellerrieb! (= Gelb-Rübe)

RMH

17. August 2022 11:20

Aus Teil 1: "Großraumgespräche sind für die Machtlosen in Vasallenstaaten, also für uns, ein Glasperlenspiel."

Zutreffend - Ein Satz fürs Brevier eines jeden Hobby-Großraumtheoretikers und - Strategen.

RMH

17. August 2022 11:21

"und halte zugleich und nach wie vor den russischen Angriff für die legitime Reaktion " (Teil 1)

Sehr geehrter Herr Kubitschek, hier haben wir einen klaren Dissens und um ehrlich zu sein, befremdet mich die Verwendung des Begriffs "legitim" doch sehr. Gerade wir "machtlosen" Staaten, wir Vasallenstaaten haben nur das Recht als Argument dagegen, dass der übermächtige Nachbar nicht nach blieben bei uns Razzien oder sonstige "Polizeiaktionen" durchführt, nur weil wir aus seiner Sicht mit den Falschen "ins Bett gehen". Otto Schily sagte im Stammheim-Prozess: "Wir führen gegenüber der Macht das Argument des Rechts ins Feld" Ein Kernsatz für jeden Dissidenten. Kein Krieg der USA macht den Einmarsch Russlands zu einem "legitimen" Vorgehen. Man kann es aus den von Ihnen, von Tillschneider und anderen genannten Gründen nachvollziehen, je nach Gusto und persönlicher Position mehr oder weniger Verständnis dafür aufbringen, aber beim Wort "legitim" hört bei mir das Verständnis auf, da ich das Recht des Stärkeren nicht predige und auch die Vorkriegssicht des Rechts auf Krieg oder Frieden souveräner Staaten (dazu bedarf es dann aber einer hier nie erfolgten Kriegserklärung und der Wahrung des Kriegsrechts) für überholt halte.

Franz Bettinger

17. August 2022 11:53

Ob in der Ukraine die Wehrpflicht strikt angewandt wird? Ob also junge Männer gegen ihrem Willen, zwangsweise Soldat werden und an die Front müssen? Und wieso nicht auch Frauen in der de-konstruierten Welt, Merkel's Neuer Normalität, wo Sex und Gens bloße Artefakte sind? Wie reagiert der Westen, insbesondere die Grüne Regierung? Protestieren die an die Macht gespülten kriegsgeilen Ex- Peaceniks gegen die Zwangs-Rekrutierung, diese Pflicht, Menschen töten zu müssen? Sind die das Schlachten und Geschlachtet-Werden verweigernde Soldaten einfach nur Kriegs-Flüchtlinge? Oder treulose Deserteure? Öffnet das beste D aller Zeiten seine Grenzen und Geldbeutel für sie?

Maiordomus

17. August 2022 12:01

Interessant, wie hier der Tell reinkommt, der Rütlischwur, wie richtig beschrieben, "von Männern, die in den Institutionen des (schwindsüchtigen) Staares eingebunden sind und in der Wirtschaft tätig"; Tell war da nicht dabei. Es war, wenn Sie der Sache noch genauer nachgehen wollen als es Schiller möglich war, eine kleinräumige Käserverschwörung, für mehr angestammte Freiheit im Reich, kein neues oder anderes Reich. Die Kleinräumigkeit, also Freiheit vor Ort, war das real Mögliche, etwas, was dann die Französische Revolution nur bedingt oder gar nicht schaffen wollte. Siehe Rousseaus Verfassung für Korsika (ohne Hauptstadt, so unzentralistisch wie Appenzell) aus dem Jahre 1769, also dem Geburtsjahr von Napoleon, der es bei aller Einsicht zum Beispiel für die Verhältnisse in der Schweiz aufs Ganze bezogen anders beabsichtigte, am Ende auf einen aufgeklärten Despotismus hinauslaufend. Es wäre keine Kleinigkeit, kleinräumig wieder etwas mehr Freiheit möglich zu machen. Dies scheint aber im System der Europäischen Union nur bedingt oder gar nicht möglich, besonders nicht unter der Herrschaft dessen, was schon der Revolutionskritiker Burke als die Despotie der Theorie und des Dogmas denunziert hat. Burke stand rechts auch von den deutschen Rechten positioniert. 

Umlautkombinat

17. August 2022 12:11

@RMH

Soweit ich mich erinnern kann, kommen Sie irgendwo aus der Juristerei. Ich als dahingehender Laie wuerde das nicht buchstaeblich betrachten. Nennen sie es "berechtigt" oder beziehen sie "legitimiert" auf einen anderen Kontext als welches Gesetzbuch immer. Und dann kann man das endlos diskutieren...

Der Punkt ist doch eher, dass dieses Jahrtausende immer ein Grenzland gewesenes Gebiet nicht umsonst und wohl genau wegen der damit verbundenen Eigenschaften als Fass am Zuendschnurende ausgewaehlt wurde. Wenn man dazu mehr sagen will, muss man natuerlich letztlich doch in die Glasperlen hinein.

Suedburgunder

17. August 2022 12:12

@ Franz Bettinger (10:33)

Ich teile Ihren vorsichtigen Optimismus hinsichtlich der Fragiliät des Deep State. Ermutigende Zeichen sind allenthalben auszumachen. Hier in Frankreich, wo vor allem auch immer mehr junge Menschen die Risse im Lügengebäude erkennen, noch offensichtlicher als in Deutschland. Man muß sie nur sehen wollen, ohne bei der bloßen Erkenntnis stehenzubleiben! 

Schobbepetzer

17. August 2022 12:22

Beim Sommerfest habe ich folgendes Buch zum Schnäppchenpreis bekommen, leichte Lesespuren, wer immer auch der Vorleser war.

https://antaios.de/antaios-liefert-jedes-buch/1854/das-eurasische-schachbrett.-amerikas-neuer-kalter-krieg-gegen-russland

Excellente Zusammenfassung und Übersicht über die Denkschulen der Geopolitik.

Nichts geschieht und wird geschehen in Deutschland ohne den Einfluß des Hegemon. Der Schlüssel zu einer Veränderung unserer Lage, der liegt in den USA. Russland oder China würden mit Deutschland genauso verfahren, wie die USA.
Der Ukrainekrieg ist auch ein Abnutzungskrieg gegen Deutschland durch die USA. Man behebt das Außenhandelsdefizit der USA gegen Deutschland, man entledigt sich deutscher Industriekonkurrenz und der Euro als möglicher Widersacher zum Dollar, wird entsorgt.
Vielleicht gibt es ein Zeitfenster für eine Wende, nach den US-Wahlen dieses Jahr oder in zwei Jahren, das könnte man nutzen, wenn man bereit ist.

Hesperiolus

17. August 2022 12:31

Franz Bettinger 17. August 2022 11:18

Zum Bettingerschen Ubi sunt der erloschenen Paideumata fällt unmittelbar die Spenglerstelle ein, wo der "Signor" schreibt: "... … daß der Mensch nicht nur vor dem Entstehen einer Kultur geschichtslos ist, sondern wieder geschichtslos wird, sobald eine Zivilisation sich zu ihrer vollen und endgültigen Gestalt herausgebildet und damit die lebendige Entwicklung der Kultur beendet, die letzten Möglichkeiten eines sinnvollen Daseins erschöpft hat. Was wir in der ägyptischen Zivilisation seit Sethos I. (1300) und in der chinesischen, indischen und arabischen noch heute vor uns sehen, ist wieder das zoologische Auf und Ab des primitiven Zeitalters … Für das Behagen der Bevölkerung war es gewiß nicht gleichgültig, aber an der Tatsache, daß die Seele dieser Welt erloschen war und deshalb alle Ereignisse einer tieferen Bedeutung entbehrten, änderte sich damit nichts. … Was übrig bleibt, ist der Kampf um die bloße Macht, um den animalischen Vorteil an sich. …".

Hesperiolus

17. August 2022 12:43

(2)

Und ob man in den angeführten Preppern Passionarier im Sinne des auch beachtenswerten Lew Gumilew sehen kann, zweifelhaft. Vorherrschend sind doch Subpassionarier jenes „Typs“, die als Seelenträger nicht in Frage kommen. Zeitalter der Verdunkelung. - Über das Erlöschen der Volksseelen hinaus wäre interessanter den Jüngerschen Andeutungen einer Speciesänderung nachzugehen, Dazu in der „Zeitmauer“, auf die jener intelligente Artikel, glaube von Lehnert in der vorigen Sezession, ohne Nennung zugeschrieben hat.

Maiordomus

17. August 2022 12:52

PS. Spannend im Artikel oben ein "rechtes" Verständnis für Scholz' Schweigetaktik, wie bei Köppel oft durchscheinend, wiewohl der Kanzler trotz grundgesetzlicher Richtlinienkompetenz da und dort um den Zwang zur Richtigstellung nicht herumkommt. Sein von der Diplomatie gebotenes Schweigen gegenüber dem Holocaust-Vergleich von Abbas war am Limit, hätte sich Merz kaum geleistet. Natürlich kann man Palästina und die einstige Lagerhölle nicht vergleichen. Für letztere gab es, was erst recht nicht sagbar scheint, bei anderen Proportionen ein höheres Ausmass z.B. an finanziellen "Wiedergutmachungen", auch individuellen, wie bei einer diesen Sommer in der Schweiz verstorbenen Alt-Dozentin, die sich als Auschwitz-Überlebende als Studentin damit einen Porsche leisten konnte, wie sie mir zu Lebzeiten nicht ohne Schmunzeln erzählte. Es ist wirklich so, dass man die Verhältnisse sowohl innerhalb der einzelnen Opfergruppen wie auch im Vergleich gegeneinander schwerlich ausspielen sollte. Auch die Überlebens-Chancen von Embryonen in einer Abtreibungsklinik sollte man nicht, wie es Kuehnelt-Leddihn in seiner Karikatur "Neu-Auschwitz" gemacht hat,  gegen die der Lager-Häftlinge ausspielen. Letzterer Befund ersetzt unter dem Grundwert des Heiligen heute vielfach die einst unantastbare, längst zur Verspottung (z.B. Achternbusch) zugelassene Ehrfurcht erheischende Passionsgeschichte Jesu Christi. 

Hajo Blaschke

17. August 2022 12:53

Zu zwei Beiträgen kurz meine Bemerkungen:

Kann Russland Partner Deutschlands sein? Es ist richtig, dass es in Russland eine staatlich geförderte und gelenkte Propaganda über die vor 80 Jahren abgelaufenen Geschehnisse gibt. Vieles davon ist erfunden, verfälscht, verdreht und an den Haaren herbeigezogen. Fakt ist aber für das Heute, dass die russische Politik mit Deutschland als souveränen Staat zusammenarbeiten will und wird. Wenn Deutschland sich aus den Vasallenfesseln der Ang!osaxen löst. Diese Aktion wird Deutschland Niemand abnehmen.

Hajo Blaschke

17. August 2022 12:58

Zweiter Teil meiner Erwiderung: Russland hat nicht das Recht des Stärkeren ausgespielt gegen eine schwache Ukraine. Russland hat verhindert, dass das "Recht" des Stärkeren, nämlich der Kiewer Junta, gegen die Schwächeren, nämlich den Bewohnern des Donbass, bis zur kompletten Vertreibung bzw. Ermordung dieser Schwächeren erfolgreich umgesetzt werden kann. Aus diesem Grunde ist das, was Russland dort vollzieht, nicht der Beginn eines Krieges, sondern dessen Beendigung.

Laurenz

17. August 2022 13:09

Die Schweden (im Briefwechsel) sind ein schlechtes Beispiel. Die Schweden sind die ersten in Europa, die von den Kolonisten übernommen werden werden. Die beste Armee in Europa ist die finnische Armee. Dort, in Finnland, hat sich ein gesunder Geist bis nach ganz unten erhalten. Hier eine entsprechende ARTE-Doku https://youtu.be/8GP1Igr9Tc8

quarz

17. August 2022 13:19

@Franz Bettinger

"Es bleibt Etwas Deutsches in der Welt, auch wenn die Körper Keine Bio-Deutsche mehr sind.“ Stimmt das?

Das funktioniert so lange, wie Assimilation stattfindet. Dann werden biologisch Fremde zu kulturell Deutschen. Und Assimilation findet statt, solange die Immigration in Bezug auf Größenordnung und Kulturnähe in verträglichen Maßen erfolgt. Ist das verträgliche Maß überschritten, dann bilden sich Konkurrenzkulturen auf gemeinsamem Territorium und mit etwas Glück kann sich die deutsche Kultur in einem Reservat halten. In den Köpfen der Parallelkulturisten wird sie nicht weiterleben, die haben ihre eigene Kultur und sind nur an den Erträgen der deutschen Wirtschaftskraft interessiert, die sie schon zu melken wissen.

Heinrich Loewe

17. August 2022 13:53

Ich verstehe diese Sophistereien, strategischen Überlegungen, Zweifel, Abwägungen hier nicht mehr. Die nackten Existenzängste wird im Winter Massen auf die Straßen treiben - und wieder werden die Konservativen diese Wirklichkeit nicht adäquat machtpolitisch aufgreifen.

Wie wärs mal,  alle ethnisch-idenditären Kategorien beiseite zu zu lassen und sich auf den reinen Populismus im besten Sinne zu beschränken: Hier das Volk; dort die inkompetenten, korrupten, feigen, ideologisch verblendeten selbsternannten Eliten, die das Leben der einfachen Leute von Tag zu Tag miserabler machen. Das Große Erwachen gegen den Great Reset.

Es würde reichen, die progressiven Kulturmarxisten, die die freiheitliche Bundesrepublik der, sagen wir 80er, staatsstreichartig übernommen haben, zu zerstören. Die Kraft des Faktischen bietet die Gelegenheit dazu!

Wie klar, einfach, fokussiert und unnachgiebig ist im Vergleich zu hiesigen Verhältnissen die Auseinandersetzung in Amerika. Und dort wird gewonnen! Schaut euch mal eine Weile Bannon’s Warroom, Jack Posobiec, Charlie Kirk u.a. an.

RMH

17. August 2022 14:44

@Umlautkombinat,

ja, evtl. lege ich "legitim" zu sehr in die Waagschale und zu eng aus - aber legitim ist eben legitim.

@Laurenz,

Sauna, Sisu, Sibelius eben ... Kontakte nach Finnland schaden nicht, auch wenn das schon eine enorme Sprachbarriere ist und entgegen der landläufigen Meinung dann doch sehr viele Finnen kein Englisch können (im Gegensatz zu den Skandinaviern). Ich habe es an anderer Stelle schon einmal geschrieben: Wenn Russland Finnland Teile von Karelien wiedergegeben hätte, wären die Finnen heute die treuesten Verbündeten Russlands. 

Wurde aber ja schon in der Diskussion Zerbin/ Tillschneider bemängelt, dass Russland es an "Softpower-Skills" mangelt. 

Ich persönlich vertrete bekanntermaßen die Auffassung, dass die totgesagte BRD durchaus noch länger vor sich hin wursteln wird und noch deutlich mehr zusetzen kann, als hier vermutet wird und teile die Auffassung von Ivor Claire, dass Kanzler Scholz unter den gegebenen Umständen es gar nicht mal so schlecht macht, wobei solche Aussagen natürlich von interessierter Seite als Beifall von der falschen Seite gewertet werden (aktuell steht Scholz ja ordentlich unter Beschuss und hat auch Treffer erhalten).

Maiordomus

17. August 2022 14:52

Was oben unter P.S. dargetan, gehört zum Gebilde "Zivilreligion" als Ablösung z.B. v. Christentum und Islam. Ein Wahrheitsministerium über Grenzen des gesellschaftlich Sagbaren bis zu den Punkten, wo die Toleranz aufhört. Was als höchster Wert umschrieben wird, z.B. das Verbot, sich vom Göttlichen ein Bild zu machen oder den Heiligen Propheten zu karikieren,  wird auf weltliche Befunde übertragen. Vgl. Mozarts Cagliostro: "Wer diese Lehre nicht begreift, verdienet nicht ein Mensch zu sein." Gefordert wird eine zivile Befugnis, Wahres vom Falschen zu unterscheiden, nach den Schelerschen Grundwerten des Wahren, Guten u. Heiligen. Dies erklärt etwa die Verdammung der Homophobie/Transphobie als eine verbliebene zu verurteilende unentschuldbaren Haltung in Sachen Sex; analog zur einstigen widergöttlichen Schwarzen Messe mit dem zum Sakrament erhobenen nicht adamitischen Akt.  Will man verständlich machen, warum "Homophobie" schlimmer ist als Abtreibung, muss man den gnostischen Wurzeln des zivilreligiösen Wertewandels nachgehen. Dazu gehören nebst Veränderungen der Sexualmoral Essen und Trinken; das für Religionen unentbehrliche Verständnis von Wetter u. Klima, nicht zu vergessen die Hoheit über geschichtliche "Narrative". Im Sinne v. Aufklärung gälte es jedoch, Zivilreligion als Religion einzuschätzen incl. Religionsfreiheit auch ihr gegenüber. 

Maiordomus

17. August 2022 15:02

PS 2: Dass ich im obigen Beitrag PS 1 noch auf die Schwarze Messe zurückkomme, schliesst sich an den Titel "Das Verteufelte kehrt wieder" an. Zur Hauptsache geht es aber, im Anschluss an die schwierige Situation, in die Palästinenserpräsident Abbas den Bundeskanzler gebracht hat, um die Zivilreligion und die Fähigkeit, sich gegenüber deren Ansprüchen auf unsektiererische Weise überhaupt wappnen zu können. Besonders dann, wenn ein ehrlicher Diskurs über den zivilreligiösen Wandel  einschliesslich neuer bzw. neu-alter Frageverbote gar nicht stattfindet, wiewohl im höchsten Grade, besonders bei den Grünen und allgemein im neuen Kulturkampf, politische Theologie stattfindet. 

heinrichbrueck

17. August 2022 15:04

"Deep State tut viel für den eigenen Untergang"
Deep State kann auf die modernen Konservativen bauen. Die Konservativen merken es bei Baerbock, aber sie merken es nicht bei Thatcher. Dieses Fundament wird noch ein Weilchen halten. Deep State bestimmt die Bedingungen. Wehrhaftigkeit aufzubauen - ohne die eigene Wehrhaftigkeit angreifbar zu machen - wird eine Kunst bleiben. Die NWO als umfassendere Hölle, muß das deutsche Volk überleben. Sollte es Deep State gelingen, diese NWO "deutsch" aussehen zu lassen, wie in manchen Kommentaren vorgeführt, wird die anti-weiße Strategie Erfolg haben. 

Umlautkombinat

17. August 2022 16:09

"Wie klar, einfach, fokussiert und unnachgiebig ist im Vergleich zu hiesigen Verhältnissen die Auseinandersetzung in Amerika. Und dort wird gewonnen!"

Es wird gewonnen, weil noch andere signifikante Kraefte vorhanden und am Werk sind, die es hier so nicht gibt. Was dazu fuehrt, dass es einfaches, fokussiertes unnachgiebiges Verhalten in messbarem Massstab vor Winter und persoenlichen Schmerzen hier nicht geben wird. Und denken Sie nur nicht, die halsabschneiderischen, hinterfotzigen Methoden spielten in den USA keine Rolle. Die Finanzbehoerden ruesten gerade auf, generell hat eine Fuelle an indirekten Kandaren vergleichbare Wirkungen wie hier. Auch die Amerikaner unterliegen Weichspuelungsmustern der westlichen Zivilisationen. Sie sind aber die Fuehrungsmacht, eine Menge an Akteuren die hier nicht greifbar sind, haben sie auf eigenem Grund und Boden oder anderweitig im Zugriff.

 

Gotlandfahrer

17. August 2022 16:14

1/2

@RMH

Wenn Schily sagte „Wir führen gegenüber der Macht das Argument des Rechts ins Feld“, sagte er eigentlich das Umgekehrte, nämlich, dass er gegenüber dem Recht das Argument der Macht ins Feld führte. Wobei dies wohl seit Iwan dem Schrecklichen nicht mehr in dieser Offenheit, sondern eben durch sein Gegenteil ausgedrückt wird.  Es existierte kein Recht, dass die Taten der RAF rechtfertigte.  Sehr wohl existierte eine „Stimmung“ und sich bereits durch die Institutionen bahnbrechende Begünstigungspraxis, die linkem Terror fördernd und schützend gegenüber eingestellt war. Diese Begünstigung ergab sich nicht aus freiem Ringen der Volksseele mit sich selbst, sondern war Ausfluss der Besatzung nicht nur Deutschlands, sondern Europas, ob nun vollumfänglich gewollt oder teilweise nur als Konsequenz des geschaffenen Rahmens.  Das Recht ist etwas für gedeihliche Gesellschaftsgleichgewichte, ansonsten nur Verschleierungsvehikel der Macht. „Legitim“ weist, im Gegensatz zum objektiven „legal“, eine moralische Komponente auf, ist also, da es keine Weltmoral gibt, immer auch eine Frage der subjektiven Perspektive. GK kann also als „legitim“ bezeichnen, was er für richtig hält, jedenfalls solange es nicht bereits objektiv illegal ist, und das ist die Reaktion Russlands nicht.

Gotlandfahrer

17. August 2022 16:17

2/2

Um noch meinen Gedanken zu erweitern:  Selbstredend wird kein fremdes Land der Welt unsere Interessen vertreten, auch Russland nicht, erst recht nicht „vergangenheitspolitisch“, wie man an den klaren UdSSR-Bezügen und der „Entnazifizierungsagenda“ der Operation ablesen kann. Natürlich wird auch Russland uns zu seinen Gunsten nutzen wollen, soweit es dazu in der Lage ist.  Daraus abzuleiten, dass man derzeit höchsten neutral sein sollte, verkennt den Umstand, dass es nicht Russland war, das den inneren Geisteszustand des deutschen Volkes herbeigeführt hat.  Hingegen könnte das, was uns ohnmächtig macht, fiele die Hegemonie über uns in Russlands Hände, von ihm nicht weiterbetrieben werden.  Im Kern böte dies die Chance eben jener Gesundung, die uns die dann womöglich andersartigen Einschränkungen wesentlich aussichtsreicher verhandeln ließe.  Deswegen teile ich den frustrierten Tenor des Briefwechsels nicht in allen Nuancen, ersehne mir auch keine Schattenregierung oder Kreise mit ausgefeilten Plänen, sondern glaube an die Flexibilität der Menschen, sich schnell auf fundamentale Lageänderungen einstellen zu können. Dass dabei der ein oder andere Wendehals gezielter zu de-legitimieren ist, als es nach 1990 geschah, schmälert das Potenzial nicht.  Dass sich die Lage noch deutlich ändern wird, halte ich ohne jedes Zutun unsererseits auf der relevanten Ebene für recht wahrscheinlich. 

Hajo Blaschke

17. August 2022 16:48

@ Laurenz, die finnische Armee ist die beste Armee in Europa? Das bezweifle ich schon deshalb, weil sie mit Europa die Europäische Union meinen. Die EU ist nur ein Teil Europas und wohl noch nicht mal die Hälfte. Finnland ist von Russland extrem wirtschaftlich abhängig und als Russland Anfang der 90-ger Jahre als Handelspartner ausfiel, war Finnland wirtschaftlich am Verhungern. Die Show mit dem Nato-Beitritt wäre überhaupt nicht notwendig gewesen. Finnland macht schon seit Jahren eifrig bei Nato-Manövern mit, genau wie Schweden.

Hajo Blaschke

17. August 2022 16:52

@ RMH. Die Definition von Power Skills ist Herrschen und Beherrschen durch feinfühlige Steuerung von Prozessen. Ich bin erstaunt darüber, dass die von Ihnen erwähnten Personen, die Russland wohl nur aus den Systemmedien kennen, derartige Kenntnisse über die gesellschaftlichen Prozesse haben. Wenn sie noch nicht mal merken, welche Hard Power in Deutschland eingesetzt wird.

Gotlandfahrer

17. August 2022 16:53

@Heinrich Loewe

Wie klar, einfach, fokussiert und unnachgiebig ist im Vergleich zu hiesigen Verhältnissen die Auseinandersetzung in Amerika. Und dort wird gewonnen! Schaut euch mal eine Weile Bannon’s Warroom, Jack Posobiec, Charlie Kirk u.a. an.

Das schaue ich nun seit Jahren an. Klar ist das beeindruckend, klar hätte ich das auch hier gern. Aber man darf nicht vergessen, dass das im neuen Rom stattfindet und wir im geschliffenen Kathargo leben. Drüben gibt es, neben der gigantischen Landmasse und entsprechend bodenständigen und bewaffneten (!) Bevölkerungsteilen, einen Eliten-, Medien- und „Dienste“-Rest, der Patriotismus positiv sieht.  Wer hier, selbst wenn nur zur unpolitischen, Elite zählt, ist es, weil er den Nachweis der Unschädlichkeit für die antideutsche Herrschaft erbracht hat.  An klugen, mutigen, publikumsfähigen Köpfen mangelt es auch in D nicht, aber keiner könnte so aus dem Nähkästchen der Macht plaudern wie die von Ihnen genannten, gut ins Machtzentrum vernetzten Politcowboys.  An denen verpufft zudem jede Nazikeule.  Da wir aber wissen, wir sehr unsere Statthalter am römischen Tropf hängen, sollten wir die Vorgänge dort gut beobachten und geistig lageagil bleiben, Leitlinie ist immer Treue zum Staatssouverän.

Mitleser2

17. August 2022 17:00

@heinrich Loewe: "Wie klar, einfach, fokussiert und unnachgiebig ist im Vergleich zu hiesigen Verhältnissen die Auseinandersetzung in Amerika. Und dort wird gewonnen! "

Ist halt nicht vergleichbar. USA ist 50:50, D ist 85:15.

Aber natürlich gibt es in USA viel mehr echte Konservative. Deswegen sollte die Rechte hier die USA nicht mit Biden & Co gleichsetzen, sondern dort auchVerbündete suchen, damit rechte deutsche Interessen dort mehr vertreten werden.

dojon86

17. August 2022 17:30

@Heinrich Loewe Stimme vollständig zu. Vergesst Identitäre Positionen. Sicher, im Stillen (SIN) kann man sie ja pflegen, aber wer im politischen Alltag noch am Ziel eines ethnisch definierten Deutschlands festhält, spielt das Spiel des Gegners. Im Wolkenkuckucksheim kann man nicht wohnen

Niekisch

17. August 2022 17:32

"weder für uns noch irgend jemand anderen einen Weg zurück zu irgendeinem Vorher"

Revolvere heißt aber nun einmal "rückwälzen" Ohne Zurückdrehen des fälschlich im Kreis-oder Vorangedrehten ist nicht einmal eine "Konservative Revolution" denkbar.

"Männer nötig sind, die in den Institutionen des schwindsüchtigen Staates eingebunden und in der Wirtschaft tätig sind, also über Einsicht, Kenntnisse und Erfahrung verfügen."

Das kommt mir irgendwie aus dem Munde unserer "Leistungsträger" bekannt vor.

"Gibt es denn noch Leute, die willens und fähig wären, einen neuen »Kreisauer Kreis« zu bilden?" Warum die Leute, die unser Deutschland heute im Stich lassen, durch Leute eines Geistes stürzen lassen wollen, der früher schon in der Stunde höchster Not die Heimat im Stich ließ?

"Versuch einer eigenen Feindbestimmung" Mit Carl Schmitt setzt das Bestimmen des Feindes die klarste Kenntnis der eigenen Lage und diese Kenntnis wiederum eine Wollens- und Sollensbestimmung voraus. Warum nicht zuerst eine Freundbestimmung, so daß sich vielleicht eine Feindbestimmung erübrigt, wenn konsequent der Non-violence gefolgt wird?

"Weder eine »Rote Kapelle« noch die geforderte Nibelungentreue zur NATO können derzeit die Option einer deutschen Dissidenz sein."

Landesverrat wie solcher der "Roten Kapelle" entfällt, weil es hier kein Land zu verraten gibt. 

 

Der_Juergen

17. August 2022 20:49

Der Briefwechsel zwischen Kubitschek und Claire ist von sehr hohem Niveau.

@RMH

In letzter Zeit konnte ich Ihren Wortmeldungen oft vollkommen zustimmen, aber in Bezug auf den Ukraine-Krieg kann ich Ihre Position einfach nicht nachvollziehen. Das Wort "legitim" ergibt in solchen Fragen keinen Sinn. Natürlich hat Russland, technisch gesehen, die Ukraine angegriffen und nicht umgekehrt, aber wenn Ihr Nachbar Ihnen ständig seinen Unrat vor die Tür legt oder auf den Balkon wirft, Sie die ganze Nacht durch mit lauter Rap-"Musik" um den Schlaf bringt und Sie, wenn Sie das Haus verlassen, von seiner Veranda aus mit faulen Eiern und Steinen bewirft, werden Sie mit der Zeit die Geduld verlieren und in die Wohnung des Störenfrieds eindringen, um ihn Mores zu lehren. 

Die Blockade Kubas durch die USA im Herbst 1962 war Ihrer Logik zufolge illegitim, weil sie das kubanische Recht auf Selbstbestimmung - "Es ist unser souveränes Recht, sowjetische Basen auf unserem Boden zu dulden" - verletzte. Dennoch werden die wenigsten bestreiten, dass diese Stützpunke für Amerika eine tödliche Gefahr darstellten und Washington keine andere Wahl hatte, als diesen Gefahrenherd auszuschalten. Ebenso wenig kann Russland heute dulden, dass die Ukraine in eine antirussische Nato-Aufmarschbasis verwandelt wird. - Dass die "Spezialoperation" bisher militärisch sehr schlecht geleitet wurde und dass der ukrainische Widerstandswille Achtung verdient, trifft durchaus zu, ändert jedoch nichts an dem Gesagten.

Laurenz

17. August 2022 20:49

@Hajo Blaschke @L.

Nicht quatschen. Schauen Sie Sich die Doku an oder bringen bitte gegenteilige Belege.

RMH

17. August 2022 21:12

"jedenfalls solange es nicht bereits objektiv illegal ist, und das ist die Reaktion Russlands nicht."

@Gotlandfahrer

Doch, es war und ist objektiv illegal - zumindest nach derzeit geltenden Rechtsregeln und das ist auch der Grund, warum Russland fast jede Woche irgendwelche anderen Gründe präsentiert und es als Sonderaktion darstellt und nicht als Krieg (ist es eigentlich immer noch verboten in Russland, die Aktion öffentlich als Krieg zu bezeichnen?). Lässt sich alles selber leicht recherchieren, deswegen gibts hier keine Rechtsgutachten. Im Übrigen ist "legitim" nichts subjektives oder irgendein weniger klarer Ausdruck als "legal", sondern nach jeder Definition schlicht das Fremdwort für "rechtmäßig". Ich habe ja schon ausgeführt, wie man zu Annahme einer Rechtmäßigkeit kommen könnte, nur dann darf man das Völkerrecht der Nachkriegsordnung über den Haufen werfen. Haben wir doch alles an anderer Stellen schon mehrfach ausgiebig und kontrovers diskutiert - ich selber war nur eben doch etwas überrascht, dass G.K. so klar und deutlich das Wort "legitim" verwendet hat und das habe ich zum Ausdruck gebracht und zudem habe ich das in meiner Antwort auf @Umlautkombinat weiter oben schon ein bisschen eingeordnet. Insofern brauchen Sie hier nicht zu sekundieren, wo es keiner Hilfe bedarf.

RMH

17. August 2022 21:26

"Warum die Leute, die unser Deutschland heute im Stich lassen, durch Leute eines Geistes stürzen lassen wollen, der früher schon in der Stunde höchster Not die Heimat im Stich ließ?"

@niekisch,

den wievielten Aufguss ihre permanenten Hetze gegen die Verschwörer des 20. Julis müssen sie bei jedem kleinen Stichwort dazu eigentlich noch bringen?

Im Übrigen haben die, die man heute Kreisauer nennt - so wie heute viele Oppositionelle - vor allem darüber diskutiert, wie es nach dem als unweigerlich angenommen Zusammenbruch der Hitler-Diktatur und dem damit verbundenen Ende des Krieges weiter gehen könnte. Die Leute des Kreisauer Kreises waren mitnichten alle die späteren Attentäter oder aktive Umstürzler. Und was anderes passiert denn heute, als das sich Dissidenten und Oppositionelle Gedanken dazu und Pläne darüber machen, wie es bei einem angenommen - von ihnen gerade nicht verursachten! - Crash weitergehen könnte. Also lassen Sie bitte ihre Sticheleien einfach einmal sein. Passt an dieser Stelle nicht.

Heinrich Loewe

17. August 2022 21:43

Ein vollständiger Zusammenbruch kann sich, wie die Geschichte lehrt (`89) in irrsinnig kurzer Zeit vollziehen. - Für mich macht die AfD-Führung und -Bundestagsfraktion einen sehr guten Eindruck mit einer Alice Weidel mit Kanzler-Format. Bereitet Euch sehr schnell auf die Übernahme von Regierungsverantwortung vor, in der die Mehrheit der Deutschen durch ein Tal von Blut, Schweiß und Tränen mitgenommen und geführt werden müssen! Einfache Lösungen liegen Jahrzehnte hinter uns.

Die AfD wird der letzte Strohhalm sein, an den sich die Leute klammern. Ja, die Mehrheit. Gnade uns allen Gott, wenn sie versagt.

Die „Konzepte und Leute für den Wiederaufbau“ gibt es, verehrter Ivor; ohne Zweifel. Jeder Einzelne Bürger ist jetzt aufgerufen, sich seinen Fähigkeiten entsprechend einzubringen. „Von Oben“, gemäß der Preußischen Tradition, ist diesmal nichts zu erwarten.

In Amerika gewinnen „unsere“ Leute nur, weil die grassroots sich in allen Politikfeldern engagieren. Ja, es ist hierzulande viel schwieriger. Nicht zuletzt fehlt die Möglichkeit, immer wieder an eine heroische Erzählung der eigenen Geschichte anzuschließen. Vor Allem müssen hierzulande die konservativen Christen endlich aufstehen und laut werden. Ohne einen traditionellen spirituellen christlichen Kern wird es auch nicht gehen.

Maiordomus

17. August 2022 21:45

@Niekisch: Einen neuen "Kreisauer Kreis" zu fordern, scheint mir aufgrund der heutigen personellen Konstellation hilflos. In der Geistlichkeit gibt es weit und breit keinen Pater Delp, der stark von Heidegger geprägt war, den er "widerständig" auslegte, wie man "Sein und Zeit" gemäss "Das alltägliche Selbstsein und das man" auch deuten kann. Es gibt keine Yorcks von Wartenburg mehr, deren Losung gemäss dem Philosophen Paul Yorck von Wartenburg, in Brief an Dilthey, lautete: "Der moderne Mensch, d.h. der Mensch seit der Renaissance, ist fertig zum Begrabenwerden". Später Motto bei Bochenskis Geschichte der Gegenwartsphilosophie (1950). Die nachweisliche Lektüre vieler Mitglieder jenes Kreises waren "Die Weissen Blätter", zwar sezessiv, kaum mit "Sezession" zu verwechseln, noch weniger mit der hier schreibenden oft anregenden versprengten Debattengemeinschaft. Bei derselben handelt es sich, trotz Anspruch, nicht Mainstream zu sein, um vergleichsweise "moderne" Menschen der Gegenwart. Die heutige Widerstands-Situation ist eine andere; es  droht hoffentlich niemandem der Volksgerichtshof.  

Gracchus

17. August 2022 22:11

Lew Gumilew, @Hesperiolus - ich kenne nur einen Nikolai, Dichter und Ehemann Anna Achmatowas. 

Ich halte Putins Inviasion für verständlich, aber nicht für legitim. Oder anders: Auf jeden Fall wird man legitim finden müssen, dass die Ukrainer sich verteidigen. (Legitim heißt ja nicht klug.) Folglich sagt "legitim" nichts aus. Hinzu kommt: Nach Augustinus, meine ich, muss ein gerechter Krieg nicht nur Ultima Ratio sein, sondern auch effizient - das scheint Putins Krieg nicht. Ferner: dass, wie Zerbin gesagt, die russische Armee sehr brutal vorgeht und längst nicht alle russischsprachigen Ukrainer über Putins Invasion erfreut sind. Würde man Donezk und Luhansk abstimmen lassen (in einem fairen, neutralen Verfahren), würde die Mehrheit zu Russland wollen? 

Gracchus

17. August 2022 22:17

Dennoch schlägt mein Herz irgendwie für Russland; mein literarisches. Wie zum Trotz lese ich vermehrt russische Literatur; hätte ich mehr Zeit, würde ich gar Russisch lernen. Nur wenn ich mir die Lebensläufe der bedeutendsten Dichter ansehe, z. B. der schon genannten Anna Achmatowa oder ihrem Freund O. Mandelstam, so waren sie fürchterlichen Repressionen ausgesetzt. 

Was Deutsche und Russe verbindet: hohe Kultur mit politischer Irrlichterei und barbarischen Abstürzen. Dazu (meist) Unbeliebheit im Ausland. 

Gracchus

17. August 2022 22:24

Womöglich reichen wirtschaftliche Interessen für eine Zusammenarbeit eben nicht aus; man muss sich auch geistig-kulturell annähern. Was ich entgegen K. Weissmann für möglich halte (der schon genannte O. Mandelstam hat stets westwärts geschaut, Dante war sein "Elixier"), bis auf weiteres sehr, sehr erschwert ist. Beide Völker befinden sich nicht auf (ihrer) Höhe. 

"Du musst noch Chaos in dir haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können." (Nietzsche). 

Hajo Blaschke

17. August 2022 22:28

Gracchus, Sie werden es wohl nicht glauben wollen, aber selbst in den befreiten Gebieten in der Provinz Saporoshje, Cherson, Nikolajew laufen die Vorbereitungen für Referenden zum Anschluss an Russland. Von Odessa ganz zu schweigen. Wer glaubt, dass den Menschen in den Gebieten der ehemaligen Novorossija oder Malaja Rossijaein Leben unter der korrupten Kiewer Mafia wichtiger ist als ein Leben, in dem man sich mit allem Lebensnotwendigen versorgen, Kinder aufziehen und versorgen kann und einen friedlichen Lebensabend genießen kann, der weiß über die Situation nicht Bescheid oder ist der Westpropaganda aufgesessen. Und wer das Letztgenannte will, der will nach Russland. Ob uns das passt oder nicht.

Carsten Lucke

17. August 2022 23:00

@ Heinrich Loewe

"Für mich macht die AfD-Führung und -Bundestagsfraktion einen sehr guten Eindruck mit einer Alice Weidel mit Kanzler-Format."

Sehr gut - das mußte mal klar gesagt werden !

Auch etliche Andere der AfD machen diesen "sehr guten Eindruck" - es gibt doch kaum einen Beitrag im BT der AfD, dem man nicht applaudieren möchte !

Ja - auf die AfD kommt es in Bälde an !

Sie muß viel Kraft haben, Entscheidungsstärke, viel Anziehungskraft und - keine Skrupel.

Das wäre herrlich !

Gracchus

17. August 2022 23:00

@Hajo Blaschke: Wenn Sie meinen Kommentar richtig gelesen hätten! Ich habe mich auf eine Aussage von Herrn Zerbin bezogen - und anschließend eine Frage formuliert. Bislang ging ich vom Gegenteil aus. Sie haben insoweit Recht, als ich derzeit wenig glaube - Ihnen, ehrlich gesagt, auch nicht, da Sie hier im Forum mit prorussischen Kommentaren hausieren gehen. 

Rheinlaender

17. August 2022 23:10

@Hajo Blaschke

Wenn Sie über die "befreiten Gebiete" in der Ukraine schreiben, klingen Sie m.E. wie ein Spiegelbild jener Neocons, die 2003 in ähnlichem Ton über die amerikanischen Invasionen im Irak und Afghanistan schrieben. Woran liegt es aber, dass sich die Ukrainer so beharrlich ihrer Befreiung widersetzen, und dass jene, die fliehen, überwiegend nach Westeuropa gehen und nicht nach Russland? Und woran liegt es, dass den wenigen deutschen Unternehmen, die noch in Russland aktiv sind, die einheimischen Fachleute davonlaufen und sich aus Russland absetzen?

Volksdeutscher

17. August 2022 23:43

@Hajo Blaschke - "Fakt ist aber für das Heute, dass die russische Politik mit Deutschland als souveränen Staat zusammenarbeiten will und wird."

Ob das so kommt, wissen wir nicht, auch wenn das sonst zu wünschen wäre. Diesbezüglich fiel mir neulich die Frage ein, auf die ich noch keine Antwort gefunden habe: Wer ist mehr an den anderen angewiesen? Deutschland auf Russland oder umgekehrt? Denn wer mehr auf den anderen angewiesen ist, wird den anderen als Erster (auf)suchen müssen. Das ist eine deutlich schlechtere, d.h. schwächere Position, was ihn im Weiteren dazu zwingen könnte, an den anderen Zugeständnisse zu machen, die er unter normalen Verhältnissen nie machen würde.

Volksdeutscher

17. August 2022 23:58

@Franz Bettinger - "Es bleibt Etwas Deutsches in der Welt, auch wenn die Körper Keine Bio-Deutsche mehr sind."

Ja, das hat sie geschrieben. Ein vollkommen abgehobener, unakzeptabler Gedanke. Und sollen wir jetzt darüber in Jubel ausbrechen? Wir wollen das nicht, wir können und dürfen das nicht wollen, wir können nicht in unsere physische Vernichtung in weiß Gott wessen Namen einwilligen, gleich, ob wir das Schicksal oder Vorsehung nenen, wir können nicht die weiße Fahne schwenken. Wenn ich nicht wüßte, daß Frau Sommerfeld diesen Satz schrieb, hätte ich gedacht, daß da uns jemand verhöhnen wolle. Der Satz klingt in meinen Ohren nach buddhistischer Transzendenz. Seelenwanderung. Geringschätzung des Körpers. Auf jeden Fall eine unterstellte Unabhängigkeit, ja Beliebigkeit zwischen seelischer und körperlicher Ausformung und Beschaffenheit. Ein falscher Trost zudem an erster Stelle.

Volksdeutscher

18. August 2022 00:07

@Franz Bettinger - "Nur wenn das deutsche Volk sich en masse von dem Lügengebäude abwendet, haben wir eine Chance, d.h. wenn die Lügen immer häufiger und von allen Seiten, von allen Schichten, vor allem aber den unteren, auf steinigen Boden fallen und der Lächerlichkeit preisgegeben werden."

Das ist gewiß wichtig und verheißungsvoll. Aber nicht minder wichtig ist, Mut aufzubringen. Theorien sind zu wenig, wenn sie nicht zu Taten führen. Und nach meiner Wahrnehmung ist es der Mut, der den politischen Rechten, gleich welchen Couleurs, fehlt. Wer nicht an seinen Sieg glaubt, der wird nicht siegen. Schluß.

Franz Bettinger

18. August 2022 03:32

@Heinrich Löwe: Bravo, gut gebrüllt! Hier das Volk. Dort die inkompetenten, verblendeten Elitioten. Das Große Erwachen gegen den Great Reset. Das wär’s doch! Das muss die uns einigende Botschaft sein. Unter dem Wahlspruch sollten 90% der Menschen - ob rechts oder links, In- oder Ausländer - auf die Straße gehen und die Elitioten Mores lehren können. 

@Gotlandfahrer: Stimmt. Wen interessiert denn heute noch das Recht, dieses pseudomoralische, schrotartig durchlöcherte Mäntelchen der Macht?! Das Recht ist nur in Worte gegossene Macht, prächtig illuminiert durch die wiederholt unsägliche Unrechtsprechung des BVerfG und den totalitären Übergriffen der Elitioten, ihrer Polizei und ihrer Propaganda-Organe.

@RMH: Kriegserklärungen? Hat es seit WW2 nicht mehr gegeben. Warum? Eben: Aus formal-rechtlichen Gründen. Wie falsch, wie teuflisch, wie verlogen, wie lächerlich all diese Juristerei!

@Gracchus: Muss widersprechen. Der Deutsche ist (auch weil er nicht arrogant auftritt) im Ausland überaus beliebt. Ich habe es nie anders erlebt. Keiner ist beliebter. Für den Russen (und den Israeli) gilt das nicht. 

Laurenz

18. August 2022 03:53

@Gracchus

Hajo Blaschke hat hier tatsächlich mal Recht. Die russische Rente ist in etwa 5x so hoch, wie die ukrainische. Unter russischer Hoheit ist man mobil & hat was zu essen, auch wenn das Leben einfach bleibt. Aber aktuell kann man feststellen, daß Mobilität & Nahrung wichtiger sind, als die Quartalszahlen von Facebook oder Amazon. Die Ukraine lebt aktuell davon, daß Mio. Ukrainer den Billiglohnarbeiter für die Polen machen. Von den vielen Milliarden aus dem Westen fließt das meiste Geld in die Taschen der Oligarchen, wie gehabt. Zerbin hat hier Unrecht. Das westliche Narrativ erzählt uns seit Jahrzehnten, daß Krieg jetzt human mit ordentlich plazierten Kommandoaktionen & Präzisionswaffen vor sich ginge. Rußland & die Ukraine haben uns eines besseren belehrt. Krieg läuft, wie gehabt. Die Falken bei den Russen bemängeln die russische Zurückhaltung, Putin sei zu weich. Für die geringe eingesetzte Zahl an Truppen ist das russische Vorgehen außerordentlich effizient. Der jetzige Abnutzungskrieg ist zwar teuer, aber auf Dauer werden die Russen diesen gewinnen. Die von den Russen angestrebte Frontbegradigung aufzuhalten, ist seit Monaten extrem verlustreich für die Ukraine. https://southfront.org/military-situation-in-ukraine-on-august-17-2022-map-update/

Hier der Artikel eines US-Offiziers der Marines in seiner Korps-Zeitung, der ein ganz anderes Bild des Krieges als das unserer Medien zeichnet. https://southfront.org/us-marine-corps-officer-expresses-admiration/

Maiordomus

18. August 2022 07:31

PS. Die Bundesregierung und den Verfassungsschutz interessiert das Niveau der Zeitschrift "Sezession" wohl kaum, Wohl auch nicht Merz und Amthor. Zu den spezifischen Herausforderungen gehört aber, dass nun mal auch Meuthen und Weissmann, zu schweigen von Petry, für die gestellten Ansprüche nicht gut genug waren, gilt wohl für viele weitere, jetzt noch aktive AfD-Parteiobere. Von allen, die hingeworfen haben, verdient aber wohl Parteigründer Lucke immer noch am meisten gewissermassen historischen Respekt. Auch deshalb, weil man ihm eigentlich keine rechte Biographie nachsagen kann und sein Vorhaben nun mal ein anderes war als was mit der Zeit resultierte. Seine Anliegen waren jedoch höchst legitim, und kritische Stimmen seiner Richtung wären heute höchst nötig, auch angesichts der unvergleichlich schäbigen Rolle, welche derzeit die FDP in Deutschland spielt.

Hesperiolus

18. August 2022 07:52

@ Gracchus

Beider Sohn ist Lew. In der deutschsprachigen Wikipedia finden Sie ihn als "Lew Nikolajewitsch Gumiljow". In der englischen unter "Lev Gumilyov", dort auch einige weiterführende "links", etwa eine Darstellung von Alexander Titov. 

 

Gotlandfahrer

18. August 2022 08:11

@RMH

1/2

Auf Schlagabtausch ist zu verzichten, wir kommen ja nicht aus dem Völkerrecht. Aber ein bisschen Präzision darf sein: Ich habe nicht behauptet, dass „legitim“ etwas subjektives sei, sondern, dass - sofern Legalität gegeben ist - eine subjektive Komponente hinzukommt. Zwar bedeuten „legal“ und „legitim“ beide „rechtmäßig“, es bräuchte aber nicht zwei Begriffe, wenn sie sich nicht auf unterschiedliche Ebenen bezögen. Legalität bezieht sich allein auf die Übereinstimmung mit geltendem Recht, während Legitimität erst dann gegeben ist, wenn ein Akt auch mit ethischen Prinzipien übereinstimmt.  Diese sind aber zum Teil immer auch kultur- und überzeugungsspezifisch, und hierin liegt Spielraum.  Ein Politiker, der seine Wahlversprechen nicht hält, handelt legal und für seinen Gesichtskreis auch legitim, weil es zu dessen Sitten und Gebräuchen gehört.  Als Gewählthabende muss man dies noch lange nicht als legitim erachten.

Gotlandfahrer

18. August 2022 08:12

2/2

GKs Behauptung, die Reaktion Russlands sei legitim, ist also zunächst darauf zu prüfen, ob diese legal war. Es gelten zwei Ausnahmen vom Kriegsverbot der UNO: Wenn ein Mandat vorliegt oder es sich um Selbstverteidigung handelt.  Letzteres ist, vorsichtig gesagt, noch nicht abschließend geklärt. GK hätte seine Aussage womöglich unter diesen Klärungsvorbehalt stellen können, andererseits hat ein Großteil der Welt hierzu eine andere Meinung als Sie und die NATO.  Womit sich, nach festzustellender Legalität, die Legitimität ergäbe.

Maiordomus

18. August 2022 08:32

@Hajo Blaschke. So, wie Sie es sich gerne vorstellen, ist es offenbar doch nicht. Dass meine vergleichsweise zu den Westkorrespondenten bestinformierten Gewährspersonen aus der vielsprachigen geisteswissenschaftlichen Forschungsszene von St. Petersburg schweigen, spricht Bände. Der Platz der Vernünftigen ist oft zwischen Stühlen und Bänken. Wobei freilich der hier gelegentlich zitierte Satz wegweisend bleiben kann: "Meyn gedult hat ursach." Niemand behauptet natürlich, die Bildzeitung liege richtig. Aber selbstverständlich verfügt auch Köppel, bei allem sehr nachträglichen Bemühen, über kein ernsthaftes Wissen über Russland und die Ukraine. 

RMH

18. August 2022 09:06

"Ich halte Putins Inviasion für verständlich, aber nicht für legitim." Und ich nicht einmal mehr für verständlich (insbesondere mit dem Wissen von heute, wenn man sieht, wie der Kriegsverlauf bislang ist), aber es gibt Gründe, die es erklären und ein Stückweit nachvollziehbar machen. Was aus meiner Sicht sich aber jeder einmal überlegen sollte, der von sich behauptet, er sei rechts ist der Umstand, ob Rechte und Regeln nur deshalb nicht mehr zu beachten sind, weil sich eh kaum einer daran hält und der große Konkurrent schon gleich gar nicht. Der frühere Standpunkt, dass unter souveränen Staaten es das jederzeitige Recht auf Krieg oder Frieden gäbe, der - das ist strittig! - wohl bis vor dem WK II galt, nähme jeglicher moralischen Aufladung und Empörung den Wind aus den Segeln. Auf der anderen Seite: Dieser Grundsatz war damals daran geknüpft, dass Krieg nach klaren Regeln unter Schonung der Zivilbevölkerung und Wahrung der Ordnung im eroberten Gebiet zu erfolgen hat (Referenden sind da schon mal nicht mehr drin, das Plündern der Kühlschränke ebenso). In Heft 1 der Sezession - damals unter dem Eindruck des ebenfalls illegitimen Vorgehens der sog. "Koalition der Willigen" im Irak geschrieben - wurden in mehreren Beiträgen diese Standpunkte vermittelt. Die Uhr lässt sich angesichts der spätestens seit dem WK II eingetretenen Erweiterung des Krieges zu totalen Kriegen (das ist keine Erfindung von Goebbels!) wohl nicht mehr zurückdrehen.

Umlautkombinat

18. August 2022 09:18

"Es bleibt Etwas Deutsches in der Welt, auch wenn die Körper Keine Bio-Deutsche mehr sind."

Das ist eine Meidbewegung. Ich erinnere mich an eine Diskussion hier zu Beginn von Corona, in der die Autorin eine Loesung gegenueber Repressionen dahingehend sah, durch eine Insichzurueckziehen den Kern der Person irgendwie integer zu halten. Das hier Zitierte waere eine Art konsequente Fortfuehrung des Gedankens. Nur klappt das nicht.

Wenn ich z.B. eine Maske aufsetzen muss, mache ich das nie nebenbei. Ich trage die nicht am Handgelenk oder unterm Kinn, habe das Handy in der Hand und schiebe das Ding nebenlaeufig hoch oder runter. Ich ziehe die vor mein Gesicht und sage mir: "Jetzt werde ich unterworfen". Das ist mir sehr bewusst und auch dieses Gefuehl gehoert wesentlich zu meiner Person. Und diesen Anteil (die Erkenntnis natuerlich, nicht die Unterwerfung) will ich haben. Der passt in keinen afrikanischen Koerper dessen pure Existenz in diesem Land Teil anderer Aspekte meiner Unterwerfung ist und auch nicht in ein huebsch herausgeputztes abgetrenntes reines Selbstbild meiner selbst. Das ist ein Schmerz, an den ich erinnert werden will. Und er entsteht nebenbei nur durch reale Dinge und Interaktion.

 

RMH

18. August 2022 10:00

Ein paar längere Gedanken zum Krieg in der Ukraine, auch als Antwort auf @Der Juergen:

1. Bei der Kubakrise im Oktober 1962 war von Anfang an klar, dass hier die 2 Giganten aufeinanderprallten, USA und UdSSR, Kennedy gegen Chruschtschow. Kuba war nur die Plattform. Was aber bereits damals allen klar war, dass der der Vorteil nah am Feind stationierter, landgestützter Atomwaffen bald der Vergangenheit angehören wird. Die USA feuerten die erste, atomwaffentaugliche Polaris Rakete bereits im Juli 1960 ab, die UdSSR vergleichbares im Oktober 1961. Die UdSSR hatte bereits ab 1955 U-Boote im Einsatz, die konventionelle, ballistische Raketen abfeuern konnte. Der Vorteil der Stationierung von Raketen im Vorhof der USA war also von vorneherein zeitlich stark begrenzt. Vor diesem Hintergrund brach sich Chruschtschow auch keinen echten Zacken aus der Krone, als er in Kuba nachgab und Kennedys Triumph war real kleiner, als medial dargestellt. Aus heutiger Sicht, wo Kuba immer noch sozialistisch ist, hatte Chruschtschow mit seinem Nachgeben richtiggelegen.

RMH

18. August 2022 10:00

2. In der Ukraine treffen erneut die 2 Giganten aufeinander: Dieses Mal aber unter anderen Vorzeichen. Die USA hatten eine Schlappe mit dem Abzug aus Afghanistan hinnehmen müssen, die verbündeten Westeuropäer tanzten immer mehr aus der Reihe. Und in der Ukraine war nun ein Regime, dass bereit war zu kämpfen und von Landfläche und Einwohnerzahl her durchaus in der Lage war, Russland eine Lektion zu erteilen. Russland wiederum sah sich eingekreist und dachte, die USA zeigten eine Schwäche in Afghanistan. Westeuropa, insbesondere Deutschland, hängt am Gas wie ein Junkie an der Nadel. Warum also nicht ein Abenteuer wagen, zumal man sich stärker und die Ukrainer deutlich schwächer sah, als es sich im Nachhinein dann zeigte. Was passierte jetzt im unmittelbaren Vorfeld? Die USA warnten in ungewöhnlicher Art fortlaufend vor dem Angriff, lieferten von Pressebildern untermalt Waffen in die Ukraine, unternahmen aber keine eigenen diplomatischen Initiativen. Stattdessen ließ man Macron, Scholz und vermutlich auch noch andere der aufsässigen Europäer bei Putin antichambrieren und sich dort einen Korb nach dem anderen holen, denn wer wäre Putin, wenn er so etwas mit – aus seiner Sicht – Subalternen zu regeln hätte und nicht auf Augenhöhe mit Biden selber? Und so kam das, was man aus Konflikten kennt, wer sich zuerst bewegt, meint zu verlieren, wer etwas „nicht durchzieht“ und einen Rückzieher macht, meint, sein Gesicht oder seine Ehre zu verlieren. Das Ergebnis sehen wir heute.

RMH

18. August 2022 10:01

3. Für die USA läuft der Krieg nun ganz gut. Die aufsässigen Europäer spuren wieder, kaufen ihre Rohstoffe bald nicht mehr in Russland, das Gebiet der Nato wird größer und wenn die Ukraine sich auf dem Schlachtfeld mehr und besser etabliert, wird die USA irgendwann dann auch eigene diplomatische Initiativen ergreifen, denn ewig kann man sich die Waffenlieferungen dorthin auch nicht leisten – aktuell lässt man die Türkei vor. Russland hingegen steht unter dem Zwang, jetzt weitere Annektierungen zu liefern um am Ende nicht leer auszugehen und bereitet diese vor.

Laurenz

18. August 2022 10:03

@Maiordomus (1)

Die Bundesregierung & den VS interessiert das Niveau der Zeitschrift "Sezession" wohl kaum, Wohl auch nicht Merz.

Hier muß ich Ihnen leider widersprechen. Zumindest ein Assistent von Lindner liest die SiN, was man daran erkennen kann, daß Lindner 2 Tage später von GK explizit geprägte Begrifflichkeiten in seine Rede einbaut. Das Problem des VS liegt doch ganz woanders. Die SiN bezeichnet sich zwar als rechts oder konservativ, ist es aber gar nicht. Uns mag unser eigenes Debatten-Niveau manchmal nicht genügen. Das kann man hier ruhig auch kritisieren. Sie liegen ja auch öfters mit MS in der Fehde. Aber was sollen denn die Versager beim VS damit anfangen, gerade die Maiordomus- oder Anatol-Broder-Beiträge? Dort beim VS arbeiten diejenigen, welche die explizit gute Ausbildung bei den deutschen Finanzämtern nicht packen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Meine Mutter ist eine einfache, gute, deutsche Frau, sehr willensstark, sehr bildend kreativ. Aufgrund Ihrer Englischkenntnisse konnte Sie zeitlebens als Sekretärin bei einem Lobbyverein der deutschen E-Industrie arbeiten. Früher erzählte Ihr mein Vater aus den JF-Artikeln. Seit mein Vater tot ist, liest Sie die JF selber. Und die Sprache der JF ist anstrengend für meine Mutter. Wie sollte das erst bei der Lektüre der SiN aussehen?

RMH

18. August 2022 10:06

4. Was macht die deutsche Rechte? Sie ergreift in großen Teilen unter Verkennung der zutreffenden raumpolitischen Lage Partei für Russland unter dem Mantra: Russland und Deutschland vereint, wird die USA einhegen und die Welt beherrschen. Man sieht sich fälschlich auf Augenhöhe mit Russland. Großer Fehler. Deutschlands natürlicher „Raum“ liegt eben nicht in einem echten Bündnis mit Russland. Deutschlands historischer Raum lässt sich in etwa mit der Lage Deutschland und k.u.k. Österreich, oder besser Deutschland und die Region, die man als Intermarium bezeichnet, definieren. Der deutsche Rechte schwadroniert nun über die Köpfe von Polen, Tschechen, Baltikum etc. hinweg und erzeugt so das Bild in diesen Ländern, dass sich Deutschland und Russland diese Gebiete mal wieder aufteilen wollen. Das freut die USA natürlich sehr, scharen sich diese Länder noch mehr um sie. Gleichfalls Russland, denn dort nimmt so etwas schon mal gar nicht ernst, da sieht man Deutschlands Rechte bestenfalls als nützliche Idioten. Von daher meine Einschätzung, wenn es um Raumpolitik geht: Deutschland sollte einen Großraum zusammen mit dem Intermarium (wozu die Ukraine gehört!) bilden und erst dann kann man auf Augenhöhe mit anderen gute Beziehungen – insbesondere mit Russland – pflegen. Die Rechte hat entsprechend sich in ihren Beziehungen auf diese Länder zu konzentrieren, nicht auf Russland. Aber: Aktuell gilt das, was G.K. schon zutreffend sagte: Das sind Glasperlenspiele.

Laurenz

18. August 2022 10:11

@Maiordomus (2)

Die von der nicht-transatlantischen Rechten, man könnte sie kontinentale Rechte nennen, kritisierte Anbindung an die USA drückt sich vor allem durch die eklatante Abhängigkeit Deutschlands in Sicherheitsfragen aus. Alle größeren Gefährdungen in Deutschland, die nicht dem Staatsterrorismus entsprangen, wurden durch ausländische Dienste aufgedeckt. Die deutsche Politik wollte schon immer unfähiges Militär & unfähige Dienste. Briten oder Amis stecken ihre besten oder zumindest gute Leute in die Geheimdienste, was aber noch nichts heißen will. Was sollte denn ein seltener Bildungsami auf der SiN herauslesen? Wahrscheinlich ist die SiN zur US-Verfassung konformer als jedes andere Medium in Deutschland.

Laurenz

18. August 2022 10:24

@Maiordomus @Hajo Blaschke.

Meyn gedult hat ursach

Ihre Petersburger Kontakte tun gut daran, zu schweigen. Nicht nur in den USA, auch in Rußland werden Leaker hart bestraft. Fast täglich postet der Relotius die öffentlichen Berichte des Britischen Geheimdienstes, wie zB die Zerstörung von 7 russischen Kampfjets auf einem Stützpunkt auf der Krim. Auch die Russen posten natürlich über ihre Medien. Was aber im Raum steht, ist der Frontverlauf, der sich in der Berichterstattung beider Seiten kaum unterscheidet. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Der Frontverlauf ist ein unumstößlicher Fakt, die Realität. Und natürlich kann jeder, nicht nur Albrecht Müller, sich Ungereimtheiten selbst interpretieren.  https://www.nachdenkseiten.de/?p=86964

oder hier uns selbst betreffend.... https://www.nachdenkseiten.de/?p=86982

Niekisch

18. August 2022 10:26

"@niekisch,

den wievielten Aufguss ihre permanenten Hetze gegen die Verschwörer des 20. Julis müssen sie bei jedem kleinen Stichwort dazu eigentlich noch bringen?....Also lassen Sie bitte ihre Sticheleien einfach einmal sein. Passt an dieser Stelle nicht."

@ RMH 17.8. 21:26: Sie rennen offene Türen ein: Da die Artikelabfolge sehr schnell ist, können geschichtliche Themen ohnehin nicht eingehend behandelt werden. Ich komme also Ihrer Bitte nach, zumal wir ja Vorbilder brauchen. Da eignen sich adelige Salondamen und Herrenreiter eher als ein Anfang Mai 1945 im Keller des Reichstages bis zur letzten Patrone kämpfender  Grenadier.

"@Niekisch: Einen neuen "Kreisauer Kreis" zu fordern, scheint mir aufgrund der heutigen personellen Konstellation hilflos."

@ Maiordomus 17.8. 21:45: Gerade  d a s  habe ich ja nicht angeregt, sondern das Gegenteil. 

 

Gracchus

18. August 2022 10:34

@Laurenz: Ich sage ja nicht, dass Zerbin recht hat, wenn er sagt, die russischen Ukrainer unterstützten Putin weniger als erwartet - ich kann es nicht beurteilen. Nur verfügt Zerbin über Kontakte in die Ukraine. Wo sind die Quellen von Ihnen und Hajo Blaschke? 

Die verlinkte Quelle zum Kriegsverlauf war mir bekannt. Es ist EINE Ansicht. Es gibt andere. Ich kann es vom Schreibtisch nicht beurteilen. 

@Franz Bettinger: Da haben Sie wohl recht, wenn es um die Beliebtheit der Deutschen geht; das ist eigentlich auch meine Erfahrung. 

Laurenz

18. August 2022 10:52

@Heinrich Löwe

Bin noch nicht von einer baldigen, wünschenswerten Machtübernahme der AfD überzeugt, wie Sie, auch wenn sie für uns Land bitter nötig wäre.

Vor allem sind mir hier, abseits redaktioneller Äußerungen, die pro- & contra-AfD - Verlautbarungen, wie zB die von Imagine, immer zu ungenau, so gut, wie immer weder konkret noch belegt.

Die Debatte im letzten BK-Artikel, explizit über den Solidarischen Patriotismus, wird natürlich von der AfD auf den Punkt proklamiert. Ich poste Ihnen eine TV-Debatte der RBBs zum Bundestags- & Berlin-Wahlkampf, 2021, wo der Ex-SPD-Mann René Springer die AfD vertrat. Springer formuliert exakt die Vorstellungen der AfD zum Umbau des Staates bezüglich der Rente. An dem Gesicht, welches Bände spricht, des MDB & Ex-Generalsekretärs der FDP, Linda Teuteberg, kann jeder Zuschauer ablesen, daß Springer nichts als die Wahrheit über den Anti-Volks-Moloch Berlin spricht. Gysi stimmt Springer sogar zu, weil er nicht anders kann. Ab ca. 00:18:20 wird von der Moderatorin die Verbindung zu Gysi hergestellt & Springer spricht.  https://youtu.be/U0s8emXsPPM

Gracchus

18. August 2022 10:53

"Es bleibt etwas Deutsches in der Welt ..."

Kann mich gar nicht erinnern, dass CS das so gesagt hätte. Es stimmt aber trotzdem. Wenn morgen alle Italiener aussterben würden, blieben ja trotzdem beispielsweise Cappuccini und Puccini. 

Aus Deutschland bliebe zB die Musik Bachs, Beethovens und Dieter Bohlens. Mit der Literatur wäre es schon schwieriger, weil man dafür Deutsch können muss; der Faust bliebe, auch wenn Bayern ihn gerade von der Abi-Lektüreliste gestrichen hat (was ein SPON-Mensch so natürlich wie unterirdisch argumentierend begrüsst).

Vielleicht entstünde irgendwann in Russland oder Ostasien ein Deutschen-Kult (wie weiland in der Klassik ein Griechen-Kult).

 

Franz Bettinger

18. August 2022 11:07

Könnte es nicht sein, dass Deep State mit dem von ihm ! inszenierten Krieg bereits erreicht hat, was Schwab wollte und der Krieg jetzt gesichtswahrend irgendwie für beide Schauspieler beendet werden kann? Was lief gut für Deep State? Alles, mehr Chaos, mehr Not, vor allem für Europa und noch mehr für Deutschland. Die Russen kriegen, was sie eh schon hatten (Krim und Donezk), die Ukraine ihr Existenzrecht und viel viel Wiederaufbauhilfe vom besten D aller Zeiten; und wieder ist die NWO nähergerückt. Für mich verräterisch ist Putins angezogene Handbremse, mit der er ins Rennen ging. Wir werden sehen, ob mich meine Nase trügt. Dieser Krieg ist abgekartet. 

Laurenz

18. August 2022 11:08

@RMH & Niekisch

Verschwörer des 20. Julis

Warum packen Sie, wegen einer kurzen Passage im Artikel, überhaupt diese Leute aus?

Dazu besteht kein Anlaß. Der klügste Kopf im Widerstand, Admiral Canaris, zog sich aus geo-politischen Gründen, wenn auch für Ihn persönlich zu spät, aus dem Widerstand zurück. Es war Canaris mutmaßlich auch nicht möglich, die sogenannten Verschwörer des 20. Julis, welche von Geo-Politik in keiner Weise irgendeine Ahnung hatten, ins Bild zu setzen. Tragisch ja, aber völlig sinnentleert.

Hajo Blaschke

18. August 2022 12:23

Hallo Maiordomus, mit Leuten, die kein Wort Russisch geschweige denn Ukrainisch beherrschen, kann man keine sachbezogenen Informationen über die Ereignisse in der Ukraine und auch in Russland austauschen. Das ist wie Erbsen gegen die Wand werfen. Auf Russisch: горох об стену.

Nur nochmals zur Verdeutlichung: ich konsumiere keine Westnachrichten und bin aufgrund meiner vieljährigen Erfahrungen in beiden Ländern in der Lage, die Situation ziemlich genau einzuschätzen.

Hajo Blaschke

18. August 2022 12:36

Volksdeutscher, ich denke, dass auch heute noch festzustellen ist, dass die Politik des Eisernen Kanzlers (für mich seit Reichsgründung der einzig wahrhafte deutsche Kanzler, der die Situation Deutschlands in der Welt richtig verstanden und auch so gehandelt hat) auch heute noch das einzig richtige Fundament für die Politik Restdeutschlands gegenüber Russland ist. Kooperative, friedliche Zusammenarbeit ohne, dass politische Partnerschaften eingegangen werden. Die Amis haben das verstanden, mehr noch die Inselaffen aus bald nur noch Britannien.

Klar, es muss einer, nachdem Deutschland von Russland auf der Liste der unfreundlichen Staaten (der nächste Schritt wäre die Einordnung als feindlicher Staat) gelistet ist, den ersten Schritt machen, Ex-Gerd hat das getan. 

Hajo Blaschke

18. August 2022 12:45

Bezüglich der Möglichkeiten des Abrisses der Barrikaden zwischen Deutschland und Russland ist für mich folgendes interessant: seit kurzer Zeit werden die Skandale um Scholz, Kahrs und die SPD durch die offizielle Nachrichtenszene gejagt. Ich denke, dass in broßen Teilen der SPD langsam die Vernunft wieder Oberhand gewinnt und man nach Wegen sucht, die Spannungen zu Russland abzubauen. Man will wahrscheinlich deshalb Scholz als Kanzler weghaben und promoviert den erfolglosen Kindermärchenerzähler zum Kanzler machen. Das wäre für die Bevölkerung Deutschlands die Gefahrstufe Dunkelrot. Russische Nachrichten beschäftigen sich übrigens sehr intensiv mit diesem Problem.

RMH

18. August 2022 12:53

@Hajo Blaschke,

es fällt in der Tat auf, wie der Kanzler ins Feuer genommen wird.

Ob das mit dem Ukraine Krieg zu tun hat? Keine Ahnung, aber aktuell scheinen die Falken aber auch unabhängig von Scholz nicht mehr ganz am Drücker zu sein.

https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/neue-hilfszusagen-fuer-die-ukraine-fallen-auf-fast-null/

Vorwehen des Beginns ernsthafter diplomatischer Bemühungen um ein Ende?

Wer weiß ...

Gustav

18. August 2022 13:19

@ RMH

"und wenn die Ukraine sich auf dem Schlachtfeld mehr und besser etabliert...."

Es ist ein Krieg im Gange.

Aber ohne eine Gegenbatterie wird er zu einem sinnlosen Fleischwolf, in dem eine wahnsinnige Menge unserer Infanterie an einem Tag zermahlen wird.

Wollten Sie wirklich die Wahrheit wissen? Hier ist sie, die nackte Wahrheit.

Ich habe gekotzt, ich habe mich vollgepisst, es tut mir leid, und ich bin wieder im Einsatz.

Alle Reserven sind zerstört, die militärische Ausrüstung steht in Flammen, der Feind nähert sich und nimmt nach einem weiteren Artilleriefeuer problemlos unsere Stellungen ein.

Im Moment verlieren wir Pisky, alle unsere menschlichen und materiellen Ressourcen sind fast erschöpft.

Die ukrainische Regierung hätte den ungleichen Kampf schon vor Monaten aufgeben müssen. Es ist ein ungeheures Verbrechen, ihn weiter voranzutreiben.

https://seniora.org/politik-wirtschaft/ukraine/ukraine-sitrep-vor-ort-bericht-ukrainische-frontlinie-bricht-zusammen

Gotlandfahrer

18. August 2022 13:48

1/3

@RMH

Wenn ich mich erneut ungefragt einmischen darf:

Ihrem Dissens mit Teilen des hiesigen Kreises in Bezug auf die Russlandfrage liegt aus meiner Sicht eine Unentschlossenheit in Ihrem Inneren zugrunde, die symptomatisch für die Russlandgegner unter den „Rechten“ ist (vorweg: Ich bin weder Russengegner noch -freund, ich empfehle das Machbare anzustreben, ohne das eigene Ur-Interesse zu vergessen, insofern kann ich auch der Aufgabe identitärer Standpunkte zwecks Lagepragmatismus nichts abgewinnen, wie @Heinrich Loewe es vorschlug, weil sich beides nicht ausschließt).

Zu meiner These Sie betreffend: Es fängt damit an, dass Sie etwas gleichzeitig für „erklärt und ein Stückweit nachvollziehbar“ aber nicht „verständlich“ halten können. Nun kann man sich an Feinheiten aufhalten uns sagen „verstehen“ bezieht sich nur auf Argumente, während „nachvollziehen“ den gesamten geistigen Ablauf eines Prozesses meint, aber eigentlich sagen Sie ja, dass Sie die von Russland gezogenen Konsequenzen nicht gutheißen, obwohl Sie anerkennen, dass denen kein Irrsinn zugrunde liegt.

Wenn wir also beide damit feststellen, dass es aus russischer Sicht einen „Sinn“ ergibt (es muss damit noch lange nicht die einzige oder beste Entscheidung aus russischer Sicht gewesen sein, aber das haben wir nicht zu bewerten), dann haben wir es offenbar mit russischen Interessen zu tun, die „jetzt eben hier“ sind, unabhängig davon, ob wir sie verstehen oder nachvollziehen. 

Gotlandfahrer

18. August 2022 13:49

2/3

Wir sollten Sie tunlichst wahrnehmen, um klug reagieren zu können.

Für diese Wahrnehmung hilft Ihr Vorschlag nicht, dass, wer rechts sein will, überlegen solle, ob Rechte und Regeln nur deshalb nicht mehr zu beachten sind, weil sich eh kaum einer daran hält.  Wenn ich es richtig aufgeschnappt habe, kommen Sie aus der Juristerei, das macht Ihre Zentriertheit auf Reglements nicht nur verständlich, sondern sogar nachvollziehbar.  Von außen erlaube ich mir den Einwurf ins Binnengetriebe der Rechtspflege, dass Juristen auch nur Trüffelschweine im Paragraphendschungel sind. Genau in dem, in dem sie sich gerade wiederfinden, schöne Grüße von Herrn Filbinger. Ihre Position erinnert an das Bonmot der Grande Dame der Autoaggressionshypnose, dass „Straftaten in Deutschland verboten sind“. Regeln aber müssen durchsetzbar sein, Sie und ich, und wie es scheint, nicht einmal die Nato, kann gegen Russland etwas durchsetzen, ob Regeln oder was auch immer. 

Allein daraus wären bereits entschlossene Konsequenzen zu ziehen, und die lauten sicherlich nicht „mehr vom gleichen“ (jedenfalls wenn es um das Ziel geht, von dem behauptet wird, es sei das Ziel und von dem Sie es offensichtlich auch so annehmen). 

Gotlandfahrer

18. August 2022 13:49

3/3

Gleichzeitig merken Sie an, aus US-Sicht seien die Westeuropäer zuvor „aus der Reihe getanzt“ – ja haben die damit gegen „geltendes Recht und Regeln“ verstoßen? Rechtfertigt das den Druck, den die USA auf uns ausübt? Steht irgendwo, dass das so OK ist? Und wenn: Wäre das sogar legitim?  In Ihren weiteren Ausführungen sprechen Sie den USA ausschließlich aus der Logik des Rechts des Stärkeren bzw. aus deren pragmatischen Erwägungen „Legitimität“ zu – und sehen im Abnutzungskrieg gegen Deutschland (nichts anderes ist es zur Zeit, mindestens im Ergebnis) auch noch ungerührt etwas, was „für die USA nun ganz gut läuft“.  Was also treibt Sie im Inneren an?  Vasallenstolz? Wenn es eher Frust angesichts des „US-Erfolgs“ auf unsere Kosten ist:  Kann es Sorge um das Primat des Rechts ebenfalls nicht sein.  Entscheiden Sie sich doch mal: Wenn Law & Order first, dann kann man nicht pro Nato sein.  Wenn Krieg die Fortsetzung der Diplomatie mit anderen Mitteln ist:  Dann können Sie Russland nichts vorwerfen, sondern sich nur überlegen, was für Sie das beste ist, nicht für die USA.  Hierin liegt glaube ich Ihre Unentschlossenheit, weil Sie sich auf das Recht berufen, dass Ihnen von denen als Beweis der Legitimität des Unrechts an die Hand gegeben wurde, die Ihnen dies antun. Bekennen wir Farbe: Unsere.

RMH

18. August 2022 14:45

@Gotlandfahrer,

1.

ich denke, wir reden aneinander vorbei. Die ganze wechselseitige Hochschaukelei bis in den Februar hinein - bis dahin kann ich Russlands Schritte nachvollziehen. Unverständlich ist für mich dann der tatsächliche Angriff vor dem Hintergrund, dass ich Russland für erwachsen in Sachen Diplomatie, Vabanquespielereien, Kosten- Nutzenabwägungen halte. Wem klar sein musste, dass er sich via Ukraine mit den USA anlegt, und das ergab sich aus dem von mir unter 2. Geschilderten, der wollte sich mit den USA messen, aus welchen Gründen auch immer. Es gibt einige Verwegene (zu denen ich mich nicht zähle), die hier sogar eine Absprache zwischen beiden Mächten für möglich halten. Und der letztliche Angriffsbefehl war aus meiner Sicht - unabhängig von allen Rechtsfragen, die abstrakt zu sehen sind - unklug und damit nicht verständlich. 

RMH

18. August 2022 14:46

[email protected],

Was die Frage des Rechts - unabhängig von jeglicher Moral - angeht: Rechtsbrüche muss man sich auch leisten können, im Sinne der Konsequenzen, die man daraus tragen muss. Das wird dann die Zukunft zeigen. Deutschland kann sich keine Regelverstöße leisten, daher ist es deutsche Staatsräson, die Einhaltung von internationalem Recht zu fordern. So wie sich auch eine Opposition immer auf die Positionen des Rechts berufen muss, wenn es keine Machtmittel hat (siehe Otto Schily, den Sie falsch verstanden haben). Das, was sie Unentschlossenheit nennen, ist nichts weiter als der Versuch, zu abstrahieren und Dinge auseinander zu halten. Von einem moralischen Standpunkt aus mag das widersprüchlich bis teilweise zynisch wirken. Aber in Diskussionen zu Themen wie diesen, geht es nicht um "Sag mir wo Du stehst" und eigene, persönliche Moral, sondern um Analyse, erkennen von Argumenten, Abwägen und Betrachten.

Volksdeutscher

18. August 2022 16:20

1. @Gracchus - "Wenn morgen alle Italiener aussterben würden, blieben ja trotzdem beispielsweise Cappuccini und Puccini."

Wäre es rühmlich, so ahnungslos zu werden, wie Sie es sind, würde ich Sie voller Neid ums Rezept bitten. Schauen Sie, ich erklär´s Ihnen.... Der Islam kennt keine Musikkunst, erst recht keine Bildkunst, kennt keine Zeichen, sondern nur das Ornament. Er kennt und erkennt keine solchen Traditionen wie wir haben. Ich hatte mal ein schreckliches Buch in der Hand, dessen Titel lautete: "Der Frieden des Ornaments gegen den Krieg der Zeichen". Eine sentimentale und offen feindliche Rethorik gegen die Kunst als unser europäisches Kulturerbe und Eckpfeil unserer Zivilisation. Wir sind in den Augen der Muslime Götzendiener. Wo die Leute der ISIS eingezogen sind, haben sie die Reste archaischer Kulturen zerstört (Palmyra). Bei uns werden Kulturerbschaften gehegt und verehrt, wir haben Geschichtsbewußtsein. Man muß zuerst einmal auf dem seelischen und geistigen Niveau desjenigen sein, den man "beerben" möchte, um zu verstehen, was man im Vorgefundenen hat und welchen Wert es verkörpert, um es weiter in Verwendung zu haben, also im Sinne des Beerbten weiter benutzen zu können. Durchschnittliche IQ-Werte um die 70 reichen da nicht aus. In Ihrem Kalifat Germanistan oder in Ihrem Bongoland gäbe das alles nicht, was uns hoch und heilig ist. Weil es uns nicht geben würde.

Volksdeutscher

18. August 2022 16:39

2. @Gracchus - "Wenn morgen alle Italiener aussterben würden, blieben ja trotzdem beispielsweise Cappuccini und Puccini."

Nichts würde von uns bleiben. Europäische Frauen bekämen Burka oder Tschador, aber mindesten Kopftücher verpaßt. Museen würden geschlossen, Bilder abgehängt, wenn nicht gar vernichtet. Ich habe mich um ein brutales, aber ehrliches Bild bemüht, wenn ich Ihnen Palmyra in Erinnerung gerufen habe, aber unsere kulturelle Demontage erfolgt gegenwärtig auch auf subtileren Wegen. Ich könnte Ihnen und allen "Transformationsbegeisterten" zwei Beispiele nennen. Ist das, was Sie und Ihresgleichen wollen, wenn Sie auf die Begriffe unserer politischen Feinde wie den der Transformation aufspringen? Meine Wahrnehmung gilt auch für die sogenannten "Negerkulturen". Was macht der Negernomade mit dem Bleistift? Genau - er steckt ihn durch das Ohrläppchen, das ist seine Transformation, mehr sieht er nicht darin, mehr erkennt er nicht davon. Ist das in Ihren Augen die uns bevorstehende Zukunft, sieht so die Transformation europäischen Kulturerbes aus, nach der Sie sich sehnen? Aha... Ich will den Feind zerstören oder zerstört wissen. Die Affirmation der Begriffe des politischen Feindes bedeutet aber kurz oder lang die Unterminierung des eigenen Denksystems und Zersetzung der eigenen Handlungsmotivation. Affirmation der Transformation ist das Schwenken der weißen Fahne. Affirmation der Transformation ist Fahnenflucht. Fahnenflucht ist Schande. Und das wird sanktioniert seit Alters her.

Hajo Blaschke

18. August 2022 16:54

Laurenz, falls Sie gemeint hatten, dass ich mir die Dokumentation über die "beste Armee Europas" anschauen soll ...

Nochmals: die EU ist nicht Europa.

Die finnische Armee ist nach den Worten Ihrer Militäroberen eine furchterregende Truppe. In den Augen der russischen Armee ist sie eine Lachtruppe, die von niemandem bedroht wird und auch niemanden bedroht. 

Hajo Blaschke

18. August 2022 17:00

Gracchus, lesen Sie einfach noch mal, was ich Maiordomus geschrieben habe. Dann werden Ihnen vielleicht meine Quellen deutlich.

Der_Juergen, es ist einfach unmöglich, die Strategie und die Taktik der russischen Armee in der Ukraine zu bewerten. Es sei denn, man sitzt beim russischen Generalstab mit am Tisch.

Laurenz

18. August 2022 17:36

@Gotlandfahrer @RMH

Einer, der doch recht nah dran ist:

https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/orban-ukraine-krieg-wird-westliche-uebermacht-beenden/

@Gustav @RMH

Wie

@Gracchus

zurecht bemerkte, ist die Beurteilung des Krieges schwierig. Nach dem Vietnamkrieg läßt kaum noch wer neutrale Beobachter zu. Man kann sich also nur auf die kongruenten Nachrichten einlassen. Die vielen Aufnahmen mit einer Mobiltelefon-Kamera üben natürlich auf die jeweiligen Agenturen Druck aus. Hier die kurze Aufnahme von französischen Freiwilligen, die auch französisch fluchen. In Anbetracht der Umstände ganz witzig. https://southfront.org/in-video-french-mercenaries-under-fire-on-ukrainian-front-lines/

Auch, wenn ich die Sprachkenntnisse von

@Hajo Blaschke & Der_Jürgen bewundere, 

so schreibt HaJo Blaschke mal wieder Unsinn. Wenn die Sprachkenntnisse so wichtig wären, dürfte auf us amerikanischer Seite nur noch Henry Kissinger mit uns reden. Man kann jeden kyrillischen Text mit kopieren & einfügen in Gugel eingeben & erhält eine Übersetzung, die sich meistens lesen läßt.

t.gygax

18. August 2022 17:46

@volksdeutscher :"Nichts würde von uns bleiben"

Sie haben es richtig erkannt.Es bleibt nur eines,zu kämpfen,jeder an seinem Platz und gemäß seiner Möglichkeiten.Auch wenn es keinen Erfolg gibt,zumindest keinen im Moment sichtbaren,ist das für mich ein Weg von Würde, Ehre und Tradition. Nebenbei: es ist meines Erachtens auch der "deutsche"Weg...entgegen  all den Lügen gab es in unserer Geschichte Beispiele von Mut und Aufopferung,die eigentlich Stoff für große Erzählungen wären.Warum das nicht geschieht,darf hier nicht erörtert werden,aber Leute wie "der Jürgen " oder "Lotta Vorbeck" verstehen das.

Laurenz

18. August 2022 17:52

@Hajo Blaschke L.

Die finnische Armee ist nach den Worten Ihrer Militäroberen eine furchterregende Truppe. In den Augen der russischen Armee ist sie eine Lachtruppe, die von niemandem bedroht wird und auch niemanden bedroht.

Die finnische Armee war auch für die Rote Armee eine Lachnummer. Trotzdem waren die Finnen effizienter.

Hier die Lachnummer: 

https://de.wikipedia.org/wiki/Verteidigungskr%C3%A4fte_Finnlands

bei einer Gesamtbevölkerung Finnlands von 5,5 Mio. Bürgern, also Hessen minus das Saarland oder Köln.

Sie haben mich auch nicht verstanden. Hier geht es vor allem um den Kampfwert der Truppe. In Finnland sind 99% der Bürger bereit, sofort für ihr Land in den Krieg zu ziehen. 37k Reservisten werden jedes Jahr zu Übungen eingezogen. In Deutschland üben wie viele Reservisten jedes Jahr?

Gracchus

18. August 2022 17:57

@Volksdeutscher: Bevor Sie sich echauffieren, hätten Sie nachdenken sollen. Ich habe behauptet, dass etwas Deutsches bliebe in der Welt, wenn es das deutsche Volk nicht mehr gäbe. Um Ihnen u. a. das Verständnis zu erleichtern, habe ich ein weniger emotional behaftetes Beispiel gewählt, nämlich - wie Sie richtig zitiert haben- Capuccini und Puccini. Cappuccino wird noch getrunken, Puccini noch gespielt werden, wenn die Italiener morgen ausstürben. Nicht mehr und nicht weniger. Dies können Sie gern widerlegen. 

Dass dies erstrebenswert wäre oder als Handlungsanleitung dienen soll, habe ich mitnichten gesagt. 

Ihr Gerede von Affirmation der Transformation oder Islam trifft mich daher nicht. 

P. S. Sie werden staunen, aber ich habe schon einen "Neger" einen Bleistift zum Schreiben benutzen sehen! 

Der_Juergen

18. August 2022 18:25

@Hajo Blasche

"Es ist unmöglich, Strategie und Taktik der russischen Armee in der Ukraine zu bewerten."

Wenn Donezk nach fast sechs Monaten Krieg immer noch beschossen wird, obgleich die Beendigung des Terrors gegen die Zivilbevölkerung des Donbass doch von Anfang an eines der erklärten Ziele der Operation war, kann man sehr wohl den Schluss ziehen, dass die russische Armee den Feldzug völlig verfehlt geplant und den Widerstandswillen des Gegners sträflich unterschätzt hat. Die Russen werden am Ende siegen, sofern Putin nicht feige den Schwanz einzieht und sich auf einen faulen Kompromiss einlässt, aber für den ukrainischen Nationalismus bedeutet dieser Krieg einen gewaltigen moralischen Sieg, weil man einer Supermacht so lange die Stirn geboten hat.

@Maiordomus

"Vgl. Mozarts Cagliostro: "Wer diese Lehre nicht begreift, verdienet nicht ein Mensch zu sein.""

Jetzt spiele ich mal den Oberlehrer. Es war nicht Cagliostro, der das sagte, sondern Sarastro, und das Zitat heisst richtig: "Wen solche Lehren nicht erfreun, verdienet nicht ein Mensch zu sein."

@Gotlandfahrer

Ausgezeichnete Beobachtungen, wie praktisch immer Ihrerseits, aber ich würde doch eher vom geschleiften Karthago als vom geschliffenen sprechen. Komischerweise unterlief Sellner vor längerer Zeit derselbe Irrtum: Bei ihm wurde Hektors Leichnam um Troja geschliffen. Fehler unterlaufen halt auch Koryphäen, die üblicherweise ein geschleiftes Deutsch schreiben.

 

Hajo Blaschke

18. August 2022 18:46

Volksdeutscher, meine Zustimmung. Sie haben es schon angedeutet. Es gibt aber biologisch-anthropologische Gründe für einen IQ unter 70. In Gegenden, wo z.B. keine Vorratswirtschaft erforderlich ist, braucht es keinen höheren IQ. Es ist das ganze Jahr über immer alles zum Überleben vorhanden. Deshalb hat der Liebe Gott unterschiedliche Menschenrassen geschaffen, die u.a. eben auch große anthropologische Unterschiede aufweisen, wodurch die bestmögliche Anpassung an die bestehende Umgebung erreicht wird. Genau wie wir Europäer unüberwindbare Probleme bei einem Leben in 4 bis 5 Tausen Metern Höhe haben, haben Schwarzhäutige Probleme mit unseren Umweltbedingungen. Nicht umsonst werden Sie bei Medikamenten in US-Apotheken gefragt, ob das Medikament für Caucasians oder Coloured ist.

Gotlandfahrer

18. August 2022 18:48

@RMH:

Will Sie nicht weiter beharken, Ihre guten Absichten und Klugheit ziehe ich nicht in Zweifel. Ein Abschlussgedanke noch, der offen lässt, ob wir uns womöglich alle angesichts der Intransparenz täuschen:  Was wir sehen, ist die zur Schau gestellte Zuspitzung der Widersprüchlichkeit der uns jahrelang eingetrichterten Werteumkehrung.  Würde es nur um Mobilisierung gehen, um einen Aggressor zu begegnen, für "unsere Werte" einzustehen,  unsere Tributzahlungen zu maximieren oder auch nur um bei den US-Zwischenwahlen zu punkten - dann könnte man es einfacher haben. Allein schon, weil man echte Unterstützer gewinnen könnte, und nicht hin- und hergerissen Ruhiggestellte. Man könnte Wohlstand und Gewinnbeteiligung am indirekten Feldzug versprechen, und sei es eine sich ins tiefste Sibirien hineinziehende Energiewende für‘s Klima.  Stattdessen erfolgt eine Erniedrigung der Wehrkräftigen (auch in den USA) nach der anderen.  Wenn man wirklich gewinnen wollte, müsste man weder Deutschland ruinieren noch jedes X für ein U erklären. 

Der Sinn diesen Zirkus besteht offenbar darin, irgendetwas anderes zu zeigen, als das, was wir intuitiv zu sehen gewohnt sind.  Warum geht der Russe nur mit einem Bruchteil seiner Armee vor und zieht die Nummer in die Länge?  Wo sind die 40 Milliarden hin, die die Amis letztens in die Ukraine gekippt haben? Wer soll wem vorgeführt werden und von wem? Fragen!

Volksdeutscher

18. August 2022 19:12

- "Ich spreche immer vom Windschatten, in den ich unser Land wünsche, wenn mich einer nach dem politischen Minimum fragt. Bloß ist Deutschland für den Windschatten zu groß, immer noch zu wesentlich. Wir sind halt nicht Portugal oder Ungarn."

Das stimmt. Dafür aber ist weniger Selbstbewußtsein, Geschichtsbewußtsein, kulturelles und ethnisches Bewußtsein in den Deutschen existent, als in den Ungarn. Welcher (oppositionelle) deutsche Politiker in Deutschland würde es wagen, einen Satz von der Sorte hinzuwerfen wie "die Ungarn sind kein gesmischtes Volk und wollen es auch nicht werden"? Wäre die Lage anders, wären wir woanders und nicht dort, wo wir gegenwärtig angekommen sind. Immer, wenn ich Kommentare von Deutschen auf Vkontakte auf verschiedenen Seiten lese, habe ich den Eindruck, daß deutsche Bürger in politischer Hinsicht im Windschatten der Ungarn leben. Ihre Bewunderung mal für diese, mal für jene Aussagen des amtierenden Ministerpräsidenten Orbán oder irgendwelche Verordnungen der ungarischen Regierung bringt es zum Ausdruck. Ich konkludiere: Ihr nationales Selbstbewußtsein nährt sich aus dem anderer Nationen. Um augenblicklich nicht zu verhungern reicht es, zum Überleben ist es aber zu wenig.

 

Umlautkombinat

18. August 2022 21:04

"Dafür aber ist weniger Selbstbewußtsein, Geschichtsbewußtsein, kulturelles und ethnisches Bewußtsein in den Deutschen existent, als in den Ungarn."

Die meisten Leute werden ja den Spruch des ersten NATO-Generalsekretaers kennen (die Russen draussen, die Amerikaner drinnen, die Deutschen unten).

Mich hat nach Zuschlag zu dieser BRD immer diese schuldbetonte Selbstzerfleischung einer signifikanten Menge westlich Sozialisierter gewundert. Die sonst massive Propaganda der DDR bzgl. des Dritten Reiches hatte diesen Zug trotz aller eingeforderten Distanzierungen nicht. Der ging nicht bis in ein von der Person innerlich getragenes Geislertum, schon gar nicht in dieser Breite.

Etwas, was man deswegen bei dem zitierten Problemkreis immer im Auge haben muss. Wie auch die, die das nicht nur gezielt angeschoben haben (ich habe den damaligen Kontext beruecksichtigend sogar ein gewisses Verstaendnis dafuer), sondern die das bis heute immer weiter ausgebaut haben und weiter ausschlachten. Der kulturelle Imperialismus der USA ist schon eine Hausnummer. Von Russland wird so etwas nicht kommen, bei China bin ich mir nicht so sicher, aber das ist nicht das momentane Problem.

 

Maiordomus

18. August 2022 21:29

@Der Jürgen. Danke für dieses Namenwirrwarr. Man muss wirklich aufpassen mit aus dem nachlassenden Gedächtnis zu zitieren. Cagliostro, hätte sich für diese Unterstellung bedankt.

 

@Hajo Blaschke. Sie haben nebst Russisch und Ukrainisch noch Altkirchenslawisch vergessen. Unter den Vielsprachigen gehört übrigens der Herr oben in diesen Kreisen gewiss zu den besseren, wenn nicht zu den besten. 

Hartwig aus LG8

18. August 2022 21:40

Wie es @Gotlandfahrer an anderer Stelle vor ein paar Wochen schrieb: "Washington muss fallen."

Das ist nicht alles. Aber ohne dies, ist alles nichts.

Gracchus

18. August 2022 21:41

@Hajo Blaschke: Sie nennen in Ihrem letzten Kommentar einen wesentlichen Aspekt, der mehr Sinn ergibt als das Gerede von Rassen und IQ - nämlich die klimatisch-geographischen Bedingungen und die Fähigkeiten, die zum Überleben unter diesen Bedingungen entwickelt werden müssen. 

Hajo Blaschke

18. August 2022 22:05

Maiordomus, Ihre Einschätzung zu dem Herrn oben in Ihrem Post kann stimmen. Aber ich streite da nicht, weil ich ihn kenne und weiß, wie sich meine Kenntnisse der betreffenden Sprachen zu seinen verhalten. Und ob er schon derartig viele Veröffentlichungen in den entsprechenden Sprachen nachweisen kann wie ich. Ich hatte in meiner Schulzeit auch keinen Schauspielunterricht und kann deshalb mit Ihrer Einordnung gut leben.

Volksdeutscher

19. August 2022 03:38

@Gracchus an @Hajo Blaschke

Es wäre besser, die  wenig wissenschaftlichen linken Mythen wie jene der Environmentalisten, nicht nachzuerzählen oder jene erst gar nicht anzueignen. Für sie basiert eh fast alles auf Umwelteinflüssen. Die Hormonen krümmen sich vor Lachen. Der linke Wahn besagt, daß sowohl Intelligenz als auch Geschlecht beliebig formbar, verbesserbar, vergrößerbar sei. So auch transformierbar. Hormone seien ein Teufelszeug der Natur. Die Biologie ist bei ihnen folgerichtig verteufelt. Gegen biologisch fundierte Argumente gehen sie deshalb in die Levade, weil die Biologie durch die Natur als eine langfristig und durch das Individuum nicht willkürlich und spontan veränderbare Größe angelegt ist. Die Natur ist keine Modesache wie Gendertheorien. Gegen die Natur können linke Umwelt- und Gesellschaftstheorien nur verlieren, denn sie ist die Grundlage alles Lebens und Seienden ist. Die Skandalisierung von biologischen Argumenten durch die Rechte ist folgerichtig verteufelt, dabei wissen sie genauso gut von ihnen, denn auch die Linke unterliegt denselben biologischen Bedingungen wie die Rechte, ohne deshalb sich selbst als Nazis und Rassisten zu diskriminieren.

Maiordomus

19. August 2022 07:59

@Die tendenziöse Zitierung von Schikaneder/Mozart kommt mir nachträglich unverzeihlich vor. Es war indes nicht die Folge einer verdreht erinnerten Lese-Frucht, sondern Resultat eines Gesprächs mit einem sonst sehr gut informierten Jugendfreund, zu dessen Feindbild aber schon immer die Freimaurer gehörten. Er sah in der  Zauberflöte die Wurzel des modernen Totalitarismus, und ich habe ihm dies offensichtlich "aus der Hand gefressen." 

Ja, man muss das, worüber vielfach oberflächlich diskutiert wird, im Original lesen, ev. sogar Russisch oder Ukrainisch, falls man es kann, siehe auch den Koran. Im Vordergrund stand für mich aber dieser Tage, wiewohl erst in 2 Jahren vorgesehen, Tellkamps Roman, dessen Verrisse der Sicht neuerer Demonstrationen in Deutschland geschuldet waren. Die wahre Meisterschaft besteht in der durchaus romanhaften böllesken Schilderung (da hätte der Detailkenner einiges einzuwenden) der Adenauerzeit, z.B. mit Globke, der selten so getroffen wurde, aber auch Schokoladeproduktion in der DDR und über alles, das gehört zu grosser Literatur, der Blick in den Sternenhimmel. Indes scheint mir für heute, siehe Russland/Ukraine, "Der letzte Rittmeister" von Bergengruen der Roman der Stunde. 

 

Pinehas

19. August 2022 08:11

Feuerwehr? Was soll das? Beinahe jede zweite Ehe wird geschieden, von der Verlotterung durch „Wechselbeziehungen“ ganz zu schweigen. Wenn man dies nicht im Griff hat, dann ist ohnehin Hopfen und Malz verloren.

J. D. Unwin hat 1934 in „Sex and Culture“ dargelegt, daẞ sexuelle Promiskuität immer Zeichen des zivilisatorischen Verfalls ist. Man kann auf solche Leute nicht bauen, die ihren Trieb nicht im Griff haben. Daher sind ja unsere „Elite“ eine Negativauslese, wie Schachtschneider im Nachwort zu Jost Bauchs „Abschied von Deutschland“ schreibt.

Die Lindner-Debatte war völlig irreführend: nicht um „Neid“ geht es, denn ich beneide niemanden, der hier unten noch leben muß. Das Problem ist, daß er öffentlich ein verlottertes Leben feiert.

Götz Kubitschek

19. August 2022 10:39

runder badeschluß! dank und gruß!

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