Diether Dehm: Pornographie und Klassenkampf

-- von Yves Strehler

Diether Dehm, bis 2021 Bundestagsabgeordneter der Partei Die Linke, veröffentlichte im März 2023 das Buch Pornographie und Klassenkampf. Für eine materialistische Psychologie. Es bietet einen Einblick in die Gedankenwelt orthodoxer Marxisten hinsichtlich des Geschlechterverhältnisses.

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Dehm, dies neben­bei, war sei­ner­zeit Mit­tex­ter des Klaus-Lage-Hits »1000 und eine Nacht« (1984) und ging anno 2023 gericht­lich gegen Flo­ri­an Sil­ber­ei­sen vor, der das »I‑Wort« (»Erin­nerst du dich, wie hat­ten India­ner gespielt«) in sei­nem Vor­trag des Lie­des aus­ge­tauscht hatte.

Dehm behaup­tet nun, eine gan­ze Rei­he bis­he­ri­ger Mar­xis­ten habe die Por­no­gra­phie und die Sexua­li­tät an sich zu stark igno­riert oder auch als »qua­si kapi­ta­lis­tisch« abge­lehnt. Er sei nun ange­tre­ten, die­sen Miß­stand zu behe­ben. Er leug­net dabei nicht die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen der Por­no-Indus­trie. Aller­dings sieht er hin­ter ihnen als Ursa­che nicht die bio­lo­gi­schen Gege­ben­hei­ten, die con­di­tio huma­na von Mann und Frau, son­dern die Klas­sen­un­ter­schie­de. (Andern­falls wäre er ja auch kein Marxist.)

Män­ner und Frau­en sei­en daher heut­zu­ta­ge ins­be­son­de­re an »Hard­core-Por­nos« inter­es­siert, weil sie sich auf die­se Art und Wei­se psy­cho­lo­gisch an ihren kapi­ta­lis­ti­schen Arbeit­ge­bern rächen woll­ten. Da dies nicht zu ver­mei­den sei, sei es auch nicht ver­werf­lich. Die Lösung bestehe viel­mehr dar­in, ers­tens Por­no­gra­phie »ästhe­ti­scher« zu gestal­ten (er führt als Bei­spiel dafür im Ernst Ber­tolt Brechts abge­schmack­te Por­no-Lyrik »Über die Ver­füh­rung von Engeln« an) und zwei­tens, natür­lich, den Klas­sen­kampf zu Ende zu füh­ren, Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats und so wei­ter – man kennt es ja.

Das alles steht im Wider­spruch zu psy­cho­lo­gi­schen Stu­di­en, außer natür­lich zu denen, die von mar­xis­ti­schen »Psy­cho­lo­gen« durch­ge­führt wur­den und die im Buch auch reich­lich rezi­piert wer­den. Wie­der ein­mal zeigt sich, daß Mar­xis­ten blind sind für die wirk­li­chen mensch­li­chen Gege­ben­hei­ten, die oft­mals eben unver­än­der­lich und nach Geschlecht grund­ver­schie­den sind.

Deut­lich wird das dar­in, daß das Buch aus­schließ­lich aus Dehms Per­spek­ti­ve geschrie­ben ist, aus der Per­spek­ti­ve eines Man­nes. Ein Wech­sel in die Per­spek­ti­ve von Frau­en fin­det nicht statt. War­um auch? Wir sei­en doch ohne­hin alle irgend­wie gleich. Eine wirk­lich zukunfts­träch­ti­ge Lösung für die Ent­frem­dung, die wei­te Tei­le der Gesell­schaft und vor allem der Jugend erfaßt, kann also auch hier nur von rechts kommen.

Dehms Buch liest sich in wei­ten Tei­len äußerst zäh und lang­wei­lig, wie das für mar­xis­ti­sche Lek­tü­re üblich ist. Oft­mals ver­liert er sich und kommt vom Hun­derts­ten ins Tau­sends­te. So stellt er unter ande­rem eine eige­ne (mar­xis­ti­sche) Erklä­rung dafür auf, wie »Hit­ler« mög­lich sein konn­te – in einem Buch, in dem es eigent­lich um Por­no­gra­phie gehen soll. Das Buch umfaßt über 300 Seiten.

Kürz­te man es auf die wesent­li­chen Aus­sa­gen ein, blie­ben viel­leicht noch 100. Jeder rech­te Leser, der hier über zwan­zig Sei­ten am Stück schafft, hat höchs­ten Respekt ver­dient. Es läßt sich fol­gen­des Fazit zu Dehms Buch zie­hen, ganz im Sin­ne sei­nes Autors: Tau­send­mal berührt – tau­send­mal ist nichts pas­siert. Und »Zoom« macht es auch nicht.

– –

Diet­her Dehm: Por­no­gra­phie und Klas­sen­kampf. Für eine mate­ria­lis­ti­sche Psy­cho­lo­gie, Wien: Pro­me­dia 2023. 312 S., 28 €

 

Die­ses Buch kön­nen Sie auf antaios.de bestellen.

 

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