Endspiel Europa (2): Lagevergessenheit

Hat der Krieg in der Ukraine eine Vorgeschichte, und wenn ja: Wie wäre sie zu erzählen? Diesen Fragen gehen Ulrike Guérot und Hauke Ritz nach.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

In ihrem Essay End­spiel Euro­pa geben sie eine prin­zi­pi­el­le Ant­wort. Die­se Hal­tung einer grund­sätz­lich offe­nen Her­an­ge­hens­wei­se gip­felt in einem Satz, der die Revi­si­on des Ein­ge­häm­mer­ten, des sicher Geglaub­ten for­dert (und damit die Arbeits­wei­se der Wis­sen­schaft, wie sie sein soll­te an sich beschreibt):

Zu den häu­figs­ten seman­ti­schen Set­zun­gen seit Kriegs­be­ginn zählt die Rede vom “rus­si­schen Über­fall” oder dem “rus­si­schen Angriffs­krieg” auf die Ukrai­ne. (…) Damit wird insi­nu­iert, daß sowohl die Ukrai­ne als auch der Wes­ten vom Krieg über­rascht wor­den sei­en und ihn nicht haben kom­men sehen, geschwei­ge denn vor­be­rei­tet haben. (…) Im Grun­de genom­men müß­te die Fra­ge, wer die­sen Krieg wirk­lich begon­nen hat, neu erforscht werden.

Die­se For­de­rung ist ein guter Anlaß, ein­mal grund­sätz­lich über den Stand­punkt zu spre­chen, von dem aus man auf den Ukrai­ne­krieg bli­cken könn­te und wohl auch soll­te. Wir müs­sen auch dann über die­sen Stand­punkt spre­chen, wenn es kein deut­scher Stand­punkt mehr ist, auf den wir gestellt wor­den sind. Denn wenn es wie­der einer sein soll­te, müs­sen wir bestim­men, von wo aus wir zu ihm auf­bre­chen müssen.

Ivor Clai­re hat­te in der 110. Sezes­si­on, die das The­ma “Geo­po­li­tik” behan­delt, Grund­sätz­li­ches zur Lage­ver­ges­sen­heit der deut­schen poli­ti­schen Klas­se gesagt. Zu jeder Zeit lie­fe­re die Ideo­lo­gie der Sie­ger den Besieg­ten einen Rah­men zur Inter­pre­ta­ti­on der Wirk­lich­keit. Deutsch­land habe als das Land der Besieg­ten von 1945 die Über­nah­me der Sie­ger­stand­punk­te so voll­kom­men inter­na­li­siert, daß es zu einer eige­nen Inter­es­sens­be­kun­dung kaum mehr in der Lage sei.

Die meis­ten Poli­ti­ker, Jour­na­lis­ten, Wis­sen­schaft­ler, Unter­neh­mer und aka­de­misch aus­ge­bil­de­ten Durch­schnitts­men­schen hier­zu­lan­de rich­ten ihre Welt­sicht an schein­bar uni­ver­sel­len Idea­len aus – wor­über sie den reel­len Stand­punkt ver­ges­sen haben, von dem aus der Rah­men für ihre Inter­pre­ta­ti­on der Wirk­lich­keit gesteckt wird. Die­se Nor­men wer­den von den Mäch­ten fest­ge­setzt, die pla­ne­ta­ri­sche Poli­tik in die­ser oder jener Inten­si­tät trei­ben kön­nen, also von Sub­jek­ten und nicht von Objek­ten pla­ne­ta­ri­scher Politik.

Das ist der sprin­gen­de Punkt, der von Gué­rot und Ritz so expli­zit nicht ange­spro­chen, aber impli­zit auf Euro­pa aus­ge­wei­tet wird: Weder Deutsch­land noch Euro­pa sind zum jet­zi­gen Zeit­punkt Sub­jek­te, also sou­ve­rä­ne Akteu­re im pla­ne­ta­ri­schen Maß­stab. Clai­re drückt die­se Fest­stel­lung am Ende sei­nes Bei­trags so aus:

Neh­men wir pro­be­wei­se etwa die Sicht einer glo­bal agie­ren­den Super­macht ein, der es um die Beherr­schung aller Räu­me welt­weit geht, erscheint unse­re Lage in Euro­pa und der deut­schen Pro­vinz schlag­ar­tig in einem ande­ren, fah­le­ren, für den fer­nen Hege­mon unbe­deu­ten­den Licht – das kann weg.

Was ist aus die­ser ver­hee­ren­den Bestands­auf­nah­me abzu­lei­ten? Wir müs­sen den deut­schen Stand­ort, so wir ihn auf sei­ne außen­po­li­ti­schen Optio­nen aus­leuch­ten, als fun­da­men­tal macht­los beschrei­ben – und den euro­päi­schen gleich mit. Alles ande­re ist Augenwischerei.

Wir waren und sind als Natio­nal­staat und als poli­ti­sche Uni­on nicht in der Lage, Kon­flik­te und Krie­ge, die uns betref­fen, in unse­rem Sin­ne zu lösen, Han­dels­strö­me und wirt­schaft­li­che Ver­flech­tun­gen so auf­zu­bau­en und zu sichern, daß wir uns auf sie ver­las­sen kön­nen und die zwin­gend not­wen­di­ge Ener­gie­zu­fuhr so zu orga­ni­sie­ren, daß wir über ihre Nut­zung ent­schei­den und kein Dritter.

Ein Bei­spiel? Ein Akt wie die Sabo­ta­ge an unse­ren Ener­gie-Arte­ri­en Nord­stream 1 und 2 ist ein feind­li­cher Akt. Er ist in sei­nen Aus­wir­kun­gen für unse­re Nati­on gra­vie­ren­der als es die Zer­stö­rung des World-Tra­de-Cen­ters für die USA war. Aber wer unter uns Deut­schen kann das Datum der Sabo­ta­ge nen­nen, ohne nachzuschlagen?

Sind wir dabei, aus die­ser Zer­stö­rung eines nicht mili­tä­ri­schen, son­dern nur öko­no­mi­schen Sou­ve­rä­ni­täts­pro­jekts ein Mahn­mal zu errich­ten, eine natio­na­le Mobi­li­sie­rungs­er­zäh­lung, wie es “Ground Zero” und “9/11” nicht nur für die USA, son­dern welt­weit gewor­den sind? Prä­gen wir irgend­et­was von dem, was vor Born­holm mit uns gemacht wor­den ist, in unser natio­na­les Gedächt­nis ein?

Natür­lich: Auf­stei­gen­de Bla­sen sind kei­ne ein­schla­gen­den Flug­zeu­ge, Löcher unter Was­ser kei­ne auf­ra­gen­den Bauske­let­te, seis­mo­gra­phi­sche Aus­schlä­ge kei­ne sprin­gen­den, bren­nen­den und ersti­cken­den Men­schen. Aber die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka haben als das mäch­tigs­te Sub­jekt pla­ne­ta­ri­scher Poli­tik ihre ein­ge­stürz­ten Tür­me zum Anlaß genom­men, zwei Natio­nen zu über­fal­len, sie in Bür­ger­krie­ge zu trei­ben, ihre Staat­lich­keit zu zer­stö­ren und poli­ti­sche Erd­be­ben aus­zu­lö­sen, deren Flut­wel­len seit­her nicht über den Atlan­tik, son­dern über Mit­tel­meer und Land­brü­cken nach Euro­pa branden.

Von ein­stür­zen­den Tür­men jen­seits des Atlan­tiks zu ein­stür­zen­den Staats­ge­bäu­den in Euro­pas Nach­bar­schaft, von den Toten eines Tages zu den Toten zwei­er Jahr­zehn­te, von der Macht, so etwas zu tun, zur Macht­lo­sig­keit, die Deutsch­land und Euro­pa an ihre jeweils nächs­te Regie­rung zu ver­tei­len haben: Das ist die Lage.

Die­se Lage wird durch den Ukrai­ne-Krieg fort­ge­schrie­ben und ver­fes­tigt. Die­ser Krieg ist vom macht­lo­sen deut­schen und euro­päi­schen Stand­punkt aus ver­hee­rend, vom kriegs­mäch­ti­gen rus­si­schen aus eben­so, vom über­mäch­ti­gen us-ame­ri­ka­ni­schen aus nicht.

Macht­lo­sig­keit als deut­sche und euro­päi­sche Lage: Was also könn­te eine ande­re Poli­tik, eine alter­na­ti­ve Poli­tik wei­ter erlan­gen als wie­der nur Macht­lo­sig­keit? Geht es inner­halb Deutsch­lands noch um die Über­nah­me der Regie­rungs­macht zum Zwe­cke einer ande­ren Außen­po­li­tik oder nur um die Über­nah­me der macht­lo­sen Posi­ti­on einer Regie­rung in einem unsou­ve­rä­nen Land? Letzteres.

Wel­che Hand­lungs­op­tio­nen erwach­sen aus die­ser nüch­ter­nen und ernüch­tern­den Lage­fest­stel­lung für die­je­ni­gen, die es im Sin­ne Deutsch­lands und Euro­pas bes­ser machen woll­ten? Die Ant­wort dar­auf berührt die Absicht, aus der her­aus Gué­rot und Ritz ihren Essay wohl (und hof­fent­lich) geschrie­ben haben:

Die Hand­lungs­op­ti­on aus der Macht­lo­sig­keit her­aus könn­te für eine nicht lage­ver­ges­se­ne, son­dern lage­be­wuß­te Regie­rung nur sein, dem Volk – den Deut­schen, den Euro­pä­ern – eben­die­se eige­ne Macht­lo­sig­keit auf dem ent­schei­den­den poli­ti­schen Feld – dem außen­po­li­ti­schen Feld –  ein­zu­ge­ste­hen. Der euro­päi­sche Frie­dens­vor­satz, die kon­ti­nen­ta­le Poli­tik, die Ener­gie­si­che­rung, letzt­lich die Betei­li­gung am mul­ti­po­la­ren Spiel – das alles ist kra­chend geschei­tert und das alles muß dar­ge­legt und in sei­ner Dra­ma­tik beschrie­ben und bewer­tet werden.

Gué­rots und Ritz’ Essay über das End­spiel Euro­pa ist in die­ser Hin­sicht ein publi­zis­ti­sches Maxi­mum. Die Autoren erzäh­len die Vor­ge­schich­te des Ukrai­ne­krie­ges als Geschich­te der Plat­zie­rung einer Stell­ver­tre­ter­na­ti­on, die von einer raum­frem­den Macht – den USA – gegen das all­mäh­li­che und nahe­lie­gen­de öko­no­mi­sche Zusam­men­wach­sen der eura­si­schen Land­mas­se über Jah­re in Stel­lung und im Febru­ar die­ses Jah­res dann in den Ein­satz gebracht wor­den ist.

Von den Etap­pen der NATO-Ost­erwei­te­rung über die Mili­tär­ab­kom­men mit der Ukrai­ne und Geor­gi­en zum Regime Chan­ge 2014 (Mai­dan) und einer inter­na­tio­nal auf­ge­sat­tel­ten anti-rus­si­schen PR vor allem in den ver­gan­ge­nen Jahren:

Dies alles ist nicht weit her­ge­holt und kein anti-ame­ri­ka­ni­scher Affekt, son­dern unver­zicht­ba­rer Anteil jener Rea­lis­mus-Theo­rie der inter­na­tio­na­len Bezie­hun­gen, auf deren Ana­ly­se­be­steck auch Pro­fes­sor Hans Neu­hoff in sei­nem mitt­ler­wei­le viel­be­ach­te­ten Vor­trag zurück­griff, den er im Rah­men der Geo­po­li­tik-Aka­de­mie des Insti­tuts für Staats­po­li­tik hielt.

Rech­nen wir den Essay von Gué­rot und Ritz also zu dem hin­zu, was Ivor Clai­re in sei­nem oben erwähn­ten Text for­dert: zu einem grund­sätz­li­chen Curriculum,

das dar­auf zielt, ein lage­ad­äqua­tes Den­ken im Sin­ne des Gemein­wohls und eine ste­te intel­lek­tu­el­le Neu­gier zu erzeugen.

Wenigs­tens das: Sinn für das Gemein­wohl und das Bewußt­sein, daß dort, wo alle einer Mei­nung sind, meis­tens gelo­gen wird. Aber weil das, wie gesagt, bereits das intel­lek­tu­el­le Maxi­mum in einem Land ist, des­sen füh­ren­de Klas­se die Rol­le des lage­ver­ges­se­nen Vasal­len zu sei­ner ers­ten Haut gemacht hat, dür­fen sich auch Gué­rot und Ritz am Ende des Tages nicht dar­über wun­dern, daß es nun pfeift.

– – –

Lesen! Ulri­ke Gué­rot und Hau­ke Ritz – End­spiel Euro­pahier ein­se­hen und bestel­len.

Ivor Clai­res Text “Stand­ort, Blick­punkt, Stra­te­gie” fin­det sich im Heft “Geo­po­li­tik” der Zeit­schrift Sezes­si­onhier ein­se­hen und bestel­len.

Hans Neu­hoffs Vor­trag “Ukrai­ne – eine Lehr­stun­de der Geo­po­li­tik” ist auf you­tube im Kanal Schnell­ro­da zu sehen und soll­te weit ver­brei­tet werden.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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Kommentare (100)

Dieter Rose

2. November 2022 14:14

Dann reden wir doch von

NINE/TWOSIX

Ein gebuertiger Hesse

2. November 2022 14:36

Das leider Wichtigste, zu Realisierende (gerade auch von all jenen, die die hiesige Netzseite noch immer meiden würden wie der Teufel das Weihwasser): 

Wir waren und sind als Nationalstaat und als politische Union nicht in der Lage, Konflikte und Kriege, die uns betreffen, in unserem Sinne zu lösen, Handelsströme und wirtschaftliche Verflechtungen so aufzubauen und zu sichern, daß wir uns auf sie verlassen können und die zwingend notwendige Energiezufuhr so zu organisieren, daß wir über ihre Nutzung entscheiden und kein Dritter.

Der Stand der Dinge. Dreimal, viermal, zehnmal unterstreichen, sacken lassen. Und dann beginnen, weiterzudenken. 

RMH

2. November 2022 15:25

"Zu jeder Zeit liefere die Ideologie der Sieger den Besiegten einen Rahmen zur Interpretation der Wirklichkeit. Deutschland habe als das Land der Besiegten von 1945 die Übernahme der Siegerstandpunkte so vollkommen internalisiert, daß es zu einer eigenen Interessensbekundung kaum mehr in der Lage sei."

Das gilt im Großen und Ganzen für West- wie für Mitteldeutschland gleichermaßen, die Konfliktlinien laufen aus beiderseitiger jeweiliger Internalisierung entsprechend, meist nicht aus dem Bemühen oder gar dem Vorhandensein irgendwelcher verinnerlichter Neutralität. Vor diesem Hintergrund kann ich mit dem 2.Teil des Kommentars zum Buch mehr anfangen, als mit dem 1. Die Feststellung der Machtlosigkeit außerhalb von einer wie auch immer zu definierenden Scheckbuchreichweite war in der Szene um die Sezession auch ohne Ukraine-Krieg Gemeingut. Das Buch könnte nun diese Feststellung einem weiteren Kreis nahebringen (damit wäre in der Tat viel erreicht). Zusammengefasst, mit diesem Kommentar nehme ich das ernsthafte Ringen der Autoren um eine eigene Position deutlich mehr war, als in Teil 1. Ich befürchte allerdings, dass dieses Bemühen mit allen Mitteln, auch den neuen Strafrechtsregelungen, zu vereiteln versucht werden wird (der I-Net Lynchmob steht bereit). Es wird auf jeden Fall spannend, ob das Buch irgendwie zur Bombe wird oder nicht. 

PS: Und damit erteile ich dem Werk nicht meine Zustimmung, sehe es aber als Diskussionspapier, welches auf die Bühne muss, um sich zu bewähren.

quer

2. November 2022 16:02

Um es zu wiederholen: Auch in diesem Fall (Ukraine-Krieg) gilt das eherne Prinzip von Ursache und Wirkung. Der solide Grundstein oder das Fundament dazu wurde von  dem damaligen Herrscher der Sowjetunion gelegt. Vor ca. 60 Jahren. Und dieser Mensch hieß Chrutschow; ein Ukrainer. Der machte seinem Heimatland, seiner Herkunftsregion (Ukraine) ein großzügiges Geschenk: Die Krim. Von den Russen um 1850 blutig von den Moslems erobert. Damals schon gegen den Widerstand Frankreichs und Englands.

Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist gezwungen, sie zu wiederholen. Passiert gerade.

RMH

2. November 2022 16:23

"Von den Russen um 1850 blutig von den Moslems erobert."

@quer,

das war ein bisschen früher. In einem der vielen russisch-türkischen Kriege hat Russland unter Katharina der Großen die Krim 1771 erobert (und behalten). Danach verteidigt. Ab 1853 war der sog. Krim-Krieg, da ging es aber entgegen des Namens auch darum, dass Russland nicht noch weitere Gebiete vom bereits damals schwächelnden osmanischen Reich sich einverleiben kann (so das Offizielle - wird bestimmt hier jemanden geben, der das genauer weiß) bzw. war dieser Krieg sehr vielschichtig (der Streit um die Grabeskirche in Jerusalem spielt auch eine Rolle). Gekämpft wurde aber ab 1854 auch auf der Krim, daher wohl der Name.

Laurenz

2. November 2022 16:29

@Dieter Rose

reden wir von NINE/TWOSIX

Können Sie das bitte mehr ausführen? Wenn man da nachsucht, ploppt mehrheitlich eine Apartment-Anlage in Georgia/USA auf.

@Ein gebürtiger Hesse & RMH

Ihrer Beider Feststellungen sind nur bedingt richtig. Die getroffenen Feststellungen im GK-Artikel sind sehr wohl von Wahlen in Vasallenstaaten in ihrer Intensität abhängig. Gute Politiker erkennen die Roten Linien des Machbaren. Die Nationalsozialisten waren in diesem Sinne an einem Ende des Spektrums keine guten Politiker, genausowenig, wie heute die Ampel am anderen Ende. Orban nimmt an der Sanktionsorgie nicht teil, Erdogan auch nicht, die Araber emanzipieren sich, trotz größter Abhängigkeit von den USA von denselbigen. Japan bricht wegen einer Quasi-Staatspleite ein, geht auf Rußland zu. Wie beim einzelnen Bürger auch, hat das Verhalten des Staates viel mit der Finanzierbarkeit zu tun. @Gracchus wollte das aber nur ungern einsehen. Neuhoff würde keinen genialen Vortrag halten, ohne die Absicht auf Veränderung, im Rahmen der Mearsheimer-Theorie, im Auge zu behalten.

Laurenz

2. November 2022 16:38

@Quer

Sie verwechseln den Krimkrieg mit Katharina der Großen. Muß das sein?

@HeinrichBrück

warum Europa, der intelligentere Kontinent (also eine Kulturstufe über den USA, auf der anderen Seite des Atlantiks überhaupt nicht vorstellbar), gegen die USA verlieren konnte.

Die Frage haben Tim Marshall & andere beantwortet. Es handelt sich einerseits um geographische Gründe aus denen Politik erwächst, & andererseits, weil Europa nicht zu einer politischen Einheit zu verknüpfen ist. Alle, die das probiert hatten, scheiterten an den Briten. Die Erschaffung eines politischen Europas ist nur möglich, wenn man Britannien, zumindest ökonomisch, beseitigt.

Hajo Blaschke

2. November 2022 16:48

@ Laurenz, ich stimme Ihnen völlig zu, dass man den Einfluss der Briten marginalisieren muss, damit vor allem Deutschland frei atmen kann. Ich habe große Hoffnung, dass die Abspaltung von Schottland beim nächsten Referendum endgültig erfolgt. Auch die Bestrebungen von Nordirland, sich mit der Republik Irland zu vereinigen, betrachte ich mit großem Interesse.

Natürlich ist es auch erforderlich, dass Deutschland sich aus dem Vasallenverhältnis mit den USA befreit.

Hajo Blaschke

2. November 2022 16:58

@ quer Ich habe, glaube ich, hier schon einmal darauf hingewiesen, dass die Vergrößerung der ursprünglichen Ukrainischen Sowjetrepublik nicht von Chrustschow initiiert wurde. Chrustschow hatte zu diesem Zeitpunkt nicht die Macht, so eine Maßnahme umzusetzen. Ministerpräsident in Moskau war zu diesem Zeitpunkt Malenkow und nur der konnte das realisieren. Außerdem war das eine innenpolitische Maßnahme. Bis heute existiert kein völkerrechtlicher Vertrag über die Grenzen der Ukraine. 

Dieter Rose

2. November 2022 17:13

@Laurenz

9/26 analog zu 9/11

weil GK meinte, man sollte das Datum der Zerstörung von Nordstream ebenso aufladen, wie es mit dem der Zerstörung der Twin-Towers gelungen ist.

NINE ELEVEN ist in aller Munde.

quer

2. November 2022 17:51

@Laurenz

Der Krieg, den ich meine, begann 1853 zwischen russischen und osmanischen Truppen in der Walachei und verlagerte sich 1854 auf und um die Krim. Die Ursache dafür war die Behandlung der russischen Orthodoxen durch Osmanen und Christen in Jerusalem. Begann im weitesten Sinne sozusagen als Religionskrieg.

Vergl. dazu: "Krimkrieg", Orlando Figes, 2011 bei Berlin Verlag, ISBN 978-3-8270-1028-5

@ Hajo Blaschke, Wer auch immer es wirklich war: Es war (innenpolitisches) Unrecht und tatsächlich in der Nachbetrachtung völkerrechtlich unwirksam.

Andrenio

2. November 2022 18:19

Die AfD war schon einmal soweit:

Beim Bundesparteitag in Erfurt 2014 hatte eine Resolution eine überwältigende Mehrheit im Saal, in der einer der Kernpunkte „Raus aus der NATO“ war. Grundlage für die Stimmung war eine dominierende US-kritische Argumentation der Antragsteller.

Gauland zog die Reissleine und vertagte die Abstimmung auf den nächsten Tag. Heraus kam eine Resolution, der man über Nacht alle Zähne gezogen hatte.

Ob dies im transatlantischen Auftrag oder als Schutz vor einem von weiter oben verordneten Vernichtungsschlag könnte nur er selbst beantworten. So ordnete sich der „Mut zur Wahrheit“ brav in die Bandbreite der Siegermacht ein.

Wen wundert’s, wenn jetzt nichts Fundamentales zu hören ist; weder hinsichtlich zur Rettung Deutschlands, noch Europas. Der Zug ist längst abgefahren.

Oderint

2. November 2022 18:54

Diese Debatte lässt die mittelosteuropäischen EU-und-NATO-Länder völlig außen vor. Sie haben lange genug intensive Beziehungen zu Russland gepflegt, um mit denen nie wieder etwas zu tun haben zu wollen.

Der etwas plumpe Versuch Deutschlands, sich über deren Köpfe hinweg mit Russland zu verständigen, ist geschichtsvergessener Irrsinn und auch höchst undankbar: die polnische Solidarnoscs hat den Weg für die deutsche Einheit geebnet und der mittelosteuropäische Arbeits-und Absatzmarkt hat mehr zur deutschen Sonderkonjunktur beigetragen als die billige russische Energie.

Volksdeutscher

2. November 2022 19:03

Die ukrainische Version der Krigserzählung wäre diese: "Der Krieg bagann so, daß sie zurückschossen."

Remigio

2. November 2022 20:03

Der von mir geschätzte Herr Kubitschek setzt die EU mit Europa gleicht oder exkludiert das dem europäischen Kontinent - trotz der Zugehörigkeit des Großteils seiner Territorialfläche zu Asien - zugehörige Russland aus Europa, was mir missfällt.

Russland gehört ebenso zu Europa, wie Dänemark, dessen Staatsgebiet sich ebenfalls größtenteils außerhalb Europas befindet, wohingegen - das bezeichnenderweise von Putin für die staatsterroristischen Anschläge auf die beiden Nordstream-Pipelines verantwortlich gemachte - Großbritannien politisch nie zu Europa gehört hat, ebenso wie Bosnien und in noch stärkerem Maße Albanien und Kosovo wegen ihrer jeweiligen muslimischen Bevölkerungsmehrheit kulturell nicht zu Europa gehören. 

Gracchus

2. November 2022 20:52

Summa summarum:

Ich kann mir nicht helfen, aber Russland steht mir näher, das ist subjektiv und nicht ganz rational, aber ich würde behaupten, dass solche Sympathien bei jedem miteinfliessen. Daraus folgt: Auch wenn ich den Krieg für falsch halte (und nicht nur pflichtschuldigst, als Lippenbekenntnis, wie völlig fanatische transatlantische Kriegstreiber einem dann unterstellen) und auch wenn gegenüber Russland politische Vorsicht geboten ist (so dass ich meine, man hätte sich nicht so energieabhängig machen müssen, was aber auch auf einer verfehlten Energiewende beruht), bin ich gegen "Russia out", also dagegen, die Beziehungen mit Russland abzubrechen und die Sanktionen aufrechtzuerhalten. Zwar unterstelle ich Russland imperialistische Gelüste, aber ich glaube, Minsk II ist nicht an Russland gescheitert. Würde Russland erstarken, müsste man sicher versuchte Einflussnahmen befürchten. Was bei Russland hypothetisch oder allenfalls im kleinen Rahmen (Schröder, Wernig), hat bei der USA eine völlig andere Dimension. 

Hajo Blaschke

2. November 2022 22:25

@ quer Ich verstehe nicht, wie ein interne Maßnahme innenpolitisches Unrecht und völkerrechtlich unwirksam sein soll. Diese Maßnahme war nichts anderes als die Änderung einer Kreis- oder Kommunalgrenze.

RMH

2. November 2022 22:38

"wie Dänemark, dessen Staatsgebiet sich ebenfalls größtenteils außerhalb Europas befindet,"

@Remigio

Kann man nicht vergleichen, Grönland ist autonom, könnte sich per Volksabstimmung, an der nur die Grönländer teilnehmen dürfen, jederzeit für unabhängig erklären und ist nicht Teil oder Mitglied in der EU. Wo hat Russland rechtlich vergleichbare Landesteile?

UK hingegen war bis vor kurzem Vollmitglied in der EU - woraus ergibt sich dann das "nie" beim Politischen?

Mit dem Thema Islam und damit automatisch kulturell nicht mehr Europa wäre ich vorsichtig. Russland hat auch eine hohen und wachsenden Anteil an Moslems und die Türkei hat einen kleinen Landesteil in Europa, wobei Europa selber, rein nach den Längengraden betrachtet, wohl erst hinter der gesamten Türkei aufhört (gibt ja mehrere Auffassungen zum östlichen Ende Europas). Als Teile der Türkei in der Antike griechisch waren, war es Teil der Wiege Europas. Zudem: Russland hat alleine durch die Verwendung einer anderen Schrift einen sehr starken, kulturellen Abgrenzungsfaktor zu Europa, dazu kommt die russisch- orthodoxe Kirche, die eine große Eigenständigkeit bewahrt.

Es ist also mit den Europäern nicht so ganz einfach - was umso mehr für einen starken Staatenbund von Vaterländern spricht und so lange es die EU gibt, für einen Einsatz für das Subsidiaritätsprinzip.

Ein Fremder aus Elea

3. November 2022 06:59

Laurenz,

das, was Sie dem gebürtigen Hessen geantwortet haben, sehe ich genau so, aber das, was Sie zu Britannien sagen, setzt voraus, Europa auf die Napoléonisch-Hitlersche Weise zu vereinigen, und darauf kann ich gut verzichten.

Was Nordstream angeht, hier eine relevante Erklärung von Blinken: We will hold to account any individual, entity, or country that provides political or economic support for President Putin’s illegal attempts to change the status of Ukrainian territory

Noch ist die Liste freilich erst sehr selektiv abgearbeitet worden.

Persephone

3. November 2022 09:22

"Wir müssen den deutschen Standort, so wir ihn auf seine außenpolitischen Optionen ausleuchten, als fundamental machtlos beschreiben – und den europäischen gleich mit." - Auch schon gemerkt? Deutschland ist nicht mehr als ein Fliegenschiss auf der Weltkarte. Wer das einmal verinnerlicht hat, dem sind die andauernden Forderungen nach deutscher Souveränität aus dem rechten Lager nur noch ein müdes Abwinken wert. Ohne ein vereinigtes und selbstbewusstes Europa wird Deutschland den geopolitischen Interessen anderer globaler Akteure nichts entgegensetzen können.

"Wir waren und sind als Nationalstaat und als politische Union nicht in der Lage, (...) die zwingend notwendige Energiezufuhr so zu organisieren, daß wir über ihre Nutzung entscheiden und kein Dritter." Das ist einer der Gründe, aus dem Teile der deutschen Politik auf die Ausweitung erneuerbarer Energien drängen. Anders als bei Nutzung von fossilen Energien oder atomar nutzbarer Rohstoffe, die wir aus anderen Ländern importieren müssen, wären wir damit tatsächlich größtenteils unabhängig... Wenn es denn inzwischen effektive Speicherlösungen gäbe. Solange diese nicht existieren, sind wir weiterhin auf gute Beziehungen zu öl-, gas- und uranreichen Ländern angewiesen. Das ist einer der großen Denkfehler, denen unsere grünlinke Regierung derzeit aufsitzt.

dojon86

3. November 2022 09:28

@Ein Fremder aus Elena 06:59 Anders als auf die Napoleonisch-Hitlersche Weise sind noch nie Großstaaten entstanden. Auch die USA in ihrer heutigen Gestalt entstand in Eroberungs- und Einigungskriegen. (7 jähriger Krieg in den Kolonien, Unabhängigkeitskrieg, amerikanischen mexikanischer Krieg, Bürgerkrieg und last but not least die Indianerkriege.

qvc1753

3. November 2022 09:45

Das Interesse der Balten, Polen und andere Ostmitteleuropäer ist eher, daß die USA auf dem europäischen Kontinent engagiert bleiben. Die beiden nächsten Großmächte,  D und R, sind nicht in bester historischer Erinnerung. 
Wenn aber die USA hinter dem Ukrainekonflikt stecken, dann ist Putin, trotz besseren Wissens, ein massiver strategischer Fehler unterlaufen.

Mit der Wahl militärischer Mittel hat er sich in einen indirekten Konflikt mit den USA begeben. Aktuell kämpfen russische Truppen gegen ukrainische Truppen, die von den USA (und einigen anderen Verbündeten) ausgestattet und mit Informationen gefüttert werden.

Es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, das Ukrainer in Zukunft noch positiv über eine Anbindung an Russland denken werden.

quer

3. November 2022 09:51

@ Hajo Blaschke:  Ca. 10 Jahre nach dem Krimkrieg fand der sog. "deutsche Krieg" statt. Das seinerzeitige Ergebnis bedeutete den Rauswurf eines Teils des Volkes aus dem gemeinsamen Reichsverband. Alle Bemühungen dieses (innenpolitische) Unrecht durch die Rausgeworfenen zu revidieren, wurden "völkerrechtlich" begründet durch Dritte unterbunden. Für mich eine interessante Parallele.

Ebenso (völkerrechtlich) interessant die Tatsache, daß dem wehrlosen Reich in seiner höchsten Not gegen die Türken die Provinzen Elsaß und Lothringen entrissen wurden. Alle Revisionsversuche dieses (außenpolitischen) Unrechts wurden ebenso durch Dritte unterbunden.

Im Prinzip also immer das gleiche Problem.

kikl

3. November 2022 09:55

Sehr schön geschrieben, Kompliment. Ich entnehme dem zwei Kernbotschaften.

1. Deutschland vertritt seine Interessen nicht.

2. Deutschland ist ein machtloser Vasallenstaat der USA. Das gilt für die EU auch als Ganzes.

Mit Punkt 1 gehe ich d'accord. Das ist offensichtlich.

Punkt 2, das Gefühl der Ohnmacht, ist auch ein Herrschaftsinstrument. Der Master lässt den Servant fühlen, dass er machtlos ist. Wer resigniert, den muss man nicht fürchten, egal wie mächtig er ist.

Aber so machtlos sind wir gar nicht. Den Konflikt mit der Ukraine würden die USA nicht schüren, wenn Sie nicht die Macht fürchteten, die von Russland ausgeht. Die Ostseepipeline hätten die USA nicht selber zerstört oder zerstören lassen, wenn die Pipeline keine Gefahr für die Interessen der USA darstellte.

Die Hinweise verdichten sich, dass der Obervasall GB auch am Anschlag auf die Pipelines beteiligt war. Die Bundesregierung weiß offenbar Bescheid, aber verweigert jegliche Auskunft aus Gründen der nationalen Sicherheit.

https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/exklusiv-nord-stream-explosionen-ostsee-linke-politikerin-sahra-wagenknecht-bundesregierung-verweigert-informationen-zu-pipeline-anschlaegen-li.277250

https://exxpress.at/its-done-schrieb-das-liz-truss-tatsaechlich-an-den-us-aussenminister/

Und ja, man kann auch als Bundeskanzler Nein sagen, so wie Gerhard Schröder zur Beteiligung am zweiten Irakkrieg. Aber das setzt natürlich voraus, dass wir uns selber achten. Daran fehlt es.

Leander

3. November 2022 10:35

Angenommen Guerot hat in allen Punkten recht, dann ist die Lage doch so:

Es hat funktioniert für die USA und niemand konnte/wollte es verhindern. Auch China nicht.

Ich wundere mich nur über eine Sache: die USA wissen schon lange, dass das degenerierende Westeuropa und die Regionalmacht Russische Föderation geopolitisch keine ernsthaften Konkurrenten sind. Wozu also der Aufwand?

Adler und Drache

3. November 2022 10:39

Ich wüsste gern, wie sich das Verhältnis Deutschlands zur USA sachlich korrekt einordnen und benennen lässt. Ist Deutschland Kolonie, Protektorat oder Vasallenstaat? Oder etwas ganz anderes?

 

Valjean72

3. November 2022 11:44

In der Tat ein sehr gut geschriebener Artikel, der essentielles auf den Punkt bringt.

Meiner Einschätzung nach ist es eine Sache, sich eingeschränkter Handlungspielräume gewahr zu werden und eine andere, es überhaupt in Erwägung zu ziehen, originär eigene Interessen zu verfolgen.

Ein geringer Teil der polit-medialen Nomenklatura der BRD wäre wohl hierzu bereit, sieht aber keine realistischen Chancen, sich hier weiter hervorzuwagen Der weitaus größerer Teil aber will dies gar nicht, denn sie sind vollkommen transatlantisch/angelsächsisch ("westlich") imprägniert (erzogen und geeicht) und sehen in Deutschland nichts weiteres als eine Region (Provinz) des "Westens".

Hier muss also erstmal wieder ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass es sinnvoll ist eigene Interesse zu verfolgen - natürlich nicht rücksichtslos, sondern im besten Fall auf eine ausgleichende Art und Weise - und diese Interessen müssten auch formuliert werden.

Ein Schlüssel hierzu ist mE die Entwicklung und Verankerung eines positiven Bildes in Bezug auf die eigene (deutsche) Geschichte, trotz der bekannten "dunkleren Kapitel".

Die eingenommene Position als höriger US-Vasall und EU-Zahlmeister, der wiederum mit der Finanz- und Wirtschaftskeule vorrangig die Interessen des Hegemon vertritt, hat uns in diese mehr als missliche Situation gebracht, der wir uns nun gegenübersehen.

RMH

3. November 2022 11:50

"Ist Deutschland Kolonie, Protektorat oder Vasallenstaat? Oder etwas ganz anderes?"

@Adler und Drache,

der Jurist würde jetzt ggf. ausweichend mit dem Ausdruck "sui generis" kommen ... :)

Formal ist Deutschland klar ein souveräner, selbstständiger Staat, der Teil der EU ist.

Praktisch aber ... s.o.

Deswegen ist es das Bestreben jeder patriotischen Opposition, das formell Zustehende auch mit Leben zu füllen.

Niekisch

3. November 2022 12:05

"Oder etwas ganz anderes?"

@ Adler und Drache: so oder so ein negatives Faszinosum. Staats-und völkerrechtlich läßt sich diese human being - Versammlung in statu mortendi nicht mehr fassen. Was bringt das auch?

Volksdeutscher

3. November 2022 12:24

@qvc1753 - "Es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, dass Ukrainer in Zukunft noch positiv über eine Anbindung an Russland denken werden."

Gut, daß Sie daß einwerfen. Wir wollen wissen, wer Amerika ist, wer Russland ist, wer Europa ist. In Wirklichkeit können wir nur ahnen, welche Personenkreise sich hinter diesen Namen versteckt halten. Wer aber ist die Ukraine? Woher wollen wir auch wissen, was zwischen beiden Völkern möglich ist (ich habe absichtlich nicht "zwischen beiden Staaten" geschrieben, weil die Ukraine kein Staat ist)? Wir wissen nicht, was aus diesem Schurkenstaat wird, was aus ihr übrigbleibt, wenn Russland diesen Krieg gewinnt. Denn Russland wird diesen Krieg gewinnen (müssen). Russland hat keine andere Wahl.

Herr K aus O

3. November 2022 13:16

Und was für einen Kontrast wir hier sehen: Auf der einen Seite Scholz, der von Biden wie ein geprügelter Pudel an der Leine geführt wird, auf der anderen Seite diejenigen, die noch an die Größe Deutschlands glauben, indem sie wirklich überzeugt sind, dass dieser kleine Flecken eher weiter oben im Globus die Potenz hat, den Rest der Welt retten zu können.

Ich kenne solche Leute, sie argumentieren begeistert, hoffnungsvoll, voller Idealismus, dort tönt ein „Gebt mir 10 Jahre Zeit!“.

Unsereins bleibt nur noch die Eingeständnis der Niederlage und der Demütigung. 

Aber noch bleibt ja ein bisschen Hoffnung: Dieser kleine Pudel weigert sich standhaft, beim Krieg mitzumachen. Schauen wir mal weiter, noch ist nicht alles verloren. Eventuell geht der kleine Pudel als derjenige in die Geschichte ein, der einen Krieg verhindert hat.

Imagine

3. November 2022 13:30

1/3

Zur „Lagevergessenheit“ gehört das fehlende Bewusstsein, in historischen Epochen zu denken.

1. Nach dem WK II bestand für die Trizone (Westdeutschland) gar keine Alternative zur Westbindung. Denn nur der Westen versprach Wachstum, individuelle Freiheit (Liberalismus) und Wohlstand.

2. Aber das westlich-kapitalistische Modell stand schon in den 60-er Jahren vor dem Problem der Marktsättigung. Die Reaktion darauf bestand in Obsoleszenzproduktion und in Defizit Spending, insbesondere durch den Vietnamkrieg.

3. Der Dollar wurde durch das Drucken in der Notenpresse völlig inflationiert. Die Folge war, dass das Bretton Woods-Systems mit seiner Golddeckung zusammenbrach.

Ab ca. 1970 war es dann mit dem Wohlstandswachstum für die untere Lohnarbeiterschicht zu Ende. Schmidt betrieb eine Austeritätspolitik und seitdem – also seit 50 Jahren – stagnieren die Reallöhne.

Das war der erste Epochenumbruch und der Beginn der grünen Politik mit Club of Rome und dem Konsumverzicht für die Arbeiterklasse.

Imagine

3. November 2022 13:32

2/3

4. Der zweite Epochenumbruch, zugleich eine Zivilisationsbruch, war 1999, nämlich der völkerrechts- und verfassungswidrige Angriffskrieg mitten in Europa gegen das blockfreie Jugoslawien.

Danach folgte eine Reihe von völkerrechtswidrigen, imperialistischen Angriffskriegen des US-NATO-Imperiums gegen Irak, Libyen, Syrien und Afghanistan.

5. Nach der Kapitulation der Sowjetunion begann die neoliberale Revolution, in Deutschland etwas zeitverzögert, umgesetzt durch SPD und Grüne in der Regierung Schröder-Fischer („New Labour“, Agenda 2010) wo die Grünen die Antreiber waren, was ein Programm der Volksverarmung und eine Politik gegen die eigene Klientel war..

Seitdem war dann nichts mehr mit allgemeinem Wachstum und Wohlstand für alle.

Wachstum gab es nur für eine Minderheit der Reichen und Superreichen, deren Vermögen steigen.

Immer mehr erreichte der Abstieg auch die Mitte, nämlich die akademisch Qualifizierten, die Freiberufler und die KMUs

Auch mit der individuellen Freiheit (Liberalismus) ging es abwärts durch Sprachpolizei und Einschränkungen der Meinungsfreiheit. Besonders beim Corona-Regime wurde deutlich, dass es nur noch eine Fassadendemokratie gab. In Wirklichkeit gab es einen Oligarchen-Kapitalismus, der mit diktatorischen Methoden herrschte.

Imagine

3. November 2022 13:33

3/3

Und jetzt befinden wir uns mitten im Dritten Weltkrieg mit einer allgemeinen und sich beschleunigenden wirtschaftlichen Abwärtsbewegung, die typisch für Vor- und Kriegszeiten ist.

Es gibt viele Verlierer, aber eben auch Gewinner, seien es die Reichen und Supereichen, die Funktionäre und Söldner im Dienste des Oligarchen-Kapitalismus, der längst die Charakteristika einer Verbrecherherrschaft aufweist.

Natürlich sind die Gewinner Parteigänger des US-NATO-Imperialismus, aber es gibt in auch in der Bevölkerung und den Verlierern viele, welche die Realität nicht erkennen und in den USA ihre Schutzmacht sehen und sich die USA als Welthegemon und „Weltpolizisten“ wünschen. Das scheint im rechten Milieu und auch beim SiN-Kommentariat die Mehrheit zu sein.

Die wollen von der Existenz von antagonistischen Klassen und dem „Klassenkampf von oben“ – der Systemgewinner gegen die Systemverlierer - nichts wissen, jedenfalls noch nicht. Diess wird sich möglicherweise ändern, wenn sie selbst zunehmend im Prekariat landen.

Gustav

3. November 2022 13:42

@ Adler und Drache

Was für ein Spiel spielen die USA und Deutschland?

von Thierry Meyssan

Deutschland, das gerade seine Versorgung mit russischem Gas verloren hat und bestenfalls ein Sechstel davon in Norwegen beziehen kann, versinkt vor unseren Augen im Krieg in der Ukraine. Es wird zum Zentrum der verdeckten Aktionen der NATO, die letztlich gegen Deutschland agiert. Der gegenwärtige Konflikt ist besonders undurchsichtig, wenn man die Verbindungen zwischen US-Straussianern, revisionistischen Zionisten und ukrainischen integralen Nationalisten nicht kennt.

https://www.voltairenet.org/article218264.html

Gustav

3. November 2022 13:56

@ Leander

"...die USA wissen schon lange, dass das degenerierende Westeuropa und die Regionalmacht Russische Föderation geopolitisch keine ernsthaften Konkurrenten sind."

Das muß aber nicht immer so bleiben. Seitens der USA besteht die Angst, das sich neue, von ihnen unabhängige Allianzen bilden, naheliegend zwischen Deutschland und Russland. Und genau deshalb wird jetzt ein neuer Graben zwischen Ost und West gezogen. Das geplante Intermarium soll wohl diese Trennung manifestieren.

Andrenio

3. November 2022 14:01

@Adler und Drache @RMH

Kolonie sind wir sicher nicht, weil wir kein fremdes offizielles Staatsoberhaupt und vor Ort keinen Statthalter haben.

Protektorat waren wir sicher teilweise im Kalten Krieg 1, da angesichts der überlegenen Panzerarmeen des Warschauer Pakts nur die amerikanischen Atomwaffen vor einem Angriff schützten.

Ein Vasallenstaat kommt der Realität am nächsten, denn wir stellen Hilfstruppen u/o Tributzahlungen und müssen Fremdtruppen dulden und bezahlen.

Der Unterschied zum Imperium Romanum besteht darin, dass unsere Elite nicht mit amerikanischen Bürgerrechten ausgestattet ist. Deshalb sind wir eher subalterner Vasall und jederzeit entbehrlich.

t.gygax

3. November 2022 14:39

@Adler und Drache

Der frühere Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger brachte es 1966 nach dem Antrittsbesuch bei US Präsident Johnson auf den Punkt:"Wir sind doch nichts weiter als ein amerikanisches Protektorat." Dies aber nur zu seinen Mitarbeitern beim Rückflug.

 

Ein Fremder aus Elea

3. November 2022 15:28

dojon86,

alle Staaten bestehen aufgrund militärischer Gegebenheiten. Aber wenn Sie schon mit Großreichen kommen, müssen Sie auch konsequent sein. Großreiche sind nur dann stabil, wenn es einem Eroberer gelingt, die ursprüngliche Bevölkerung zu verdrängen oder jedenfalls zu dominieren, wozu er wenigstens 50% der lokalen Bevölkerung stellen muß.

Und wie gesagt, darauf kann ich in Europa gut verzichten.

Imagine

3. November 2022 18:12

@Andrenio   3. November 2022 14:01
Kolonie sind wir sicher nicht, weil wir kein fremdes offizielles Staatsoberhaupt und vor Ort keinen Statthalter haben.“

Das ist ein antiquiertes Kriterium. So arbeitet nicht der moderne US-Imperialismus. Statthalter gab es noch im britischen Kolonialismus, aber nicht in Südamerika.

Der Neo-Kolonialismus funktioniert anders. Der arbeitet in den Fassadendemokratien mit willfährigen Marionetten aus der eigenen Bevölkerung.

qvc1753

3. November 2022 18:12

Werter Volksdeutscher, 

irgendwie hält sich hartnäckig die Idee das die Ukraine kein Staat sei. Nach allen Regeln des Völkerrechtes ist sie aber einer. Was nun Europa, Russland, die USA oder eben die Ukraine angeht, so darf man nicht vergessen das Kherson eine Gründung der Griechen ist (daher der Poseidon-Dreizack im Staatswappen), Kyiv eine Wikinger-Gründung und ein theologisches Zentrum bevor Moskau überhaupt eine Universität hatte etc. Ähnliche Wurzeln haben viele europäische Nationen. 
Drehen wir das Argument doch einmal um: das die Ukraine offensichtlich erfolgreich Menschen findet die ihr Leben für den Fortbestand der ukrainischen Nation geben ist doch der Beleg dafür das diese Nation existiert und auch der ukrainische Staat in der Lage ist seine Bürger zum Kampf zu mobilisieren.

Das Russland am Ende der Sieger sein wird ist nicht nur zweifelhaft, ich frage mich tatsächlich ob in Russland tatsächlich jemand glaubt mit Artillerie und Bomben steigere man die brüderliche Liebe untereinander.   

 

dojon86

3. November 2022 18:22

@Ein Fremder aus Elea 15:28 Latein war ursprünglich nur in Latium verbreitet. Rom hat seine Sprache dem ganzen westlichen Mittelmeerraum aufgedrängt ohne die Ursprungsbevölkerung zu vernichten. Wenn ich auf unseren Universitäten sehe, wie Englisch im Vorlesungsbetrieb vordringt, wie es selbst bei deutschen Konzernen zur Konzernsprache wird, wenn ich sehe, dass in einer Gruppe von 10 Studenten ein einglischsprachiger reicht, dass alle 10 Englisch sprechen, dann denke ich, ein Imperium braucht keineswegs mehr als 50 Prozent der Bevölkerung, damit es seine Vasallen auch geistig kolonisiert und wenn das Projekt glückt, auch assimiliert. Europa hat einfach die Wahl, selbst ein Imperium zu sein, oder ein Sammelsurium kolonisierter Staaten.

Flaneur

3. November 2022 20:08

Souveränität zu haben bedeutet Wahlmöglichkeiten zu haben und diese auch nutzen zu können. In diesem Sinne ist die deutsche Souveräniität - freundlich gesprochen - arg beschränkt. Die Frage ist, ob die Bundesregierung, die offensichtlich nicht mit einer Stimme spricht, bemüht ist, sich Wahlmöglichkeiten zu zu erhalten bzw. neu zu erarbeiten.

Scholz' Entscheidung, die Chinea Ocean Shipping Company (COSCO) gegen erheblichen Widerstand von Grünen, FDP und Union in den Hamburger Hafen zu integrieren, kann möglicherweise als Versuch interpretiert werden, sich Wahlmöglichkeiten gegen das Diktat der USA offen zu halten. Scholz' bevorstehende Reise nach China kann in die gleiche Richtung interpretiert werden. Der Journalist Pepe Escobar, eine schillernde Person, die mit ihren geopolitischen Analysen allerdings oft richtig gelegen hat, argumentiert in diese Richtung. Der auf Basis marxistischer Imperialismustheorien argumentierende US Ökonom Michael Hudson  befürchtet das Gegenteil und sieht die Bundesregierung als ideologisch vollständig auf Linie gebrachten Vasallen der USA, der jeden eigenen Souveränitätsanspruch aufgegeben hat.

Spannend wird also, was bei Scholz' Chinareise konkret herauskommen wird, nicht, was rhetorisch proklamiert werden wird. Scholz wird von hochrangigen Vertretern der deutschen Industrie begleitet werden. 

Sandstein

3. November 2022 20:15

@dojon86 

..diese, ich nenne es mal „Formel“ aus Elea, ist ja auch frei erfunden. Könnte jetzt zig Beispiele aufzählen, die diese These von den % widerlegen. Einfach nen Geschichtsbuch aufschlagen und lesen. 
 

Leander

3. November 2022 21:47

@ Gustav 

"...das sich neue, von ihnen unabhängige Allianzen bilden, naheliegend zwischen Deutschland und Russland."

Ich traue es den herrschenden politischen Gruppierungen weder in Deutschland, noch in Russland zu, eine große Vision für eine europäische Allianz zu entwickeln und eine Roadmap dahin zu beschreiben. Das wäre eine wahrlich große politische Aufgabe. Dazu müssten das kurzfristige Arbeiten in die eigene Tasche in den Hintergrund und echtes langfristiges Interesse an den Gesellschaften in den Vordergrund treten. Das können die nicht. Zu korrupt, zu verkommen, zu geistesschwach.

Es sieht im Moment so aus, als bliebe nur sich in der Vasallenwelt einzurichten.

Kurativ

4. November 2022 04:45

Was ziehe ich für Schlußvolgerungen?

1. Eine multivektoriale Außenpolitik mit Russland und den USA als Teilnehmer führt zu einer Vereinnahmung eines Landes durch das von den USA geführten Westen. Was in der Ukraine gegen den damaligen Willen der ukrainischen Bevölkerung passiert ist, wird auch in Armenien passieren. Und es passiert gerade in Moldavien. Die Bevölkerung protestiert, die installierten westliche Politiker bleiben bei ihren West-Kurs. Wenn ein Land keine Westbindung will, muss es sich entscheiden. Dem Westen kann man nicht trauen. Wenn erst das Mediensystem installiert wird, dann beginnt eine Zombifizierung der Gehirne. So war es auch in Deutschland mit der Lizenzpresse nach dem Krieg.

2. Die Regeln und Wirkmechanismen von Völkerrecht müssen überdacht werden. Wenn ein Imperium in der Lage ist, alle Kommunikationswege zu überwachen, und entsprechende Agenten aus den Stützpunkten vor Ort aktivieren kann, dann kann man nicht mehr von souveränen Staaten sprechen.

3. Lieferung moderner Waffen bedeutet Kriegseintritt für den Lieferanten. Beispiel: Wenn Fernwirkwaffen (Pzh2000) auf 40km mit einer Genauigkeit von +/- 10m treffen und auch noch die Bedienungsmannschaften im Lieferantenland ausgebildet werden, dann kann man das mit der Muskelbewegung eines Abzugs vergleiche. Deutlicher wird das, wenn der Lieferant Kampfroboter, welche selber kämpfen, liefert.

Ein Fremder aus Elea

4. November 2022 05:59

dojon86,

die einzigen Regionen, in welchen sich das Römische Imperium langfristig gehalten hat, sind jene, in welchen die lokale Bevölkerung entweder von Anfang an hinreichend nahe verwandt war oder auf weniger als 50% zurückgedrängt worden ist:

Italien, Frankreich, Spanien und Portugal (auch in Rumänien, aber das ist etwas isoliert gelegen).

Es gibt keine einzige Ausnahme in der Weltgeschichte: Ohne Bevölkerungsersetzung keine Stabilität.

Der_Juergen

4. November 2022 06:54

1. Teil

@qvc

Russland wird den Krieg gewinnen müssen, um nicht als Staat unterzugehen bzw in ein Protektorat verwandelt und langfristig aufgeteilt zu werden. Was unter "gewinnen" zu verstehen ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Meine Definition: Es muss der Existenz eines Anti-Russland in Form eines antirussischen ukrainischen Staates beenden. Die ganze Ukraine zu annektieren, wäre töricht; eine grösstenteils feindliche Bevölkerung bringt einem Staat endlose Scherereien. Die Lösung wird also darin bestehen, jene Territorien anzugliedern, in denen die Mehrheit der Bevölkerung dies will, und in den restlichen ein prorussisches Regime, ein Vasallenregime, einzusetzen. Den Westen, d. h. die Lemberger Region und Wolhynien, könnte man im Prinzip an Polen abtreten, was auch von einigen Russen vorgeschlagen wird, "damit das Bandera-Unwesen dann deren ihr Problem ist". Den Polen wird dies jedoch von ihren Kuratoren nicht erlaubt werden.

 

Der_Juergen

4. November 2022 06:56

2. Teil

Unabhängig vom Kriegsausgang zählt der ukrainische Nationalismus schon jetzt zu den Siegern, und er wird dem oben skizzierten prorussischen Regime schwer zu schaffen machen. Das Heldenepos vom langen, hartnäckigen Widerstand gegen die bösen Moskowiter wird sich sehr lange halten. - Hätte der Kreml das gewollt, hätte er den Krieg innerhalb einiger Monate gewinnen können, und zwar ohne unnötige Verluste der ukrainischen Zivilbevölkerung. Aber um ihn zu gewinnen, müssen neue Männer ans Ruder kommen, oder die Armee muss Putin zum Handeln zwingen. Statt zu handeln, schickt er den Präsidenten von Guinea-Bissau als Vermittler nach Kiew. Und den Engländern, die die Gas-Pipelines gesprengt haben, werden "für den Wiedrholungsfall" Repressalien angedroht. Putin macht Russland zur Lachnummer. Wen wundert es da, dass Stalin zurzeit höher im Kurs steht als je zuvor nach seinem Tod?

Valjean72

4. November 2022 08:04

Wir waren und sind als Nationalstaat und als politische Union nicht in der Lage, Konflikte und Kriege, die uns betreffen, in unserem Sinne zu lösen …

 

Meiner Ansicht nach gilt es sich hier unbedingt auch von der verbreiteten und genährten Illusion zu lösen, dass das „wiedervereinigte“ Deutschland nur von befreundeten Staaten umgeben wäre.

 

Die Interessen der EU-Mitgliedsstaaten sind eben nicht deckungsgleich und auch nicht altruistisch-gesamteuropäisch geprägt, sondern gerade bei Staaten wie Frankreich, England (ex-EU-Mitglied) und vor allen Dingen Polen explizit gegen Deutschland gerichtet.

 

Die Reaktion des ehem. polnischen Außenministers auf die Sprengung der Energie-Arterien Nordstream 1 und 2 spricht Bände („Thanky you USA!“) und gegenwärtig nährt sich auch der Verdacht, dass England seine Hände mit im Spiel hatte.

 

Unlängst übereichte Polen der Bundesrepublik eine diplomatische Note mit Reparationsforderungen von umgerechnet 1,7 Billionen EUR. Dies geschah mE nicht zufällig gerade am 3. Oktober, wie auch die letzte Tranche der Reparationen aus dem 1. WK am 03.10.2010 von der BRD überwiesen wurde.

 

Die aktuellen Forderungen sind in Zloty und die Polen werden schon wissen, weshalb sie die Forderungen nicht Euro ausgewiesen haben …

Valjean72

4. November 2022 08:28

Es ist mE richtig den 1.WK als die europäische Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts zu bezeichnen, sowie den 1.WK und den 2.WK, sowie die Zeit dazwischen als einen Zweiten 30-jährigen Krieg aufzufassen.

 

Am Ende des 1.WK wurde Deutschland von den westlichen Siegermächten, d.h. von seinen Feinden, die alleinige Schuld zu diesem großen Krieg auferlegt. Heute wissen wir, dass dies nicht der historischen Wahrheit entspricht, ganz im Gegenteil. Aber auf eine Entschädigung, Entschuldigung oder dergleichen können wir vergeblich warten.

 

Ohne 1.WK und ohne Versailles kein 2.WK. Die Nationalsozialisten formierten sich in München, waren also von Beginn an alles andere als eine preußische Bewegung. Dennoch ergriffen die Feinde Deutschlands 1945 die Gelegenheit beim Schopfe und vernichteten Preußen. Dies war bereits Gedankenspiel polnischer Nationalisten der Zwischenkriegszeit (vgl. S. Scheil „Polen 1939“, S.41/42).

 

Meiner Auffassung nach ist es an der Zeit, dass sich gelernte BRD-Patrioten von ihrem Stockholmsyndrom hinsichtlich der Angelsachsen lösen und sich trauen der Tatsache ins Auge zu sehen, dass UK&USA maßgeblich daran beteiligt waren, Preußen zu zerschlagen und die Ostgebiete aus Deutschland herauszureißen, nicht etwa weil Polen unbedingt Land brauchte, sondern weil es galt Deutschland zu schwächen, auszuweiden, zu strafen und zu demütigen.

Gustav

4. November 2022 08:34

@ qvc1753

Es ist die Arroganz der G7, die Arroganz der Nato, die Arroganz der Europäischen Union zu glauben, sie könnten Russland eine Lösung mit wirtschaftlichen Mitteln diktieren, und nicht zu erwarten, dass Russland in der Lage sein würde, eine Gegenstrategie zu entwickeln, obwohl es dies mehr als ein Jahr lang angekündigt hatte, einen Plan, um die Sanktionen des Westens zu absorbieren und sie gegen den Westen zu wenden. Und genau das hat Russland getan, und der Westen hat gezeigt, dass er keinen Plan B hat.
  
Eines der ersten wichtigen Dinge, die man beim Militär lernt, ist, dass kein Plan den ersten Kontakt mit dem Feind überlebt, dass der Feind immer eine Wahl hat. Und so hat die Arroganz, mit einem Plan, einem Konzept, einer Denkweise und einer Arbeitsweise anzutreten und nicht in der Lage zu sein, sich an veränderte Umstände anzupassen, Europa in die Situation geführt, in der es sich heute befindet: in einem absoluten wirtschaftlichen Chaos mit dem Potential für einen vollständigen wirtschaftlichen Zusammenbruch.

https://www.zeit-fragen.ch/archiv/2022/nr-23-1-november-2022/konsequenzen-des-ukraine-kriegs-fuer-europa-und-die-usa

Karl Otto

4. November 2022 10:41

Hm, wenn ich mir mal die Bevölkerungsentwicklung in den baltischen Ländern anschaue, seit diese selbstständig sind, so zeigt sich, dass ein Großteil der dort lebenden Russen im Lande geblieben ist, auch nach dem Beitritt zur UE und zur Nato. In Estland etwa gab es 1989 30,3% Russen, 2021 sind es 23,2% (wobei die Gesamtbevölkerung nicht gewachsen ist). D.h. das nur etwa 20% der estnischen Russen das Land verlassen haben und mehr als 70% von ihnen es vorzogen, in einem EU-Land zu leben anstatt in der großartigen russischen Nation. Dies trotz Diskriminierung durch die Esten.

Gibt es eigentlich einen Grund zu der Annahme, dass die russischsprachigen Menschen im Osten der Ukraine sich anders verhalten würden, wenn sie die freie Wahl hätten?

dojon86

4. November 2022 10:52

@Ein Fremder aus Elea Ich empfehle ihnen mal eine Reise durch Spaniens Provinzen und durch Rumänien. Und zwar durch die Dörfer, nicht durch die durch Einwanderung geprägten Städte. Bei guter Beobachtung werden sie z. B. in Spanien alle Hauttypen von Nordafrikanisch bis Blond feststellen. Von den Katalanen und Basken abgesehen, werden aber alle sagen, wir sind natürlich Spanier. Mithin dürfte es mit der Ersetzung der Bevölkerung durch die diversen Erobererwellen nicht weit her gewesen sein. Ebenso ist die rumänische Bevölkerung vom Phänotypus ausgesprochen heterogen. Weitaus heterogener jedenfalls als die dörfliche Bevölkerung z. B. in Brandenburg oder Niederösterreich. 

 

Gustav

4. November 2022 12:12

@ Karl Otto

Gibt es eigentlich einen Grund zu der Annahme,daß die Menschen im Westen anders denken würden, gäbe es nicht diese ständige Propaganda?

Heute koordiniert die NATO ihre Bemühungen in diesem Bereich von ihrem Strategischen Kommunikationszentrum in Riga (Lettland) aus [2]. Sie identifiziert die Punkte, auf die sie einwirken will, und organisiert internationale Programme, um sie zu verwirklichen.

Propaganda macht dumm. Wir wissen, dass die ukrainischen „integralen Nationalisten“ abscheuliche Massaker begangen haben, besonders während des Zweiten Weltkriegs. Aber wir wissen nicht, was sie seit dreißig Jahren vor unserer Haustür tun, einschließlich des Bürgerkriegs, den sie seit acht Jahren führen. Unsere eigene Dummheit erlaubt uns, den Kriegsschrei unserer Politiker an Seiten dieser Verbrecher zu ertragen.

Krieg, Propaganda und Verblendung von Thierry Meyssan

https://www.voltairenet.org/article218307.html

Adler und Drache

4. November 2022 12:39

Vom "Finis Germania" zum "Endspiel Europa" waren es gerade mal 5 Jahre ...

 

qvc1753

4. November 2022 13:30

@Der_Juergen: 

Irgendwie ist der gesamte Kriegsverlauf bis heute kein sonderliches Ruhmesblatt für die Russen. Die Schwarzmeerflotte liegt im Hafen, wo sie sicher ist. Was aber nicht der Sinn einer Flotte ist. Die Luftherrschaft hat die russ. Luftwaffe, trotz mehrfacher Überlegenheit, nicht herstellen können. Und außer einer Trümmerwüste in den eroberten Gebieten hat man, neben ein paar schmerzlichen Niederlagen, nicht viel erreicht. Für eine umfangreich und unter großer Aufmerksamkeit reformierte Armee ist das nicht gerade viel. Und für eine Weltmacht auch nicht. 

Strategisch hat man es geschafft, dass die NATO um zwei mittlere Mächte mit ziemlichen militärischen Kapazitäten erweitert und das Baltikum zu einem NATO Binnenmeer wird.

Wie man jetzt noch die ukrainische Nation verschwinden lassen will, das ist mir ein Rätsel. Die Ukraine führt jetzt einen Kampf, der einmal als großer nationaler Freiheitskampf in ihre Geschichte eingehen wird. Nicht klug. 

Die Frage ist daher, ob Russland nicht gerade einen Konflikt führt, den es mittel- und langfristig nur zu seinem Schaden beenden kann.

Dazu müsste es aber einsehen, dass die Ukraine eine eigenständige und von Russland verschiedene Nation sein will und dies vermutlich auch unter russischen Bomben nicht ändern wird. Allerdings fürchte ich, dass Russland gar nicht in der Lage ist, an eine eigenständige Ukraine zu denken - vor allem nicht eine, die sich gen Westen wendet.

 

Andrenio

4. November 2022 13:51

@Karl Otto:

1991 gab es in den baltischen Staaten Russen unterschiedlicher Provenienz.

Es gab pensionierte Soldaten, die gerne das „westliche“ Flair an ihrem Lebensabend genießen wollten, das sie während ihrer aktiven Zeit kennenlernten. Wenn ihre Nachkommen im Land geboren wurden, waren diese Länder ihre Heimat, auch wenn zu Hause Russisch gesprochen wird.

Es gab die Topfachleute wie zB die in den Atomkraftwerken arbeitenden Techniker. Diese gingen großteils zurück.

ich kenne keinen einzigen Russen, der seinen kulturellen Hintergrund verbergen wollte, auch wenn er litauisch, lettisch oder estnisch akzentfrei spricht. Es gab auch nicht den Versuch die russische Herkunft des Familiennamens durch Änderung zu verstecken.

Viele der ethnischen Russen waren gut vernetzt und wirtschaftlich erfolgreich. Warum sollten sie für eine unsichere Zukunft nach Russland zurückkehren? Trotzdem ist die überwältigende Mehrheit pro Putin.

qvc1753

4. November 2022 13:53

@Gustav: Die westlichen Staaten nutzen das See- und Handelsmächten naheliegende Mittel: die Blockade. Nichts anderes sind Wirtschaftssanktionen. Die den Vorteil haben sehr effektiv und tiefgreifend zu wirken, aber eben langfristig. 
Russland hingegen setzt militärische Mittel ein, die wiederum kurzfristig wirken. 

Momentan sieht es so aus, als ob Russland kurzfristig nicht erfolgreich ist. Weswegen ein länger andauernder Konflikt nicht zum Vorteil für RU ist.

Die Frage ist natürlich welche Folgen dies im Wesentlichen für "den Westen" hat. Der unterstützt ja nicht nur wirtschaftlich die Ukraine, er muss auch die wirtschaftlichen Folgen seiner Sanktionen tragen. 
Hier könnte aber auch ein ähnlicher Effekt wie in RU eintreten - man sucht eben Alternativen zu russischen Quellen. Was teurer sein kann und andere Abhängigkeiten möglich macht.

Am Ende wird der Krieg auf dem Schlachtfeld entschieden. Die Russen müssen diesen Krieg gewinnen - die Ukrainer nur nicht verlieren. So lange eine ukrainische Armee im Feld ist, so lange hat Russland nicht gesiegt. Im schlimmsten Falle haben die Russen für ein paar zertrümmerte Landstriche weite Teile ihrer Armee geschreddert. Und die Ukraine verfügt über eine vollständig nach NATO Standard ausgerüstete Armee die in der nächsten Runde noch schwerer zu schlagen sein wird - wenn überhaupt.
 

MARCEL

4. November 2022 14:46

Auf die Gefahr hin, abgeschmackt zu wirken:

Es ist wieder an der Zeit, an das sog. Geheime Deutschland zu glauben bzw. sich an ihm zu orientieren, sich an ihm rückzubinden, wie es z.B. Ernst Kantorowicz in seinem Vortrag 1933 (und 1944 v. Stauffenberg) getan hat.

Man sollte diesen Vortrag heute wieder v.a. innerhalb der NR publik machen!

Man ist dann zwar immer noch machtlos, aber auf eine souveräne Art!

Ein Fremder aus Elea

4. November 2022 17:13

dojon86,

ich kenne Spanien, und meine Augen sagen mir, daß die Spanier eine der homogensten Bevölkerungen Europas bilden. Ich mußte sogar genau über das, was Sie jetzt angesprochen haben, lachen: Bei McDonald's hing ein Plakat zum Thema Diversität in Spanien: 10 gleiche Gesichter, aber unterschiedliche Braunschattierungen bei den Haaren, von rotbraun bis schwarzbraun.

Mit Rumänien dürften Sie Recht haben, ich habe aber auch nichts anderes behauptet. Siebenbürgen ist eh auszuschließen und selbstverständlich ist der Rest nicht aus der Geschichte entrückt worden. Ich habe lediglich gesagt, daß die Römer in Rumänien eine Kolonie gegründet haben, welche sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat.

dojon86

4. November 2022 18:41

@Ein Fremder aus Elea 17:13 Na ja, ich gebe zu, ich sah Dorfschulkinder die (wie überall auf der Welt) erleichtert aus der Schule strömten, MC Donalds Plakate übersehe ich aus Gewohnheit

dojon86

4. November 2022 18:51

@Ein Fremder aus Elea Nachtrag. Im übrigen sprach ein Kaiser wie Septimius Severus, geboren gut 300 Jahre nachdem die Römer Karthago dem Erdboden gleich gemacht haben, noch punisch. Er ließ auch das Grabmal Hannibals in Kleinasien renovieren. Also dafür, dass sich die Römer offensichtlich recht unvollkommen an ihrem Modell orientierten, waren sie erstaunlich erfolgreiche Imperialisten.

Flaneur

4. November 2022 19:10

@ Der_Juergen und qvc1753

Es geht Russland nicht nur darum, ein Anti-Russland an seinen Grenzen zu eliminieren, es geht Russland darüberhinaus darum, die dieses Anti-Russland treibenden Kräfte im kollektiven Westen zu schwächen. Der Abnutzungskrieg, den Russland spätestens sei April in der Ukraine führt, schwächt das konventionelle Potenzial der Nato zunehmend. Der wirtschaftliche Schaden, den sich die Nato-Staaten durch ihre eskalierende Sanktionspolitik zufügen, nimmt immer größere Ausmaße an. Über kurz oder lang gibt das realpolitischen Kräften im kollektiven Westen Auftrieb. Das könnte, so das Kalkül, die von Hybris, Hypermoral und Hysterie getriebenen globalistischen Kräfte in der politischen Klasse des Westens an den Rand drängen. Im Kampf um den Globalen Süden liegt Russland aufgrund seines langsamen Abnutzungskrieges bereits vorne.

Karl Otto

4. November 2022 19:24

"Viele der ethnischen Russen waren gut vernetzt und wirtschaftlich erfolgreich. Warum sollten sie für eine unsichere Zukunft nach Russland zurückkehren?"

Genauso dürfte es auch bei den Ostukrainern sein. ERst kommt das Fressen, dann die Moral.

Wenn man mal sehen will, was den Russen gefällt, wenn sie frei wählen können s. hier: 

https://www.youtube.com/watch?v=_W7wqQwa-TU

Sind auch eine ganze Reihe russische Uniformen im Publikum zu sehen.

Sandstein

4. November 2022 20:09

„Es gibt keine einzige Ausnahme in der Weltgeschichte: Ohne Bevölkerungsersetzung keine Stabilität.„ 

Das stimmt einfach nicht. Ihre Römer haben über Jahrtausende in Provinzen mit marginalen Anteilen an Vollbürgern Herrschaft ausgeübt. Die Germanen habe während der Völkerwanderung teils langlebige Reiche mit unter 10% Bevölkerungsanteil gegründet. Die Mongolen waren nie in der zahlenmäßigen Überlegenheit.

..also was bitte reden Sie da?
Ist nachlesen tatsächlich so schwierig wenn’s die eigene Sicht sprengt? Ich find das mehr als bedenklich. 

Imagine

4. November 2022 21:01

1/2

Fast alle westlich-kapitalistischen Staaten – insbesondere die großen - sind klassengespaltene Gesellschaften, bei denen sich die soziale Spaltung immer mehr vertieft. Die prekären Arbeits- und Lebensbedingungen weiten sich immer mehr aus..

Der kleinen Minorität der Gewinner der neoliberalen Revolution steht die Majorität der Verlierer gegenüber, wozu zunehmend die Mitte gehört, welche immer schmaler wird.

Ausnehmen bilden hier ein paar Kleinstaaten, wie Luxemburg oder die Schweiz, die zwar auch von Oligarchen beherrscht werden, aber noch eine relativ breite Mitte aufweisen.

Diese Klassenspaltung wird sich durch insbesondere durch die Inflation, durch Firmenzusammenbrüche sowie durch Betriebsverlagerungen ins Ausland vertiefen. Immer mehr Menschen können durch Mietpreissteigerungen, durch hohe Energiepreise sowie steigende Lebensmittelpreise ihren bisherigen Lebensstandard nicht mehr halten. Zudem wird sich eine zunehmende Armuts- und Gewaltkriminalität entwickeln, wie wir diese z.B. aus den USA und Südamerika kennen.

Das Gegenmodell ist die chinesische Ökonomie. Dort wird die Mitte immer breiter. Armut und Hunger sind weitgehend besiegt. Der durchschnittliche Lebensstandard liegt dort inzwischen deutlich über jenem der EU.

 

Imagine

4. November 2022 21:03

2/2

Die Abwärtsspirale wird sich in Zukunft fortsetzen, denn innerhalb des westlich-kapitalistischen Wirtschaftsmodells gibt es dazu keine realistische Alternative. Es gibt auch keine ernstzunehmende Opposition, welche die Macht hätte, ein neues Wirtschaftsmodell ins Bewusstsein zu bringen. Links sehen wir Linkspopulismus wie „Reichensteuer“, rechts Rechtspopulismus. Aber kein neues Wirtschaftsmodell, keine Systemalternative.

Deutschland und Europa befinden sich im Zustand eines „intellektuellen Totalschadens“ (Lübberding).

Der Ukraine-Krieg mit seinen Sanktionen und Rüstungsausgaben wird den Niedergang der EU und insbesondere Deutschlands beschleunigen.

 

Karl Otto

4. November 2022 21:54

Schon komisch dass Massen von Menschen der EU und den USA die Türen einrennen, wo es dort doch so übel ist.

Laurenz

4. November 2022 21:55

@qvc1753

Urkaine- oder Rußland-Krieg

Rußland führt vor Ort einen begrenzten symmetrischen Krieg, etwas ganz seltenes heutzutage. Der letzte symmetrische Krieg war der Korea-Krieg, der Vietnam-Krieg nur bedingt. Rußland griff mit zahlenmäßig unterlegenen Streitkräften an. Daran erkennt man die taktische Absicht. Der eigentliche Krieg ist der Wirtschaftskrieg gegen den Westen, den der Westen seit der Rückholung der Krim bereits gegen Rußland entfesselte. Das Problem in jedem Krieg, welcher Art auch immer, ist die Rohstoffversorgung. Daher wurde der II. Weltkrieg von den Erfahrungen des I. Weltkriegs bestimmt. Wir führen einen Wirtschaftskrieg gegen unseren Rohstoffversorger. Etwas dümmeres hat der Planet noch nicht gesehen. Unsere Freunde, inklusive die Ukraine, für die wir den Wirtschaftskrieg angeblich führen, sind in der Realität unsere größten Feinde, feiern einen Kriegsgewinn nach dem anderen gegen uns, die Ukraine übrigens schon seit 1991. Schauen Sie Sich die Rekordgewinne westlicher Energiekonzerne an. Für die 40 Milliarden Verluste & den Einstig des Bundes bei Uniper können sich die Schweden ein neues AKW leisten. Sie, qvc1753, leiden einfach unter einem völligen Realitätsverlust. Rußland gewinnt einen Krieg gegen den Westen, exklusive den USA, eine unerhörte Leistung.

Eo

4. November 2022 22:12

 

Da kann ich dem Flaneur
nur beistimmen. Denn mir erscheint das alles mehr wie ein Spiel über Bande, nämlich welcher Seite gelingt es zuerst die Gesellschaft des Gegners so sehr zu destabilisieren zB. wegen Energiemangel und Kostenexplosion und also in Angst und Schrecken wie auch in Aufruhr zu versetzen, um so Regierungen unter Druck zu setzen und zu Fall zu bringen.

Und um damit 
eine Situation zu schaffen, die zu eim umfassenden und nicht mehr zu kaschierenden Systemversagen führt, welches die Chance zu eim Systemwechsel ermöglicht.

Von daher könnte 
es sein, daß ein erwiesener Schachspieler wie Putin letzthinnig auf Zeit spielt und dazu mit der kostenlosen Unterstützung von General Winter rechnet ...
 
 

links ist wo der daumen rechts ist

4. November 2022 22:36

Tolles Kommentariat, Kompliment.

@ Valjean72

Sie haben vollkommen recht, die alliierte Zerschlagung Preußens war der Anfang vom Ende.

Sogar Sebastian Haffner (der aufgrund seiner Frau gezwungen war, zu emigrieren – ungestraft bezeichnet man halt keine treuen Staatsbürger als „artfremd“…), einer der schärfsten Hitler-Gegner, hat in seinen berühmten „Observer“-Artikeln seit Herbst 1944 davor zu warnen begonnen, Preußen gänzlich zu zerschlagen bzw. Stalin zu viel in den Rachen zu werfen.

Und der Subtext in seinem WK1-Buch lautet natürlich: Hätten wir doch diesen verdammten Krieg gewonnen.

Die Verwicklungen seit damals, dem Schwanken zwischen nationalstaatlichem Eigensinn (Tschechen, Polen usw.), Drangsalierungen durch Großmächte (Deutsche, Russen) und dem Sich-an-den-Hals-Werfen zweifelhafter „Befreier (Amis), lassen sich kaum noch entwirren. Der Gordische Knoten ist dagegen eine Fingerübung.

Hieß es früher, Asien beginne an der Elbe, so heißt es heute: die USA beginnen an Oder und Moldau…

ff

Flaneur

4. November 2022 22:41

@ Imagine

Vielleicht verstehe ich Sie falsch, aber Sie scheinen zu insinuieren, dass China ein alternatives Entwicklungssmodell verfolgt, das in Bezug auf die eigene Bevölkerung nachhaltiger ist. Da bin ich skeptisch. China ist das Paradebeispiel für eine (noch) erfolgreiche Entwicklungsdiktatur. Aber diese Entwicklung ist primär exportbasiert, sie fußt auf der Erschließung immer neuer externer Märkte und deren Erweiterung. Es geht also darum, Konkurrenten aus diesen Märkten zu verdrängen, wenn man weiter wachsen will. Die Märkte werden immer umkämpfter. Eine eher binnenmarktorientierte Wachstumstrategie wird nicht die Wachtstumraten der Vergangenheit generieren können, jedenfalls nicht nachhaltig.

Gracchus

4. November 2022 22:50

@Flaneur

Das wäre dann Regime-Change auf Russisch und eine Kopie der amerikanischen Strategie. 

Ich kann derzeit nicht beurteilen, wie sich die Sanktionen in Russland auswirken. Putins Stand ebenso wenig. Womöglich ist er bald schon weg. Von Tag zu Tag wird der Krieg sinnloser. Endet der Krieg irgendwann, wird er noch lange in den Köpfen bleiben; die Feindschaft wird sich vertieft haben. Von Anfang an habe ich den Krieg für einen Fehler gehalten, aber ich gebe zu, dass ich mich, wenn unter Vorbehalt, eher auf die Aussagen der Militärexperten verlassen habe, die der Ukraine jede Chance abgesprochen haben; ein Irrtum - aber der Preis, den die Ukraine dafür zahlt, ist enorm. 

Dieter Rose

5. November 2022 09:52

@Gracchus

Ja - aber abgerechnet wird zum Schluss.

Kurz vor einer Niederlage wird Russland (Putin oder ein Nachfolger) zur schärfsten Waffe greifen. Eine Niederlage werden die n i e hinnehmen, da helfen auch keine Appelle Chinas und Deutschlands(!!!).

 

Franz Bettinger

5. November 2022 10:36

@Imagine: Nennen sie mir einen einzigen Staat, bei dem keine Klassen-Gesellschaft (bzw. hierarchische Struktur) vorliegt? Die Schweiz? Luxemburg? Unsinn. Sie wollen uns doch nicht ernsthaft China empfehlen? China ist das allerletzte. Sehen Sie nicht, was dort grade passiert? Von was Sie träumen, hat's nie gegeben und wird's nie geben. Nicht mal im Dschungel Afrikas hat’s das gegeben. Gott sei Dank! In der Tierwelt gibt es das übrigens auch nicht, und das hat Gründe. Beten Sie darum, im nächsten Leben als normierte Schraube zur Welt zu kommen; dann haben Sie endlich ihre gewünschte Gleichheit. Was uns bedroht, wie nie etwas vorher, ist ein ganz anderes Phänomen als ein Kampf zwischen Klassen. Begreifen Sie das endlich, und lassen Sie das Werfen von Nebelkerzen! 

RMH

5. November 2022 11:00

"Rußland griff mit zahlenmäßig unterlegenen Streitkräften an. Daran erkennt man die taktische Absicht. Der eigentliche Krieg ist der Wirtschaftskrieg ..." (Strategiegenie Laurenz)

Das wäre dann vermutlich die erste großflächige (nicht nur kleine Ablenkungsmanöver, die es irgendwo, irgendwann mal gegeben haben mag) militärische Aktion, bei der man sein eigenes Militär und militärisches Material mit voller Absicht verheizt, um die Strategie zu bedienen (ein ganzer Krieg nur aus taktischen Gründen! Das darf man sich auf der Zunge zergehen lassen ...), dass deshalb ganz andere Gegner als die Angegriffenen nichts mehr zu "heizen" haben ... Vabanque-Denken hin oder her, auf was für gedankliche Verrenkungen man hier kommt???

Ich denke, dass Russland noch lange nicht soweit ist, es sich in dieser Form schön zu reden, es hat bei Beginn schlicht einiges falsch eingeschätzt + die üblichen Friktionen und schon ist man Kunde von Iran & Nordkorea und wurstelt weiter, wenigstens der Wirtschaftskrieg "läuft" (ich maße mir aber keine Einschätzung der russischen Wirtschaft an, aber Rohstoffe hat man ja dort unabhängig von den Kosten eines Krieges immer ...)

 

RMH

5. November 2022 11:11

"Der wirtschaftliche Schaden, den sich die Nato-Staaten durch ihre eskalierende Sanktionspolitik zufügen, nimmt immer größere Ausmaße an. Über kurz oder lang gibt das realpolitischen Kräften im kollektiven Westen Auftrieb. Das könnte, so das Kalkül, die von Hybris, Hypermoral und Hysterie getriebenen globalistischen Kräfte in der politischen Klasse des Westens an den Rand drängen."

@Flaneur,

wirtschaftlichen Schaden gibt es nicht gleichmäßig verteilt in den Nato-Staaten. Deutschland trifft es heftig, andere deutlich weniger, wo trifft es das Nato-Mitglied USA? Der Auftrieb von "realpolitischen" Kräften (die sich in der Frage auch nicht alle einig sind, eher zerstritten sind) bleibt überschaubar, Italien schert bspw. schon mal klar nicht aus der Nato-Front aus, trotz rechter Regierung.

Unser Klasse ist noch lange nicht an den Rand gedrängt. Diese Herbst-Winterzeit dauert auch nur noch knappe 5 Monate und ist schon "durchfinanziert". Vielleicht dann im nächsten Winter? Oder übernächsten? 

Auf Deutschland betrachtet wird es eher so sein, dass der Ukraine-Krieg vorbei sein wird und es uns dann erst richtig erwischt. Das interessiert dann aber weder Russland, noch die Ukraine, noch sonst wen.

Herr K aus O

5. November 2022 11:35

@Imagine: „Der durchschnittliche Lebensstandard liegt dort inzwischen deutlich über jenem der EU.“

Woher kommt diese Erkenntnis? Bin leider mit meiner Flugangst etwas eingeschränkt, was das Reisen anbetrifft und Auslandsreportagen a la Gerd Ruge gibt es nicht mehr, aber einen deutlich höheren Lebensstandard kann ich mir dort nicht vorstellen. 

Aber was kann ein höherer Lebensstandard sein, als wenn man in einem fremden Land ohne Sprachkenntnisse, ohne Landeskenntnisse und ohne jegliche berufliche Qualifikation sofort Anrecht auf eine kostenlose gesundheitliche Versorgung hat? 

Valjean72

5. November 2022 13:29

Der militärische Konflikt in der Ukraine ist nur ein Teil des Krieges und ich meine noch nicht einmal der entscheidende. Die vom "Westen" verhängten Sanktionen gegen Russland schaden eindeutig mehr die EU (und hier insbesondere die BRD) als Russland.

Ich halte es für möglich, dass Russland in diesem Konflikt betont "asiatisch" agiert, d.h. den Schlag des Gegner aufnehmen und gegen ihn umkehren. Unter dieser Prämisse dient der in die Länge gezogene Krieg in der Ukraine somit dazu, die Wirkung des Wirtschaftskrieges zum Tragen kommen zu lassen.

Wir stehen jetzt am Beginn der kalten Jahreszeit, am Beginn der mehrmonatigen Heizperiode. Der Unmut hierzulande über steigende Energiekosten wird aller Voraussicht nach zunehmen, ebenso der Unmut über weitere Betriebsschliessungen oder betriebliche Abwanderungen.

Ob dieses Kalkül der Russen, so es denn stimmt, aufgeht, das weiß ich nicht aber es ist jetzt schon ersichtlich, dass Deutschland den größten wirtschaftlichen Schaden davon trägt und dass die USA Nutzen daraus ziehen.

Imagine

5. November 2022 13:33

@Flaneur 4. November 2022 22:41
China ist das Paradebeispiel für eine (noch) erfolgreiche Entwicklungsdiktatur. Aber diese Entwicklung ist primär exportbasiert, sie fußt auf der Erschließung immer neuer externer Märkte und deren Erweiterung. Es geht also darum, Konkurrenten aus diesen Märkten zu verdrängen, wenn man weiter wachsen will. Die Märkte werden immer umkämpfter. Eine eher binnenmarktorientierte Wachstumstrategie wird nicht die Wachtstumraten der Vergangenheit generieren können, jedenfalls nicht nachhaltig.“

China hat seit 2010 einen neuen Kurs mit stärkerer Entwicklung der Binnenökonomie eingeschlagen. Planziel war, die Reallöhne bis 2020 zu verdoppeln, das wurde erreicht und wird fortgesetzt..

Der chinesiche Staat als Investor und Kreditgeber investiert hauptsächlich in Bildung, Wissenschaft, Technik und Infrastruktur.

Anders als bei Privatinvestoren will bzw. muss dieser Staat sein Investment nicht plus Profiten zurückholen, sondern kann es verfallen lassen, wenn er kein weiteres Wachstum will. Denn die Staatskredite sind auch nur „fiat money“ (Geld aus dem Nichts).

Kapitalistische Staaten hingen, die sich durch Kredite von Privatkapitalisten finanzieren lassen, befinden sich in der Wachstumsfalle. Die Wirtschaft muss weiter wachsen, damit das System nicht kollabiert. Eben weil die Kapitalisten ihre Investitionen plus Profite realisieren wollen und müssen.

 

Laurenz

5. November 2022 13:35

@Flaneur & Gracchus

https://www.zerohedge.com/geopolitical/whitney-one-chart-explains-everything

Dieser aktuelle Artikel ist nicht sehr genau, einfach deswegen, weil er in die Zukunft weist. Vorhersagen, Prognosen sind immer schwierig. Aber, der Artikel basiert auf einem ökonomischen Fakt, der nicht wegzudiskutieren ist & sich in einer fast wunderbaren Harmonie mit diesem GK-Artikel befindet. Auch der folgende Chart zeigt, nachdem ich ihn vor über einem Monat das letzte Mal gepostet hatte, daß die Märkte Rußland nachwievor als stark einschätzen, stärker als vor dem Krieg.  https://www.finanzen.net/devisen/us_dollar-russischer_rubel-kurs

Der Artikel auf Zerohedge zeigt auch die unterschiedlichen Strategien der USA, je nachdem, wer dran ist. Die gewaltaffine Strategie der Demokraten zeichnete sich unter Obama schon ab. Trump wurde abgewählt, die erneute Gewaltoption unter Biden gewählt. Am 08.11. sind die Midterms. Wir werden sehen, wie die extrem teure Gewalt-Eskalation der Biden-Admin beim us amerikanischen Wähler ankommt. Gedulden Sie Sich noch 3 Tage.

Gustav

5. November 2022 13:52

@ Karl Otto

"Schon komisch dass Massen von Menschen der EU und den USA die Türen einrennen, wo es dort doch so übel ist."

Wer einsam ist, der hat es gut,
Weil keiner da, der ihm was tut.
Ihn stört in seinem Lustrevier
Kein Tier, kein Mensch und kein Klavier,
Und niemand gibt ihm weise Lehren,
Die gut gemeint und bös zu hören.
Der Welt entronnen, geht er still
In Filzpantoffeln, wann er will.
Sogar im Schlafrock wandelt er
Bequem den ganzen Tag umher.
Er kennt kein weibliches Verbot,
Drum raucht und dampft er wie ein Schlot.
Geschützt vor fremden Späherblicken,
Kann er sich selbst die Hose flicken.
Liebt er Musik, so darf er flöten,
Um angenehm die Zeit zu töten,
Und laut und kräftig darf er prusten,
Und ohne Rücksicht darf er husten,
Und allgemach vergißt man seiner.
Nur allerhöchstens fragt mal einer:
Was, lebt er noch? Ei, Schwerenot,
Ich dachte längst, er wäre tot.
Kurz, abgesehn vom Steuerzahlen,
Läßt sich das Glück nicht schöner malen.
Worauf denn auch der Satz beruht:
Wer einsam ist, der hat es gut.

Wilhelm Busch

Niekisch

5. November 2022 15:17

"die USA beginnen an Oder und Moldau…"

@ limks ist wo der daumen rechts ist 4.11. 22:36: Oder beginnen sie nicht in unseren Köpfen? 

Volksdeutscher

5. November 2022 17:47

@Imagine - "Deutschland und Europa befinden sich im Zustand eines „intellektuellen Totalschadens“ (Lübberding)."

"Der Ukraine-Krieg mit seinen Sanktionen und Rüstungsausgaben wird den Niedergang der EU und insbesondere Deutschlands beschleunigen."

Was den intellektuellen Totalschaden betrifft, dürfte Lübberding recht haben. Aber zum Glück besteht Europa nicht nur aus jenen Intellektuellen, die er im Auge hat und die versagt und den Totalschaden herbeigeführt haben. Die Intellektuellen, die nicht versagt haben, werden das Steuer aus der Hand der alten Nomenklatura reissen müssen.

Was den zweiten Satz betrifft, muß man abwarten. Wie groß der Schaden sein wird, wenn der Zerstörungsprozess abgeschlossen ist, darauf kann man im Moment nur spekulieren. Bestimmt wird er sich unterschiedlich gestalten, je nach dem, was für eine Politik die einzelnen Staaten betrieben haben. Es könnte am Ende große wie kleine Verlierer geben.

Flaneur

5. November 2022 22:08

@ Imanine

Dass China Exporterlöse in die Entwicklung der eigenen Bildung und Infrastruktur investiert, führt zur Importsubstitution von Investitionsgütern, die zunehmend im eigenen Land produziert werden, und es hebt die eigene Exportwirtschaft auf ein neues Niveau: Statt billiger Konsumgüter werden zunehmend teure Investitionsgüter exportiert. Der Zielmarkt hierfür ist vorerst primär der Globale Süden, aus dem man die Investitionsgüterproduzenten des Westens zu verdrängen sucht, aber zunehmend auch der Westen selbst, solange die Fertigungskosten in  China unter denen des Westens liegen (Solarenergie, Windkraft, Elektromobilität etc.). Der Westen wird hierauf verstärkt mit Quota und Zöllen reagieren und unter moralisch begründeten Vorwänden Sanktionen verhängen, um die eigenen Investitionsgüterproduzenten zu schützen (Maschinenbau etc.). Der Kampf um den Gloablen Süden wird an Fahrt aufnehmen.

Die Exportlastigkeit bleibt bestehen. Deshalb etwa das Projekt der Neuen Seidenstrasse. China ist nach wie vor extrem exportabhängig. Deshalb stellt der Krieg in der Ukraine für die chinesische Exportwirtschaft ein Problem dar.

Herr K aus O

6. November 2022 09:09

@Flaneur

Der Westen wird hierauf verstärkt mit Quota und Zöllen reagieren und unter moralisch begründeten Vorwänden Sanktionen verhängen, um die eigenen Investitionsgüterproduzenten zu schützen…

Der neu entstehende Eiserne Vorhang, das Trimarium also, hat nicht nur zum Ziel, Europa vor russischen Waffen und Erdgas zu schützen, sondern wird vor allem China auch bei dem Ausbau der neuen Seidenstraße behindern. 

Schaut man sich die „Diplomatie“ von Baerbock, unsere US Ministerin, gegenüber China an, scheinen die USA mit dem „Decoupling“ ernst zu machen.

Für Deutschland mit 10 Millionen Autos pro Jahr in China ein wirtschaftlicher Volltreffer unter der Wasserlinie, was wird Apple machen, welches komplett in China produziert? 

Imagine

6. November 2022 10:35

1/2

@Flaneur  5. November 2022 22:08
Die Exportlastigkeit bleibt bestehen. Deshalb etwa das Projekt der Neuen Seidenstrasse. China ist nach wie vor extrem exportabhängig.“

Selbstverständlich. China ist zu erheblichen Teilen noch ein Entwicklungsland.

Um sich weiter zu entwickeln, ist China exportorientiert. Um weltmarktkonkurrenzfähig zu werden, benötigt China Hightech-Produkte aus eigener Produktion. Das ist inzwischen in einigen Bereichen exzellent gelungen und wird sich fortsetzen. Ganz entscheidend ist die Infrastruktur für den globalen Handel (s. Neue Seidenstraße).

Je mehr sich China von der kapitalistischen Ausbeuter- und Billiglohnökonomie (cf. Foxconn) emanzipieren kann, umso höhere Löhne kann es in der eigenen chinesischen Produktion bezahlen und umso mehr steigen Binnenökonomie und allgemeines Wohlstandniveau.

 

Imagine

6. November 2022 10:39

2/2

Deutschland hingegen ist extrem importabhängig, von Energie, Rohstoffen und Produkten, sogar von Medikamenten.

Volkswirtschaftlich betrachtet, ist die deutsche Makroökonomie geradezu idiotisch.

Man exportiert(e) z.B. Waffen und Infrastruktur nach Griechenland, aber weil G. dies nicht bezahlen kann, werden vom Bund an G. Exportkredite vergeben, die niemals zurückbezahlt werden und für die der deutsche Bürger zum Zwangsgläubiger gemacht wird.

Eine gigantische Enteignung. Prof. Sinn meinte dazu, wir verschenken unsere Exportwaren. Aber für das exportierende Kapital bringt es hohe Profite ein.

Das Gleiche sehen wir im Ukrainekrieg. Formal laufen die Waffenlieferungen über Kredite, aber die Ukraine wird diese niemals zurückbezahlen können. Auch hier verschenken wir diese Waffen und Otto Normalo bezahlt dies. Denn auch hier wird der deutsche Bürger Zwangsgläubiger und immer ärmer, während die Kapitaleigner in der Rüstungsindustrie große Profite machen.

Wer von den Sanktionen wirtschaftlich profitiert, haben inzwischen schon einige Leute begriffen. Und aus dem 200 Milliarden „Sondervermögen“ (= kreditfinanzierte Staatsschulen) für die Bundeswehr werden hauptsächlich amerikanische Waffen gekauft.
 

Volksdeutscher

6. November 2022 12:08

Endspiel Europa - Italien erlaubte erneut einem "humanitären Rettungsschiff" mit 179 "Migranten" an Bord, am frühen Sonntagmorgen in einen sizilianischen Hafen einzulaufen und die Minderjährigen an Land zu bringen, während es die Forderung von drei anderen Schiffen mit 900 Menschen an Bord ablehnte, in nahe gelegenen Gewässern sicher anzulegen. Italiens neue Regierung hat seine Häfen für Rettungsschiffe von NR-Organisationen geschlossen und besteht darauf, daß die Länder, unter deren Flagge die Schiffe fahren, die Migranten aufnehmen (!). Sowohl Deutschland als auch Frankreich hatten Italien aufgefordert hatten, einen sicheren Hafen für Migranten zu schaffen. Sie wiesen darauf hin, daß einige "Migranten" aufgenommen werden könnten, damit Italien die Last des Migrationsdrucks nicht allein tragen muß.... blabla. Natürlich alles sehr, sehr rührend. Migrationsdruck - das ist der Druck der NRO, die "Ware Migrant" gezielt anzuliefern und ihre Verteilung zu erzwingen. So wird das nichts mit den "Neuen Rechten" in der Politik: Vor den Wahlen spucken sie große Töne, dann lassen sie sich erpressen und machen weiter wie gehabt. Alle intellktuelle Arbeit ist für die Katz. Europa erst recht.

Laurenz

6. November 2022 15:03

@Volksdeutscher

Endspiel Europa

ist überall. 

https://www.nytimes.com/2022/10/02/us/migrants-marthas-vineyard-desantis-texas.html?name=styln-marthas-vineyard-immigrants&region=TOP_BANNER&block=storyline_menu_recirc&action=click&pgtype=Article&variant=show&is_new=false

Ein gebuertiger Hesse

6. November 2022 17:20

@ Laurenz

"Endspiel Europa

ist überall."

Wahrere Worte auf das Heute hin fällt es schwer zu finden. Danke dafür, daß sie uns das sonntägliche Abendbrot ein wenig bitterer schmecken machen.

Flaneur

6. November 2022 18:28

@ Imagine

Noch als Nachtrag: Was man von China lernen kann, ist sicherlich, dass ein Entwicklungsmodell erfolgreich sein kann, welches die Wirtschaft - und zwar explizit auch die Privatwirtschaft - einem Staatsziel unterordnet. Dazu bedarf es jedoch staatlicher Souveränität nach innen wie nach außen und einer Staatsordnung, die hier kaum mehrheitsfähig wäre.

Zur Geldschöpfung aus dem Nichts: Die Emission von Staatsanleihen als Mittel der Geldschöpfung funktioniert nur, so lange man Käufer für diese findet. Das läuft im Westen immer schlechter. Die Emission von Staatsanleihen, die mangels anderer Käufer von der eigenen Zentralbank bzw. der EZB "gekauft" wird, schafft letztlich eine fragile Finanzblase und befördert Inflation.

Volksdeutscher

6. November 2022 21:02

@Laurenz

Mir ging es eigentlich darum, darauf hinzuweisen, daß die Ansprüche der intellektuellen Rechten und der politischen Rechten weit auseinanderklaffen. Entweder haben die letzteren es nicht verstanden oder sie können das nicht oder sie sind gekauft. Was auch immer zutrifft: So kommt man nicht aus dem Würgegriff der Globalisten heraus. Hat irgendjemand mal Verhaftungsbefehl gegen Soros und seinesgleichen gefordert? Oder den Wählern auseinandergesetzt, was die Arabisierung und Afrikanisierung für unsere Zivilisation und ihre indigene Bevölkerung in kultureller, politischer, wirtschaftlicher und ethnischer Hinsicht bedeutet? England, Belgien, Frankreich und die Niederlande sind schon verloren. Kommt Deutschland als nächstes? Niemand traut sich, aufzuklären, es gibt nur seifiges Geschwafel, großes Schweigen, man spielt den feinen Pinkel und hofft, mit artigen Formulierungen und harmlosen Fragen in die Runde der CDU paar Wähler abzugreifen, während unser Volk vor die Hunde geht. "Wir werden sie jagen!" Und weiter? Warum will man den großen Worten keine Taten folgen lassen?

Imagine

7. November 2022 10:33

In der „Tagesstimme“ vom 30.10.22 schreibt Bruno Wolters [https://tinyurl.com/4s7rhb6s]: „Warum die AfD kapitalismuskritischer sein sollte“:
„Folgt man der offiziösen Farbenlehre der politischen Lager, dann scheint eines klar: je weiter man rechts ist, desto prokapitalistischer ist man. Auch das eigene konservative Lager hat diese Beschreibung mittlerweile akzeptiert und setzt dies um.“

Dagegen bringt er folgendes Argument:
„Ein gemeinschaftliches Denken wird [in diesem System] schon a priori verhindert oder erschwert, da immer nur das einzelne Subjekt im Vordergrund stehen kann, das als einzig handelndes Subjekt akzeptiert wird. Wer aber sich konservativ nennt und sein Volk liebt, der kann nicht eine Gesellschaft als Menge atomisierter, individualisierter Einheiten ansehen und zuallererst an sich selbst denken.“

Geschätzt 90+ % der Rechten nehmen Partei für das kapitalistische System und daher auch für die USA, weil diese die Schutzmacht für das kapitalistische System ist.

So ist auch wissenschaftlich fundierte Kapitalismuskritik im rechten Milieu nicht zu finden, auch nicht bei Anhängern des SolPats.
 

Laurenz

7. November 2022 11:09

@Volksdeutscher @L.
Das Machbare

Erstens verwechseln Sie die Denkfabriken der Neuen Rechten mit Sich Selbst. Sie meinen damit nur Ihre persönlichen Forderungen, nicht die der Neuen Rechten.

2tens weiß die Denkfabrik, deren Gäste wir hier sind, sehr genau zwischen einem theoretischen politischen Ziel & einer womöglichen Machbarkeit im Prozeß realer Politik zu unterscheiden. Das wird bei Vorträgen im Rahmen des IfS immer berücksichtigt.

Drittens ist jede Denkfabrik, zumindest die des konservativen Spektrums, gezwungen, sich jegliche theoretische Zielsetzung genau zu überlegen. Denn die herrschende Klasse setzt sofort ganze Kohorten selbsternannter Experten in Bewegung, um die theoretische Zielsetzung mißzuinterpretieren & zu diskreditieren.

4tens muß die rechte Realpolitik die Opportunität, also die Machbarkeit eines jeden theoretischen Ansatzes überprüfen, um die eigene Zielsetzung, die Forcierung der Machterlangung nicht zu gefährden.

Wenn Orban die Macht hätte, würde Soros längst in einem ungarischen Knast sitzen. Aber Orban, als kluger Realpolitiker, läßt nicht mal einen Auslieferungsantrag stellen. Die Amis würden Ihn als übergeschnappt einsortieren. Orban ist aber darauf angewiesen, daß jeder ihn geistig für vollkommen satisfaktionsfähig hält.

Laurenz

7. November 2022 11:30

@Imagine

So ist auch wissenschaftlich fundierte Kapitalismuskritik im rechten Milieu nicht zu finden

Es existiert ja quasi auch keine seriöse wissenschaftliche Kapitalismuskritik. Auch die positive Kapitalismuskritik ist viel zu sehr von politischen Interessen vereinnahmt. Man kann nur auf historische Beispiele zurückgreifen, was ich in unseren Debatten auch regelmäßig unternehme. Sie, hingegen, haben keine historischen Grundlagen, um Ihre Argumentation zu unterlegen, was Ihre Thesen in das Reich der Religionen verfrachtet. Ihre Einschätzung des nationalsozialistischen Chinas sind grundsätzlich falsch, weil in Ihren Augen nicht sein kann, was nicht sein darf.

Hajo Blaschke

7. November 2022 13:49

Flaneur, nach Ihrer Meinung ist die Struktur eines Staates, in dem die Wirtschaft den Zielen des Staates untergeordnet wird, in Deutschland nicht möglich. Sorry. Was ist in Deutschland nicht die Unterordnung unter die Ziele des Staates? Wenn die Wirtschaft so unter Druck gesetzt wird, dass sie sich den Zielen untergeordnet wird und in Selbstzensur den ganzen Blödsinn der Grünen mitmacht.

In China sind die Ziele des Staates allerdings weit weg von den ideologischen Zerstörungsaktionen, die in Deutschland seit geraumer Zeit die Deindustrialisierung fortschreiten lassen.

Nicht die Unterordnung ist falsch sondern die Ziele.

 

Flaneur

7. November 2022 18:13

@ Hajo Blaschke

Das Mantra von der "marktkonformen Demokratie"  wurde und wird von unserer politischen Klasse gebetsmühlenartig wiederholt. Darin kommt eine Unterordnung des Staates unter die Wirtschaft zum Ausdruck.

Das Ganze funktioniert, solange die Wirtschaft genug Steuereinnahmen für den Staat generiert, mit denen der Staat such finanzieren und seine sozialtechnologischen Maßnahmen realisieren kann, ohne dass die Wirtschaft dadurch unter Abwanderungsdruck gesetzt wird. Und es funktioniert, solange die Bevölkerung das Gefühl hat, es gehe ihr gut, ihre Lebensverhältnisse seien zumindest stabil. Die aktuelle Sanktionspolitik dürfte diese Situation verändern.

Dass die Wirtschaft "den ganzen Blödsinn der Grünen mitmacht" belegt, dass dieser "Blödsinn" bislang gute Geschäfte für die Wirtschaft bedeutet. Die Entwicklung der Steuereinnahmen belegen das. Auch das kann sich schnell ändern.

Das mag dann perspektivisch durachaus zu einer Veränderung der politischen Kultur hier führen. 

Hajo Blaschke

7. November 2022 21:24

Flaneur, wenn Sie Recht haben, dass die Wirtschaft in Deutschland den Blödsinn der Grünen mitmacht, der denen ja eigentlich als Aufgabe von den Anglosaxen aufgetragen wird, weil es ihr Vorteile bringt, dann frage ich mich, warum die Wirtschaft dann ins Ausland abwandert.

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