In Moskau. Teil 2: Politische Gespräche

Bevor ich von den politischen Gesprächen berichte, die ich in Moskau führen konnte, möchte ich von einem Gang durch eine Einkaufspassage erzählen. Sie liegt in der Nähe des Zentrums und sieht nicht anders aus als die Altstadtgalerie in Dresden oder eine vergleichbare, überdachte Ansammlung von Geschäften irgendwo auf der Welt:

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek leitet den Verlag Antaios

Man kann mit dem Auto in eine Tief­ga­ra­ge fah­ren, sitzt ab und gelangt durch Dreh­tü­ren in eine geheiz­te Klein­stadt, in der Roll­trep­pen Eta­gen erschlie­ßen. Vom höchst­prei­si­gen Kon­sum bis zum Super­markt ist alles vor­han­den, und zwi­schen den Geschäf­ten ste­hen Stän­de mit Snacks, Süß­kram und Tin­nef, auf­ge­bock­te Luxus­ka­ros­sen aus Chi­na, Tre­sen von Ver­trags­jä­gern, und – durch alle Gebäu­de­ebe­nen auf­ge­rich­tet – plät­schern Fische durch ein rie­si­ges Röhrenaquarium.

Man weiß sowie­so, daß der Kapi­ta­lis­mus eine Hure ist, eine spie­geln­de Ober­flä­che, die dem, der schaut, auf die jeweils gefäl­li­ge Wei­se zuzwin­kert. So ist es auch dort. Denn zwar gibt es Sank­tio­nen, und natür­lich spie­len die gro­ßen Kon­zer­ne und Mar­ken in Deutsch­land und der „west­li­chen Welt“ auf der Moral­flö­te das Lied vom bösen Rußland.

Aber Hugo Boss und Karl Lager­feld sind in der Mos­kau­er Pas­sa­ge eben­so ver­tre­ten wie Apple („re:store“) und Star­bucks („stars­cof­fee“) – impor­tiert über Chi­na oder Kasach­stan oder woher auch immer, und in kei­nem die­ser Läden hängt irgend­ei­ne Regen­bo­gen­fah­ne oder eine aus der Ukrai­ne, und kei­ne Laden­flä­che steht leer, weil da jemand das Geschäft mit „dem Feind“ nicht mehr machen wollte.

Ich kauf­te etwas Scho­ko­la­de und ein paar Nüs­se für die Rück­rei­se, denn nach dem Gang durch die­sen über­dach­ten Tem­pel gings zum Flug­ha­fen und über Bel­grad zurück. Aber die­ses Abschlen­dern von Geschäf­ten, Fül­le, Embar­go-Umge­hung, glo­ba­ler Nor­ma­li­tät bestä­tig­te mir noch ein­mal, wor­in ich mit den inter­es­sier­ten Gesprächs­part­nern in Mos­kau (auch in Mos­kau!) einer Mei­nung war – und bin:

Es geht welt­weit nicht mehr um Sys­te­mal­ter­na­ti­ven, nicht ein­mal in Chi­na, und in Ruß­land schon gar nicht. Inso­fern sind wir nach 1990 durch­aus in eine Art Ende der Geschich­te ein­ge­mün­det, haben eine Art „Del­ta“ erreicht (um eine Voka­bel Slo­ter­di­jks anzu­brin­gen). Es geht, egal wohin wir bli­cken, dar­um, Mas­sen­ge­sell­schaft (und das bedeu­tet immer: Mas­sen­kon­sum samt Vor­spie­ge­lung und Ermög­li­chung von „Indi­vi­dua­lis­mus“) zu orga­ni­sie­ren. Das hat Arnold Geh­len schon vor Jahr­zehn­ten pro­gnos­ti­ziert, als er sinn­ge­mäß sag­te, die Zweck­be­schrei­bung für das moder­ne Gemein­we­sen lau­te, für immer mehr Men­schen immer mehr Kon­sum zu gewährleisten.

So ist es, und es gelingt funk­tio­na­ler hier, es miß­lingt dys­funk­tio­na­ler dort, mal sieht es par­la­men­ta­risch-demo­kra­tisch aus, mal illi­be­ral, auto­ri­tär-demo­kra­tisch, tech­no­kra­tisch – und über­all ist eine wach­sen­de post-demo­kra­ti­sche Unge­duld zu spü­ren: Wah­len stö­ren, Akkla­ma­ti­on könn­te doch rei­chen, und Moral, Beschrän­kung, Prin­zi­pi­en und Aske­se sind Maß­stä­be, deren Anwen­dung wie ein anti­quier­tes Spiel wirkt.

Es gab in der Dis­kus­si­on, die sich an einen vor klei­ne­rem Kreis gehal­te­nen, poli­ti­schen Vor­trag anschloß, kei­nen Wider­spruch gegen die­se Grund­an­nah­me. Man ver­wies auf stra­te­gi­sche State­ments aus dem Wald­ai-Klub, der erst Anfang Okto­ber sei­ne Jah­res­ta­gung absol­viert hat.

Man geht dort von natio­na­len Ord­nungs­ver­su­chen in einer chao­ti­schen Welt aus, in der revo­lu­tio­nä­re Vor­ha­ben unkal­ku­lier­bar gewor­den sei­en und kei­ner­lei Strahl­kraft mehr ent­wi­ckeln könn­ten. Das Risi­ko einer chao­ti­schen gesell­schaft­li­chen Umbruch­pha­se sei zu hoch, der Wett­be­werbs­nach­teil wäre so immens, daß alles, was den Grund­prin­zi­pen glo­ba­len Wirt­schaf­tens ans Leder wol­le, in den Bereich poli­ti­scher Roman­tik abge­drängt wer­de und ans Ver­schro­be­ne grenze.

Mit ande­ren Wor­ten: Es geht um Res­sour­cen­si­che­rung, um die Mode­ra­ti­on inner­ge­sell­schaft­li­cher Span­nun­gen, um eine Art natio­na­ler Fit­neß im Wett­be­werb mit der Kon­kur­renz. Ich nann­te es die „Ver­bes­se­rung der erreich­ten Nor­ma­li­tät“ – und ver­wies auf den Son­der­fall Deutsch­land, in dem es um die zunächst grund­sätz­li­che Wie­der­her­stel­lung einer sol­chen Nor­ma­li­tät über­haupt gehe.

Die­se ent­schie­de­ne Schei­dung von unzeit­ge­mä­ßer theo­re­ti­scher Sys­tem­kri­tik und drän­gen­der prak­ti­scher Sys­tem­re­pa­ra­tur war für die Zuhö­rer und Gesprächs­part­ner wich­tig. Ihnen ging es um die rea­lis­ti­sche Ein­schät­zung jener Auf­ga­be, der sich eine regie­ren­de AfD anneh­men wür­de. Man stimm­te dar­in über­ein, daß die­se Wie­der­ge­win­nung der Nor­ma­li­tät für Deutsch­land bereits eine Art revo­lu­tio­nä­rer Akt sei und daß die Wider­stän­de dage­gen unter ande­rem auf­grund der ver­ba­len Inter­ven­tio­nen der USA bröckelten.

Das war für die Rus­sen ein resi­gna­ti­ver Moment: Man mach­te sich kei­ner­lei Illu­sio­nen dar­über, daß die­se Unter­stüt­zung der Oppo­si­ti­on durch Aus­sa­gen wie die von Vize­prä­si­dent Van­ce im Rah­men der Münch­ner Sicher­heits­kon­fe­renz die AfD eng an die USA bin­den könn­te und daß eine deut­sche Äqui­di­stanz zwi­schen West und Ost, eine Mit­tel­la­ge und Mitt­ler­po­si­ti­on, damit noch schwie­ri­ger würde.

Man hat in Mos­kau die Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Wei­del und Chrup­al­la natür­lich wahr­ge­nom­men und schätzt den West­kurs, den Kurs eines „gesün­de­ren US-Vasal­len“, als den nahe­lie­gen­den ein. The­men wie NATO- oder EU-Aus­tritt spiel­ten über­haupt kei­ne Rol­le in den Gesprä­chen (sie spie­len ja auch für uns kei­ne), und auch das war und ist ein Zei­chen für radi­kal real­po­li­ti­sches Den­ken: Nie­mand schwelg­te in gro­ßen Wür­fen und unrea­lis­ti­schen geo­po­li­ti­schen Bil­dern – es ging letzt­lich dar­um, Mög­lich­kei­ten zu erör­tern, wie ein wei­te­res Aus­ein­an­der­drif­ten von Deutsch­land und Ruß­land ver­hin­dert wer­den könnte.

In den Gesprä­chen spiel­te auch der Zwang der Lage eine gro­ße Rol­le: Konn­te eine Macht wie Ruß­land wei­ter­hin zuse­hen, wie in der Ukrai­ne nicht nur ein Regime Chan­ge durch­ge­führt wor­den war, son­dern eine Posi­tio­nie­rung gegen Mos­kau erfolg­te? Konn­te man den unge­teil­ten west­li­chen Zugriff auf die Res­sour­cen zulas­sen? Und was soll­te mit den Rus­sen in den ost­wär­ti­gen Oblas­ten geschehen?

Schon der Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Hau­ke Ritz hat in sei­nem Buch Vom Nie­der­gang des Wes­tens zur Neu­erfin­dung Euro­pas auf den selt­sa­men Umstand hin­ge­wie­sen, daß man jeden Hand­ta­schen­räu­ber zum Opfer der Ver­hält­nis­se zu erklä­ren bereit sei, wäh­rend man Putin so etwas wie eine Mög­lich­keit zur frei­en Ent­schei­dung über Krieg oder Nicht-Krieg zuspre­che. Dabei sei es gera­de umge­kehrt: Der Räu­ber kön­ne ent­schei­den, die nächs­te Hand­ta­sche nicht zu steh­len, aber der Prä­si­dent einer Groß­macht habe nach den Geset­zen und Not­wen­dig­kei­ten einer Groß­macht zu agie­ren – und die US-geführ­ten Angriffs­krie­ge der letz­ten Jahr­zehn­te sei­en dafür nur eines von vie­len his­to­ri­schen und aktu­el­len Beispielen.

Auf­fal­lend war, daß kein ein­zi­ger mei­ner Gesprächs­part­ner in Mos­kau sich an den USA abar­bei­te­te oder mit natio­na­ler Begeis­te­rung über den Krieg in der Ukrai­ne sprach. Eini­ge äußer­ten, man hät­te die­ses Unter­neh­men deut­lich begrenzt ange­hen müs­sen, Kiew Kiew sein las­sen, aber die vier Oblas­te rasch beset­zen sol­len. Alle waren der Mei­nung, daß die Erfah­run­gen im digi­ta­len Gefechts­feld ver­hee­ren­de Erkennt­nis­se für den Fak­tor Mensch im moder­nen Krieg erbracht hät­ten und daß der Kampf unter der unaus­ge­setz­ten, sur­ren­den Gegen­wart von Droh­ne, Kame­ra, Bewe­gungs­bild und insek­ten­haf­ter Prä­zi­si­on ein Grau­en neu­er Qua­li­tät erzeugt habe.

Mein Gast­ge­ber Filipp Fomit­schow wies mich auf etwas hin, das in Mos­kau doch an die Front erin­ner­te: Auf­ru­fe, sich frei­wil­lig zu mel­den, wech­sel­ten auf rie­si­gen Wer­be­bild­schir­men mit Wer­bun­gen für Autos, Bau­märk­te und Lie­fer­diens­te. Und die­se Frei­wil­li­gen­mel­dung, die den Bedarf noch immer deckt und har­te Rekru­tie­rung ver­hin­dert, ist finan­zi­ell so lukra­tiv, daß dies eine mög­li­che natio­na­le Moti­va­ti­on min­des­tens überlagert.

So schätz­te das Fomit­schow ein, und er füg­te hin­zu, daß man des­halb von einem tota­len Krieg und von Hei­mat­front und Kriegs­wirt­schaft ehr­li­cher­wei­se nicht spre­chen kön­ne. Das, was in der Ukrai­ne gesche­he, sei eine Ope­ra­ti­on mit kal­ku­lier­ba­rer Res­sour­ce, und eine Aus­wei­tung wür­de zu Kon­se­quen­zen im Innern füh­ren, an denen nie­mand ein Inter­es­se habe.

Aber sei es nicht für spä­te­ren poli­ti­schen Ein­fluß sinn­voll und Vor­aus­set­zung, dem Vater­land im Krie­ge gedient und sich nicht außen vor gehal­ten zu haben? Ein Lächeln, und der Hin­weis, ich hät­te doch gera­de erst von der bes­ten­falls unge­stört vor sich hin­tu­ckern­den Mas­sen­ge­sell­schaft gespro­chen. Die­ser Krieg sei eine vom moder­nen Mos­kau­er Leben abge­kop­pel­te Sache, wie zurecht beob­ach­tet: im All­tag nicht spür­bar, nur an den Rän­dern, nur dort, wo einer gefal­len sei, den man kann­te, und wenn man mit Leu­ten zu tun hät­te, die lebend aus der Todes­zo­ne des Droh­nen­kriegs her­aus­ge­fun­den haben und seit­her ein wenig selt­sam seien.

Das alles, das war Kon­sens unter allen, mit denen ich sprach, müs­se so rasch wie mög­lich ein Ende haben. Die Not­wen­dig­keit einer West­ori­en­tie­rung Ruß­lands sei so offen­kun­dig, daß die gan­ze eura­si­sche Theo­rie nichts wei­ter sei als ein wie­der­um roman­ti­scher Gedan­ke an rie­si­ge Räu­me und Poten­tia­le. Die engs­te Ver­zah­nung von Wis­sen, Pro­duk­ti­on, Orga­ni­sa­ti­on ent­ste­he nicht aus Step­pen, son­dern nach euro­päi­schen Vor­zei­chen und Geset­zen, sie­he Mos­kau, und wer Sankt Peters­burg euro­pä­isch und Mos­kau halb­asia­tisch nen­ne, habe von Ruß­land nichts begriffen.

(So sag­te es einer, mit dem ich nach dem inter­nen Vor­trag lan­ge sprach und den ich durch Stra­ßen­zü­ge beglei­te­te. Und wäh­rend er es sag­te, hielt er sein Gesicht in die Kame­ra an der Kas­se eines Tan­te-Emma-Ladens, um mit Face Pay zu bezah­len und sich sozu­sa­gen durch die Haut gleich noch die Bonus­punk­te und die nächs­ten Rabat­te notie­ren zu lassen.)

Zu berich­ten bleibt zuletzt noch von der Ant­wort auf die Fra­ge, ob der deut­sche Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Pis­to­ri­us es ernst mei­ne, wenn er sage, man müs­se davon aus­ge­hen, daß Ruß­land 2029 die Nato angrei­fen kön­ne. Der Gesprächs­part­ner, ein Exper­te für Außen­po­li­tik, stell­te die­se Fra­ge mit einem Lächeln und signa­li­sier­te damit, daß er eine Erör­te­rung die­ses The­mas für etwas hal­te, das unter unse­rem Niveau sei. Bloß abha­ken woll­te er es offen­sicht­lich – und eine viel inter­es­san­te­re Fra­ge hin­ter­her­schie­ben: ob sol­che Droh­sze­na­ri­en als Groß­erzäh­lung etwas aus­tra­gen könn­ten hin­sicht­lich Auf­rüs­tung und Wehrbereitschaft.

Das ist ein inter­es­san­ter Punkt: Bedro­hungs­er­zäh­lun­gen die­nen nicht nur dazu, Wach­sam­keit zu schär­fen und Vor­sor­ge zu legi­ti­mie­ren. Sie kön­nen auch zum Schul­ter­schluß derer füh­ren, die sich bedroht sehen sol­len. Jedoch muß die­se Erzäh­lung auf erfahr­ba­rer Grund­la­ge ste­hen, und die­se Grund­la­ge fehlt mei­nes Erach­tens nach. Denn das bru­ta­le Sze­na­rio aus dem Don­bass kann nicht auf eine mög­li­che Front in Litau­en oder Polen und schon gar nicht in Deutsch­land über­tra­gen wer­den. Denn die­se Inten­si­tät, die den­noch nicht zu einem Durch­bruch führ­te, kann auch eine Groß­macht wie Ruß­land nicht wie­der und wie­der darstellen.

Es ent­spann sich ein län­ge­res Gespräch über die­se Aspek­te, in das sich ers­te Bewer­tun­gen des 28-Punk­te-Frie­dens­plans misch­ten. Die­ses Gespräch ist bis heu­te nicht abge­ris­sen, und damit ist ein Zweck der Rei­se nach Mos­kau erfüllt: Es gibt nun Gesprächs­fä­den, die nicht unter der erst­bes­ten Belas­tung rei­ßen wer­den. Das ist denk­bar wenig und zugleich sehr viel. Wie näm­lich soll es sonst gehen?

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek leitet den Verlag Antaios

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Kommentare (57)

Schobbepetzer

9. Dezember 2025 21:59

wenn man sich die Frage stellt und ich stelle sie mir, Anbindung an die USA und damit Ende der Überfremdung. Oder Unabhängiger Weg mit allen Unwägbarkeiten, dann wähle ich die USA.Das wir die Rettung unseres Landes eigenständig hinbekommen, wäre schön aber meiner Meinung nach unwahrscheinlich. Was GK sagt finde ich alles einleuchtend, aber das kommt alles nach der Migrationsgeschichte.

Laurenz

9. Dezember 2025 22:47

@Schobbepetzer ... Die royalen Franzosen ermöglichten die US-Amerikanische Revolution. Hat das heute noch irgendeine Bedeutung? Eher mal nicht. Die USA haben keine Freunde, wir auch nicht. Die USA mögen zwar ein schwaches Europa, aber keines, das außer Kontrolle gerät. Wer soll dann noch US Amerikanische Waffen kaufen? Daher ist es völlig in Ordnung, wenn die AfD eine Ebene erzielt, kreieren kann, wo man explizit Deutsche Interessen wenigstens zu einem Minimum ausgleichen kann. Für Amerikaner, Russen, Inder & Chinesen ist ein Deutschland, welches seine Interessen vertritt, viel leichter zu kalkulieren, als die gefährliche Brüsseler Mischpoke, die sich ideologisch zu einer unkalkulierbahren Gefahr hin entwickelt & versucht, den aktuellen Friedensprozeß aufzuhalten.

Gomez Davila

9. Dezember 2025 23:35

GK, diesmal Respekt!!! Perfekt dargestellt, genauso ist die Sicht/Lage in Moskau und in Peter (wie die Russen verkürzt sagen). Ich muss lediglich hinzufügen, dass wir Deutschen immer noch ein sehr hohes Ansehen genießen. Der Russe bekommt von dem Irrsinn hier nichts mit und es gibt keine antideutsche Propaganda.
 

Majestyk

10. Dezember 2025 00:35

Schließe mich Schobbepetzer an. Mich bewegen drei Dinge. Ende der Ausdünnung, Sicherung der Existenzgrundlagen und Ende von Dauerbevormundung und Lebensführungskontrollphantasien. Punkt 1 geht derzeit nicht ohne USA, es braucht den Impuls von außen zum Befreiungsschlag, Punkt 2. geht nicht gegen die USA, bei Nr. 3 bin ich skeptisch. Obrigkeitsglaube und Bevormundung haben hierzulande schon eine große Tradition.

Martin Barkhoff

10. Dezember 2025 03:25

Lieber Schobbepetzer:
Wer hat Deutschland mit der Umerziehung entdeutscht?  Die VSA
Wer hat Deutschland und Europa unter die NATO gezwungen?  Die VSA
Wer hat die Migrationsgeschichte aufgeschient und durchgezogen?  Die VSA
Wer spielt jetzt das good cop / bad cop-Spiel mit den noch denkenden, verzweifelnden Europäern?  Die VSA
Fallen sie doch nicht auf den  good cop rein ! 

Ordoliberal

10. Dezember 2025 04:18

Gerade nehme ich GK noch die "libertäre Brühe" aus seinem letzen Tagebuch-Eintrag übel, da lese ich schon wieder:
"Man weiß sowieso, daß der Kapitalismus eine Hure ist, eine spiegelnde Oberfläche, die dem, der schaut, auf die jeweils gefällige Weise zuzwinkert."
Den Konsumenten als Freier der Hure Kapitalismus zu bezeichnen, ist nichts weiter als Standesdünkel. Wer isst, ist nicht Freier der Hure Nahrung. Wer am Strand liegt, ist nicht Freier der Hure Freizeit. Das gilt auch dann, wenn der Strand der Ballermann ist und die Nahrung ein Cheeseburger.
Es ist seltsam: Der Rechte liebt "das Volk" (das er sich immer nur arbeitend vorstellt), aber er verachtet "die Masse" (die er sich immer nur konsumierend vorstellt). Aber was ist denn nun eigentlich der Unterschied zwischen Masse und Volk, zwischen einem "Massenmenschen" und einem "Volksgenossen"?
Wer das arbeitende Volk liebt, sollte ihm auch den Konsum gönnen. Nicht Profit ist das Ziel aller Arbeit, sondern Konsum. Konsum bedeutet, die Früchte seiner Arbeit zu genießen. Wer will sich denn anmaßen zu beurteilen, welche Früchte wem schmecken dürfen und welche nicht?
Zum Thema Russland: Interessant, dass die Gesprächspartner das Verhältnis Deutschlands zu den USA so realistisch sehen. Tatsächlich verteidigt ja nicht Putin die Grundlagen unserer Kultur, unserer Freiheit und unseres Wohlstands, sondern Trump - mit seiner libertären Brühe.

Franz Bettinger

10. Dezember 2025 05:41

GK sagt, man mache sich in Moskau keinerlei Illusionen darüber, dass die Unterstützung der AfD durch Vance die zukünftig in D regierende AfD eng an USA binden & damit von Russland entfernen könnte. Wieso? Trump steht sich doch gut mit Putin! Der alte ideol. Konflikt zwischen den Weltmächten (zumindest diesen zwei) scheint dank Trump zu verschwinden. Verrückt sind nicht Putin, Trump & die AfD, sondern die für D tonangebenden Elitioten in Brüssel. Die AfD kann, falls überhaupt nötig, idealer Mittler zwischen Putin & Trump sein. Dass die AfD aus Gründen des Selbstschutzes momentan Trump' s Rückendeckung braucht und diese nicht verlieren will, steht auf einem anderen Blatt. NB: Auch wenn NATO und EU als Thema aktuell keine Geige spielen: Diese zwei Krebs-Geschwüre werden hoffentlich bald verdampfen wie auch das unsinnige, alte, geo-strategische Konkurrenz-Denken der Großmächte. 

RMH

10. Dezember 2025 07:55

Demnächst bei Antaios: "Ohne Auftrag in Moskau" von G. Kubitschek.
Scherz bei Seite: Wenn die AfD aktuell - Oh Schreck! - wieder ein bisschen mehr über den großen Teich schaut, dann wird das daran liegen, dass von dort die besseren Angebote kommen. Aber die AfD sollte auch hier Realismus walten lassen. Habe mich mit einem alten Freund unterhalten, der vor über 30 Jahren in die USA ausgewandert ist. Meine Frage, ob die AfD bei den US-Amerikanern bekannt ist & ob Äußerungen zur Meinungsfreiheit in D, wie sie Vance gemacht hat, überhaupt irgendwo ein besonderes Thema waren, verneinte er. Außer Leuten wie ihm, die aufgrund der Herkunft noch nach Europa schauen, interessiert den normalen Amerikaner Europa & insbesondere D kaum oder nur sehr oberflächlich. Es bleibt bei dem, was in den Debatten schon vor Jahren festgehalten wurde: Für D gilt, hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. Evtl. steigen dann aber auch die Respektswerte außerhalb von D.
PS: Den im Artikel zur Sprache gebrachten Standpunkt, dass die Großmacht RUS im Fall der UKR angeblich nicht anders konnte, als den Tabu-Bruch zu begehen, innerhalb Europas einen Landkrieg im vollen Maßsstab vom Zaun zu brechen, teile ich ausdrücklich nicht. Wer einen Krieg mit Rücksicht auf Chinas Olympiade mal eben verschieben kann, der hätte ihn auch ganz aufschieben können & RUS muss zumindest dann aktuell mehr auf die Initiativen der Trump- Admin zugehen & nachgeben.

Andreas J

10. Dezember 2025 08:30

@SchobbepetzerNach meiner Info waren es btw. die USA, die mit sanftem Druck auf die BRD erzwangen, dass unter dem Kabinett Adenauer III ein Anwerbeabkommen auch mit der Türkei vereinbart wurde, was von der BRD bis dahin ganz bewusst vermieden wurde. Den USA ging es darum, die Arbeitslosigkeit in dem für sie wichtigen NATO-Land Türkei zu reduzieren. 

Laurenz

10. Dezember 2025 08:54

@Martin Barkhoff ... Sie verkennen die geopolitische Situation. Die USA litten unter den Dems genauso, wie wir unter der woken EU. Gigantisch teure linke Projekte, welche die Volkswirtschaft ruinieren & zusätzlich auch noch die Finanzierung linker Projekte weltweit, in denen nur Geld verballert, aber keine ideologische Gleichschaltung erzielt wird. Weil das aber eine ökonomische Unterlegenheit gegenüber Asien (China/Indien) produziert, geht solch eine Politik des ökonomischen Niedergangs des Westens nach hinten los. Das hat der Ami-Wähler am eigenen Leib gespürt & Trump gewählt. Das in dieser Legislatur bessere Trump-Team ist gar nicht so liberal, wie hier postuliert wird. Es gibt jetzt 12 Milliarden US$ für die Ami-Bauern & der Neu-Katholik Vance will gar keinen schwachen Staat, weil ein schwacher konservativer Staat nicht gegen selbst ernannte philanthropische Milliardäre ankommt. Für Vance steht die Amerikanische Familie an I. Stelle, soweit das politisch machbar ist. Trump hat verstanden, daß nicht Shareholder-Value, sondern wertschöpfende Produktion politische Macht generiert. Insofern sehen sich die USA gezwungen, Rußland zumindest politisch zu neutralisieren & etwas aus dem Asiatischen Lager zu distanzieren. Die Russen machen da sicher mit, weil sie dadurch ihre Abhängigkeiten diversifizieren können. Dasselbe gilt im Kleinen für uns. Wir sind nicht von Freunden umgeben & müssen unsere Abhängigkeiten diversifizieren. Recherchieren Sie doch mal, beim wem Israel den Ölbedarf deckt.

RMH

10. Dezember 2025 09:37

@M.Barkhoff & Andreas J., jetzt lassen Sie doch mal bitte die ollen Kamellen. Die sog. Umerziehung war fest vereinbart zwischen allen Siegermächten & in ihren Besatzungszonen durchzuführen. Hat also auch in der DDR stattgefunden, was man bis heute an der pro-russischen, anti-usa Haltung der dortigen, älteren Bevölkerung deutlich bemerkt. Was das Thema "Gastarbeiter" (so hieß das damals! Nicht Migranten) betrifft, so hat es keinen besonderen Druck für die Anwerbeabkommen bedurft, sondern man rannte da offene Türen bei der dt. Wirtschaft ein. Ich habe das bei meiner Heimatstadt, einer Industriestadt, einmal ein bisschen recherchiert. Die ersten Gastarbeiter (Schwerpunkt Italiener, Gr.) kamen & wurden zunächst in die selben Baracken einquartiert, in der zuvor im Krieg die Fremdarbeiter hausen mussten. Die ersten "Türken" waren bosn. Türken, die von Tito wg Kollab. mit D in die Westtürkei vertrieben wurden & dort nicht erwünscht waren. Die hiesigen Personalchefs, maßgeblich ehem. SS-Kader, haben über einen bosn. (SS?)-Arzt, der hier war, dann die Arbeiter "vermittelt" bekommen. Unter dem Strich: Altnazis haben den Willen A.Hs nicht beachtet & maßglich das Gastarbeiter-Ding mitangekurbelt (Geld stinkt nicht). Ganz ohne Amis. Die waren damals bei uns auch, aber eher hinter den "Fräuleins" her. 

Mitleser2

10. Dezember 2025 09:39

@RMH: Das Thema des Ukr-Krieges ist unerschöpflich. Ich verweise auf den unverdächtigen Henry Kissinger von 2014. Die Neocons haben damals nicht mehr auf ihn gehört. Statt Nuland. 
https://www.ipg-journal.de/kommentar/artikel/henry-a-kissinger-eine-daemonisierung-putins-ist-keine-politik-298

Waldgaenger aus Schwaben

10. Dezember 2025 10:06

Einige äußerten, man hätte dieses Unternehmen deutlich begrenzt angehen müssen, Kiew Kiew sein lassen, aber die vier Oblaste rasch besetzen sollen
Genau das nicht zu tun, war der große, historisch zu nennende Fehler Putins. Er hatte den Krieg strategisch verloren, als der Vorstoß auf Kiew im Schlamm stecken blieb. Selbst wenn es zu einem Friedensvertrag auf Basis des ursprünglichen 28-Punkte Plans kommen sollte, die Kosten für den Krieg sind für Russland höher als der Nutzen. Im Gegensatz zu den USA, die sich mit überschaubaren Kosten aus Vietam, dem Irak, Afghanistan oder wo sie sonst noch strategisch verloren haben, zurückzogen, kann Russland sich nicht aus dem besetzten Teil der  Ukraine zurückziehen und wird auf unabsehbare Zeit unter den Folgekosten leiden.

tearjerker

10. Dezember 2025 10:34

Man mag sich den USA näher fühlen, mehr von Ihnen versprechen, weil man sich mal so richtig einkaufen lassen möchte, aber die teils offene Feindseligkeit gg bundesdeutsche Interessen, die in der Pipeline-Sprengung gipfelte, ist die Rückkehr auf Positionen, die zuletzt in dem halben Jahrhundert vor 1950 bezogen wurden. Trump mag pragmatischer mit dem Problem umgehen als sein seniler Vorgänger und dessen Einflüsterer, aber er schickt Vance auch nur vor, um die Spaltung zu vergrössern, so wie er Moskau vom Rest Europas abschneiden möchte, damit für Berlin und Co nichts zu holen ist. Moskau in die europäische Mitte zurückzuholen, ist notwendig um die Ausweitung des heissen Konfliktes nach Westen zu verhindern und ein Gegengewicht gg Washington zu haben. Der 80%-Linksblock, zu dem ich programmatisch auch die Alternative zähle, dessen Wählerstamm eher nicht zu den US-Sympathisanten gehört, wird die BR optional zur Not auch in die totale Isolation führen um dranzubleiben oder -zukommen. Für die ist es deshalb logisch, dafür irgendwann Moskau ins Spiel zu bringen und schliesslich auch auch Team Blau einzubeziehen. Von der Brandmauer zu 'Das tritt – nach meiner Kenntnis ist das sofort, unverzüglich!' Und dann: Einigeln!

nagini

10. Dezember 2025 10:38

Es wird einem doch immer mehr, oder teilweise schlagartig klar, wie absurd unser Leben ist. Ich habe keine Milch mehr im Kühlschrank und muss somit mehrere (Kilo)Meter zu einem eben externen Gebäude fahren, oder gar laufen, und dort Milch gegen Geld kaufen. Egal, was an Basalem und Simplem zuhause fehlt, ich habe es nicht bei mir, ich habe kein Grundstück, ich habe - wenn es keine Supermärkte gibt, zu denen ich fahren kann, bzw. muss - keine einzige Karotte im Haus. Da stehen wir alle um 17 Uhr im Feierabendverkehr, hupen uns an, drängen uns durch die absoluten Menschenmassen (wo kommen all die Menschen her?) und grabschen nach den EIGENTLICH natürlichsten und grundlegendsten Dingen, die wir eigentlich zuhause haben sollten, weil sie eigentlich viel zu wichtig sind, um dabei jedes mal von einem Supermarkt abhängig zu sein, wie eben Nahrungsmittel, Hygieneartikel, oder Heilmittel. In Russland gibt es also Konsum, wie schön, aber dieses ganze System, in dem wir kollektiv auf der Welt leben, macht uns krank, weil es unnatürlicher und bedrohlicher - man kann sich ja nie auf sich selbst verlassen - ist immer abhängig von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft - als unser aller Leben derzeit ja gar nicht mehr geht. 

RMH

10. Dezember 2025 10:41

@Mitlerser2, alles altbekannt, als Debattenteiln. seit dem "ersten Schuss" habe ich hier im Forum vermutlich mehr Argumente gehört, als die meisten, die solchen Debattenräumen gerne ganz bewusst fernbleiben. Aber ich bleibe dabei: Wenn G. K. den mehr als hinkenden Vergl mit dem Handtaschenräuber bringt, der ja die nächste Tasche nicht klauen muss, dann ist es mitnichten eine Art denknotwendige Folge, dass RUS auf die gesamte Vorgschichte mit dem Krieg & Überfall reagiert, wie es geschehen ist. Wer geplante Kriege verschieben kann, der kann sie auch absagen. Selbst mancher Gesprächsteilnehmer von G.K. sieht offenbar ein, dass der Sturm auf Kiew evtl. keine gute Idee war. Aber darum kann es heute nicht mehr gehen, ich argumentiere auch nicht mit "Schuld"-Fragen, sonder verwahre mich dagegen, dass Handlungen von Staaten quasi naturgesetzlich zwanghaft erfolgen & beim Handtaschenräuber auf einmal nicht. Heute geht es darum, dass der einzige, der überhaupt noch Druck in Richtung Frieden macht, Trump ist, auch wenn man ihm die Menschenfreundlichkeit, die er in seinem Interview als Motiv nannte, nicht zu 100% abkaufen kann, da die USA den Rohstoff-Deal mit UKR abgeschlossen haben. In Bezug auf die Friedensverhandl. kann & darf man von RUS mehr Entgegenkommen in Bezug auf Trumps Initiative fordern. Man bricht sich damit keinen Zacken aus der Krone.

Laurenz

10. Dezember 2025 10:43

@Tearjerker ... hat Sich Orban mit Seinem 10 Mio.-Staat eingeigelt? Hat Er nicht. Orban hat schlechte Beziehungen zur EU, aber gute Beziehungen zu den USA & Rußland.

Dietrichs Bern

10. Dezember 2025 11:04

Zunächst einfach einmal vielen Dank für eine realistische Beschreibung der Lage vor Ort. Den hiesigen Propagandamedien nach, wäre Putin ja bereits vor einiger Zeit an einer schweren Erkrankung verstorben und Moskau läge ob der Sanktionen in Trümmern.
Übrigens, bei aller berechtigten Kapitalismuskritik: Die Findigkeit dieses Systems im Vergleich zum Brüsseler ZK zeigt sich ja an der Schaffung und Nutzung von Schlupflöchern der Sanktionen. 
 
 

Monika

10. Dezember 2025 11:32

@Ordoliberal , was die rechte Kapitalismuskritik betrifft ( die Konsumenten als Freier der Hure Kapitalismus) , da folge ich Ihnen. Es ist elitäre Überheblichkeit. Mein linker, kapitalismuskritischer Sohn ist da auch sehr empfindlich. Das gemeine Volk nimmt er diesbezüglich von jeglicher Kritik aus, sein "Feind" sind das System u. die Großkapitalisten. Ich war mit 17 Jahren das erste Mal in Moskau, lange vor der Wende. Im Kaufhaus GUM gab es fast nichts. In der Metro befühlten Menschen meinen kobaltblauen Wollmantel ( von Quelle) mit Bewunderung. In Nebenstraßen liefen alte Frauen mit Lumpen um den Füßen durch den Schneematsch. So viel zum Konsum. Bewundernswert fand ich die Begeisterung der Menschen für Kultur u. Literatur. Fast alle lasen Bücher in der Metro oder im Bus. Ob dieser liebenswerte Zug des "Nationalcharakters" den Systemwechsel überstanden hat ? Das möchte ich gerne wissen. Oder hängen jetzt auch alle am Smartphone? 

Rheinlaender

10. Dezember 2025 11:32

Es gibt eine Reihe von nicht-moralistischen Bedrohungswahrnehmungen bzgl. Russland, die differenzierter sind als das gängige Narrativ. Eine davon erkennt an, dass das rückblickend als kurzsichtig bewertete Verhalten der USA und einiger ihrer Verbündeter nicht hilfreich war, was das Verhältnis zu Russland angeht. Es gebe aus drei Gründen heute aber aber eine reale russische Bedrohung für West- und Mitteleuropa:
1. Die russische Regierung definiere ihre Interessensphäre weitgehend deckungsgleich zum ehemaligen Herrschaftsbereich der UdSSR, woraus in Verbindung mit ihrer Bereitschaft zu militärischem Handeln zur Durchsetzung ihrer Interessen eine Bedrohung zumindest für das Baltikum entstehe.
2. Die russische Regierung habe 2022 die Lage im Zusammenhang mit ihrer Entscheidung zum Angriff gegen die Ukraine grundsätzlich falsch beurteilt bzw. Risiken unterschätzt. Die Ursachen dafür seien struktureller Art und würden weiter bestehen. Es bestehe daher das Risiko eines unbeabsichtigten Krieges in Folge erneuter falscher Lagebeurteilungen.
3. In den relevanten Kreisen in Russland setze sich zunehmend die Vorstellung durch, dass das Geschehen nicht Ausdruck geopolitischer Dynamiken sei und z.B. durch Übereinkünfte bzgl. Interessensphären und ein stabiles Machtgleichgewicht beruhigt werden könne. Statt dessen werde das Geschehen als Ausdruck eines Zivilisationskonflikts wahrgenommen, was eine Beruhigung des Geschehens erschwere.
Es wäre interessant zu erfahren, wie diese Wahrnehmung von russlandkundiger Seite bewertet wird.

Dietrichs Bern

10. Dezember 2025 11:51

@Ordoliberal: Ich rätsele mit Blick auf die harsche Konsumkritik über das in Schnellroda favorisierte Wirtschaftsmodell, wie will man bspw. einen hohen medizinischen Standard bezahlen oder lehnt man diesen zugunsten einer auf Selbstversorgung basierenden Agrariergemeinschaft ab? 

FraAimerich

10. Dezember 2025 11:59

@Ordoliberal: "Es ist seltsam: Der Rechte liebt 'das Volk' ..., aber er verachtet 'die Masse'"
 
Das ist schnell erklärt: Man liebt und haßt in aller Regel weniger das Ding ans sich als die eigene Vorstellung davon. Das geht aber Liberalen auch nicht anders, wenn sie z.B. mal wieder das Hohelied auf Konsum, Markt und Kapitalismus anstimmen.

Artabanus

10. Dezember 2025 12:01

@RMH
Sie haben Recht, dass Putins Invasion von 2022 ein Fiasko war und von daher nicht zwangsläufig hätte erfolgen müssen. Putin wollte aber auch keinen langen Krieg, sondern eine schnelle Kapitulation mit eventuellem Regierungswechsel in Kiew. Als das nicht klappte versuchte man in Istanbul einen Kompromiss zu finden, der sehr nahe am ursprünglichen Minsk2 Abkommen lag. Aber die Intervention der NATO durch Boris Johnson stellte dann die Weichen auf totalen Krieg und Eskalation. Und genau an diesem Punkt konnte man sehen, daß Putins Einschätzung der NATO als offen feindliche Macht richtig wahr. Die Sabotage der Verhandlungen im April 2022 mit der Inszenierung in Butscha, die übrigens sehr stark an die Inszenierung in Racak(Kosovo)1999 erinnerte, kann man sozusagen als nachträgliche Rechtfertigung Putins ansehen. Die NATO sah damals aufgrund der offensichtlichen Schwäche der Russen eine Möglichkeit Russland eine entscheidende Niederlage beizubringen. Und bis Mitte 2023 waren die Russen ja tatsächlich in der Defensive. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet, weshalb die USA nun versuchen den Konflikt einzufrieren mit einer Art Minsk3 Abkommen. Die EU und insbesondere Merz sind selbst dazu nicht bereit, sondern wollen einen endlosen Krieg 'Bis zum letzten Ukrainer'.

RMH

10. Dezember 2025 12:04

In den relevanten Kreisen in Russland setze sich zunehmend die Vorstellung durch, dass das Geschehen nicht Ausdruck geopolitischer Dynamiken sei und z.B. durch Übereinkünfte bzgl. Interessensphären und ein stabiles Machtgleichgewicht beruhigt werden könne. Statt dessen werde das Geschehen als Ausdruck eines Zivilisationskonflikts wahrgenommen, was eine Beruhigung des Geschehens erschwere.
@Rheinlaender, das ist ja das Problem bei fast allen (oder allen?) Kriegen seit mind. der franz. Revolution (vermutlich kann man den "Glaubenskrieg" des 30-jährigen Krieges auch schon dazu zählen). Wo früher um handfeste Interessen gefochten wurde, wurde auf einmal irgendein ideologisches, religiöses oder nationales Brimborium als Mohrrübe vor die - durch die Vermassung! - den Karren des Krieges ziehenden Bauern-& Bürgersöhne gehängt, damit diese besser ziehen, aber in Wahrheit ging es immer noch um Interessen. Als der Blitzkrieg geg. die Ukr in die Verlängerung ging, kam die Stunde der Demagogen, Ideologen & Propagandisten, von Dugin & Co. Sie mussten die Interessen auf einmal zum Kulturkampf aufblasen. Seltsamerweise sind es die USA, die ja früher auch einer ideolog. Kriegsführung bezichtigt wurden, die unter der Trump Admin. wieder zurückgekehrt sind zur interessengeleiteten Außenpolitik. Die Ideologen in RUS & in der der EU müssen weg.

Mitleser2

10. Dezember 2025 12:58

@RMH: Der Sturm auf Kiew war natürlich (im Nachhinein) keine gute Idee. Russland hat da was massiv unterschätzt, oder seine DAMALIGEN eigenen militärischen Fähigkeiten überschätzt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Maidan ein Neocon-Putsch war. Und daraus folgt alles andere. Und Kissinger hatte eben die zentrale historische Bedeutung der Ukraine (Kiewer Rus) für Russland erkannt.

tearjerker

10. Dezember 2025 13:32

@Laurenz: Für Orban lohnt es sich, seine Probleme nach Bruessel und Berlin abzuschieben, weiter europäische Kohle einzusammeln, zusätzlich Washington, Moskau und Tel Aviv anzubetteln. Der Grossraum Budapest ist nicht umsonst der nach Umfragen europafreundlichste in der EU. Das will aktuell niemand bis auf ein paar uneinsichtige Oppositionelle ändern. Diesen Luxus hat die Bundesrepublik nicht. Alle Parteien werden den Isolationismus begrüssen, wenn er zur Bedingung ihres Überlebens oder zum Einstieg in den Machtrummel in Berlin dient.

Gracchus

10. Dezember 2025 13:49

Die Analyse, immer mehr Konsum für immer Menschen, hat, wiewohl realistisch, etwas Niederschmetterndes. Den Kapitalismus sehe ich aber eher als Zuhälter, die Huren sind "wir". An die Kapitalismus-Gläubigen: Das ist nur ein personifizierendes Bild. Der Kapitalismus ist keine personaler Gott, Majestätsbeleidigungen gibt es nicht.
Einige scheinen - wie z. B. Sie @Dietrichs Bern - die Botschaft des Artikels falsch verstanden zu haben. Wider das kapitalistische Paradigma wird im Endeffekt nicht gelöckt. TINA.
Die psychopolitische deutsche Misere lässt sich vielleicht auf den Nenner bringen, dass man nicht begreift oder nicht begreifen will, dass die Globalisierung zwar nicht rückgängig zu machen ist, aber in eine Phase getreten ist, wo man sich vor ihren negativen Folgen schützen muss (z. B. durch Stärkung des Nationalstaats). 

Majestyk

10. Dezember 2025 14:09

@ Ordoliberal:
"Der Rechte liebt "das Volk""
Den Zahn habe ich mir gezogen. Also ich bin ein einfacher Mann des Volkes, der sich allerdings erdreistet den Versuch zu unternehmen selbständig und unabhängig zu denken. Die Empfindung, die ich mir gegenüber wahrnehme, würde ich nicht gerade als Liebe bezeichnen. Man schwankt überwiegend eher zwischen Mißachtung und Herablassung. Kannte ich früher nur von Sozen und Linken, die ja auch behaupten fürs arbeitende Volk zu sein.
 
Die Tiraden gegen Kapitalismus, Liberale, Libertäre nehme ich schon gar nicht mehr wahr. Ich frage mich nur, wie man mit einem solchen ökonomischen Verständnis staatspolitische Alternative sein und die Deindustrialisierung stoppen will. Waren es nicht Sie, der neulich meinte Erhard sei Fremdkörper in der CDU gewesen? Im Grunde gilt das doch auch für Weidel und Co. Anders als Trump/ Vance in den USA denkt diese Rechte in Ständen und hat sich zudem ein Geschichtsbild zusammengezimmert, das an Harlans Meisterwerk Opfergang erinnert, so jedoch den Blick auf die Realität versperrt.
Darin ähnelt man Putin als ob dessen Angriffe auf ehemalige Gebiete der Sowjetunion je etwas anderes als imperiale Anmaßung gewesen wären. Genauso absurd ist es, Rußland als Verteidiger europäischer Kultur zu definieren oder wahrzunehmen, wo Rußland doch gar nicht zur abendländischen Kultur gehören will.

RWDS

10. Dezember 2025 14:15

@Monika
Das GUM ist heute mehr Touristenattraktion, als Kaufhaus, aber leer ist es nicht, sondern gefüllt mit allem, was die besseren Malls hier auch zu bieten haben. Ganz anders das TSUM neben dem Bolshoi-Theater, da können maximal die Geissens einkaufen. Vergleichbaren Luxus gibt's in Deutschland nicht.
Herr Kubitschek berichtet übrigens vom Aviapark, der größten Mall Europas. Das Aquarium ist sogar das größte zylindrische der Welt. (Was für's nächste Kneipenquiz.)
Bücher werden sie eher selten finden. Das Handy dominiert, wie überall sonst. Wobei ich sagen muss, dass es auch auffälig viele gab, die einfach mal nichts in der Hand hatten. Generell ist das Metrofahren in Moskau total entspannt, da die eigentlich Stationen niemand ohne gültigen Fahrschein betreten kann.

Majestyk

10. Dezember 2025 14:37

@ Dietrichs Bern:
"Ich rätsele mit Blick auf die harsche Konsumkritik über das in Schnellroda favorisierte Wirtschaftsmodell, wie will man bspw. einen hohen medizinischen Standard bezahlen oder lehnt man diesen zugunsten einer auf Selbstversorgung basierenden Agrariergemeinschaft ab?"
Haben Sie nicht gelesen? EK z.B. interessiert sich nicht für das Schicksal von Städtern im Westen, sondern rät lapidar, diese können ihre Heimat ja aufgeben und im Osten aufs Land ziehen. Meine Frage wovon man denn im leerstehenden Thüringer Land leben soll, der normale Mensche brauche schließlich Arbeit, versandete wie meist irgendwo im Raum. Man redet immer über die Abgehobenheit der Linken, die Rechte ist oftmals nicht besser. Wenn EK gegenüber Frank Franz arme Deutsche als Bodensatz bezeichnet, unterscheidet sich das in keinster Weise vom Pack des Sigmar Gabriel.
Höcke und Co. eigentlich der komplette Osten, vergessen auch gern zu erwähnen, daß die Mittel aus Länderfinanzausgleich, bzw. für den Aufbau Ost ja irgendwie im "verkommenen" Westen erwirtschaftet werden müssen.
Um aber noch einmal auf Ihre Frage zurückzukommen. Im Grunde ermöglicht Kapitalismus, daß Luxusgüter auch für die "Masse" zu Alltagswaren werden. Wen das stört, gleich ob Linker oder Rechter, der will ja selber nicht auf solche Güter verzichten, der hätte diesbezüglich nur gerne eine Hierarchie. Kapitalismuskritik ist stets Kritik am Wohlstand des einfachen Volkes.

Kositza: Suchen Sie bitte mal die Stelle raus, wo ich "arme Deutsche" als Bodensatz bezeichnet haben soll. Was für ein Schwachsinn. Ich frag mich immer, wie man drauf sein muß, aus der Sicherheit der Anonymität einfach mal wuchtig durch die Gegend zu posaunen.

kikl

10. Dezember 2025 14:44

„... der Räuber könne sich entscheiden, die nächste Handtasche nicht zu stehlen, aber der Präsident einer Großmacht habe nach den Gesetzen und Notwendigkeiten einer Großmacht zu handeln …“
Erstaunlich — es gibt also ein Naturgesetz, dem sich Putin beugen musste? Der Präsident Russlands hatte angeblich gar keine andere Wahl, als in die Ukraine einzumarschieren!
Ist die Annexion von fünf ukrainischen Oblasten jetzt kein Raubzug? Und wie viele „Handtaschen“ muss Putin noch stehlen, um das angebliche Gesetz der Großmacht zu erfüllen?
Wir wissen es nicht — und genau das ist der Grund, weshalb Finnland und Schweden der NATO beigetreten sind.

kikl

10. Dezember 2025 14:56

"Denn das brutale Szenario aus dem Donbass kann nicht auf eine mögliche Front in Litauen oder Polen und schon gar nicht in Deutschland übertragen werden. Denn diese Intensität, die dennoch nicht zu einem Durchbruch führte, kann auch eine Großmacht wie Rußland nicht wieder und wieder darstellen."
Mit diesem Eingeständnis fällt das gesamte Potemkinsche Dorf von dem unermesslichen Reichtum, der Macht und der Unbesiegbarkeit Russlands wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Majestyk

10. Dezember 2025 15:28

@ RMH:
Als die Italiener kamen, gab es im Westen kaum Lehrstellen. Kriegsheimkehrer hatten Probleme Arbeit zu finden. Wohnungen gab es bis in die 60er nur für Verheiratete. Anfang der 60er war Baukrise. Laut dem Film "Der lange Abschied von der Kohle" gab schon Ende 50er erste Überlegungen die Steinkohle zum Ende des Jahrhunderts auslaufen zu lassen.
Druck der Amerikaner gab es sehr wohl, der kam der ständisch orientierten CDU nur nicht ungelegen, Geiz und Gier. Auch Erhard war vor, die Lohnentwicklung deckeln zu können. Ich glaube kaum, daß es außenpolitischen Druck gab, die Fremden tatsächlich einzubürgern oder das Staatsbürgerrecht zu ändern. Das verantworten Deutsche.
Rekrutierungsabkommen für Italiener gab es schon Ende der 30er Jahre. Hitler oder Himmler zeigten nachweislich Sympathien für den Islam. Nach dem Krieg gab es keinen echten Kontinuitätsbruch mit den Systemlingen. Es gab einen kurzen Wirbel und dann lief vieles weiter wie bisher.  "Unter den Talaren...." Jene, die das sangen, verantworten selber die größte Gehirnwäscheoperation.
Mein Opa meinte immer, "die uns die Scheiße eingebrockt haben sind weich gefallen und sitzen wieder fest im Sattel". Politisch landete die Mehrheit der Parteibuchinhaber wohl bei der CDU, die erbte ja auch einen Teil des Vermögens der NSDAP, siehe Oktogon-Trust. Neulich wurden die Quandts erwähnt. Deren Geschichte verrät viel über die Anpassungsfähigkeit der Elite an jedes beliebige System.

Mitleser

10. Dezember 2025 15:33

"und eine Ausweitung würde zu Konsequenzen im Innern führen, an denen niemand ein Interesse habe"
Womit er nicht für die Russen spricht, die an der Front bzw. in Frontnähe sind. 
"Aber sei es nicht für späteren politischen Einfluß sinnvoll und Voraussetzung, dem Vaterland im Kriege gedient und sich nicht außen vor gehalten zu haben?"
Veteranen sollen eine größere Rolle im Staat spielen. Das ist von staatlicher Seite her gewollt.
Siehe:
"Where some time after Putin announced that government is going to start prioritising promotion of SMO-proven individuals, a “Time of Heroes” program was launched. Which offers management courses, to the Veterans of the SMO."
https://x.com/ListeningP0st/status/1764786565018943887
"There was a shift in policy by Putin, and greater shift in Russian deep state. He recently appointed Zhoga, a famous DPR leader, to security council of the federation (e.g. management board of RF). He also appointed scores of decorated SMO veterans to key administrative positions"
 https://x.com/ListeningP0st/status/1855044449358790704
@Rheinlaender
Was Punkt 1 betrifft, siehe den Artikel Unsere Karte von Afrika.

Dietrichs Bern

10. Dezember 2025 16:09

@RMH: Die größte Gemeinsamkeit aller Kriege scheint mir vor allem die vollkommene Fehleinschätzung zum Verlauf des Konflikts zu sein. Ich wurde hier auch, zu Beginn des Krieges, als ich mein Erstaunen über lustige Grenzüberfahrten in Hordenformation und den Aufbau eines fulminanten Verkehrsstaus Richtung Kiew zum Ausdruck brachte belehrt, das wäre alles Ausdruck feinziselierter Gefechtsplanung. Es war aber nur Chaos, angesichts der tiefen Überzeugung, mal eben durchzumarschieren. 

Karl Otto

10. Dezember 2025 17:11

Ich denke es geht um mehr als "Massenkonsum und Individualismus". Für die allermeisten Menschen geht es darum, Armut, Elend und Gewalt zu entkommen, das zeigen die weltweiten Migrationsbewegungen, die Russland außen vor lassen.
Effektive, dauerhafte Bekämpfung von Armut und Gewalt hat  bisher nur die westliche Kombination von, Kapitalismus und Privateigentum, parlamentarischer Demokratie und einem halbwegs funktionierenden Rechtsstaat geleistet. Das russische Modell (Tankstelle mit Atomraketen) kann da wohl kein Vorbild sein.
Russland hat den höchsten Gini-Koeffizienten (Ungleichheit) aller Industrieländer, weil das System auf Export von Rohstoffen beruht, der von einer Minderheit einkassiert wird.
Und es wurde schon mehrfach darauf hingewiesen, dass eigentlich nur von  Moskau und St. Petersburg die Rede ist, wenn man von Russland spricht.

Le Chasseur

10. Dezember 2025 17:16

@Mitleser2"Der Sturm auf Kiew war natürlich (im Nachhinein) keine gute Idee. Russland hat da was massiv unterschätzt, oder seine DAMALIGEN eigenen militärischen Fähigkeiten überschätzt."
Grundsätzlich war es schon eine gute Idee, es hat nur leider nicht geklappt. Der ehemalige Kommandant der russischen Landstreitkräfte, Wladimir Tschirkin, hat kürzlich im russischen Fernsehen deutliche Kritik an den Geheimdiensten, aber auch an der miltärischen Führung geübt:
„Der Führungsriege wurden falsche Informationen gegeben (...) Wir dachten, dass 70 Prozent der Ukrainer für uns waren und 30 Prozent gegen uns. Aber es stellte sich heraus, dass es genau umgekehrt war. 30 Prozent waren für uns und 70 Prozent gegen uns. (...) Wir haben den Feind traditionell unterschätzt und unsere eigenen Streitkräfte überschätzt.““ Quelle

Laurenz

10. Dezember 2025 17:24

@Artabanus @RMH ... totaler Krieg ... Immer noch erlebe ich zu viele Teilnehmer für unseren Anspruch viel zu emotional in einer Pro-Ost/West, Anti-Ost-West-Debatte. Um der Plattform gerecht zu werden, sollten alle mehr Distanz einnehmen/wahren. Die Ukraine-Krieg ist kein totaler Krieg, nicht mal auf Seiten der Ukraine, auch, wenn es sich um den I. rein symmetrischen Krieg seit dem Korea-Krieg handelt. Deutschland führte ab 1915 & ab 1943 einen totalen Krieg. Totaler Krieg heißt Einberufung aller kampffähigen Jahrgänge & die komplette Umstellung von Friedens- auf Kriegsproduktion. Davon ist Rußland sehr weit entfernt & auch die Ukraine wird dieser Definition nicht gerecht. In den Ukrainischen Karpaten werden zB für viel Geld neue Touri-Zentren entwickelt. Allen militärischen Debattanten fehlen zu viele Informationen, man recherchiert zu wenig. Es ging beim Einmarsch (aus einem Manöver) 03/2022 erstmal nicht um ein militärisches Kriegsziel, sondern um ein politisches, um den Status einer Kriegsführung an sich. Denn Staaten, die Krieg führen, können nicht in die NATO aufgenommen werden. Die Ukrainische Armee verfügt über eine Stärke von 900k Mann. Wie wollten die Russen da mit einer Invasion von 200k Mann strategische Ziele erreichen, außer den Kriegszustand herzustellen? Aktuell stehen 600k Russen in der Ukraine, für einen symmetrischen Krieg auf über 1.200 KM Front, immer noch herzlich wenig, heißt pro 100 KM 50k Mann inkl. Logistik.

RMH

10. Dezember 2025 18:19

"Ich wurde hier auch, zu Beginn des Krieges, als ich mein Erstaunen über lustige Grenzüberfahrten in Hordenformation und den Aufbau eines fulminanten Verkehrsstaus Richtung Kiew zum Ausdruck brachte belehrt, das wäre alles Ausdruck feinziselierter Gefechtsplanung."
@DietrichsBern und andere: Erinnert sich noch jemand an den Mit-Debattierer "Hajo Blaschke"? Der war auf einmal zu Beginn des Krieges bei jedem Artikel bei SiN zu diesem Thema zu finden & wusste wirklich zu allem seine Moskau-treuen Erklärungen abzugeben. Zu anderen Themen hat er nie etwas geschrieben & evtl. blieben irgendwann auch die Zahlungen für seine Debattenbeiträge aus Moskau aus, denn er ist seit langem nicht mehr hier aufgetaucht. Nicht mal mehr, wenn es um sein Spezial-Thema ging, der Rechtfertigung der "Spezialoperation".
@LeChasseur, danke für die Quelle: 70% sind also gegen die Russen in der Ulraine. Ist die absolute Mehrheit, rein demokratisch betrachtet & damit ist der Krieg außerhalb des Donbass durch nichts gerechtfertigt. Auch nicht durch den Maidan-Putsch, werter @Mitleser2. Das hier auf diesen Seiten ein derart massives Verständnis für einen derart gravierenden Angriff durch RUS regelmäßig gezeigt wird, erstaunt immer wieder, zumal wir diesem Vorgehen über 1 Mio zus. Flüchtlinge im Land zu verdanken haben. Danke Russland!

Monika

10. Dezember 2025 18:55

In den 70er und 80er Jahren konnten die Westdeutschen mit einer starken DMark im Ostblock konsumtechnisch "die Sau rauslassen", Safaris in Afrika machen und danach gute Geschäfte mit den Chinesen. Diese Zeiten sind für immer vorbei. Heute wollen alle diese  Konsumgüter erreichen und immer mehr Menschen erscheint das möglich. Die Globalisierung überschreitet nationale Grenzen und es fragt sich, ob die Völker ihre über die Jahrhunderte entwickelten Kulturen oder Volkscharaktere werden behalten und erhalten können. Mit einer Remigration allein ist es ja nicht getan. Selbst wenn man die Bevölkerungsentwicklung umkehren könnte, ist ja noch nichts über die weitere Entwicklung in Europa und außerhalb gesagt. Für die Generation meiner Kinder , so wird mir das kommuniziert, ist inzwischen nicht mehr der Klimawandel die größte Sorge, sondern die Entwicklung der künstlichen Intelligenz. Hier haben Nationen wohl nicht das große Sagen, sondern wenige Superreiche. Worin könnte eine neue Stärke Europas überhaupt liegen ? 

Majestyk

10. Dezember 2025 19:40

@ Kositza: 
"Suchen Sie bitte mal die Stelle raus, wo ich "arme Deutsche" als Bodensatz bezeichnet haben soll. Was für ein Schwachsinn. Ich frag mich immer, wie man drauf sein muß, aus der Sicherheit der Anonymität einfach mal wuchtig durch die Gegend zu posaunen."
Ungefähr bei Min. 40:47. Natürlich soll man Verblendung kritisieren. Aber Sie reden von Erziehung. Sie können unmöglich ausblenden, daß Abgehängte Wut empfinden und in dieser Wut verführbar sind. Hat in der Geschichte mehrfach funktioniert. Als intelligenter und gebildeter Mensch, wissen Sie, die Leute wurden nicht so geboren, sondern so gemacht. Ich gebe zu, ich interpretiere an der Stelle, aber ich lese ja auch Ihre anderen Kommentare. Jeder Mensch hat eine Perspektive, die sich aus Lebenserfahrung- und wirklichkeit ergibt. Ihre Aussagen haben oftmals einen lästerlichen Ton. Ich erinnere an die Ostmullen. Wieso reden Sie über diese, statt mit denen? Oder Aussagen über Spielgefährten Ihrer Kinder aus Asifamilien. Ich habe mir meine Wahrnehmung ja nicht aus den Fingern gesogen und ob Sie es glauben oder nicht, trotzdem schätze und respektiere ich Sie. 
Im Übrigen bin ich für Sie nicht anonym oder wäre es nicht, wenn Sie die von mir an Sie gerichtete E-Post gelesen hätten, die enthielt sogar meine Anschrift. Aber Hut ab, daß Sie meinen Kommentar veröffentlicht haben. Das finde ich gut.

Majestyk

10. Dezember 2025 20:20

@ Le Chasseur:
Einsicht ist schön und gut, nützt wenig ohne Umdenken. Der Zeitpunkt wäre günstig, immerhin gesteht Trump Rußland mehr Fläche zu als derzeit von Rußland kontrolliert wird und wünscht offen die Rückabwicklung der EU, was dem Kreml recht sein dürfte. 30 Prozent prorussische Bevölkerung halte ich für maßlos überschätzt. Bei der Volkszählung von 2001 lag der Anteil der Russen bei etwa 17 Prozent. Der Bevölkerungsschwund der Ukraine hat übrigens lange vor dem Krieg eingesetzt. Naja, es will ja auch keiner die Bevölkerung, sondern alle nur das Land und dessen Ressourcen. 
Warten wir ab, wie verhandlungsbereit der Kreml sich zeigt, immerhin stehen die Chancen gut, daß demnächst in der Ukraine ein anderer Präsident "gewählt" wird.
Ich persönlich glaube ja eher, daß es Moskau vorrangig nicht um Raumgewinn geht, sondern um die Wirkung des Krieges, z.B. die eingepreiste westliche Reaktion mit negativem Echo für Europa. Immerhin steht der Rubel gut da, das Gas verkauft sich auch über Vermittler blendend und Rüstung sorgt für Arbeitsplätze. Wenn die Kaufkraft am unteren Ende der Futterkette etwas schwindet, interessiert das vermutlich niemanden, ist in den USA oder Europa auch nicht anders, es sei denn, es stehen Wahlen an. Der Krieg wird am Ende vermutlich drei Gewinner haben, Rußland, China und die USA und zwei Verlierer kennen, die Ukraine und Deutschland, von jenen abgesehen die Rheinmetallaktien halten.

Gracchus

10. Dezember 2025 20:33

Ich finde die Diskussion etwas ermüdend. Die Bestandsaufnahme von GK will realpolitisch nüchtern sein und löst diesen Anspruch auch ein. Weder wird Russland romantisierend als Alternativmodell angepriesen noch wird ein Nato- oder EU-Austritt oder gar die Abschaffung des Kapitalismus ins Auge gefasst. Warum werden diese Themen dann hier derart traktiert? GK fragt sich mit seinen russischen Gesprächspartnern nur (so verstehe ich's), ob und wie sich mit Russland wieder Beziehungen aufnehmen lassen (nicht mal in erster Linie staatliche). 
Was die USA angeht, sollte man sich jetzt schon fragen, wer und was nach Trump kommt. Als Nachteil westlicher Demokratien könnte sich erweisen, wenn, weil die Gesellschaften derart gespalten sind, mit jedem Regierungswechsel die außenpolitische Doktrin umgestürzt wird. 
 

Mitleser

10. Dezember 2025 20:40

@Le Chasseur
Das Problem was das man die Lage in 2014 auf 2022 projeziert, obwohl sich viel in den acht vergangenen Jahren verändert hatte.
Ein Grund, warum nicht früher interveniert wurde war die europhile Haltung der RF Eliten, weswegen ich anders als die Leute die Herr Kubitschek getroffen hat
"Die Notwendigkeit einer Westorientierung Rußlands sei so offenkundig, daß die ganze eurasische Theorie nichts weiter sei als ein wiederum romantischer Gedanke an riesige Räume und Potentiale."
hoffe, das diese verschwindet. Denn eine Westorientierung, insbesondere Europaorientierung ist nach dem (Wieder)Aufstieg Asiens weder notwendig noch wünschenswert. Auch das hat sich im letzten Jahrzehnt entscheidend geändert.

Artabanus

10. Dezember 2025 21:06

@RMH
Ihre moralische Verurteilung Russlands ist nachvollziehbar, allerdings scheinen Sie den Fehler zu machen, diesen Konflikt als eine Art Gut gegen Böse zu charakterisieren. Und das ist ein Holzweg, denn weder die Regierung der Ukraine, noch die NATO, noch die EU, noch die USA sind die Guten. Aber der entscheidende Punkt aus Deutscher Sicht ist doch der: warum hat sich Deutschland in den Konflikt aktiv eingemischt und eine Seite massiv zum eigenen Schaden unterstützt? Ungarn ist ebenfalls in NATO und EU und hat sich geschickt herausgehalten, was die einzig vernünftige Politik gewesen wäre. Das Deutsche Engagement für die Ukraine, die kein Verbündeter und noch nicht einmal ein befreundeter Staat ist, ist genauso irrational und geisteskrank wie die Migrationspolitik und der Klimaquatsch und dazu noch hochgefährlich. Zur Erinnerung: Nordstream wurde gebaut weil die Ukraine immer wieder die Durchleitung des Gases in erpresserischer Weise unterbrochen hatte. Und jetzt ist die Ukraine ein reiner Kostgänger und diese Rolle will sie auf ewig weiterspielen.

Valjean72

10. Dezember 2025 21:31

@Majestyk @Le Chasseur: "Ich persönlich glaube ja eher, daß es Moskau vorrangig nicht um Raumgewinn geht, sondern um die Wirkung des Krieges ..."
---
 
Das ist schon länger meine Position in diesem Zusammenhang. Es ist bemerkenswert aber auch in gewisser Weise enttäuschend, dass die allermeisten auch im rechts-konservativem "Lager" in solchen Dingen zu sehr einem oberflächlich-eindimensionalen Denken verhaftet sind.
Aber ja, ich kann mich natürlich auch irren ...

Majestyk

10. Dezember 2025 22:01

@ Monika:
Mal abgesehen von Ressentiments gegen Westdeutsche. Der Konsum der Anderen nimmt mir nichts weg, im Gegenteil. Weggenommen wird mir, wenn mein Lohn geplündert und aus ideologischen Gründen Produktion verlagert wird, bzw. Märkte aufgegeben werden. Die Welt hätte nach wie vor Bedarf an deutschen Benzinern, Dieseln, Maschinen oder Pharmazeutika. Und da sind wir schon beim Klimamärchen.
Kinder denken weder politisch noch demonstrieren sie von sich aus, es sei denn sie werden instrumentalisiert. Jetzt hat man die Sau Klima tot geritten, da kommt KI als Bedrohungsszenario gerade recht. Wer legt Rahmenbedingungen fest, wenn nicht Staaten? Jene Milliardäre, die oftmals ihr Produkt nicht selber geschaffen haben, wären nichts ohne Rahmenbedingungen, Subventionen, Steuererleichterungen, staatliche Auftragsvergabe. Im Übrigen wären sie nichts ohne Verbraucher, niemand muß Google nutzen. Mein Standardbrowser ist z.B. Brave, inklusive Suchmaschine.
Trotz KI muß der Klempner immer noch das Rohr verlegen und die Fliese kommt nicht per KI an die Wand. Sorgen machen müßte sich die Erklärbärbranche und das wäre nicht die schlechteste Entwicklung.
Ideologiebefreit hat Europa nach wie vor die besten Voraussetzungen. Man redet auch China gerne größer als es ist, deren demografisches Problem ist um einiges heftiger. Und selbst China braucht Märkte. Wer soll deren Produkte kaufen, Burkina Faso?

Majestyk

10. Dezember 2025 22:07

@RMH:
"zumal wir diesem Vorgehen über 1 Mio zus. Flüchtlinge im Land zu verdanken haben. Danke Russland!"
Die 1. Mio. Ukrainer verantwortet Deutschland, wie alle anderen Flüchtlinge sich selber. Man hätte sie ja nicht reinlassen müssen, dann wären die Leute jetzt anderswo in der Ukraine oder in Polen. Genau wie syrische Flüchtlinge auch in der Türkei, Jordanien oder dem Irak sein könnten. Ich finde nirgendwo, daß man sich aussuchen kann wohin man flüchtet und "völkerrechtlich" gedeckt ist nur die Flucht ins Nachbarland. Ginge es danach, hätte Deutschland keinen einzigen Flüchtling. Holländer, Dänen oder Polen flüchten derzeit ja selten. 
Ich sehe es aber wie Sie, Rußland meint es mitnichten gut mit Deutschland, sondern verfolgt wie alle anderen ebenfalls nur seine Interessen. Es liegt an Deutschland die eigenen Interessen zu bestimmen und sich im internationalen Konkurrenzkampf zu behaupten. Hilf dir selbst, sonst tut es keiner.

Dr Stoermer

11. Dezember 2025 01:11

Es ist großartig, dass es diesen Kontakt zwischen deutschen und russischen Patrioten gibt, aus dem hervorgeht, dass beide ihre Schicksalsverbundenheit erkennen. Die gleichermaßen befremdende Profanisierung des Lebensalltags ist aufschlussreich: Es wirkt offenbar ein Mahlstrom auf die Völker, gleich welcher Provenienz, der alles und (fast) jeden amöbisiert. So traurig es scheint, das Gute darin ist: Hierin zeigt sich unsere Verwandtschaft. Eine gemeinsame menschliche Schwäche, aber eben eine Gemeinsamkeit.
Aber wer sagt, dass wir nur unsere Schwächen miteinander teilen? Warum nicht auch unsere Stärken? Und wer sagt, dass die Beförderung - das Wachstum - der Schwächen unausweichlicher Richtungspfeil der Geschichte ist, so wie das Gesetz der Thermodynamik die notwendige Zunahme der Entropie beschreibt? Ja, auch Russland hat Blinkiblinki und BummBumm. Aber es hat auch eine trotz all der hundertjährigen Attacken kräftige Wurzel. Schaut in die Gesichter der russischen Soldaten! Wie sähen die Gesichter deutscher Soldaten heute aus, wenn der „Faschismus“ nicht von hier ausgerollt worden wäre? Also: Nur weil es in Russland genauso beschissene Einkaufszentren gibt wie im Rest der Welt, ist die Welt nicht endgültig in der Hand der EKZ-Betreiber. Es ist ein weltweites Abschütteln des Vulgärsatanismus, der stattfindet, und wir sollten nicht daran verzweifeln, dass nicht all seine Insignien über Nacht verschwinden. Kämpft, kämpft, kämpft! Jeder, wo er steht

Laurenz

11. Dezember 2025 07:39

@RMH @Mitleser2 ... wie gesagt, RMH, Sie sind in Rußlandfragen zu emotional, weil Sie noch nie in der Lage waren, zwischen Rußland & der Sowjetunion zu unterscheiden, Sie projizieren da. Venezuela besitzt die größten bekannten Erdölvorkommen des Planeten in der Orinoco-Senke & bisher waren die Amis nicht dabei. Darum gehen die ganzen Regime-Wechsel-Versuche der Amis in Venezuela. Gestern wurde von den Amis ein Tanker gekapert. Da fragt man sich, warum die ganzen Amerikanophilen SiN-Teilnehmer sich nicht an der Monroe-Doktrin stören, mit der das ganze begründet wird. Drogenkuriere auf See kann man auch hops nehmen & vor ein Gericht stellen. Dann weiß man wenigstens, ob es auch Drogenkuriere sind. Man bläst die Boote aber einfach aus dem Wasser. Auch Obama ließ während seiner Amtszeit jeden Tag im Schnitt 9 orientalische Terroristen per Drohne vom Esel schießen. Trump möchte auch gerne Kanada & Grönland einkassieren, was man geopolitisch nachvollziehen kann. Aber moralisch besser als die Russen ist das gewiß nicht. In Regime-Wechseln liegen die Amis gegenüber der Sowjetunion & Rußland mit 90:30 vorne. Wiederhole, es wäre günstig, wenn man hier mal ohne Moral debattieren könnten.

RMH

11. Dezember 2025 08:00

@Artabanus, Sie & andere verstehen das nicht richtig. Ich verurteile RUS nicht moralisch, habe weiter oben auch klar geschrieben, dass ich keine Schuldfrage stelle. Was ich einfach nicht nachvollziehen kann, wie man kontrafaktisch die kausale Verantwortung, den Hauptverursachungsbeitrag für den Teil des Krieges, wie wir ihn seit 4 Jahren sehen, nicht bei RUS sehen kann, sondern relativiert, labert hin & her. Es ist wie beim Witz von Monthy Python "Don´t mention the war". RUS hat das Ding genauso angefangen wie damals D den WK II. Vorgeschichten, Provokationen, Eskalationsspiralen hin oder her. Mit "Schuld" hat das erst einmal noch rein gar nichts zu tun, was eine andere Ebene ist, aber gerade die Prop. aus RUS im Verbund mit Stimmen hier, die immer wieder die schlichte Tatsache, dass RUS einmarschiert ist, nicht einfach als solche einmal stehen lassen können sondern immer gleich fünf Kontainer voll Kleister über einen harten Stein namens Fakt kippen müssen, zeigt, wo das Verständnisprobem liegt. Wenn @Laurenz meint, dass sei emotional, dann sollte er einmal sehen, wie weit er zu einer solchen Abstraktion, Verursachung ungleich moralische Schuld überhaupt in  der Lage ist, ohne, dass er die Kategorie "Schuld" nicht der Einfachheit halber komplett streicht (wozu er amoralistisch neigt). Ich hoffe, das Schema wird verstanden: Mein weist darauf hin, dass ohne den Angriff RUS wir heute, wo auch andere Führer im Westen da sind, das Problem nicht so hätten, wie es ist &  schon wird man angegangen, als ob man das heilige Russland beileidigt oder den pöhsen Westen entschuldigt. 

RMH

11. Dezember 2025 08:22

"Die 1. Mio. Ukrainer verantwortet Deutschland, wie alle anderen Flüchtlinge sich selber. Man hätte sie ja nicht reinlassen müssen, dann wären die Leute jetzt anderswo in der Ukraine oder in Polen."
@Majestyk, hier machen Sie es sich aus ihrer NRW-Nabel-Sicht eindeutig zu einfach. Die Ukraine ist nicht so weit weg. Sie ist in einer simplen Tagestour von Bayern oder Sachsen aus recht bequem erreichbar. Wir sind nicht direkter Grenznachbar, aber zur Nachbarschaft gehören wir. Von Damskus bis in eine türkische Großsstadt dürfte es nur wenig kürzer sein (wir haben klar weniger Syrer aufgenommen, als die Türkei). Und wenn es Bomben & Raketen regnet & kurz vor der eigenen Stadt hart mit schweren Waffen gekämpft wird, dann kann man es wirklich niemanden verwehren, wenn er flieht. Wir können dann auch nicht zu Ungarn, Polen, Slowakei, AT sagen, euer Problem. Die richtigen Fragen die man stellen darf sind die, ob man Kriegsflüchtlingen gleich das volle Sozialprogramm angedeihen lassen muss & nach einer gewissen Zeit, wenn sich manches stabilisiert, nicht darauf drängen darf, geht wieder nach Hause oder ob man wehrfähige junge Männer nicht auch wieder nach Hause schickt etc. Um so wichtiger ist es doch, dass jetzt ein Waffenstillstand kommt. Und da hat sich RUS endlich auch einmal deutlich zu bewegen. Schafft Trump hier den Frieden, dann wird MAGA in USA länger dauern, was auch von Vorteil für RUS ist.

RMH

11. Dezember 2025 08:40

@Gracchus, ich würde auch lieber an die drölfundzwanzigste Diskussion über Dostojewski oder in die Analyse von Mandelstamschen Gedichten gehen, aber das, was Du ermüdend findest, ist Basis dafür, wie es auch einmal kulturell weitergeht. Im Moment richten sich alle auf den Aufguss des kalten Krieges ein, in RUS gewöhnt man sich daran, seine Rohstoffe zu verhökern & dafür die einzige High-Tech Industrie des Landes, die Rüstung wiederbelebt zu bekommen. Auch bei uns kann man endlich wieder Staatskonsum in so hübsche Sachen wie Panzer, Schiffe & Drohnen lenken. Endlich ist, je nach Sichtweise, der Russe wieder böse oder gut oder d Westen böse oder gut. Ist das die "konservative" Reaktion, die wir wollen?  Du fragst zu Recht, was kommt nach Trump. Wenn RUS sich endlich ein paar mm bewegt & die Sache in der UKR mit Trumps Vermittlung beendet, dann wird zumindest die MAGA Bewegung in den USA in die Verlängerung gehen, die RUS als GlobalPlayer klar anerkennt & die Europäer auffordert, endlich wieder Nationen zu werden. Hierin besteht Chance & Risiko, ich bewerte die Chancen höher ein. Denn eines ist doch klar, die Sache muss beendet werden & dann hat man da anzuknüpfen im "Ost-West" Dialog, wo man zu Beginn des 21 Jhdts gescheitert ist. Dazu gehört aber auch, dass RUS sich bewegt. Im Moment profitieren zu viele in der Oligarchie von RUS davon, wenn sie es nicht tun. In der EU hingegen meinen viele, dass es zu den VsEU kommt - der Apfel hängt aber zu hoch.

Le Chasseur

11. Dezember 2025 09:38

@Majestyk
 "Ich persönlich glaube ja eher, daß es Moskau vorrangig nicht um Raumgewinn geht, sondern um die Wirkung des Krieges ..."
Russland geht es um einen Regime Change in Kiew und um den Schutz der russischstämmigen Bevölkerung im Osten der Ukraine. Nach dem Putsch 2014 bestand die Gefahr, dass amerikanische Raketen an der ukrainischen Ostgrenze stationiert werden, die - nuklear bewaffnet - in wenigen Minuten Moskau erreichen können. Das offiziell postulierte Ziel der Operation ist bekanntlich die Entmilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine. Das russische Vorgehen passt zu dieser Zielsetzung.
Dass der Krieg jetzt auch negative Auswirkungen für die EU- und die europäischen NATO-Staaten hat, ist richtig, aber deswegen sind die Russen nicht einmarschiert.

Le Chasseur

11. Dezember 2025 09:45

@Majestyk
"30 Prozent prorussische Bevölkerung halte ich für maßlos überschätzt."
Die ukrainischen Flüchtlinge, die ich bisher gesprochen habe, stehen alle auf Seiten Russlands. Die wollen nicht für das korrupte Kiewer Regime sterben.
"Der Krieg wird am Ende vermutlich drei Gewinner haben, Rußland, China und die USA und zwei Verlierer kennen, die Ukraine und Deutschland, von jenen abgesehen die Rheinmetallaktien halten."
Die Gewinner heißen USA und China. Und neben Deutschland gehören sämtliche EU-Staaten zu den Verlierern. Russland wird auf dem Schlachtfeld siegen, aber zu einem hohen menschlichen Preis, auch wenn die russischen Verlustzahlen nicht so hoch sind, wie uns die westliche Lügenpropaganda glauben machen will.

Mitleser2

11. Dezember 2025 09:50

@RMH: Sie haben auf meinen Beitrag mit dem verlinkten Kissinger-Artikel geschrieben: "alles altbekannt". Aber mir scheint, Sie haben ihn gar nicht gelesen, wenn man Ihrer ganzen Argumentationskette folgt. 

FraAimerich

11. Dezember 2025 10:33

@RMH: "die schlichte Tatsache, dass RUS einmarschiert ist"
 
Welchen "Debattenraum" wollen Sie mit der unermüdlichen Wiederholung dieses ebenso banalen wie unbestrittenen Umstands eigentlich eröffnen?
Die Vorgeschichte sowie insbesondere die Zuarbeit des Westens interessiert Sie nicht, wird abgetan. Wer sich dazu äußert, wird ziseliert ironisiert oder als ideologiegetriebener Putin-Propagandist hingestellt. - Um die Kritik und Folgen der katastrophalen Reaktion der EU und Deutschlands geht es Ihnen, abgesehen von den von Putin verursachten Flüchtlingen auch nicht. (Haben Sie hier jemals ein Wort über die von den USA verursachten Flüchtlingsbewegungen verloren?)
Um Völkerrecht und "internationale Moral" geht es Ihnen auch nicht, da hätten Sie im Blick auf unsere amerikanischen Freunde, die anhaltende Neuordnung von Nahost und das aktuelle venezolanische Abenteuer Trumps ja auch schlechte Karten. - Und wenn vernünftige Leute langsam mal nach vorn schauen wollen und sich Gedanken darüber machen, wie die ehemals ganz ordentlichen Beziehungen zu Rußland neu angebahnt werden können, warnen Sie eindringlich davor, sich zur Marionette Putins machen zu lassen. Also bitte - worüber wollen Sie eigentlich debattieren?
 

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