Norbert Bolz – eine Ernte zum Siebzigsten

von Thor v. Waldstein -- PDF der Druckfassung aus Sezession 113/ April 2023

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»Wer ist eigent­lich Nor­bert Bolz?« Die­se Fra­ge stell­ten sich 1982 die Leser des Bochu­mer Phi­lo­so­phen Ber­nard Will­ms, der sei­nen legen­dä­ren Essay »Antai­os – oder die Lage der Phi­lo­so­phie ist die Lage der Nati­on« in einem von Bolz her­aus­ge­ge­be­nen Sam­mel­band mit dem hin­ter­grün­di­gen Titel Wer hat Angst vor der Phi­lo­so­phie? erschei­nen ließ. (1)

In die­sem Auf­satz, einer Art Essenz sei­nes im sel­ben Jahr in der Edi­ti­on Maschke erschie­ne­nen Haupt­wer­kes Die Deut­sche Nati­on, rech­ne­te Will­ms – unter Beru­fung auf »eine deut­sche Gegen­auf­klä­rung, die von Her­der bis Geh­len reicht« – mit »der Timi­di­tät der beam­te­ten Phi­lo­so­phie« und den »Musterschüler[n] der ›Ree­du­ca­ti­on‹« ab und wag­te den Ver­such einer Neu­be­stim­mung der deut­schen Philosophie.

In sei­ner Ein­lei­tung zu dem Sam­mel­band ent­larv­te Bolz den »Uni­ver­sa­li­täts­an­spruch der Sozi­al­wis­sen­schaf­ten [als] Mythos« und beschei­nig­te Will­ms, sein Bei­trag stel­le den »Bruch eines mäch­ti­gen Tabus in der Bun­des­re­pu­blik« dar. Bolz’ eige­ner Auf­satz, »Das inne­re Aus­land der Phi­lo­so­phie«, fiel durch eine pro­fun­de Hegel­ex­ege­se auf, die er mit lau­fen­den Bezug­nah­men auf die Schrif­ten Carl Schmitts zu kom­bi­nie­ren wuß­te, was damals noch von vie­len als Sakri­leg auf­ge­faßt wurde.

Außer­dem besta­chen bei Bolz – für einen 29jährigen wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter an der »Frei­en« Uni­ver­si­tät Ber­lin, der noch etwas wer­den woll­te – erstaun­li­che Respekt­lo­sig­kei­ten gegen­über Jür­gen Haber­mas, den eine phi­lo­so­phisch bedürf­nis­lo­se Ham­bur­ger Wochen­zei­tung spä­ter allen Erns­tes zum »Hegel der Bun­des­re­pu­blik« küren soll­te. (2)

Bolz, am 17. April 1953 in Lud­wigs­ha­fen / Rhein als Sohn eines Che­mi­kan­ten gebo­ren, war nach dem Stu­di­um von Phi­lo­so­phie, Ger­ma­nis­tik, Anglis­tik und Reli­gi­ons­wis­sen­schaft in Mann­heim, Hei­del­berg und Ber­lin 1976 mit einer Arbeit über Ador­no pro­mo­viert wor­den. Die­se stand noch ganz im Ban­ne der Frank­fur­ter Schu­le. In der Habi­li­ta­ti­ons­pha­se geriet er unter den Ein­fluß von Jacob Tau­bes, der in den 1970er Jah­ren in Ber­lin den küh­nen Ver­such unter­nahm, »styl­es of radi­cal will dem jus­ten Milieu gegen­über­zu­stel­len«. (3)

Die dem Andenken des 1987 ver­stor­be­nen Tau­bes gewid­me­te Habi­li­ta­ti­ons­schrift Aus­zug aus der ent­zau­ber­ten Welt. Phi­lo­so­phi­scher Extre­mis­mus zwi­schen den Welt­krie­gen ließ  deut­lich die Prä­gung von Bolz durch den jüdi­schen Reli­gi­ons­phi­lo­so­phen erken­nen. In der Vor­be­mer­kung zu der Arbeit bekann­te Bolz frei­mü­tig, Tau­bes habe »ihm Mut gemacht, dem Den­ken der ›kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­tio­nä­re‹ ins Ange­sicht zu schau­en«. (4)

Von Tau­bes lern­te Bolz, daß man die wesent­li­chen Fra­gen in der Phi­lo­so­phie nur beant­wor­ten kann, wenn man – dem »Höl­len­zau­ber der Moder­ne« ent­ron­nen – dem theo­lo­gi­schen Kern die­ser Fra­gen auf die Spur kommt. Bei einem sol­chen Unter­fan­gen sind – neben dem­je­ni­gen Schmitts – die Wer­ke Wal­ter Ben­ja­mins und Max Webers unverzichtbar.

Die­se drei Den­ker bestim­men ganz wesent­lich die Grund­me­lo­die der Bücher von Nor­bert Bolz, wobei er außer­dem – qua­si als phi­lo­so­phi­sche Kon­ter­mut­ter – über eine sou­ve­rä­ne Kennt­nis des Wer­kes von ­Fried­rich Nietz­sche ver­fügt. Die reli­gi­ons­phi­lo­so­phi­schen Geheim­adres­sen des 20. Jahr­hun­derts – von Hans Blu­men­berg über Alex­and­re Kojè­ve bis zu Leo Strauß – gehö­ren eben­so zu Bolz’ stän­dig ver­füg­ba­ren Bord­mit­teln wie eine beein­dru­cken­de Detail­kennt­nis der US-ame­ri­ka­ni­schen Sozio­lo­gie, deren aktu­el­le Erkennt­nis­se er immer wie­der in sei­ne Schrif­ten ein­zu­flech­ten ver­steht. Aus­ge­stat­tet mit die­sem Rüst­zeug, durch­pflügt Bolz in viel­schich­ti­gen Ana­ly­sen das brü­chi­ge Ter­rain der Gegenwart.

Als einen der wich­tigs­ten Haupt­geg­ner mar­kiert er den Ega­li­ta­ris­mus, für Bolz eine »Anlei­tung zum Unglück­lich­sein«. (5) In der Sehn­sucht nach Gleich­heit ste­cke »die größ­te Gefahr der moder­nen Demo­kra­tie, näm­lich die Ver­lo­ckung, einer Ungleich­heit in Frei­heit die Gleich­heit in der Knecht­schaft vor­zu­zie­hen«. Seit lan­gem zu beob­ach­ten sei eine »ent­ar­te­te Gleich­heits­sucht, wo die Schwa­chen ver­su­chen, die Star­ken auf ihr Niveau her­un­ter­zu­zie­hen«. Bolz wen­det sich gegen die »Glückszwangs­angebote des Sozi­al­staa­tes«, unter des­sen Namen am Ende der »pater­na­lis­ti­sche Obrig­keits­staat« her­vor­lu­ge: »Vater Staat will näm­lich nicht, daß sei­ne Kin­der erwach­sen werden«.

Der Wohl­fahrts­staat prä­mie­re den Man­gel und erzeu­ge selt­sa­me Lebens­ein­stel­lun­gen à la »Ich bin benach­tei­ligt, also bin ich«. Die in den 1960er Jah­ren aus­ge­rech­net von Ernst Forst­hoff salon­fä­hig gemach­te Staats­auf­ga­be einer »tota­len Daseins­für­sor­ge [neh­me] den Selb­stän­di­gen das Geld und den Betreu­ten die Wür­de«. Der »Kult des Sozia­len opfer[e] das Glück und die Frei­heit des Ein­zel­nen« (6) und för­de­re vor allem den Sozi­al­neid, »die mar­kan­tes­te Alt­bau­fas­sa­de der Sozi­al­de­mo­kra­tie«. (7)

Bolz wen­det sich mit Ver­ve gegen ein sol­ches Lebens­mo­dell, bei dem die Eigen­ver­ant­wor­tung des Indi­vi­du­ums eben­so unter die Räder kom­me wie sei­ne Wür­de. Gera­de die heu­te bei allen mög­li­chen und unmög­li­chen Anläs­sen zitier­te Wür­de des Men­schen bestehe nicht in irgend­wel­chen ent­grenz­ten Ver­sor­gungs­an­sprü­chen, son­dern in der »Ent­schlos­sen­heit, sich mit gan­zem Her­zen einer Sache zu ver­schrei­ben«. (8)

Dabei habe die gro­ße Gleich­heits­ma­schi­ne zwi­schen­zeit­lich auch auf ande­ren Lebens­be­rei­chen deut­li­che Spu­ren hin­ter­las­sen: Seit der »Ega­li­ta­ris­mus des Begeh­rens« im Vor­drin­gen begrif­fen sei, »herr­schen in der Öffent­lich­keit die Frei­hei­ten, die wür­de­los sind«. Das 21. Jahr­hun­dert habe als »Zeit­al­ter der emo­tio­na­len Inkon­ti­nenz begon­nen«, (9) in dem inson­der­heit die Deut­schen mit »Angst­lust« und »Unheils­stolz«1 (10) auffielen.

In der Medi­en­de­mo­kra­tie wür­den – so Bolz wei­ter – »poli­ti­sche Pro­ble­me nicht durch­dacht, son­dern gefühlt«, (11) was auf der per­so­nel­len Ebe­ne zu gro­tes­ken Ergeb­nis­sen geführt habe: »Poli­ti­ker sind die Leu­te, die ant­wor­ten müs­sen, auch wenn es kei­ne Ant­wor­ten gibt, und die ant­wor­ten wol­len, auch wenn es gar kei­ne Fra­gen gibt«. Bolz gei­ßelt »jene ste­ri­le Auf­ge­regt­heit […], die heu­te den Grund­ton der poli­ti­schen Talk­shows bestimmt«. (12) In einer sol­chen Atmo­sphä­re herr­sche nicht die Mei­nungs­frei­heit, son­dern die poli­ti­sche Kor­rekt­heit, eine »Ersatz­re­li­gi­on für Aka­de­mi­ker«. (13)

Die­se ent­sprin­ge der »Rhe­to­rik eines besetz­ten Lan­des« (14) und habe zu dem »sozia­len Ost­ra­zis­mus unse­rer Tage« (15) geführt, indem nie­mand mehr den Mund auf­ma­che: »Daß man die Frei­heit hat zu sagen, was man denkt, besagt nicht viel, wenn man nicht mehr zu den­ken wagt, was man nicht sagen darf«. (16) Dar­auf baut auch jene Defi­ni­ti­on der öffent­li­chen Mei­nung auf, die Bolz als Medi­en­wis­sen­schaft­ler berühmt gemacht hat: Die­se sei »nicht das, was die Leu­te mei­nen, son­dern das, was die Leu­te mei­nen, ›was die Leu­te mei­nen‹«. (17)

Als Fehl­griff muß Bolz’ Ver­such von 2002 gewer­tet wer­den, mit sei­nem Kon­su­mis­ti­schen Mani­fest den west­li­chen Lebens­stil gegen die isla­mis­ti­schen Her­aus­for­de­run­gen nach 9/11 zu ver­tei­di­gen. Sei­ne dor­ti­gen Plä­doy­ers »für die Händ­ler und gegen die Hel­den«, (18) »für Kon­sum­bür­ger­lich­keit«, für »Markt­frie­de« und für Geld als den »funktionale[n] Ersatz für die unmög­lich gewor­de­nen Ideen des Huma­nis­mus« ste­hen nicht nur im Wider­spruch zu aller geschicht­li­chen Erfah­rung spä­tes­tens seit Ende des 18. Jahr­hun­derts, son­dern gera­de auch im Gegen­satz zu Bolz’ frü­he­ren Ver­öf­fent­li­chun­gen. Wenn der Kon­su­mis­mus wirk­lich »das Immun­sys­tem der Welt­ge­sell­schaft gegen den Virus der fana­ti­schen Reli­gio­nen« wäre, dann fragt man sich, war­um vie­le der ara­bi­schen Atten­tä­ter gera­de aus Eltern­häu­sern stam­men, die zuvor ihr ori­en­ta­li­sches Erbe ver­ra­ten und sich der wes­ter­niza­ti­on geöff­net haben.

Tat­säch­lich gibt es eine sol­che geis­ti­ge Ver­bin­dung zwi­schen Kon­sum und Frei­heit nicht, was im übri­gen nie­mand bes­ser weiß als ­Nor­bert Bolz: »Die Wahl­frei­heit des Kon­su­men­ten [erscheint] als das Recht der Unfrei­en, denn die Wahl des Kon­su­men­ten hat kei­nen ech­ten Ent­schei­dungs­cha­rak­ter.« (19) In den aus­ge­reif­tes­ten Kapi­teln sei­ner Habi­li­ta­ti­on, »Pro­sti­tu­ti­on der Waren­see­le« und »Die Mas­se als Matrix«, hat er »das huren­haf­te Geld« (20) und den von die­sem ner­vus rer­um abhän­gi­gen, hoh­len Kon­sum als die wah­ren Ursa­chen für die Ent­see­lung des Men­schen in der Moder­ne gebrand­markt. Es gebe einen »wesentliche[n] Zusam­men­hang zwi­schen ­Waren­fe­ti­schis­mus, Mas­sen­da­sein und Tota­li­ta­ris­mus. Die Ver­schmel­zung ato­mi­sier­ter Pri­vat­in­ter­es­sen um die tote Waren­mit­te ist das his­to­ri­sche Urphä­no­men der Massenformation«.

Beson­de­ren Mut bewies Bolz 2006 mit sei­nem Buch Die Hel­den der Fami­lie, in dem er den Selbst­ex­tre­mis­ten und dem von ihnen zu ver­ant­wor­ten­den Kli­ma der Kin­der­feind­lich­keit in die­ser Repu­blik mehr oder weni­ger unge­schützt den Feh­de­hand­schuh hin­warf. Mit sei­ner Ehren­ret­tung für das Fami­li­en­le­ben als dem »Genie­ßen einer erläu­te­rungs­un­be­dürf­ti­gen Exis­tenz«, (21) mit sei­nem Rekurs auf die Fami­lie als die »Umklei­de­ka­bi­ne des sozia­len Rol­len­spiels und traditionelle[n] Ort des Well-being« (22) hat er sich bei den eman­zi­pa­to­ri­schen Macht­ha­bern bei­der­lei Geschlechts nicht nur Freun­de gemacht.

Bolz erin­nert dar­an, daß es die Kin­der sind, die »den Preis für die Eman­zi­pa­ti­on der Frau zah­len«. (23) Indem sich immer mehr Frau­en für die Pro­duk­ti­on und gegen die Repro­duk­ti­on ent­schei­den wür­den, ent­ste­he die »Tra­gö­die der moder­nen Fami­lie«, in der »frau sich zu Tode gesiegt« habe, in der der Mann – im Zuge der »Ent­machoi­sie­rung« als »Re-edu­ca­ti­on Teil II« – »in ein sor­gen­des Haus­tier« ver­wan­delt wor­den sei  (24) und in der am Ende die kom­plet­te »Ver­staat­li­chung der Kin­der« dro­he. (25) In einem sol­chen fami­li­en­feind­li­chen Umfeld sei­en heu­ti­ge Eltern »die moder­nen Hel­den«. Sie und nie­mand ande­res über­näh­men die »sozia­le Fell­pfle­ge« und erzö­gen ihre Kin­der im Geis­te alter Weis­heit: »Was uns glück­lich macht, bin­det uns«. In dem »Kal­ten Krieg […] zwi­schen Eltern und Kin­der­lo­sen« habe jeder Staat, der Zukunft haben wol­le, Stel­lung zu bezie­hen: »Nicht die Rei­chen, son­dern die Kin­der­lo­sen müs­sen stär­ker besteu­ert werden«.

Sol­che Ton­la­gen wer­den in »ein[em] Zeit­al­ter des radi­ka­len, begrün­dungs­un­be­dürf­ti­gen, zu nichts ver­pflich­ten­den Indi­vi­dua­lis­mus« von nicht weni­gen als aus der Zeit gefal­len emp­fun­den. Und so kann es kaum ver­wun­dern, daß Bolz unter deut­schen Intel­lek­tu­el­len, bei denen es »spä­tes­tens seit den Nürn­ber­ger Pro­zes­sen […] eine Klug­heits­re­gel [ist], sich in die Anklä­ger­po­si­ti­on zu brin­gen«, (26) in die Defen­si­ve gera­ten ist. Für jeman­den, der schon lan­ge dem »Nar­ren­pa­ra­dies des wis­sen­schaft­li­chen Objek­ti­vis­mus« (27) den Rücken zuge­wandt hat, um sei­ner »Ver­ant­wor­tung für die unhin­ter­geh­ba­ren Grund­über­zeu­gun­gen, die unser Den­ken rah­men«, gerecht zu wer­den, ist das eine fast zwangs­läu­fi­ge Entwicklung.

War Bolz – nicht zuletzt auf­grund der Ver­wen­dung sinn­frei­er Rück­ver­si­che­rungs­for­meln wie z. B. der Mär von dem »wun­der­ba­ren Erfolgs­sys­tem Bun­des­re­pu­blik« (28) – frü­her ein häu­fig in Talk­shows zu sehen­der Gast, ent­fern­te er sich mit den Jah­ren mehr und mehr vom vor­ge­ge­be­nen Mei­nungs­kor­ri­dor. Den Rubi­kon über­schritt Bolz am 5. Sep­tem­ber 2010, als er im Zuge der Sar­ra­zin-Debat­te bei Anne Will den Lügen­vor­hang des offi­ziö­sen Herr­schafts­sprech lüpf­te und – vor den ent­setz­ten Bli­cken der Talk­da­me – dar­auf hin­wies, daß wir weit ent­fernt von Mei­nungs­frei­heit leben würden.

Mei­nungs­frei­heit set­ze Respekt vor dem Anders­den­ken­den vor­aus, und die­sen Respekt kön­ne er nir­gend­wo erken­nen. Poli­ti­ker leb­ten in einer Par­al­lel­welt, und die Bür­ger sei­en nicht mehr bereit, sich von »beson­ders arro­gan­ten neu­en Jako­bi­nern […] den Mund ver­bie­ten zu las­sen«. (29) Seit­her sind die Ein­la­dun­gen zu Talk­shows in den Mainstream­medien sel­te­ner gewor­den. Das ficht Bolz aber nicht an. Sei­ne geschlif­fe­nen Vor­trä­ge erzie­len im Inter­net hohe Abruf­zah­len, und – neben sei­nen regel­mä­ßi­gen Buch­ver­öf­fent­li­chun­gen – erreicht er auf den alter­na­ti­ven Kanä­len eine wach­sen­de Zahl von Lesern und Hörern.

In sei­nem – neben der Habi­li­ta­ti­ons­schrift – phi­lo­so­phisch bes­ten Buch, Die Welt als Cha­os und als Simu­la­ti­on, hat Bolz sei­ner Über­zeu­gung Aus­druck ver­lie­hen, wir sei­en »der Wahr­heit [dort] am nächs­ten […], wo das Cha­os am dich­tes­ten, die Welt am ver­wirr­tes­ten, das Bewußt­sein am ver­ding­lichs­ten und die Träu­me am ver­rück­tes­ten sind«. (30) Wenn das rich­tig ist, herr­schen heu­te für Wahr­heits­su­cher wie Bolz nach­ge­ra­de idea­le Bedingungen.

Als sat­tel­fes­ter Luh­man­nia­ner ist er »auf intel­li­gen­te Wei­se kon­ser­va­tiv« (31) gewor­den und als pas­sio­nier­ter Wald­gän­ger im Geis­te Ernst ­Jün­gers weiß er, daß »der Ort der Frei­heit dort [liegt], wo uns der Levia­than nicht fin­det: im Cha­os«. (32) Es bleibt zu hof­fen, daß Bolz von dort aus wei­ter sei­ne luzi­den sozio­lo­gi­schen Quer­schnit­te durch eine Repu­blik vor­nimmt, die eine sol­che Über­do­sis an Wahr­heit bit­ter nötig hat. Ad mul­tos annos!

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(1) – Ber­nard Will­ms: »Antai­os – oder die Lage der Phi­lo­so­phie ist die Lage der Nati­on«, in: Nor­bert W. Bolz (Hrsg.): Wer hat Angst vor der Phi­lo­so­phie? Eine Ein­füh­rung in Phi­lo­so­phie, Pader­born et al. 1982, S. 32 – 66; Fol­ge­zi­ta­te: ebd., S. 56, 59 und 59; Fol­ge­zi­ta­te und Quel­len­nach­weis: Bolz: Wer hat Angst, S. 7, 9 und 95 – 135.

(2) – Die Zeit Nr. 42/2001 vom 11. Okto­ber 2001.

(3) – Jacob Tau­bes an Hans-Diet­rich San­der, Brief vom 15. Okto­ber 1979, zit. nach: Her­bert Kopp-Ober­s­te­brink, Thors­ten Palz­hoff, Mar­tin Treml (Hrsg.): Jacob Tau­bes – Carl Schmitt. Brief­wech­sel, Mün­chen 2012, S. 294.

(4) – Nor­bert Bolz: Aus­zug aus der ent­zau­ber­ten Welt. Phi­lo­so­phi­scher Extre­mis­mus zwi­schen den Welt­krie­gen, Mün­chen 1989, S. 11; Fol­ge­zi­tat S. 115.

(5) – Nor­bert Bolz: Dis­kurs über die Ungleich­heit. Ein Anti-Rous­se­au, Mün­chen 2009, S. 20; Fol­ge­zi­ta­te S. 9, 21, 89, 98, 16, 119 und 18.

(6) – Nor­bert Bolz: Das rich­ti­ge Leben, Mün­chen 2014, S. 102.

(7) – Nor­bert Bolz: Blind­flug mit Zuschau­er, Mün­chen 2005, S. 54.

(8) – Bolz: Das rich­ti­ge Leben, 13; Fol­ge­zi­tat S. 136.

(9) – Achgut.com vom 1. Sep­tem­ber 2021.

(10) – Nor­bert Bolz: Die Avant­gar­de der Angst, Ber­lin 2020, S. 60.

(11) – Bolz: Blind­flug, S. 74; Fol­ge­zi­tat S. 79.

(12) – Bolz: Das rich­ti­ge Leben, S. 110.

(13) – Nor­bert Bolz: Das Wis­sen der Reli­gi­on. Betrach­tun­gen eines reli­gi­ös Unmu­si­ka­li­schen, Mün­chen 2008, S. 60.

(14) – Bolz: Dis­kurs über die Ungleich­heit, S. 33.

(15) – Bolz: Das rich­ti­ge ­Leben, S. 92.

(16) – Nor­bert Bolz: Die unge­lieb­te Frei­heit. Ein Lage­be­richt, Pader­born 2010, S. 88.

(17) – Bolz: Blind­flug, S. 79.

(18) – Nor­bert Bolz: Das kon­su­mis­ti­sche Mani­fest, Mün­chen 2002, S. 15; Fol­ge­zi­ta­te S. 15, 16, 86 und 16.

(19) – Bolz: Die unge­lieb­te Frei­heit, S. 107.

(20) – Bolz: Aus­zug aus der ent­zau­ber­ten Welt, 118; Fol­ge­zi­tat S. 124.

(21) – Nor­bert Bolz: Die Hel­den der Fami­lie, Paderborn/München 2006, S. 19.

(22) – Bolz: Blind­flug, S. 121.

(23) – Bolz: Hel­den der Fami­lie, S. 47; Fol­ge­zi­ta­te S. 36, 49.

(24) – Bolz: Dis­kurs über die ­Ungleich­heit, S. 57.

(25) – Bolz: Hel­den der Fami­lie, S. 39; Fol­ge­zi­ta­te S. 54, 58, 19, 7, 71 und 7.

(26) – Bolz: Wis­sen der Reli­gi­on, S. 68.

(27) – Bolz: Das rich­ti­ge Leben, S. 121; Fol­ge­zi­tat ebd.

(28) – »Anne Will« vom 1. Novem­ber 2009.

(29) – »Anne Will« vom 5.  Sep­tem­ber 2010.

(30) – Nor­bert Bolz: Die Welt als Cha­os und als Simu­la­ti­on, Mün­chen 1992, S. 40.

(31) – Nor­bert Bolz: Rat­ten im Laby­rinth. Niklas Luh­mann und die Gren­zen der Auf­klä­rung, Mün­chen 2012, S. 40.

(32) – Bolz: Die unge­lieb­te Frei­heit, S. 57.

 

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