Fünf Reißzwecken in der Lagekarte nach den Landtagswahlen in Bayern und Hessen

Ist zu den starken Ergebnissen der AfD bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen alles gesagt? Es scheint so, obwohl noch kein Tag vergangen ist. Und das ist das Interessante:

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Weil es über Jahr­zehn­te so leicht fiel, das abzu­tun, was nicht ins eige­ne Welt­bild paßt, haben Poli­tik und Medi­en Anstren­gungs­be­reit­schaft und Vor­stel­lungs­ver­mö­gen ein­ge­büßt und für das, was nun geschieht, weder Begrif­fe noch Erklärungen.

Haben wir sie? Über das Offen­sicht­li­che müs­sen wir nicht spre­chen – über den Mut der­je­ni­gen, die in einem west­deut­schen Flä­chen­land ihren Namen und ihr Gesicht in die Waag­scha­le wer­fen, über den Fleiß im Wahl­kampf und über den Schwung, den das Ver­sa­gen der Ampel­ko­ali­ti­on im Bund der Schei­n­op­po­si­ti­on (CDU/CSU) und der ech­ten (AfD) gab.

Fünf Ansät­ze also, die etwas tie­fer und etwas abseits der gro­ßen Heer­stra­ße bohren.

1. Der Zuwachs für die AfD ist der zig­tau­send­fa­che Sieg der Rea­li­tät über die Wahrnehmungsvorgabe.

Die Geg­ner und Fein­de der AfD begrei­fen nicht, daß die Wahr­neh­mungs­vor­ga­ben der Mei­nungs­ma­cher mit der All­tags­wahr­neh­mung sehr, sehr vie­ler Leu­te nicht in Deckung gebracht wer­den kön­nen. Die­se Deckungs­lü­cke ist der Durch­laß, der Spalt­breit, durch den die Indok­tri­nier­ten ent­wi­schen können.

Die­ser Vor­gang kann als Schritt durch eine Tür beschrie­ben wer­den, hin­ter der die Welt zwar immer noch die­sel­be ist, jedoch ohne jene Bril­len wahr­ge­nom­men wer­den kann, an deren Gebrauch man uns jahr­zehn­te­lang gewöhnt hat.

Was damit gemeint ist, wird am Bei­spiel der Mas­sen­ein­wan­de­rung leicht deut­lich: Wer Monat für Monat mehr völ­lig Frem­de wahr­nimmt, deren Anwe­sen­heit ihm nicht berei­chernd und span­nend, son­dern bedroh­lich und eben ganz fremd erscheint, mag für ein Weil­chen oder sehr lan­ge den Feh­ler in sei­ner eige­nen Wahr­neh­mung und Hal­tung ver­mu­ten; aber er wird nicht auf Dau­er den Grund für die Dis­kre­panz zwi­schen Erle­ben und Wahr­neh­mungs­emp­feh­lung dort suchen, wo er selbst dafür ver­ant­wort­lich sein soll.

Es ist erschüt­ternd, wie lan­ge die­se Wahr­neh­mungs­vor­ga­be im Wes­ten ver­fing. Aber nun scheint auch dort die Fra­ge nach Iden­ti­tät, nach “Wir und Nicht-Wir” und nach der Ver­tei­di­gung des Eige­nen lau­ter und man­cher­orts über­haupt erst gestellt zu werden.

Immer mehr Bür­ger begrei­fen, wie ent­las­tend es ist, sich für die eige­ne Wahr­neh­mung die pas­sen­de Wahr­neh­mungs­er­zäh­lung und Begriff­lich­keit zu suchen, also dem Leben im Hier und Jetzt und dem All­tag, der bewäl­tigt wer­den will, den Vor­rang vor der Ideo­lo­gie zu geben und die Rea­li­tät nicht in die Scha­blo­ne einer Idee zu pressen.

Die­ser Vor­gang, der Mut vor­aus­setzt, Mut und Steh­ver­mö­gen ohne Rol­la­tor und Gou­ver­nan­te, ist ein für jeden ein­zel­nen Bür­ger und Wäh­ler gera­de­zu revo­lu­tio­nä­rer Vor­gang. Es ist danach Vie­les und Wesent­li­ches nicht mehr in offi­zi­el­le Far­ben getaucht, und die­se Ent­fär­bung ist ein tief­grün­di­ger, also tief und neu grün­den­der Vorgang.

2. Der Unter­schied zwi­schen öffent­li­cher Mei­nung und ver­öf­fent­lich­ter Mei­nung tritt deut­li­cher hervor.

Wir bewe­gen uns mit die­sem je per­sön­li­chen Befrei­ungs­vor­gang aus fal­schen Erzäh­lun­gen und Begriffs­git­tern dort, wo zwi­schen öffent­li­cher und ver­öf­fent­lich­ter Mei­nung unter­schie­den und eine “schwei­gen­de Mehr­heit” ver­mu­tet wird. Die AfD hat erst spät begrif­fen, daß es die­se schwei­gen­de Mehr­heit als sta­bi­le Grö­ße gar nicht gibt. Gäbe es sie ein­fach so, hät­te sie sich frü­her gezeigt.

Viel­mehr haben die­je­ni­gen recht, die öffent­li­che und ver­öf­fent­lich­te Mei­nung als Bei­na­he-Syn­onym beschrei­ben: Wer Herr über die ver­öf­fent­lich­te Mei­nung ist, kann behaup­ten, die öffent­li­che Mei­nung zu reprä­sen­tie­ren – und tut dies auch in wei­ten Tei­len. Denn die­se Behaup­tung wirkt zurück auf den Her­den­drang der Masse.

Es ist des­halb von ent­schei­den­der, also von kaum zu über­schät­zen­der Bedeu­tung, daß es erst­mals freie Medi­en gibt, die eine zwei­te, eine alter­na­ti­ve öffent­li­che Mei­nung ver­öf­fent­li­chen und rück­prä­gen. Der Satz, daß ein poli­ti­scher Wan­del in Deutsch­land stark davon abhän­ge, ob die Simu­la­ti­on von Plu­ra­li­tät im Bereich staats­fi­nan­zier­ter Medi­en auf­ge­bro­chen wür­de, ist ganz richtig.

Nur so ist die Rede von einer schwei­gen­den Mehr­heit sinn­voll: Sie ist im sel­ben Moment vor­han­den, in dem sie mobi­li­siert wer­den kann. Sie ist ein Poten­ti­al, das dadurch erst ent­steht, daß man ihm eine Stim­me gibt. Das Wech­sel­spiel zwi­schen Medi­en­al­ter­na­ti­ve und Wahl­al­ter­na­ti­ve ist von ent­schei­den­der Bedeutung.

Der revo­lu­tio­nä­re Befrei­ungs­vor­gang kann auf die­se Wei­se epi­de­misch wer­den: Wo das je per­sön­li­che Bekennt­nis Reso­nanz in Medi­en erfährt, wo das Risi­ko des Bekennt­nis­muts kal­ku­lier­bar wird, gerät die Deu­tungs­ho­heit der Geg­ner ins Wanken.

3. Die läs­sig ein­ge­setz­ten Abwehr­me­cha­nis­men gegen rechts grei­fen nicht mehr.

Es war jahr­zehn­te­lang so ein­fach für die Geg­ner und Fein­de der iden­ti­tä­ren Selbst­be­haup­tung: Begrif­fe waren toxisch auf­ge­la­den, The­men tabui­siert, Argu­men­te vor­ge­stanzt, Schub­la­den geöff­net. Denun­zia­ti­on und Kri­mi­na­li­sie­rung waren leich­te Übun­gen, wer sich rechts ver­or­te­te, muß­te sich Fra­gen stel­len las­sen, die völ­lig unstatt­haft waren und ihn sofort in die Defen­si­ve zwängten.

Die Renais­sance des Begriffs “rechts” und sei­ne posi­ti­ve, weil lebens­na­he Auf­la­dung ste­hen bevor. Als der par­la­men­ta­ri­sche Geschäfts­füh­rer der AfD im Bun­des­tag, Bernd Bau­mann, in einer Wahl-Run­de in der ARD sag­te, die ande­ren hät­ten die Ver­schie­bung des poli­ti­schen Spek­trums nach rechts hin­zu­neh­men, wider­sprach kei­ner. Bau­mann sag­te nicht “kon­ser­va­tiv”, er sag­te “rechts”, und er sag­te das selbst­be­wußt und fast schon gelang­weilt von den­je­ni­gen, die mit ihm in der Run­de saßen und wei­ter­hin irgend­wie davon aus­gin­gen, daß eine rech­te Alter­na­ti­ve gar nicht vor­kom­men dür­fe und daß auch die­ser Wahl­abend wie­der so etwas wie ein Irr­tum sei.

Ein star­kes Bei­spiel aus dem Wahl­kampf in Bay­ern war der Ver­such, den Chef der dor­ti­gen Frei­en Wäh­ler, Hubert Aiwan­ger, mit einem derb anti­se­mi­ti­schen Flug­blatt aus sei­ner Schul­zeit zu Fall zu brin­gen oder wenigs­tens für etli­che Wäh­ler unwähl­bar zu machen. Das eine gelang nicht, das ande­re ver­fing nicht. Im Gegen­teil: Die Frei­en Wäh­ler pro­fi­tier­ten von Soli­da­ri­sie­rungs­ef­fek­ten, und wer ein wenig um Ecken den­ken möch­te, mag es für plau­si­bel hal­ten, daß die­ser Vor­gang Wäh­ler bei den Frei­en Wäh­lern hielt, die bereits auf dem Weg zur AfD waren.

Wir haben nicht ohne Grund Krahs und Sell­ners Bücher Poli­tik von rechts und Regime Chan­ge von rechts genannt. Das Over­ton-Fens­ter zu ver­schie­ben und das Mei­nungs­spek­trum auf­zu­fä­chern, bedeu­tet: Begrif­fe zu ent­gif­ten. Dies geschah und geschieht auch gegen die Beden­ken­trä­ger in den eige­nen Rei­hen. Hät­te man auf sie gehört, wäre die AfD heu­te dort, wo alle Ver­su­che, sich zwi­schen sie und die CDU zu klem­men, gelan­det sind: In der nicht als Alter­na­ti­ve wahr­nehm­ba­ren Bedeutungslosigkeit.

4. Der AfD-Wäh­ler ist weni­ger denn je ein Protestwähler.

Das Wort “Pro­test­wäh­ler” ist der Ver­such, den Wahl­er­folg einer Par­tei klein­zu­re­den, deren Erfolg ein Schock ist. Die Geg­ner und Fein­de der AfD ver­su­chen, ihrem Schock­zu­stand dadurch zu ent­kom­men, daß sie von Moment­auf­nah­men, Pro­test­stim­mung, Ein­tags­flie­gen und damit letzt­lich von einem Irr­tum sprechen.

Aber sie sind es, die sich irren. Gegen die Rea­li­tät kann man auf Dau­er kei­ne Poli­tik machen; den Auf­bau einer zwei­ten ver­öf­fent­lich­ten Mei­nung kann nie­mand mehr ver­hin­dern, denn in die­ser Hin­sicht löst das Inter­net sein Eman­zi­pa­ti­ons­ver­spre­chen ein; und die Ent­gif­tung der Begrif­fe sowie die Öff­nung von Taburäu­men ver­än­dern die­ses Land Tag für Tag stär­ker als jeder jäm­mer­li­che Ver­such, den Befrei­ungs­vor­gang mit Mit­teln von vor­ges­tern zu verhindern.

Natür­lich haben Pro­test­pha­sen den Unmut ange­facht und den Mut geweckt, sich ein­mal auf der alter­na­ti­ven Sei­te umzu­se­hen. Die Wir­kung allein der zwei schreck­li­chen Coro­na-Maß­nah­men-Jah­re ist in ihrer Tie­fe noch gar nicht aus­ge­lo­tet worden.

Die­se jähe Abwen­dung vom Her­ge­brach­ten, Gewohn­ten, hin zu alter­na­ti­ven Erzäh­lun­gen und (Wahl-)Möglichkeiten trägt jeden­falls stets die Mög­lich­keit einer Ver­fes­ti­gung, eines Ankom­mens und Hei­mi­sch­wer­dens in sich.

Die AfD ist dort, wo sie sich Bahn bricht, längst über das Sta­di­um einer den Pro­test bün­deln­den Par­tei hin­aus. Sie gibt das Ver­spre­chen, mit der anti­deut­schen und an einer gefühls­grün domi­nier­ten Kli­en­tel ori­en­tier­ten Poli­tik auf­zu­räu­men. Sie weckt Hoff­nung. Sie mobi­li­siert Rück­stell­kräf­te. Sie baut Sub­stanz auf.

5. Die Uni­ons­par­tei­en und ihre Vor­feld­or­ga­ni­sa­tio­nen sind der Hauptgegner.

Inner­halb die­ses Vor­gangs sind die Uni­ons­par­tei­en die Haupt­geg­ner der AfD. Sie sind Teil des Auf­fä­che­rungs­tricks im Alt­par­tei­en-Sys­tem und ver­hin­dern noch immer den mas­sen­haf­ten Über­tritt zur ech­ten Oppo­si­ti­on. Das hat sich in Bay­ern undeut­lich, in Hes­sen mehr als klar gezeigt.

Das Ver­hält­nis von Uni­on und AfD ist das von Kon­ser­va­ti­ven und Rech­ten. Der­zeit muß gel­ten: je weni­ger Uni­on, des­to bes­ser, in jeder Hin­sicht. Tei­le jener frei­en Medi­en, denen wir (wie aus­ge­führt) eine alter­na­ti­ve ver­öf­fent­lich­te Mei­nung ver­dan­ken, haben vor den Land­tags­wah­len vor einer Wahl der AfD gewarnt (unter ande­rem das For­mat “Nius” des ehe­ma­li­gen Bild-Jour­na­lis­ten und der­zei­ti­gen Shoo­ting­stars alter­na­ti­ver Bericht­erstat­tung, Juli­an Reichelt).

CDU und CSU spie­len Oppo­si­ti­on. Das zei­gen ihre Abge­ord­ne­ten bei wesent­li­chen Abstim­mun­gen in den Par­la­men­ten im Bund und in den Län­dern, indem sie ent­ge­gen vor­her­ge­gan­ge­ner Rede und Ankün­di­gung votie­ren. In Bay­ern wer­den sie mit den Frei­en Wäh­lern, in Hes­sen mit dem Wahl­ver­lie­rer, den Grü­nen, koalieren.

Erst die Kraft der AfD in den mit­tel­deut­schen Län­dern wird die­se Ver­hält­nis­se aufbrechen.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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Kommentare (67)

Daniel

9. Oktober 2023 18:29

Gute Analyse, in einem Punkt möchte ich aber widersprechen: Die CDU ist allenfalls noch scheinkonservativ und meines Wissens die einzige Partei, die ihre Fundis (aka Werteunion) mit öffentlicher Ächtung belegt (selbst in der Linken werden die noch vertretenen Altkommunisten und Ex-SED'ler betätschelt und mit Ehrenposten versehen). Aber solange Karrieristen wie Daniel Günther und medienopportunistische Wendehälse vom Schlage eines Markus Söders in der Union die Strippen in der Hand halten, hat eigentlich kein Konservativer dort etwas zu suchen und dient die Merz'sche Show tatsächlich nur dazu, die migrations- und Ampelkritische Stimmung aufzufangen und in den Erhalt des Weiter-so umzumünzen. Dass man in Hessen lieber mit den Grünen paktiert, hätte hier eigentlich Warnung genug sein müssen.

Ein gebuertiger Hesse

9. Oktober 2023 18:40

Ja, der Schwung ist da, und er steckt auch in der Tonalität dieser Analyse. "Endlich." (Wer immer sich erinnert, welche Schrift von GK dieses Wort geradezu unvergeßlich gemacht hat, gewinnt - nicht mal einen Blumentopf, aber sicher meine Anerkennung.) 

Klaus Kunde

9. Oktober 2023 19:42

„…Wer Monat für Monat mehr völlig Fremde wahrnimmt“…. Als letzter von hundertzehn im Weddinger Brunnenviertel (gilt als sozialer Brennpunkt, auch so eine Worthülse), weiß ich um den beschriebenen Effekt. Statistiken zur ethnischen Herkunft von Kapitalverbrechern und Transferzahlungsempfängern sind hier entbehrlich. Wer zu bestimmten Zeiten die U 8 nutzt, braucht starke Nerven. Um in die Westberliner Innenstadt zu gelangen, muß man über die Stationen Gesundbrunnen, Osloer Straße und Leopoldplatz, allesamt sog. Kriminalitätsschwerpunkte. Der nahe gelegene Leopoldplatz belegte vor Jahren Platz 1 im Ranking der Messerstecherdelikte in Deutschland. Eigenes Erleben erspare ich dem geneigten Leser. Der offizielle Migrantenanteil lag vor 5 Jahren bei etwa 70%, gegenwärtig sicher bei 80%. Die ethnische Herkunft der Mehrzahl Zugewanderter dürfte klar sein. Trotz individuellem Erleben der Bewohner scheint dies offenbar wenig Auswirkungen auf ihr Wahlverhalten zu haben. Wahlergebnisse Brunnenviertel 2023: Grüne - 21 %, SPD - 19 %, Linke - 14 %, CDU - 23 %, AfD - 7 %, FDP unter ferner liefen. Mehr an ungefilterter Realität, als hier zu leben, geht nicht. Endstadium des Realitätsverlustes? Wohl kaum verwunderlich mein Pessimismus zur politischen und gesellschaftlichen Remedur im Land, meine Prognose bleibt infaust.

Nemo Obligatur

9. Oktober 2023 19:52

Ja, der Wähler wacht langsam auf, gut so und für den einzelnen vielleicht ein revolutionärer Akt. Ein Schritt aus der "selbstverschuldeten Unmündigkeit". Aber nicht allem kann ich zustimmen. 
Nur ein Punkt: Man sollte die Union als konservative Kraft nicht vorzeitig abschreiben. Die Partei wurde zwar durch die Merkel-Jahre arg sediert, aber sie dürfte in weiten Teilen immer noch die bürgerliche Mitte repräsentieren. An der Mitte führt kein Weg vorbei, wenn man im Lande etwas ändern möchte. Aber vielleicht irre ich mich und die bürgerliche Mitte zerfällt in Deutschland genau wie schon in Frankreich oder Italien.
Im Übrigen warte ich auf die stets ausgezeichnete Analysen von Daniel Fiß zum Wahlausgang.

Gelddrucker

9. Oktober 2023 19:56

Sehr guter Artikel, nur eines noch hinzuzufügen, zur Rolle der Freien Wähler. Diese verhindern in Bayern noch massiver als die CSU den Übertritt zur AfD. Das sind zu geschätzten 90% Menschen, die auch keine Lust mehr auf Etablierte haben, sich aber aus irgendwelchen Gründen nicht richtig trauen. Beziehungsweise der festen Meinung sind, die FW sind eine PArtei, die den Bevölkerungsaustausch stoppt.
Meiner Ansicht nach steht Bayern ungefähr auf einem Patriotismuslevel mit ostdeutschen Bundesländern. 

RMH

9. Oktober 2023 20:12

Der Hubsi Aiwanger hat vor allem in seiner direkten Heimat und den altbayerischen Gebieten abgeräumt und das ging mit großer Wahrscheinlichkeit zu Lasten der AfD. In Franken war der Schub der FW dann doch geringer. Am Hubsi-Effekt kann man aber auch erkennen, wie wichtig es ist, Wahlkampf auch personalisiert führen zu können und da hat die AfD ein Problem. Richtig bekannt sind mittlerweile eigentlich nur A. Weidel, T. Chrupalla und B. Höcke. Selbst Gauland wird mittlerweile immer unbekannter. Da sollte die zweite Reihe der Länderchefs mehr promotet werden. In Bayern ist mir Frau Ebner-Stein eine quasi Unbekannte, als Franke versteht man die Dame auch schwer und dass der Vorsitzende der AfD Bayern Stephan Protschka heißt, musste ich ehrlich gesagt gerade erst googlen. Als Bystron noch Landesvorsitzender war, war er klar bekannter und die verstorbene C. Miazga hat auch deutlich mehr in Sachen Popularität gemacht. Beide waren aber dann schnell weg aus Bayern und in Berlin. Und so sollte manch regional Bekannter einfach mal im Land bleiben und sich als "Marke" konstant aufbauen, als sich sofort nach Berlin oder Europa zu orientieren.

Franz Ferdinand

9. Oktober 2023 20:15

Wenn die CDU der Hauptgegner ist, dann macht man ihm nicht am Wahlabend ein unterwürfiges Koalitionsangebot…

Gracchus

9. Oktober 2023 20:41

Weitgehend Zustimmung.
Nur: Nur wenn konservativ gesichts- und farblos bedeutet, dann ist die Union konservativ. Die FW sind die reinste Mogelpackung, wie nius. Söders Politik haben sie brav mitgetragen. Ich weiß gar nicht, wofür sie stehen. Reichelt hat sich als FW-Wähler geoutet. Der Sponsor von nius ist ein CSU- oder CDU-Mann, der seine Millionen mit Software für Arztpraxen verdient (hat).
Bis heute erschließt sich mir nicht, was an dem Aiwanger-Flugblatt antisemitisch sein soll. Juden werden darin überhaupt nicht erwähnt, es ist an jeden Deutschen gerichtet.

Matthiasmeg

9. Oktober 2023 20:48

Auch wenn die Wahlergebnisse der AfD erfreulich sind, so sollte nicht vergessen werden, dass 4 von 5 Wählern die Politik "weiter so" gewählt haben. Auch die Nichtwähler scheinen keine Veränderungen zu wollen.

Jungreaktionaer

9. Oktober 2023 23:01

Ich denke, man kann mit dem Wahlergebnis zufrieden sein. Natürlich reicht es bei weitem nicht, aber wir sind auf einem guten Weg.

Laurenz

10. Oktober 2023 00:10

I. & II- Vor ca. 2 Wochen hatte ich exakt dieses Gespräch mit einem ein paar Jahre älteren guten Bekannten, der gestand, Er schaue keine Nachrichten mehr, Er könne das nicht mehr ertragen. Ich nannte Ihm im Nachgang per Epost zig Adressen im Netz, die Ihm gerecht werdende Nachrichten brächten. Natürlich könne man, wie ich, auch noch Relotius, A. Müller & Telepolis offen haben, um zu erfahren, was der politische Gegner denkt & vorhat.
III. & IV. Die Peinlichkeit des ÖRR kennt keine Grenzen. Tatort-Drehbuch-Autoren müssen im Kunst-Krimi quasi die virtuellen (deutschen) Rechtsradikalen mit riesigen quasi NATO-Arsenalen zum Leben erwecken, die sich in der Realität als 2 Steinschleudern oder 1 Luftgewehr, wie einem 5.000 Mann Musik-Festival materialisieren. Rechts ist ganz was anderes. Rechts will den vernunftbegabten Bürger erschaffen, der selbstverantwortschlich den jetzt verlorenen Rechtsstaat zum Wohle des Volkes materialisiert.
V. Reichelt hat sich total lächerlich gemacht. Solche Scheißhaus-Nummern kosten am Ende, weil Opposition offensichtlich nur simuliert wird. Und wenn Lindner nicht bald die Reißleine zieht, wird die FDP wieder mal Geschichte. Das 5%-Glück in Hessen ist arg bedauerlich.

Laurenz

10. Oktober 2023 00:11

@Franz Ferdinand ... Wenn die CDU der Hauptgegner ist, dann macht man ihm nicht am Wahlabend ein unterwürfiges Koalitionsangebot… ... Etwas Provokation darf sein. Sie sehen, jeder nimmt das anders wahr.

Frederick

10. Oktober 2023 01:41

Ich hoffe ich kann meine Eltern noch überzeugen bei den Europawahlen AfD zu wählen! LG!

RMH

10. Oktober 2023 07:23

"Wenn die CDU der Hauptgegner ist, dann macht man ihm nicht am Wahlabend ein unterwürfiges Koalitionsangebot…"
@F.F., da war überhaupt nichts Unterwürfiges zu erkennen, ganz im Gegenteil, es gehört zu dem Prinzip der Ausweitung des Meinungsfensters, wenn regelmäßig darauf hingewiesen wird, dass es bereits seit langem Mehrheiten jenseits von schwarz mit grün oder rot gibt. Die sog. Brandmauer will gerade das Dogma erhalten, dass es keine Optionen mit der AfD gäbe. Im Übrigen sind aktuell solche Hinweise auf Koaltionsmöglichkeiten eher rhetorisch, aber notwendig, eben aus den genannten Gründen. Die AfD kann nicht nur die Kernrechte bedienen, sobald einmal mehr als 10-15% erreicht sind, geht es auch um andere Wähler (bereits jetzt - die Analysen werden es zeigen - haben viele AfD gewählt, die man gar nicht als Rechts einordnen kann und die nicht zu Rechten werden, nur weil sie AfD gewählt haben, hier gilt es auch metapolitisch für die AfD zukünftig aufzupassen, denn sie schöpft nicht mehr aus dem Potential der Nichtwähler). Diese müssen sehen, dass nach Jahren in der Opposition eine fähige Truppe sich gebildet hat, die jederzeit auch mitregieren kann. Schon bald wird die AfD nicht mehr das Alleinstellungsmerkmal "wir gegen den Rest" haben. Da halte ich es für komplett nachvollziehbar, wenn Ansprüche deutlich formuliert werden. Die AfD ist das Original, alles was jetzt noch aus der linken, Samowar-Ecke um Frau Wagenknecht kommen mag, ist Kopie.

Maiordomus

10. Oktober 2023 07:41

@Daniel sieht richtig, dass bei der CDU und CSU stets nur Teile konservativ waren in der Richtung, wie vor 40 Jahren mit der Buchreihe Initiative und "Rekonstruktion des Konservatismus" Gerd-Klaus Kaltenbrunner die nur phrasenhaft angedeutete "geistig-moralische Wende" metapolitisch zu befördern trachtete, dies notabene auf einem Niveau, wie Schnellroda es nur gerade mit seinen besten Publikationen erreicht hat mit Grundlagen, von denen einige sich als rechts vorkommende noch weit entfernt sind. Dass dieses Projekt scheiterte, brachte Kaltrenbrunner einerseits zum Verstummen, andererseits begab er sich gegen sein Lebensende in Richtung eines christlich-esoterischen Mystizismus, fernab z.B. der Analyse des menschlich ebenfalls gescheiterten Sieferle, mit dessen Edition (unter Vorbehalt kritischen Studiums) Antaios potentiell das Niveau von Suhrkamp vor 50 Jahren anstrebt. Es ist aber wohl richtig, konservativ von rechts zu unterscheiden und über die angemessene Symbiose bzw. authentische konstruktive Zusammenarbeit nachzudenken. U.a. auch über das Subsidiaritätsprinzip, welches nach Arnold Stadler gerade die CDU mit ihren Gemeindereformen mit Zerstörung altfunktionierender Dorfstrukturen mehr als nur beschädigt hat. Auch hat man über das Verhältnis von Heimat zu Nation noch nicht genügend  nachgedacht. 

A. Kovacs

10. Oktober 2023 08:53

@Klaus Kunde 9. Oktober 2023 19:42
Wenn 80% im Stadtteil ethnische Nicht-Deutsche sind, können sie aber doch Passdeutsche sein, d. h. wählen dürfen. Insofern sind die von Ihnen zitierten Wahlergebnisse erklärbar und KEIN Zeichen für ein "Endstadium des Realitätsverlustes" bei den ethnischen Deutschen, sondern genau das, was die linken Parteien beabsichtigen, wenn sie massenhaft Einwanderung fördern, nämlich sich neue, von ihren Geldgeschenken abhängige Wähler ins Land zu holen.

Ptolemaios

10. Oktober 2023 09:07

Bei den Kommunalwahlen in Sachsen-Anhalt nächstes Jahr wird sich der Trend hoffentlich und wahrscheinlich deutlicher abzeichnen. Der Rückschlag, den die AfD dort bei den Direktkandidaten bei der letzten Landtagswahl hat hinnehmen müssen und nur den Burgenlandkreis gewinnen konnte, dürfte ausgemerzt werden und mindestens die Südhälfte dürfte an sie gehen. Die Nordhälfte dürfte an die CDU und kleine Wählervereinigungen gehen.

Laurenz

10. Oktober 2023 09:11

@Maiordomus ... Sie schreiben es, vor 40 Jahren Kaltenbrunner & Suhrkamp vor 50 Jahren. Da war ich 8 & 18. Kann mich an die Zeiten noch sehr genau erinnern. Ich gebe nicht viel auf historischen Konservatismus. Wenn es die Konservativen in Ihrem Sinne gab, hatten sie damals schon versagt, ganz egal auf welchem Niveau. Ihnen will ich das Niveau niemals streitig machen, aber Sie haben doch gelesen, was GK schreibt. Bei politischen Werken, in diesem Fall die Bücher von Sellner & Krah, muß schlicht gedacht & geplant werden. Was nutzt es, wenn irgendein Niveau, welches Sie zufrieden stellt, kaum einer versteht? Die Bürger haben ja schon Schwierigkeiten, zu erkennen, wer ihre Interessen vertritt.
@RMH ... Die AfD kann nicht nur die Kernrechte bedienen ... Gerade im Osten macht die AfD auf moderne Art, SPD-, mit etwas FDP-Politik der 70 Jahre, was seinerzeit, wie auch heute eine Mehrheit repräsentierte. Und die historischen 70er-Protagonisten waren noch nicht mal gut, (wie heute auch die AfD weiß,) weil man damals systemische Veränderung versprach, aber nichts hielt.  https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2023/deutsche-neuwahlen/ Wo verorten Sie denn die politische Mitte? Beim DragQueen-Support des CDU-OBs Wegner im Kindergarten? Oder doch lieber Grüne an die Front? https://www.youtube.com/shorts/mWZN4aqeII4?feature=share

Franz Ferdinand

10. Oktober 2023 09:26

@Laurenz
@RMH
Welchen Blumentopf wollte denn die AfD Hessen in einer Koalition mit einer ungehäuteten Merkel-CDU gewinnen, die mit den Grünen koaliert und wie will sie weiter Wähler von der Union herüberziehen? Dem Hauptgegner macht man kein Koalitionsangebot – man übernimmt höchstens seine Wähler, keinesfalls sein Personal. 

H. M. Richter

10. Oktober 2023 09:45

Erinnert sei an einstmals frische Luft im ganzen Land: "Es ist, als habe einer die Fenster aufgestoßen nach all den Jahren der Stagnation, der geistigen, wirtschaftlichen, politischen, den Jahren von Dumpfheit und Mief, von Phrasengewäsch und bürokratischer Willkür, von amtlicher Blindheit und Taubheit." (St. Heym am 4. November 1989 auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz) 
Fenster können bekanntlich mehrfach geöffnet werden.
______________________________
Ansonsten: Gut gewählte und placierte fünf Reißzwecken!

Valjean72

10. Oktober 2023 10:12

Saubere Analyse.
Kurz noch mein Senf dazu. Die bayerischen AFD-Politiker find ich durch die Bank recht blass. Und dass zu Beginn der Aiwanger’schen Flugblattaffäre seitens der AFD Bayern der Rücktritt Aiwangers gefordert wurde, war mE schäbig. Schlimmer noch, es war ein Fehler.
Natürlich sind die Freien Wähler Fleisch vom Fleische der CSU, so wie das «alternative» Medium NIUS Fleisch vom Fleische der BILD ist und so ist es nur folgerichtig, dass sich Herr Reichelt gegen die AFD und für die FW aussprach.
Die Wahlen nächstes Jahr in Sachsen und Thüringen werden eine deutlich andere Dynamik entfalten als das passable Ergebnis der AFD in Hessen und Bayern.

RMH

10. Oktober 2023 10:27

Wo verorten Sie denn die politische Mitte? @Laurenz, die Mitte ist flexibel zwischen mind. 2 Standpunkten. Es geht darum, noch mehr Wähler von Union, FDP, SPD & in den n. Ländern von der Linken zu gewinnen. Die Nichtwähler, auf die alle neueren Parteien hoffen, erscheinen mittlerweile hingegen kaum noch als großen Resource (zumindest im Westen). In Bayern sollten zu dem die Leute von dem FW- Tripp abgebracht werden, was schwer wird. Immerhin haben es die FW in Hessen nicht geschaft. Generell kann eine Partei auf 2 Wegen wirken. So wie die Grünen, in dem man gekonnt immer als Schwanz mit dem Hund wedelt, wozu dann in der Vergangenheit sogar Ergebnisse von unter 10% genügt haben oder man versucht in Richtung "Volkspartei" zu gehen, wozu manm.M.n. mindestens um 30% haben sollte (das ist keine feste Definition). Die AfD wurde m.M.n. zunächst stretegisch mit Blick auf Option 1 gegründet. Da diese verwehrt wurde, ist jetzt Option 2 an der Reihe (so macht es bspw. Höcke). @F.F., bei beiden Optionen wird es einen Koalitionpartner geben müssen, da höhlt dann steter Tropfen den Stein.

Karl Otto

10. Oktober 2023 10:34

@A. Kovacs: Bürgermeister von Hannover ist der Deutsch-Türke Belit Onay von den Grünen, seinerzeit bejubelt als erster OB einer deutschen Großstadt mit Migrationshintergrund.
Ein Bekannter von mir ist in der Kommunalpolitik aktiv und erzählte mir, dass bei der Wahl Onays die Beteiligung in Vierteln mit hohem Migrantenanteil so hoch war wie nie. Die haben den natürlich nicht gewählt, weil sie plötzlich ihr Herz für die Grünen entdeckt haben, sondern weil es einer von ihnen ist und sie sich davon Vorteile versprtechen.

kikl

10. Oktober 2023 10:35

Im großen und ganzen Stimme ich dem Artikel zu. Die wichtigsten Punkte wurden genannt.
Die linke Ideologie zerbricht an der Realität (1).  
Das Medienmonopol der Altparteien wurde durchbrochen (2).
Die Vergiftung des Diskurses mit Sprech- und Denkverboten, auch political correctness genannt, verfängt nicht mehr (3). Der Grund dafür sind (1) und (2), dazu später mehr.
Die AFD wird gewählt, weil sie die richtigen Antworten auf die drängenden Probleme hat, z.B. Immigrationsstop, Remigration, usw... (4).
Die Union muss als Scheinopposition entlarvt werden, damit sie vom Stimmungswandel nicht profitiert (5).
Der Begriff "schweigende Mehrheit" ist wohl häufig eine Illusion, aber die absolute Gleichsetzung von veröffentlicher und öffentlicher Meinung möchte ich nicht mittragen. Denn der Anschein eine Mehrheitsmeinung zu repräsentieren, kann dazu führen, dass die Mehrheit in der Schweigespirale verstummt. Diese Schweigespirale zu durchbrechen, ist eine der Hauptaufgaben der alternativen Medien. Das gelingt immer mehr und das ist auch der Grund dafür, dass die Angst vor der Stigmatisierung wegen Falschdenk (3) nicht mehr funktioniert. Die Linke kann nicht mehr den Diskurs mittels gesellschaftlichem Terror diktieren.
 

Gotlandfahrer

10. Oktober 2023 10:37

"Die Wirkung allein der zwei schrecklichen Corona-Maßnahmen-Jahre ist in ihrer Tiefe noch gar nicht ausgelotet worden."
Man muss für Corona dankbar sein. Denn die Maßnahmenübergriffigkeit hat den Nukleus der Täuschung vom künstlich aufgebauschten Tabu des Rassismus auf den eigenen Körper jedes einzelnen ausgedehnt. Damit haben sie den Fehler begangen, die Masse an riskanten Druckpunkten zu stimulieren: Während die Angst vorm Rassistsein sowohl denjenigen, die nur in Ruhe gelassen werden wollen, als auch denen, die stets nach Möglichkeiten suchen, sich ohne Eigenleistung über andere erheben zu können, eine verführerische Möglichkeit bietet, billige Belohnung in Form von Anerkennung einzustreichen, waren eingesperrte Kinder, vereinsamte Alte im Pflegeheim, digitale Zugangskontrollen und überhaupt "Gespritztwerden" etwas, womit auf einmal "Skin in the Game" für jeden kam. Das musste den Kreis des Widerstandes erweitern, denn selbst wenn sich "Alt-Oppositionelle" spritzen ließen schwand dadurch nicht ihr Widerstand aus anderen Gründen. Offenbar war es noch nicht genug Terror, um alle aufzurütteln. Trotzdem mag "Wharp-Speed" hier eine Versinnbildlichung dafür gewesen sein, dass es genau diese "Akzelaration" war, die uns vor dem langsamen Gekochtwerden eines Frosches bewahren hilft. Ob das Regime diesen "Geschwindigkeitsfehler" wirklich beging oder gezwungen wurde, ihn zu begehen, wird uns wohl erst die Geschichte zeigen.

Peter Mallm

10. Oktober 2023 10:53

Ich bewunder Ihren Optimismus. Tatsächlich kann sich bei gegebener Ausgangslage nur wenig ändern. Sie gehen von freinen Wahlen aus, wer kontrolliert das Ergebnis? Der Bürger ist es nicht. Gewiss wächst die Zahl derer, die erkennen, daß wir einer Scheidemokratieveranstaltung leben, und das ist eine begrüßenswerte Entwicklung. Doch weshalb bedarf es hierzu einer AfD Partei. Wie sagt unser GG? ,,....Parteinen wirken bei der politischen Willensbildung mit...''  Weshalb müssen wir uns der Instrumente dieser Scheindemokratie bedienen, um endlich zu erkennen ? Hier liegt ein fundmentaler Fehler im Denkansatz. Keine einzige Partei in Deuschland dient nicht partikulären Interessen der Siegermächte, mittelerweile kommen noch China & Indien hinzu.....cont. 

Maiordomus

10. Oktober 2023 11:21

@L. In einem Punkt haben Sie recht; die damaligen Konservativen haben gründlich versagt, dies bei geistigen Voraussetzungen, übrigens einem Geschichtsbild und einem humanistischen Niveau, das Sie heute bei Jüngeren mit nun mal schlechteren Schulen und mehr nur internetmässig gebildet, selten sehen, zu schweigen von einer Lebenserfahrung, die mit medialer "Faschismusvermittlung" und notabene sogar dem Religions- und Literaturunterricht an heutigen Schulen in keiner Weise vergleichbar ist. Habe übrigens gar nichts gegen die Bemühungen von Krah u. Co., auch beim gelegentlich kritisierten Sellner. Es ist aber klar, dass ich unter Niveau auch nicht mich selber meine, aber z.B. Sieferle, der aus meiner Sicht stärker in die deutsche Geistesgeschichte gehört als Mohler, den man aber als Vermittler und Zeitzeugen ebenfalls gelten lassen kann als Ergänzung für Fortgeschrittene. Wenn Sie das neueste oder neuere blaue Heft Sezession studieren, sieht man einmal mehr, was eine Frau Kositza drauf hat, wenn sie Karl Kraus bespricht. Noch spannend wäre zu erfahren, wer der Autor "Wurst" ist, notabene nicht Conchita Wurst, dessen Merkel-Analyse auch mit historisch-geistesgeschichtlichen Vergleichsansätzen so im heutigen Geistesleben kaum irgendwo gefunden wird, wobei gut geschrieben nicht genügt, es muss auch stimmen und verständlich sein! "Niveau" heisst für mich nicht Stefan George und Heidegger, das verstehe ich bei aller Freude an diesen Autoren fast so zu relativieren wie Sie.  

Uiver

10. Oktober 2023 12:03

Den Begriff "Wahrnemungserzählung" konnte ich mit der Suchmaschine nicht finden. Finde es super wie Gedanken in Worte gefasst werden! Es hilft tatsächlich ein eigenes Vokabular zu haben und sich rückzuversichern durch ein Medienangebot das der eigenen Meinung enspricht.
In 2016 hatte ich mich Ohnmächtig gefühlt, da alleine und isoliert nach dem Realitätsschock der Silvesternacht. Mittlerweile sieht die Situation ganz anders aus. Was für einen großen Einfluss es doch hat wenn es gute alternative Medien gibt mit alternativen Begriffen und Regieringskritik sowie Social Media das es erlaubt Emotionen weckende Beiträge zu teilen. Ausserdem ist es eine super Entwicklung das sich zu den Grünen bekennen nicht mehr dazu geeignet ist Sympathie von Mitmenschen einzuheimsen. Das kostet sicher Wählerstimmen bei den agreeableness-orientierten Wählergruppen. Sehr schön das die emotionale Ladung vom Begriff "Rechts" sich geändert hat. Bin sehr dankbar für das theoretische Fundament das von ihnen, trotz allem, erarbeitet wird! 

Franz Bettinger

10. Oktober 2023 12:39

Das Wesentliche ist passiert, europaweit. Aufwärts geht's und nach Rechts. Die Rechten avancieren seit 2013 sogar schneller als die Grünen seit 1982. Wir kommen! Unterm Strich hervorragende Analyse des Ist-Zustandes. Die jetzt den Systemparteien von der Stange gingen, kehren so schnell nicht ins Lager der Sheeple (=sheep-people) zurück, wenn überhaupt. 

Herr K aus O

10. Oktober 2023 12:59

Dazu kommt noch, dass nach einer Analyse der FDP sie die Unternehmer an die AfD verloren hat, also nicht Leute, die an so etwas Komisches wie die Freiheit glauben, sondern jene, die Jobs schaffen. Das ist also kein Protestwählerpotential mehr, sondern das sind enttäuschte Leistungsträger, die gerade merken, dass auch die FDP nicht mehr in der Lage ist, marktwirtschaftschaftliche Prinzipien zu vertreten. Das ist ein harter Treffer und wird bei der FDP Konsequenzen nach sich ziehen.

tearjerker

10. Oktober 2023 13:17

Fazit: Der Block gegen "rechts" steht weiter. In Hessen und in Bayern bleibt die aktuelle Exekutive am Ruder. Viele Wähler schnallen schon länger, dass es sich bei Team Blau nicht um eine "rechte" Partei, sondern um eine verkappte sozialdemokratische Gruppierung handelt, die existiert um rote Konzepte über die nächsten zwei Jahrzehnte zu retten, aber diesmal exklusiv für Deutsche und die sich dafür halten. Die Alternative muss also niemanden überzeugen. Solange Berlin weiter soviel Unfug baut, wandern Stimmen ins blaue Lager. In diesem Sinne kann die Wählerwanderung sehr wohl als Protest eingestuft werden, dessen Stimmen sofort zurückzufliessen beginnen, wenn es Scholz und Co. gelingt die Wogen zu glätten und die Protestwähler wieder gemütlich schwarz/rot/gelb wählen können, denn man will sich ja nicht ständig rechtfertigen müssen. Die Nachricht der Bayern-Wahl ist, dass die CSU Gefahr läuft, auf Bundesebene aus dem Parlament zu fliegen. Das könnte das "konservative" Lager verkrüppeln, da niemand eine Abkehr von den Konzepten der letzten 50 Jahre verkaufen will und schwarz/rot/grün/gelbe Mehrheiten für die nächsten 10-20 Jahre sicher wären, denn die CDU wird sich sofort in die nächste Koalition im Bund retten und dafür alles vertreten, was Habeck und Scholz ihnen unterjubeln. Dann besteht auch die Möglichkeit des Auftauchens einer rechten politischen Gruppierung als Reaktion darauf.

Laurenz

10. Oktober 2023 13:31

@Peter Mallm ... Sie sind zu ungeduldig. Die Wahlen haben eines gezeigt, & zwar hat jeder 6te oder 7te in Hessen & Bayern AfD gewählt & immerhin mehr als Sozis. Und das in den 2 von 3 wohlhabendsten Bundesländern. Hessen zahlt pro Kopf den höchsten Länderfinanzausgleich. Das reicht schon aus, den Kartell-Mandatsträgern in EU, Sachsen, Brandenburg & Thüringen den Schweiß ausbrechen zu lassen. Und wer Angst hat, macht Fehler. Eine weitere Erkenntnis erreicht den AfD-Wähler, man ist nicht mehr alleine auf weiter Flur.
@RMH @L. ... Der entscheidende Faktor AfD & ihr programmatisches Angebot zu wählen, ist die persönliche materielle Betroffenheit durch Ampel, Linke- (Thüringen) oder Unions-Politik, regional, je nach Bundesland, eine unterschiedlich intensive Berdohungslage im Krieg der Regierung gegen das eigene Volk. Sie können es Selbst in den Kartell-Medien recherchieren, in allen Alterklassen war die AfD auf Platz 2, außer Ü-60-Wählern. Diese Tendenz können wir seit Jahren beobachten. Aber klar ist doch, daß jedes Jahr über eine Mio. alter verkalkter Nostalgie-Wähler von Union & Sozen wegsterben. Das heißt, vor allem die Union verliert in den nächsten 10 Jahren an die 10 Mio. Wähler.

FraAimerich

10. Oktober 2023 14:36

@Gracchus
Die obige Einschätzung des Aiwanger-Flugblatts hat mich auch etwas verblüfft. Ein subkutaner Ansatz zur "Begriffsentgiftung durch Normalisierung" wäre an dieser Stelle ebenso verwunderlich wie ein beiläufiger Wink in Sachen virtue signaling. 
Zeitgeschichtler Wolffsohn immerhin hat den Antisemitismusvorwurf klar bestritten. Andererseits lohnt sich solch aufwendiges Unterscheiden wohl kaum noch, wo längst schon Resolutionen des UN-Sicherheitsrates gegen Israel sowie Parolen wie "Viva Palestina" oder "Freiheit für Palästina" für "antisemitsch" erklärt werden.

Monika

10. Oktober 2023 15:05

Lieber Frederick!
Ich hoffe, Sie können Ihre Eltern noch überzeugen, ihr Kreuzchen demnächst an die richtige Stelle zu machen . Ansonsten richten Sie Ihren Eltern unbekannterweise einen schönen Gruß aus und sagen Sie ihnen, dass sie  einen "klaren" Sohn haben, auf den sie stolz sein können. In meinem Falle ist es umgekehrt, meine Söhne konnte ich noch nicht überzeugen, aber immerhin meine Nichte zur Hessenwahl. Die zierte sich etwas wegen dem "rückständigen" Frauenbild der AfD. Mit dem Hinweis auf Frau Weidel und das noch rückständigere Frauenbild der Masseneinwanderer hatte ich sie dann doch.
Beste Grüße 

Monika

10. Oktober 2023 16:13

An Maiordomus 7:41
Ich teile , was Sie über das  Theoriedefizit (betrifft gleichermaßen Rechte und Linke)   zum  Konservatismus sagen. Insbesondere die Reihe "Herderinitiative" war von herausragender Qualität. In der gleichen Zeit gab es noch eine weitere hervorragende Reihe, nämlich die Zeitschrift kontinent ,ein Ost-West Forum, herausgegeben von Cornelia Gertenmaier, der Tochter des ehemaligen Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier. Dort schrieben Leszek Kolakowsky, Czelaw Milosz, Vaclac Havel u.v.a.. Vor allem um den polnischen Philosophen Kolakowski kommt eine konservative Theoriearbeit nicht herum! Seine "Hauptströmungen des Marxismus"enden mit dem Fazit: "Die Selbstvergötterung des Menschen, welche der Marxismus philosophischen Ausdruck verlieh, endet wie alle individuellen und kollektiven Versuche der Selbstvergötterung. Sie erweist sich als der farcenhafte Aspekt der menschlichen Unzulänglichkeit." Von einer solchen Position aus  lassen sich gleichermaßen kollektive rechte Versuche als auch individualistische linke Versuche der Selbstvergötterung "entlarven". Konservativ hieße dann, die menschliche Unzulänglichkeit im Auge zu behalten. Bei rechts besteht immerhin noch die Gefahr der "Knechtung durch den Nationalismus" ( Nikolai Berdiajew).

Hamatum

10. Oktober 2023 16:18

Das Stummhalten der nicht-linken Stimmen war ein Erfolg des linken Klassenkampfes. Das Verschwinden des Antikommunismus aus der öffentlichen Debatte gehört zu den Leistungen der mentalen Links-Mitte-Koalition der quälenden Merkeljahre. Inzwischen hat sich die orchestrierte Anbräunung des thüringischen AfD-Vorsitzenden als stumpfes Schwert erwiesen. Das echte Rechts der AfD hat nichts mit dem reflexhaften "Rächtz" linksextremer Propagandamedien zu tun. Die zwei Landtagswahlen 2023 waren die massenhafte Absage an die extremen Widersacher der wichtigsten Oppositionspartei.  Das erinnert eindrucksvoll daran, dass alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht. Habecks Versuche, uns das Volk als nichtexistent auszureden, ist ebenso unsinnig wie verfassungswidrig. Dass er Heimatliebe "schon immer zum Ko**en" fand, ist das merkwürdiges Geständnis eines vereidigten hohen politischen Amtsträgers. Einen Linksruck konnte er damit nicht auslösen. Die Wähler sind klüger. Wir erleben die Selbst-Delegitimierung der Ampel-Regierung. Ein Hoffnungsschimmer, der Mut macht!

Le Chasseur

10. Oktober 2023 18:27

Auch im neuen bayerischen Landtag will die CSU der AfD einen Landtagsvizepräsidentenposten, der ihr eigentlich zusteht, verwehren. Begründung: Der von der CSU kontrollierte Verfassungsschutz beobachtet die Partei:
Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder und der neue CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek* haben die Forderung der AfD nach einem Landtagsvizepräsidenten-Posten zurückgewiesen. "Eine Partei, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, kann kein Verfassungsamt übernehmen. Ganz einfach", sagte Söder am Dienstag nach der ersten Sitzung der neuen CSU-Landtagsfraktion in München.
Holetschek verlangte, die AfD in Bayern müsse sich endlich "klar abgrenzen" von Björn Höcke und anderen. Vorher sei eine Diskussion müßig. Thesen, die Höcke und andere verträten, seien "ein No-Go". "Und dann will ich mal wissen, wie man sich jetzt mal distanziert, abgrenzt von dem braunen Sumpf, der da rumschwirrt", sagte er. (...)
https://www.bayerische-staatszeitung.de/staatszeitung/landtag/detailansicht-landtag/artikel/csu-vertreter-weisen-afd-forderung-nach-landtagsvize-zurueck.html
*)Holetschek forderte übrigens die Impfpflicht für Pflegekräfte.
 
 

Gotlandfahrer

10. Oktober 2023 18:35

@Monika/@Frederick:
Überzeugen: Ein Versuch ist OK, im Sinne von: Hier ist eine neue Information. Danach lassen. Wer sich überzeugen lässt, lässt sich auch vom Gegner überzeugen. Wer keinen eigenen Willen hat soll lieber "drüben" bleiben.

Laurenz

10. Oktober 2023 20:11

@Monika @MaiordomusDie Selbstvergötterung des Menschen, welche der Marxismus philosophischen Ausdruck verlieh, endet wie alle individuellen & kollektiven Versuche der Selbstvergötterung. Sie erweist sich als der farcenhafte Aspekt der menschlichen Unzulänglichkeit. ... Genau, Monika, & jetzt raten Sie mal, von welchen Versagern die Marxisten diese Marotte übernommen haben?
Sie finden das auch in der Kunst wieder & zwar in Hollywood.
Und, Monika, jeder bekommt die Kinder, die er verdient. Ich hatte keine verdient.
 

Ein gebuertiger Hesse

10. Oktober 2023 21:29

Als kleiner Anstachler, das hier nun mehrfach angeprochene "Überzeugen" betreffend, aus Walter Benjamin: "Einbahnstraße" dieser kleine Passus:
"FÜR MÄNNER: "Überzeugen ist unfruchtbar."

Gracchus

10. Oktober 2023 22:06

@Laurenz, 9:11: So sehr ich Ihre "Proletensprache" schätze, da liegen Sie falsch. Frage mich, ob die Redaktion sich nicht die Haare rauft, wenn sie sowas liest. Was sonst soll denn Metapolitik sein, als dass man intellektuellen Einfluss über Unis, Schulen, Medien ausübt? Haben Karl Marx, Adorno, Foucault, Derrida, Judith Butler, Habermas, Deleuze - um die üblichen Verdächtigen - einfach geschrieben?  
@Maiordomus wird es wohl besser wissen, weil er die Zeit selber erlebt hat. Es gab in der BRD durchaus achtbare konservative Geister; neben Kaltenbrunner würde ich beispielsweise Spaemann oder Pieper, auch Böckenförde oder Odo Marquardt nennen (letzterer schrieb auch sehr vergnüglich). 

Gracchus

10. Oktober 2023 22:20

Das zeichnet eher linke Theoretiker wie oben genannte gerade nicht aus. 
Das Versagen liegt, scheint mir, eher auf politischer Ebene. Man hatte nicht den Mut, etwas durchzufechten. Mein Eindruck war immer, dass sich konservative Politiker, aber auch ein gewisser Schlag Intellektueller nicht großartig für geistige Dinge interessiert hat, man hat lieber mit dem Kapital im Bett gelegen und geglaubt, die Linken können dozieren und propagieren, was sie wollen - sie kommen damit eh nicht durch. 
 

Laurenz

11. Oktober 2023 02:17

@Gracchus @L. ... mit Karl Marx, Adorno, Foucault, Derrida, Judith Butler, Habermas, Deleuze etc.pp. liegen Sie falsch. ... Mag sein. Sie haben, wie Maiordomus, wirklich Humor, nur trockener, bewundernswert. Von allen Büchern, die gekauft werden, haben im Schnitt nur 10% die Ehre auch gelesen zu werden. Bei den Werken von Autoren, die Sie meinen, können wir mit viel Glück von 1% ausgehen, meine Mutmaßung. Denn, wenn sich z.B. Weibsvolk Arzt-Romane (fiktiv: Die amourösen Abenteuer des Dr. Franz Bettinger) kauft oder Perry-Rhodan-Süchtige nach seltenen Heften stöbern, wird die Lesequote weit über 10% liegen. Gegen die Auflagen eines Schorsch Martins oder Joanne Rowlings, sind die Auflagen Ihrer meta-politischen Werke nahezu lächerlich, wenn wir mal von den Zwängen im ehemaligen Ostblock absehen. Tolkien wird metapolitisch mehr bewegt haben, als Habermas, letzterer doch nur einen Staatsschmarotzer darstellt, wie viele, die vorgeben, an Universitäten zu forschen. Die Politik schmückt sich mit solchen Leuten, um die eigenen Handlungsweisen mit Experten zu untermauern. Aber bitte nicht falsch verstehen, ich will keine Unis abschaffen.

Maiordomus

11. Oktober 2023 07:47

@Laurenz. Nietzsche wurde zu Lebzeiten noch weniger gelesen geschweige denn rezipiert als die "Gescheitles", von denen Sie sagen, sie würden ohnehin nur von 1% gelesen, immerhin werden sie zitiert, auch von denen, die sie nicht gelesen haben. So entsteht Zeitgeist, auch Nietzsche hatte langfristig um Welten mehr Einfluss indirekt sogar auf Ihren Einfluss auf Ihr vulgärreligionskritisches Denken als Sie glauben; er hat, wie Rousseau, mit Schlagworten, nicht mit der Tiefe seines Denkens den Zeitgeist beeinflusst, gilt auch für Habermas, den fast niemand versteht oder Judith Butler, die eher die Vulgärlinksgrünen beeinflusst.
@Sie verdienen keine Kinder? Selber habe ich einen Enkel (18), der mich aufklärte, dass man für Erfolg am Gymnasium heute keine Bücher mehr lesen müsse, was er auch konsequent nicht macht, es gehe heute um die Chancen und das Wissen könne man googeln, ich sei völlig vorgestrig. Meine Tochter wiederum klärte mich als Juristin auf, dass man ohne rechtsphilosophische Kenntnisse heute Spitze sein könne, auch im Studium, sie kenne keinen Kollegen, der sich mit solchen Fragen befasst hätte. 

MarkusMagnus

11. Oktober 2023 08:53

@Le Chasseur
"Auch im neuen bayerischen Landtag will die CSU der AfD einen Landtagsvizepräsidentenposten, der ihr eigentlich zusteht, verwehren. Begründung: Der von der CSU kontrollierte Verfassungsschutz beobachtet die Partei"
Wisst ihr warum es eigentlich geht?
Als Vizepräsident könnte man nicht nur ab und zu die Sitzungen leiten, sondern vielmehr den anderen Abgeordneten gegenüber Ordnungsrufe oder andere Maßnahmen aussprechen.
Die wollen nicht von der AFD gemaßregelt werden während sie aber gerne Ordnungsrufe an die AFD verteilen.
Die AFD hat die meisten Ordnungsrufe im BT bekommen. Das sagt allerdings wenig aus, weil die AFD selbst keine verteilen kann.
Ausserdem will man der AFD den Zugriff auf Stiftungsgelder verwehren. Dagegen muss die AFD sich bis aufs Messer wehren. 
Entweder Kohle für Alle, oder für Niemanden.

Laurenz

11. Oktober 2023 08:56

@Maiordomus @L. ... Selbst ich habe die bekannten Philosophen gelesen, aber meist aufgearbeitet, in komprimierter Form. Das reicht als Normalsterblicher. Die meisten Berufsleser, also Akademiker, Forscher etc. besaßen Bücher einschlägiger Autoren, um nachschlagen zu können. Heute, da hat Ihr Enkel zumindest teilweise Recht, kann man vieles im Netz nachschlagen, aber eben nicht alles, da hat Er Unrecht. Um das aber beurteilen zu können, muß man vieles schon mal irgendwo mitbekommen & im Kopf haben. Ich kritisiere übrigens öfters SiN-Teilnehmer, die nicht mal 3 Minuten im Netz nachschlagen, bevor sie einen Beitrag schreiben. ... Nietzsche hatte langfristig um Welten mehr Einfluss indirekt sogar auf Ihren Einfluss auf Ihr vulgärreligionskritisches Denken. ... Das streite ich auch nicht ab. Am berühmtesten ist die Peitsche, obwohl Er von Frauen keine Ahnung hatte. Ich wäre, was Religionsfragen angeht, persönlich froh, wenn es mehr ins Detail ginge. Aber die Redaktion hat zurecht, mutmaßlich wider die eigenen Gefühlswelten, längere religiöse Debatten, die vor Jahren hier noch stattfanden, rigoros eingeschränkt. Einerseits wohl wegen des Arbeitsaufkommens & andererseits wegen der Politik, die säkular debattiert werden sollte. Wenn einer mit christlichen Werten anfängt, wird alles unsauber, da ist die Debatte quasi vorbei.

Laurenz

11. Oktober 2023 09:10

@Maiordomus @L. (2) ... Ich bewundere Ihr photographisches Gedächtnis. Allerdings verursacht dieses 2 Holpersteine. Einerseits die extrem schwierige Beurteilung, wann Details (zB aus der Historie) nennenswert sind, ohne sich beim Schreiben zu verlieren oder eben nicht. Andererseits die Sucht zu zitieren, um die eigene Position zu untermauern. Das führt häufig zum Verlust des ICHs in der Debatte. Da sind Sie gewiß nicht alleine. Wenn wir beide jetzt Gelegenheit haben, uns beim virtuellen Bier auseianderzusetzen, ist es völlig belanglos, was Hinz & Kunz irgendwann mal gemeint haben. Entscheidend für das hier & jetzt sind die originären Standpunkte von Maiordomus & Laurenz, die möglichst rein aus uns selbst kommen. Geben Sie Ihrem Enkel Zeit. Er muß Selbst herausbekommen, daß das Netz nicht ALLumfassend ist, vor allem dann, wenn Er Leidenschaften entwickelt haben wird, die Er dort nicht findet. Was Kinder generell angeht, so glaube ich in gewisser Weise an die Nornen, wie auch an den wenig greifbaren eigenen Willen, der sich nach heidnischer Lesart in der Nähe des Sonnengeflechts aufhält.

Maiordomus

11. Oktober 2023 09:42

@Laurenz. Fühlen Sie sich bitte nicht zu sehr abgekanzelt, Sie sind meinem Enkel, der gute Noten macht, noch weit voraus. Noch was: bei den Debatten über Religion und Kirche hört nach meiner Erfahrung die Toleranz dann auf, wenn man, wie ich schon öffentlich vor über 40 Jahren, das Verhältnis Kirche - Staat radikal genug in Frage stellt, da ist die Existenz Gottes oder die Unbefleckte Empfängnis buchstäblich ein Vogelschiss dagegen. Mein Interesse an Nietzsche begann übrigens mit 11 Jahren, auch wenn ich ihn erst ab 16 las. Ich hörte eine donnernde Predigt eines rhetorisch starken Volksmissionars gegen die Folgen der Gottlosigkeit, wofür Nietzsche herhalten musste, unvergesslich der Satz: "Und am Ende war der arme Teufel geschlechtskrank." Interessierte mich ab da für Atheismus und auch für Geschlechtskrankheiten, von denen ich hauptsächlich erstmals hörte bei semi-offizieller schulischer Sexualaufklärung, Warnungen waren die halbe Miete!

Monika

11. Oktober 2023 09:46

An Maiordomus
Haha, ich liebe wirklich Ihre souveränen Einwürfe. Zur Nietzscherezeption im 20. Jahrhundert verweise ich auf das entsprechende Kapitel bei Johannes Hirschberger "Kleine Philosophiegeschichte". Er schreibt, dass es mit den Nietzschedeutungen überhaupt seine liebe Not hat und : "daß die meisten Nietzsche nur als Sprungbrett benützen wollen, um ihre eigenen Attraktionen vorzuführen". 
An Gotlandfahrer : ich meine weniger ein Überzeugen mit Fakten als den in Punkt 1 "genannten Sieg der Realität über die Wahrnehmungsvorgabe". In meinem ehemals eher links-grünen Umfeld werde ich zu meinem Entsetzen fast rechts überholt. Natürlich hinter vorgehaltener Hand. Irgendwann platzt auch die letzte Blase. 

Maiordomus

11. Oktober 2023 10:06

@Laurenz: *Christliche Werte". Diejenigen, die davon schwafeln, haben meistens  nie genaue Textlektüre gemacht von Nietzsches Kritik am Wert-Denken, was zwar wirklich Philosophie für Fortgeschrittene ist. Das Thema war mal (1979) eine Diplomlektion von mir: "Wie deutet Heidegger Nietzsches Wort: 'Gott ist tot'?" Musste mich dafür eine Woche lang "wie ein Schwein" vorbereiten,  wobei aus der Debatte der Hörerschaft doch zwei bis drei verständliche Setze zu generieren waren. Was Nietzsche die "Umwertung  aller Werte" nannte, ist in der Tat eine interessante Auseinandersetzung für Philosophie für Fortgeschrittene mit Basiskenntnissen auch von Platon und von Theologie.  Fürs "Volk" übrig bleibt der "unvollständige Nihilismus", funktioniert so: Ich hänge Ikonen ab und verbrenne sie, hänge dafür Bilder von Karl Marx oder  Mao auf, ev. Symbole der Klimareligion oder meinetwegen das Hakenkreuz. Gemäss Nietzsche ist dies der sicherste Weg, die Emanzipation ein für allemal zu verfehlen. Dagegen wäre sogar der biblische Glaube das geringere Übel. Hoffe, Sie oder einige andere hier haben mich verstanden, @mit Monika verstehe ich mich ohnehin.  

Laurenz

11. Oktober 2023 11:20

@Maiordomus @L. ... fühle mich in keiner Weise abgekanzelt. Man könnte das auch umdeuten, ohne zu wünschen, daß Sie Sich dann abgekanzelt fühlten. Keiner hier ist so mit Wissen belastet, wie Maiordomus. Mit dem (lieben oder weniger lieben) Gott sehe ich das natürlich anders als Sie. Er ist, laut Christopher Hitchens, einer von ca. 3.000, die wir auf der Erde kennen. Und da ich weder Atheist noch Exklusivität beanspruchender Abrahamist bin, lasse ich die alle mal stehen & wende mich explizit meiner germanischen Kultur ohne Okkultismus zu. Bei der Symbolik darf man, inklusive Meister Nietzsche, vorsichtig sein. Als ob durch mangelnde Symbolik (mal vom Halbmond, dem Säbel Mohammeds abgesehen) die Musels Recht behielten. Mit geschriebenen Worten kann man nur die Spiritualität anderer beschreiben. Das ist ein nichts gegenüber der eigenen Erfahrung.

Maiordomus

11. Oktober 2023 11:27

PS. Es geht um "verständliche Sätze",nicht "Setze", was aber Nietzschescher Verschreiber ist, weil es bei Wertungen um "Setzungen" geht, wobei Nietzsche für heute recht bekommt, insofern der gegenwärtige Kulturkampf ein Kampf um "Wert-Setzungen" ist. Nach Nietzsche ist aus Sicht u.a. von Rechts-Nietzscheanern klar, dass die Religion der Grünen eine Pseudo-Religion,  die gesamte Moralkritik Nietzsches ist ein fortgesetzter Appell gegen das Gutmenschentum. Ich wundere mich, dass dies bei den noch immer zahlreichen Nietzsche-Bewunderern an den Universitäten sich noch nicht herumgesprochen hat, ausser vielleicht andeutungsweise bei Sloterdijk. Nimmt man Nietzsche allerdings ernst, ist gerade auch der Nationalismus ebenfalls ein Ausdruck des unvollständigen Nihilismus und  deswegen ein selbst im Vergleich zum christlichen Glauben ein noch grösseres Hindernis zur Emanzipation. Den vollständigen Nihilismus, dies betont Nietzsche,  erträgt aber fast niemand. Darum wird man "zum Affen seiner Ideale". 
Um es mit Kierkegaard auszudrücken. Am  besten wäre es nichts zu glauben. Weil dies aber oft und meist zur Verzweiflung führt, empfiehlt er an Christus zu glauben. Dieser ist aber "nicht der Ordner der Welt, sondern unsere tödliche Freiheit" (R. Schneider).

Gracchus

11. Oktober 2023 12:43

@Laurenz: Sie sind ja schon zurückgerudert. Im Übrigen widerlegen Sie sich jedesmal selbst, wenn Sie "Kulturmarxismus" krähen. Es kommt auch nicht drauf an, wie viele ein Buch lesen, sondern wer und wer die Ideen verbreitet. Dass das nicht 1:1 geht, dass Politik sich von den Ideologielieferanten raussucht, was sie gebrauchen kann - ist eh klar. 

SteffenK

11. Oktober 2023 14:04

Die Union als Hauptgegner? Ein Denkfehler, der sich seit Gründung der AfD stetig verfestigt!Denken SIe bitte nochmals tiefer nach. Sie werden zum Ergebnis kommen, der Hauptgegner ist gegenwärtig die FDP!Herzliche Grüße
 

Laurenz

11. Oktober 2023 14:46

@Gracchus @L. ... Könnten Sie bitte erklärend 2 Sätze mehr schreiben, damit auch ich verstehe, was Sie sagen wollen? Was die Woken angeht, die ich als Kultur-Marxisten bezeichne, geben Sie mir bitte eine bessere Begrifflichkeit. Wenn ich auf Stalins Spitznamen für die Sozis, "Sozialfaschisten", zurückgreife, würde es dieser Kaste genausowenig oder genausoviel gerecht & BK würde mich indirekt als Deppen hinstellen.
@Maiordomus ... Mir ist es persönlich egal, was Sie glauben. Aber Sie erklären nie, warum denn, entsprechend Nietzsche, der Glaube an Christus noch das kleinste Übel bezüglich einer Emanzipation (zu was?) sein soll? Ich sehe keinen Unterschied, zwischen dem göttlichen Christus, dem Klima- oder Gender-Gott (Equality-God), nicht mal beim totalen Versagen all dieser Götter. Oder halten Sie die Juden für blöde?

Maiordomus

11. Oktober 2023 15:27

@Steffen. Bei der FDP gibt es Vernünftige und solche, die man leider fast völlig abschreiben muss, wohl auch charakterlich, siehe den Vorsitzenden, der im Ernst die wählen will, die ihn, wie eine nette junge Dame am Parteitag forderte, Leute wie ihn "erschiessen" zu wollen  drohen oder gemäss gemässigterem Parteivorsitzendem ihn wenigstens in ein Arbeitslager stecken. Das  war noch  vor ca. 3 Jahren, in keiner Weise vergleichbar mit "Denkmal der Schande", immerhin interpretationsfähig, oder der nur als Zeitraum der deutschen Geschichte gemeinte, zwar echt unglücklich und blöd formulierte und bereute  "Vogelschiss" Gaulands.  

Gotlandfahrer

11. Oktober 2023 15:35

@ SteffenK:
Selbst die Antifa besteht aus unseren (gekaperten) Brüdern und Schwestern. Der Hauptgegner ist der sich ins anglo-amerikanische Biotop eingenistete Znsms. Worin der seine Wurzel hat, lassen wir hier mal beiseite.

Laurenz

11. Oktober 2023 15:41

@SteffenK .... Die Union als Hauptgegner? Hauptgegner ist gegenwärtig die FDP! ... Könnten Sie das näher erläutern.? Die FDP töt sich gerade selbst. Die Union hingegen, vermittelt durch Tricks, wie der Werteunion, ein diversifiziertes politisches Bild, welches bei der parlamentarischen Entscheidungsfindung überhaupt keine Berücksichtigung in der Union findet. Es gibt zwischen Union & Grünen kaum Unterschiede. Ein Unterschied zwischen Bundesgrünen & Union ist, daß die Union, geschult durch Merkel, korrumpierbarer ist.

Gracchus

11. Oktober 2023 15:45

@Maiordomus, 11.27 Uhr: Sehr interessant. Haben Sie eine Quellenangabe für Kiergegaard und Schneider?

MarkusMagnus

11. Oktober 2023 15:54

"Die Union als Hauptgegner? Ein Denkfehler, der sich seit Gründung der AfD stetig verfestigt!"
@SteffenK
Wieso denn? Wir wollen die Stimmen der CDU, nicht mit Ihnen koalieren. Höchstens als Senior-Partner. 
Den CDUlern muss klargemacht werden das - zumindest in Mitteldeutschland- die CDU ohne die AFD keine CDU-Politik mehr durchbekommt. In Sachsen und Thüringen müssten sie jetzt schon ALLE gegen die AFD zusammenarbeiten. Inklusive CDU und Linke.
Den Meisten von der CDU dürfte das bewusst sein. 
In Hessen ist es etwas anders da die CDU hier immer noch sehr stark ist. Trotzdem war es ein richtig gutes Ergebnis für die AFD. 
Die Brandmauer wird fallen. 

Herr K aus O

11. Oktober 2023 16:26

@SteffenK. Hauptgegner ist die FDP?
Ich würde sagen, die FDP ist die letzte "legitime" Opposition in Deutschland, die, wenn sie es wagt, aus dem Wahnsinn auszuscheren, Probleme mit der außenparlamentarischen Opposition bekommt. Und diese neue APO - irgendwelche NGOs, Greta usw. - unterstützt die Grünen.
Die FDPler betrachten die Grünen als Gegner, erlebe es in Gesprächen selbst so. Die Vision von Lindner, liberale Inhalte unterzubringen ist gescheitert.
Es droht Schwarz-Grün

Maiordomus

11. Oktober 2023 17:59

@Gracchus
Kierkegaard: Entweder - Oder.
Schneider: "Winter in Wien" - auch ein Buch über Sterben und Tod jenseits allen billigen Trostes, wie ihn diesen z.B. in der anderen Kolonne von Kositza @Laurenz unterstellt, eher jenseits der Anstandsgrenze zu einem Artikel, in dem es um Kindererziehung geht bei einer Frau, die unmöglich viel Wesentliches falsch gemacht haben dürfte.  
 
Nietzsche/Heidegger: "Holzwege" v. Heidegger, einer der absolut aus meiner Sicht bestdurchdachten Texte des Philosophen, der auch theologisch was drauf hat. Für die wirklich bedeutenden Christen ist das Christentum die mit Abstand unbequemste Religion, sie kämen mit jeder anderen quasi "leichter in den Himmel", zumindest bequemer. Gemäss christlicher Mystik erfolgt der Weg zum Heil durch die "Arbeit der Nacht", Johannes Tauler, ist auch in einer Biographie des Schweizer Heiligen Nikolaus von Flüe ausgeführt. Er wollte übrigens sein Land nicht retten, sondern rettete es allein, weil er es als einziger nicht retten wollte. Ein Geheimnis politischer Mystik. 

FraAimerich

11. Oktober 2023 19:47

@ Gracchus
Reinhold Schneider schreibt in "Winter in Wien": "Christus ist nicht der Ordner der Welt. Er ist unsere tödliche Freiheit. Aber wir müssen uns darüber klar sein, daß diese Freiheit in eine Welt überging, die von der intelligiblen Tat unserer Jahre - von unserer aller Sache - bis in ihre Substanz verändert worden ist. (...) das fragende Experiment hat den Erdkreis besiegt."
Ein zunächst rätselhaft wirkender Satz, der sich erst durch den vorausgehenden Bericht von einem Vortrag Otto Hahns zur Bedeutung der Kernspaltung nebst Verweis auf Stifters Wort "Mäßigung besiegt den Erdkreis" erschließt. Schneider ergänzt: "Aber das Maß ist zersprengt; es kann nicht mehr zusammengefügt werden."
Ich elender Spinner möchte zu bedenken geben, daß diese Feststellung keineswegs nur nihilistisch, sondern durchaus lurianisch oder schlicht gnostisch aufgefaßt werden könnte. Manche glauben sogar zu wissen, daß das Licht erst durch den "Bruch der Gefäße" in die Schöpfung gelangen konnte. 
Weiterführender Literaturhinweis, auch zur Frage, was "Glaube" in einer solchen Welt bedeut: Chaim Potok, Book of Lights (1981)

Gracchus

11. Oktober 2023 21:48

@Laurenz: Gut, zwei Sätze, mehr aber nicht. Maiordomus hat es nämlich schon gesagt. Es geht nicht darum, ob der Begriff "Kulturmarxismus" passt, sondern darum, dass, was Sie "Kulturmarxismus" nennen, von Intellektuellen ausgebrütet worden ist und Einfluss auf das soziale und politsche Leben hat.
Bonus: Es drängt sich der Eindruck auf, dass Deutsche sich gern von Ideen verhexen lassen. Die Idee gewinnt eine derartige Macht über sie, dass sie die Wirklichkeit nicht mehr wahrnehmen wollen oder gar können oder eben nur noch durch die Brille der Idee. (Wohl treffend Hans Blumenberg: Der Mensch ist nicht Realist von Hause aus.)

Gracchus

11. Oktober 2023 21:49

@Maiordomus: Vielen Dank. 

Gracchus

12. Oktober 2023 00:16

@FraAimerich
Auch Ihnen vielen Dank. Das Schneider-Zeit muss ich erst noch bedenken. Seltsame Koinzidenz, dass ich gestern im Netz zu Schneider stöberte. (Es passt auch hierher, dass Schneider in den unmittelbaren Nachkriegsjahren hochgeachtet war - ebenso wie Bergengruen, der unterschätzt wird, oder auch Leopold Ziegler.) Die Empfehlung - Chaim Potok - klingt interessant. 
Was @Maiordomus geschrieben hat, hat mich deshalb interessiert ..., ich fürchte, das lässt sich nicht in wenigen Zeilen sagen.

LammNeumarkt

12. Oktober 2023 13:14

"Innerhalb dieses Vorgangs sind die Unionsparteien die Hauptgegner der AfD. Sie sind Teil des Auffächerungstricks im Altparteien-System und verhindern noch immer den massenhaften Übertritt zur echten Opposition. Das hat sich in Bayern undeutlich, in Hessen mehr als klar gezeigt.
Das Verhältnis von Union und AfD ist das von Konservativen und Rechten. Derzeit muß gelten: je weniger Union, desto besser, in jeder Hinsicht."
Die AfD - als konservativ-traditionsbewußte Alternative für Deutschland i.e. Schließung von Repräsentationslücken an der rechten Flanke - kann die CDU/CSU nur ersetzen, wenn sie Volkspartei wird und alles ablegt, was auch nur in den entfernten Bereich von Sekte kommt. Bei Themen wie Corona und Klima scheint die AfD noch keinen vernünftigen Kurs gefunden zu haben.CDU/CSU ist weder "konservativ" noch "rechts". Sie scheint in eine pseudo-konservative politisch-korrekte opportunistische Sekte mutiert zu sein. Dies hat schon vor 2015 begonnen. Damit scheint die CDU/CSU um einiges gefährlicher als die "Antifa", welche unmißverständlich proklamiert "No Borders, No Nations!". Da weiß man immerhin woran man ist. Man kann eine solche Haltung als "gesichert staats-transformatorisch" ansehen. CDU/CSU dagegen besetzt kurzzeitig AfD-Themen, um dann einen Merkel- oder Antifa-Schwenk zu vollziehen (systematische Entgrenzung). 

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