Manipulation und Dämonologie – Mitschnitt und Text

Vollständige Textfassung eines Vortrags von Caroline Sommerfeld, gehalten im Rahmen der Sommerakademie 2023 in Schnellroda. Der Video-Mitschnitt findet sich am Ende des Textes.

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

Wenn wir über die Tech­nik der Mani­pu­la­ti­on nach­den­ken, lie­gen zunächst fol­gen­de Unter­schei­dun­gen nahe:

1. Mani­pu­la­ti­on zwi­schen Individuen,
2. Mani­pu­la­ti­on im Sozia­len und
3. die Wis­sen­schaft der Mani­pu­la­ti­on als Kriegswaffe.

Ans Ein­ge­mach­te geht es dann, wenn Mani­pu­la­ti­on als das urei­ge­ne Wirk­prin­zip des­sen begrif­fen wird, was die christ­li­che Tra­di­ti­on als »Dämo­nen« beschrie­ben hat.

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1. Ein Mensch wird dann als »mani­pu­la­tiv« beschrie­ben, wenn er das Ver­trau­en, das ein ande­rer in ihn setzt, miß­braucht. Wer ver­traut, setzt vor­aus, daß der ande­re ihn nicht belügt, nicht täuscht, nichts bezweckt, was nicht bei­den klar ist. Wer mani­pu­liert, »hat den ande­ren in der Hand« – lat. manus = Hand, ple­re = fül­len; wört­lich: »eine Hand­voll (haben), etwas in der Hand haben«, über­tra­gen: Hand­griff, Kunst­griff –, weil er die Zwe­cke setzt, denen der ande­re ohne Wis­sen dar­über aus­ge­setzt ist.

Der Mani­pu­la­ti­ons­be­griff geht also von dem Grund­satz aus, daß der Mensch einen (eigent­lich) frei­en Wil­len hat. Ohne den frei­en Wil­len gäbe es kein Kri­te­ri­um für des­sen Miß­brauch. Lüge und Täu­schung allein sind noch kei­ne Mani­pu­la­ti­on, weil sie sich nicht auf den Wil­len des Belo­ge­nen oder Getäusch­ten rich­ten, son­dern auf des­sen Denk­ver­mö­gen bzw. auf des­sen Sin­ne: Ich belü­ge jeman­den, damit er etwas Fal­sches glaubt, ich täu­sche jeman­den, damit er etwas Fal­sches wahrnimmt.

Damit der Wil­le eines Men­schen außer Kraft gesetzt wer­den kann, muß der Mani­pu­la­teur bei den Gefüh­len sei­nes Opfers anset­zen: Er weiß um des­sen Trie­be, Schwach­stel­len, emo­tio­na­le Erreg­bar­keit, Ängs­te und was es an Unbe­wuß­tem noch so alles gibt. Zwi­schen­mensch­li­che Mani­pu­la­ti­on spielt sich im Drei­eck von Den­ken, Füh­len und Wol­len so ab, daß A mit­tels bewuß­ten Zugriffs auf das unbe­wuß­te Füh­len von B des­sen Wil­len lenkt, wor­auf­hin des­sen Den­ken und Han­deln sich (von B unbe­merkt) den Inter­es­sen oder Zwe­cken von A unter­ord­net. Direkt den Wil­len von B zu steu­ern ver­mag A nicht – eben weil B das mer­ken wür­de. Mani­pu­la­ti­on ist daher ver­schie­den von Zwang, denn Zwang ist die Beein­flus­sung der Ent­schei­dungs- und Hand­lungs­frei­heit gegen den erklär­ten Wil­len des Handelnden.

Dies alles ist im Prin­zip vor­aus­zu­set­zen, um sozia­le Mani­pu­la­ti­on zu begrei­fen, also sol­che, die die Inter­ak­ti­on von zwei Men­schen über­schrei­tet und sich auf gan­ze Grup­pen richtet.

2. Der Phi­lo­soph Arno Plack hat in sei­nem dama­li­gen Best­sel­ler Ohne Lüge leben (1976) eine all­ge­mei­ne Defi­ni­ti­on von Mani­pu­la­ti­on im gesell­schaft­li­chen Gebrauch gege­ben: »Mani­pu­la­ti­on, das ist die Steue­rung von Men­schen mit Mit­teln, die ihnen nicht bewußt sind, zu Zwe­cken, die nicht die ihren sind, aber ihnen als die ihri­gen erschei­nen sollen.«

Tota­li­tä­re Sys­te­me sind unter ande­rem dadurch gekenn­zeich­net, daß in ihnen die Poli­tik den gesam­ten All­tag und jeden Lebens­be­reich durch­drin­gen will. Es darf kei­nen macht­frei­en Bereich geben, jeder Mensch ist ten­den­zi­ell in den Fän­gen der Ver­su­chung der Macht, und nicht nur die­je­ni­gen, die Poli­tik betrei­ben. Denun­zia­ti­ons­be­reit­schaft, Norm­o­pa­thie und Gefü­gig­keit (neu­deutsch: com­pli­ance) sowie Block­wart­ver­hal­ten sind die erkenn­ba­ren Wirkungen.

Es betrifft also nicht nur »unse­re Poli­ti­ker«, son­dern jeden Men­schen qua Mensch­sein – jeder ist kor­rum­pier­bar und ver­führ­bar. Wenn ein poli­ti­sches Sys­tem in alle Rit­zen dringt, steigt die Gefahr die­ser Ver­füh­rung. Inso­fern der Mensch Trieb­we­sen ist, kann er ihr allein nicht wider­ste­hen und kippt bald in die­se, bald in jene vor­ge­fer­tig­te Kampfpose.

Die Reli­gi­ons­phi­lo­so­phin Simo­ne Weil hat das Sozia­le als das »gro­ße Tier« aus der Johan­ne­s­a­po­ka­lyp­se bezeich­net – im Kol­lek­tiv gerät der ein­zel­ne Mensch in Mecha­nis­men hin­ein, die sei­nen Wil­len steu­ern, die ihn von sich selbst not­wen­dig ent­frem­den müs­sen, die ihn letzt­lich in das Böse hin­ein­zie­hen, weil er sei­nen Wil­len auf­gibt und statt des­sen dem Wil­len der Grup­pe folgt.

Die Klas­si­ker der Mani­pu­la­ti­ons­theo­rie, Gust­ave Le Bons Psy­cho­lo­gie der Mas­sen (1895), Wal­ter Lipp­manns Die öffent­li­che Mei­nung (1922) und die bei­den unter dem Titel Pro­pa­gan­da erschie­ne­nen Wer­ke von ­Edward Ber­nays (1928) und Jaques Ellul (1962) beschrei­ben die Lenk­bar­keit grö­ße­rer Men­schen­grup­pen auf­grund der psy­cho­lo­gi­schen Pro­zes­se, die in Grup­pen ablau­fen: Begeis­te­rung, Devo­ti­on gegen­über Anfüh­rern, Sün­den­bock- und Blitz­ab­lei­ter­phä­no­me­ne, sozia­le Mythen, Grup­pen­druck, Nor­mie­rung und Nivel­lie­rung, Erzeu­gung von kol­lek­ti­ven Psy­cho­pa­tho­lo­gien usw. Zur sel­ben Zeit beschrie­ben Eric Voe­gel­in (Poli­ti­sche Reli­gio­nen, 1938) und Carl Chris­ti­an Bry das Funk­tio­nie­ren säku­la­rer Ver­kapp­ter Reli­gio­nen (1924), das ver­rä­te­ri­sche Züge pri­mi­ti­ver Kul­te zeigte.

3. Die Psy­cho­lo­gie und die Sozio­lo­gie im 20. Jahr­hun­dert, ins­be­son­de­re der Beha­vio­ris­mus, des­sen Ziel die »Vor­her­sa­ge und Kon­trol­le von Ver­hal­ten« (John B. Wat­son) war, haben sich inner­halb weni­ger Jahr­zehn­te zu ange­wand­ten Mani­pu­la­ti­ons­wis­sen­schaf­ten ausgewachsen.
Die plan­ba­re Umset­zung von ver­hal­tens­bio­lo­gi­schen Erkennt­nis­sen wur­de, um nur ein paar Bei­spie­le auf­zu­zäh­len, im »Coun­cil on For­eign Rela­ti­ons« seit 1921, in Kurt Lewins »Drei-Pha­sen-Modell« der Re-edu­ca­ti­on der Deut­schen nach 1945, in den »Macy-Kon­fe­ren­zen« zur Sozi­al­ky­ber­ne­tik (1946 – 1953) oder auf dem »Kon­greß für kul­tu­rel­le Frei­heit« (1950 – 1969) dis­ku­tiert und in die Poli­tik der USA und der NATO direkt implementiert.

Berühmt gewor­den sind die soge­nann­ten Mil­gram-Expe­ri­men­te der 1960er Jah­re, über die ihr Erfin­der Stan­ley Mil­gram sei­ner­zeit schrieb: »Unse­re Unter­su­chun­gen befas­sen sich aus­schließ­lich mit der Form des Gehor­chens, die ein Mensch von sich aus ent­ge­gen­bringt, ohne die gerings­te Anwen­dung von Druck oder Dro­hung.« Im US-Sprach­ge­brauch hat sich dafür der Begriff »soft power« eingebürgert.

In die­sel­be Schub­la­de der Mas­sen­ma­ni­pu­la­ti­on gehört das social engi­nee­ring, Tech­ni­ken des Rück­griffs auf bekann­te mensch­li­che Schwä­chen, um Ver­hal­ten vor­her­sag­bar zu steu­ern. Hier läßt sich ein beson­de­res Phä­no­men beob­ach­ten: Wenn das Bun­des­amt für Sicher­heit in der Infor­ma­ti­ons­tech­nik (BSI) über das Phä­no­men social engi­nee­ring infor­miert, wer­de etwa auf »Phishing«-Methoden im Inter­net hin­ge­wie­sen – und damit nur auf einen sehr schma­len Aus­schnitt des gesam­ten Phä­no­mens, wie die ­Alter­na­ti­v­jour­na­lis­tin Aya Veláz­quez fest­ge­stellt hat. Da gehe es dann um die berüch­tig­ten »Enkel­tricks« oder dar­um, daß man auf­pas­sen sol­le, wem man im Inter­net sei­ne sen­si­blen Daten anver­traut. Social engi­nee­ring wen­det sich hier auf sich selbst an.

Veláz­quez kom­men­tiert: »Da denkt sich Otto Nor­ma­lo dann, so naiv bin ich nicht. Auf sol­che Tricks fal­le ich nicht rein. Das The­ma ist dann für ihn abge­hakt. Er wird sich mit ›social engi­nee­ring‹ nicht wei­ter beschäf­ti­gen und nicht mit­be­kom­men, wie er in die nächs­te Impf­kam­pa­gne hin­ein ›genud­ged‹ wird. Oder wie er vom Tages­spie­gel dazu gebracht wird, Regie­rungs­kri­ti­ker, die soge­nann­ten ›Schwurb­ler‹, zu hassen.«

Alle die­se neue­ren Metho­den aus der ame­ri­ka­ni­schen Ver­hal­tens­for­schung (soft power, re-edu­ca­ti­on, social engi­nee­ring, nud­ging, framing, pre­dic­ti­ve pro­gramming, pre­bun­king usw.) las­sen sich unter dem gro­ßen Dach der mili­tär­psy­cho­lo­gi­schen Ope­ra­tio­nen (»PsyOps«) sub­su­mie­ren. Von vorn­her­ein arbei­te­te die empi­ri­sche Sozi­al­for­schung – deren Haupt­ver­tre­ter dem Beha­vio­ris­mus, der freu­domar­xis­ti­schen Frank­fur­ter Schu­le und dem kul­tur­anthro­po­lo­gi­schen Kon­struk­ti­vis­mus ent­stamm­ten – in den USA nicht nur mit dem Mili­tär und dem Mili­tär­ge­heim­dienst zusam­men und wur­de größ­ten­teils aus deren Quel­len finan­ziert, son­dern ver­stand ihren Auf­trag als Waf­fe in den bei­den Welt­krie­gen und im Kal­ten Krieg.

Die frü­hen Hol­ly­wood­fil­me und Spiel­shows waren bereits ein­ge­bet­tet in eine dezi­dier­te psy­cho­lo­gi­sche Kriegs­füh­rung. Lutz Damm­becks Film Over­games (2015) gibt davon Aus­kunft. (Daß er vom Sen­der Arte aus­ge­strahlt wur­de und im Main­stream rezi­piert wer­den konn­te, liegt womög­lich dar­an, daß er im mas­sen­ma­ni­pu­la­ti­ons­kri­ti­schen Framing »Nie wie­der Hit­ler!« ope­riert, mit­hin selbst trotz gro­ßer Ver­diens­te ein wenig social engi­nee­ring betreibt.)

Im NATO-Sprach­ge­brauch hat sich die Bezeich­nung »PsyOps« für die Haupt­stra­te­gie der psy­cho­lo­gi­cal war­fa­re durch­ge­setzt. Hier­mit bezeich­net man alle Metho­den und Maß­nah­men zur Beein­flus­sung des Ver­hal­tens der geg­ne­ri­schen Streit­kräf­te und der Zivil­be­völ­ke­rung. Meist wird durch geziel­te Des­in­for­ma­ti­on Ein­fluß auf die stra­te­gi­schen Erwä­gun­gen des Geg­ners genom­men. Für die Bevöl­ke­rung wer­den bestimm­te Nar­ra­ti­ve lang­fris­tig vor­be­rei­tet, durch »Test­bal­lons« im Mas­sen­be­wußt­sein punk­tu­ell ver­an­kert und dann breit aus­ge­rollt (pre­dic­ti­ve pro­gramming). PsyOps sind regu­lä­rer Bestand­teil der US-Verteidigungsstrategie.

Der Ame­ri­ka­nist und Moti­va­ti­ons­for­scher Jonas Tögel schil­dert in sei­nem in die­sem Jahr erschie­ne­nen Buch Kogni­ti­ve Kriegs­füh­rung. Neu­es­te Mani­pu­la­ti­ons­tech­ni­ken als Waf­fen­gat­tung der NATO die aktu­ell »fort­schritt­lichs­te Form der Mani­pu­la­ti­on«. Seit dem Jahr 2020 trei­be die NATO eine neue Form der psy­cho­lo­gi­schen Kriegs­füh­rung vor­an: die soge­nann­te kogni­ti­ve Kriegs­füh­rung (cogni­ti­ve war­fa­re).

Wenn sich die moder­ne Kriegs­pro­pa­gan­da vor 100 Jah­ren vor allem auf Mas­sen­ma­ni­pu­la­ti­on ver­las­sen hat (die natür­lich noch immer unver­min­dert anvi­siert wird), zie­len heu­te, so Tögel, vor allem die mili­tä­ri­sche Anwen­dung der Neu­ro­wis­sen­schaf­ten sowie die Tech­no­lo­gien des Typs Nano­ro­bo­ter und Neu­ro­waf­fen direkt auf das Denken.

Die zugrun­de­lie­gen­de Wis­sen­schaft von der Mani­pu­la­ti­on kenn­zeich­net ein Hard­core-Mate­ria­lis­mus, der das Leib-See­le-Pro­blem nicht mehr kennt. Offi­zi­ell wird noch nichts dar­über ver­laut­bart, daß mit RFID-Chips, Nano­par­ti­keln im mensch­li­chen Blut­kreis­lauf, Gen­ver­än­de­rung etwa durch mRNA-Injek­tio­nen oder neu­ro­wirk­sa­me Psy­cho­phar­ma­ka in Lebens­mit­teln oder im Trink­was­ser die alte Gren­ze zwi­schen Phy­sis und Psy­che bereits über­schrit­ten wird – doch geben die NATO-Stra­te­gie­pa­pie­re und ‑kon­fe­ren­zen wie eine »offe­ne Ver­schwö­rung« davon der­ar­tig beredt Aus­kunft, daß man dies als limi­t­ed han­gout (Preis­ge­ben eines unwich­ti­gen oder ver­al­te­ten Teils der eige­nen Ope­ra­tio­nen, um mit den ent­schei­den­den Tei­len unge­stört fort­fah­ren zu kön­nen, man hat ja »nichts zu ver­ber­gen«) oder als pre­dic­ti­ve pro­gramming inter­pre­tie­ren sollte.

Der »Gedan­ken­krieg« mit­tels Soft-power-Tech­ni­ken ist spä­tes­tens seit dem Zwei­ten Welt­krieg aus­ge­bro­chen, doch fin­det erst neu­er­dings direk­te Steue­rung kogni­ti­ver Pro­zes­se in den Gehir­nen der anvi­sier­ten Adres­sa­ten statt, und zwar ver­mit­tels des Inter­nets. Ein wesent­li­cher Mecha­nis­mus, auf dem die kogni­ti­ve Waf­fen­gat­tung fußt, ist die völ­lig frei­wil­li­ge Preis­ga­be rie­si­ger Daten­men­gen durch uns Inter­net­nut­zer. Tögel schreibt, wir alle gäben unab­läs­sig hin­ter dem für die Emp­fän­ger ein­seh­ba­ren Text, den wir öffent­lich oder pri­vat abset­zen, einen »Schat­ten­text« von uns: Klicks, Bewer­tun­gen, Such­ma­schi­nen­ver­wen­dung, Schlag­wör­ter, Surf­dau­er, Käu­fe, Ver­lin­kun­gen, Füt­tern von KI-Maschi­nen wie ChatGPT, Han­dyor­tung – all das, wor­auf nicht nur Wer­be­al­go­rith­men zugrei­fen kön­nen, son­dern auch Staats­tro­ja­ner, dar­auf spe­zia­li­sier­te Agen­tu­ren und Geheimdienste.

Der Angriff, der auch und gera­de, wie Jonas Tögel her­aus­stellt, die eige­nen Völ­ker der west­li­chen Staa­ten tref­fen soll, kann auf ein kom­ple­xes Waf­fen­ar­se­nal ver­trau­en. Neben den »Schat­ten­tex­ten« fin­den sich dar­in vor allem gezielt auf­ge­bau­te »Influen­cer« und »par­ti­zi­pa­to­ri­sche Pro­pa­gan­da« in den sozia­len Medi­en: das Ver­brei­ten prä­zi­se auf sie zuge­schnit­te­ner Inhal­te durch die Nut­zer selbst.

Wäh­rend die meis­ten vor allem jun­gen Nut­zer die Funk­ti­ons­wei­se von Algo­rith­men bereits ken­nen, ver­hält sich dies bei einer der neu­es­ten Waf­fen anders, dem soge­nann­ten pre­bun­king. Debun­king ist das Ent­lar­ven oder Auf­de­cken von Falsch­mel­dun­gen (das Geschäft der media­len »Fak­ten­che­cker«), doch »das ›Pre­bun­king‹ […] soll die psy­chi­sche Ein­stel­lung des Emp­fän­gers so prä­pa­rie­ren, daß er die frag­li­che Behaup­tung bereits für falsch hält, bevor er mit ihr in Kon­takt kommt. Das kann zum Bei­spiel dadurch gesche­hen, daß Schü­ler in einer vir­tu­el­len Umge­bung selbst Fake-News pro­du­zie­ren und sich so schein­bar in ›bös­wil­li­ge Akteu­re‹ hin­ein­ver­set­zen. Tref­fen sie dann im All­tag auf eine Nach­richt, der die­sel­be Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie zu Grun­de zu lie­gen scheint, leh­nen sie deren Inhalt von vor­ne her­ein ab.«

Genug davon. Die Fra­ge wird immer dring­li­cher: Was ist es in uns, das uns so teuf­lisch emp­fäng­lich macht für Mani­pu­la­ti­on? War­um ist der Mensch so beschaf­fen, daß er sol­chen Miß­hand­lun­gen hilf­los aus­ge­lie­fert ist?

Wenn ich oben die Wirk­wei­se der Mani­pu­la­ti­on so skiz­ziert habe, daß A mit­tels bewuß­ten Zugriffs auf das unbe­wuß­te Füh­len von B des­sen Wil­len lenkt, wor­auf­hin des­sen Den­ken und Han­deln sich (von B unbe­merkt) den Inter­es­sen oder Zwe­cken von A unter­ord­net, dann ent­spricht die­se Skiz­ze einem Gedan­ken des hei­li­gen Tho­mas von Aquin in sei­ner Sum­ma theo­lo­giae.

Engel, und zwar sowohl gute als auch böse (Tho­mas spricht bei letz­te­ren expli­zit in die­sem Zusam­men­hang von »Dämo­nen«), wir­ken in der Wei­se auf den Men­schen, daß sie ihn nicht über den Wil­len len­ken kön­nen, denn das kann nur Gott. Was sie kön­nen, ist, auf die Sinn­lich­keit des Men­schen ein­zu­wir­ken: sei­ne Gefüh­le ent­we­der geis­tig oder phy­sisch erre­gen. Dämo­nen sind die Ur-Mani­pu­la­to­ren, ihr gesam­tes Sin­nen, Trach­ten und Trei­ben rich­tet sich auf nichts anderes!

Das, was die moder­ne Psy­cho­lo­gie nach Freud das »Unbe­wuß­te« nennt, hieß in der Tra­di­ti­on »die sinn­li­chen Trie­be«, »das Fleisch« oder »die Unter­na­tur« des Men­schen. Die­se sind dem Bewußt­sein nicht zugäng­lich, wäh­rend der Wil­le und der Ver­stand die bewuß­ten See­len­tei­le dar­stel­len. Wer einen Men­schen füh­ren will, ohne daß die­ser frem­de Füh­rung bemerkt und abwehrt, weil sie gegen sei­nen Wil­len geschieht, muß sich also in des­sen Unter­na­tur ein­schlei­chen, sein Fleisch erre­gen (was wahr­lich nicht auf Sexua­li­tät beschränkt ist, wenn­gleich die­se den Dämo­nen als vor­treff­lich geeig­ne­te Soll­bruch­stel­le erscheint).

Die­ser Jemand kann ein ande­rer Mensch sein, ein direk­tes Gegen­über (oben unter 1. beschrie­ben), oder es han­delt sich um mani­pu­la­ti­ve Zusam­men­hän­ge im Sozia­len (2.) bzw. regel­rech­te wis­sen­schaft­li­che Metho­den der Kriegs­füh­rung in der human domain (3.). Gemein­sam ist die­ser Kli­max das Prin­zip: die Fremd­be­stim­mung des Wil­lens eines Opfers durch Miß­brauch von des­sen Gefüh­len und Trieben.

Jonas Tögel beschließt sein Buch mit einem Kapi­tel, in dem er sei­nen Lesern Wege wei­sen will, wie sie als ein­zel­ne die Mani­pu­la­ti­ons­waf­fen der kogni­ti­ven Kriegs­füh­rung »neu­tra­li­sie­ren« kön­nen. Logi­scher­wei­se ist die Kennt­nis der­sel­ben bereits der ers­te und ent­schei­den­de Schritt: Da sie im Dun­keln auf das Unbe­wuß­te wir­ken sol­len, ver­lie­ren sie, ans Tages­licht des Bewußt­seins gezerrt, ihre Kraft. Doch Wis­sen bedeu­tet, davon kann jeder Leh­rer und jeder Ethi­ker ein Lied sin­gen, nicht Umsetzen-Können.

Der Moti­va­ti­ons­for­scher ist an die­ser Stel­le trotz eif­ri­gen Bemü­hens ziem­lich gelie­fert. Er will mehr anbie­ten als Auf­klä­rung, also eine ihrer­seits rein kogni­ti­ve Gegen­stra­te­gie zur kogni­ti­ven Kriegs­füh­rung. Denn Auf­klä­rung über das The­ma Mani­pu­la­ti­on in Büchern und Vor­trä­gen hat den Pfer­de­fuß, daß die aller­meis­ten Zuhö­rer ver­ständ­nis­in­nig nicken – aber die Mani­pu­lier­ten sind immer die ande­ren (»die Gesell­schaft«, »die Nut­zer von Social media«, »die Main­stream­gläu­bi­gen«, die »Schlaf­scha­fe«).

Tögel schreibt: »Es stimmt und ist in der psy­cho­lo­gi­schen For­schung gut belegt, daß man selbst die eige­ne Anfäl­lig­keit für Mani­pu­la­ti­on ger­ne unter­schätzt, wäh­rend man sie bei ande­ren über­schätzt. Die­se Tat­sa­che wird auch als ›Drit­te-Per­son-Effekt‹ (Third-Per­son-Effect) bezeichnet.«

»War­um siehst du den Split­ter im Auge dei­nes Bru­ders, aber den Bal­ken in dei­nem Auge bemerkst du nicht?« (Mt 7,3) drückt es Chris­tus in der Berg­pre­digt aus. Denn alle Auf­klä­rung über Mani­pu­la­ti­ons­tech­ni­ken bewirkt nichts, wenn der ein­zel­ne den Bal­ken im eige­nen Auge ste­cken läßt. Er muß blind blei­ben für Tögels Rat­schlä­ge, etwa die »hel­le Sei­te« der Soft power in Form von Moti­va­ti­ons­tech­ni­ken und die woke Psy­cho­num­mer namens »Empower­ment« posi­tiv für sich zu nut­zen oder mit C. G. Jung das »Auf­wa­chen« aus der Mani­pu­la­ti­on neu zu framen: »Ich bin das, was ich ent­schei­de zu wer­den.« Tögel zitiert Jung noch wei­ter: »Nur wer in sein Herz blickt, sieht die Din­ge so, wie sie wirk­lich sind. Wer nach außen blickt, schläft. Wer nach innen blickt, der wacht auf.«

»Ich habe auch nach ein­ge­hen­der Recher­che die­se Sät­ze nur auf Web­sites mit berühm­ten Zita­ten gefun­den. Jung liest sich in Wirk­lich­keit etwas weni­ger selbsthilfegruppenhaft:
Zu vie­le noch suchen außen; die einen glau­ben an den Trug des Sie­ges und der sieg­rei­chen Macht, ande­re an Ver­trä­ge und Geset­ze und wie­der­um ande­re an die Zer­stö­rung der bestehen­den Ord­nung. Zu weni­ge noch aber suchen nach innen, im eige­nen Selbst, und noch zu weni­ge legen sich die Fra­ge vor, ob nicht der mensch­li­chen Gesell­schaft am Ende dadurch am bes­ten gedient sei, daß jeder bei sich sel­ber anfan­ge und jene Auf­he­bung der bis­he­ri­gen Ord­nung, jene Geset­ze, jene Sie­ge, die er auf allen Gas­sen pre­digt, zuerst und ein­zig und allein an sei­ner eige­nen Per­son und in sei­nem eige­nen inne­ren Staat erprob­te, anstatt sie sei­nen Mit­men­schen zuzu­mu­ten.« (Die Psy­cho­lo­gie des Unbe­wuß­ten, Vor­wort zur 2. Auf­la­ge, 1918)

Dabei ist dem Psy­cho­ana­ly­ti­ker die Wirk­wei­se der Dämo­nen ver­traut, Jung fängt mit dem Begriff des „Arche­ty­pus“ in einem gewis­sen Umfang das ein, was die Tra­di­ti­on als Dämo­nen gese­hen hat. Indi­rekt zitiert er Augus­ti­nus, der ihre „Auf­ge­bla­sen­heit“ auf 1 Kor 8, 1 zurück­führt. Im sel­ben Werk schreibt Jung nämlich:

»Hier­in zeigt sich die cha­rak­te­ris­ti­sche Wir­kung des Arche­ty­pus: Er ergreift die Psy­che mit einer Art Urge­walt und nötigt zur Über­schrei­tung des mensch­li­chen Berei­ches. Er ver­an­laßt Über­trei­bung, Auf­ge­bla­sen­heit (Infla­ti­on!), Unfrei­wil­lig­keit, Illu­si­on und Ergrif­fen­heit im Guten wie im Bösen. Hier liegt der Grund, war­um die Men­schen immer der Dämo­nen bedurf­ten und nie ohne Göt­ter leben konnten.«

Uns Heu­ti­gen kann die Inter­pre­ta­ti­on von Mani­pu­la­ti­on als Wirk­wei­se der Dämo­nen mei­nes Erach­tens wei­ter­hel­fen, um die Lücke zwi­schen dem Erken­nen der Mani­pu­la­ti­on im Außen und dem stän­di­gen Wir­ken der Mani­pu­la­ti­on auf das Innen zu schlie­ßen. Der Mensch ist näm­lich seit dem Sün­den­fall prin­zi­pi­ell von Dämo­nen umzin­gelt und auch inner­lich durch­drun­gen, inso­fern ist es etwas völ­lig Gewöhn­li­ches, eben die Natur (oder: die Unter­na­tur) des Men­schen, daß unser Wil­le der­art bela­gert, bezirzt, ver­führt, getriezt, unter­wan­dert, matt gesetzt und aus­ge­trickst wer­den kann. Die Dämo­nen ver­mö­gen nichts ande­res, als sich man­nig­fal­tigs­ter »Psy­cho­t­ricks« zu bedie­nen, das ist ihre Natur.
Nicht jede Sün­de ist dämo­nisch bewirkt. Aber »wenn der Mensch sei­nen Wil­len ver­nach­läs­sigt und ihn preis­gibt, ohne ihn Gott zu unter­wer­fen, so wird sich als­bald der Wider­sa­cher Got­tes mel­den, um sich die­sen Wil­len hörig zu machen oder ihn zu ver­drän­gen. Zwar kann sich auch ein mensch­li­cher Wil­le ein­schal­ten; aber die Macht der Dae­mo­nen ist unver­gleich­lich grö­ßer.« (Egon v. Peters­dorff, Dae­mo­no­lo­gie, 1940)

Wenn man sich ein­mal traut, in der Gewis­sens­er­for­schung oder im ver­trau­li­chen Gespräch wirk­lich in den eige­nen Gefühls­haus­halt hin­un­ter­zu­stei­gen, wird man sich fra­gen, was man eigent­lich unter­halb der kogni­ti­ven Ober­flä­che alles ins­ge­heim emp­fin­det. Da wird man fün­dig, da tum­meln sich die Dämo­nen – und zwar gera­de dann, wenn die Fra­gen, die ich dem eige­nen Gewis­sen stel­le oder offen aus­spre­che, bloß schein­ba­re Klei­nig­kei­ten wie mei­ne Anti­pa­thien, typi­schen Reak­ti­ons­mus­ter und »Trig­ger-Knöpf­chen« betref­fen und nicht die kogni­ti­ve Kriegs­füh­rung im geo­po­li­ti­schen Hybrid­krieg. Das ganz Gro­ße ist das ganz Klei­ne. Und anders­her­um. Des­halb ist es einer­seits so »nor­mal« und mensch­lich, der stän­di­gen Wir­kung der Dämo­nen aus­ge­setzt zu sein, ande­rer­seits so per­vers und unmensch­lich, ja, wider­mensch­lich, wie es eben nur das Böse sein kann.

Mei­ne The­se wäre: Es ist das alt­be­kann­te Böse, das vie­le Abstu­fun­gen und Wirk­wei­sen kennt und seit hun­dert Jah­ren den Men­schen mit letz­ter Kraft­auf­bie­tung nun dazu bringt, sich re-edu­ca­ti­on, framing manu­als und cogni­ti­ve war­fa­re aus­zu­den­ken – und das den Men­schen dazu bringt, die­sen Ver­su­chen, in sei­ne See­le ein­zu­drin­gen, immer mehr zu erlie­gen, immer will­fäh­ri­ger zu wer­den, sich frei­wil­lig zu unter­wer­fen, ohne es auch nur zu ahnen.

Es gibt jedoch gegen das alt­be­kann­te Böse ein Hilfs­mit­tel, und das ist die »Schei­dung der Geis­ter«. Der Apos­tel Johan­nes for­mu­liert es so: »Traut nicht jedem Geist, nein, prüfet die Geis­ter, ob sie aus Gott sind« (1 Joh 4,1). In den Exer­zi­ti­en des hei­li­gen Igna­ti­us von Loyo­la ist die Unter­schei­dung der Geis­ter die zen­tra­le Übung: »Ich setz­te vor­aus, daß es drei­er­lei Gedan­ken in mir gibt: sol­che, die mein eigen sind und allein mei­ner Frei­heit und mei­nem Wil­len ent­sprin­gen, wäh­rend die bei­den andern von außen kom­men: der eine vom guten, der ande­re vom bösen Geist.«

Die­se Übung ist nie­mals rein kogni­tiv, denn beim Hin­un­ter­stei­gen in die Abgrün­de der See­le emp­fin­de ich rege Abscheu oder aber Wie­der­ho­lungs­lust. Wenn ich uner­bitt­lich prü­fe, wel­che mei­ner schein­bar noch so legi­ti­men Gedan­ken »vom bösen Geist« stam­men könn­ten, fin­de ich ihre mög­li­chen Moti­ve: Haß, Angst, Zorn, Herrsch­sucht, Dün­kel, Eigen­lie­be … die mich unter­halb mei­nes Wil­lens dazu gebracht haben könn­ten, ein Kriegs­pro­pa­gan­da­vi­deo zu tei­len, die genau­es­te Schritt­zäh­ler-App zu instal­lie­ren, Tri­bu­na­le für sata­ni­sche Pädo-Eli­ten zu for­dern, einem poli­ti­schen Hoff­nungs­trä­ger in den sozia­len Medi­en zu fol­gen, bei Kam­pa­gnen gegen »das Virus« oder »die Gen­sprit­ze« mit­zu­ma­chen, als »letz­te Gene­ra­ti­on« von links oder von rechts auf die Stra­ße zu gehen, Lin­ke, Schwar­ze, Mos­lems und die deka­den­ten Mas­sen des eige­nen Vol­kes zu ver­ab­scheu­en oder gar zu glau­ben, ich sei nicht manipulierbar.

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

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Kommentare (25)

Gotlandfahrer

30. Oktober 2023 23:57

1/2
Danke für diesen tiefsinnigen, herausragenden und für unser Lageverständnis unverzichtbaren Vortrag. Es scheint, wir arbeiten uns durch solche Beiträge Schritt für Schritt ins Helle, wo sich sehen lässt, wie uns geschah. 
Selbstverständlich, verehrte Frau Sommerfeld, ist jeder, also auch jeder von uns, manipulierbar und anfällig für die eigenen Dämonen. Aber kann es der Redlichkeit auch zuviel werden, wo es am Beobachter höherer Ordnung stets mangeln zu müssen scheint? Will sagen: Stellen Sie schon gar nicht Ihr Licht, aber auch nicht das der hemdsärmeligen „Verschwörungstheoretiker“ unter den Scheffel, nur weil nicht jede Regung objektiven Wahrheitsansprüchen genügen kann: Fünfe gerade sein lassen, Zorn (den Sie zu Motiven des bösen Geistes zählen), bei dem mit Spänen gehobelt wird, ist das nicht Ausdruck menschlicher Demut vor der Unerreichbarkeit göttlicher Unfehlbarkeit bei gleichzeitiger Bejahung des eigenen geschenkten Lebens? Und damit das, was den fehlenden objektiven Beobachter höherer Ordnung ersetzt, weil es uns unterscheiden lässt, zwischen, vielleicht nicht Wahr und Unwahr, aber zwischen Falsch und Richtig? Denn die „Gegenseite“ spürt ihn nicht, den Zorn. Weder „Eliten“ noch „Antifanten“ sind „zornig“ auf Rechte.  

Gotlandfahrer

31. Oktober 2023 00:00

2/2
Ersteren sind wir lediglich im Weg, Letztere kompensieren ihre traurigen Defizite durch Gewalt an uns, aber nicht aus wirklichem Zorn. Wenn ich aber zornig bin, will ich Tribunale fordern können, ohne deswegen annehmen zu müssen, es genauso falsch zu machen, wie die, die mich zornig werden ließen. Ob es dann tatsächlich Tribunale sein müssen und wenn ja, wie die aussehen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Klar bin ich manipulierbar, aber nicht von jedem Dahergelaufenen und schon gar nicht von den Fratzen, die es seit Jahren versuchen. Was ich also  nicht zur Selbstrettung brauche, ist nagender Zweifel an meinem Zorn, aus Angst, ungerecht zu sein. Vollständig gerecht sein kann nur einer.
Womit man beim Glauben ist und ich bei der Frage, ob es tatsächlich der christliche Zugang zu (dem einen) Gott ist (den ich angesichts der verfügbaren Alternativen bevorzuge), der uns vor dem Bösen bewahrt, oder ob es nicht gerade diese Vorstellung ist, die ihre Antithese automatisch mit hervorbringt? Anders: Was war eigentlich schlecht an der Vielgötterei, sofern man annimmt, damit ideenstrukturell eine Verdünnung des dualistischen Wirkprinzips Gut/Böse erreichen zu können? Ich bitte für diese womöglich ungebildete Frage um Verzeihung.

Franz Bettinger

31. Oktober 2023 09:25

2015 brachte den großen Paradigmen-Wechsel. Wir erkannten: Wir werden verarscht. Wir erkannten die große Propaganda, und ganz wichtig, wir sahen zum ersten Mal deutlich und überrascht: der Feind sitzt in der eigenen Burg. Er hat sich durch die Institutionen dahin geschafft oder ist von außen (WEF…) dorthin geschafft worden. Es ist: die eigene Regierung! Aber auch: Die Presse. Schon im Lehman-Jahr 2008 des großen Banken-Schwindels, dem kein Kurswechsel folgte, wurden die Medien zur Lügenpresse. Seitdem haben die System-Medien ihre Bindekraft verloren. Die System-Parteien folgen jetzt und gehen die Bach runter. Gut so. 

Waldgaenger aus Schwaben

31. Oktober 2023 10:08

Ich kenne dieses Grübeln. Habe ich wirklich nur lautere Motive, oder sind es nicht auch "innere Dämonen" (heute: Egoismus, Narzissmus, Gier, etc.) oder ist es Manipulation, die mich antreiben. Man neigt dann zum Nichts-Tun. Solange man sicher weiß, dass die Geister geschieden sind, erstmal abwarten. Und dann kommt Laotse um die Ecke:
Verantwortlich ist man nicht nur, für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut.
Es ist kompliziert. 

Le Chasseur

31. Oktober 2023 11:39

@Franz Bettinger
"2015 brachte den großen Paradigmen-Wechsel. Wir erkannten: Wir werden verarscht."
Ich hatte diese Erkenntnis bereits 2001, nach den Ereignissen in den USA am 11. September. Und für mich wurden die Medien schon zu diesem Zeitpunkt zur Lügenpresse. Bei jeder Zeitung, jedem Nachrichtenportal, das die offizielle Version der Ereignisse vertrat, und andere Theorien als "krude Verschwörungstheorien" brandmarkte, wusste ich: "Denen ist nicht zu trauen, und alles, was dort zu lesen oder zu hören ist, muss unter Vorbehalt behandelt werden".
Und nach diesem Artikel von Merkel und ihrem Besuch bei Bush wusste ich auch, was von dieser Person zu halten ist: https://www.spiegel.de/politik/ausland/beitrag-in-us-zeitung-merkels-bueckling-vor-bush-a-237040.html

Gimli

31. Oktober 2023 11:47

Subjektiv verstehe ich den Beitrag von CS selber schon als tendenziell verschwörungsdenkerisch. Zumindest lese ich hinter den beispielhaft genannten RFIDs, Nanos, Impfungen etc schon eher die Meinung der Autorin, dass mit diesen Techniken konkret und nachteilig für die Masse manipuliert würde. Kann mich auch irren.
Ich meine: Manipulation leben und erleben wir permanent, wir sind selber Akteuere, da wir immer versuchen, zu unserem Vorteil andere zu "bewegen". Werbung (Wirtschaftssystem/Politik), Lobbygruppen, Aushandeln im Privaten .. wir sind umgeben davon. Krahs übergriffiger Appell (sei rechts und dann klappt es auch mit den Mädchen) oder Merkels "Sie kennen mich" sind Manipiulationen. "Falsch" wirds mMn, wenn ich andere über-vorteile oder unwahr rede und handle oder weiß, es gereicht anderen zu (großem) Nachteil oder auch bewusst so zu formulieren, dass mich andere zu meinem Vorteil missverstehen.
Dazu bedarf bei mir selber einer guten Kalibrierung, "guten" stabilen Werten, psychischer Befestigung. Und der Fähigkeit, "neben" sich stehen zu können und die eigenen Triebkräfte "in der Situation" zu erkennen. Das lese ich aber auch so ähnlich im Text, wenngleich mit zu viel Bibelzitat und "Dämonen".
Die Gefahr ist, überall nur noch Verschwörung und böse Manipulation zu suchen (und zu finden). Es scheint Menschen mit solch einer überzogenen (antrainiert oder angeboren) Mustersuche zu geben - ist wohl ein eigenes Thema. 

Adler und Drache

31. Oktober 2023 13:33

Chapeau, liebe Caroline! Nach unseren langen Diskussionen, wie man das ureigene Beteiligt-, ja Verstricktsein in die Misere zum Ausdruck bringen könnte, nun also dieser Text, der es überraschender Weise über den Umweg übers Gegenteil tut (also den Zugriff von außen). Interessante Volte!
Was Du im 2. Teil sagst, lässt sich unter "Logik der Beichte" zusammenfassen und passt sehr glücklich zum heutigen Reformationstag. "Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen!" Es führt kein Weg herum - nur auf diesem Fundament lässt sich der geistige/geistliche Kampf führen oder überhaupt bestehen.
Folgende Passage empfinde ich als zu weites Abschweifen: Offiziell wird noch nichts darüber verlautbart, daß mit RFID-Chips, Nanopartikeln im menschlichen Blutkreislauf, Genveränderung etwa durch mRNA-Injektionen oder neurowirksame Psychopharmaka in Lebensmitteln oder im Trinkwasser die alte Grenze zwischen Physis und Psyche bereits überschritten wird ... Das wäre ein eigenes Thema!
Ansonsten: Möge der Same auf fruchtbaren Boden fallen!
 
 

Ein Fremder aus Elea

31. Oktober 2023 13:40

Die von Ihnen beschriebene Manipulation beruht einerseits auf der eigenen Losgelöstheit von den politischen Entscheidungen und andererseits auf einer eine bestimmte Schuld hervorhebenden Darstellung, welche dem Impuls entgegenkommt, Ordnung und sich dabei zugleich Gehör zu verschaffen.

Es ist bisweilen recht peinlich, zu welchen Vorstellungen man sich so angestachelt versteigt. Über die Peinlichkeit ist es bei mir aber noch nicht hinausgegangen. Was sind die Grade? 1. Irritiertheit, 2. Peinlichkeit, 3. Betroffenheit, 4. Erschüttertheit, 5. Reue?

Daß bei dieser Art der Verhaltenssuggestion gewisse ethische Reflexe ausgenutzt werden (welche ich übrigens als Daimonen bezeichne) mag schon zutreffen. (Aber die Reflexe sind die Daimonen, nicht jene, welche sie anstoßen. Das sind immer Menschen (bisweilen auch Tiere), entweder andere oder auch wir selbst.)

Gustav

31. Oktober 2023 15:34

Hier ein Beispiel für die Manipulation von Christen:
“Das Radio spielte ‘Easter Parade’, und ich dachte, ‚aber dies ist jüdischer Genius auf gleicher Höhe mit den Zehn Geboten. Gott gab Moses die Zehn Gebote, und dann gab Er Irving Berlin ‚Easter Parade’ und ‚White Christmas’. Die beiden Feste, die die Göttlichkeit Christi feiern – die Göttlichkeit, die der jüdischen Ablehnung des Christentums zugrunde liegt – und was macht Irving Berlin brillanterweise? Er entchristlicht sie beide! Ostern verwandelt er in eine Modenschau, und Weihnachten in ein Fest um den Schnee. Weg sind das Blut und die Ermordung Christi – nieder mit dem Kreuz und hoch mit der Haube! Er verwandelt ihre Religion in schlock [Ramsch]. Aber auf nette Art! Nett! So nett, daß die Goyim nicht einmal wissen, was sie getroffen hat. Sie lieben es. Alle lieben es. Besonders die Juden. Juden verabscheuen Jesus.”
Aus "Operation Shylock : A Confession" von Philip Roth
Oder ist es das altbekannte Böse?

Suedburgunder

31. Oktober 2023 17:37

@ Gustav
In diesem Zusammenhang (Manipulation von Christen) sei auf den Roman Le bâtard de Nazareth (Grasset, 2023) des franco-türkischen Autors Metin Arditi verwiesen, der in übelst blasphemischer Weise das Leben Jesu "uminterpretiert" (der Klappentext verwendet das Verb réinterpréter), indem er Ihn als uneheliches Kind eines römischen Legionärs auf die Welt kommen läßt. Das Christentum als Racheakt eines gedemütigten (heute würde man sagen gemobbten) Knaben. Darauf muß man erstmal kommen! 

Maiordomus

31. Oktober 2023 18:15

@Arno Plack. Fürwahr, ein Buch der Erweckung damals in den Siebzigerjahren. Damals publizierten u.a. noch Walter Hoeres in der Zeitschrift Epoche, einer Abspaltung von Schlamms und Habsburgs Zeitbühne, im Vergleich zu Sezession noch stärker konservativ als rechts, aber in Sachen Literaturaufarbeitung damals noch nicht auf dem heutigen Niveau dieser Zeitschrift, bei Mitarbeitern freilich, die zum Teil nun halt unersetzlich einem weggestorben sind. Wenn ich nur an Helmut Schoeck zurückdenke! Oder Walter Nigg, der zwar selten in Zeitschriften publizierte.
Der einzigartige Kenner der Engelwelt, ganz sicher über Rudolf Steiner und die Anthroposophie hinausgehend weil noch quellennäher, war Gerd Klaus Kaltenbrunner mit seinem Magnum Opus über Dionysios Areopagita, freilich wie in einer Art Trance geschrieben und deswegen nicht durchwegs wissenschaftlich ernst zu nehmen, wiewohl als Gross-Essay ein Vermächtniswerk für Fortgeschrittene, nicht ausschliesslich Rechte, die für Spiritualität ansprechbar sind, ein Bergwerk diesbezüglicher höherer und höchster Bildung, mit dem Nachteil vielleicht, dass man von EK wohlwollend besprochene Durchschnittsromane nicht mehr ohne weiteres ertragen würde.  

nom de guerre

31. Oktober 2023 19:33

@ Suedburgunder
"Metin Arditi [...], der in übelst blasphemischer Weise das Leben Jesu "uminterpretiert" (der Klappentext verwendet das Verb réinterpréter), indem er Ihn als uneheliches Kind eines römischen Legionärs auf die Welt kommen läßt. [...] Darauf muß man erstmal kommen!"
So neu ist diese "Reinterpretation" gar nicht: https://de.wikipedia.org/wiki/Panthera-Legende

FraAimerich

31. Oktober 2023 20:26

@ Suedburgunder: "uneheliches Kind eines römischen Legionärs"
 
Die alte Panthera-Legende geht auf jüdische Überlieferungen zurück; schon Celsus hat sie aufgegriffen. Es handelt sich also keinesfalls um eine "originelle" Idee des genannten franco-türkischen Autors. Die Angelegenheit spielte auch eine Rolle bei späteren - auch theologischen - Versuchen der "Arisierung" des "Menschensohnes". 
Nebenbei: Daß vieles von dem, was führende "Counter-Jihadisten" und "Islam-Kritiker" dem Koran bzw dessen Auslegungstraditionen vorhalten, im Kern auf jüdische Traditionen bzw. Talmudismen zurückgeht oder solche schlicht "spiegelt", wirft die Frage auf: Treten hier erstaunliche Wissenslücken zutage - oder werden entsprechende Parallelen mit Manipulationsabsicht bewußt verschwiegen?

Adler und Drache

31. Oktober 2023 20:38

@Suedburgunder: Alter Hut. 

Le Chasseur

31. Oktober 2023 20:47

@Suedburgunder
"Jesu Herkunft erklärt der Talmud mit einem Fehltritt Marias: Sie habe sich mit einem römischen Legionär namens Panthera eingelassen und das dabei entstandene Kind dem „Heiligen Geist“ zugeschrieben. Für die talmudischen Rabbiner war sie eine „Hure“. Jesus sei durch seinen römischen Vater „nicht nur ein Bastard, sondern der Sohn eines Nichtjuden“. Die im NT verkündete Abstammung von König David könne er daher nicht beanspruchen. Diese Idee war mitsamt dem Messias- und Sohn-Gottes-Anspruch Jesu bzw. des NT für die Talmudautoren reiner Betrug. Zudem stellten sie Jesus als promisk dar, der mit einer Prostituierten verkehrt habe und seiner Mutter nachgeraten sei." https://de.wikipedia.org/wiki/Jesus_au%C3%9Ferhalb_des_Christentums#Rabbinische_Tradition

MarkusMagnus

31. Oktober 2023 20:58

Man sollte immer darauf hinweisen dass das Wort "Verschwörungstheorie" sich spätestens mit der Epstein-Affäre überlebt hat.
Man sollte diese Leute die dieses Wort immer noch benutzen genaustens unter die Lupe nehmen?
Ich kann mir auch vorstellen das viele Pro-Israel-Fans in Washington auf der Kundenliste standen.
Soviel zum Thema antisemitische Verschwörungstheorie :)
Wenn das keine Manipulation ist was dann?
In einer Demokratie können Politiker gekauft und/erpressbar gemacht werden.
Wie lässt sich das verhindern? 
Meiner Meinung nach bräuchte die AFD sowas wie einen eigenen Nachrichtendienst.
 
 
 

Maiordomus

31. Oktober 2023 22:19

Zu oben: die Menge der Verschwörungstheorien tarnt die wenigen "wahren", die man aber gerade als historische Geschichten nach Lübbe und Wilhelm Schapp (Ostfriesland, wie der Humanist Althusius) aber ebenfalls nicht rein logisch erklären kann. Schon die Geschichte, wie der Grossvater die Grossmutter kennenlernte und sie schliesslich, ob ehelich oder nicht, "kriegte", enthält vieles, was man nicht so einfach stringent herleiten kann, die sog. "Interferenz" einer Geschichte, das, was man nur einzelfallbezogen am Ende und hinterher schlicht erzählen kann. Darum sind wir nun mal auf der Welt.      

Gracchus

31. Oktober 2023 22:37

Guter Vortrag. Mich würde interessieren, wie die Teilnehmer den Vortrag aufgenommen haben. Denn der "Glaube", besser die Wahrnehmung von Geistwesen wie Engel und Dämonen kann ja nicht vorausgesetzt werden, sondern vielmehr als verpönt gelten; wenn auch erfreulicherweise nicht hier im Forum (was mich bisschen wundert). Für Dämonologen hat die Corona-Sache natürlich reichlich Material geliefert. Ganz klassisch, da Dämonen mit Angst, Scham und Schuld operieren (womit aber auch die Kirche operiert hat.) 
Die erwähnte Dämonologie von dem Theologen von Petersdorff hat mich natürlich sofort interessiert; leider nur antiquarisch erhältlich und zu stolzen Preisen; erhältlich dafür eine Art Kompendium. 
 

Suedburgunder

1. November 2023 07:15

Ein herzliches Dankeschön all jenen, die sich um meine Allgemeinbildung verdient gemacht haben! Die Panthera-Legende mag "ein alter Hut" sein, Arditis Roman jedoch ist eine Neuerscheinung. Darauf zielte in erster Linie mein Beitrag.
Ansonsten wünsche ich ein gesegnetes Allerheiligen.

Gustav

1. November 2023 07:58

@ Gimli & Maiordomus
Es gibt bestimmte Annahmen, die auf jeden angewendet werden, der als „Verschwörungstheoretiker“ bezeichnet wird – und alle sind Trugschlüsse. In der Tat ist der Begriff „Verschwörungstheorie“ nichts anderes als ein Propagandakonstrukt, das dazu dient, Debatten zum Schweigen zu bringen und Meinungen zu einer Reihe von Themen zu zensieren.
Vor allem aber wird er als Pejorativum verwendet, um diejenigen an den Rand zu drängen und zu diskreditieren, die die Verlautbarungen und Erlasse des Staates und des Establishments in Frage stellen, d. h. der öffentlichen und privaten Einrichtungen, die den Staat kontrollieren und vom Staat profitieren.
Einer der heimtückischsten Aspekte der „Verschwörungstheorie“ ist, dass die mit dem Begriff verbundenen Unwahrheiten erfolgreich in das Bewusstsein der Öffentlichkeit eingedrungen sind. Oft genügt es den Propagandisten, die gewünschte Meinung mit diesem Etikett zu versehen, und das Publikum wird diesen Standpunkt sofort als „verrückte Verschwörungstheorie“ abtun.
Leider erfolgt diese reflexartige Reaktion in der Regel ohne jegliche Überlegung oder auch nur Kenntnis der von dem so genannten „verrückten Verschwörungstheoretiker“ vorgelegten Beweise.
https://uncutnews.ch/manche-nennen-es-verschwoerungstheorie-teil-1/

Monika

1. November 2023 10:10

Wichtiges Thema, das hier weitestgehend psychologisch abgehandelt wird. Als kleine Ergänzung sei angeführt: Im christlichen Sinne ist eigentlich nur Gott zu vertrauen, da nur er "der Weg, die Wahrheit und das Leben" ist. Bei Romano Guardini findet man zahlreiche Überlegungen zum Dämonischen. Nur ein kleines Zitat, was die "Anfälligkeit" des Menschen für die Manipulation betrifft: " Der Ausübung von Herrschaft entspricht, auf die Dauer und im Durchschnitt gesehen, im Beherrschten nicht nur ein passives Geschehenlassen, sondern auch ein Wille, beherrscht zu werden, denn das entlastet ihn von Verantwortung und Anstrengung. Im Ganzen gesehen, geschieht dem Beherrschten, was er selbst will. In seinem eigenen Innern müssen die Schranken der Selbstachtung und Selbstbewahrung fallen, wenn die Macht ihm Gewalt antun soll." ( in Die Macht, 1951) Über die Gefahr manipulierten Denkens im existentiellen Sinne schreiben etwa Vaclav Havel (Versuch in der Wahrheit zu leben) oder Czelaw Milosz ( Verführtes Denken). 

anatol broder

1. November 2023 10:43

sommerfeld erwähnt reichlich begriffe und verfasser, doch das wort selbstvertrauen kommt wieder mal nicht vor. ihre opferhaltung scheint ungebrochen.
 

Kommentar Sommerfeld: Selbstvertrauen ist Gottvertrauen oder Hybris.

Gracchus

1. November 2023 13:05

Ich gebe @Gimli recht, dass Manipulation allgegenwärtig ist. Als Anwalt zB versucht man ja das Gericht zu manipulieren, natürlich innerhalb gesetzlicher Grenzen, wobei da m. E. ein Sittenverfall zu verzeichnen ist. Ich tendiere dazu, Manipulation zu "entübeln", um keiner Bigotterie zu verfallen. So wie man, wenn man sozial vorankommen will, auch egoistisch seine Interessen verfolgen muss. Rudolf Steiner sieht den Egoismus auch als Durchgangsstadium zur wahren Ich-Entwicklung. Spirituelle Schulen, die das Ego (= niedere Ich) irgendwie auflösen oder verbannen wollen, sind m. E. zum Scheitern verurteilt.

Gracchus

1. November 2023 13:30

Den Begriff "Verschwörungstheorie" oder "-erzählung" würde ich auch entübeln. Das Genre blüht, weil politische Macht ein Arkanum braucht, gleichzeitig aber unter demokratischen Verhältnissen transparent erscheinen soll. Politische Kommunikation ist immer strategisch, aufgespalten in eine offizielle und inoffizielle Version, und in diesem Spalt gedeihen Spekulationen. Paradoxerweise sorgt die aufgeklärte Kritik an politischer Macht dafür, dass sich politische Macht verschleiern muss und ihr Ziel - Machtzuwachs - nicht offen kommunizieren kann. 
Den Begriff Verschwörungstheorie würde ich auch deshalb entübeln, weil ich den dämonologischen Rückgriff als richtig ansehe und man das Wirken von Dämonen als Verschwörung bezeichnen kann. Die Annahme dämonischen Wirkens ist in meinen Augen die naheliegendste, eleganteste Erklärung für gewisse Phänomene - u. a. dafür dass die große Manipulateure selber auch wie Manipulierte wirken.
 

Gracchus

1. November 2023 13:53

Ich würde @Maiordomus Kaltenbrunner und Steiner nicht gegeneinander ausspielen. Sie haben unterschiedliche Ansätze, stimmen aber wohl darin überein, dass es sich bei Engeln und anderen Geistwesen um Realitäten quasi analog der sinnlich erfahrbaren Welt handelt. Die geistige Wirklichkeit ist nichts Abstraktes, sondern konkret, wenn auch dem sinnlichen Menschen nicht unmittelbar zugänglich. Kaltenbrunner ist mit seinen Spekulationen vorsichtiger. Was Steiner sagt, lässt sich schwer beurteilen, wenn man solche Wahrnehmungen nicht hat. 

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