Orbáns “Nationaler Block”? Viele Ungarn haben resigniert

Bei dem vor wenigen Wochen im Jungeuropa-Verlag erschienenen Büchlein Nationaler Block des ungarischen Spindoktors Márton Békés handelt es sich um eine vorbildlich übersetzte (Georg Nachtmann), um ein Abschlußkapitel und ein Vorwort (Benedikt Kaiser) erweiterte Wiedergabe des kleinen Taschenbuches Nemzeti Blokk, das Teil einer Art Minibuchreihe ist, in der neue, aber grundlegende rechte Texte to go verlegt werden.

Die 110 Sei­ten las­sen sich in drei Stun­den bequem lesen. Den Inhalt kann man wohl zwei­tei­len: In einem abs­trak­ten, theo­re­ti­schen Teil wid­met sich Békés der Theo­rie der Hege­mo­nie, wie die­se zustan­de kommt, wie man sie am Leben erhält und mit Leben füllt und der­glei­chen; in einem zwei­ten, kon­kret-his­to­ri­schen Durch­gang will er zei­gen, wie die­ser Vor­gang im Ungarn wäh­rend der Orbán-Jah­re von­stat­ten ging und wel­che Stra­te­gien der Fidesz anwen­det, um die­sen „Natio­na­len Block“ zu bilden.

So stark, lesens­wert und über­zeu­gend das Büch­lein sein ers­tes Ansin­nen vor­trägt, so schwach gerät lei­der der zwei­te Teil. Einem auf­merk­sa­men und selbst­kri­ti­schen Autor wie Bene­dikt Kai­ser kann das natür­lich nicht ent­ge­hen, er hat die­sen Tat­be­stand als Ver­lags­mit­ar­bei­ter hübsch in Geschenk­pa­pier ein­ge­wi­ckelt, wenn er im Vor­wort schreibt:

… und bei allem Rea­lis­mus dar­über, daß der unga­ri­sche Weg kei­ne para­die­si­schen Zustän­de anbie­ten kann, son­dern ein real­po­li­ti­sches Maxi­mum unter den herr­schen­den EU-Ver­hält­nis­sen dar­stellt, gilt es jene all­ge­mein­gül­ti­gen Leh­ren zu zie­hen, die nötig sind, um das Zusam­men­spiel aus eige­ner Real- und Meta­po­li­tik zu verbessern.

Es wäre frei­lich scha­de, wenn das Ungarn Orbáns tat­säch­lich das „real­po­li­ti­sche Maxi­mum“ wäre.

Was ist denn nun die­ser „Natio­na­le Block“? Der Begriff geht auf Gramsci zurück, der Lieb­lings-Lin­ke der Rech­ten, der in sei­nem erra­ti­schen und oszil­lie­ren­den Werk eine Rei­he an nütz­li­chen Voka­beln ver­steckt hat, die man heu­te drei­fach nut­zen kann: zum einen, um eine „Quer­front“ zu simu­lie­ren und ein Gesprächs­an­ge­bot nach links zu machen, zum ande­ren um sich sei­ner Lek­tü­re­of­fen­heit zu ver­ge­wis­sern, und schließ­lich, um Vor­pos­ten im geg­ne­ri­schen Ter­rain zu eta­blie­ren und Ver­ein­nah­mun­gen – als Teil des Ver­suchs, die Gebie­te der Deu­tungs­ho­heit aus­zu­wei­ten – vorzunehmen.

Und vier­tens natür­lich, um ihre wah­re Erklä­rungs­macht nutz­bar zu machen.

Die bekann­tes­te Paro­le ist die „Hege­mo­nie“, aber auch der „his­to­ri­sche Block“, den Békés zum „natio­na­len“ umwan­delt, und der „Kon­sens“ – eben in Gramsci- und nicht Haber­mas-Fär­bung – gehö­ren dazu. Der ers­te beschreibt die prin­zi­pi­el­le und dau­er­haf­te Syn­chro­ni­sie­rung von Herr­schafts­wil­le und Volks­stim­mung, der zwei­te eine kul­tu­rel­le Har­mo­ni­sie­rung unter die­sem Wil­len und der drit­te den frei­wil­li­gen und ratio­na­len Gehor­sam, die inhalt­li­che Grund­über­ein­stim­mung, das Zie­hen an einem Strick von Eli­te und Masse.

Gelingt dies, dann tran­szen­diert sich ein Sys­tem in eine Epo­che, eine Art sich selbst tra­gen­des und per­p­etu­ie­ren­des Sys­tem, ein aus sich selbst rol­len­des Rad, in unse­rem Fall um einen „von innen gesteu­er­ten natio­na­len Kon­ser­va­tis­mus“, um ein „von Ungarn aus regier­tes Ungarn“ zu etablieren.

Es kommt – oder kann kom­men – zu einer „natio­na­len Inte­gra­ti­on“; die hat ihre eige­nen Räu­me (inte­grá­ció terei) und „Inte­gra­ti­ons­ka­nä­le“ (inte­grá­ció csa­tornái) – müßig zu beto­nen, daß wir nicht über äuße­re Inte­gra­ti­on des Frem­den ins Eige­ne, son­dern um eine inne­re Inte­gra­ti­on einer Mehr­heit ins Gan­ze spre­chen. Bei den Kanä­len – man muß an Melio­ra­ti­on den­ken und nicht an Fern­se­hen – wird dies über „Wer­te“, „Gemein­schaf­ten“, „Staat“, „Wohn­sitz“ und „Poli­tik“ ver­wirk­licht, also von oben bis unten und von eph­emer bis ganz kon­kret oder, wie Békés schreibt, auf zwi­schen­mensch­li­cher, gesell­schaft­li­cher und sys­te­mi­scher Ebene.

Soweit die Theo­rie. Bis hier­her ist das Buch jeden Pfen­nig wert. Es wird uns ein Ide­al ent­wor­fen, ein Ziel, tat­säch­lich ein poli­ti­sches Maxi­mum, das eine „Inte­gra­ti­on von rechts“ anzu­stre­ben hätte.

Daß uns nun ein­ge­re­det wer­den soll, die­ses Ide­al habe sich bereits his­to­risch ver­wirk­licht, und zwar in Form der Orbán-Epo­che in Ungarn, kon­tras­tiert doch stark mit den fei­nen theo­re­ti­schen Über­le­gun­gen. Man fühlt sich mit­un­ter an seli­ge Zei­ten erin­nert, als eine eif­ri­ge Par­tei­pres­se uns ein­re­den woll­te, der Sozia­lis­mus sei längst in vol­ler Blü­te rea­li­siert, und zwar just in unse­rer ver­fal­le­nen Stra­ße und in unse­rem dys­funk­tio­na­len Betrieb … in der DDR oder der SU oder in Rumä­ni­en oder sogar im Ungarn Kádárs.

Immer­hin dür­fen wir auch in die­sem Teil des Buches dank­bar sein für eini­ge his­to­ri­sche Auf­klä­rung. So wird deut­lich, daß der Fidesz tat­säch­lich plan­mä­ßig die Kon­sens­bil­dung betreibt – aus bun­des­deut­scher Sicht ist schon das ein Blick in ein Mär­chen­land –, daß man schein­bar über eine aus­ge­ar­bei­te­te Stra­te­gie ver­fügt, die eige­ne Poli­tik und Kul­tur hege­mo­ni­al zu ver­an­kern und daß man an ganz ver­schie­de­nen Stell­schrau­ben ansetzt. Orbán hat­te nach sei­ner ers­ten Wahl­nie­der­la­ge 2002 ent­schei­den­de Leh­ren gezo­gen – schon dies weist ihn als genia­len Poli­ti­ker aus. Seit 2010 wird in dem klei­nen Land nichts mehr dem Zufall über­las­sen, man arbei­tet sys­te­ma­tisch am Machterhalt.

Aber Békés fehlt die not­wen­di­ge kri­ti­sche Distanz, um die­se Fra­ge wirk­lich über­zeu­gend behan­deln zu kön­nen. In sei­nem Eifer unter­lau­fen ihm immer wie­der Sät­ze, die den Ken­ner des staats­so­zia­lis­ti­schen Jar­gons an alte Zei­ten erin­nern: „Die neue Mehr­heit, deren wich­tigs­te poli­ti­sche Kraft der von Vik­tor Orbán geführ­te Fidesz ist …“ oder: „Der Sys­tem­wech­sel von 1989/90, der erkämpft, bald dar­auf kor­rum­piert, dann ab 2010 sieg­reich voll­endet wur­de …“ und dergleichen.

Man erset­ze Orbán mit Hon­ecker und Fidesz mit SED und man hät­te das Stück auch im ND unter­brin­gen kön­nen. Es gibt ers­te Anflü­ge von Per­so­nen­kult in die­sem Buch; es ergibt sich Fra­ge, was denn wer­den soll, wenn Orbán ein­mal weg ist? Wird das Orbán-Sys­tem zusam­men­bre­chen, die Epo­che been­det sein, wenn auch Orbán dem sokra­ti­schen Syl­lo­gis­mus fol­gen wird, oder wenn er gar abge­wählt wer­den soll­te? Ist es nicht wahr­schein­lich, daß sich dann unga­ri­sche Poli­tik wie­der­holt – die nach der „Wen­de“ –, und sich eine auf­ge­dun­se­ne kor­rum­pier­te in sich zer­strit­te­ne Nomen­kla­tu­ra vor dem his­to­ri­schen Abtritt, sich die Filet­stück­chen an Land und Wirt­schaft sichern wird?

Über­haupt durch­weht das Werk ein selt­sam teleo­lo­gi­sches Moment, wenn man in der Fidesz-Poli­tik die „Voll­endung“ des „1989 begon­ne­nen Pro­zes­ses“ sta­tu­iert, als hät­te die Geschich­te wie­der ein erlö­sen­des Moment und Orbán sei der Mes­si­as. Das setzt sich über gewis­se vul­gär­dia­lek­ti­sche Pas­sa­gen fort, etwa wenn man die obi­gen „Inte­gra­ti­ons­ka­nä­le“ als sich wech­sel­sei­tig über­schnei­dend und sich ver­stär­kend vor­stellt – was sie de fac­to natür­lich sind, was aber in die­sem his­to­risch über­leb­ten Duk­tus eine Art Gesetz­mä­ßig­keit und natür­li­che Zwangs­läu­fig­keit, ergo his­to­ri­sche Not­wen­dig­keit sug­ge­rie­ren soll.

Das erklärt auch das mehr­ma­li­ge Rekur­rie­ren auf eine Art Natur­not­wen­dig­keit, eine frag­wür­di­ge Begrün­dung in der Natur: „Die kon­ser­va­ti­ven Kräf­te ste­hen unab­hän­gig von ihrer Aus­prä­gung für eine orga­ni­sche Ent­wick­lung, die Bewah­rung der Wer­te, den Schutz des kul­tu­rel­len Erbes und die Ach­tung der natür­li­chen Ord­nung, die mit der Ord­nung der Natur iden­tisch ist.“ Das ist ganz dün­nes Eis – man soll­te es bes­ser nicht betre­ten oder doch nur mit sehr aus­gie­bi­ger Vorbereitung.

Immer wie­der habe ich mir vor­ge­stellt, wie mei­ne unga­ri­schen Freun­de das Buch lesen wür­den, vor allem in sei­nen kon­kre­ten Pas­sa­gen. Für den deut­schen Leser ist das alles fei­ne Theo­rie, da klingt das alles gut und schön, er kennt die prak­ti­schen Sor­gen der Ungarn nicht. Der Ungar aber weiß, daß etwas Ent­schei­den­des fehlt, wenn er etwa liest:

Der his­to­ri­sche Block ist also nichts ande­res als eine dau­er­haf­te gesell­schaft­li­che Mehr­heit, die von einer poli­ti­schen Kraft ange­führt wird … So sind die poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen … eben­so wich­tig wie die lang­fris­ti­gen kul­tu­rel­len Botschaften …

Voll­kom­men ver­schwie­gen wer­den näm­lich die außer­po­li­ti­schen Mit­tel, die Orbán nutzt, um einen Block her­zu­stel­len, das, was unter der Hand abläuft, auf inof­fi­zi­el­len „Inte­gra­ti­ons­ka­nä­len“. Der Erfolg des Fidesz ist nicht nur ein meta­po­li­ti­scher, son­dern ganz wesent­lich auch der eines an der Ober­flä­che nicht sicht­ba­ren gigan­ti­schen Netz­wer­kes. Steckt man ein­mal in die­sen Kanä­len drin, dann fällt es schwer, die eigent­li­che Bot­schaft der „Volks­ab­stim­mun­gen“ und „natio­na­len Kon­sul­ta­tio­nen“ zu erfassen.

Schon ihre Zustim­mungs­ra­ten von über 90 % soll­ten stut­zig machen und daß der Fidesz nie über 3 Mio. Unter­stüt­zer in Wahl oder Ple­bis­zit bekommt, hat auch sei­ne Grün­de. Auf der Stra­ße lacht man über die­se Aktio­nen, stöhnt man, wenn man vom „Sor­os-Plan“ hört, wür­de man erschöpft abwin­ken, läse man ihnen die­se Pas­sa­gen vor.

Orbáns Erfolg – ob man das nun hören will oder nicht – beruht eben auch auf einem eben­so plan­mä­ßig ver­wirk­lich­ten Ver­fil­zungs­pro­zeß, auf der cle­ve­ren poli­ti­schen Nut­zung der „Migra­ti­ons­kri­se“ – für Orbán das ewig lan­ge Ret­tungs­seil –, auf der Unfä­hig­keit einer zer­strit­te­nen und mora­lisch ver­kom­me­nen lin­ken Oppo­si­ti­on und aus einer habi­tu­el­len poli­ti­schen Resi­gna­ti­on vie­ler Ungarn. Eini­ge davon sam­meln sich rechts vom Fidesz – die nennt Békés „rechts­ra­di­kal“ – ande­re in ver­schie­de­nen lin­ken Orga­ni­sa­tio­nen, denen wird pau­schal unter­stellt, auf der Lohn­ab­rech­nung der „Glo­ba­lis­ten“, einer „inter­na­tio­na­len Koali­ti­on“ zu ste­hen, also nicht satis­fak­ti­ons­fä­hig zu sein. Bei­de dürf­ten damit für den „Kon­sens“ ver­lo­ren sein.

Ich emp­feh­le das Buch also unein­ge­schränkt. In sei­ner posi­ti­ven Lek­tü­re lehrt es uns viel. In sei­ner nega­ti­ven – zwi­schen den Zei­len und um die Zusam­men­hän­ge sich küm­mernd – warnt es uns davor, sich vom poli­ti­schen „Erfolg“ kor­rum­pie­ren zu las­sen. Und außer­dem gibt es über Ungarn wenig Vertrauenswürdiges.

– – –

Már­ton Békés: Natio­na­ler Block. Jun­g­eu­ro­pa Ver­lag Dres­den 2023, 120 Sei­ten, 16,00 € – hier bestel­len.

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Kommentare (26)

Gracchus

12. Dezember 2023 19:17

Das klingt eher ernüchternd. Die angestrebte Hegenomie ist indes nicht ohne das vom Rezensenten beklagte Netzwerk zu haben, und ebenso wenig kommt es dabei zu Verfilzungen. Wenn der Theorieteil das verschweigt, erscheint dies als Manko.  
Das Vorwort von Benedikt Kaiser ist frei verfügbar auf der Verlagsseite. BK betont darin die Notwendigkeit einer Ideologie, was ich nicht teile; er versteigt sich sogar dazu, die als "fetischistisch" zu bezeichnen, die eine Ideologie ablehnen. Zutreffend ist aber das Gegenteil, die Ideologie ist der Fetisch. 

Gracchus

12. Dezember 2023 20:08

Die Frage ist auch, was der "Ungar auf der Straße" erwartet. Ein Ideologiewechsel führt nicht notwendig zu einer Verbesserung der Lebensverhältnisse. Das Gefährliche an der jetzigen Situation - ich springe mal nach Deutschland - ist auch, dass die Politik tatsächlich das zivile Leben lahmlegt und dem Trugschluss Vorschub leistet, Wohl und Wehe hingen von der Politik ab; politisch können aber nur günstige Bedingungen dafür geschaffen werden, dass ein Land prosperiert. Zu diesen Bedingungen zählen unter anderem ein zuverlässiges, unparteiisches Rechtsleben. Bei einem von Parteigängern durchsetzten Rechtssystem ist dies nicht der Fall. Ein solches Rechtssystem zerstört das Vertrauen, das es schützen soll. 

RMH

12. Dezember 2023 21:57

@Grachus, Zustimmung zu beiden Beiträgen.
Irgendwann wird es nicht nur filzig, sondern statisch, undynamisch und repressiv. Am Ende werden dann die Pfründe verteilt. Jeglicher Esprit, jegliches Charisma schläft ein, die Vetternwirtschaft dagegen blüht auf.

Ordoliberal

12. Dezember 2023 22:30

"[...] die prinzipielle und dauerhafte Synchronisierung von Herrschaftswille und Volksstimmung, [...] eine kulturelle Harmonisierung unter diesem Willen und [...] der freiwillige und rationale Gehorsam, die inhaltliche Grundübereinstimmung, das Ziehen an einem Strick von Elite und Masse."
Dafür braucht man nun wirklich keine neuen Begriffe. Das nennt man schon seit Ewigkeiten Faschismus.
Elite, Masse, Volk. Mir geht dieses ganze Gemeinschaftsgeraune auf den Sack. Sei es nun Höckes "treu und deutsch und eine Gemeinschaft, die die Zukunft erkämpfen wird", sei es das "Gemeinsam aufstehen" der korrupten, faulen und tugendstolzen Zivilgesellschaft der jetzigen Hegemonialherren - ich will mich weder "unterhaken", noch in irgendeiner Gemeinschaft die Zukunft erkämpfen.
Höcke singt "Der morgige Tag" und die Grünen singen "Die Internationale". Das eine wie das andere ist für jemanden, der mit Goethe und Nietzsche gelernt hat, die Deutschen zu verachten, widerwärtig. Die deutsche Kultur ist doch nur im Regionalen, inbesondere im Bayrischen, erträglich. Und in der Spitze. Dort, wo ihre Vertreter weltläufig sind, weil sie international konkurrieren müssen: In der Philosophie, Literatur, Musik, Wissenschaft, Technik.
Seitdem wir die Juden vertrieben und ermordet haben, passiert da nichts mehr. Mir würde schon reichen, dass mir der deutsche Staat nicht die Hälfe meines Einkommens raubt und damit meine Versklavung finanziert. 

deutscheridentitaerer

13. Dezember 2023 08:21

@ordoliberal
Und mir gehen asoziale Egozentriker wie Sie auf den Sack. Zum Glück habt ihr libertären Clowns verloren, bevor ihr überhaupt jemals angefangen habt. Also blecht mal schön weiter. Seht es als Buße für eure frechen Reden.

Adler und Drache

13. Dezember 2023 08:53

Ich danke für den Artikel. Er beantwortet all die bisher unbeantworteten Fragen, die ich unserem Milieu stellte, er bestätigt meine Befürchtungen. 
Die Entwicklung des menschlichen Geists scheint eine unaufhaltsame Deformation mit dem Ziel zu sein, das Individuelle zu tilgen und immer größere Kollektive zu bilden. Die miteinander verschmolzenen Phänomene der Politik, der Ideologie und der Propaganda bilden das Werkzeug, dessen Bezeichnung zumeist auf "-ismus" endet.
Waldgänger bleiben, Anarch, sich mit keinem Ismus gemein machen!

Mitleser2

13. Dezember 2023 09:28

@ordoliberal: "Dort, wo ihre Vertreter weltläufig sind, weil sie international konkurrieren müssen: In der Philosophie, Literatur, Musik, Wissenschaft, Technik."
Schön wär's.  Philosophie, Literatur: Fehlanzeige. klassische Musik kenn ich mich nicht aus. Im populären Musikbereich beim Eurovision Contest immer auf dem letzten Platz. Technik wird gerade de-industrialisiert. Nur in der Wissenschaft geht noch was, aber nicht an den Unis, die sind auch meist kaputt. Die einzige Institution, wo es noch Meritokratie gibt, ist die Max-Planck-Gesellschaft.
 

Laurenz

13. Dezember 2023 09:41

@Gracchus ... von Parteigängern durchsetzten Rechtssystem ist dies nicht der Fall. Ein solches Rechtssystem zerstört das Vertrauen, das es schützen soll. ... Das haben Sie gut formuliert, Gracchus. Doch hier beschreiten wir ein politisches Gelände, welches vermint ist. Die Friedrich-Ebert-Stiftung, eine durch Steuergeld finanzierte NGO im quasi-Eigentum der SPD, vergibt seit Jahrzehnten Tonnen von Stipendien an weibliche, Doppelnamen tragende Jura-Studenten, die dann in die Justiz befördert wurden & werden. Während konservative, rechte oder liberale (männliche) Juristen lieber in die Wirtschaft gehen. Nehmen wir eine europaweite politische Wende ins nationalstaatliche Lager an. Erklären Sie uns bitte, wie wollen Sie der links verseuchten Justiz & der häufigen weiblichen Unfähigkeit, Recht zu sprechen, Herr werden? Was machten PiS & Fides? Sie besetzten die vorgesetzten Justizbehörden mit ihren Leuten, so, wie das auch in Deutschland üblich ist. Das, was Sie für die Justiz utopisch verlangen, gilt auch für Notenbanken & Verwaltung (zB Brüssel). Die Linke zwingt die Rechte dazu, zukünftig links zu handeln, um die linke Okkupation zu verhindern. Ich behaupte doch nicht umsonst permanent, daß Liberalismus automatisch in den Kultur-Marxismus führt.

Monika

13. Dezember 2023 10:41

@Gracchus Danke für den Hinweis auf das Vorwort von B. Kaiser. In diesem Vorwort kritisiert Kaiser, dass die "deutschsprachige politische Rechte mit politischer Theoriearbeit fremdele" und mokiert sich über eine Haltung, wonach die Wirklichkeit, bzw. das Leben als solches die Verhältnisse präge. Der Dissident und spätere tschechische Staatspräsident Vaclav Havel vertritt genau eine gegensätzliche Position. Aufgewachsen in einem totalitäten System kritisiert er die Ideologie und betont die "verpflichtende Bedeutung der persönlichen Erfahrung", die sich  der objektiven Verstandeserkenntnis, dem wissenschaftlichen Entwurf der Welt widersetzen kann. Havel kritisiert  damit   auch eine "Theorie der Politik als einer rationalen Technologie der Macht." Man kann Havel, vor allem in seiner Zeit als Staatspräsident vielleicht eine gewisse politische Naivität unterstellen und seine vorschnelle Anbindung an die USA kritisieren. Man weiß auch nicht, wie er sich heute positionieren würde (Ukraine, Israel, etc.) Trotzdem ist seine moralische Integrität, die er in einem totalitären System immer wieder gezeigt hat, ungebrochen. Und - ohne Moral (Ethos) geht es auch in der Politik   nicht. Das  läuft auf die Frage hinaus, was eine rechte politische Moral überhaupt sein könnte ? 

kikl

13. Dezember 2023 11:43

@ordoliberal
"Höcke singt "Der morgige Tag" und die Grünen singen "Die Internationale". Das eine wie das andere ist für jemanden, der mit Goethe und Nietzsche gelernt hat, die Deutschen zu verachten, widerwärtig."
Es ist gut, dass es eine konservative Stimme gegen den von ihnen erlernten Selbsthass gibt. Ihre Verachtung für die Deutschen bezeugt allerdings, dass sie von der Existenz der Gemeinschaft der Deutschen ausgehen. Die Linken leugnen mittlerweile sogar die Existenz der Deutschen als Volk.
Ja, Menschen sind nicht nur Individuen sondern auch Gemeinschaftswesen und zu diesen Gemeinschaften gehört neben der Familie, dem Freundschaftskreis auch die Nation. Ohne Gemeinschaft ist der Mensch weder physisch noch psychisch überlebensfähig.
Mir behagt allerdings auch nicht die Tendenz, individuelle Menschenrechte im Namen der Nation von Seiten der Konservativen oder im Namen des "Proletariats" von Seiten der Sozialisten verächtlich zu machen. Die Menschenrechte sind absolut fundamental, fundamental für das Individuum aber auch für das Funktionieren der Gemeinschaft. Die Corona-Diktatur hätte eigentlich den Konservativen die Augen öffnen müssen. Der Kampf des linken Mainstream gegen die Meinungsfreiheit ist letztlich auch ein Kampf gegen die Nation.

RMH

13. Dezember 2023 12:15

@deutscheridentitaerer
"Zum Glück habt ihr libertären Clowns verloren, bevor ihr überhaupt jemals angefangen habt."
Schaun wir mal, was Javier Milei reißen kann ... eine Wahl gewinnen konnte er immerhin schon, womit er weiter ist, als die einzige Opposition in Deutschland.
"Also blecht mal schön weiter."
Für Leute wie Sie, doch gerne, aber der Sozialstaat hat ja systemisch bedingt bekanntermaßen keine Trennschärfe und so zieht er die halbe Welt und mehr an, so dass es am Ende nur noch eine Gerechtigkeit gibt und die lautet: nix gibts! Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott.

deutscheridentitaerer

13. Dezember 2023 13:01

@RMH
 
Nun,dass Milei viel reißen wird, glaube ich nicht. Und was er reißen wird, das nicht als Libertärer. Das Problem ist mit dem Libertarismus ist, dass die Welt bereits libertär ist. Es gibt ja a priori keine Gesetze außer den Naturgesetzen. Insofern es also soziale Ordnung mit Gemeinschaft , Zwang etc. gibt, ist diese libertär legitimiert kraft ihres Erfolges.
Ansonsten richtete sich mein Kommentar eigentlich weniger gegen die kindische Ich bin alles das Volk ist nichts Einstellung des Ordiliberalen (einige meiner besten Freunde sind Libertäre), sondern gegen seine peinlich zur Schau gestellte Deutschenverachtung. Die ist auch nicht dadurch entschuldigt, dass sie wohl selber irgendeinem Winkel der deutschen Volksseele entstammt - vieles Deutsche ist gut, aber nicht alles.

Adler und Drache

13. Dezember 2023 13:19

@kikl
Ja, Menschen sind nicht nur Individuen sondern auch Gemeinschaftswesen und zu diesen Gemeinschaften gehört neben der Familie, dem Freundschaftskreis auch die Nation.
Die Nation ist im Gegensatz zu Familie und Freundeskreis ein Abstraktum. Sie teilt sich dem Einzelnen nur über Vermittlungsinstanzen mit, zuvörderst durch die Sprache, dann durch Geschichte und Geschichten, Mythen, Sagen, "Erinnerungsorte", vielleicht auch Alltagskultur, wobei hier das Regionale sicher stärker ist. Die Nation ist eher ein Gehäuse, eine kulturelle Erziehungsanstalt, aber Gemeinschaft im Sinne von Familie oder Freundeskreis kann sie nicht sein.  

JungspundF

13. Dezember 2023 13:36

Ich möchte hiermit ein Kommentar von Graccus von vor ein paar Tagen, dass wir unsere allgemeine Situation auch als "Rechtsdegeneration" (Rechts hier im Sinne von Rechtssetzung/sprechung) mit dem Einschub Laurenz von heute, dass es nicht die Lösung sein kann progressive Praktiken zu übernehmen (ebenfalls Ämter mit eigenen Leuten füllen, ebenfalls willkürliche Rechtssetzung) zusammenführen und herausstellen.
 

kikl

13. Dezember 2023 14:58

@AdlerundDrache
Die Bande zwischen Menschen ist immer ein Abstrakut, d.h. etwas Nichtgegenständliches. Man kann nicht sie nicht als Gegenstand sinnlich wahrnehmen wie einen Stein oder eine Giraffe. Aber das bedeutet nicht, dass diese Gemeinschaft nicht real ist oder wertlos ist.

paterfamilias

13. Dezember 2023 15:21

Ist das hier eigentlich die erste Manifestation der Prämisse von Jörg Seidel vor ein paar Tagen, schlimmer als Kritik sei fehlende Kritik, weshalb wir dringend zulassen bzw. endlich damit beginnen müssten, Kritik an "unserem Lager" zu üben?
1/2 Es tut mir leid, aber schon diese Grundidee habe ich nicht verstanden: Wo stand denn bisher ein Verbotsschild, rechtes Gedankengut von rechts zu kritisieren? Mir war und ist keines bekannt, und schon gar nicht in Schnellroda. Kubitschek selbst ist doch z. B. als pointierter Kritiker der AfD bekannt, die umgekehrt auch immer wieder mal gegen seine Vorfeld- bzw. Metapolitik schießt. Also wo war oder ist das Problem? Wir sind doch hier nicht bei Links, wo lagerinterne Kritik als Bruder- und Schwestermord betrachtet wird.
Und natürlich darf auch Orbán kritisiert werden, ja er muss es sogar, wie sich in der obigen Debatte über faschistoide Tendenzen in Ungarn zeigt.
Und wo wir gerade bei kritischen Blicken aufs eigene Lager sind (sorry, ich schweife zum Schluss kurz ab): Warum ist es so still um das angebliche Spritzen-Attentat auf Chrupalla im Wahlkampf sowie die ominöse Drohung gegen Weidel - nicht nur in den MSN kein Wort, sondern auch aus der Parteizentrale, die doch ein eklatantes Eigeninteresse an öffentlicher Aufklärung über den Hergang und die Hintergründe haben müsste. Hat jemand dazu Erhellendes beizutragen (wenn nicht hier, dann vielleicht in einem eigenen Beitrag)? Auch das würde ja eventuell auf die angemahnte kritische Befassung mit "rechts" einzahlen ...

Monacensis

13. Dezember 2023 16:39

@kikl: Ich sehe niemanden, der auf der Rechten subjektive Rechtspoitionen, wie sie dem Rechtsstaat klassischerweise zu eigen sind, abschaffen will, z.B. Meinungsfreiheit oder Eigentum. Aber eben nur im Rahmen des Nationalstaats, wobei z.B. die genannten Rechte auch Ausländern zustehen.
Aber kein Asylrecht, kein Recht auf Aufenthalt oder Einbürgerung Kraft Menschenwürde und ähnliche Scherze der letzten Jahre - ja, das Asylrecht war 1949 ganz anders gedacht und wurde durch Verwaltungpraxis und Rechtsprechung zur Unkenntlichkeit ausgedehnt.
Davon zu unterscheiden ist die berechtigte Kritik an sog. Menschenrechten:
Denn universelle Geltung können vielleicht Leben, körperliche Unversehrtheit und Freiheit beanspruchen, also nur eine Teilmenge des rechtsstaatlichen des klassischen rechtsstaatlichen Grundrechtekatalogs. Und selbst diese Rechte können wir zB in China oder Afrika nicht durchsetzen, es ist auch nicht unsere Aufgabe.

Karl

13. Dezember 2023 19:24

Ein "realpolitisches Maximum" zu fordern oder anzunehmen ist etwas vermessen. Selbst ein Optimum wäre schon ein Träumchen. Ja, sogar rechte Regierungen können Fehler machen. Verfilzungen und dräuend gewitterte "faschistoide Tendenzen" allüberall. Der Libertäre sieht seine heilige Freiheit davonschwimmen, der Purist seine reinen universellen Menschenrechte verletzt. Ich bin froh, dass es Orban in Ungarn gibt und dass er 90% Zustimmung in Umfragen erhält und dass sich das ungarische Volk über hegemoniale Integrationskanäle vereint und sich von Wahl zu Wahl für Orban entscheidet. Der einzige europäische Saat, der dem linksgrünen Mainstream Paroli bietet. Zu verbessern gibt es immer was...

Karl

13. Dezember 2023 20:04

Zum Umgang mit Orban kann man von Herrn Hofreiter lernen: man muss mit dem "korrupten Kriminellen", der "EU-Gelder stehlen" will, "für sich und seine Ganovenbande, die de facto Ungarn regiert" "viel härter umgehen". So vielleicht?
https://www.youtube.com/shorts/MdFf7RqT2_E
 

Ordoliberal

13. Dezember 2023 21:34

"Ich lege hier für den Fall meines Todes das Bekenntnis ab, dass ich die deutsche Nation wegen ihrer überschwänglichen Dummheit verachte und mich schäme, ihr anzugehören." Arthur Schopenhauer
Ich stehe mit meiner Verachtung für die ewige Frömmelei, Unterwürfigkeit und Scheelsucht, die das deutsche "Wesen" kennzeichnen, in bester Gesellschaft. Selbstüberschätzung, Nabelschau, Tugendstolz, Träumerei, Unsinnlichkeit und Besserwisserei sind doch bis heute die treibenden Kräfte hinter dem deutschen Sonderweg, der uns seit Luther von einem Sozialismus in den nächsten geführt hat. Vom protestantischen über den preußischen zum sozialdemokratischen, faschistischen, kommunistischen und endlich in den grünen Sozialismus. Immer will der Deutsche die Reihen schließen, sich unterhaken, solidarisch sein, den gemeinsamen Kampf aufnehmen. Immer geht es ihm um "das große Ganze". Und gemeint ist doch immer nur die Kuhstallwärme, die er so liebt, der Schutz der Herde und der regelmäßig gefüllte Napf.
Wohl fühlt sich der Deutsche nur, wenn der Nachbar nicht mehr besitzt, als er selbst. Wer sein Leben als Aufgabe sieht, wer sich seine eigene verschworene Bande zusammenstellen will, die ihm die Kraft und die Mittel dazu gibt, muss sich als libertärer Clown bezeichnen lassen von Leuten, die glauben, "libertär" bedeute gesetzlos und selbstsüchtig.
Denn das hat der Rechte in Deutschland - und nur in Deutschland! - mit dem Linken gemeinsam: Wer nicht an das große Ganze glaubt - an die Nation, die Rasse, den Weltgeist, das Gemeinwohl, das Klima, die große Transformation -, sondern nur an seine Familie, seine Arbeit und seine Freunde, wer sich nicht von aggressiven Bettlern an jeder Ecke von der schwierigen Aufgabe abhalten lassen will, sein eigenes Leben zu führen, der ist ein Egoist.

Gracchus

13. Dezember 2023 22:27

@Monika: Stimme Ihnen zu. Nur wurde ein Ethos in der Moderne so ziemlich abgeräumt. Ideologie und die ubiquitären Werte sollen als Ersatz fungieren. Auffallend, dass die Christen im Forum - wie @Adler und Drache - allergisch auf Ideologisierungen und -ismen reagieren. Der Glaube an das fleischgewordene Wort ist nämlich keine Ideologie, der lebendige Gott keine platonische Idee. Wahrscheinlich rührt die Misere daher, dass die Deutschen seit ihrem Idealismus lieber Griechen wären als "Juden".

Monacensis

13. Dezember 2023 23:05

Binnenkritik im rechten Lager ja, aber bitte konstruktiv. Wer Ungarn "faschistische" Tendenzen unterstellt, denkt und redet wie ein Linker. Selbstverständlich ist Ungarn ein demokratischer Rechts- und Nationalstaat und keine faschistische Diktatur. Eine solche hat insbesondere mit dem von der Regierungspartei propagierten nationalstaatlichen Komsens nichts zu tun. Ein solcher bestand auch im Westen unseres Kontinents bis in die Achtziger Jahre hinein. ---
Mag sein, dass viele Ungarn mit dem Stefanstag und Petőfi weniger anfangen können als von der Regierungspartei propagiert, die Ablehnung einer Migrationspolitik nach deutschem Vorbild dürfte über das Elektorat von Fidesz/ Mi Hazánk hinausgehen ----
Überhaupt scheint mir Ungarn das in Europa derzeit mögliche nationalstaatliche Maximum zu verwirklichen, mir persönlich fällt nichts ein, was Orbán noch tun sollte.

deutscheridentitaerer

14. Dezember 2023 09:38

@Ordoliberal
 
Sie empören sich darüber als Clown bezeichnet zu werden und sind sich nicht zu blöd auf die abgedroschensten Schopenhauerzitate zurückzugreifen.
Wer meint das Deutsche Volk schmähen zu müssen, weil es nicht fehlerfrei ist und jede Tugend auch als ihre Kehrseite gelebt werden kann, outet sich als Verächter des Eigenen.
Denn zumindest sollte man bereits auf dem Schulhof gelernt haben, dass man auf am Boden liegende nicht nachtritt. Bei Rwchten ist diese Herabwürdigung natürlich besonders verächtlich und entspringt wohl dem Kompensationsbedürfnis der eigenen Erfolklosigkeit, die man auf die Deutschen (also natürlich nur die anderen) abwälzen will.

deutscheridentitaerer

14. Dezember 2023 09:45

@Ordoliberal
Nachtragend: Ich schätze Ihre Beiträge eigentlich, obwohl kein Liberaler. Insofern nehme ich Clown zurück. Nichtsdestotrotz ist ihre zur Schau gestellte Verachtung kindisch und auch in der Sache nicht begründet.

Ordoliberal

14. Dezember 2023 17:38

@deutscheridentitaerer
1/2
Es gibt eine seltsame Schizophrenie bei den Rechten, was den Begriff des Volks angeht. Sie ist im Kern romantischer Natur. Einerseits gibt es das reale Volk. Es wählt die Kartellparteien und guckt Tatort. Es lebt vom Rest der Industrien, die tüchtigere Generation geschaffen haben, und sonnt sich im Glanz vergangener Leistungen, deren Voraussetzungen es nicht versteht und die zu wiederholen es nicht in der Lage ist. Es ist weder willens noch in der Lage, die Institutionen zu erhalten und erneuern, die seinen vergangenen Erfolg ausgemacht haben - vom Verein, über die Lehre, das Gymnasium, die Bildungslust bis hin zur Hausmusik. Das ist alles verloren. Diese Institutionen sind sämtlich in den liberalen, nicht in den autoritären Phasen seiner Existenz geschaffen worden - mit Ausnahme von Kriegstechnologien natürlich.

Ordoliberal

14. Dezember 2023 17:48

@deutscheridentitaerer
2/2
Und dann gibt es "das Volk" der Rechten. Eine romantische Fiktion wie die Blaue Blume. Etwas, das aus seinem innersten Wesen west, das staatlich geformt werden muss und in der Gemeinschaft blüht. Etwas, das es durch Metapolitik wiederzuerwecken gilt.
Da gehe ich nicht mit. Erkenne die Lage! Rechne mit deinen Beständen! Wer will, dass Deutschland jemals wieder bedeutend wird, muss Bedingungen schaffen, unter denen die Spreu vom Weizen getrennt wird. Das geht nur durch Wettbewerb und nicht durch Planwirtschaft und "soziale Gerechtigkeit".
Jeder zahlt seine Rechnungen selbst. Keiner sozialisiert seine Kosten. Niemand diktiert Preise. Dann wird nicht nur alle vier Jahre gewählt, sondern jeden Tag millionenmal von jedem einzelnen Bürger durch Konsumentscheidungen, die ja gleichzeitig immer auch Nichtkonsumentscheidungen sind. Darin besteht die Moral des Konsums. Wer seinen Abend bei seinen unterstützungsbedürftigen Eltern verbringt statt im Kino, trifft eine Konsumentscheidung. Und nur weil er sie freiwillig trifft, gereicht sie ihm zur Ehre.
Entzieht man den Politikern die Macht über unser Geld, entzieht man ihnen die Macht über unsere Moral. Und bevor Sie mich wieder für einen Egoisten halten: Das alles schließt ja steuerfinanzierte Schulen und Freibäder, verpflichtende Sozialversicherungen und genossenschaftliche Risikoabsicherung nicht aus.

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