Kritik der Woche (69): Zwischen Reich und Republik

von Thor v. Waldstein -- Wer zu den Weißmann-Lesern der ersten Stunde gehört und die meisten seiner Schriften der vergangenen vier Jahrzehnte, allen voran seine glänzenden Pionierwerke zur (Ideen-) Geschichte des Dritten Reiches (Der nationale Sozialismus, 1998; Der Weg in den Abgrund, 1995) mit Gewinn gelesen hat, legt sein neues Buch über die Geschichte der deutschen Nachkriegsrechten einigermaßen ratlos aus der Hand.

Die Beden­ken begin­nen schon bei der äuße­ren Auf­ma­chung: Das in Groß-Oktav for­ma­tier­te Buch weist neben dem Text auf nahe­zu jeder Sei­te Foto­gra­phien von Wahl­pla­ka­ten, Buch‑, Zeit­schrif­ten- und Zei­tungs­ti­teln, Par­tei­em­ble­men, Ansteck­na­deln, Poli­ti­kern und vie­les ande­re mehr auf. Die­se illus­trier­ten­haf­te Über-Bebil­de­rung, die zudem das Buch unnö­tig ver­teu­ert haben dürf­te, steht der eigent­li­chen Auf­ga­be eines sol­chen Wer­kes ent­ge­gen, eine nüch­ter­ne Ana­ly­se der his­to­ri­schen Fak­ten und der poli­ti­schen Hin­ter­grün­de vorzulegen.

Sodann bleibt unklar, nach wel­chen Kri­te­ri­en Weiß­mann sein The­men­ge­biet abge­steckt hat. Das par­tei­po­li­ti­sche Ter­rain wird – von SRP über NPD und Repu­bli­ka­ner bis zur AfD – weit­ge­hend lücken­los erfaßt. Das vor­po­li­ti­sche Umfeld dage­gen wird nur gestreift, etwa in der Dar­stel­lung der – will­kür­lich her­aus­ge­grif­fe­nen – Zeit­schrif­ten­pro­jek­te Nati­on Euro­pa (1951 ff.) und Die Keh­re (2020 ff.).

Wesent­li­che publi­zis­ti­sche Unter­neh­mun­gen wie z.B. Cri­ticón, Staats­brie­fe, Jun­ge Frei­heit und Sezes­si­on fal­len eben­so unter den Tisch wie Fort­bil­dungs- und Vor­trags­for­ma­te wie etwa das Insti­tut für Staats­po­li­tik oder die Biblio­thek des Kon­ser­va­tis­mus; eben­so­we­nig sind dem Autor die von den Rech­ten früh­zei­tig als ent­schei­dend erkann­ten und spä­tes­tens seit zehn Jah­ren immer wirk­mäch­ti­ger gewor­de­nen Social-Media-Kanä­le und Inter­net­me­di­en irgend­ei­ne Erwäh­nung wert.

Die­se Vapo­ri­sie­rung der Meta­po­li­tik muß schon des­we­gen ver­wun­dern, weil Karl­heinz Weiß­mann als kon­di­ti­ons­star­ker intel­lek­tu­el­ler Lang­stre­cken­läu­fer an eini­gen der vor­ge­nann­ten Pro­jek­te feder­füh­rend betei­ligt war/ist, so daß er deren Geschich­te qua­si mit eige­nen Bord­mit­teln hät­te wie­der­ge­ben kön­nen. In jedem Fall beraubt sich Weiß­mann durch die­ses Weg­las­sen von Wesent­li­chem selbst des poli­ti­schen Erkennt­nis­mehr­werts, den sich der Leser von sei­ner Arbeit erhof­fen durf­te. Denn nie­mand kann bei­spiels­wei­se die Mehr­fach­häu­tun­gen der AfD von Lucke über Petry und Meu­then bis zu Chrupalla/Weidel und die damit ver­bun­de­nen inhalt­li­chen Wand­lun­gen die­ser Par­tei ver­ste­hen, wenn er den meta­po­li­ti­schen Mut­ter­bo­den aus­blen­det, auf dem die­se Ver­schie­bung des Over­ton-Fens­ters vom „Bür­ger­li­chen“ ins „Rech­te“ ins Werk gesetzt wer­den konnte.

Die Erfol­ge der fran­zö­si­schen Nou­vel­le Droi­te um Alain de Benoist, die der fran­ko­phi­le Weiß­mann aus­führ­lich wür­digt, gehö­ren streng genom­men nicht unmit­tel­bar zum The­ma, sind aber schon im Hin­blick auf den Ver­gleich der unter­schied­li­chen geis­tes­ge­schicht­li­chen Struk­tu­ren Deutsch­lands und Frank­reichs von Inter­es­se. Umso mehr muß irri­tie­ren, daß das Pen­dant zur Nou­vel­le Droi­te, eben die deut­sche Neue Rech­te, bei dem Autor fast nicht vorkommt.

Statt des­sen wird auf (viel zu) vie­len Sei­ten die Par­tei­ge­schich­te der CDU/CSU abge­han­delt, inson­der­heit die­je­ni­ge ihres right-wing-Per­so­nal­ta­bleaus um Franz Josef Strauß, Alfred Dreg­ger e tut­ti quan­ti. Die­se Rechts­si­mu­lie­rer mit ihrem Law-and-order-Geha­be und ihren frei­ge­big an die leicht­gläu­bi­gen Deut­schen aus­ge­reich­ten Beru­hi­gungs­mit­teln, bei ihnen als Pseu­do-Hard­li­ner sei die Zukunft der Nati­on in guten Hän­den, waren aber zu kei­nem Zeit­punkt Bestand­teil der Nach­kriegs­rech­ten. Ganz im Gegen­teil waren deren Ver­laut­ba­run­gen ein wesent­li­ches Ele­ment der lan­ge Zeit äußerst erfolg­rei­chen Stra­te­gie des BRD-Polit­sys­tems, einer authen­ti­schen, aus­schließ­lich dem Wohl des deut­schen Vol­kes ver­pflich­te­ten Rech­ten durch nicht ein­ge­lös­te, häu­fig ver­bal­ra­di­ka­lis­tisch auf­ge­la­de­ne Ver­spre­chun­gen die poli­ti­sche Nah­rungs­grund­la­ge zu entziehen.

Das berühm­te Strauß´sche Dik­tum, rechts von der Uni­on dür­fe es kei­ne demo­kra­tisch legi­ti­mier­te Par­tei geben, steht nur sinn­bild­lich für den Gel­tungs­an­spruch eines Machtag­glo­me­rats sui gene­ris, zu des­sen wesent­li­cher Herr­schafts­tech­nik es von Anfang gehör­te und bis heu­te gehört, Anders­den­ken­de zu dif­fa­mie­ren, zu kri­mi­na­li­sie­ren und mit allen Mit­teln von der poli­ti­schen Teil­ha­be auszuschließen.

Daß Weiß­mann im Lich­te die­ser per­fi­den Als-Ob-Poli­tik von CDU/CSU mit sei­ner Dar­stel­lung das wirk­lich­keits­frem­de Feind­bild-Nar­ra­tiv der Lin­ken bedient, es habe gege­ben und es gebe so etwas wie eine flie­ßend inein­an­der über­ge­hen­de Gesamt­rech­te von der Uni­on bis zu NPD/Republikaner/AfD, macht fas­sungs­los. Unver­ständ­lich bleibt außer­dem, war­um zer­stö­re­ri­sche Stra­te­ge­me diver­ser Geheim­diens­te bei dem Ver­fas­ser ledig­lich am Ran­de erwähnt und mit dem sibyl­li­ni­schen Hin­weis quit­tiert wer­den, „daß man­ches, das hier behan­delt wird, nicht nur nach Maß­ga­be des­sen ein­ge­schätzt wer­den kann, was vor aller Augen stand und steht“.

Tat­säch­lich waren und sind vie­le Fehl­ent­wick­lun­gen und Mißer­fol­ge auf der Rech­ten ohne die Kennt­nis des reich bestück­ten Instru­men­ten­kas­tens von KGB, MfS, CIA etc. (Zer­set­zung des Anse­hens füh­ren­der Akteu­re, Ver­nich­tung der beruf­li­chen Exis­tenz­grund­la­ge, Ein­schleu­sung und „Fern­steue­rung“ von NS-Spin­nern aller Schat­tie­run­gen, Insze­nie­rung des satt­sam bekann­ten Tages­schau-Bil­der­pot­pour­ris aus Schaft­stie­feln, Glatz­köp­fen und Mili­tär­kluft, usw. usf.) in einem „seit dem 8. Mai 1945 zu kei­nem Zeit­punkt sou­ve­rä­nen Deutsch­land“ (CDU-„Rechter“ Wolf­gang Schäub­le dixit anno 2011) über­haupt nicht nachvollziehbar.

Auch der Kom­plex der Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung, der berüch­tig­te Mohler´sche Nasen­ring, an dem die Deut­schen seit bald drei Gene­ra­tio­nen geschichts­po­li­tisch durch die Mane­ge gezo­gen wer­den, fin­det bei dem Ver­fas­ser wenig Berück­sich­ti­gung, obwohl der Zusam­men­hang zwi­schen der Schwä­che der Rech­ten und der Durch­neu­ro­ti­sie­rung der im Gegen­hit­ler­land schon län­ger Leben­den offen­kun­dig ist.

Nein, das ist sie nicht, „die ers­te ech­te Bestands­auf­nah­me der deut­schen Nach­kriegs­rech­ten“ (Wer­be­slo­gan des Ver­la­ges). Weiß­mann lie­fert – nicht zuletzt in impres­sio­nis­tisch ein­ge­scho­be­nen, zum Teil durch­aus inter­es­san­ten Exkur­sen (unter ande­rem über mon­ar­chi­sche Res­t­ele­men­te auf der Rech­ten unmit­tel­bar nach dem Krieg, über die Hel­go­land-Beset­zung der „Deut­schen Akti­on“ 1950, über das Her­un­ter­rei­ßen und Zer­fet­zen der DDR-Flag­ge unter Betei­li­gung des spä­te­ren Staats­rechts­leh­rers Diet­rich Murs­wiek beim Stoph-Besuch in Kas­sel 1970, über die Lage in Öster­reich, über „Lin­ke Leu­te von rechts“ wie etwa Hen­ning Eich­berg oder über kon­ser­va­ti­ve Öko­lo­gen wie Her­bert Gruhl) – eine Men­ge (Anschauungs-)Material; sei­nem Anspruch, ein kohä­ren­tes Gesamt­bild der deut­schen Nach­kriegs­rech­ten zu bie­ten, wird er nicht gerecht. Das muß man bei einem Autor, der in der Ver­gan­gen­heit mehr­fach unter Beweis gestellt hat, daß er es bes­ser kann, bedauern.

– – –

Karl­heinz Weiß­mann: Zwi­schen Reich und Repu­blik, Geschich­te der deut­schen Nach­kriegs­rech­ten, 325 Sei­ten, 39,90 € – hier bestel­len

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Kommentare (25)

t.gygax

27. Februar 2025 10:01

Ich habe mir das Buch gekauft und war " angenehm enttäuscht".Für Neueinsteiger ist es gut verwendbar,  da es sehr übersichtlich gegliedert und auch locker geschrieben ist, aber für mich als Zeitzeugen jener Jahre war es doch sehr flach, sehr oberflächlich und manchmal auch zu sehr von persönlichen Abneigungen des Verfassers bestimmt.Man kann Henning Eichberg auch ganz anders sehen.....ein wirkliches Defizit ist, dass sowohl sezession wie auch Götz Kubitschek nicht behandelt werden.Da ist offenbar ein blinder Fleck.....wer weiß?

Bernd

27. Februar 2025 10:26

Ich finde den Titel des Buches verwirrend. Das Reich war doch ab 1919 eine Republik. Ich hätte unter diesem Namen eher noch ein Werk über die Zwischenkriegszeit vermutet.

Laurenz

27. Februar 2025 11:26

@TvW ... Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn Sie & nicht Weißmann das Buch geschrieben hätten. Ihr Artikel ist durchaus plausibel. Auch FJS & Dregger waren nicht in der Lage, den Türkei-Vertrag abzuwehren. Selbst der Sozi Schmidt war dagegen, aber machtlos. Unter dem Merkelator hielt sich die Union lächerliche Feigenblätter, wie Maaßen oder Bosbach (Bosbachs Tochter hat ihren Wahlkreis gewonnen), deren konservative PR in der Union nie auch nur im Ansatz umgesetzt wurde. Konservative Alternativ-Medien, wie Achgut & Tichys änderten erst mit der Pandemie-Diktatur grundsätzlich ihre Schreibweise, lassen aber schon mindestens 10 Jahre ihre rechtskonservative Leserschaft häufig wider die Artikel schreiben. Auch eine Überlebens-Strategie. Desweiteren stellt sich anhand der Reichweite die Frage, ob man (neu)rechte oder konservative Video-Medien einfach so weglassen kann. Selbst die SiN ist ohne videomediale Ansprache kaum noch vorstellbar.

Laurenz

27. Februar 2025 12:09

@Bernd ... Das Reich war doch ab 1919 eine Republik. ... Nein. Das I. Reich war sozusagen komplett & lange Zeit unter der Führung Habsburgs, 300 Jahre mit der Hauptstadt Prag. Das II. Reich war ohne Österreich ein Zwergenreich mit Hanswurst-Kaisern, auch in Österreich. Die Weimarer Republik zählt formal immer noch zum II. Reich, nur der Souverän hat gewechselt. Das III. Reich bestand auch nur 12 Jahre unter einem sogenannten Führer. Was die sogenannten Reichsbürger nicht verstanden haben, ist der Wechsel der Perspektive durch technische Revolutionen. Das I. Reich konnte aus einer nicht motorisierten Perspektive noch als groß gelten, wenn auch nicht mit Großreichen vergleichbar. Aber spätetstens das durch Eisenbahn motorisierte II. Reich war klein. Deswegen auch der Hang zu Kolonien. Haben Sie schon mal einen Russen gehört, der meinte, er bräuchte Kolonien? Er wird antworten, er braucht einen Südmeer-Zugang. Die Amis brauchen auch keine Kolonien. Die, die sie haben oder hatten, waren militär-strategisch gedacht, um nicht-tarifäre Kolonialmacht zu sein. Jetzt leben wir im IV. Grünen Reich, dauert nur noch ein paar Jahrzehnte, bis sich diese Bezeichnung durchsetzen wird.

Simplicius Teutsch

27. Februar 2025 12:58

„Aufmachung: Das in Groß-Oktav formatierte Buch weist neben dem Text auf nahezu jeder Seite Fotographien von Wahlplakaten, Buch‑, Zeitschriften- und Zeitungstiteln, Parteiemblemen, Anstecknadeln, Politikern und vieles andere mehr auf.“
 
Die reichhaltige Bebilderung wäre für mich sogar ein Anstoß, das Weißmann-Buch zu kaufen. Habe früher etliches von ihm (gerne) gelesen und gekauft; JF-Abonnent bin ich nach wie vor. - Verstehe in gewisser Weise, dass Weißmann Projekte, wo er selber persönlich tief involviert war/ist und dadurch befangen ist, nicht darstellen will.
 
Aber es fehlt dann in dem Buch die Würdigung von intellektuellen Bausteinen, die für meine persönliche weltanschauliche Entwicklung als "Nachkriegsrechter" maßgeblich waren, wie: „Wesentliche publizistische Unternehmungen wie z.B. Criticón, Staatsbriefe, Junge Freiheit und Sezession fallen ebenso unter den Tisch wie … “

Diogenes

27. Februar 2025 13:08

@Bernd: Eine marxistisch-defätistische und mit allem Recht stolzer Deutscher sogenannten Dolchstoßverräterpartei "SPD" ausgerufenen Republik die nirgends namentlich auf Landkarten und Globen stand (da stand nach wie vor Deutsches Reich) und wo die Minister "Reichsminister" hießen und wo der Reichstag im Reichstag tagte. "Weimarer Republik", wer hat denn damals davon geredet, wenn er das "Deutschland" meinte? Die "Weimarer Republik" war so beliebt im Volk wie das Chaos der "Münchner Räterepublik".
 
Kleiner Schwenk in die Gegenwart: Wer wollte eigentlich noch gleich "Bürgerräte" haben? Die Grünpest, nicht wahr (Klimarat)? Statt dem nach dem Krieg von interessierter Seite in Umlauf gebrachten "Rassenwahn/Größenwahn" haben wir heute den Klimawahn. 

Ekstroem

27. Februar 2025 14:13

Werter TvW, Sie sprechen die deutsche Nicht-Souveränität bis heute an. Sie wurde schon mit der Annahme des Entwurfes des "Grundgesetzes" in einer historischen Villa im Taunus überdeutlich. Deutsche "Politik" war seitdem nur ein Feigenblatt, das die harte Realität verdeckte. Nach 80 Jahren scheint sich endlich ein Fenster zu öffnen für (substantielle) Veränderungen. https://www.welt.de/wirtschaft/plus255432508/BMW-und-Deutsche-Bank-In-Deutschland-oeffnet-sich-ein-Fenster-fuer-Veraenderungen.html  Das Ergebnis der BTW weist die Richtung.

RMH

27. Februar 2025 14:15

Habe das Buch nicht gelesen, finde aber auch, dass die Einbandgestaltung schon irgendwie 80er/90er ist & ich gebe @Bernd recht. Anhand Umschlag & Titel hätte ich jetzt auch eher auf den x-ten Aufguss zur Weimarer Republik als Inhalt getippt. Wie auch immer, K.H.W schreibt, nach Weggang von der Sezession, mittlerweile seit Jahren hauptsächlich bei der J.F. & ist damit Teil des Projekts "man muss auch mit der Union gut auskommen", wenn man irgendwas in Richtung Nation & Konservatismus in diesem Land noch bewegen will (nach dem Mini-Schisma der Werteunion war das natürlich erst einmal für kurze Zeit utopisch). Für Vertreter der reinen Lehre geht so etwas natürlich nicht. Deren Anti-Union Ressentiments wurden in der Rezension ja noch einmal dargestellt. Ich sehe es pragmatisch: Noch nie waren diejenigen, die auch mit der Union etwas bewegen wollen, näher am Ziel, als es die Vertreter der reinen Lehre mit ihren Zielen je kommen werden. Brandmauer hin, Brandmauer her - die nächste LT-Wahl, wo die Union Juniorpartner der AfD werden könnte, ist im Sommer 2026 in SA. Im Sinne Webers: Das dicke Brett ist gut angebohrt.

Majestyk

27. Februar 2025 14:34

@ RMH:
Was kann man denn mit der Partei bewegen, die wie kaum eine andere Nachkriegsdeutschland geprägt und für dessen Einhegung in die EU gesorgt hat und deren Patriotismus stets nur im Bierzelt stattfand?
 

Bernd

27. Februar 2025 16:21

@Diogenes: Sie müssen die Weimarer Republik ja nicht mögen, aber die verfassungsgebende Nationalversammlung war wenigstens nach freiem und gleichem Wahlrecht entstanden, die Verfassung weit legitimer zuwege gekommen als das Bonner Grundgesetz. Die SPD hat die Republik nicht erzwungen, sie hätte sich wohl mit einer parlamentarischen Monarchie und Wilhelm III abgefunden, wenn zum Beispiel die Nationalliberalen mehr Stimmen erhalten hätten. Das wäre wohl eine elegantere und segensreichere Lösung gewesen, im Nachhinein ist man immer schlauer. Die SPD von damals in Bausch und Bogen zu verdammen ist ungerecht, die Ebert und Scheidemann waren zwar Marxisten, aber auch ehrliche Patrioten, die in der Stunde der Wahrheit zum Reich standen und gegen die Revolution.
 
Daran, dass unser Staat nach der Verfassungsreform von 1919 weiter Deutsches Reich hieß, war nichts schief. Spätestens ab 1848 war der Reichsbegriff eng mit der Volksherrschaft verknüpft. Konsequenterweise 1919 die Umbenennung des deutschen Heeres in Reichswehr und des alten Bundesrates in Reichsrat, der Bundesstaaten in Reichsländer usw.

RMH

27. Februar 2025 16:59

Hier ein Bericht über eine Buchvorstellung durch den Autor selber (am gleichen Tag online veröffentlicht - stimmt man sich ab?):
https://jungefreiheit.de/wissen/geschichte/2025/in-eigener-sache-die-freiheit-ist-kein-rechter-begriff/
 ... am Ende wird breits ein weiteres Buch angedroht (grins).

B Traven

27. Februar 2025 18:30

Unser Staat besteht staatsrechtlich seit 1867. Als Norddeutscher Bund gegründet, von 1871 bis 1949 unter dem Namen Deutsches Reich und seither als Bundesrepublik Deutschland. Ein Wechsel der Regierungsform oder des Namens ist für den Fortbestand des Staates unerheblich.
Ebert wäre für eine konstitutionelle Monarchie und eine Reichsverweserschaft bis zur Volljährigrigkeit des Kaiserenkels gewesen, Scheidemann überrumpelte ihn mit der Ausrufung der Republik. Dass Scheidemann mit der Bewertung der Monarchie als alt und morsch richtig lag, zeigt sich am geringen Widerstand gegen die Revolution, der sich eben nicht hinter Wilhelm II formieren konnte, da dieser feige und fahnenfluechtig sich nach Holland abgesetzt hatte. 

Laurenz

27. Februar 2025 18:42

@RMH ... Wenn ich Ihnen antworte, will ich nicht das "für-&-wider" einer AfD- Verbindung mit der Union besprechen, weil es, wie Weidel im Interview sagte, programmatisch nur wenige Unterschiede gäbe. Die AfD hat längst die Forderungen der ewig gestrigen "Bonner Republikaner", wie Stein, Weissmann oder Tichy erfüllt. Und? Diese Leute sind gescheitert. Roland Tichy weiß das auch, was Ihn intellektuell unterscheidet, auch wenn Er nur schlecht von Seiner politischen Bonner Prägung wegkommt. Auch Ihre Prognose für die Wahl in Sachsen-Anhalt ist längst in Thüringen eingetreten. Björn Höcke müßte dem Wahlergebnis entsprechend Ministerpräsident Thüringens mit dem Junior-Partner Voigt sein. Mein Lieblings-AfD-Mann, (neben Dr. Christoph Berndt,) Oliver Kirchner, einstiger Befürworter der Verbindung mit der Union, hatte es am Wahlabend gesagt. Er hat eigentlich keinen Bock mehr auf eine Koalition mit der CDU. Kirchner sagte, Er kämpfe in Sachsen-Anhalt für die 40%+, eine einfache Mehrheit & Alleinregierung der AfD in Sachsen-Anhalt. Hut ab zum Gebet für einen Ministerpräsidenten Kirchner in Sachsen-Anhalt. Die Sache ist ernst. Meistens. https://www.youtube.com/shorts/imF3MT0cnng?feature=share

Moravius

27. Februar 2025 19:12

Es ist bedauerlich, daß Thor v. Waldstein mit polemischen, ressentimentgeladenen Formulierungen wie "Rechtssimulierer" oder "Strategie des BRD-Politsystems" den Eindruck zu erwecken versucht, es habe nach 1945 sozusagen eine parteiübergreifende Verschwörung gegen die Rechte gegeben. In Wirklichkeit war es doch so, daß ein von Krieg und Vertreibung gebeuteltes Volk sein Heil in Wohlstand und Vergangenheitsverdrängung gesucht hat und daß rechtes Gedankengut sich in der entstehenden Konsumgesellschaft nicht entfalten konnte. Eine realistischere Sichtweise des Scheiterns der Nachkriegsrechten müßte hier ansetzen, statt sich in Verschwörungstheorien zu flüchten. Sicher haben auch in- und ausländische Dienste das ihre dazu getan; entscheidend war und ist aber die Umerziehung und mentale Entwaffnung der Deutschen seit 1945. 

Laurenz

27. Februar 2025 19:15

@Bernd @Diogenes ... Kann Sie in der Argumentation mit den 48ern & der formalen Entmachtung des unfähigen degenerierten Hochadels in 1919 nur unterstützen. Auch zu Recht haben Sie Ebert & Scheidenmann als quasi-Marxisten eingeschätzt. Aber, wie alle Linken, wollten die Eberts & später die Röhms nur den Kaiser oder wen auch immer ohne tatsächliche Veränderungen beerben. Man hätte nie einer parlamentarischen Monarchie zugestimmt. Das wird einem klar, wenn man sich eingehender mit dem Linksliberalen Walther Rathenau (DDP) & seinem Werdegang beschäftigt. Nationalsozialisten & Kommunisten waren international zu mehr Risiken bereit, spielten aber für den II. Krieg keine Rolle. Der II. Krieg hätte auch unter einer SPD-Führung stattgefunden. Schon damals ging es schon & nur um den Kampf zwischen Patrioten & jenen, denen Deutschland egal ist oder es hassen. Weder Kapital, noch Hochadel, noch extreme Linke waren & sind patriotisch. Der Zwergen-Reichs- oder Pseudo-Bund-Gedanke lenkt nur vom wesentlichen, von Deutschland ab. Besonders heute gilt: "Wer Deutschland nicht von ganzem Herzen liebt, soll Deutschland verlassen." Unser einig Vaterland, es lebe hoch, hoch, hoch!

Franz Bettinger

27. Februar 2025 20:29

@Ekstroem: Ob D souverän ist oder nicht, beweist sich nicht anhand von Theorien, sondern durch praktisches Handeln. Keinen Friedens-Vertrag? Haben Korea, Vietnam, Afghanistan, Irak etc. einen? Kein einziges Land der Welt bedurfte nach 1945 noch eines Friedensvertrags um Frieden zu haben. Kriegserklärungen gibt es ja auch keine mehr seit 80 Jahren, und doch gibt es ununterbrochen Kriege. Na und? Wenn die brd nicht souverän ist, wieso dürfen Steinmeier und der Rest der Bagage Trump anpinkeln? 

Franz Bettinger

27. Februar 2025 20:52

Vielleicht hatte Sarah Wagenknecht recht mit Ihrer genialen Antwort auf die Frage, ob sie auch zu diesen V-Theoretikern gehöre, die D für nicht souverän halten. Sie sagte mit einem souveränen Lächeln: „Vielleicht ist D ja souverän, aber seine Politiker sind es nicht.“ Warum nicht? Weil sie eben nur Politiker sind statt Staatsmänner. Vielleicht hätte die BRD schon früher souverän(er) auftreten können. Es fehlte wohl nur am Personal. 

Franz Bettinger

27. Februar 2025 21:05

Vielleicht ist Souveränität nicht, was man zugeteilt bekommt, sondern was man sich nimmt. 

Le Chasseur

28. Februar 2025 09:18

@Franz Bettinger"Vielleicht hatte Sarah Wagenknecht recht mit Ihrer genialen Antwort auf die Frage, ob sie auch zu diesen V-Theoretikern gehöre, die D für nicht souverän halten. Sie sagte mit einem souveränen Lächeln: „Vielleicht ist D ja souverän, aber seine Politiker sind es nicht.“ Warum nicht? Weil sie eben nur Politiker sind statt Staatsmänner. Vielleicht hätte die BRD schon früher souverän(er) auftreten können. Es fehlte wohl nur am Personal."
Vielleicht war die Aussage aber auch so gemeint, dass die Politiker nicht souverän handeln können, weil sie erpressbar sind. Man fragt sich doch, wie es sein kann, dass solche mediokren Gestalten wie Merkel, Scholz und jetzt Merz Kanzler werden können? Matthias Platzeck, der mal kurzzeitig SPD-Vorsitzender war und u.a. für eine russlandfreundlichere Politik eintrat, wurde derartig fertig gemacht, dass er aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat.

Valjean72

28. Februar 2025 09:48

Bei mir ist Karlheinz Weißmann seit seinem Eintreten für repressive staatliche Maßnahmen in Zusammenhang mit der C-Pandemie unten durch.
 
@F. Bettinger:
Schäuble war Volljurist und bekleidete von 1984 bis 2021 mehrere herausragende Ämter auf Bundesebene. Wenn er also 2011 öffentlich davon sprach, dass Deutschland seit dem 8. Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt voll souverän gewesen ist, dann sollte man dieser Aussage durchaus Beachtung schenken.
 
GG Art. 120 (1) „Der Bund trägt die Aufwendungen für Besatzungskosten …“
 
Ekstroem sprach eine bestimmte Villa im Taunus an, die mitunter als Wiege der Bundesrepublik bezeichnet wird.
 
Armin-Paul Hampel (Landesvorsitzender der AFD Niedersachsen von 2013 – 2018) thematisierte im Gespräch mit Jürgen Elsässer auf Compact TV unlängst die Feindstaatenklausel (hier).

RMH

28. Februar 2025 11:00

"Matthias Platzeck, der mal kurzzeitig SPD-Vorsitzender war und u.a. für eine russlandfreundlichere Politik eintrat, wurde derartig fertig gemacht, dass er aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat."
@Le Chasseur, bitte hier keine nachträgliche Mystifizierung, Heilig-Sprechung oder VT. Platzeck ist aufgrund den Folgen eines Schlaganfalls bereits 2013 zurückgetreten und ob dieser aufgrund irgendwelchem "Fertigmachens" eingetreten ist, weiß nur er selber (andere Politiker arbeiten mit hohen gesundheitl. Beschwerden trotz des allgegenwärtigen Drucks, dem Politiker unterliegen, weiter. Ich jedenfalls finde es gut, wenn Politiker nicht die Übermenschen geben & auch einmal zurück treten, wenn es nicht mehr geht). Fakt ist, dass seine Befürwortung einer völkerrechtlichen Legalisierung der Annexion der Krim durch Russland erst 2014 geschehen ist, wo er schon gar keine maßgeblichen Ämter mehr innehatte. Platzeck ist übrigens nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine stark zurück gerudert und gestand ein, dass er sich getäuscht habe.

Gracchus

28. Februar 2025 13:46

Ob Fake oder nicht (oder: wenngleich in der Rolle des Moderators oder bürgerlichen Neutalisierers im Sinne Schmitts) wurde die CDU ja dem konservativen Spektrum zugeordnet, und wenn eine Partei die BRD geprägt hat, dann die CDU. Insgesamt war der rechte Einfluss auf die BRD - (meta-)politisch, aber auch kulturell - gering, jedenfalls, würde ich sagen, ab den 60ern. Die BRD war sowieso sehr unpolitisch. 
Möglicherweise markiert Weissmanns Arbeit daher auch einen Abschluß, weil sich - wie @Laurenz richtig bemerkt - ein "Strukturwandel der Öffentlichkeit" stattfindet. Ändert sich das Medium, ändert sich die Message. 

Gracchus

28. Februar 2025 13:54

@Le Chasseur
Die meisten von uns sind medioker und fühlen sich von mediokren Personen besser repräsentiert. Angela Merkel würde ich machtpolitisch betrachtet überhaupt nicht als medioker bezeichnen, im Gegenteil, sie war ein machtpolitisches Genie. 16 Jahre Regierung, am Ende war sie gewissermaßen unantastbar - und ist es gewissermaßen heute noch. Auch international war sie geachtet. 

Dr Stoermer

28. Februar 2025 15:31

Vor mir sehe ich ein Orchester, das in einem Konzertsaal übt. Vielleicht was von Beethoven. Profis, Amateure, Anfänger, gemischt. Ein Volksorchester. Zwischen Gelungenem das Unbeholfene. Es quäkt. Doch alle bemüht, konzentriert, in vollem Ernst. Der Orchesterleiter wirkt überfordert.
Ein Mann tritt in den Türrahmen. Er hört den Klängen zu, einen Geigenkoffer in der Hand. Schwarzer Ledertrenchcoat. Gegürtet. Mecki-Schnitt. Runde, dunkle Sonnenbrille. Nun schreitet er im Stechschritt zum Pult. Sein Mantel knirscht. Schnapp, schnapp, öffnet er den Geigenkasten. Statt einer Maschinenpistole: Eine Geige. Aus Stahl.  Stille. Er setzt an.
Die Präzision lässt die Musikanten verstummen. Klack, klack, die Geige ist wieder verpackt. Klack, klack, hinaus im Stechschritt. Der Mann ist wieder weg. Sein Auftritt hallt nach.
So sind Texte von Thor v. Waldstein. Danke für die Klarstellungen.

Adler und Drache

28. Februar 2025 22:15

@ Valjean72
Bei mir ist Karlheinz Weißmann seit seinem Eintreten für repressive staatliche Maßnahmen in Zusammenhang mit der C-Pandemie unten durch.
"Ärmel hoch!". lautete sein Befehl in der JF. Er versuchte, sich dem Staate wieder genehm zu machen und seine Außenseiterposition hinter sich zu lassen. Ihm ist nicht vorzuwerfen, dass er nicht wusste, welche Risiken der "Piks" barg, aber sehr wohl, dass er so tat und auf den Karlatan-Zug aufsprang. 
Und niemand redet darüber. Niemand, der es ihm vorhält. Ich frage mich seit langem: Warum nicht? Ist er unantastbar? Das wiegt doch zehnmal schwerer als das Verschweigen alter Bündnispartner im x-ten Buch, das er auf den Markt wirft!
 

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