Flo Osrainik: Lügen Lügen Lügen

Wir werden von den Leitmedien belogen, dauernd! Das sagt Flo Osrainik – er fungiert per Aufkleber als »SPIEGEL-Bestseller-Autor« (übrigens ein Monopol, das es zu hinterfragen gälte!) und ist Teil der Rubikon-Mannschaft.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Rubi­kon galt den Leit­me­di­en (mit höh­ni­schem Unter­ton) als Tref­funkt für Ver­schwö­rungs­wis­sen­schaft­ler, laut Eigen­wer­bung »Maga­zin für die kri­ti­sche Mas­se« (dato 2017), und ist seit Coro­na-Zei­ten zu einem beacht­li­chen Ver­lag her­an­ge­wach­sen. Der Rubi­kon-Ver­kaufs­schla­ger bis heu­te ist »Möge die gesam­te Repu­blik mit dem Fin­ger auf sie zei­gen.« Das Coro­na-Unrecht und sei­ne Täter, her­aus­ge­ge­ben von dem ehe­ma­li­gen Gewerk­schafts­se­kre­tär Jens Wer­ni­cke und dem »Herr­schafts­kri­ti­ker« Mar­cus Klöck­ner. Sprich: Die Rubi­kon-Leu­te sind kei­ne Rech­ten. Sie haben aber ähn­li­che Punkte.

Auch in Osrai­niks Buch über die gro­ßen Lügen unse­rer Zeit geht es nie um »rechts« oder »links«, es ist kein The­ma. Die Frie­dens­tau­be vom Buch­co­ver flat­tert durch sämt­li­che Zei­len! Die­se Tau­be kle­ckert nicht, sie klotzt. Neh­men wir nur die Innen­klap­pe: Hier steht es in Ver­sa­li­en weiß auf schwarz: »KEIN TAG OHNE MAUERN, GRENZEN UND VERTREIBUNG. KEIN TAG OHNE FOLTER UND MORD AN MENSCH UND TIER. DAZU NOCH JEDE MENGE LÜGEN UND BETRÜGEN UND KEIN ENDE IN SICHT.«

Nun ist die­ses Buch als Wickel­bro­schur gestal­tet und wir lesen auf dem Umschlag rot auf schwarz: »Bei den mensch­li­chen Erfin­dun­gen, zu denen ja auch die Herr­schafts- und Regie­rungs­sys­te­me, die Staats­gren­zen, das Kas­ten­we­sen sowie die Reli­gio­nen und sons­ti­ger Fir­le­fanz zäh­len, geht es vor allem dar­um, die Men­schen zum Zwe­cke von Pro­fit und Macht­er­halt zu spalten«.

Wir wis­sen also noch vor der Lek­tü­re, daß wir es mit einem äußerst ange­spann­ten Autor zu tun haben. Nun denn. Es geht in drei Kapi­teln um 1. Krieg, 2. Krieg, Ter­ror, 3. Krieg, Ter­ror, Tyran­nei. Osrai­nik weist per Fuß­no­ten (reich­lich) nach, war­um die Leit­mei­den immer logen: im Irak, in Ser­bi­en, bezüg­lich 9/11, bezüg­lich Coro­na, was den Ukrai­ne-Ruß­land-Krieg angeht, und »Klau­si divers« (= Klaus Schwab) lügt sowieso.

Rein inhalt­lich nicken wir zu fast allem, jeden­falls zu vie­lem. Wer zuvor täg­lich »Tages­schau« guck­te, soll­te nun unbe­dingt Osrai­nik lesen! Man möge die­ses Buch reich­lich ver­schen­ken, an die Tan­te, den Kas­sen­wart des Ver­eins, den Leh­rer, an all die Kon­su­men­ten, die sich in Dis­kus­sio­nen als Wie­der­käu­er der »öffent­li­chen Mei­nung« zeigten!

Osrai­nik räumt durch­aus gründ­lich auf – hier zur ange­sag­ten Big-Tech-Des­po­tie: »Ob Ihnen das nun gefällt und in Ihr Welt­bild paßt oder nicht. Ob Sie es noch erle­ben wer­den oder erst die Kin­der und Enkel die digi­ta­le Tyran­nei durch­le­ben müs­sen. Aber die wer­den damit ja sowie­so schon groß, und viel­leicht stört sie es dann auch gar nicht so sehr, weil das eben alles schlei­chend kommt. Denn wer ver­mißt ein frei­es und selbst­be­stimm­tes Leben, wenn man gar nicht weiß, was das ist?« Die Migra­ti­ons­fra­ge bleibt inter­es­san­ter­wei­se ganz und gar aus­ge­spart. Auch das Stich­wort »AfD« wird ver­mie­den: der Ele­fant im Raum derer, die doch rück­halt­los auf­klä­ren wollen!

Macht der Ton die Musik, oder ist der Ton eigent­lich egal, wenn man es ordent­lich kra­chen­las­sen will? Die­se Fra­ge stellt sich hier. Herr ­Osrai­nik (*1976) pflegt einen münd­li­chen Schreib­stil. Man könn­te ihn wuch­tig nen­nen – oder anbie­dernd. Er schreibt von einem »klit­ze­klei­nen biß­chen« Fair­neß, und er liebt sol­che ellip­ti­schen Sät­ze: »Oder so ähn­lich.« »Angeb­lich.« Er schreibt: »wie der Phi­lo­soph Pla­ton ja so schön sag­te«, »er erzähl­te irgend­was von«, »Brut­kas­ten­quatsch«, »er mein­te dann auch noch«, und immer wie­der »das alber­ne Ver­ei­nig­te König­reich« oder auch (haha) Bil­ly »the« Gates.

Sprich: Es ist schwie­rig, hier die popu­lis­ti­sche Krus­te abzu­tra­gen, um an den Kern die­ser Ver­öf­fent­li­chung zu gelan­gen. Zumal die­se Krus­te auch das Vor- und das Nach­wort über­la­gert. Denn Ull­rich Mies (Frie­dens­be­weg­ter, Vor­wort) und Micha­el Mey­en (Pro­fes­sor für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaf­ten an der LMU, Nach­wort) schla­gen ähn­lich lau­nig wie Osrai­nik auf die Glo­cke. Ull­rich Mies: »Die west­li­che Welt ist seit Jah­ren ein ein­zi­ges Cha­os! Sata­ni­sche Eli­ten! Globalfaschisten!«

Mey­en, gebür­ti­ger Rüge­ner, lobt: »[…] wenn es die­ses Land [die DDR] und sei­nen Staats­bür­ger­kun­de­un­ter­richt noch geben wür­de, hät­te Flo Osrai­nik alle Chan­cen, dort zum Klas­si­ker zu wer­den.« Mey­en wun­dert sich, war­um Bücher von Danie­le Gan­ser oder Noam Chom­sky hier für Auf­se­hen sorg­ten: »In der DDR war das Schul­stoff.« Har­ter Tobak! Wei­ter: »Ich habe die vie­len Nach­mit­ta­ge in der ›sozia­lis­ti­schen Pro­duk­ti­on‹, wo selbst Kern­sei­fe den Dreck nicht von den Hän­den bekam, nicht gemocht, spä­ter aber konn­te ich bei mei­nen Kin­dern sehen, was fehlt, wenn man den Geist von Mus­keln und See­le trennt und von der kör­per­li­chen Arbeit sowieso.«

Inter­es­sant ist auch, wie Mey­en beklagt, daß »all das« (die Rubi­kon-Arbeit) unter Aus­schluß der Jugend gesche­he. Die Arbeit der frie­dens­be­weg­ten Quer­den­ker labo­rie­re bei einer Alters­grup­pe von 55 plus. Es scheint, daß die Neue Rech­te ein, zwei, drei Vor­tei­le habe!

Flo Osrai­nik: Lügen Lügen Lügen. Ter­ror, Tyran­nei und Wel­ten­brand als neue Nor­ma­li­tät der Glo­ba­lis­ten, Mün­chen: Rubi­kon 2023. 374 S., 24 €

 

 

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Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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