Kritik der Woche (41): Polens Zwischenkrieg

von Wulf Wagner -- Ein Gespenst geht unter deutschen Konservativen um:

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Ein Groß­po­len von der Ost­see bis zum Schwar­zen Meer, bis­her allein Polens ewi­ger Traum, sei die Chan­ce für ein kon­ser­va­ti­ves Euro­pa, für die Ret­tung des Abend­lan­des. Daß die­se Idee von Deut­schen mit­ge­tra­gen wird, ist nicht nur erst- und ein­ma­lig in unse­rer Geschich­te, es zeigt auch den Defä­tis­mus, der sich in eini­gen Krei­sen mitt­ler­wei­le breit­ge­macht hat, und es ist ein trotz Pro­fes­so­ren- oder Dok­to­ren­ti­tel wirk­lich­keits­fer­ner, geschichts­ver­ges­se­ner Defä­tis­mus, der in kei­nem ande­ren Volk als dem unse­ren – und erst recht nicht in Polen selbst – mög­lich wäre.

Ste­fan Scheil arbei­tet indes­sen gründ­lich wei­ter an sei­nem Geschichts­werk. Wie kaum ein ande­rer deut­scher His­to­ri­ker kon­zen­triert er sich. Er hat es nicht nötig, sich wie Lehr­stuhl­in­ha­ber in Moden oder bei gera­de aktu­el­len Jah­res­ta­gen mit flink geschrie­be­nen Büchern auf dem Markt einzufügen.

Er bleibt beharr­lich und legt immer wei­ter Bücher zur Geschich­te der Diplo­ma­tie der Vor­kriegs­zeit vor, dar­un­ter zuletzt die Detail­stu­die Abschre­ckungs­plä­ne. Der Haupt­be­richt Joa­chim von Rib­ben­trops als deut­scher Bot­schaf­ter in Lon­don vom Dezem­ber 1937 (Aachen: Heli­os Ver­lag 2020).

Nun erschien sein höchst aktu­el­les Polens Zwi­schen­krieg. In detail­lier­ter Erwei­te­rung sei­nes Gesamt­wer­kes zur euro­päi­schen Diplo­ma­tie – in der, wie es Scheil im Gegen­satz zu vie­len sei­ner Kol­le­gen rich­tig sieht, das Deut­sche Reich ja nur einer unter meh­re­ren Mit­spie­lern und Ver­ant­wort­li­chen war – erforscht Scheil nun­mehr stär­ker Polens Blick­win­kel und Spiel inner­halb der Diplo­ma­tie zwi­schen 1918 und 1939. Und er räumt unter Hin­zu­zie­hung einer unglaub­li­chen Akten‑, Lebens­er­in­ne­rungs- und Lite­ra­tur­fül­le ein­mal mehr auf mit jenem ver­klä­ren­den Glau­ben an ein ver­meint­lich fried­lie­ben­des Polen, das 1939 über­fal­len wurde.

Scheil beginnt sei­ne Stu­die mit der Wie­der­errich­tung des pol­ni­schen Staa­tes, rezi­piert bedeu­ten­de For­schun­gen für die Zeit zuvor, etwa Roland Gehr­kes Der pol­ni­sche West­ge­dan­ke bis zur Wie­der­errich­tung des pol­ni­schen Staa­tes nach Ende des Ers­ten Welt­krie­ges, und kann zei­gen, daß vie­les schon lan­ge ange­legt war in pol­ni­schen Träu­men. Und so spricht er die

fak­ti­sche Eli­mi­nie­rung der exis­tie­ren­den eth­ni­schen Min­der­heit auf dem Weg von Inte­gra­ti­ons- und Verdrängungsmaßnahme

eben­so an wie, daß

der pol­ni­sche Natio­na­lis­mus in den Jah­ren 1921 bis 1939 in den ukrai­ni­schen Gebie­ten der Repu­blik einen vor­her nicht vor­han­de­nen ukrai­ni­schen Natio­na­lis­mus erzeugte,

erwähnt, wie

Ukrai­ner, Litau­er und Weiß­rus­sen […] polo­ni­siert, die Deut­schen und die Juden mög­lichst außer Lan­des getrie­ben werden

soll­ten, zeigt – wie­der aktu­ell – den us-ame­ri­ka­ni­schen Ein­fluß auf die pol­ni­sche Regie­rung und stellt die stän­di­gen For­de­run­gen und ver­schie­dens­ten Denk­schrif­ten füh­ren­der pol­ni­scher Poli­ti­ker nach der schließ­lich 1945 erreich­ten Oder-Nei­ße-Linie lan­ge vor 1939 heraus.

Scheil berich­tet aus der von Groß­machtideen bestimm­ten pol­ni­schen Innen­po­li­tik, stellt uns nicht nur Pił­sudskis noch an die Rea­li­tä­ten gebun­de­ne, vor allem aber krie­ge­risch erfolg­rei­che Poli­tik vor, son­dern auch die vie­ler sich selbst über­schät­zen­der pol­ni­scher Poli­ti­ker, Bot­schaf­ter, Jour­na­lis­ten, His­to­ri­ker, und zeigt dabei jene Nai­vi­tät eines Lan­des, das sich in das »bri­tisch-fran­zö­si­sche Spiel« glaub­te auf Augen­hö­he ein­bin­den zu kön­nen und eben doch nur – wie schon unter Napo­le­on – Spiel­ball die­ser Groß­mäch­te wur­de und blieb. Polen hat nie durch­dacht, war­um es nicht bereits auf dem Wie­ner Kon­greß als Staat wie­der­her­ge­stellt wor­den war und war­um es dann, von den Sie­ger­mäch­ten gedul­det, 1918 mit sei­nen will­kür­li­chen Gren­zen bestehen durfte.

Scheil arbei­tet das, was sich Polen vor­mach­te, anhand von offe­nen wie ver­deck­ten diplo­ma­ti­schen Gesprä­chen, Geheim­di­plo­ma­tie und Ver­trä­gen genau her­aus, schil­dert dabei auch Polens Kriegs­wil­len. Mehr muß nicht über den Inhalt ver­ra­ten werden.

Ein Kri­tik­punkt darf fol­gen: So soll­te Scheil bes­ser dar­auf ach­ten, daß die in Fuß­no­ten gekürz­te Lite­ra­tur auch im Ver­zeich­nis zu fin­den ist und Zita­te, etwa Zei­tungs­ar­ti­kel oder Reden, aus dem Ori­gi­nal und nicht aus Lebens­er­in­ne­run­gen oder Sekun­där­li­te­ra­tur unge­prüft zitiert wer­den – für einen Ein­zel­for­scher natür­lich kaum zu bewäl­ti­gen, bei der Fül­le, die Scheil sowie­so bereits meis­tert. Es gelingt ihm stets, sei­nen Stoff nicht nur zu ord­nen und mit über­ra­schen­den Zita­ten und Quel­len auf­zu­war­ten, son­dern zugleich an den Leser zu den­ken und span­nend zu schreiben.

Es ist zu wün­schen, daß Scheils Wer­ke in Zukunft bei einem Ver­lag und in einer Form erschei­nen, und es ist zu hof­fen, daß Ste­fan Scheil auch in den fol­gen­den Jah­ren sei­ne wich­ti­gen The­men for­schend aus­wei­ten kann – in der uns His­to­ri­kern not­wen­di­gen Unab­hän­gig­keit, Genau­ig­keit und Brei­te des Lesens, Nach­den­kens und Quellenstudiums.

– – –

Ste­fan Scheil: Polens Zwi­schen­krieg. Der Weg der Zwei­ten Repu­blik von Ver­sailles nach Glei­witz,  2022. 318 S., 25,95 € – hier bestel­len.

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Kommentare (55)

Laurenz

23. Januar 2023 17:55

Zu glauben, daß ab 1918 eine informelle, ab 1926 formale Militärdiktatur friedlich gewesen sei, kann auch nur der Feder von zeitgenössischen & späteren Relotius-Schreibern & - Historikern in die Welt gesetzt worden sein. Polen besetzte 1938 den Westen des Teschener Schlesien & das Olsagebiet. Desweitern finden wir in der polnischen Geschichte den polnisch-sowjetischen Krieg  https://de.wikipedia.org/wiki/Polnisch-Sowjetischer_Krieg

mit dem Angriff auf das sich im Bürgerkrieg befindliche Rußland, wie auch Milizen, welche sich mit den deutschen Freikorps Schlachten lieferten, die berühmteste am Annaberg https://de.wikipedia.org/wiki/Aufst%C3%A4nde_in_Oberschlesien

Hier dazu das imposante Video von EL & GK https://youtu.be/EeUXyhpQkkM

Im Prinzip überfiel Polen nach seiner Gründung jeden Nachbarn, wie man hier unter Konflikte mit den Nachbarländern nachlesen kann.  https://de.wikipedia.org/wiki/Zweite_Polnische_Republik

Man kann das von Polen verursachte Leid für Mio. von Europäern auch bei Die Welt im Netz finden & nachlesen.

Da sich das bis heute nicht gebessert hat, kann man davon ausgehen, Polen ist verloren. Ob das eine gewagte These ist?

RMH

23. Januar 2023 19:41

"an ein vermeintlich friedliebendes Polen, das 1939 überfallen wurde."

Friedliebend war - wie überall in Europa nach dem WK I - vermutlich das polnische Volk, aber gewiss nicht die Regierung/ die Eliten (das belegt Dr. Scheil immer wieder). Und wer war eigentlich so blöde, am 01.09.39 die ersten offiziellen Schüsse abzugeben? Und was war eigentlich mit dem K-Trupp Herzner, der schon am 26.08.39 los legte? Mich würde einmal ernsthaft interessieren, ob Dr. Stefan Scheil diese Rezension als gelungen empfindet. Er veröffentlich ja hier ab und an - evtl. liest er mit und kann einmal selber etwas dazu sagen, wer aus seiner Sicht den letzten Schritt vom gegenseitigen Provozieren und Hochschaukeln gemacht hat und ob dieser wirklich "alternativlos" war.

PS: Die Verächtlichmachung des Intermarium-Gedankens - bei Konservativen diskutiert unter deutsche Beteiligung - in diesem Artikel hat in etwa ein vergleichbares Niveau, wie all die Mainstream-Veröffentlichungen, die im Überfall (sic!) Russlands auf die Ukraine den ewigen Russen am Werk sieht, der ja nichts anderes könne als Imperialismus und Krieg.

Laurenz

23. Januar 2023 23:53

@RMH

Kann Ihnen keine Antworten geben.

Hatte es versäumt, alle politisch interessierten Bekannten meiner Großeltern-Generation zu fragen, wie groß denn der innenpolitische Druck war, die polnische- oder vielmehr westpreußische-, Danzig- oder Memel-Frage zu lösen? Ist aus heutiger Sicht schwer zu beurteilen. Was ich gelesen habe, mutmaßlich schon früh bei Otto Zierer, ist, daß zB Stresemann's (immerhin ein sogenannter beliebter Friedensnobelpreisträger) Forderungen gegen Polen viel weiter gingen, als Hitler jemals wagte, zu fordern. Muß man nicht dann auch danach fragen, ob die Nationalsozialisten gewählt wurden & an die Macht kamen, weil sie gegen die Folgen von Versailles etwas zu tun gedachten? Heute existiert keine echte gesellschaftliche Debatte um Deutsche Interessen, alles totgetreten. Allerdings, zeigen die Grünen gefährliche Ambitionen, das Deutsche Moralhauptamt zum Weltmoralhauptamt zu erheben, & ein Sozialdemokrat, neu in Amt & Würden, will die Bundeswehr zur am besten ausgerüsteten Armee in der EU machen, auch sehr ambitioniert. Das darf man vielleicht umsetzen, aber muß man die Absicht publizieren?

RMH

24. Januar 2023 10:02

@Laurenz,

Es fällt doch auf, dass Deutschland sowohl beim Beginn des WK 1 als auch des WK 2 in Eskalationsspiralen gefangen war. Warum haben die anderen Mächte uns regelmäßig den Vortritt gelassen, entweder Teil der ersten zu sein, die Schüsse abgegeben haben oder erster zu sein? Sollte man daraus ggf. nicht etwas lernen?

Warum sortiert sich die nationale, deutsche Rechte immer noch irgendwie gedanklich auf Augenhöhe mit Siegerländern wie Russland, USA, Frankreich ein, obwohl Deutschland doch klar ein Verlierer ist? Wäre es nicht deutlich sinnvoller, wenn Deutschland  Teil einer Koalition der "Loser" und ewigen "Spielbälle" wird, als ständig auf Mächte zu hoffen, die Deutschland stets nur als Zahlmeister sehen? Der polnische aber auch der deutsche Nationalismus sollte ihre Emotionen einmal überwinden, und das scheinbar Unmögliche möglich machen. Das kann aber nur funktionieren, wenn die deutsche Rechte mehrheitlich nicht mehr nur USA-Kritisch ist sondern auch Russland-kritisch wird. Ein Intermarium-Block mit Deutschland und Österreich wäre eine echte Alternative zur EU und zur Transatlantik. Solche Gedanken werden allzuleicht als Hirngespinst und unrealistisch zurück gewiesen.

Valjean72

24. Januar 2023 10:45

Vielen Dank für diese Rezension, habe mir sogleich das Buch bestellt.

@RMH:

Der Antwort von Laurenz an Sie möchte ich hinzufügen, dass auch Schulze-Rhonhof darlegt, dass Hitler zu weit mehr Zugeständnissen an Polen bereit war als jede Regierung der Weimarer Republik vor ihm. Das passt halt nicht ins offizielle Geschichtsbild und ist daher wenig bekannt.

Mit der Sicherheitsgarantie Englands fühlten sich die polnischen Verantwortlichen allerdings nicht genötigt - da quasi unverwundbar - einen Ausgleich mit dem verhassten deutschen Nachbarn zu erzielen.

Als dann die Wehrmacht in Polen einmarschierte, folgten zwar pflichtschuldig die Kriegserklärungen Englands und auch Frankreichs aber beiden Staaten unternahmen nichts, um Polen militärisch zur Seite zu stehen. Auch Stalins Einverleibung Ostpolens kümmerte sie nicht und so ist es eindeutig, dass die Sicherheitsgarantien gegenüber Polen weniger pro-polnisch als vielmehr anti-deutsch waren.

Polen wurde in seiner Deutschfeindlichkeit ermuntert aber letzten Endes wie eine heisse Kartoffel fallen gelassen. Ich bin zu dem Schluss gelangt, dass Polen als Falle aufgebaut und schliesslich geopfert wurde.

Valjean72

24. Januar 2023 10:56

... es zeigt auch den Defätismus, der sich in einigen Kreisen mittlerweile breitgemacht hat

Es ist mE nicht allein und auch nicht hauptsächlich Defätismus, sondern Folge der erfolgten - und im konkreten Fall auch erfolgreichen - Umerziehung und die daraus resultierende (übersteigerte) Identifikation mit den westlichen Siegermächten. Eine Identifikation, die bis zur beinahe vollständigen Selbstaufgabe eigener vitaler Interessen auf nationaler Ebene reicht.

Das Intermarum-Projekt wird von angelsächsischen Vordenkern der Geopolitik voran getrieben, weil es die Trennung Russlands von Deutschland und umgekehrt sicherstellt.

Valjean72

24. Januar 2023 14:56

@RMH @Laurenz

Es fällt doch auf, dass Deutschland sowohl beim Beginn des WK 1 als auch des WK 2 in Eskalationsspiralen gefangen war. Warum haben die anderen Mächte uns regelmäßig den Vortritt gelassen, ...

Das ist auf die Geographie zurückzuführen. Hinsichtlich der Maßnahmen, die letztlich zum  Ausbruch des 1. WK führten, hält Christopher Clark folgendes fest:

"Die russische Generalmobilmachung zählte zu den schwerwiegendsten Entscheidungen während der Julikrise. Es war bislang die erste Generalmobilmachung. Sie kam zu einem Zeitpunkt, als die deutsche Regierung noch nicht einmal den Status der drohenden Kriegsgefahr ausgerufen hatte, das deutsche Pendant zur russischen Kriegsvorbereitungsperiode, die seit dem 26. Juli in Kraft war."

(C. Clark, Die Schlafwandler, Kindle, Pos. 14565)

Die deutsche Führung musste davon ausgehen, dass a) die russische Generalmobilmachung auf Deutschland abzielte und dass b) die Russen dies mit Frankreich abgesprochen hatten (tatsächlich war sogar noch England mit von der Partie). Folglich sah man sich einem verheerenden 2-Fronten-Krieg ausgesetzt.

Keine alliierte Macht sah sich solch einem Schreckszenario ausgesetzt ...

Valjean72

24. Januar 2023 14:56

Fortsetzung:

... Der russische Koloss wurde gefürchtet aber auch als schwerfällig eingeschätzt, d.h. er würde einige Zeit benötigen, um seine Schwungmasse in Bewegung zu setzen.

Daher wurde seitens der deutschen Führung die Entscheidung gefällt, in einem schnellen Feldzug Frankreich im Westen niederzuwerfen und alsdann sämtliche Truppen gen Osten zu werfen.

Laurenz

24. Januar 2023 17:46

@RMH @L.

Die Verbindung Österreich-Deutschland scheiterte doch im I. Weltkrieg, ob der Blödheit beider Kaiser. Zar Nikolaus II können Sie grad dazu stecken. (Heute wäre dasselbe Konstrukt nicht mal halb so groß.) Habe das letzte Zeit wiederholt geschrieben. Wie kann es sein, daß alle 3 Kaiser den totalen Vernichtungswillen ihrer Gegner so eklatant unterschätzten? Bedenkenlos brachen alle Entente-Mächte das ungeliebte Berliner Abkommen von 1878, sind damit auch offiziell schuld am Großen Krieg. Die Habsburger Idioten steckten über Jahrzehnte ihr ganzes Geld in das ewig bodenlose Faß Bosnien, anstatt sich für den Krieg zu rüsten. Österreich-Ungarn war von allen europäischen Mächten am schlechtesten auf einen Krieg vorbereitet. Rußland stellte 1914 4x so viel Munition her, als Österreich-Ungarn. Wie blöd kann man sein? Das wußte man doch. Wir können nur mit einer militärischen Großmacht an der Seite überleben. Welche Großmacht läßt uns überleben? Die Amis? Gewiß nicht.

RMH

24. Januar 2023 20:17

@Valjean72,

ich habe selbstredend schon lange Schultze-Rhonhof  (so wird er richtig geschrieben) und auch einiges von S. Scheil gelesen. Ihre Vermutung dass "Polen als Falle aufgebaut und schliesslich geopfert wurde." ist meiner Meinung nach nicht unplausibel, nur dass "schließlich" nicht richtig ist - das Polen über die Wupper gehen soll, war von Anfang an Teil der Planungen und die UdSSR hat ja auch mitgespielt. Die Frage, warum man in jede noch so klare Falle läuft, bleibt unbeantwortet. Genauso, wie es unbeantwortet bleibt, warum Russland in eine von Anfang vom Westen aufgebaute Ukraine einmarschiert. Vermutlich Überschätzung verbunden mit Poker-Mentalität und falsche Einschätzung der Gegner.

PS: Wenn so etwas wie ein Intermarium tatsächlich unter deutscher Beteiligung klappen könnte (leider aktuell unwahrscheinlich), kann man sehr gut auf Russland verzichten.

 

Adler und Drache

24. Januar 2023 20:23

@RMH

Offensichtlich ist das Intermarium-Projekt (warum heißt es nicht "Intermarum"? Was soll das "i"?) von vornherein darauf angelegt, Deutschland draußen zu halten. 6 Milliarden Dollar sind für Infrastruktur-Projekte veranschlagt. Von Deutschland, das immer ein vitales Interesse daran haben muss, was im Osten vorgeht, will man aber kein Geld - weil Deutschland sonst die Agenda sofort dominieren würde. Und man traut Deutschland nicht. Nicht einen Meter. Stattdessen hat man 1 Milliarde von den USA erhalten. 

Hier wird gerade an einer neuen EU gebaut, in der Deutschland nicht mehr Mitte, sondern Rand ist. (Wir werden nichts mehr zu sagen haben, wahrscheinlich nur noch zahlen.) Rumsfeld sprach schon während des Irakkriegs davon. Giorgia Meloni ist nicht umsonst auf derart rabiatem Anti-Russland-Kurs, Italien sucht Anschluss. Dänemark hat den Riegel nach Skandinavien vorgeschoben, GB den Absprung geschafft, Deutschland und Frankreich werden wohl Hinterhof oder Kloake der neuen EU. Daran würde auch ein Dexit nichts ändern. Der Nord-Euro, wie ihn die AfD-Gründer einst andachten, scheint mir die letzte Chance zu sein. 

  

MARCEL

24. Januar 2023 20:52

Am Rande eine Glosse:

Jetzt, da Deutschland die Kampfpanzer an die Ukraine liefert, ist eine Invasion Deutschlands durch Polen nochmal abgewendet...

Dafür mag uns Putin den Strom per Hacker-Großangriff endgültig abstellen.

Lasciate ogni speranza, voi ch'entrate (Dante)

 

RMH

24. Januar 2023 21:00

@Adler und Drache,

klar soll Deutschland "draußen" gehalten werden. Mit Deutschland und Österreich wäre es mit einem Schlag ein zu großer "Player" - teile und herrsche. Sie haben Recht, Intermarum ist die bessere Schreibweise, aber es gibt beide Schreibweisen.

Valjean72

24. Januar 2023 21:40

@RMH:

 

ich habe selbstredend schon lange Schultze-Rhonhof  (so wird er richtig geschrieben) [...] gelesen. […] Die Frage, warum man in jede noch so klare Falle läuft, bleibt unbeantwortet.

 

Hinsichtlich Rechtschreibung geht der Punkt klar an Sie. Nun zu Ihrer Frage: diese stellt sich mE in Bezug auf den 1.WK überhaupt nicht, da Deutschland durch die russische Generalmobilmachung und das bekannte französisch-russische Bündnis eindeutig existenziell bedrängt wurde. Hier hätte man lange vorher gegensteuern müssen.

 

Bez. des 2.WK will ich einen Hinweis geben. Um nicht in eine Falle zu treten, muss man sich zunächst einmal über die Möglichkeit einer Falle gewahr werden. Hitlers Position war mE, dass ein erneuter großer Krieg selbst bei einer Niederlage Deutschlands zwangsläufig zu einem Niedergang des Britischen Empire, sowie zu einer Neugestaltung Polens unter sowjetischer Vorherrschaft führen musste.

 

Dies gab man mW auch den englischen und polnischen Ansprechpartnern zu verstehen. Insofern baute man seitens der deutschen Führung auf realpolitische Vernunft in London und auch in Warschau.

 

Allerdings gab es offensichtlich einflussreich Kräfte in der angelsächsischen Hemisphäre, die bereit waren das Empire auf Kosten der USA und der SU zu opfern, allein um Deutschland ein für alle Mal zu zerschlagen und als unabhängige  europäische Großmacht auszuschalten.

Kurativ

24. Januar 2023 22:32

Polens Kriegswillen kann schneller zurück kommen, als man denkt. Die jetzigen Polen sind hochgerüstet und nachdem wir alles rausgerückt haben, könnten die Polen sich in der heutigen Welt die 1 Billion Euro Reparationszahlungen durch Besetzung der unbeliebten deutschen Ostgebiete der BRD zurückholen. Wer das innerhalb der NATO für unmöglich hält sollte sich klarmachen, dass auch Deutschland das Ziel der jahrelangen US-amerikanischen Aktivitäten an der ukraninisch-russischen Grenze ist. Der Stärkere bestimmt was der Schwächere zu tun hat. Das war schon immer die übergeordnete Regel.

Stefan Scheil

24. Januar 2023 22:36

@RMH "kann einmal selber etwas dazu sagen, wer aus seiner Sicht den letzten Schritt vom gegenseitigen Provozieren und Hochschaukeln gemacht hat und ob dieser wirklich "alternativlos" war"

Direkt angesprochen, erlaube ich mir den Hinweis, daß grundsätzlich natürlich nichts "alternativlos" ist. Es lassen sich für 1939 auch andere Szenarien denken, z.B. hat man in Polen selbst intensiv über eine eigene Kriegseröffnung nachgedacht und konnte nur durch westlichen Druck davon abgehalten werden. Das Jahr hätte auch mit einem Nervenkrieg und einer andauernden deutschen Flüchtlingswelle aus Polen weiter und schließlich zu Ende gehen können. Es läßt sich manches ausdenken, was ja aber nicht der Bereich von Geschichtsforschung ist.

In einer Situation, in der viele beteiligte Staaten auf Krieg setzen, besteht immer die erhöhte Wahrscheinlichkeit, daß er irgendwann auch kommt. Für die deutsche, bzw. Hitlersche Entscheidungsfindung scheint dabei in den Entscheidungstagen das Gefühl wichtig gewesen zu sein, die Gegenseite wolle den Krieg sowieso. "Hitler mag längst den Eindruck haben, daß Britannien den Krieg um jeden Preis will", schrieb der britische Botschafter in Berlin am 18.7.39 angesichts der Haltung seiner eigenen Regierung nach Hause. Das war wohl so, den Eindruck gab es aus nachvollziehbaren Gründen. Der exakte Zeitpunkt und die sozusagen "letztlich" verantwortliche Person für die Überschreitung der Schwelle zum Krieg ist nicht eindeutig zu bestimmen.

MARCEL

25. Januar 2023 08:45

@Kurativ

mittlerweile halte ich das auch für denkbar, v.a. mit dem Segen von GB-USA

(Ruhrbesetzung von 1923 lässt grüßen!)

Ob David Engels dann "Ober-Pan" des neuen Gouvernements wird?

RMH

25. Januar 2023 09:26

Sehr geehrter Herr Dr. Scheil,

Vielen Dank für ihre persönliche Antwort hier in dieser Debatte. Ich finde das sehr gut und es wertet diesen Blog sehr auf, wenn sich ab und an Autoren auch einmal direkt zu Wort melden. Wie geschrieben: Danke!

Monacensis

25. Januar 2023 09:31

Natürlich war das Polen der Zwischenkriegszeit nicht „friedliebend“, wie die Annexion des zu zwei Dritteln deutschsprachigen Westpreußen zeigt, wo Pilsudski eine Volksabstimmung hintertrieben hat. Dazu Teschen, die Träume vom „Marsch auf Berlin“.

Und richtig ist auch, dass David Engels es mit der Loyalität gegenüber seiner Wahlheimat ein wenig übertreibt.

Das ist aber kein Grund, die Idee eines ostmitteleuropäischen „Trimarium“ abzulehnen, in dem man sich hoffentlich auch noch in 50 Jahren wie in Europa fühlt. Das Trimarium wird kein polnisch-litauisches Imperium sein, dafür werden Tschechen, Ungarn, Rumänen und langfristig sogar Ukrainer schon sorgen.

Niekisch

25. Januar 2023 10:27

"Der exakte Zeitpunkt und die sozusagen "letztlich" verantwortliche Person für die Überschreitung der Schwelle zum Krieg ist nicht eindeutig zu bestimmen."

@ Stefan Scheil: Läßt sich übergreifend sagen, daß in den letzten Tagen des Augusts die polnische Führung es auf die militärische Auseinandersetzung ankommen ließ, weil Polen ja durch England und im Hintergrund die USA garantiert war und ohne Kampfhandlungen die Garantie nicht griff, das Deutsche Reich hingegen wegen der drohenden Herbstwetterlage die mehrfach ausgesetzten Kampfhandlungen nicht menr weiter hinausschieben konnte? Kann Deutschland ein Vernichtungswille gegenüber Polen unterstellt werden, wo doch Hitler noch nach Abschluß des NAP mit der Sowjetunion ein Weiterbestehen des polnischen Staates nicht ausgeschlossen hatte? Sehen Sie in der jetzigen Lage - Aufrüstung der Ukraine pp.- Parallelen zur Weltkriegsentwicklung ab 1939? 

Niekisch

25. Januar 2023 11:23

Ich korrigiere: Es muß heißen:...und für England und die USA ohne Kampfhandlungen...

MARCEL

25. Januar 2023 11:52

@Monacensis

"Die Polen" werden als erstes dafür sorgen, dass Deutschland nie mehr auch nur den kleinsten Einfluss erhält. Warschau wird uns mehr demütigen als Brüssel oder Washington.

(Inter- oder Trimarium ist nicht die östliche "Maginot-Linie", bei allem geopolisch-identitären Verständnis für diesbezügliche Wünsche)

Hajo Blaschke

25. Januar 2023 12:23

Stalin hat mit der Besetzung der "polnischen Ostgebiete" ab 17. September 1939 lediglich das zurückgeholt, was Polen 1920 okkupiert hatte. Diese Gebiete sind keine historisch polnischen Gebiete.

Zum Verhalten Polens 1939, am 23. März d.J. gab es in Polen eine Teilmobilmachung, die auf einen Einmarsch in Deutschland zielte und am 30. August 1939 wurde in Krakau der deutsche Botschaftssekretär erschossen und die polnische Armee stand angriffsbereit an der deutschen Grenze. Die letzten Tage vor dem 1. September 1939 sind am besten im Buch von Birger Dahlerus "Der letzte Versuch" geschildert. Dahlerus hatte bis Mitternacht versucht, die polnischen Vertreter zum Verhandeln über das Angebot Hitlers zur Regelung der Danzig- und Korridorfrage zu überreden. Im Buch sind auch die Versuche deutscher Funktionsträger dargestellt, die kurioserweise nicht von Kriegslust geprägt waren. Deutschland war bei Kriegsausbruch der polnischen Armee militärisch unterlegen.

Zum Ausbruch des 1. Weltkrieg gibt es viele Bücher. Das Buch von Clark "Die Schlafwandler" ist eines der schlechtesten. Es ist der erkennbare Versuch, die Briten von ihrer Kriegsschuld freizuwaschej.

Laurenz

25. Januar 2023 12:39

@Niekisch @Stefan Scheil

Sie unterschätzen die mangelnde Rüstung des III. Reichs. Entgegen aller Schulpropaganda, war das III. Reich auf einen Krieg, egal mit wem, nicht vorbereitet, schon gar nicht bezüglich eines Stellungskriegs um zurückgeholte deutsche Territorien. Deshalb gab es im Ernstfall nur die Option eines Guderian'schen Blitzkriegs gemäß dem Fall Weiß, mit der Absicht alle gegnerischen Kräfte schnell auszuschalten. Die Wehrmacht besaß exakt für 6 Wochen Munition, in manchen Waffengattungen, wie der Feldhaubitze nur für 2 Wochen.

Deswegen ist die Debatte, wer angefangen hat, zu schießen, auch etwas müßig. Wenn das III. Reich abgewartet hätte, bis die Polnische Armee in mehreren Zangenbewegungen ins Reich einfällt, wären viele militärische Vorteile, die der Erstschlag bietet, auf die Polen übergegangen. Hier wäre die Zeitfrage, aufgrund der Munitionsfrage kritisch geworden.

Eine Schuldfrage ist generell überbewertet. Immerhin haben wir die Polen von einer üblen Militärdiktatur befreit. Auch wenn das III. Reich abgewartet hätte, bis die Polen einfallen, wäre nach einem verlorenen Krieg trotzdem Deutschland schuld gewesen. Vergessen Sie den Schuld-Kult einfach.

Stefan Scheil

25. Januar 2023 13:45

@Niekisch "ohne Kampfhandlungen die Garantie nicht griff,"

Die britische Garantie hätte tatsächlich auch ohne Kampfhandlungen gegriffen. Es hätte genügt, wenn Polen seine Interessen für bedroht erklärte und selbst zu den Waffen griff. Unter anderem das brachte Hitler (und weite Teile des diplomatischen Europa) ja zur Überzeugung, dies sei ein "Blankoscheck" zur beliebigen Kriegsauslösung. Anfang August beantwortete die polnische Regierung dann tatsächlich ein Schreiben der deutschen Regierung zum Thema Danzig mit der Feststellung, Danzig gehe Deutschland nichts an und ein weiteres Schreiben dazu werde als Kriegsakt gewertet. Das hätte dann die britische Garantie ausgelöst und schlug in Berlin entsprechend ein.

Viele Parallelen zum Ukraine-Konflikt sind eigentlich nicht zu sehen. Es gibt vor allem zwei gewaltige Unterschiede:
A) Polen erhielt 1939 nichts, kein Geld, keine Waffen, keine Unterstützung. Es lieferte nur den Kriegsgrund. Die Ukraine erhält dagegen seit Jahren alles, was irgendwie geliefert werden kann, aber der gesamte Westen vermeidet tunlichst eine formale Kriegsbeteiligung, verhält sich also gegenteilig.
B) Niemand hat 1939 bezweifelt, daß Deutschland zu besiegen sei. Man ging von 3 Jahren dafür aus, nicht davon, daß dies ein grundsätzliches Problem sei. Rußland dagegen ist militärisch nicht zu besiegen, auch das weiß (oder glaubt) jeder. Es geht nur darum, Rußland aus der Ukraine zu drängen und ihm den Appetit auf weitere imperiale Ausritte zu nehmen. 

Der_Juergen

25. Januar 2023 15:51

1. Teil

@Stefan Scheil

Da Sie sich selbst an der Debatte beteiligen, möchte ich Ihnen für dieses Buch, aber auch für etliche andere Ihrer Studien, die ich mit grossem Gewinn gelesen haben, aufrichtig danken. 

@RMH

"...genauso, wie es unbeantwortet bleibt, warum Russland in eine von Anfang vom Westen aufgebaute Ukraine einmarschiert. Vermutlich Überschätzung verbunden mit Poker-Mentalität und falsche Einschätzung der Gegner.."

Der Grund, weshalb Russland seine "Sonderoperation" startete, ist doch hinreichend klar: Es war nicht mehr gewillt, die endlosen ukrainischen Provokationen weiter zu dulden und zuzulassen, dass die Ukraine, die von Anfang an als Projekt Anti-Russland gedacht war, zum Nato-Aufmarschgebiet wird. Jedes weitere Zaudern von Seiten Putins wäre Verrat gewesen. Mit dem zweiten Satz haben Sie schon eher recht. Gewiss hat man den Gegner sträflich unterschätzt und der eigenen Propaganda geglaubt, wonach die ukrainische Zivilbevölkerung nicht nur im Osten, sondern auch im Westen des Landes die Russen als Befreier begrüssen würde. Doch das ist lediglich ein Teil der Erklärung, und noch nicht einmal der wichtigste.

Der_Juergen

25. Januar 2023 16:00

2. Teil (Antwort an RMH)

Die schier unfassbaren "Fehler", welche die russische Führung bei der Planung ihrer Operation am laufenden Band beging; die Tatsache, dass anfangs nur ca. 150.000 Soldaten eingesetzt wurden, obwohl man wusste, dass die Ukraine das Mehrfache dieser Zahl würde mobilisieren können; der schier unglaubliche Umstand, dass Moskau nicht nur Kiew, sondern auch jene westlichen Staaten, die es mit Waffen beliefern und sich somit zur Kriegspartei gegen Russland machen, weiter mit Energiequellen, Dünger etc. versorgt; die Tatsache, dass man die westlichen Berater und Söldner, die sich in Azowstal ergeben hatte, einfach in ihre Herkunftsländer zurückkehren liess, anstatt sie als Beweis für die westliche Einmischung vor der Kamera vorzuführen; die "Verhandlungen" mit Kiew, bei denen Abramowitsch, Bürger Israels und Portugals, bald die russische und bald die ukrainische Seite vertrat; die Tatsache, dass man die Verkehrswege, auf denen die westlichen Waffen an die Front gelangen, nicht sofort zerstörte - all das lässt nur einen Schluss zu: Entweder ist Putin von Verrätern umgeben, denen er aus irgendwelchen Gründen nicht das Handwerk legen kann - was bedeutet, dass er nicht Herr der Lage ist -, oder er ist selbst Teil des Spiels.

An ersterem kann nicht der geringste Zweifel bestehen; es reicht, sich hierzu die beiden letzten Sendungen von Valeri Pyakin - dem ich alles in allem reserviert gegenüberstehe - anzuhören. Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache.  

Der_Juergen

25. Januar 2023 16:15

3. Teil

Pyakin steht weiterhin in Nibelungentreue zu Putin; er sieht diesen als Heros, der mit letzter Kraft zugleich gegen den äusseren und den inneren Feind kämpft, um Russland vor dem Schlimmsten zu bewahren. Auf bohrende Fragen wie die, weshalb der grosse "Herrscher", wie er Putin nennt, Blutsauger wie Tschubais jahrzehntelang ihr Unwesen treiben liess, oder warum er sich 2014, statt zumindest den Donbass vollständig zu befreien, stattdessen auf das Minsker Abkommen einliess und der Nato damit Gelegenheit bot, Kiew noch acht Jahre lang bis an die Zähne zu bewaffnen, antwortet Pyakin mit wüsten Beschimpfungen der unbequemen Frager.

Trotz allem, Russland wird schliesslich siegen. Es MUSS siegen, um nicht unterzugehen.

Der_Juergen

25. Januar 2023 16:24

4. Teil

Wird Putin von radikal liberalen und prowestlichen Kräften, die eine Unterwerfung Russlands unter die Anglo-Amerikaner planen, gestürzt, wird sich das Militär gegen die Usurpatoren erheben und sie wegfegen. Und wenn Putin endlos weiter zögert und Russlands Todfeinden immer neue Schlupflöcher eröffnet, wird die Armee ihn zum Handeln zwingen oder absetzen. Dass dieser mörderische Krieg innerhalb Russlands zu einem breiten Umdenken geführt hat und die Erkenntnis heranreifen liess, dass unter diesem System kein Krieg zu gewinnen ist, gehört zu den positiven Seiten dieses Blutvergiessens. Oberst Kwatschkow, der wegen Beteiligung an einem geplanten Attentat auf den Volksvernichter Tschubais vierzehn Jahre lang hinter Gittern sass, ist zuversichtlich, dass aus diesem Krieg ein "christliches, nationales und sozialistisches Russland" hervorgehen wird. Gebe Gott, dass er Recht bekommt.

 

MARCEL

25. Januar 2023 16:45

@ Stefan Scheil

kurz zu A): Die Ukraine erhält alles, damit sie allein den Grabenkrieg führt und dies dem Westen erspart. Polen erhielt nichts, doch die Westalliierten mussten bald selbst an die Front.

Jetzt wird es darauf ankommen, wie viele leere Kammern noch im Revolver sind...

noch zu B): Bereits Stalin mutmaßte, der Westen lasse ihn in der Anti-Hitler-Koalition bewusst am meisten bluten. Die verheerenden Terrorangriffe auf das wehrlose Dresden 1945 dienten offenbar als grausame anglo-amerikanische "show of force". Die Rote Armee verfügte damals noch nicht über eine strategische Bomberflotte.

 

 

Der_Juergen

25. Januar 2023 17:03

@Sefan Scheil

Selbstverständlich ist Russland militärisch nicht zu besiegen, da haben Sie recht. Seine Widersacher hofften, die gleich nach Kriegsbeginn verhängten umfassenden Sanktionen würden Russland ruinieren, und die Unzufriedenheit des russischen Volkes würde zum Sturz Putins und der Errichtung eines Vasallenregimes in Moskau führen, welches das Land für ein Butterbrot an anglo-amerikanische Konzerne verschachern und ihm zugleich die zweifelhaften neuen westlichen "Werte" aufnötigen würden.. Diese Rechnung ist nicht aufgegangen und wird auch künftig nicht aufgehen, sondern sich für die Kriegstreiber zum furchtbaren Bumerang entwickeln. Die Ereignisse entwickeln mittlerweile eine Dynamik, die Putin nicht einmal dann noch stoppen könnte, wenn er, was manche argwöhnen, wirklich ein anglo-amerikanischer Agent wäre und nicht nur ein ewiger Zauderer und Kompromissler.

Niekisch

25. Januar 2023 17:08

@ Stefan Scheil 13:45: Besten Dank für Ihre Ausführungen. 

"Anfang August beantwortete die polnische Regierung dann tatsächlich ein Schreiben der deutschen Regierung zum Thema Danzig mit der Feststellung, Danzig gehe Deutschland nichts an und ein weiteres Schreiben dazu werde als Kriegsakt gewertet. Das hätte dann die britische Garantie ausgelöst und schlug in Berlin entsprechend ein."

Mich interessiert noch, was die plötzliche Zuspitzung der Lage Ende Juli/Anfang August 39 ausgelöst hat. Hat es mit dem Ultimatum der poln. Regierung an Danzig wegen behaupteter Dienstverhinderung poln. Zollbeamter zu tun? 

"Es geht nur darum, Rußland aus der Ukraine zu drängen" Es wird interessant sein zu beobachten, wie das bei Einsatz westlicher zum Angriff tauglicher Waffen bewerkstelligt wird und wie Rußland darauf reagiert. Mir scheint es eher ein Erschöpfungskrieg gegen Rußland zu sein, in dem Deutschland auf Dauer die Hauptlast tragen soll und zugleich als Konkurrent der USA minimalisiert wird. 

Hajo Blaschke

25. Januar 2023 18:48

@ Scheil .. es geht nur darum, Russland aus der Ukraine zu drängen und ihm den Appetit auf weitere imperiale Ausritte zu nehmen ..

Wenn das ernsthaft ihre Meinung ist, kann ich mir das nur dadurch erklären, dass es Ihnen als Historiker wohl schwerfällt, die seit 2014 eingetretenen Ereignisse in der Ukraine und die seit 1990 von der NATO unternommene Erweiterung bis vor Russlands Grenzen, richtig einzuschätzen.

Kenntnisse von dem Verhältnis zwischen dem russischen und dem ukrainischen Volk scheinen Sie auch nicht zu besitzen. Und für die von Ihnen angesprochenen imperialen Ausritte Russlands sollten Sie zumindest einen Beleg anführen.

Der_Juergen

25. Januar 2023 21:30

@Hajo Blaschke

Selbstverständlich dürfen Sie Stefan Scheil kritisieren - ich bin auch nicht immer mit ihm einverstanden -, aber angesichts seiner grossen Verdienste als Historiker, der sich nicht zum Propagandatrommler machen lässt, sondern dem herrschenden Narrativ in entscheidend wichtigen Fragen aufgrund seiner Forschungsergebnisse widerspricht, sollten Sie ihn nicht so grob anfahren. 

RMH

25. Januar 2023 22:37

"Zum Ausbruch des 1. Weltkrieg gibt es viele Bücher. Das Buch von Clark "Die Schlafwandler" ist eines der schlechtesten. Es ist der erkennbare Versuch, die Briten von ihrer Kriegsschuld freizuwaschej."

Na klar, dass sowas gerade von H.B. kommt. Wenn das Buch den Versuch unternommen hätte, das heilige Mütterchen Russland von seiner Schuld am WK1 "freizuwaschen", wäre es selbstredend spitze ...

Die Stärke von Clarks Buch liegt aber doch gerade darin, dass er nicht "den Schuldigen" präsentiert, sondern eben die europäischen "Schlafwandler" ... die alles in den Krieg gezogen haben. Freiwaschen sieht anders aus.

Kriemhild

26. Januar 2023 06:14

@Stefan Scheil

"Es geht nur darum, Rußland aus der Ukraine zu drängen und ihm den Appetit auf weitere imperiale Ausritte zu nehmen."

Wer die Weltkarte studiert, stellt fest: unser Zeitalter kennt in der Tat ein Imperium, und es ist nicht Russland; aber leise, nicht weitererzählen, geheime Reichssache, nur unter uns, die Bevölkerung darf es nicht mitbekommen, es könnte sie verunsichern ...

Gustav

26. Januar 2023 09:16

@ Der_Juergen

Die UNO ist der Sitz der globalen Governance. Ihre Agenda 2030 auf dem Weg zur Agenda 21 mit ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung  ist der übergreifende Rahmen für die feste Etablierung einer echten globalen Governance. Die russische und die chinesische Regierung befürworten enthusiastisch die globale Governance durch die UNO. 

Sie finden die besten Analysen, gerade auch zu Russland, bei Iain Davis.

https://iaindavis.com/

Der_Juergen

26. Januar 2023 11:47

@Gustav

Ja, das stimmt, und dass Putin den Covidschwindel mitmachte, ist für mich ein Beweis dafür, dass er Mitglied im Klub ist. Er will aber kein reiner Lakai sein,sondern für Russland einen Sonnenplatz in der NWO ergattern. Dass man ihm diesen nicht zugestehen will, hat er mittlerweile kapiert. Darum wird er zum Handeln im nationalen Sinn gezwungen werden, wenn er es nicht freiwillig tut. 

Und danke für den Hinweis auf Davis.

Stefan Scheil

26. Januar 2023 12:49

@niekisch "plötzliche Zuspitzung der Lage"

Viele Elemente. Im dt,.poln. Verhältnis: Streit um Danzig, die bewußte Mißhandlung der dt. Minderheit, die poln. Presse mit ihren Forderungen nach Grenzen an Oder u. Elbe, Militärische Drohungen und (ja) auch Grenzüberschreitungen. International: Auskauf potentieller dt. Verbündeter durch Britannien, (Anerkennung der jap. Eroberungen in China z.B.) das Scheitern der Wohlthat-Wirtschafts-Gespräche mit London, der Druck aus den USA, bekannt damals schon die Berichte des poln. Botschafters aus Washington, der Krieg gegen D. sei hier beschlossene Sache usw. 

Alles eskalierende Ereignisse, alternativlos war der Angriff auf Polen dennoch nicht.

@HajoBlaschke
Beiträge wie der Ihre, der nur aus Anwürfen besteht, machen solche Diskussionen immer wenig sinnvoll.

Allgemein: Es läßt sich die ganze EU und NATO-Osterweiterungspolitik als Bestrebung auffassen, Rußland dauerhaft aus den Gebieten der früheren UdSSR "hinauszudrängen", in dem Sinn, daß dahin keine russ. Truppen zurückkehren sollen und es keine Moskauer Mitsprache bei der Bündniswahl dortiger Staaten mehr gibt. Die Ukraine ist dabei der dickste und schwierigste Brocken, um den nun "heiß" gekämpft wird.

Allerdings ohne direkte westliche Kriegsbeteiligung, um nochmal auf den Unterschied zu 1939 zu verweisen. Rußland soll auf eine Existenz als russische Föderation beschränkt werden, nicht um seine Existenz gebracht werden, wie einst das Deutsche Reich.

Valjean72

26. Januar 2023 18:04

@Stefan Scheil

Rußland soll auf eine Existenz als russische Föderation beschränkt werden, nicht um seine Existenz gebracht werden, wie einst das Deutsche Reich.

Dessen bin ich mir nicht sicher, wenn ich z.B. daran denke, dass Brzeziński offen von einer Aufspaltung Russlands sprach. Ich glaube nicht, dass derlei Planspiele gänzlich vom Tisch sind.

Unabhängig davon fällt es mir schwer, mich mit der Koalition der Willigen des Westens zu identifizieren.

 

Weder mit USA, UK, noch mit der ukrainischen Regierung und noch weniger mit der polnischen Regierung. Die Sprengung der beiden Nord-Stream-Pipelines ordne ich klar als einen kriegerischen Akt gegen Deutschland ein

 

Auf einer übergeordneten Ebene kann ich mir wiederum vorstellen, dass uns allen ein abgesprochenes Spiel dargeboten wird. Der in die Länge gezogene Ukraine-Krieg und die darauf begründeten und vom Westen verhängten Wirtschaftssanktionen gegen Russland schaden nicht zuletzt Deutschland enorm auf wirtschaftlich-industrieller Ebene

Franz Bettinger

27. Januar 2023 01:42

@Jürgen und @Gustav sei Dank! Es klingt vielleicht etwas verrückt, aber: Wenn euch Namen wie Oberst Kwatschkow (Quatschkopf) oder Konstantin Malofyev (Malfoy) oder auch der Name "Corona-Virus" an etwas ganz Bestimmtes erinnern (wzB die Gangsterbande um Harry Potter, oder die Simmons, oder die Asterix-Serie), so habt ihr recht. Das alles sind ein paar Zufälle zu viel. Wir sind mMn Teilnehmer eines großen Satanischen Theaters, in dem wir nicht nur Zuschauer sind, sondern am Ende die Opfer, und gefressen werden (sollen); womit ich mit Satan nicht den tradierten Leibhaftigen meine (an den ich nicht glaube), sondern in der Tat teuflische, böse Menschen (stets dieselbe Spezies), die sich der Mär des Teufels seit Jahrtausenden erfolgreich bedienten, um die Dümmeren ihrer Artgenossen unterjocht zu kriegen. Das Spiel ist immer noch das alte. 

Franz Bettinger

27. Januar 2023 05:12

In Iain Davis' Blog-Beitrag (s.o: https://iaindavis.com/multipolar-world-order-part-4/) erscheint mir der 1. Satz bemerkenswert: "There is no evidence to suggest that the war in Ukraine is in any sense fake.“ Der Satz macht klar, in welcher Welt wir leben: einer Welt der Lügen, in der nicht allein ganze Genozide herbei gelogen und andere vertuscht wurden, sondern auch Mondlandungen, False Flags (9/11, global warming) und Staatsterror. In solchem Umfeld ist nicht auszuschließen, dass auch ganze Kriege inszeniert werden; via Hollywood technisch längst kein Problem mehr. Aber: Der Ukraine-Krieg soll echt sein, heißt es bei Iain Davis.

Franz Bettinger

27. Januar 2023 05:21

Am Ende stellt sich mir folgende Frage: Wer hat beim Ukraine-Krieg wem eine Falle gestellt? Der WEF dem Sonderling Putin? Ich denke, es war genau umgekehrt. Putin weiß, dass Russland nur 1 einziges Trumpf besitzt, seine militärische Stärke. Auf diese Karte setzte er, baute sie aus, spielte sie aus. Er lockte den Westen in den Krieg, nicht umgekehrt. Und nun besiegt er den Westen auf ganz konventionelle Weise Panzer für Panzer - und, so seltsam pervers es klingt, ich freu mich drauf. Wieso? Mit diesem alten, US-dominierten Vassallen-Westen ist keine gerade Fuhre mehr zu fahren. 

Noch ein Hesse

27. Januar 2023 10:19

Lieber Franz Bettinger, wieder einmal danke für Ihre Beiträge, mit denen ich meine Morgenlektüre bestärkt beschließe. Wie gerne würde ich mit Ihnen mal bei einer Flasche Wein die Lage besprechen!

Der_Juergen

27. Januar 2023 17:52

@Franz Bettinger

"Die Mär des Teufels..:"

Den Teufel spürt das Völklein nie, und wenn er sie beim Kragen hätte... 

Natürlich ist der Krieg in der Ukraine kein "Fake", das hat ja auch kein Mensch behauptet. Putin hat den Westen aber nicht in den Krieg gelockt, den er bis zum letzten zu vermeiden versuchte; der Krieg wurde ihm aufgezwungen. Die amerikanisch-Britische Strategie ist klar: Russland und Kontinentaleuropa, vor allem natürlich Deutschland, sollen einander schwächen und im Idealfall zerstören, mit Washington, London und deren Hintermännern als lachenden Dritten. Man wusste in den USA und GB, dass die erbärmlichen Satelliten in Berlin, Paris, Warschau in profundem Widerspruch zu den Interessen ihrer Völker auf Konfrontationskurs gegen Russland gehen würden. Dass sich Scholz anfangs etwas gegen die Leopard-Lieferungen an Kiew sträubte, änderte nichts daran, dass er sich schliesslich doch dem Befehl seiner Herren fügte. Dass 14 oder auch ein paar Dutzend Panzer ausreichen werden, um Russlands Sieg zu verhindern, glaubt auch der hinterste Front-Trottel nicht. Es geht einfach darum, Deutschland sowie die anderen Vasallenstaaten in den Konflikt mit Russland hineinzuziehen. 

 

 

Der_Juergen

27. Januar 2023 18:26

Vor zwei Wochen vertrat Michail Chasin, sehr angesehener Ökonom und  Politkommentator jüdischer Herkunft, eine These, zu der sich bisher nur Sonderlinge wie Andrei Tyunyaev öffentlicht bekannt hatten:

Восстановление Хазарии на Украине в стадии кульминации. Михаил Хазин - YouTube

Die ukrainische Führung unter Selenski sowie zuvor unter dessen Stammesgenossen Poroschenko hätten den Krieg mit Russland vor allem darum provoziert, um einen langen, blutigen Konflikt heraufzubeschwören, der mit der weitgehenden Entvölkerung der Ukraine durch Abwanderung der Bevölkerung nach Westen enden solle. Dann solle im Süden ein neues Chasarien entstehen, ein Judenstaat, der das langfristig nicht zu haltende Israel ersetzen solle. 

Natürlich würde - was Chasin nicht erwähnt - dieses Szenarium bedingen, dass Putin mitspielt, denn hätte dieser den Krieg von Anfang an entschlossen geführt, wäre letzterer in zwei bis drei Monaten zu Ende gewesen. Die bisherige Entwicklung hat Chasins geradezu atemberaubenden Erklärungen jedenfalls nicht widerlegt. Dass Putin sich ständig mit Vertretern der Chabbad-Sekte trifft und deren Chef Ber-Lazar zu seinen engsten Vertrauten zählt, ist kein Geheimnis. 

Franz Bettinger

27. Januar 2023 22:25

@Noch ein Hesse: Vielen Dank. Es trennen uns jedoch 20.000 km, über die ich im Moment trotz des verregneten Sommers hier ganz froh bin. Wein und Lagerfeuer müssen also warten, bis das hässliche Bühnenstück der Gangster-Clique, so oder so, zu Ende gegangen sein wird. 2030? 

Franz Bettinger

27. Januar 2023 22:44

@Jürgen schreibt: "Die amerikanisch-britische Strategie ist klar: Russland und Kontinentaleuropa, vor allem aber Deutschland, sollen einander schwächen und im Idealfall zerstören, mit Washington, London & den Hintermännern als lachenden Dritten.“

D zu zerstören war Kriegsgrund und Strategie in WW1 und WW2, d’accord, aber kann das heute noch gelten? D ist doch zum idealen Vasallen der US herunter gezüchtet worden, eine Eier legende Milchsau, die alles produziert (nur kein Hirn mehr), alles mit sich machen lässt & dafür auch noch mit eigenem Geld bezahlt. Wozu einen idealen Sklavenstaat, der sich für eine Demokratie hält, zerstören wollen?

Bei allem, was wir seit 2015 erleben & erleiden, schwingt meinem Empfinden nach was Surreales, Unbegreifliches, vielleicht auch Spirituelles mit. Daher meine wiederholten Anspielungen in diese Richtung. Ein waschechter Teufel würde Vieles erklären. Aber da ich nicht religiös bin … ?

Der_Juergen

28. Januar 2023 00:44

Ich hoffe, die Hausherren erlauben mir, mich auf diesem Strang noch ein letztes Mal zu Wort zu melden.

@Franz Bettinger

Sie wissen, dass ich Sie sehr schätze, aber Ihr Atheismus macht Sie unfähig, gewisse Dinge zu begreifen. Die Dämonen, die heute fast überall auf der Welt Oberwasser haben und die totale Herrschaft anstreben, denken und handeln nicht rein rational. Sie wollen Deutschland, mag dieses auch eine Milchkuh sein, vernichten, weil sie die Spiritualität, die geistige Kraft des deutschen Volkes fürchten. Abgesehen davon gilt den Leuten, welche die Bidens und andere hinrlose Marionetten an ihren Fäden tanzen lassen, Deutschland als Amalek, der nach Jahwes Willen zu zerstören ist.

Aus demselben Grund hassen sie auch Russland. Für den agnostischen oder protestantischen angelsächsichen Liberalen ist Russland bloss ein unerwünschter Konkurrent, dessen Bodenschätze man begeht. Für die Leute hinter den Kulissen ist es aufgrunf seiner historischen Bestimmung - Steiner nannte die Russen das Christus-Volk, und für die Orthodoxen ist Moskau das dritte Rom - eine tödliche Bedrohung. Da ihnen Russen und Deutsche gleichermassen verhasst sind, wollen die Widersachermächte beide Völker auslöschen, und dies erreichen sie am besten dadurch, dass sie sie aufeinanderhetzen.

Laurenz

28. Januar 2023 05:42

@Der_Jürgen

Putin

trifft sich häufig mit Vertretern aller Minderheiten in seinem Vielvölkerstaat. Putin regelt fast immer, soweit es geht, den Interessenausgleich diplomatisch. Wie die Türken, permanent im In- & Ausland gegen Minderheiten Krieg zu führen, blutet ein Land aus. Die Türkei leidet extrem unter Hyperinflation & die Türkische Lira befindet sich quasi im freien Fall. Jetzt stehen in der Türkei Wahlen vor der Tür. Das ist wohl mit ein Grund, warum Putin Erdogan unterstützt, wie auch umgekehrt.

Valjean72

28. Januar 2023 09:37

@Franz Bettinger:

Wozu einen idealen Sklavenstaat, der sich für eine Demokratie hält, zerstören wollen?

Ein Erklärungsansatz hierfür könnte sein, dass die US-Vordenker sehen, dass Deutschland mittelfristig Richtung Russland abdriftet und daher eine Politik der verbrannten Erde gegenüber Deutschland umsetzen. Einerseits wird jetzt schon die US-Wirtschaft auf Kosten Deutschlands saniert und andererseits überlässt man den Russen später nur mehr ein zerrupftes, wirtschaftlich stark abgeschwächtes und von inneren Problemen gebeuteltes Deutschland. Wie gesagt, ein Erklärungsansatz, nicht mehr.

Darüber hinaus ist es gar nicht notwendig selbst religiös sein, um bei der Gegenseite ggf. religiöse (spirituelle, okkulte) Motive ausmachen zu können.

Der_Juergen hat in seinem letzten Beitrag eine interessanten Hinweis gebracht.

Hajo Blaschke

28. Januar 2023 11:39

Teil 2:  

Zu Berel Lazar, dieser Mann ist Vorsitzender der Föderation jüdischer Gemeinden. Er war eine Zeitlang (ab 2005) Mitglied der Gesellschaftlichen Kammer der Russischen Föderation. In dieser Kammer sind 168 Vertreter der verschiedensten gesellschaftlichen und religiösen Gruppe Russlands vertreten, die konsultative Funktionen im Interesse von Bürgern vertreten, die nicht von Parteien zur Diskussion gebracht werden. Jetziger Vertreter der jüdischen Bevölkerungsgruppen ist Aleksandr Boroda. Beide, Berel und Boroda haben sich am 27. Januar 2023 aus Anlass des Jahrestages der Befreiung des KZ Auschwitz mit Putin getroffen. Und das war´s.

Putin trifft sich mit Vertretern von Schiiten, Sunniten, Lamaisten, Buddhisten einfach deshalb, um sich über Belange der russländischen Bevölkerung zu informieren.

Putin als jüdischen Agenten einzuordnen war u.a. auch ein Anliegen von Nawalny. Man glaubt, mit solchen Zuordnungen Putins Reputation in Russland zu untergraben. Im Gegensatz zu Polen, wo man heute noch Losungen wie "Smierc Zydom" an Häuserwänden finden kann, verfängt das in Russland nicht.

Laurenz

28. Januar 2023 12:32

@Valjean72 @Franz Bettinger

Für jeden Staat, der US Amerikaner reinläßt, gilt der berühmte Satz vom Baron Ismay:

keep the Soviet Union (Russia) out, the Americans in, and the Germans down

 

 

Valjean72

28. Januar 2023 18:01

Das Buch ist gestern bei mir eingetroffen. Natürlich habe ich bisher nur kurz hinein lesen können, dennoch will ich die Gelegenheit nutzen und Herrn Dr. Scheil für sein bisheriges Werk in diesem Themenbereich meinen Dank aussprechen.

Eine Parallele zur heutigen Situation würde ich allerdings schon ziehen und zwar dahingehend, dass die polnischen Verantwortlichen auch heute eine den Konflikt befeuernde Funktion ausüben und dabei nicht nur allein auf konfrontativen Kurs gegenüber Russland aus sind, sondern auch gegenüber der Bundesrepublik Deutschland.

Und auch heute verlassen sich die polnischen Entscheidungsträger auf westliche Sicherheitsgarantien. So stellt es sich mir zumindest dar.

Stefan Scheil

29. Januar 2023 22:51

Als Publizist und vor allem als Historiker bin ich nicht "rechts" oder "links", sondern Realist und Wissenschaftler.. Sonst könnte ich gar nicht arbeiten, wie es in der obigen Rezension beschrieben wird. Um einen Lehrstuhl habe ich mich noch nie beworben oder bemüht. Wenn Sie Duncker&Humblot (wo vom Volumen her die meisten meiner Publikationen erschienen sind) nicht für etabliert halten, haben Sie keine Ahnung vom wissenschaftlichen Verlagswesen. Warum im übrigen ein Beitrag hier freigeschaltet wird, der ansonsten indirekt die hauseigenen Antaios-Produkte heruntermacht, wo ich ja auch manches veröffentlicht habe, bleibt erklärungsbedürftig. Scheint ein liberaler Grundzug zu sein, so etwas durchgehen zu lassen.

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