Weihnachten: Sommerfeld empfiehlt

Lesen - "Ehren wir ihn, indem wir in seinen Büchern lesen", schreibt Gerd-Klaus Kaltenbrunner über einen seiner geistigen Vorgänger, Theodor Haecker, denn, so fährt er im Autorenporträt dieses vergessenen katholischen Schriftstellers mit den Worten T.S. Eliots fort, seine Werke trügen "den dreifachen Adel der Schönheit, der Wahrheit und der Güte".

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

Kal­ten­brun­ner ist nicht nur der unver­ges­se­ne kon­ser­va­ti­ve Publi­zist, als den ihn gewiß vie­le Leser ken­nen (das Büch­lein Eli­te ist Teil der Rei­he kapla­ken), son­dern er ist der Autoren­por­trät­ver­fas­ser schlechthin.

“Das Abend­land in Por­träts sei­ner geis­ti­gen Ret­ter” könn­te man das Buch nen­nen, das ich Ihnen heu­er zuerst zu Weih­nach­ten emp­feh­len möch­te. Von sei­nem Her­aus­ge­ber Micha­el Hage­böck hat es den tref­fen­den Unter­ti­tel “Gehei­lig­te Kul­tur – gelieb­te Hei­mat” bekommen.

Die im Ares-Ver­lag wie­der­ver­öf­fent­lich­ten Euro­pa-Bän­de Kal­ten­brun­ners wer­den hier fort­ge­setzt: Das Mate­ri­al besteht fast kom­plett aus in Zeit­schrif­ten publi­zier­ten Tex­ten aus dem bis­her unzu­gäng­li­chen Nach­laß des zurück­ge­zo­gen leben­den Uni­ver­sal­ge­lehr­ten (1939–2011). Ich nen­ne nur ein paar Namen, gro­ße und klei­ne, um Sie auf die Suche zu schi­cken. Stö­bern und aus­gra­ben müs­sen Sie dann – am bes­ten wäh­rend der Rau­näch­te – selbst: Jako­bus der Älte­re, Don Juan d’Aus­tria, Fried­rich Schle­gel, Anna Katha­ri­na Emme­rick, Lud­wig Der­leth, Hugo Ball …

Acht Auf­sät­ze über den Abend­land­be­griff, Iko­nen, Klas­si­ker und die Patro­ne der Bücher­freun­de run­den die Samm­lung ab. Ehren wir Kal­ten­brun­ner, indem wir in sei­nen Autoren­por­träts lesen, wodurch wir selbst­ver­ständ­lich umso mehr die Por­trä­tier­ten ehren!

Gerd-Klaus Kal­ten­brun­ner: Abend­land. Gehei­lig­te Kul­tur, gelieb­te Hei­mat. 504 Sei­ten, 25 € – hier bestel­len.

– –

Ler­nen – Als ich mei­nem Mann das dicke, hell­blaue Buch auf mei­nem Schreib­tisch zeig­te, und ihm erzähl­te, daß der Her­aus­ge­ber zehn Jah­re lang den alten Volks­ka­te­chis­mus von Franz Spi­ra­go über­ar­bei­tet habe, zum Bei­spiel zum 6. Gebot, wo es 1926 um frei­zü­gi­ge Bild­chen in Schau­fens­ter­aus­la­gen und das Kino ging, sich heu­te aller­dings die Abgrün­de des Inter­nets mit einem Klick auf­tä­ten, frag­te er: “Ist der ein Zensor?”

Mit­nich­ten – es han­delt sich recht eigent­lich um das Gegen­teil von Zen­sur. Denn die­se exe­ku­tiert sche­ma­tisch Nor­men. Ein guter Kate­chis­mus dage­gen macht sich die Mühe, den Leu­ten die­se Nor­men erst ein­mal zu erklä­ren. Das geht nicht, ohne wirk­lich gute Grün­de für jede ein­zel­ne zu lie­fern. Kate­chis­mus­aus­wen­dig­ler­nen war ges­tern, Kate­chis­mus­ver­ste­hen ist heute.

Ich muß sagen: Die zehn Jah­re haben sich gelohnt! Im Kapi­tel zum 8. Gebot (“Du sollst kein fal­sches Zeug­nis geben”) etwa fin­det sich ein völ­lig neu­es Unter­ka­pi­tel zur Künst­li­chen Intel­li­genz, das phi­lo­so­phisch fun­diert die “Umfor­mung des Men­schen” von außen und von innen und die Ver­fäl­schung der Wahr­neh­mung durch Schein­rea­li­tät mit­tels der KI begrün­det, und sich dabei auf den hl. Tho­mas von Aquin, Jac­ques Ellul und Heid­eg­ger beruft.

Der katho­li­sche Glau­bens­schatz nach Franz Spi­ra­go ist also weit mehr als ein Lehr­buch oder Nach­schla­ge­werk, eher ist er eine Art “Sum­ma” ewig­keits­ge­sät­tig­ter Ant­wor­ten auf die Fra­gen jetzt­zeit­ge­plag­ter Gläu­bi­ger und Suchender.

Hirn­tod? Dro­gen? Poli­ti­sche Ideo­lo­gien? Alles drin. Sex, Zöli­bat? Da wird sogar Rai­ner Lang­hans zitiert. In einem Satz wie “Heut­zu­ta­ge leben vie­le Men­schen in Tod­sün­den, weil sie jene, die ande­rer poli­ti­scher Gesin­nung sind, has­sen und um ihre Exis­tenz zu brin­gen suchen” kommt das Cha­rak­te­ris­ti­sche die­ses Kate­chis­mus zum Aus­druck: ein aktu­el­les Phä­no­men wie die Can­cel Cul­tu­re wird mit dem Maß­stab der kirch­li­chen Leh­re gemes­sen und verurteilt.

Die kla­re und volks­tüm­lich Spra­che des “alten Spi­ra­go” klingt auch durch die neu­en Tei­le – was auf eine wirk­lich durch­dach­te Neu­be­ar­bei­tung rück­schlie­ßen läßt, die ich hier­mit nach­drück­lich empfehle.

Der katho­li­sche Glau­bens­schatz nach Franz Spi­ra­go, 1320 S., 49 € – hier bestel­len.

– –

Schau­en – Man braucht, sobald man Kin­der oder Enkel im Alter von sechs bis zehn Jah­ren hat, ganz drin­gend in jedem Advent ein Vor­le­se­buch mit 24 Geschich­ten. Wenn der Advent als sol­cher ernst­ge­nom­men wer­den soll, statt bloß mit Kon­sum­ar­ti­keln (ich sage nur: Playmo‑, Lego‑, und spä­ter Pro­te­in- und Bier­ad­vents­ka­len­der) voll­ge­stopf­te War­te­zeit zu sein, dann muß ein gutes christ­li­ches Vor­le­se­buch her.

Ganz unge­bro­chen (Vor­kon­zils­zeit, dazwi­schen liegt echt ein Kul­tur­bruch!), ist Sophie zu Eltz’ Unter dem Advents­kranz. Der Ver­lag Reno­va­men hat das 1952 erschie­ne­ne Buch nicht als Fak­si­mi­le, son­dern in einer behut­sam erneu­er­ten Schrift­ge­stal­tung, aber mit den Ori­gi­nal­bil­dern von Han­na Hel­wig in die­sem Jahr wie­der herausgebracht.

Die zahl­rei­chen Kin­der, denen hier jeden Tag eine Geschich­te erzählt wird, hei­ßen Ilse und Peter, Frie­da und Otto usw. und “die Klei­nen” (denen kann man eben noch nicht vor­le­sen). Die alten Namen kom­men wie­der, wenn eine Gene­ra­ti­on ausstirbt.

Mär­chen, Hei­li­gen­le­gen­den, Tier­ge­schich­ten und ein (auf­führ­ba­res) Krip­pen­spiel ster­ben nie­mals aus. Und in jeder Gene­ra­ti­on hören Kin­der das ers­te Mal von Josef und Maria und dem Jesus­kind – Gegen­warts­kin­der­li­te­ra­tur irrt gewal­tig, wenn sie glaubt, auch Sechs­jäh­ri­ge wären post­mo­dern. Unter dem Advents­kranz war­tet etwas glücks­ver­hei­ßend Zeit­lo­ses auf sie.

Sophie zu Eltz: Unter dem Advents­kranz , 168 Sei­ten, 18 €– hier bestellen.

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

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Kommentare (45)

Dietrichs Bern

5. Dezember 2025 15:09

Vielen Dank für die Empfehlungen, den Glaubensschatz habe ich als Neukatholik gerade für mich zu Weihnachten bestellt. Eine gesegnete Adventszeit.

Ernestine

5. Dezember 2025 17:31

Schön zu sehen, dass wir zwei der von Ihnen besprochenen Bücher bereits besitzen. Es zeigt mir: Wir sind auf demselben Weg unterwegs wie Sie...
Ihnen noch eine gesegnete Adventszeit  - und ein gnadenreiches Weihnachtsfest! 

Diogenes

5. Dezember 2025 19:55

Ich habe immer gerne den Geschichten von Mutter und Vater gelauscht, zusammen mit meinen Geschwistern im Bett zusammengekuschelt unter der Bettdecke. Unabhängig was jetzt Geschichtenentwickler (Volksmärchen und Religiöses) war/meinen. - Das ist dem Kind egal! Und genau (Ungenau) so muss es auch späterer Entwicklung seinen Sinn ent-nehmen. Entscheiden lernen, was Geschichte macht/ist und was Unsinn ist. Weltweit. Schön, wäre eine Geschichskonfrenz. Eine, die über Vielerart das Licht unserer neugierigen Leute lässt.  

Gracchus

5. Dezember 2025 20:30

Das ist ja was für Hardcore-Katholiken. Der Katechismus interessiert mich. Aber auch:  Das Anthroposophische scheint Frau Sommerfeld abgestreift - falls es so ist und falls es nicht zu indiskret ist zu fragen, würde ich fragen,  wie Sie, verehrte Frau Sommerfeld, nun rückblickend auf Ihren Weg und die Anthroposophie schauen? 

Kommentar Sommerfeld:
Das ist nicht zu indiskret, schließlich schreibe ich ja entsprechend meiner inneren Entwicklung äußerlich anderes. Einen notwendigen Durchgang würde ich in meinem Lebensgang die Anthroposophie nennen sie lehrte mich, daß es eine geistige Welt gibt, lehrte mich die Verbindung von Erkenntis und Christentum, lehrte mich auch, spirituellen Widerstand "während Corona" zu leisten und schließlich Anfänge des meditativen Gebets und der Selbstrettung. Nichts davon will ich missen. Und doch ging ich weiter, weiter weg vom "Ich" und vom Bewußtseins-Evolutionismus und gewissen freimaurerischen Bausteinen der Anthroposophie incl. einer Freiheitsaufassung aus dem Luziferischen heraus. Hinein in den katholischen Glaubensschatz (deswegen ist der Katechismus-Titel auch ausgezeichnet gewählt) und die heilige Messe aller Zeiten und die Hingabe an die Muttergottes.

Diogenes

5. Dezember 2025 21:00

@Gracchus.. Theosophie. Glaubens- und Religionsgewinde übergreifende Persperktivanschau. A, B, C, sehen/erfassen von ihrem Standort anderes, als B und C.  Ich bin es so leid, diese grundsätzliche Anschau von Welt, Volk und Mensch an jeden Satz anschließend zu wiederholen.
 
Warum soll ich dem auch nur einen "Guten Tag" wünschen, der mir Böses will und der dem Schein seiner Tat nach völlig den Geist verloren hat?! 
 
Methode wird diese Bösartigen aber einfangen und von den Gutmütigen fern halten. 

Laurenz

5. Dezember 2025 21:42

@Diogenes @Gracchus ... Die Gläubigen an das Gute erschaffen, gemäß Goethe, das Böse, damit sie sich von ihm unterscheiden können. Das ist nicht anders, als in unseren heutigen politischen Szenerie. Wir wurden von den Kultur-Marxisten erschaffen als etwas, das wir gar nicht sind. Was dem Glauben heute fehlt, ist die Intensität & die Authentizität. Die hier vorgestellten Bücher sind sicherlich hoch interessant, aber sie ersetzen in keiner Weise Wahrhaftigkeit. Wahrhaftigkeit, Castaneda sagt dazu Makellosigkeit, besteht bei Sterblichen einzig in der Bereitschaft für die Passion zu sterben. Das ist ähnlich dem Tod fürs Vaterland. Man fällt nur freiwillig, wenn es denn unbedingt sein muß, für ein wahrhaftiges Vaterland, welches wir gerade nicht besitzen. Dann muß auch die Frage erlaubt sein, warum nur bestimmte Gläubige (zB radikale Muslime) bereit sind, für den Glauben in den Tod zu gehen? Was ist der Glaube wert, wenn man nicht bereit ist, dafür zu sterben? Ich glaube Ihnen allen daher nicht. Bei GK mache ich eminente Abstriche von dieser Aussage.

FraAimerich

5. Dezember 2025 23:02

Vom Fachmann für Kenner: Wer eine geheime Schwäche für fiebrig-katholisierende, altmodisch-flott im Stile Karl Mays geschriebene Abenteuerromane hat, könnte zu Weihnachten seine antiquarische Freude an Franz Heinrich Achermann haben.
 
Dessen anti-totalitärer Wurf "Moskau oder Konnersreuth" (1935) läßt den Versuch sowjetischer Besboschnik-Agenten, Therese Neumann als Schwindlerin zu entlarven, krachend scheitern. Die stigmatisierte Volksmystikerin gerät so zum "lebenden Beweis" gegen rein materialistische Weltanschauungen. Dem NS fiel dies negativ auf. Das Buch landete 1938 auf der "Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums" und wurde zusätzlich durch ein Verbot Himmlers geadelt.
 
Ein Endzeitspektakel voller Anspielungen und Verweise auf die Johannes-Apokalypse entwirft Achermann in "Der Antichrist" (1939), ausgewiesen als "Zukunftsroman auf Grund der biblischen Prophezeiungen und der heutigen Kulturentwicklung". Im Mittelpunkt der Handlung steht der größenwahnsinnige Bar Dan (Vgl. Jeremias 8,16). "Da die Diplomaten des ehemaligen Völkerbundes die christliche Moralgrundlage längst aufgegeben hatten", wird dieser als Generaldirektor eines internationalen Bankensyndikats zum "Weltdiktator" ernannt. Nur wenige Menschen erkennen, was gespielt wird und leisten dem Antichristen Widerstand. Darunter, in entscheidender Stellung, der Jesus-Darsteller eines vom "Hochmutsaffen" Bar Dan selbst angeordneten Passionsspiels.
 
 
 

Gracchus

5. Dezember 2025 23:45

Werte Herren @Diogenes und @Laurenz - was habe ich denn von gut und böse geschrieben? Goethe hat viel gesagt, ich vermute, Sie, @Laurenz, meinen, was Goethe Mephisto im Faust sagen lässt ("ich bin ein Teil von jener Kraft (...)")? 
Ich glaube nicht, dass das Böse notwendig ist - weder für die Erkenntnis des Guten noch zur Erlangung persönlicher Freiheit. In letzterem Sinne wird manchmal der biblische Sündenfall gedeutet, z. B. Hegel, daran knüpft - richtig @Frau Sommerfeld? - auch Steiner an, der Luzifer auf den Plan treten lässt - und zwar so, als wäre der Sündenfall für eine freie Entwicklung des Menschen notwendig gewesen; dabei wird übersehen, dass das Gebot selbst schon, indem es das erste Menschenpaar vor die Wahl stellt, diesem einen Freiheitsraum eröffnet, nicht erst dessen Übertretung. 
 
 

Kommentar Sommerfeld:
Richtig! Zitiere der Abkürzung halber "Anthrowiki": "Luzifer bringt ihm (dem Menschen, CS) die individuelle Freiheit, verführt ihn aber auch zum Egoismus. Von nun an kann er aus eigener Kraft zwischen dem Bösen und dem Guten unterscheiden. Luzifer bringt den Menschen die Fähigkeit zur moralischen Erkenntnis - setzt sie aber auch der Gefahr aus, sich tief in moralische Verfehlungen zu verstricken. Beides ist aber notwendig, damit der Mensch ein moralisch eigenverantwortliches Wesen werden kann. So kann Luzifer zwar als Widersacher aufgefasst werden, der sich den göttlichen Schöpfermächten entgegenstellt, aber er fördert durch diesen Widerstand zugleich die Entwicklung, indem er dem Menschen die Freiheit und die moralische Erkenntnis bringt." Von heute aus würde ich sagen: eben gerade nicht! Vorher hatte der Mensch eine hohe Erkenntnis, die er durch den Sündenfall verlor, er erkennt nicht mehr wie zuvor leichterdings Gottes Willen.

Gracchus

6. Dezember 2025 00:06

Zwar kann man einwenden, dass Adam und Eva kein (autonomes) moralisches Bewusstsein hatten (das brächte ihnen ja erst die verbotene Frucht), aber sie sollten nicht aus Einsicht, sondern aus Gehorsam und Vertrauen Gott gegenüber das Gebot befolgen, weil Moralität nur darauf gründet.
Man kann also sagen, dass die Kontrastierung von Gut und Böse für den Weg notwendig ist, den der Mensch gewählt hat, nämlich ein moralisches Bewusstsein zu entwickeln, um in der Sprache einer bestimmten Philosophie zu reden, aber das war nicht der Weg, den Gott dem Menschen nahe gelegt hat, und es ist nicht der Weg der oder in die Freiheit, sondern der Knechtschaft, und auch wenn Gott es anders wollte, hat Er diesen Weg geduldet, weil Er sein Geschöpf liebt, das Geschöpf aber immer wieder darauf gestoßen, dass Gehorsam gegen Gott und Freiheit ein- und dasselbe sind, und schließlich seinen Sohn gesandt, der freiwillig gehorsam war bis zum Tod am Kreuz. 

Gracchus

6. Dezember 2025 00:18

@Laurenz: Das stimmt, dass das Glaubensleben hierzulande an Intensität und Kraft, auch Wahrhaftigkeit, verloren hat. Richtig ist, dass zum Glauben die Bereitschaft dafür zu sterben gehört. Das soll ein Christ aber nicht erstreben, und er soll sich auch nicht seiner Bereitschaft zum Martyrium brüsten. Im Voraus weiß man nicht, wer durchhält und wer einknickt. Maulhelden gibt es zuhuf. Und falls Sie dies insinuieren wollten: Es gab und gibt und wird geben christliche Märtyrer. 
 

Diogenes

6. Dezember 2025 06:01

@Laurenz: "Die Gläubigen an das Gute erschaffen, gemäß Goethe, das Böse, damit sie sich von ihm unterscheiden können."
 
Das Böse muss nicht vom Guten erschaffen werden. Der Mechanismus des Dia|bolischen (das Durcheinanderwerfen der Dinge) ist ein Zahnrad im Gefüge dessen was manche Leute „Menschheit“ nennen (und damit dem gleichmachenden Abstractus Mensch „Weltbürger“ Diener sind), aber in Wirklichkeit immer schon ein Vorrücken einzelner Menschenrassen und Menschenvölker war und ist. Niemals rückt eine abstrakte „Menschheit“ insgesamt vor; erweitert sein Bewusstsein von Raum und Materie, Bewegung (Zeit) und Technik (das bereits Vorhandene in Apparaturen einfangen und nutzbar machen ist die Definition von Technik). Technik ist Magie für Primitive. Vor langer Zeit lebten einige Stämme, Völker in Höhlen, während andere bereits Astronomie erfassten und die Konstellationen für Landwirtschaft nutzbar machten.
 
Der niedere Geist der den Mechnikus Diabolo (der Demiurg; der "Handwerker"; das Werkzeug das sich selbst vermehren will, aber über seine Funktion nicht hinaus kommt und daher virulent ist) antreibt versucht immer das Hohe, den hochstehenden Geist, hochstehende Kultur, das Hochstehende an sich, zu sich, nieder zu ziehen, da er es aus seiner Perspektive nicht einsehen kann, nicht versteht und daher als "Feind des Unbekannten" massenpsychologisch funktioniert.
 
Was Sie meinen ist Marxismus der immer zu sein Feindbild braucht: Der "Ewige Faschist".

Kurativ

6. Dezember 2025 11:57

Wenn ich überhaupt einmal in einen Gottensdienst gehe, dann in einem Katholischen (röhmisch- oder alt-katholisch). Die Messe ist besser strukturiert, logisch und verständlich. Die einfachen Katholiken im Volk erscheinen mir die ehrlicher und in ihrer täglichen Praxis sympahischer. Was mich sehr stark abstößt, das ist der römisch-katholische Oberbau mit seinem politischen Verstrickungen und seinen Nazissmus. Zur Einführung habe ich mir einmal spontan das kath Gesangbuch kaufen wolle. Es war nicht vorrätig und musste bestellt werden. Im Gesicht der Buchhändlerin offenbarte sich die ganze Intolleranz und dogmatische Voreingenommenheit von Frauen, welche sich als Weltverbesser und Erzieher aufspielen.

Kommentar Sommerfeld:
Nazismus? Narzißmus? Beides von Übel. Gesangbuch: empfehle zum Reinkommen eher den Schott, hier:https://www.sarto.de/schott-messbuch-erweiterte-neuauflage-2018, das Meßbuch. Sonst: https://www.sarto.de/singet-gott – für die alte Messe. Das Meßbuch der neuen Messe, das "Gotteslob", ist in jeder Kirche in der Bank zu finden, darin auch viel "neues Lied".

Laurenz

6. Dezember 2025 13:02

@CS, Diogenes & Gracchus ... Sie verstehen alle nicht den eigentlichen Punkt. Der eigentliche Punkt sind Sie, meine Wenigkeit, der Mensch, so, wie er ist. Um die Worte CSs zu gebrauchen, nur wenn Sie "Gott & Luzifer" in Sich selbst nebeneinander akzeptieren, sind Sie frei, ein harmonischer Teil unseres bipolaren Universums. Sie müssen nichts erschaffen, weder das Gute, noch das Böse, eben weil beides Teil unserer Existenz & der Existenz unseres Universums ist. (Das ist deshalb sinnerheischend, weil der Biblische Gott immer auch politisch ist.) Wie Castaneda (hier mal heidnisch) sagt, spricht man als freier Mensch nur noch von Zu- & Abneigung. Man braucht weder Gute, noch Böse um sich selbst zu definieren, das ist die Mechanik der universellen Freiheit. Ich habe GK nicht ausgenommen, weil Er Katholik ist, sondern weil ich Ihm im hohen Maße Freiheit im Sein zutraue, Er nur das wirklich tut, in Handlungen umsetzt, vom dem Er überzeugt ist, das Richtige zu tun, mit allen Konsequenzen. Das ist natürlich nur relativ zu betrachten, weil Menschen nie pefekt sind & so ist auch Castanedas Makellosigkeit (zum Beipiel makellos faulenzen) zu verstehen, die reiner Selbstzweck auf dem Weg zur Freiheit ist. Deswegen werfen Atheisten, wie Hitchens, Gläubigen den Wunsch nach einem Sklavendasein vor. Der Vorwurf besitzt sehr wohl einen tieferen Hintergrund.

Gracchus

6. Dezember 2025 13:12

@C. Sommerfeld: Vielen Dank für Ihre Antwort(en)! Im nun ablaufenden Jahr hatte ich ein inneres Erlebnis, welches, gar nicht spektakulär, nach einer längeren Phase der Beschäftigung  mich von Steiner und Anthroposophie weggeführt hat, ohne dass ich im katholischen Traditionalismus angekommen wäre, wiewohl die Messe im traditionellen Ritus mich seit jeher ergriffen hat. Ich schätze die Anthroposophie durchaus, aber tatsächlich bereiten mir die Dinge, die Sie aufgezählt haben, Unbehagen.

Gracchus

6. Dezember 2025 13:36

@Fra Aimerich: Wiederum verblüffend, was Sie alles kennen.
Wer eine "Schwäche" fürs "Katholische" hat, kann auch zu Prousts Recherche greifen. Auf die natürlich nicht ganz ernst gemeinte Frage des Interviewers, welches literarische Werk er dem vetus ordo und welches dem novus ordo zuordne, hat Mosebach kurz zögernd geantwortet, dem vetus ordo, das sei klar, Prousts Recherche. Anita Albus gibt in ihrem - neulich schon erwähnten - Proust-Essay Hinweise auf deren katholische Grundierung. Schon 1904 hatte sich Proust vehement gegen die Profanierung von Kirchen gewandt: "Wenn das Opfer von Christi Fleisch und Blut nicht mehr in den Kirchen zelebriert wird, werden sie tot sein." 
 

Gracchus

6. Dezember 2025 13:45

@Laurenz: Sie haben recht, ganz verstehe ich Ihren Punkt nicht, daher noch weniger, weshalb dieser der Wesentliche sein soll. Ich lasse mal Thomas v. Aquin antworten:
"Würde das Böse aus einigen Bereichen des Alls hinweggenommen, so würde viel von der Vollkommenheit des Alls dahinschwinden. Erwächst doch dessen Schönheit aus dem geordneten Beieinander von Gutem und Bösem, indem das Böse aus verarmendem Guten entspringt und dennoch, kraft der Vorhersicht des All-Lenkenden, aus dem Bösen Gutes folgt - wie auch der Liedgesang seine Süße empfängt aus den Zwischenzeiten des Schweigens."

Majestyk

6. Dezember 2025 16:08

Zwei Seelen wohnen doch in jeder Brust. Gut, böse, richtig, falsch, liegt doch im Wesen des Menschen verankert. Oft muß man "Böses" tun, um Gutes zu bewirken, meist führt die Überzeugung zu wissen, was gut ist zum genauen Gegenteil. Der Mensch hat doch einen freien Willen sich immer wieder neu zu entscheiden, alles andere heißt doch sich aus der Verantwortung stehlen.
Laurenz hat zudem recht. Überzeugungen müssen daran gemessen werden, wie weit man bereit ist, dafür zu gehen. Die alten Christen ließen sich sogar Löwen zum Fraß vorwerfen. Es geht aber ja nicht nur ums sterben für Überzeugungen, sondern für diese zu kämpfen. Heißt in letzter Konsequenz, notfalls für die eigenen Überzeugungen zu töten. Auch diesbezüglich liegen Muslime in der Fähigkeit für ihren Glauben bis zum äußersten zu gehen vorn. Echte Christen dürften dies gar nicht, haben also eh einen Wettbewerbsnachteil. Im Übrigen fängt alles damit an, daß man bereit ist seine eigenen Überzeugungen erst einmal zu leben und auch hier beobachte ich gerade bei Christen ziemlich oft eine Diskrepanz zwischen reden und handeln, bei politischen Überzeugungen natürlich ebenso.

Kommentar Sommerfeld: Doch, dürfen sie. Ich zitiere aus dem von mir empfohlenen Katechismus: "Im Krieg dürfen Soldaten die bewaffneten Gegner, d.h. also andere Soldaten, verwunden oder töten. (...) Es darf niemand glauben, dass Leute, die Waffendienst leisten, Gott nicht gefallen können; ja, viele unter ihnen waren Gott sehr angenehm, so David und der heidnische Hauptmann zu Cäsarea, zu dem der Engel gesandt wurde (hl. Augustinus." (S.582)

Le Chasseur

6. Dezember 2025 17:59

@Caroline Sommerfeld:
Wer ist die höhere Instanz, Gott oder der heilige Augustinus?

Kommentar: Blöde Frage. Es gilt: Offenbarung + Überlieferung.

Majestyk

6. Dezember 2025 18:04

@ Sommerfeld:
"Doch, dürfen sie"
Zeigen Sie mir bitte eine Textzeile wo Jesus dies explizit gesagt hat. Das Christentum basiert doch wohl auf den Lehren Jesus. Bindend sollten dessen Aussagen sein, nicht spätere Interpretationen. 
Ich lese z.B.:
Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. - Matthäus 5,21-48
Das Neue Testament ist doch klar eine Revision des Alten. Augustinus Interpretationen und Neuauslegungen erfolgten doch als das Christentum Staatsreligion wurde und Macht sichern sollte. Augustinus, Thomas von Aquin oder Luther, die alle von "gerechten" Kriegen reden (was auch immer das sein soll) stellen sich eigentlich komplett gegen die Lehre Jesu. Betrachte ich als Anmaßung. 

Kommentar Sommerfeld: "Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert" (Mt 10, 34), das bedeutet u.a., er ist kein "neuer Mann" (Franz Alt), der "peace" predigt. Jesus hat sich aus Stricken eine Geißel gemacht und die Händler aus dem Tempel gejagt. Die Nachfolge Christi kann für Weltleute auch heißen, das Vaterland zu verteidigen. Dazu auch geschichtlich und mit Schwerpunkt auf Deutschland Conrad Groeber, "Kirche, Vaterland und Vaterlandsliebe" (1935).

Laurenz

6. Dezember 2025 18:13

@Gracchus @L. ... mir fällt gerade die Antwort schwer. Mir gefällt Ihr Thomas-von-Aquin-Zitat schon gut. Aber Thomas von Aquin hält sich selbst bei diesem Zitat ziemlich schlau heraus, der Schlingel. Gut & Böse sind meist nur eine Frage des Standpunkts, den man einnimmt. Oder hat irgendwer den 30jährigen Krieg gewonnen? Wenn Sich Salieri (zumindest im Film) bei Gott darüber beschwert, daß Gott Ihm, den Gottesfürchtigen, weniger Talent schenkte, als Mozart, wird doch klar, Gott ist nie objektiv & wird nur allzu gern im Namen Gottes benutzt. Wieso braucht man überhaupt Gott im Angesicht der eigenen Verantwortung? Weil man einen Chef braucht? So mancher schreibt & liest sogar Bücher darüber, wie Sie, ohne, daß Sie auch nur einen Meter näher an Gott herankommen. Vielleicht liest man dann doch lieber Bücher, die weniger weibisch, launenhaft verfaßt sind & es vermeiden, etwas zu erklären, was nicht erklärbar ist. Deswegen, Gracchus, entschied Castaneda, alles neutraler in unsere Leidenschaft des (Nicht-)Tuns zu legen, egal, welche Leidenschaft unser Tun bestimmt. Aber auch Castaneda, war, wie ausnahmslos alle, die je schrieben, nur ein Mensch. Daher spielt es auch keine Geige, in wessen Namen sie schrieben. Oder kennen Sie einen Schreiberling, der den Olymp erreichte? Deswegen schrieb ich, den Christen fehlt die Leidenschaft, weil nur die Passion entscheidend ist. Damit ist aber weder Mission, noch Debatte gemeint, sondern das Tun, zur Not auch in den Tod.

Laurenz

6. Dezember 2025 18:25

@Majestyk ... CS hat schon Recht, auch ohne jeden Katechismus aus Menschenhand. Das Gebot heißt in Deutsch korrekt, Du sollst nicht morden. Töten ist im Fall des Falles legitim. Das ist doch mein zentraler politischer Kritikpunkt. Warum wird hier geredet, anstatt das sogenannte Heilige Land zu befreien? Stattdessen läßt man sich sein Land wegnehmen. Man tut so, als ob Gott Schwätzer lieben würde. Wenn dem so wäre, würde mich der Katholische Gott hier von allen Teilnehmern am meisten lieben. Denn ich bin der größte Schwätzer, quasi der Mozart unter den Amateuren, unter dem Himmel der Sezession im Netz. Ja, lachen Sie nur. Dann weiß ich, daß ich die Wahrheit schreibe.

Majestyk

6. Dezember 2025 19:05

@ Sommerfeld, @ Laurenz:
Warum legen Sie Christus was in den Mund? Christus hat zwar die Peitsche genommen, um die Heuchler aus dem Tempel seines Vaters zu vertreiben, er hat sie aber nicht getötet. Wenn das Wort von Augustinus oder wem auch immer wichtiger ist als das Wort Christus, dann sollte man sich Augustianer nennen statt Christ.
@ Laurenz:
Siehe ggf. meinen zweiten Kommentar bei Lehnert (falls der veröffentlicht wird). Ich bin kein Pazifist, ich bin z.B. schon mein Leben lang ein Verfechter der Todesstrafe und halte diese sogar für ethisch notwendig. Ich halte auch wenig davon die andere Wange hinzuhalten, FrAimerich oder auch Sie können ein Lied davon singen. Ich bin nicht nachgiebig, wenn es um echte Überzeugungen geht. Aber nirgendwo bei Christus findet sich die Rechtfertigung fürs Vaterland zu töten. Sein Reich war nicht von dieser Welt. Man kann fürs Vaterland töten, halte ich auch nicht für unmoralisch. Es ist aber nicht christlich, zumindest wenn man sich an das hält, was der Religionsstifter gesagt hat und das kann man sich auch nicht schönreden.

Kommentar Sommerfeld:
Jesus Christus ging davon aus, daß der Mensch sündig ist, und daß es bis zu seiner Wiederkunft unter den Menschen Gewalt und Krieg geben wird – in dieser gewalttätigen Welt so zu handeln, daß möglichst alles aus Liebe geschieht, ist der Sinn der christlichen Botschaft. Die Verteidigung des Eigenen sollte aus Liebe geschehen. Jesus gibt dem Hauptmann von Kapernaum ("Denn auch ich muss Befehlen gehorchen und ich habe selbst Soldaten unter mir", Mt8, 9) nicht den Rat, seinen Dienst zu quittieren, sondern hebt ihn als leuchtendes Beispiel für seinen festen Glauben hervor. Dazu gehört, daß der Hauptmann die in jeder hl. Messe zitierten Worte spricht: "Herr, ich bin nicht würdig, daß du eingehst unter mein Dach", d.h. er ist sich seiner Sündigkeit allzu bewußt.

Laurenz

6. Dezember 2025 20:25

@Majestyk ... Habe hier schon häufig Matthäus 10:34 ff. zitiert. Alleine die Sprache, also das Schwert & den Krieg, die Degradierung der Familie, das klingt alles schon sehr gewalttätig & klassenkämpferisch links. Sie sollten Sich auch dessen eingedenk sein, daß Jesus, gemäß der Schrift, ein harter Nationalist war, siehe "Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel." (Matthäus 15,24). Auch tragen die Follower des Jesus von Nazareth Schwerter, eine damals sehr teure Waffe, siehe den Garten Gethsemane (Lukas 22,35-38). Lesen Sie das einfach nach.

Kommentar Sommerfeld:
Das ist eine interessante Frage, ob er "Nationalist" war. Allioli schreibt in seinem Kommentar zu der Stelle: "Christus war wohl gesandt, die Heiden zu erlösen, aber er wollte unter ihnen nicht predigen, dies sollte von seinen Aposteln geschehen, vgl. Mt 28, 20."

FraAimerich

6. Dezember 2025 20:26

"Kommentar: Blöde Frage"
 
Die Frage von @Le Chasseur mag als provokant und vielleicht sogar ein bißchen frech empfunden werden. "Blöd" ist sie keineswegs.
Über den Willen Gottes zu spekulieren oder das, was Gott "wohlgefällig" ist, scheint mir ohnehin heikel, ja fragwürdig angesichts der Tatsache, daß  es noch andere Offenbarungen gegeben hat und "Glaube" letztlich auf einer Willensentscheidung bzw. dem Bekenntnis zu einer bestimmten Überlieferung beruht, auf deren gesicherten Grund man sich zu stellen sucht.
Die meisten, um nicht zu sagen fast alle Menschen täuschen sich (bis zu einem bestimmten Punkt ihrer geistigen Entwicklung) oft sogar über den Hintergrund und die Motive ihrer eigenen Handlungen, Einschätzungen und Denkweisen. Da scheint mir, wenn es um die Bestimmung des göttlichen Willens und Wirkhintergrunds geht, eher besondere Zurückhaltung geboten. 

FraAimerich

6. Dezember 2025 21:32

@Laurenz:  "daß Jesus, gemäß der Schrift, ein harter Nationalist war"
 
Allenfalls heutiger Auffassung nach. Das "Haus Israel" ist ursprünglich kein "nationaler", sondern ein religiöser Begriff zur Bezeichnung der Gemeinschaft bzw. des Ursprungs derer, die sich zum "Bund mit Gott" bekannten. Wie Bethlehem ("Haus des Brotes") symbolisch auf den "Geburtsort" des Neuen Bundes und das darin eucharistisch gefeierte "Brot des Lebens" verweist.
Die für die Rechte typische Identifikation von (Ur-)Volk und Nation ist ohnehin meist nur "Programm" bzw. ein frommer Irrtum/Mystifikation. Man muß da nichts "dekonstruieren", sondern kann damit arbeiten, sollte sich der Tatsache an sich aber bewußt sein.

Laurenz

7. Dezember 2025 00:40

@FraAimerich @L. ... Nein. Nur Islam & Christentum unterscheiden Himmel & Erde (wie im Himmel, so auch in Deutschland). Bei den Heiden & Juden ist Himmel & Erde eins, oder ein Reich. Im Heidentum gibt es natürlich viele Welten, sie sind aber verbunden, wie Bifröst Midgard & Asgard verbindet. Und alle bewegen sich in mehreren Welten. Bei den Hebräern ist das weniger komplex. Die Herrschaft Jehovas ist spirituell & weltlich zugleich.

Gracchus

7. Dezember 2025 01:31

@Laurenz: Ihr Salieri-Beispiel - ein Drehbuch-Einfall - ist doch für die Katz. Der echte Mozart war durchaus gottesfürchtig, und des Film-Salieris Neid wäre Sünde. 
Das Thema haben Sie oft in den Psalmen, wenn der Psalmist fragt, wieso geht es dem Gottlosen besser als mir? - da der Psalmist noch keine "Jenseits"-Hoffnung hatte. 
Es gibt laue Christen, ja, und es gibt Christen mit Leidenschaft. Die Passion Christ steht im Mittelpunkt des Glaubens, sonst wird immer gesagt - anscheinend auch von @Majestyk - die Christen seien leidbesessen, ja masochistisch, dann wird ihnen die Passion abgesprochen. 
 
 
 

Gracchus

7. Dezember 2025 02:57

@FraAimerich
Durchaus d'accord, dass es heikel ist, über den Willen Gottes zu spekulieren. Dennoch dezenter Widerspruch: Die Zustimmung zum Glauben mag auf einem Willensakt beruhen, der Glaube selbst nicht. So erfährt es jedenfalls der Gläubige, was Sie natürlich als Täuschung sehen können, für ihn ist der Glaube Gabe. Wenn es andere Offenbarungen gibt - welche? -, wird man doch nicht willkürlich einer zustimmen, sondern derjenigen, der man glaubt (= sein Vertrauen schenkt). Die Währung heißt daher Vertrauen = Glauben. Dazu gehört auch das Vertrauen, sich auf dem richtigen Weg zu befinden, und der christliche Weg ist ja auch ein Weg der Selbsterkenntnis. Die erste Erkenntnis ist ja die, Sünder zu sein. 

Diogenes

7. Dezember 2025 10:20

@Gracchus
"... Dazu gehört auch das Vertrauen, sich auf dem richtigen Weg zu befinden, und der christliche Weg ist ja auch ein Weg der Selbsterkenntnis. Die erste Erkenntnis ist ja die, Sünder zu sein."
 
Das ist m.E. keine Erkenntnis sondern eine Verblendung/Verschleierung der Wirklichkeit. Diese auf Kontrolle der Gläubigen ausgelegte Kirchendogmatik hat nichts mit dem Urchristentum/Gnosis zu schaffen (wo es auch um Wiedergeburt/Reinkarnation geht). 

Kommentar Sommerfeld:
Und genau da scheiden sich die Geister...

Laurenz

7. Dezember 2025 11:18

@Gracchus @L. ... Machen Sie Sich doch nichts vor, Gracchus. Mozart (& auch Schikaneder) waren vor allem eines, Logenbrüder. Auch Salieri war Logenbruder, was eher auf Jünger der Aufklärung hindeutet. Die Zauberflöte ist ein kolossales Freimaurerwerk wider den (klerikal begründeten) Feudalismus in Europa. In der (Katholischen) Kirche waren Märtyrer herzlich unbeliebt. Das ist auch nachvollziehbar. Es geht aber bei der politischen Frage, die Papst Urban II stellte, nicht um das Martyrium, sondern darum, den Heiligen Krieg zurück ins Morgenland zu tragen. Allerdings waren Urban II & seine Nachfolger nicht wirklich erfolgreich, den Adel Europas zu begeistern, 200 Jahre halbherzige Kreuzzüge ein Tropfen auf den Heißen Stein. Der Adel Europas nahm vor allem die Gelegenheit der Kreuzzüge beim Schopfe, um die vielen freien Nicht-Adligen zu Unfreien zu machen.

Laurenz

7. Dezember 2025 11:29

@Gracchus @FraAimerich ... kann denn Liebe Sünde sein? Fragt Zarah Leander. Die Mär von der Sünde ist der erste Schritt in die Selbstversklavung,  https://youtu.be/0zDL4j9haQ0 ein Gulag als Lager-Wächter & Lager-Insasse in Personalunion. Erinnere Sie an die Kontakt-Sünde im Corona-Wahn. Eine Gesellschaft, die für die Wahrnehmung von Recht & Unrecht Gott oder Propheten braucht, ist schon gescheitert. Hierauf basiert der Konflikt Bismarcks mit Katholiken & Sozialisten. Nur mit roher Gewalt kann man den Homo sovieticus & den Homo christianikus anordnen. Gesund oder "sündenfrei" waren solche "Anordnungen" noch nie. Jeder Potentat nimmt den rechten Glauben für sich in Anspruch.

Gracchus

7. Dezember 2025 14:36

@Diogenes: "Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann werde ich erkennen, wie ich erkannt bin" (Kor. 13, 12) - ist doch Erkenntnis. Einer m. E. der schönsten mystischen Texte hat den Titel: "Wolke des Nichtwissens".
Die Jerusalemer Urgemeinde hat keine Reinkarnation gelehrt, das dürfte als sehr sicher gelten, es mag dagegen gnostische Gruppen gegeben haben, die sich auf Jesus Christus berufen und auch Reinkarnation gelehrt haben. Haben Sie denn sicheres Wissen, dass Sie - oder wer oder was - schon mehrfach reinkarniert sind? Und worauf stützen Sie dieses Wissen? Ist das mehr als ein Glauben (= für wahr halten)? Und wenn dem so ist, was ist denn überhaupt das Ziel?
Ich habe in dem Sinne von Vertrauen gesprochen, dass der christliche Weg zum Ziel (dem Heil, der beseligenden Schau) führt. Ob der Weg zum Ziel führt, kann man ja erst wissen - am Ziel. 
 
 
 
 
 
 
 
 

Gracchus

7. Dezember 2025 14:46

@Laurenz: Ich weiß, dass es für Heiden unanehmbar ist, sich als sündig zu betrachten, sie halten sich ja schon von Natur aus oder qua ihrer Ahnen für vollkommen. Pardon, dass ich diesen "Optimismus" oder diese "Selbstgenügsamkeit" (oder "Selbstgerechtigkeit"?) - wie Sie wollen - nicht so ganz teile. Dass Sie mir dann aber gleich mit roher Gewalt drohen, finde ich unfein.

Gracchus

7. Dezember 2025 14:52

@Laurenz: Über Mozarts Religiosität gibt es auch andere Auffassungen:
"Ja, mehr noch denn als Freimaurer ist Mozart in seinen vielen, so unendlich lebendigen, himmelhochjauchzend zu Tode betrübten Briefen als überzeugter Christenmensch auf uns gekommen, als im Glauben beheimatetes Kind Gottes, das sein Leben vertrauensvoll in die Hände des Höchsten legt."
https://www.welt.de/print-welt/article192385/Mozart-und-die-Religion.html
 

Majestyk

7. Dezember 2025 16:40

@ Laurenz:
Bezüglich Religionsgeschichte sind Sie mir voraus. Aber ist es nicht so, daß Freimauer ursprünglich immer einer christlichen Konfession angehörten? Ziele der Freimaurer wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit stehen doch nicht direkt im Widerspruch zum Christentum, oder? Ich verstehe nicht ganz, warum sich Christentum und Freimaurerei ausschließen sollen, eigentlich verstehe ich nicht einmal warum die Freimaurer so negativ betrachtet werden. Immerhin waren einige große Persönlichkeiten Freimaurer, darunter auch große Deutsche wie Goethe oder Lessing. War nicht sogar Wilhelm der I. Freimaurer? Die von mir geschätzten Mark Twain oder Louis Armstrong waren ebenfalls Mitglieder, auch Billy Wilder oder James Stewart, zumindest laut Biographien. So schlecht kann der Verein doch gar nicht sein, wenn so viele kreative Köpfe teilnehmen. 
 

Kommentar Sommerfeld: Weil die Freimaurer als erklärtes Ziel hatten und haben, die Kirche von innen zu zerstören. Spätestens auf dem II. Vatikanischen Konzil ist es ihnen gelungen, die eigentlich ja guten (auch christlichen, da haben Sie völlig Recht) Ideale zu "reframen" und "Freiheit" als Religionsfreiheit, "Gleichheit" als Demokratisierung und "Brüderlichkeit" als NGO-Agenda in der Kirche zu verankern.

Diogenes

7. Dezember 2025 18:15

@Majestyk
 
Mark Twain war kein kreativer Kopf sondern ein Ausbeuter (Kupfermonopol und daher Interesse am Ausbau von Kupferleitungen). Nikolai Tesla war ein kreativer Kopf.
 
Die unteren Fraumaurergrade sind in Regel harmlos, aber einen Staate im Staate (Tiefer Staat) kann niemand wollen, der seinen Staat souverän sehen/halten will. Und damit sind "Geheimgruppen und Schattenregierungen" die nach Macht streben ein Problem. 
 
 

Dietrichs Bern

7. Dezember 2025 20:10

@Laurenz: "Eine Gesellschaft, die für die Wahrnehmung von Recht & Unrecht Gott oder Propheten braucht, ist schon gescheitert."
Wenn man 3. Reich und Sowjetunion weglässt, gibt es keine anderen Gesellschaften.Und die sind bekanntlich auch gescheitert.

Diogenes

7. Dezember 2025 20:54

@Gracchus
 
Nur um das nochmal an der Stelle klarzustellen: Mein "Urchristentum" bzw. meine Erkenntnis (Gnosis) wurzelt (meiner Abstammungsnatur gemäß) im germanisch Spiritualitätsempfinden  – nicht im hebräischen (oder in  Kirchenlehrmeinungen)! Nicht nur meine politische, auch meine Glaubensperspektive, liegt im deutschen Standort. Wenn nun einige Deutsche meinen der deutsche Standpunkt sei mit dem christlichen Standpunkt in Glaubensfragen gleichzusetzen, dann ist das eine Meinung die ich nicht teile, da ich grundsätzlich immer hinter das Mauerwerk des Scheins sehen will und mich nicht mit auswendig gelernter und vorgetragner Dogmatik abfertigen lasse.
 
Das Allbewusste (Allbewusstsein, was euer kirchliches "Ihr" mit "Er" und "Herr" und "Gott" anspricht, wo ich vom "Göttlichen" rede, da ich mir nicht anmaße diese ätherische Meta-Ebene zu personifizieren) existiert außerhalb des Gehirns (Fälle von Nahtoderfahrungen und Hirngeschädigte (wo ein Großteil des Gehirns fehlt) weisen auch darauf hin). Das Gehirn ist nur Filter, der uns als Bewusstseinsaspekte dieses Allbewussten separiert und das Universum er-fahren/er-kennen lässt (etwas das unendlich ist, muss sich in seinem Kleinsten wie im Größten wiederholen um sich selbst erkennen zu können. Unsere heimischen Wälder/Natur gibt uns in seinen Mustern und Bewegungen Hinweise darauf (Stichpunkt: "Heilige" oder "Ganzheitliche" Geometrie).  

Laurenz

7. Dezember 2025 21:03

@Dietrichs Bern @L. ... Ulbricht, Honecker & Co. waren wesentlich erfolgreicher in der Säkularisierung einer Gesellschaft als Stalin & seine Nachfolger. Man scheiterte in der DDR nicht an der Säkularisierung, sondern am intellektuellen Mangel eines ökonomischen Verständnisses. Während Hitler Säkularisierung noch nicht wagte, weil er, anders als Ulbricht, legal an die Macht kommen mußte. Leute, wie Bonhoeffer, waren doch Ausnahmen, die man an einer Hand abzählen kann. Die Masse an Kirchenleuten läßt sich bis zum heutigen Tage von Hitler kaufen. Außerdem unterliegen Sie einer Fehleinschätzung, was die Nationalsozialisten angeht. Deutschland war als territoriale Operationsbasis, als Machtfaktor viel zu klein. Aber ideologisch haben aktuell die Nationalsozialisten gewonnen. Deng adaptiere den Nationalsozialismus für China & fast ganz Ostasien folgt, weil dieses poiltische System der Asiatischen Mentalität extrem entgegen kommt.

FraAimerich

7. Dezember 2025 21:31

@Laurenz: "Nein..."
 
Interessant - Sie meinen, der Jesus  in Joh. 18,36 und Lk. 23,42f war gar kein "richtiger" Jude? Hört man ja nur noch selten.
Wie auch immer, wir können uns gelegentlich gern intensiver über das Verhältnis von Transzendenz und Immanenz, Diesseits und Jenseits bei Muslimen, Christen und Juden unterhalten. Auch über (unitarische) Heiden bzw. den pantheistischen Versuch deutscher Naturromantiker, Literaten und Intellektueller, dem Dualismus-Problem zu entgehen. Das werden dann aber "theologische" Debatten, keine politischen.
Selbst neige ich mit Johannes Scotus Eriugena dem Panentheismus zu.

Laurenz

7. Dezember 2025 22:25

@FraAimerich @L. ... ich bin der eher der Überzeugung, daß Jesus von Nazareth viel mehr Jude war, als den meisten Christen lieb ist. Ich kann an dieser Stelle nicht die entscheidenen ungeliebten Theologen zitieren, das katapultiert mich aus der Debatte. Jesus begründete seine Macht vor allem auf den armen Juden, alte linke Taktik/Strategie. Das adaptierten die Christen, das Versprechen auf ein Jenseits ohne Not & Leid. Ob das Versprechen eingehalten wird, entzieht sich jeder Kontrolle. Im 19. Jahrhundert scheiterte das Versprechen aber in seiner diesseitigen Wirkung. Das ist auch kaum noch umkehrbar, was dem Christentum die Wahrhaftigkeit raubt. Was man historisch festmachen kann, ist, daß die orginalen Hebräischen Jesus-Follower schon früh, quasi mit dem gescheiterten Bar-Kochba-Aufstand (um 130/40 nach 0.) verschwunden sind. Übrig blieben nur die einst Heidnischen Paulus-Christen, was symptomatisch ist. Denn Paulus kannte Jesus nur aus seinen Visionen, er hatte ihn nie reden gehört oder persönlich erlebt.

Gracchus

7. Dezember 2025 22:52

@Diogenes: Ich habe nichts Auswendiggelerntes aus einem Katechismus wiedergegeben. Meine Äußerungen bringen mich im Gegenteil in die Nähe eines von der Katholischen Kirche verworfenen Fideismus.
Worin liegt denn der alles überragende Standortvorteil des deutschen Standorts?
Ich denke nicht, dass das von Ihnen aufgerufene Allbewusstsein oder Göttliche oder Universum mit "Herr" und "Gott" übereinstimmt. Hat es denn einen Namen? Ein Antlitz? Kann es "hören", z. B. Gebete? Kann es lieben? Klingt nicht so; klingt ausserdem so, als wäre es rein immanent.
Kommt die Heilige Geometrie tatsächlich von den Germanen und nicht von Griechen oder Ägyptern?
Mein Spiritualitätsempfinden ist eher keltisch (falls es sich bei dem, was als keltisches Christentum firmiert, nicht um Projektion handelt), so dass mir auch der von @Fra Aimerich genannte Scotus Eriugena zusagt. Aber ist das schon - ein später entwickelter Begriff - Panentheismus?

Laurenz

8. Dezember 2025 00:23

@Gracchus @Diogenes ... wenn ich mich recht erinnere, Gracchus, hatten Sie mir vor ein paar Monaten zugestimmt, daß die Erfindung der Schrift (& des Geldes) eine in der Evolution des Menschen nie dagewesene Katastrophe darstellt, weil das Wissen nicht mehr, wie bei den Aborigines in den Kopf muß, sondern auf einem Speichermedium abgelegt wird, womit die weitere geistige Evolution des Menschen ad acta gelegt wird. Da Geld, als Synonym für männlichen Erfolg, nicht mehr Geist & Körper voraussetzt, erhielt auch hier die Evolution durch die Anpassung des weiblichen Beuteschemas einen herben Schlag, der nicht wieder gutzumachen, also nicht lösbare Bremse ist. Um unverfälschte Wahrnehmung zur göttlichen Allmacht zu erlangen, die Indianer nennen es wohl den Großen Geist, muß man sich quasi in die Zeit vor der Schrift begeben, wo es noch kein betreutes Denken gab, sondern sich die Realität spirituell & tatsächlich ohne Barmherzigkeit den Menschen wahrnehmen lehrte. Solch einer Allmacht kann man nur abstrakt oder auch nur mit einer abstrakten Liebe begegnen. Es scheint dann eher günstig, der Allmacht, die Macht in der Welten alle, die alles macht, in völliger Stille zuzuhören, als sie dämlich anzuquatschen.

FraAimerich

8. Dezember 2025 01:26

@Gracchus  -  Eriugena läßt sich im Sinne eines Panentheismus verstehen. Das ist für mich entscheidend: die Rekonstruktion einer nicht-dualistischen Traditionslinie, die die Transzendenz nicht aufgibt.
 
@Laurenz  -  Vielleicht habe ich zu wenig Castaneda gelesen, um Sie zu verstehen. Halten wir fest: Jesus war Ihrer Auffassung nach ein knallharter jüdischer Linksnationalist, der aber jederzeit bereit war, mit jüdischen Traditionen zu brechen, wenn dies seiner Sache dienlich schien. So etwa vor Pilatus mit der vielzitierten Schutzbehauptung "mein Reich ist nicht von dieser Welt". Oder bei der Verheißung eines "himmlischen Paradieses", das lediglich als Köder zu skrupelloser Armenfischerei dienen sollte. So in der Art?
 
 

Plus Ultra

8. Dezember 2025 12:51

Liebe Frau Sommerfeld, ich findes es faszinierend zu beobachten, wie einer intellektuellen Person wie Ihnen so ganz und gar der "Sprung in den Glauben", und sogar eine bestimmte dogmatische Auslegung wie den Katholizismus, gelungen ist. Selbst bin ich nach einer atheistischen Jugendphase vom Agnostizismus zum Theismus gekommen - in dem Sinne, dass ich mir sicher bin, dass es eine "göttliche", transzendente Ebene als Fundament der materiellen Wirklichkeit schlichtweg geben muss. Bei einer bestimmten Religion/Konfession anzukommen ist mir trotz interessierter Beschäftigung mit verschiedenen Glaubenssystemen allerdings nicht gelungen. Es gibt für alles für und wider, und auf einer rationalen Schiene ist es vielleicht auch schwierig. Die EKD (ist das noch eine Kirche?) habe ich schon vor 10 Jahren verlassen. Allerdings war mir der Protestantismus schon seit der Beschäftigung mit Webers "die protestantische Ethik" im Studium irgendwie generell unsympathisch. Der Katholizismus erscheint mir, trotz teilweise fragwürdiger Historie, tendenziell sympathischer, u.a. auch aus ästhetischen Gründen. Das kath. Christentum war natürlich eminent bedeutend in der Herausbildung des abendländischen Kulturraums (siehe Kaltenbrunner), und man spürt, dass mit seinem Verlust auch das Abendland womöglich zu einem Ende kommt. Allerdings wird man durch diese Erkenntnis noch nicht zu einem gläubigen Katholiken. Kurzum, ich würde es mit dem Katholizismus zumindest einmal versuchen wollen, und mich über eine geeignete Literaturempfehlung Ihrerseits sehr freuen, da Sie als Suchende diesen Prozess durchgemacht haben.

Kommentar Sommerfeld: Chesterton! Dávila! Wenn's politischer sein soll, also wieso die katholische Kirche (fast) zerstört worden ist: Marcel Lefebvre "Sie haben Ihn entthront" und weniger politisch Matthias Gaudron: "Katechismus zur kirchlichen Krise".

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