Gorbi

Mit Gorbatschow wuchsen unsere letzten, höchst trügerischen sozialistischen Hoffnungen, mit ihm endeten sie abrupt.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

Um noch ein­mal Ander­sens Mär­chen als treff­li­ches Gleich­nis auf­zu­ru­fen: Gor­bat­schow war nicht das Kind, das aus­sprach, der Kai­ser sei ja nackt; er war der Kai­ser selbst, der den Mut hat­te, die­se Pein­lich­keit an sich zu bemer­ken – jeden­falls in sei­ner ihm zuge­fal­le­nen Rol­le als Reprä­sen­tant des Sowjetsystems.

Nur lief er noch ein paar Jah­re wei­ter sei­nen eige­nen, also den gefähr­li­chen leni­nis­ti­schen Illu­sio­nen nach, ein roter Roman­ti­ker, der mein­te, kehr­te man nur kon­se­quent zu den Ursprün­gen der Sowjet­uni­on zurück, könn­te man einen Neu­an­satz wagen. Wer aber an den Beginn eines Alp­traums zurück­kehrt, träumt ihn noch mal, aller­dings anders – in die­sem Fall als Unter­gang, nicht als Neubeginn.

Wir Mit­te der Sech­zi­ger in den DDR-Sozia­lis­mus Hin­ein­ge­bo­re­nen waren 1985 um die zwan­zig Jah­re alt. Im Novem­ber 1982, kurz nach mei­ner Ein­be­ru­fung zu den Streit­kräf­ten, war Leo­nid Bre­schnew gestor­ben, das alte Gesicht der kran­ken UdSSR. Ein­ge­rückt in den Fern­seh­raum, ver­folg­ten wir die Trau­er­fei­er im naß­kalt grau­duns­ti­gen Mos­kau und hör­ten den Trau­er­marsch von Cho­pin.

Kei­ne drei Jah­re spä­ter las ich in einer Kaser­ne der Grenz­trup­pen im „Neu­en Deutsch­land“ Gor­bat­schows Rede auf den ver­stor­be­nen Tscher­nen­ko und spür­te, sen­si­bi­li­siert im Wahr­neh­men von poli­ti­schen Zwi­schen­tö­nen, irri­tiert einen ganz neu­en Duk­tus. Was ich zu die­sem Zeit­punkt aller­dings nicht anneh­men konn­te: Nur vier Jah­re spä­ter über­quer­te ich die dann bereits offe­ne Gren­ze an genau jener Stel­le der Elbe, wo ich sie von 1982 bis 1985 noch „gesi­chert“ hat­te – in Ergeb­nis des Wir­kens eben jenes Michail Gor­bat­schow, des­sen Rede mich so ver­blüfft hatte.

Zwi­schen­durch, in den letz­ten expres­sio­nis­tisch-wir­ren Jah­ren DDR-Sozia­lis­mus, erhitz­ten wir uns in Gesprä­chen über die Pere­stroi­ka und Glas­nost. Zunächst etwas hoff­nungs­be­sof­fen (“Gobi, Gor­bi!”) anneh­mend, es wol­le sich etwas Ent­schei­den­des bewe­gen. Was sich dann aber tat­säch­lich beweg­te, hat­ten wir so nicht erwar­tet. Stahl­be­ton läßt sich nun mal nicht umbau­en, schon gar nicht schnell; er reißt allen­falls und bricht zusammen.

Plötz­lich gab es sowje­ti­sche Bücher, plötz­lich gab es sowje­ti­sche Fil­me, die zeig­ten, daß das „Land Lenins“ eben nicht einer lich­ten Zukunft ent­ge­gen­schritt, son­dern ein Reich der Fins­ter­nis war. Ins­be­son­de­re “Die Vogel­scheu­che” von Rolan Bykow beein­druck­te mich enorm. Einen Umbau wür­de es, ahn­ten wir bereits, nicht geben kön­nen, und der end­lich unver­stell­te Blick in die Geschich­te zeig­te mons­trö­se Ver­bre­chen und offen­bar­te har­te Lügen, u. a. jene über das Zusatz­pro­to­koll des Hit­ler-Sta­lin-Pak­tes und somit über Katyn. Wer nach­dach­te, war eher geschockt als befreit.

Alles, was jahr­zehn­te­lang so durch­ge­ro­chen hat­te, Sta­lins Ter­ror, der so aller­dings nur im Lenin­schen Betriebs­sys­tem mög­lich war, die depres­si­ve Sta­gna­ti­on unter Bre­schnew, das Elend, die Bru­ta­li­tät, der Wod­ka-Suff, all das, was, wur­de es behaup­tet, in der offi­zi­el­len DDR als „hys­te­ri­scher Anti­so­wje­tis­mus“ zurück­ge­wie­sen wur­de, erwies sich als: Wahr!

Der geschmäh­te Sol­sche­ni­zyn, beka­men wir kon­ster­niert mit, hat­te mit dem, was sei­ne Roma­ne beschrie­ben hat­ten, völ­lig Recht. Den „Archi­pel Gulag“ gab es, und gewis­ser­ma­ßen kreuz­ten wir als Schiff­jun­gen immer noch in sei­nen Gewäs­sern. Und ein ande­res wich­ti­ges Buch half uns spä­ter, den Sowjet­kom­mu­nis­mus end­lich rich­tig zu begrei­fen – Geor­ges Orwells „Farm der Tie­re“. Gran­di­os. Kein Wun­der, daß es den Band bei uns nicht gege­ben hatte.

Abge­se­hen von stets über­schätz­ten nur wirt­schaft­li­chen Schwie­rig­kei­ten und dem im nach­hin­ein viel­fach beklag­ten Man­gel: Allein schon mit die­ser Last, mit den zu Tage lie­gen­den Lebens­lü­gen, mit die­sem Lei­chen­ge­ruch, der den Sozia­lis­mus durch­zog, konn­te es kei­ne Wei­ter­ent­wick­lung geben. Aber noch bevor wir das rich­tig erkannt hat­ten, wur­de dem „sozia­lis­ti­schen Welt­sys­tem“ von Mos­kau aus der ideo­lo­gi­sche Stark­strom abge­stellt und die Bre­schnew-Dok­trin beendet.

Nur des­we­gen konn­te das begin­nen, was heu­te als „hel­den­haft“ mytho­lo­gi­siert wird, die Rei­he der – mit Aus­nah­me Rumä­ni­ens – „fried­li­chen Revo­lu­tio­nen“. Als klar war, die „Grup­pe der sowje­ti­schen Streit­kräf­te in Deutsch­land“ wür­de in den Kaser­nen blei­ben, gab es in der DDR kein Hal­ten mehr: Erst war im frü­hen Herbst 1989 die Bür­ger­be­we­gung auf der Stra­ße, im spä­ten dann „das Volk“, das, stets prag­ma­tisch, kei­ne neu­en Expe­ri­men­te wünsch­te, son­dern den Bei­tritt zur Bun­des­re­pu­blik. Bes­ser ein öko­no­misch bewähr­tes Modell als neue poli­ti­sche Träumereien.

Heu­te heißt es, gesucht wur­den Frei­heit und Demo­kra­tie. Mag ja sein, dies aber bit­te in Gestalt von D‑Mark, Super-Markt und Mit­tel­meer-Rei­sen. Bereits im Som­mer 89 hat­ten mei­ne Lands­leu­te den Bot­schafts­gar­ten der Pra­ger Bot­schaft bela­gert wie spä­ter die Flücht­lin­ge Lam­pe­du­sa. Bis ihnen Hans Diet­rich-Gen­scher erschien. Spä­ter hieß es in Leip­zig: „Coca-Cola, Büch­sen­bier – Hel­mut Kohl wir dan­ken dir!“

Gor­bat­schow nahm all das hin und han­del­te in Strick­ja­cke mit dem gro­ßen Kanz­ler die Bedin­gun­gen einer Über­ga­be aus. Wir waren plötz­lich auf uns gestellt, regis­trier­ten nach dem jähen Ende des Kal­ten Krie­ges die welt­wei­te Ent­span­nung und atme­ten auf, aber wir fan­den uns in einer ganz ande­ren Welt wie­der. Aus unse­rem Land war das „Bei­tritts­ge­biet“ gewor­den. Die gro­ße “Aus­ein­an­der­set­zung der Sys­te­me“ hat­ten wir offen­bar ver­lo­ren. Was blieb? Sich an den Wes­ten zu hal­ten, also die Treu­hand wal­ten und die Loka­to­ren kom­men zu las­sen, die mit der Land­nah­me den Anschluß an den Markt ermöglichten.

Die Bun­des­re­pu­blik war über Jahr­zehn­te nicht nur das ganz ande­re Deutsch­land gewe­sen, nicht nur ein Sehn­suchts­ort aus dem West­fern­se­hen, son­dern auch der Feind. Der stell­te uns nun alle gewis­ser­ma­ßen als Neu­bür­ger ein, über­prüf­te unse­re Taug­lich­keit, und wir wur­den „frei“ als Bun­des­bür­ger für den Welt­markt geheu­ert. Inso­fern hat­ten wir uns ganz neu zu fin­den und auszurichten.

Ein Gedicht Vol­ker Brauns (* 1939) emp­fand ich frü­her als passend:

Das Eigen­tum

Da bin ich noch: mein Land geht in den Westen.
KRIEG DEN HÜTTEN FRIEDE DEN PALÄSTEN.
Ich sel­ber habe ihm den Tritt versetzt.
Es wirft sich weg und sei­ne mag­re Zierde.
Dem Win­ter folgt der Som­mer der Begierde.
Und ich kann blei­ben wo der Pfef­fer wächst.
Und unver­ständ­lich wird mein gan­zer Text
Was ich nie­mals besaß, wird mir entrissen.
Was ich nicht leb­te, werd ich ewig missen.
Die Hoff­nung lag im Weg wie eine Falle.
Mein Eigen­tum, jetzt habt ihrs auf der Kralle.
Wann sag ich wie­der „mein“ und mei­ne alle.

Mit Gor­bat­schow ende­te die trü­ge­risch welt­ge­schicht­li­che Pau­se, in der wir auf­ge­wach­sen waren. Die dua­le Welt, Ost und West, gab es nicht mehr. So schien es. Längst wis­sen wir: Die Pola­ri­tät blieb erhal­ten. Der Ukrai­ne-Krieg zeigt es.

Gor­bat­schow hat­te – dar­in eine tra­gi­sche Gestalt – einen neu­en Sozia­lis­mus inspi­rie­ren wol­len. Aber jenen Sozia­lis­mus, den wir erlebt hat­ten und der uns präg­te, hat­te es eben nur so, und zwar genau so geben kön­nen, wie er sech­zig Jah­re exis­tier­te – in der düs­te­ren sta­li­nis­ti­schen Unter­drü­ckungs­va­ri­an­te. Ein ande­rer war und ist nicht möglich.

Als wir in den Wes­ten kamen, erschien der uns als star­ker Sie­ger. Erst nach und nach beka­men wir mit, wie erschöpft die­ser Wes­ten war. Wäh­rend sich die DDR bei­na­he ver­zwei­felt dar­um bemüht hat­te, eine Nati­on zu wer­den, woll­te die Bun­des­re­pu­blik genau dies nicht mehr sein. Sie gab sich preis – der „euro­päi­schen Idee“, der Über­zahl kul­tu­rell kaum zu inte­grie­ren­der Migran­ten, dem Glo­ba­lis­mus. Wir bemerk­ten, wie inef­fi­zi­ent und ideo­lo­gisch über­frach­tet das Bil­dungs­sys­tem war, und daß es das, was wir etwas ver­zagt erwar­tet hat­ten, so nicht mehr gab: Leis­tungs­ori­en­tie­rung und Leistungsgesellschaft.

Mitt­ler­wei­le leben wir sogar wie­der in einer weit­ge­hend durch­i­deo­lo­gi­sier­ten Gesell­schaft, die von einer „woken“ Kul­tur­re­vo­lu­ti­on geprägt wird, der sich die Ein­heits­front der selbst­er­klärt demo­kra­ti­schen Par­tei­en anschließt.

In der spä­ten Gor­bat­schow-Zeit implo­dier­te die Sowjet­uni­on. Die Rus­si­sche Föde­ra­ti­on, die dar­aus her­vor­ging, schei­ter­te in den Neun­zi­gern beim chao­ti­schen Ver­such, in eine Markt­wirt­schaft und in eine Demo­kra­tie nach west­li­chem Vor­bild zu wech­seln. Die Ära Jel­zin war ein Desas­ter, die weni­gen Jah­re der Frei­heit führ­ten eben nicht zu neu­er Sta­bi­li­tät, son­dern ver­stärk­ten Flieh­kräf­te. In gewis­ser Wei­se blieb Ruß­land das, was es immer gewe­sen war, eine frem­de Welt im Osten – auto­kra­tisch, melan­cho­lisch, eine unheim­li­che Wei­te – und so oder so beein­dru­ckend. Und sann man drü­ber nach, begann man eine der Melo­dien im Moll zu sum­men, die einem von frü­her ver­traut sind.

Daher klingt in mir öfter mal nach, womit wir bei einer Begeg­nung im dama­li­gen 121. Panzer­re­gi­ment in der Nähe von Lud­wigs­lust aus Laut­spre­chern beschallt wurden.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

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Kommentare (32)

Franz Bettinger

1. September 2022 13:52

Schöner Text! Die Ost-West-Polarität blieb nur erhalten, weil die US (und dahinter der deep state - so muss man heute sagen) es so brauchten und wollten. 

Schobbepetzer

1. September 2022 14:41

Anbei ein interessanter Vortrag zum Themas Geopolitik, auch mit Bezug zu der Umbruchzeit von damals und die Denke der damals verantwortlichen Leute in den USA.

https://www.youtube.com/watch?v=CTNnqhdEeKU&feature=youtu.be

 

Laurenz

1. September 2022 14:58

@HB

Gorbi war staatspolitisch ein Versager. Ihm fehlte es an Weltsicht. Global gab es auch Mitte der 80er genügend Beispiele des permanenten Scheiterns kapitalistischer Staaten. Gorbi entschied falsch. Er veränderte die politische Szenerie zu mehr Liberalismus, anstatt die Politik zu lassen, wie sie war & die Ökonomie relativ zu liberalisieren. Wie Sie selbst schreiben, ist der Unmut sozialistischer Bevölkerungen auf die materielle Lage bezogen gewesen. & es gab bereits einen Staatsmann, der das erfolgreich durchzog. Deng Xiaoping, weltweit wohl der erfolgreichste Politiker aller Zeiten, wurde 1978 informelle Nummer 1 Chinas. China braucht heute keinen antifaschistischen Schutzwall. 400 Mio. Chinesen kehren jedes Jahr freiwillig aus dem Auslandsurlaub zurück. Aber Deng ließ bei Studentenunruhen die Panzer rollen. So, wie Deng China, hätte Gorbi den Warschauer Pakt entwickeln können. Dann hätten natürlich die Deutschen aus BRD & DDR mutmaßlich nur unter Neutralität, gerade mit Reisefreiheit, sich wiedervereinigen können. Vor allem hätte der Warschauer Pakt, der schuldenfinanzierten Rüstung Reagans Paroli bieten können. Gorbi hat das aber bis zum Tode nie begriffen, er war bis zum Schluß auf die Politik & nicht auf die Ökonomie fixiert.

RMH

1. September 2022 15:31

Was bei den Bosselmannschen Damals-Heute Vergleichen regelmäßig auffällt ist, dass die Zeit bis 89 recht differenziert und sich entwickelnd dargestellt wird und dann der Kontrast zu heute mehr oder weniger so dargestellt wird, als ob dazwischen keine mittlerweile fast 33 Jahre lägen und als ob das Heute quasi die BRD von bis 89 wäre. Die alte "BRD" endete auch 1990, dies wird gerne übersehen und erscheint vor dem Hintergrund des sog. "Beitritts" auch erst einmal nicht schlüssig, aber es ist so. Gerade die 90er und frühen 0er Jahre waren mit die freiesten, die Deutschland je erleben durfte. Das Teilen der mitteldeutschen Bevölkerung in ihren Betrieben in dieser Zeit der Stuhl recht kalt vor die Tür gesetzt wurde, ist als traumatisierender Fakt dabei natürlich nicht zu vergessen. Aber: So wie es heute ist, hat mittlerweile auch eine recht klare Entwicklung, die man nicht einfach weglassen kann und hart gegen die Zeit der DDR spiegeln kann. Vieles vom Heute hat auch nicht seine primären Ursachen in der Wiedervereinigung Deutschlands (auch wenn Weichen bereits damals gestellt wurden) oder im "System" BRD, sondern in konkreten, politischen Fehlentscheidungen der gesamtdeutschen Regierungen ab 1990. Man könnte jetzt vieles aufzählen, angefangen mit dem Zulassen der Aufweichung der sog. Maastricht-Kriterien, aber dazu reichen 1500 Zeichen nicht.

Niekisch

1. September 2022 16:03

The same procedere as every era: bitte nicht Michail Gorbatschow zu verstehen versuchen, sondern Alexander Jakowlew u.a: Interview mit dem ehemaligen Botschafter der UdSSR in der BRD, Valentin Falin: „Die Viererbande“ und Gorbatschow (news-front.info) 

Wie jetzt im Falle Ukraine mischten schon damals die USA kräftig mit, um Rußland abzuwürgen.

Gustav Grambauer

1. September 2022 17:04

Hier der Arzt am Sarg des Toten, nicht im Katharinensaal oder wie früher im Säulensaal des Gewerkschaftshauses - sondern der Tote wurde dazu in der Kremlklinik belassen. Symbolik muß sein.

- G. G.

Herbstwind

1. September 2022 17:23

Ich kann mich an den Spruch meines (lange verstorbenen) Vaters nach der Wiedervereinigung erinnern, dass jetzt der Kapitalismus sein wahres Gesicht zeigen werde, da die Konkurrenz zum Sozialismus nicht mehr bestünde.

Ich habe das damals gar nicht verstanden. Inzwischen weiß ich, was er meinte. 

 

Niekisch

1. September 2022 18:34

"Hier der Arzt am Sarg des Toten,"

@ Gustav Grambauer 17:04: Innerer Anteilnahme mit seelischer Erschütterung sieht anders aus. 

Laurenz

1. September 2022 18:45

@Herbstwind

da die Konkurrenz zum Sozialismus nicht mehr bestünde.

Ihr Herr Vater war einfach ein logisch denkender Mann. Mit dem Zusammenbruch der bipolaren Welt gab es keinen Grund mehr, ein Wohlstandsgefälle aufrecht zu erhalten. Und das, obwohl die Kosten der heutigen Buntewehr seinerzeit um ein vielfaches höher lagen.

RMH

1. September 2022 19:02

Wie jetzt im Falle Ukraine mischten schon damals die USA kräftig mit, um Rußland abzuwürgen.

Eine Feststellung, die nun wahrlich für maximale Überraschung bei allen hier Mitlesenden und Schreibenden sorgt. Nannte sich die Periode nicht - wie hieß das gleich - kalter Krieg?

"oder wie früher im Säulensaal des Gewerkschaftshauses"

@G.G.

da wird er dann zur offiziellen Trauerfeier am Samstag aufgebahrt.

Zum Thema:

Insgesamt können wir Deutsche unter dem Strich nach wie vor zufrieden sein, dass es die Chance zur Wiedervereinigung gab und diese umgesetzt wurde. Gorbatschow hat daran unbestreitbar seinen Anteil und wenn ihn die Russen oder Altkommunisten sonstiger Herkunft dafür nicht mögen oder nachtreten müssen - kann uns doch egal sein. Aus welchen Motiven dies geschah, ist ebenfalls eher zweitrangig. Was aus der Einheit aber von deutschen Politikern gemacht wurde, da dürfen wir nicht immer auf irgendwelche Strippenzieher aus dem Ausland zeigen. Die Damen und Herren, die uns bis zum Stand heute so "erfolgreich" geführt haben, dürfen nicht aus der persönlichen Verantwortung mit Blick auf Dritte gelassen werden. "Vasallentum" hin oder her - sie hatten und haben ihren Gestaltungsspielraum und es kommt darauf an, wie man diesen nutzt.

Allnichts

1. September 2022 19:58

Im Ausland geschätzt, im Inland verhasst, wie man immer wieder hörte.

Vielleicht fällt Putin die öffentlich dargestellte Trauer im Fall des Lukoil-Managers leichter. Dieser ist kürzlich auf natürliche Weise aus einem Fenster gefallen und kam dadurch ums Leben, eine Todesart, die bei der russischen Wirtschaftselite nicht unbeliebt ist. Überhaupt haben sich in diesem Jahr viele aus der russischen Oberschicht versehentlich erhängt, erschossen oder erstochen. Bei Gorbatschow war man gnädiger, Putin dürfte dennoch nicht allzu bestürzt über dessen Tod sein.

Gotlandfahrer

1. September 2022 21:46

@ Herbstwind:

dass jetzt der Kapitalismus sein wahres Gesicht zeigen werde, da die Konkurrenz zum Sozialismus nicht mehr bestünde

1/2

Man kann es auch so sehen: Vielleicht fand die Konkurrenz auf anderer Ebene statt und der Sozialismus war nur die Waffe, um den Wettbewerber auszuschalten.  Denn der „Sozialismus“ kann vorhersagbar nur so funktionieren, wie er funktioniert hat, inklusive seiner psychedelischen Anziehungskraft auf Menschen, die weder Eigentum aufweisen noch arbeiten wollen und die in seiner rücksichtslosen Propagierung ihre einzige sinn- und einnahmenstiftende Lebensaufgabe sehen.  Wenn wir den Sozialismus als den zugefügten Virus betrachten, der den Wirt schwächen sollte, fiel mit dem Kollaps des russischen Wirtes nicht der Virus als Konkurrenz weg, sondern das russische Volk war da, wo der Gegner es hinhaben wollte.  Das deutsche Volk hatte man schon zuvor dort, und dieses drohte auch nicht unter der Schockaustreibung des russischen Mitbringsels ungewollt zu gesunden, denn dafür hatte man die andere Waffe, den Kapitalismus amerikanischer Prägung, längst per Zwangsimpfung in die westliche Herzkammer injiziert, so dass sich dieses Gift nun auch in der anderen Hälfte des darniederliegenden Körpers ausbreiten konnte. 

Gotlandfahrer

1. September 2022 21:49

2/2

Nur gelang die Folgeinfektion des russischen Volkes zu seiner vollumfänglichen Überwältigung nicht so, wie es hierzulande angesichts des mit uns herumgeschobenen Dauerinfusionsständers sichergestellt war.  Der russische Patient scheint sich vielmehr erstaunlich gut erholt zu haben, hat lediglich – ob wirklich oder aus taktischen Gründen vorgespielt – nicht verstanden, dass sein vorheriger stolzer Bauchumfang nur eine Art Hungerödem war, eine durch Faulgase aufgeblähte Hülle, der man jetzt, schlank und rank auf agiles Maß herunterdiszipliniert, nur vermisst, weil die alte Gewichtsklasse nicht mehr erreicht wird.  Der auch von HB so anschaulich geschilderte, emotional nachvollziehbare Phantomschmerz amputierter, vermeintlicher DDR-Identität, so warm sie in der Nische aber eben doch uneigen gewesen sein mochte, ist womöglich nur Ergebnis kalten Entzugs, während schon längst die halluzinogene Wirkung des US-Kapitalismus wirkt.  Dieser ist selbst aber ebenfalls nicht Gesicht, sondern nur Biowaffe eines gemeinsamen Gegners, den zu benennen uns noch nicht abschließend gelungen ist.

ede

1. September 2022 21:50

"Als klar war, die „Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland“ würde in den Kasernen bleiben, gab es in der DDR kein Halten mehr".

Genauso ist es. Gleichwohl bestand auf den Straßen von Leipzig ein nicht unerhebliches Restrisiko. Das Westfernsehen hat praktisch live die Gebrauchsanweisung vervielfältigt und in alle Wohnzimmer von Rügen bis in den Thüringer Wald übertragen.

Ja, und die Genossen haben das natürlich auch gesehen und abgewogen: eventuell am Baum hängen oder etwas Wendehalsen und auch nach Mallorca reisen & VW fahren.

ede

1. September 2022 22:54

@RMH:

"...als ob das Heute quasi die BRD von bis 89 wäre. Die alte "BRD" endete auch 1990, dies wird gerne übersehen und erscheint vor dem Hintergrund des sog. "Beitritts" auch erst einmal nicht schlüssig, aber es ist so."

Ganz entscheidender Sachverhalt zum Verständnis unserer heutigen innen- und geopolitischen Lage.

Selbstverständlich war die Bundesrepublik ab 1945 Vasall der USA und militärisch besetzt. Vordergründig aber, und zwar von Deutschen in Ost und West, wurden die Amis zu Recht als Schutzmacht und Verbündete gegen Stalins Sowjetunion empfunden.

Eine AfD Regierung hätte keine andere Politik als Adenauer betrieben (dem Neutralitätsmodell hätten die Amerikaner nie zugestimmt und Stalin hatte fraglos eine spezielle Neutralität im Sinne).

Nach 1990 gab es aus Sicht der USA besser geeignete Verbündete, Polen, das Baltikum und die Ukraine. Das erkennt man am Abbau der Bundeswehr, der Abschaffung der Wehrpflicht und allg. kultureller Entmilitarisierung.

Was nun wiederum nicht bedeutet, daß wir zu nichts nutze sind. Das schon, nämlich als Zahlmeister.

Diesen Wandel zum ganz speziellen Verbündeten, haben viele Bundesrepublikaner nicht realisiert. Es ist schlicht die Lebenslüge der Bundesrepublik.

 

Gotlandfahrer

1. September 2022 23:30

@ Laurenz

Gorbi war staatspolitisch ein Versager.

Ich bin als Mensch zu klein, um diesen Reichsfürsten so zu beurteilen. Ich war auch nicht in der Sauna dabei. Ich weiß nur: Gorbi war da, als die Wiedervereinigung geschah, und er hat sie mindestens nicht verhindert. Er hat auch diesem geisteskranken Spuk in der Sowjetunion ein Ende bereitet. Er hat in seinen Memoiren beschrieben, wie ihn ein deutscher Soldat als Jungen gut behandelt hat.  Allein wegen dieser Bilanz ist er ein außergewöhnlicher Mensch.  Für mich als Deutscher ist die Wiedervereinigung, selbst wenn es in der Ausführung Plan feindlicher Mächte gewesen sein sollte, der erste Wunsch schon meiner fortgeschrittenen Kindheit gewesen, sobald ich wusste, dass es eine Welt außerhalb der Sesamstrasse und Carrerabahnen gibt. Ich verstehe, dass Russen ihn als Sündenbock brauchen.

Ich bin ihm dankbar. Mir bleiben seine Augen in Erinnerung, seine warme Physiognomie, auch die seiner Raissa. Eines Tages werden auch die geschätzten Russen erkennen, dass es besser war ihn zu haben, als ihn nicht zu haben. 

Danke Gorbi, Du hast Deine Russen geliebt, ohne uns Deutsche zu hassen! 

Laurenz

1. September 2022 23:42

@Ede

"Als klar war, die „Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland“ würde in den Kasernen bleiben, gab es in der DDR kein Halten mehr".

Das ist alles mehr oder weniger irrelevant. Das Politbüro der DDR & die Ebenen darunter bekamen von der Bundesregierung mit einem Papier non grata Straffreiheit zugesichert. Daher wurden Verbrecher, wie Manfred Stolpe, nicht belangt. Wäre das nicht passiert, hätte die NVA den Schießbefehl erhalten.

Laurenz

2. September 2022 00:11

@Allnichts

eine Todesart, die bei der russischen Wirtschaftselite nicht unbeliebt ist.

https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_assassinated_American_politicians

& hier weltweit

https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_assassinations

Nicht alle Milliardäre sterben im Alter über 75.

https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&cad=rja&uact=8&ved=2ahUKEwjVz8mdzfT5AhVYSfEDHfvWADwQFnoECCUQAQ&url=https%3A%2F%2Fwww.forbes.com%2Fsites%2Frachelsandler%2F2021%2F12%2F31%2Fthe-billionaires-who-died-in-2021%2F&usg=AOvVaw3tWb_HkYC9qEJap3DYmuHW

Laurenz

2. September 2022 08:01

@Gotlandfahrer @L.

„Wer die Sowjetunion nicht vermißt, hat kein Herz. Wer sie sich zurückwünscht, keinen Verstand.“

Das ist wohl das berühmteste Zitat Putins.

Wenn auch für einen wahren! deutschen Patrioten das Vaterland das wichtigste überhaupt ist (auch wichtiger als irgendein Gott), also Deutschland zuerst, so dürfen wir hier sehr wohl über Staatspolitik nachdenken.

Die Russen, wie auch Sie, vergessen gerne, daß es hier auch um viel Geld ging, in einer Zeit als unser Geld noch einen Wert darstellte.

Auch wenn Putin relativ autoritär regieren mag, so hat Er Sich doch weitestgehend in Seinen Möglichkeiten an das gehalten, was ich über Deng Xiaoping geschrieben hatte.

Und ohne die US-Amerikaner hätte die Wiedervereinigung nicht funktioniert. Die US Amerikaner machten ein Geschäft. Sie haben mit der Wiedervereinigung ihre Einflußsphäre nach Osten verlegt, den Briten & Franzosen Schweigen geboten, den Froschfressern den Euro zugestanden. Unter einer Neutralität hätten die Amis das nie akzeptiert.

Und unter den jetzigen Bedingungen, die wir erleben müssen, stellt sich die Frage, ob es nicht doch besser für alle bekennenden Deutschen gewesen wäre, wenn die DDR noch existieren würde.

Allnichts

2. September 2022 09:43

Laurenz:

Das sind etwas schiefe Vergleiche. In den Listen auf Wikipedia geht es um ganz andere Zeiträume, nicht immer um Top-Leute und vor allem auf der zweiten oftmals um Attentate ohne jeden politischen oder wirtschaftlichen Hintergrund. In dem Forbes-Artikel geht es hauptsächlich um Reiche, die altersbedingt gestorben sind.

Es steht ausser Frage, dass nicht nur der russische Staat unliebsame Personen tötet, sondern bspw. auch der US-amerikanische, allerdings fällt die Häufung merkwürdiger Todesfälle bei Angehörigen der russischen Elite auf. Dahinter können teilweise auch andere Leute als irgendwelche KGB-FSB-Agenten stecken, doch dürfte sich hier niemand Illusionen über die Methoden des russischen Staates machen.

RMH

2. September 2022 09:53

"Und unter den jetzigen Bedingungen, die wir erleben müssen, stellt sich die Frage, ob es nicht doch besser für alle bekennenden Deutschen gewesen wäre, wenn die DDR noch existieren würde." @L, Die Einheit war ein Zeitfenster, welches kurz offen war und es war richtig, dieses zu nutzen. Im Übrigen habe ich in meinen Beiträgen bereits darauf hingewiesen, dass man nicht alles auf die großen Zusammenhänge, auf äußere Mächte, Weltwirtschaft etc. schieben kann sondern recht deutlich feststellen darf, dass Deutschland Handlungsspielräume hat und auch eigene Entscheidungen treffen kann. Wenn man das verneint, dann kann man sich die ganze AfD sparen, denn dann wäre sie nur Kasperletheater zur Kanalisierung und Steuerung von Opposition im Sinne äußerer Mächte. Das eine Merkel bspw. 2015 alle rein gelassen hat, war eine, so wie es aussieht, sogar persönliche Fehlentscheidung. Dafür ist sie verantwortlich. Wie ich oben schon geschrieben habe, die Fehler sind allen bekannt und lassen sich an einer langen Liste aufzählen, man hätte überall auch anders, mindestens aber für Deutschland günstiger entscheiden können. Entlassen wir diese Politiker nicht aus ihrer Verantwortung!

Maiordomus

2. September 2022 13:20

PS. Mir ist schon aufgefallen, wenn die Debatte eher kontraproduktiv lief, dass sie dann halt schlicht eingestellt wurde. Auch ich habe schon Aussagen getätigt, die nachweisbar nicht in diese Seite zu passen scheinen. 

Imagine

2. September 2022 13:27

@Laurenz 1. September 2022 14:58
„Gorbi war staatspolitisch ein Versager. Ihm fehlte es an Weltsicht. … Deng Xiaoping, weltweit wohl der erfolgreichste Politiker aller Zeiten, wurde 1978 informelle Nummer 1 Chinas. China braucht heute keinen antifaschistischen Schutzwall. 400 Mio. Chinesen kehren jedes Jahr freiwillig aus dem Auslandsurlaub zurück.“

Eine unterkomplexe Sichtweise.

Gorbatschow hat durch die Kapitulation der Sowjetunion die Menschheit vor atomarer Selbstzerstörung bewahrt. Das ist sein welthistorischer Verdienst.

Die Führung der KPCh hat die ganze Welt überlistet, denn alle glaubten, dass China unter Deng ein kapitalistischer Staat werden wird. Die K-Gruppen, insbesondere die Maoisten, haben China vorgeworden, die Revolution und den Sozialismus verraten zu haben und den Kapitalismus wieder einzuführen..

Erst in Zukunft wird man begreifen, was Gorbatschow für die Menschheit geleistet hat.

Laurenz

2. September 2022 16:00

@Maiordomus

Mir ist schon aufgefallen, wenn die Debatte eher kontraproduktiv lief, dass sie dann halt schlicht eingestellt wurde. Auch ich habe schon Aussagen getätigt, die nachweisbar nicht in diese Seite zu passen scheinen.

Ich denke nicht, daß Produktivität oder mangelnde Produktivität für das Durchfallen von Beiträgen vordergründig verantwortlich sind. Es geht hier um subjektive, wie auch objektive Befindlichkeiten in der Redaktion ob des Inhalts.

Das hat einerseits mit Kopfschuß-Parolen mancher Forumsteilnehmer im sich immer totalitärer gebärdenden Staat Bunterepublik Deutschland zu tun & andererseits mit der persönlichen Befindlichkeit der antik-sozialistischen Redaktion zu tun, die vieles ist, aber nur nicht rechts. Politisch gibt es nur leichte Annäherungen an das Konservative. Im wesentlichen ist die SiN-Redaktion links.

Egal, wer jetzt in der Redaktion gerade Dienst zur Freigabe der Beiträge schiebt, der Chef beendet Debattenstränge oder läßt sie laufen. Das hat ganz sicher mit Seiner persönlichen Sicht auf die Dinge zu tun.

Franz Bettinger & ich sind uns übrigens darüber einig, daß wir anders, also langsamer schreiben würden, wenn keine zensorischen Mittel eingesetzt würden.

MARCEL

2. September 2022 17:01

Herzlichen Dank!

Ein Einblick von der (damals) anderen Seite sowie ein ehrlicher und doch feinsinniger Nachruf auf eine Epoche.

Nordlicht

2. September 2022 20:07

Zitat: "... wuchsen unsere letzten, höchst trügerischen sozialistischen Hoffnungen ..."

Nach meinen durchaus begrenzten Kenntnissen der DDR-Stimmungen war der Kreis der so Denkenden, nämlich der gläubigen Sozialisten, auch bei den 20.Jährigen ziemlich klein. Das waren dann wohl die Gruppen, die sich noch Anfang 1990 gegen die Wiedervereinigung stemmten und von einem 3. Weg oder einem menschlichen Sozialismus träumten.

Dass Sozialismus strukturell nicht mit Freiheit und Individualität zusammen passt, müsste man an sich nach 1953 und 1968 auch als 20-Jähriger Nachdenker erkannt haben.

ede

2. September 2022 23:56

@Laurenz

"Wäre das nicht passiert, hätte die NVA den Schießbefehl erhalten."

Sehe ich halt komplett anders. Ein Schießbefehl ist für alle Seiten eine hochriskante Angelegenheit. Selbst wenn er befolgt wird, weiß man nie vorher in welche Richtung geschossen wird. Aber selbst wenn sich das System hätte halten können, nur kurzfristig: Wegfall der Russen, Westfernsehen, Wirtschaft und massenhaft internationale Haftbefehle.

Dagegen stand das bisschen offener Vollzug für eine Handvoll, etwas Stasiunterlagenbehörde und etwas Erpressung.

Das hat sich einfach nicht mehr gelohnt.

P.s. Ich habe in der NVA gedient.

Laurenz

3. September 2022 13:38

@Ede @L.

Das glauben Sie doch selber nicht!

Dagegen stand das bisschen offener Vollzug für eine Handvoll, etwas Stasiunterlagenbehörde und etwas Erpressung.

Das ist reine Konsequenz aus der versprochenen Straffreiheit. Es gab ja für Exkameraden von HB Mauerschützen-Prozesse. So kleine Leute vielen eben nicht unter die insgeheime Amnestie. Kein Mächtiger der DDR hätte ein kleines Nürnberg über sich ergehen lassen. Wenn man schießen läßt, stehen immer die Flugzeuge bereit, die einen in das Exil bringen.

 

 

Laurenz

3. September 2022 14:02

@Imagine @L.

Gorbi

Ich sehe nicht, daß Sie irgendetwas Ihrer Aussagen belegt hätten. 

Atomwaffen sind weiterhin nicht abgeschafft, also ist atomare Bedrohung geblieben. Aufgrund der Entwicklung allgemeiner Trägerwaffen, auch bei kleineren Atommächten, hat sich die Bedrohungslage verstärkt.

China

Ihre Sicht ist vollkommen absurd & historisch nicht belegbar. Keine Mensch rechnete damit, ähnlich dem Mauerfall, daß China Privateigentum zulassen & Reisefreiheit gewähren wird.

Imagine

3. September 2022 17:22

Gorbatschow hat das pseudo-sozialistische Terrorsystem namens Sowjetkommunismus beendet.

Dass Ex-KP-Spitzenfunktionäre wie Jelzin und dessen Komplizen (Ex-Genossen) Russland ausplündern würden und dass er von dem Westen hinsichtlich der US-NATO-Ausweitung betrogen wurde, hat Gorbatschow vermutlich weder gewollt noch antizipiert.

In der Sowjetunion und in Russland hat eine antisozialistische (Konter)Revolution von oben stattgefunden, durchgeführt von der herrschenden Klasse der Bürokraten und Funktionäre, aus denen dann Raubritter und Oligarchen wurden.

Putin hat zwar den „Ausverkauf“ und das Ausplündern Russland etwas gestoppt, aber im Gegensatz zu China ist es trotz des Ressourcenreichtums nicht zu steigendem Wohlstand der Gesamtbevölkerung gekommen.

Der angebliche sowjetkommunistische Sozialismus war in Wirklichkeit ein Sklavenhaltersystem mit Herrschaft einer „neuen Klasse“ (Djilas), in dem die Arbeitsbevölkerung indoktriniert und ausgebeutet wurde und mit Stacheldraht, Todesstreifen, Selbstschussanlagen und Mauer gefangen gehalten wurden.

Die Indoktrination und Bewusstseinsmanipulation war so groß, dass ehemalige, mittelmäßig intelligente Insassen diesen Pseudo-Sozialismus immer noch für einen realen Sozialismus halten, obwohl dieser allen sozialistischen Zielen und Vorstellungen, wie von Marx, Engels, Luxemburg et al. formuliert, widersprach.

Maiordomus

3. September 2022 19:06

@Imagine. Es ehrt Sie, dass Ihre Einschätzung von G. mit der im Neuen Deutschland nichts gemein hat. Leider wurde er trotz seiner Verdienste überschätzt, und als Weltretter würde ich ihn alleweil nicht bezeichnen. Dass er sich für seine Verdienste für Deutschland z.B. vom Bertelsmann-Verlag fürstlich bezahlen liess, im Fernsehen sogar mit  Anschrift "Gast von Bertelsmann" auftrat, zeigt eine andere Seite von ihm. Selber fand ich damals als Mitarbeiter jenes Verlages, freilich nur mit einem "Zehntausend-Mark-Buch", wie man meinen Beitrag abschätzig bezeichnete, überraschend Gelegenheit, bei der Vorbereitung des Gorbatschow.Besuches einzelnen aus der deutschen Entourage wenige Tipps über Allgemeinbildung betr. russische Literatur, Geschichte, Religion geben zu dürfen, weil man sich im Smalltalk mit den Russen nicht blamieren wollte. Dabei ist es heute erst recht eine Banalität, dass man von ernsthafter Kenntnis russischer bzw. russisch-ukrainischer Kultur, das Religiöse u. Literarische inbegriffen, incl. Tolstois Sebastopoler Aufzeichnungen usw. , bei höheren Politdarstellern noch weniger voraussetzen darf als früher bei Bertelsmann Nicht bedeutungslos wäre Interpretation des Kreuzzeichens Putins am Sarg von G., womit ich aber nicht den damit verbundenen Machiavellismus des Machthabers meine, sondern das liturgische Verständnis. Es gibt nicht nur die Politik!   

Laurenz

3. September 2022 22:32

@Imagine (1)

Gorbatschow hat das pseudo-sozialistische Terrorsystem namens Sowjetkommunismus beendet.

Wollte er gar nicht. Er wurde abgesetzt.

Dass Ex-KP-Spitzenfunktionäre wie Jelzin und dessen Komplizen (Ex-Genossen) Russland ausplündern würden

Zu diesem Zeitpunkt war er längst entmachtet. Es gab doch damals schon genügend Beispiele für die Einflußnahme von NGOs & ausländischen Intelligenz-Dienstleistern, siehe Chile oder Iran. Gorbatschow zeigt schlicht Schwäche, deswegen folgte ihm keiner mehr.

In der Sowjetunion und in Russland hat eine antisozialistische (Konter)Revolution von oben stattgefunden, durchgeführt von der herrschenden Klasse der Bürokraten und Funktionäre, aus denen dann Raubritter und Oligarchen wurden.

Gorbi war eben nicht in der Lage, diese zu eliminieren oder zu entmachten. Dämlich eben.

Putin hat zwar den „Ausverkauf“ und das Ausplündern Russland etwas gestoppt, aber im Gegensatz zu China ist es trotz des Ressourcenreichtums nicht zu steigendem Wohlstand der Gesamtbevölkerung gekommen.

Sie können alles nicht belegen. Putin hat das Einkommen der Russen, im Vergleich zur Jelzin-Ära ver15facht. Immer diese Laberei. https://www.ceicdata.com/de/country/russia

Sklavenhaltersystem mit Herrschaft einer „neuen Klasse“ 

Wie in jedem sozialistischen Staat.

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