Faktenlage (20/2): Konservative Schattenspiele der Union

Durch das Konzept der „asymmetrischen Mobilisierung“ vermied die CDU in den vergangenen Jahrzehnten sämtliche Kontroversen und Polarisierungen.

Daniel Fiß

Daniel Fiß ist freier Publizist.

Sie konn­te sich somit gegen­über neu­en Wäh­ler­mi­lieus und alter­na­ti­ven Koali­ti­ons­op­tio­nen öff­nen. Schwarz-Grü­ne Bünd­nis­se sind schon lan­ge nicht mehr nur poli­ti­sche Expe­ri­men­tier­fel­der, son­dern in vie­len Bun­des­län­dern bereits die admi­nis­tra­ti­ve Normalität.

2018 konn­te sich jeder vier­te Uni­ons­an­hän­ger vor­stel­len, alter­na­tiv auch die Grü­nen zu wäh­len. Unter Mer­kel ver­stand es die Uni­on, dass unter den Bedin­gun­gen eines Fünf-Par­tei­en­sys­tems und zuneh­mend frag­men­tier­ten Sozi­al­mi­lieus Wah­len für die gro­ßen Volks­par­tei­en nicht mehr über die fes­ten und gebun­de­nen Stamm­wäh­ler­schaf­ten gewon­nen wer­den, son­dern über dyna­mi­sche Wechselwählerschaften.

Heu­te rech­nen Demo­sko­pen bei der Uni­on nur noch mit einer fes­ten Stamm­wäh­ler­schaft von ca. 20%. In den 80er Jah­ren lag die­ser Wert noch bei weit über 30%. Auch in der poli­ti­schen Selbst­ver­or­tung ihrer Wäh­ler­schaft scheint sich das Mit­te-Rechts Lager in der Uni­on zuneh­mend zu marginalisieren.

Zwar sieht sich die Uni­ons-Anhän­ger­schaft immer noch leicht rechts der Mit­te, aber spä­tes­tens mit dem Auf­kom­men der AfD hat sich auch hier ein erhöh­tes Abgren­zungs­be­dürf­nis nach rechts gezeigt, wodurch die CDU mit ihrer Wäh­ler­schaft zusam­men wei­ter in die lin­ke Mit­te gewan­dert ist. 1981 ver­or­te­ten sich noch 38% der West­deut­schen als rechts der Mit­te. Heu­te sind es nur noch knapp 10%.

Für eine Stu­die der Kon­rad Ade­nau­er Stif­tung gaben 68% an, dass sie die CDU nicht mehr wäh­len, weil die Par­tei nicht mehr auf der „Höhe der Zeit“ agiert. Nur 12% hin­ge­gen mein­ten, dass die CDU vor allem ihr christ­lich-kon­ser­va­ti­ves Pro­fil ver­lo­ren habe und sie des­we­gen die Par­tei nicht mehr wähl­ten. Unter den sta­bi­len Uni­ons-Anhän­gern gibt eben­falls nur noch eine Min­der­heit an, dass das Ver­tre­ten von „kon­ser­va­ti­ven Wer­ten“ für sie ein ent­schei­den­des Kri­te­ri­um für die Wahl­un­ter­stüt­zung der CDU sei.

Bei den Sinus-Milieu­ana­ly­sen muß­te die CDU bei den Bun­des­tags­wah­len 2017 vor allem in ihren sozia­len Kern­grup­pen Federn las­sen, die noch am ehes­ten als tra­di­tio­nell-kon­ser­va­tiv beschrie­ben wer­den kön­nen. Sowohl in der bür­ger­li­chen Mit­te als auch dem Kon­ser­va­tiv-Eta­blier­ten Milieu muss­te sie teil­wei­se zwei­stel­li­ge Ver­lus­te hinnehmen.

Der Kampf um die eigent­li­che gesell­schaft­li­che Mit­te der Gesell­schaft wird jedoch schon lan­ge nicht mehr im kon­ser­va­ti­ven Raum, son­dern im Drei­eck der pro­gres­siv- und wohl­stands­ori­en­tier­ten lin­ken Milieus geführt, wo die Uni­on am stärks­ten mit den Grü­nen kon­kur­riert. Nicht umsonst haben auch die Grü­nen ihr Image und ihre Wahl­kampf­füh­rung so weit umge­stellt, dass sie auch für klas­si­sche CDU-Milieus als Alter­na­ti­ve in Fra­ge kämen.

Zuletzt zeig­ten sich bei den Uni­ons­par­tei­en auch immer mehr Ver­wund­bar­kei­ten in Rich­tung der lin­ken Par­tei­en. Anders als auch man­che AfD-Funk­tio­nä­re behaup­ten, ist und waren die Uni­ons­par­tei­en nie eine geschlos­se­ne kon­ser­va­ti­ve For­ma­ti­on, son­dern immer an einer Art „Medi­an-Wäh­ler“ ausgerichtet.

Etwas anders sieht das Bild jedoch im Osten der Repu­blik aus. Seit der Wen­de ver­lor die CDU knapp die Hälf­te ihrer Wäh­ler­schaft. Ledig­lich in Sach­sen-Anhalt behielt sie einen recht robus­ten Stamm­wäh­ler­kern, der grö­ße­ren Schwan­kungs­brei­ten wider­ste­hen konn­te. Zwi­schen 2014 bis 2021 gin­gen 69,2% der Gesamt­ver­lus­te in Rich­tung der AfD.

Ins­be­son­de­re in der CDU-Hoch­burg Sach­sen, wo man in den 90er Jah­ren mit dem Minis­ter­prä­si­den­ten Kurt Bie­den­kopf abso­lu­te Mehr­hei­ten errei­chen konn­te, fürch­tet man nun um den Ver­lust von sämt­li­chen Mehr­heits­op­tio­nen, wenn alle poten­ti­el­len Koali­ti­ons­part­ner der CDU im Zwei­kampf mit der AfD zer­rie­ben wer­den. Im Osten zeigt sich sehr deut­lich, dass die AfD natür­lich auch Ergeb­nis der Brü­che und Schwä­chen in der kon­ser­va­ti­ven Bin­dungs­kraft der CDU ist.

Etwas anders sieht die Lage jedoch in den CDU-West­ver­bän­den aus. In Bay­ern oder Baden-Würt­tem­berg haben die Wäh­ler­wan­de­run­gen der letz­ten Land­tags­wah­len ein­deu­tig in Rich­tung der Grü­nen gewie­sen. Die Wech­sel­be­reit­schaft eines heu­ti­gen Uni­ons­an­hän­gers ist im Bun­des­schnitt 6x wahr­schein­li­cher in Rich­tung einer Mit­te-links Par­tei als in Rich­tung der AfD.

Der AfD-Euro­pa­ab­ge­ord­ne­te Maxi­mi­li­an Krah sprach im letz­ten „Am Ran­de der Gesell­schaft“ Pod­cast in Schnell­ro­da davon, dass die Erfolgs­be­din­gung des euro­päi­schen Rechts­po­pu­lis­mus der Nie­der­gang der euro­päi­schen Christ­de­mo­kra­tie sein wird. Die­se The­se ist zunächst naheliegend.

Nach dem Zer­fall des Ost­blocks fehl­te den Christ­de­mo­kra­ten das anti­kom­mu­nis­ti­sche Feind­bild, die Kir­chen­bin­dung nahm über­all ab und der post­ma­te­ria­lis­ti­sche Wer­te­wan­del bewirk­te eine neue pro­gres­si­ve Offen­heit. Die christ­de­mo­kra­ti­sche Par­tei­en­fa­mi­lie war dadurch ori­en­tie­rungs­los und stra­te­gisch hand­lungs­un­fä­hig.  Im Gegen­satz zu ihren Par­tei­pen­dants in ande­ren euro­päi­schen Län­dern hat die CDU ihre Wäh­ler und Anhän­ger mit auf die Rei­se in den links­li­be­ra­len Main­stream genommen.

Der Auf­stieg der AfD hat ihr zwar ohne Fra­ge Ris­se in das Mau­er­werk zuge­fügt. Den­noch war die Uni­on soweit anpas­sungs­fä­hig an den Zeit­geist, um sich auch in der lin­ken Mit­te wähl­bar zu machen. Dass der Lei­dens­druck der CDU so groß wer­den wür­de, dass sie sich auch AfD-Bünd­nis­sen öff­nen wür­de, kann maxi­mal für Ost­deutsch­land spe­ku­liert wer­den. Im Rest der Repu­blik wür­de sich für sie aktu­ell kein stra­te­gi­scher Vor­teil dar­aus zie­hen lassen.

Zugleich wür­de ich die Mar­gi­na­li­sie­rung der Christ­de­mo­kra­tie nicht zwangs­läu­fig in einen Kau­sal­zu­sam­men­hang mit dem viel­schich­ti­gen Phä­no­men des Rechts­po­pu­lis­mus set­zen. In den 80er Jah­ren war es vor allem die SPD, die über den Auf­stieg der Repu­bli­ka­ner jubel­te, da sie angeb­lich das kon­ser­va­ti­ve Wäh­ler­spek­trum der Uni­on demo­bi­li­sie­ren wür­de. Spä­tes­tens als die Repu­bli­ka­ner jedoch auch über­durch­schnitt­li­che Erfol­ge im Ruhr­pott und eini­gen Ber­li­ner Arbei­ter­sied­lun­gen fei­ern konn­te ver­ging auch der SPD das Lachen.

Ähn­lich ver­hält es sich mit der AfD. Geo­gra­phisch betrach­tet gewinnt die AfD vor allem in den Regio­nen mit frü­he­ren star­ken Indus­trie­sek­to­ren und einer brei­ten Arbei­ter­schaft. Die klas­si­schen CDU-Hoch­bur­gen sind für die Par­tei jedoch noch nicht zu kna­cken, wie sich selbst im Osten an Bei­spie­len wie dem Nor­den Sach­sen-Anhalts oder dem thü­rin­gi­schen Eichsfeld beob­ach­ten lassen.

Man­che Demo­sko­pen ver­mu­ten, dass die hohen Zuströ­me für die AfD aus dem Nicht­wäh­ler­spek­trum auch zu gro­ßen Tei­len aus ver­lo­ren gegan­ge­nen SPD-Anhän­ger­schaf­ten der 2000er Jah­re stam­men könn­ten. Nur etwas mehr als 20% der Nicht­wäh­ler wer­den auch als dau­er­haf­te Wahl­ver­wei­ge­rer ein­ge­stuft. Der Rest hat in der Ver­gan­gen­heit durch­aus an demo­kra­ti­schen Abstim­mungs­pro­zes­sen teil­ge­nom­men. Aller­dings ist die For­schungs­la­ge hier­zu noch zu dünn, als dass man kon­kre­te Rück­schlüs­se auf län­ger zurück­lie­gen­des Wahl­ver­hal­ten der Nicht­wäh­ler tref­fen könnte.

AfD und CDU-Wäh­ler­schaft wei­sen in ver­ein­zel­ten sozio­struk­tu­rel­len Merk­ma­len gewis­se Ähn­lich­kei­ten auf. Das Mobi­li­sie­rungs­po­ten­ti­al für die AfD ist hier zwar begrenzt, aber nicht uner­reich­bar. Für die CDU dient ihre kon­ser­va­ti­ve Sub­stanz im Elek­to­rat jedoch nur noch als Anhäng­sel. Sie braucht ihre kon­ser­va­ti­ven Milieus nur noch als sta­bi­li­sie­ren­de Teil­men­ge einer alten Traditionswählerschaft.

Die tat­säch­li­chen Wachs­tums­op­tio­nen hat die Uni­on jedoch längst in der lin­ken Mit­te iden­ti­fi­ziert, wor­auf sich im Bund und im Wes­ten auch ihre Bünd­nis­stra­te­gie aus­rich­ten wird. CDU und CSU sind Macht­ma­schi­nen, die aus den alten Illu­sio­nen einer sta­bi­len Wohl­stands- und Mit­tel­schichts­ge­sell­schaft her­aus poli­tisch über­le­ben. Ihre Wäh­ler zei­gen sich mit am gesell­schaft­lich zufrie­dens­ten, öko­no­misch sta­bils­ten und sind allein durch die Alters­struk­tur nur bedingt wech­sel­wil­lig in Rich­tung rech­ter Alternativangebote.

Den­noch müs­sen wir fest­hal­ten, dass die CDU es schaff­te über Jahr­zehn­te rech­te Wäh­ler­po­ten­ti­al zuver­läs­sig zu inte­grie­ren, obwohl sie die­sen nie ein ernst­haf­tes Ange­bot bie­ten konn­te. Die hei­mat­lo­sen kon­ser­va­ti­ven Milieus haben selbst­ver­ständ­lich in der AfD eine adäqua­te Wahl­al­ter­na­ti­ve gefun­den und soll­ten dem­entspre­chend auch als Mobi­li­sie­rungs­fak­tor Berück­sich­ti­gung fin­den. Doch zur Wahr­heit gehört dazu, dass Uni­on und AfD lang­fris­tig zwei recht unter­schied­li­che stra­te­gi­sche Wege verfolgen.

Die Uni­on steht an der engen Front­li­nie im Kampf um die links­li­be­ra­le Mit­te, wo sie sich im immer enge­ren Aus­tausch mit SPD und Grü­nen befin­det. Und die AfD hofft auf eine wei­te­re Auf­zer­rung und Absetz­be­we­gung kon­ser­va­ti­ver Milieus, um dar­aus eine eigen­stän­di­ge Samm­lungs­be­we­gung zu for­men, die den poli­ti­schen Raum rechts der Mit­te in Allein­ver­tre­tung bean­spru­chen kann. Die Chan­ce für die AfD liegt in die­ser Mis­si­on aller­dings nicht in der unmit­tel­ba­ren For­mie­rung neu­er rein demo­sko­pi­scher Mehr­heits­ver­hält­nis­se, son­dern in einer meta­po­li­ti­schen Mobil­ma­chung und Akti­vie­rung ihres eige­nen siche­ren poli­ti­schen Gelän­des, dass zunächst nur als Druck­mit­tel fun­gie­ren kann, um dar­aus ein satis­fak­ti­ons­fä­hi­ges Fun­da­ment für den Kul­tur­kampf aufzubauen.

Daniel Fiß

Daniel Fiß ist freier Publizist.

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Kommentare (54)

Laurenz

25. Januar 2023 09:40

Im Rest der Republik würde sich für sie aktuell kein strategischer Vorteil daraus ziehen lassen.

Wenn eine aktuelle CDU-Kanzlerschaft mit einem Kanzler Merz kein strategischer Vorteil ist, will ich das mal so stehen lassen, auch wenn ich Ihre Sicht der Dinge nicht teilen kann.

Heute rechnen Demoskopen bei der Union nur noch mit einer festen Stammwählerschaft von ca. 20%.

Was im Artikel völlig zu kurz kommt, ist die Altersdemographie. Bis vor ein paar Jahren starben in Deutschland pro Jahr um die 900k Menschen, was in 2021, Dank der Impfungen, auf knapp über 1 Mio. gestiegen ist. Wir können davon ausgehen, das sind zu 2/3 - 3/4 Unionswähler & der Rest SPD-Wähler. (Spahn & Lauterbach eliminierten quasi ihre eigenen Alt-Wähler). Das läßt sich einfach nicht mehr kompensieren. Wenn jetzt die geburtenstarken Jahrgänge in die Rente gehen, wird die aktuelle Rentenpolitik nicht mehr durchzuhalten sein. Auch dadurch werden die Altparteien, CDU & SPD Schwierigkeiten mit ihrer alten Anhängerschaft bekommen.

Daniel Fiß

25. Januar 2023 10:06

Die Partei war hoffnungslos überaltert. Schon ab dem Jahr 2000 war klar, dass mit jeder Legislatur mehr CDU-Wähler versterben als an potentiellen Neu- und Erstwählern nachwachsen würden.

Inzwischen ist die Altersstruktur angesichts der demographischen Entwicklung jedoch die Trumpfkarte der Union, die ihr zumindest die strukturellen Mehrheiten über 20% sichert.

Zur Altersdemographie steht einiges in Teil 1

Niekisch

25. Januar 2023 10:47

"Die Chance für die AfD liegt in .... in einer metapolitischen Mobilmachung und Aktivierung ihres eigenen sicheren politischen Geländes, dass zunächst nur als Druckmittel fungieren kann, um daraus ein satisfaktionsfähiges Fundament für den Kulturkampf aufzubauen."

Ja, aber nur begleitet von der Aufgabe überholter Selbstbeschreibungsbegriffe und Handlungsweisen, der Hinwendung zu die Lager überschreitenden Brückenbegriffen bei Priorität für gezielte Vorortaktionen durch juristisch von der Partei getrennte autonome Aktivistengruppen. 

Das Volk verarmt, das Land verkommt, der Weltkrieg droht...

Steht auf und wendet unser aller Not!

Volksdeutscher

25. Januar 2023 11:22

"Inzwischen ist die Altersstruktur angesichts der demographischen Entwicklung jedoch die Trumpfkarte der Union, die ihr zumindest die strukturellen Mehrheiten über 20% sichert."

Aber warum? Ich verstehe nicht, warum Herr Fiß annimmt, jene Altersgruppen seien notgedrungenerweise empfindlich für die Wahlversprechen der CDU und bloß aufgrund ihres Alters schon ihre potenziellen Wähler. Woher diese Unbedingtheit? Woraus leitet Herr Fiß dies ab? Wahlen macht man bekanntlich seit eh und je mit Versprechen. Was prädestiniert denn jene Altersgruppen unumgänglich dazu, CDU zu wählen, d.h. ihren Wahlversprechen Glauben zu schenken? Von welchen Wahlversprechen reden wir denn überhaupt? Prognosen können das eh nicht im voraus entscheiden, wir wissen noch gar nicht, mit welchen Inhalten die CDU bei den Wahlen antritt.

Volksdeutscher

25. Januar 2023 11:34

@Niekisch

"Das Volk verarmt, das Land verkommt, der Weltkrieg droht, steht auf und wendet unser aller Not!" Das reimt sich sogar, der Spruch wäre geeignet, skandiert und auf  Molinos herumgetragen zu werden. Es gab in den guten alten Zeiten auch den schönen Spruch "Hoch die nationale Solidarität!"

Angesichts der geplanten Waffenlieferungen und damit der offenen Beteiligung Deutschlands am Krieg in der Ukraine fällt mir noch der alte Spruch ein: "Wer hat uns wieder einmal verraten: Die Sozialdemokraten!"

Daniel Fiß

25. Januar 2023 11:34

"Wahlversprechen" sind nur ein kleiner Mosaikbaustein in einem multidimensionalen System der Wahlentscheidung. Was sie hier beschreiben ist in der Theorie der sogenannte "Rational-Choice" Ansatz, wonach Wähler ausschließlich sachfragenorientiert und nach eigenen Interessen geleitet wählen würden. Es spielen aber auch soziostrukturelle Milieuzugehörigkeiten, Sozialisierungen oder auch langfristige Parteibindungen eine Rolle. Die CDU muss ihrer Kernklientel kein besonderes politisches Angebot machen. Sie können noch heute in Orte gehen, die seit einigen Jahrzehnten einen überdurchschnittlichen Katholiken-Anteil in der Bevölkerung aufweisen und werden dort mit hoher Wahrscheinlichkeit auch überdurchschnittliche CDU-Stimmenanteile vorfinden. Ähnlich verhielt es sich früher mit der SPD. Wenn sie in den 80er Jahren im Ruhrpott in eine Kneipe gegangen sind, konnten sie sich sicher sein, dass der SPD-Wähleranteil weit über 50% liegen wird.

Bringen wir es einfach auf einen reduktionistischen Begriff: Die CDU wird von älteren Wählern aus "Gewohnheit" gewählt.

Laurenz

25. Januar 2023 12:21

@Volksdeutscher

Als Ergänzung zu DF, in den letzten Jahren hatten wir von Ihm & BK hervorragende Wahlanalysen auf der SiN. Da war leicht abzulesen, im Westen, wie im Osten rekrutierten sich die Unionswähler aus Ü60. Die AfD, zumindest im Osten holte das Gros ihrer Stimmen aus 20-60, bzw. 30-60jährigen Wählern.

Auch aus subjektiver Erfahrung im Hochtaunuskreis, der Hochburg der Liberalen, weil einer der 4 wohlhabendsten Landkreise, sind Grüne & CDU Ü60 besonders stark. Politik ist da ein reines Luxusproblem.

Mitleser2

25. Januar 2023 12:24

@Niekisch: "Das Volk verarmt, das Land verkommt,"

verkommt: richtig

verarmt: habe ich Zweifel mit der Verallgemeinerung. Es ist noch sehr viel Wohlstand da. War in letzter Zeit häufig in Gaststätten, die sind voll und es wird konsumiert (nicht vegan). Südbayern, mag sein, dass es hier untypisch ist.

@Fiß: "Die CDU wird von älteren Wählern aus "Gewohnheit" gewählt."

Sehe da in meinem Umfeld einige Veränderungen. Aber nur bei solchen, die <70 sind.

brueckenbauer

25. Januar 2023 12:26

Die Rechten waren in Deutschland schon immer eine Minderheit, und das Zentrum hieß nicht umsonst Zentrum. Was viele Rechte an die CDU gebunden hat, war (a) die Vision eines Zweiparteiensystems, (b) die durchaus effektive Schutzfunktion - unter Adenauer konnte man als Rechter überleben. Was sich geändert hat: Die CDU hat ihre Schutzfunktion für die Menschen weiter rechts aufgegeben.

Wenn man nun wie Fiß unbedingt "Metapolitik" machen will (was nicht grundsätzlich falsch ist, aber eigentlich nicht die Aufgabe der AfD sein kann), sollte man diese Themen (politische Verfolgung - Rechtsunsicherheit - Bedrohungslage) hervorheben.

Was sich auch geändert hat: Die Ethnodeutschen sind eine Minderheit geworden, und diese Tatsache muss ihnen immer wieder und unerbittlich vor Augen geführt werden. Tendenziell fallen rechte Minderheit und ethnodeutsche Minderheit zusammen. Als ethnisch-politische Minderheit in einer Vielvölker-Bundesrepublik können diese teilidentischen Gruppen gemeinsam überleben.

Heinrich Loewe

25. Januar 2023 13:04

Wenn das alles stimmt, was Herr Fiß hier fakten- und datengesättigt wieder zusammengetragen hat, bleibt es bei zwei Optionen. Erstens ein-igeln und auf die Kartharsis eines Totalzusammenbruchs warten. Oder, Zweitens, Auswandern, vorzugsweise nach Amerika, das zwar auch am Abgrund steht, wo aber nach allem Anschein noch eine kritische, aktive Masse konservativ-freiheitlicher Menschen vorhanden ist.

Die Würde des Menschen ist die Freiheit, hat Prof. Schachtschneider mal nach Kant gesagt. Die kommt noch vor dem Vaterland.

Niekisch

25. Januar 2023 13:05

"Südbayern, mag sein, dass es hier untypisch ist."

@ Mitleser 12:24: Ja, ganz bestimmt. Hier im Ruhrgebiet nimmt es mittlerweile Bronx"qualität" an und wir sehen den Zusatnd Gesamtdeutschlands um einige Jahre vorverlagert. Shisha-Bar an Shisha-Bar, Barber-shop an Barbershop, Schwarzgesicht an Schwarzgesicht, Tafelandrang an Tafelandrang, Raubüberfall an Raubüberfall, Einbruch an Einbruch, Lehrerverzweiflung an Lehrerverzweiflung, Schlagloch an Schlagloch, Mindestlöhner an Mindestlöhner usw. 

Simplicius Teutsch

25. Januar 2023 14:57

Daniel Fiß geht die Wählerverhaltens-Analyse statistisch, soziologisch, sachlich und von daher nachvollziehbar an. Aber er berücksichtigt hinsichtlich der "Faktenlage" viel zu wenig, dass Deutschland inzwischen ein pathologischer Fall ist.

Ich müsste nicht den weit überlegenen und tief bohrenden Thorsten Hinz lesen, um genau das zu erkennen, aber dessen jüngste Analyse in der JF (4/23; „Der verlorene Schatten“) trifft im Ergebnis wieder mal auch meine schlichten Mutmaßungen und schlimmen Befürchtungen.

RMH

25. Januar 2023 15:21

Das mit den alten Leuten ist ernsthaft Paradox. Meine Eltern sind sehr weit über 80 und dafür grundsätzlich erstaunlich fit und klar, versorgen sich auch selber etc. Sie erkennen es, dass sie mit Corona verarscht wurden, sie sehen tagtäglich, dass sie mehr oder weniger so langsam die letzten Deutschen in ihrem Straßenzug und ihrem Viertel sind, sie merken genau, wie die CSU heute so, morgen so, redet und dennoch werden sie nie mehr etwas anders als die CSU wählen. Das gleiche mit der Kirche. Dort findet der Gottesdienst schon seit über 40 Jahren nicht mehr in der Form und mit den Inhalten statt, die sie befürworten. Aber Austritt ... Niemals. Und so wird die Treue der alten Menschen zu ihren überkommenen Bindungen nach Strich und Faden ausgenutzt.

Simplicius Teutsch

25. Januar 2023 15:25

Teil 2:

Wie kann es sein, dass in Hinsicht auf das richtungsweisende Gruppen-Verhalten beispielsweise bei der Fußball-WM in Katar nur eine kleine Minderheit von zwei Spielern die „Hand-vor-den-Mund-Geste“ vor aller Welt demonstrieren wollte, - und doch haben diese beiden (Torwart Manuel Neuer und Feldspieler Leon Goretzka) sich durchgesetzt und das gesamte Bild/Foto der „Mannschaft“ bestimmt und die kollektive politisch-moralische Richtung vorgegeben!

Thorsten Hinz: „Es war eine Geste ohne Geist, Stolz und Stil, erfüllt von hypermoralisch drapierter Servilität. Die Welt lachte denn auch herzlich über elf armselige Verlierer.“ – Im Detail etwas abweichend von Th. Hinz stelle ich mir vor, dass doch einige draußen in der Welt eher mitleidig gelacht und die Hand vor die Augen gehalten haben.

Thorsten Hinz‘ Fazit bzw. sein Vorwurf an unsere „führenden Repräsentanten“: „Es [Deutschland] reagiert pathologisch, und das Pathologische wird zur unbezwingbaren Kraft im Land.“

 

Mitleser2

25. Januar 2023 15:28

@Niekisch:

"Südbayern, mag sein, dass es hier untypisch ist."  @ Mitleser 12:24: Ja, ganz bestimmt.

Wahrscheinlich einer der Gründe, warum es hier zweistellig nur CSU und Grüne gibt, und die SPD bei 9% ist. Wie auch die Freien Wähler und die AfD. Freie Wähler + CSU bei 50%.

Ein gebuertiger Hesse

25. Januar 2023 15:44

@ Niekisch

"Das Volk verarmt, das Land verkommt, der Weltkrieg droht. Steht auf und wendet unser aller Not!"

Danke für diese knochenharte Ansage, werter Landsmann. In der Tat: Darunter sollte man es nicht machen, gar wenn es um opportunistische Altparteien geht, die uns seit Generationen ohnehin bloß vom Rechten Weg abzubringen getrachtet haben.

Auf der hiesigen Netzseite könnte sich eine Voreinstellung lohnen, die es verhindert, daß die drei Buchstaben CDU in Texten ausgeschrieben sichtbar werden, sondern bei jeder Neueingabe automatisch in ein C.. oder ein C[Sterbekreuz, Sterbekreuz] umgewandelt werden.

Silent Reader

25. Januar 2023 16:29

Wenigstens würden die Boomer die "Urbane" nicht wählen, was man über jüngere Generationen nicht so sicher behaupten kann
https://t.me/martinsellnerIB/15961

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Urbane._Eine_HipHop_Partei

Laurenz

25. Januar 2023 16:31

@Ein gebürtiger Hesse @ Niekisch

"Das Volk verarmt, das Land verkommt, der Weltkrieg droht. Steht auf und wendet unser aller Not!"

Als ingeplackter Hesse sage ich Ihnen:

Mit wendet unser aller Not kann ich nichts anfangen. Das Deutsche Volk hat sein Schicksal in Form der Union und aller anderen Alt-Parteien selbst gewählt.

Das Volk verarmt, das Land verkommt, der Weltkrieg droht.

Das muß nun mal so sein. Wer nicht hören will, muß fühlen. Eine heutzutage nicht mehr anerkannte Erziehungsweisheit, aber trotzdem wahr & wirksam.

Auch wenn es schmerzt, so kann ich kein Mitgefühl empfinden. Es wäre nicht angebracht, schon gar nicht angemessen, uns und unseren Landsleuten das Jammertal vor uns ersparen zu wollen. Nur das Leid, nur der Schmerz bringt eine Veränderung des Zeitgeistes. Und für diese Veränderung ist die Schmerzgrenze noch lange nicht erreicht, wie die Meinungsumfragen beweisen.

Niekisch

25. Januar 2023 16:31

"Die Würde des Menschen ist die Freiheit, hat Prof. Schachtschneider mal nach Kant gesagt. Die kommt noch vor dem Vaterland."

@ Heinrich Loewe 13:04: "nach Kant"? Da muß er Kant wohl falsch zitiert  oder verstanden haben. Wenn Würde völlig identisch ist mit Freiheit, dann bliebe ja kein anderes Kriterium für Würde übrig außer Freiheit. Ehrgefühl oder ehrenhaftes Verhalten beispielsweise könnte dann nicht in Würde eingeschlossen sein. Wenn Würde wertig noch vor das Vaterland gesetzt wird, wie kann ich mich dann seiner würdig erweisen? Wenn Würde=Freiheit ist, wie kann ich mich ihrer dann würdig erweisen? 

Ich sehe lieber: 

Das Vaterland kann Dir, wenn es frei ist, die Freiheit geben, sich seiner würdig zu erweisen. 

 

Niekisch

25. Januar 2023 17:48

"kann ich kein Mitgefühl empfinden"

@ Laurenz 16:31: Erstaunlich...eine Art politischer Darwinismus. Adaption durch Schmerz...

Ein gebuertiger Hesse

25. Januar 2023 18:23

@ Laurenz

"Auch wenn es schmerzt, so kann ich kein Mitgefühl empfinden. Es wäre nicht angebracht, schon gar nicht angemessen, uns und unseren Landsleuten das Jammertal vor uns ersparen zu wollen."

Das ist einerseits verständlich, andererseits grundlegend falsch. Klugheit in der Sache, die auf Defätismus hinausläuft, ist, jedenfalls wenn es um das schiere Weiterleben unseres höchst eigenen Volkskörpers geht, schädlich. Klar, wir sind keine milden Jesusse, die jeden Dreck, den unsere Nächsten täglich fabrizieren oder blind-blöde unterstützen, in was Positives wenden können. Und doch sind diese Nächsten eben das, was uns bleibt und WAS WIR WOLLEN. Und zwar im Sinne von Muhammed Ali, der dieses menschliche Urbedürfnis vielleicht am geradlinigsten (in einer TV-Sendung) je angesprochen hat. Also, was wolle mer und was wolle mer net? Seien wir auf diese Frage hin ehrlich mit uns selber, zumindest das.

Adler und Drache

25. Januar 2023 20:03

@Niekisch

Wenn Würde völlig identisch ist mit Freiheit, dann bliebe ja kein anderes Kriterium für Würde übrig außer Freiheit. Ehrgefühl oder ehrenhaftes Verhalten beispielsweise könnte dann nicht in Würde eingeschlossen sein.

Für ehrenhaftes Verhalten müssen Sie sich selbst entscheiden, und für diese Entscheidung ist Freiheit die Voraussetzung. Ohne Freiheit keine Würde, sondern nur Reaktion. Nun hat diese Freiheit zwar jeder Mensch an sich, aber nicht jeder ergreift sie.    

Adler und Drache

25. Januar 2023 20:07

@Laurenz

Auch wenn es schmerzt, so kann ich kein Mitgefühl empfinden. Es wäre nicht angebracht, schon gar nicht angemessen, uns und unseren Landsleuten das Jammertal vor uns ersparen zu wollen. Nur das Leid, nur der Schmerz bringt eine Veränderung des Zeitgeistes. Und für diese Veränderung ist die Schmerzgrenze noch lange nicht erreicht, wie die Meinungsumfragen beweisen.Auch wenn es schmerzt, so kann ich kein Mitgefühl empfinden. Es wäre nicht angebracht, schon gar nicht angemessen, uns und unseren Landsleuten das Jammertal vor uns ersparen zu wollen. Nur das Leid, nur der Schmerz bringt eine Veränderung des Zeitgeistes. Und für diese Veränderung ist die Schmerzgrenze noch lange nicht erreicht, wie die Meinungsumfragen beweisen.

Ich empfinde auch kein Mitgefühl. Schmerz, Ärger, Trauer, aber Mitgefühl eher nicht. Auch den Rest sehe ich mittlerweile so wie Sie.  

Ellen Kositza

25. Januar 2023 21:12

@Adler und Drache:

Kein Mitgefühl? Bei entsprechend temperamentmäßiger Veranlagung ist es heute nicht schwer, sich des Mitgefühls zu entledigen. Impulsiv bin ich natürlich auch erstmal bei Laurenz. (Und bei Ihnen.)

Aber als Christ? Muß ich nicht geradezu drum kämpfen, mein Mitgefühl zu erhalten oder zu erwecken?

Ich lese grad eine hinreißende Biographie der hl. Therese von Lisieux. Die Karmeliterinnen als "krassester" Orden opferten ja ihr Leben dafür auf, um die Sünden der Welt zu sühnen. Seit 900 Jahren, zigzehntausende! Eine Existenz für die Verlorenen!  Ja, das ist sicher weltfremd.

Man mag dran zweifeln, ob das Beten um Bekehrung helfen kann (obgleich es unglaubliche Bspe. sonder Zahl gibt). Aber fest steht doch auch: Nicht mitfühlen, nicht beten hat auch nie geholfen.

 

Waldgaenger aus Schwaben

25. Januar 2023 21:38

Die einzige nach dem Merkel-Jahren verbliebene Kompetenz der CDU/CSU ist: "Wir können Kanzler" (In der infantilen Sprache der heutigen Politik). Bedeutet: Die CDU/CSU kann ihre Funktionäre und Abgeordneten auch in schwierigen Zeiten auf Kurs halten, während SPD / Grüne sich in Krisen aufgrund interner Streitereien als regierungsunfähig erweisen. Kapitän und Steuermann würden auf sturmgepeitschter See um den richtigen Kurs streiten. So das Narrativ (auch so ein schreckliches Modewort) der CDU/CSU.

Wenn Scholz 2025 wieder Kanzler wird, verliert die CDU/CSU diese letzte Kompetenz. Auf die Frage: "Wofür steht Ihr?" haben sie dann keine Anwort mehr.

Sie werden alles tun, dass zu vermeiden

Entscheidend wird die Personalfrage sein: Söder oder Merz. Ersterer ist von Ehrgeiz zerfressen und wird jede Position einnehmen oder aufgeben, um ans Ziel zu gelangen. Nicht dass ich für diesen Opportunisten die geringste Sympathie hätte. Aber um Kanzler zu werden, würde er sogar eine AFD-geduldete Minderheitsregierung anführen, wenn die CDU da mitmachte.

RMH

25. Januar 2023 22:08

Das Argumentieren mit "kein Mitgefühl" ist Kindergarten und Ausdruck von Trotz. Nach dem Motto: Wenn ich schon nicht Recht bekomme, dann soll doch deine Burg im Sandkasten kaputt gehen etc. (eigentlich zeigt man damit, dass es einem gerade nicht egal ist, was auch Bestandteil von Mitgefühl ist).

Die Einstellung, vermeintlich drüber zu stehen, ist legitim - und auch eine Ausdrucksform der Freiheit -  aber dann sollte man konsequenterweise, wenn man wirklich kein "Mitgefühl" zeigen will, jede politische Debatte einstellen und aus der eigenen Erkenntnis seine Konsequenzen ziehen, aber nicht Oberlehrerhaft denn anderen noch Tipps, Hinweise oder Schadenfreude auf die Nase binden. Debatten sind doch dann ohnehin sinn- und nutzlos.

Im Grunde wollen wir doch alle etwas ähnliches und haben eine gewisse Schnittmenge - und die heißt immer noch Deutschland. Wenn die Unionsbunzeln das Land im Verbund mit dem linken Rest weiter runter wirtschaften, trifft das uns ganz konkret bzw. wird der Ast, auf dem wir sitzen, wird eben mit abgesägt. Die wenigsten werden wirklich so autonom sein, dass sie alles wegestecken können. Wir hängen mit drin.

Auswandern oder versuchen, hier dagegen zu halten. Unter dem Radarschirm durchfliegen und hoffen, dass man die paar Jahre, die man noch hat, in Ruhe leben kann, wird immer unwahrscheinlicher.

 

Adler und Drache

25. Januar 2023 22:11

@Ellen Kositza

Berechtigter Einwand. Ich denke, Sie wissen, dass ich von meiner temperamentmäßigen Veranlagung her gerade gegenteilig drauf bin. Aber wem hätte das je geholfen? 

Ich sehe es als Aufgabe an, meine Leidenschaften zu zügeln und unter die Füße zu kriegen. Auch das Mitgefühl, es reißt mich doch bloß ins Meer des Weltschmerzes hinein und macht mich urteils- und handlungsunfähig. 

Silvester traf ich einen alten Freund wieder, den ich ca. 5 Jahre nicht mehr gesehen habe. Er erzählte mir, dass seine 20-jährige Tochter seit einem halben Jahr unter dem Stiff-person-Syndrom leidet. Da fand ich Mitgefühl berechtigt und habe es mir erlaubt. (Der Verdacht "Nebenwirkung" drängt sich auf, siehe Celine Dion, aber ich habe nicht danach gefragt - das spielt nun fürs unmittelbare Mitgefühl keine Rolle.) Ansonsten versuche ich eher, mein Herz hart zu machen. 

Ich bete auch kaum noch, mir bleiben die Worte regelmäßig im Hals stecken. 

Volksdeutscher

26. Januar 2023 00:17

@Laurenz und @Adler und Drache

Ich möchte Frau Kositzas Gedanken weiterdenkend behaupten: Mit dem Verwerfen des Mitgefühls mit dem deutschen Volk hat man sich von ihm endgültig losgesagt. Wenn dem Bewußtsein der Verlust einer Hand, eines Beines weder leibliche noch seelische Schmerzen verursacht, dann hat sich das Bewußtsein so weit vom Körper entfremdet, daß es sich mit ihm nicht mehr identisch fühlt und deshalb folgerichtig keinen Verlust empfindet.

Wenn meine Interpretation auf  Sie beide zutrifft, stellt sich die Frage: Was macht Sie beide (noch) zu Konservativen? Wofür und wozu kämpfen Sie dann noch in Wort und Tat? Oder wären Ihre Behauptungen einfach nicht in aller Konsequenz zu Ende gedachte, inhaltlich leere Rethorik?

heinrichbrueck

26. Januar 2023 00:28

So viele Augen sind starr auf den teuflischen Aberglauben gerichtet, Kreuze auf Papiere zu malen und zu glauben, man könne damit etwas beeinflussen. Etwas, über das unsere Ahnen aus Jahrzehntausenden fassungslos den Kopf geschüttelt hätten, und über das unsere Nachkommen hoffentlich verständnislos lachen werden – falls wir als Volk diesen Aberglauben überleben, was leider nicht sicher ist.
Da wär’s doch einmal sinnvoll, sich selber zu fragen: "Was möchte ich damit bezwecken, dem Rest der Menschheit mitzuteilen, daß ich kein Mitleid mit Menschen aus meinem eigenen Volk habe, wenn sie Opfer im Rahmen eines Genozids werden?"
Durch Angst werden Menschen gefügig gemacht und wer sich wünscht, die Deutschen sollten leiden, wünscht sich kein starkes deutsches Volk, egal, wie er sich das selbst zurechtlegt.

Adler und Drache

26. Januar 2023 10:05

@Volksdeutscher

Was macht Sie beide (noch) zu Konservativen?

Darüber denke ich nicht nach. Ob ich (noch) Konservativer bin, ist mir sehr gleichgültig.

Wofür und wozu kämpfen Sie dann noch in Wort und Tat?

Ich kam ein paar Male in Situationen, die man als "Kampf in Wort und Tat" bezeichnen könnte. Sie lassen sich an einer Hand abzählen. Echauffieren, provozieren, räsonieren will ich nicht dazu zählen. 

Wofür und wozu ich getan habe, was ich getan habe? Ich würde sehr schlicht antworten: um der Wahrheit willen ... aus dem für mich sehr natürlichen Affekt, das Falsche als falsch und nicht als richtig zu benennen.  

brueckenbauer

26. Januar 2023 10:25

@heinrichbrueck

"Was möchte ich damit bezwecken, dem Rest der Menschheit mitzuteilen, daß ich kein Mitleid mit Menschen aus meinem eigenen Volk habe, wenn sie Opfer im Rahmen eines Genozids werden?"

Es gibt hier weder einen Genozid noch einen Ethnozid. Die Leute werden ja nicht gezwungen, aus der deutschen Volksgruppe auszutreten. Sie treten aus, weil sie (a) glauben, keine Volksgruppe zu brauchen oder (b) sich einer fingierten anderen Gruppe (bundesrepublikanisches Staatsvolk) anschließen zu können. Deshalb ist auch der bei Antaios proklamierte "Volkstod" eine hysterische Übertreibung (oder solln wir sagen: eine Art pädagogische Fiktion?). Was uns bevorsteht. ist einfach die Mühsal der Existenz als überschaubar kleine ethnische Minderheit, die nicht mehr auf den bequemen Mantel eines Staats zurückgreifen kann, sondern sich selbst organsieren muss, das allerdings von Grund auf.

Niekisch

26. Januar 2023 10:43

"Für ehrenhaftes Verhalten müssen Sie sich selbst entscheiden, und für diese Entscheidung ist Freiheit die Voraussetzung. Ohne Freiheit keine Würde, sondern nur Reaktion. Nun hat diese Freiheit zwar jeder Mensch an sich, aber nicht jeder ergreift sie."

@ Adler und Drache 25.1. 10:03: Ergreifen ohne Wirkung nach außen in einem meinungsdiktatorischen System führt doch zu ethisch-moralischer Kastration, wahrscheinlich sogar zu, wie Irsigler es ausdrückt, Spaltungsirresein beim Einzelnen. 

Beispiel: Lt. Leithammelmedien hat gerade hat "ein 33-Jähriger" (= staatenloser Palästinenser) 2 Menschen erstochen und 5 verletzt, im anderen Fall "ein Deutscher" (Türke mit deutschem Personalpapier)  seine türkische Frau mit einem Messer getötet. 

Wie kann ich da noch von der eigenen Freiheit Gebrauch machen und der Würde des deutschen Volkes Ausdruck geben?

Wir haben die Meinungsgarotte um den Hals! 

Ellen Kositza

26. Januar 2023 11:10

@Adler und Drache

Sollte man sich nicht immer und "ein weiches Herz und einen harten Verstand" bemühen? - so geht man man nicht unter im Meer des Weltschmerzes.

Daß sie kein individuelles/jeweiliges Mitgefühl verspürten, hab ich auch gar nicht angenommen.

Und was das Beten angeht: vielleicht neigen Sie als Protestant eher zum "freien Gebet", besser Sie greifen auf altbewährte zurück.

Mit Reinhold Schneider:

Allein den Betern kann es noch gelingen,
Das Schwert ob unsren Häuptern aufzuhalten
Und diese Welt den richtenden Gewalten
Durch ein geheiligt Leben abzuringen.

 

Niekisch

26. Januar 2023 11:34

"Das Schwert ob unsren Häuptern aufzuhalten"

@ EK 11:10: 

Wenn des Schwertes Klinge

die Nackenwirbel trifft,

dann hilft zur Abwehr

weder Gebet noch Gegengift...

Verehrte gnädige Frau, es mag aber ein Gebet im letzten Moment ebenso wie "autogenes Training" hilfreich zum Erhalten der Würde sein...

Adler und Drache

26. Januar 2023 11:41

@Ellen Kositza

Ein anderer Freund, Künstler, hat sich seinem Naturell entsprechend bisher auch mehr durchs Leben ringen müssen als auf Wellen zu surfen, teilte mir vor ein paar Tagen seine bevorstehende Hochzeit mit - natürlich freue ich mich für ihn und mit ihm. 

Der individuelle Umkreis ist die Adresse meines Mitgefühls, also: der Nächste. Für die Welt spare ich es lieber aus und versuche, den Verstand walten zu lassen. 

Genua, das sank, das schwand -

Herz, bleib kalt! Hand, halt das Steuer!

Was Sie über die Karmeliterinnen schrieben: "Die Sünden der Welt sühnen" - empfinden Sie das nicht als unerhörte Anmaßung?

Ich lese gerade Stirners "Der Einzige und sein Eigentum" ...

 

FraAimerich

26. Januar 2023 12:49

@Adler und Drache:

"Die Sünden der Welt sühnen" zu wollen - könnte tatsächlich als unerhörte Anmaßung empfunden werden. Zumal, wenn dergleichen mit vermeintlicher Erlösungsabsicht zelebriert wird oder oder der Selbstvergottung dienen soll.

Man kann es aber auch ganz schlicht als Bekenntnis zur Conditio humana auffassen.

Ich lese gerade Schiller: "Die Weltgeschichte ist das Weltgericht..."

Maiordomus

26. Januar 2023 13:20

@Kositza. Beeindruckend, wie Sie hier vom protestantischen Beten schreiben und zumal, dass Sie Reinhold Schneiders meistzitiertes Sonett (/1936) mit einer ganzen Strophe präsentieren. Dabei hat der Verfasser 20 Jahre danach, im Kalten Krieg, vermerkt, dass dieses Beten leider nicht gefruchtet habe, auch nicht bei der "ungarischen Tragödie" (1956), jedoch in seinem Spätwerk "Winter in Wien" an das "Beten über den Glauben hinaus" appellierte. Betr. protestantisches freies Beten bleibt zu erinnern, dass viele Reformatoren im Sinne der Bibel dies oft abgelehnt haben, allein das Herrengebet des Paternoster für gemeindefähig hielten. Freies Beten gehört in die mystische Tradition, siehe Seuse und Klaus von Flüe, entfaltete sich dann aber musikalisch im lutherischen Kirchenlied, wohingegen Zwingli in Zürich ausser der Orgel das Kirchenlied abschaffte, wiewohl er einige Lieder selber textete und komponierte, nur für den Hausgebrauch. Eindrücklich indes, wie der genialste Protestant, Johannes Kepler, seine Untersuchung zur Formulierung des dritten seiner Planetenbewegungsgesetze mit einem selbstgetexteten Gebet des Dankes an den Schöpfer abschloss. Habe soeben 9 Bände seiner lateinischen Werke, u.a. v. Schelling veranlasst, in Indien via Antiquariat nachdrucken lassen, so Protokolle des Hexenprozesses gegen seine Mutter.

Ellen Kositza

26. Januar 2023 14:47

@Adler u Drache, @FraA.: Auf den Gedanken, daß es anmaßend sein könnte, die Sünde der Welt sühnen zu wollen, wäre ich nie gekommen. Wer so tief gläubig ist, daß er in den Karmel geht, also für "die Welt gestorben" ist, hat doch per se ein so demütiges Herz, daß von "Selbstvergottung" keine Rede sein kann! Ein "vollkommenes Opfer" zu bringen, wer maßt sich das schon an, der innerhalb der Kirche steht. 

Ich bin theologisch allenfalls halbgebildet, aber in der kath. Tradition, wie ich sie kenne, ist oft (Alltag, nicht Karmel!) die Rede davon, diese und jene Beschwerde u. Last "aufzuopfern", d.h., sie willig hinzunehmen, um anderes Unheil zu sühnen. So eine "Sühneleistung" wär nur dann anmaßend, wenn man sie plakatieren würde. ("Aktion Sühnezeichen").

Volksdeutscher

26. Januar 2023 15:21

Die Annahme, daß jenes Beten bei der ungarischen Tragödie (1956) nicht gefruchtet habe, muß man nicht teilen. Wenn man in Betracht zieht, daß 1989 die kommunistische Herrschaft (auch) in Ungarn verschwand, kann man sehr wohl behaupten, daß dies eine spätere Folge jenes Betens war. Warum nicht? Wer kann das Gegenteil beweisen? Wo steht es, daß das Beten seine Wirkung sofort entfalten müsse und nur durch Entfaltung einer sofortigen Wirkung seine Berechtigung habe?

Ich weiß, daß ich mich mit diesem Kommentar vom Beitrag des Herrn Fiß´entfernt habe, denke trotzdem, daß dies gesagt werden mußte, um dem verderblichen Geist des (protestantischen) utilitarismus- und effizienzsorientierten Denkens entgegenzutreten.

Max Stirner ist solange großartig, solange man ihn nicht allzu ernst nimmt. Albert Camus hatte ihn in seinem Buch Der Mensch in der Revolte treffend charakterisiert, als er schrieb, Stirner habe sich in einer Sackgasse verlaufen und laufe gegen die Wand. Ihm dahin zu folgen ist so eine Sache.

Kositza: Danke!, erlaube ich mir rasch drunterzukommentieren. Sie haben mir die Worte quasi aus dem Mund genommen. "Wir haben hier keine bleibende Stadt..." etc. Und das bedeutet nicht, das man defätistisch die Hände in den Schoß legen sollte. Und stimmt: Wir sind natürlich weitab von Fißens Beitrag.

Adler und Drache

26. Januar 2023 17:26

@Volksdeutscher: Bin mir nicht sicher, ob er alles so bierernst meint wie Hegel.  

@Ellen Kositza: Der Unterschied zwischen "hinnehmen" und "annehmen" ist etwas, das ich fast täglich bedenke. Dazu, hart wie sonstwas, auch Luther:

Nehmen sie den Leib,

Gut, Ehr, Kind und Weib:

lass fahren dahin,

sie haben's kein Gewinn,

das Reich muss uns doch bleiben!

Das hat man früher so gedankenlos abgesungen ... 

Ein gebuertiger Hesse

26. Januar 2023 17:41

Gott sei mit dem, der ihn im Gebet nicht PERSÖNLICH (und dann in freier Rede) anspricht, sondern es beim Bedienen der rituellen Schablonen beläßt. 

FraAimerich

26. Januar 2023 20:54

@EK: "Auf den Gedanken, daß es anmaßend sein könnte, die Sünde der Welt sühnen zu wollen, wäre ich nie gekommen."

Erstaunlich. Schon der Welt "Sündhaftigkeit" zu unterstellen, wohnt doch eine gewisse Anmaßung inne? Sie wird durch den Gedanken, diese "sühnen" zu sollen und zu können, noch erhöht.

Und ausgerechnet die Abwendung von der Welt, der Rückzug in die schützenden Gemächer der "innere Festung" soll als Mittel der Sühne dienen - und nur aus Demut erfolgen?

Wenn ich mich recht erinnere, hatte gerade Teresa von Avila ursprünglich andere, naheliegendere Gründe, der Welt zu entsagen bzw. ins Kloster zu fliehen - und in der Folge dann natürlich Schuldgefühle. An diesen setzt Religiöses ja in der Regel an. Will hier nicht sozial-psychologisch ins Detail gehen, aber es macht doch einen Unterschied, ob man sich selbst oder "Frau Welt" entsühnen möchte.

Und ganz nebensächlich/wesensfremd sind "Selbstvergottungsvisionen" bei den "Bräuten Christi" nun auch nicht, wenn man sich auch stets um mystische Deutung bemüht. Ich wollte es erwähnt haben - keineswegs spöttisch oder herablassend. Aber es gibt doch meist, natürlich nicht nur bei Mystikerinnen des Mittelalters, immer noch eine Motivationsebene unterhalb jener, die zur Legitimation oder Erklärung des eigenen Handelns und Denkens herangezogen wird.

Kositza: Pfff... wenn es bereits anmaßend sei, der Welt Sündhaftigkeit zu unterstellen, reden wir von Anfang an aneinander vorbei, pardon! Und wo es darum geht, alles Heilige bzw. Heiligmäßige psychologisch zu erklären, erst recht!

Ein gebuertiger Hesse

26. Januar 2023 22:52

@ FraAimerich und Ellen Kositza

Prächtig intensiver Dialog zwischen Ihnen beiden! Gibt es so nur hier. Schon daher, Leute: verloren sind wir noch lange nicht.

FraAimerich

26. Januar 2023 23:12

@EK

Mitnichten ging es mir um eine Abwertung der Karmelitinnen oder gar darum, das Heilige an sich "wegzupsychologisieren". Daß aber gerade in dem von Ihnen gewählten Sühne-Beispiel keineswegs nur "Heiliges", sondern natürlich auch "Psychologisches" und mitunter sogar "Allzumenschliches" wirkt, läßt sich nicht einfach wegPfffen.

Dieter Rose

27. Januar 2023 09:00

 @FraAimerich

Ich finde das nun nicht überhaupt nicht weggePffft!!!

Kositza: War übrigens von mir auch nicht so gemeint. "Pfff..." heißt bei mir "oha, muß ich also nachdenken."

Blue Angel

27. Januar 2023 19:35

Danke, Herr Fiß, für die interessante Analyse.

Dank an Volksdeutscher dafür: "Mit dem Verwerfen des Mitgefühls mit dem deutschen Volk hat man sich von ihm endgültig losgesagt."

Und an Frau Kositza für diesen Satz: "Sollte man sich nicht immer und "ein weiches Herz und einen harten Verstand" bemühen? - so geht man man nicht unter im Meer des Weltschmerzes."

Monika

27. Januar 2023 20:22

Manchmal muss man über den Tellerrand schauen.

Ich finde es mehr als bemerkenswert, dass in dieser Zeit der Song einer türkischstämmigen Rapperin mit Namen TICE ( Hatice) TRÜMMERFRAU mehr Kraft und Zuversicht ausstrahlt als ein konventionelles Gebet. Auf der Suche nach Identität und Heimat und Gott und Nation stößt man auf sowas . Meine Verlinkung klappt leider nicht. Aber auf YouTube zu finden. TRÜMMERFRAU von Tice. Na ja, vielleicht liege ich auch daneben. Man wird sich seiner Gefühle unsicher in diesen Zeiten. 

 

MarkusMagnus

27. Januar 2023 20:34

Die CDU ist eine Täuscher-Partei.

Viele denken sie wäre irgendwie mitte-rechts, patriotisch oder christlich. Sie ist nichts davon.

Sie ist die größte antideutsche Partei, nur nicht so offen wie die Grünen. Siehe Merz und sein Verhalten während der Hohmann-Affäre. Beim Maaßen wird es nicht anders werden.

 

 

Stechlin

27. Januar 2023 23:10

Ein Wort zu den "nicht zu knackenden" CDU-Hochburgen. Entgegen dem (west)deutschlandweiten Trend schnitt die AfD 2021 etwa im Hochsauerland, Emsland/Cloppenburg oder Dithmarschen stabil oder besser als 2017 ab, allesamt Gegenden mit starker CDU und (anders als z.B. am Niederrhein) schwachen Grünen. Für viele Gewinnergebiete im Osten gilt entsprechendes.

Vielleicht gibt es in diesen ländlichen, nichtgrünen Noch-CDU-Hochburgen jenseits der reinen Gewohnheitswahl doch eine konservative Grundpolitisierung, die einfach später durchschlägt als in Pforzheim, Fulda oder Bautzen. Sie würde einen Beitrag leisten zu einer im Westen so wichtigen treuen AfD-Stammwählerschaft, und langfristig zur Demütigung der CDU. Schnelle Prozentrallys sind damit nicht zu machen. Allerdings gilt für die bloße Wette auf (wohl eher schwach politisierte) SPD-affine Arbeiterstädte à la Ruhrgebiet leicht einmal "wie gewonnen, so zerronnen".

Laurenz

28. Januar 2023 05:27

@Blue Angel @Volksdeutscher

"Mit dem Verwerfen des Mitgefühls mit dem deutschen Volk hat man sich von ihm endgültig losgesagt."

Nein, man tut dem Deutschen Volk, diesem Jammerlappen, einen großen Gefallen, wenn man ihm kein Mitgefühl entgegenbringt. Bei der Erziehung hilft es nicht, dauernd nachzugeben & keine Grenzen zu setzen. Die Grenzen setzt im Prinzip das Leben selbst. Sie, wie einem verzogenen Kind, abzufedern, hat über 70 Jahre nichts gebracht.

Was den Rechten vom Linken unterscheidet, ist das sich bescheidende Herzblut dem eigenen gegenüber. Der Linke macht es nicht unter Weltrevolution. Wer sich aber in der Politik von Gefühlen leiten läßt, hat schon verloren, siehe hier  https://antaios.de/gesamtverzeichnis-antaios/reihe-kaplaken/1300/warum-konservative-immer-verlieren

Ein gebuertiger Hesse

28. Januar 2023 11:13

@ Monika

Vielen Dank für den Hinweis auf diesen großartig intensiven Song. Geht geradewegs rein in Herz und Gemüt. Mit der Rapperin sollte die Sezession ein Interview versuchen.

 

Blue Angel

29. Januar 2023 11:34

Natürlich setzt das Leben selbst Grenzen, Laurenz. Das hat aber nichts damit zu tun, Mitgefühl zu empfinden oder nicht: Auch als Elternteil, der aus erzieherischen Gründen dem Nachwuchs Grenzen setzen muß, empfindet man doch Mitgefühl mit dem dadurch (relativ) leidenden Kind. 

 

Das Leiden großer Teile dieses Volkes ist unvergleichlich existenzieller und größer, denn es bedeutet keine vorübergehende Einschränkung sondern den Verlust alles Relevanten und Eigenen in dieser Welt.

Leute, die das Volk "als großen Lümmel" bezeichnen, der, dieser Einschätzung zufolge, "Lenkung" und "Erziehung" benötige, und der sein Elend "selbst verschuldet" habe, identifizieren sich nicht mit ihm sondern betrachten sich offensichtlich als eine Art Instanz, die ihr Urteil von einer höheren und außerhalb stehenden Position aus spricht.

Ganz abgesehen davon, daß ein "dummes" und "unfähiges" Volk ja gar nicht in der Lage ist, sein Schicksal "selbst zu verschulden", schließt sich der Urteilende doch auch automatisch selbst davon aus, indem er für sich eine andere Ebene postuliert. 

Vom Standpunkt eines abseits und oberhalb stehenden Beobachters aus ist fehlendes Mitgefühl natürlich verständlich. Das empfinden ja auch die Globalisten nicht bei ihrem "großen, gesellschaftlichen Experiment". Wer sich aber zugehörig fühlt, kann sich des Mitgefühls mit den Seinen nicht verschließen. 

Laurenz

29. Januar 2023 16:12

@Blue Angel

Wann sind Eltern schon mal konsequent? Linke sind es (meist), zumindest im Verrat am Vaterland, siehe Flavius, schon vor 2.000 Jahren ein Sozi.

Wir Konservativen spendieren jetzt schon mehr als 70 Jahre unser Mitgefühl, interessiert aber nur 12-15, vielleicht 20%. Nur im Sport machen alle mit, aber auch das bröselt. Wir sind also mitfühlend gescheitert. Wäre es da nicht mal an der Zeit, die eigene Haltung, Heimat- & Volksliebe hin oder her, zu überdenken?

Die Nationalsozialisten, wie auch die Kommunisten, heute Kultur-Marxisten, wußten & wissen haargenau, wie korrumpierbar das Deutsche Volk war & ist. Wie einst auch Moses' Volk Israel, sind auch die Asen dem Golde erlegen.

Vielleicht haben die Grünen & Liberalen auch Recht. Kann es sein, daß wir wieder mal 50k oder 100k Zinksärge brauchen, die nachhause geschickt werden?

Blue Angel

29. Januar 2023 21:43

Lieber Laurenz, habe Ihren letzten Kommentar jetzt mehrmals gelesen, entdecke aber immer noch keinen roten Faden. Würden Sie einem ungebildeten und dummen Gärtner bitte auf die Sprünge helfen? 

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