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PDF der Druckfassung aus Sezession 115/ August 2023

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

In Deutsch­land »iden­ti­fi­zie­ren« sich der­zeit zwan­zig- bis hun­dert­tau­send Men­schen als »Trans«. In den Jah­ren 2020 /21 wur­den an rund 2600 Per­so­nen »geschlechts­an­glei­chen­de« Ope­ra­tio­nen vor­ge­nom­men, im Jahr 2005 waren es bloß 120.

Gemes­sen an der Bevöl­ke­rungs­zahl, ist das wenig, und doch ist es viel. Die sozia­len Fol­gen des »Transgender«-Trends sind so immens, daß es kaum noch jeman­den gibt, der in sei­nem per­sön­li­chen Umfeld damit nicht zumin­dest in Berüh­rung gera­ten ist.

Eini­ge Bei­spie­le, die mir berich­tet wur­den: ein Volks­schul­freund, der sich bereits vor zwan­zig Jah­ren zur »Trans­frau« umope­rie­ren ließ; die Halb­schwes­ter im Teen­ager­al­ter eines ande­ren Freun­des, die ihre Eltern mit Sui­zid­dro­hun­gen erpreßt, ihren Namen in einen Jun­gen­na­men zu ändern, und dabei vol­le Unter­stüt­zung und Ermu­ti­gung von The­ra­peu­ten und Jugend­äm­tern bekommt; der über fünf­zig­jäh­ri­ge Inha­ber eines anti­qua­ri­schen Buch­la­dens, der ges­tern noch wie Charles Man­son aus­sah und heu­te wie Char­leys Tan­te; der Schock einer Mut­ter, als sie eines Tages im Kin­der­gar­ten ihrer Toch­ter einen Mann mit blon­den Locken, Spit­zen­kleid­chen und Stop­pel­bart vor­fin­det, der ein »Prak­ti­kum« absol­viert; Sech­zehn­jäh­ri­ge, die ihren Eltern vor­schrei­ben, mit wel­chen Namen und Pro­no­men sie anzu­spre­chen sei­en; Schu­len in der tiefs­ten Pro­vinz, in der sich Dut­zen­de Jugend­li­che plötz­lich als »Trans­gen­der« bekennen.

Die wach­sen­de Prä­senz von »Trans­frau­en« und »Trans­män­nern« ist ein sozia­les Phä­no­men, das wohl nicht mehr rück­gän­gig gemacht wer­den kann. Die­se Bezeich­nun­gen wären an sich legi­ti­me, weil deskrip­ti­ve Kate­go­rien, wenn sie nicht zu Behaup­tun­gen à la »Trans­frau­en sind Frau­en« unter Miß­ach­tung bio­lo­gi­scher Tat­sa­chen radi­ka­li­siert wür­den. Das ist aber gesche­hen und hat unse­re Gesell­schaft in ein regel­rech­tes geis­ti­ges Deli­ri­um geführt. Da stellt sich die alte Fra­ge, ab wann es denn »genug« ist und ob das Abglei­ten auf dem »Slip­pery slo­pe«, dem »rut­schi­gen Abhang«, auf den man sich aus Grün­den der Tole­ranz und Men­schen­freund­lich­keit bege­ben hat, tat­säch­lich unver­meid­lich ist.

Jugend­li­che, die heu­te im Namen der Trans­ideo­lo­gie sich »selbst zu ver­wirk­li­chen« trach­ten, schei­nen kaum ein Bewußt­sein dafür zu haben, daß sie einer Agen­da fol­gen, die von ganz oben orches­triert, finan­ziert und pro­pa­giert wird, mit dem Epi­zen­trum USA. So wur­de am 10. Juni 2023 im Wei­ßen Haus eine »Pri­de-Fei­er« mit rund 1500 Gäs­ten abge­hal­ten, in deren Ver­lauf das »Pro­gress Pride«-Banner gehißt wur­de, flan­kiert von zwei »Stars and Stripes«-Flaggen. Es han­delt sich dabei um ein Neu­design der Regen­bo­gen­fah­ne, erwei­tert um ein Drei­eck mit den Far­ben Weiß, Rosa und Hell­blau, die die Palet­te der »Trans Com­mu­ni­ty«, und den Far­ben Schwarz und Braun, die die »Peo­p­le of Color« reprä­sen­tie­ren sollen.

Die­se Fusi­on aus LGBTQ-Akti­vis­mus und Anti­ras­sis­mus, prä­sen­tiert von einem wei­ßen, hete­ro­se­xu­el­len Prä­si­den­ten, ist mit die­sem Akt in den Rang einer Staats­ideo­lo­gie erho­ben wor­den. Dem­entspre­chend führt die Biden-Regie­rung den quee­ren Kul­tur­kampf mit einem Fana­tis­mus, der im poli­ti­schen Geg­ner nur mehr einen Kri­mi­nel­len auf der mora­li­schen Ebe­ne von Nazis zu erbli­cken ver­mag. Zu die­sem Zweck wird die »Trans-Com­mu­ni­ty«, ana­log zu den Afro­ame­ri­ka­nern, zu einer übel ver­folg­ten Opfer­grup­pe ver­klärt, was kei­ner­lei Basis in der Rea­li­tät hat.

Die »Pride«-Fahne ist heu­te das impe­ria­le Hoheits­zei­chen der west­lich-ame­ri­ka­ni­schen »Wer­te«. Wo sie weht, herrscht das Impe­ri­um des »Glo­bo­ho­mo«, min­des­tens auf der ideel­len Ebe­ne. Die Regen­bo­gen­fah­ne hat sich vom tri­ba­len Sym­bol zum Emblem von allem ent­wi­ckelt, das in die gro­ße Kis­te »Viel­falt und Tole­ranz« gestopft wer­den kann – ohne dabei ihre schwu­le Kon­no­ta­ti­on zu ver­lie­ren. An der Spit­ze der inter­sek­tio­na­len Hier­ar­chie des Regen­bo­gens steht nun die bei­na­he mythi­sche Klas­se der »Trans­gen­der­men­schen«. Sie umfaßt nicht nur das neo­gnos­ti­sche Mär­chen von Men­schen, die »im fal­schen Kör­per gebo­ren sind« und des­halb der »geschlechts­an­glei­chen­den« Ope­ra­tio­nen bedür­fen, bei denen ihre ursprüng­li­chen Geni­ta­li­en ver­stüm­melt und durch maka­bre künst­li­che Imi­ta­te ersetzt werden.

Der Trans­ves­tit, der aus feti­schis­ti­schen Grün­den Frauen­kleider anzieht, aber nicht not­wen­di­ger­wei­se »schwul« ist, wird eben­so in die­se Kate­go­rie gepackt wie die Drag Queen, die sich zum Zwe­cke einer »Per­for­mance« auf­don­nert, oder der »gen­der­dys­pho­ri­sche« Teen­ager, der sei­ne »Prä­fe­ren­zen« und Pro­no­men je nach Tages­ver­fas­sung ändert. Sogar Klein­kin­der, die sich nach hete­ro­nor­ma­ti­ven Stan­dards nicht »gen­der­kon­form« ver­hal­ten, indem sie als Mäd­chen lie­ber mit Bag­gern und als Buben lie­ber mit Pup­pen spie­len, wer­den inzwi­schen zu Mit­glie­dern die­ser neu­en Klas­se erklärt. Hin­zu kom­men Tritt­brett­fah­rer aller Art, die auf den quee­ren Zug auf­sprin­gen, um sich inter­es­sant zu machen, sich recht­li­che Begüns­ti­gun­gen zu ver­schaf­fen oder an Sexual­partner heranzukommen.

Der Phan­ta­sie sind dabei kei­ne Gren­zen gesetzt, wenn es dar­um geht, aus den opti­schen Mani­fes­ta­tio­nen und Begier­den die­ser »flui­den« Sexua­li­tät immer neue »Geschlechts­iden­ti­tä­ten« abzu­lei­ten. Als Schirm­be­griff für die­ses pan­se­xu­el­le Pan­dä­mo­ni­um hat man sich auf das Schlag­wort »que­er« geei­nigt, das seit den 1990er Jah­ren den äußers­ten links­ra­di­ka­len Flü­gel der Schwu­len­sze­ne bezeich­ne­te. An die­ser kri­ti­sier­te Jack Dono­van in sei­nem ers­ten Buch Andro­phi­lia im Jahr 2007, daß sie Homo­se­xu­el­le in eine Kis­te zu packen ver­su­che, in der bestimm­te Codes, Manie­ris­men und poli­ti­sche Über­zeu­gun­gen obli­gat sei­en. Er wies das Eti­kett »schwul« (»gay«) zurück, da es für Femi­ni­sie­rung und Tun­ten­haf­tig­keit ste­he sowie für eine unge­sun­de Ten­denz zur Abkap­se­lung von der Lebens­wirk­lich­keit der »nor­ma­len« Menschen.

Heu­te sind es Femi­nis­tin­nen der alten Schu­le, die dem Trans­gen­der­kult ableh­nend gegen­über­ste­hen, in ihm eine Form der Miso­gy­nie erbli­cken und als Ver­such von per­ver­sen Män­nern deu­ten, sich in die »Safe spaces« ech­ter Frau­en ein­zu­schlei­chen. Damit sind ins­be­son­de­re Auto­gy­n­o­phi­le gemeint, hete­ro­se­xu­el­le Män­ner, die von der Vor­stel­lung, selbst eine Frau zu sein, sexu­ell erregt werden.

Das Kon­zept »Homo­se­xua­li­tät« wird vom Trans­gen­der­kult auf­ge­löst zuguns­ten einer Myria­de von Indi­vi­dua­lis­men und Tri­ba­lis­men, die rein auf sub­jek­ti­ven, fluk­tu­ie­ren­den Gefüh­len beru­hen. Man kann hier­in eine Zuspit­zung der libe­ra­lis­ti­schen Idee vom »auto­no­men« Indi­vi­du­um sehen, das sich in angeb­lich völ­li­ger Frei­heit selbst erfin­den kann und soll. Der »gen­der­flui­de« Ide­al­men­sch der Gen­der­po­li­tik ent­spricht dem dif­fus »ras­sen­ge­misch­ten« Ide­al­men­schen der Multikulturalismuspolitik.

Der Regen­bo­gen, einst das Zei­chen des erneu­er­ten Bun­des zwi­schen Mensch und Gott im Alten Tes­ta­ment und der sich in der Offen­ba­rung des ­Johan­nes über dem himm­li­schen Thron wölbt, ver­weist heu­te auf die Vor­herr­schaft des Infan­ti­len und Femi­ni­sier­ten in unse­rer Gesell­schaft. Er schließt an den Kitsch der »bun­ten« Eine-Welt-Col­la­gen an, in denen sich Men­schen unter­schied­li­cher Haut­far­be, aber glei­cher Gesin­nung fröh­lich die Hand rei­chen. Süß­li­che Ästhe­tik ver­hüllt die aggres­si­ve Agen­da, die mit einem abso­lu­ten mora­li­schen Anspruch auftritt.

Um her­aus­zu­fin­den, was ihre Ziel­schei­be ist, muß man sich anse­hen, was in der gro­ßen bun­ten Alli­anz nicht inklu­diert ist, viel­mehr als ihr Gegen­satz kon­stru­iert wird. Das sind im Anti­ras­sis­mus­sek­tor wei­ße, homo­ge­ne Völ­ker und im Geschlechts­sek­tor der wei­ße, hete­ro­se­xu­el­le Mann und die wei­ße Vater-Mut­ter-Kind-Kern­fa­mi­lie. Die Dekon­struk­ti­on der Mehr­heit und ihrer Wer­te, Lebens­wei­sen und Insti­tu­tio­nen ist stets das eigent­li­che Anlie­gen der lin­ken Min­der­hei­ten­po­li­tik. Die einst heiß umkämpf­te »Schwu­len­ehe« zum Bei­spiel hat­te in ers­ter Linie den Zweck, das Kon­zept der Ehe an sich zu unter­mi­nie­ren. Die Nor­ma­li­sie­rung der Idee, daß zwei Män­ner oder zwei Frau­en ein­an­der hei­ra­ten kön­nen, ist wich­ti­ger, als daß dies auch tat­säch­lich geschieht. Nun, da die­ses und ande­re Zie­le erreicht sind, muß die Agen­da auf die nächs­te Ebe­ne geho­ben werden.

Schwu­le und Les­ben sind längst gewöhn­lich gewor­den. Also war zwin­gend die nächs­te zu »befrei­en­de« Grup­pe an der Rei­he. Was Kon­ser­va­ti­ve vor Jah­ren als »Gen­der­ga­ga« lächer­lich machen woll­ten (Bir­git Kel­le 2015), wird durch die Exzes­se des »Trans«-Trends in den Schat­ten gestellt. Obwohl sich die Komik und die Absur­di­tät um ein Viel­fa­ches ver­mehrt haben, lacht heu­te fast nie­mand mehr. Die end­lo­se Para­de an offen­sicht­li­chem Irr- und Wider­sinn stumpft ab.

Man­che von uns erin­nern sich noch dar­an, daß ein Mann in Frau­en­klei­dern vor nicht all­zu lan­ger Zeit als komisch galt – man den­ke nur an Fil­me wie Das Leben des Bri­an oder Mrs. Doubt­fi­re. Aller­dings ver­liert auch der bes­te Witz sei­ne Zünd­kraft, wenn man ihn stän­dig wie­der­holt und dabei noch so tut, als wäre es gar kei­ner. Es ist bemer­kens­wert, mit wel­cher Rasanz hier alle Unter­schei­dungs­kri­te­ri­en, Beden­ken und Begrün­dun­gen hin­weg­ge­fegt wur­den, um durch eine ein­zi­ge Spiel­re­gel ersetzt zu wer­den: Frau oder Mann oder »non-binär« ist, wer eine Frau oder ein Mann oder »non-binär« sein will und ein ent­spre­chen­des Kreuz­chen in einem For­mu­lar macht.

Nichts ande­res wäre das Ergeb­nis des für Deutsch­land geplan­ten »Selbst­be­stim­mungs­ge­set­zes«, das »trans‑, inter­ge­schlecht­li­chen und nicht­bi­nä­ren Per­so­nen erleich­tern« soll, »ihren Geschlechts­ein­trag ändern zu las­sen.« Im Zusam­men­spiel mit »Haß­re­de­ge­set­zen« könn­te das fata­le sozia­le Fol­gen haben: Die Men­schen wür­den gezwun­gen, sich den Lügen und Lau­nen von see­lisch unba­lan­cier­ten und sogar schwer patho­lo­gi­schen Indi­vi­du­en zu unterwerfen.

Dies alles wäre kaum mög­lich, wenn »Trans­gen­der« nicht ein Eli­ten­pro­jekt wäre, finan­ziert mit Mil­li­ar­den­sum­men, die in Uni­ver­si­tä­ten, Medi­en, Stif­tun­gen, Kli­ni­ken, Lob­by­or­ga­ni­sa­tio­nen und so wei­ter flie­ßen. Auf die­se Wei­se wur­den sehr weit links ange­sie­del­te Ideen, wie sie que­er-femi­nis­ti­sche Vor­den­ker wie Shul­a­mith Fires­tone, Judith But­ler, Michel Fou­cault, Gayle Rubin und ande­re seit den 1970er Jah­ren for­mu­liert haben, all­mäh­lich in die Mit­te des Over­ton-Fens­ters gerückt. Die Saat der Meta­po­li­tik geht eben erst rich­tig auf, wenn sie mäch­ti­ge Inves­to­ren und Geld­ge­ber findet.

Tapio Puo­li­mat­ka nennt in sei­nem Buch Trans­ideo­lo­gie die Namen von schwer­rei­chen »phil­an­thro­pi­schen« Geld­ge­bern wie Jen­ni­fer Pritz­ker, Geor­ge Sor­os, Mar­ti­ne Roth­blatt, Tim Gill und War­ren Buf­fett. Etli­che die­ser Geld­ge­ber sind, wie auch die Vor­den­ker, selbst schwul oder »trans«. Pritz­ker etwa, der in den Medi­en als der »ers­te Trans-Mil­li­ar­där« fir­miert, ent­stammt einer der reichs­ten Fami­li­en der USA und begann mit 63 Jah­ren, als »Frau« in der Öffent­lich­keit aufzutreten.

Wie auch ande­re Spar­ten des »Diversity«-Programms wird die Trans-Agen­da von Groß­kon­zer­nen unter­stützt und mit Hil­fe von ESG-Ratings (Envi­ron­ment, Social, Gover­nan­ce – Umwelt, Sozia­les und Unter­neh­mens­füh­rung) durch­ge­setzt. Fir­men wie Gold­man Sachs, JPMor­gan Cha­se und Black­Rock ent­zie­hen Unter­neh­men die Unter­stüt­zung, wenn sie kei­ne aus­rei­chen­de »Diver­si­ty« auf­wei­sen. Sie mischen sich auch in die Poli­tik ein: Als der US-Staat North Caro­li­na »Trans­frau­en« die Benut­zung von Toi­let­ten für Frau­en ver­bie­ten woll­te, grif­fen CEOs von acht­zig mäch­ti­gen Kon­zer­nen ein, dar­un­ter Goog­le, Apple, You­Tube und Micro­soft, um auf den regie­ren­den Gou­ver­neur Druck aus­zu­üben. »Trans­gen­der« ist in den USA auch inso­fern eine Indus­trie gewor­den, als in »Trans-Tech« eine Men­ge Geld steckt, da »geschlechts­an­glei­chen­de Ope­ra­tio­nen« teu­er und die Pati­en­ten für den Rest ihres Lebens auf den Kon­sum von Hor­mon­prä­pa­ra­ten ange­wie­sen sind. Das Wirt­schafts­ma­ga­zin For­bes schätz­te in einem Arti­kel aus dem Jahr 2020 (»Trans-Tech Is A Bud­ding Indus­try: So Why Is No One Inves­t­ing In It?«), daß in dem Markt ein Umsatz von bis zu 200 Mil­li­ar­den Dol­lar ste­cken könn­te, »mehr als in der Filmindustrie«.

Das »von oben« Gemach­te die­ses Trends liegt offen zuta­ge und gibt wenig Rät­sel auf. Anders ist es um die Fra­ge bestellt, war­um die­se Agen­da auf einen der­art frucht­ba­ren Boden gefal­len ist. Die US-ame­ri­ka­ni­sche Anti­feministin Camil­le Paglia, selbst Les­bie­rin, ver­dammt die Anwen­dung von Hor­mon­blo­ckern und ope­ra­ti­ven Ein­grif­fen bei Min­der­jäh­ri­gen als »kri­mi­nell« und äußer­te sich unzwei­deu­tig: »Bewe­gun­gen Rich­tung Andro­gynität tau­chen in Spät­pha­sen der Kul­tur auf, wenn sich die Zivi­li­sa­ti­on auf­zu­lö­sen beginnt«, wenn sich ein müder Kos­mo­po­li­tis­mus durch­setzt und eine Kul­tur »nicht mehr an sich sel­ber glaubt«.

Erschlaf­fung, Ver­weib­li­chung und mor­bi­de Genuß­sucht set­zen ein, wäh­rend sich an den Rän­dern des Impe­ri­ums mas­ku­li­ne Bar­ba­ren sam­meln, Van­da­len und Ger­ma­nen im alten Rom, Mus­li­me und Schwarz­afri­ka­ner im heu­ti­gen Wes­ten. Man mag noch Kit­zel und Ver­gnü­gen am Haut­gout der »Mauve Deca­de« und ande­rer Abschnit­te der von Mario Praz 1930 in sei­nem Klas­si­ker Lie­be, Tod und Teu­fel beschrie­be­nen »schwar­zen Roman­tik« oder sogar an den Aus­schwei­fun­gen der Wei­ma­rer Repu­blik fin­den, wie sie in Fil­men wie Caba­ret oder Seri­en wie Baby­lon Ber­lin ambi­va­lent glo­ri­fi­ziert werden.

Die­sen Sta­tio­nen eines grö­ße­ren Ver­falls­bo­gens ste­hen die abso­lu­te ­ästhe­ti­sche Scheuß­lich­keit, Nie­der­tracht und Stumpf­sin­nig­keit der gegen­wär­ti­gen Deka­denz­stu­fe gegen­über, die weder Kunst­wer­ke noch Lite­ra­tur von Rang her­vor­zu­brin­gen imstan­de ist. Um dar­über jeden Zwei­fel aus­zu­räu­men, sehe man sich ein paar Kom­pi­la­tio­nen der ein­schlä­gi­gen trans­ak­ti­vis­ti­schen Vide­os an, wie sie etwa über Tik­Tok und Insta­gram ver­brei­tet werden.

Man kann hier nur von einer see­li­schen und bio­lo­gi­schen Dege­ne­ra­ti­on, einer erschre­cken­den Regres­si­on des Geis­tes und der Kör­per spre­chen. Erkenn­bar sind auch maß­lo­ser Nar­ziß­mus und Exhi­bi­tio­nis­mus, her­an­ge­züch­tet durch den Umgang mit dem Inter­net von Kin­des­bei­nen an und die dar­aus fol­gen­de Gewohn­heit, das gesam­te eige­ne Leben »online« ein­seh­bar zu machen.

Zu klä­ren wäre auch, inwie­fern dys­funk­tio­na­le Fami­li­en und Eltern­tei­le mit Per­sön­lich­keits­stö­run­gen zur Mise­re der »Zoomer«-Generation bei­getra­gen haben. Eine Rol­le spie­len wohl auch die gesun­ke­nen Tes­to­ste­ron­spie­gel unter jun­gen Män­nern, die ver­mut­lich Fol­ge des mate­ri­el­len Wohl­stands und Lebens­stils sind. Davon abge­se­hen liegt auf der Hand, daß das Phä­no­men der »Rapid-onset gen­der dys­pho­ria« haupt­säch­lich aus einer »sozia­len Anste­ckung« per Nach­ah­mung resul­tiert. Puber­täts­pa­tho­lo­gien, die frü­her zu Eßstö­run­gen, »Rit­zen«, aso­zia­lem Ver­hal­ten oder Flucht in diver­se Jugend­sub­kul­tu­ren geführt haben, wer­den heu­te in den »quee­ren« Kanal abgeleitet.

An den »Geschlechts­wech­sel« wer­den illu­so­ri­sche Heils­ver­spre­chen geknüpft. Mäd­chen mit ihrem aus­ge­präg­te­ren Hang zur sozia­len Kon­for­mi­tät und Aner­ken­nung sind für sol­che sozia­len Epi­de­mien anfäl­li­ger als Jun­gen, was wohl auch die mas­si­ve Unter­stüt­zung der Regen­bo­gen­agen­da unter jun­gen Frau­en erklärt. Wäh­rend selbst­has­sen­de Mäd­chen frü­her in Pro-Ana- oder SVV-Foren (Selbst­ver­let­zen­des Ver­hal­ten) ihre Schnitt­wun­den oder abge­ma­ger­ten Gelen­ke prä­sen­tier­ten, um sich gegen­sei­tig anzu­sta­cheln, pos­ten sie heu­te stolz Bil­der von den läng­li­chen Nar­ben unter­halb ihrer Brust­war­zen nach der Mastektomie.

Der Unter­schied ist, daß die frü­he­ren Phä­no­me­ne eher im Unter­grund des Inter­nets statt­fan­den, da Anore­xie und Bor­der­line-Per­sön­lich­keits­stö­rung kei­nen gesell­schaft­lich aner­kann­ten Wer­ten ent­spra­chen. Anders ver­hält es sich mit dem Trans-Trend. Die Medi­en prä­sen­tie­ren Figu­ren wie die Schau­spie­le­rin Ellen Page, die sich zu »Eli­ot« umwan­deln ließ, als »muti­ge« und nach­ah­mungs­wür­di­ge Vorbilder.

Ist der Trans­gen­de­ris­mus nun eher ein Angriff auf die Männ­lich­keit oder auf die Weib­lich­keit? Bei­des: Da Männ­lich­keit und Weib­lich­keit (Män­ner und Frau­en) zuein­an­der in einem pola­ren und kom­ple­men­tä­ren Ver­hält­nis ste­hen, wird der Angriff auf das eine Ele­ment stets auch einen Angriff auf das ande­re nach sich zie­hen. Frau­en und Män­ner sind auf­ein­an­der ange­wie­sen: Wer die Män­ner beschä­digt, beschä­digt auch die Frau­en und umgekehrt.

Das ideo­lo­gi­sche Haupt­ziel der Agen­da ist aber die ­Dekon­struk­ti­on und Schwä­chung des wei­ßen, hete­ro­se­xu­el­len Man­nes; die wach­sen­den Legio­nen von Frau­en mit abge­schnit­te­nen Brüs­ten sind am Ende nicht mehr als ein Kol­la­te­ral­scha­den, mit dem die Phar­ma- und Psy­cho­in­dus­trie reich­lich Geld ver­die­nen kann. Dar­um sind wohl auch die Tage des Femi­nis­mus gezählt: Er hat sei­ne Destruk­ti­ons­rol­le erfüllt, und nun kann auch er von der nächs­ten »pro­gres­si­ven« Wel­le abge­räumt wer­den, was sei­ne ver­blie­be­nen Ver­tei­di­ger inzwi­schen fast wie rech­te Reak­tio­nä­re erschei­nen läßt.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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