Sezession
1. Mai 2005

Spengler und die Konservative Revolution

Gastbeitrag

Eine Ausnahme wird man in bezug auf Ernst Niekisch machen müssen, der seiner Zeitschrift Widerstand noch eine erstaunliche Unabhängigkeit bewahren konnte. Niekisch hatte unter den führenden nationalrevolutionären Intellektuellen Spengler mit der größten Fremdheit gegenübergestanden, auch wenn er durch die Freundschaft mit August Winnig und Jünger in Berührung mit dessen Vorstellungen gekommen war. Die Ursache dieser Fremdheit kann man auf den bürgerlichen Habitus Spenglers und den proletarischen Niekischs zurückführen, aber darüber hinaus wird man die von Niekisch nach 1933 veröffentlichten Bücher immer auch als Angriffe auf Spenglers Positionen lesen müssen. Diese Angriffe wurden zwar gedeckt geführt, aber schon Im Dickicht der Pakte enthielt neben deutlicher Kritik an der nationalsozialistischen (Außen)Politik auch eine scharfe Polemik gegen die von Spengler favorisierte Linie. Niekisch hielt Spengler im Grunde für einen Mann des 19. Jahrhunderts, dessen Vorstellungen von Imperialismus und Cäsarismus bestenfalls „faschistisch“ waren. Jedenfalls erschienen die in vielem so brutal wirkenden Äußerungen Spenglers relativ harmlos verglichen mit den radikaleren Plänen Niekischs, wie er sie zuletzt in Die dritte imperiale Figur darlegte, das auch als eine Art Fortsetzung und Zuspitzung der Thesen Jüngers gelesen werden konnte.
Den Erfolg von Jahre der Entscheidung hat die öffentliche Zurückweisung nicht behindert – es erschien noch 1940 im 162. bis 166. Tausend –, und es ist genauso wie der Untergang auch nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes immer wieder aufgelegt worden. Ähnliches wird man nur von wenigen Büchern der Konservativen Revolution behaupten können, kaum von den dezidiert politischen. Das darf allerdings so wenig wie die Distanz Spenglers zu anderen Hauptfiguren dieser Bewegung über dessen sachliche Zugehörigkeit hinwegtäuschen. Spengler gehörte nach Armin Mohler zu den „herausragenden Autoren“ der Konservativen Revolution, jenen, die man keinem Lager ganz klar zuordnen darf. Er hat alle ihre Denkfamilien mit seinen Ideen und seiner Sprache beeinflußt, vielleicht sogar mehr noch mit einer bestimmten Atmosphäre, die beide erzeugten.
So wenig wie man die außerordentliche Wirkung seiner Grundgedanken mit der scharfen Kritik aller möglichen Fachwissenschaftler am Untergang des Abendlandes verrechnen kann, so wenig darf aus der Distanz Spenglers gegenüber anderen Protagonisten der Konservativen Revolution auf einen fehlenden Zusammenhang geschlossen werden. Armin Mohler hat Spengler zu Recht unter die „Kategorien sprengenden“ Autoren dieses Lagers gezählt.


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