Zehn Thesen zur deutschen Linken – ein Festvortrag von Dr. Thor v. Waldstein

Dr. Thor v. Waldstein hielt diesen Vortrag im Rahmen des Sommerfests 2023 in Schnellroda. Seine Thesen sind in der 115. Sezession abgedruckt. Wir dokumentieren Sie nun online, denn ins Zentrum des Abwehrkampfs gegen den Volksaufstand an der Wahlurne wurde Sahra Wagenknecht gestellt. Sie ist eine Linke durch und durch und die Jeanne d'Arc des Altparteiensystems. Dr. v. Waldstein widmet ihr seine Thesen nicht, aber wir alle gehen davon aus, daß sie sie zwei Mal lesen wird. Auch anzuhören sind sie: Der Mitschnitt des Vortrags ist unten verlinkt.

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Vor­be­mer­kung. Der Ver­fas­ser ist sich dar­über bewußt, jeden­falls auch nicht­deut­sche ­Facet­ten des Links­seins mit zu beschrei­ben; ange­sichts der ­anschei­nend unaus­rott­ba­ren Nei­gung der Deut­schen, mit nega­tiv-ori­gi­nel­len Maß­lo­sig­kei­ten zur Welt­ge­ne­sung bei­tra­gen zu wol­len, kon­zen­triert er sich gleich­wohl auf lin­ke Wesens­ei­gen­hei­ten, die er für genu­in deutsch hält.

1. Geschicht­li­che Her­lei­tung. Die Ent­wick­lung mar­xis­ti­schen ­Den­kens in Deutsch­land  ging zeit­lich ein­her mit drei tief­grei­fen­den sozio­lo­gi­schen Umbrü­chen des 19. Jahr­hun­derts: dem sich zu sei­nem Beginn for­mie­ren­den und nach 1830 stak­ka­to­ar­tig stei­gern­den tech­ni­schen Fort­schritt, dem etwa zur sel­ben Zeit sprung­haft ein­set­zen­den Bevöl­ke­rungs­zu­wachs und der damit ver­bun­de­nen Ver­städ­te­rung und ­Ver­mas­sung der Deut­schen sowie dem spä­tes­tens zum Ende des Jahr­hun­derts abge­schlos­se­nen Zer­fall des Glaubens.

Geis­tes­ge­schicht­lich flan­kiert wur­den die­se Indus­tria­li­sie­rungs- und Säku­la­ri­sie­rungs­schü­be vom Nie­der­gang der klas­si­schen Hegel­schen Schu­le. Es waren vor allem Bru­no Bau­er und ­Lud­wig Feu­er­bach, deren Reli­gi­ons­kri­tik die links­he­ge­lia­nisch-mate­ria­lis­ti­sche Zei­ten­wen­de aus­lös­te. Das idea­lis­tisch-roman­ti­sche Erbe, des­sen Abend­son­ne noch bis in das Ham­ba­cher Fest 1832 hin­ein­ge­strahlt hat­te, wur­de ruhm­los abge­wi­ckelt, und der neu­zeit­li­che Glau­be an die Mach­bar­keit aller Din­ge erfuhr eine dra­ma­ti­sche Beschleunigung.

Nach 1848 – der Hegel­sche Geist war aus der Zeit gefal­len, Marx und Engels hat­ten das ­Mani­fest der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei ver­kün­det – kam nach und nach jener eben­so bie­de­re wie uto­pi­sche Eudä­mo­nis­mus auf, der sich beru­fen fühl­te, die eng­lisch-mit­tel­mä­ßi­ge Phi­lo­so­phie Jere­my Bent­hams von der grea­test hap­pi­ness of the grea­test num­ber ins Poli­ti­sche zu über­tra­gen. Seit­her, seit die­ser »Feu­er­bach­schen Umstül­pung Hegels« (Ernst Troeltsch: »Der ­His­to­ris­mus und sei­ne Pro­ble­me«, in: ders.: ­Gesam­mel­te Schrif­ten, Bd. 3, ­Tübin­gen 1922, S. 565), tritt die Lin­ke mit jenem pene­tran­ten, im the­ra­peu­ti­schen Gewand daher­kom­men­den Anspruch auf, im Allein­be­sitz aller Schlüs­sel zum Glück der Mensch­heit zu sein.

Auf die­se Wei­se ist ein »reli­gi­ös gefärb­ter Gefühls­so­zia­lis­mus« (Hans Frey­er: Die Bewer­tung der Wirt­schaft im phi­lo­so­phi­schen Den­ken des 19. Jahr­hun­derts (1921), Hil­des­heim 1966, S. 87) ent­stan­den, in des­sen sti­cki­gem Kli­ma eine selt­sam anmu­ten­de Melan­ge aus Welt­ver­bes­se­rern, Res­sen­ti­ment­menschen und Phil­an­thro­pie­dar­stel­lern den Ton angibt.

2. Ideo­lo­gi­sches Nähe­ver­hält­nis Mar­xis­mus / Kapi­ta­lis­mus. Das Ver­häng­nis­vol­le an die­ser geis­ti­gen Wen­dung war, daß der Mar­xis­mus sei­nem erklär­ten Geg­ner, dem Kapi­ta­lis­mus, von Anfang an ideen­ge­schicht­lich nichts Eige­nes, nichts Ori­gi­nel­les, ent­ge­gen­zu­set­zen wuß­te und statt des­sen aus­ge­tre­te­nen Holz­we­gen folg­te: In bewuß­ter Abkehr, ja Ver­ach­tung der deut­schen Roman­tik, die sich bis zuletzt mit sou­ve­rä­nen geschichts­phi­lo­so­phi­schen Argu­men­ten eben­so wie mit schön­geis­ti­gem Tief­gang dem Pri­mat der Öko­no­mie und der Anti­re­li­gi­on der Tech­ni­zi­tät ent­ge­gen­ge­stemmt hat­te, erklär­te Marx die Wirt­schaft zum Alpha und Ome­ga, zum »Unter­bau« der von ihm aus der Tau­fe geho­be­nen Phi­lo­so­phie des Proletariats.

Die­se macht sich eine anthro­po­lo­gi­sche Trieb­fe­der des Men­schen gezielt zunut­ze: Der sozia­le Instinkt des ein­zel­nen, der spürt, daß er nur in Gemein­schaft mit ande­ren exis­tie­ren kann, wur­de zweck­ent­frem­det zu einer kol­lek­ti­vis­ti­schen Ideo­lo­gie, bei der die schöp­fe­ri­sche Ener­gie des Indi­vi­du­ums unter die Räder einer immer kräf­ti­ger stie­ben­den Öko­no­mie­lo­ko­mo­ti­ve kam. Die Tyran­nei der ent­frem­de­ten Arbeit, der »Mono­the­is­mus des Mark­tes« (Alain de Benoist: Gegen den Libe­ra­lis­mus, Dres­den 2021, S. 256)  und ein trost­los-mate­ria­lis­ti­scher Geld­fe­tisch, die Haupt­kenn­zei­chen des Kapi­ta­lis­mus spä­tes­tens seit Ende des 18. Jahr­hun­derts, wur­den damit zum unver­rück­ba­ren Merk­mal lin­ker Ideologie.

Mit die­ser Eng­füh­rung mensch­li­chen Lebens auf das Wirt­schaft­lich-Mecha­ni­sche, auf die »gan­ze öko­no­mi­sche Schei­ße« (Karl Marx: Brief vom 2. April 1851 an Fried­rich Engels, in: Karl Marx, Fried­rich Engels: Der Brief­wech­sel, Bd. 1, Mün­chen 1983, S. 180), beraub­te sich die Lin­ke ab ori­gi­ne der Chan­ce, der kalt geka­chel­ten Welt der Plu­to­kra­ten einen Ideen­k­os­mos ent­ge­gen­zu­stel­len, der den Gemein­schafts­sehn­süch­ten der Men­schen eine wür­di­ge Hei­mat gibt.

Die mit einem bemer­kens­wer­ten theo­re­ti­schen Auf­wand und einem unab­läs­si­gen rhe­to­ri­schen Geklap­pe­re in Sze­ne gesetz­te Dicho­to­mie zwi­schen Kapi­ta­lis­mus und Mar­xis­mus war also nie etwas ande­res als eine Luft­spie­ge­lung für Ahnungs­lo­se. Tat­säch­lich fin­det man im Werk­zeug­kas­ten bei­der Anschau­ungs­wei­sen immer nur ein und das­sel­be Instru­ment: den – ein­mal indi­vi­dua­lis­tisch, ein­mal umver­tei­lungs­wü­tig eti­ket­tier­ten – Geld­ham­mer, mit des­sen mono­to­ner Hand­ha­bung man glaubt, alle Pro­blem­nä­gel die­ser Welt in die Wand schla­gen zu können.

3. Ega­li­ta­ris­mus. Der lin­ke Motor bezieht sei­nen Treib­stoff in ­ers­ter Linie aus nega­ti­ven Refle­xen, aus nur schlecht kaschier­ten Nivel­lie­rungs­ge­lüs­ten; dem Mar­xis­mus fehlt jede schöp­fe­ri­sche Potenz. Um im Innern die­ser gro­ßen Gleich­heits­ma­schi­ne die Betriebs­tem­pe­ra­tur hal­ten und das immer­glei­che Man­tra von der »sozia­len Gerech­tig­keit« stets aufs neue abspu­len zu kön­nen, müs­sen am lau­fen­den Band neu­ent­deck­te »Unter­pri­vi­le­gier­te«, »Benach­tei­lig­te« und ander­wei­ti­ge Have­nots jeg­li­cher Schat­tie­rung prä­sen­tiert und nöti­gen­falls aus aller Her­ren Län­der her­an­ge­karrt werden.

»Neid und Eifer­sucht sind die Schamt­hei­le der mensch­li­chen See­le« (Fried­rich Nietz­sche: »Mensch­li­ches, All­zu­mensch­li­ches« (1878), in: ders.: Kri­ti­sche Stu­di­en­aus­ga­be (KSA), Bd. 2, Mün­chen 1988, S. 321), und nie­mand beherrscht die Nied­rig­bau­wei­se des Ega­li­ta­ris­mus so wie die Nach­fah­ren des Jus­tiz­rats­soh­nes aus Trier an der Mosel: »Gleich­heit ist […] kein Zustand, son­dern ein Herr­schafts­in­stru­ment« (Wal­ter Leis­ner: Der Gleich­heits­staat, Ber­lin 1980, S. 19). Die Stär­ke des Mar­xis­mus, das Geheim­nis sei­ner trau­ri­gen und – ins­be­son­de­re im 20. Jahr­hun­dert – eine lan­ge Blut­spur hin­ter sich her­zie­hen­den Attrak­ti­on besteht in »seine[r] Kunst, die Res­sen­ti­ments zu bün­deln und in eine bestimm­te Rich­tung zu lenken.

Dafür genü­gen Reiz­wör­ter, eini­ge geschickt mon­tier­te Feind­bil­der« (Armin Moh­ler: Ten­denz­wen­de für Fort­ge­schrit­te­ne, Mün­chen 1978, S. 196). Das unge­hemm­te Aus­le­ben sol­cher Res­sen­ti­ments hat auf der Lin­ken jenes ewig unzu­frie­de­ne Lebens­ge­fühl auf­kom­men las­sen, das Bewun­de­rung für Fähig­kei­ten und Leis­tun­gen eines ande­ren nicht kennt. Statt des­sen blickt man in die­sen bedau­erns­wer­ten Milieus – stil­echt ver­kör­pert von Gestal­ten, deren Mund­win­kel nach unten gezo­gen sind und auf deren Schul­tern das gan­ze Leid der (Drit­ten) Welt zu las­ten scheint – vol­ler Miß­gunst auf die­je­ni­gen, denen man nichts ande­res vor­zu­wer­fen ver­mag als ihre Ungleichheit.

4. Inter­na­tio­na­lis­mus. Kraft ihrer uni­ver­sa­lis­ti­schen Her­kunft aus dem Geist von 1789 war und ist die Lin­ke streng inter­na­tio­na­lis­tisch zuge­schnit­ten. Die acht­ba­ren Ver­su­che Fer­di­nand Lass­al­les und ­Her­mann Hel­lers, die mar­xis­ti­sche Dok­trin natio­nal zu erden und im Lan­de ­Her­ders und Fich­tes einen volks­ge­bun­de­nen Sozia­lis­mus zu ent­wi­ckeln, sind längst Geschichte.

Nur kurz unter­bro­chen durch das August­erlebnis 1914 und die als »sozi­al­de­mo­kra­ti­sches Feld­grau« idea­li­sier­te Pha­se der Iden­ti­fi­ka­ti­on mit der Nati­on, zieht sich – von August Bebels lan­des­ver­rä­te­ri­schen Kon­tak­ten mit dem bri­ti­schen Geheim­dienst vor dem Ers­ten Welt­krieg bis zu dem heu­ti­gen Anti­fa-Geblö­ke »Deutsch­land, du mie­ses Stück Schei­ße!« – eine lan­ge Spur lin­ker Volks­feind­lich­keit durch die deut­sche Geschich­te. Mit ihrem aus­ge­präg­ten, das eth­ni­sche Über­le­ben bewußt aufs Spiel set­zen­den Haß auf das Eige­ne besitzt die deut­sche Lin­ke – im Ver­gleich mit lin­ken Bewe­gun­gen jen­seits der deut­schen Lan­des­gren­zen – ein beklem­men­des Allein­stel­lungs­merk­mal: Kein ita­lie­ni­scher Kom­mu­nist, kein fran­zö­si­scher Sozia­list, erst recht kein Lin­ker in Asi­en oder Latein­ame­ri­ka bekämpft das Land sei­ner Väter so hart­her­zig, so unnach­sich­tig, so lieb­los wie der deut­sche Linke.

An die­sem ernüch­tern­den Befund ändern mit dem zeit­üb­li­chen Pathos gar­nier­te Anspra­chen füh­ren­der Lin­ker, wie etwa Fried­rich Ebert, Kurt Schu­ma­cher oder Wil­ly Brandt, nichts. Wenn es dar­auf ankam, optier­te die deut­sche Lin­ke in der ganz über­wie­gen­den Zahl der Fäl­le gegen das eige­ne Land (zum Bei­spiel Auf­kün­di­gung des »Burg­frie­dens« im Ers­ten Welt­krieg 1916 ff., Begrün­dung der DDR 1949 mit ihrer 40jährigen Unrechts­pra­xis gegen das eige­ne Volk, Godes­ber­ger Pro­gramm der SPD 1959 und der in ihm voll­zo­ge­ne Kotau vor dem west­ex­tre­mis­ti­schen Lais­ser-fai­re-Ein­zel­mensch­sys­tem, Ost­ver­trä­ge 1970 / 72 mit ihrem gegen­leis­tungs­lo­sen Ver­zicht auf jahr­hun­der­te­al­ten deut­schen Volks- und Kul­tur­bo­den, For­cie­rung des Mul­ti-Kul­ti-Wahns ab Mit­te der 1970er Jah­re und nun 2022 ff.: Waf­fen­lie­fe­run­gen in das ukrai­ni­sche Kriegs­ge­biet, ver­bun­den mit vul­gär­mi­li­ta­ris­ti­schem Getö­se durch Expa­zi­fis­ten, und damit vor­sätz­li­che Her­auf­be­schwö­rung der Gefahr einer ato­ma­ren Aus­lö­schung der Deutschen).

5. Demo­pho­bie. Para­dox for­mu­liert, könn­te man das links­ge­strick­te »Nie wie­der Deutsch­land« unse­rer Tage als die Hei­mat der Hei­mat­lo­sen bezeich­nen. Die Titu­lie­rung als »vater­lands­lo­se Gesel­len«, im Kaiser­reich eines der schlimms­ten Schimpf­wör­ter, dürf­ten die meis­ten Lin­ken der Haber­mas-Habeck-Gewichts­klas­se ohne­hin als Kom­pli­ment auffassen.

Tat­säch­lich kenn­zeich­nen die Welt­of­fen­heits­ma­nie der »Wir haben Platz«-Volksfeinde und ihre dar­auf beru­hen­de Wei­ge­rung, Deutsch­lands Gren­zen zu schüt­zen, die gan­ze »Eman­zi­pa­ti­on ins Lee­re und die vom Pla­ka­tie­ren soge­nann­ter west­li­cher Wer­te bestärk­te Ort- und Hori­zont­lo­sig­keit« der Lin­ken (Frank Böckel­mann: ­Jar­gon der Welt­of­fen­heit, Waltrop/Leipzig 2014, S. 88). Deren Demo­pho­bie mün­det zwi­schen­zeit­lich in einer erstaun­li­chen Blind­heit gegen­über dem Schick­sal der­je­ni­gen, die eine im prä­zi­sen Sin­ne des Wor­tes boden­lo­se Sozio­lo­gie als »Glo­ba­li­sie­rungs­ver­lie­rer« herabwürdigt.

Das poli­ti­sche Por­zel­lan, das die Lin­ke auf die­sem Fel­de in den ver­gan­ge­nen zwei Jahr­zehn­ten zer­dep­pert hat, wächst sich ins End­lo­se aus. Die Mes­al­li­ance mit den stets liqui­den, über die »bil­li­gen Lin­ken« nur spot­ten­den Geld­a­pos­teln des Wes­tens hat eben ihren Preis. Wer sich Anna­le­na-mäßig als Jung­füh­rer der Davo­kra­tie mit sol­chen Figu­ren ins poli­ti­sche Bett legt, ver­liert alle Unschuld und darf sich nicht wun­dern, selbst von Gut­wil­li­gen nur noch als US-Sprech­pup­pe wahr­ge­nom­men zu werden.

6. Links / rechts-Ver­brü­de­rung? Auf­grund der ­vor­be­schrie­be­nen lin­ken Aver­si­on gegen alles Deut­sche sind den Phan­ta­sien, eine ­atlan­tisch unver­seuch­te, qua­si natur­be­las­se­ne Lin­ke könn­te sich – unse­li­gen Ange­den­kens an den Ber­li­ner Stra­ßen­bah­ner­streik 1932 – bei einer wei­te­ren Zuspit­zung der Lage mit der Rech­ten gegen die hier schon län­ger Regie­ren­den ver­bün­den, sehr enge Gren­zen gesetzt. Für eine sol­che Neu­auf­la­ge der »Topo­gra­phie der Huf­ei­sen« (Armin Moh­ler), bei der sich die Extre­me – bewegt durch ima­gi­nä­re Magnet­kräf­te der Ideen­ge­schich­te – berüh­ren, spricht wenig.

Auch die stil­si­cher geklei­de­te, geschickt for­mu­lie­ren­de und mit Kri­tik an der Geld­herr­schaft glän­zend ver­die­nen­de Madame Wagen­knecht, die kurio­ser­wei­se in den Jeanne‑d’Arc-Tagträumen vie­ler Rechts­kon­ser­va­ti­ver fast noch prä­sen­ter zu sein scheint als in den Geschwätz­sen­dun­gen des Zwangs-Pay-TV, ope­riert zwar ger­ne mit schein­bar ver­hei­ßungs­vol­len Voka­beln wie »De-Glo­ba­li­sie­rung« und neu­er­dings sogar – hor­ri­bi­le dic­tu – »Natio­nal­staat«. Wenn es aber kon­kret wer­den soll, liest man auch bei der hei­li­gen Sahra nichts von der Zukunft des deut­schen Vol­kes, son­dern muß mit den immer­glei­chen inter­na­tio­na­lis­ti­schen Plat­ti­tü­den aus der Mot­ten­kis­te des Mar­xis­mus Vor­lieb neh­men (für »Soli­da­ri­tät«, »Mit­ein­an­der«, »sozia­le Gerech­tig­keit«, gegen »Rei­che«, »Dis­kri­mi­nie­rung« usw. usf.; vgl. Sahra Wagen­knecht: Die Selbst­ge­rech­ten, Frank­furt a. M. / New York 2022, ins­bes. S. 277 ff., 370 ff.).

Von wem und für wen die­se Frie­de-Freu­de-Fort­schritt-Wun­der­tü­te geöff­net wer­den soll, bleibt in einem bewußt viel­deu­tig gehal­te­nen Zwie­licht, das alle Optio­nen offen­läßt. Daß die ver­greis­ten Deut­schen, die dank ihrer poli­ti­schen Arg­lo­sig­keit alle Chan­cen dar­auf haben, sich als die euro­päi­schen India­ner des 21. Jahr­hun­derts von der Geschich­te zu ver­ab­schie­den, zu der bevor­zug­ten Kli­en­tel die­ses lin­ken Mensch­heits­um­ar­mungs­pro­gramms zäh­len, steht eher nicht zu erwar­ten: »Ich bin mit zwei Sät­zen auf­ge­wach­sen […]: ›Es ist unver­ant­wort­lich, Kin­der in die Welt zu set­zen.‹ Und: ›Nie wie­der Deutsch­land.‹ Ich habe lin­kes Bewußt­sein nur wahr­ge­nom­men in die­ser Eng­füh­rung. – Links­sein hieß, am Pro­jekt der Abschaf­fung Deutsch­lands zu arbei­ten. Und die­ses Pro­jekt ist tat­säch­lich sehr rea­lis­tisch gewor­den.« (Nor­bert Bolz, zit. nach Nati­on Euro­pa Bd. 56 (2006), S. 18)

7. Anti­fa­schis­mus. Neben dem Fort­schritts- und dem Gleich­heits­dog­ma wird die Lin­ke von kaum etwas mehr beherrscht als von ­ihrer in der Wol­le gefärb­ten anti­fa­schis­ti­schen Gesin­nung. Nichts scheint in die­ser hoch­ner­vö­sen Atmo­sphä­re wich­ti­ger zu sein als die sich tag­täg­lich neu stel­len­de Auf­ga­be, das gefähr­lich untot schei­nen­de Unge­heu­er aus Brau­nau an sei­ner Wie­der­auf­er­ste­hung zu hin­dern. Das ist wahr­haf­te Kärr­ner­ar­beit: Man lebt, man schreibt, man redet von mor­gens bis abends ­allein zu dem Behu­fe, einen Adolp­hum redi­vi­vum zu verunmöglichen.

Dem Anti­fa­schis­mus kommt in der BRD tat­säch­lich der Rang einer ver­welt­lich­ten Glau­bens­form zu, deren unsicht­ba­re Gebets­müh­len das gesam­te öffent­li­che Leben bestim­men. Für die deut­schen Lin­ken ist Hit­ler auch fast 80 Jah­re nach sei­nem Tod »die schwar­ze Son­ne, um die sämt­li­che Wert-Pla­ne­ten die­ser Repu­blik krei­sen« (Botho Strauß, zit. nach Micha­el ­Wies­berg: Erin­ne­rung als Dich­ter­pflicht, Ber­lin 2018, S. 51). Auf der Grund­la­ge die­ser »reduc­tio ad Hit­ler­um« (Leo Strauss) ist eine skur­ri­le Täter­volks­ge­mein­schaft ent­stan­den, in der Ängs­te, Ver­däch­ti­gun­gen und Denun­zia­tio­nen zu den stän­di­gen Beglei­tern eines sich immer absur­der gestal­ten­den Poli­tik­be­trie­bes gewor­den sind.

Unrett­bar ver­hed­dert in die­sem psycho-poli­ti­schen Unter­holz der Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung, ist man sich bei den lin­ken Mata­do­ren der Hit­ler­dau­er­be­sie­gung vor allem in einem Punkt einig: Nie wie­der darf Deutsch­land eine eigen­stän­di­ge Rol­le in der Welt spie­len. Dazu muß es außen­po­li­tisch im Rah­men der Bünd­nis­sys­te­me des Wes­tens ein­ge­hegt und im Innern durch den mög­lichst unkon­trol­lier­ten Zustrom von Frem­den hete­ro­ge­ni­siert, also »ver­dünnt«, will sagen: all­mäh­lich in sei­ner Sub­stanz besei­tigt werden.

8. Geis­ti­ges Band zwi­schen »1945« und »1968«. Die 68er und ihre Nach­züg­ler haben bis heu­te den Clou der Ideen­ge­schich­te Posthitler­deutschlands, die Funk­ti­on des Anti­fa­schis­mus als die Fort­set­zung eines Stra­te­gems der Besat­zungs­mäch­te zur Nie­der­hal­tung des deut­schen Vol­kes, nicht begrif­fen. Tat­säch­lich war dem lin­ken Marsch durch die Insti­tu­tio­nen 1968 ff. die alli­ier­te Kape­rung eben die­ser Insti­tu­tio­nen 1945 ff. vor­aus­ge­gan­gen. Es gab somit ein gehei­mes Ein­ver­ständ­nis zwi­schen »1945«, der mili­tä­ri­schen, und »1968«, der geis­tig-ethi­schen Nie­der­wer­fung der Deut­schen; oder im Clau­se­witz-Stil aus­ge­drückt: 1968 war im wesent­li­chen nie etwas ande­res als die Fort­set­zung von 1945 mit ande­ren Mitteln.

Allen »Ho, Ho, Ho Chi Minh«-skandierenden Demos, allem Che-Gue­va­ra-Kult und dem gan­zen Viet­nam-Gedöns zum Trotz: Die anti­fa­schis­ti­schen Lin­ken in Deutsch­land waren nie etwas ande­res als die nütz­li­chen Idio­ten der US-Ame­ri­ka­ner. Deren Ree­du­ca­ti­on-Kon­zep­te konn­ten gera­de des­we­gen auf der gan­zen Linie obsie­gen, weil es auf sei­ten der Lin­ken nie­man­den gab, der den Mut hat­te, sich der mora­li­schen Ver­dam­mung eines gan­zen Vol­kes ent­ge­gen­zu­stem­men. Eine sol­che Wider­stands­leis­tung wäre indes – auf­grund der feh­len­den NS-Belas­tung ihrer maß­geb­li­chen Reprä­sen­tan­ten – die genui­ne Auf­ga­be der deut­schen Lin­ken gewesen.

Statt die­se Hand­lungs­frei­heit für den Ver­such eines Neu­star­tes der eige­nen Nati­on jen­seits kapi­ta­lis­ti­scher Irr­we­ge zu nut­zen, unter­war­fen sich die Lin­ken frei­wil­lig einer raum­frem­den Groß­macht. Die­se instal­lier­te mit ihrem Free­dom-and-demo­cra­cy-Ver­ständ­nis 1945 ff. in West­eu­ro­pa und 1990 ff. in Ost­eu­ro­pa ein will­fäh­ri­ges Brain­wa­sh-Per­so­nal, dem es an jeder Urteils­kraft gebricht und das man mit – jen­seits und dies­seits des gro­ßen Tei­ches befind­li­chen – atlan­ti­schen Thinktanks ver­gleichs­wei­se ein­fach len­ken kann.

9. Reprä­sen­ta­ti­ver Kon­sum. Die links­durch­wirk­te, aus dem Geist der Frank­fur­ter Schu­le her­vor­ge­gan­ge­ne Bun­des­re­pu­blik bog spä­tes­tens Anfang der 1980er Jah­re ins Unver­fäng­li­che, ins Belang­lo­se, ins Links­li­be­ra­le ab. Die theo­re­ti­sche Potenz sat­tel­fes­ter mar­xis­ti­scher Ideo­lo­gen war out, in wur­de der Kotau vor der gehei­men Staats­ge­sin­nung der Bim­bes­re­pu­blik, dem reprä­sen­ta­ti­ven Kon­sum. Die­sem gilt – von der »Wir sind wie­der wer«-Aufbauphase nach dem Krieg bis zur »You’ll never walk alone«-Gegenwart – die gehei­me Loya­li­tät der Bundesbürger.

Von die­sem Virus eines Neo­bie­der­mei­er wur­de auch die ins Hedo­nis­ti­sche abdrif­ten­de Lin­ke befal­len: In dem glei­chen Maße, wie die Pro­duk­ti­ons­kraft der Wirt­schaft wuchs und dazu auf der indi­vi­du­el­len Ebe­ne ana­log: die Dro­ge des per­sön­li­chen öko­no­mi­schen Erfol­ges ihre betäu­ben­de Wir­kung ent­fal­te­te, schnurr­te der revo­lu­tio­nä­re Elan der Lin­ken auf Minia­tur­for­mat zusam­men. Aus der Rau­pe des stets klam­men, über die Unge­rech­tig­kei­ten die­ser Welt lamen­tie­ren­den Revo­luz­zers schlüpf­te der Schmet­ter­ling des smar­ten Par­ty­lin­ken, der es ver­stand, es sich auf dem Lebens­lü­ge­so­fa der BRD so rich­tig gemüt­lich zu machen. Als Nach­wuchs­cle­ver­le schwor er fort­an, die eige­ne Pro­spe­ri­tät vor allem dadurch zu för­dern, daß er das Herr­schafts­ge­fü­ge der Geld­aris­to­kra­tie nie ernst­haft in Zwei­fel zieht.

Bei die­ser Vor­ge­schich­te kann es nicht wei­ter ver­wun­dern, daß die alte Fuhr­werk­er­weis­heit, daß, wer gut schmiert, gut fährt, im real exis­tie­ren­den Links­li­be­ra­lis­mus von betö­ren­der Aktua­li­tät ist. Die Obs­zö­ni­tät des Gel­des, das gera­de in poli­ti­cis die Ten­denz hat, »alle sozia­len Bezie­hun­gen in Pro­sti­tu­ti­ons­ver­hält­nis­se um[zuformen]« (Alain de Benoist: Gegen den ­Libe­ra­lis­mus, S. 408), beglei­tet hier­zu­lan­de nahe­zu jeden poli­ti­schen Pro­zeß von Rele­vanz. Die effek­tivs­te Schmier­sprit­ze befin­det sich dabei in Hän­den des Staa­tes, der nicht nur ein Mil­lio­nen­heer von Beam­ten und Rent­nern ali­men­tiert, son­dern vor allem durch ein fili­gra­nes Umverteilungs‑, Sub­ven­ti­ons- und Steu­er­sys­tem die (Fehl-)Anreize setzt, mit denen er einen Gut­teil sei­ner Macht aus­übt. Dort­hin, wo es am bes­ten, weil am geräusch­lo­ses­ten flutscht, strö­men die Links­li­be­ra­len wie die Mot­ten zum Licht.

Die Älte­ren die­ser rund­um­ver­sorg­ten Spe­zi­es haben längst ihren Frie­den mit der ehe­dem als so repres­siv emp­fun­de­nen Bun­des­re­pu­blik gemacht. »Wir sind die Leu­te, vor denen uns unse­re Eltern immer gewarnt haben«, hat­ten sie sich vor Jahr­zehn­ten spät­pu­ber­tär nicht ent­blö­det. Heu­te kön­nen sie sich – in stil­ler Ver­ach­tung gegen­über den 15 Mil­lio­nen Men­schen, die in die­sem Land die Umver­tei­lungs­mas­se erwirt­schaf­ten – ins Fäust­chen lachen nach der Paro­le: »Wir sind die Leu­te, die den Witz des Sys­tems kapiert haben und dort abern­ten, wo ande­re gesät haben.«

Wenn die­se APO-Opas dann noch ihre Absah­ner­men­ta­li­tät mit dem Schmelz der Erin­ne­run­gen an ihre ver­meint­lich revo­lu­tio­nä­re Jugend zu bemän­teln bestrebt sind, doku­men­tie­ren sie auf ihre Wei­se, daß sie die kur­vi­ge Weg­stre­cke vom Lang­haa­ri­gen mit dem Paläs­ti­nen­ser­tuch um den Hals bis zum Vegan-Bobo mit dem SUV in der Gara­ge mit ein und der­sel­ben Ein­stel­lung absol­viert haben: »Sich als etwas Beson­de­res füh­len, ohne dies durch irgend­ei­ne Art von Leis­tung ein­lö­sen zu müs­sen, ist ein Grund­mo­tiv des­sen, was man poli­tisch links nen­nen kann.« (Rein­hard Fal­ter: Lud­wig Kla­ges – Lebens­phi­lo­so­phie als Zivi­li­sa­ti­ons­kri­tik, Mün­chen 2003, S. 80)

10. Davo­kra­tie. Das gehei­me Ein­ver­ständ­nis zwi­schen den ­Dio­s­ku­ren der Schein­al­ter­na­ti­ven Kapi­ta­lis­mus und Mar­xis­mus, Adam Smith und Karl Marx, gip­felt im 21. Jahr­hun­dert in einer »große[n] ideologische[n] Osmo­se« (Alain de Benoist: Gegen den ­Libe­ra­lis­mus, S. 34): An Davo­ser Hotel­bars pros­ten sich bla­sier­te Geld­men­schen und moral­in­trun­ke­ne Links­kon­for­mis­ten auf die gemein­schaft­li­che Beherr­schung der rück­stän­di­gen Some­whe­res zu und ver­si­chern sich dabei gegen­sei­tig, den Weg in die schö­ne, neue, trans­hu­ma­ne Big-Data-Zukunft nur Hand in Hand zu gehen. Die gele­gent­lich noch auf­fla­ckern­de anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Rhe­to­rik lin­ker Wahl­stim­men­fän­ger ist also nichts als Augenwischerei:

»Die Lin­ke hat aus dem Zusam­men­bruch der real­so­zia­lis­ti­schen Staa­ten die Leh­re gezo­gen, daß es offen­bar kei­ne funk­tio­nie­ren­de lin­ke Wirt­schaft gibt. Die Lin­ke hat begrif­fen, daß sie den Kapi­ta­lis­mus nicht stür­zen muß, um zu herr­schen, son­dern daß es genügt, ihn zu bewirt­schaf­ten. Sie will nicht mehr Über­win­der des Kapi­ta­lis­mus sein, son­dern sein Para­sit« (Micha­el Klo­novs­ky: »Acta diur­na« vom 18. Sep­tem­ber 2020, klonovsky.de/acta-diurna).

Der neue »Unter­bau« des Mar­xis­mus ist nun­mehr also – das ist eine ideen­ge­schicht­li­che Poin­te beson­de­rer Art – der Kapi­ta­lis­mus selbst! Des­sen öko­no­mi­scher Effi­zi­enz beugt sich der Neu­lin­ke ger­ne, solan­ge er der­je­ni­ge ist, der den Staat okku­piert hat und als gate­kee­per dar­über ent­schei­det, wohin die Geld­strö­me flie­ßen. Die­se finan­zi­el­le Dau­er­be­feue­rung lin­ker Pro­gram­ma­tik hat Macht­struk­tu­ren geschaf­fen, die sich – jen­seits der Fra­gi­li­tät tages­po­li­ti­scher Dis­kurs­ho­hei­ten – noch als äußerst zäh­le­big erwei­sen könnten.

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Kommentare (30)

RMH

14. September 2023 11:52

Vor dem Hinterrund der angekündigten Parteigründung von Frau Wagenknecht ist Punkt 6 besonders aktuell. @alle, bitte zumindest diesen Punkt lesen, falls man den Rest des beachtenswerten Beitrags ob seiner Länge wegen nicht zu lesen schafft (was aber schade wäre).

Niekisch

14. September 2023 12:25

Sahra Wagenknecht ist sicher keine Heilige, aber durch politische Erfahrung und Oskars Segnung geheiligt genug zu erkennen, daß der alte Weg nicht mehr gangbar ist und Fremdbelehrungen somit untunlich sind.

Maiordomus

14. September 2023 13:34

Man muss das Ganze lesen, um Herrn Dr. Thor von Waldsteins hervorragend konsistente analytische Darstellung zu überblicken, der hat nun mal einen verdienten akademischen Abschluss. Als Denker ist er nun mal nicht wie Weidel Hayerkianer, sondern ein modernisierter Deutschnationaler, sicher in keiner Weise mit dem zuletzt noch von wichtigen Repräsentanten der Konservativen Revolution versuchsweise mit metapolitischem Unterbau versehenen nach Kuehnelt-Leddihn nicht allzu intelligenten und darum über den Tisch gezogenen Papen, dessen Partei der christlich-konservative Schriftsteller Reinhold Schneider zuletzt gewählt hat, sich dann der parlamentarischen Demokratie lebenslang entzog. Es ist aber nicht so, dass Wagenknecht und La Fontaine, die zwar immer "Antifaschisten" bleiben werden, sich mit den schlimmsten Punkten dieses Programms identifizieren, übrigens ehrlich anti-USA bleiben, aber als Keynesianer tatsächlich Kapitalisten bleiben. Wenn Thor von Waldstein die Abrechnung mit Wagenknecht hundertprozentig meint, ist es nur eine Frage Zeit, bis wann auch Weidel partiell in dieselbe einbezogen wird. 

Franz Bettinger

14. September 2023 13:38

Glaubt denn unter uns einer ernsthaft, dass Gauner wie Schwab genuin Links sind? Das WEF hat sich die Linke gekauft wie es sich alles andere gekauft hat: Medien, Kirchen, Gewerkschaften, Unis, Schulen und Politiker jeder Couleur. Wenn die Schafe, gut genährt, endlich alle freiwillig unter Hurra-Rufen ins Schlachthaus getanzt sind, wird die Tür hinter ihnen verriegelt und - abgerechnet. Ob ich's noch erlebe?

Andreas Stullkowski

14. September 2023 14:54

Ja, die Essenz der westlichen Linken seit 1968 war es, vorzugeben das System ändern zu wollen, aber sich auf die reibungslose Produktion des Wohlstandes verlassen zu können. Das System kann wortreich bekämpft werden, da man sich verlassen kann dass alles beim alten bleibt.Die neuen Linken haben aber nicht begriffen dass sie jetzt an der Macht sind. Jetzt können sie das System wirklich verändern, und ungewillt zum Einsturz bringen.
Es liess sich so schön für den Umbau des Systems demonstrieren, solange es so unangreifbar war. Aber was wenn die Wirtschaft tatsächlich entmachtet wird, und die Steuergelder nicht mehr sprudeln?Was wenn das Energiesystem tatsächlich umgebaut wird, und der Strom nicht mehr so sicher aus der Steckdose kommt?Was wenn das Öffnen der Grenzen für die ganze Welt tatsächlich geschieht, und auf einmal die ganze Welt hier ist?
Der Lebenssinn der westlichen Linken seit 1968 war es am eigenen Ast zu sägen, unter der Voraussetzung dass es dem Ast nichts ausmacht und man weiter oben bequem sitzen bleiben kann.
Aber jetzt zeigt sich dass der Ast bald durch ist, und der tiefe Fall bevorsteht.Die allermeisten Linken werden bald nicht mehr Links sein können.

Maiordomus

14. September 2023 16:10

PS. Es muss natürlich heissen "Hayekianer".  Von einer deutschen Dame, die dort vorne dabei ist, werde ich, in einer anderen, mehr konservativen Gesellschaft nicht gegrüsst, weil ich sie auf einer rechten Seite als unbedarft bezeichnet habe. Bin selber nicht Hayekianer, sah aber nach der 2. Lektüre des Buches "Der Weg zur Knechtschaft", dass Hayek Röpke doch noch viel näher stand als den heutigen sog. Neokonservativen, besonders den Neocons. Die derzeitige katastrophale Situation auf Lampedusa, worüber David Berger am intensivsten berichtet, hat viel mit Meloni, aber gar nichts mit Hayek zu tun und nach meiner Überzeugung auch kaum etwas mit dem Grafen Coudenhove Kallergi, der sich 1923 dieses Situation unmöglich hätte vorstellen können, dessen Vorstellungen ich früher im Zusammenhang mit Senghor Senegal im Rheinischen Merkur rezipiert fand, dessen Vorstellungen von Paneuropa zum Beispiel auch von Albert Schweitzer positiv rezipiert wurden. 

Maiordomus

14. September 2023 23:40

Beim Hinhören des mündlichen Vortrages erleidet das Philosophische der Zehnerstruktur, auch unterbrochen durch Szenenapplaus, durch die Verstärkung durch polemischen Ton eine Einbusse; man neigt dazu, bei den aufgestellten Thesen je die Ausnahmen von der Regel zu suchen, selbst wenn es sich vielfachum Tote handelt. Von den linken Klassikern selber hat man als Leser etwa von Engels nicht den Eindruck, dass er gegen Leistung, notabene natürlich auch Führung, Ressentiment empfinde. Diesen Eindruck macht in der konkreten Politik auch Wagenknecht nicht. Man musste sich , um dann doch wieder skeptisch zu werden, dann doch vom Fernseh-Zusammenfasser T.K. die Aussage per Video vorführen lassen, wo Wagenknecht beinahe mit einem Kommunionkleid angetan, nicht die blaue Uniform der FdJ, dass sie die DDR der BRD tausendfach vorziehen würde. Irgendwie handelte es sich um eine vorgestellte Idylle. 

Artabanus

15. September 2023 10:09

Sehr gute Analyse der Linken. Was noch fehlt ist eine Analyse warum die vormals Konservativen ebenfalls zu Linken geworden sind, was an der Verwandlung von CDU/CSU und FDP in stramm linke Parteien deutlich sichtbar ist. Allein an der Person Angela Merkel kann es ja nicht gelegen haben.

FraAimerich

15. September 2023 10:13

Möchte hierzu eigentlich nur den Schlüsselkommentar von @Maiordomus hervorheben:
 
"Wenn Thor von Waldstein die Abrechnung mit Wagenknecht hundertprozentig meint, ist es nur eine Frage Zeit, bis wann auch Weidel partiell in dieselbe einbezogen wird."

Laurenz

15. September 2023 10:22

@Maiordomus .... @TvW wurde als Vortragender über die letzten Jahre immer besser, weil bewegter, leidenschaftlicher. Im Falle Wagenknechts, sollten wir, im Gegensatz zum linksliberal woken Establishment (SZ-Aiwanger-Affaire), einem Menschen zugestehen, sich zu verändern. Die Aufnahme, welche Tim Kellner zeigt, ist mutmaßlich 30 Jahre alt. Auch wenn man Rammstein-Interviews anschaut, sind die Rammstein-Buben der DDR einerseits kritisch (Richard Kruspe), aber in vielen Bereichen auch positiv gegenüber eingestellt. Schwarz-weiß-Debatten sind uns auch nicht angemessen. Wagenknechts neuestes Buch "Die Selbstgerechten" mag ja gut sein, aber es ist eben nicht von der Hand zu weisen, daß Wagenknecht selbst ein selbstgerechtes Leben führt, was nur als Klassenkampf-Linker, der Wagenknacht ist, ein Problem darstellt. Neben den Einkünften als MDB, hatte Wagenknecht knapp 800k Euro Einkünfte aus Buchverkäufen & Vorträgen in 2022. Von den Pensionen Oskars ganz zu schweigen. Extrem teure Klamotten, teure Restaurants, etc., gepaart mit ihrer Distanziertheit & aparten Äußeren, Sparsamkeit im Männerkonsum, 

Laurenz

15. September 2023 10:52

@Maiordomus (2) .... im Gegensatz zu den sonstigen abgefuckten Schlampen des links-grünen Spektrums, erzeugt sie quasi eine neu-adlige Aura, eine Sublimiertheit, die Wagenknecht nicht zum Volkstribun, sondern zum glänzenden Polit-Stern auch für BUNTE- & NeueRevue-Leser macht. Die Briten würden sagen, "touched by Grace". Im ganzen dreckigen Polit-Geschäft, kann von der Wirkung her, nur Alice Weidel da einigermaßen mithalten, vor allem mit dem Vorteil der Jugend. Wie von Frau Wagenknecht, gibt es von Frau Weidel kaum Photos mit offenem Haar, man muß das in beiden Fällen schon gezielt in der Suchmaschine eingeben. Die bewußte Ausklammerung dieses bei Beiden extrem weiblichen Attributs, ist schon sehr geschickt, erzeugt etwas Elisabethianisches (Elisabeth I Tudor von England). Im Falle Wagenknechts ist das natürlich ein diametraler Widerspruch zur politischen Aussage. Wir verstehen das aufgrund unseres Bewußtseins, aber nicht unbedingt das gemeine Volk. Ich persönlich sehe aber nachwievor keine Wagenknecht-Partei. Wenn sich Wagenknecht nicht selbst zur Königin Deutschlands kürt & die neue Partei bis ins Alter von 70 Jahren führt, wird das nichts.

Franz Bettinger

15. September 2023 11:01

Ich sehe sie nicht, die Wagenknecht-Partei. Und wenn sie kommt, wird die AfD davon profitieren. 

Le Chasseur

15. September 2023 12:09

"Ich sehe sie nicht, die Wagenknecht-Partei. Und wenn sie kommt, wird die AfD davon profitieren."
"Die Gründung einer neuen Partei unter der Führung der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht würden 44 Prozent der Brandenburger eher gut finden, 37 Prozent sind skeptisch. Vor allem AfD-Anhänger (57 Prozent) hielten eine Wagenknecht-Partei für gut, aber auch eine Mehrheit der Anhänger von BVB/Freie Wähler (54 Prozent) und der Linken (53 Prozent) sehen die Pläne positiv."
https://www.tagesschau.de/inland/regional/brandenburg/brandenburg-trend-afd-fuehrt-102.html
 
 

Tageszeile

15. September 2023 12:22

Ein wunderschönes Wochenende gewünscht!
Der Aspekt von @F. Bettinger ist ein wichtiger, da dort milliardenschwere Gehirnwäscheanstalten am Werk sind und hier leider nicht zur Sprache kommt. Überhaupt sind die Machtzentralen wie Blackrock, Vanguard oder Statestreet, die verantwortlich sind für das Wohl und Wehe ganzer Nationen, auch hier völlig unterbelichtet. Diese Mächtigkeit der Lenkung hat lange Tradition und kann hier auch Ford und Hitler erwähnen. Wie will eine Partei diese Lenkungsanstalten kanalisieren? Es wird keinen anderen Weg geben als diesen.

Carsten Lucke

15. September 2023 12:39

Peinlich, daß hier offene oder versteckte Sympathien für die rote Baronin immer wieder durchschimmern. Ekelhaft.
Man wird geduzt in ihrer Reichspionierschau ! Reicht das nicht schon, um zu kotzen ?!

Noch ein Hesse

15. September 2023 13:36

@Maiordomus: Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen - beim Lesen Ihres Kommentars erleidet der Inhalt große Einbußen durch eine gewisse, hm, Unklarheit der Sprache .... Ich finde es sehr hilfreich, die Transkription des Vortrags zu haben, aber vor allem ist es für mich einfach eine Freude, v. Waldstein zuzuhören, seine Leidenschaft für sein Thema zu spüren. Danke also für beides, Transkript und Video!

Eo

15. September 2023 14:38

@Andreas Stullkowski
 
.
Da Linke anfällig für Betrug sind
(und sich auch leicht dazu verlocken lassen), aber das große Ganze betreffend doch eher dumm, weil einseitig und eindimensional im Denken, enden sie nur zu oft als betrogene Betrüger ...
 
.
 

Laurenz

15. September 2023 14:47

@Carsten Lucke ... machen Sie Sich mal locker. Bin zwar nicht der Meinung Krahs, immer freundlich & positiv in die Öffentlichkeit schauen zu müssen. Man darf die Linke auch verbal in den exkrementalen Orkus stellen, in dem sie sich auch ohne uns befindet. Aber man muß auch Distanz einhalten können, um sich selbst treu zu bleiben. Es geht hier doch nicht darum, was Sie oder ich von Wagenknecht halten. Es geht um eine Einschätzung der aktuellen Situation mit plausibler Prognose. Da spielt es auch keine Geige, ob Wagenknecht gesteuert ist oder nicht, ob man sie gut findet oder nicht. Es zählt nur das, was Realität ist. Und, wie bei Gysi, liegen die Stärken Wagenknechts nicht wirklich beim machen, sondern beim quatschen.
@Le Chasseur ... 44 Prozent der Brandenburger eher gut finden & AfD-Anhänger (57 Prozent) hielten eine Wagenknecht-Partei für gut ... falsche  Frage. Die richtige Frage wäre, wer würde alles bei einer Wagenknecht-Partei mitmachen? Wer investiert freiwillig für Sahra 3 Abende die Woche & geht Plakate aufhängen? Wer orgt die Partei-Stiftung & den ganzen Rest des Parteien-Gesetzes?

brueckenbauer

15. September 2023 15:20

Unter "Thesen" stelle ich mir eeigentlich vor, dass jemand fähig ist, seine Bedenken und Einwände in wenigen zentralen Sätzen konzise zusammenzufassen. TvW will das nicht oder kann das nicht. Vielleicht wäre etwas weniger "Leidenschaft" besser für seinen Stil.
Aber danke für die eingestreuten Literaturhinweise!

RMH

15. September 2023 15:57

"Überhaupt sind die Machtzentralen wie Blackrock, Vanguard oder Statestreet, die verantwortlich sind für das Wohl und Wehe ganzer Nationen, auch hier völlig unterbelichtet."
@Tageszeile,
Wem "gehören" denn diese Firmen?
Machen Sie bitte erst einmal ihre Hausaufgaben, bevor sie mit dem Finger auf Firmen zeigen. 

Gracchus

15. September 2023 16:29

Wie bei TvW üblich: geschliffen formuliert. Wenn TvW kein Bourgeois und kein Linker ist, müsste der nächste Thesen-Vortrag davon handeln, wofür er eintritt. "Modernisierter Deutschnationaler" (Maiordomus)? Romantiker, wie es im Vortrag anklingt? Es ist auch bei ihm wie bei allen "Volksfreunden" zu beobachten, dass er das deutsche Volk in seinem jetzigen konkreten Ist-Zustand nicht sonderlich, nunja, abkann. 
Bei Wagenknecht würde ich abwarten. Ich bin eher auf Seiten Kleine-Hartlages und "seiner" Querfront. So eine Partei ist ja aber kein Start-up. Wenn es sie denn geben sollte, wäre es natürlich blöd, wenn sie ebenfalls gegenüber der AfD mauerte.

Carsten Lucke

15. September 2023 17:20

@ Laurenz
Dank für die Resonanz - Sie sind ein netter Kerl !
Klar - sähe die Wagenknecht aus wie Ricarda Lang oder Renate Künast - die LINKE wäre morgen erledigt. Aber sollen wir denn jetzt auf Alterungsprozesse warten ? 
So viel Zeit hat Deutschland nicht.

Laurenz

15. September 2023 22:52

@Carsten Lucke @L. ... So viel Zeit hat Deutschland nicht. ... Das debattieren wir, die Rechte, schon seit Jahrzehnten. Demnach hatte Deutschland noch nie Zeit. Auch vor 40 Jahren fanden wir die Situation schon exkremental. Und ab & an liege ich auch mal richtig. Was ich schon seit Jahren auf der SiN predige ist, der Erfolg der AfD beim Wähler hängt diametral mit dem jeweiligen politischen Versagen der Linken/Einheitsfront zusammen. Der individuelle Wähler reagiert nur bei persönlicher Betroffenheit zu unseren Gunsten an der Urne.

Le Chasseur

16. September 2023 01:17

@Laurenz
"Die richtige Frage wäre, wer würde alles bei einer Wagenknecht-Partei mitmachen? Wer investiert freiwillig für Sahra 3 Abende die Woche & geht Plakate aufhängen?"
Wer braucht heutzutage denn noch Plakate?

Maiordomus

16. September 2023 03:56

@Fra Aimmerich. Sie haben mich richtig verstanden. 
@ Noch ein Hesse. War tatsächlich da kurz vor Mitternacht in Unterform und eigentlich etwas frustriert, weil zwar strukturell grundsätzlich Richtiges gesagt wurde, aber die Analyse dennoch nicht fair war, er das, was der Gegner durchaus richtig sieht und auch fühlt, nicht so integriert, wie es vielleicht wünschbar wäre. Könnte mir beispielsweise vorstellen, dass @Bosselmann, auf seine Weise ein untergründig ähnlicher, nu rechter DDR-Nostalgiker wie SW, die 10 Punkte von Th.v.W. mit eigenen Worten formuliert, so wie wenn er Wagenknecht mit seinen Erfahrungen und quasi als ihr wohlmeinender Lehrer ermuntern möchte. Thomas von Aquin, der Theologe u. Philosoph, hatte die Eigenschaft, philosophischen Gegnern und "Irrenenden" ihre Thesen aufzugreifen und das, was sie möglicherweise als Wahrheit erfasst hatten, sogar noch besser zu formulieren, jenseits von Hass und bloss Abrenzung. Wiewohl er in der Sache selber hart zu bleiben pflegte.
@Laurenz. Zur Thematik Männerforschung. Ihre Meinung über den Video-Song "Commandante Che Guevara", gesungen von einer Nathalie, die dann zwischendurch noch ihr Kind stillt, das sie niemals abgetrieben hätte, würde mich mit dem Kult und quasi Anbetung des christusähnlichen schönen toten Märtyrers noch interessieren, ihr Gott ist ein für allemal ein Mann. Nicht erwähnt: die letzten Worte Ches sollen aber "Ave Maria Purissima" gelautet haben, gemäss Enzensberger. 

Maiordomus

16. September 2023 04:59

Um es zusammenzufassen: Wagenknecht ist für die Diskurskultur in Deutschland von existentieller Bedeutung. Als Linke darf sie weit eher sagen, was man aus dem Diskurs raushalten möchte. Wer ihr lange genug zuhört, begibt sich bei Fähigkeit zum Selberdenken auf einen Aufklärungsprozess, wobei dieses Selberdenken immer sehr notwendig ist, auch wenn man Herrn Thor von Waldstein zuhört oder sich bei SiN Debatten beteiligt. 

Laurenz

16. September 2023 09:44

@Maiordomus ... Ja, der Commandante Che Guevara ist, wie sein Vorbild Jesus von Nazareth, das Sie skizzieren, militärisch gescheitert. Im Gegensatz zu uns, verloren die Hebräer ihre Befreiungskriege gegen die Römer. Da werde ich als Befreier Germaniens (Tacitus) doch lieber von meiner Verwandschaft vergiftet, anstatt von den Römern ans Kreuz genagelt zu werden, wobei 2 Milliarden Musels exakt jenen Fakt verneinen. Jetzt muß nur noch irgendeiner kommen & behaupten, Che Guevara lebt oder er sei gar auferstanden. Mein lieber Maiordomus... das ist Deutsche Männlichkeit. ... die hier von der Bühne herunter trieft. https://youtu.be/RLqfAD-xHls Die Aufnahmen sind 25 Jahre alt. Und trotzdem wirkt diese toxische Männlichkeit noch auf junge Frauen, obwohl die Protagonisten mittlerweile alte weiße Männer sind.
@Le Chasseur @L. ... Ihr Beitrag zeigt nur, daß Sie keine Ahnung haben & nie nach draußen gehen. Bei der letzten Thüringenwahl sind ein paar Aktivisten aus Hessen & dem Saarland nach Thüringen, um dort beim Wahlkampf zu helfen. Ich war in Ilmenau eingesetzt. Der dortige Kandidat der AfD, ein Dr. der Chemie, hing Seine Plakate Selbst auf & warf auch Selbst Flieger in den Briefkasten. Bei einer gefüllten Kasse, kann man das natürlich auch kommerziell in Auftrag geben.

Gracchus

16. September 2023 11:27

@Maiordomus: Stimme Ihren beiden letzten Kommentaren zu. Bei Josef Pieper habe ich gelesen, dass dieses "Thomas"-Prinzip bei allen scholastischen Disputationen galt: Die Argumente des Gegners wiedergeben und deren Stärke herausarbeiten. Bei heutigen Debatten stürzt sich jeder Gegner auf das jeweils schwächste Argument. Daraus erklärt sich das niedrige Niveau. Hinzu kommt, dass jede Diskussion von einer gewissen Wohlmeinung abhangt - d. h. man sollte seinem Gegner nicht prinzipiell sinistere Absichten unterstellen. 
Zu Wagenknecht habe ich mich schon geäußert. "Rote Baronin" - in den letzten Jahren hat sie sich auch einem ordoliberalen Denken zugewandt. 

Valjean72

18. September 2023 10:07

Immer wieder ein Genuss (und auch ein Gewinn) einen Vortrag von TvW zu hören oder wie in diesem Fall, nachzulesen.

MarkusMagnus

18. September 2023 15:21

Ich habe keine Sorgen vor einer neuen linken Partei.
Es sei denn sie würden einen auf Patriotismus machen. Das! könnte gefährlich werden. 
Das geht aber so in Deutschland nicht. In anderen Ländern kann man auch gut ein Patriot und links gleichzeitig sein. Das ist bei uns wegen dem Schuldkult nicht möglich.
Diese Schwäche kann jetzt zur Stärke werden. Eine neue CDU oder FDP brauchen wir allerdings auch nicht.
Es freut mich übrigens sehr das hier so viele Leute aus dem schönen Hessen mitschreiben.