Entropie privat

Mehr als an Studien und Lektüren zum meist abständig Abstrakten wachsen wir an Erfahrungen im nahen Konkreten.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

Inten­siv wirk­sam sind die ein­dring­li­chen Betreff­nis­se: Nie­der­la­gen, Krank­heit, Schmerz. Also das, was an und unter die Haut geht.

Erfolg ist ein­drucks­voll und, klar, wohl­tu­end, aber ist er pro­duk­tiv? Man mag durch ihn erken­nen, daß man sehr vor­über­ge­hend Ent­schei­den­des wohl pas­send regel­te und einen auf­merk­sa­men Sen­sor für das Erspü­ren des Glücks oder für den Kai­ros (Καιρός) ent­wi­ckelt hat, mehr aber nicht.

Ein Bei­spiel aus dem eige­nen Nahbereich:

Im letz­ten Febru­ar begann plötz­lich in mei­nem unte­ren Rücken ein ful­mi­nant ein­drucks­vol­ler Schmerz, der sogleich tief ins rech­te Bein und bis in den Fuß aus­strahl­te. Ken­nen vie­le: Band­schei­ben­vor­fall. An sich tri­vi­al, aber tri­vi­al fin­det man’s nur, solan­ge es einen nicht betrifft. Ich igno­rier­te es zunächst und hielt‘s für Alt­män­ner­kram. Ja, ich dach­te an mein Alter, mein­te aber: Ich doch nicht! Nicht bei so sat­ten Trainingseinheiten.

Aus Gewohn­heit hielt ich gegen: Ein­fach wei­ter mit Kraft- und Aus­dau­er­trai­ning, so wie seit Jah­ren. Kein Nach­las­sen, eher die Schlag­zahl erhö­hen. Nichts wur­de bes­ser, son­dern alles schlim­mer. Vor allem: Der Schmerz blieb und über­nahm die Herrschaft.

Bald saß ich einem rou­ti­nier­ten Ortho­pä­den gegen­über, dem sicht­lich nichts so fremd war wie Enga­ge­ment. Er hat­te einen Rol­la­tor­park­platz auf dem Flur und das gan­ze War­te­zim­mer vol­ler alter ver­bo­ge­ner Men­schen. Es lief bei ihm.

Also tat er das Übli­che, über­wies mich zum MRT, ohne selbst irgend­was zu unter­neh­men. Die vom Radio­lo­gen über­mit­tel­te Dia­gno­se las er mir wie ein Notar vor: Band­schei­ben­vor­fall zwi­schen zwei­tem und drit­tem sowie vier­tem und fünf­tem Wir­bel, dar­über hin­aus noch ein Gan­gli­on, das auf einen Nerv drück­te, als Zuga­be irgend­wo eine Rißbildung.

Zum einen ist das zwar etwas viel auf ein­mal, im Wesent­li­chen, aber den­noch eine Art Stan­dard­fall in mei­ner Alters­grup­pe, zum ande­ren war ich von jeher dafür prä­de­sti­niert: Sko­lio­se, aller­lei ortho­pä­di­sche Fehl­stel­lun­gen von unten bis oben.

Von Kind­heit an hat­ten es Ärz­te ver­wun­dert bis kon­ster­niert bemerkt, und nach einer ers­ten mich nahe­zu recht­wink­lig beu­gen­den Schmerz­at­ta­cke wäh­rend der Armee­zeit und inten­si­ver Kurz­be­hand­lung in einem Laza­rett dach­ten küh­le DDR-Mili­tär­ärz­te sogar über vor­zei­ti­ge Aus­mus­te­rung nach, ent­schie­den sich aber schließ­lich dage­gen. Zur Ver­ab­schie­dung nach den Unter­su­chun­gen auch spä­ter immer wie­der das erns­te Ora­kel: Mit ihrer Wir­bel­säu­le wer­den Sie aber irgend­wann noch rich­ti­ge Pro­ble­me bekom­men. Schul­ter­zu­cken – und weiter.

Ortho­pä­disch ganz gesund ist bekannt­lich nie­mand, des­we­gen nahm ich’s locker – und sport­lich. Jahr­zehn­te­lang Aus­dau­er­läu­fe, Fahr­rad sowie­so, Kraft­übun­gen. Als die Knie ver­schlis­sen waren und ich auf lan­ge Läu­fe ver­zich­ten muß­te, saß ich wei­ter­hin auf dem Rad und ent­wi­ckel­te mir eine spe­zi­el­le Gym­nas­tik, ori­en­tiert an Yoga und tibe­ti­schem Lu Jong. Täg­lich zog ich mei­ne Übun­gen durch. Man arbei­te mit dem Zeug, was einem von Geburt an mit­ge­ge­ben ist, mit den Talen­ten eben­so wie mit den Han­di­caps. Ers­te­res mag beglü­cken, Zwei­te­res schult.

Mein Feh­ler: Wie stets Ver­mes­sen­heit. Ich hielt mich näm­lich für gefeit. Mit stil­ler Häme dach­te ich an die Ver­hei­ßun­gen der Medi­zi­ner, irgend­wann wür­de ich schon einen Wir­bel­säu­len­scha­den spü­ren. Ha, ich doch nicht! Bei dem Pen­sum Kraft, Aus­dau­er und Gym­nas­tik gar nicht mög­lich. Man las doch über­all, daß Män­gel in der Sta­tik des Ske­letts durch kräf­ti­ge Mus­ku­la­tur auf­ge­fan­gen würden.

Nun also doch ein Crash, wider­lich schmerz­haft, obwohl ich frü­her annahm, ordent­lich was aus­hal­ten zu kön­nen. Der miß­mu­ti­ge Ortho­pä­de mein­te, ich könn­te mir immer mal ein Rezept für die grö­ße­ren Ibu­profen-For­ma­te abho­len. Ein­fach vorn am Tre­sen Bescheid geben, wird dort flott aus­ge­druckt, neu­er­li­cher Ter­min nicht nötig. – Ach, und eins noch, Herr B., rief er mir nach. Sie sind doch rich­tig gut beweg­lich. Sol­che wie Sie kom­men immer irgend­wie durch. –

Mona­te­lang ver­sorg­te ich mich mit Ibu­profen. Mit 600, gar 800 Mil­li­gramm davon läuft alles, einer­lei, wel­chen ortho­pä­di­schen Scha­den man hat. Schwie­rig­kei­ten im Magen-Darm-Bereich muß man ris­kie­ren. Risi­ko gehört nun mal dazu.

In stil­ler Arro­ganz pfiff ich zunächst auf die anemp­foh­le­ne Phy­sio­the­ra­pie, nach­dem ich auf dem Über­wei­sungs­schein die Wor­te Wär­me­be­hand­lung und Fan­go gele­sen hat­te. Ist eher eine Beschäf­ti­gungs­the­ra­pie für Rent­ner, dach­te ich mir, und exer­zier­te auf Ibu­profen wei­ter mei­ne ver­traut har­ten Übun­gen, die meis­ten davon in mei­ner Situa­ti­on ver­mut­lich falsch bis unsin­nig. Wenigs­tens die Han­teln hät­te man wohl weg­las­sen müssen.

Sank der Ibu-Spie­gel, stell­te sich pünkt­lich wie ein Gespenst der vie­hi­sche Schmerz ein und tacker­te mich fest. Bewe­gungs­ap­pa­rat umfas­send blo­ckiert. Also nach­le­gen, mehr Ibu ein­spü­len, um durch den Tag und die Nacht zu kom­men. Wochen­lang, monatelang.

Als ich merk­te, daß die Inten­si­tät des Schmer­zes gedul­dig zunahm, ließ ich mich auf die War­te­lis­te eines Schmerz­the­ra­peu­ten set­zen, fut­ter­te bis dahin noch ein wei­te­res Vier­tel­jahr Ibu­profen, bis ich bei jeder Kon­sul­ta­ti­on in der neu­en Pra­xis eine Sprit­ze in den Rücken und ein Rezept für Groß­pa­ckun­gen von Pil­len gegen neu­ro­pa­thi­schen Schmerz sowie Mor­phin­prä­pa­ra­te bekam. Kein Ibu mehr, dafür Tili­din, das ich von Capi­tal Bra kann­te, der damit so sei­ne eige­nen Pro­ble­me hatte.

End­lich nahm ich die Phy­sio­the­ra­pie ernst, arbei­te­te die Ter­mi­ne artig ab und woll­te was ler­nen, da mir die Angst im Nacken saß. Vor rich­ti­gem Schmerz bekommt man näm­lich gera­de­zu Angst – auch in der Wei­se, daß plötz­lich irgend­was ein­tritt, was einen völ­lig bricht oder gar noch das Bein lähmt.

Zudem: Man ist mit Schmer­zen nicht anzu­bie­ten. Oder meint es wenigs­tens. Bes­ten­falls ste­hen Kol­le­gen, Ver­wand­te, Freun­de hilf­los dane­ben, wenn sie mit­be­kom­men, daß es in einem bestän­dig reißt, obwohl man sich zusam­men­reißt. Was soll­ten sie tun? Man muß es allein tra­gen, ist aber nicht in Stim­mung und sinnt immer­fort auf Rück­zug. Allein kann man bes­ser flu­chen oder stun­den­lang bei Klas­sik-Radio den mür­ben und ver­spann­ten Leib dehnen.

Noch immer beflei­ßi­ge ich mich der neu erlern­ten Übun­gen und ver­su­che nicht mehr kerl­nar­ziß­tisch wie frü­her die eigent­lich sicht­ba­re Mus­ku­la­tur aus­zu­bil­den, son­dern jene, die dicht am Ske­lett liegt. Alles mit sehr mäßi­gem Erfolg, denn ohne phar­ma­zeu­ti­sche Unter­stüt­zung kom­me ich bis­lang weder durch Tage noch Nächte.

Dies als Beschrei­bungs­skiz­ze im Sin­ne eines Fall­bei­spiels. Mir liegt nun genau nicht dar­an, hier eine ortho­pä­di­sche Selbst­hil­fe­grup­pe unter mei­nen Boo­mer-Gefähr­ten zu begrün­den, mir liegt noch weni­ger am wohl­mei­nen­den Rat von Betrof­fe­nen oder gar Medi­zi­nern, denn prin­zi­pi­ell bli­cke ich durch.

Ich sah zudem genug You­tube-Vide­os höchst gelen­ki­ger Phy­sio­the­ra­peu­ten, die damit war­ben, sie wüß­ten genau die rich­ti­ge Übung, nicht sel­ten sogar jene, die sofort und unmit­tel­bar alle Blo­cka­den löst. Ich habe eine Men­ge davon durch, und daß ich mich kräf­tig­te, stör­te den Schmerz selbst über­haupt nicht. Der blieb mir ganz ver­bind­lich treu. So, wie er frü­her stets fehl­te, war er neu­er­dings immer prä­sent, mitt­ler­wei­le bei­na­he als guter Vertrauter.

Wich­ti­ger als alle Tur­ne­rei scheint die bewuß­te Erfah­rung des Ver­falls, also zu erle­ben, inwie­fern wir – wie alles ande­re – der Entro­pie unter­wor­fen sind, jenem gera­de­zu onto­lo­gisch zu ver­an­schla­gen­den grund­sätz­li­chen Vor­gang, der gemäß zwei­tem Haupt­satz der Ther­mo­dy­na­mik ganz zwangs­läu­fig zur ste­ti­gen Ent­la­dung der Bat­te­rien führt, die unse­re Rea­li­tät und somit unser Leben antrei­ben. So jeden­falls for­mu­lier­te es Bri­an Gree­ne in Anleh­nung an Bert­rand Rus­sell.

Gewis­ser als jede Struk­tur, jede Bil­dung, jede Ord­nung sind die Auf­lö­sung, der Zer­fall, die Unord­nung. Der Vor­gang des Zer­split­terns eines Gla­ses, das auf dem har­ten Boden auf­schlägt, ist zeit­lich nur in eben die­ser Rich­tung vor­stell­bar und nicht umkehr­bar; die Split­ter fin­den sich nicht von allein zu einem neu­en Glas zusammen.

Unse­rem Kör­per ergeht es nicht anders. Wir wer­den amorph und zer­brö­seln. Man lese bei Inter­es­se wei­ter bei Lud­wig Boltz­mann nach. Eine Band­schei­be, die raus­flutscht, zieht sich nicht ein­fach so wie­der dort­hin zurück, wo in der Jugend ihr Platz war. Die auf­rech­te Hal­tung, die sta­bi­le Gewach­sen­heit einer Struk­tur ist das Unwahr­schein­li­che, die Unord­nung und Auf­ge­löst­heit viel wahrscheinlicher.

Medi­zi­ner und Phy­sio­the­ra­peu­ten kön­nen für unse­re leben­di­gen Kör­per vor­läu­fig und kurz­fris­tig so aller­lei kor­ri­gie­ren, auf­schie­bend, lin­dernd, mit­un­ter auch Hard­ware-Schä­den repa­rie­rend – so daß irgend­wann ein paar Stück­chen Titan in der Asche lie­gen. Nur bleibt letzt­lich doch nur der Ver­fall und also das Erfor­der­nis, eine Art des ver­son­nen lächeln­den Umgangs damit zu ent­wi­ckeln, solan­ge man wei­ter­le­ben will, soll­te oder muß.

Auf die The­ma­ti­ken des Maß­hal­tens und Redu­zie­rens bin ich aus beson­de­ren Grün­den seit Jah­ren gera­de­zu fixiert. Und sicher dar­in, daß genau das prin­zi­pi­ell gute Mög­lich­kei­ten offeriert.

Hin­zu kommt die Übung in der Demut, unver­trau­ert ein­zu­se­hen, daß ich – wie alles Leben – in mei­ner Ein­zel­va­ri­an­te Dasein ver­gäng­lich bin, daß ich ver­fal­le, erst hier und da über ein­kra­chen­den Soll­bruch­stel­len, schließ­lich aber in Gän­ze. Man kann das an den eige­nen Eltern beob­ach­ten, denen man in ihrer Hin­fäl­lig­keit hilft, und soll­te wis­sen: Ihnen fol­ge ich nach, unwei­ger­lich ver­schlei­ßend und schließ­lich absterbend.

Dage­gen­hal­ten, klar, da sich ansons­ten die Entro­pie vor der uns gege­be­nen Zeit durch­setzt, aber im Wider­stand doch sanft ver­fah­ren, also leis­ten, was (noch) mög­lich ist, das aber ernst­haft und dis­zi­pli­niert. Oder im Sin­ne eines leich­ten Spiels als Tanz mit dem Schick­sal. Immer jedoch wis­sen: Letzt­lich steht man auf ver­lo­re­nem Pos­ten. Daher gel­te das kraft­vol­le: Trotzdem!

In eili­ger Über­tra­gung im hin­ken­den Ver­gleich: Die­sen Satz hal­te ich übri­gens für eine Grund­ein­sicht des Kon­ser­va­tis­mus. Aufs Gan­ze gese­hen ver­liert er immer, den­noch bedarf es sei­ner als eines bestän­di­gen Korrektivs.

Also wei­ter: Sich in Ruhe und gründ­lich üben. Das ist ein Prin­zip, was über medi­zi­ni­sche Pro­ble­ma­ti­ken hin­aus­weist und all­ge­mein gilt. Übe dich, ver­su­che das Mög­li­che, geh in den Schmerz hin­ein, ste­he ihn durch, stre­cke und deh­ne dich wie eine jun­ge Kat­ze am Mor­gen, einer­lei wie du aufwachst.

Ich habe den Ein­druck, daß dies, die­ses All­tags­ge­bot, in einem umfas­sen­de­ren Sin­ne, näm­lich „gesell­schaft­lich“, zu wenig gefor­dert wird. Die poli­tisch-phra­sen­haf­te sozi­al-demo­kra­ti­sche Dau­er­schlei­fe von Bedar­fen-Teil­ha­ben-Nach­teils­aus­glei­chen-Gerech­tig­keit scheint mir von der Ten­denz zu sein, den Men­schen, „unse­ren Bür­gern“, immer mehr von dem all­zu locker zurei­chen zu wol­len, was sie sich mit zu ent­wi­ckeln­der und zu erhal­ten­der Spann­kraft und Elas­ti­zi­tät erar­bei­ten müß­ten, inso­fern mensch­li­ches Leben vor allem eines ist – per­ma­nen­te Selbstüberwindung.

Wenn man sich erst kapi­tu­lie­rend gänz­lich dem medi­zi­nisch-phar­ma­ko­lo­gi­schen Kom­plex über­gibt, auf daß der einen mit Medi­ka­men­ten „ein­stellt“ und mit sei­nen Appa­ra­tu­ren hilft, gerät man in eine dan­tes­ke Welt der Todes­ver­zö­ge­rung, die trotz vor­läu­fi­gen Tros­tes unheim­lich erscheint.

Mein wüten­der Kraft­ak­kord gegen einen dop­pel­ten Band­schei­ben­vor­fall, mei­ne star­re Reak­ti­on, war frei­lich idio­tisch destruk­tiv. Mag sein, damit habe ich mir vor­erst den Rest gege­ben. Und ob ich je wie­der schmerz­frei leben wer­de, steht dahin, aber:

Im Akt des Trotz­dem die Mat­te aus­rol­len und sich Zeit neh­men für die Siche­rung des­sen, was in der eige­nen Befä­hi­gung liegt, stellt eine Lei­bes- eine Lebens­übung dar, der man fol­gen soll­te, selbst wenn sie – letzt­lich – zweck­los ist. Es geht weni­ger um einen Zweck als um Hal­tung. In mei­nem Fall sogar im Wort­sin­ne, näm­lich ortho­pä­disch (Mach dich mal gera­de, Alter!), aber eben­so in erwei­ter­ter Weise:

Übe Dich auch bei mise­ra­blen Aus­sich­ten, nimm Rück­schlä­ge hin, sei gefaßt dar­auf, daß es nichts wird, aber sei nicht so schwach, dich vorn­her­ein hän­gen­zu­las­sen. Drück den Rücken durch! Mei­de Fana­tis­mus, um so mehr aber arbei­te ruhig und ste­tig vor dich hin, behut­sam bis zu der Gren­ze, die du schon sicher erspü­ren wirst.

Nur nicht auf die zurück­ge­lehn­ten Ärz­te ver­las­sen: Na, Herr B., Sie ken­nen doch Ihr Geburts­da­tum. Da kom­men die Ein­schlä­ge nun mal dich­ter. Sie haben sich doch noch ganz gut gehalten.

Wei­ter hal­ten! Gegen­hal­ten. Nicht ver­bis­sen, son­dern lächelnd. Und was man nicht weg­at­men kann, das läßt sich immer noch igno­rie­ren. Mehr jeden­falls, als man anneh­men mag.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

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Kommentare (64)

MARCEL

21. Oktober 2022 09:36

Literarisches Vorbild, wie man Verfall und Ohnmacht meistern kann:

Tomasi di Lampedusa, Der Leopard

Darin bewahrt Don Fabrizio, Fürst von Salina (Sizilien) angesichts der Verheerungen der einbrechenden Moderne nach der Bourbonen-Zeit (Garibaldi und Co) aristokratische Haltung. Mehr kann er auch nicht tun. Das Angebot der Sieger, ein Ratsmandat in Savoyen anzunehmen, lehnt er mit der genialen Erwiderung ab, "Wir Sizilianer, wir sind Götter"...

Erinnert übrigens an die zahlreichen Beispiele aus der französischen oder russischen Aristokratie nach den Revolutionen.

In diesem Sinn: Wenn nichts mehr geht, Selbstachtung geht immer.

Mögen wir die Kraft dazu haben.

 

RMH

21. Oktober 2022 09:46

"Daher gelte das kraftvolle: Trotzdem!"

"Weiter halten! Gegenhalten."

Antwort Leo Naphta: rebellio carnis!

deutscheridentitaerer

21. Oktober 2022 09:51

Jaja, das Sterben beginnt mir der Geburt, oder so.

Davon abgesehen haben Sie eh Glück gehabt, Sportverletzungen ignorieren, Ibuprofen nehmen und sich das Gelenk ruinieren macht man üblicherweise in den 20ern, wonach man zwar klüger, aber nicht gesünder ist.

pasquill

21. Oktober 2022 10:16

Grandios, H.B., Empfehlung einer schmerzgeplagten Pessimistin: Bei der nächsten Attacke in die Badewanne legen und Philipp Mainländers Philosophie der Entropie lesen und über seinen Ausweg nachdenken. Das fehlt: Nachdenken über den Suizid mit Amery, Camus, d'Holbach. Die schiere Möglichkeit tröstet schon. 

Laurenz

21. Oktober 2022 11:16

@HB

Sie sind nicht fett genug, daher ist Ihre Wirbelsäule nicht gewohnt, Gewicht zu tragen. Hinzu kommt Ihre Radelei, die schont fatalerweise Ihr Rückgrat. Laufen Sie mehr, anstatt zu radeln. Ich ruinierte meinen Rücken schon mit 25, im jugendlichen Größenwahn, dabei, Gitarrenverstärker ins Auto gebeugt mit einer Hand herauszuhieven. Blödheit wird halt bestraft. Die meisten Orthopäden sind, wie Ihrer, Scheiße. Man muß Glück haben, einen guten zu finden. Ich fand zum Glück eine Ärztin, die eigentlich Physiotherapeutin war, bis ein Prof mal zu Ihr meinte, Sie solle doch nochmal mit Ende 20 anfangen, Medizin zu studieren. Diese Ärztin fühlt quasi das Problem & hilft einem mit einer Mischung aus alternativer - & Schul-Medizin, wie einem Quantum an Chiropraktik. Bin da schon öfters auf dem Bauch in die Praxis gerutscht & stehenden Fußes wieder raus gelaufen. Natürlich können Sie auch die spirituelle Seite bearbeiten, wenn Sie bei einem Aufsteller Ihrer Wahl Ihren mürbe machenden Schmerz aufstellen. Falls Sie vor Ort keine adäquate Hilfe finden, hier finden Sie sie. Dann sind Sie auch die Schmerzmittel los.

http://www.ortho-frank.de

Franz Bettinger

21. Oktober 2022 13:57

Die 4! Schrotschuss-Diagnosen, die man Ihnen verpasst hat, sind vermutlich alle falsch - bis auf das „Ganglion“. Wegen diesem würde ich aber einen guten Neurologen aufsuchen. Stimmt die neurologische dermatombezogene Symptomatik (die Ihr Orthopäde ihrer Darstellung nach gar nicht untersucht hat und von seiner Ausbildung her auch wohl nicht kennt) mit der Lokalisation dieses vermutlich gutartigen Tumors überein, sollte operiert werden. Winken Sie nicht gleich ab. Dümmer werden Sie von der Einhaltung einer Zweiten Meinung ja auch nicht. Gerade die untypisch lange Dauer ihres Leidens macht Bandscheibenvorfälle (noch dazu L3/4 plus L4/5) wenig wahrscheinlich. Nie vergessen: die häufigste Krankheit ist die Diagnose, und die häufigste Diagnose ist die Fehl-Diagnose. Gute Diagnostiker waren allerdings immer schon selten. 

ede

21. Oktober 2022 14:01

"... versuche nicht mehr kerlnarzißtisch wie früher die eigentlich sichtbare Muskulatur auszubilden, sondern jene, die dicht am Skelett liegt."

Yup.

Ich bin selbst mit Mitte 40 als rechter Winkel ins Büro geschlichen. Ich kenn auch berühmte Karatekas, die später auf Krücken in die Turnhalle kamen. Meine natürliche Faulheit hat mich vor dem schlimmsten bewahrt. Dabei weiß jeder, ein TOP-Kämpfer entspricht nicht dem Hollywood Ideal (schmale Hüften, breite Schultern).

Die Lösung haben Sie ja selbst gefunden:

"Auf die Thematiken des Maßhaltens und Reduzierens bin ich aus besonderen Gründen seit Jahren geradezu fixiert."

Franz Bettinger

21. Oktober 2022 14:02

Ja, Herr Bosselmann, richtiger Schmerz und vor allem chronischer Schmerz machen Angst. Am Schlimmsten sind die unberechenbaren Neuralgien. Und es stellen sich dann oft Fragen nach dem weiter leben Wollen. Bevor man an diesem Punkt ankommt, sollten einige Versuche stehen: Schmerz heroisch aushalten zu wollen, halte ich für falsch. Es lohnt immer der Versuch, den Schmerz-Kreislauf (falls einer vorliegt, und das ist oft der Fall) durch profane Schmerzmittel (Ibuprofen —> Diclofenac —> Morphium) durchzuschneiden und damit zu beenden. Manchmal funktioniert auch Chirotherapie und gekonntes Stretching. Alles das haben Sie versucht. Weiter Arbeiten und sich Bewegen soll beim Low Back Pain nach Studien (die noch in der guten alten Epoche vor unserer 'Zeit der Lügen' durchgeführt wurden) schneller Abhilfe schaffen als Schonung. - „Orthopäden sind Chirurgen, die zu faul zum Arbeiten sind,“ sagte mein Vater selig (Chirurg). 

Niekisch

21. Oktober 2022 15:56

Lieber Herr Bosselmann, traurig und köstlich zugleich!

Mit Ihnen fühlend empfehle ich wunschwidrig die "Planke". Diese Übung hat mich vom chronischen Rückenschmerz befreit. Wenn Sie dann noch ergänzend moderates "nordic-walking" betreiben, kann es vielleicht wieder gut werden. 

Es sei Ihnen herzlich gewünscht.

 

Maiordomus

21. Oktober 2022 16:03

@Bo. "Die Vernunft zerstört den Glauben keineswegs; viel ernster zu nehmen ist die Arbeit des Schmerzes am Fels, vernichtende Erosion." Eine Notiz des unter starken Leibschmerzen, die ihn am Essen hinderten, leidenden Autors Reinhold Schneider in Wien im Winter 1957/58. Schwer nachzuvollziehen, was er damals und sie jetzt durchstehen müssen..

Nicht bloss ärgerlich aber die "Gegneranalyse" von Aletta Diefenbach und Tim Lörke, bezahlt vom Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend betr. Ihren Artikel hier vom 7. April 2020, aus meiner Sicht zwar nicht gerade Ihr bestgeschriebener Beitrag, aber grundehrlich, u.a. mit dem Dezisionismus-Problem, aber auch Migration, Corona usw., wohl etwas viel aufs mal mit anschliessender hochstehender Debatte, wie ich finde, von präziser Argumentation; fast jeder über dem Durchschnitt seiner Wortmeldungen, auch @Bosselmann  selber meldete sich zum Dialog.

Wie ich nun aber dazu das in keiner Weise differenzieren wollende Familienministerium-Gekotze auf  Juso-Niveau lese (immerhin waren sie durch den für sie verständlichen Sellner noch am wenigsten überfordert), empfand ich beinahe körperlichen Schmerz. Es war unter dem Niveau auch von eher simplen Wortmeldungen der Debatte unten. Bin indes dankbar, dass diese Diskussion (7--10. April 2020) nicht gelöscht wurde.  

paterfamilias

21. Oktober 2022 16:21

Ich bin kein Mediziner, habe aber ausführliche Erfahrung mit Psychotherapie. Aus dieser Erfahrung heraus halte ich es für wahrscheinlich, dass Ihre äußerst schmerzhaften Bandscheibenvorfälle mindestens zum Teil auch Ausdruck des massiven psychischen Stresses sind, dem Sie ausgesetzt sind und waren. Ich denke hier vor allem an die Anfeindungen, Denunziationen und Repressalien gegen Sie als "rechten" Lehrer. Die Ungerechtigkeit und Boshaftigkeit, die dem innewohnt, schreit zum Himmel, wie man so sagt. Und sie lässt auch Sie schreien, könnte ich mir vorstellen. Während Sie rational Selbstkontrolle, Aushalten und Maßhalten als Ausweg anstreben, schreit Ihre Seele/Psyche wegen der Maßlosigkeit der Attacken gegen Sie zum Himmel – was ich nur allzu verständlich finde. Ich würde also Wege zur tieferen Verarbeitung dieser Art von Schmerz suchen. Dann könnte sich auch die körperliche Verspannung lösen. Natürlich rutscht davon keine Bandscheibe an die richtige Stelle zurück, aber deutliche Linderung dürfte es bringen.

Wuwwerboezer

21. Oktober 2022 17:01

CAPUT I

"Drück den Rücken durch!"

Ohje ...

Hatte vor etwa fünf Jahren Knieschmerzen so daß ich mich monatelang nicht mal im Bett drehen konnte. Bin zu keinem Arzt gegangen, aber schließlich zu einer Heileurythmistin, welche mir gleich mal meine Entwicklungsverzögerungen mit jeweiliger Altersangabe aufgefächert hat, welche sie körperlich manifestiert mit ein paar kurzen Blicken gesehen hat, als ich die Treppe hochkam. Dann sollte ich mich vor sie stellen und sie hat mir haarklein erläutert, wie meine Körperhaltung i. E. unvorteilhaft um nicht zu sagen pathologisch war. Wir sprechen von einer hohen Kunst und insofern war ihr Befund, nach dem mehrere Haltungsfehler einander bedingt haben, zu komplex, um ihn hier mit der Formel "Das Problem saß nicht im Knie sondern in der LWS" wiederzugeben. Unter anderem habe ich Rücken und Knie viel zu straff durchgedrückt. Wir sind gemeinsam darauf gekommen, daß dies aus einer Lebensphase herrührte, in der ich im Anfall eines Spleens und sogar Zwangs sowie orthopädisch gesehen in nicht zu rechtfertigender Banausität geglaubt hatte, mich "straffen"

https://www.deutschestextarchiv.de/book/view/heine_wintermaehrchen_1844?p=32

zu müssen. Habe vor allem das Becken (im Pilates: das Powerhouse) zu weit vorgeschoben gehabt und später herumgefragt, niemandem war dies aufgefallen, aber mit ihrem Blick sagt sie: bis zur Karikatur. ("Schauen sie sich mal einen Gorilla an, wie der die Schultern vorzieht wenn er mal auf den Hinterpfoten läuft.")

Wuwwerboezer

21. Oktober 2022 17:01

CAPUT II

Habe bei ihr auch erst lernen müssen, daß die Knie immer ein paar Zentimeter eingeknickt zu sein haben. ("Schauen sie sich mal den Putin an, Judoka, wie elastisch der beim Gehen in den Knien federt".) Nach ein paar Tagen war ich geheilt, auch durch bestimmte Übungen, bei denen man z. B. mit Stangen auf dem Kopf, die nicht herunterfallen dürfen, durch den Raum schreitet usw. Fazit: 1. Das Problem war psychosomatisch bzw. biographosomatisch manifestiert und war bei aller Komplexität mit einer Portion Menschenkunde aufzuspüren, zu verstehen und zu heilen. 2. Es hat dazu kein ideologisches Brimborium à la "ich muß XY" gebraucht. 3. Im Gegenteil, ein solches Brimborium hatte das Problem erst ausgelöst gehabt. Tut mir leid, das sagen zu müssen, aber wir sind erneut beim Thema Zwanghaftigkeit.

Sehe mich auch an unseren Leninplatz-Nachbarn Heinz-Florian Oertel erinnert, der sich ganz vornan an der Erhebung des Sports zur Afterreligion betätigt, aber beim Joggen im Friedrichshain mit verbissenen Gesichtzügen körperlich komplett selbst ruiniert hat, zeitweise lief er aufgrunddesen nur noch auf Krücken.

- der Wuwwerbözer

Maiordomus

21. Oktober 2022 17:04

@Bo. Fast körperlich weh tut einem Lektüre eines vom Bundesministerium für Familie im Netz veröffentlichten Juso-Schüleraufsätzleins von Aletta Diefenbach und Tim Lörke "Gegner Analyse - Gegenmedien als Radikalisierungsmaschine - Neue Rechte; Identitäre Affektpolitik in Zeiten der Pandemie." Herhalten muss Ihr Beitrag hier v. 7. April 2020 zu Migration, Corona, Dezisionismus; etwas viel aufs Mal, deswegen für Sie suboptimal, kompensiert aber durch Forum-Debatte, bei der fast jeder Teilnehmer zur Differenzierung und begrifflichen Präzisierung beitrug, Die  Qualität Ihres Aufsatzes lag in der Basis für gute Diskussion. Dabei stand die These der muslimischen "Landnahme" nicht im Vordergrund; eher innenpolitische Voraussetzungen, welche solche Perspektiven öffnen. Die Art, wie Sie aber hier staatsoffiziell zum Extremisten gemacht werden, steht argumentativ unter Ihrem z.T. philosophisch fundierten Beitrag, vgl. ferner die Differenzierungen in der Debatte. Noch lehrreich, dass für Tim und Aletta M. Sellner derjenige Rechte ist, der sich für sie verständlich ausdrückt; ab Bosselmann und bei Erläuterungen zum Dezisionismus schienen sie überfordert; mit dem Unterschied, dass SiN-Beiträge von der Bundeszentrale für politische Bildung nun mal nicht subventioniert werden. 

Maiordomus

21. Oktober 2022 17:28

PS. "Die Vernunft zerstört den Glauben keineswegs; viel ernster zu nehmen ist die Arbeit des Schmerzes am Fels, vernichtende Erosion." Reinhold Schneider; Lektüre für Minuten, Auswahl u. Nachwort von P. Meier, Suhrkamp Verlag 1980.

Schneider notierte dies in seinem Buch "Winter in Wien" in Zuständen, bei denen er vor Leibschmerzen kaum zu essen vermochte, sich zumal von Wein ernährte. Wie auch immer, Herr Bosselmann, was Schneider über die Tücke des Schmerzes zu schreiben wusste, im 19. Jahrhundert diesbezüglich Stifter, ist kaum nachvollziehbar; so wie wir hier schwerlich nachvollziehen können, was Sie durchmachen. Die obige Notiz, nicht von Reinhold Schneider, sondern weiter oben als Kommentar zu zwei intellektuellen Grünschnäbeln des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (da sind Ihre einsamen Altmännersorgen ausdrücklich nicht inbegriffen), hätte ich mir erspart ohne die Lektüre Ihres heutigen bewegenden Essays. Sie alt? Im Jahre Ihrer Geburt las ich das Gesamtwerk von C.F. Meyer, der es literarisch stark mit dem Leiden hatte: "Was martert die lebendige Brust/Beseligt und ergötzt im Stein" schrieb er über eine Statue von Michelangelo. Wie auch immer: Sie sind nicht der sterbende Sklave! Also Kopf hoch! 

 

Maiordomus

21. Oktober 2022 20:25

PS 2: Trotz entsprechendem Niveau sind die Soziologin Aletta Diefenbach und der Germanist Tim Lörke keine Jusos mehr, letzterer sogar ehemaliger Leiter des mir wohlbekannten Faust-Hauses in Knittlingen: darüber würde ich mich mit diesem lieber unterhalten als über die deutsche Rechte, worüber sich qualifiziert einzuarbeiten nun mal ein paar Jahre Arbeit abgeben würde anstelle v. Fertigmacherei: bin mir nicht sicher, ob der Thomas-Mann-Spezialist mit Lehnert und Kubitschek Schritt halten würde, so weit es um damalige Literatur ausserhalb des Kreises um Thomas Mann ginge, eine Literatur zwar, die aus primitiv antifaschistischer Sicht sowieso eingestampft werden müsste, wie der Meister mal anmerkte, was ihn zwar von einem sehr gepflegten Briefwechsel mit Reinhold Schneider nicht abhielt. Der Aufsatz, bei dem ein echt kritischer, dh. unterscheidungskompatibler Ansatz verlangt gewesen wäre, ist kaum über dem Niveau einer verlangten politisch korrekten Abiturarbeit, ob in diesem Zusammenhang wenigstens genügend, würde ich offen lassen, zumal von einer Befassung etwa mit der Person Bosselmann nicht die Rede sein kann. Zum Streit über die innere Emigration vgl. den Aufsatz von G. Scholdt in der gedruckten "Sezession". 

Blue Angel

21. Oktober 2022 21:09

"...Übe Dich auch bei miserablen Aussichten, nimm Rückschläge hin, sei gefaßt darauf, daß es nichts wird, aber sei nicht so schwach, dich vornherein hängenzulassen..."

Das ist eine gute Einstellung, Herr Bosselmann. 

Mein Mit-Gefühl ist Ihnen gewiß. Vielleicht ein Trost: Die Bandscheiben-Reste bilden sich mit den Jahren zurück (meine sind quasi weg und damit auch der Schmerz). Man muß zwar weiterhin vorsichtig sein aber es klemmt sich dann so schnell nichts mehr ein. 

Wenn es "nur" die Bandscheiben sind (Herr Bettinger hat recht: Eine zweite Meinung ist nie verkehrt) rate ich von einer OP ab und zum Besuch eines fähigen Heilpraktikers. Der (bzw. in dem Fall eine Sie) hat meine Beweglichkeit mehrfach gerettet. Hätte ich mich dem Schmerz "ergeben" und einer OP zugestimmt, wäre ich sicher heute kein Gärtner mehr (man kann auch im Sitzen, Hocken oder Knien große Rosen u. a. verpflanzen). 

Auch der psychosomatische Aspekt ist m. E. nicht zu unterschätzen. Bei Menschen, die sich ständig selbst unter Druck setzen, ist dann der Rücken oft die "Sollbruchstelle", bzw. das "Ventil". - Gute Beserung!

RMH

21. Oktober 2022 22:30

Die Linken würden jetzt zum Kiffen raten, die mehr "ganzheitlich" und leistungsorientierten wenigstens zu CBD.

Interessant ist, dass G.G. jetzt einen neuen Nutzernamen führt. @Wuwwerbözer, hat der Namen eine spezielle Bedeutung oder einen Hintergrund /Herkunft, so wie vormals G. Grambauer?

Was Sie zur Haltung schreiben ist interessant und lädt zur kleinen Ironie ein, dass es heute in unserer Gesellschaft im besonderen Maße auf die richtige Haltung ankommt.

quer

22. Oktober 2022 00:13

Kommt mir irgendwie bekannt vor. Mein und des Arztes Fazit: Sport ist Mord. Sagte Jahre zuvor auch schon mein Herzchirurg. Aber ich wollte ja nicht hören. 

H. M. Richter

22. Oktober 2022 08:28

@RMH

Über Oertel am Leninplatz war auch ich gestolpert und sagte mir, Hauptsache der verehrte GG ist wieder da, gerne auch als jener Rühler Berggeist W., von dem es heißt, daß er vielerlei Gestalt annehmen könne und nicht selten unsichtbar anwesend sei.

@HB.

Hoffe sehr, Sie haben das Präparat T. lediglich verschrieben bekommen, es aber nicht eingenommen, denn nicht nur der genannte Rapper bekam danach so seine Probleme, sondern leider auch so mancher Schmerzpatient.

Maiordomus

22. Oktober 2022 10:26

Dass der Schmerz, die Krankheit zu den psychophysischen Phänomenen gehört, ist natürlich eine Binsenwahrheit, so alt wie die Medizin. Denkbar bzw. erfahrbar ist , zumindest gelegentlich, dass der eine Schmerz den anderen übertönt. Paracelsus schrieb von einem Patienten, ich glaube aus dem Friaul, dessen Leiden er wie folgt charakterisierte: "Er hatte die längste Zeit Ohrenweh. Im Krieg bekam er dann einen Schlag auf den Schädel. Von da an kein Ohrenweh mehr, dafür Kopfweh."

wbs47

22. Oktober 2022 10:48

Kommentiere hier eigentlich nicht mehr, weil ich zu oft "vor verschlossener Tür stand", aber bei dem Schmerz von HB habe ich noch etwas beizusteuern, was vielleicht hilft.

Bei mir war nach dem "Auskurieren" eines "normalen" Bandscheibenvorfalls nach Jahren wieder ein teuflischer Schmerz aufgetreten, den ich so heftig in keiner der bisherigen Bandscheibensituationen hatte. Am Ende vieler "klassischen" Ansätze fand ein geübter "Bildleser" das eigentliche Problem: Es war ein, vom inzwischen spröde gewordenen Faserring, abgebrochenes Gewebestück, das direkt im Nervenkanal sozusagen "nervtötend" wirkte. Hier half natürlich nur eine OP, nach der ich nun auch nach 13 Jahren so gut geheilt bin, daß ich wieder Lambada tanzen kann.

Suedburgunder

22. Oktober 2022 11:04

@ quer

"Sport ist Mord" 

Natürlich kann man es so halten wie jene nicht ganz unbedeutende Person der Zeitgeschichte, der dieses Diktum zugeschrieben wird (fälschlicherweise, wie wikipedia uns belehrt). Allerdings sollte man sich dann nicht wundern, einen Herzchirurgen nötig zu haben und der Pharmaindustrie zuzuarbeiten. 

Herrn Bosselmann würde ich zur Osteopathie raten, deren ganzheitliche Methode, die für mich die größten Heilungsaussichten verspricht. Daß die Gesetzeslage im deutschen Gesundheitswesen dem entgegensteht, spricht Bände.

links ist wo der daumen rechts ist

22. Oktober 2022 11:39

„Mein Schmerz ist nicht mein Schmerz“ (Joachim-Ernst Berendt) 1

 

Erstaunlich beim Thema Schmerz, wie sich hier rechte und linke Kulturkritik treffen.

Ernst Jünger schreibt in „Über den Schmerz“:

„"Die Natur dieser Sicherheit besteht also darin, daß der Schmerz zugunsten eines durchschnittlichen Behagens nach den Rändern abgeschoben wird. Neben dieser räumlichen Ökonomie gibt es noch eine zeitliche, die darin besteht, daß die Summe des nicht in Anspruch genommenen Schmerzes sich zu einem unsichtbaren Kapital anhäuft, das sich um Zins und Zinseszins vermehrt. Mit jeder künstlichen Erhöhung des Dammes, der den Menschen von den Elementarkräften trennt, nimmt die Bedrohung zu."

links ist wo der daumen rechts ist

22. Oktober 2022 11:40

"Mein Schmerz ist nicht mein Schmerz" 2

 

Das erinnert an das berühmte Kapitel „Le Prix du Progrés“ in der „Dialektik der Aufklärung“. Nachdem aus den Anfängen der Anästhesie berichtet wird, als davor gewarnt wurde, daß Schmerzunempfindlichkeit bloß eine Vergessensleistung des Gedächtnisses wäre, man also schwierige Operationen an Tieren vorexerzieren solle, heißt es:

„Das Tier wäre durch die Leiden seiner Henker gerächt: jede Operation eine Vivisektion. Es entstünde der Verdacht, daß wir uns zu den Menschen, ja zur Kreatur überhaupt, nicht anders verhielten als zu uns selbst nach überstandener Operation, blind gegen die Qual. Der Raum, der uns von anderen trennt, bedeutete für die Erkenntnis dasselbe wie die Zeit zwischen uns und dem Leiden unserer eigenen Vergangenheit; die unüberwindbare Schranke.“

RMH

22. Oktober 2022 11:57

@H.M. Richter,

danke für den Hinweis. Den Berg- und Waldgeist von Ruhla habe ich jetzt auch recherchieren können. Für mich Anlass, mal wieder nach Thüringen zu fahren (wohne nicht weit davon entfernt).

RMH

22. Oktober 2022 12:00

@"Sport ist Mord" 

Auch hier dürfte die alte Regel von der Dosis, die das Gift ausmacht, gelten. Sehr guter Freund von mir bekam psychische Probleme, Ärzte rieten ihm, das Laufen anzufangen, was er - obwohl nie der große Sportler - brav und emsig umgesetzt hat. Hat auch nichts mehr gebracht, am Ende stand der Suizid (ich weiß aber nicht, was für Medikamente noch zusätzlich verabreicht wurden). Und so ist gerade das "Laufen" oft nur Ausdruck eines "Davonlaufens" (rebellio carnis - das Aufbegehren des sündhaften Fleisches gegen den auf ihm liegenden Fluch, sterblich zu sein). Diese tieferen Schichten bei Aktivitäten lohnen einer näheren Betrachtung. Bei der heutigen Dauerpropaganda des "fit" seins (man beachte schon das Wort "Fit" alleine einmal genauer), der Selbstoptimierung, ist die Kernfrage immer, die man sich selber ehrlicherweise stellen darf: Mache ich das wirklich für mich selber und habe ich eigene, echte Freude daran oder halte ich damit nur meine Funktionsfähigkeit als Sklave aufrecht, erfülle damit also die Erwartungen Dritter. Ein gesunder Egoismus im positiven Sinne ist nie verkehrt. Und vor allen orthopädischen Eingriffen sollte man sich stets eine zweite Meinung einholen, denn gerade diese Eingriffe haben hohe Fehler- und "Nebenwirkungsraten". Am Ende wird aber sicher immer ein Rest bleiben, bei denen ein chirurgischer Eingriff das Mittel der Wahl sein wird. Wie immer hängt man als Laie voll am Vertrauen, das man seinem Arzt (m/w/d) entgegen bringt.

Monika

22. Oktober 2022 13:06

Geht es in Teil 2 dann um Prostatabeschwerden und Erektionsstörungen weißer CIS-Männer ? Und könnten die älteren Damen des rechten Forums etwas zu Wechseljahresbeschwerden beitragen ? @ Maiordomus Zu Reinhold Schneider: 

Er gilt als der unerotischeste Schriftsteller überhaupt und hatte wenig Erfolg bei Frauen . Auch trank er wohl ziemlich viel und hatte Magenprobleme. Seine Haushälterin und Hüterin Fräulein Baumgarten soll es nicht immer „verstanden haben, dem magenkranken Patienten recht zu kochen“. ( siehe: Bruno Scherer, Tragik vor dem Kreuz, Leben u. Geisteswelt Reinhold Schneiders). Eine nette Frau trägt deutlich zur Gesundheit eines Mannes bei. Verheiratete Männer leben länger. Das gilt umgekehrt  nicht. 😢😂😀

 

Carsten Lucke

22. Oktober 2022 14:09

Sehr verehrter Herr Bosselmann, verstehe ich nicht, wie Sie vor nicht allzu langer Zeit einem Kommentator hier beschieden, Sie sich als glücklichen Menschen vorzustellen. - Mit solchen, von Ihnen beschriebenen Schmerzen kann keiner glücklich sein. - Ich weiß, wovon ich rede.

Kurz darauf  Ihr persönlicher Askese-Artikel - bewundernswert und beinahe heroisch. Ich dachte  : Was soll's - auch nur eine Form der Sucht...

Und jetzt diese Zeilen ?! - Sie haben mein vollstes Mitgefühl, durfte ich doch auch schon dauerhafte Bekanntschaften mit höllischem Schmerz eingehen., jedoch : Machen Sie sofort Schluß mit der Verweigerung aller Annehmlichkeiten, lassen Sie 5 grade sein und erinnern sich mal wieder an den Gebrauch eines 18er Ringschlüssels und des Schraubverschlusses.

Das kann nicht so weitergehen mit Ihnen !

Von Herzen alles Gute und schnellste Besserung !

Niekisch

22. Oktober 2022 14:59

"ist gerade das "Laufen" oft nur Ausdruck eines "Davonlaufens" (rebellio carnis - das Aufbegehren des sündhaften Fleisches gegen den auf ihm liegenden Fluch, sterblich zu sein)"

@ RMH 22.10. 12:00: Laufen muß nicht sein, ich bin bis 1994 gejoggt, hatte Beschwerden, bin dann zum "nordic walking" übergegangen, das ich nur sehr positiv bewerten kann. Die Umgebung wird im Wald intensiv wahrgenommen, die Seele kommt zur Ruhe, der Blutdruck sinkt, das Gewicht reduziert sich, der Gesamtzustand geht immer ins Positive. von "Davonlaufen" ist keine Rede, höchstens in dem Sinne, daß man vom Startpunkt weg Richtung Ziel geht. Je länger die Strecke, desto besser. 

"Eine nette Frau trägt deutlich zur Gesundheit eines Mannes bei. Verheiratete Männer leben länger. Das gilt umgekehrt  nicht."

@ Monika 13:06: Wieso tragen nette verheiratete Männer weniger zur Gesundheit der Frau bei, sodaß diese kürzer Leben? Eine hochinteressante Frage...ich habe eine Antwort, warte aber erst die Ihrige ab.

Heino Bosselmann

22. Oktober 2022 15:00

@Carsten Lucke: Mit herzlichem Dank für Ihre Aufmerksamkeit: Bitte kein Mitleid. Es gilt absolut, dass ich, nun ja, glücklich bin, weil es dazu - abgesehen vom Defekt an der Sollbruchstelle - genug Gründe gibt. Zudem ist's interessant, sich vom Schmerz zu befreien. Alles ist Aufgabe, alles Übung. Man trainiert nicht allein gegen den Schaden an, man übt sich selbst und erarbeitet sich neu Kontur und Struktur; der Schmerz ist Signal dafür, sein Leben zu ändern. Wir wissen doch beide, daß es viel, viel Schlimmeres gibt, gegen das nicht anzukommen ist. Und wo denn noch wollen wir uns bewähren, wenn es keine Drachen mehr gibt und nirgendwo einen Zwerg, der einem die harten drei Aufgaben stellt ... - Zudem wächst das stille Verständnis gegenüber Menschen, die an irgendwas leiden. Man sieht es kaum je den Leuten an. Auch an mir würden fremde Passanten nichts bemerken. Gewissermaßen ringen wir immer um irgendwas. In meinem Fall ist's konkret, klar und beherrschbar. Keine Sorge, der Vorfall gab mir einen Impuls ...

Monika

22. Oktober 2022 15:42

@ Niekisch

Natürlich tragen „nette“ Männer zur Gesundheit der Frau bei. Ganz allgemein ist es aber so, dass sich Männer, egal jetzt warum, weniger um ihre eigene Gesundheit kümmern als etwa Frauen ( Vorsorge usw.) . Hier sind es oft die Frauen, die ihre Männer zu einem gesünderen Lebensstil oder zu Arztterminen auffordern. Habe etliche Beispiele im Umfeld. Das meinte ich. Zum Schmerz allgemein. Wenn’s denn schon privat wird. Das Schmerzempfinden hängt auch sehr stark von seelischen Faktoren ab. Man kann oft keine organische Ursache ausmachen, gerade bei chronischen Schmerzen. Da gilt es, das Schmerzgedächtnis „zu überlisten“. Es gibt sehr gute Entspannungsübungen, usw. Und jetzt halte ich die Schnauze!

Monika

22. Oktober 2022 15:58

Noch ein letztes, damit der Bogen zum Politischen gespannt bleibt. Vielleicht sind es ja gerade die weißen, eher konservativen,  älteren Männer, die meinen, dass „ein alter Indianer keinen Schmerz“ kennen sollte. Die sich ein Leben lang abrackern, ohne auf sich und ihre Gesundheit und ihre Gefühle zu achten. Da wäre zu fragen, ob eine „rechtes Männlichkeitsideal“  diese Aspekte nicht einfach vernachlässigt? Wie wär’s mit verständnissvollem Zuhören, Nettigkeiten, Zuwendungen, Zärtlichkeiten 😀😀😀. So, jetzt halte ich die Schnauze.

t.gygax

22. Oktober 2022 16:22

@carsten Lucke

Sehr aufschlussreich, auf welchem sprachlichen Niveau Sie Monika "zurechtweisen".Haben Sie Sehnsucht nach dem Ton des Uffz, der seine Untergebenen anspricht?

quer

22. Oktober 2022 17:02

@Suedburgunder,

so simpel war's nicht. Die tippten alle auf Raucher. Dabei war es das Fechten mit dem Säbel. Ziemlich harte Gangart. Danach Hochtouren in den Alpen. Hochleistungssport nennen die das. Dagegen ist Rauchen (je nach Veranlagung) ein Klacks.

Umlautkombinat

22. Oktober 2022 19:04

Mal zurueck zum Ausgangspunkt:

"Intensiv wirksam [...] die eindringlichen Betreffnisse: Niederlagen, Krankheit, Schmerz. Erfolg ist eindrucksvoll und, klar, wohltuend, aber ist er produktiv? Man mag [...] erkennen, daß man sehr vorübergehend Entscheidendes wohl passend regelte [...] mehr aber nicht."

Drei Worte zu den negativen Dingen und nur ein eher sehr limitiertes - Erfolg - als counterpart. Des Schreibers Seele bevorzugt entschieden das Leiden als sinnstiftend. Aber "Erfolg" kann a) vieles sein und wesentlicher b) ist natuerlich lange nicht alles aus einer Riesensammlung anderer Dinge. Klares Ja zu den Positiven darunter, die sehr wirksam sind, auch produktiv zu sein gehoert dazu.

Klar, Leben ist Beispiel eines der Zustaende fern vom theromodynamischen Gleichgewicht. Braucht und verbraucht staendig Energie, um seinen Ordnungszustand auch nur aufrechtzuerhalten. Das ist aber irgendwie seine Aufgabe, oder? Produktivitaet z.B. kann man in dieser Hinsicht damit uebersetzen, diese Energieressourcen zur Verfuegung zu stellen und neue zu erschliessen, fuer sich und andere.

 

 

 

 

Wuwwerboezer

22. Oktober 2022 21:28

RMH, H. M. Richter

Habe zwar bei Leander Haussmanns Stasikomödie (superb, unbedingt anschauen!) gelernt, daß der Künstler nie sein Kunstwerk erklärt, aber voilá:

Das Pseudonym Gustav Grambauer war ein spontaner und in keiner Weise tiefer durchdachter Einfall während der (nochmaligen) Lektüre des Buches von Welk für einen (!) Kommentar hier. Hätte damals nicht gedacht, daß mich dieses Pseudonym etwa zehn Jahre lang hier begleiten würde. Eigentlich habe ich mit meinen Wurzeln in Thüringen mit der Niederlausitz kaum etwas zu tun. Hätte nicht gedacht, daß man beim Wechsel eines Pseudonyms so viel über sich selbst erfahren kann. Sah mich veranlaßt, mich von Gustav zu verabschieden und mich bei ihn dafür zu bedanken, daß ich seinen Namen als Pseudonym nutzen durfte. Bemerke in diesen Tagen meine unerwartet starke Affinität zum Wuwwerbözer, wachse mit ihm zusammen und schaue immer, ob das was ich schreibe, seiner Wesensart entspricht. Es zieht mich wie von Zauberhand auch wieder mehr zum Hutregal, trage wieder mehr Hut.

Ja, kommen Sie mal nach Ruhla, einen lieblicheren Flecken Erde gibt es nicht mal in der Schweizer Postkartenidylle.

- R. B.

Waldgaenger aus Schwaben

22. Oktober 2022 22:18

Herr Bossekmann,

Ihre Beiträge entwickeln sich langsam zu Leuchttürmen auf SiN.

Körperlich bin ich dank angeborener Faulheit noch fit. Mein Gehirn sei altersgemäß verkalkt meinte ein Neurologe vor zwei Jahren beim CT. Nun denn. Ich fühle mich geistig aber alt, sehr alt und sehr müde. Immer die gleichen Diskussionen, immer die gleichen Leute mit den immer gleichen Argumenten, immer die gleichen Ergebnisse. Das Schlimmste aber ist die völlige Abkopplung des Diskurses von der Realität. Sie hat nicht den geringsten Einfluß auf ihn. Politische Diskurse interessieren mich deshalb immer weniger.

Um konkret zu werden: Bräche dieser Staudamm nördlich von Cherson, ich hoffe er tut es nicht, dann weiß ich, wer dazu welche Artikel in welchem Medium schriebe. Egal welche Fakten dann vorlägen, ich weiß was drin stände. Ich weiß, wieder naturgemäß ohne Vorkenntnis der Fakten, welcher Autor dann welchen Kommentar verfasste und und welcher Stammgast im Kommentariat darauf wie antwortete.

Jetzt noch ein Glas Wein und ins Bett.

 

Kurativ

22. Oktober 2022 22:23

Das ist ein harter Text. Schwer zu lesen. Nicht wegen der Sprache, sondern weil ein Mensch mit seinem Schicksal dahinter steckt. Manchmal ist es notwendig über situative Probleme und Gefühle hinwegzusehen, um rational eine Entscheidung zu treffen. Hier ist es unmöglich. Statt Rat-Schläge also Mitgefühl. Auch um mich selber zu schützen und mit mir selber eins zu bleiben.

Nordlicht

22. Oktober 2022 22:40

Trotz der Aussage "Nicht verbissen ..." spürt man die Verbissenheit in jeder Zeile.

Da kämpft jemand gegen seinen Körper und gegen das Alter.

Warum nicht sich "Wärmebehandlung und Fango" gönnen? Das lockert erst einmal. Und das scheint mir ein Kernproblem zu sein: die Verbissenheit.

-------

Zum Thema "Orthopäden" möche ich den Witz beisteuern: "Treffen sich ein Chirurg ein Radiologe, ein guter Orthopäde und ein schlecher Orthopäde ..." Den Rest kann man googeln.

Nordlicht

22. Oktober 2022 22:43

Und was hat Entropie damit zu tun?

In einigen Semester Physik und Technische Thermodynamik hat man die E. ausführlich behandelt, aber der Bogen zum dem "Alter Mann hat Rücken" erschliesst sich mir nicht.

Maiordomus

22. Oktober 2022 22:49

Bei meinen Kommentaren, welche die schäbige Einschätzung Bosselmanns ausserhalb dieses Zirkels einbezogen, ging es mir darum, dass diesem Mann im Leben, abgesehen vom Gelungenen und gelegentlichen Irrtümern, viel Unrecht geschah und dass er, bis zum Beweis des Gegenteils, zu den integersten Deutschen der Gegenwart gehören dürfte. Auf dem Weg zu einer noch bedeutenderen geistigen Leistung, mit Erholungsgehalt, könnte ein partieller Rückzug beitragen, nicht zu verwechseln mit Resignation.

@Monika, betr. Reinhold Schneider. Das mit dem ungelösten erotischen Problem, das auf diese oder jene Art bei jeder Menge von Männern vorhanden ist, liegt bei Reinhold Schneider u.a. bei Körpergrösse von über 2m im Gegensatz zu seiner über 40cm kleineren und erst noch 22 Jahre älteren Lebenspartnerin, "Fräulein Baumgarten", eine Problematik, dargestellt in der Novelle "Zwischenspiel in Beereuth", eine fürwahr bedeutende durchaus erotische Geschichte, kein Vergleich zu vielem derzeitigen Gender- und Geschlechtswechselschrott, worüber sich der grosse deutsche Gelehrte Karl Heinrich Ulrichs vor mehr als 150 Jahren bei weitem qualifizierter ausgelassen hat.  

Franz Bettinger

22. Oktober 2022 23:11

The sound if silenced science***: https://www.youtube.com/watch?v=t2LaDrDL4g4

@GG: Ihr nom de guerre Gustav Grambauer gefiel mir ganz gut. Einfach vom Klang her. Das ist beim jetzigen Pseudonym nicht mehr der Fall. - R.B. - das sind wohl ihre echten Initialen? Nein, verraten Sie's nicht.

Nicht selten lese ich hier die Kommentare von hinten nach vorne (= unten nach oben). Stellte dabei fest, dass ich schon am Stil einige Kommentatoren identifizieren kann (GG und Laurenz...; früher: Lotta und Martini...).

Nordlicht

22. Oktober 2022 23:23

1.

@Monika: Ihr Beiträge empfinde ich als klug und wohltuend.

-----

Die Zusammenhänge von physischer Krankheit und Lebensproblemen sind wichtig, ja, daraus sollte man aber nicht schliessen, dass alles aus falscher Haltung stammt, diese nun wieder von Familie und Gesellschaft verursacht wurde.

Ich habe nach mit 16 Jahren einen Verkehrsunfall gehabt - auf dem Land fährt man ab 16 Moped, der mein Leben erheblich schwieriger machte. Es wird seltsam anmuten, aber ich bin für jeden Schlag im Leben dankbar.

 

nom de guerre

22. Oktober 2022 23:25

@ Waldgänger

Nun ja, voraussehbar ist aber auch Herr Bosselmann, wenn er über eigene Rückenschmerzen schreibt. Nichts an der ganzen Schilderung überrascht, sofern man seine sonstigen Texte kennt, insbesondere auch nicht der Versuch, seine Erfahrung ins Allgemeine zu heben.

Dem Autor wünsche ich gute Besserung. Wärmebehandlung ist i.ü. nicht das Schlechteste und beileibe nicht nur etwas für alte Leute.

@ Monika

Halten Sie bitte nicht die Schnauze! Der Ton des Foristen war schon sehr erstaunlich.

Nordlicht

22. Oktober 2022 23:26

2.

Krankheiten und Schmerzen betrachte ich mit Respekt und doch auch als schwierige Bekannte. Man arrangiert sich.

Nach komplizierten Knochenbrüchen als 16-Jähriger und einigen Chirurgenfehlern (- Folge Ostemylitis) immer wieder Monate in Krankenhäusern (- damals gab es auch noch 20-Betten-Säle), Jahrzehnte mit Dauerentzündungen in Gelenken, tierischen Schmerzen, ungleich langen Beinen und daraus resultierenden Haltungsschäden gelebt, studiert, an Maschinen gearbeitet und promoviert, bin durch alle Kontinente arbeitend gehumpelt und nach Hirntumor ("gutartig", aber nichtsdestoweniger zu operieren, einseitig Hörverlust und Gleichgewichtsstörungen, 12 Jahre später nach Anyrisma und Hirnblutung in einem sehr fernen Land im Hotelzimmer gefunden, in die richtigen Klinik gebracht und operiert, die erlittenen Sprachstörungen mit verbissener Energie überwunden mit Folge extremem Bluthochdrucks, dann als Spätfolge der letzten Hirn-OP Epilepsieanfälle bekommen, schliesslich arbeitsunfähig. Ehe verlassen, aufs Dorf in die Region meiner Kindheit gezogen, in Ruhe mich regeneriert.

Franz Bettinger

22. Oktober 2022 23:27

Ist das nicht irgendwie beruhigend, @Waldgänger? Die Konstanz, die Sie gefunden haben, die Ihnen verlässliche Vorhersagen erlaubt, wer, egal bei welchem Ereignis, wie kommentieren würde. Der eine immer skeptisch, andere ätzend sarkastisch und Ehemalige wie @Lotta ironisch. 

Ihr Gehirn sei altersentsprechend verkalkt, sagt da so ein CT-Experte. - Nun, mir (1955*-er) sagte ein ebensolcher, mein Gehör sei das eines gesunden 100-Jährigen. War ich vielleicht froh, dass das Wort gesund fiel!

Hängen blieb ich an Ihrer Feststellung: "Das Schlimmste aber ist die völlige Abkopplung des Diskurses von der Realität." Was wir hier so quatschen, hätte nicht den geringsten Einfluß auf die Wirklichkeit. - Zumindest für meine unmittelbare Realität kann ich das nicht bestätigen. Meine Äußerungen (und nicht nur meine) scheinen sehr wohl die Umgebung zu beeinflussen. Klar, geht uns alles viel zu langsam, aber --> Es tut sich was!

 

Nordlicht

22. Oktober 2022 23:34

3.

Und 20 Jahre später bin ich glücklich, wahrscheinlich glücklicher denn je in meinem Leben. Dazu wesentlich ist (m)eine Frau, mit der ich seit 15 Jahren verheiratet bin, das alte Stressleben liegt weit, weit hinter mir. 

Also, Frau Monika: Ja, die Frau ist ein wesentlicher Glücksfaktor. Und auch ja, Herr Bosselmann, trotz oftmals unerträglicher Schmerzen (- fast unerträglich, man erträgt sie ja) kann man glücklich sein. (Die Schmerzen sind nun nicht mehr unerträglich, sie sind - wie gesagt - gute Bekannte, man arrangiert sich.)

(Nein, keine der genannten Tabletten. Damals in den 70ern bekam ich Tropfen, die später unter dem Namen Methadon zur Heroin-Substitution Furore macht. Ein wunderbarer Stoff. Hab dann natürlich aufgehört, nach der nächsten OP ging es.)

franzheister

23. Oktober 2022 06:23

Sehr geehrter Herr Bosselmann, ich wünsche Ihnen baldige Genesung! Das Thema Lu Jong hat mich angesprochen, da ich diese Körperübungen selbst seit 2013 täglich praktiziere. Seit einigen Jahren bin ich immer mehr beim klassischen Hatha Yoga angekommen. Hier empfehle ich Ihnen, sich einmal den Schweizer Reinhard Gammenthaler anzutun. Besonders die Atemübungen sind unglaublich effizient. Ich selbst hatte auch einige Male meine Erfahrungen mit den von Ihnen beschriebenen Problemen. Mittlerweile mache ich nur Yoga, kein Laufen, kein Fitnesscenter und eine bestimmte Ernährung, bislang funktioniert es sehr gut. Ich drücke Ihnen die Daumen. Viele Grüße aus Hessen.

RMH

23. Oktober 2022 11:38

"Halten Sie bitte nicht die Schnauze!"

Generell richtig, da ich die Beiträge von @Monika immer gerne lese, in diesem Einzelfall ging der Versuch der Ironie und der Witzigkeit angesichts des Themas eben mal daneben und schon kommt die Einbremsung (dafür sind wir ja hier).

Übrigens: schwarze Männer haben deutlich öfter Prostatakrebs als weiße Männer und versterben daran auch häufiger (so die Datenlage in den USA).

RMH

23. Oktober 2022 11:39

H.B. entwickelt sich irgendwie zur deutschen Gegenpol-Ausgabe von C. Bukowski (der aber auch deutscher war - ist in USA weitestgehend aufgewachsen und lebte dort), des einsamen Mannes an der Schreibmaschine in mitten eines kleinen, vermüllten Apartments, immer einen Sixpack oder ne Flasche Wein griffbereit, immerhin: Ein Radio, welches auf Sender mit klassischer Musik eingestellt ist. Bosselmann jetzt eben in sauberer, aufgeräumter 2-Raum Wohnung mit Laptop und in der asketischen Form, die sich nicht nur der Rauschmittel (man trinkt Tee) sondern auch jeglicher Kraft-, Fäkal und Sexausdrücke enthält. Notes of a sober clean old man ... Fortsetzung folgt.

PS: Bin Fan von beiden, Bukowski und Bosselmann.

Brettenbacher

23. Oktober 2022 14:12

Es ist schön und gut, daß das Kommentariat nun doch voller Heillungsmöglichkeiten und Mitgefühl ist, entgegen der ausdrücklichen Intention des Autors.

Was gäbe es auch zu sagen, zu dieser Entropie, der unerbittlich unausweichlichen, dieser Gnadenlosigkeit, dem alles Seiende unterworfen ist.

Aber eben dies hat Gertrud Fussenegger versucht. Hab's vor Jahren gelesen. War es ein Essay mit dem Titel "Der Obelisk"?

Hätte es hier gern vorgestellt, aber finde es nimmer.

Der Geist sei der Entrpopie nicht unterworfen, -ich glaube darauf lief der Gedanke hinaus, bzw. fußte er.

Ist ja eigentlich auch klar. Wär aber schön, es mal wieder lesen zu können

Nemo Obligatur

23. Oktober 2022 14:33

Dieses Mal keine Wertung des Textes, ob gut, ob schlecht, sondern nur: Gute Besserung, Herr Bosselmann! Wenn es einer schafft, aus dem Tal herauszukommen, dann sind Sie es.

Und den anderen Lesern besten Dank. Da sind ja einige Geschichten dabei, die einem die Haare zu Berge stehen. Habe in meinem Leben bisher auch schon das eine oder andere aushalten müssen, aber noch nichts, was hier auch nur an den Mittelwert heranreicht. Sollte es nötig sein, werde ich wieder auf diesen Artikel zurückkommen und mir Mut anlesen.

Auf Sehrohrtiefe

23. Oktober 2022 14:36

Den Diskussionen zu Gebrechen folgend entstand der Drang, auf die Natur zu verweisen. Harmonie mit der natürlichen Ordnung ist ein Leitmotiv unserer Bewegung. Von seiner Evolution her ist der Mensch ein Läufer: Es entspricht seinem Körperbau und korrespondiert zudem mit seiner Geisteshaltung, die da zielorientiert, geduldig, die Mühsal kennend und akzeptierend sowie unspektakulär ist.

Den Großteil meines Lebens habe ich Sportarten ausgeübt, für die ich weder Talent noch die Konstitution hatte. Spät entdeckte ich das Laufen nach ausgiebiger Selbstreflektion. Der Anfang war hart und brotlos, doch seitdem ist diese Bewegungsart zu einem sehr wichtigen Ausgleich geworden, nein: zu einem Baustein eines ganzheitlichen Menschen.

Anderes geht auch: Bestellen Sie einen Hof, spazieren Sie in Wald und Feld, bauen Sie, oder gehen Sie eben laufen, wenn es Sport sein soll. Das meiste andere ist Zirkus und artfremd. Für mich ist der positive Gesundheitsaspekt für Körper und Geist schnell deutlich geworden. Dies nur als Randbemerkung, da Laufen hier bislang negativ konnotiert ist. Nichts, wofür der Mensch durch seine Natur angelegt ist, kann negativ sein.

Laurenz

23. Oktober 2022 15:20

@Nemo Obligatur

Vor 20 Jahren oder so, sah ich durch Zufall mal eine Gesundheitssendung in der es um genau dieses Thema, Rückenprobleme, ging. Ein angesehener Münchner Orthopäde war in die Sendung geladen & sagte 2 von 3 Rückenoperationen seien zu viel. Zur Anschauung hatte er Röntgenaufnahmen eines Patienten dabei mit 3 Bandscheibenvorfällen mit denen der Patient auch ohne Operation hervorragend leben könnte. Am Ende Seiner Erklärung sagte Er, es seien die Aufnahmen Seiner Eigenen Wirbelsäule.

 

Niekisch

23. Oktober 2022 15:21

"@ Niekisch

Natürlich tragen „nette“ Männer zur Gesundheit der Frau bei. Ganz allgemein ist es aber so, dass sich Männer, egal jetzt warum, weniger um ihre eigene Gesundheit kümmern als etwa Frauen ( Vorsorge usw.) . Hier sind es oft die Frauen, die ihre Männer zu einem gesünderen Lebensstil oder zu Arztterminen auffordern. Habe etliche Beispiele im Umfeld. Das meinte ich."

@ Monika 22.10. 15:42: Jetzt verstehe ich, stimme in allen Punkten zu und wollte Sie nicht zu unangemessenen Äußerungen veranlassen. Ihnen ein schönen Restsonntag.

Eo

23. Oktober 2022 16:23

 

Von Blacky F.
sind folgende, drastischen Worte überliefert: "Das Alter ist ein Arschloch". Allerdings war er da schon über die 80 ...

Doch wenn ich an E. J.
denke, stimmt mich das ein wenig hoffungsfroher. Denn der ist noch mit über 90 auf Sumatra oder so mit dem Käscher auf Käferjagd gegangen; und war obendrein eim Gläschen Sekt und einer Zigarette nicht abgeneigt.

 

Laurenz

23. Oktober 2022 17:31

@Niekisch @Monika

Hier sind es oft die Frauen, die ihre Männer zu einem gesünderen Lebensstil oder zu Arztterminen auffordern.

Die Zahlen sind eindeutig. Als Junggeselle werde ich früher als der gepaarte Schnitt sterben. Allerdings bis 30 kosten Frauen viele Jahre der Männer. Frauen gehen extremer als Männer nach Äußerlichkeiten, wie man auch am Wahlverhalten feststellen kann. 80% der Männer gelten bei Frauen als unattraktiv. Deswegen kopulieren 100% der Frauen mit denselben 5-20% der (attraktiven) Männer. 80% der Verliererinnen begnügen sich dann ab 30 Jahren unter ihren eigenen Erwartungen. Für Männer nicht so angenehm der Lückenbüßer zu sein & oft auch noch anderer Männer Kinder mit großziehen zu müssen. Dann doch lieber der frühe Junggesellen-Tod.

Monika

23. Oktober 2022 17:52

Allerletzte Meldung. Ich lasse mich ungern einbremsen, wenn ich ungehalten bin. Aber das Thema „leidende Männer“ nimmt in meinem privaten Umfeld gerade überhand und geht mir langsam auf den Nerv.  Frauen, mit Ausnahmen, gehen entspannter mit dem Thema um. Bzw., ich halte mich an diese Frauen, die die Entropie mit Humor nehmen. Etwa an die Vorsitzende eines Pfälzer Kneipp-Vereins, die 85-jährig jeden Morgen kalte Duschen nimmt. Sie sagte mal zu ihren Hausarzt: „So, wie Sie dasitzen, brauchen Sie bald einen Orthopäden. Darf ich Ihnen mal zeigen, wie man richtig sitzt.“ Ok, von Humor zu Bissigkeit ist es manchmal nur ein schmaler Grat. Herr Bosselmann erinnert mit seiner Art der Schmerzbekämpfung an Paul Watzlawicks „mehr desselben“. ( Anleitung zum Unglücklichsein.) Das ist witzig und funktioniert nicht. Alles Gute und Lachen ist gesund! 

Pferdefuss

23. Oktober 2022 18:48

Viel ist hier die Rede von der gesunden Bewegung des Laufens, gemeinhin Jogging genannt. Wie wär's damit, einen 'Schon-Gang' einzulegen?

Die deutsche Sprache hält für 'gehen' und 'laufen' vielversprechende, aussagekräftige Synonyme parat:

'Wie geht's (wie steht's)?' meint den Zustand des Gegenübers; umfasst die ganze Person. 'Wie läuft's (bei dir)?', meint das Geschäft, den Erfolg; eine Sache. 'gehen': bummeln, spazieren, schlendern, (aus)schreiten, eine Runde drehen, promenieren, lustwandeln.  'laufen': spurten, rennen, eilen, hetzen, sprinten, hasten.

Ein Charakteristikum des Menschen - sein 'Gang' ('...seine Schritte kennt sie, seinen schönen Gang...'). Können Tiere gehen? Sie laufen. Neudeutsch wird gefragt: 'Geht's noch?' Althergebrachte Bewegungsformen tun gut: Wandern, marschieren, tanzen. 

FraAimerich

23. Oktober 2022 19:40

@Monika: "das Thema „leidende Männer“ nimmt in meinem privaten Umfeld gerade überhand und geht mir langsam auf den Nerv"

Ja, diese netten, starken und doch einfühlsamen Frauen, die ihre nervigen Männer durch anhaltenden Spott, Sticheleien und Arztverweise zu einem glücklichen und langen Leben an ihrer Seite sowie zu einer erotischen Ausstrahlung sondergleichen bis ins hohe Alter verhelfen, müssen oft einiges aushalten - und klagen nur ganz selten darüber!

Paul Koch

23. Oktober 2022 20:42

Herr Bosselmann, „Laufen ist Zeitverschwendung“ (Mark Lauren). Ständig über Jahre stundenlang der gleiche Bewegungsablauf, was soll das außer kaputten Bandscheiben und Gelenken bringen? Einen hohen Puls bekomme ich auch vor der Glotze.  
Steigen Sie lieber um auf tägliche kurze aber knackige Ganzkörper-Workouts mit dem eigenen Körpergewicht. Aber schön langsam einfädeln, erst mal auf Reha-Level.

Habe damit selbst auch ausdauermäßig viel bessere Effekte als vom Laufen. Außerdem keinerlei Schmerzen mehr plus Muskelaufbau und das mit 59 Jahren.
Den YouTube-Physiotherapeuten durfte ich ebenfalls  kennenlernen, als ich noch exzessiver Läufer war und Schmerzen hatte. Hat mir einen nette Beule in der Leiste mit darauf folgendem Ausflug nach Lichtenstein eingebracht.

Ich lese ihre Texte immer gerne und drücke die Daumen! Und sparen Sie sich ihre Leber besser für den Rotwein auf.

Umlautkombinat

23. Oktober 2022 22:45

@Paul Koch

Der urspruengliche Lauren ist gut, seine Essenstips, das US-typische Motivivationspalaver und ein paar Pubertaetsreste seinerseits muss man herausnehmen, aber die Essenz ist sehr wirksam. Ich wusste nicht, dass ich mit Mitte 50 noch einarmige Liegestuetz lernen kann, das ist aber nur die Oberflaeche. Und ja, die Zipperlein verschwinden und man kann es ueberall durchziehen.

Die Warnung ist berechtigt, ein Beginn mit "Ruecken" in Form akuter Bandscheibe waere ein Desaster. Wenn es dann geht, gewinnt man allerdings eine Tiefenmuskulatur und Sehnen (dauert eine Weile), die dem inneren Bewegungsapparat durchdringend gut tun. Ich musste das ein paar Jahre wegen eines Tumors an einer ungluecklichen Stelle leider aussetzen, aber baue es gerade wieder auf. Die zitierte Bemerkung zum Sinn des Laufens sollte man relativieren, das ist wohl auch nicht so heiss gegessen gemeint. Ich laufe (wandere) viel im Wald, das wirkt in orthogonaler Form auf damit ganz andere Art. 

 

Trim

23. Oktober 2022 23:52

Das ist ja Popliteratur. Literarischer Livestream aus dem Leben des Herrn Bosselmann, mitunter sehr dichtes Heranzoomen.

Dementsprechend die starke Fixierung auf's "Material", und am Ende kommt dann das "Zerbröseln". Viel Sport, viel Anlauf, ein kraftvoller Sprung, aber doch wohl zu kurz (fürchte ich, bin aber noch jünger).

Apropos: Ernst Jünger schuf mit über 80 Jahren seine Romanfigur Martin Venator. Venator = Jünger gelingt zuletzt, "was ich mir immer erträumt hatte: die vollkommene Ablösung von der physischen Existenz". Der Tod als Passage. Das Beste kommt noch.

Aber nichts gegen Muskelaufbau.

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