27. August 2009

Ein paar polnische Grenzverletzungen

von Götz Kubitschek / 13 Kommentare

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

schlagbaumund Übergriffe auf deutsches Reichsgebiet sollten wir uns in Erinnerung rufen, jetzt, da kurz vor dem 70. Jahrestag des Kriegsbeginns die polnische Regierung und die deutsche Bundeskanzlerin alles tun, um die Henker- und die Opferrolle ohne Graustufen, sondern eindeutig Schwarz und Weiß zu verteilen. Ich bitte um Ergänzung meines Anfangs:


23. August 1939
Weisungsgemäß fliegen die deutschen Verkehrsmaschinen seit gestern abend nicht mehr durch die vorgeschriebenen Zonen über dem polnischen Korridor, sondern müssen den Umweg über die Ostseemachen.
Gegen 11.25 Uhr ist die fahrplanmäßige Verkehrsmaschine Berlin-Danzig-Königsberg in der Nähe von Heisternest, auf der Halbinsel Hela, von polnischer Seite scharf beschossen worden. Die Maschine befand sich etwa sechs Seemeilen von der Küste entfernt und flog in einer Höhe von etwa 50 m. Die Schüsse lagen etwa je 50 m seitlich der Maschine sowie vor dem Flugzeug. Nur durch Zufall wurde das Flugzeug nicht getroffen.

24. August 1939
Das Flugzeug D-APUP, Typ Savoia, Flugzeugführer Böhner, ist auf dem Flug von Danzig nach Berlin um 13.15 Uhr vor Hela aus und auch von einem 40 km von der Küste liegenden polnischen Kreuzer durch Flak beschossen worden. Die Entfernung des Flugzeuges von der Halbinsel Hela betrug 15 bis 20 km, die Flughöhe 1500 m. Sprengwolken von 8 Schüssen wurden in größerer Entfernung von der Maschine beobachtet.
2. Das Flugzeug D-AMYO, Typ Ju 86, Flugzeugführer Neumann, wurde auf dem Flug von Danzig nach Berlin um 16 Uhr von der Halbinsel Hela aus beschossen. Entfernung von der Küste 5 bis 6 Seemeilen, Flughöhe 1 200 m. Die Schüsse lagen zu kurz.

(Im übrigen: Das Netz-gegen-Nazis hat unter der Überschrift "Nazi-Argumente: Verbrechen an den Deutschen in Polen" ein Heimspiel austragen wollen -- ist gründlich schiefgegangen.)

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (13)

MS
27. August 2009 11:44
28. August 1939

Meldung der Staatspolizeistelle Elbing:
Gegen 0.30 Uhr wurden von einer deutschen Feldwache, die an der Eisenbahnbrücke Deutsch-Eylau - Neumark lag, mehere polnische Soldaten auf deutschen Gebiet gesichtet. Als die Feldwache Feuer gab, verschwanden die Polen im Walde, wobei sie das Feuer erwiderten.

Meldung der Staatspolizeistelle Oppeln:
Gegen 1.00 Uhr wurden auf dem alten von Ratibor nach Hohenbirken/Ostoberschlesien führenden Promenadenweg marschierende polnische Truppen von einem deutschen Flakkommando gesichtet, als sie die Reichsgrenze etwa 150 Meter überschritten hatten. Das Flakkommando eröffnete daraufhin das Feuer, worauf sich die polnischen Truppen zurückzogen.

Meldung der Staatspolizeistelle Elbing:
Gegen 1.45 Uhr wurde die Feldwache in Alt-Eiche (...) von regulären polnischen Truppen überfallen. Zunächst griffen die Polen eine Gruppe der Grenzwacht an, die an dem dortigen Grenzübergang postiert war und sich daraufhin zum Bahnhof Alt-Eiche zurückzog. In diesem Augenblick kamen aus einer anderen Richtung etwa zehn polnische Soldaten, welche zum Sturmangriff ansetzten. (...) Hierdurch wurde der Gefreite Grudzinski aus Hansdorf tödlich getroffen und ein weiterer deutscher Schütze an der Schulter verletzt. Die polnischen Soldaten zogen sich sodann wieder auf polnisches Gebiet zurück.
MS
27. August 2009 12:40
Vielleicht scheint zu obigen Zwischenfällen noch ein kurzer Kommentar angebracht: Ich habe diese aus einer Liste des Auswärtigen Amtes über amtliche Meldungen zu Grenzzwischenfällen während der letzten Vorkriegswoche herausgepickt.
Ein wenig Unbehagen bereitet mir als Student der Geschichte dabei naturgemäß, daß der Autor des Buches, in dem ich diese Liste gefunden habe, leider keinen Quellenbeleg bringt. Ich halte diese Meldungen dennoch für glaubwürdig. Derartige Scharmützel waren gar nicht mal so selten (siehe auch Stefan Scheils Artikel "Der Stand der Dinge" aus der aktuellen Druckausgabe, S.17).

Wer möchte, kann diese Liste einsehen und sich eine eigene Meinung bilden:

Sebastian
27. August 2009 15:18
30. August

Meldung der Staatspolizeitstelle Breslau
Um 13.40 Uhr wurde der Zollbetriebsassistent Dippe von einem polnischen Grenzposten mit Gewehr beschossen, als er sich in einem Wäldchen bei Neu-Vorberg an der Straße Lesten-Tharlang aufhielt.

Meldung des Hauptzollamtes Beuthen
Gegen 21.45 Uhr wurde von polnischem Militär wiederholt auf deutsches Gebiet in der Nähe des Zollamtes III Beuthen Schüsse abgegeben. Zunächst erfolgten etwa 20 bis 30 Pistolenschüsse über die Straße beim Zollamt hinweg in Richtung auf den Grubenhof der Beuthen-Grube, die etwa 10 m vor der dritten Gruppe eines dort befindlichen Zuges der 8. Grenzwachkompanie einschlugen. Es folgten dann 10 bis 15 Gewehrschüsse und unmittelbar darauf weitere vier bis fünf Schuss, die von einer Maschinenpistole herrührten. Das Feuer wurde von deutscher Seite nicht erwidert.
Fritz
27. August 2009 20:39
Wir wissen, dass Politik und Geschichte nicht schwarz-weiß ist sondern viele Farbzwischentöne beinhaltet. Gleichzeitig wird in jeder Zeitepoche von den dann tonangebenden Kreisen die abgelaufene Geschichte als Steinbruch verwendet. Die Steine, die für aktuelle politische Absichten in irgendeiner Form Verwendung finden können, werden an das Tageslicht gebracht, andere Steine wiederum werden tief verscharrt oder zur Unkenntlichkeit vermauert. In der Hoffnung, dass sie für immer vergessen werden. Orwell sprach von der Grammophon-Mentalität der Masse, die ohne eigenes Wissen nachplappert und mitsingt, was gerade angesagt ist.

George Orwell schildert die Haltung der britischen Intelligenzia während des 2. Weltkrieges in einem Vorwort zu seinem weltberühmten Buch "Animal Farm":
" From that tradition many of our intellectuals are visibly turning away. They have accepted the principle that a book should be published or suppressed, praised or damned, not on its merits but according to political expediency. And others who do not actually hold this view assent to it from sheer cowardice. An example of this is the failure of the numerous and vocal English pacifists to raise their voices against the prevalent worship of Russian militarism. According to those pacifists, all violence is evil and they have urged us at every stage of the war to give in or at least to make a compromise peace. But how many of them have ever suggested that war is also evil when it is waged by the Red Army? Apparently the Russians have a right to defend themselves, whereas for us to do [so] is a deadly sin. One can only explain this contradiction in one way: that is, by a cowardly desire to keep in with the bulk of the intelligentsia, whose patriotism is directed towards the USSR rather than towards Britain. I know that the English intelligentsia have plenty of reason for their timidity and dishonesty, indeed I know by heart the arguments by which they justify themselves. But at least let us have no more nonsense about defending liberty against Fascism. If liberty means anything at all it means the right to tell people what they do not want to hear." (vollständiger Text siehe: http://home.iprimus.com.au/korob/Orwell.html )

Wie war und ist das mit der deutschen "Intelligenzia"?

Wer sich für sich für deutsche Gedanken über eine alternative, konstuktive deutsche Ostpoltik nach dem 2. Weltkrieg interessiert, dem empfehle ich die Kenntnisnahme des alten deutschen Diplomaten Richard Meyer von Achenbach (1883 - 1956), ein Kenner der Lage vor, während und nach dem 2. Weltkrieg. Ein Buch hierzu: Richard Meyer von Achenbach: Gedanken über eine konstruktive deutsche Ostpolitik - Eine unterdrückte Denkschrift aus dem Jahr 1953. Hrsg. von Julius H. Schoeps. Frankfurt/Main: Athenäum, 1986. ISBN 3-7610-8414-5.

Ein Auszug aus Meyer von Achenbachs Lageanalyse S. 67/68: "Der Chauvinismus der Polen ist bekanntlich unersättlich und es gibt weder nach dem Westen noch nach dem Osten hin irgendwelche politische, ethnographische oder wirtschaftliche Argumente, die Polen gegen seine Expansionsbestrebungen gelten lassen würde. Es dürfte schwer zu entscheiden sein, ob die kommunistischen Polen in Warschau mehr oder weniger chauvinistisch sind als die Emigranten in den Vereinigten Staaten, in England und anderwärts."

Zum Leben und zur Person Richard Meyer von Achenbachs siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Meyer_(Diplomat) .
enickmar
27. August 2009 20:51
Vielleicht sind ein paar interne Einschätzungen der britischen Diplomatie über das Benehmen der Polen gegenüber der deutschen Minderheit auch ganz aufschlußreich.

Die Verfolgung der Volksdeutschen in Polen, die der britische Botschafter in Berlin, Neville Henderson, offiziell zum ,,untergeordneten Punkt‘‘ bagatellisierte, hatte er an den Vortagen in Telegrammen an den britischen Außenminister Halifax wie folgt kommentiert.


Am 21. 8. 1939 an Halifax:

,,... Tatbestand bleibt, daß es gegenwärtig wahrscheinlich nicht weniger als 10.000 Flüchtlinge in Deutschland gibt, daß deutsche Institutionen systematisch geschlossen werden, deutsche Arbeiter entlassen werden usw. Man muß zur Kenntnis nehmen, daß der Konflikt gegenwärtig über Danzig hinausgegangen ist. Hitler kann hinsichtlich der Freien Stadt zur Geduld gedrängt werden, aber es würde dem entgegengesetzten Zweck dienen, sie hinsichtlich der Verfolgung der deutschen Minderheit zu predigen. Ich versuche nicht, die Schuld aufzuteilen, sondern Tatsachen festzustellen. Zur Regelung der Minderheitenfrage scheint mir ein direkter und sofortiger Kontakt zwischen Warschau und Berlin wesentlich."
(Doc. on British Foreign Policy 1919 - 1939 Vol. VII Doc. 112.)


Ebenfalls am 21. 8. 1939 an Halifax:

,,Gestern trank ich mit einem meiner Freunde (gemeint war der Staatssekratär im Auswärtigen Amt Ernst v. Weizsäcker) Tee, und er bestand nachhaltig auf einer sofortigen Aktion. Obwohl er Übertreibungen der Presse zugab, versicherte er mir, daß das, was vor sich ginge, eine Art erzwungener deutscher Abwanderung aus Polen wäre, wo man keinem Deutschen erlaube, einen Lebensunterhalt zu finden. Das ist eine dringliche Frage.
Ich sprach von Geduld, und er sagte sofort, daß die bloße Erwähnung dieses Wortes Hitler zur Raserei bringen würde. Das Hauptproblem ist heute nicht Danzig, sondern die Minderheitenfrage. ...
Der hiesige Korrespondent der "Times" hat mir soeben berichtet, daß er gestern mit seinem Warschauer Kollegen telefoniert habe, der ihm erklärte, daß sich die Polen ,unglaublich töricht‘ benähmen.
‘‘
(Doc. on British Foreign Policy 1919 - 1939 Vol. VII Doc. 117.)


Am 24. 8. 1939 an Halifax:

,,Die Antwort von Herrn Hitler weist deutlich darauf hin, daß die gegenwärtige Frage nicht so sehr Danzig und der Korridor ist, die ohne weiteres bis zu einer späteren Lösung verschoben werden kann, als vielmehr die Verfolgung der deutschen Minderheit. ... Es gibt keinen Zweifel darüber, daß Grund für deutsche Beschwerden in dieser Hinsicht weitgehend vorhanden ist. Das Enteignungsgesetz, auf das im Warschau-Telegramm Nr. 271 hingewiesen worden ist, ist für mich - und ich gebe das zu bedenken - das grundlegende Anzeichen einer sehr verständlichen, aber gleichwohl inopportunen Bemühung, die deutsche Bevölkerung in Polen unter dem Schutz der Garantien der Westmächte loszuwerden.‘‘
(Doc. on British Foreign Policy 1919 - 1939 Vol. VII Doc. 219.)
enickmar
27. August 2009 21:26
Eine unter zig Meldungen aus dem August 1939 .
Meldung der Staatspolizeistelle Elbing vom 28 August 1939:

,,Gegen 1.45 Uhr wurde die Feldwache in Alt-Eiche, Kreis Rosenberg, Westpreußen, von regulären polnischen Truppen überfallen. Zunächst griffen die Polen eine Gruppe der Grenzwacht an, die an dem dortigen Grenzübergang postiert war und sich daraufhin bis zum Bahnhof Alt-Eiche zurückzog. In diesem Augenblick kamen aus einer anderen Richtung etwa 10 polnische Soldaten, welche zum Sturmangriff ansetzten. Die deutsche Gruppe ging nunmehr wieder in Stellung und eröffnete das Feuer. Die Polen waren in Schützenlinie ausgeschwärmt uns schossen ebenfalls. Hierdurch wurde der Gefreite Grudzinski aus Hansdorf tödlich getroffen und ein weiterer deutscher Schütze an der Schulter verletzt. Die polnischen Soldaten zogen sich sodann wieder auf polnisches Gebiet zurück.‘‘

(Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges (Deutsches Weißbuch), Auswärtiges Amt, Berlin 1939, S. 441)
corvusacerbus
27. August 2009 21:49
Ich habe "nur" Erinnerungen an Erzählungen aus meiner Kindheit und Jugend beizusteuern, wenn im Familienkreis von Reisen durch den polnischen Korridor berichtet wurde. Vor allem Mutter und Großmutter hatten manche Geschichte parat, wie sie von den polnischen Grenzsoldaten und Zugschaffnern drangsaliert wurden (von stundenlangem Warten in größter Hitze, ohne die Möglichkeit auszutreten oder, um sich die Füße zu vertreten, den Zug zu verlassen, war die Rede). Vor allem für meine Mutter, die ein junges Mädchen war, hatten diese Erlebnisse traumatischen Charakter, auch wenn das durch die Sommerfrische in Ostpreußen - so hieß das damals, ein wunderbares Wort das - die Zweck und Ziel der Reise in die Heimat des Großvaters war, in den Schatten gestellt werden konnte (die Familie hatte es der Arbeit wegen in den 20iger Jahren ins Ruhrgebiet verschlagen). Auch hier geht es im Übrigen nicht um irgendwelche historischen Auf- und Gegenrechnereien, es geht einfach um die historische Wahrheit bzw. um die vielen historischen Wirklichkeiten, aus der sich diese Wahrheit zusammensetzt. In meiner Familie jedenfalls waren die Polen im Rahmen unserer subjektiven oral history diejenigen, die durch ihre Borniertheit und Unverschämtheit des Grenzregimes und der Korridorverwaltung die Voraussetzungen für eine bewaffnete Auseinandersetzung geschaffen hatten - die Rede war von polnischen Provokationen, die einfach nur darin enden konnten, daß Deutschland bewaffnet dagegen halten müsse. Es bedurfte keiner nationalsozialistischen oder sonstwie gearteten Propaganda, um diese Ansicht zu haben, sie beruhte vielmehr auf den eigenen Erfahrungen der Reisen durch den Korridor.
Bauer Gerhard
28. August 2009 09:18
http://www.vorkriegsgeschichte.de/content/view/28/44/

Auf dieser Netzseite wird von Gerd Schultze-Rhonhof die Vorgeschichte des 2. Weltkrieges sehr gut aufgearbeitet.
jona
28. August 2009 13:04
Polnische Ausschreitungen gegen die deutschen Minderheiten in Oberschlesien (1930).

Der Reichsminister des Auswärtigen teilte mit, daß Generalkonsul von Grünau nach Kattowitz entsandt sei und Mittwoch zur Berichterstattung wieder in Berlin sein werde. Vor weiteren Schritten werde jedenfalls sein Bericht abzuwarten sein, da noch kein authentisches Material vorliege. Falls der Aufruhrzustand in Polnisch-Oberschlesien andauere, werde ein Antrag auf sofortige Zusammenberufung des Völkerbundrats zu erwägen sein. Sollte die äußere Ruhe jetzt wieder hergestellt werden, so werde Beschwerde über die Ereignisse beim Völkerbund in Genf zu führen sein, worüber dann eine Beratung im Januar zu erwarten sei. Von einem Protest in Warschau versprach sich der Reichsminister des Auswärtigen keine Wirkung.
Der Reichsminister des Innern erklärte nach Mitteilungen, die er von dem Reichstagsabgeordneten Ulitzka erhalten habe, müsse man schwere Befürchtungen hegen. Auch in Deutsch-Oberschlesien herrsche eine Aufregung wie im Jahre 1920.
Der Reichskanzler stellte zur Erwägung, ob nicht doch auch eine Demarche in Warschau vorgenommen werden solle.
Der Reichsminister des Auswärtigen erklärte sich bereit, den Abgeordneten Ulitzka im Laufe des Tages zu empfangen und mit größter Beschleunigung alle erfolgversprechenden Schritte in dieser Angelegenheit zu tun. Von einem diplomatischen Schritt in Warschau könne man sich erfahrungsgemäß leider nur wenig Wirkung versprechen.


http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/0020/bru/bru1p/kap1_2/kap2_173/para3_1.html#Start
enickmar
28. August 2009 17:26
Die von mir eingestellte Meldung aus Elbing (28. August ) wurde schon weiter oben von ,,MS‘‘ erwähnt.
Daher hier noch zwei andere Meldungen (von vor und nach dem 28.08.39).

Meldung des Oberfinanzpräsidenten Ostpreußen:

,,In der Nacht vom 25. Zum 26. August wurden die auf deutschem Gebiet gelegenen Teile der Straßenbrücke und der Eisenbahnbrücke Zandersfelde-Neuliebenau von polnischem Militär gesprengt und völlig zerstört.‘‘


Meldung der Staatspolizeistelle Köslin vom 29. August 1939:

,,In den frühen Morgenstunden führten polnische Grenzschutzsoldaten einen Feuerüberfall auf das deutsche Zollhaus Sonnenwalde-Bahnhof aus.
Bei der Abwehr wurden ein deutscher Bezirkszollkommissar und ein deutscher Hilfsgrenzangestellter verwundet.‘‘


(Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges (Deutsches Weißbuch), Auswärtiges Amt, Berlin 1939, Dokument Nr. 470, S. 438 ff. Das Dokument 470 enthält 44 amtliche Meldungen über schwere Grenzzwischenfälle an der deutsch-polnichen Grenze zwischen dem 25. und dem 31. August 1939.)


Der in der Bundesrepublik Deutschland sehr gut etablierte schweizer Historiker Walther Hofer hat diese Grenzzwischenfälle in seinem Buch ,,Die Entfesselung des Zweiten Weltkriegs‘‘ einzeln zitiert. Hofer listet offenbar auch polnische Meldungen über grenzübergreifende deutsche Aktivitäten (soweit zu ersehen, vergleichsweise leichterer Art) auf. Das Buch ist in Teilen, darunter auch einige der erwähnten Zitate, im Internetz einsehbar:

http://books.google.de/books?id=W80Md-C7ASsC&pg=RA1-PA95&dq=Grenzzwischenfälle+deutscher+Sicht#v=onepage&q=Grenzzwischenfälle%20deutscher%20Sicht&f=false
torsade
30. August 2009 11:10
Nun ausgerechnet Walther Hofer in diesem Zusammmenhang zu diskutieren ist mutig, wenn nicht dreist. Ein Studium des gesamten Buches "Die Entfesselung des Zweiten Weltkriegs" ist selbstverständlich zu empfehlen. Interessant sind aber bereits das Vorwort und das Kapitel "Gibt es eine Kriegschuldfrage 1939?":

Alle Bemühungen, den Krieg doch noch zu vermeiden, prallten am unbändigen Kriegswillen Hitlers ab. Selbst der Außenminister des verbündeten Italiens befand, "die Deutschen seien vom Dämon der Zerstörung besessen" (Ciano am 12. August 1939).


Dies ist und bleibt die Grunderkenntnis: die Einsicht in den prinzipiellen Kriegswillen Hitlers, der grundsätzlich unabhängig gewesen ist von wechselnden politisch-diplomatischen Situationen und der, auch dafür gibt es genügend Zeugnisse, unbegrenzt war, mindestens so unbegrenzt, bis kein Gegner mehr in dem von Hitler beanspruchten Herrschaftsbereich vorhanden sein würde.


In diesem Zusammenhang muss auch die im Artikel "Kriegsbeginn 1. September" von Stefan Scheil unterstellte Nähe von A.J.P. Taylor und D. Hoggan hinterfragt werden.

A.J.P. Taylor hat sich stets von D. Hoggan distanziert. Unabhängig von aller Kritik an A.J.P. Taylor ist es ihm zu danken, dass er Hitler als Mensch in einen engen Bezug zu seiner Zeit bzw. zu seinen Mitmenschen setzte. Dies gilt insbesondere auch für Hitlers fanatischen Antisemitismus, welchen A.J.P. Taylor eng mit dem Antisemitismus von Millionen Deutschen und Östereichern verwoben sah.

Insgesamt wäre es eine Freude, wenn die 'Sezession im Netz' die Gelegenheit dieses Jahrestages nutzen würde, die Perspektiven eines friedlichen Zusammenlebens von Deutschen und Polen im Europa des 21. Jahrhundert zu diskutieren.
enickmar
31. August 2009 16:37
Walter Hofer wurde nicht ,,diskutiert''. Es wurde bloß darauf hingewiesen, daß er, der in der Bundesrepublik etablierte Historiker (natürlich weitgehend als Vertreter eines entsprechend etablierten Geschichtsbildes), die besagten Vorfälle in seinem Buch einzeln auflistet und dieses im Internetz teilweise einsehbar ist.
Im Übrigen gehört ja Hitlers riskantes Vabanquespiel und seine entsprechend dazu gehörende Bereitschaft zum Krieg, also sein unter bestimmten Umständen vorhandener Kriegswille, eben durchaus auch mit zu einer differenzierten Sicht auf die Geschichte und ihrer Darstellung mit Graustufen.
Hohenstaufer
02. September 2009 13:46
Ein paar Dokumente polnischer Vertreibungsplanungen:

Adolf Wolf: Die Vorbereitung der Vertreibung der Deutschen durch die
tschechische und die polnische Exilregierung 1935 - 1941. - In: Preußische Mitteilungen, 37. Jg., Nr. 187 (2007), S. 9-11.

Nachzulesen unter: http://home.arcor.de/tul/pi/pm187.pdf

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