Sammelstelle (68): Wie Ex-CDU-Senator Lummer für Remigration plädierte

Die Remigrationsdebatte, die durch »Potsdam« ausgelöst wurde, krankt im patriotischen Lager daran, daß der Eindruck entsteht, es gebe lediglich »Maximalisten« (Remigration pur et dur) und »Minimalisten« (Assimilation um jeden Preis).

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Zwi­schen­tö­ne – etwa: har­ter Remi­gra­ti­ons­kurs bei Ille­ga­len, Kri­mi­nel­len, Nicht­eu­ro­pä­ern ohne Blei­be­recht usw., rech­te Ange­bo­te hin­ge­gen für Inte­grier­te – sind nun­mal in hys­te­ri­schen Zei­ten weni­ger gefragt, weil sie weni­ger Schlag­zei­len pro­du­zie­ren. Sie kom­men aber gleich­wohl vor; im AfD-Kon­text ist hier Maxi­mi­li­an Krah zu nennen.

Die Remi­gra­ti­ons­de­bat­te krankt aber auch dar­an, daß immer wie­der »2015« als Zäsur über­be­an­sprucht wird. Liest man bis­wei­len Stel­lung­nah­men von vor­zugs­wei­se libe­ral­kon­ser­va­ti­ven Poli­ti­kern und Jour­na­lis­ten, drängt sich der Ein­druck auf, vor Mer­kels feh­len­der Grenz­schlie­ßung wäre die demo­gra­phi­sche Situa­ti­on eine wesent­lich ande­re gewe­sen. Das war sie nicht.

Da es in besag­ten Krei­sen eine gewis­se Affi­ni­tät zur »guten alten Uni­on« der 1980er und 1990er Jah­re gibt, die frei­lich dar­auf beruht, daß man aus­blen­det, daß die Ent­wick­lun­gen der Mer­kel-Ära in der vor­her­ge­hen­den Kohl-Epo­che bereits ange­legt waren, bie­tet es sich an, tat­säch­lich ein mal ins Ges­tern zu einem Christ­de­mo­kra­ten alter Schu­le zu bli­cken, kon­kret: zu Hein­rich Lummer.

Lum­mer (1932–2019) war in den 1980er Jah­ren für fast sechs Jah­re Sena­tor für Inne­res in Ber­lin. In der CDU war er gefürch­tet dafür, einen scho­nungs­lo­sen Blick auf die damals bereits ver­fes­tig­te Migra­ti­ons­po­li­tik der offe­nen Tür zu pfle­gen. Gewiß: Er war nicht so unduld­sam und »radi­kal« wie Robert Hepp oder Hans-Diet­rich Sander.

Aber blickt man in zwei exem­pla­ri­sche Tex­te von Lum­mer, stellt man fest, daß fast 30 (!) Jah­re vor der Zäsur von 2015 die Pro­ble­me durch­aus sehen konn­te, wer es denn eben sehen wollte.

In sei­ner Schrift Stand­punk­te eines Kon­ser­va­ti­ven (Kre­feld 1987) schrieb Lum­mer nüchtern:

Das deut­sche Asyl­recht ist lapi­dar gere­gelt und ein­zig­ar­tig in der Welt. Die beson­de­ren Pro­ble­me, die die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land mit dem Asy­lan­ten­strom hat, ent­sprin­gen weit­ge­hend dem Son­der­weg, den die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in die­ser Fra­ge gegan­gen ist,

und, was Lum­mer nicht mehr erle­ben muß­te, seit den Ampel-Machen­schaf­ten eine neue Dyna­mik entfaltet.

Lum­mer ver­weist auf eine ent­schei­den­de his­to­ri­sche Konstellation:

Das deut­sche Asyl­recht ent­stand zu einer Zeit, da Deutsch­land in Trüm­mern lag und gewiß kei­nen Anzie­hungs­punkt für Wirt­schafts­flücht­lin­ge dar­stel­len konnte,

was damals, als Lum­mer die­se Zei­len geschrie­ben hat­te, bereits anders war. Da das Asyl­recht der BRD kre­iert wur­de, als das Land noch ein »Aus­wan­de­rungs­land« gewe­sen ist, wie der Jurist Hel­mut Qua­rit­sch for­mu­lier­te, sei­en die Erfor­der­nis­se offen­kun­dig, es zu überarbeiten.

Liest man Lum­mers Ana­ly­se der Zuwan­de­rungs­la­ge von vor 37 Jah­ren, ist man erstaunt, wie prä­zi­se er die Grund­pro­ble­ma­tik sei­ner Leser­schaft dar­leg­te und ent­spre­chen­de Aus­bli­cke auf Kom­men­des gewähr­te. Erstaunt ist man aber auch dar­über, daß er schon damals – ähn­lich wie heu­te – nach Däne­mark blick­te, um auf­zu­zei­gen, wie alter­na­ti­ve Migra­ti­ons­po­li­tik aus­se­hen könn­te. Es wur­de nicht ernst­ge­nom­men, son­dern als »Alar­mis­mus« verworfen.

Zeit­los – und daher zu zitie­ren – ist der­weil Lum­mers grund­sätz­li­ches Plä­doy­er für hei­mat­na­he Unter­brin­gun­gen von Flüchtlingen:

Nur eine an welt­frem­den Vor­stel­lun­gen ori­en­tier­te Pro­blem­sicht kann Sinn und Recht­fer­ti­gung dar­in erken­nen, daß nach Tau­sen­den und Zehn­tau­sen­den zäh­len­de Flücht­lings­strö­me sich über die Gren­zen von Kon­ti­nen­ten hin­weg in Bewe­gung set­zen, um auf Dau­er in einem Teil der Welt seß­haft zu wer­den, des­sen Spra­che sie nicht spre­chen, des­sen Kul­tur nicht die ihre ist und des­sen Men­ta­li­tät ihnen fremd ist. Viel­mehr ist es ein Gebot der Mensch­lich­keit, Flücht­lin­gen das Unter­kom­men nach Mög­lich­keit in einem Land zu ermög­li­chen, das der­sel­ben Erd­re­gi­on zuge­hört, in der sie behei­ma­tet sind.

Und Lum­mer schloß:

Die Umsied­lung in eine Regi­on gänz­lich ande­rer zivi­li­sa­to­ri­scher und kul­tu­rel­ler Prä­gung führt fast zwangs­läu­fig zu Ent­wur­ze­lung, Iden­ti­täts­ver­lust und Ent­frem­dung, die eine an sich selbst­ver­ständ­li­che Rück­kehr in die Hei­mat nach dem Weg­fall der Gefähr­dung erschwe­ren oder unmög­lich machen.

Lum­mer leg­te fünf Jah­re spä­ter nach. In sei­ner Stu­die Asyl. Ein miß­brauch­tes Recht (Frankfurt/M. u. Ber­lin 1992), die bei Ull­stein, also einem gro­ßen Publi­kums­ver­lag, in hoher Auf­la­ge erschien, nahm er Sar­ra­zin, Maa­ßen und Co. vor­weg und über­holt dabei, liest man das Buch nach heu­ti­gen Maß­stä­ben, die AfD von rechts.

Ein Zwi­schen­ka­pi­tel, das die Über­schrift »Ohne Abschie­bung geht es nicht« trägt, könn­te heu­te als Leit­ar­ti­kel zur 2024er Gemenge­la­ge durchgehen.

»Viel«, so kom­men­tiert Lummer,

ist nicht nötig, um sich auf Dau­er in Deutsch­land nie­der­zu­las­sen. Weder Geld noch beson­de­re Fähig­kei­ten sind erfor­der­lich. Man muß sich ledig­lich als »Flücht­ling« aus einer unsi­che­ren Welt­ge­gend prä­sen­tie­ren, um zunächst gedul­det zu wer­den. Je län­ger der Aus­län­der aber gedul­det wird, des­to grö­ßer sein Anspruch, auch wei­ter­hin gedul­det zu werden.

Auch die­se eher­ne Grund­satz der bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Ein­wan­de­rungs­po­li­tik, der heu­te sei­ne vol­le Wir­kung ent­fal­tet, habe

natür­lich über­haupt nichts mit dem Asyl­recht für poli­tisch Ver­folg­te oder den Bestim­mun­gen der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on zu tun.

Daher habe sich die Pra­xis ver­fes­tigt (1993, nicht 2015!), daß das »Aus­län­der­recht zum Scha­den der Deut­schen« aus­ge­nutzt wer­de, Ten­denz: Es wer­de schlimmer.

Heu­te fest­zu­stel­len, daß Hein­rich Lum­mer die migra­ti­ons­po­li­ti­schen Ent­wick­lun­gen pro­phe­zei­te und ein gro­ßes Publi­kum fand (ohne meta­po­li­ti­sche Ver­än­de­run­gen bewir­ken zu kön­nen), ist nicht das allein Ent­schei­den­de; auch nicht, daß er selbst infol­ge der genann­ten Publi­ka­tio­nen einer logi­schen Abfol­ge gemäß schritt­wei­se nach »rechts« wan­der­te und denun­ziert wurde.

Das Ent­schei­den­de ist viel­mehr, daß man einen Schritt zurück tritt, um sei­nen Blick für die Trag­wei­te der Pro­ble­ma­tik zu wei­ten. Nicht Mer­kel und Schäub­le oder Scholz und Fae­ser waren bzw. sind qua eige­ner Moti­va­ti­on die ent­schei­den­den Migra­ti­ons­trei­ber; eine ent­spre­chen­de per­so­na­li­sie­ren­de Migra­ti­ons­kri­tik ist daher popu­lis­tisch ziel­füh­rend, aber the­ma­tisch zu kurz gedacht. Auch sind die red­un­dan­ten Ver­wei­se auf 2015ff. nicht aus­rei­chend; es ent­las­tet ja sogar die vor­her­ge­hen­den Koali­tio­nen von ihrer ent­schei­den­den Ver­ant­wor­tung für die demo­gra­phi­sche Ent­wick­lung im Land.

Daher sind das von Lum­mer als ana­chro­nis­ti­sche und zu refor­mie­ren­de Regel­werk sowie die feh­len­de Aktua­li­sie­rungs­be­reit­schaft des­sel­bi­gen in einer volks­ori­en­tier­ten und damit zuwan­de­rungs­kri­ti­sche­ren Wei­se als bis­her in den Vor­der­grund des eige­nen »Dis­kur­ses« zu stellen.

Daß dabei Alt-Christ­de­mo­kra­ten wie Hein­rich Lum­mer in ihrer pro­gram­ma­ti­schen Ana­ly­se der Lage wei­ter gin­gen als vie­le patrio­ti­sche Innen­po­li­ti­ker heu­te, obwohl Lum­mer in den fer­nen 1980er Jah­ren über die Her­aus­for­de­run­gen der anhal­ten­den Zuwan­de­rung nach­dach­te, spricht jeden­falls Bän­de über die Nach­wir­kun­gen des gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Links­rutschs der letz­ten Jahr­zehn­te. Es ist dies ein Links­rutsch, der heu­te an sein Ende kommt. Die anhal­ten­de Hys­te­rie rund um das The­ma »Remi­gra­ti­on« bestä­tigt dies nur.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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Kommentare (28)

Karl Otto

1. Februar 2024 15:45

Lummer war kein Dummer.

Laurenz

1. Februar 2024 15:56

https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2024/darum-haelt-rostock-am-sachbearbeiter-fuer-remigration-fest/
Immer wieder gut, die woke Linke vor 2.000 Jahren. Auf Hebräisch heißt mutmaßlich Remigration halt Jehova. https://youtu.be/2haQJ-dfNFE
 

RMH

1. Februar 2024 17:18

Hier ein Fundstück aus dem Spiegel Archiv von 1985!
https://www.spiegel.de/politik/offenes-bekenntnis-a-d3b9d9b1-0002-0001-0000-000013512529
Da kommt einem auch vieles bekannt vor, Strauß spricht von "Kanaken" und bei den Zahlen, die im Artikel genannt werden, würde man heute sagen, was regt ihr euch über die paar Hanserln auf. Interessant am Artikel ist auch, wie Migration schon damals im politischen Systemwettbewerb benutzt wurde (die DDR lässt über Ostberlin nach Westberlin einsickern - so wie Weißrussland Migranten nach Polen einsickern lies. Heute aber alles im größeren Maßstab). Aus heutiger Sicht war die Migration bis in die Jahre nach 2000 eher eine Art stetige, leichte Erhöhung des Wassers, in dem der Frosch sitzt, was sich vor allem in westdeutschen Städten bemerkbar gemacht hat, ab ca. 2000 wurde das auch in den großen Städten der neuen Länder versucht, und 2015 wurde der Frosch dann nicht ins kochende Wasser geschmissen, sondern in seiner fast schon siedenden Suppe mit kochendem Wasser überbrüht. Alles alte Themen, immerhin 1993 dann der Asylkompromiss (an den man sich Jahre später nicht mehr gehalten hat) und heute führt es nicht zu einer Lösung des Themas (wozu die Etablierten 1993 zumindest den Versuch unternahmen), sondern zu einem auf die Straße hetzen von Bürgern gegen eine vermeintliche, rechte Gefahr. Geändert wird derweil rein nichts. Diese Tatenlosigkeit macht sprachlos.

Artabanus

1. Februar 2024 21:27

Wie hier bereits betont gibt es zur kompletten Abschaffung des Asylrechts keine Alternative. Der Souverän kann nicht dem Rest der Welt ein Recht zusichern welches gegen ihn selbst gerichtet ist und welches er gegen sich selbst mit Gewalt durchsetzt. Das Asylrecht steht somit im logischen Widerspruch zur Demokratie. Es ist seltsam, dass die AFD dies in der Diskussion nicht thematisiert und anscheinend auch nicht die Abschaffung des Asylrechts fordert. Asyl kann höchstens als Gnadenakt gewährt werden und sollte bei schlechtem Benehmen auch wieder entzogen werden können.
Wie absurd die momentane oeffentliche Diskussion zum Thema ist, sieht man ja schon daran, dass man einen angeblichen Fachkräftemangel bemüht um die Masseneinwanderung über das Asylrecht zu rechtfertigen, also Asylbewerber automatisch zu Fachkräften werden. Dies kann man auch als heimliches Eingeständnis des Mainstreams deuten, dass er selbst den Quatsch von politisch Verfolgten Flüchtlingen nicht glaubt.

Dr Stoermer

1. Februar 2024 21:50

Danke, handwerklich sauber, alles richtig, aber für mich zu verkopft. Remigration ist ein spirituelles Phänomen, sowohl bei den Zurückwandernden als auch bei denen, die als Deutsche ihre seelischen Grundlagen zurückgewinnen dürfen (wie auch die Zurückwandernden, die hierzulande ebenfalls nicht im Gleichgewicht mit sich leben, denn was hat ein Afrikaner in Husum zu suchen, außer er hat einen echten Grund, mit Husumern gute Geschäfte abzuschließen oder dort ein Handwerk zu erlernen). Hört doch mit den Analysen auf, da draußen wird Satans Jüngern gerade der Arsch aufgerissen! Der Mensch wird sich, befreit von den Mieslingen, deren Namen wir nicht sagen dürfen, glücklich anordnen. Wir müssen nur stark sein, um unseren Verführten nach der Menschwerdung Gottes nicht einfach billig nachzusehen, sondern ihnen und uns allen in der Zukunft eine Heimstatt zu bauen, die sicher gegen Kaperung, Illusionismus und Verdrehung ist. "Potsdam", eine Blendgranate, die längst verraucht ist, Armutszeugnis des Amtes. Fickt Euch selbst! kann es nur gegenüber den Ewiggestrigen des 20. Jahrhunderts heißen. Das ist für Euch! (@Mboko Lumumbe: Ganz OK,oder?)

Waldgaenger aus Schwaben

1. Februar 2024 22:49

Habe ich es überlesen oder hat der Autor es vergessen?
Lummer verfasste seine Texte, bevor das Asylrecht eingeschränkt wurde.  Siehe https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag7106.html
Am 6. Dezember 1992 [Anmerkung: also nach Erscheinen des Buches von Lummer] einigen sich Union, FDP und SPD auf einen sogenannten Asylkompromiss. Die neuen Regeln für Flüchtlinge sollen durch eine Änderung des Grundgesetzes eingeführt werden. Nominell soll das individuelle Asylrecht für politisch Verfolgte zwar erhalten bleiben. Die Einreise von Asylbewerbern aber soll drastisch eingeschränkt werden. Wer über EU-Staaten oder andere "sichere Drittstaaten" kommt, in denen die Genfer Flüchtlingskonvention gilt, soll sofort abgewiesen werden können. Dies umfasst alle direkten Nachbarn Deutschlands, da Polen, Österreich, die Tschechoslowakei und die Schweiz als "sichere Drittstaaten" gelten sollen.
 
Wenn wir zu dieser Reglung zurückkehren würden, bzw. dabei geblieben wären, könnten wir Asylbewerber an den Landgrenzen zurückweisen, also fast alle. 

Argus

1. Februar 2024 22:58

Hat mich sehr erfreut, mal wieder an den ehemaligen Innensenator von Berlin erinnert zu werden.
Die damalige vom Sudetendeutschen Verleger Herbert Fleißner ermöglichte "Ullstein-Report-Reihe" schlug prima in den 80igern ein:
Kompakt, relativ günstig und prägnant der Titel!
Neben "Asyl" von Heinrich Lummer gabs auch z.B. Jörg Haider oder Rainer Zittelmann.
Ich gebe gerne eine Begegnung mit Heinrich Lummer auf meinem Verbindungshaus wieder, auf dessen Einladung hin er zum Vortrag geladen war:
Nachdem der Fux ihm eine Berliner Weiße höflich hinstellte, -der Gast kommt schließlich aus Berlin!- sagte er zu mir: "Herr Vogt, bringen se mir mal en Bier!"
 
 
 

Franz Bettinger

2. Februar 2024 03:17

Der Sündenfall (einer Vermischung Kultur-Fremder) begann mit dem afrikanischen Sklaven-Handel in die Amerikas (etwa ab 1640), in weitgehend von weißen Siedlern und indianischen Ureinwohnern bewohnte Kontinente. Es ist paradox, dass die amerikanischen Hauptwerte Freiheit & Gleichheit neben der Sklaverei und dem dazugehörigen Rassismus blühen konnten. Okay, auch die Indianer, Azteken und Inkas kannten Sklaven, die aber - ein wesentlicher Unterschied - benachbarten Kulturen entstammten. Unter diesem schwarzen, weißen & mulattischen Nebeneinander leiden die Amerikas in zunehmendem Maße - und auch andere ehemalige Kolonialstaaten wie Holland, England & Frankreich. Deutschland nicht. D blühte & prosperierte, vielleicht gerade deswegen. Musste D deshalb spätestens ab 2015 daran glauben, zwangs-besiedelt und durchmischt werden, damit es diesen unschätzbaren Vorteil (weitgehender Homogenität) verlöre? Wie anders hätte man D nachhaltig in die Knie zwingen können? 

Klaus Kunde

2. Februar 2024 06:59

@ RMH  Sehr verkürzte Bemerkung meinerseits zur Einreise von Asylsuchenden seinerzeit von Ost- nach West-Berlin. Per Interflug nach Schönefeld, weiter mit Transitvisum über S-Bahnhof Friedrichstraße nach West-Berlin. Offenbarer Zweck des MfS: Destabilisierung. Auch kurdisch-libanesische Großfamilien daunter, Anzahl nicht mehr erinnerlich. Legende: Nexus zwischen verweigerter Arbeitserlaubnis und Kriminalität. Bereits Unterbringung in Sammelunterkünften zeigte sich höchst problematisch, Gewalttätigkeit männlicher Erwachsener, Kinder verhaltensauffällig, mehrheitlich unbeschulbar. Wohin die Reise gehen würde, war absehbar. Begrifflich heutzutage mit Clanstrukturen belegt.
Völlig anders, in etwa zeitgleich, vietnamesische Flüchtlinge, von der Cap Anamur aus dem südchinesischen Meer gefischt, sog. Boatpeople. Ankunft eines Kontingents am Flughafen Tegel im winterlichen Berlin, ausgemergelte, verängstigte Jammergestalten, in T-Shirts und Badelatschen. Zwei Großfamilien dabei, Sprecher, ein ehem. Major der südvietnamesischen Luftwaffe. Flucht vor Umerziehungslager, Tenor: Lieber tot als rot. Alle zutiefst dankbar für Aufnahme und willig zur Integration. Binnen Jahresfrist sprachen alle Deutsch, Kinder auf dem Gymnasium, der Ex-Major als Verkäufer für Herrenoberbekleidung bei Karstadt. Nach 2 bis 3 Jahren gesellschaftlich und kulturell völlig unauffällig, alles arbeitsame Leute.

Franz Bettinger

2. Februar 2024 08:04

@Artabanus: Die Alternative für Deutschland kann kein Recht durchsetzen in einer rechtlosen Zeit. Die AfD muss nur eins: stark werden. Praktisch denken! Theoretisieren war gestern. Alice Weidel macht das ganz richtig. @Klaus Kunde: Bravo. So war’s. 

Mitleser2

2. Februar 2024 09:37

@Bettinger: Interessante These. Aber die Migration begann ja schon weit vor 2015. Natürlich war da die Explosion. Ich denke aber eher, dass der Niedergang nicht an Clanstrukturen liegt, sondern an der Gesamtpolitik von 16 Jahren Merkel Abrißbirne. Die Frage bleibt, war das eigener Antrieb oder Fremdsteuerung?

Beta Jas

2. Februar 2024 11:30

Was hätte der Berliner Politiker Heinrich Lummer in der damaligen Bundesrepublik bewirkt? Nichts, er blieb weit abgeschlagen innerhalb der CDU und die Medien konzentrierten sich auf Michael Kühnen und andere und diskreditierten gezielt eine rechtsdemokratische Politik damit.
Erstaunlich aber das damals schon gegen den ideologischen Missbrauch angeschrieben wurde, insofern das offensichtlich der Artikel des Grundgesetzes eben nicht für politische Verfolgte angewendet wurde sondern inflationär Anwendung fand. Ganz zu schweigen davon das seit Jahren die Dämme gebrochen sind und niemand sich mehr die Mühe überhaupt noch macht Recht anzuwenden. Sie kommen, erhalten die Infrastruktur und das Geld und die Staatsbürgerschaft ist ein Katzensprung entfernt.

tearjerker

2. Februar 2024 11:32

Vom Asylrecht wie vom Rest des Sozialstaats profitieren vor Allem Deutsche. Das gute alte Deutschland den Deutschen beschreibt daher die Absichten besser als Remigration und ist wenigstens verständlich, denn schliesslich wollen die Unzufriedenen die Regeln nur für Landfremde ändern, weil sie fürchten beim Verteilen zu kurz zu kommen.

Uwe Lay

2. Februar 2024 11:32

Wer im Internetlexion Wikipedia den Artikel: "Remigration" nachliest, wird konstatieren, daß er lange Zeit hindurch ein verwendeter und akzeptierter Begriff auch der wissenschaftlichen Diskurse war. Erst durch die jetzigen "Enthüllungen" wurde er perhorresziert, indem er jetzt gleichgesetzt wird mit dem Begriff der Deportation. Das Ziel ist dabei dieser Vergleich: Wie die "Nazis" die Juden deportieren wollten, so wollen das jetzt ihre Nachfolger. Ob diese Verteufelung des Anliegens einer Repatriierung der hier illegal  Sichaufhaltenden Erfolg haben wird, ist noch nicht entschieden, aber die Diffamierungskampagne läuft auf Hochturen. Eines ist aber unverkennbar: Die Kampagne ist bei Machiavelli in die Schule gegangen, wohl einem der wirkmächtigsten Politikberater.

Beta Jas

2. Februar 2024 11:34

@Klaus Kunde
Sie schreiben von vietnamesische Flüchtlingen die von "Cap Anamur" aus dem südchinesischen Meer gefischt wurden, sog. Boatpeople. Weshalb wurden sie hierher nach Europa und dann nach Deutschland gebracht?! Wieso nicht Japan oder Südkorea? 

RMH

2. Februar 2024 12:00

"Weshalb wurden sie hierher nach Europa und dann nach Deutschland gebracht?! Wieso nicht Japan oder Südkorea?" 
Bitte differenzieren. Es kamen bei weiten nicht alle (es soll sehr, sehr viele Flüchtlinge aus Vietnam gegeben haben. Man schätzt, dass alleine eine Vietelmillion ertrunken sein sollen) nach Deutschland, die meisten wurden von den USA und Frankreich, als Kriegsbeteiligte, aufgenommen und viele auch in den Ländern im Asien-Pazifkraum. Natürlich bekam dann Deutschland auch etwas davon aufs Auge gedrückt und es kam zum erstenmal zu einer von Deutschland finanzierten Seenotrettungsmisson, Rupert Neudeck, Cab Anamur etc.

Engel 0102

2. Februar 2024 12:21

Das überschwängliche Lob der sog. Boatpeople kann ich schon lange nicht mehr hören. Sicher haben die sich viel besser gemacht als all die anderen Gruppen, dennoch bleibt die oben genannte Frage, warum die unbedingt nach Deutschland gebracht wurden. In der DDR und in Tschechien gab es die sog. Vertragsarbeiter aus Nordvietnam, die hier blieben und inzwischen den Schwarzmarkt für Zigaretten, Drogen und dergleichen beherrschen. Ich lebe im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet und weiß, wovon ich rede. Ich kann auf all die Massagesalons, Schnellimbisse und sog. Chinarestaurants verzichten. Keine Ahnung, ob das stimmt, aber mir wurde erzählt, dass die boatpeople in Wirklichkeit Chinesen waren, keine Vietnamesen. Das nur nebenbei.

Olmo

2. Februar 2024 15:19

Und wieder frage ich mich, ob Nikolai Alexander nicht recht hat. Was ist 2015 tatsächlich passiert? Wollen unsere Widersacher vielleicht, daß rechte Parteien überall in Europa an die Macht gespült werden, damit sie den Sündenbock für den kommenden Zusammenbruch geben, und die Rechtfertigung für die auf das Chaos folgende totalitäre Diktatur? 
 
 

Olmo

2. Februar 2024 16:21

Opa half den türkischen Nachbarn dabei, die Waschmaschine anzuschließen bzw. er tat es für sie. Er hielt den Innenhof sauber und war immer höflich, doch er beobachte mit Sorge die Orientalisierung seines Stadtteils. Er klagte über das Benehmen der ausländischen Kinder und die allgemeine Verwahrlosung der Gegend, die er auf die fehlenden Sitten der Migranten zurückführte. Ein deutscher Junge wurde vor einer Disco von einem Ausländer erstochen. Opa meinte, währe die Täter-Opfer-Konstellation umgekehrt gewesen, hätte es auf der Titelseite gestanden—der arme Junge—drei Zeilen hatten sie ihm gewidmet, irgendwo unten auf Seite X. Mein Opa prophezeite, ich würde vermutlich noch erleben, daß die Ausländer einen eigenen Staat fordern. Das alles war in den 90ern. Seit dem ist es nur schlimmer geworden. Wahlen nahm Opa nicht ernst, zuletzt wählte er Rettet die deutsche Mark. 
Doch auch Lob gab es, die Türken würden gut auf ihre Mädchen aufpassen. Wie er das Wort Mädchen aussprach, klingt mir immer noch in den Ohren. Ich vermisse ihn. 

das kapital

2. Februar 2024 18:43

@ Beta Jas Haben sich nicht Vietnamesen meist recht gut hier integriert ? ///Heinrich Lummer hat 1987 den Braten schon gerochen. 37 Jahre später ist das Feld bereitet. Deutschland offen Scheunentor. Die sichere Drittstaatenregelung von 1992/1993 hält niemand mehr ein. Die herrschende Klasse wünscht den Verfall von Deutschland und Europa. /// Die Probleme werden nicht gelöst, sondern diejenigen, die ein Problem sehen, werden verketzert. /// Warum ist es eigentlich "links", den Sozialstaat mit Migranten zu fluten ? Ist es nicht einfach nur strunzdumm? /// 

Jan

2. Februar 2024 20:11

@Klaus Kunde
"vietnamesische Flüchtlinge"
 
Ja, es hat mit ihnen besser geklappt als mit den Orientalen und den Afrikanern. Aber auch Asiaten sind keine Heiligen. Denken Sie an die vietnamesische Zigarettenmafia oder die ganzen Asia-Restaurants, die Schutzgeld abdrücken müssen. Eines der "schwersten Verbrechen der Nachkriegsgeschichte" ereignete sich 2007 im niedersächsischen Sittensen. Mehrere Vietnamesen überfielen ein China-Restaurant und verübten ein regelrechtes Massaker.
 
Im Gegensatz zu Arabern oder Türken vermeiden Ost-Asiaten direkte Konflikte mit der deutschen Gesellschaft. Die Wahrscheinlichkeit, abends von Chinesen oder Vietnamesen verprügelt oder erstochen zu werden, ist gleich null. Aber trotzdem: Ob Süd- und Osteuropa, Orient, Afrika oder Asien - es gibt fast keine Migrantengruppe, die nicht irgendeine Form von organisierter Kriminalität und Gewalt nach Deutschland gebracht hat. Die einen mehr, die anderen weniger.
 
Unterm Strich hat diese bald 70jährige Dauermigration dem Land mehr geschadet als genutzt. Die Gesellschaft zerfasert und das Land ist auf dem absteigenden Ast. Die schlechte Migrantenauswahl schlägt sich bei PISA nieder, während die Deutschen ihre ungeeignetsten Artgenossen an die Schalthebel der Macht lassen. 
 

Klaus Kunde

2. Februar 2024 22:21

Zur Erläuterung meiner kurzen Anmerkung zu den sog. Boatpeople:
Die von mir nur kurz skizzierten Bemerkungen zu jener Personengruppe entstammen meinen persönlichen Langzeiterfahrungen mit einem überschaubaren Kreis von Südvietnamesen. Auf ihr Reiseziel hatten sie selbst keinen Einfluß. Daß sich meine Erfahrungen auf in Deutschland lebende Ostasiaten im Ganzen übertragen lassen, sollte damit keineswegs unterstellt werden.

Kurativ

3. Februar 2024 06:54

Ich bin immer dafür, zuerst auf die eigenen Interessen (Deutschlands und von einem selber) zu schauen. Mit Leuten wie Lummer ist die Union, welche zumindest den Eindruck eigener (deutscher) Interessen zu vertreten, gestorben. Die AfD hat diese Elemente übernommen und zielt auf Konkretisierung.
Die Grenzübertreter können in Deutschland gehalten werden, weil Israel/USA Länder wie Syrien immer noch "völkerrechtswidrig" besetzt halten und bombardieren. Das wird durch die verbündete Bundesregierung unterstützt. Die Migration ist damit ein Gesamtproblem von NATO/EU und Transatlantiker, so wie den dahinter stehenden Eliten.

RMH

3. Februar 2024 11:31

"Die Grenzübertreter können in Deutschland gehalten werden, weil Israel/USA Länder wie Syrien immer noch "völkerrechtswidrig" besetzt halten und bombardieren..... Die Migration ist damit ein Gesamtproblem von NATO/EU und Transatlantiker, so wie den dahinter stehenden Eliten." Erstaunlicherweise habe andere Länder, die mit genau den genannten, "ewigen Böswichten" verbündet seind, offenbar überhaupt keine Problem damit, diese Leute abzuschieben. Und damit verkommt das Narrativ von wegen, man hätte nichts zu melden, so langsam aber sicher zu einer Ausrede. Eine Ausrede, die sogar das aktuelle Handeln der Regierung entschuldigen kann. Nein, aus der Verantwortung kann man diese nicht entlassen und insbesondere die SPD nicht, die aktuell nichts tut (was die Grünen freut) und stattdessen in alter sozialistischer Manier Demonstrationen gegen rechts befeuert. Zudem sind die Menschen aus Syrien (nicht alle davon sind echte Syrer) nur ein Teilaspekt des bunten Kosmos, der unsere Straßen bestimmt. Endlich die Grenzen dicht machen, dafür sorgen, dass die, die unstreitig kein Asyl haben, abgeschoben werden, wäre Zeichen, dass eine Regierung seriös ist, den Rechtsstaat umsetzt und ein Teil der Probleme wäre abgeschichtet. Es stört mich seit langem an vielen rechten Eckenstehern, dass sie nur herumraunen und mit dem Finger auf die üblichen Verdächtigen zeigen, statt einmal konkret zu sagen, so kann es gehen, warum macht man nicht wenigsten das? Die AfD macht das, was sie deutlich seröser erscheinen lässt, als manche Teile des angeblichen Vorfelds.

Daniel

3. Februar 2024 11:56

@ Kurativ. Zu viel RT geschaut? Es sind doch gerade die Russen, die in Syrien seit Jahren massive Luftschläge gegen Rebellengebiete durchführen. Ohne die russische Unterstützung hätte sich Assad wahrscheinlich dort auch nicht halten können (ob die Alternativen besser gewesen wären, kann dahin gestellt bleiben). Jedenfalls ist es nun schwer, die wieder loszuwerden, weil sich die meisten als Oppositionelle ausgegeben haben (auch wenn es mitunter vorkommen soll, dass der ein oder andere zum Urlaub nach Damaskus fährt).

fw87

3. Februar 2024 13:18

Sehr guter Artikel! Er zeigt auch, dass es immer mal wieder gute Leute in der CDU geben hat. Im Großen und Ganzen ist die CDU/CSU aber immer bürgerliche Partei geblieben ohne substanzielle politische Inhalte. Das ist zumindest mein Eindruck. Leute die wirklich sozialkonservativ und christlich gedacht haben, wie z. B. Alois Hundhammer, konnten sich in den C-Parteien nie durchsetzen. Eine wirklich konservative Partei hätte sich m. E. vor allem auf Familien- und Bildungspolitik konzentrieren sollen, nicht auf Wirtschaftswachstum. Die Linken haben diese Bereiche übernommen und wir sehen heute die Folgen. Die AfD könnte aus dieser Geschichte lernen: Mehr am politischen Pofil arbeiten und sich nicht so sehr auf ein "Bürgertum" konzentrieren. Thor von Waldstein hat ja schon eine hervorragende Kritik an diesem Begriff geliefert, von der ich hoffe, dass sie in den Kreisen der AfD gehört wird. 

Artabanus

3. Februar 2024 13:48

Kurativ hat einen wichtigen Punkt angedeutet:
Die meisten der hier landenden Einwanderer kommen aus Ländern, die von den USA zerstört wurden und werden. Die buchstäbliche Sucht der USA nach Krieg macht eine Neuausrichtung der Deutschen und Europäischen Außen- und Sicherheitspolitik unausweichlich, falls man überleben möchte.

dojon86

3. Februar 2024 22:27

@Engel 0102 Ja, dass die boat people zum guten Teil Chinesen waren, habe ich schon bei Scholl Latour gelesen. (Der Tod im Reisfeld) Wie alle Kolonialisten waren auch die Franzosen in Indochina an der ethnischen Zusammensetzung ihrer Arbeitskräfte nicht interessiert und förderten die Einwanderung. Vietnamesische Kommunisten waren zuvorderst Nationalisten und vermutlich nicht undankbar, ihre starke chinesische Minderheit nach 1975 zumindest teilweise loszuwerden. Aber immerhin sind diese Menschen heute nicht unser großes Problem. Und wer westdeutsche Großstädte kennt und in ihnen lebt, dem erscheint das bayrisch-tschechische Grenzgebiet geradezu als idyllisch.

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