Herbst, Empörung, Grundsätze (3): Partei

Falls die AfD nicht willens und in der Lage sein sollte, das Potential der kommenden Proteste zu nutzen, wird ihr Konkurrenz erwachsen.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Die­se Kon­kur­renz zeigt sich bereits, etwa dort, wo der ehe­ma­li­ge AfD-Poli­ti­ker André Pog­gen­burg, der Publi­zist Jür­gen Elsäs­ser, der Orga­ni­sa­tor der “Frei­en Sach­sen” Mar­tin Kohl­mann und der Dis­si­dent Anselm Lenz gemein­sam in Leip­zig demons­trie­ren wol­len und dabei “Die Lin­ke” her­aus­for­dern, die am sel­ben Tag auf dem­sel­ben Platz mit Gre­gor Gysi auf­tre­ten wird.

Natür­lich ist die AfD struk­tu­rell um Wel­ten stär­ker, aber sie wirkt in Sach­sen trä­ger als etwa die “Frei­en Sach­sen”, deren Unver­fro­ren­heit und Direkt­heit die Anfän­ge der AfD wider­spie­geln. Die­se “Frei­en Sach­sen” sind kein Geg­ner, son­dern der Hin­weis auf ein Poten­ti­al, das die AfD an ihre ori­gi­nä­re Auf­ga­be erin­nern und sie aus ihrem Par­tei­staat-Modus auf­schre­cken soll­te. Sie muß kämp­fen und darf nicht nur ihren Sta­tus als star­ke Oppo­si­ti­on verwalten.

Es gibt nur zwei Berei­che jen­seits der ganz per­sön­li­chen und dadurch unpo­li­ti­schen Ver­net­zung in Nach­bar­schaft und Freun­des­kreis, auf denen wir in den kom­men­den Mona­ten über­haupt mit Aus­wei­tung rech­nen dür­fen: ers­tens dort, wo sich Wäh­ler erst­mals in ihrem Leben vom Kar­tell der Alt­par­tei­en abwen­den wür­den, wenn sich eine zugleich kämp­fe­ri­sche und ver­trau­ens­wür­di­ge Alter­na­ti­ve prä­sen­tier­te. Zwei­tens inner­halb sys­tem­re­le­van­ter Strukturen.

Die­se Ziel­set­zung ist beschei­den, aber rea­lis­tisch. Denn wer von Sys­tem­stür­zen fabu­lier­te und den Bür­gern die Lee­rung des Bun­des­tags und sei­ne ret­ten­de Neu­be­set­zung in Aus­sicht stell­te, mag Auf­wal­lung her­vor­ru­fen und für den Moment stür­mi­schen Applaus ern­ten. Aber das war schon zu Hoch­zei­ten von Pegi­da und noch ein­mal im Zuge der Quer­den­ker-Tage vor allem in Ber­lin kein ver­ant­wor­tungs­be­wuß­tes Han­deln. Es pro­du­zier­te Ent­täu­schung und ließ Frus­trier­te zurück.

Deutsch­land ist nicht die Ukrai­ne, Ber­lin ist nicht Kiew, der deut­sche Par­tei­en­staat ist für jeden, der ihn aus­beu­ten möch­te, eine siche­re Bank. Es wird in der deut­schen Haupt­stadt kei­nen Euro-Mai­dan geben, es wird kei­ne Unter­stüt­zung von außen ein­tref­fen, weder medi­al noch finan­zi­ell oder auf diplo­ma­ti­scher Ebene.

Es geht auch in den kom­men­den Mona­ten nicht um Alles oder Nichts. Es geht um Mehr oder Weni­ger, um wei­te­re Ver­schie­bun­gen zu unse­ren Guns­ten, um Sta­bi­li­sie­rung und Kon­so­li­die­rung, um Aus­bau und Mobi­li­sie­rung, um die Sicht­bar­keit der Alter­na­ti­ve und um Zuver­sicht, daß es noch nicht zu spät sei.

Die­se Ziel­set­zung wird frucht­bar und mobi­li­sie­rend wir­ken, wenn wir begrei­fen, daß sie das Ende einer bald drei­jäh­ri­gen Lethar­gie ein­läu­tet. Die Auf­ga­be der AfD ist der fried­li­che, aber vehe­men­te Kampf um Mehr­hei­ten, und nun kann und wird sie Gehör fin­den. Der Augen­blick ist da, das Zeit­fens­ter öff­net sich.

Daß die AfD das Zeug dazu hat, Macht­fra­gen zu stel­len, bewei­sen die vie­len Direkt­man­da­te, die sie in Thü­rin­gen und Sach­sen, in Tei­len Bran­den­burgs und Sach­sen-Anhalts auch bei den letz­ten Wah­len in direk­ter Kon­kur­renz zu den Kan­di­da­ten der Alt­par­tei­en holte.

Im Wes­ten kann es nur um Sta­bi­li­tät und um die Siche­rung der Frak­ti­ons­struk­tu­ren in den Land­ta­gen gehen, außer­dem um die Klä­rung der Fra­ge, wel­chen Kurs man wagen oder eben nicht wagen möch­te. Wer die Bot­schaft des Rie­sa­er Par­tei­tags nicht begrif­fen hat, kann es mit sei­ner eige­nen Par­tei nicht gut mei­nen. Nie­mand aus dem alten Bun­des­vor­stand, der unter Meu­then Kar­rie­re machen woll­te und sich an den Säu­be­run­gen gegen die eige­ne Basis betei­lig­te, wur­de erneut gewählt. Meu­thens Abgang soll­te die letz­te Häu­tung gewe­sen sein.

Nun geht es um Zuwachs, um die Beset­zung des einen gro­ßen The­mas: Wie sieht eine Poli­tik zum Woh­le des deut­schen Vol­kes aus? Wer ist die­ses Volk und was ist sein Wohl? Die­se Fra­ge muß von den­je­ni­gen beant­wor­tet wer­den, die mit­hil­fe ihrer Par­tei nur ein Ziel haben kön­nen: Den Amts­eid abzu­le­gen und nicht gegen, son­dern end­lich für Deutsch­land an die Arbeit zu gehen.

Kampf um jede Stim­me, um das gan­ze Wider­stands­po­ten­ti­al, um Ent­teu­fe­lung alter­na­ti­ver Poli­tik: Es wird schlech­te Bil­der geben, schlech­te Pres­se, es wird zu Unter­stel­lun­gen kom­men, zu Orgi­en der Arro­ganz der­je­ni­gen, die sich für klü­ger, ent­spann­ter, dis­zi­pli­nier­ter und rei­fer hal­ten als die­je­ni­gen, die auf die Stra­ße gehen. In die­sen Spalt muß die AfD ihre Kei­le trei­ben. Die­je­ni­gen, die etwas anrich­ten und die­je­ni­gen, die es aus­zu­ba­den haben, müs­sen ein­an­der noch frem­der werden.

AfD-Man­dats­trä­ger und Funk­tio­nä­re wer­den in Ver­su­chung gera­ten, sich selbst auf die Sei­te die­ser “Ver­stän­di­ge­ren” zu schla­gen und öffent­lich mit dem Fin­ger auf “Feh­ler” in der eige­nen Par­tei ver­wei­sen. Es gibt die­se bil­li­ge Form der Anbie­de­rung an die Macht und an die Deu­tungs­ho­heit der Medi­en. Sie ist all­zu­mensch­lich und blüht dort, wo das Selbst­ver­trau­en, das Bewußt­sein für die Auf­ga­be und das Steh­ver­mö­gen fehlen.

Gefähr­li­cher, zum Ver­zwei­feln ver­fäng­lich ist das, was wir als “Funk­tio­närs­ver­nunft” bezeich­nen. Es gibt eine plötz­li­che Über­nah­me von Voka­beln, Gewohn­hei­ten, von Flüs­ter­ton und staats­tra­gen­der Argu­men­ta­ti­on durch Par­tei­leu­te, die das Par­tei­en­sys­tem zu “tra­gen” beginnen.

Sie ver­ges­sen dar­über zwei­er­lei: ers­tens ihre Wäh­ler und zwei­tens die so not­wen­di­ge Ein­ord­nung einer Par­tei als blo­ßes Mit­tel, nie aber als Zweck. Woher die­se Funk­tio­närs­ver­nunft rührt? Aus der Kor­rum­pie­rungs­macht der Struk­tur und aus einem Har­mo­nie­be­dürf­nis des Neu­lings, der in ein sät­ti­gen­des Gefü­ge tritt. Wer etwa Björn Höcke in den ver­gan­ge­nen Jah­ren etwas genau­er zuge­hört hat, wird bemerkt haben, daß gera­de er vor die­ser Har­mo­nie­fal­le warnt.

Es ist nicht die Auf­ga­be der Oppo­si­ti­on, Har­mo­nie zu ver­brei­ten. Es ist nicht die Auf­ga­be der Oppo­si­ti­on, Berufs­grup­pen­so­li­da­ri­tät mit den­je­ni­gen zu üben, die unser Land in den Ruin trei­ben. Es ist noch nicht ein­mal Auf­ga­be der Oppo­si­ti­on, unter den Bedin­gun­gen einer völ­lig fal­schen Poli­tik Almo­sen für die eige­ne Wäh­ler­schaft zu for­dern und sie zu beklat­schen, wenn sie gespen­det wurden.

Es geht nicht um Abmil­de­rung, Ver­ständ­nis und Har­mo­nie, es geht nicht dar­um, sich im Erreich­ten ein­zu­rich­ten. Es geht um eine ande­re Poli­tik, um min­des­tens die Rück­erobe­rung von Nor­ma­li­tät, eigent­lich aber um die Stil­le­gung hybri­der Struk­tu­ren, um die Siche­rung des Bestands.

Macht­fra­gen also. In Nie­der­sach­sen wird der Herbst die AfD ins Par­la­ment heben. Ent­schei­dend ist jedoch, ob es gelin­gen kann, Wer­te jen­seits der 30 Pro­zent zu errin­gen und sich noch tie­fer im Land zu ver­an­kern. In Sach­sen und in Thü­rin­gen (vor allem dort, mit einem eben nicht von außer­par­tei­li­cher Har­mo­nie geblen­de­ten Höcke an der Spit­ze) ist die­ser Schritt mög­lich, in Sach­sen-Anhalt und Bran­den­burg viel­leicht auch.

Ent­schei­dend wird sein, daß die Empö­rung über die nati­ons­ver­ges­se­ne Poli­tik der Alt­par­tei­en in eine Wahr­neh­mung der Alter­na­ti­ve umge­lenkt wird. Die Bot­schaft lau­tet: Es gibt ein Auf­fang­be­cken für den Pro­test und den Zorn, einen ers­ten, sehr nahe­lie­gen­den Schritt aus der Ent­täu­schung – die Aus­wan­de­rung aus der poli­ti­schen Hei­mat, die längst kei­ne mehr ist.

Die Chan­cen für die AfD ste­hen gut, sich selbst als die ein­zi­ge, in sich geschlos­se­ne Oppo­si­ti­on und als glaub­wür­di­ge Alter­na­ti­ve FÜR Deutsch­land zu zei­gen. Sah­ra Wagen­knecht möch­te seit Jah­ren Die Lin­ke in die­sel­be Rich­tung bewe­gen, aber nach ihrer geschei­ter­ten Macht­pro­be ist klar­ge­wor­den, daß sie das nicht schaf­fen wird. Die Lin­ke ist aus dem Rennen.

In Sach­sen und Thü­rin­gen und dar­über hin­aus spricht das Vor­feld aus Bür­ger­initia­ti­ven, Pro­test­bünd­nis­sen und regio­na­len Initia­ti­ven längst die­sel­be Spra­che wie die Par­tei. Hier kann es zu dem kom­men, was Bene­dikt Kai­ser in sei­nem stra­te­gi­schen Buch über Die Par­tei und ihr Vor­feld als Mosa­ik beschreibt: zu einer Arbeits­tei­lung, die unab­ge­spro­chen funk­tio­niert, weil sie so naheliegt.

Wo Hand­wer­ker­ver­bän­de, Beleg­schaf­ten insol­ven­ter Betrie­be, Selb­stän­di­ge aus Innen­städ­ten in Brie­fen und auf Demons­tra­tio­nen ein Ende der Zer­stö­rung ihrer Wirt­schafts­fä­hig­keit for­dern, muß die Par­tei weder mit­for­mu­lie­ren noch den Vor­rei­ter spie­len. Sie muß nahe­lie­gen, sie muß sich als Mög­lich­keit ver­an­kern, muß sicht­bar sein und hel­fen, muß den Mut auf­brin­gen und die Zuver­sicht wecken, die dort noch feh­len, wo Bür­ger erst­mals das wagen, wor­auf sie ger­ne ver­zich­tet hätten.

Paro­len, Bil­der, Per­sön­lich­kei­ten, Akti­on und Wen­de­stim­mung: Die AfD hat mit ihren Appa­ra­ten, ihren Mög­lich­kei­ten, Pri­vi­le­gi­en, Mit­teln, ihrem recht gesi­cher­ten Sta­tus die Auf­ga­be, die gan­ze Kla­via­tur zu bespie­len. Sie muß auf­hö­ren, für den Papier­korb zu arbei­ten und Fleiß­punk­te im par­la­men­ta­ri­schen Betrieb zu sam­meln. Sie muß Wahl­kreis­bü­ros zu Rück­zugs­räu­men für den Pro­test aus­bau­en und neue eröff­nen. Sie muß Säle fül­len, Prä­senz zei­gen und die Abwie­ge­lungs­tref­fen der Macht stören.

Die AfD muß dort sein, wo sich Krei­se für sie öff­nen, die das von sich selbst nie dach­ten. Sie hat alles Recht dazu und muß es selbst­be­wußt in Anspruch neh­men. Denn sie hat noch nie dazu­ge­hört und hat sich noch nie am Auf­fä­che­rungs­trick der Par­tei­en in Regie­rung und Schein­op­po­si­ti­on beteiligt.

In der AfD bün­deln sich Hoff­nun­gen. Sie darf sie nicht enttäuschen.

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Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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Kommentare (65)

Gotlandfahrer

2. September 2022 10:13

1/2

Dem Geschriebenen möchte ich zu 100% zustimmen.  Danke für die präzise Aufforderung.  Sie möge Gehör finden.

Meine Hoffnung ist, dass angesichts des aber nur zu Erwartenden die Enttäuschung nicht in Autoaggressionen umschlägt, sondern sich mit allem, was erreicht wird, mindestens die eigene Lebendigkeit erhält und stärkt.  Der Tag wird kommen, an dem sie gefragt sein wird.  Bildhaft ausgedrückt sehe ich unser Volk in einem Kerker an Ketten, wobei man sein Auskommen als Kapo haben kann. Darüber hinaus ist die Kost auf wässrige Verfettung ausgelegt.  Wir nun hier stören diesen Betrieb durch Liegestütze und Klimmzüge, den apathischen oder miesen Rest mit Erinnerungen an eine selbstbestimmte Zukunft provozierend.  An verschlankten Gliedern sitzen Ketten lockerer, mancher mag in der Lage sein, sie abzustreifen – aber ach, es bleibt ein Kerker doch. Denn wer von den Apathischen oder Funktionshäftlingen wird von den Entbundenen nun Hilfe erbitten, solange der Ausgang verriegelt bleibt?  Sagen die nicht „mit Recht“ zu uns: Das habt ihr nun davon!?

Mboko Lumumbe

2. September 2022 10:14

"...darüber hinaus spricht das Vorfeld aus Bürgerinitiativen, Protestbündnissen und regionalen Initiativen längst dieselbe Sprache wie die Partei.
...einer Arbeitsteilung, die unabgesprochen funktioniert, weil sie so naheliegt."

Ein entscheidender Punkt. Darin sind LinksGrüne (bisher) deutlich besser und viel wirksamer.

Doch dabei kann jede/r, wirklich jedermann und jedefrau mithelfen, das zu ändern und die politische und gesellschaftliche Wende aktiv mitgestalten. Die Partei und ihr Vorfeld besteht aus Menschen wie Sie und ich. Wir sind es. Wir wollen es. Wir tun es. Oder wir gehen unter.

Jede/r kann sich irgendwie einbringen, auf der Straße mit Protesten an vielen Orten gleichzeitig, regional und kommunal im Umfeld, dezentral, ohne greifbare Organisation, friedlich und gewaltfrei oder auch mal RotGrünBraun auspfeifend und buhend. Oder mit rechten Fragen entlarven und penetrant in die Bredouille bringen. Wendet deren linkische Methoden gegen sie selbst an. Regionaler und kommunaler Widerstand und öffentliche Benennung der ortsbekannten Mit-Verantwortlichen. Deren Deckung nehmen und kein ruhiges Hinterland mehr für RotGrünBraun. Hört auf, die Braven und Ehrbaren sein zu wollen, während sie Euch dämonisieren, euer Geld aus euren Taschen ziehen und Deutschland abschaffen. Hört so weit es geht auf, Steuergeld zu erarbeiten und diesen Linksstaat zu finanzieren. Niemand sagt, dass es einfach ist, doch es kann noch viel schwieriger werden. Jetzt ist die Zeit. Vom Reden und Schreiben ins Handeln.

Gotlandfahrer

2. September 2022 10:15

2/2

Natürlich könnte man die Tür im Schulterschluss aufsprengen, dafür braucht es wahrscheinlich sogar nur wenige und nicht einmal „Unterstützung von außen (…), weder medial noch finanziell oder auf diplomatischer Ebene“.  Unterstützung nicht – interessanter ist, welche Gegenwehr von der Wachmannschaft zu erwarten ist.  Die Bedingung, genug freie Schultern zu finden (sollte kein Problem sein), ist zwar notwendig, aber nicht hinreichend zur Selbstbefreiung (eine andere ist nicht zu erwarten), denn notwendig ist ferner eine aussichtsreiche Lage vor der Tür.  Also nicht nur Liegestütze machen, sondern Augen und Ohren offenhalten, vor der Tür ist gerade schwer was los, denn auch die Wächter merken, dass sie nur Gefangene sind.

cubist

2. September 2022 10:37

Sie haben sicher recht (auch wenn ich bezüglich der Mobilisierung in diesem Winter skeptisch bin, es reicht eine Marktkapriole an der Strombörse, ein Gaspreismoratorium etc. pp. und "Proteste" werden verpuffen): Es kommt mehr denn je auf "die Straße" und gute bis sehr gute Wahlergebnisse an, wenn es um die Zukunft der AfD geht. Denn nur wenn diese gut und fest, strukturell und organisatorisch, mitgliederstark, in der Gesellschaft, im Osten (den Westen kann man leider vorerst aufgeben, zu satt) verankert ist, wird sie die zweifelsohne kommende Stigmatisierung als gesichert rechtsextrem, Beobachtung durch das BfV, Sanktionen gegen Mitglieder aus dem ÖD, überleben. Zumal, machen wir uns nichts vor, nachdem Herr Haldenwang die Beobachtung durchgedrückt haben wird, kommt das Verbotsverfahren vor dem BVerfG. Und auf die Gnade der Irrelevanz wird die AfD bei Herrn Harbath nicht rechnen dürfen.

RMH

2. September 2022 10:42

Einen weiteren Weckruf gab es aktuell an den Tankstellen - einen derart dreisten und schamlosen Griff in die Kassen der Bürger beantwortet das Establishment unter Rückgriff auf eine angebliche Rechtslage. Rechtslagen waren für diese Parteien aber in der Vergangenheit, recht beliebig interpretierbar.

"es wird keine Unterstützung von außen eintreffen, weder medial noch finanziell oder auf diplomatischer Ebene."

Genau das wird aber das Hauptargument der Etablierten sein, dass Russland hinter der Hand das Geschehen zu beeinflussen sucht. Auf das Totschlagargument "Russlands Helfer" sollte man daher Antworten jenseits von "aber die Amis haben doch auch" in petto haben. In Mitteldeutschland funktioniert das, was freie Sachsen und andere bewegen, ganz gut, da hier Russland nicht als Instinktfeind gesehen wird (die Umerziehung der DDR wirkt nach), in den alten Bundesländern sieht es anders aus (hier wirkt die Angst vor dem Russen, gesät von den Nazis, zur Blüte gebracht durch die Verbrechen der roten Armee, weitergepflegt durch den kalten Krieg bis heute). In den alten Bundesländern sollte man daher klare Karten spielen, die den "gesteuert durch Russland"-Joker übertrumpfen können, kleine Trümpfe wie: Absehbare Abzocke durch Energiekonzerne, ermöglicht durch Habeck, Scholz und Lindner. Die AfD sollte aber jetzt nach draußen gehen, dass ist vollkommen richtig.

Karl Otto

2. September 2022 11:13

Läuft auf eine Zukunft als ostdeutsche Regionalpartei ohne nennenswerten Einfluss auf Bundespolitik hinaus.

Herbstwind

2. September 2022 11:22

Konkret ist die Ukraine- und Energiekrise (wenn auch selbstgemacht) die große Chance für die AFD. Der Standpunkt, den Björn Höcke hinsichtlich Russlands vertritt, teilen im Grunde viele Deutsche. Und der Unmut über den faktischen Kriegsbeitritt Deutschlands gegen Russland wächst stetig, vor allem auch im linken Lager. Wir erleben m.E. gerade den Anfang vom Untergang der Grünen und hier gilt es unermüdlich nachzulegen. Denn fallen die Grünen,  fällt auch die grüne Hegemonie. Ein Blick auf die irrwitzigen Entwicklungen in den USA schadet nicht. Dort kippt der Linksstaat gerade in den Abgrund. 

Defätismus hilft uns nicht weiter - es genügt bekanntlich eine entschlossene Minderheit von 10% um einen Paradigmenwechsel herbeizuführen. Die Grünen haben bei Bundestagswahlen nie über 15% bekommen, konnten aber jahrzehntelang die Agenda setzen. Lösen wir sie endlich ab! 

Nemo Obligatur

2. September 2022 11:55

Das mag alles stimmen, was GK da schreibt. Doch hat die AfD für mich ihre Glaubwürdigkeit als Sachwalterin deutscher Interessen durch den engen Schulterschluss mit Putin eingebüßt. Ich kann nicht erkennen, warum ich mein Kreuz bei einer Partei machen soll, die das enge Einvernehmen mit Moskau sucht. So etwas hat ja schon vor 1989 abgestoßen und heute dann wieder.

Und man soll auch die Ressourcen des Establishments nicht unterschätzen. Staatsgewalt, Geld, Medien, Fußtruppen - alles kann und wird gegen den Versuch der AfD aufgeboten werden, einen Fuß in Tür des Systems zu bekommen.

Die beste Wette dürfte daher sein, wie Karl Otto schreibt, für die AfD eine Zukunft als ostdeutsche Regionalpartei zu sehen.

Wer weiß, vielleicht erwächst ja in 30 oder 50 Jahren, wenn der Westen endgültig ausgespielt haben wird, weil es hier dann keine Deutschen im eigentlichen Sinne und in nennenswerter Zahl mehr gibt, daraus eine Art deutscher Renaissance, ausgehend von Sachsen und Thüringen. Ich werde es dann nur nicht mehr erleben. 

Schobbepetzer

2. September 2022 12:22

Ja, die Perspektive war für die AfD schon lange nicht so gut, wie sie im kommenden Herbst sein wird.
Neben der Politik, tut sich erstmals ein Fenster auf, die Phalanx des ÖR zu durchbrechen. Die Verunsicherung innerhalb des ÖR, durch diverse Skandale, muss genutzt werden. Sollte es zu erheblichen Unruhen bzw. Demos kommen, wird der ÖR diesmal nicht umhin kommen, jemanden der Protestierenden einzuladen. Das muss die AfD nutzen.

Der öffentliche Schulterschluss zwischen den Freien Sachsen, Maßnahmenkritikern usw. muss erfolgen. Distanzeritis ist völlig fehl am Platz, außer von Gewaltätern.
Ruhe, Gelassenheit und das Wissen, dass im Herbst wohl kaum einer für die Regierung auf die Strasse gehen wird, müssen die Grundlage sein.

Franz Bettinger

2. September 2022 13:00

Ich kann nicht sehen, dass die Distanzeritis der AfD geendet hätte. Warum will sie nicht gemeinsam mit den Freien Sachsen und den Linken (und wem auch immer) gegen das Regime demonstrieren? Solange die AfD und auch jeder einzelne von uns von dieser Kontaktschuld-Idiotie infiziert ist, werden wir nicht die nötige Masse Menschen auf die Beine bringen. Das 'Divide et Impera' des Gegners wird wieder aufgehen. Zum Verzweifeln!

Gracchus

2. September 2022 13:11

Es ist jetzt nicht so schwer, sein Kreuz bei der AFD zu machen, auch wenn es Überwindung kostet; die psychologische Hürde, von der GK einmal gesprochen hat, ist eben noch hoch. Man muss aber nicht mal mit der AFD inhaltlich groß übereinstimmen. 

@nemo obligatur

Einen engen Schulterschluss mit Putin vermag ich bei der AFD nicht zu erkennen. Das Problem der Deutschen heisst aber nicht Putin, sondern "Biden" (dem man seine Entscheidungen wohl nicht zurechnen kann, daher die Anführungszeichen). Insoweit würde ich auch 

Dir, @RMH, 

widersprechen. Das Argument "Aber die USA" ist durchaus zugkräftig; angesichts dessen können sich die USA doch nicht als moralische Instanz verkaufen.

Die Ex-DDLer hätten doch, da sie unter der Knute der Sowjetunion leben mussten, doch weit mehr Grund, die Russen zu fürchten. Ich hatte auch mal einen "Ossi"-Kollegen, der, wenn man "Russe" gesagt hat, an die Decke gegangen ist.

Abgesehen davon plädiere ich auch gar nicht dafür, sich Russland an den Hals zu werfen. Die deutsche Politik steckt in einer Zwickmühle - von Russland energie-, von den USA militärisch abhängig -, da gibt es keine einfache Lösung. Es würde aber schon ausreichen, wenn man das Problem erkennen würde.  

Allnichts

2. September 2022 13:14

1/2

Diesen Teil der Artikel-Serie halte ich für überzeugender als die beiden vorangegangenen, besser ausgearbeitet, es scheint auch schon eher Bereitschaft zur Aufnahme des Kampfes durch, bei aller angemessenen Nüchternheit. Zwar sähe ich gern noch genauere Konzepte, doch ist auch nicht alles eine Sache für die Öffentlichkeit.

Ich bin skeptisch, was die Rolle der AfD in den nächsten Monaten betrifft. Die sogenannte Flüchtlingskrise fiel ihr mehr oder weniger in den Schoß, Corona konnte sie nicht nur nicht für sich nutzen, sondern es entstanden auch noch allerlei Bewegungen, welche einen vermutlich gar nicht kleinen Teil des eigentlichen AfD-Potentials an sich binden. Auch in dieser Krise konnte sie sich bisher in keiner Weise profilieren, die Lösungsvorschläge, Programme und Personen wirken zwar nicht zwangsläufig unmotiviert, aber auch wenig mitreissend, und ich frage mich, worin nun eigentlich die grosse Alternative bestehen soll. Man wird seine Gefolgschaft halten, wahrscheinlich etwas vergrössern können, im Osten wird man stark sein, im Westen weniger, und derzeit geht es sogar in den Umfragen etwas rauf. Alles wie immer, der grosse Umschwung wird sicherlich nicht durch die AfD kommen. Insbesondere frage ich mich, wie die AfD sich eigentlich multimedial in Szene setzen will.

Allnichts

2. September 2022 13:29

2/2

An Elsässers Vorhersage damals zur Grossdemo in Berlin, die Regierung könnte Panzer auffahren lassen, kann ich mich noch gut erinnern. Auch jetzt hat er sich bereits einen taktischen Fehler geleistet. Wenn Gysi usw. das lesen, werden sie sich nur umso stärker von "den Rechtsextremisten" und dieser erzwungenen Querfront distanzieren als bisher schon. Als Grundregel lässt sich ohnehin erkennen, dass die Sehnsucht nach einer Querfront eigentlich nur auf der rechten Seite besteht.

Eine Frage, die mir bisher weder hier noch an anderer Stelle beantwortet wurde, ist jene, wie die AfD, aber auch andere rechte, im Grunde auch linke Gruppierungen, anschlussfähig sein sollen, wenn sie sich recht russland- bzw. eher putin-nah und -freundlich zeigen. Für die allermeisten Deutschen wird es absolut inakzeptabel sein, in einem Meer russischer Fahnen mitzulaufen, selbst wenn ein Bedürfnis nach Ausdruck der eigenen Unzufriedenheit besteht. So etwas ist von vorneherein zum Scheitern verurteilt bzw. man wird wiederum vor allem die eigene Stammkundschaft erreichen. Ebenso wie bei Corona ist schon früh absehbar, dass die AfD in entscheidenden Punkten auf das falsche Pferd setzt, was sie aber nicht daran hindert, genau diesen Weg stur weiterzugehen.

Volksdeutscher

2. September 2022 13:31

1. @RMH - "....in den alten Bundesländern sieht es anders aus (hier wirkt die Angst vor dem Russen, gesät von den Nazis, zur Blüte gebracht durch die Verbrechen der roten Armee, weitergepflegt durch den kalten Krieg bis heute..."

Solche Verdrehungen sind überhaupt nicht notwendig, es gibt eine lange Reihe an Literatur über die sowjetrussische "Befreiung" Deutschlands und and anderer europäischer Staaten. Ihre "Nazis" hatten nichts gesät, was in Bezug auf das Benehmen der sowjetrussischen Soldateska gegenüber Zivilisten nicht begründet gewesen wäre und das keine Entsprechung in der Wirklichkeit gegeben hätte. Die heimkehrenden Frontsoldaten hatten etwa nichts zu berichten? Oder die deutschen Vertriebenen und Flüchtlinge? Stand es außerdem nicht in der Verantwortung der deutschen Führung, die Bevölkerung vor Atrozitäten durch die sowjetrussische Armee zu warnen? Und wenn Sie schon das pejorativ klingende Wort "gesät" benutzen, denken Sie nicht, daß es soetwas "Gesätes" auch auf russischer Seite gab und noch gibt?

Volksdeutscher

2. September 2022 13:41

2. @RMH - "....in den alten Bundesländern sieht es anders aus (hier wirkt die Angst vor dem Russen, gesät von den Nazis, zur Blüte gebracht durch die Verbrechen der roten Armee, weitergepflegt durch den kalten Krieg bis heute..."

Die sowjetrussische Soldateska hatte also leider keine andere Wahl, als die "gesäten Horrormeldungen" durch ihre Taten nolens volens zu bestätigen. Das schreiben Sie nicht, aber das hört sich so an. Die deutsche Bevölkerung hatte jedes Recht, Angst zu haben, den Grund dafür lieferte die psychisch-mentale Beschaffenheit der sowjetrussischen Armee. Man versucht  immer wieder, die sowjetrussische Barbarei mit dem Scheinargument  niederzuwalzen (sowohl in Europa als auch in Russland), daß Deutschland und Ungarn Russland angegriffen und/oder daß sie Zivilisten erschossen hätten (das ist ein Kapitel für sich). Aber auch in Polen und Serbien benahmen sich die sowjetrussischen "Soldaten" wie die Tiere. Waren auch diese Nationen etwa Kriegsgegner? Was motivierte sie, sich dort nicht anders zu benehmen als im übrigen Europa? Nur weil man für eine multipolare Weltordnung ist, zu der der Sieg Russlands in der Ukraine unerläßlich ist, muß man der geschichtlichen Wahrheit verpflichtet bleiben und auf sie bestehen - auch gegen Russland - um nicht auf der anderer Seite vom Pferd zu fallen.

Herbstwind

2. September 2022 14:17

@Allnichts

"dass die AFD in entscheidenden Punkten auf das falsche Pferd setzt" 

Die AFD setzt als Opposition genau auf das richtige Pferd der konsequenten Regierungskritik. Wenn Sie eine Partei wählen möchten, die die Coronamaßnahmen und den Ukraine-Kurs der BuReg unterstützt, haben Sie bereits fünf zur Auswahl. Da muss und darf die AFD nicht die sechste sein. Wir brauchen auch gar nicht die "allermeisten Deutschen", es reicht eine lautstarke Minderheit. 

Was allerdings fehlt in der AFD sind charismatische Führungsfiguren. Das Personal ist fleißig, aber dröge. Einzige mir bekannte Ausnahme ist Björn Höcke. 

Franz Bettinger

2. September 2022 14:19

@Allnichts: Beim Wort "anschlussfähig" dreht sich mir der Magen um. An was suchen Sie Anschluss? An den Club in Davos? Hätten Sie im 3. Reich anschlussfähig sein wollen?

AndreasausE

2. September 2022 14:43

@Franz Bettinger 2. September 2022 13:00

"Ich kann nicht sehen, dass die Distanzeritis der AfD geendet hätte. Warum will sie nicht gemeinsam mit den Freien Sachsen und den Linken (und wem auch immer) gegen das Regime demonstrieren?"

 

Das predige ich auch schon länger, etwa im Kommentariat bei TE. Mir doch egal, was die denken, die sonst noch mitmachen. Ich trete für meine Meinung ein.

Das gefällt mir ja so bei unseren Spaziergängen, da finden sich AfDler, Basis, Kommunisten, Esoteriker, Reichsbürger, sogar Sozen, "Grüne" und Union, Hartz 4, Beamte, Unternehmer, Schwule, ganze Bandbreite eben.

Nemo Obligatur

2. September 2022 14:49

@ Gracchus

"Einen engen Schulterschluss mit Putin vermag ich bei der AFD nicht zu erkennen."

Man kann in eine Suchmaschine seiner Wahl die Begriffe "AfD Putin" oder "AfD Russland" eingeben und bekommt massenhaft Treffer, die alle darauf hinauslaufen, dass die AfD seit Jahren die Nähe zu Vertretern Russlands sucht. Ich setze hier stellvertretend für viele andere Fundstellen einen Link zur NZZ rein, die als seriöse Quelle akzeptiert werden dürfte:

https://www.nzz.ch/international/treue-verbuendete-die-afd-will-sich-in-ihrer-naehe-zu-russland-von-niemandem-uebertreffen-lassen-ld.1665206

Nun war das noch vor dem Krieg, aber eben auch zu einem Zeitpunkt, als sich schon lange abgezeichnet hat, dass Putin die Konfrontation mit dem Westen sucht, gar nicht zu reden vom Fall Nawalny. Selbst in der AfD gab es zum Kurs der Partei kritische Stimmen, wie in dem NZZ-Artikel erwähnt wird. Mir fehlt da bis heute eine klare Positionierung der Parteispitze. Das mag an dem hohen Anteil von russlanddeutschen Wählern liegen, wirft aber trotzdem Fragen auf. U.a. die, in welcher Weise die AfD in der Vergangenheit finanziell von Moskau begünstigt wurde.

 

Gracchus

2. September 2022 15:11

Distanzeritis

Reflexhaftes Distanzieren und reflexhafte "Distanzeritis"-Anwürfe bringen nichts. Man sollte doch strategisch-taktisch klug vorgehen und sich vorher überlegen, mit wem man Allianzen eingeht. Die Kriterien hierfür darf man sich natürlich nicht von den MM oder Regierungsparteien vorschreiben lassen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. "Die Masse machts" führt ebenfalls nicht zwangsläufig zum Ziel.

Rheinlaender

2. September 2022 15:15

Und was geschieht, wenn die AfD tatsächlich Wahlen gewinnen sollte? Hat die Partei einen Plan, wie sie eine zuverlässige, sichere, saubere und preisgünstige Energieversorgung für Deutschland organisieren will? Verfügt sie über Personal, dass an den führenden Positionen in Ministerien etc. diesen Plan umsetzen könnte? Ich erinnere an die Entwicklung der britischen UKIP, die sich solche Fragen erst nach ihrem Erfolg beim Brexit-Referendum stellte und heute bei Wahlen 0,1% erreicht.

Gracchus

2. September 2022 15:21

@Allnichts

Das Elsässer-Plakat ist doch schön frech. Zuzustimmen ist Ihnen, dass die Sehnsucht nach einer Querfront vorwiegend auf rechter Seite besteht. 

Das ist wohl überspitzt: in einem Meer von Russland-Fahnen mitzulaufen. Das steht aber nicht zur Debatte. 

Will man einen Kurswechsel hinsichtlich des Ukraine-Konflikts, sollte man sich bewusst sein, dass man sich auf einem schmalen Grat bewegt. 

Das Problem ist natürlich auch, dass die öffentliche Debatte differenzierte Sichtweisen nicht zulässt. Dafür muss man ebenfalls streiten. 

 

Asenpriester

2. September 2022 15:32

Im sächsischen Landtag hat die AfD einen Sitz zu wenig, der ihr eigentlich prozentual zusteht, den sie noch glücklicherweise mit vielen Direktmandaten ausgleichen konnte, außer den einen, der sehr wichtig wäre. Denn so hätte Kretschmer keine Mehrheit für sein rot-grünes Projekt. Vor der Wahl noch gegen den Kohleausstieg, danach völlig umgefallen! Die AfD sollte im Landtag eine Klage gegen den Polizeiterror einlegen, der nachweislich einwandfrei belegt werden konnte, als Kretschmers Knüppelgarde gegen die Koronademonstranten übermäßig brutal einprügelte. Aber Meuthen und Chrupalla sind völlig ungeeignet und systemkonform.

Maiordomus

2. September 2022 15:47

@Bettinger. Auf das 3. Reich setzten bekanntlich viele von der Konservativen Revolution ihre Hoffnungen, trotz der Warnungen Zieglers,  und noch in der Schweiz hätten 1941/2 gar nicht so wenige auf einen Sieg im Osten nicht ungern gewettet, es gab eine entsprechende sympathisierende Ostfrontmission des Militärs Bircher. Sage ich lediglich als Beschreibung eines Befundes. Zumal im Schweizer Katholizismus, der grösstmehrheitlich antinazi war, wiewohl sie für die Jugendarbeit vielfach bis in den Wortschatz hinein Deutschland zum Vorbild nahmen, man um den Sieg Francos im Span. Bürgerkrieg Rosenkränze betete, wie ich aus eigenhändig eingesehenen Protokollen christlicher Männergemeinschaften weiss. Seit ich Orwells Katalonienbuch gelesen habe  und mich noch dazu nicht nur aus Vatikanakten über die unglaublichsten Massaker gegen Geistliche im europäischen 20. Jahrhundert orientierte, kann ich diese Haltung, appetitlich hin oder her, perspektivisch nachvollziehen. Prinzipienethisch nicht "schlimmer" als diejenigen Westler, dann einem Sieg im 2. Weltkrieg zuliebe, die millionenfachen Massenmorde Stalins als selbstverständlichen Kolateralschaden in Kauf nahmen. Auch das nur eine Beschreibung eines Befundes. Die Art, wie jetzt selbst ein Köppel einem russischen Siege zuliebe ganz nach diesen Prinzipien zu denken scheint, macht mir jenseits von geringsten Illusionen betr. den für mich nicht unterstützungswürdigen ukrainischen Oberfeldherrn, zwar nicht gerade "Gröfaz", nun mal Mühe. 

Laurenz

2. September 2022 16:32

Finde den Artikel hervorragend. 

Bei der Einschätzung des Westens sehe ich den Einsatz der AfD langfristiger, da der Westen über mehr materielle Substanz verfügt. Hier braucht es einfach länger, bis die Bunteregierung diese aufgebraucht hat. Allerdings sehe ich auch im Westen eine Beschleunigung durch steigende Energiepreise & Inflation. Wohneigentümer des Westens sind erst in 10-15 Jahren betroffen, wenn das Geld nicht mehr ausreicht, eine komplett neue Heizungsanlage obligatorisch installieren zu müssen.

Die AfD ist, zumindest in meinen Augen, gut beraten, wenn sie sich vordergründig auf die materiellen Befindlichkeiten der Wähler einstellt. Das macht sie ja auch schon. Die Lösungen der materiellen Probleme eines Wählers aus AfD-Sicht dürfen nie abstrakt sein.

Den ganzen Russophoben hier mag ich mitgeben, daß die AfD den Lösungsweg im Ukraine-Konflikt nie durch Krieg unterstützt hat, sondern für Verhandlungslösungen eintritt. Aber es ist doch offensichtlich, daß die Sanktionspolitik gescheitert ist. Das war sie schon vor dem Krieg. Man muß also Lösungen durch Interessensausgleich schaffen & nicht mit dem Anheizen von Konflikten. Mit solch einer Haltung sitzt die AfD mit der überwältigenden Mehrheit unter 193 Staaten global in einem Boot. Die Bunteregierung hat sich unklugerweise einer kleinen weißen Minderheit angeschlossen.

Allnichts

2. September 2022 16:51

Anschluss an das deutsche Volk, an die "allermeisten Deutschen" natürlich. Damit ist nicht gemeint, beliebig zu werden und einfach Positionen zu übernehmen, die gerade angesagt sind, um bestenfalls Macht zu erlangen, sondern zu versuchen, die Ansichten, Einstellungen, Werte, Wünsche, Nöte der Mitmenschen festzustellen, sie zu ergründen, sie nicht gleich zu verdammen und dann mit eigenen politischen und allgemein weltanschaulich begründeten Antworten, Vorschlägen, Visionen auf die Menschen zuzugehen, in einer Weise, welche es diesen ermöglicht, Anschluss und eine neue politische Heimat zu finden. Wer Menschen für sich gewinnen will, darf sich nicht permanent unzugänglich und unattraktiv machen, er darf nicht ständig 90% seiner Mitmenschen vor den Kopf stossen und sich gegen sie richten.

Ist ein Annäherungsversuch erst gar nicht beabsichtigt und soll eigentlich nur die eigene Sache durchgezogen werden, an der sich andere dann beteiligen können oder auch nicht, läuft das bei einer zur Zeit faktisch nun einmal randständigen Weltanschauung im Grunde auf bewusste Randgruppenpolitik, auf Sektierertum hinaus, die natürlich gern betrieben werden können, die allerdings dann vollkommen uninteressant sind, wenn es darum gehen soll, das deutsche Volk wieder über das eigene Land bestimmen zu lassen, denn es besteht so schlichtweg keine Machtperspektive. Viel Erfolg mit der lautstarken Minderheit. Die Hoffnung, dass irgendwann schon genügend Menschen die reine Wahrheit erkannt haben und sich anschliessen werden, muss enttäuscht werden.

RMH

2. September 2022 17:18

@Gracchus,

1.

habe in den letzten Wochen, als sich bereits manches wieder gelegt hatte und auch differenziertere Analysen den Weg sich bis in die Mitte gebahnt haben, sehr viel bei Gesprächen einfach nur zugehört. Ich denke einen gewissen Trend in meiner Region heraus gehört zu haben. Die Leuten sind nicht blind pro Waffenlieferungen, sie wissen zumeist, dass die USA kein Unschuldslamm waren und sind und das hier ein Stellvertreterkrieg läuft, aber mit einem braucht man nicht zu kommen, nämlich dass die USA die Ukraine quasi aufgehetzt habe und Russland nicht anders konnte. Ich denke, da hört die Verständnisfähigkeit auf und Menschen überfordern, ist auch nicht clever im Sinne einer maximalen Mobilisierung. Und das meinte ich damit, dass man im Westen mit so etwas wie "Aber die Amis" besser mal nicht kommen braucht. So platt, wie es Compact und die freien Sachsen machen, funktioniert es hier eben sicher nicht, da man mehrheitlich die Russen bzw. Putin dafür verantwortlich macht.

RMH

2. September 2022 17:19

2.

Was funktionieren könnte, ist eine Aufklärung die zeigt, wie effizient "unsere" Opfer in Bezug auf die Ukraine wirklich sind und wer sich die Taschen bei uns voll macht.

PS: Mit den Beiträgen will ich nicht die x-te wer hat den Ukraine Krieg angefangen Diskussion starten. Ich will lediglich - als gut vernetzter Bürger - Stimmungen wieder geben, die natürlich nicht repräsentativ sind. Aber selbst wenn die AfD jetzt Meinungsumfragen startet, dann kommen sie evtl. zu spät (sollte sie dennoch tun!). Ich persönlich finde es schade, mit welcher teilweisen Häme, Arroganz und sogar Hass hier auf diesen Seiten die alten Bundesländer oftmals einfach verloren gegeben werden.

RMH

2. September 2022 17:48

"Das schreiben Sie nicht,"

@Volksdeutscher,

eben, darum interpretieren sie bitte nicht eine solche Suada in meinen kleinen Satz hinein. Dass die Nazis keine Freunde der Bolschewiken und damit Russen auch ohne 1941 trotz formal bestehendem Pakt waren, dürfte klar belegbar sein. Im übrigen brauche ich als Sohn eines Vertriebenen ihre Belehrungen zu den Exzessen der roten Armee nicht - wobei, wenn ich mich richtig an die Ausführungen meiner Großmutter erinnere, sorgten die Russen Anfangs wenigstens für ein bisschen Einhalt im Blutrausch der Tschechen.

Niekisch

2. September 2022 19:18

"Das predige ich auch schon länger, etwa im Kommentariat bei TE."

 @ Andreas aus E 2.9. 14:43: Bitte auch mit den alternierenden Gruppen bei der Öffentlichkeitsarbeit ins Gespräch zu kommen, wenn man gemeinsam demonstriert, um andauernde Zusammenarbeit zu erreichen. Dazu bedarf es einer Sprache, die nicht abschreckt, sondern Gemeinsamkeit erkennen läßt. Dazu grundlegend und auf die hiesigen Verhältnisse durchaus anwendbar: Grosbard, Ofer, Israel auf der Couch - zur Psychologie des Nahostkonflikts mit einem Geleitwort von Yoram Kaniuk, Patmos - Verlag Düsseldorf 2001, Kapitel 14. Linke und Rechte, S. 205-238. Ein Zitat: "Für die Rechten ist es schwer, ihre existenziellen Ängste aus ihrer Erfahrung und ihrer Sprache herauszuhalten und ihre Botschaften in romantischere Begriffe zu kleiden. Um eine neue Sprache zu verwenden, müssen wir zu den emotionalen Quellen vordringen, der sie entspringt. Die Rechte muß mit ihren inneren Gefühlen der Sehnsucht nach Verbundenheit und Intimität in Kontakt treten, damit sie ihre Botschaften aufrichtig und überzeugend übermitteln kann. ( S. 225 )...Wir sind als Nation tatsächlich tief in ein linkes und ein rechtes Lager gespalten, beide repräsentieren unterschiedliche Aspekte der Seele ( S. 229 ) 

Nordstream 1 ist dicht: Gazprom: Gaslieferungen über Nord Stream 1 gestoppt (t-online.de)

kikl

2. September 2022 19:53

Die Sezession im Netz hat sich lange geziert, bis sie dieses Statement abgegeben hat. Jetzt ist es doch gekommen und besser kann ich es auch nicht sagen.

Es gilt, die Interessen Deutschlands wieder an die erste Stelle zu stellen, so wie es alle anderen Nationalstaaten auch für ihre Interessen handhaben. Mit dieser Forderung nach einer Politik für Deutschland - eigentlich eine Selbstverständlichkeit - gilt man schon als rechter Revoluzzer hier.

Wer sich auf die Corona-Demonstrationen getraut hat, der hat echte Meinungsfreiheit erlebt. Ich habe mit radikalen Linken aber auch mit echten Libertären sehr interessante Diskussionen auf Corona-Demonstrationen geführt. Uns geeint hat nur, dass wir endlich wieder eine Politik für dieses Land, für Deutschland, wünschen. Dieser Wunsch muss das Fundament für die zukünftige Politik sein.

In diesem heißen Herbst werden sich noch viel mehr Menschen trauen - aus schierer Verzweiflung - ihr Gesicht zu zeigen. Es gilt all diesen Menschen Mut zu machen und die Gräben zu überwinden, welche die Politik des Mainstreams zwischen uns ausgehoben hat.

Nordlicht

2. September 2022 19:57

Wer die russische Kriegsmotivation versteht, wird in den MSM als Kriegsbilliger d.h. -Kriegs-Mitverbrecher gehandelt. 

Bei einem Leser hier heisst es "enger Schulterschluss mit Putin", wenn man die geopolitischen Ziele der USA kritisiert und die seit 2010 deutlich ausformulierten russischen Bedenken samt Rote-Linien-Warnungen versteht.

Die Scharfmacher bei Corona, beim Klima und bei Putin sind die gleichen Typen:

Bei Corona wird das Massensterben vorausgesagt, wenn nicht Jeder die Spritzen annimmt; beim Klima wird der baldige Erdbrand vorausgesagt, wenn nicht alle Deutsche ihren Wohlstand abschaffen, und bei Putin wurde behauptet, Russland würde nach der Ukraine Polen und dann Deutschland besetzen.

Die Mehrheitsmedien und viele Deutsche (- ich weiss nicht, wie viele) glauben das.

mons

2. September 2022 21:57

Ganz konkret und ganz klar: Wir sollten auf der Berliner Demo am 8.10. massenweise mit Transparenten auftreten, die nur folgenden Text haben:

DEM DEUTSCHEN VOLKE

möglichst in der original Schrift des Bundestages.

Gelddrucker

2. September 2022 22:08

Hat nicht ganz direkt mit dem Thema zu tun, aber heute bei Krautzone gelesen, dass auch in Westdeutschland über 60% dafür sind, die Zuwanderung zu begrenzen. "Nur" über 60%, da die demographische Aufklärung über Europa 2050 fehlt. Im Osten über 70%. 

Jetzt im Herbst ist die Chance, bei diesem gewaltigen Wählerpotential anzudocken. Im eigenen Lager gilt mobilisieren was das Zeug hält. Youtube-Patrioten sollten in AfD-Unterstützer/Mitglieder umgewandelt werden. Thematisch wenn möglich immer Schnittmengen finden vom Finanziellen zum Bevölkerungsaustausch, z.B. zahlen wir bereits mehrere Dutzend Milliarden pro Jahr, um die ungebetenen Gäste durchzufüttern.

Ordoliberal

2. September 2022 22:47

"Politik für das Deutsche Volk" - solche Aussagen bringen überhaupt nichts! Wer ist denn das Deutsche Volk? Natürlich, man kann das ethnisch-kulturell bestimmen. Man kann aber auch einfach sagen: Die, die Union, Grüne, SPD und FDP wählen. Das IST das Deutsche Volk. (Die Asyldeutschen wählen gar nicht oder SPD. Aber man sehe sich die SPD-Zahlen an. Das ist - noch! - nicht entscheidend.)

Die Parole muss lauten: "Politik im nationalen Interesse". Ordnungspolitik nach Innen, Realpolitik nach Außen. Ob man nun Russland oder die USA toll findet, darf in der Argumentation gar keine Rolle spielen. Realpolitik kennt keine Freunde oder Feinde. Nur Interessen. Ordnungspolitik kennt auch keine Freunde oder Feinde. Nur die Gleichheit vor dem Gesetz und dass kein gesunder Erwachsener auf Kosten anderer lebe.

Natürlich spricht das keine mobilisierenden Gefühle an. Dafür braucht es einen Feind. Der Feind darf aber nicht "das System" sein. Das ist zu vage und zu abstrakt. Der Feind muss konkret sein, Gesichter haben, Stimmen, Symbole, Parolen. Dafür kommt doch nur ein Kandidat in Frage: Die Grünen. Die Grünen sind unser Feind. Sie sind eine Gefahr für den Rechtsstaat. Sie sind der Teufel. Die Grünen sind unser Unglück! Und nur die AfD sieht das so deutlich und bekämpft sie entsprechend konsequent. Wir müssen die Strategie der Linken übernehmen und "grün" zu einem Adjektiv machen wie "rechts".

Volksdeutscher

2. September 2022 22:48

"Meuthens Abgang sollte die letzte Häutung gewesen sein."

Das ist in der Tat zu wünschen, zu befürchten ist aber, daß es mittel- oder langfristig nicht dabei bleiben wird. Das System wird sich niemals mit der vereitelten Spaltung der AfD abfinden. Und wenn nicht "natürlicherweise" interne Querellen entstehen, dann wird es nachhelfen.

Gracchus

2. September 2022 22:59

@Allnichts

Das sind ja Binsen. Man kann dem deutschen Wähler aber nicht ersparen, sich geistig zu bewegen. Die AfD oder GK beanspruchen ja nicht, DIE Wahrheit zu verkünden. Falls Sie es nicht mitgekriegt haben, wird uns DIE Wahrheit täglich vom ÖRR präsentiert. Ich habe erst neulich hier für eine neue Mitte plädiert (womit ich nicht Mediokrität meine). Treffend GK, was die AfD sein muss: kämpferisch und vertrauenswürdig. Daher ist Ihre 

@Rheinländer 

Frage berechtigt, die wohl vorerst mit nein zu beantworten wäre. Vorerst sehe ich auch nicht die Chance, dass die AfD die Regierung stellt, dies so lange nicht, wie die Meinungsführerschaft nicht gebrochen ist. Die AfD kann insoweit als Hebel dienen - aber wiederum selbst davon profitieren, indem sie fähige(re)s Personal anzieht. 

Gracchus

2. September 2022 23:11

@Nemo Obligator 

Chrupallas Russland-Reise wurde seinerzeit hier auch kritisiert. Krah hatte seinerzeit von Äquidistanz gesprochen. 

Ausserdem haben CDU/SPD Putins Nähe gesucht und auf russisches Gas gesetzt. Angesichts der Ereignisse 2014 hätte man ahnen können, dass aus NS2 nichts wird. Für die Energiewende, die katastrophale Flüchtlings- und Corona-Politik kann die AfD nichts. 

In all den genannten Feldern haben die etablierten Parteien strategisch kläglich versagt (wenn man ihnen nicht unterstellt, in fremden Interessen zu handeln). (Afghanistan nicht vergessen.) Vor diesem Hintergrund ist für mich unverständlich, wie man ihnen zutrauen kann, hier eine wirksame Strategie zu entwickeln. 

 

Franz Bettinger

3. September 2022 00:01

@Nemo Aligator: Geben Sie in Suchmaschinen Merkel und Hitler ein, da kriegen Sie auch "massenhaft Treffer“. Toller Beweis, von den Bots ganz abgesehen.  

RMH

3. September 2022 10:02

@Allnichts hat es in seinem Beitrag vom 2. September 2022 16:51 ganz gut ausgedrückt. Man muss sehr aufpassen, dass man nicht wieder in die Ecke der Dauerstörer und unbelehrbaren Eso-Nazis gepackt wird und wegen dieser Abkoppelung dann selbstreferenziell sich immer mehr im eigenen Kreise dreht - Teile des sog. "Widerstands" haben, wenn es politische Religionen gibt, dann klar heute schon den Charakter herätischer Sekten. Davon können die bisherigen Motoren und Multiplikatoren zwar weiter zumindest ordentlich leben oder über die Runden kommen, aber Deutschland hilft es nicht weiter. Corona war wie eine Art Manöverübung im Umgang mit kommenden Protesten. Alles wurde schon einmal durchexerziert. Jetzt werden eben nicht die "Wissenschaftsleugner" auf die Straßen gehen, die man ungestraft mit Knüppeln und Pfefferspray bearbeiten darf, jetzt wird es dann eben Moskaus fünfte Kolonne sein. Wurde alles gründlich vorbereitet - die Party kann aus Sicht der Herrschenden beginnen. Aber man muss nicht zu jeder Party gehen, zu der man eingeladen wird. Ich denke daher, aktuell verpulvert man mit großen Demonstrationen viel zu früh sein Pulver. Wer jetzt die Schleusen des Damms schon öffnet, verhindert wirklich kritische Wassermassen - er arbeitet für das System im Sinne der Strategie der Spannung. Er scheidet zu früh die "Bösen" von den "Braven" - beide müssen noch zusammen bleiben.

kikl

3. September 2022 10:22

Ich finde Plakate mit der Aufschrift 

"dem Deutschen Volke"

sehr gut, insbesondere wenn sie der Innschrift auf dem Reichstagsgebäude nachempfunden sind. Man kann so ein Plakat nicht als rechtsextrem framen, ohne den Bundestag selbst so zu framen. Ist es doch dessen zentrale Inschrift.

Der Eid des Bundespräsidenten auf Plakaten ist hochzuhalten:

Art. 56 GG: "...Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, ... werde. So wahr mir Gott helfe."

Im Kontext der Energiekrise und des damit verbundenen Leids für große Teile des Souveräns gewinnt diese Aussage natürlich eine besondere Bedeutung. Diesen Eid schwören auch der Kanzler und die Bundesminister bei ihrer Vereidigung (Art. 64 GG).

Falls der Mainstream gleichwohl davon nicht ablassen kann, die Demonstranten als rechtsextreme zu diffamieren, dann werden diese Parolen und damit auch die eigentlichen Fundamente der BRD rechts.

Ach ja, und weil der Staat wie in den letzten Jahren versuchen wird, mit Gewalt die Demonstrationen aufzulösen oder zu verbieten, bietet sich die folgende Inschrift an:

Art. 8 Abs. 1 GG (1) Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.

Allnichts

3. September 2022 12:00

Gracchus:

Das sind Selbstverständlichkeiten und umso bedauernswerter ist es, dass nicht konsequent danach gehandelt wird. Für oppositionelle Bewegungen ist es nun logischerweise nicht ungewöhnlich, kritische Ansichten zu vertreten und sich im Allgemeinen gegnerisch zu verhalten, und doch wird das im "rechten Lager" tendenziell auf eine Weise getan, bei der eigentlich vorab zu erkennen ist, dass dies keine Aussicht auf weitreichenden und andauernden Erfolg haben kann und die Leute eher abschrecken wird. Oftmals sind wirklich absurde Vorgänge und Zustände zu beobachten, die sich nirgendwo sonst in einer ähnlichen Weise zeigen.

Das scheint allerdings nicht verstanden zu werden, nicht selten drängt sich auch der Eindruck auf, man wolle die Masse eigentlich nicht erreichen, es wäre geradezu verdächtig, würde man sie erreichen. Dabei darf natürlich nicht alles und jeder über einen Kamm geschert, es muss unterschieden werden, als Gesamteindruck ist dies jedoch nicht unangemessen. Die gegenwärtig recht deutlich pro-russische Haltung ist einfach das nächste Kapitel. Es gibt derzeit nun wirklich keinen geeigneteren Weg, um sich politisch zu isolieren.

Gracchus

3. September 2022 12:36

@heinrichbrueck

Erstens war mein Kommentar nicht Mist, zweitens kann ich Ihnen immer noch nicht folgen.

Hartwig aus LG8

3. September 2022 12:55

""Ich persönlich finde es schade, mit welcher teilweisen Häme, Arroganz und sogar Hass hier auf diesen Seiten die alten Bundesländer oftmals einfach verloren gegeben werden.""

@RMH

Zustimmung! (schreibt ein Ossi)

Die Unterschiede sollten nicht wegdiskutiert werden, aber diese zuweilen zu beobachtende Ost/West-Front auf SiN ist unangebracht.

 

Niekisch

3. September 2022 13:22

"Die gegenwärtig recht deutlich pro-russische Haltung ist einfach das nächste Kapitel. Es gibt derzeit nun wirklich keinen geeigneteren Weg, um sich politisch zu isolieren."

@ Allnichts 12:00: Steckt nicht hinter der "pro-russischen Haltung" völlig zu Recht bei zumindest einigen am Diskurs Beteiligten der Gedanke, Rußland unter Putin sei ebenso ein absichtlich durch westliche Machenschaften Getriebener wie 1939 Polen, das Schlachtferkel zugunsten des Westens gegen Deutschland zu spielen hatte? Werden nicht auch wir bloß benutzt, um Rußland zu erwürgen? 

Es geht   i m m e r   gegen die sog. Autokraten. 

Unke

3. September 2022 13:27

In der AfD bündeln sich Hoffnungen. Sie darf sie nicht enttäuschen.

Schon passiert. Ich hatte in einer westdeutschen Großstadt um Aufnahme nachgesucht. Ist schon 2 Jahre her. Aufnahme nach Gespräch ohne Begründung (feige sind sie also auch noch) abgelehnt. Vermutung: die AfD in jener Region möchte so etwas wie die prä-Merkel CDU sein und ansonsten alles beim Alten lassen.

Es ist unglaublich. Aber wahr!

Mitleser2

3. September 2022 13:37

@Allnichts: "Die gegenwärtig recht deutlich pro-russische Haltung ist einfach das nächste Kapitel. Es gibt derzeit nun wirklich keinen geeigneteren Weg, um sich politisch zu isolieren."

Dann lesen Sie doch mal zu Ihrer Erhellung das Papier der RAND Corporation von 2019. Da steht schon alles drin. Aber Russland ist natürlich der Böse.

https://www.rand.org/content/dam/rand/pubs/research_reports/RR3000/RR3063/RAND_RR3063.pdf

Gustav

3. September 2022 14:06

@ Allnichts

In diesem System sind sie doch schon politisch isoliert, wenn sie auch nur ein Jota der gegenwärtigen Politik kritisieren. Kritiker sind "Delegitimierer des Staates"!

Das sind politische Verbrecher. Punkt! Da darf man sich nicht mehr um Konsenz bemühen. Damit macht man sich nur mitschuldig. Totale Gegnerschaft! Wer sich von denen auch nur ansatzweise vorschreiben läßt, wie er zu handeln hat, hat schon verloren.

Der Konflikt in der Ukraine beschleunigt das Ende der westlichen Vorherrschaft:

https://www.voltairenet.org/article217860.html

MARCEL

3. September 2022 14:14

Kämpfen!

Tja, die BRD war niemals eine "Kampfgemeinschaft", obwohl sie im Kalten Krieg hätte Schlachtfeld werden können (sogar sollen). Man merkt es dem westdeutschen Menschenschlag bis heute an...

Die DDR war eher eine Kampfgemeinschaft, wenn auch mit viel aufgezwungener staatlicher Nachhilfe: vormilitärische Ausbildung, Junge Pioniere, GST, NVA, Betriebskampfgruppen etc. Auch das merkt man heute noch: Der Osten ist generell kämpferischer.

Vermutlich bleibt irgendwann nur noch eine Art von östlichem Separatismus übrig, der Osten als deutsches "Katalonien" (bloß wie?).

Der Westen? Let them rot!

heinrichbrueck

3. September 2022 14:23

"Geben Sie in Suchmaschinen Merkel und Hitler ein, da kriegen Sie auch "massenhaft Treffer“. Toller Beweis, von den Bots ganz abgesehen."

Zappe ich vor der Glotze herum, kommt früher oder später der Hitlerkanal. Den Merkelkanal habe ich noch nicht gefunden. 

Karl Otto

3. September 2022 14:34

Jedem der sich noch irgendwelche Illusionen über Russland unter Putin macht, sei die Lektüre dieses Buches empfohlen: https://www.amazon.de/Putins-Netz-Russland-zur%C3%BCckholte-Westen/dp/374990328X

Die Autorin war lange Jahre Korrespondentin der Financial Times in Russland und hat mit zahlreichen beteiligten gesprochen. Dabei wird klar, dass Putin vom Anfang seiner Karriere an zutiefst mit der organisierten Kriminalität verbunden war, es ging ihm immer nur ums Plündern, und das Gerede von den russischen Interessen ist ein Witz, Mafiabanden haben keine legitimen Interessen.

Interessantes Licht fällt dabei auch auf Putins Zeit als Chef des KGB in Dresden, Offenbar unterstand ihm auch die Betreuung der RAF in Westdeutschland. Das Attentat auf den Bankier Herrhausen 1989 wurde demnach höchstwahrscheinlich nicht von der RAF, sondern vom KGB ausgeführt. Die deutschen Behörden haben sich ja schon immer gewundert, wie die RAF eine derart komplizierte Aktion durchführen konnte. Der KGB ist bei sowas natürlich deutlich professioneller.

RMH

3. September 2022 16:51

@niekisch,

ich hatte den historischen Vergleich eher so in Erinnerung, dass die Ukraine die Rolle der provozierenden, nationalistischen Polen gibt und Russland die Rolle Deutschlands einnimmt und den wohlfeil präsentierten Köder (Polen/Ukraine) schluckt. In beiden Fällen war der Köderleger der Clevere und der Köderfresser der Dumme - und der Köder war der Dümmste.

Sei´s drum, @Mitleser,

Wenn Sie eine Methode haben, das herrschende Narrativ vom bösen Putin (zumindest Scholz versucht noch zwischen Putin und den Russen zu unterscheiden), der die Ukraine überfallen hat, zu drehen, dann melden Sie sie bitte zum Patent an, denn dann haben sie quasi den Stein der Weisen der politischen Propaganda gefunden.

Ich habe @Allnichts Ausführung "Die gegenwärtig recht deutlich pro-russische Haltung ist einfach das nächste Kapitel. Es gibt derzeit nun wirklich keinen geeigneteren Weg, um sich politisch zu isolieren." schlicht als sehr realistische (und meiner Meinung nach 100% zutreffende) Lageeinschätzung losgelöst von allen Tatsachengrundlagen verstanden.

t.gygax

3. September 2022 17:47

@karl Otto

Zum Attentat auf Herrhausen 1989: kurz vorher war Herrhausen in den USA und sagte sinngemäß " hier ist es lebensgefährlich,hier werde ich erschossen".Wem stand er mit seinen Erfolgen für die Deutsche Bank und mit seinen damals revolutionären Ideen zur Entschuldung der 3. Welt denn in Wege? Doch nicht dem KGB, sondern dem in Washington versammelten Finanzkapital der Ostküste....

Mitleser2

3. September 2022 18:07

@RMH: "...Lageeinschätzung losgelöst von allen Tatsachengrundlagen ..."

Das ist aber eben das Problem, und dieser Lageeinschätzung muss entgegen gearbeitet werden, weil sie in dieser Schlichtheit einfach nicht stimmt. Die Blockparteien werden es nicht tun.

Gelddrucker

3. September 2022 18:26

@Unke

Dann sind Sie an Falsche geraten. Ich bin auch regelmäßig beim Stadtverband einer westdeutschen Großstadt zu Gast und vertrete dort eindeutig Sezessions/Höcke/etc-Positionen und das ohne Probleme. Einzelne "Cuckservative" gibt es dort natürlich auch, aber das von Ihnen geschilderte Szenario ist mir unbekannt.

Maiordomus

3. September 2022 18:35

@RMH. Was Sie von "häretischen Sekten" schreiben, ist leider im Einzelfall schwerlich zurückzuweisen. Ich bin in diesem Zusammenhang dankbar, dass gewisse Formulierungen in dieser Richtung, die noch heute morgen auf dieser Seite prangten, mittlerweile aufgrund von Zurückweisungen  wohl nicht nur von mir (samt meiner diesbezüglichen Kritik, welche durch die Löschung obsolet wird), mittlerweile getilgt wurden. Es gibt nun mal, auch dem "Feind" gegenüber, einen Sprachgebrauch, der nur als serielle Eigentorproduktion eingeschätzt werden kann. Es gibt leider in jedem Lager Leute, die  nicht politikfähig sind. Schlimm genug, d.h. umso schlimmer, dass bei den Grünen einzelne solche sogar an der Macht sind. 

Gimli

3. September 2022 19:32

Mich beeindruckt mittlerweile grüner Konservatismus. Soziologisch ist schon lange bekannt, dass Grüne meist aus bürgerlichen Elternhäusern stammen und Helmut Kohl war seinerzeit neidisch auf deren Besetzung eines genuin konservativen Themas, egal ob man es Umweltschutz oder Bewahrung der Schöpfung nennt. 
Und heute: Grüne “können” Finanzen, können “Verteidigung”.  Ich finde, das gehört anerkannt. 

Allnichts

3. September 2022 20:19

1/3

Niekisch:

Ich unterstelle nicht jedem, der eine eher "pro-russische" Einstellung, vielleicht auch ein entsprechendes Verständnis für den russischen Angriffskrieg zeigt, dieselben Gedankengänge und Interessen. Es gibt eine Reihe von Punkten, die von den hiesigen Eliten zur Seite geschoben werden, welche meiner Ansicht nach als Teil der Problematik diskussionswürdig sind, bspw. die Vergrösserungen von NATO und EU oder die westliche Beeinflussung 2014 etc.

Aber ganz egal, wie nun die gedankliche Grundlage des Einzelnen aussieht, bleiben die Fragen dieselben: War der Anschluss der Krim mittels eines fingierten Referendums gerechtfertigt? War der jahrelange paramilitärische Einsatz Russlands in der Ostukraine gerechtfertigt? War der Plan Russlands, die Ukraine einzunehmen bzw. nun einen grossen Teil der Ukraine anzuschliessen, gerechtfertigt?

Meiner Ansicht nach lautet die Antwort auf alle Fragen: Nein. Russland mag provoziert gewesen sein, es wurde klar als Konkurrent markiert, aber Russland war nie existenziell gefährdet, also nicht aus Not getrieben. Es ist der grösste Staat der Welt, hat eine der grössten Bevölkerungen, unermessliche Bodenschätze, ist eine Atommacht. Im Grunde könnte es ein so gut wie autarkes Paradies auf Erden sein. Niemand wollte es militärisch angreifen.

Allnichts

3. September 2022 20:20

2/3

Neben den obigen konkreten Fragen gibt es aber noch allgemein weltanschauliche: Die Ukraine ist als Staat anerkannt, sie darf als Nationalstaat einen eigenen Willen artikulieren und Partnerschaften anstreben, wie sie will. Die Richtung ist dabei eindeutig, es ist auch klar, dass die Ukrainer nicht unter russischer Knute leben wollen.

Warum wird gemäß rechter und vor allem nationaler Weltanschauung also nicht jenes Volk unterstützt, das sein Recht auf Selbstbestimmung durchsetzen will, sondern der Staat, der genau das verhindern will? Warum wird ignoriert, dass Putin wortwörtlich von Denazifizierung spricht, eine gewisse Sowjet-Nostalgik unterstützt, antifaschistische Grosskongresse abhält und überhaupt erklärtermassen ein multiethnisches, multikulturelles, multireligiöses, eurasisches Grossreich ist, also auch nicht gerade das, was ein europäischer Patriot oder gar Nationalist als vorbidlich betrachten dürfte?

Realpolitik, Geopolitik, amerikanischer, westlicher Imperialismus, alles legitime Einwände. Aber Putin ist doch nun auch kein Unschuldsengel, er ist auch Imperialist, Unterdrücker. Das Bild eines in die Ecke Gedrängten, der sich im letzten Augenblick noch irgendwie wehrt, kommt nicht hin.

Allnichts

3. September 2022 20:40

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Weder Amerika noch Russland, auch bei einer nüchternen Analyse der Weltpolitik und der Kämpfe zwischen den Grossmächten, vielleicht gerade dann. Der "dritte Weg" wäre in diesem Fall die Unterstützung der ukrainischen Nationalisten, welche Sie auf Ihrem Blog - wenn ich es nicht falsch erinnere - im Zusammenhang mit 2014 als Verbrecher und Terroristen bezeichnet haben. Kämpfen diese denn nicht genau jenen Kampf, zu dem wir hierzulande nicht mehr in der Lage sind, für jene Ziele, für die sich hier niemand mehr findet?

Ich möchte dies nicht als persönlichen Angriff auf Sie verstanden wissen, mich verwundert gerade Ihre Ansicht zu der Ukraine-Frage nur ein wenig. Es ist davon auszugehen, dass Sie unter Putin genauso wie ich und einige andere hier ebenfalls Ziel einer Entnazifizierung wären.

Mitleser2:

Ein Verweis darauf, was genau in dem Dokument zu lesen ist, wäre hiflreich gewesen, aber nach einem kurzen Überblick wirkt das Ganze auch so interessant genug, um sich näher damit zu beschäftigen. Die Existenz einer solchen Schrift bedeutet allerdings auch nicht zwangsläufig die praktische Umsetzung durch die Politik.

kikl

3. September 2022 21:00

@Allnichts

Anstatt sich mit der Frage zu beschäftigen, was prorussisch oder proukrainisch ist, sollte man sich einmal mit der Frage beschäftigen, was prodeutsch ist.

Wir müssen auch einmal unsere Interessen vertreten oder glauben Sie ernsthaft, dass die Ukrainer oder Amerikaner für die Deutschen frieren würden?

Gracchus

3. September 2022 21:36

I. @Allnichts, RMH

Wo fängt denn die pro-russische Haltung an? Ist das nicht auch wieder ein mediales Framing? Eine Falle?

Wenn ich mich schon labeln müsste, dann als liberal-konservativ. Aber die Konservativen sind mir entschieden zu brav und harmoniesüchtig. Es gehört zu einem demokratischen Gemeinwesen, sich ordentlich und zivilisiert zu streiten. Und das fehlt (derzeit) ganz entschieden. Wenn man im Voraus Ansichten ängstlich danach filtert, ob das sektiererisch ist oder nicht, hat man sich selber schon ausgebremst, und den verordneten Konsens wird man so nicht knacken. Das soll nicht heißen, dass man keine taktische Klugheit walten lässt. Nur mit konservativer Harmoniesucht erreicht man nichts.

Man stelle sich vor, Linke wären so bei Durchsetzung der Homo-Ehe vorgegangen. Irgendwann war so etwas wie Homo-Ehe noch sektiererisch. 

 

 

Gracchus

3. September 2022 21:54

II. @Allnichts, RMH

Ich bin auch für einen weitgehenden Interessenausgleich, aber dazu muss man erst mal lautstark seine Interessen artikulieren - und sich um die beste Lösung streiten. Die ist dann zwar nicht garantiert, aber anders ist sie von vornherein ausgeschlossen.

Es geht ja auch nicht in erster Linie um pro-russisch oder pro-ukrainisch. Es geht darum, wie sieht die deutsche Perspektive aus. Die deutsche Regierung will Russland ruinieren - de facto bibbert man, dass Putin nicht den Gashahn zudreht, und fliegt um Gas bettelnd um die Welt. Die jetzigen wirtschaftlichen Turbulenzen beruhen auch nicht sämtlich auf dem Ukraine-Konflikt. Das wird etwas verschleiert. Putin kann aber nichts für die unsinnige Energiewende, für die unsinnigen Lockdowns und für die EZB-Politik. 

Laurenz

3. September 2022 22:42

@Allnichts @Niekisch

War der Plan Russlands, die Ukraine einzunehmen bzw. nun einen großen Teil der Ukraine anzuschließen, gerechtfertigt? Meiner Ansicht nach lautet die Antwort auf alle Fragen: Nein.

Sie haben einfach nicht verstanden. Das spielt alles keine Geige. Die Russen haben schon sehr lange kommuniziert, sie tolerieren keine weitere Nato-Osterweiterung. Damit waren die Debatten eben im Februar beendet. Sie werden auch beendet bleiben.

Angenommen, Sie wollen, daß die Amis hier abziehen. Dann interessiert das auch die Amis einen Scheiß'. Darüber ist jede Debatte sinnentleert, außer, Sie besitzen eine nennenswerte militärische Option, von der noch keiner was weiß. In diesem Falle sind wir alle hier schon sehr gespannt.

Gracchus

3. September 2022 23:09

@Karl Otto

Interessant, dass Belton in dem Interview den Verdacht äußert, KGB und Stasi könnten nach Auflösung von DDR und SU (informell) weiter existiert haben. Imaginiert nicht Tellkamp in seinem neuen Roman dergleichen? Sie erwähnt den EX-Stasi-Offizier Wernig, Chef von NS1 und NS2, Putin- und Merkel-Freund. 

Ich frage mich: ob nicht das illiberale Meinungsklima nicht auch auf das Wirken von Ex-Stasi-Leuten zurückzuführen ist - und sich darin also ein alter DDR-Konflikt fortsetzt. Wenn sich Ex-DDLer an die DDR erinnert fühlen, könnte das auch auf personellen Kontinuitäten beruhen. 

 

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