Netzfundstücke (135) – Durchbruch, Rot, Umwelt

»Ich distanziere mich sowieso gar nicht so gern.«

Seit dem viel­be­ach­te­ten Abbruch des Inter­views mit einem ZDF-Jour­na­lis­ten mei­det der Lan­des­chef der Thü­rin­ger AfD, Björn Höcke, die Kame­ras und Mikro­pho­ne der eta­blier­ten Medi­en. Eine der weni­gen Aus­nah­men ist das jähr­li­che Som­mer­inter­view im MDR, das im Gegen­satz zur gän­gi­gen »Ent­hül­lungs­re­por­ta­ge« den Vor­teil hat, live über­tra­gen zu werden.

Die typi­schen Mit­tel der psy­cho­lo­gi­schen Mani­pu­la­ti­on kön­nen hier nur ein­ge­schränkt zum Ein­satz kom­men – kein sinn­ent­stel­len­der Schnitt, kei­ne bedroh­li­che Musik. Auch in die­sem Jahr konn­te Höcke punk­ten und lie­fer­te ein Anschau­ungs­bei­spiel dafür, wie man kei­nen Fuß­breit nachgibt.

Die eige­ne Posi­ti­on ist die Selbst­ver­ständ­li­che, die Gren­ze des Ver­tret­ba­ren legt man selbst fest. Distan­zie­ren? Wovon? Und wes­halb soll­te man das tun? Höcke demons­triert, wie man kei­ne Zuge­ständ­nis­se macht. Die Ener­gie­kri­se: haus­ge­macht. Das deut­sche Volk: unverhandelbar.


Edwin Erich Dwin­ger: »Er publi­zier­te in der Wei­ma­rer Repu­blik, in der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus und in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Sei­ne Wer­ke wur­den in über zwölf Spra­chen über­setzt und erreich­ten eine Gesamt­auf­la­ge von zwei Mil­lio­nen Exem­pla­ren. Er gilt als ›Pro­to­typ eines natio­na­lis­ti­schen und faschis­ti­schen Schrift­stel­lers‹«, heißt es auf Wikipedia.

Mit ande­ren Wor­ten aus­ge­drückt: Prä­di­kat »beson­ders wert­voll«. Auf dem Som­mer­fest in Schnell­ro­da stand Dwin­ger im Mit­tel­punkt des Lite­ra­tur­ge­sprächs zwi­schen Sezes­si­on-Chef­re­dak­teur Götz Kubit­schek und IfS-Lei­ter Erik Leh­nert, bei dem sie das Lebens­werk Dwin­gers vor­stell­ten, von dem ein­zig noch sein Jahr­hun­dert­do­ku­ment Zwi­schen Weiß und Rot noch ver­füg­bar ist.

In Zwi­schen Weiß und Rot schil­dert Dwin­ger aus eige­nem Erle­ben die blu­ti­ge Geschich­te des rus­si­schen Bür­ger­krie­ges 1917–1920. Im Jahr 2001 leg­te der öster­rei­chi­sche Ares Ver­lag das Buch neu auf und gab Kubit­schek die Gele­gen­heit, es mit einem Vor­wort zu versehen.

Hier das Gespräch zu einem Autor, der im moder­nen Deutsch­land wei­test­ge­hend in Ver­ges­sen­heit gera­ten ist:

Zwi­schen Weiß und Rot kön­nen Sie direkt hier, bei Antai­os, bestellen.


Eine inte­gra­le uni­ver­sal­ge­schicht­lich-öko­lo­gi­sche Umwelt­ge­schich­te könn­te zu einer Schu­le des Den­kens in der Wei­se wer­den, daß sie den Gesamt­zu­sam­men­hang zwi­schen der mensch­li­chen Kul­tur und den Natur­be­din­gun­gen, inner­halb derer sich die­ser Kul­tur­pro­zeß abspielt, thematisiert.

Mit dem letz­ten Fund­stück geht es tief hin­ein in die Theo­rie und zu einem Ansatz, der bis heu­te wenig Beach­tung in der umwelt­ge­schicht­li­chen Dis­zi­plin gefun­den hat, ihr jedoch das Instru­men­ta­ri­um für »his­to­ri­sche Erzäh­lun­gen« und die Erklä­rung sozia­ler Pro­zes­se an die Hand geben würde.

Obi­gen Apell for­mu­lier­te der Uni­ver­sal­ge­lehr­te Rolf Peter Sie­fer­le im Jahr 1993 in einem Auf­satz für die wis­sen­schaft­li­che Zeit­schrift GAIA mit dem Titel »Die Gren­zen der Umwelt­ge­schich­te«. Sie­fer­les Anlie­gen war es, dem sich zu die­sem Zeit­punkt durch­set­zen­den »umwelt­hy­ge­ni­schen« Per­spek­tiv­wan­del, also einem Wan­del hin zu Ansät­zen, die der nor­ma­ti­ven Vor­stel­lung von einer »hei­len, gesun­den und har­mo­nisch-gleich­ge­wich­ti­gen Natur«, die durch mensch­li­che Akti­vi­tät gestört wird, anhän­gen, ein rezi­pro­kes Mensch-Umwelt­ver­hält­nis entgegenzusetzen:

Hier wer­den viel­mehr Kul­tur und Natur als eine funk­tio­na­le Ein­heit gese­hen, die kei­ne pri­vi­le­gier­te Wir­kungs­rich­tung besitzen.

Damit bewegt sich Sie­fer­le auf den Pfa­den des alten kon­ser­va­ti­ven Umwelt­ver­ständ­nis­ses, das die ers­ten deut­schen Umwelt­schutz­ver­bän­de des 19. Jahr­hun­derts her­vor­brach­te, auch wenn er die rech­te Sicht auf die Öko­lo­gie um ihre »umwelt­hy­ge­ni­sche« Pro­blem­iden­ti­fi­ka­ti­on einer ver­fal­len­den, zer­stör­ten Natur durch das Indus­trie­sys­tem ganz bewußt ablehnt.

Der kul­tu­rell kon­kre­ti­sier­te Mensch ist eine Fort­set­zung der Natur; zugleich aber auch ihre Ent­ge­gen­set­zung. Die Umwelt­kri­se ist daher eine Natur­kri­se, aber auch eine Kri­se einer bestimm­ten Kultur.

Von rechts betrach­tet bie­tet das von Sie­fer­le skiz­zier­te, uni­ver­sal­ge­schicht­lich-öko­lo­gi­sche Modell die Mög­lich­keit, den Sta­tus quo aus einer kon­ser­va­tiv-öko­lo­gi­schen Per­spek­ti­ve her­aus zu kri­ti­sie­ren, und sei­ner Insta­bi­li­tät ein Kul­tur-Natur-Sys­tem ent­ge­gen­zu­set­zen, das die »Flüch­tig­keit« der Moder­ne durch eine »dau­er­haf­te« Sta­bi­li­tät ersetzt.

Für die Sie­fer­le-Leser und die theo­rie­af­fi­nen Rech­ten unter Ihnen ein lesens­wer­ter Anstoß, der Anknüp­fungs­punk­te bie­tet und rechts auf frucht­ba­re­ren Boden fal­len könn­te als er es in der umwelt­his­to­ri­schen Dis­zi­plin vermochte.

DIE GRENZEN DER UMWELTGESCHICHTE

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Kommentare (19)

kikl

28. August 2022 15:09

Kultur vs. Natur - normalerweise taucht der Gegensatz zwischen Technik und Natur auf.

Dahinter steckt die Idee, dass alles vom Menschen Geschaffene nicht Bestandteil der Natur ist. Wieso eigentlich? Ist der Mensch nicht selbst ein Bestandteil der Natur so wie alle Säugetiere, zu denen der Mensch zählt? 

Die vermeintlichen Gegensätze werden zudem einer moralische Wertung unterzogen:

Natur = unschuldig + gut

Mensch = schuldig + böse

Das Leid des Menschen zählt nicht im Vergleich zum Leid der Natur, weil der Mensch per se böse ist. Diese unausgesprochene Wertung scheint mir auch der Grund dafür zu sein, dass grüne Fundis bereit sind, Menschenleben zu opfern, um die Natur zu "erhalten".

Beide Ideen scheinen mir unausgegoren und falsch zu sein. Trotzdem verbergen sich diese Ideen und Motive hinter zahlreichen politischen Initiativen unserer Zeit.

Worüber man philosophisch streiten kann, ist, ob die Natur einen Wert an sich besitzt, oder ob die Natur nur einen Wert für den Menschen besitzt. 

Bei vielen intelligenten Tieren würde ich gefühlsmäßig einen Wert an sich auch annehmen. Aber hat ein zerstörerisches Ereignis wie eine Supernova, die Explosion eines Sternes, einen Wert an sich?

Laurenz

28. August 2022 16:01

Höcke hat auch jedem Zweifler auf der SiN gezeigt, wie einfach Politik im Sinne des Volkes ist. Dazu viel mir, ich kann leider nichts dafür, wie die formidable Stellungnahme Klingbeils zum Rauswurf von Sarrazin ein. Klingbeil steht Höcke diametral gegenüber. Klingbeil steht für eine neo-feudale Klassengesellschaft, in der Minderheiten wieder privilegiert werden & ohne Legitimierung über Mehrheiten herrschen. Höcke, hingegen, verteidigt die, auch von historischen Linken, hart erkämpften Bürgerrechte. Der Rücktritt von Hoge-Lorenz zeigt doch vielmehr, daß gerade der ÖRR, hier in Form des MDR, symptomatisch  für die neo-feudale Kaste steht, die unsere jetzt fast schon an die Wand gefahrene Demokratie, dermaßen gefährdet, daß jede kritische Frage Sängers an Höcke, dieser lieber sich selbst stellen sollte, wenn er sich als Journalist nicht weiter der Lächerlichkeit preisgeben möchte. ARD & ZDF können weg. Phoenix mit Lokalteil & ARTE reichen für den öffentlichen Auftrag vollkommen aus.

Laurenz

28. August 2022 16:15

Ein echtes Netzfundstück ist der Film Scorching Sunlight, ein russisches Kriegsdrama, welches den Krieg im Osten der Ukraine seit 2014 beleuchtet. Ich habe den Film auf Southfront gefunden, allerdings ist der nix für Zartbesaitete oder schwache Nerven.  https://southfront.org/scorching-sunlight-russian-war-drama-brings-light-on-events-in-donbass-in-2014/

Niekisch

28. August 2022 16:20

"einzig noch sein Jahrhundertdokument Zwischen Weiß und Rot noch verfügbar"

1967 als Gymnasiast habe ich die Leinenausgabe von 1930 für 50 Pfennig antiquarisch erworben, ich Glücklicher, zumal da sogar eine Übersichtskarte "Rückzugslinie der Koltschakarmee" enthalten ist. Der dramatische Weg reicht von Bugulma, Buguruslan und Belbey nach Ufa westlich des Ural bis Myssowsk am östlichen Ufer des Baikalsee, sodann weiter in Resten mit der Transsib bis zum Japanischen Meer. 

Ebenfalls besitze ich "Die Armee hinter Stacheldraht" vom Rückzug der weißen Armee, Eugen Diederichs Verlag, Jena 1933. "Als er ( Koltschak, Niekisch ) in Nishnij-Udinsk einläuft, werden seine Züge von Tschechen umstellt. Der Leibkonvoi zieht Handgranaten, Koltschak selbst verbietet es."Kein Blut für mich - ich bitte euch!..Geht, meine Brüder, ich stehe jetzt im besten Schutz. ( der Alliierten, Niekisch )..die Leibgarde gehorcht, viele weinen dabei." 

Auch "Panzerführer", Diederichs 1941, "Tagebuchblätter vom Frankreichfeldzug", besitze ich. "Warum zittert ihr plötzlich?" ..Wir wissen es doch gut, jetzt wird man uns ( franz. Gefangene, Niekisch ) beiseite führen, um uns hinterrücks zu erschießen!" "Welch ein Unsinn", fuhr ich auf. Ich versichere euch, noch niemals ist ein Gefangener...."Unser Major sagte es".... 

quarz

28. August 2022 17:55

"Die eigene Position ist die selbstverständliche"

Genau das muss man ausstrahlen und nicht diese ängstliche Ich-weiß-ich-lehne- mich-jetzt-ganz-weit-aus-dem-Fenster-Attitüde, von der man sogleich wieder reumütig und "Missverständnisse" beklagend zurückrudert, sobald der Inquisitor eine Augenbraue hebt.

Volksdeutscher

28. August 2022 17:58

- "Distanzieren? Wovon? Und weshalb sollte man das tun? Höcke demonstriert, wie man keine Zugeständnisse macht."

Björn Höckes Haltung ist empfehlens- und lobenswert, er macht damit in der AfD aber leider noch lange keine Mode. Die durchschnittliche Haltung wird allgemein das Herumeiern und Herumschwafeln sein, wenn Journalisten die Daumenschrauben ansetzen. Kommt man als Politiker damit nicht durch, greift man nach gedrechselt distanzierten Worten. Ekel, Ekel, Ekel! Ein Rückgrat, das ein Rückgrat ist, kann man jedoch niemals verbiegen, sondern nur brechen. So eines scheint Höcke zu haben. Der Mann ist eine Bereicherung für unser Land und unser Volk. Trotz allem, was man an ihm kritisieren kann.

Mitleser2

28. August 2022 18:35

" ...den Status quo aus einer konservativ-ökologischen Perspektive heraus zu kritisieren, und seiner Instabilität ein Kultur-Natur-System entgegenzusetzen, das die »Flüchtigkeit« der Moderne durch eine »dauerhafte« Stabilität ersetzt."

Auch wenn dauerhaft in Anführungszeichen steht, eine solche Stabilität ist jedenfalls mit 8 Mrd. Menschen nicht möglich. Hier fehlt wieder der Bezug zum Globalen, denn was nützt es, das irgendwie lokal umzusetzen? Man landet immer wieder bei der Notwendigkeit einer drastischen globalen Bevölkerungsreduktion, nur ausgesprochen wird das halt nicht gerne.

brueckenbauer

28. August 2022 19:55

Ich hab nichts dagegen, Dwinger wiederaufzulegen. Aber wirklich spannend fände ich eine Übersicht über die Ergebnisse der postsowjetischen russischen Archivforschung. Kommt da wirklich nichts Wichtiges mehr zu Tage? (Können wir uns darauf verlassen, dass unsere Medien uns sonst schon das Wesentliche mitteilen würden?)

Maiordomus

29. August 2022 08:24

Zum Dwinger-Gespräch: Für mich noch sympathisch, die alten Bücher auf dem Tisch, erinnert mich vielfach an eigenes Arbeiten; und natürlich, dass man über die Ostfront 1914/15 mehr wissen sollte, auch über den sog. russischen Bürgerkrieg zwischen den Weissen und den Roten. Und dass man über diesen Dwinger sowohl biografisch wie auch die Autorschaft betreffend zu wenig weiss; noch spannend, wo und wie diese Bücher in einer Militärbibliothek überlebten; kannte in Freiburg i. B. vor 30 Jahren noch einen uralten deutschen Militärbibliothekar. Zensur kann man insofern nicht gebrauchen, weil nun halt mal auch "kontaminierte" Literatur Lehrreiches enthält, das zu vergessen dümmer macht. 

Am weitesten führte noch der Hinweis auf Bergengruen; eine zwar andere Welt, eben die des "Letzten Rittmeisters", die es samt der "Rittmeisterin" unbedingt zu kennen gälte; und natürlich auch August 1914 von Solschenizyn, das wäre wohl eine russische Entsprechung zu dem, was von Dwinger zu lesen vorgestellt wurde.. Eigentlich müsste man dies alles besser kennen, um auch für die heutigen Verhältnisse die Proportionen besser einschätzen zu  können. Wer vermag das schon?

Niekisch

29. August 2022 14:34

"Eigentlich müsste man dies alles besser kennen, um auch für die heutigen Verhältnisse die Proportionen besser einschätzen zu  können. Wer vermag das schon?"

@ Maiordomus 8:24: Ja, werter Meister, das ist unbedingt nötig. Z.B. schon deswegen, um die Vorbereitungen zum Ersten Weltkrieg mit dejenigen zum Zweiten Weltkrieg und jetzt zum Dritten Weltkrieg in Vergleich setzen zu können und den Stand richtig einzuschätzen. Den damaligen Einkreisungen gegen das Deutsche Reich, gepaart mit Propaganda, ähnelt das jetzige Einkreisen Rußlands mit Verhungerungs- oder Schlachtstrategie, um anschließend China zu erledigen.Nur ein kleines Beispiel des Wissenkönnens: Um beurteilen bzw. prognostizieren zu können, was sich ab Herbst an den ukrainisch-russischen Fronten abspielen könnte, empfiehlt sich die Lektüre des Werks von Brand, Guido K., Ein Winter ohne Gnade, Prag 1943. Man versteht dann die Eile der russischen und der ukrainischen Truppenverbände, noch vor Beginn der Schlammperiode und dann vor Einbruch des Frostes geeignete Frontlinien erreicht zu haben. 

Laurenz

29. August 2022 17:03

Das von einigen westlichen Dumpfbacken-Historikern kritisierte Schwarzbuch des Kommunismus erzählt relativ viel über den Russischen Bürgerkrieg, bzw. den polnisch-sowjetischen Krieg, wie auch das Großwerk von Otto Zierer darüber berichtet, wobei ich mir aber vorstellen kann, daß hier einige Zierer nicht als seriösen Historiker anerkennen werden. Mangelnden Fleiß kann man Ihm ganz sicher nicht unterstellen. Mit über 2 Mio. verkauften Büchern kann man Zierer zumindest einen gewissen Erfolg attestieren, historische Themen, Normalbürgern näher gebracht zu haben. Aber auch das ist schon einige Jahrzehnte her.

Herold

29. August 2022 17:58

@ Kikl: Bezeichnenderweise sind (grüne) Fundis ja immer nur bereit, andere Menschen zu opfern. In Diskussionen mit solchen Leuten unterbreite ich gerne den Vorschlag, doch vorbildlich voran zu schreiten und die gute Natur von der Last der eigenen Existenz zu befreien. Alleine, sie wollen nicht so recht. Heuchler.

Auf Sehrohrtiefe

29. August 2022 21:02

@Laurenz

Besten Dank für den Hinweis auf den Film "Scorching Sunlight". Ich kann ihn sehr empfehen. Durch die Anfangsszene muß man halt durch, und die letzte Viertelstunde ist einseitig (na und), aber die zwei Stunden dazwischen sind qualitativ hervorragend und mit Gewinn zu sehen, egal wie man politisch über den Ukraine-Konflikt denkt. Es ist ein weiterer Beleg für den kranken Geisteszustand dieser "Republik", daß solche Filme versteckt und am liebsten gelöscht werden, jede amerikanische Propagandascheiße aber sowohl während der Nachrichten als auch in Serien- oder Spielfilmform verpackt tagaus, tagein abgespielt wird.

Maiordomus

29. August 2022 21:15

@Herold. Das von der preiszugebenden "Last der eigenen Existenz" kann man über Fanatiker hinaus, die das Kinderkriegen zumal von Weissen, wenn möglich Deutschen, als unverantwortlich hinstellen, niemandem zumuten, der eine ernst zu nehmende Politik betreiben will.

Mir fiel heute eine längere Schaltpause auf, auch auf dem Literatur-Blog, was vielleicht indirekt mit der Aktion des "Aktivisten" und SiN-Mitarbeiters Sellner zu erklären ist.  Als "bedeutendstes rechtsintellektuelles Organ Deutschlands", wozu das gedruckte Heft eher beiträgt als die Debatten hier, sollte man die theoretische Diskussion, für die aber meines Erachtens im Rahmen des Legalen unumschränkte Meinungsfreiheit gelten dürfte, von praktischen, ev. ungesetzlichen sog. direkten Aktionen trennen. Sellner sollte sich entscheiden, ob er "Aktivist" sein will, mit der bekannten auch dem Zufall anheimgestellten Irrtumsanfälligkeit von "Aktionen", oder Philosoph bzw. strategischer Denker, in welcher Eigenschaft er aber z.B. von Politikern wie Kickl u. Co. eher nicht ernst genommen wird, auch hier längst nicht von allen.  

 

Der_Juergen

29. August 2022 23:44

@Brueckenbauer

"Aber wirklich spannend fände ich eine Übersicht über die Ergebnisse der postsowjetischen russischen Archivforschung.Kommt da wirklich nichts Wichtiges mehr zu Tage?"

Seit der teilweisen Öffnung der russischen Archive nach dem Ende der Sowjetherrschaft sind enorm viele hochwichtige Dokumente zu Tage gefödert worden, die einen seriösen Historiker zwingen, sein Bild von gewissen Geschehnissen des 2. Weltkriegs radikal zu überdenken.. Diese Dokumenete sind in etlichen Büchern abgelichtet oder zusammengefasst worden, mit säuberlichen Quellenangaben. Da das herrschende System jedoch kein Interesse daran hat, dass ihr Inhalt bekannt wird, werden sie eben totgeschwiegen, ebenso wie die Literatur, die sie berücksichtigt.

Mit Sicherheit liegen in den östlichen Archiven noch viele andere, teils noch wesentlich brisantere Urkunden, die unabhängigen Forschern jedoch nicht zugänglich sind. Ob sie, wie einige hoffen, eines Tages freigegeben werden, wenn Russland so in die Enge getrieben wird, dass es von ihm selbst sorgsam gehätschelte Mythen über Bord wirft, um dem Westen einen tödlichen Schlag zu versetzen? Hoffen darf man immer, aber ob den Russen noch allzu viel Zeit dazu bleibt, sei dahingestellt.

 

Wahrheitssucher

30. August 2022 12:26

Der_ Jürgen

„Hoffen darf man immer, aber ob den Russen noch allzu viel Zeit dazu bleibt, sei dahingestellt.“

Was veranlasst Sie zu der Befürchtung?

Laurenz

30. August 2022 13:36

@Wahrheitssucher & Der_ Jürgen

Finde den Beitrag von Der_Jürgen gut, aber die Halbwertszeit von Mütterchen Rußland sehe ich auch als langfristiger als die des Westens. Würde mich auch über eine Erklärung freuen.

kikl

30. August 2022 16:46

@Herold

Ja, diese Heuchelei tritt in vielerlei Form auf.

Nordlicht

30. August 2022 21:24

Zu: Umweltgeschichte: Ich empfehle

"Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa: Von der Eiszeit bis zur Gegenwart" von Hansjörg Küster, erstmals bei Beck erschienen 1999, jetzt wohl auch als Taschenbuch. Das liefert eine Konkertisierung der durch den Menschen verursachten Veränderungen in unserem Lebensraum, völlig ohne Panikmacherei und wirklich seriös-wissenschaftlich. Auch eine gute Ergänzung zu Sieferle, dessen Werk ich schätze.

Sein hier verfügbar gemachter Beitrag von 1993 "für die wissenschaftliche Zeitschrift GAIA" zeigt für mich deutlich den seither eingetretenen Niveauverlust der sog. Umwelt-Wissenschaften.  Man schaue sich zB Artikel (2020) wie "Wissenschaftlicher Dialog in Zeiten der COVID-19-Pandemie" an. Und zu den Träumen einer Wasserstoff-Gesellschaft(2022)  findet man dort auch das passende Mainstream-Geplapper.

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