Kritik der Woche (37): Omertà

Die Omertà ist das Schweigegebot der ­Mafia. Man verrät niemanden und nichts, niemals. Aber um die Mafia geht es auf diesen 950 Seiten nicht.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Beschwie­gen wer­den ande­re Din­ge: das, was man über sich nicht ger­ne erzäh­len will, und das, was man in einem Regime nicht laut sagen darf – Nei­gun­gen und Schwä­chen, Staats­ter­ror und irre Plä­ne. Die­ses Beschwei­gen kann ein Ver­stum­men sein, ein Nicht-Sagen, ein ­Lügen, ein Spre­chen zwi­schen den Zei­len: Andrea ­Tom­pas Roman spielt die­se und ande­re For­men des Schwei­gens durch.

Omertà besteht aus vier Büchern. Drei Frau­en und ein Mann erzäh­len der Rei­he nach aus ihrem Leben, stets im Ich.

Die Bäue­rin Kali beginnt, sie stammt aus der Nähe von ­Kolozsvár, das auf rumä­nisch Cluj-Napo­ca heißt, auf deutsch Klau­sen­burg. Sie gehört der unga­ri­schen Volks­grup­pe der Sze­kler an, die seit dem Ver­trag von Tria­non auf rumä­ni­schem Staats­ge­biet leben müs­sen und sich nun, unter der kom­mu­nis­ti­schen Füh­rung der Volks­re­pu­blik Rumä­ni­en, gemein­sam mit den ande­ren Natio­na­li­tä­ten »über­win­den« sol­len, um in einem brü­der­li­chen Volk aufzugehen.

Kalis Buch – das ist bäu­er­li­che Spra­che über fast 200 Sei­ten. Wer je ein­mal mehr als ein paar Sät­ze mit einem der alten rumä­ni­en­deut­schen Bau­ern aus Sie­ben­bür­gen wech­sel­te, erkennt den Ton sofort wie­der: die Satz­kon­struk­tio­nen, den ange­nehm redu­zier­ten Wort­schatz, das ver­schmitz­te Selbst­be­wußt­sein, das Wache und das Bodenständige.

Die Über­set­zung aus dem Unga­ri­schen durch die selbst preis­ge­krön­te Schrift­stel­le­rin Teré­zia Mora ist eine Meis­ter­leis­tung: Die Spra­che ist stim­mig, pas­send zum Cha­rak­ter einer Frau Mit­te Drei­ßig, die gern hart arbei­tet und der man nichts vor­ma­chen kann.

Kali floh von ihrem sau­fen­den und prü­geln­den Mann fort in die Stadt und ver­dingt sich nun bei einem Rosen­züch­ter, einem hin­ge­bungs­vol­len Gärt­ner, des­sen Pas­si­on sie fast bespöt­telt. Die­ser Vil­mos ist anders als die Män­ner, die Kali kennt: ein Wis­sen­schaft­ler, der aus der Zucht eine Kunst macht und der Natur­wüch­sig­keit in einer Mischung aus Dienst und Ein­griff gegenübertritt.

»Kom­pli­zier­te Ein­fach­heit« ist sein Ide­al, Züch­tung müs­se so sein, daß es die Natur hät­te selbst fer­tig­brin­gen kön­nen, »weil man kann Rosen machen, die innen rot sind, außen weiß, aber so etwas will zu auf­fäl­lig sein.« Auch Frau­en will Vil­mos nicht prot­zen sehen, son­dern lie­ber ent­blät­tern. Kali wird schwan­ger, aber als das Kind kommt, setzt Vil­mos sie in ein klei­nes Häus­chen auf dem Dorf. Ein »unge­ord­ne­tes Pri­vat­le­ben« kann er sich als Funk­tio­när der Par­tei nicht mehr leisten.

Soweit ist es mitt­ler­wei­le näm­lich gekom­men, und Vil­mos berich­tet in sei­nem Buch (dem 2. und umfang­reichs­ten im Roman) von sei­nem Auf­stieg zum Lei­ter einer gro­ßen Ver­suchs­gärt­ne­rei, von sei­ner Fahrt zu einer Rosen­aus­stel­lung nach Paris, sei­nen absur­den Ver­su­chen mit sowje­tisch-wis­sen­schaft­li­chen Metho­den einer neu­en Land­wirt­schaft, die sich mit­tels Wil­le und Theo­rie über Natur­ge­ge­ben­hei­ten, Wit­te­rung, Zucht und jahr­hun­der­te­lan­ge Erfah­rung hin­weg­set­zen will.

Wie Vil­mos sich ver­hält, wie er die Lei­ter hin­auf­ge­scho­ben wird, wie er die Spra­che des Regimes über­nimmt und das beschweigt, von dem er als Ken­ner weiß, daß es nie­mals wird funk­tio­nie­ren kön­nen: das zeigt ihn als Nutz­nie­ßer des Regimes, denn er kann züch­ten und for­schen, und die­ser Ver­wirk­li­chungs­mög­lich­keit ord­net er alles ande­re unter, auch die Anteil­nah­me am Leid derer, die in die Müh­le des Regimes gera­ten sind.

Im Gespräch mit einem ver­zwei­fel­ten Oppo­si­tio­nel­len, der saß und der im Zuge des Ungarn-Auf­stands 1956 erneu­te Repres­sa­li­en fürch­tet, wie­gelt Vil­mos ab. Wir wis­sen das, wir üben das gera­de: Auch Schön­re­den ist eine Form des Verschweigens.

Der den Men­schen gegen­über empa­thie­lo­se Vil­mos: Annu­sch­kas Buch berich­tet davon, im Ton und aus der Sicht eines Mäd­chens, das, fünf­zehn, sech­zehn Jah­re alt, die schwe­re Arbeit einer Gemü­se­bäue­rin leis­tet, um sich und ihren alko­hol­kran­ken ­Vater durch­zu­brin­gen. Sie schweigt vor die­sem Mann und spricht lie­ber mit ihrem Gemü­se, ihrem Pferd und der toten Mutter.

Sie ver­fällt dem ­Vil­mos, das möch­te man nicht lesen, aber es ist fol­ge­rich­tig. Vil­mos steht im Zen­trum des Buchs, sei­ne Gestalt schrei­tet einen Bogen ab: Kali zeigt ihn als hal­be Mär­chen­fi­gur, er selbst berich­tet von sich selbst als einem weh­lei­di­gen und von Rosen beses­sen Mann, aber in Annu­sch­kas Buch sinkt sein Stern rapi­de: Denn als ihn die­se über­an­streng­te jun­ge Frau, die er in sein Bett zerr­te, end­lich um Hil­fe für ihr beschlag­nahm­tes Pferd und dann für ihre inter­nier­te Schwes­ter bit­tet, muß Vil­mos »Rück­sich­ten« neh­men und tut kei­nen Strich für sie.

Annu­sch­kas Schwes­ter ist die Non­ne Eleo­nora. Sie erzählt das vier­te Buch. Vil­mos wird dar­in nur noch flüch­tig erwähnt. Eleo­no­ras Bericht ist eine Ver­schrän­kung von Rück­blick und neu­er­li­chem Lebens­ver­such, begin­nend mit ihrer Ent­las­sung aus dem Gefäng­nis, in dem sie und ihre Mit­schwes­tern jah­re­lang einsaßen.

Sie ist krank, aber beharr­lich und ganz bei Gott, ver­mit­telt also eine Wider­stands­form, die im gebun­de­nen Wort, dem fest­ge­leg­ten Gebet, ihre ganz eige­ne Spra­che hat.

Hier erhält der Roman sei­ne Ver­klam­me­run­gen: Kom­pli­zier­te Ein­fach­heit ist für Vil­mos die Rosen­zucht, für Eleo­no­ra der Rosen­kranz, die­ses schlich­te Gebet, in dem man doch durch­ein­an­der­kom­men kann, wenn man sich nicht kon­zen­triert. Wäh­rend sie um ihr Gewand, ihr Habit kämpft, legt Kali ihre Sze­kler-Tracht ab, um die­se for­ma­le Fest­le­gung auf ein volks­treu­es Ungarn­tum zu beenden.

Erst in Eleo­no­ras Buch fällt dann das Wort Omertà. Sie muß unter­schrei­ben, daß sie nicht ein Ster­bens­wört­chen über das berich­ten wer­de, was sie im Gefäng­nis erleb­te. Auch der Roman hält sich dar­an – aus Andeu­tun­gen erschließt man sich man­ches, und Eleo­no­ras Zustand spricht Bän­de, obwohl sie eisern schweigt.

Zuletzt: Omertà schließt etwas auf, das uns Deut­schen ver­lo­ren­ging. Es ist das Wis­sen um und das Gespür für die Befind­lich­kei­ten des Völ­ker­tep­pichs jen­seits von Wien. Wir waren nie “Wes­ten”, waren nie trans­at­lan­tisch ori­en­tiert, son­dern immer kon­ti­nen­tal, mit Durch­drin­gungs- und Befruch­tungs­bah­nen in alle Län­der. Damit ist es fast vor­bei – die Geschich­te Deutsch­lands im 20. Jahr­hun­dert kann auch als eine der Kap­pung und Selbst­zer­stö­rung die­ser Ner­ven­bah­nen gele­sen werden.

Omertà schil­dert also auch eine Welt, die unser Volk einst kann­te, weil es in ihr sein Kon­tin­gent stell­te. Es blei­ben Wer­ke wie die­ses. Vier Bücher in einem, kein all­wis­sen­der Erzäh­ler, vier Stim­men, das Kalei­do­skop eines Welt­aus­schnitts – sel­ten las ich einen so vir­tuo­sen Roman.

– – –

Andrea Tom­pa: Omertà. Buch des Schwei­gens. Roman, Ber­lin: Suhr­kamp 2022. 950 S., 34 € – hier unbe­dingt bestel­len.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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Kommentare (32)

Gracchus

25. September 2022 21:40

Komplizierte Einfachheit - dieses Ideal teile ich. Macht daher wirklich neugierig. So sehr, dass ich von meinem Prinzip, keine (aktuellen) Romane über 500 Seiten zu lesen, abweichen würde. 

nom de guerre

25. September 2022 21:46

Danke für die Besprechung, ein schöner Text. Aber lesen werde ich das Buch nicht. Aus Rumänien mit ähnlicher Thematik habe ich vor langer Zeit die ersten zwei der soweit ich weiß drei Bücher von Eginald Schlattner gelesen, das dritte ist an mir vorbeigegangen, auch weil ich Schlattner nicht wirklich mag, und dann vor ein paar Jahren den Tanz in Ketten von Hans Bergel. Keines der Bücher würde ich heute nochmal lesen. Nicht weil sie schlecht wären, sondern weil ich so etwas einfach nicht mehr aushalte, es geht mir zu nahe. Vielleicht eine Alterserscheinung.

Der Sinnierer

25. September 2022 21:53

Eine wunderbare Analyse und Romandarlegung! Ihre Melancholie teile ich hinsichtlich der Abkappungen und Verstümmelungen unserer Kultur, wenngleich ich wirklich viel Positives derzeit sehe: Das Deutsche ist nicht widerlegt worden im 20. und nun frühen 21. Jahrhundert, sondern hat nur den falschen, den materiellen Weg, als Volk beschritten. Entsprechend stürzen wir nun mit den Herrschern der materialistischen Ideologie, dem angloamerikanischen Kulturkreis, in den Untergang - der Herr zieht seine Vasallen mit in diese Hölle. Aber: Das ermöglicht auch die Wiederaufstehung und unsere Erinnerungen als Volk sind tief und breit genug, daß wir an sie wieder anknüpfen können. Wir Spätgeborene müssen nur noch etwas Geduld haben und dann eines Tages diesen Sand und Staub der nun zu Ende mahlenden Mühlen von unserem Schoß abklopfen und an die Arbeit gehen, dem Wiederaufbau...

Maiordomus

25. September 2022 22:16

Wer, ausser solchen, die professionell Romane anpreisen, wenigstens besprechen müssen, schreibt heute schon wohlformuliert solche begeisternden Besprechungen.? Begeisterung ist als Ausdruck von Begeisterungsfähigkeit bei intelligenten Viellesern ein Faktor des Glaubwürdigen.

Man ist versucht anzunehmen, dass es so gut sei und bleibe. Bei Enttäuschung muss man dann halt wieder auf die lieben Russen und am Ende auf Dante zurückgreifen. Oder schlichte, jedoch vom Künstler eindrucksvoll illustrierte Texte wie die Schilderung der Gräber ungetaufter Kinder in Irland durch René Böll, der sich lange nach und jenseits seines berühmten Vaters als Kunstschaffender, der scheiben kann, durchgesetzt hat.  

Waldgaenger aus Schwaben

25. September 2022 22:52

Dazu ein Witz aus dem Libanon. Ich las ihn vor mehr als zehn Jahren und verstand ihn nicht. Heute verstehe ich ihn.

Der Witz:

Ein Libanese, ein Schweizer und ein Somalier werden gefragt: Was ihre Meinung zu Stromausfällen?

Der Schweizer: Was ist ein Stromausfall?
Der Somalier: Was ist Strom?
Der Libanese: Ich weiß was Strom ist und ich weiß was Stromausfälle sind. Aber was ist eine Meinung?

Wahrheitssucher

25. September 2022 23:37

Warum Romane besprechen, wenn die Wirklichkeit schon mehr als genug Stoff bietet!?

Volksdeutscher

26. September 2022 01:14

Wenn ich Herrn Kubitscheks melancholisch schöne Buchempfehlung an einer Stelle korrigieren darf: es ist nicht üblich, Deutschrumäne zu sagen. Unter keinen Umständen bezeichnet sich auch nur ein einziger Deutscher aus Rumänien so. Sie sagen entweder ich bin Banater Schwabe oder ich bin Siebenbürger Sachse. Zur Not benutzen sie das in der BRD gebräuchliches und verallgemeinerndes Wort Rumäniendeutscher. Wichtig dabei ist die Reihenfolge der Bestandteile der Bezeichnung, denn so wie in zusammengesetzten Wörtern im Deutschen das Geschlecht des letzten Wortes das Geschlecht des gesamten Wortes bestimmt, so bestimmt auch in diesem Falle das letzte Wort die ethnische Herkunft des so Bezeichneten. Also: nicht Deutschrumäne, sondern Rumäniendeutscher. Ein Deutschrumäne wäre demnach ein in Deutschland geborener, lebender oder hierhergezogener, ev. auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzender Rumäne. Im Sinne meiner Ausführung sprechen wir doch auch von Russlandsdeutschen oder Ungarndeutschen, also von Deutschen aus Russland und Ungarn.

Volksdeutscher

26. September 2022 01:36

"Erst in Eleonoras Buch fällt dann das Wort Omertà. Sie muß unterschreiben, daß sie nicht ein Sterbenswörtchen über das berichten werde, was sie im Gefängnis erlebte."

Apropo: Erst vor zwei Wochen starb einer der letzten lebenden neuzeitigen Nationalhelden der Ungarn, der in Budapest 1956 noch mit Waffe in der Hand gegen die Kommunisten kämpfte: Maria Wittner wurde 85 Jahre alt. Am 9. November 1956 versuchte sie erfolglos, Ungarn zu verlassen. Am 16. Juli 1957 wurde sie verhaftet und am 23. Juli 1958 im Alter von 21 Jahren zu Tode verurteilt. Sie verbrachte zweihundert Tage in der Todeszelle, bis sie 1959 zur läbenslänglichen Haft begnadigt wurde. 1970 wurde sie aus der Haft entlassen.

Nach der sog. politischen "Wende" von 1989 war sie Mitglied und Politikerin der nationalliberalen Fidesz im ungarischen Parlament.

RMH

26. September 2022 09:54

"Es ist das Wissen um und das Gespür für die Befindlichkeiten des Völkerteppichs jenseits von Wien. Wir waren nie “Westen”, waren nie transatlantisch orientiert, sondern immer kontinental, mit Durchdringungs- und Befruchtungsbahnen in alle Länder. Damit ist es fast vorbei – die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert kann auch als eine der Kappung und Selbstzerstörung dieser Nervenbahnen gelesen werden."

Da ist etwas Wahres dran. ABER: Gerade das protestantische, auch preußische, Norddeutschland hatte immer den Zug nach Westen, man sprach französisch und englisch, Ostpreußen war eher weit weg, Berlin eben näher dran, der Welthandel war interessant, General v. Steuben half der USA etc. - Hannoveraner Welfen wurden König von England. Selbst Russland unter Peter dem Großen hatte den Zug zum Westen und Atlantik. Wo halten reiche Russen heute noch am liebsten teure Immobilien?

Die Linien, die genannt werden, waren dem kathol. K.u.K. Reich "übrig" gelassen, welches man zu Gunsten der kleindeutschen Lösung raus hielt und mit Trianon dann abwickelte. Es stellt sich die Frage, ob die Menschen in diesen Ländern, die diese Linien wieder mit reaktivieren könnten, große Freunde der russisch-eurasischen Lösung sind (da fehlt mir die genaue Kenntnis, aber ich vermute eher nein). Weiteres dazu habe ich 2 Debatten zuvor gerade FraA. geschrieben.

Valjean72

26. September 2022 10:05

Sehr gelungene und neugierig machende Buchbesprechung

Es ist das Wissen um und das Gespür für die Befindlichkeiten des Völkerteppichs jenseits von Wien.

Ich habe gerade vor einer halben Stunde unter Bosselmanns Artikel einen Kommentar abgeschickt und darin über meine Grossmutter geschrieben. Geboren 1921 im Königreich Jugoslawien, im Nordosten Kroatiens, unweit zu den Grenzen zu Serbien und Ungarn.

Meine Oma, eine Volksdeutsche, wuchs wohlbehütet in einem deutschen Dorf auf, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Kroaten. Aber auch der gelegentliche Kontakt zu Serben und Ungarn war gegeben. Der Krieg beendete dann dieses Zusammenleben abrupt und brutal.

Nein, wir Deutsche waren nie komplett Teil des "Westens" und in unseren Seelen schwang die Mitte Europas. In meiner nach wie vor.

Niekisch

26. September 2022 18:34

"Warum Romane besprechen, wenn die Wirklichkeit schon mehr als genug Stoff bietet!?"

@ Wahrheitssucher 25.9 23:37: Obwohl ich sehr, sehr selten noch Romane lese, halte ich Romane und deren Besprechung für wichtig. Denn das tägliche oder nächtliche Erleben von Wirklichkeiten gewährt des öfteren nur ein oberflächliches, schludriges Erkennen. Der Roman hingegen vermag das Aufnehmen von  Realitäten zu verlangsamen, die Wirklichkeiten mit Bajonetten oder Honigtöpfen zu umstellen, sie zu verschärfen, zu mildern, ja anders ins Bewußtsein zu transportieren als die selbstläuferische Realtität. 

EK und GK arbeiten rezensionell virtuos.

 

Volksdeutscher

27. September 2022 02:18

"Wir waren nie “Westen”, waren nie transatlantisch orientiert, sondern immer kontinental, mit Durchdringungs- und Befruchtungsbahnen in alle Länder."

Ja, ganz richtig. Nur liberale Intellektuelle wie Karl-Heinz Bohrer, propagierten zwanghaft die ausschließliche Westbindung Deutschlands (an die anglo-amerikanische Welt). Was für tolle, "kühle" und gewitzte Kerle die doch seien, was sie alles vor uns schon gehabt haben, z.B. Kolonien noch und nöcher, die sankrosankte Demokratie sowie Manchester-Kapitalismus, während wir armen, griesgrämigen Teutonen solch lumpigen Idealen wie der Reichsidee anhingen. Folgerichtig hielt er nichts von der Mitteleuropäischen Idee.

Spätestens jetzt sehen und erkennen wir aber in voller Breite die Kathastrophe, was es heißt, Teil dieses anglo-amerikanischen Westens zu sein, die Deutschland niemals als Gleichwertigen anerkannt hat und niemals anerkennen wird.

Volksdeutscher

27. September 2022 02:32

@Wahrheitssucher - "Warum Romane besprechen, wenn die Wirklichkeit schon mehr als genug Stoff bietet!?"

Ja, warum Bilder malen, Musik komponieren, Theater spielen, wenn die Wirklichkeit schon mehr als genug Stoff bietet? Genug für wen? Aber nun ja, wozu das alles, wenn es eh schon Photographien, Vogelgezwitscher und Reality-TV-Shows gibt? Welche Lebensberechtigung haben Kritiken und Besprechungen von Kunstwerken? Ja, welche Berechtigung hat Kultur überhaupt in einer solchen Welt, in der die Menschen sich mit der Wirklichkeit begnügen, will sagen abfinden?

Laurenz

27. September 2022 08:02

@Volksdeutscher @Wahrheitssucher

Warum Kultur?

Besuchen Sie Limburg. Mein Lieblingsdom, eher klein, fast noch romanisch, bunt, wie ein Harlekin, die frühere Rückseite unseres 1.000 Markscheins. Im Vergleich dazu, sind die schönen Fachwerkhäuser der Altstadt ziemlich popelig. Im 13. Jahrhundert, als der heutige Dom entstand, gaben die Lebensumständen noch viel weniger her, um Kultur zu erschaffen, politisch, sprich damals vor allem religiös, stand man noch viel mehr unter der Knute, auch ganz schnell mal mit Daumenschrauben. Trotzdem erschuf man Kultur.

 

Gracchus

27. September 2022 09:24

Die Frage von @Wahrheitssucher finde ich nicht so dumm. Zweierlei: Wir haben die Wirklichkeit nicht unmittelbar. Unser Bild von der Wirklichkeit ist eine Fiktion. Wir leben und weben in Fiktionen. Der moderne Roman hat dies auch reflektiert und thematisiert, bereits der Don Quijote. 

Niekisch

27. September 2022 11:48

"Besuchen Sie Limburg".

@ Laurenz 27.9 8:02: Nichts gegen Limburg. Der Königssitz Weilburg, die Perle des Lahntals, hat auch ohne Dom, aber mit grandiosem Schloß, und der von der Lahn fast komplett umflossenen Altstadt, einiges mehr zu bieten. Ganz nebenbei ist es meine Geburtsstadt.

Volksdeutscher

27. September 2022 12:55

@Gracchus

Aber @Wahrheitssucher wirf die Frage auf, wozu überhaupt Bücher besprechen, wo doch die Wirklichkeit Stoff genug biete. In meinen Ohren klingt dieser Satz als Absage an Kulturarbeit und deren Reflexion durch Kritik und Besprechung.

@Laurenz - "Und trotzdem erschuf man Kultur."

Nun, ich zweifle nicht daran. Wo es Menschen gibt, haben sie sich noch nie mit der Wirklichkeit oder der Natur abgefunden, sondern haben sie etwas Artifizielles an deren Stelle gesetzt. Das nennen wir Kultur oder Zivilisation. Auch die Sprache haben wir nicht von der Natur, sie wird nicht vererbt, sondern erworben durch Vermittlung. Deshalb ist Kulturarbeit in Form der Buchbesprechung notwendig: das ist das Sprechen über die Sprache. Selbst der primitivste Negerstamm in Afrika rodet die Natur rigsherum ab, wo er seine Lehmhütten aufbaut, um sein Menschsein zu behaupten. Auch er findet sich nicht mit der vorgefundenen Wirklichkeit oder der Natur ab, obwohl, könnte man meinen, sie Stoff "genug" bieten. Offenichtlich aber doch nicht. Die vorgenommenen Veränderungen beweisen die Ungenügsamkeit von Wirklichkeit und Natur für den Menschen.

Nordlicht

27. September 2022 15:03

@ nom de guerre

"Keines der Bücher würde ich heute nochmal lesen. Nicht weil sie schlecht wären, sondern weil ich so etwas einfach nicht mehr aushalte, es geht mir zu nahe. Vielleicht eine Alterserscheinung."

Geht mir ebenso. Die verbleibenden Jahre des Lesens widme ich Romanen, die mich nicht innerlich anfressen. Und, bevorzugt, Geschichtswerken. Wichtig: Informationen über Wirtschaft und Finanzen, denn in den kommenden Jahren will ich vermeiden, dass wir auf dem Trockenen verhungern oder an fehlenden Medikamenten vorzeitig sterben.

Niekisch

27. September 2022 15:25

"Auch die Sprache haben wir nicht von der Natur, sie wird nicht vererbt, sondern erworben durch Vermittlung".

@ Volksdeutscher 12:55: Das ist nicht richtig. Ein erstes Anzeichen von Sprache war gegenseitiges Anschauen zum Signalisieren. Durch das allmähliche Rückbilden der Augenlider an den Augenwinkeln und das dadurch eintretende Freilegen des Augapfels wurde es leichter, festzustellen, wohin eine Person schaut. Auch ist die unterschiedliche Gestaltung des Sprechapparates bei unterschiedlichen Menschen verschieden ausgestaltet, so daß durchaus Vererblichkeit eine Rolle spielt ( vgl. hierzu das Buch des Zoologen und Psychologen John Mc Crone, Als der Affe sprechen lernte- Die Entwicklung des menschlichen Bewußtseins-, Krüger 1992, S.153 ff.,165 )

Gracchus

27. September 2022 19:30

@Volksdeutscher: 

Ja, ich weiß - über die Frage kann man ja nachdenken. Natürlich schwingt bei @Wahrheitssucher mit: Braucht man nicht. 

Ich halte dagegen: Der Zugang zur Wirklichkeit erfolgt primär über's Erzählen. GK hat ja verschiedentlich erwähnt, wie er bei Besuchen in Rumänien abends am Küchentisch Erzählungen gelauscht hat. Das ist die Urform. In Deutschland ist das etwas verlorengegangen. Hier herrscht die "Arbeit am Begriff". 

Diese Erzählungen am Küchentisch können, aber müssen nicht Fiktionen sein, sie transportieren Erfahrungen. 

Man kann auch auf einen Autor wie Kempowski verweisen, der immer O-Töne gesammelt hat. Romane transportieren unter Umständen mehr Alltags-Wirklichkeit als Geschichtswerke. 

 

Gracchus

27. September 2022 19:36

@Volksdeutscher

Wie kommen Sie in dem Zusammenhang gerade auf Karl-Heinz Bohrer. 

Ich kann verstehen, worauf Sie und GK anspielen. Mein Blick hat sich in den letzten Jahren zunehmend ostwärts gerichtet. Ich sehe dort mehr "Zukunft". Die transatlantische Bindung ist aber nunmal da; wenn auch nicht so freiwillig - man kann dennoch fragen, welchen Sinn das hat. 

RMH

27. September 2022 22:19

"Die transatlantische Bindung ist aber nunmal da;"

Richtig, die kann man nicht pauschal ausblenden, weil man mit der dortigen OHL permanent unzufrieden ist. Die Verbindung ist da, alleine auch durch viele Deutschstämmige dort.

Richtig ist, dass die Verbindungen Richtung Osten sehr gerne mehr oder weniger totgeschwiegen wurden, vor allem aus Sicht der sich nach der Wiedervereinigung groß fühlenden, aber in Wahrheit kleindeutschen Bundesrepublik. Aber gerade was bspw. Rumänien angeht: Dort wurde sehr gründlich dafür gesorgt, dass die deutsche Minderheit weitgehend nach Deutschland übergesiedelt hat.

Volksdeutscher

28. September 2022 05:35

@ nom de guerre - "Keines der Bücher würde ich heute nochmal lesen. Nicht weil sie schlecht wären, sondern weil ich so etwas einfach nicht mehr aushalte, es geht mir zu nahe. Vielleicht eine Alterserscheinung."

Mir geht es damit auch so, aus diesem Grunde könnte ich heute Bücher über Flucht und Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten sowie aus Ost- und Mittleuropa nicht mehr lesen. Bücher über die geschichtliche Wirklichkeit zu lesen ist sowieso etwas Anderes als ein Kunstprodukt zu lesen, selbst wenn dessen Inhalt teilweise auf wirkliche Erfahrungen zurückgeht, die dessen Schreiber einst machte. Ich glaube dennoch nicht, daß diese Selbsterfahrung, die Sie beschreiben, mit Altern zu tun hat. Ich merkte schon in jungen Jahren beim Lesen, wie mein Magen sich verkrampfte, wenn ich Bücher über obige Thematik las. Ich hielt das damals nur durch, weil der Wille zum Wissen stärker war als die physische Abwehrreaktion.

Volksdeutscher

28. September 2022 06:48

1. @Niekisch

Sie und ich reden von zwei verschiedenen Phänomenen. Ich rede von Sprache und Sie reden von "Sprache" als vorsprachliche Kommunikation. Was Sie mit erstem Anzeichen richtig beschreiben, ist keine begriffliche Sprache, über die ich rede. Gestik und Mimik und die Zeichen der Kommunikation gehören zur vorsprachlichen "Sprache". Das Kind erfährt sie in der Beziehung zur Mutter durch symbolhafte Zeichen: Gestik und Mimik; Gefühlsäußerungen durch Stimme, Blick, Geruch, Berührung. Die begriffliche Sprache erlernen die meisten Menschen zwar von der Mutter, aber nicht um mit ihr, sondern um mit dem Vater zu kommunizieren. Mutter und Kind verstehen sich ja ohne begriffliche Sprache. Die entscheidende geistige Entwicklung des Kindes erfolgt durch das Verlassen des mütterlichen Bereichs der materiellen Versorgung durch das Eintreten in den väterlichen Bereich der geistigen Versorgung (im Idealfall). Die Sprache ist eine männliche Erfindung. Sie ist zudem die Brücke des Kindes zum Vater und umgekehrt. Deshalb ist es unrmeßlich tragisch, wenn so viele Kinder in unserer Zeit ohne Vater aufwachsen. Unsere zivilisatorische Verelendung beruht zu einer Hälfte auf der Abwesenheit des Vaters in unseren europäischen Gesellschaften. Die Bindung auf den Vater erolgt jedoch, im Gegensatz zur Mutter, nicht durch die Physis, sondern durch den Logos. Der Vater erzählt. Der Vater bespricht. Der Vater befiehlt. Wir folgen.

 

 

 

Volksdeutscher

28. September 2022 07:44

1. @Gracchus - "Das ist die Urform. In Deutschland ist das etwas verlorengegangen. Hier herrscht die "Arbeit am Begriff."

Ich befürchte, nicht nur etwas, sondern so ziemlich. Es liegt nicht mal daran, daß es nichts zu erzählen gäbe. Es liegt daran, daß es langsam keinen mehr gibt, der etwas erzählen könnte. Die weibliche Art der Kommunikation, das Sprechen um des Sprechens willen hat Hochkonjunktur. Wir leben in einer vaterlosen Gesellschaft mit ihrem nervösen, nervenden Geplapper. Die Wiederkehr des Vaters mit seinem Sinn für Ordnung und seiner differenzierenden Liebe ist ein Graus für die infantilen Muttersöhne und Muttertöchter, sie soll mit allen Mitteln verhindert werden. Jenes Erzählen ist in der Tat die Urform. Der Osten und Süden Europas sind in dieser Hinsicht ursprünglicher, es konnten sich familiale Traditionen trotz ideologischer Pressur und Dressur bewahren, umso mehr, da sie als Widerstand zum System gelebt wurden. Die "Arbeit am Begriff" dürfte also etwa so alt sein wie die Literatur als künstlerisch-ästhetische Gattung selbst. Seitdem gibt es Besprechungen. Das klingt erzwungen und riecht nach schweißtreibenden Diskussionen. Der Unterschied zwischen ihr und der Tradition des Erzählens liegt in dem Unterschied zwischen artifiziell akademischer Welt und volkstümlich traditionaler Welt. Der Vater, der Abends am Tisch seinen Lieben erzählt, bespricht nichts. Sein Tun ist nicht ausgerichtet an Vergleichen, Auswerten, Abfragen oder Absprechen von Inhalten. Der Vater erzählt nur.

Volksdeutscher

28. September 2022 08:08

2. @Gracchus - "Wie kommen Sie in dem Zusammenhang gerade auf Karl-Heinz Bohrer?"

Ich komme darauf durch den Satz: "Wir waren nie “Westen”, waren nie transatlantisch orientiert, sondern immer kontinental, mit Durchdringungs- und Befruchtungsbahnen in alle Länder." Reflexartig fielen mir Gedanken von Bohrer ein, die ich irgendwann mal in den 90-ern in einem dr Merkur-Hefte las. Bohrer, nebst Nietzsche und Stirner, war mein (selbst gewählter) intellektueller Mentor in den Neunzigern. Tagsüber pilgerte ich zu DVU-Veranstaltungen, abends verschlang ich Bohrers Bücher - wenn ich es mit etwas Übertreibung formulieren darf. Er war ein glühender Atlantiker, ein Befürworter des Abschnürens Deutschlands von jenen traditionellen politischen Verbindungen in Mittel- und Osteuropa, die Götz Kubitschek anspricht. Ich teilte und teile bis zum heutigen Tag nicht Bohrers Einstellung in dieser Frage. Ich teile aber auch Götz Kubitscheks Meinung nicht, daß "es damit fast vorbei" sei. Diese Beziehungen könnten und sollten reaktiviert werden. Das ist nicht nur deshalb möglich, weil die Gelegenheit sich dazu bietet, sondern vornehmlich deshalb, weil die Grundlagen und Vorbedingungen dazu nach wie vor existent sind, wenn auch nicht in dem Maße wie einst.

Volksdeutscher

28. September 2022 08:18

Omertá ist aber ein etwas unglücklich gewählter Buchtitel. Denn während die Schweigpflicht zwischen Mitgliedern der Mafia auf gegenseitigem Einvernehmen beruht, um in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden, beruht das Auferlegen der Schweigepflicht für den Freigelassenen auf Erpressung durch das System, um aus der Gemeinschaft der Gefängnisinsassen entlassen zu werden.

Gracchus

28. September 2022 10:56

@Volksdeutscher: Der Vater fehlt, soweit richtig. Witzigerweise bringe ich das Erzählen mit dem Mütterlichen in Verbindung, was daran liegen mag, dass es meine Mutter war, die mir meistens eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen hat. Denken Sie in der Literatur an Schehezarade. Klatsch, eher weiblich, gehört für mich auch zum Erzählen. Die meisten Leser von Belletristik sind Leserinnen, bei vielen Autoren finden Sie eine enge Mutterbindung. 

Gracchus

28. September 2022 11:01

@Volksdeutscher: Mit Bohrer habe ich mich noch nicht sehr ausgiebig befasst. Ich dachte, sein Denken sei weniger politisch als vielmehr ästhetisch geprägt, und zwar vom Surrealismus her. 

Ich denke wie Sie, dass die Nervenbahnen wieder aktiviert werden können. Natürlich kann ich von mir nicht auf andere schließen, aber ich denke, diese Sehnsucht ist tief im deutschen Unbewussten verankert. 

Volksdeutscher

28. September 2022 11:03

1. @RMH - "Wo halten reiche Russen heute noch am liebsten teure Immobilien?"

Ein oft abgewürgtes Thema hier auf SiN, aber es muß der Wahrheit halber gesagt werden, daß jene reichen "Russen", die Sie meinen, zu etwa neunzig Prozent (ähnlich in der Ukraine) keine Russen sind, sondern Juden, die sich am russischen Staatseigentum bereichert haben und von Putin vor die Wahl gestellt wurden, daß, wenn sie sich nicht dem russischen Staat unterordnen, "ihr" Vermögen verlieren würden. So erging es dem wirtschaftskriminellen Chodorkowsky. Daß sie "ihr" Vermögen zum größten Teil im Ausland halten, wohin die Hand des russischen Staates nicht reicht, dürfte diesem Umstand schulden.

Volksdeutscher

28. September 2022 11:38

2. RMH - "Aber gerade was bspw. Rumänien angeht: Dort wurde sehr gründlich dafür gesorgt, dass die deutsche Minderheit weitgehend nach Deutschland übergesiedelt hat."

Das ist nur zum Teil richtig. Auch die Bundesrepublik ist daran schuld, weil sie nicht darauf bedacht war, die deutschen Gemeinschaften dort zu erhalten. Was die deutsche Minderheit betrifft, übersiedelte sie nicht einfach so, sondern sie wurde von der Bundesrepublik freigekauft. Das war für die rumänische Diktatur ein gutes Geschäft. Damit sorgte aber die Bundesrepublik für die Abwicklung des deutschen Lebensraumes in Rumänien. Ob sie das aus mangelnder politischer Phantasie oder in der Absicht tat, sich einseitig und endgültig den westlichen Bindungen zu verschreiben, entgeht meinen Kenntnissen.

In den osteuropäischen Ländern sind Auslandsdeutsche ganz einfach als Deutsche wahrgenommen und bezeichnet. Zu "Deutschstämmigen" (eine Wortschöpfung von Bundesrepublikanern) werden sie erst in der Bundesrepublik - falls sie "glimpflich" davonkommen. In der Regel werden sie hierzulande zu Rumänen, Polen, Tschechen, Ungarn oder Russen. Das ist bis zum heutigen Tage so. Deshalb stehe ich dazu, daß es nicht noch eine Nation in Europa gibt, die so schäbig ihre Volksangehörigen behandelt.

Niekisch

28. September 2022 15:50

@ Volksdeutscher 8:[email protected] Gracchus 10:56: Ausgangspunkt war die Frage der Vererblichkeit. Außerdem sprach ich von "einem ersten Anzeichen von Sprache" Schon bei den Menschenaffen hing das Neugeborene an der vorderen Körperbehaarung der Mutter und hatte mit dem Vater nichts zu tun, drohte sogar in manchen Fällen von diesem getötet zu werden. Die ersten Hominiden lebten fast ausschließlich im mütterlichen Umfeld, selbst noch im Mittelalter waren die Kinder nicht auf den Schultern der Väter, sonder hingen in einem Stoffsack an der Wand des elterlichen Haues, wenn die Eltern zur Feldarbeit gingen. 

"Die Sprache ist eine männliche Erfindung. Sie ist zudem die Brücke des Kindes zum Vater und umgekehrt".

Ihre, Volksdeutschers, Ansicht ist eine Paterzentrische. Nach neuesten Erkenntnissen ging bei den ältesten menschlichen mütterlichen Vorfahren die Brustbehaarung, an die sich die Kleinen klammerten, zurück, so daß die Kinder nicht mehr mitgetragen werden konnten mit der Folge, daß sie auf Abstand von der Mutter waren mit der weiteren Folge, daß die Mutter verbal Kontakt aufnahm. Die Sprache ging also eher von der Mutter als vom Vater aus. 

Die Paterzentrie ist tot.

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