Wiedervorlage: Remigration ist keine Erfindung unserer Zeit

Der Begriff „Remigration“ ist in der öffentlichen Debatte angekommen. Zwar werden  massenhafte Abschiebung und andere Maßnahmen zur Minusmigration nicht überall so genannt - aber gemeint ist stets Remigration.

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Neben “Remi­gra­ti­on” hat sich, län­ger schon, der Begriff „Bevöl­ke­rungs­aus­tausch“ durch­ge­setzt. Bei­de Begrif­fe schla­gen eine Brü­cke zwi­schen ver­schie­de­nen Pro­blem­fel­dern. Den Schnitt­punkt zwi­schen  Isla­mi­sie­rung, Hamas-Demos, Asyl‑, Sozi­al­miß­brauch und Über­frem­dung bil­det der Bevöl­ke­rungs­aus­tausch. Er ist die Ursa­che, der Rest sind die Symptome.

Die bis­he­ri­ge Stra­te­gie man­cher Libe­ral­kon­ser­va­ti­ver, das impor­tier­te Ver­bre­chen mit einer Auf­rüs­tung des Poli­zei­staats zu bekämp­fen, ist geschei­tert. Die­se „Law and order“-Politik änder­te wenig an der Ero­si­on der Sicher­heit im urba­nen Raum. „Wer­te­kur­se“ und libe­ra­le Islam­kri­tik hiel­ten die gras­sie­ren­de Isla­mi­sie­rung nicht auf. 

Daß der “Export” der impor­tier­ten Kri­mi­na­li­tät die nahe­lie­gen­de Lösung ist, däm­mert auch den “salon­fä­hi­gen” Migra­ti­ons­kri­ti­kern. Auch Hans-Georg Maa­ßen hat begrif­fen, daß man die „mil­lio­nen­fa­che Ansied­lung von Aus­län­dern aus kul­tur­frem­den Regio­nen (…) rück­ab­wi­ckeln“ müs­se und for­der­te Maß­nah­men von der Schär­fe einer „Che­mo­the­ra­pie“.

Noch immer schre­cken aber sogar Rech­te vor der Idee der “Remi­gra­ti­on” zurück. Der Grund dafür scheint eine erfolg­rei­che Gehirn­wä­sche zu sein. Man hat uns ein­ge­trich­tert, daß Migra­ti­on “immer der Nor­mal­fall der Geschich­te” und Deutsch­land ein Ein­wan­de­rungs­land sei. “Migra­ti­on gab es schon immer!”

Gleich­zei­tig behaup­tet man, daß “Remi­gra­ti­on” unvor­stell­bar, uner­hört und undurch­führ­bar wäre. Doch Mas­sen­ein­wan­de­rung und “Diver­si­ty” sind kei­ne Ein­bahn­stra­ßen. Denn auch Remi­gra­ti­on gab es schon immer.

Demo­gra­phie ist dyna­misch. Die atem­be­rau­bend schnel­le und umfang­rei­che Erset­zungs­mi­gra­ti­on nach West­eu­ro­pa wäre vor 50 Jah­ren unvor­stell­bar gewe­sen. Sie wird durch zahl­rei­che Fak­to­ren wie moder­ne Trans­port­mit­tel und siche­re Trans­port­we­ge begüns­tigt. Die­sel­ben Fak­to­ren kön­nen jedoch auch eine eben­so schnel­le und umfang­rei­che Heim­kehr ermöglichen.

Vor allem im 20. Jahr­hun­dert fan­den mas­si­ve Wan­de­rungs­be­we­gun­gen statt, die nicht immer zu mehr Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus führ­ten. Im Jahr 1947 zogen nach der Grün­dung Paki­stans 18 Mil­lio­nen Mus­li­me und Hin­dus jeweils nach Indi­en und Paki­stan um. Im 20. Jahr­hun­dert gin­gen 160.000 Tür­ken von Bul­ga­ri­en in die Tür­kei. 120.000 Slo­wa­ken zogen im Aus­tausch gegen 120.000 Ungarn in die Tsche­cho­slo­wa­kei. 700.000 Ita­lie­ner kehr­ten nach Ita­li­en, 300.000 Nie­der­län­der in die Nie­der­lan­de und 300.000 Bel­gi­er nach Bel­gi­en zurück. Eini­ge die­ser Pro­zes­se gescha­hen in Kriegs­wir­ren und waren gewalt­sam. Ande­re Repa­tri­ie­run­gen fan­den frei­wil­lig statt oder waren gar von patrio­ti­scher Begeis­te­rung getra­gen. Manch­mal waren sie das Ergeb­nis  völ­ker­recht­li­cher Verträge. 

Grie­chen­land  und die Tür­kei beschlos­sen am 30. 1. 1923 in Lau­sanne die “Kon­ven­ti­on zum Bevöl­ke­rungs­aus­tausch”. 1,2 Mil­lio­nen ana­to­li­sche Grie­chen ver­lie­ßen die jun­ge, säku­la­re Tür­kei. 400.000 Mus­li­me ver­lie­ßen dafür Grie­chen­land. Die­se Ent­flech­tung der teils jahr­hun­der­te­al­ten gemisch­ten Besied­lung im Gebiet des ehe­ma­li­gen Osma­ni­schen Reichs war mit Sicher­heit ein ein­schnei­den­der Akt, er führ­te lokal zu Exzes­sen und Mord.

Der nicht enden wol­len­de Kon­flikt um Zypern zeigt uns aber, was die Alter­na­ti­ve die­ser Maß­nah­me gewe­sen wäre. Ein blu­ti­ger Bür­ger­krieg um jede Insel und jede Stadt hät­te mög­li­cher­wei­se die Ägä­is ver­wüs­tet. Die kurz­fris­ti­ge Här­te des Bevöl­ke­rungs­aus­tauschs hat ver­mut­lich jahr­zehn­te­lan­ges Leid erspart und hun­dert­tau­send Men­schen­le­ben geret­tet. Bei­de Staa­ten zogen ein migra­ti­ons­po­li­ti­sches „Ende mit Schre­cken“ dem mul­ti­kul­tu­rel­len „Schre­cken ohne Ende“ vor.

Die­ser “ide­al­ty­pi­sche Fall” liegt in Euro­pa nicht vor. Doch wei­te­re Bei­spie­le zei­gen, dass Ein­wan­de­rung kei­ne Ein­bahn­stra­ße ist. Paki­stan schiebt heu­te “im gro­ßen Stil” (Olaf Scholz) ab: Die Regie­rung for­der­te in einem Ulti­ma­tum 1,7 Mil­lio­nen afgha­ni­sche Ille­ga­le auf, das Land zu ver­las­sen. Bereits kurz nach der Ver­kün­di­gung folg­ten Zehn­tau­sen­de dem Auf­ruf. Wer nicht Fol­ge leis­tet, wird abgeschoben. 

Auch die USA sahen sich in ihrer Geschich­te zu “mil­lio­nen­fa­cher Remi­gra­ti­on” gezwun­gen. Als „Ope­ra­ti­on Wet­back“ wird die  Mas­sen­rück­füh­rung ille­ga­ler mexi­ka­ni­scher Ein­wan­de­rer in den Jah­ren 1954 und 1955 unter Prä­si­dent Eisen­hower bezeich­net. Mit 300 Jeeps, Autos und Bus­sen, sie­ben Flug­zeu­gen und zahl­rei­chen Schif­fen konn­ten in nur einem Jahr 1.074.277 Ille­ga­le außer Lan­des gebracht wer­den. Auch hier führ­te die Ope­ra­ti­on zu zahl­rei­chen frei­wil­li­gen Aus­rei­sen. In Koope­ra­ti­on mit der mexi­ka­ni­schen Regie­rung wur­den dazu Arbeits­mög­lich­kei­ten und Per­spek­ti­ven vor Ort  geschaf­fen. Auch Donald Trump ruft “Ope­ra­ti­on Wet­back” als Vor­bild auf.

Mas­sen­rück­füh­run­gen von Ille­ga­len kamen immer wie­der vor. Sie sind die logi­sche Reak­ti­on sou­ve­rä­ner Staa­ten auf uner­wünsch­te Mas­sen­ein­wan­de­rung. Weder  füh­ren sie stets zu gewalt­sa­men Ver­trei­bun­gen noch zu Bür­ger­krie­gen. Es gibt kei­nen Beleg dafür, daß sie mit den Men­schen­rech­ten oder der Ver­fas­sung einer „west­li­chen“ Demo­kra­tie unver­ein­bar wären.

Ein wei­te­res inter­es­san­tes Bei­spiel für moder­ne Remi­gra­ti­ons­po­li­tik sind die Fidschi­in­seln.  Von 1879 bis 1970 wuchs dort der Bevöl­ke­rungs­an­teil indi­scher Gast­ar­bei­ter auf über 50%, was sich in “eth­ni­scher Wahl” nie­der­schlug und  zu gro­ßen poli­ti­schen und kul­tu­rel­len Span­nun­gen führ­te. Nach einer umfas­sen­den Remi­gra­ti­ons­po­li­tik ist der Anteil der Inder wie­der auf unter 30% gesun­ken. (Hier las­sen sich so vie­le Par­al­le­len zu unse­rer Situa­ti­on zie­hen, daß ich die­ser Epi­so­de einen eige­nen Blog­bei­trag wid­men werde.)

Dazu gab und gibt es  eine bestimm­te Kate­go­rie von Remi­gra­ti­ons­be­we­gun­gen, die von Links­li­be­ra­len im Wes­ten regel­recht gefei­ert wur­den. Die Rede ist von der Rück­wan­de­rung der Euro­pä­er aus ehe­ma­li­gen Kolo­nien und Enkla­ven. 1904 waren 21,6% der Bevöl­ke­rung in Süd­afri­ka Wei­ße. Bis 1960 hielt sich der Anteil bei  19,3%. Nach dem Ende der Apart­heid ver­lie­ßen rund 800.000 der ehe­mals 5,2 Mil­lio­nen Wei­ßen das Land.

2011 betrug ihr Anteil nur mehr 9% und sank bis ins Jahr 2022 auf 7,65% ab. Die­sel­ben Milieus, die heu­te Euro­pa zu “Diver­si­ty” ver­dam­men und bereits den Gedan­ken der Remi­gra­ti­on ver­ur­tei­len, schwie­gen dazu oder begrüß­ten das. 

Ähn­li­che Sze­na­ri­en ereig­ne­ten sich in Rho­de­si­en und ande­ren ehe­ma­li­gen Kolo­nien. Auch in Alge­ri­en leb­ten in der ers­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts rund 1,6 Mil­lio­nen Euro­pä­er. Sie stell­ten immer­hin 15,2 % der Gesamt­be­völ­ke­rung. Nach dem Sieg der FLN und der Auf­ga­be der Kolo­nie im Jahr 1962 ver­lie­ßen mehr als eine Mil­li­on Wei­ße das Land. Die Ver­blie­be­nen folg­ten ihnen bald. Heu­te leben in Alge­ri­en so weni­ge Euro­pä­er, daß es kei­ne demo­gra­phi­schen Daten gibt. Zeit­gleich brei­tet sich eine alge­ri­sche Par­al­lel­ge­sell­schaft in Frank­reich aus. 2019 zähl­te man 531.946 auf fran­zö­si­schem Boden.

Die­se Bei­spie­le sind kei­ne Vor­bil­der für eine kom­men­de, euro­päi­sche Remi­gra­ti­ons­po­li­tik. Ethi­sche und rechts­staat­li­che Stan­dards ver­bie­ten natür­lich das bru­ta­le Vor­ge­hen der indi­ge­nen Afri­ka­ner und Ara­ber. Sie wer­den hier zitiert, um zu zei­gen, daß die “mora­li­schen Eli­ten”  kein Pro­blem mit mil­lio­nen­fa­chen Aus­rei­sen haben, wenn es Wei­ße betrifft.

Eine rea­lis­ti­sche Remi­gra­ti­ons­po­li­tik in Euro­pa wird weder eine gewalt­sa­me Ver­trei­bung noch eine will­kür­li­che Ent­rech­tung von Bevöl­ke­rungs­grup­pen sein. Ihre pri­mä­re Ziel­grup­pe sind jene, die sich über Asyl­be­trug einen Auf­ent­halts­sta­tus erschli­chen haben, sowie Nicht­staats­bür­ger, die eine kul­tu­rel­le, wirt­schaft­li­che und kri­mi­no­lo­gi­sche Belas­tung darstellen.

Dazu kom­men nicht­as­si­mi­lier­te Ein­ge­bür­ger­te, die aggres­si­ve, rasch wach­sen­de Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten bil­den und sich nicht in ihre Gast­län­der ein­fü­gen kön­nen. Der juris­ti­sche und logis­ti­sche Ent­wurf einer Remi­gra­ti­ons­po­li­tik liegt vor uns. Aus ver­schie­de­nen Vor­schlä­gen und Plan­spie­len wird sich im rech­ten Lager evo­lu­tio­när das bes­te Modell durch­set­zen. Fest steht jedoch bereits jetzt, daß Remi­gra­ti­on als Phä­no­men weder his­to­risch ein­zig­ar­tig noch unvor­stell­bar ist.

Die Ana­ly­se his­to­ri­scher Remi­gra­ti­ons­be­we­gun­gen ist ein Bestand­teil ihrer meta­po­li­ti­schen Vor­ar­beit.  Sie erfolgt pha­sen­wei­se und „Schicht für Schicht“.  Im idea­lis­ti­schen Kern­be­reich des rech­ten Lagers wur­de das Begriffs­paar „Bevöl­ke­rungs­aus­tausch“ und „Remi­gra­ti­on“ im Jahr 2023 groß­teils hegemonial.

In einer 2. Pha­se muß die Idee von hier aus “Fahrt auf­neh­men”, also Über­zeu­gungs­kraft, wis­sen­schaft­li­che Sub­stanz und Reich­wei­te auf­bau­en. Mit die­ser sym­bo­li­schen und theo­re­ti­schen Schwung­mas­se kann die Visi­on der Remi­gra­ti­on den Gra­ben über­sprin­gen und in der Mit­te der Gesell­schaft landen.

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

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