60 Jahre “Neue Rechte” – ein Tagungsbericht

von Achim Baumann -- „Die üblichen Verdächtigen“ ist ein amüsanter, im US-amerikanischen Gangstermilieu angesiedelter Spielfilm aus dem Jahre 1995.

 Gastbeitrag

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Die übli­chen Ver­däch­ti­gen im Milieu der deutsch­spra­chi­gen Rechts­ex­tre­mis­mus-Exper­ten und Anti­fa-Jour­na­lis­ten kön­nen aller­dings ganz ohne Repres­si­on und sogar mit dem Segen der “Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung” ihrer ver­schwö­re­ri­schen Mis­si­on, dem Kampf gegen Rechts, nachgehen.

Die ein­zi­ge Gemein­sam­keit mit dem zitier­ten Film: Der maß­geb­lich Han­deln­de hin­ter den Kulis­sen ist als jemand völ­lig ande­res bekannt. Aber dazu spä­ter mehr.

Ein Who’s Who der erwähn­ten „Exper­ten“ kam kürz­lich in Bonn zur ein­tä­gi­gen Tagung über die „Neue Rech­te“ zusam­men. Sie fand unter dem Mot­to „Moder­ni­sie­rer. Grenz­gän­ger. Anstif­ter. – Sechs Jahr­zehn­te Neue Rech­te“ statt und ver­ei­nig­te eini­ge der satt­sam bekann­ten übli­chen Ver­däch­ti­gen gegen Rechts.

Es kamen, spra­chen und dozier­ten sehr selbst­zu­frie­den unter ande­rem Mar­tin Lan­ge­bach, Gide­on Botsch, Mar­ti­na Ste­ber, Volk­mar Wölk, Hel­mut Kel­ler­s­hohn, Fabi­an Virchow, David Beg­rich, Andre­as Speit, Lukas Rös­li, Ann-Kat­rin Mül­ler, Armin Pfahl-Trau­gh­ber, Anto­nie Rietz­schel, Nata­scha Stro­bl und Vol­ker Weiß.

Ein­ge­la­den wur­de ins noble und alt­ehr­wür­di­ge Col­le­gi­um Leo­ni­num nach Bonn, unmit­tel­bar gegen­über dem his­to­ri­schen alten Fried­hof in Bonn gele­gen, auf dem so pro­mi­nen­te Geis­tes­grö­ßen wie Ernst Moritz Arndt, Cla­ra und Robert Schu­mann, August Wil­helm von Schle­gel und auch Nor­bert Blüm gebet­tet sind.

Beson­ders geist­reich indes ging es auf der Tagung der Bun­des­zen­tra­le erwar­tungs­ge­mäß nicht zu, die sich aus­weis­lich der Ein­la­dung an Mitarbeiter

der schu­li­schen und außer­schu­li­schen Jugend­bil­dung, der Erwach­se­nen­bil­dung sowie von Fach­trä­gern, aus Ver­ei­nen, Ver­bän­den, Initia­ti­ven und Bünd­nis­sen, die sich kri­tisch mit Rechts­ex­tre­mis­mus, Ras­sis­mus und Anti­se­mi­tis­mus aus­ein­an­der­set­zen; Mit­ar­bei­ten­de von Ver­wal­tun­gen und Behör­den, Poli­zei, Jus­tiz, Ver­fas­sungs­schutz sowie Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten und Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wissenschaftlern

rich­te­te. So ver­wun­dert es nicht, daß das Publi­kum im lin­ken Sin­ne zumin­dest beruf­lich divers zusam­men­ge­setzt war, einig im Ziel, den Kampf gegen Rechts – zumin­dest auf der Tagung – erfolg­reich zu bestreiten.

Natür­lich kann­te man sich. Es wur­de viel geherzt, umarmt, gegrüßt und in den Pau­sen, natür­lich am reich­lich gedeck­ten Büfett, gefach­sim­pelt, man fühl­te sich eben unter Sei­nes­glei­chen. Und auch die „Exper­ten“ auf dem Podi­um gaben sich fast schon poli­tisch-inzes­tuös ver­traut, was dar­an lie­gen könn­te, daß fast jeder von ihnen schon Buch­pro­jek­te mit meh­re­ren ande­ren Refe­ren­ten ver­wirk­licht hat – natür­lich zumeist gut dotiert oder mit­tels staat­li­cher Ali­men­tie­run­gen. Ein rei­nes Zitier­kar­tell eben.

Eine wirk­li­che Dis­kus­si­on, ein Rin­gen um die Begriff­lich­keit „Neue Rech­te“ fand somit nicht statt; wer kri­ti­siert schon den Refe­ren­ten, mit dem man bereits ein Buch­pro­jekt abge­schlos­sen, oder dem­nächst ver­wirk­li­chen will? Dabei wur­de zudem deut­lich, daß es nach wie vor kei­ne kohä­ren­te Defi­ni­ti­on des Begriffs „Neue Rech­te“ gibt. Die einen inklu­die­ren bereits Tei­le der Uni­on, die ande­ren exklu­die­ren gro­ße Tei­le der AfD, denn die­se sei ledig­lich „rechts­po­pu­lis­tisch“.

Was wur­de „dis­ku­tiert“? Einig war man sich, daß es die „Neue Rech­te“ nun schon 60 lan­ge Jah­re gibt. Daß sich heu­te kaum einer der The­ma­ti­sier­ten noch als „neu­rechts“ bezeich­net, wur­de erst gar nicht dis­ku­tiert, wer will bei so einem Publi­kum schon über sol­che Peti­tes­sen reden?

Auch ein ande­res Dilem­ma wur­de bei­sei­te gekehrt: Wäh­rend man mehr­fach die Exis­tenz der Kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­ti­on negier­te, wur­de das Insti­tut für Staats­po­li­tik mehr­fach als jung­kon­ser­va­tiv ein­ge­stuft. Was denn nun? Einen sol­chen Wider­spruch inter­es­sier­te das Publi­kum natur­ge­mäß weni­ger, dage­gen wur­de immer wie­der gefragt, was man gegen die erstar­ken­de AfD tun könne.

Auch auf die­ser Tagung durf­ten mit Links­ex­tre­mis­mus sym­pa­thi­sie­ren­de oder den Links­ex­tre­mis­mus för­dern­de Refe­ren­ten pro­blem­los auf­tre­ten. Genannt sei­en bei­spiels­wei­se Volk­mar Wölk, Andre­as Speit, David Beg­rich oder Nata­scha Stro­bl. So schreibt Wölk seit Jahr­zehn­ten für Anti­fa-Pos­til­len und aller­lei ande­re links­ex­tre­me Publi­ka­tio­nen, ist Mit­glied in der regel­mä­ßig vom Ver­fas­sungs­schutz beob­ach­te­ten „Ver­ei­ni­gung der Ver­folg­ten des „Nazi­re­gimes – Bund der Anti­fa­schis­tin­nen und Antifaschisten“.

Andre­as Speit hin­ge­gen gibt sich zwar seriö­ser, war aber noch vor weni­gen Jah­ren Vor­sit­zen­der des Trä­ger­ver­eins von „Der Rech­te Rand“, dem sicher­lich ein­fluss­reichs­ten anti­fa­schis­ti­schen Hetz- und Des­in­for­ma­ti­ons­or­gan der Repu­blik, das eben­falls zeit­wei­se vom Ver­fas­sungs­schutz beob­ach­tet wurde.

Auch in David Beg­richs Nähe fin­den sich immer wie­der links­ex­tre­mis­ti­sche Akteu­re und Akti­vi­tä­ten, wie die Bür­ger­be­we­gung „Ein-Pro­zent“ in der Ver­gan­gen­heit anschau­lich bele­gen konnte.

Und Nata­scha Stro­bl, ein­zi­ger Refe­rent aus Öster­reich, ver­fügt über zahl­rei­che ein­schlä­gi­ge Kon­tak­te und scheut sich auch nicht davor, vor mili­tan­ten Anti­fa­schis­ten auf­zu­tre­ten. Kon­takt­schuld ist eben kei­ne Ein­bahn­stra­ße, oder? In der Dis­kus­si­on ver­stieg sie sich übri­gens zu der am wei­tes­ten rei­chen­den Defi­ni­ti­on: radi­ka­ler Kon­ser­va­tis­mus, eine inno­va­ti­ve Umschrei­bung für die „Neue Rech­te“, gin­ge bereits bei der ÖVP los…

Die Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung steht regel­mä­ßig in der Kri­tik und nie­mand wird bestrei­ten wol­len, daß in den Behör­den­stu­ben offen­sicht­li­che Links­au­ßen den Ton ange­ben. Aber wer genau ver­ant­wor­tet Tagun­gen wie die aktu­el­le und ist für die Ein­la­dun­gen auch zum Teil links­ex­tre­mer Refe­ren­ten verantwortlich?

Nun, das ist Mar­tin Lan­ge­bach. Wer? Naja, man kennt ihn auch unter sei­nem frü­he­ren Pseud­onym „Chris­ti­an Dorn­busch“. Die Jun­ge Frei­heit stuf­te ihn im Jah­re 2008 als Links­ex­tre­mis­ten ein. Seit 2014 scheint er staats­tra­gend gewor­den zu sein, denn laut einer bekann­ten Online-Enzy­klo­pä­die ist er seit­dem – Über­ra­schung!!! – „Refe­rent bei der Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung mit dem Arbeits­schwer­punkt Rechts­ex­tre­mis­mus, sowie spe­zi­ell Rechts­ex­tre­mis­mus und Jugend(kulturen)“.

Dort ist man rege, allein 44 Publi­ka­tio­nen sind im “Shop“ der Bun­des­zen­tra­le allein unter dem Schlag­wort „Rechts­ex­tre­mis­mus“ erhält­lich. Dar­un­ter so über­aus inter­es­san­te Schrif­ten wie „Mit Sati­re gegen Rechts­ex­tre­mis­mus“ oder eine mit dem viel­sa­gen­den und tief­sin­ni­gen Titel „Nazis“.

Wer den Aus­füh­run­gen der selbst­er­klär­ten Exper­ten lau­schen durf­te, wur­de auf zwei Her­ren beson­ders kon­di­tio­niert: Höcke und Kubit­schek waren die meist­ge­nann­ten Namen auf der Tagung, oft schon ehr­fürch­tig in der Dis­kus­si­on für alles ver­ant­wort­lich gemacht, was heu­te angeb­lich für die „Neue Rech­te“ ste­hen soll.

Selbst­kri­tisch wur­de sogar dis­ku­tiert, ob man das Insti­tut für Staats­po­li­tik, Björn Höcke und Götz Kubit­schek mit „Home-Sto­rys“ in Main­stream­m­edi­en erst groß­ge­macht habe, wohl ver­ges­send, daß Spie­gel und Co. kei­nen nen­nens­wer­ten Ein­fluß bei den Anhän­gern der Genann­ten haben dürften.

Eben­so absurd war die Dis­kus­si­on, ange­sto­ßen vom Pots­da­mer Pro­fes­sor Gide­on Botsch, ob man Rechts­in­tel­lek­tu­el­len das Intel­lek­tu­el­le abspre­chen kön­ne. Immer­hin agier­ten die­se ja ent­ge­gen wesent­li­cher Kri­te­ri­en, die einen Intel­lek­tu­el­len eigent­lich aus­ma­chen. Der Pro­fes­sor der Hoch­schu­le des Bun­des Armin Pfahl-Trau­gh­ber hol­te die Befür­wor­ter die­ser durch­sich­ti­gen Idee schnell auf den Tep­pich der Rea­li­tät zurück, indem er dar­auf ver­wies, daß man dann auch zahl­rei­chen Links­in­tel­lek­tu­el­len das Intel­lek­tu­el­le abspre­chen kön­ne. Das traf!

Und das Fazit der Tagung? Die Gefahr der „Neu­en Rech­ten“ ist nach wie vor viru­lent und gehö­re uner­bitt­lich bekämpft, so die ein­hel­li­ge Mei­nung. Die­ses Ergeb­nis liegt auf der Hand, alles ande­re wür­de die Selbst­le­gi­ti­ma­ti­on der Refe­ren­ten gefährden.

Und der Mode­ra­tor der Abschluss­dis­kus­si­on, Dr. Vol­ker Weiß, brach­te es auf den Punkt, als er fest­stell­te, er sei eben into­le­rant und wol­le sol­che Mei­nun­gen, also rech­te, aus dem poli­ti­schen Dis­kurs her­aus­hal­ten. Damit war die Kat­ze aus dem Sack, nur dar­um geht es bei sol­chen Tagungen.

Und doch gab es einen Punkt, der den meist männ­li­chen Refe­ren­ten gefähr­lich wer­den könn­te: Im Rah­men der Abschluß­dis­kus­si­on kri­ti­sier­te die Jour­na­lis­tin Anto­nie Rietz­schel unter gro­ßem Publi­kums­bei­fall die Zusam­men­set­zung der Refe­ren­ten­lis­te. Immer­hin sei­en Drei­vier­tel der Tagungs­re­fe­ren­ten Män­ner, dabei gäbe es doch auch zahl­rei­che weib­li­che auf­rech­te Anti­rechts­kämp­fe­rin­nen und „Exper­tin­nen“. Und alt und weiß waren die­se Män­ner auch noch.

Tja, viel­leicht sehen die Anti­fa-Jour­na­lis­ten und Rechts­ex­tre­mis­mus-Exper­ten der Zukunft wenigs­tens ein wenig anspre­chen­der aus als die dar­ge­bo­te­nen alten wei­ßen Män­ner. Das wäre für uns The­ma­ti­sier­te wenigs­tens ein wenig erträglicher…

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Kommentare (18)

Laurenz

3. November 2022 11:55

Die Gefahr der „Neuen Rechten“ ist nach wie vor virulent und gehöre unerbittlich bekämpft

Ist das so? Würde man Höcke, Kubitschek & Anhänger medial oder sonstwie endgültig vernichten, quasi die Endlösung der Neuen-Rechten-Frage, wären die wichtigsten Brötchengeber dieser linksradikalen Versagerbande weg, man wäre arbeitslos. Ist es von daher nicht günstig, diese Garanten der eigenen Existenz am Leben zu erhalten? Diese geisteskrankhafte Fixierung auf Personen zeigt auch, daß man gar nicht gewillt ist, sich auf konkrete Sachthemen einzulassen. Man hat noch nicht mal die Eier, Blamagen zu ertragen und einzukassieren. Herr Baumann hat schon Recht, eine 90%ige Frauenquote (bis 35 Jahre) wäre schon wünschenswert, erzeugte wenigstens einen visuellen Unterhaltungsfaktor. Sind doch linke Frauen besonders erfahren in der horizontalen Karriere. Oder war das früher nur so?

Niekisch

3. November 2022 12:12

"Der Professor der Hochschule des Bundes Armin Pfahl-Traughber"

Dessen Vita lohnt durchleuchtet zu werden. Sie geht "beruflich" zurück bis in die 60iger Jahre des letzten Jahrhunderts und hat mit einer kleinen Gemeinde im Hessischen zu tun, wo sich Leute zur Ausbildung trafen, die uns schon damals beschnüffelten.

Ein gebuertiger Hesse

3. November 2022 13:14

Merke: Wer heutzutage in den Medien oder bei jammervollen Schauprozessen wie dem hier genannten als "Experte" ausgewiesen wird, hat in seinem Leben einen falschen Abzweig genommen. So er, vielleicht im Halbschlaf, noch in der Lage ist, das so zu sehen und ob der Nennung einen roten Kopf bekommt, ist für ihn noch nicht aller Tage Abend, andernfalls sehr wohl. In ersterem Fall wird es ihm vielleicht auch ungut aufstoßen, daß die "Angeklagten" von dem Prozeß ausgeschlossen waren.

Kurativ

4. November 2022 04:48

Interessant wird es bei den Übergängen von so genannten "Neue Rechten" und Leuten, welche sich selber dort nicht einordnen (aber dort eingeordnet werden/wurden).

Dort zeigt sich dann der denunziatorische Charakter der Methoden des politisch Links formatierten Medienhauptstromes

Niekisch

4. November 2022 12:54

@ Kurativ 4.11. 04:48: Als Ansatzpunkt für einen eigenen Gegenbegriff könnte der urplötzlich aufgetauchte Begriff des "new normal" dienen: Wir sind "good old normal", auf deutsch "Die Normalen". Da wir als Freigänger in einer kollektiven Psychiatrie zu leben gezungen sind, können wir uns so abgrenzen.

RWDS

4. November 2022 17:04

Solange solche Veranstaltungen ohne Saalschutz stattfinden können, kann es mit der virulenten Gefahr der Neuen Rechten nicht allzuweit her sein.

Kurzfluss

5. November 2022 09:24

Sehr geehrter Herr Baumann, besten Dank für den launigen Artikel zu solcherart politischer Bildung ganz gegen den Beutelsbacher Konsens, wenngleich Ihre Schlusspointe aus dem Arsenal der Altherren-Rhetorik Ihre Kritik konterkariert.

Witzig war, nebenbei gesagt, auch, so meine ich es vernommen zu haben, der Hinweis der Veranstalter zu Beginn und unter Berufung auf eine Art Hausrecht, man möge keine Aufnahmen mit seinem Smartphone anfertigen – als ob die Berufssparte der Anti-Fotografie nicht permanent das Recht am eigenen Bild verletzen würde. Und dass, ich meine, auch das hätte ich so gehört, die Bibliothek des Konservatismus als Feindobjekt ausgemacht wurde, lässt mich fragen: Ist womöglich die Bundeszentrale schon von Neuen Rechten unterwandert? Immerhin sprach dort vor einiger Zeit ein Prof. Hoeres, der zugleich dem wissenschaftlichen Beirat der Bundeszentrale angehört. Oder ist das einfach das Elend mit dieser Kontaktschuld?

@Niekisch: Welche Gemeinde meinen Sie genau und wer hat sie „beschnüffelt“?

kikl

5. November 2022 09:38

@Laurenz

"Würde man Höcke, Kubitschek & Anhänger medial oder sonstwie endgültig vernichten, quasi die Endlösung der Neuen-Rechten-Frage, wären die wichtigsten Brötchengeber dieser linksradikalen Versagerbande weg, man wäre arbeitslos"

In dem Fall springt der Verfassungsschutz ein und fuchtelt mit Hakenkreuzen rum und sing das Horst-Wessel-Lied. Ja, das System braucht sein Feindbild die Nazis zum Überleben.

Uwe Lay

5. November 2022 11:58

Einfache Fragen:

Kann die Linke und die ihr Angeschlossenen ohne das Feindbild: "Rechts" noch existieren, ist dies Feindbild nicht das Letzte, was Linke noch zusammenhält, wo doch alle linken Utopien gescheitert sind? Kann eine postmoderne multikulturelle und multiethnische Gesellschaft noch durch etwas anderes als einen gemeinsamen Feind zusammengehalten werden? Weil der politische Diskurs so einen Feind braucht, erschafft er sich ihn, auch wenn es ihn auch nur als Imaginiertes in diesem Diskurs gäbe.

Uwe Lay

Laurenz

5. November 2022 17:09

@Niekisch @Kurativ

Als Ansatzpunkt für einen eigenen Gegenbegriff könnte der urplötzlich aufgetauchte Begriff des "new normal" dienen: Wir sind "good old normal", auf deutsch "Die Normalen". Da wir als Freigänger in einer kollektiven Psychiatrie zu leben gezungen sind, können wir uns so abgrenzen.

Die TV-Wahlwerbung der AfD bei der letzten Bundestagswahl war auf die Zielsetzung "normal" produziert worden. Persönlich fand ich diese Werbung nicht schlecht, das Video war handwerklich gut gemacht. Aber besonders erfolgreich war es nicht. Denn es ist fraglich, ob sich der Wähler in einem Werbespot selbst sehen will.  Insgesamt betrachtet, sind mir die Kampfansagen Frau Weidels im Buntentag oder sonstwo auch lieber.

Uwe Lay

6. November 2022 08:59

Wozu braucht der politische Diskurs den Feind? Die Moderne entwickelte ein emphatischen Begriff des Politischen. Die religiöse Vorstellung von der Erlösung wurde säkularisiert zu der politischen durch das "revolutionäre Subjekt", das die Erlösug erwirkt durch den Endsieg über den letzten Feind. Dieser Feind ist dann die Ursache für das ganze Weltelend, der besiegt werden muß um der Erlösung willen. Als Alternativen existierte die humanistische Konzeption: durch Aufklärung und Bildung und die ökonomistisch-technische: Wenn alles im Überfluß produziert wird für Alle. Nur dieser politische Diskurs zentriert auf das revolutionäre Subjekt brauchte so den Feind. Mit dem Ende der  Moderne, dem Glaubwürdigkeitsverlust der großen Emanzipationserzählungen (Lyotard) verschwand das emphatische Politikverständnis, jetzt erschien eine postpolitische Welt ohne den Feind. Die Wiederkehr des Feindes ist seine identitätsstiftende Funktion für multikulturelle Gesellschaften.

Uwe Lay

 

 

Niekisch

6. November 2022 18:53

"@Niekisch: Welche Gemeinde meinen Sie genau und wer hat sie „beschnüffelt“?"

@ Kurzfluss 5.11. 9:24: Als Bewohner einer Gemeinde wurde ich nicht beschnüffelt, sondern als Mitglied einer Jugendorganisation. Seltsamerweise sollte ich zugleich auch als Schnüffler angeworben werden, was ich aber entrüstet zurückwies. 

Warum bitte genau möchten Sie den Namen der Gemeinde wissen? 

Kurativ

7. November 2022 10:17

Das die Linke gerne mal in die Staatskasse greift ist bekannt. Wenn es um die Selbstdarstellung und die Bekämpfung der politischen Gegner mittels pseudowissenschaftlicher Kongresse und Institute geht ist man auch gerne davon überzeugt, dass es um eine "gute Sache" geht. Der Staat, das sind wir. Auf in den Kampf, für eine bessere Welt (...bis das Geld der anderen alle ist. Wenigstens ein paar Jahre gut gelebt).

Was wäre die staatsfinanzierte Linke, wenn sie keine Gegner hätte. Ablenkung tut Not. Denn die eigenen politischen Vorstellungen und Pläne scheitern regelmäßig an der Realität. Wenn Sozis und Grüne an die Macht kommen, geht es den Arbeitern regelmäßig schlechter. Das muss doch irgendwo herkommen? Es muss eine unheimliche unterirdische Macht geben, welche einen regelmäßig in die Suppe spuckt. Aberglaube gehört zu linken Denken. 

Kurativ

7. November 2022 10:21

@ Niekisch : Ich würde nicht in Gegenbegriffen denken. Wenn man versucht sich an "Scheiße" abzustoßen, steckt man selber schon mit den Füßen drin.

Kurativ

7. November 2022 10:35

@Niekisch @Kurativ @Laurenz

Besser als das Mittel der Provokation ist das Mittel der Überraschung.

"Wie, das sind auch ganz normale Menschen? Das könnte stimmen?"

Der beste Wahlwerbespott der AfD war für mich bis jetzt, der aus Hessen zu Landtagswahl 2018...

https://www.youtube.com/watch?v=uG_iGv8qpTQ

Kurativ

7. November 2022 10:36

Man sollte immer aufpassen, dass man die Projektionen der anderen Seite nicht auch noch wie ein williges Opfer erfüllt.

Laurenz

7. November 2022 12:53

@Kurativ @Niekisch & Laurenz

Der beste Wahlwerbespott der AfD war für mich bis jetzt, der aus Hessen zu Landtagswahl 2018...

Durfte Herrn Lambrou persönlich mehrmals treffen & kennenlernen. Er ist ein zurückhaltender, eher feiner, sittsamer Mann, der professionell auf Interessenausgleich bedacht ist, weil er permanent intern mit Fundamentalisten konfrontiert ist. Soweit ich weiß, hat Er einen griechischen Vater.

Daß viele Migranten oder deren Nachkommen in der AfD sind, weiß doch jeder politisch Interessierte. Das ist auch kein Wunder. Ausländer mit Bildungshintergrund sind in der Regel konservativer als indigene Deutsche. Das war auch schon vor 2.000 Jahren so. Deutsche zeichnen sich vor allem durch einen naiven Liberalismus aus, einer unserer volksweiten Charakterfehler.

Flaneur

7. November 2022 18:30

Die hier Beschriebenen sind sehr geschickt darin, sich und ihresgleichen einen nachhaltigen Zugang zu den staatlichen Futtertrögen zu verschaffen. Das funktioniert auf zweierlei Weise:

Erstens, indem man angebliche Feinde der bestehenden Ordnung definiert. Dadurch empfiehlt man sich als diejenigen, die geeignet sind, dem Kampf gegen diese vermeintlichen Feinde "wissenschaftlich" und aktivistisch anzuführen.

Zweitens: Indem man Opfergruppen definiert. Damit schwingt man sich zu deren Führsprechern auf. Und wenn diese dem widersprechen, entmündigt man sie, indem man erklärt, sie seien als "Opfer" nicht in der Lage, ihre wahren Interessen zu erkennen und zu artikulieren.

So bringt man die Heerscharen von Sozialwissenschaftlern, die eigemtlich niemand brauchen würde, in Lohn und Brot.

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