Sezession
1. Juli 2005

Autorenportrait Carl Zuckmayer

Gastbeitrag

pdf der Druckfassung aus Sezession 10 / Juli 2005

sez_nr_10von Günter Scholdt

Carl Zuckmayer wurde am 27. Dezember 1896 im rheinhessischen Nackenheim geboren als Sohn eines Fabrikanten für Weinflaschenkapseln. Bei Kriegsausbruch 1914 meldete sich der Abiturient freiwillig und war zuletzt Artillerieleutnant an der Westfront und Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrats in Mainz. Nach abgebrochenem Studium und ersten gescheiterten Dramenversuchen (Kreuzweg, 1920) schlug er sich mit Gelegenheitsarbeiten durch, darunter als Dramaturg in Kiel und ab 1924 gemeinsam mit Brecht am Deutschen Theater in Berlin. Der Durchbruch gelang ihm 1925 mit der rheinhessischen Komödie Der fröhliche Weinberg, die von der begeisterten Berliner Kritik als neusachlich-vitalistische Beerdigung des Expressionismus gefeiert und mit dem Kleistpreis ausgezeichnet wurde. Zwei weitere erfolgreiche Volksstücke (Schinderhannes, 1927; Katharina Knie, 1929) schlossen sich an vor dem zweiten Höhepunkt: der Komödie Der Hauptmann von Köpenick (1931), in der Zuckmayer sein großes Thema „Heimat“ respektive „Heimatlosigkeit“ mit dem Konflikt zwischen Mensch und militaristisch geprägter Ordnung verknüpfte. Diese Stücke, die wie andere seiner Werke schon bald verfilmt wurden, machten ihn zu einem der populärsten Autoren seiner Zeit.

Dies änderte sich schlagartig mit Hitlers Machtantritt. War doch Zuckmayer wegen der jüdischen Herkunft seiner Mutter sowie eigener NS-kritischer Äußerungen und Aktivitäten, zum Beispiel im Rahmen der „Eisernen Front“, politisch unerwünscht, was ein Verbot der Aufführung seiner Stücke in Deutschland zur Folge hatte. Er zog sich daher auf seinen Landsitz in Henndorf bei Salzburg zurück, um 1938, nach dem Einmarsch in Österreich, abermals zu emigrieren, zunächst in die Schweiz, 1939 in die USA. Dort war er kurzzeitig als Drehbuchautor in Hollywood und Dozent bei Piscator in New York tätig. Schließlich kaufte er eine Farm in Vermont und bestritt seinen Lebensunterhalt als Landwirt, eine Zeit, die auch in den Memoiren seiner Frau anschaulich gespiegelt ist. 1946 reiste er als Zivilangestellter des US-Kriegsministeriums nach Deutschland und schrieb engagierte Berichte zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Besatzern und Besiegten. Zuvor hatte er bereits im sogenannten Geheimreport mögliche Chancen ausgelotet, deutsche Kulturschaffende für einen geistigen Neuanfang heranzuziehen. 1948 siedelte er nach Saas Fee in der Schweiz um, seinem letzten Wohnsitz. Er starb am 18. Januar 1977 in Visp / Kanton Wallis.
Zuckmayer schrieb in allen literarischen Großgattungen, zudem für Funk und Film (Der blaue Engel). Er begann als Lyriker und veröffentlichte bereits 1917 in Franz Pfemferts Aktion. Die Gedichtsammlungen sind durch naturromantische wie heimatliche Akzente gekennzeichnet. Zu seinen bekanntesten epischen Werken gehört die 1945 erschienene humorvolle Erzählung Der Seelenbräu sowie der mit einer Fülle von Kulturportraits und Zeitskizzen versehene autobiographische Bestseller Als wär’s ein Stück von mir (1966). Den größten Zuspruch fand er als Dramatiker. Neben den bereits erwähnten Volksstücken der Weimarer Republik und den weniger geschätzten historischen (Der Schelm von Bergen, 1934; Barbara Blomberg, 1949) und zeitkritischen Schauspielen (Der Gesang im Feuerofen, 1950; Das kalte Licht, 1955; Der Rattenfänger, 1975) gehört das 1946 uraufgeführte Drama Des Teufels General als eines der ersten Problemstücke über das Dritte Reich zu den am häufigsten aufgeführten und diskutierten Werken der deutschen Bühnengeschichte.


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