Klaus-Jürgen Bruder, Almuth Bruder-Bezzel (Hrsg.): Macht

Jeden Machtlosen, der sich politisch engagiert, treiben zwei Fragen um.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Wie gelingt es den Mäch­ti­gen, ihre Macht abzu­si­chern und zu behaup­ten? Und: Wie kann ich an ihre Stel­le gelangen?

Die ers­te Fra­ge ist wis­sen­schaft­li­cher Gegen­stand von Sozio­lo­gie, Psy­cho­lo­gie und Poli­tik­wis­sen­schaft. Die zwei­te Fra­ge wird hier­zu­lan­de nur ungern erör­tert, weil die Mäch­ti­gen das Infra­ge­stel­len ihrer Herr­schaft gern als extre­mis­ti­sches Unter­fan­gen stigmatisieren.

Die­sem Grund­satz folgt auch der Sam­mel­band, der sich vor allem mit dem meta­po­li­ti­schen Pro­blem der Mei­nungs- und Wil­lens­bil­dung in der Öffent­lich­keit befaßt (die mitt­ler­wei­le aller­dings auch den Arg­wohn des Ver­fas­sungs­schut­zes weckt). Daß die Autoren durch­weg aus der lin­ken Ecke stam­men, ist in die­sem Fall kein Nach­teil, weil es sich um Leu­te han­delt, für wel­che die Links­drift der öffent­li­chen Mei­nung in der Bun­des­re­pu­blik nur eine Ver­klei­dung des Neo­li­be­ra­lis­mus ist.

Auch wenn das Vor­wort mit dem nahe­lie­gends­ten Bei­spiel für Mani­pu­la­ti­on der Mas­sen, der Coro­na-Hys­te­rie, anhebt, ist der Band bereits vor­her kon­zi­piert wor­den, so daß die­ses Phä­no­men nur am Ran­de vor­kommt. Es geht viel­mehr um die Grund­la­ge der Hys­te­rie, die dahin­ter­lie­gen­den »Wert­maß­stä­be, Nor­men und Weltbilder«.

Die ein­zel­nen Bei­trä­ge sind von der Qua­li­tät her sehr unter­schied­lich, es gibt vul­gär­mar­xis­ti­sche Aus­rei­ßer (Feind­bild Fami­lie, »fremd­be­stimm­te Arbeit­neh­mer« sind gleich­sam moder­ne Skla­ven) und lesens­wer­te Bei­trä­ge, die von den Grund­la­gen der Mas­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on und den­je­ni­gen han­deln, die sie bestim­men. Die Mit­tel, derer sie sich bedie­nen, wer­den ein­zeln beleuch­tet: Kon­sum, Inter­net, Bild­ma­ni­pu­la­ti­on. Ein Schwer­punkt liegt auf Bei­spie­len, mit denen die Her­aus­ge­ber bele­gen wol­len, daß ins­be­son­de­re in der Außen­po­li­tik die Mani­pu­la­ti­on der Öffent­lich­keit kaum eine Gren­ze kennt (Krieg gegen Ser­bi­en, Mai­dan). Auch Nut­zen und Nach­teil von Ver­schwö­rungs­theo­rien wer­den erfreu­lich offen gegen­ein­an­der abgewogen.

Nütz­lich und mit Gewinn zu lesen sind vie­le der Bei­trä­ge aber nur, wenn man die Schluß­fol­ge­run­gen ent­we­der igno­riert oder sie als Prüf­stein für das Theo­rie­ge­bäu­de nutzt, das hin­ter die­sem gan­zen Band steht.

Dies­be­züg­lich sind vie­le Autoren irgend­wo zwi­schen 1930 und 1970 stecken­geblieben. Sie sehen im Faschis­mus immer noch die kon­se­quen­te Fort­ent­wick­lung des Kapi­ta­lis­mus, in der Sexu­al­pa­tho­lo­gien eine gro­ße Rol­le spie­len, und sie sehen sich dem­entspre­chend einer Ver­schwö­rung aus Sicher­heits­diens­ten und Rechts­ex­tre­mis­ten gegen­über, die bei den durch den Neo­li­be­ra­lis­mus völ­lig des­ori­en­tier­ten Leu­ten leich­tes Spiel haben werden.

Wenn man sich davon nicht abschre­cken läßt, kann man zumin­dest fest­stel­len, daß die Lin­ke mitt­ler­wei­le ein­ge­se­hen hat, daß sie kei­nen Zau­ber­trank besitzt, der die Mas­sen zu einem poli­ti­schen Fak­tor machen könnte.

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Klaus-Jür­gen Bru­der, Almuth Bru­der-Bez­zel (Hrsg.): Macht. Wie die Mei­nung der Herr­schen­den zur herr­schen­den Mei­nung wird, Frank­furt a. M.: Westend Ver­lag 2021. 250 S., 22 €

 

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Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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