Mit Höcke von Würzburg nach Sonneberg, also in eine andere Welt

Am Sonntag, als im Landkreis Sonneberg der Landrat gewählt wurde, schickte mir Björn Höcke um genau 15.43 eine Sprachnachricht, die ich gern hier eingestellt hätte. Aber Leute wie ich sind dazu technisch nicht in der Lage. Sie lautete folgendermaßen:

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Grüß dich, ich berich­te kurz von Würz­burg. Die Poli­zei war nicht wil­lens, unser Recht auf Ver­samm­lung durch­zu­set­zen. Unse­re Ver­an­stal­tung wur­de nun abge­bro­chen, nach Eier­wür­fen und Blo­cka­den von Sei­ten der Geg­ner. Ich konn­te mei­ne Rede nicht hal­ten. Ich hät­te sie gern gehal­ten, sie war ja rund und auf den Punkt. So ist das dann eben, was soll ich sagen?

Jetzt fah­re ich nach Son­ne­berg und hof­fe, daß ich dort etwas Bes­se­res erle­be. (Pau­se) Schon unfaß­bar, das, also bei­des. (unver­stän­dich) … zwei Welten.

So ist es. Würz­burg und Son­ne­berg – das sind aus unse­rer, also aus wider­stän­di­ger, patrio­ti­scher, rechts­kon­ser­va­ti­ver Sicht zwei Wel­ten, die nicht viel mit­ein­an­der zu tun haben. Als Höcke und ich gegen 20 Uhr noch ein­mal kurz tele­fo­nier­ten, klang er stolz und zuver­sicht­lich, denn sein Lan­des­ver­band stellt nun den bun­des­weit ers­ten AfD-Land­rat: Der bis­he­ri­ge Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Robert Ses­sel­mann, Voll­ju­rist, Fami­li­en­va­ter, in Son­ne­berg gebo­ren, hat gegen eine Front, die von CDU bis Lin­ke reich­te, in der Stich­wahl mit 52,8 Pro­zent klar gegen sei­nen CDU-Kon­kur­ren­ten gewonnen.

Der Sieg in Son­ne­berg ist auch für Höcke ganz per­sön­lich eine Genug­tu­ung. Aber auch auf der Rück­fahrt von die­sem groß­ar­ti­gen Ereig­nis kam er noch ein­mal auf das zu spre­chen, was er Stun­den zuvor in Würz­burg erle­ben und aus­hal­ten muß­te. (“Ein­ord­nen” sagt er selbst immer zu sol­chen Vor­gän­gen. Das ist ein zen­tra­ler Begriff sei­ner Arbeits­wei­se, er hat ihn in der Anfangs­zeit nicht ver­wen­det. Ein­ord­nen bedeu­tet: sich emo­tio­nal nicht mit­rei­ßen zu las­sen, son­dern mit der nöti­gen Distanz selbst auf Unge­heu­er­lich­kei­ten zu bli­cken und die rich­ti­gen Schlüs­se dar­aus zu ziehen.)

Höcke war nach Würz­burg gefah­ren, um an einer Gedenk­ver­an­stal­tung für die drei Frau­en teil­zu­neh­men, die am 23. Juni 2021 von einem Asyl­be­wer­ber nie­der­ge­sto­chen und getö­tet wor­den waren. Der AfD-Bezirks­ver­band Unter­fran­ken hat­te zu die­ser Ver­an­stal­tung auf­ge­ru­fen und Höcke als Red­ner geladen.

Aber die Ver­an­stal­tung konn­te nicht durch­ge­führt wer­den. Die Poli­zei setz­te das Ver­samm­lungs­recht der AfD nicht durch und sah zu, wie Gegen­de­mons­tran­ten so dicht her­an­ka­men, daß sie Eier wer­fen und die Zugän­ge blo­ckie­ren konn­ten. Wir alle ken­nen die­se Metho­de, die­ses Aus­trock­nen und die Insze­nie­rung einer Atmo­sphä­re der Zumu­tung, der sich zuletzt nur Hart­ge­sot­te­ne aus­set­zen möchten.

(Wer übri­gens meint, die Poli­zei sei im Gro­ßen und Gan­zen doch stets auf unse­rer Sei­te, weil sie “an der Front” die Fol­gen grün-roter Poli­tik aus­zu­ba­den habe, der irrt sich. Poli­zis­ten legen unter Span­nung jenes Kor­sett aus Hand­lungs­rou­ti­ne und Befehls­ket­te an, das selbst unüber­sicht­li­che Situa­tio­nen kal­ku­lier­bar macht. Man kennt das vom Mili­tär her: Der Sinn des Drills wird sichtbar.)

Höcke reis­te ab, ohne sei­ne Rede gehal­ten zu haben, und fuhr nach Son­ne­berg – tat­säch­lich also in eine ande­re Welt. Es ist, als läge der Osten jen­seits eines Gra­bens. Zwei­tens domi­niert in gro­ßen Städ­ten wohl ein ande­rer Schlag. Wer ein­mal über einen Old­ti­mer- und Trak­to­ren­treff geschlen­dert ist (am Sams­tag hat man das auf dem Sport­platz in Schnell­ro­da wie­der machen kön­nen), der weiß: Die­se Leu­te brau­chen kei­ne Theo­rien und hin­ter­grün­di­gen Erklä­run­gen, um zu ver­ste­hen und zu begrü­ßen, was nun end­lich geschah.

Son­ne­berg: Es sind Höckes Leu­te, die wie­der ein­mal zei­gen, wie man es macht, und die vor allem wider­le­gen, daß man mit ihm und mit den Grund­sätz­li­chen im Lan­de in eine Sack­gas­se fahre.

Weil ich hier ja nicht für die brei­te Öffent­lich­keit schrei­be, son­dern für uns (die wir vie­le sind) und für die­je­ni­gen, die begrei­fen sol­len, daß man weit aus­ho­len soll­te, bevor man wirft, schrei­be ichs jetzt noch ein­mal auf: Jeder zwei­te Thü­rin­ger hat den Ein­druck, er sei Höcke schon ein­mal begeg­net und wis­se mehr und ande­res über die­sen Mann als die ver­sam­mel­te Jour­nail­le und die poli­ti­sche Konkurrenz.

Und die­se nor­ma­len Leu­te, die nicht zu den Mund­werks­bur­schen gehö­ren, irren sich nicht. Sie ken­nen Höcke tat­säch­lich: Höcke hat mitt­ler­wei­le über 300 Bür­ger­aben­de absol­viert, er war in jeder Stadt, in jedem zwei­ten Dorf, er bün­delt die Hoff­nung auf eine poli­ti­sche Wen­de zum Guten wie ein Brennglas.

Wer nach einem Erfolg wie dem in Son­ne­berg noch immer meint, Luckes und Petrys und Meu­thens Abgän­ge hät­ten ver­hee­ren­de und ent­schei­dend schwä­chen­de Ader­las­se zur Fol­ge gehabt, der hat nicht ver­stan­den, wie schlimm die Lage ist. Viel­leicht besinnt sich sogar die Jun­ge Frei­heit nun – ihr Kom­men­tar zum Sieg in Son­ne­berg war jeden­falls frei von den übli­chen Beden­ken­trä­ger­phra­sen, man müs­se nun beson­nen sein, und­so­wei­ter. Beson­nen sind wir doch sowie­so alle.

Maxi­mi­li­an Krah hat in unse­rem letz­ten Pod­cast aus­ge­führt, daß die AfD die der­zeit inter­es­san­tes­te Par­tei von rechts in Euro­pa sei, weil sie bewei­se, daß man grund­sätz­lich blei­ben kön­ne und sich nicht anbie­dern müs­se und gera­de des­halb aufsteige.

(Wer hat übri­gens mit­be­kom­men, wie zuletzt noch zwei ehe­ma­li­ge AfD-Spit­zen­po­li­ti­ker, auf die “man” einst setz­te, vor der AfD in ihrem jet­zi­gen Zustand warn­ten, um in Son­ne­berg Schlim­me­res zu ver­hin­dern? Jörg Meu­then, als Poli­ti­ker vor­ge­stellt, der “jetzt Zen­trums­par­tei” sei, gab der BILD am Sonn­tag ein Inter­view und sprach sei­nen ehe­ma­li­gen Weg­ge­fähr­ten jede Taug­lich­keit ab.

Und Mar­cus Pret­zell, eigent­lich nur als Ehe­mann Petrys bekannt, müh­te sich in der für ihn typi­schen Mischung aus Eitel­keit und Selbst­ein­wech­se­lung auf Twit­ter ab und gab zu Pro­to­koll, die AfD habe ein­fach zu vie­le Spit­zen­po­li­ti­ker ver­lo­ren – womit er vor allem sich selbst meinte.)

Son­ne­berg: Sich gegen die Stimm­häu­fung aller ande­ren Par­tei­en deut­lich durch­zu­set­zen – wor­auf ande­res ver­weist dies als auf die Über­zeu­gung, daß kei­ne der Alt­par­tei­en Wesent­li­ches zur Ver­bes­se­rung bei­zu­tra­gen habe?

Schon gar nicht die CDU, mit oder ohne Wer­te­uni­ons­fort­satz: Man kann nicht auf der einen Sei­te Oppo­si­ti­on gegen Grün-Grün zu spie­len ver­su­chen und stets dort, wo es kon­kret wird, in Treue fest mit Rame­low alles für bes­ser und anstän­di­ger erklä­ren als einen boden­stän­di­gen, gut aus­ge­bil­de­ten, als mode­rat und kom­mu­ni­ka­tiv bekann­ten, orts­bür­ti­gen AfD-Mann.

Der Druck auf die­sen Mann wird unge­heu­er­lich sein. Intern muß man ihn von ihm neh­men, indem man ihm immer wie­der signa­li­siert, daß man sei­nen Hand­lungs­spiel­raum kennt: Er ist als Land­rat an die Ent­schei­dun­gen des Kreis­tags gebun­den, muß umset­zen, was beschlos­sen wird, kann sich ab und an ver­wei­gern und wird ent­schei­den kön­nen, wo er ein Gruß­wort hält und wo nicht.

Land­rat zu sein ist ein bür­ger­li­ches, ein reprä­sen­ta­ti­ves Amt: Ses­sel­mann wird zwi­schen den rich­ti­gen und den fal­schen Wor­ten wäh­len kön­nen, dar­auf ist Gewicht zu legen. Man soll­te außer­dem über ein Maxi­mum an Trans­pa­renz nach­den­ken: Man kann den Bür­gern erklä­ren, daß man Zwän­gen unter­wor­fen sei und daß jede Neu­ord­nung der Ver­hält­nis­se aus Zwi­schen­schrit­ten bestehe. Mit der Neu­wahl des Kreis­tags in abseh­ba­rer Zeit wird sich dann vie­les zum Bes­se­ren wenden.

Lesen Sie mal quer, wie das Estab­lish­ment schäumt. Ver­ba­le Ent­hem­mung, durch­ge­knall­te his­to­ri­sche Ver­glei­che, Wäh­ler­be­lei­di­gung, Rufe nach Ein­griff, Neu­wahl, Amts­ent­he­bung. Das wird sich so rasch nicht beruhigen.

Durch­hal­ten: Das ist alles. Und eines her­aus­strei­chen: Ahnt man von Links bis Wer­te­uni­on, was im kom­men­den Jahr in Thü­rin­gen, Sach­sen und Bran­den­burg pas­sie­ren kann, wenn die Wäh­ler ent­schei­den dür­fen, ob Robert Ses­sel­mann aus Son­ne­berg zu Recht als Nazi beschimpft und zur Sau gemacht wor­den ist.

Ich glau­be nicht, daß man in Ber­lin weiß, wie ent­schlos­sen und gut gelaunt Leu­te zur Wahl gehen, die sich nicht mehr ein­schüch­tern lassen.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Verein für Staatspolitik e.V.
DE80 8005 3762 1894 1065 43
NOLADE21HAL

Kommentare (34)

RMH

26. Juni 2023 09:48

Würzburg. Nur fürs Protokoll, auf einer kleinen Stele, direkt neben einer niedrigeren (und einer noch kleineren), die gerne zum Hinsetzen und dem Verdrücken der Leberkässemmel, die man in der in 5 Meter Entfernung befindlichen Metzgerei gekauft hat, steht in Erinnerung an denn Terroranschlag auf einer besonders gut zu übersehenden, bronzefarbenen Plakette (immerhin auch in Braille-Schrift) folgendes:
"Hier wurden am 25. Juni 2021 drei Menschen ermordet und mehrere schwer verletzt und traumatisiert. Wir erinnern und Gedenken."
Tja, dass in dieser Stadt ein B. Höcke nicht zum reden kommt, dürfte keine Überraschung mehr sein. Dafür konnte dort am Freitag der CSD mit einem Empfang im Rathaus eröffnet werden und am Sonntag, dem zweiten Jahrestags des Anschlags, gabs dann nen "QueerGottesdienst". Jeder hat eben seine Präferenzen. Über gute Ergebnisse der AfD braucht sich aber keiner mehr beschweren.

Franz Bettinger

26. Juni 2023 09:51

Schöner Text. Anlauf nehmen zum Sprung. Nach hinten Ausholen zum weiten Wurf nach vorne. Gute Metaphern. - Und Meuthen? Hat sich in der BILD endlich als das enttarnt, was er immer schon war. Wir hatten ihn damals schon richtig eingeschätzt. - Um Frauke Petry ist es schade. Sie war ein begnadetes Talent. Aber: Wer die Basis-Demokratie nicht ernst nimmt - und die fängt in der eigenen Partei an - kann letztendlich keiner von uns sein und wird gegangen. Noch sind wir, die AfD, in dieser herrlich ehrlichen Anfangsphase, die auch die Grünen durchleben durften und die bei denen so unendlich weit zurück liegt. Man muss hoffen, dass die AfD, stärker werdend, nicht endet wie die pervertierten Grünen. 

Adler und Drache

26. Juni 2023 10:00

Frau Faeser hat ja nun die Katze aus dem Sack gelassen und tatsächlich ein Verbotsverfahren angekündigt. Offensichtlich hat man in der Chefetage das Gefühl, dem Treiben lange genug zugeschaut zu haben und nun handeln zu müssen. Da wird man die nächsten Landtagswahlen nicht weniger auf dem Schirm haben als bei uns. 
Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass es so weit kommt - man erinnert sich ja, wie kläglich es scheiterte, als es gegen die NPD ging. Das riecht schon sehr nach einer Verzweiflungstat. 
Hoffen wir, dass Erfolg weitere Erfolge zeitigt. Sieger verbreiten eine positive Aura!

RMH

26. Juni 2023 10:25

"man erinnert sich ja, wie kläglich es scheiterte, als es gegen die NPD ging."
@Adler und Drache,
das zweite NPD-Verbotsverfahren war kein Scheitern, man stellte damit die Verfassungswidrigkeit der NPD fest und hat von einem Verbot nur deshalb abgesehen, da man sie für erfolglos, unbedeutend und damit ungefährlich für die politische Ordnung einstufte. Die Urteilsbegründung war die Handreichung und Blaupause für ein Vorgehen gegen die AfD, insbesondere der VS wird die Begründung daher in- und auswendig gelernt haben. Mit der Besetzung des Chefpostens einer Verwaltungsbehörde, nichts anderes ist ein Landrat, hat die AfD, neben ihren Umfragewerten und ihrer parlamentarischen Präsenz, jetzt aber einen Erfolg und eine Relevanz, der die Hausjuristen des Establishments dieses 2 NPD-Urteil sicher noch einmal ganz genau anschauen lassen wird.
Man darf sich davon nicht einschüchtern lassen, aber realistisch in den Blick zu nehmen hat man das schon.
 

MARCEL

26. Juni 2023 10:31

Eine Bresche! Nicht zu verachten
Gleichwohl: Noch muss man in Deutschland nicht jeden Morgen unters Auto schauen wie früher in Nordirland.
Aber, selbst dann: Mut wächst, wenn es um etwas geht und die Eigenwirksamkeit spürbar wird.
(Ja, die Polizeit: Dort "Kumpels" zu haben, nützt nicht allzu viel, schadet aber auch nicht. 
Dennoch: Die Polizei muss in ihrem Tun (z.B. in Würzburg) beständig zum  Zweifeln gebracht werden)

t.gygax

26. Juni 2023 11:14

Es sind zwei Welten. Ich weiß, wovon ich rede-von einer südwestdeutschen Großstadt mit internationalem Flair in ein Dorf im Nordosten von Sachsen-Anhalt gezogen. Aber wir leben dort gut,und dass wir irgendwie Exoten sind, (was hat Sie denn hierher verschlagen...), kann ich gelassen wegstecken. Ich habe hier ein besseres soziales Umfeld als dem fränkischen Dorf, in dem wir 18 Jahre lang mühsam überlebten, denn dort gab es wirkliche "Fremdenfeindlichkeit", etwas, das die Gutmenschen bevorzugt den neuen Bundesländern zuschreiben,  jetzt nach Sonneberg erst recht und mit dem üblichen antifaschistischen Furor, der übrigens vor nichts mehr halt macht, siehe Lina Engel etc..    

Maiordomus

26. Juni 2023 11:48

Die Frankfurter Rundschau schrieb von "Mitleid mit den Wählern im Kreis Sonnenberg", weil der Gewählte ja gar keine eigene Politik durchsetzen könne. Als ob das beim CDU-Kandidaten viel anders gewesen wäre nach dem Motto von Robert Musil "Politik ist was geschieht": es ist aber ein riesiger Unterschied, wie man auf dieser Stufe auch nur schon die Symbolpolitik handhabt, wie man mit den Leuten umgeht und wie man kommentiert, was von oben befohlen wird oder, was geschickter ist, auch nicht kommentiert, im Zweifelsfalle schweigen, wo andere loben, übrigens am besten nur in Extremfällen, z.B. befohlenen Rechtsverletzungen Obstruktion machen und auch gegenüber eigenen übereifrigen Anängern Geduld zu behalten, "Mitleid mit den Wählern" betrifft doch insbesondere heute die von den jeweiligen konservativen Flügeln bis hin zur SPD, wo noch etliche z.B. nicht gendergläubig sind oder zumindest traditionell gewerkschaftlich denken. Für Sesselmann wird es derzeit richtig sein, sich auf symbolpolitische Sensibilät zu beschränken, die offiziellen Phrasen wenigstens nicht nachzubeten, das ist in semitotalitären Verhältnissen schon viel. 

RMH

26. Juni 2023 12:01

"Es ist, als läge der Osten jenseits eines Grabens."
Ich sehe hier keinen Graben. Sonneberg bspw. liegt direkt nördlich von Nürnberg, Bamberg, nah an Coburg. Das ist bereits geografisch kein Osten von Deutschland. Selbst wenn man von Würzburg nach Norden geht, streift man zumindest noch den Wartburgkreis (kommt aber eher nach Fulda, eine traditionell konservative Gegend). Die neuen Länder umschreibt man m.M.n. klarer mit der Mitte Deutschlands und M-Vp. ist Teil von Norddeutschland. Die Gräben sind mehr institutionell. So feiert die Lokalpresse in Würzburg schon seit Corona es ab, wenn ihr missliebige Demonstrationen durch wen auch immer verhindert werden. Jetzt feiern sich sich selber, dass B. Höcke nicht reden konnte. Ich war am Wochenende auch auf einem Oldtimer-Treffen in den neuen Ländern. 70% waren dabei Teilnehmer aus den alten Ländern, die zum Teil hunderte km extra für dieses Treffen angereist sind. Dort trifft man auf keine Gräben und deswegen war es noch lange kein AfD-Wähler Treffen. Wenn die AfD langsam beginnt, echte Verantwortung zu übernehmen (wie eben durch die Besetzung eines Landratsposten), dann ist es an der Zeit, dass sie es ein bisschen anders macht, als die anderen und auch das nach wie vor Verbindende klar benennt. Damit macht sie keine Verluste.

Laurenz

26. Juni 2023 12:06

Werter GK, es geht hier nicht nur um die JF, alle konservativen Medien, wie auch Tichys & Achgut, befinden sich in einer schmerzlichen Transformation, gerade was, aber nicht nur, die AfD oder die CDU angeht. Alle befanden oder befinden sich noch auf der Meuthen-Linie, die ewig gestrig, von der niemehr wiederkehrenden Bonner Republik vergebens träumt. Nur den Intelligenten (Journalisten & Reitschuster gehört nicht dazu) schwant im Angesicht der kultur-marxistischen Transatlantik-Szenerie, daß diese Haltung des Appeasements gescheitert ist. Diese lächerliche Maaßen-Werteunionsfront, die auch gerne Alexander Wallasch bemüht, bricht. Es gibt nur noch die oder wir, endlich. Halbe Bekenntnisse sind keine Bekenntnisse. Hatte schon vor 2 Tagen angefangen, die neue Sendung (34) Am Rande der Gesellschaft zu schauen. Es ist mit, wenn nicht die beste überhaupt, die jemals aus Schnellroda in den Äther lief. So sehr man sich mit Dr. Krah über Seine historischen Befindlichkeiten fetzen kann, da fehlt Ihm wohl der westliche Hintergund, so klar, plausibel & konkludent ist Er in der Analyse & Schlußfolgerung für das jetzt & das morgen. Wußte nicht, daß ich all die Jahre für diesen jungen Mann Wahlwerbung auf der SiN machte. All die Stunden des Formulierens in der Debatte um den richtigen Weg zu verifizieren, waren nicht vergebens. Ich bin diesmal nicht alleine, nicht der Außenseiter, sondern endlich mal inhaltlich auf der SiN vorne dabei. Der Mann hat auch in der AfD all unsere Unterstützung verdient. In Zukunft rechts.

Maiordomus

26. Juni 2023 12:59

@Weil Krah seine frühen politischen Erfahrungen in der CDU gemacht hat und insofern doch wertvolles Wissen mit Enttäuschungen sich angeeignet, wurde er auf dieser Seite schon auch wegen seiner in der Regel nicht betont polemischen Wortwahl von den Foristen als "Unterseeboot" eingeschätzt; dabei war klar, dass er in der Kritik stets konkreter und erfahrungsbezogener argumentierte als z.B. Meuthen, der schon zur Zeit seiner Krise mit der Partei einen politisch verzweifelten Eindruck machte, mutmasslich, weil er wohl von nicht wenigen Basisrechten gemobbt wurde und zu diesen sozial und kulturell offenbar nicht passte. Von Petry habe ich indes vergleichsweise von Anfang an nichts gehalten, sie war politisch sträflich naiv, wohingegen Meuthen immerhin als Luckeaner durchgehen könnte, die man als Flügel einer Volkspartei genau so hätte tolerieren und integrieren  können wie einen Rechtsnationalen wie Höcke, der indes früher mehr als heute allzu sehr auf die Provokation setzte, aber im Gegensatz zu Meuthen eine echte politische Begabung ist, die Übung mit dem Ministerpräsidenten von Thüringen war bis zur Wahl gestern abend der objektiv grösste Erfolg der AfD, geht auf Konto von Höcke, den ich aber nach wie vor lieber in der Kultur sähe, sogar im Sinne von Sellner und Kubitschek, als in der Politik, wo die Leute wegen ihm bundesweit übergeschnappt sind. Er müsste als Gymnasiallehrer angestellt werden, das wäre ein noch grösserer Triumph als ein Landratsmandat. 

Gimli

26. Juni 2023 13:58

Na, ein Landrat macht noch lange keinen Kanzler. In meiner "Blase" ertüchtigen die Leute ihre Häuser, fahren zunehmend mit Strom und ja, sehen in BErlin gerade eine Kakophonie statt ein Orchester, aber auch das ist ein Merkmal des Mehrparteien-Paramentarismus. Ärgerlich wie ein Nachbarschaftsstreit, aber eben auch nicht unüblich. 

Waldgaenger aus Schwaben

26. Juni 2023 14:53

Gegen Ende seines langen politischen Lebens wurde Hans-Dietrich Genscher nach einer Erkenntnis gefragt. Die Anwort.
Die Probleme suchen sich in der Demokratie ihre Mehrheiten.
Ich denke, das erklärt den gegenwärtigen Höheflug der AfD gut. Das Problem ist die massenhafte Einwanderung in die Sozialsysteme. Mit Lucke oder Meuthen als Vorsitzende sähen wir dieselben Zahlen in den Umfragen. 
Vordergründig schimpft der westdeutsche (?) Klein- und Mittelstandsbürger über den Murks bei der Energiewende der Grünen. Dadurch entgeht er dem Vorwurf "menschfeindlich" oder "rassistisch" zu sein. Er schlägt den Sack und meint den Esel.
Ein Verbot der AfD würde sofort zum Erstarken einer anderen rechten Partei führen. Möglicherweise würde sie sogar neben den AfD-Wählern einen Teil der Noch-CDU-Wähler anziehen. Einen Testlauf gab es ja in Bremen. 

Maiordomus

26. Juni 2023 14:56

@Natürlich ist Höcke im Vergleich zu gescheiterten Parteiführern wie Lucke, Petry und Meuthen ein "animal politique", aber wie seinerzeit FJS von Bayern ausserhalb seines Bundeslandes ein rotes Tuch, keine bundesweite Wahllokomotive, kaum der Mann, der Parteiflügel integrieren kann, hier wäre wohl Krah geeigneter, wohingegen Weidel drauf und dran ist, an nationaler Popularität Wagenknecht einzuholen bei gleichzeitig grösserem parteiinternem Gewicht in ihrer Partei, wiewohl sie vermutlich den Nationalen noch zu stark bürgerlich ist, weit entfernt vom einstigen Niekisch, der wie Jünger einer anderen Epoche angehörte. Mein Ceterum censeo betr. Höcke mehr in der Metapolitik als im Politschaufenster ist nicht abschätzig gemeint; man stelle sich ihn als Gymnasialrektor vor in einer Schule, in der z.B. Bosselmann wieder unterrichten dürfte. Das ist auf Dauer wertvoller als ein Parlamentsmandat. Bei den Grünen und Roten ist es normal. dass Gesinnungsfreunde in einer Schule unterrichten, ich würde es, so wie ich etwa Bosselmann zu kennen glaube, bei Wiederanstellung in Sachen Politisierung des Unterrichts  an seiner Stelle nicht machen wie die Linken, sondern bei kulturkonservativer Linie bleiben: Solche Lehrer bzw. "Lehrkräfte" braucht das Land, und Berufsverbot ist objektiv schlimmer als die Nichtvertretung in Landräten. 

Laurenz

26. Juni 2023 15:28

@Maiordomus  .... @Franz Bettinger verkennt die damalige Lage. Petry, wie Weidel sind sehr begabt, beide bekamen, wenn ich mich recht erinnere, Stipendien oder ähnliches. Der Unterschied liegt im Charakter. Wenn Petry zu Parteiveranstaltungen kam, war sie alleine in der Garderobe, kam auf die Bühne, hielt ihre Rede & verpisste sich danach wieder. Schon am Bundesparteitag 03/2016 in Stuttgart sprach Petry zu den Mitgliedern von Ich & Ihr. Sie fühlte & benahm sich bereits damals als Merkel der AfD. Weidel & Chrupalla haben 3 AfD-Granden wegen Größenwahns gehen sehen. Das erkennt man an Ihren Aussagen, Sie bleiben immer bei der Sache, genau wie Dr. Krah es beschreibt. Weidel ist sich nie zu schade, um es mal christlich zu formulieren, für den geringsten in der AfD Zeit zu opfern, so auch viele andere. Meuthen & sein Gefolge, wie Cotar, mobbte die Patrioten, nicht umgekehrt. Die Restliberalen, wie von Storch & Boehringer scheinen verstanden zu haben, daß nicht Sie es sind, die Wahlen gewinnen können. Im Prinzip ist es Höcke, der mit Seinem Kurs bisher Recht behielt & die Hilfs-Meuthens düpierte. Um wieder Dr. Krah leger zu zitieren, Erfolg ist geil. Das Volk liebt die Erfolgreichen. Was Höcke angeht, so ist Er mehr Historiker als Politiker. Aber hier, Maiordomus, geht es jetzt in Thüringen um die berühmte Bratwurst & nicht darum, ein paar Pennäler glücklich zu machen. Sie verkennen hier die Prioritäten.

Volksdeutscher

26. Juni 2023 18:15

t.gygax - "...von einer südwestdeutschen Großstadt mit internationalem Flair..." - Diesen Unterschied zwischen alter und neuer Bundesländer kann auch ich bestätigen, er ist bis zum heutigen Tag mit Händen zu greifen. Natürlich könnte man jetzt fragen, was dieses erwähnte "internationale Flair" ausmacht und welchen Umständen es seine Entstehung verdankt. Man könnte aber gleich abblocken und die Grundsatzfrage stellen: Gibt es überhaupt soetwas wie "internationales Flair"? Denn das, was man in einer südwestdeutschen Stadt unter Flair versteht, unterscheidet sich stark vom Verständnis von Flair von Bewohnern einer Stadt wie sagen wir mal Budapest, wo Viktor Orbán mit Zweidrittel-Mehrheit regiert, Homosexuelle beider Geschlechter auf offener Straße sich nicht Hand in Hand spazieren trauen, was die flairgesättigten nationalgesinnten Einheimischen ganz in Ordnung finden. Während Flair in Deutschland mit der Abwesenheit des Nationalen und jeder Art von Ordnung und Grenzen assoziiert wird, ist in Ungarn gerade die Anwesenheit dieser Phänomene, die die Existenz von Flair ausmacht. Das Flair von Budapest ist jedoch nicht das Flair von Milano, das Flair von Milano ist nicht das Flair von London, das Flair von London ist nicht das Flair von Moskau. Internationales Flair ist eine terminologische Sackgasse und Ausdruck von Weltfremdheit.

Volksdeutscher

26. Juni 2023 19:06

“Einordnen” sagt er selbst immer zu solchen Vorgängen." - Ein Politiker mußte in der Tat schon immer Distanz wahren und Distanz wahren können, sei es zu politischen Vorgängen oder Kontrahenten, sowohl in den eigenen Reihen als auch in denen des Gegners. Das gilt heute mehr denn je. Björn Höcke macht einen distinguierten Eindruck und wird seinem Anspruch zur Distanzwahrung gerecht. Man kann der Meinung sein, daß Höcke in der Kultur besser aufgehoben wäre, aber dafür fehlen seinerseits konkrete Leistungen, während seine Leistungen in der Politik bereits sowohl zur Zufriedenheit seiner Sympathisanten als auch zur Verzweiflung seiner Gegner Früchte getragen haben. Was nutzte also ihn zu expatriieren? Es ist nicht Höckes Fehler, daß er vom politischen Gegner gefürchtet und bekämpft wird wie kein anderer Politiker der AfD. Seine politische Begabung gereicht nicht nur zu seinem Erfolg, sondern auch zu dem seiner Partei und ganz Deutschlands. Was würde, wie könnte Björn Höcke in der Kultur in dem Maße wie in der Politik überhaupt von Nutzen sein, wenn man bedenkt, daß es die Politik ist, die der Kultur ihr Feld und ihre Möglichkeiten bestimmt?

Jan

26. Juni 2023 19:28

@ Laurenz
"Diese lächerliche Maaßen-Werteunionsfront, die auch gerne Alexander Wallasch bemüht, bricht."
Tichy, Wallasch, Achse, Reichelt, Reitschuster, Sarrazin usw. - die haben alle ihre Berechtigung. Sie ragen in den Mainstream hinein, aus dem sie einst kamen und holen Leute ab, die Sezession & Co. (noch) nicht erreichen kann. Dort werden die Leute aber für Themen und Blickwinkel geöffnet, die hier vertieft und intensiviert werden können. Man sollte das strategisch sehen, keine unnötigen Fronten aufmachen und unsinnige Kleinkriege führen. Dass die sich öffentlich eventuell distanzieren, ist taktisch eher hilfreich. Dadurch haben sie immer noch einen Fuß in der Tür zum Mainstream und können wirken. 
Maaßen hatte letztens kritisiert, dass die Seenotretter in Wirklichkeit eine rassistische Agenda fahren. Ihnen geht es um die ethnische Umgestaltung Europas und die Zurückdrängung des europäischen Bevölkerungsanteils. Der vermeintliche Humanismus soll diese Ziele bloß verschleiern. Endlich sagt es mal einer mit größerer Reichweite klar und deutlich. Wallasch hatte das entsprechende Interview mit Maaßen gebracht und berichtet heute erneut über die führende Figur der "Seenotretter"-Szene mit der rassistischen Verdrängungsagenda zu Lasten der Europäer. 
Ich rechne das Maaßen und Wallasch hoch an. 
Jede alternative publizistische Einheit sollte ihr eigenes Ding machen. Getrennt marschieren, gemeinsam schlagen.

Gotlandfahrer

26. Juni 2023 19:52

In Berlin und anderswo wissen Viele Vieles nicht, vorallem nicht, dass und was gerade gespielt wird. Wer bei seiner Erdverbundenheit bleibt wird das Ende der lächerlichen Figuren betrachten dürfen. 

deutscheridentitaerer

26. Juni 2023 19:55

Ich habe kurz überlegt, zu der Gedenkveranstaltung zu kommen, aber im Wissen darüber Abstand genommen, dass es genauso kommen wird, wie es dann gekommen ist.Man erreicht mit solchen Auftritten meiner Meinung nach nichts, außer den Leute ihre Gelegenheit für ihre zwei Minuten Hass zu geben. Ich habe hier keine echte Beunruhigung angesichts des nunmehr zweiten islamistischen Anschlags wahrnehmen können. Selbst bei einem mir bekannten Ersthelfer beschränkte sich der Schock gewissermaßen auf das blutige Gemetzel selber, erstreckte sich gar nicht auf irgendwelche Hintergründe oder Zusammenhänge. Warum das so ist, ist mir persönlich komplett rätselhaft. Es mag daran liegen, dass Universität, Uniklinik und, ich glaube, acht Gymnasien für eine gewisse Versorgungssicherheit sorgen. Oder an einer über die Jahrhunderte eingefleischten Passivität gegenüber einer maßvollen kirchlichen Obrigkeit, die es einem erlaubt das Leben in einer schönen Stadt mit vielen Sonnentagen zu genießen. Lustigerweise gehörte Sonnenberg bis zur Reformation zum Würzburger Bistum.

Nemo Obligatur

26. Juni 2023 21:18

Ich glaube nicht, daß man in Berlin weiß, wie entschlossen und gut gelaunt Leute zur Wahl gehen, die sich nicht mehr einschüchtern lassen.
In diesem Satz steckt eine ganze Welt. Besten Dank dafür und weitermachen!
 

RMH

26. Juni 2023 22:10

Im Übrigen gehe ich davon aus, dass jetzt die Wagenknecht-Partei kommt, um das Protestwählerpotential in den mitteldeutschen Bundesländern zu spalten. Das Wahljahr 2024 wird nicht unvorbereitet angegangen werden.
Evtl. dehnt sich BIW- jetzt Bündnis Deutschland - im Westen aus. Für die anstehende Bayernwahl machen die freien Wähler diesen job. 
Vermutlich wird das die Anti-AfD-Strategie noch vor einem Verbotsverfahren sein. Bis dahin werden die System-Medien weiter kreischen und der Twitter-Mob frei drehen.

Laurenz

26. Juni 2023 23:36

@Jan @L.Tichy, Wallasch, Achse, Reichelt, Reitschuster, Sarrazin ..... Sie haben mich falsch verstanden. Ich lese regelmäßig Tichys, Achgut & Wallasch. Reichelt ist unterhaltsam, Reitschuster fällt ab, rein schon vom Intellekt her. Da arbeiten teils sehr gute Autoren. Vordergründig sind viele schon, inklusive der JF, bezüglich der AfD umgeschwenkt, weil, wie Krah sagt, Erfolg sexy macht. Wenn man tiefer gräbt, wird vor allem der transatlantische Verrat an diesen Konservativen offensichtlich. Die meisten denken im Sinne der Bonner Republik transatlantisch. Aber die Vernichtung des Konservatismus durch Gender, Klima, LGBTQIA+, CancelCulture kommt genau über diese Brücke zu uns. Es bleibt Ihnen gar nichts anderes übrig, die einzige existierende Opposition anzuerkennen. Trotzdem kommen Autoren, wie Goergen, Thurnes oder Spahn nicht vom Trasnatlantik los. Gut, Spahn ist tot. Aber auch Grimm, wie die anderen, propagieren sich immer noch ziemlich sensibilisiert russophob, obwohl sie Ihren Vermichtern damit in die Hände spielen & den Zusammenhang nicht wahrhaben wollen. Daß Adenauers transatlantische Bindung schon immer scheiße war, ist unvorstellbar. Wie viele Kommunisten oder Antik-Bolschewisten, verharrt man in der eigenen Lebenslüge.

Ordoliberal

27. Juni 2023 00:37

@laurenz
"Meuthen & sein Gefolge, wie Cotar, mobbte die Patrioten, nicht umgekehrt. Die Restliberalen, wie von Storch & Boehringer scheinen verstanden zu haben, daß nicht Sie es sind, die Wahlen gewinnen können."
Alles schön und gut, aber Patriotismus ist kein politisches Programm. Was tut denn ein Patriot, nachdem er die Wahl gewonnen hat?
Aus der Tatsache, dass einer deutscher Patriot ist, lassen sich seine Positionen in der Außen-, Innen-, Wirtschafts- und Sozialpolitik nicht ableiten. Aus der Tatsache, dass einer klassischer Liberaler ist, schon.
Nichts gegen eine grundsätzliche Opposition gegen die derzeitige sozialistische Machtübernahme. Im Gegenteil! Aber meine Sorge bleibt, dass die rechte Opposition, die Sie und Kubitschek beschwören, selbst von sozialistischem Gedankengut infiziert ist.
Ich verstehe bis heute nicht, worin das "Grundsätzliche" dieser Opposition bestehen soll. Und woraus sich Ihre Überzeugung speist, dass es nicht einfach nur die im Osten stärker empfundene Angst vor Kaufkraftverlust, Enteignung, Bevormundung und Überfremdung ist, die zum AfD-Wahlerfolg geführt hat.
Denn der Ossi kann eben nicht auf ein ererbtes Vermögen zurückgreifen, das den Wessi so gelassen auf den grünen Putsch blicken lässt. 

Der Sinnierer

27. Juni 2023 03:02

Ich bewundere die Zuversicht manches AfDlers und auch den von Ihnen, Herrn Kubitschek und Frau Kositza. Ich habe schon vor Jahren das System als übermächtig erlebt und mich nun auf die (Neu-)Schaffung deutscher Kultur, meiner stets größer werdenden Nachkommenschaft und der - derzeit nur privatpersönlichen - Erinnerung vor allem ostdeutscher aber auch elsässischer Reminiszenzen gewidmet. Ggf kann ich noch die Zweistelligkeit bei der Kinderschar erreichen und bin voller Hoffnung, daß sie jenen heimatlichen Aufstieg erleben werden, der hoffentlich trotz meiner Skepsis nicht erst in weiter Ferne, sondern in Bälde eintreten wird und der dann eher dem Mut und Kampfe der oben aufgeführten Akteure gilt als einem wie mir...

das kapital

27. Juni 2023 06:33

Der ganze öffentliche Diskurs ist in Deutschland nicht mehr tauglich. Wer die Probleme benennt, wird persönlich diskreditiert. Die Probleme werden nicht benannt und erst recht nicht gelöst. Der "Kampf gegen rechts" wird zu einer Monströsität aufgeblasen. Die Probleme werden nicht benannt,  geschweige denn gelöst. Statt dessen werden die Boten sozial geköpft und entwürdigt. /// Wir leben in einer Gesellschaft, die mehr und mehr totalitär wird. Der Verfall unseres Landes ist langfristig angelegt, schon mit der Einführung von Euro und EU. Später kam die Energiewende ins Nichts und die Politik des offenen Scheunentors dazu. Die selbsternannten Demokraten dominieren ARD, ZDF, Deutschlandfunk und auch die Hauptstrompresse. Das eigene Versagen kommt dort nicht vor. Statt dessen wird dort der "Kampf gegen Rechts" inszeniert. Hat nun in Sonneberg nicht geklappt, weil der dort geborene Landrat genügend Rückhalt hat. /// CDU und CSU sind so desolat, dass sie keiner mehr will. Zeigt sich deutlich in der Diskussion um Claudia Pechstein. Merz ist auf grünen Kuschelkurs. Und wird trotzdem von anderen mit grünem Kuschelkurs angegangen. Habeck ist Merkels wahrhaftiger Erbe. Mehr noch als Friedrich Merz. Habeck fand Deutschland immer schon zum Kotzen. Und verwandelt es mehr noch als Merkel, in ein Land, das zum Kotzen ist. Merken jetzt auch die Wähler und strafen CDU und CSU ab. /// In einem Land mit Landtagswahlen, das immer schon von der korupten CSU durchseucht ist, muss doch keiner damit rechnen, dass für die politische Konkurrenz Versammlungsfreiheit organisiert wird.

t.gygax

27. Juni 2023 08:19

@Volksdeutscher
"Internationales Flair"=Heidelberg.

Maiordomus

27. Juni 2023 09:34

@Der Sinnierer. Sie erinnern mich an einen patriarchalen "Dissenter" von Old England, der in Amerika die Freiheit suchte. Es gäb in einzelnen Bundesstaaten noch entsprechende Nischen, sofern das Bundesgericht usw. mit diesen nicht aufräumt, immerhin hat Trump Hindernisse eher verstärkt, Amerika ist nicht einfach die "dekadente" Ostküste oder Hollywood, insofern sollte man beim Verhältnis zu Amerika differenzieren, wiewohl Trump es intellektuell nie zu einem US-Konservativen à la Kirk, Santayana, Buckley geschafft hat. @Adenauer war kulturell zutiefst Amerika-skeptisch, den Juden von dort gegenüber misstrauisch, das kann man seinen Memoiren entnehmen und seiner Ablehnung von Kennedy und dessen Eierkopfregime u. Kritik an Vietnamkrieg. Der Kalte Krieg, das waren andere Verhältnisse, siehe die Blockade Berlins 1948 usw. und die Heimholung der Kriegsgefangenen. Adenauer hat an die Konzessionen an die USA über persönliche Freundschaften hinaus nicht noch ideologisch geglaubt, das macht den Unterschied zu heute aus. Wen wir früheren Antikommunisten indes unterschätzt haben oder falsch eingeschätzt, war z.B. Egon Bahr, Brandts "Kissinger", oder Erhard Eppler, wobei jedoch "Wiedervereinigung" in den 80ern bis in die Union hinein als "Illusion" bezeichnet wurde. Der alte Guttenberg bezeichnete 1972 im Bundestag die Preisgabe Schlesiens als Verrat an Deutschland aus der Sicht eines deutschen katholischen Freiherrn. 

KlausD.

27. Juni 2023 09:48

@Ordoliberal  27.Juni 2023 00:37
"... Bevormundung und Überfremdung ..." - Warum zählt das im Westen nicht? Aber die Antwort haben Sie ja selbst schon gegeben ...

Karl Otto

27. Juni 2023 11:13

@Laurenz: Sie sind sich schon bewuasst, dass die geistigen Grundlagen von Gender, Klima, LGBTQIA+, CancelCulture von deutschen und französischen Autoren gelegt wurden, die amerikanische intellektuelle Tradition des Pragmatismus von Willam James und John Dewey ist eine ganz andere. Nenneswerte Ausnahme ist höchstens Judith Butler, die allerdings erst seit den 90er Jahren ihre Bücher veröffentlicht.
Und was die "Russophobie" betrifft, so kann man davon aus meiner Sicht nicht mehr reden, nachdem ein Mann aus dem Führungszirkel und persönlicher Freund von Putin öffentlich erklärt hat, dass das ganze Gerede vom Kampf gegen den satanischen Westen erstunken und erlogen ist und es in Wirklichkeit nur darum geht, der Putin-Mafia neue Jagdgründe zu erschließen.

Laurenz

27. Juni 2023 11:35

@Ordoliberal @L. ... Patriotismus ist kein politisches Programm. Was tut denn ein Patriot, nachdem er die Wahl gewonnen hat? ... Ich gehe davon aus, Sie haben die Sendung mit Krah nicht gesehen, geht auch über eine Stunde, ist aber extrem kurzweilig. Die Spannung fällt nie ab. Krah beschreibt seine internen & externen Konflikte, weil Er das Partei-Programm öffentlich vertritt. Das werden Sie auch nicht kennen. Auch in der Wagenknecht-Frage, die beantwortet wird, sagt Krah das Entscheidende. Die Ausklammerung des Sozialen Frage ist politisch dem Untergang geweiht, weil es die wichtigste Frage für das Deutsche Volk ist. Das sieht Wagenknecht genauso. Und? Was den Patriotismus angeht, so schauen Sie auch keinen Tim Kellner, der häufig Höckes heiß umkämpfte Aussage "Alles für Deutschland" per Video-Ausschnitt zitiert. In der Satire antgwortet Kellner, "Nein, nur das nötigste für Deutschland". 10 Milliarden für Indien, 50 Mill. für die Ukraine, 30 Mill. netto für die EU, etc. pp. Als Patriot kann man das alles streichen & wenn, bilateral für die Interressen Deutschlands einsetzen. Jetzt sind wir, wie Weidel sagt, der Geldautomat für andere. Wo Ihr Liberalismus Platz hat, ist für alle Vernunftbegabten die persönliche Freiheit & die Abschaffung überbordender EU-Bürokratie & sinnlose Kontrollmechanismen für Unternehmen. Was nutzt uns eine extrem teure Bankenaufsicht, die keinen Crash verhindert. Weidel: Unser Land wird von Idioten regiert.

Schobbepetzer

27. Juni 2023 11:53

Interessante Diskussion über Höcke und welche Rolle er einnehmen soll. Er wird das hier sicherlich auch lesen. Höcke wirkt doch ganz erheblich, in dem die Medien, die ganze Zeit vor ihm warnen und ihn zitieren. Die Drohung Höcke könnte eine größere Rolle außerhalb Thüringens spielen, scheint die Medien und Parteien in Aufregung zu versetzen und provoziert sie zu Fehlern, die weitere Wählern zur AFD treiben.

Man schaue sich mal diesen Artikel https://www.n-tv.de/politik/Die-neuen-AfD-Protestwaehler-sind-anders-als-gedacht-article24220504.html an. Läuft doch für uns, bei vielen Normalos wird das wieder ein bisschen mehr zum Nachdenken über AFD führen. Derzeit ist soviel im Fluss, sowohl in Deutschland als auch in Europa. Wichtiger als in AFD eintreten, ist für alle das Erweitern von Netzwerken, Strukturen zu bilden. In diesem Sinne bin ich bei Sellner, da kann jeder was tun. Freue mich auf das Sommerfest, genau der richtige Ort, um Ideen zu diskutieren.

Der_Juergen

27. Juni 2023 12:42

Kubitschek spricht mit seinem Kommentar auch jemandem aus dem Herzen, der nicht an die Rettung Deutschlands durch Wahlen glaubt. Und obwohl Schadenfreude gewiss keine Tugend ist, fällt es einem ausgesprochen schwer, angesichts der hysterischen Reaktion der Systemmedien und -parteien keine solche zu empfinden. Glaubten die Leute denn ernstlich, das herrschende Parteinkartell, das von den Grünen bis zur CSU reicht, könne endlos Krieg gegen das eigene Volk führen, ohne bei einer wachsenden Minderheit Groll zu provozieren, der sich zwangsläufig auch in Wahlergebnissen niederschlägt?
 
Robert Sesselmann sei viel Nervenkraft gewünscht. Er wird sie brauchen.
 
 

Der_Juergen

27. Juni 2023 13:01

@Ordoliberal:
"Aus der Tatsache, dass einer deutscher Patriot ist, lassen sich seine Positionen in der Außen-, Innen-, Wirtschafts- und Sozialpolitik nicht ableiten. Aus der Tatsache, dass einer klassischer Liberaler ist, schon."
Mir scheint, es verhält sich eher umgekehrt. Wer Patriot ist, kann nicht wollen, dass sein Land eine Marionette fremder Mächte ist und für fremde Interessen die Kastanien aus dem Feuer holt. Das bedeutet konkret z. B., dass eine patriotische deutsche Regierung keine Sanktionen gegen Russland verhängt und dem Regime in Kiew keine Waffen geliefert hätte. Wer Patriot ist, kann nicht wollen, dass sein Volk durch familienfeindliche Politik und Masseneinwanderung zur Minderheit im eigenen Lande wird und dass die Städte seines Landes zu Raubrevieren fremder Verbrecherbanden wird. Die sich für eine patriotische Regierung aufdrängenden innenpolitischen Massnahmen liegen auf der Hand. Ein Patriot kann nicht wollen, dass grosse Teile seines Volkes in unverschuldeter Armut leben. Folglich muss er eine betont soziale Politik befürworten. Was für eine Aussen-, Innen- und Sozialpolitik ein Ordo-Liberaler betreiben wird, ist sehr viel weniger klar. Vielleicht helfen Sie uns hier auf die Sprünge.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.