von Werner Bräuninger--

Dr. Wolfgang Proske aus Gerstetten kann aufatmen, denn: »Es ist geschafft: Mit dem vorliegenden zehnten Band über NS-Belastete ist die Buchreihe Täter. Helfer. Trittbrettfahrer abgeschlossen.

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Damit haben seit 2010 ins­ge­samt 127 Autoren ihr Mam­mut­werk voll­bracht und in 209 Arti­keln NS-Belas­te­te aus allen Regio­nen des Lan­des ein­schlä­gig untersucht«.

Eine rei­fe Leis­tung, für­wahr. Nur für wen oder was? 209 »NS-Belas­te­te« sind inzwi­schen unter das Fall­beil Pro­s­kes gera­ten, wofür der Pro­se­ku­tor 2014 eigens den Kugel­berg Ver­lag grün­de­te. Der 1954 gebo­re­ne Wahl­schwa­be, der optisch an eine Melan­ge aus Rudolf Virch­ow und Roger Witt­ha­ker erin­nert, wird der Öffent­lich­keit als His­to­ri­ker und Schul­lei­ter vorgestellt.

Sei­ne ihm hier zuar­bei­ten­de Koro­na besteht aus einem Heer an No-Name-»Wissenschaftlern«, meist tätig als sub­al­ter­ne Mit­ar­bei­ter obsku­rer »sozi­al­wis­sen­schaft­li­cher« Insti­tu­te, oft mit Anti­fa-Back­ground. Sämt­li­che ihrer exe­ku­to­ri­schen Bei­trä­ge fol­gen dem immer glei­chen, ermü­den­den Auf­bau, wie etwa am Bei­spiel des ehe­ma­li­gen HJ-Ober­ge­biets­füh­rers der Kur­mark, Luft­waf­fen­pi­lo­ten und spä­te­ren Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den der Natio­nal­de­mo­kra­ti­schen Frak­ti­on im Land­tag von Baden-Würt­tem­berg, Wer­ner Kuhnt, als Blau­pau­se für sämt­li­che der ins Visier Gera­te­nen, erkenn­bar wird.

1962 kam die­ser ins ober­schwä­bi­sche Biber­ach an der Riß und war, so Autor Chris­toph Kop­ke, »in zwei gesell­schaft­li­chen Sys­te­men bruch­los über­zeug­ter Rechts­extre­mist, Bin­de­glied zwi­schen dem ›Drit­ten Reich‹ und dem Neo­na­zis­mus im demo­kra­ti­schen Staat«. Um Kuhnt geht es hier nur am Ran­de. Es fin­den sich quä­len­de Rei­hen mit Wahl­sta­tis­ti­ken und Zita­ten aus Zei­tun­gen der 1960er Jah­re oder dürf­ti­ge Exzerp­te aus teils über 50 Jah­re alter Sekundärliteratur.

Kuhnts Her­kunft, poli­ti­sche Sozia­li­sie­rung, welt­an­schau­li­che Gene­se, idea­lis­ti­sche Moti­va­tio­nen, per­sön­li­che Brü­che oder auch Zwei­fel am Regime sind im Dreh­buch Pro­s­kes und sei­ner »Jünger*innen« weder exis­tent noch gewünscht. Wozu auch, war doch Kuhnt – wie all die ande­ren 209 – in der Les­art Pro­s­kes schlicht »schul­dig« – bas­ta. Schul­dig auch dann, wenn sich stich­hal­ti­ge Bewei­se hier­für nicht erbrin­gen las­sen. Eige­ne Recher­che? Fehl­an­zei­ge. Als Quel­le die­nen zumeist die ein­schlä­gi­ge Anti­fa-Lite­ra­tur oder Infor­man­ten vom Schla­ge des erwie­se­nen Sta­si-Spit­zels Kurt Hirsch, bekannt auch als »IM Helm«.

Auf der Web­site des Kugel­berg Ver­la­ges, einer vir­tu­el­len Spruch­kam­mer, fin­det sich neben einem aus­ufern­den »Täter«- und Orts­re­gis­ter, nebst aus­führ­li­chen »Nach­trä­gen«, eine dilet­tan­ti­sche »Ska­la der NS-Belas­tung«, die offen­sicht­lich von Pro­s­ke selbst in mühe­volls­ter Puz­zle­ar­beit erstellt wur­de und die den Charme jener zer­knit­ter­ten Foli­en auf­weist, die man im Schul­un­ter­richt auf schon damals anti­quier­te ­­»Over­head­pro­jek­to­ren« leg­te. Schnell wird dem Leser klar, daß der Haupt­vor­wurf des bei­na­he 70jährigen an alle von ihm post mor­tem Gerich­te­ten ist, daß sie das Jahr 1945 über­lebt haben; mit­hin eine gefahr­lo­se Her­ab­wür­di­gung Verstorbener.

Mit den Aus­wahl­kri­te­ri­en nimmt man es in Ger­stet­ten nicht all­zu genau. Schon die kon­fu­se Anein­an­der­rei­hung der Dar­ge­stell­ten irri­tiert, denn in illus­trer Gale­rie, gemein­sam mit schlich­ten Dorf­po­li­zis­ten, ein­fluß­lo­sen Kreis­ge­sund­heits­rä­ten, kom­mu­na­len Stadt­be­am­ten, völ­lig unbe­kann­ten Orts­bür­ger­meis­tern oder Stu­di­en­rä­ten und nicht zuletzt sadis­ti­schen KZ-Scher­gen und skru­pel­lo­sen SS-Lager­ärz­ten, fin­den sich die Namen von Hugo Boss, Dor­nier, Kie­sin­ger, Mai­er-Dorn, Noel­le-Neu­mann, Rom­mel, Schley­er, Sieburg, Six und Wirsing.

Zu Mar­tin Heid­eg­ger heißt es bei dem »Leh­rer, Koch und Kul­tur­ma­na­ger« Eggert Blum lapi­dar: Sei­ne »Phi­lo­so­phie beruh­te […] auf einer chau­vi­nis­ti­schen, ver­nunft- und wis­sen­schafts­feind­li­chen und die Demo­kra­tie eli­tär ver­ach­ten­den Welt­sicht. Ent­spre­chend nahe lag sei­ne Wen­dung hin zum Natio­nal­so­zia­lis­mus […]. Als Rek­tor der Uni­ver­si­tät Frei­burg sorg­te er erge­ben für Berufs­ver­bo­te sei­ner jüdi­schen Kol­le­gen«. In kaum je gese­he­ner Chuz­pe und Arro­ganz und mit der bla­sier­ten Selbst­ge­rech­tig­keit der Spät­ge­bo­re­nen ver­such­te hier eine Arma­da von 127 (!) Zuträ­gern eine groß­an­ge­leg­te Denun­zia­ti­on ins Werk zu set­zen, doch ist die­ser Plan gründ­lich miß­lun­gen. Es fal­len auf: die unwis­sen­schaft­li­che Dik­ti­on, der mafiö­se Ton. In bemer­kens­wer­tem Dilet­tan­tis­mus wer­den von den berufs­mä­ßi­gen Anbräu­nern zusam­men­ge­stop­pel­te Wort­fet­zen anein­an­der­ge­reiht oder wird wie beses­sen vom eige­nen Furor nach brau­nem Staub gesucht, als ob es Gold­kör­ner wären.

Pro­s­ke selbst sieht sich zu kei­ner Zeit in der Lage, sei­ne apo­dik­ti­schen Titu­lie­run­gen anhand einer wis­sen­schaft­li­chen Defi­ni­ti­on des Faschis­mus­be­grif­fes zu bele­gen, noch nicht ein­mal in des­sen vul­gärs­ter Aus­le­gung. Die Zuschrei­bungs­ka­te­go­rie »Faschist« steht als Syn­onym für jeden und alles, was nicht in den sorg­fäl­tig abge­steck­ten Mei­nungs­kon­sens der Jetzt­zeit paßt und aus die­sem Grun­de ver­däch­tigt, denun­ziert und ver­folgt wer­den darf. Ein agi­ta­to­ri­scher Kampf­be­griff also, der dann frei­lich nicht in eine Buch­rei­he gehört, die sich wis­sen­schaft­lich geriert.

Auch die Bay­ern dür­fen sich freu­en, denn die kom­men als nächs­tes unter die Guil­lo­ti­ne Pro­s­kes und sei­ner Satra­pen; eine auf 20 Bän­de ange­leg­te Buch­rei­he ist bereits kon­zi­piert. Pro­s­ke erhielt im ver­gan­ge­nen Jahr »für beson­de­re Ver­diens­te um das Land Baden-Würt­tem­berg« eine Medail­le aus der Hand des Minis­ter­prä­si­den­ten Kretschmann.

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Wolf­gang Pro­s­ke (Hrsg.): Täter. Hel­fer. Tritt­brett­fah­rer. NS-Belas­te­te aus Baden-Würt­tem­berg, 10 Bde., Ger­stet­ten: Kugel­berg 2010 – 2021, je 316 S., je 23,99 €

 

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