Wasser in den Wein: Welchen Wert haben gute Umfragewerte?

„Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen!" Das sagt uns Friedrich Schiller in seinem zu Unrecht fast vergessenen Drama Demetrius.

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Die­sen Satz müs­sen wir auf uns wir­ken las­sen – bei aller Begeis­te­rung über die Umfra­ge­wer­te der AfD und der FPÖ.

Ja, es ist ein his­to­ri­scher Erfolg, daß die ers­te authen­ti­sche Rechts­par­tei in Deutsch­land ein sym­bo­li­sches Fünf­tel aller Wäh­ler­stim­men in Aus­sicht hat.

Noch bes­ser ist, daß die­se Stim­men im Osten sogar so kon­zen­triert sind, daß sich dort auf Lan­des­ebe­ne bereits jetzt die Macht­fra­ge stellt. In Öster­reich ist dazu die FPÖ mit rund 30% Spit­zen­rei­ter – und der­zeit uner­reich­bar für die dis­pa­ra­ten Mitbewerber.

Ver­such­te ich in der Pha­se der Sta­gna­ti­on, die für’s ers­te hin­ter uns zu lie­gen scheint, eher eine Stim­me der Hoff­nung zu sein, und auch gegen die The­men­kon­junk­tur des Trans­hu­ma­nis­mus den Bevöl­ke­rungs­aus­tausch im Visier zu behal­ten, sehe ich mich jetzt genö­tigt, Was­ser in den Wein sol­cher Umfra­ge­wer­te zu gießen.

Vor weni­gen Wochen fand in Öster­reich die „Öster­rei­chi­sche Hoch­schul­wahl“ statt. (Sogar die Aus­zäh­lung die­ser ÖH-Wahl ver­pfusch­ten die Sozia­lis­ten – eine Neu­aus­zäh­lung steht an.) Die Ver­tre­tung der FPÖ, der „Ring Frei­heit­li­cher Stu­den­ten“ (RFS) erziel­te bei der ers­ten Aus­zäh­lung die­ser Wahl gera­de ein­mal 2,84% und ein Man­dat. Damit ver­fügt das rech­te Lager an den Hoch­schu­len nicht ein­mal über ein Zehn­tel sei­nes Mobi­li­sie­rungs­po­ten­ti­als in der Gesamtbevölkerung!

Dage­gen erzie­len lin­ke bis offen mar­xis­ti­sche Lis­ten zusam­men sat­te 54,76%, was 31 Man­da­ten ent­spricht. In Deutsch­land exis­tiert die AfD, trotz Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen in allen Uni­ver­si­täts­städ­ten, hoch­schul­po­li­tisch kaum.

Die­se Stu­den­ten­wah­len brin­gen kei­ne direk­te poli­ti­sche Macht. Sie sind aber ein quan­ti­fi­zier­ba­rer Seis­mo­graph der meta­po­li­ti­schen Machtverhältnisse.

Die Fol­ge­schä­den des meta­po­li­ti­schen Ver­sa­gens des Rechts­po­pu­lis­mus zeich­nen sich im Wahl­ver­hal­ten der Aka­de­mi­ker und “Bil­dungs­eli­ten” ab. 

  • 2021 wäh­len 29% der „Hoch­ge­bil­de­ten“ in Deutsch­land die “Grü­nen“ oder „Die Lin­ke“ und nur 6% die AfD.
  • In Öster­reich wähl­ten gar 38% der Aka­de­mi­ker die „Aus­tro-Grü­nen“ oder die „KPÖ+“.
  • Eine Wahl-Umfra­ge unter ARD-Volon­tä­ren im Jahr 2020 ergab 57,1 % für die „Grü­nen“, 23,4 % für „Die Lin­ke“ und 11,7 % „Gemä­ßig­te“ für die SPD.

Bei fast allen Umfra­gen zeich­ne­te sich beim Lehr­per­so­nal der Hoch­schu­len ins­be­son­de­re in den geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Fächern ein kras­ser Link­s­trend ab. Eine Umfra­ge unter „Stu­die­ren­den“ der Uni Mainz zeig­te im Jahr 2013 fol­gen­des Bild:

Bereits damals lagen die “Grü­nen” in allen Fach­be­rei­chen bei weit über 20%, in den Sozi­al- und Medi­en­wis­sen­schaf­ten sogar bei über 40 Pro­zent und erreich­ten zusam­men mit der SPD und der “Lin­ken” über­all sat­te abso­lu­te Mehr­hei­ten bis hin zu Zwei-Drittel-Verhältnissen.

Sol­che Ver­tei­lun­gen ändern sich inner­halb von Milieus nicht sprung­haft. Wir kön­nen also davon aus­ge­hen, daß auch heu­te an Uni­ver­si­tä­ten ein kras­ser Über­hang auf links-grü­ner Sei­te vor­han­den ist. Die “Pira­ten” wer­den natür­lich kaum mehr eine Rol­le spie­len, und die AfD wird die­sen frei­en Platz kei­nes­wegs ein­ge­nom­men haben.

Der Poli­to­lo­ge Matthew Good­win erforsch­te die­sen Trend auf glo­ba­ler Ebe­ne und   stell­te ihn gra­phisch so dar: 

0 und 1 sind extrem links, 9 und 10 extrem rechts ange­sie­delt – das Ungleich­ge­wicht ist mehr als augen­fäl­lig: Auch im gemä­ßig­ten Bereich liegt der Über­hang auf der lin­ken Sei­te bei 10:1 gegen­über der rechten.

Aus die­sen Bil­dungs­an­stal­ten rekru­tiert sich nicht nur das Per­so­nal der „ideo­lo­gi­schen Staats­ap­pa­ra­te“, wie Lou­is Alt­hus­ser das Schul­we­sen, die Kir­chen, die Medi­en, die Unter­hal­tungs­in­dus­trie etc. bezeich­net. Auch die Beam­ten­schaft wird in die­sen Ideo­lo­gie­fa­bri­ken ver­bil­det. Eine sel­te­ne Umfra­ge unter Beam­ten ergab eine Mehr­heit von 32% für die „Grü­nen“.

Wird eine Rechts­par­tei durch eine popu­lis­ti­sche Wel­le an die „par­la­men­ta­ri­sche Macht“ gespült, hat sie nach Gramsci damit die ers­te und vor­de­re Stel­lung des Macht­zen­trums eingenommen.

Die Eli­te zieht sich in den Burg­fried der ideo­lo­gi­schen Staats­ap­pa­ra­te zurück, die gemein­sam mit Ver­wal­tung und Jus­tiz einen „tie­fen lin­ken Staat“ bil­den.  Von dort aus wer­den rech­te Reform­pro­jek­te sabo­tiert, dele­gi­ti­miert und zur Not „gesprengt“, wie das „Unter­neh­men Ibi­za“ im Jahr 2019 zeigte.

Was sind die Leh­ren aus die­sen ernüch­tern­den Zah­len? Nach wie vor gilt: Wenn wir poli­ti­sche Macht wirk­lich erobern, hal­ten und ein­set­zen wol­len, brau­chen wir eine “Kul­tur­re­vo­lu­ti­on von rechts”!

Die lin­ken “geis­ti­gen Eli­ten” mögen eine zah­len­mä­ßi­ge Min­der­heit dar­stel­len. Doch sie sit­zen an den Schalt­he­beln der Mei­nungs­kli­ma­an­la­ge! Sie ver­schie­ben gezielt das Over­ton­fens­ter, des­sen Links­rutsch nur dem unein­ge­weih­ten Lai­en wie ein magi­scher, schick­sal­haf­ter Akt erscheint.

Den­ken wir wie­der an Schil­ler. Das Stim­men­ge­wicht der Grü­nen, die in Deutsch­land der­zeit bei 14%, in Öster­reich bei 10,7% lie­gen, wiegt rela­tiv gese­hen schwe­rer als die schie­re Zahl von AfD und FPÖ, denn ihr Ein­fluß auf die Gesell­schaft ist grö­ßer, trotz einer kon­ser­va­ti­ven „schwei­gen­den Mehrheit“.

Wer einen Beweis sucht, der bli­cke auf Umfra­ge­er­geb­nis­se zu „LTGBQ“ und „Gen­dern“, und sehe sich im Kon­trast dazu die aktu­el­le „Fest­be­flag­gung“ unse­rer Metro­po­len an.

Die Wäh­ler rechts­po­pu­lis­ti­scher Par­tei­en haben in der Regel kein ande­res Macht­mit­tel als ihre Stim­me, die sie alle paar Jah­re abge­ben, und ihre Füße, die sie im bes­ten Fall regel­mä­ßig auf eine Demo bewe­gen. Der durch­schnitt­li­che Grü­nen­wäh­ler ist dage­gen urban kon­zen­triert, bes­tens ver­netzt, medi­al ver­siert, akti­vis­tisch gebil­det, krea­tiv ver­an­lagt, oder gar meta­po­li­tisch aus­ge­bil­det. Kurz, er ist eine meta­po­li­ti­sche “Ein-Mann Kaserne”.

Dazu gras­siert gera­de unter rech­ten Aka­de­mi­kern der „Ver­rat der Intel­li­genz“, also: die Flucht in meta­po­li­tisch neu­tra­le, tech­ni­sche und wirt­schaft­li­che Kar­rie­ren. Was für eine Fall­hö­he vom Zenit der kon­ser­va­ti­ven Kul­tur­he­ge­mo­nie der Zwi­schen­kriegs­zeit, die ja erst Gramsci zu sei­nen Ana­ly­sen nötigte!

Noch 1967 erziel­te der Ring Frei­heit­li­cher Stu­den­ten bei den ÖH-Wah­len 30%. Ganz offi­zi­ell bestimm­ten Den­ker wie Ernst Nol­te und Arnold Geh­len, ins­ge­heim auch noch Grö­ßen wie Carl Schmitt und Mar­tin Heid­eg­ger, die bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Dis­kur­se. Aber seit­her wur­den die meis­ten rech­ten Stel­lun­gen im „geis­ti­gen Raum der Nati­on“ (Hoff­manns­thal) geräumt.

Der Par­la­ments­pa­trio­tis­mus ist der stra­te­gi­sche Holz­weg, der die­se Not zur Tugend erklärt. Immer wie­der hört man Rechts­po­li­ti­ker über die Uni­ver­si­tä­ten im All­ge­mei­nen und die „Laber­fä­cher“ im Beson­de­ren höh­nen. Doch alles Mokie­ren ändert nichts daran:

Die­se Hohe­pries­ter der herr­schen­den Ideo­lo­gie zwin­gen jeden Poli­ti­ker, Gene­ral und Wirt­schafts­ka­pi­tän in die Knie. Sie haben die größ­ten Chan­cen, jedem auch gegen sein Wider­stre­ben ihren Wil­len auf­zu­zwin­gen, und ihre bevöl­ke­rungs- und sozi­al­po­li­ti­schen Expe­ri­men­te zu verwirklichen.

Als Par­la­ments­pa­trio­tis­mus bezeich­ne ich die bis­her domi­nie­ren­de Leit­stra­te­gie des Rechts­po­pu­lis­mus,  nach der nur zählt, was unmit­tel­bar Stim­men bringt. Die­se Flucht in die Zahl führt zu einer welt­an­schau­li­chen Ober­fläch­lich­keit, zur Ver­nach­läs­si­gung von Theo­rie- und Eli­ten­bil­dung und schließ­lich zu wah­ren Distan­zie­rungs­or­gi­en gegen­über dem außer­par­la­men­ta­ri­schen Umfeld. All das könn­te ja „Stim­men kosten“…

Statt­des­sen unter­wirft man sich dem Zeit­geist, paßt sich „prag­ma­tisch“ dem Sta­tus quo an und geht dort­hin, wo sich „Mehr­hei­ten“ fin­den, also: einen win­zi­gen Schritt rechts von der Mitte.

Der Par­la­ments­pa­tri­ot ver­wech­selt den par­la­men­ta­ri­schen Vor­raum der Macht mit ihrem meta­po­li­ti­schen Zen­trum. “Prag­ma­tis­mus” und “Rea­lis­mus”, die er bei­de ver­tritt, zwin­gen ihn zur stän­di­gen Rück­sicht­nah­me. Beson­ders deut­lich wird das an sei­ner „Lösung“ für das Pro­blem der geg­ne­ri­schen herr­schen­den Ideologie.

Der Par­la­ments­pa­trio­tis­mus hat mit den Abgän­gen Jörg Meu­thens (AfD) und Nor­bert Hofers (FPÖ) einen schwe­ren Dämp­fer erlit­ten, und das ist gut: Die­se “Lösung” ist näm­lich völ­lig apo­li­tisch. Vor allem geht sie von einem Vor­her-Nach­her aus, das völ­lig unrea­lis­tisch ist:

Nach einem „Kan­ter­sieg“ bei den Wah­len wür­de man Rund­funk, Hoch­schu­len und NGOs „den Geld­hahn abdre­hen”. Aber um die­sen Sieg zu errin­gen, sei es frei­lich zunächst not­wen­dig, alle “pro­ble­ma­ti­schen” Aus­sa­gen, Kon­tak­te, Aktio­nen und Ideen zu ver­mei­den. Das Cre­do des Par­la­ments­pa­trio­ten lau­tet “still­hal­ten bis zur nächs­ten Wahl”.

Wir alle wis­sen aber: Nach der Wahl ist immer schon wie­der vor der Wahl.

Daher: Die Eli­ten- und Theo­rie­bil­dung im rech­ten Lager muß hier und jetzt begin­nen. Der Auf­bau einer rech­ten Zivil­ge­sell­schaft, rech­ter NGOs und Akti­ons­grup­pen muß par­al­lel zum Auf­stieg in Umfra­ge­wer­ten gesche­hen. Die Wäh­ler­mas­se der AfD muß als qua­li­ta­ti­ves Poten­ti­al ver­stan­den, ver­netzt, gebil­det und mobi­li­siert werden.

Gezielt müs­sen ver­nach­läs­sig­te Milieus mit gro­ßem meta­po­li­ti­schen Ein­fluß (Stu­den­ten der Gesell­schafts­wis­sen­schaf­ten, Krea­ti­ve, Künst­ler) gewon­nen wer­den. Nur so bil­det die nack­te Zahl von 20 oder 30 Pro­zent auch ein ech­tes Gewicht. Nur so kann die­ses Poten­ti­al jetzt schon aktiv und nicht erst (und nur) am Tag der Wahl wirk­sam werden.

20%  von 61,18 Mio Wahl­be­rech­tig­ten sind 12,24 Mil­lio­nen. Wenn es gelingt, nur einen Bruch­teil die­ser Mas­se zu Akten der krea­ti­ven Dis­rup­ti­on zu ermu­ti­gen, erleb­te die Demo­kra­tie­si­mu­la­ti­on der BRD eine mas­si­ve “DDos-Atta­cke”.

In mei­nem neu­en Buch Regime chan­ge von rechts ana­ly­sie­re ich den Par­la­ments­pa­trio­tis­mus im Detail und skiz­zie­re, wie die rich­ti­ge Leit­stra­te­gie die­ses Poten­ti­al ent­fes­seln könnte.

Ech­te Wen­de­stim­mung wird bei mir also erst dann auf­kom­men, wenn auch stär­ke­re mess­ba­re meta­po­li­ti­sche Fort­schrit­te an Hoch­schu­len, auf der Stra­ße, in der Gegen­kul­tur erzielt wer­den. Inso­fern stimmt mich der „Stolz­mo­nat“, der als digi­ta­le Schwarm­kam­pa­gne im Juni das deutsch­spra­chi­ge “Twit­ter­game” domi­nier­te, eben­so froh (und stolz) wie das Umfragehoch!

– – –

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Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

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Kommentare (30)

Laurenz

16. Juni 2023 08:17

Schnellroda oder die Identitären werden sich den teuren Ben Shapiro nicht leisten können. Ben Shapiro mag es, aufgrund Seiner ethnischen Herkunft, auch in öffentlichen Debatten leichter haben. Der gelernte Politologe erkennt aber in Debatten links konstruierte akademische Abschlüsse erst gar nicht an oder disqualifiziert zB linke Biologen als nicht satisfaktionsfähig, die öffentlich behaupten, es gäbe mehr als 2 Geschlechter. Da ist der Fisch schnell geputzt & man kann jetzt nicht gerade feststellen, daß die Situation an us amerikanischen Unis viel anders sei, als auf dem alten Kontinent. Fragen Sie, MS, doch Ihre Frau. Der Hintergrund der linken Unis liegt doch weniger in der Sachpolitik, sondern viel mehr darin begründet, daß viele .... staats-alimentierte Jobs haben wollen. Dafür vertritt man eben die woke Agenda der Geldgeber. Den kultur-marxistischen Ansatz vieler Milliardäre & selbst ernannter Philanthropen werden Sie nicht auslöschen können, da nur er dem Geldadel des Planeten totalitäre Macht verspricht. Man kann es machen, wie Putin & dem heimischen Geldadel viel mehr Steuern abnehmen & den politischen Spielraum eindämmen. Ist aber nicht ganz ungefährlich. Dazu braucht man unbestechlichere Leibwachen, als die vieler Zaren, am besten so eine Art Schweizer Garde, Germanische Leibwache römischer Cäsaren oder Janitscharen.

Laurenz

16. Juni 2023 08:34

(2) Auf juristischem Wege muß man Exempel statuieren & woke Kriminelle, wie Uschi von der Leyen oder Christine Lagarde einbuchten. Die SPD hat über 30 Jahre durch Stipendien der Friedrich-Ebert-Stiftung vor allem an weibliche Jurastudenten die Deutsche Justiz sozialentdemokratisiert. Fragen Sie doch Gracchus, Niekisch & RMH, warum Sie nicht! im Staatsdienst Karriere machten. In Polen oder Ungarn versuchen die Konservativen, die in Jahrzehnten links versiffte Justiz mit eigenen Leuten zu besetzen & werden deswegen vom Brüsseler EU-Politbüro hart bekämpft. Der NeuenRechten fehlt auch der Umgang mit dem Kapital, wie viele Milliardäre, MS, kennen Sie persönlich & können da anrufen? Aufgrund meiner Forderung, sich mehr Kontakte beim Kapital zu verschaffen, titulierte mich vor 2 oder 3 Jahren ein weiblicher Teilnehmer als "unanständig". Auch die erfolgeiche FPÖ hat keine Kontakte zum Kapital, wie man anhand der Ibiza-Affäre feststellen konnte. Wir sind eben nicht fein genug. Die NeueRechte muß eben Steuerrerleichterungen für Milliardäre versprechen & sie nur bei Wohlverhalten der Superreichen auch durchziehen.

Maiordomus

16. Juni 2023 08:37

Einer der besten Beiträge Sellners in den letzten Jahren, wiewohl die Grundaussage von ihm schon seit bald 10 Jahren wiederholt wird, hier aber kurz und knapp konkretisiert. Was die miserablen Zahlen bei rechten Studenten betrifft, hängt dies jedoch mit dem hohen Einschüchterungsgrad und Konformitätszwang an den Universitäten zusammen und auch, dass rechte Studenten vielfach noch arbeiten und kaum an der Uni rumhängen, sie besuchen Vorlesung und dann hat es sich, auch zieht man es generell vor, unauffällig zu bleiben. Das war sogar in Zürich 1968 bis 1971 so, wiewohl es dort immerhin den Studentenring gab; selber bei einer Kandidatur für ein studentisches Mandat war ich völlig aussichtslos; noch relativ erfolgreich waren diejenigen, die sich unpolitisch gaben, die zwar meist getarnte Rechte waren. Ein solcher, sogar Opus Dei nahe stehend, brachte es zum Präsidenten des Grossen Studentenrates. Immerhin erreichte eine Urabstimmung, dass Soldidarisierungen mit dem Vietcong und Palästinensern nicht mehr im Namen der Studentenschaft möglich waren. 

RMH

16. Juni 2023 09:49

"Bildung" in Form von akad. Abschlüssen besagt lediglich, dass man genügend Grips in der Birne hatte und entsprechen effizient Leistung auf den Punkt abliefern kann, um ANFORDERUNGEN zu erfüllen. Welche Anforderungen das sind, ist dabei erst einmal komplett egal. In einer von Forschungsmitteln getriebenen Universität werden die Anforderungen also in erster Linie davon getrieben sein, wofür es welche Fördermittel gibt. Da man mit einem der Arbeit gegenüber positiv eingestellten "Mindset" noch besser und effektiver "Leistung" zeigen kann, wird man also unter Gebildeten viele Klugscheisser mit notwendig falschem Bewußtsein finden, aber sicher nicht Viele, mit kritischem Geist, denn die gehen in diesen Mühlen unter. Gebildete Menschen sind in der Masse also in erster Linie sehr effiziente Mitläufer. Neuerungen mussten immer schon quasi erkämpft werden, da in der Masse der Mitläufer sich dann sehr schnell Besitzstandswahrer heraus bilden, die ihre claims entsprechend verteidigen. Das sind auch mit die Gründe, warum ich das notorische Genöle über den angebliche Bildungsverfall nicht zur Gänze mittrage. Elitenbildung war systemübergreifend immer schon in erster Linie Funktionselitenbildung, nie aber echter Fortschritt oder gar Förderung des freien Geistes. Die einen verpacken es besser, die anderen weniger gut, die einen lassen die Leine länger, die anderen kürzer. Das ist der Unterschied, den Systemwechsler "Ost" und "West" dann wahrnehmen können.

Franz Bettinger

16. Juni 2023 10:43

Ich halte von Umfragen: nichts. Gefälschte Umfrage-Ergebnisse sind (fast zwingend) Voraussetzung für gefälschte Wahl-Ergebnisse. Und dass Wahlen auch in allen Demokratien stets systematisch (maschinell & manuell) und system-immanent gefälscht werden, ist kein Geheimnis mehr. Wenn es AfD & FPÖ nicht schaffen, selbst Umfragen zu erstellen (womit sie wenigstens eine Vergleichsgruppe zur Hand hätte, um den Betrug abzuschätzen), & einen Weg finden, Wahlfälschungs-Möglichkeiten zu minimieren, sehe ich schwarz. 

Artabanus

16. Juni 2023 11:33

Sehr gute Analyse. Die Frage ist natürlich welche Möglichkeiten eine politische Opposition in einem mehr und mehr totalitären System noch hat. Die Linken und Grünen hatten es damals ja doch viel einfacher. Ich stimme auch Herrn Bettinger zu, dass Umfragen und Wahlergebnisse sehr leicht zu fälschen sind und dass der tiefe Staat diesbezüglich auch keinerlei Skrupel besitzt. Die US Präsidentenwahl 2020 hat dies ein für allemal klargestellt. Ich habe auch irgendwo gelesen, dass selbst bei der Bundestagswahl 2005 statistisch eindeutige Hinweise auf Manipulation der Briefwahlstimmen zugunsten von Merkel auftraten. Damals wollte man wohl Schröder für seine Befehlsverweigerung gegenüber den Amerikanern beim 2.Irakkrieg aus dem Amt kegeln. Dafür spricht auch dass die damalige Wahl ohne triftigen Grund 1Jahr vorgezogen worden war.
 

FraAimerich

16. Juni 2023 11:34

@Maiordomus: "Immerhin erreichte eine Urabstimmung, dass Soldidarisierungen mit dem Vietcong und Palästinensern nicht mehr im Namen der Studentenschaft möglich waren."
Ein wirklich toller Erfolg!

RMH

16. Juni 2023 12:43

"Damals wollte man wohl Schröder für seine Befehlsverweigerung gegenüber den Amerikanern beim 2.Irakkrieg aus dem Amt kegeln. Dafür spricht auch dass die damalige Wahl ohne triftigen Grund 1Jahr vorgezogen worden war."
@Artabanus,
bitte keine Legenden verbreiten. Schröder hat bereits 2001 die Vertrauensfrage gestellt, um gerade den für die Bundewehr am Ende verlustreichen Afghanistan-Einsatz durchzudrücken. 2005 - nachdem die zuvor durchgesetzte Agenda 2010 der SPD das Stammklientel unzufrieden gemacht hat - hat die SPD im Stammland NRW nach 39 Jahren erstmals die Wahlen verloren. Schröder hat dann die Vertrauensfrage selber, aus eigenem Antrieb gestellt mit dem Ziel von Neuwahlen, weil er dachte, er hätte noch ein Momentum als Person die Wahl gegen eine blasse Union mit einer Merkel zu gewinnen. Es wurde dann bekanntermaßen eng. Die Union in der Opposition hatte damals und heute kein Kanzlerkandidaten-taugliches Personal.

Nemo Obligatur

16. Juni 2023 12:46

@ MaiordomusEiner der besten Beiträge Sellners in den letzten Jahren, [...] kurz und knapp konkretisiert
In der Tat. Meistens nimmt sich Herr Sellner viel von seiner Wirkung durch weitschweifige Formulierungen, die das Lesen seiner Texte mühsam machen.
Die Essenz aus dem obigen Artikel ist für mich diese hier:
Wird eine Rechtspartei durch eine populistische Welle an die „parlamentarische Macht“ gespült, hat sie nach Gramsci damit die erste und vordere Stellung des Machtzentrums eingenommen.
 Die Elite zieht sich in den Burgfried der ideologischen Staatsapparate zurück, die gemeinsam mit Verwaltung und Justiz einen „tiefen linken Staat“ bilden.  Von dort aus werden rechte Reformprojekte sabotiert, delegitimiert und zur Not „gesprengt“, wie das „Unternehmen Ibiza“ im Jahr 2019 zeigte.
Aber vielleicht muss man manche Dinge auch gar nicht von außen beenden. Das linke Großprojekt der neuen Gesellschaft scheitert regelmäßig an der Missachtung elementarer Gesetzmäßigkeiten. So muss jeder Euro vor dem Ausgeben verdient werden und kann nur einmal ausgegeben werden. Ebenso kann man Eltern nicht an der Förderung ihrer Kinder hindern. Und man kann auch durch einen Sprechakt nicht sein Geschlecht wechseln. Usw. usf. Man muss gar nicht alle Bastionen in Verwaltung und öffentlicher Kommunikation stürmen. Es müsste nur mal ein Kind sagen, dass der Kaiser nackt ist.

Laurenz

16. Juni 2023 12:58

@RMH   ...  warum ich das notorische Genöle über den angebliche Bildungsverfall nicht zur Gänze mittrage .... Da liegen Sie nicht ganz falsch. Das gesamte deutsche Beamtenrecht basiert darauf, daß die historische Deutsche Oberschicht ihre nicht so ganz talentierten, also nichtsnutzingen Zöglinge maßgebend! im Staatsdienst unterbringen konnten. Einer der übelsten Formalien dämlicher Besitzstands-wahrung.
 

das kapital

16. Juni 2023 14:16

Die Bürger und Wähler müssen verstehen, dass der "Kampf gegen Rechts" mit totalitären Mitteln geführt wird und der Demokratie nachhaltigen Schaden zugefügt hat. ///Die "Rechten" müssen verstehen, dass der "Kampf gegen Links" mit totalitären Mitteln geführt wurde und Deutschland , Europa und der Demokratie nachhaltigen Schaden zugefügt hat. ///Echte Konservative und echte Liberale können zu Vorkämpfern einer echten und gerechten Basisdemokratie werden, wenn sie es lernen, inhaltlich zu überzeugen.Der "Kampf gegen Rechts" wirkt nicht mehr. Die Menschen erkennen, dass sie belogen werden und dass ihnen durch die Weltpolitik, die EU-Politik und die Bundespolitik massiver und dauerhafter Schaden zugefügt wird. ///Metapolitik ist überlebensnotwendig. Allerdings ist die Öffentlichkeitsarbeit so ausgelegt und so ausfinanziert, dass für echte Konservative und echte Liberale wenig Platz bleibt. Die Mehrheit hat sich finanziell und organisatorisch auf den transatlantischen Pakt zur Zerstörung unseres Landes eingeschworen. Wie dem mit genügender Kraft massenwirksam und seriös entgegengetreten werden kann, ist trotz Ihrer Schriften nicht genügend beschrieben. ///> 2

das kapital

16. Juni 2023 14:16

> 2
Der Verfassungsschutz hat Ihnen, Herr Sellner, ja ziemlich bald das "Kainsmal" des Rechtsextremismus auf die Stirn gebrannt. Obwohl Sie doch eigentlich Sachen machen, die einfach nur durch zivilen Ungehorsam sich auszeichnen.Kein Vergleich zu den W. der hinterallerletzten Generation, die aus "achtens-werten Motiven" Millionenschäden anrichtet. ///
Gab ja immer die Ansage von wegen "Wer mit 20 nicht links ist, hat kein Herz. Wer mit 40 noch links ist, hat kein Hirn. " Wird Willy Brandt zugeschrieben. Habeck, Baerbock, Trittin. Alle über 40. Alle ohne Hirn. Von denen wir regiert und verarmt und zerstört werden. Das wird jetzt langsam auch denen klar, die Vorbehalte gegen "krautige" Rechte haben.

Sandstein

16. Juni 2023 14:44

"Einer der besten Beiträge Sellners in den letzten Jahren, wiewohl die Grundaussage von ihm schon seit bald 10 Jahren wiederholt wird, hier aber kurz und knapp konkretisiert."
So sieht's aus! Endlich mal klar auf den Punkt! Starker Text! Danke

Le Chasseur

16. Juni 2023 16:57

@Artabanus"Ich habe auch irgendwo gelesen, dass selbst bei der Bundestagswahl 2005 statistisch eindeutige Hinweise auf Manipulation der Briefwahlstimmen zugunsten von Merkel auftraten. Damals wollte man wohl Schröder für seine Befehlsverweigerung gegenüber den Amerikanern beim 2.Irakkrieg aus dem Amt kegeln. Dafür spricht auch dass die damalige Wahl ohne triftigen Grund 1Jahr vorgezogen worden war."
Nachdem die SPD-Hochburg NRW bei der Landtagswahl an die CDU verloren ging, führte Schröder die vorgezogene Neuwahl herbei, um sich neu legitimieren zu lassen (er hätte das aber nicht machen müssen). Es gibt daneben auch die Legende, dass ihm bei der Bilderberg-Konferenz 2005 in Rottach-Egern von den Männern hinter dem Vorhang klar gemacht wurde, dass seine Zeit abgelaufen sei: "Seltsam war schon Merkels Aufstieg zur Kanzlerin. Auguren wollten im Jahre 2005 registriert haben, dass beim sagenumwobenen alljährlichen Bilderberger-Treffen Merkel bis zum Schluss des Treffens blieb, und der damals noch amtierende Kanzler Schröder vorzeitig nach Hause fuhr. Im Herbst 2005 war Merkel dann Bundeskanzlerin" Quelle

Eo

16. Juni 2023 17:53

RMH    16. Juni 2023 12:43
.Korrekt. Und das heißt letztendlich unterm Strich, daß wir die Rautze, also die Dauermerkel imgrunde Schröder zu verdanken haben, da dieser überzeugt war, gegen jene spröde und eher unbeliebte Person (allemal) gewinnen zu können, weswegen er dann auch mit aller Gewalt darum drängte, die Wahl um ein Jahr vorziehen. Denn Merkel saß damals nicht mehr fest im Sattel; und bis zum regulären Wahltermin 2006 wäre sicher noch einmal Bewegung in die Sache, also die Kanzlerkandidatenfrage gekommen. Tja, so kann's gehen ....

Amos

16. Juni 2023 19:01

Ein kleiner Hoffnungsschimmer: viel zu spät nach 2015 hat sich auf unserer Seite auch ein bisschen was vernetzt. Außerdem gibt es noch die Gemeinderäte, die öffentlichen Bürgerfragestunden, dort ist es möglich Präsenz zu zeigen, Druck aufzubauen. In kleineren Gemeinden greift außerdem das Prinzip "Ich weiß, wo Du wohnst", in dem Sinne- natürlich- verstanden, dass sich Verantwortungsträger nicht so einfach aus der Affäre ziehen können, wenn sie beim Bäcker oder auf dem Supermarktparkplatz von den Leuten angesprochen werden. :)

Le Chasseur

16. Juni 2023 19:33

@Eo
"Und das heißt letztendlich unterm Strich, daß wir die Rautze, also die Dauermerkel imgrunde Schröder zu verdanken haben, da dieser überzeugt war, gegen jene spröde und eher unbeliebte Person (allemal) gewinnen zu können, weswegen er dann auch mit aller Gewalt darum drängte, die Wahl um ein Jahr vorziehen."
Schröder wurde damals von der SPD in die Wüste geschickt. In der berühmten Elefantenrunde am Wahlabend war Schröder noch überzeugt, dass Merkel im Bundestag keine Mehrheit für ihre Wahl zur Kanzlerin zusammenbrächte. Für Schwarz-Gelb reichte es ja nicht. https://www.youtube.com/watch?v=hS3Vw-H_hCA
Aber irgendwann hat Parteichef Franz "Opposition ist Mist" Müntefering Schröder verklickert, dass es für ihn Zeit ist, zu gehen. Und so nahm das Verhängnis seinen Lauf...

Gelddrucker

16. Juni 2023 21:23

Dazu sage ich nur ganz kurz: Alles halb so wild wie es aussieht.
Ich war während meiner Uni-Zeit auch stark links, "rechts" sein hätte ich mir niemals vorstellen können. Hat sich geändert. Kenne viele andere Beispiele.

Artabanus

16. Juni 2023 22:54

@RMH
Das mit dem Irakkrieg ist nur meine Spekulation. Fakt ist, dass Bush Junior extrem schlecht auf Schröder zu sprechen war wegen des Irakkrieges
Ich erinnere mich noch sehr gut an das Jahr 2005. Die Stimmung für Schröder war schlecht und die Wahlniederlage der SPD in NRW wurde ihm persönlich angelastet. Gleichzeitig lag die Merkel CDU in den Umfragen deutlich vorn. Daher war der Zeitpunkt für Neuwahlen nicht günstig und von Müntefering aus heiterem Himmel angekündigt. Das Ergebnis der CDU am Wahlabend fiel dann viel schlechter aus als in den Umfragen zuvor und war ueberraschend knapp. Eine Wahl 2006 nach dem "Sommermärchen" wäre weitaus günstiger für Schröder gewesen.
Wie dem auch sei, Wahlmanipulation sind über die Briefwahl relativ einfach zu realisieren und falls das nicht reicht gibt es sicher noch andere Möglichkeiten. 
 

Umlautkombinat

17. Juni 2023 09:02

Es ist ironisch: Erst wuerdigt ein Kommentator sehr berechtigt sie klaren Konturen, die dem Autor in der Beschreibung des Widerspruchs stumpfer Quantitaet gegenueber wirksamer Hebelung durch eine kleine Gruppe. Und dann gleitet das Kommentariat in eine Diskussion genau eines der Beispiele des unwesentlichen Theaters ab. Stattdessen sollte es doch beim Punkt des Autors weitergehen, oder? 
 
Ich teile die Analyse Sellners. Als Nichtrechter faellt es mir aber auch relativ leicht, an dieser Stelle - dem wesentlichen naechsten Schritt der Schluesse - wieder ins Gaehnen zu kommen:
 
> Daher: Die Eliten- und Theoriebildung im rechten Lager muß hier und jetzt beginnen.
 
Das wird nichts werden, das wurde es derart artifiziell nie. Fuer konservative Denkrichtungen aus mehreren Gruenden:

Es fehlt ein Entwurf wohin. Aber Progressivitaet ist nicht einfach eine Vertretung durch die Klonovsky-schen "Ewigmorgigen". Auch der Konservative benoetigt den Aspekt.
Beispiel: Ich als ehemaliger Wissenschaftler brauche v.a.D. Freiraeume. Meine Theorien bilde ich mir dann selbst und besser als jeder Rechte in einer abstrakten Weise. Diese fuer jeden nutzbaren (keine Eliten) Raeume zu schaffen, das ist eine echte Aufgabe. Nichts Neues: Geld. Meinungskanaele. Rechtsschutz, soweit noch moeglich. Bildung. Alles schon im Zusammenhang mit z.B. der AfD diskutiert. Das was so waechst, ist eine echte Kraft aus Wurzeln. Die kann dann antreten gegen tief gewucherten Zeitgeist, aber nichts Aufgepropftes kann es.

RMH

17. Juni 2023 10:59

"Daher: Die Eliten- und Theoriebildung im rechten Lager muß hier und jetzt beginnen."
Dafür muss man ein echtes Angebot machen. Wenn man als Grund für eine gewollte Elitenbildung lediglich die Macht- und Lenkungswirkung angibt (so kommt das ein bisschen bei Sellner rüber), will man nur eine Funktionselite durch eine andere, diesesmal eine einem selbst genehme, austauschen. Damit gewinnt man - wenn man noch weit davon entfernt ist, die Masse der Mitläufereliten durch gut bezahlte jobs schlicht zu kaufen (so wie das die Etablierten aktuell machen) - keinen Blumentopf. Nein, man muss das, was immer wieder auch bei Schnellroda durchblinkt, offensiv vermarkten. Bei uns die Freiheit des Geistes, bei uns gibt es keine Genderblockaden, bei uns ist es spannend, bei uns kommst Du nicht an Punkte, wo man dir sagt, besser nicht oder sei lieber ruhig etc. 
Die gute alte "Freiheit" ist - habe ich schön öfter geschrieben - das Thema.

Nemo Obligatur

17. Juni 2023 14:19

@ RMH
"...will man nur eine Funktionselite durch eine andere, diesmal eine einem selbst genehme, austauschen..."
 
Die Gefahr besteht durchaus. Gerade heute, am 17. Juni, sollte man sich dessen bewusst sein. Es geht nicht darum, ein nur anderes Schwein zum Trog zu führen. 
 
Mein obiger Satz: "Das linke Großprojekt der neuen Gesellschaft scheitert regelmäßig an der Missachtung elementarer Gesetzmäßigkeiten" gilt sinngemäß auch für rechte Großprojekte. Alle Versuche, eine Gesellschaftsordnung aus der Retorte zu erzeugen, sind zum Scheitern verurteilt. Gesellschaften, Völker und Nationen müssen organisch wachsen und gedeihen. Das ist zwar streng genommen auch schon wieder eine Theorie, aber wenn man es nicht übertreibt, kommt man mit diesem Grundsatz vermutlich weiter als mit jedem Plan für eine neue Zeit.
 
Unter Freiheit, geschätzter RMH, gestatte ich mir, die gute alte liberale, also die bürgerliche Freiheit zu verstehen. Der Bürger muss sozusagen wieder in seine alten Rechte eingesetzt werden. 

brueckenbauer

17. Juni 2023 19:15

Umlautkombinat und RMH haben schon fast alles gesagt und ich fass nur noch mal zusammen: Sellner geht es um Macht - Theorie- und Elitenbildung sollen als Instrumente zur Macht begriffen werden. Gute Theorie entsteht aber um ihrer selbst willen, nicht als Mittel zu etwas anderem. Und Eliten bilden sich bestimmt nicht dadurch, dass jemand sagt: Ich will jetzt aber eine Elite bilden. Sellner versucht Dinge strategisch zu planen, die sich der strategischen Planung aus gutem Grund entziehen.
Der erste Schritt wäre der, sich von der Fixierung auf das Ziel "Macht" zu lösen und statt dessen auf Tätigkeitsfelder zu konzentreren, die in sich "Sinn" machen - im Sinn von Viktor Frankls Unterscheidung zwischen den Zielen Macht (zu kurz), Sinn (richtig), Glück (zu weit).

Laurenz

17. Juni 2023 19:33

@Umlautkombinat, Nemo Obligatur & RMH
Elitenschweine am Trog
Milliardäre interessiert das nicht, die interessiert nur Macht. Es geht hier weder um ehemalige Paradies-Wandlitz-Bewohner, noch um weitere 10.000 Stellen für ungelernte Grüne Holzköpfe. Für geistig Minderbemittelte aus prekären Beschäftigungsverhältnissen, wie (Zitat Tim Kellner) Stefan Esken, mag es um monatliche Bezüge von 25k Euro + 22k Euro-Kostenpauschale gehen, das mag sogar menschlich sein, setzt aber den Fokus falsch. Es geht nur darum die gesamte kultur-marxistische Mischpoke der Kartellparteien mit Konservativen zu ersetzen & diese Kultur-Marxisten endlich das 1. mal im Leben was arbeiten zu lassen. Aber für was braucht man bei einem solchen Vorgang eine Theoriebildung? Die 90% Linker bei den Medien bringt man auch ganz schnell auf Kurs, wenn man über die Schaltstellen der Macht verfügt. Worüber debattieren Sie hier?

Fraktion

17. Juni 2023 22:36

Als Akademiker würde ich widersprechen, dass die Wahlen an der Uni ein Seismograph seien, wie die kommende Bildungselite tickt. 
Zu meiner Zeit war die Wahlbeteiligung an solchen Wahlen unterirdisch und damit alles andere als repräsentativ. Meine alte Uni in einer westdt. Großstadt war zwar eindeutig links gepolt bezüglich der Mehrheit der Dozenten und der nicht selbstständig denkenden Studenten, aber die Wahlen waren trotzdem alles andere als aussagekräftig. Wahlbeteiligungen von nicht einmal 30 % waren keine Seltenheit und alle linken Gruppierungen hatten einen vielfach höheren Mobilisierungsgrad, während Konservative, Liberale und eher Rechte diesem Zirkus weitgehend fern blieben. Dadurch wurden die Ergebnisse natürlich stets völlig verzerrt. In meiner gesamten Regelstudienzeit habe ich mich meines Wissen nur ein einziges Mal an diesen Uniwahlen beteiligt und das auch nur, weil eine damalige Kommilitonin mich dazu anregte. Ich empfand das als eigentlich völlig bedeutungslos.Die Unis mögen mehrheitlich links dominiert sein, aber nicht dermaßen katastrophal, wie man anhand der Wahlen denken könnte. Wahlbeteiligungen zwischen 20-30 Prozent sprechen eine eindeutige Sprache.Ich bezweifle, dass das heute so viel anders läuft als zu meiner Zeit und würde die Uniwahlen nicht für voll nehmen

Fraktion

17. Juni 2023 22:37

Als Akademiker würde ich widersprechen, dass die Wahlen an der Uni ein Seismograph seien, wie die kommende Bildungselite tickt. Zu meiner Zeit war die Wahlbeteiligung an solchen Wahlen unterirdisch und damit alles andere als repräsentativ. Meine alte Uni in einer westdt. Großstadt war zwar eindeutig links gepolt bezüglich der Mehrheit der Dozenten und der nicht selbstständig denkenden Studenten, aber die Wahlen waren trotzdem alles andere als aussagekräftig. Wahlbeteiligungen von nicht einmal 30 % waren keine Seltenheit und alle linken Gruppierungen hatten einen vielfach höheren Mobilisierungsgrad, während Konservative, Liberale und eher Rechte diesem Zirkus weitgehend fern blieben. Dadurch wurden die Ergebnisse natürlich stets völlig verzerrt. In meiner gesamten Regelstudienzeit habe ich mich meines Wissen nur ein einziges Mal an diesen Uniwahlen beteiligt und das auch nur, weil eine damalige Kommilitonin mich dazu anregte. Ich empfand das als eigentlich völlig bedeutungslos.Die Unis mögen mehrheitlich links dominiert sein, aber nicht dermaßen katastrophal, wie man anhand der Wahlen denken könnte. Wahlbeteiligungen zwischen 20-30 Prozent sprechen eine eindeutige Sprache.
Ich bezweifle, dass das heute so viel anders läuft als zu meiner Zeit und würde die Uniwahlen nicht für voll nehmen

Pit

18. Juni 2023 16:00

  "In Deutschland existiert die AfD, trotz Studentenverbindungen in allen Universitätsstädten, hochschulpolitisch kaum"
Warum sollte man wünschen, daß an Universitäten "rechts" stark wird? Nur weil "links" vieles schlecht macht, heißt das nicht, daß "rechts" ein Gewinn demgegenüber wäre. Z.B. dieser Gedanke, daß "rechts" für Freiheit stünde, bruah ha ha, es steht ausdrücklich für Autoritarismus, es steht NICHT für Diskurs, Meinungsfreiheit. Ich wiederhole mich, weil es ja anscheinend nötig ist: "rechts" versteht nicht: Fluß, Veränderung, Entwicklung, Kreativität, Freiheit, Wahrheit. "Rechts" ist Stillstand, Starrheit. In einem Wort: Zwang. Es ist wahrlich die Position der Verlierer.
Der richtige Weg ist daher, all das Richtige, was "links" ZU UNRECHT für sich reklamiert, für uns zu besetzen ! Der Weg ist NICHT, die linken Ansätze abzulehnen.

Kurativ

18. Juni 2023 16:35

Man geht nicht einfach zu einer Schule oder Universität und bekommt "reines Wissen" oder "reine Fertigkeiten" vermittelt. Es werden fast immer auch weltanschauliche Ideen vermittelt. Jeder Menschen (Schüler, Student oder Lehrer) lebt in seiner weltanschaulichen Blase. Für einen Schüler oder Studenten ist es angenehmer, wenn die Weltanschauung zum Lehrer besser passt. Er lernt schneller. Wenn etwas unangenhem ist, kann es sogar sein, dass sich der Schüler oder Student der Weltanschauung des Lehrers anpasst, um schneller oder erfolgreicher zu lernen. Der Lernende befindet sich in ein Abhängigkeitsverhältnis.
Deshalb sollten sich Lehrer oder Professoren weltanschaulich zurückhalten. Bei strittigen Themen sollten sie rational argumentieren und andere Denkwege welche logisch nachvollziehbar sind, nicht ausschließen oder durch Emotionen einfärben.
Diese Idealvorstellung war zwar noch nie vollständig realisiert. Aber der Grad der weltanschaulichen und politischen Intentionalität an den heutigen Schulen und Universitäten trägt Züge totalitärer Regime. Schlimmstenfalls werden Lehrer körperlich angegriffen oder entlassen und Schüler bekommen schlechtere Abschlüsse, weil sie nicht konform sind.
Man sollte sich als Lernender einer bestimmten politischen Richtung über seine Rechte informieren und sich vernetzen.

Laurenz

18. Juni 2023 23:33

@PitFluß, Veränderung, Entwicklung, Kreativität, Freiheit, Wahrheit. "Rechts" ist Stillstand, Starrheit. In einem Wort: Zwang. Es ist wahrlich die Position der Verlierer.
Was haben Sie denn geraucht? Daß Leute, wie Sie, Pit, auch immer den Geschichtsunterricht schwänzen mußten. Für Mittelschule & Gymnasium mußten in Deutschland bis 1959 Schulgeld entrichtet werden, was, wie das heute noch gültige Beamtenrecht, aus einem feudalen Zeitalter stammt, welches Adel & Geldadel privilegierte. Im Stalinismus & der DDR war es umgekehrt, Kinder aus der Arbeiterschaft wurden privilegiert. Im Nationalsozialismus lief es, wie jetzt, alle gesellschaftlichen Ebenen wurden durch Nationalsozialisten mit Kadern durchsetzt. Ein neurechtes, konservatives Umfeld im geistigen Sinne, was sich vordergründig auf Freiheit & Leistung, hintergründig auf die jeweilige Talentförderung kapriziert, hatte es im Ansatz vielleicht mal nach der Französischen Revolution oder in den 60ern gegeben. Insofern, Pit, haben Sie, ewig gestrig, unsere Position nicht durchdacht. Wir, hier, sind das neue, progressive, noch nie dagewesene. Wir suchen uns, völlig opportun, die konservativen Werte heraus, die für alle mit unserer Identität in der Vegangenheit funktionierten. Das hatte es so noch nie gegeben. Werden Sie mal nüchtern. Dann haben Sie vielleicht die Chance, zu begreifen.

HagenAlternat

20. Juni 2023 11:45

H.Sellner, Ihre wirkmächtigen Beiträge erzeugen bei mir leider in den wenigsten Fällen Hoffnung. Leider komme ich in den meisten Fällen zu der Einsicht, die verhängnisvolle Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten.
Ihr Artikel ist kein "Wasser in den Wein" kippen. Meine Beobachtung ist, dass Parteifreunde ob der guten Umfragewerte im Abheben sind, als ob ein regime change kurz bevorstehe. Ihre Fakten führen zu einer realitätsbezogenen Haltung zurück. 
Ich möchte Sie aber noch auf einen anderen Aspekt aufmerksam machen: Die Partei braucht eine "Ideologie", eine Strategie, ein Programm. Dafür steht Schnellroda. Aber das muss transportiert werden, und dazu bedarf es einer "Administration". Und diese Parteimaschine läuft schlecht. Ein Aspekt, der von den Theoretikern mMn nicht genügend beachtet wird.

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