Aber was trägt Erziehung aus? Ist sie eine gerade Bahn? Ums mal ganz pauschal zu sagen: Zwei meiner Kinder kamen ganz ohne Pubertätsphänomene aus. (Begabt, durch Stipendien befördert. Beide bis heute wirklich extreme Lebenswege, extrem gute,sag ich, wenn auch andere wohl, als vom Stipendiengeber gedacht. Will so ein Stipendiengeber, daß du in ganz jungen Jahren den Dr. machst, um nebenbei vier Kinder in die Welt zu setzen und dann lange zu pausieren?) Zwei Kinder zeigten heftige, drei geringfügigen – Phänomenen.
All diese Kleinen sind (mit Ausnahme der Jüngsten, die Nesthäkchenstatus hat und somit eh ALLES darf – sagen ihre älteren Geschwister, wenn man sie fragt, und es ist wahr) mittlerweile so groß, daß man darüber frei reden kann. Denn alle haben – so oder so – ihr Leben ziemlich gut im Griff und machen ihr Ding.
Die eine wird mal als „Consoomie“ abgeklatscht, die andere als die mit dem Askese-Tick. Alles befindet sich schön im Rahmen. Alle Entscheidungen dieser jungen Erwachsenen mögen Gründe haben, die sicher auch in den Erziehungsmethoden wurzeln. Interessant, daß es so unterschiedlich, ja gegensätzlich ausschlägt! Daß alle sieben irgendwie zusammenhalten, ist für mich ein großes Glück – wenn nicht mein überhaupt größtes!
Als Eltern muß man ohnehin irgendwann loslassen, wenn ein erwachsenes Kind eine andere Grundsatzentscheidung trifft, als man selbst es je getan hätte – man hat ja alles gegeben! (Behaupte ich für mich. Die Kinder waren immer Hauptsache, egal, wie hart nach außen gekämpft werden mußte.)
Was dann daraus gemacht wird, kann man allenfalls bestaunen – und schauen, daß der Beziehungsdraht bestehen bleibt. Ich halte das für eminent wichtig. Man darf die Beziehung zu den Kindern niemals und um keinen Preis aufgeben, koste es, was es wolle!
Denn ich kenne genügend Leute, auch aus dem „weltanschaulichem“ Nahbereich, die „Schluß gemacht“ haben mit ihren Kindern, die “aus dem Ruder” liefen: Wegen Homosexualität; weil das Kind nach der Scheidung zur Mutter/zum Vater hielt; weil es sich einer veganen Sekte anschloß; weil stur dem Impfregime folgte; weil es sich partout nicht abbringen ließ von Amphetaminen etc pp.
Ein solcher Abschied vom (erwachsenen) Kind mag jeweils einer gewissen Verzweiflung geschuldet sein und einer bestimmten Idee von „Konsequenz“, – aber es ist definitiv nicht gut! “Konsequenz” hat in Familienbanden meines Erachtens ohnehin wenig zu suchen, jedenfalls nicht im großen Stil, der dann “Verbannung” hieße.
Blut sollte stets dicker sein als Wasser. Kinder können fehlgehen. Sie bleiben die eigenen Kinder, auf Gedeih und Verderb!
Eine gute Bekannte, die hier mitliest, hat eine lesbische Tochter, die wiederum ein Kind aus einer Samenspende austrug. Sie, die Bekannte, war (ist!) eine verdammt gute Mutter, hatte ihre eigene (erfolgsversprechende) Karriere zurückgestellt, um für die Kinder da zu sein. Sie haßt natürlich die dahinterstehende Ideologie und diese vermaledeite Technologie – wie hat sie der Tochter die Leviten gelesen! Aber es bleibt ihre Tochter, und zwar auf Teufel komm raus.
Eine andere Freundin hat einen Sohn, der wahnsinnig verliebt ist in eine Linke. Vor einiger Zeit wurde sie schwanger von ihm. Sie (natürlich mit schwieriger persönlicher “Geschichte”) will keine Kinder, machte daher einen Abbruch und sagte sogar, das würde sie es SEHR GERN immer wieder tun. Der Sohn war dagegen, sogar unter Tränen, hat der Freundin aber letztlich den Rücken gestärkt. Meine Freundin hatte dann den Kontakt zu ihrem Kind abgebrochen. Für zweieinhalb Wochen. Denn: Er bleibt ihr Sohn.
Zurück zu meinen eigenen Leuten: Wer je unter den Kindern die größte Zicke, der nervigste Problembär war, wird am Tisch immer mal besprochen. Alle behaupten natürlich, sie zählten damals zu den “Vernünftigen” im Pubertätsrahmen. Und dann wird (Spaß!) aufgezählt und vorgehalten:
Wer bitte ist mit Gin Tonic in der Schule aufgefallen? – Wer mußte Strafstunden absolvieren, weil sie dummes Zeug an die Tafel geschmiert hat? – Wer hat sich stundenlang im Zimmer verbarrikadiert und dabei alberne Musik gehört? – Wer war es, wegen der es eine Klassenkonferenz gab? – Wer hat den Papa mit gewissen Klamotten zur Weißglut getrieben?
Jaja, so kann man gut lästern & genüßlich frönen, wenn die kritischen Phasen vorbei sind und alle ein durchaus vernünftiges Leben führen!
Dabei ist „Pubertät“ echt harter Tobak. Die Kinder sind (online wie live) umgeben von Peers, die depressiv, eßgestört, promiskuitiv, queer, aufmerksamkeitsgestört oder wenigstens „hochsensibel“ sind. Wie soll da bitte nichts abfärben? Leichter, um es biblisch zu sagen, geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Jugendlicher unbeschadet durch die Pubertät.
Jonathan Haidt hat es in seinem jüngsten Buch, man möchte sagen: seiner Fibel, abermals auf den Punkt gebracht: „Smartphones sind Seelenkiller“! (Formulierung von Martin Lichtmesz.)
Verzeiht Euren Kindern einfach alles. Sie sind Teil dieser quantitativ homemade kleinen Generation (denn wer, bitte, überschreitet die Zahl von 1,3 selbstgemachten Kindern?) und zudem Teil einer Kohorte, die so gehirngewaschen wurde wie keine zuvor. Es kann nur besser werden.
Dranbleiben, immer. So wichtig! Auch jedes Kind, das bereits in den sogenannten Brunnen gefallen ist, ist der Rettung würdig. Auch wenn sie mal fehlgehen, bleiben unsere Kinder unsere Leute, immer! Nicht nörgeln, einfach: dranbleiben.
Je freier die Institution des Volkes, desto strenger muß die Erziehung sein. Das ist einer meiner fundamentalsten Erziehungsgrundsätze
sagte Adolph Diesterweg. Diesterweg lebte vor rund 250 Jahren. Was er, Adolph D., zu einer heutigen “Diesterweg-Schule” sagen würde, ist leider unklar.

Maiordomus
Der Satz von Diesterweg ist weniger veraltet als der von Kant, der regelmässig als Autorität zitiert wird, wiewohl selbst seine klügsten Vorschläge nur fruchtbare Fragestellungen sind und sein damaliges Allgemeinwissen stark vorurteilsbezogen, siehe seine Bemerkungen über fremde Völker, die wikipediaähnliches Lexikonwissen waren oder Ausdruck seiner Lektüre vor allem britischer Zeitungen mit Klischees, die heute unter Rassismus subsumiert werden. Dabei bleibt Kant als Menschenbildner tiefsinnig, siehe seine Ahnungen vom Radikal-Bösen, die ihn in die Nähe von Augustinus rücken aber auch zum strengen puritanischen Protestantismus, siehe leider zwar menschenferne Vorstellungen von Sexualität, unter dem Niveau der bestgebildeten kath. Theologen des Mittelalters.
Nicht nur der Mensch muss erzogen werden, das galt schon immer auch für die Wolfsartigen, heute den Hund, und ohne einschlägige Gesangserziehung züchten sie keinen Kanarienvogel von Weltklasse, wobei leider gerade diese Erziehung oft Tierquälerei ist, so wie die Erziehung der Kinder der Familien Bach, Mozart und Bernoulli Menschenquälereiwar , erst recht die Erziehung von Friedrich dem Grossen. Immerhin braucht jede Erziehung Spielraum, sollte sie wirklich Spitzenresultate hervorbringen. Vgl. den besten Erziehungsroman der dt. Literatur, Anton Reiser von Karl Philipp Moritz (1785).