»Die Würde des Deutschen ist antastbar« – 10 Thesen zum Grundgesetz

von Thor v. Waldstein

PDF der Druckfassung aus Sezession 105/ Dezember 2021

 Gastbeitrag

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1.

Das Grund­ge­setz (GG) ent­stand 1948 / 49 nicht als frei gewähl­te Ver­fas­sung eines sou­ve­rä­nen (west-) deut­schen Staa­tes, son­dern als »Orga­ni­sa­ti­ons­form einer Moda­li­tät der Fremd­herr­schaft« (Car­lo Schmid). Den deut­schen Abge­sand­ten, die an den Bera­tun­gen im Kon­vent von Her­ren­chiem­see und im Par­la­men­ta­ri­schen Rat teil­nah­men, kam ganz über­wie­gend nur eine Sta­tis­ten­rol­le zu; feder­füh­rend waren tat­säch­lich die ­alli­ier­ten Besat­zungs­mäch­te, die die deut­sche Ver­fas­sungs­ge­bung nach ihren eige­nen Vor­stel­lun­gen ins Werk setz­ten: »We will be wri­ting – and not the Ger­mans – their con­sti­tu­ti­on« (­Luci­us D. Clay).

 

2.

Als Besat­zungs­da­na­er­ge­schenk dar­ge­bo­ten, ent­behr­te das Grund­ge­setz – eben­so wie die wenig spä­ter von rus­si­schen Mario­net­ten in der Sowje­ti­schen Besat­zungs­zo­ne (SBZ) instal­lier­te DDR-Ver­fas­sung vom 7. Okto­ber 1949 – von Anfang an einer demo­kra­ti­schen Legi­ti­ma­ti­on. Das wur­de auch mit einem – heu­te kaum mehr denk­ba­ren – Rest an poli­ti­scher Ehr­lich­keit durch den futu­ris­ti­schen Rie­gel des Art. 146 GG aus­drück­lich bestä­tigt: »Die­ses Grund­ge­setz ver­liert sei­ne Gül­tig­keit an dem Tage, an dem eine Ver­fas­sung in Kraft tritt, die von dem deut­schen Vol­ke in frei­er Ent­schei­dung beschlos­sen wor­den ist.«

Zu einer sol­chen pro­ak­ti­ven Ver­fas­sungs­de­zisi­on der Deut­schen ist es indes zu kei­nem Zeit­punkt nach 1949, auch nicht im Zuge oder nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung 1990, gekom­men. Man­gels einer ver­fas­sungs­ge­ben­den Ver­samm­lung oder hilfs­wei­se eines Volks­ent­scheids über die Fra­ge, ob sich Deutsch­land eine selbst­be­stimm­te Ver­fas­sung geben oder ob zumin­dest das juris­ti­sche Dau­er­be­helfs­werk Grund­ge­setz for­ma­li­ter als Ver­fas­sung des deut­schen Vol­kes aner­kannt wer­den soll, hat sich an der feh­len­den Legi­ti­ma­ti­on des Grund­ge­set­zes bis zum heu­ti­gen Tage nichts geändert.

 

3.

Kenn­zeich­nend für das Grund­ge­setz ist sei­ne Volks­fremd­heit. Trotz sei­ner demo­kra­tisch anmu­ten­den Wort­wahl (z. B. Art. 20 Abs. 2 Satz 1: »Alle Staats­ge­walt geht vom Vol­ke aus«) und trotz der Tat­sa­che, daß das Volk auch sonst de iure häu­fig genannt wird, wirkt das Volk im Grund­ge­setz de fac­to »nur blaß und wie in einer Vitri­ne gezeich­net« (Wer­ner Weber). In der Ver­fas­sungs­rea­li­tät haben die poli­ti­schen Par­tei­en, die angeb­lich nur »bei der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung des Vol­kes mit[wirken]« (Art. 21 Abs. 1 GG), die­ses längst voll­stän­dig mediatisiert.

Dazu paßt, daß das Grund­ge­setz von einem tie­fen Miß­trau­en gegen das Volk geprägt ist: Weder bei der Bestim­mung des höchs­ten Reprä­sen­tan­ten (Wahl des Bun­des­prä­si­den­ten) noch in poli­ti­schen Sach­fra­gen (Volks­ab­stim­mun­gen auf Bun­des­ebe­ne ana­log des Schwei­zer Modells) ist der direk­te, durch par­la­men­ta­ri­sche Ver­frem­dun­gen unge­bro­che­ne Wil­le des Vol­kes gefragt.

 

4.

Neben einer aus­ge­präg­ten Aver­si­on vie­ler Deut­scher gegen alles Poli­ti­sche hat nicht zuletzt die­se ple­bis­zi­tä­re Macht­lo­sig­keit des Vol­kes maß­geb­lich zu der Her­an­bil­dung einer Zuschau­er­de­mo­kra­tie geführt. In die­ser pil­gert der Bür­ger, so er sich denn über­haupt an Wah­len betei­ligt, alle paar Jah­re zum Wahl­lo­kal, danach streift er aber sofort wie­der den Man­tel des Sou­ve­räns ab, um in sei­ne flau­schig aus­staf­fier­te Rol­le als kon­su­mis­ti­scher Pri­vat­mensch zurückzufallen.

Auf die­se Wei­se wur­de der zukunfts­ori­en­tiert im Inter­es­se des Gemein­wohls han­deln­de citoy­en mehr und mehr ver­drängt von dem Typus eines hedo­nis­tisch in den Tag leben­den bour­geois. Die­se Umwand­lung des Sou­ve­räns hat zu einem all­ge­mei­nen Ver­fall der res publi­ca geführt. An ihre Stel­le getre­ten ist eine »durch Uto­pien und Anar­chis­men ver­bies­ter­te Öffent­lich­keit« (Ernst Forst­hoff). Wer in einem sol­chen Kli­ma der Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit bekennt, sein (Wahl-)Verhalten nicht an den medi­al frisch auf­ge­tisch­ten Glüh­würm­chen-The­ma­ta der Gegen­wart, son­dern an dem Wohl­erge­hen der kom­men­den Genera­tio­nen aus­zu­rich­ten, gerät schnell in Gefahr, sich ver­däch­tig oder lächer­lich zu machen.

 

5.

Da das Volk in unse­ren Tagen – im Gegen­satz etwa zu den Gescheh­nis­sen in der DDR im Herbst 1989 – als Macht­fak­tor weit­ge­hend mar­gi­na­li­siert ist, läuft das im Grund­ge­setz ver­brief­te Wider­stands­recht (Art. 20 Abs. 4) weit­ge­hend ins Lee­re. Denn Wider­stands­recht ist – so ist auch der im Plu­ral gehal­te­ne Text des Grund­ge­set­zes zu ver­ste­hen: »[…] haben alle Deut­schen das Recht zum Wider­stand […]« – vor allem ande­ren ori­gi­nä­res Volks­recht. Und das Dog­ma der Volks­sou­ve­rä­ni­tät soll­te nicht dar­über hin­weg­täu­schen, daß der Par­la­men­ta­ris­mus aus dem Wider­stands­recht kommt, daß das Par­la­ment ursprüng­lich das Wort des Vol­kes gegen­über dem Staat sprach und ihn in sei­ne Gren­zen ver­wies, wenn er die­se überschritt.

Heu­te ver­kör­pert das Par­la­ment in rous­se­auis­ti­scher Eng­füh­rung das sou­ve­rä­ne Volk und damit den Staat in nuce. In die­ser Deckungs­gleich­heit Volk = Staat liegt nicht zuletzt die Wehr­lo­sig­keit des Vol­kes gegen­über staat­li­chen Will­kür­maß­nah­men begrün­det: »Das Volk als Volk ist gegen­über dem Volk als Staat ohne Stim­me und Waf­fe« (Max Hil­d­e­bert Boehm).

 

6.

Wor­an es die­ser Repu­blik vor allem gebricht, ist eine rai­son d’être, die in die Zukunft weist. Weder innen- noch außen­po­li­tisch sind Zie­le erkenn­bar, die den Fort­be­stand des ers­ten Ein­zel­men­schen­ag­glo­me­rats auf deut­schem Boden sicher­stel­len könn­ten. Die­se »staats­ideo­lo­gi­sche Unter­bi­lanz« (Ernst Forst­hoff), die sich seit Ende des Kal­ten Krie­ges noch erheb­lich ver­schärft hat, geht zurück auf die uni­ver­sa­lis­ti­sche DNS des Grund­ge­set­zes, in der der Post-1945-Deut­sche von den Wur­zeln des Vol­kes ab- und auf welt­bür­ger­li­che Maß­stä­be zuge­schnit­ten wurde.

Mitt­ler­wei­le wird die in Art. 1 – im Lich­te der NS-Exzes­se – durch­aus zu Recht auf­ge­nom­me­ne Men­schen­wür­de­ga­ran­tie des Grund­ge­set­zes dazu miß­braucht, migra­ti­ons­ag­gres­so­ri­sche Hum­an­ex­pe­ri­men­te zu recht­fer­ti­gen, in denen das ver­blie­be­ne poli­ti­sche Tafel­sil­ber der Deut­schen (z. T. noch vor­han­de­ner Zusam­men­halt des Vol­kes, vor allem auf dem Land, Leis­tungs­fä­hig­keit des Bür­gers, Res­te einer funk­tio­nie­ren­den Staats­or­ga­ni­sa­ti­on in Ver­wal­tung, Finan­zen, Jus­tiz- und Poli­zei­we­sen etc.) rück­sichts­los ver­schleu­dert wird.

Die­ser Menschheits­beglückungswahn ver­sinn­bild­licht eine fak­ti­sche BRD-Staats­rä­son, die sich ver­fas­sungs­recht­lich in der For­mel bün­deln läßt: »Die Wür­de des Deut­schen ist antast­bar«. Oder umge­kehrt und umständ­li­cher, aber viel­leicht prä­zi­ser for­mu­liert: »Die Wür­de des deut­schen Men­schen wird nur unter der Vor­aus­set­zung nicht ange­tas­tet, daß er auf­ge­hört hat, sich als Glied des deut­schen Vol­kes zu emp­fin­den und als sol­ches zusam­men mit ande­ren Deut­schen poli­tisch zu handeln.«

 

7.

Um die durch die Flucht aus der Nati­on ent­stan­de­ne, emo­tio­na­le Lee­re der Bun­des­re­pu­blik zu fül­len, wur­de schon Ende der 1970er Jah­re das poli­tik­wis­sen­schaft­li­che Kon­strukt des soge­nann­ten Ver­fas­sungs­pa­trio­tis­mus aus der Tau­fe geho­ben. Als eine Art Natio­na­lis­muser­satz geschaf­fen, hat der Ver­fas­sungs­pa­trio­tis­mus bereits die Wie­der­ver­ei­ni­gung mit den Nicht­grund­ge­setz­deut­schen in der DDR über­schat­tet. Wenn 1990 nicht zur Chif­fre für einen natio­na­len Neu­an­fang, son­dern eher für eine Fort­füh­rung klein­west­deut­scher Hori­zon­te auf nun groß­west­deut­scher Land­kar­te wur­de, dann des­we­gen, weil sich die BRD schon lan­ge vor dem Mau­er­fall von Wider­la­gern im deut­schen eth­nos frei­ge­macht hatte.

Heu­te kommt dem Ver­fas­sungs­pa­trio­tis­mus die Funk­ti­on zu, die Deut­schen mit Hil­fe der per­ma­nent beschwo­re­nen (west­li­chen) Wer­te, aber auch durch die stän­dig in Gang gehal­te­nen Gebets­müh­len des unheils­ge­schicht­li­chen Grau­ens von der Siche­rung der eige­nen Exis­tenz als Volk abzu­hal­ten. Aus­ge­löst durch immer absur­der wer­den­de, mora­lin­saure Schein­de­bat­ten ist dadurch in der gelenk­ten Öffent­lich­keit der Bun­des­re­pu­blik ein regel­rech­ter Ver­fas­sungs­fe­ti­schis­mus ent­stan­den, der die Sub­stanz des Poli­ti­schen nach und nach auf­ge­löst hat: »Ein Staat, der sich einer Ver­fas­sung aus­lie­fert, ist so ver­lo­ren, als wenn er sich einer pri­va­ten Moral unter­wür­fe« (Hans-Diet­rich Sander).

 

8.

Der der­zei­ti­ge exis­tenz­be­dro­hen­de Sta­tus quo der Deut­schen ist das Ergeb­nis einer mehr oder min­der bruch­lo­sen Nie­der­gangs­ent­wick­lung seit 1945. Das anders­lau­ten­de, von vie­len Kon­ser­va­ti­ven noch heu­te gepfleg­te Nar­ra­tiv, die 1950er und 1960er Jah­re sei­en die gute alte Zeit der Bun­des­re­pu­blik gewe­sen, in die dann 1968 qua­si über Nacht die bösen Lin­ken ein­ge­bro­chen sei­en, um das hei­le Kie­sin­ger­deutsch­land kaputt­zu­ma­chen, hat mit der his­to­ri­schen Rea­li­tät wenig bis nichts zu tun.

1968 kam tat­säch­lich das zum Durch­bruch, was 1945 / 49 poli­tisch und ver­fas­sungs­recht­lich in Tri­zo­ne­si­en ange­rührt wor­den war: näm­lich ein Staat ohne Volks­be­zug, ein Staat ohne geschicht­li­che Ver­or­tung, ein Staat ohne Sou­ve­rä­ni­tät, ein Staat ohne außen­po­li­ti­sche Hand­lungs­fä­hig­keit. Anstatt 1968 die­se ohn­mäch­ti­ge west­deut­sche Exis­tenz von natio­na­len Posi­tio­nen her auf Sub­stanz abzu­klop­fen, gefie­len sich die 68er als nütz­li­che ­Idio­ten der Wes­ter­ni­sie­rung in der gro­tes­ken Manie, die weni­gen ver­blie­be­nen deut­schen Tra­di­tio­nen und Insti­tu­tio­nen mit der mar­xis­tisch-­an­ti­fa­schis­ti­schen Abriß­bir­ne end­gül­tig zu schleifen.

Nur weni­ge erkann­ten, wor­auf es wirk­lich ankam: Das poli­tisch Wesent­li­che der 23 Jah­re von 1945 bis 1968 war näm­lich nicht die west­deut­sche Schön­wet­ter­pe­ri­ode mit Ita­li­en­rei­se, Heinz-Erhardt-Fil­men und Dr.-Oetker-Backpulver, son­dern die von den Alli­ier­ten und ihren will­fäh­ri­gen west­deut­schen bam­bi­ni ame­ri­ca­ni gesteu­er­te Inku­ba­ti­ons­pha­se, in der die mili­tä­ri­sche Nie­der­la­ge in die geis­tig-ethi­sche Nie­der­la­ge der Deut­schen umge­münzt wur­de (»Frank­fur­ter Schu­le«). Und die­se links­ideo­lo­gi­sche Umpo­lung der Bun­des­re­pu­blik wäre ohne das geis­ti­ge Man­na aus god’s own coun­try nicht denk­bar gewesen.

Wesent­lich bleibt: Dem lin­ken Marsch durch die Insti­tu­tio­nen 1968 ff. war die alli­ier­te Kape­rung deut­scher Ein­rich­tun­gen 1945 ff. vor­aus­ge­gan­gen. Es gibt somit ein gehei­mes Ein­ver­ständ­nis zwi­schen »1945« und »1968«, oder wie es Clau­se­witz aus­drü­cken wür­de: 1968 war nie etwas ande­res als die Fort­set­zung von 1945 mit ande­ren Mitteln.

 

9.

Eines der wich­tigs­ten Macht­zen­tren der Ber­li­ner Repu­blik befin­det sich in Karls­ru­he. Dort resi­diert das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, geo­gra­phisch weit ent­fernt von Ber­lin gele­gen, um Unab­hän­gig­keit gegen­über dem Haupt­stadt­ge­trie­be zu simu­lie­ren; men­tal und poli­tisch steht das Gericht indes in Tuch­füh­lung zu der ton­an­ge­ben­den Klas­se im Par­tei­en- und Medienapparat.

Es gibt in dem als archi­tek­to­ni­scher Ver­frem­dungs­ef­fekt im Schloß­gar­ten der badi­schen Groß­her­zö­ge posi­tio­nier­ten Gerichts­ge­bäu­de nichts, was nicht aus Ber­li­ner Holz geschnitzt wäre. Die nach dem jewei­li­gen Par­tei­en­pro­porz und häu­fig unter Ver­let­zung des Gewal­ten­tei­lungs­grund­sat­zes instal­lier­ten Rich­ter des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ste­cken seit lan­gem den meta­ju­ris­ti­schen Rah­men ab, in den die Ent­schei­dun­gen der Exe­ku­ti­ve ein­ge­bun­den sind. Abge­ho­ben vom Wort­laut des Grund­ge­set­zes, neh­men all­ge­mei­ne geis­tes­wis­sen­schaft­li­che oder zeit­ge­schicht­li­che, seit neu­es­tem auch lai­en­me­teo­ro­lo­gi­sche Erwä­gun­gen in den Urtei­len des Gerichts einen immer brei­te­ren Raum ein.

Der Rechts­staat ist dadurch zu einer »organisierte(n) Gesin­nungs- und Erleb­nis­ein­heit« (Ernst Forst­hoff) ver­kom­men, in der poli­ti­sche Ziel­vor­ga­ben mit ver­fas­sungs­recht­li­chem Flit­ter­gold kaschiert wer­den. Durch die­se Juri­di­fi­zie­rung des Poli­ti­schen wer­den die lega­li­täts­hung­ri­gen und gerichts­hö­ri­gen Deut­schen seit Jahr­zehn­ten ein­gen­or­det. Eine sol­che, hin­ter der Fas­sa­de des Rechts aus­ge­üb­te, indi­rek­te poli­ti­sche Herr­schaft ist des­we­gen so fatal, weil sie – das wis­sen wir seit Machia­vel­li – zur Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit erzieht und am Ende nie­mand mehr für die Fol­gen getrof­fe­ner (Fehl-)Entscheidungen gera­de­ste­hen will.

Mit sei­nem ahis­to­ri­schen und grund­ge­setz­wid­ri­gen Urteil zur angeb­li­chen Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des eth­ni­schen Volks­be­griffs (Urteil v. 17. Janu­ar 2017, Az.: 2 BvB 1/13) hat Karls­ru­he – getreu den meta­po­li­ti­schen Ein­flüs­te­run­gen des herr­schen­den Medi­en- und Polit­kar­tells – dem deut­schen eth­nos den Krieg erklärt. Und mit sei­nem nach­ge­ra­de aben­teu­er­li­chen soge­nann­ten Kli­ma­be­schluß (Beschluß v. 24. März 2021, Az.: 1 BvR 2656/18 u. a.) kre­iert das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ex ­nihi­lo eine dem Grund­ge­setz unbe­kann­te Ver­fas­sungs­norm, auf deren Grund­la­ge die die deut­sche Volks­wirt­schaft exis­ten­ti­ell bedro­hen­de grü­ne Kli­ma­agen­da durch­de­kli­niert wer­den soll. Das ist mehr als ein »Skan­dal« (Diet­rich Murs­wiek), das ist der kaum mehr ver­hüll­te Macht­an­spruch einer neu­en, aus dem pseu­do­ju­ris­ti­schen Off her­aus inthro­ni­sier­ten Karls­ru­her Republik.

 

10.

Dem auf Geheiß der Alli­ier­ten 1951 errich­te­ten Inlands­ge­heim­dienst (soge­nann­ter Ver­fas­sungs­schutz) kommt in die­sem Karls­ru­her Macht­ge­fü­ge die Rol­le zu, die von den Roten Roben ex cathe­dra ver­kün­de­te volks­feind­li­che Grund­ge­setz-Les­art nach unten durch­zu­exe­ku­tie­ren. Dazu wer­den Orga­ni­sa­tio­nen und / oder Ein­zel­per­so­nen, die das Wohl­erge­hen des deut­schen Vol­kes in den Mit­tel­punkt ihrer poli­ti­schen Anstren­gun­gen stel­len, plan­mä­ßig als faschis­to­id stig­ma­ti­siert und ihrer gesell­schaft­li­chen Ach­tungs­an­sprü­che weit­ge­hend beraubt.

Damit ent­fällt gleich­zei­tig eine ent­schei­den­de Vor­aus­set­zung für die effek­ti­ve Wahr­neh­mung von Grund­rech­ten durch Oppo­si­tio­nel­le. Denn nie­mand hört einem als »Nazi« gebrand­mark­ten Paria zu. Mit dem Kampf­in­stru­ment des soge­nann­ten Ver­fas­sungs­schutz­be­richts, »einer Art Demo­kra­tie-TÜV« (Jochen Lober), aber auch mit der will­kür­li­chen media­len Ver­brei­tung angeb­li­cher Prüf- oder Beob­ach­tungs­fäl­le wer­den Par­tei­en oder Vor­feld­or­ga­ni­sa­tio­nen einer geziel­ten poli­ti­schen Ver­däch­ti­gung ausgesetzt.

Außer­dem wer­den demo­kra­tisch nicht nur zuläs­si­ge, son­dern für eine funk­tio­nie­ren­de Demo­kra­tie essen­ti­el­le Ver­su­che Anders­den­ken­der, den »Raum des Sag­ba­ren« zu erwei­tern, von vor­ne­her­ein in ein semi­kri­mi­nel­les Zwie­licht gestellt. Durch die­se Feind­mar­kie­run­gen einer immer skru­pel­lo­ser in Sze­ne gesetz­ten »Par­tei­ver­bots­de­mo­kra­tie« (Josef Schüßlbur­ner) ist in Deutsch­land ein alles ver­gif­ten­des Kli­ma der Distan­ze­ri­tis und des Denun­zi­an­ten­tums ent­stan­den, »in dem jeder zum Ver­fas­sungs­feind des ande­ren wer­den kann« (Gün­ter Maschke).

Die immer schnel­ler mah­len­den Mühl­rä­der des Miß­trau­ens haben eine Lei­se­tre­ter­re­pu­blik her­an­rei­fen las­sen, in der schweigt, wer sozi­al nicht ster­ben will. Die­ses gespens­ti­sche Angst­schwei­gen über wesent­li­che Zukunfts­fra­gen hat die frei­heit­li­che Grund­ord­nung schon lan­ge in ein skur­ri­les Neo­bie­der­mei­er ver­wan­delt, in dem u. a. die Frei­heit der Mei­nungs­äu­ße­rung, aber auch mehr und mehr die Frei­heit der Wis­sen­schaft zu Grund­rech­ten her­ab­ge­stuft wur­den und wer­den, die nur noch auf dem Papier stehen.

Offi­zi­el­le, zur Bene­be­lung der Ahnungs­lo­sen aus­ge­ge­be­ne Ver­laut­ba­run­gen, »man lebe schließ­lich in einem frei­en Land«, lösen bei vie­len Bür­gern ange­sichts der orwel­l­arti­gen Real­lage in einer tief gespal­te­nen Nati­on nur noch schal­len­des Geläch­ter aus.

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