Faktenlage (18) Heißer Wahlherbst in Italien

Italien hat gewählt! Folgt jetzt ein rechter europäischer Frühling?

Daniel Fiß

Daniel Fiß ist freier Publizist.

Das rech­te Lager tri­um­phiert bei der ita­lie­ni­schen Par­la­ments­wahl. Mit 43,7 % erreicht die Mit­te-Rechts-Koali­ti­on sowohl in der Par­la­ments­kam­mer als auch im ita­lie­ni­schen Senat (44,02 %) die Regie­rungs­mehr­heit. Ein Sieg, der maß­geb­lich vom Zug­pferd und neu­en Aus­hän­ge­schild der ita­lie­ni­schen Rech­ten, Gior­gia Melo­ni und ihrer Fratel­li d‘Italia (FdI) – „Brü­der Ita­li­ens“ getra­gen wur­de. Mit 26 % konn­te die FdI ihren ful­mi­nan­ten Auf­wärts­trend aus den vor­her­ge­hen­den Umfra­gen noch­mals top­pen und somit ihren pro­zen­tua­len Anteil im Ver­gleich zur letz­ten Par­la­ments­wahl 2018 nahe­zu mit sechs mul­ti­pli­zie­ren. In den abso­lu­ten Stim­men erreich­te die FdI ein Plus von über 400 %. Inner­halb von vier Jah­ren hat Melo­ni es geschafft, die FdI von einer Kleinst­par­tei zur füh­ren­den Regie­rungs­kraft zu machen, womit Ita­li­en auch sei­ne ers­te Frau als Pre­mier­mi­nis­te­rin erhält.

Ein der­ar­ti­ger poli­ti­scher Auf­stieg erscheint in west­eu­ro­päi­schen Par­tei­sys­te­men als ein Novum. Die FdI erreich­te auch im west­eu­ro­päi­schen Ver­gleich den dritt­größ­ten Zuwachs (+20,9 %) einer Par­tei seit 1945.

Den­noch erscheint die­se Ent­wick­lung vor allem inner­halb der poli­ti­schen Kul­tur Ita­li­ens nicht voll­kom­men über­ra­schend. Seit jeher ist das Land für sei­ne poli­ti­sche Insta­bi­li­tät bekannt. Regie­run­gen und Minis­ter­prä­si­den­ten über­ste­hen nur sel­ten eine voll­stän­di­ge Legis­la­tur. Eine Regie­rung, die sich in Ita­li­en län­ger als andert­halb Jah­re hal­ten kann, ist eher die Aus­nah­me als die Regel. So kommt es auch, daß eini­ge ita­lie­ni­sche Medi­en bei Melo­ni beim Titel „kom­men­de Pre­mier­mi­nis­te­rin“ in Klam­mern ein „falls es zu kei­nen Über­ra­schun­gen kommt“ anfügen.

Die Mit­te-Rechts-Koali­ti­on aus der Fratel­li d‘Italia, LEGA (Matteo Sal­vi­ni), For­za Ita­lia (Sil­vio Ber­lus­co­ni) und der Kleinst­par­tei Noi Mode­ra­ti dürf­te jedoch mit hoher Wahr­schein­lich­keit auch die kom­men­de ita­lie­ni­sche Regie­rung bil­den, auch wenn es vor allem für die LEGA und die For­za Ita­lia jetzt heißt, Wun­den zu lecken. Das gene­rel­le Kräf­te­ver­hält­nis die­ser „Cen­tro­des­tra“ Koali­ti­on zeich­ne­te sich schon in den Umfra­gen ab. Eine star­ke FdI, die die ambi­tio­nier­ten Macht­po­li­ti­ker Sal­vi­ni und Ber­lus­co­ni mit in die Regie­rung trägt. Der Nie­der­gang der LEGA von Umfra­ge­wer­ten von über 35 % im Som­mer 2019 auf 12–15 % kurz vor der Par­la­ments­wahl 2022 war vor­aus­zu­se­hen. Am Ende reich­te es für Sal­vi­ni und sei­ne LEGA nicht ein­mal mehr für ein zwei­stel­li­ges Ergeb­nis. Die LEGA woll­te laut eige­nem Kam­pa­gnen­ziel zumin­dest an ihr Ergeb­nis aus der Par­la­ments­wahl 2018 mit 17,3 % auf­schlie­ßen und konn­te mit 8,85 % gera­de ein­mal knapp die Hälf­te errei­chen. Auch der abso­lu­te Stim­men­an­teil der LEGA redu­zier­te sich von 5,6 Mil­lio­nen auf nur noch 2,4 Mil­lio­nen Stimmen.

Die For­za Ita­lia unter der schril­len und in der ita­lie­ni­schen Poli­tik lang­jäh­rig bekann­ten Per­sön­lich­keit Sil­vio Ber­lus­co­ni muß­te Ver­lus­te von minus fünf Pro­zent ein­ste­cken. Ein bit­te­rer Wahl­abend für Sal­vi­ni, der inner­halb der Par­tei nun auch künf­ti­ge Füh­rungs­fra­gen auf­wirft. Ers­te LEGA-Funk­tio­nä­re und Abge­ord­ne­te for­dern bereits Erneue­rungs­pro­zes­se inner­halb der Partei.

Die Wäh­ler­wan­de­run­gen bestä­ti­gen zunächst die nahe­lie­gen­de Hypo­the­se, daß der außer­ge­wöhn­li­che Erfolg der FdI vor allem auf der Absor­bie­rung des gesam­ten ver­füg­ba­ren rech­ten Wäh­ler­spek­trums auf­baut. 40 % der LEGA-Wäh­ler aus der Par­la­ments­wahl 2018 set­zen jetzt ihr Kreuz bei der FdI. Die For­za Ita­lia ver­lor fast 1/3 ihrer Wäh­ler an Melo­ni und ihre Par­tei. Das heißt, die Hälf­te der FdI Wäh­ler setzt sich aus den tra­di­tio­nel­len rechts­kon­ser­va­ti­ven Mobi­li­sie­rungs­re­ser­ven in Ita­li­en zusammen.

Die LEGA und For­za Ita­lia ver­lo­ren zusätz­lich zu glei­chen Tei­len knapp 20 % ihrer Wäh­ler­schaft an das Nicht­wäh­ler­la­ger. Gene­rell brach die Wahl­be­tei­li­gung um ‑9,1% ein. Nur noch 63 % der Ita­lie­ner trieb es zu die­ser Par­la­ments­wahl an die Urne. Die Abstra­fung der klas­si­schen Volks­par­tei­en und die nied­ri­ge Wahl­be­tei­li­gung dürf­ten also Aus­druck einer grund­sätz­li­chen poli­ti­schen Ver­trau­ens­kri­se sein.

Der Erfolg der FdI lässt sich jedoch nicht nur mono­kau­sal auf einen Sog­ef­fekt im rech­ten Wäh­ler­spek­trum zurück­füh­ren. Sowohl unter Nicht­wäh­lern als auch von der eher links­po­pu­lis­tisch aus­ge­rich­te­ten Fünf-Ster­ne-Bewe­gung konn­ten jeweils zwi­schen 9 und 17% der Wäh­ler mobi­li­siert wer­den. Die Fünf-Ster­ne-Bewe­gung selbst ist bei der letz­ten Par­la­ments­wahl 2018 mit 32 % stärks­te Kraft gewor­den und kommt nun nur noch auf 15 % der Stim­men. Immer­hin ein bes­se­res Ergeb­nis, als in den Umfra­gen zunächst pro­gnos­ti­ziert wur­de. Aber bei knapp sechs Mil­lio­nen ver­lo­re­nen Wäh­lern dürf­te es nur wenig Grund zu Opti­mis­mus geben. Die Fünf-Ster­ne-Bewe­gung galt im ita­lie­ni­schen Par­tei­en­sys­tem stets als sta­bi­les Wäh­ler­auf­fang­be­cken ver­schie­de­ner poli­ti­scher Milieus und wird auch als soge­nann­te „Catch-all-Par­ty“ bezeich­net, deren Wäh­ler­schaf­ten sich in rela­tiv aus­ba­lan­cier­ten Ver­hält­nis­sen in alle ideo­lo­gi­schen Him­mels­rich­tun­gen der poli­ti­schen Land­schaft ver­streu­en. Stu­di­en und Beob­ach­tun­gen konn­ten zei­gen, daß Sal­vi­nis Durch­marsch von 2018 auch durch die Mobi­li­sie­rung rech­ter und kon­ser­va­ti­ver Wäh­ler­schich­ten durch die Fünf-Ster­ne-Bewe­gung abge­fe­dert wer­den konn­te. 2022 zeig­te sich bei der Fünf-Ster­ne-Bewe­gung eine Ver­dich­tung im ideo­lo­gi­schen Wäh­ler­pro­fil hin zu einer rei­nen und klas­si­schen lin­ken Pro­test­par­tei. Der eher rechts­ori­en­tier­te Teil wan­der­te zur FdI über. Jeder drit­te Fünf-Ster­ne-Wäh­ler von 2018 blieb dem Urnen­gang jedoch fern.

Um die­se Wäh­ler­dy­na­mi­ken ein­zu­ord­nen, wird ger­ne auf die natür­li­che hohe Wäh­ler­vo­la­ti­li­tät im ita­lie­ni­schen Par­tei­en­sys­tem ver­wie­sen. Auch bei die­ser Wahl erreich­te die­se mit 31,8 % Wäh­ler­schwan­kungs­be­we­gun­gen den dritt­höchs­ten Wert in der ita­lie­ni­schen Geschich­te. Dies mag ein Erklä­rungs­mus­ter sein.

Den­noch erscheint ins­be­son­de­re die Zustim­mung für rech­te Par­tei­en als über­ra­schend hoch. Das liegt unter ande­rem dar­an, daß es in Ita­li­en kei­nen klas­si­schen „Cor­don sani­taire“ in der poli­ti­schen Dis­kurs­kul­tur gibt. Die War­nun­gen vor der post­fa­schis­ti­schen Macht­über­nah­me lau­fen bei der ita­lie­ni­schen Wäh­ler­schaft ins Lee­re und dürf­ten bei der eher mode­ra­ten bis harm­lo­sen inhalt­li­chen Agen­da und Pro­gram­ma­tik der neu­en rech­ten Koali­ti­on ohne­hin eher ein lin­ker Mythos blei­ben. Der Kol­laps der lin­ken Par­tei­en bei die­ser Wahl dürf­te auch damit zusam­men­hän­gen, daß die War­nun­gen vor „faschis­ti­schen Macht­über­nah­men“ bereits als inhalt­li­che Bank­rott­erklä­run­gen der eta­blier­ten Par­tei­en wahr­ge­nom­men werden.

Melo­ni konn­te der­weil deut­li­che eige­ne Akzen­te set­zen, die sich auf die tat­säch­li­chen poli­ti­schen und sozia­len Pro­ble­me fokus­sier­ten, wäh­rend die lin­ke Front stets das faschis­ti­sche Gespenst an die Wand mal­te. Die Par­la­ments­wahl 2022 ist zugleich das his­to­risch schlech­tes­te Abschnei­den lin­ker Par­tei­en in der ita­lie­ni­schen Geschichte.

Neben den tak­ti­schen und kam­pa­gnen­ori­en­tier­ten Erklä­run­gen gibt es in Ita­li­en jedoch auch gesell­schaft­lich-struk­tu­rel­le Vor­aus­set­zun­gen, die es rech­ten Par­tei­en und Koali­tio­nen ver­ein­fa­chen, ent­spre­chen­de Wäh­ler­re­ser­voirs zu akti­vie­ren und mobi­li­sie­ren. Die sozia­len Milieu­struk­tu­ren sind in Ita­li­en wesent­lich frag­men­tier­ter als in Deutsch­land. Zugleich sind sie auch in ihren klas­si­schen cha­rak­ter­li­chen Attri­bu­ten und Zuschrei­bun­gen meist unzu­frie­de­ner und politskeptischer.

Schaut man auf die sozia­le Clus­ter­ver­tei­lung und der ten­den­zi­el­len Par­tei­nei­gung, so fällt auf, daß die poli­ti­sche Rech­te in sie­ben gesell­schaft­li­chen Clus­tern am stärks­ten mobi­li­sie­ren kann, die zusam­men­ge­fasst 62 % der gesell­schaft­li­chen aus­ma­chen. Das lin­ke und libe­ra­le Lager domi­niert aller­dings nur in vier Clus­tern, die zusam­men­ge­nom­men nur 25 % aus­ma­chen, was bedeu­tet, daß die Rech­te in Ita­li­en ein grö­ße­res milieu­spe­zi­fi­sches Kern­spek­trum hat. Ita­li­en hat also schon struk­tu­rell ein rechts­of­fe­ne­res Wäh­ler­po­ten­ti­al, was sich auch dar­in zeigt, daß es seit den 90er-Jah­ren bereits vier rech­te Koali­tio­nen unter Füh­rung von Ber­lus­co­ni gab. Auch Melo­ni ist nicht voll­ends uner­fah­ren im Regie­rungs­ap­pa­rat. Von 2008 bis 2011 war sie unter Ber­lus­co­ni Jugend- und Sport­mi­nis­te­rin. Neu ist jedoch die Kräf­te­kon­stel­la­ti­on, indem mit der FdI eine dezi­diert rech­te Par­tei nicht nur der Koali­ti­ons­an­häng­sel ist, son­dern erst­mals auch die Regie­rung anführt und nun auch die Pre­mier­mi­nis­te­rin stellt.

Hel­le Flä­chen – Gerin­ge Mobi­li­sie­rung und Bin­dungs­kraft. Dunkle/Lila Flä­chen – Hohe Mobi­li­sie­rung und Bindungskraft.

Bei den sozio­de­mo­gra­phi­schen Daten zeigt sich, ähn­lich wie in ande­ren Län­dern, eine zuneh­men­de Front­stel­lung zwi­schen einer gut ver­sorg­ten und hoch­ge­bil­de­ten, libe­ra­len und post­ma­te­ri­el­len Klas­se und jener abstiegs­be­droh­ten Mit­tel­schicht in der kon­ven­tio­nel­len Arbeits­welt und mitt­le­ren Alters. Die FdI kann vor allem in den mitt­le­ren Alters­klas­sen zwi­schen 34 und 55, unter Selbst­stän­di­gen und der öko­no­mi­schen Mit­tel­schicht stark per­for­men, wäh­rend die Par­tei bei jün­ge­ren Wäh­lern und über­ra­schen­der­wei­se auch Arbeit­neh­mern eher unter­durch­schnitt­lich abschneidet.

 

Die FdI wird von den Wäh­lern also nicht als klas­si­sche sozi­al­po­pu­lis­ti­sche Rechts­par­tei gese­hen. Der Stim­men­an­teil nimmt bspw. line­ar zu den Wahl­krei­sen mit höhe­rer Arbeits­lo­sig­keit ab. Auch geo­gra­phisch zeigt sich ein deut­li­ches Über­ge­wicht der FdI Stim­men­an­tei­le im öko­no­misch stär­ke­ren Nor­den, wo unter ande­rem die LEGA-Par­tei ihre Hoch­bur­gen gegen­über der FdI räu­men muß­te. Im wirt­schaft­lich schwä­che­ren Süden des Lan­des kann der­weil die Fünf-Ster­ne-Bewe­gung ihre wich­tigs­ten Kern­ge­bie­te halten.

Ita­li­en ist als Grenz­staat Euro­pas bereits seit vie­len Jah­ren von der Mas­sen­mi­gra­ti­on über das Mit­tel­meer stark betrof­fen. Unter den Ein­stel­lungs­mus­tern der meis­ten sozia­len Milieus fin­den sich häu­fi­ge migra­ti­ons­kri­ti­sche Posi­tio­nen wie­der. Melo­ni hat­te ihre Kam­pa­gne unter ande­rem auch auf zen­tra­le Säu­len wie rech­te Iden­ti­täts­po­li­tik und Migra­ti­ons­kri­tik auf­ge­baut. Mit wach­sen­den regio­na­len Aus­län­der­an­teil zei­gen sich schließ­lich die stärks­ten Ergeb­nis­se für die FdI. In Ita­li­en scheint es dem­nach noch vita­le elek­to­ra­le Abwehr­kräf­te gegen die eth­ni­sche Wahl zu geben. Die Migra­ti­ons­po­li­tik wird dem­nach auch ein zen­tra­ler Indi­ka­tor sein, an dem die Wäh­ler die Cen­tro­des­tra-Koali­ti­on mes­sen werden.

Rech­ter euro­päi­scher Frühling? 

Der Erfolg der Far­tel­li d´Italia reiht sich in den Start einer Erfolgs­se­rie rechts­po­pu­lis­ti­scher Par­tei­en in Euro­pa, die im April mit den Ach­tungs­er­fol­gen von LePen in Frank­reich ihren Anfang nahm und sich nun mit Regie­rungs­be­tei­li­gun­gen der Schwe­den­de­mo­kra­ten und der Far­tel­li d´Italia fort­setzt. Die Kri­sen­dy­na­mik bricht fest­ge­fah­re­ne For­ma­tio­nen des poli­ti­schen Estab­lish­ments auf und erweckt neue Impul­se, die sich bereits auch in den deut­schen Umfra­gen zur AfD wider­spie­geln. Den­noch wur­de ins­be­son­de­re der Sieg der FdI in Ita­li­en bis­her nicht mit einer über­schwäng­li­chen Eupho­rie aufgenommen.

Die spe­zi­fi­sche Lage der poli­ti­schen Kul­tur in Ita­li­en, aber auch die ernüch­tern­den Erfah­run­gen rechts­po­pu­lis­ti­scher Regie­rungs­pro­jek­te in den USA, Öster­reich oder auch Ita­li­en unter Sal­vi­ni haben dazu geführt, daß das rech­te Lager mit einer gesun­den Skep­sis als auch Vor­sicht auf die Fra­ge nach rech­ten Macht­zu­griffs­op­tio­nen in west­eu­ro­päi­schen Par­tei­sys­te­men schau­en. Melo­ni hat es geschafft, mit­tels einer prag­ma­ti­schen Posi­tio­nie­rung ihrer Par­tei auch den „Faschis­mus­vor­wurf“ ins Lee­re lau­fen zu las­sen, doch die Fall­hö­he in der ita­lie­ni­schen Poli­tik ist groß. Matteo Sal­vi­ni weiß ver­mut­lich am bes­ten um die Zwän­ge und Ver­lo­ckun­gen von Ver­ant­wor­tung und Macht und wie schnell man sich in die­sem poli­ti­schen Spiel auch ver­zo­cken kann.

Eine Rei­he von Fehl­ent­schei­dun­gen, mit denen er die dama­li­ge Koali­ti­on mit der Fünf-Ster­ne-Bewe­gung plat­zen ließ und schließ­lich sei­ne Par­tei in die völ­li­ge stra­te­gi­sche und inhalt­li­che Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit navi­gier­te, soll­ten für Melo­ni das Lehr­stück dafür sein, daß Wäh­ler­ver­trau­en immer auch mit bestimm­ten Erwar­tun­gen ver­knüpft ist und daß welt­an­schau­lich-ideo­lo­gi­sche Par­teiiden­ti­tä­ten sich nicht über­mä­ßig fle­xi­bi­li­sie­ren und stra­pa­zie­ren las­sen. Dies sind stra­te­gi­sche Leit­fra­gen, mit denen sich auch die AfD mit­tel­fris­tig aus­ein­an­der­set­zen wird müs­sen. Nach neu­es­ter INSA-Umfra­ge wäre die AfD in Ost­deutsch­land mit 27 % aktu­ell die stärks­te par­tei­po­li­ti­sche Kraft. Eine Tat­sa­che, die mit­tel­fris­tig noch inner­halb die­ses Jahr­zehnts die unwei­ger­li­che Fra­ge auf­wirft, ob und wie die AfD bereit wäre, poli­tisch auch in admi­nis­tra­ti­ver Funk­ti­on zu gestalten.

Daniel Fiß

Daniel Fiß ist freier Publizist.

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Kommentare (20)

Niekisch

27. September 2022 15:03

"Folgt jetzt ein rechter europäischer Frühling?"

Meloni: "..ein verlässlicher Partner der EU bleiben.." Sie gilt außenpolitisch als prowestlich sowie als Befürworterin der NATO und betont ihre Unterstützung für die...Ukraine. Transatlantikerin ist sie auch ( RZ v. 27.9.2022 ).

Na dann, auf in den durch Frau M (usso ) eloni ausgelösten "rechten europäischen Frühling", dem zunächst ein kalter Winter vorausgehen dürfte.

Gelddrucker

27. September 2022 15:54

Den Schwung muss man mitnehmen, aber die Euphorie sollte nicht zu groß werden und man sollte schon garnicht glauben, dass das die endgültige Rettung Italiens und gar Europas ist.

Genau wie ein paar schlechte Wahlen nicht der Untergang sind, sind ein paar gute nicht der Triumph.

Nichtwähler mobilisieren erscheint mir überall äußerst wichtig.

Noch wichtiger ist breit angelegte demographische Aufklärung. Keine rechte Partei wird wirklich nachhaltig regieren können, wenn das Schreckens-Zukunftsszenario nicht bekannt ist.

Wir können nicht warten bis es überall so aussieht wie in Neukölln.

tearjerker

27. September 2022 17:21

Mitbegründer der FdI ist Guido Crosetti, der ursprünglich mal DC-Mitglied war, dann in den 90gern zu Berlusconis Truppe wechselte. Er ist Chef eines Verbandes der Rüstungsindustrie. Auch Salvini und Berlusconi spielen wieder mit. Die FdI sieht ein bischen so aus wie sich ein Henkel 2013 mal die AfD vorstellte. Man wird weiter von Deutschland fordern, in Brüssel um Unterstützung nachsuchen, die EU-Agenda stützen und das Ganze diesmal unter dem Label rechts verkaufen. Es ist die Art von Theaterlärm, mit der schon die Schweden, Ungarn und Polen über ihre unveränderte Unterstützung für die allgemeine Linie hinwegtäuschen. Bis dann in 10 Monaten die nächste Regierungskrise droht. Der Alternative hilft das Null, da sie keine Substanz besitzt, aus der Heraus sie den hiesigen Politbetrieb herausfordern könnte.

Zauberer von Oz

27. September 2022 19:20

Bitte Prozente und Prozentpunkte unterscheiden.

Laurenz

27. September 2022 19:57

Don Camillo hat halt die Wahl gegen Peppone gewonnen, weil's Peppone grad mega verschissen hat, nicht mehr & nicht weniger. Und unfähiger als Peppone in den letzten Jahren geht halt auch kaum, im ganzen ehemals westlichen Europa. Der Ukrainische Krieg ist da nur ein Trigger zur Eskalation.

Der Seidel-Artikel in Achgut ist eine ganz gute Beschreibung, wie Meloni agiert.

https://www.achgut.com/artikel/ade_gardasee

Ausnahmsweise darf ich auch mal Recht haben. Seit Jahren predige ich auf der SiN zugunsten materieller Betroffenheit in materieller Not einer Mehrheit, als der schlagkräftigste Katalysator für die konservative Revolution der konservativen Bewegung Europas.

Für Konterrevolutionäre & ewig erfolgslose Retter der Nation, wie 

@Gelddrucker

ist da kein Platz.

Wir können nicht warten bis es überall so aussieht wie in Neukölln.

Ohne Neuköllner Verhältnisse am Ammersee wird sich nichts verändern.

Niekisch

27. September 2022 21:15

"Ohne Neuköllner Verhältnisse am Ammersee wird sich nichts verändern".

@ Laurenz 19:57: ...und mit den Neuköllner Verhältnissen am Ammersee ist schon rein garnichts mehr zu verändern.

RMH

27. September 2022 22:32

Das interessante bei Italien war, dass der rechte Block trotz geringerer Wahlbeteiligung gewinnen konnte. Die AfD hatte bei den letzten Wahlen bei rückläufiger Wahlbeteiligung nicht zulegen können. Schaut man bei den freien Sachsen mal rein, dann fällt einem auf, dass dort darauf hingewiesen wird, dass es doch gut sei, wenn es mehrere über 5% Parteien rechts gibt, da diese dann "getrennt marschieren, vereint schlagen" könnten, so wie jetzt in Italien. Ich halte das aber nicht auf Deutschland übertragbar. Die italienische Christdemokratie hat sich dort vor Jahren erledigt und eine so klare "Brandmauer", wie die zur AfD, wurde dort seitens anderer bürgerlicher Parteien noch nie hochgezogen. Dort ist man bei Koalitionen flexibler. Zudem: Mit der AfD kam es sehr rasch zum parlamentarischen Ende der NPD. Alles hat sich auf die AfD geradezu geworfen, bzw. konzentriert. Man konnte zwar formal eine "Unvereinbarkeitsliste" führen, aber inhaltlich eben nicht. So kommt es zur inhaltlichen Blöcken in der AfD. Und jetzt ist rechts von der AfD einfach nichts parlamentarisch da, bzw. das Wählerpotential auch nicht so groß, dass es bei einer weiteren rechten Partei zu einem insgesamten Wachstums für "Rechts" kommen würde - es droht eher die Gefahr, sich gegenseitig Wähler streitig zu machen (oder sieht das Herr Fiß, der besser an den Zahlen dran ist, anders?).

Laurenz

28. September 2022 01:13

 @Niekisch @L.

...und mit den Neuköllner Verhältnissen am Ammersee ist schon rein garnichts mehr zu verändern.

Nur persönliche Betroffenheit des Individuums verändert dessen Gewohnheiten. Und bei Wahlen braucht man Mehrheiten.

Phil

28. September 2022 12:53

Da die Personenwahl tief im Menschen verankert ist (eine Art Instinkt), spielt sicher auch die Person Giorgia Meloni eine Rolle für den Erfolg der Fratelli.

 

@Laurenz Niekisch meint, dass es dann zu spät ist.

Niekisch

28. September 2022 15:20

"@Laurenz Niekisch meint, dass es dann zu spät ist".

@ Phil 12:53: Ja, genau so ist es.

Laurenz

28. September 2022 18:03

@Niekisch @L.

"zu spät"

1939, bzw. 1945 war auch alles zu spät, aber trotzdem haben ein paar überlebt. Wir stehen erst vor dem Krieg. Oder glauben Sie tatsächlich, daß importierte Bürger aus orientalischen Staaten mit rechtsstaatlichen Mitteln leben werden wollen.

Gelddrucker

28. September 2022 18:49

@Laurenz

nur dann nicht, wenn Leute wie Sie permanent einen Keil durch den Widerstand treiben und durch die verbale Verhinderung der nötigsten Maßnahmen als Hemmschuh wirken.

Zum Thema erfolglos, wieviele Menschen haben sie persönlich bereits ge-rotpillt und zu AfD-Wähler/Sympathisanten gemacht bzw von der Anti-AfD-Schiene heruntergeholt? 

Volksdeutscher

28. September 2022 22:32

Diese sogenannten "rechten" Parteien sind unzuverlässig. @Niekisch hat Melonis Haltung bereits erwähnt, aber auch Salvini ist nicht besser, er hat sich zuletzt von Russland distanziert. Berlusconi ist eine Karikatur seiner selbst. Vielleicht gerade solcher Attitüden bedurfte es, damit sie überhaupt in Machtnähe und schließlich an die Macht gekommen sind. Wozu viel Hoffnungen an sie knüpfen? Was will man viel von dieser Koscherrechte erwarten? Die echten Rechten Italiens sind nicht im Parlament, weder in Italien noch sonstwo in Europa.

Kurativ

28. September 2022 22:35

Solange man mittels EU/NATO/Ukraine/Euro nützlicher Trottel und Kanonenfutter der USA bleibt, ändert sich nichts. Irgendwann enden dann Polen und Ukraine wie Deutschland und Frankreich. Bis dahin haben einige Politiker ein schönes Leben.

In Italien oder in Schweden kann sich im Rahmen der EU nichts ändern. Sie sind an die Verträge gebunden. Also bleiben die Probleme in Schweden und Italien wird weiter angefahren.

Kurativ

28. September 2022 22:37

Die Drohungen von vdL waren eine Wahlwerbung. Und genauso waren sie gedacht.

RMH

28. September 2022 22:58

Zum Thema erfolglos, wie viele Menschen haben sie persönlich bereits ge-rotpillt und zu AfD-Wähler/Sympathisanten gemacht bzw von der Anti-AfD-Schiene heruntergeholt? 

@Gelddrucker,

Dafür hatte er ab und an das letzte Wort.

Wie auch immer, vulgärmarxistische Verelendungstheoretiker wie @L bräuchten eigentlich mit niemanden mehr Debatten führen und niemanden mehr überzeugen, da der Wandel und die Änderung des Wahlverhaltens sich ja ohnehin dank dem kommenden Schlamassel wie ein Naturgesetz einstellen wird.

Also, schön zurücklehnen, abwarten, nen sauer gespritzten Äppler trinken und ruhig sein.

Laurenz

29. September 2022 00:01

@Gelddrucker @L. (1)

"Erfolglos"

bezieht sich auf "Warum Konservative immer verlieren", Verlag Antaios, Kaplaken 35.

Die in der Mehrzahl mutigen AfD-Mitglieder sind oft Selbständige, die sich Unabhängigkeit erlauben können. Die Stammwähler der AfD gehören zu den Denkenden in diesem Lande mit einer patriotischen Gesinnung. Bei der kleinen Minderheit dieser denkenden Patrioten, welche die SiN liest, sind meine Beiträge gewiß nicht unbeliebt. Wenn wir hier seit Jahren debattieren, wann sich das allgemeine Wählerverhalten ändert, liege ich bisher am nächsten von allen SiN-Forums-Teilnehmern dran, wie wir gerade feststellen können. Nochmal, nur materielle Betroffenheit des Individuums verändert Gewohnheiten des individuellen Wählers. Wir können sicher darüber überein kommen, daß die DDR nicht zu retten war. Sie gehören zu denjenigen, die mit der Realität, so, wie sie ist, nicht klarkommen & wollen die gesamtdeutsche DDR 2.0 retten, mit all den unfähigen, linken Hanswurst-Schmarotzern, die am Tropf der Allgemeinheit hängen. In Italien, Polen, Ungarn, Frankreich, Schweden etc,, ging die Veränderung der Wählergewohnheiten aus persönlicher Betroffenheit früher vonstatten. In Buntland muß es erst richtig krachen.

Niekisch

29. September 2022 11:20

"1939, bzw. 1945 war auch alles zu spät, aber trotzdem haben ein paar überlebt. Wir stehen erst vor dem Krieg. Oder glauben Sie tatsächlich, daß importierte Bürger aus orientalischen Staaten mit rechtsstaatlichen Mitteln leben werden wollen".

@ Laurenz 28.9.18:03: Bevor Sie derart flapsig schreiben, verlautbaren Sie bitte besser garnichts. Es haben mehr als ein paar überlebt und im Krieg stehen wir nach transatlantischen Kriterien schon jetzt. Was haben die Lebensauffassungen anderer Menschen mit der Frage der Rettungsmöglichkeit bei totaler Überfremdung zu tun?

Volksdeutscher

29. September 2022 23:40

@RMH - "Mit der AfD kam es sehr rasch zum parlamentarischen Ende der NPD. Alles hat sich auf die AfD geradezu geworfen, bzw. konzentriert."

Das ist sehr richtig erkannt. Trotzdem half es nichts bis nicht viel. Vielleicht hat das auch verursacht, daß sich der VS ebenfalls auf die AfD geworfen hat. Nur eine schäfchenweiche und aprilfrische Rechte hat die Chance, an die Macht zu kommen. Dazu muß sie bestimmte öffentliche "Einweihungsrituale" exerzieren, muß dies sagen, sich zu jenem bekennen und zu bestimmten "symbolträchtigen" Orten pilgern und dort die Maske der Betroffenheit aufsetzen. Erst dann gibt es Leckerli. Nur solche Rechten sind, mit wenigen Ausnahmen, in den nationalen Parlamenten Europas vertreten. Besonders abgeschmackt ist es von ihnen, daß sie, kaum an der Macht angekommen, eine 180 Grad Wendung vollziehen und zu glühenden Verfolgern von außerparlamentarischen rechten Parteien werden, wie sie früher einmal waren. Da muß eine rechte Partei wie die Movimento Sociale Italiano sich zu Alleanza Nazionale federn. Die Linken tun soetwas nicht, aber sie tun alles, um sich dem System anzubiedern. Gianfranco Fini, Spiegel-Interview Anfang der 2000-er Jahre: "Ja, es ist wahr, wir haben uns verändert." Aha, darauf kommt es also an. Danke, keine Fragen mehr. Es ist zu befürchten, daß auch die AfD zu einer solchen rechten Partei verkommt. Schon jetzt gibt es dafür Anzeichen.

Imagine

30. September 2022 02:07

„The new Italian Prime Minister, Georgia Meloni, telling the world what she really thinks of French President Macron.“

https://twitter.com/i/status/1575137671453630466

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