Im vorpolitischen Raum, oder: Dunkle Ökologie

Vor mir auf dem Schreibtisch liegt ein schmales, grünes Heftchen in Reclam-Größe. Dunkle Ökologie lautet der Titel dieses Textes. Er paßt auf 50 Seiten, auch das Papier des Innenteils ist grünlich.

Götz Kubitschek leitet den Verlag Antaios

Sein Ver­fas­ser, Paul King­sn­orth, hat ihn bereits vor acht Jah­ren ver­öf­fent­licht. Daß er erst jetzt ins Deut­sche über­setzt wor­den ist und in der Rei­he Natur­kun­den bei Matthes & Seitz Ber­lin erscheint, tut ihm kei­nen Abbruch: Die Gedan­ken, die King­sn­orth in selbst­er­grün­den­dem, zor­ni­gem, hoff­nungs­lo­sem und vor allem ehr­li­chem Ton vor­trägt, sind nicht an aktu­el­le Ereig­nis­se gebun­den. Es sind Gedan­ken, die sich jeder, der die Ober­flä­che nicht mit den tie­fe­ren Schich­ten ver­wech­selt, längst gemacht hat und wohl immer wie­der macht.

King­sn­orth ver­zwei­felt an der Zer­stö­rung der Welt. Gut ist, daß er die­se Welt von Anfang an her­un­ter­bricht auf sei­ne Welt, sei­ne unmit­tel­ba­re Umge­bung, auf das also, was sei­nen All­tag, sein Leben aus­macht und wor­auf er über­haupt die Hand legen kann. Zer­stö­rung, das meint: die unauf­halt­sa­me und plan­mä­ßi­ge Aus­beu­tung und Ver­nut­zung von allem Schö­nen, Geord­ne­ten, Gege­be­nen, aber auch Wil­den und Unge­bahn­ten durch die Gefrä­ßig­keit des Menschen.

Die Ablei­tun­gen, die King­sn­orth aus die­ser Lage vor­nimmt, sind zum einen bra­chi­al, zum ande­ren läh­mend: Man lan­det ent­we­der bei Ted Kac­zyn­ski oder bei den Namen­lo­sen, die aus ihrer Ver­zweif­lung den­noch ein gan­zes Leben abzu­lei­ten ver­su­chen. Auf den einen bezieht sich King­sn­orth. Von den ande­ren kennt er wel­che, ganz sicher, und viel­leicht ver­sucht er, selbst ein sol­cher zu sein. Jeden­falls beschreibt er einen Weg dorthin.

Ich will nicht nur andeu­ten, ich ken­ne den Vor­wurf, man rau­ne nur, wenn man nicht klar sage, wor­auf hin­aus man wol­le. Aber ein Wort zum Rau­nen: Längst nicht alles, was gesagt wer­den muß, kann mit kla­ren Begrif­fen auf den Punkt gebracht, kann abge­legt wer­den wie eine Akte. Es gibt ein umkrei­sen­des, ein asso­zia­ti­ves Den­ken und Sagen, des­sen Prä­zi­si­on nicht im deut­li­chen Umriß, son­dern im wie­der­hol­ten Hin­weis auf den Kern der Sache besteht. So etwas gelingt mit Geschich­ten und mit Fet­zen und Bruch­stü­cken aus dem unauf­ge­räum­ten, wil­den Erfah­rungs- und Lese­schatz suchen­der Men­schen sehr viel bes­ser als dadurch, daß man sich aus der Abla­ge auf­ge­räum­ter Natu­ren bediente.

Wer sind die­je­ni­gen, die ich oben erwähn­te: die­se »Namen­lo­sen, die aus ihrer Ver­zweif­lung den­noch ein gan­zes Leben abzu­lei­ten ver­su­chen«? Ich kann das nicht exakt fas­sen, kann nur sagen: Es steckt in die­sen Lebens­ent­wür­fen viel von dem, was man als »das wah­re Leben im Fal­schen« schon vor fünf­zig Jah­ren umkreis­te und wahl­wei­se mit einem »zurück zur Natur« und einer Selbst­ein­pas­sung in »die Wild­nis« und einen gleich­gül­ti­gen Natur­kreis­lauf über­setz­te. Damit sind wir wie­der bei Kac­zyn­ski: Er hät­te ein sol­cher Namen­lo­ser wer­den kön­nen, blei­ben kön­nen, aber es kam ganz anders, und das hat ihn welt­be­kannt gemacht – und zu einem, mit dem man nicht fer­tig wird.

Für uns hat vor allem Mar­tin Licht­mesz aus­führ­lich über die­sen Mann geschrie­ben, über die­sen hoch­be­gab­ten Mathe­ma­ti­ker, der eines Tages sein Büro ver­ließ, um in einer Wald­hüt­te zu ver­schwin­den. Zum Ter­ro­ris­ten, zum Unab­om­ber wur­de er erst, als ihm die Welt, vor der er geflo­hen war, sei­nen Rück­zugs­ort zerstörte.

King­sn­orth reka­pi­tu­liert auf den ers­ten Sei­ten sei­nes schma­len Bänd­chens bei­de Kip­punk­te im Leben Kac­zynskis: Im Alter von 24 Jah­ren habe ihn die Erkennt­nis gelähmt, daß es kei­ne Mög­lich­keit geben wer­de, der moder­nen Zivi­li­sa­ti­on zu ent­kom­men, also der von ihr auf­ge­stell­ten Fort­schritts­fal­le, ihren bril­lan­ten Metho­den der Mani­pu­la­ti­on, ihrer rück­sichts­lo­sen und uner­sätt­li­chen Ver­nut­zung, also dem, was Erhart Käst­ner (den Kac­zyn­ski nicht ken­nen konn­te) die »Welt-Aus­rech­nung« nann­te und die »Ent­sie­ge­lung von allem«.

Mar­tin Licht­mesz hat in sei­nem Kapla­ken-Essay Smar­te Welt den Begriff der Ent­sie­ge­lung nicht ver­wen­det, aber genau die­sen Vor­gang beschrie­ben. Ihn traf der Schlag, als ihm vor Jah­ren klar­wur­de, daß er nie­mals mehr in einer Welt leben wür­de, in der die Men­schen nicht draht­los ver­drah­tet, mobil trans­pa­rent, erreich­bar, auf­find­bar sein wür­den – ohne Chan­ce, sich zu ver­ste­cken und zu ver­ber­gen, umstellt von einem Gestell, in dem fast jeder aus Spiel­trieb, Eitel­keit und Nai­vi­tät auf eine ent­klei­den­de Art und Wei­se glä­sern sei – und damit ausgeliefert.

Kac­zyn­ski hat­te das schon vor fünf­zig Jah­ren gese­hen und sei­ne Gedan­ken in dem berühm­ten Essay Die indus­tri­el­le Gesell­schaft und ihre Zukunft zusam­men­ge­faßt. Im Gegen­satz zu uns allen hat er sich danach für einen radi­ka­len Rück­zug in ein Leben als Selbst­ver­sor­ger ent­schie­den und dann, als ihn die Welt­ver­nut­zung nicht in Ruhe ließ, für eine radi­ka­le Gegen­wehr: Er ver­schick­te Rohr­bom­ben, die sei­ne Opfer töte­ten oder schwer ver­wun­de­ten, und er tat es, bis man ihn faß­te und weg­sperr­te. Er starb vor gut zwei Jah­ren im Gefängnis.

King­sn­orth lehnt einen sol­chen Weg natür­lich ab, aber er gibt in sei­nem Essay sei­nem Ver­ständ­nis für radi­ka­le Ent­schei­dun­gen Aus­druck. Sein Text ist vol­ler Anspie­lun­gen auf Bücher und Autoren, die er stu­dier­te, um die eige­ne Welt­an­schau­ung nicht nur bestä­tigt zu fin­den und abzu­si­chern, son­dern nach Wegen in eine bes­se­re Zukunft zu suchen und dem Gestell, der Ver­suchs­an­ord­nung, der Fort­schritts­fal­le zu ent­kom­men: Jaques Ellul und Ivan Illich, D. H. Law­rence und C. S. Lewis, Neil Post­man und sogar Edward Golds­mith, des­sen Werk Der Weg kaum mehr jemand kennt und der doch dar­in schon alles Grund­le­gen­de aus­ge­führt hat, wovon unse­re Technik‑, Fort­schritts- und Kon­sum­kri­tik zehrt und wor­auf sie gegrün­det ist. Der Weg – was für ein zuver­sicht­li­cher Titel im Gegen­satz zu King­sn­orth’ Dunk­ler Öko­lo­gie, die­sem Gang in den Schat­ten, die­sem Schritt fort von allen groß­an­ge­leg­ten Orga­ni­sa­ti­ons­be­mü­hun­gen hin auf ein Stück Land, an eine Böschung, ins Unter­holz, in einen Win­kel, in die Wäl­der, die­ser Flucht vor der Vernutzung.

Auf eine der ein­drück­li­chen Pas­sa­gen des Tex­tes stößt man, wenn King­sn­orth den Ein­bruch die­ser Ver­nut­zung, die­ser Über­grif­fig­keit in den Win­kel schil­dert, in dem Kac­zyn­ski sich ver­kro­chen hat­te. Er woll­te von dort aus die tota­le Durch­drin­gung der Welt nicht mehr wahr­neh­men – und sah genau die­se Welt den­noch anbran­den, sah es und hat­te kei­ne Chan­ce, den Damm noch höher zu bau­en. Es muß in der Nähe der Hüt­te, die Kac­zyn­ski sich gebaut hat­te, ein Pla­teau gege­ben haben, einen Lieb­lings­ort, einen, der eben spen­de­te und nicht ver­plant war, und eines Tages, als Kac­zyn­ski sich dort­hin zurück­zie­hen woll­te, um Kraft zu schöp­fen, sah er, daß man gera­de im Begriff war, eine Stra­ße über die­ses klei­ne Pla­teau zu bau­en und es dadurch zu zerstören:

Sie kön­nen sich ein­fach nicht vor­stel­len, wie wütend ich war. Von da an beschloß ich, daß ich, anstatt mir noch wei­te­re Über­le­bens­tech­ni­ken anzu­trai­nie­ren, es dem Sys­tem heim­zah­len wür­de. Rache.

Das sind die Wor­te Kac­zynskis. King­sn­orth zitiert sie nur, um von einer inne­ren Weg­ga­be­lung aus, die kei­nem von uns unbe­kannt ist, den Abzweig in einen erbit­ter­ten, rück­sichts­lo­sen, gewalt­sa­men Rache­feld­zug zu beschrei­ben. Natür­lich emp­fiehlt er nicht, die­sen Weg ein­zu­schla­gen – nie­mand von uns emp­fiehlt so etwas. Aber gewiß denkt der ein oder ande­re so scho­nungs­los wie mög­lich dar­über nach, ob die Kon­se­quen­zen, die wir aus der Ver­hee­rung der Welt zie­hen, radi­kal genug sind. Es gibt ja Wege genug, die weit, weit ab von dem Kac­zynskis ver­lau­fen und den­noch radi­kal sind.

Ich den­ke etwa an jun­ge Leu­te, die für eini­ge Mona­te auf Bäu­men woh­nen, um zu ver­hin­dern, daß man sie fäl­le. Es ist mir egal, ob die­se jun­gen Leu­te von den Medi­en gehät­schelt und von der Kli­ma­be­we­gung ver­ein­nahmt wer­den und ob sie von ihren Bäu­men her­un­ter dum­mes Zeug gegen rechts und für Diver­si­ty quat­schen. Denn wenn sie zu Ende gere­det haben, sind die Repor­ter und die Kame­ras weg, und dann kom­men ein­sa­me Tage, und die Öffent­lich­keit hat sich zwar erregt und eine Spen­de dage­las­sen: Wochen­lang aber auf einer Ast­ga­bel zu sit­zen und aus­zu­har­ren, um etwas zu ret­ten – das ist weit ent­fernt von jedem real­po­li­ti­schen Kal­kül und jeder situa­ti­ven Insze­nie­rung, und des­we­gen ist es radi­kal, ein radi­ka­les Zei­chen, ein hilf­lo­ses, radi­ka­les Zei­chen, jeden­falls auch einer der Wege, die von jenem Punkt aus weg­füh­ren, von wo aus Kac­zyn­ski in die Dro­ge­rie mar­schier­te und sich Sal­pe­ter besorgte.

King­sn­orth: Er setzt sich weder auf Bäu­me, noch ver­schickt er Bom­ben. Sein Text ist aber eben­so wie das eine und das ande­re ein Abschied von der Über­zeu­gung, daß es sich loh­ne, im poli­ti­schen Raum wei­ter­hin etwas auf­zu­bau­en, über­haupt: auf ihn zu bau­en. Nicht die Geg­ner der Öko­lo­gie, des Natur- und Hei­mat­schut­zes haben King­sn­orth ent­waff­net und ihm die Zuver­sicht genom­men. Es waren die Schlaue­ren und die Gewief­ten inner­halb sei­ner Bewe­gung selbst.

Das ist näm­lich der ent­schei­den­de Schnitt, den King­sn­orth macht. Er erklärt die öko­lo­gi­sche Bewe­gung für geschei­tert. Sie sei auf­ge­gan­gen in etwas, das er als »Neo­um­welt­schutz« bezeich­net und das sich von der frü­hen, gras­wur­ze­li­gen Umwelt­be­we­gung fun­da­men­tal unter­schei­de: Wäh­rend das Urgrü­ne der Natur, der Wild­nis, der Krea­tur einen Eigen­wert zuge­spro­chen habe, eine nicht bezif­fer­ba­re see­li­sche, ganz­heit­li­che, uner­gründ­li­che, spi­ri­tu­el­le und dadurch aus sich her­aus spen­den­de Kraft, taxier­ten die Neo­um­welt­schüt­zer die Natur als etwas, das einen Nut­zen für die Mensch­heit habe und des­we­gen nach­hal­tig auf den Men­schen hin aus­ge­rich­tet, geord­net und grün bewirt­schaf­tet wer­den müsse.

Der Neo­um­welt­schutz, von dem er schreibt: Das ist der grü­ne Kapi­ta­lis­mus, das ist die kli­ma­neu­tra­le Ren­di­te, das grün­ge­wa­sche­ne Invest­ment, der Emis­si­ons­han­del, die absur­de Welt­kli­ma­kon­fe­renz, die, wenn sie zusam­men­tritt, mehr Res­sour­ce ver­braucht als eine gan­ze Stadt in einem Jahr. Auch die­se Erkennt­nis­se sind alles ande­re als neu: daß es näm­lich noch nie sinn­voll und logisch war, das Zuviel mit »noch mehr« ein­zu­däm­men und zu reduzieren.

Es wird Zeit, die Kat­ze aus dem Sack zu las­sen. Soviel ana­ly­ti­scher Furor, soviel Beschrei­bung nicht gang­ba­rer Wege: Wohin wen­det sich nun aber Herr King­sn­orth? Zunächst ver­wirft er noch ein­mal gründ­lich, zieht Zäh­ne – und das ist ein län­ge­res Zitat wert:

Wenn man glaubt, daß wir uns wie magisch mit neu­en Ideen oder neu­en Tech­no­lo­gien aus der Fort­schritts­fal­le befrei­en kön­nen, dann ver­schwen­den wir nur unse­re Zeit. Wenn man glaubt, daß das übli­che ›poli­ti­sche Enga­ge­ment‹ heut­zu­ta­ge noch funk­tio­niert, obwohl es doch schon ges­tern nicht funk­tio­niert hat, dann ver­schwen­det man nur sei­ne Zeit. Wenn man tat­säch­lich glaubt, daß sich die Maschi­ne refor­mie­ren, zäh­men oder zer­stö­ren läßt, dann ver­schwen­det man nur sei­ne Zeit. Wenn man Jäger und Samm­ler roman­ti­siert oder Bom­ben an die Besit­zer von Com­pu­ter­ge­schäf­ten ver­schickt, dann ver­schwen­det man nur sei­ne Zeit. Und so ste­he ich nun also hier und fra­ge mich: Was wäre an die­sem Punkt der Geschich­te eigent­lich kei­ne Zeitverschwendung?

In der Tat, das ist die Fra­ge. Bloß: Was nun kommt, näm­lich »fünf vor­läu­fi­ge Ant­wor­ten«, ist nichts ande­res als eine Kapi­tu­la­ti­ons­er­klä­rung. In Kür­ze lau­ten die Vor­schlä­ge, die King­sn­orth macht, wie folgt: ers­tens Rück­zug, um »der Maschi­ne alle Unter­stüt­zung zu ver­wei­gern, die Schrau­ben noch enger zu dre­hen«; zwei­tens: »nicht­mensch­li­ches Leben schüt­zen«; drit­tens: »Machen Sie sich die Hän­de schmut­zig«, will sagen: das meis­te selbst machen und dabei ler­nen, was real ist; vier­tens: der Natur einen Wert zuspre­chen, der weit über ihre Nütz­lich­keit hin­aus­geht; und fünf­tens: Rück­zugs­or­te bauen.

Das war’s, das gab es aber alles schon, das ist alles schon vor­ge­schla­gen und von ein­zel­nen, man­chen, vie­len umge­setzt wor­den, und gül­tig aus­for­mu­liert ist es auch schon längst, und zwar auch bereits und beredt in jenem resi­gna­ti­ven Ton, in dem King­sn­orth es vorträgt.

Wahr­schein­lich han­delt es sich dabei um das Ent­ste­hen einer per­sön­li­chen Phi­lo­so­phie für eine dunk­le Zeit – um eine dunk­le Ökologie.

Das ist immer­hin ein Begriff, und man blickt auf Ver­su­che, sich und das, was man schüt­zen kann, in den Schat­ten zu ret­ten, in den Wind­schat­ten: in eine Hüt­te, ein unin­ter­es­san­tes Stück­chen Land, an etwas, das links lie­gen blieb, das nicht der gro­ßen Rede wert ist.

Ver­schwin­den also, Rück­zugs­or­te auf­su­chen. Wie ent­kommt King­sn­orth? Er beschreibt, und das ist glaub­haft, die Tech­nik einer belast­ba­ren Lebens­freu­de: Er eröff­net sei­nen Text mit der Beschrei­bung einer Sen­se und schließt ihn, indem er einen Tag schil­dert, an dem er mit die­ser Sen­se Heu macht – eine Arbeit, die ihn begeis­tert und mit Freu­de erfüllt, nicht zuletzt des­halb, weil es an einer Sen­se seit tau­send Jah­ren nichts mehr zu ver­bes­sern gebe und weil sie ihrer abar­ti­gen Toch­ter, der Motor­sen­se, in jeder Hin­sicht über­le­gen sei – funk­tio­nal, aber vor allem aus der Per­spek­ti­ve des­sen, der die Natur nicht mit stin­ken­den, lau­ten Mord­werk­zeu­gen trak­tie­ren und ihr die See­le aus­trei­ben wolle.

Was ist nun das Lesens­wer­te an die­sem schma­len Text, der vie­les reka­pi­tu­liert, was längst vor­liegt? Um es ein wenig pathe­tisch aus­zu­drü­cken: Er holt uns zurück an die Weg­kreu­zung, an der die Ver­zwei­fel­ten ste­hen – die­je­ni­gen, denen beim Blick auf die Mas­sen­ge­sell­schaft, den Mas­sen­kon­sum, das Immer-Mehr für immer mehr die Zuver­sicht abhan­den gekom­men ist, hier kön­ne noch etwas ein­ge­dämmt und im gro­ßen Stil geord­net werden.

Und mehr: King­sn­orth gehör­te natür­lich auch zu den­je­ni­gen, die die Din­ge nicht nur gesche­hen las­sen woll­ten, son­dern zu ver­bes­sern, umzu­ge­stal­ten und Poli­tik zu betrei­ben ver­such­ten. Aber nun hält er von alle­dem nichts mehr. In sei­ner Ver­zweif­lung ist King­sn­orth zum Glück nicht zum Zyni­ker gewor­den, zu einem, der sich wei­ter­hin betei­ligt und zugleich dar­über spot­tet. Er ist ernst­haft geblie­ben und möch­te das, was er bedacht hat, durch eine Lebens­ent­schei­dung legi­ti­mie­ren. Jedoch hat die Ver­zweif­lung sei­nen Blick­win­kel ver­engt. Er sieht nur noch radi­ka­le Rache und radi­ka­len Rück­zug. Das eine lehnt er ab, das ande­re emp­fiehlt er. Das ist sein Aus­weg aus der Ver­zweif­lung. Ein Drit­tes gibt es nach sei­nem Dafür­hal­ten nicht mehr. Sei­ne Abscheu gilt zwei­fel­los den­je­ni­gen, die den Motor hoch­ja­gen und dies grün bemän­teln; war­nen und bera­ten aber möch­te er alle, die noch immer mei­nen, man müs­se auf den Zug auf­sprin­gen, um ihn zu steu­ern und zu bremsen.

Dunk­le Öko­lo­gie ist also ein Text, der uns aus die­sem Zug zerrt und noch ein­mal an die Kreu­zung stellt. Er holt uns aus dem poli­ti­schen zurück in den vor­po­li­ti­schen Raum, das ist sein Ver­dienst. Aber der Schnitt, den er macht, ist zu radi­kal, zu sehr aus der eige­nen, der per­sön­li­chen Lage des Autors her­aus gedacht und voll­zo­gen. Ich selbst hal­te es für not­wen­dig, durch Tex­te wie den von King­sn­orth aus dem Zug geholt und erneut an die Kreu­zung gestellt zu wer­den. Jedoch soll­ten wir dort nicht als Ver­zwei­fel­te stehen.

Das ist näm­lich der Irr­tum, dem King­sn­orth auf­sitzt: An der Kreu­zung ste­hen nicht nur Ver­zwei­fel­te. Unter ande­rem wir ste­hen an die­ser Kreu­zung (von der aus King­sn­orth nur noch Wege in die Rache und den Rück­zug skiz­ziert), und wir ste­hen dort noch immer als die­je­ni­gen, die vom Ich zu abs­tra­hie­ren ver­ste­hen. Das ist eine grund­sätz­lich ande­re Hal­tung: Wir sind die­je­ni­gen, die immer wie­der grund­sätz­lich dar­über nach­den­ken, wie die Beschrei­bung unse­rer Lebens­auf­ga­be im Sin­ne des Gan­zen lau­tet. Wir zie­hen uns nicht zurück in eine Nicht-Betei­li­gung, an einen Rück­zugs­ort, umbran­det, nicht halt­bar auf Dauer.

Wir ste­hen nicht ohne Grund immer wie­der an der Kreu­zung, an die uns auch die Lek­tü­re der Dunk­len Öko­lo­gie ver­setzt. Jedoch unter­zeich­nen wir, indem wir reka­pi­tu­lie­ren, kei­ne Kapi­tu­la­ti­on, son­dern ver­ge­wis­sern uns unse­rer Auf­ga­be: Wir haben von dort aus einen Weg vor­zu­ge­ben, der weder in Rache noch Rück­zug mün­det, son­dern den vor­po­li­ti­schen Raum nicht gegen den Raum der Poli­tik aus­spielt. Wir bege­ben uns immer wie­der dort­hin, wo es auch in ver­meint­lich aus­sichts­lo­ser Lage um die Ord­nung des Staa­tes, des Gemein­we­sens geht – um das, was gedeih­lich ist für die­je­ni­gen, die als Volk eine selbst­be­wuß­te Nati­on zu for­mu­lie­ren und ihr eine ange­mes­se­ne Gestalt zu geben haben.

Das sind kei­ne Durch­hal­te­pa­ro­len. Das ist, solan­ge wir im Wir den­ken, das Not­wen­di­ge, die Auf­ga­be. Ich kann King­sn­orth ver­ste­hen, und viel­leicht kommt es irgend­wann zu sei­ner Art Rück­zug. Aber: jetzt noch nicht, und dies nicht, obwohl bei­spiels­wei­se ich mich im vor­po­li­ti­schen Raum sehr viel woh­ler füh­le als in der Politik.

Ein Wort also zu die­sem vor­po­li­ti­schen Raum: Das »vor« bedeu­tet nicht, daß der damit bezeich­ne­te Raum auf das Feld des Poli­ti­schen hin­wei­se und hin­füh­re. Es bedeu­tet, daß er vor aller Poli­tik besteht und nicht­über­trag­ba­re Ver­hal­tens­leh­ren aus­ge­bil­det hat. In ihm ist es wild, undis­zi­pli­niert, gewagt, in ihm wer­den Din­ge geformt und geord­net, die mit der Poli­tik nichts zu tun haben, und es ist rat­sam, daß die Poli­tik die Fin­ger vom vor­po­li­ti­schen Raum läßt und aus die­sem Urwald kei­nen Forst zu machen versucht.

Anders­her­um hat sich die­ser Raum davor zu hüten, das, was in ihm jäh auf­blit­zen und magne­tisch wer­den kann, auf das Feld der Poli­tik zu trans­por­tie­ren und sie nach Maß­stä­ben zu beur­tei­len, die dort nicht gel­ten kön­nen. Im vor­po­li­ti­schen Raum geht es nicht um die For­mie­rung einer Mas­sen­ge­sell­schaft. Es geht in ihm um die Rück­bin­dung an etwas, das vor jeder Poli­tik liegt und die­je­ni­gen, die Poli­tik betrei­ben, hof­fent­lich immer wie­der zurück an die Kreu­zung holt: Es geht dar­um, nicht vor allem zu funk­tio­nie­ren, son­dern das, was da läuft und abläuft, nicht für den unab­än­der­li­chen Gang der Zeit zu halten.

For­mung ist mög­lich. Das lehrt der vor­po­li­ti­sche Raum, gera­de dann, wenn wir die Unüber­sicht­lich­keit, das Chao­ti­sche und inein­an­der ver­strick­te moder­ner Mas­sen­ge­sell­schaf­ten als etwas wahr­neh­men, das der Poli­tik, der Ord­nungs­be­mü­hung ent­zo­gen ist, und wenn wir dar­an ver­zwei­feln wol­len. Denn im vor­po­li­ti­schen Raum gelin­gen die Din­ge. Dort geht es um kon­kre­te Form­ge­bung, Lust am Moment, an der Gestal­tung der klei­nen Sache, an der Ver­wirk­li­chung von etwas, das nicht da wäre, täte man es nicht. Das ist kei­ne Blind­heit für das Gro­ße und Gan­ze. Nur wird die Fra­ge anders gestellt: Was habe ich in der Hand, was kann ich for­men, was wird mir gelingen?

Viel zu sehr ist doch der vor­po­li­ti­sche Raum auf das hin aus­ge­rich­tet wor­den, was die Poli­tik zu sein hat – und vor allem der »poli­ti­sche Arm«. Denn dort muß man sich am Betrieb betei­li­gen, muß ihn ver­grö­ßern und bespie­len. Wild­nis ist dort nicht, dafür viel Auf­ge­räum­tes, viel Kom­pro­miß und Tun-als-ob.

Aber auch jen­seits aller Par­tei bedeu­tet Poli­tik: einen Ver­nut­zungs­ab­schnitt orga­ni­sie­ren und opti­mie­ren, hier den deut­schen, andern­orts einen ande­ren. Was bedeu­tet das? Ver­nut­zungs­ab­schnitt – das ist, was die gefrä­ßi­ge Mas­sen­ge­sell­schaft tut (Ver­nut­zung) und was jeder Staat für sich abzu­si­chern hat (sei­nen Abschnitt in der Welt). Die Fra­ge ist, inwie­fern wir unse­ren Ver­nut­zungs­ab­schnitt (sprich: unser Land) auf eine bes­se­re Wei­se ein­zu­rich­ten ver­ste­hen als ande­re. Aber ein Ver­nut­zungs­ab­schnitt bleibt es alle­mal, auch wir krat­zen aus der Welt zusam­men, was wir zu brau­chen ver­mei­nen und was in hohem Maße einem sehr sinn­lo­sen Kon­sum zum Opfer fällt.

Das darf der vor­po­li­ti­sche Raum nicht wol­len. Hier muß er einen Schnitt machen, an die­sem Punkt ist er unkor­rum­pier­bar, und nur dann ist er: der Raum für eine dunk­le Öko­lo­gie, für einen Roman, ein Kunst­werk, der Sinn eines anar­chi­schen Impul­ses, der schmut­zi­ger Hän­de und der von Rückzugsorten.

Laßt uns den vor­po­li­ti­schen Raum vor der Poli­tik und ihrem Zugriff ret­ten, vor der Ver­nut­zung und der Ein­be­rech­nung sei­nes Poten­ti­als – und vor zuviel Zuver­sicht. Wer grund­sätz­lich denkt und wach wahr­nimmt, betei­ligt sich an man­chem, obwohl er es bes­ser weiß. Das hat sei­ne eige­ne Wür­de. Aber Poli­tik ist nicht alles, längst nicht, und die Kraft für sie kommt anders­wo her. Davon kön­nen die­je­ni­gen Poli­ti­ker berich­ten, die nicht nur Poli­ti­ker sind.

Des­halb, mei­ne Freun­de: Wir tref­fen uns an der Weg­kreu­zung und im Unter­holz, immer wie­der. Nicht wahr?

Die Hör­fas­sung die­ses Tex­tes fin­det sich hier.

Dunk­le Öko­lo­gie von Paul King­sn­orth kann man hier bestel­len.

Götz Kubitschek leitet den Verlag Antaios

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Kommentare (85)

Franz Bettinger

28. Februar 2026 19:30

"Wer glaubt, man könne der Massen-Gesellschaft, der KI, den Politikern, den mitlaufenden Ratten und dem System entkommen, verschwendet seine Zeit. Wenn einer glaubt, er könne der Digitalisierung entgehen, indem er auf Fernsehen, Smartphon oder auch nur auf 1 Handy verzichtet, dann irrt sich der. Maschinen-Stürmer haben zu aller Zeit immer nur ihre Zeit verschwendet.“ So denken Kultur-Pessimisten. 
Haben Ensslin, Bader & Meinhof ihre Zeit verschwendet? Haben Danton, Marat, Robespierre mit ihrem Geschrei ihre Zeit und das Leben Tausender an Adel und Klerus verschwendet? Denn das Resultat ihrer Revolution war? Ein Kaiser! Was wär im 30-J- Krieg keine Zeit-Verschwendung gewesen? Oder im Mai 45? Was hätte 1er tun können gegen das, was heranbrauste wie ein Hammerschlag?  Heute wieder: Was wäre an diesem Punkt der Geschichte, wo die USA & Israel dem dreitausend-jährigen Reich der Perser gerade den Garaus machen (wollen), keine Zeit-Verschwendung?
4 Vorschläge:  (1) Autark werden, (2) das Glück bei sich im Kleinen suchen, (3) es mit Gleichgesinnten teilen & (4) Zeit gewinnen. Alles ist vergänglich, sogar „lebenslänglich“. Der Teufel hat sich noch stets selbst ein Bein gestellt. Man sollte ihm die nötige Zeit dazu lassen. Und zusehen.  

Dietrichs Bern

28. Februar 2026 20:28

Ich bin unbedingt dafür, sich nicht zuviel von Politik zu versprechen, einfach deshalb, weil der Politiker den Großteil seiner Kraft dem Kampf gegen Parteigenossen und gegnerischen Parteien widmen muss. Aber für Menschen wie den "Una-Bomber" habe ich nur Verachtung über. Die Opfer, die diese Gestalten fordern, sind letztlich immer Hintz und Kuntz und nie die Verwalter der Macht. Das ist unehrenhaft. 

Blue Angel

28. Februar 2026 21:29

Dank an GK für diesen hervorragenden Text und ja: Natürlich treffen wir uns an der Wegkreuzung, immer wieder.
@Franz Bettinger: Ich hoffe ebenfalls, daß das Destruktive sich auch in diesem Fall wieder selbst ein Bein stellt. Allerdings fällt das Zusehen trotz Altersmilde immer schwerer. 

Carsten Lucke

28. Februar 2026 21:55

Dieser Text überragt alles, was ich in letzter Zeit  zum Thema las - und zwar bei Weitem ! Faszinierend gut, geradezu spannend außerdem. Ich mag ja schon die Gespräche mit ihm sehr, doch im Schriftlichen ist Herr Kubitschek noch mal ein paar Klassen besser. Unerreicht gut!

Majestyk

1. März 2026 02:10

Die Welt dreht sich und wir mit ihr. Und egal wie tief man den Kopf in den Sand steckt, die Welt hört nicht auf sich zu drehen.

das kapital

1. März 2026 07:15

Die Zivilisation wird zur unentrinnbaren Antizivilisation. Der Antizivilisation und den Antizivilisierten entkommst Du nicht. Sie verleiden Dir den Planeten bis in den letzten Winkel hinein. Epstein Island ist überall. Robin Crusoe wird überall per Whatsapp Digital ID GPS und Starlink aufgefunden. Und Chamenei wird mit bunkerbrechenden Fortschrittswaffen der Antizivilisierten weggesprengt. Du kannst nicht mehr zurück. Die Bunkerbrecher beherrschen die Welt bis in den letzten Herrgottswinkel und sie sind in der Lage, dich überall und jederzeit wegzusprengen. Der Overkill herrscht real wie medial. Energie ! Das Experiment verkehrt sich in sein Gegenteil. Zivilisation war Lebenshilfe. Jetzt ist sie zur Sterbehilfe geworden. Nicht nur bei der Nordstreamsprengung. Die Freiheit wird technologisch weggesprengt. Den digitalen Herrschern entkommst Du nicht mehr. Sie verelenden alle, die ihnen wie z.B. Kuba nicht gehorchen. Und sie verelenden auch Europa, damit es nicht übermütig wird. Die Waffenbrüder der Verelendung regieren. Was ist schon ein Unabomber im Vergleich zu einem Präsidenten, der NATO und Gladio, Flugzeugträger und Atomwaffen zur Verfügung hat ? Wer die ganze Welt einschmelzen kann, braucht keine Rücksicht auf irgendwelche Clowns zu nehmen.

Monika

1. März 2026 07:53

Sehr schöner Text. Zur Thematik "Dunkle Ökologie" gehören m.E. unbedingt die Bücher des russischen Schriftstellers und Umweltaktivisten Walentin Rasputin ( 1937-2015), die da heißen "In den Wäldern die Zuflucht " und "Abschied von Matjora." Walentin Rasputin setzte sich in den 70er Jahren für den Schutz seiner sibirischen Heimat ein. In dem Roman "Abschied von Matjora beschreibt er die Räumung eines sibirischen Dorfes, weil dort ein Wasserkraftwerk gebaut werden soll. Nur eine alte Frau bleibt in diesem Dorf zurück. Das Buch wurde auch verfilmt. ( Vielleicht was für die Fortsetzung des Lichtspielführers ? ) https://diebuchsuche.de/buch-9783442092536.html

Monika

1. März 2026 07:57

Filmtipp: 
Abschied von Matjora https://www.moviepilot.de/movies/abschied-von-matjora
 

das kapital

1. März 2026 08:21

Der Zivilisation entgehst Du nicht. Der Zivilisation der Antizivilisierten. Trotzki ist nach Mexiko geflohen. Trotzdem haben ihn Stalins Schergen erschlagen. Viele sind in den 1930er Jahren aus Deutschland geflohen. Pech gehabt, die Nachbarstaaten sind von Deutschland überrollt worden. Mao hatte auch gute Ideen zur Industrialisierung ( bis zu 45 Millionen Tote) und zur Festigung der Kultur (etwa 20 Millionen Tote). Erster Kipppunkt war die Atombombe. Da gibt es für den Einzelnen keinen echten Rückzugsort mehr und insgesamt keinen Weg zurück. Die Entschlüsselung der DNA (Watson Crick 1953) und die darauf aufbauende Biotechnologie der Coronaschöpfung und der MRNA ist auch unumkehrbar. Gottes Geheimschrift ist entschlüsselt. Sie ist in die falschen Hände gelangt. Das elektronische Zwangsgeld nimmt dir die Freiheit. Der regulatorische Arbeitskreis Brüssel zertrümmert die Wirtschaft, wie immer er will. Noch ein Prise NATO Gladio CIA WHO Blackrock oben drauf. Da hast du deine ausgereifte Zivilisation der globalen Unfreiheit. Sie kriegen euch alle.

Maiordomus

1. März 2026 08:27

@Erinnere ich mich richtig, ist Abschied von Matjora oder ähnlich ein sehr bedeutender Film aus den 80-er Jahren, ist der in Lichtmesz Filmführer eigentlich drin? Oder der einzigartige siebeneinhalbstündie Streifen von Bela Tarr "Satanstango", der im übrigen gegen den Strich interpretiert werden müsste, weil die interessanteste Figur dort drin, eigentlich zwar eine Tarnfigur eines totalitären Regimes, mit hohem Engagement sich dafür einsetzt, dass die verzweifelten Kleinbauern eines südungarischen Dorfs eben nicht auswandern, sondern ausharren und die Sinngebung des Sinnlosen vor Ort suchen. Eindrücklich das Kapellengeläute, kommentiert von einem übergeschnappten Messmer, der immerzu ruft "Der Türke kommt, der Türke kommt", wobei tatsächlich die ungarische Kapellenkultur und überhaupt das vom Papst um 1453 angeordnete Läuten um 11 Uhr, eine satanische Zeit, aus Anlass der Eroberung von Byzanz(Konstantinopel ein apokalypitisches Läuten war. Untergründig ist dieser Film sehr stark mit den im obigen Essay artikulierten Gedanken verwandt.   

Monika

1. März 2026 08:30

Noch ein taz Artikel zu Walentin Rasputin , dem "sowjetischen Grünen": https://taz.de/P-O-R-T-R-A-I-T-Walentin-Rasputin---ein-sowjetischer-Gruener/!1865897/

Maiordomus

1. März 2026 08:33

PS. Wenn es einen filmischen Meister der "dunklen Ökologie" gibt, übrigens konsequent alles in Schwarzweiss gedreht, dann ist es Bela Tarr. Über diesen im Januar verstorbenen Meister der Leinwand würde für sich allein ein Buch lohnen. 
Im Zusammenhang mit dem oben beschriebenen "Ausstieg" würde sich indes weniger die Auseinandersetzung mit Kaczynski lohnen, eine Art Variante des bei Lichtmesz wohl überschätzten japanischen Anarchisten, als das Gesamtwerk des amerikanischen Philosophen und Aussteigers, auch Selbstversorgers, Henry David Thoreau. Dieser scheint es nicht nötig zu haben, bei seinem Rückzug aus der Welt innere Aggressionen abzureagieren, insofern er an den Schweizer Eremiten Klaus von Flüe erinnert. 
 

das kapital

1. März 2026 08:36

Der Staat war Helfer. Heute ist er zum Gefängniswärter transformiert worden. Selensky Nuland Biden sind auf freiem Fuss. Jacques Baud kriegt Hausarrest und Kontensperre von und in Brüssel. Verbote und Gebote nehmen überhand und das Bargeld wird abgeschafft, um Jacques Baud und andere endgültig auszuhungern. Nicht mal Freunde aus der Schweiz durften ihm Lebensmittel liefern. Die Transaktion wurde von den Lieferanten abgelehnt, weil er von Brüssel widerrechtlich gebannt worden war. Die Welt wird zum globalen Gefängnis durch eine totalitär gewordene Zivilisation. Der technisch vervollkommnete Staat wird zum Alptraum seiner Bürger. 2000 Jahre technischer Fortschritt. Null ethischer Fortschritt. Zu Christi Zeiten gab es Fluchtorte und Fluchtmöglichkeiten. Heute erleben wir den Menschen im Zeitalter seiner technologischen totalitären Beherrschbarkeit. 
 

das kapital

1. März 2026 08:49

Paul Kingsworth hat bisher nur einen englischsprachigen Wikieintrag. Ein deutscher steht noch aus. 2020 ist er der rumänisch orthodoxen Kirche beigetreten. Kleiner Nebenaspekt. Bei euch habe ich folgenden "Werbe"text gefunden." Doch dann wiederum, es gibt nichts, das die Welt noch retten könnte, und vor denen, die das Gegenteil behaupten, müssen Sie die Welt retten."Kingsworth selbst aber scheint seinen Retter und Erlöser in Rumänien gefunden zu haben. Man darf gespannt sein, wie sich das nun weiterentwickelt. Und wie er sich weiterentwickelt. 

das kapital

1. März 2026 09:25

Wie Kingsnorth (wieder) religiös wurde, verdient vielleicht auch noch etwas nähere Betrachtung. Siehe The Cross and the Machine.Erst versuchte er sich im Buddhismus und im Wicca Glauben. Da fand er aber keine genügenden Antworten auf seine ökologische wie kulturelle Krise.Seine Entscheidung für das Christentum sei nicht primär eine vernunftbegründete, sondern sie beruhe auf seinen persönlichen Erfahrungen, die lebendige Träume umfassten, die ihn geradezu aus seinem früheren Glauben herausgezogen hätten.

Monika

1. März 2026 09:50

Zum Urgrünen als seelischer, spiritueller Kraft hat der leider zu früh verstorbene Ulrich Schacht ( 1951-2018) einiges geschrieben. In den Jahren 1991-95 hat er Künstlerexpeditionen in die Arktisregionen Norwegens und Russlands initiiert. Schacht hat die Natur als poetischen Raum ( unvernutzbar) verteidigt gegen ihre Zerstörung durch Industriealisierung und Ideologie. Erinnert sei an seinen Gedichtband : "Platon denkt ein Gedicht". Was hätte Ulrich Schacht wohl zu Luisa Neubauers Arktisreise auf einer Segelyacht gesagt ? Ist das noch "Neoumweltschutz, Ideologie"  oder nähert sich Luisa spirituellen Erfahrungen. Wie sagte sie nach der Reise: "Total schön, total weltschmerzend". Ja, vielleicht begegnet man sich doch noch. 🤔https://georgsbruderschaft.de/pics/uwe-wolff-die-fahrt-der-ordensbr%C3%BCder_tumult.pdf

Maiordomus

1. März 2026 10:04

PS2: Der japanische rechtsextreme Anarchist, dessen Name mir entfallen war, dessen Leben und Aktion tatsächlich eindrücklich verfilmt ist, siehe Filmführer Lichtmesz, heisst natürlich Mishima. Für mich eine bedenkenswerte Existenz, aber ganz gewiss keine Art Orientierung. Der einzigartige ungarische Filmkünstler Bela Tarr ist übrigens erst im Januar verstorben. In der durchaus vorhandenen religiös-spirituellen Dimension nimmt er es jedoch nicht mit dem Russen Tarkowski auf. Sein massgeblicher Drehbuchautor mit, dessen Namen richtig zu schreiben eine Kunst wäre, erhielt übrigens voriges Jahr den Literaturnobelpreis. Ähnlich Kubrick gegenüber Nabokov und Stefen King ist indes Tarr als Filmemacher dem Romanschriftsteller überlegen. Robert Bresson, Federigho Fellini, Michelangelo Antonioni, Vittorio de Sica, hätten durchwegs, wie Hitchcock und Bergman, auch den Literaturnobelpreis verdient.    

Franz Bettinger

1. März 2026 10:09

@Kapital: „Sie kriegen euch alle, ihr könnt nicht gewinnen …“ Ich glaube, solche Sätze sind weder zielführend noch stimmig. Sie spiegeln primitive Kriegs-Propaganda wider. Sie könnten von einem feindl. Influencer stammen. Ich glaube, wir erleben gerade einen Luther Moment in der Geschichte der Menschheit (Film, best ab 1:11). Der alte Glaube an Die Da Oben wird nun abgestoßen. Corona hat (mit anderen Schweinereien zusammen) das Fass zum Überlaufen gebracht. Ergebnis des weltweiten Rechtsrucks könnte eine bessere Demokratie sein. Die Da Oben werden noch erkennen müssen, dass sie weit weniger Macht haben als sie denken. (Corona war ja nicht die einzige Großlüge.) 

Franz Bettinger

1. März 2026 10:29

In meiner Klasse gab es 1 Schüler, bei dem Zuhause kein Fernseher stand. Er war ein durchschnittlicher Kerl, aber wir bewunderten ihn dafür. Der gab uns damals schon durch diese stille Geste zu denken. - Was fesselt uns heute? Handy, Smartphone (Kleinst-Computer), nach wie vor (aber immer weniger) das TV, Versicherungen (die meisten überschätzt) feste Arbeits-Zeiten, evtl. Impf- & Steuerpflichten … Wer wirklich will, kann sich von Vielem befreien. Ziviler Widerstand beginnt im Kleinen. Werdet kompetent! 

Le Chasseur

1. März 2026 11:56

@das kapital"Die Zivilisation wird zur unentrinnbaren Antizivilisation. Der Antizivilisation und den Antizivilisierten entkommst Du nicht. Sie verleiden Dir den Planeten bis in den letzten Winkel hinein. Epstein Island ist überall. Robin Crusoe wird überall per Whatsapp Digital ID GPS und Starlink aufgefunden."
Genauso empfinde ich unsere Zeit auch. Als 16jähriger sah ich zum ersten Mal den Film "Der Club der toten Dichter" mit Robin Williams. In dem Film wird eine Passage aus Henry David Thoreaus "Walden" zitiert: "Ich ging in die Wälder, denn ich wollte wohlüberlegt leben...". Dieser Satz traf mich wie ein Blitz. Aber diese Option gibt es nicht mehr, diese Flucht in die Wälder... 5G und die hochauflösenden Überwachungssatelliten und die Drohnen mit Wärmebildkameras sind überall. Saurons lidloses, niemals schlafende Auge starrt dich ständig an. Und bald können sie vielleicht sogar deine Gedanken lesen... https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/kuenstliche-intelligenz/semantic-decoder-ki-system-ermoeglicht-gedankenlesen/

Le Chasseur

1. März 2026 12:14

"Zerrissen ist der Zusammenhang zwischen Menschenschöpfung und Erde, vernichtet für Jahrhunderte, wenn nicht für immer, das Urlied der Landschaft. Dieselben Schienenstränge, Telegraphendrähte, Starkstromleitungen durchschneiden mit roher Geradlinigkeit Wald und Bergprofile, sei es hier, sei es in Indien, Ägypten, Australien, Amerika; die gleichen grauen vielstöckigen Mietskasernen reihen sich einförmig aneinander, wo immer der Bildungsmensch seine 'segenbringende' Tätigkeit entfaltet; bei uns wie anderswo werden die Gefilde 'verkoppelt', d.h. in rechteckige und quadratische Stücke zerschnitten, Gräben zugeschüttet, blühende Hecken rasiert, schilfumstandene Weiher ausgetrocknet; die blühende Wildnis der Forste von ehedem hat ungemischten Beständen zu weichen, soldatisch in Reihen gestellt und ohne das Dickicht des 'schädlichen' Unterholzes; aus den Flußläufen, welche einst in labyrinthischen Krümmungen zwischen üppigen Hängen glitten, macht man schnurgerade Kanäle; die Stromschnellen und Wasserfälle, und wäre es selbst der Niagara, haben elektrische Sammelstellen zu speisen; Wälder von Schloten steigen an ihren Ufern empor, und die giftigen Abwässer der Fabriken verjauchen das lautere Naß der Erde - kurz, das Antlitz der Festländer verwandelt sich allgemach in ein mit Landwirtschaft durchsetztes Chicago! Die meisten leben nicht, sondern existieren nur mehr, sei es als Sklaven des 'Berufs', die sich maschinenhaft im Dienste großer Betriebe verbrauchen, sei es als Sklaven des Geldes, besinnungslos anheim gegeben dem Zahlendelirium der Aktien und Gründungen, sei es endlich als Sklaven großstädtischen Zerstreuungstaumels; ebenso viele aber fühlen dumpf den Zusammenbruch und die wachsende Freudlosigkeit."

Ludwig Klages, Mensch und Erde, 1913

FraAimerich

1. März 2026 12:19

Den bedrückenden "Satanstango" kann man sich auf Youtube mit dt. Untertiteln ansehen.
 
Wem das an diesem Wochenende noch nicht reicht, empfehle ich zusätzlich Jean-Baptiste Del Amos "Tierreich", das verstörende Sittenbild einer Schweinezüchterfamilie, die ihren psychischen Defekten sowie dem Zwang zur hochindustrialisierten Ausbeutung des Rohstoffs Tier erliegt.
 
»Der Roman ist ein finsterer Abgesang auf eine Welt, in der Tiere, aber auch Menschen, nur als Ware gesehen werden. Es gibt keine Lösung, keine Hoffnung – ein fatalistisches, ein beklemmendes und beeindruckendes Buch.«– Dirk Fuhrig, Deutschlandfunk Kultur

Mitleser2

1. März 2026 12:36

So toll der Text von GK auch sprachlich ist, wo führt die Zivilisationskritik und Kapitalismuskritik denn letztlich hin? Gerade auch in den Kommentaren von "das kapital". Es gibt 8 Mrd. Menschen, die zu ernähren sind. Mit Subsistenzwirtschaft unmöglich, außer dort wo sie jetzt noch existiert. Ich höre gerne von realistischen Alternativen. Oder möchte jemand ein Schrumpfen auf eine "verträgliche" Anzahl propagieren?

Ekstroem

1. März 2026 13:51

Die Liebe zur Natur ist Teil des deutschen Wesens. Kein Wunder also, daß wichtige Klassiker der "Ökologie-Literatur" des 20. Jahrhunderts deutschen Ursprungs sind. Beispielsweise "Ein Planet wird geplündert" (1975) und "Mensch und Erde" (bereits 1913!). Naturliebe und die Sehnsucht nach dem Heiligen gehen im deutschen Wesen zusammen. - Danke für den Artikel und die Kommentare. 

das kapital

1. März 2026 14:24

@Le chasseur Die technischen Möglichkeiten sind uferlos hin zum Eingriff in das Genom und den Körper. Die technische Überwachung greift in atemberaubendem Tempo um sich. Wir alle sind aber auch nahezu grenzenlos bereit, uns in sozialen Medien aller Art nackig zu machen und so zur Perfektionierung der Überwachung beizutragen. Den Rest regelt die Klarnamenpflicht von Günther, Merz und von der Leyen. Das Lesen der Körpersprache und der Vitalfunktionen lässt sich technisch perfektionieren. Da kommt dann technisch kein Mensch mehr mit. Wenn meine Gedanken technisch ausgelesen werden, dann wandere ich sowieso in den Knast. Schon weil das Wort "Habeck" oder das Bild von dem einen Pawlowschen Reflex auslösen, der zu Hausdurchsuchungen führt.

FraAimerich

1. März 2026 14:34

@Maiordomus  -  Im Lichtspielführer findet Tarr (im Gegensatz zu Klimows "Abschied von Matjora", s. S. 136ff) leider nicht statt, jedenfalls bin ich bis jetzt beim Blättern und Querlesen noch nicht über ihn gestolpert. Der Name wird auch im Personenregister nicht geführt. Dabei sollte Meister Lichtmesz, der sich irgendwo mal recht positiv zu Bressons "Balthasar" geäußert hat, zumindest an Tarrs "Turiner Pferd" Gefallen gefunden haben. Als an Nietzsche aufgehangenes Endzeit-Sittengemälde hätte es auch gut ins Buch gepaßt - und zumindest deutlich mehr her gemacht als der in die Abteilung "Antihelden" aufgenommene, aber nahezu unansehliche Szene-Streifen "Pearls before Swine", dessen Untergrund-Klamauk selbst den letzten eingeschworenen NON- und WGT-Veteranen wenig geben dürfte...)

das kapital

1. März 2026 14:36

@ Franz Bettinger Ihre Hoffnung in allen Ehren. Christus ist der größte Influencer aller Zeiten und Luther hat uns besten Zugang zur Bibel zu Gott und zum Heiligen Geist verschafft. Das bedeutet den Heutigen aber nichts mehr. Linkskatholische Christmette 2025 in Stuttgart : Christus ist eine schleimige Kröte. Ihr betet eine schleimige Kröte an, ihr Narren, merkt das doch endlich ! /// Die da oben sind wertlos (geworden). Sie herrschen aber trotzdem mit allen erdenklichen sich wissenschaftlich gebenden Mitteln. Sie haben Technologien zur Hand, von denen der Führer nur träumen konnte und sie wenden sie an und vervollkommnen sie weiter. Flucht ist nicht mehr möglich. Mal ganz konkret: wie verhindert Deutschland die Nordstreamsprengung, den Krieg in der Ukraine und viele andere Zeiterscheinungen mehr. "Die da oben" haben sich mächtig gewaltig von den "normalen" Menschen entkoppelt. Die werden mit Brot und Spielen ruhig gestelllt und haben nichts mehr zu melden. 1984 war das noch nicht so. Da hatten Mittelschicht und Mittelstand noch Bewegungsfreiheit. Heute nicht mehr. Du siehst es doch: Merz nach der Wahl 1,7 Billionen neue Schulden im Grundgesetz.Klimaneutral per 2045 Schulden verbrezelt für Haushaltslöcher nichts wird neu geschaffen oder erwirtschaftet. Trotzdem 30 Prozent für die Union. Die Lüge herrscht und sie wird täglich neu gewählt.

das kapital

1. März 2026 14:53

@ mitleser 2 - 8 Milliarden Menschen zu ernähren ist nicht die Aufgabe Deutschlands und der Deutschen. Unsere Aufgabe ist es, rund 84 Millionen Einwohner zu versorgen, von denen uns einige Millionen seit 2015 wie ähem räudige Hunde zugelaufen sind. Es gelingt hier nach wie vor, alle Einwohner zu ernähren, auch die ungebetenen Gäste. Das 8 Milliardenproblem können und wollen wir nicht lösen. Wer meint, dass wir es lösen könnten oder müssten, der rettet nicht die Welt, sondern zerstört das eigene Land. Gehen Sie da bitte nicht den grünen Weltenrettern auf den Leim. Kolumbien braucht keine deutschen Kühlschränke und Peru keine deutschen Radwege. Das unbequeme ist, dass der sogenannte biologische Regelkreis nicht nur für Füchse und Hasen gilt, sondern für Menschen auch. D.h. dort wo mehr Menschen produziert werden, als das Land ernähren kann, kommt es notwendig zu Verteilungskämpfen bis hin zu Totschlag. Wie z.B. derzeit auf Kosten von Christen in Nigeria. Entweder alle hungern. Oder die einen verhungern, weil die anderen ihnen das Lebensnotwendige wegneh-men. Oder sie erschlagen sie gleich. Oder sie sind so verzweifelt, dass sie unter Lebensgefahr versuchen, über das Mittelmeer Europa zu erreichen. Mehr Menschen als Ressourcen. Das regelt sich durch hungern, morden, sterben und abhaun.

Monika

1. März 2026 15:14

Korrektur zu meinem Beitrag 9.50 Luisa Neubauer war natürlich in der Antarktis, ( nicht in der Arktis) von deren "weltschmerzender Schönheit " sie sprach. Weltschmerz ist ein urdeutscher Begriff. Und, daß man das Nomen als Adjektiv benutzen kann, geht wohl auch nur so in der deutschen Sprache. Ich kann das Buch "Von der Schönheit der deutschen Sprache" von Roland Kaehlbrand nur empfehlen. https://de.wikipedia.org/wiki/Weltschmerz

Majestyk

1. März 2026 15:24

@ Mitleser:
Degrowth ist nichts anderes als Bevölkerungskontrolle unter feudalen Bedingungen. Wird ja niemand von Askese abgehalten, sollen doch die Degrowth-Forderer mit gutem Beispiel vorangehen. Wem die moderne Technik nicht paßt, abschalten. Menschen, die weniger haben, ob hierzulande oder in allen möglichen Erdteilen zu predigen, sie sollen verzichten ist Anmaßung. Genau wie der Begriff "Überbevölkerung" absolut tendenziös ist. Der Peak jenes Wachstums eh bald überschritten. Wenn ich mir manche Kommentare durchlese, hätte Habeck auch Wirtschaftsminister bleiben können. 
Im Übrigen garantiert ja erst wirtschaftliches Wachstum die Pflege von ökologischen Schutzzonen und selbst heute wird niemand gehindert mehr Nähe zur Natur zu suchen oder natürlicher zu leben. Diese Technikfeindlichkeit verspielt ja nicht nur Zukunftschancen, wie die negative Einstellung z.B. gegenüber Raumfahrt zeigt, sie blendet ja völlig aus, daß modernere Technik, überholte unreife und schädlichere Technik obsolet macht. Unsere moderne Technik hat das Leben erst angenehm gemacht, ich würde nicht im Mittelalter leben wollen, daß manche als Hochzeit abendländischer Kultur empfinden.

ofeliaa

1. März 2026 15:58

Das Audio dazu fand ich ganz besonders gut und würde mir wünschen, dass Sie einmal ein ganzes Buch oder zumindest ein kleines Büchlein (ein)sprechen würden. Das Buch an sich, fasziniert mich total. 

Gracchus

1. März 2026 16:09

Ich bin mir sehr sicher, dass der Text bereits kurz vor Weihnachten veröffentlicht wurde. Damals hat @Fra Aimerich seinen Hut gelüftet. @Fra Aimerich: Oder nicht?
Ihre Empfehlungen erscheinen mir in der Tat sehr düster! 

Gracchus

1. März 2026 16:37

Man muss nicht kapitulieren, man darf aber seine Ratlosigkeit eingestehen. Wenn ich GK recht verstehe, soll zumindest lokal der vorpolitische Raum sich der eigenen Vernutzung wie der der natürlichen Ressourcen widersetzen und indirekt auf den politischen Raum abstrahlen.
Der politische Raum ist derzeit von der Neo-Ökologie in Form des Klimaschutzes besetzt, jedenfalls EU-weit. Die politischen Kräfte, die sich dem widersetzen, tun dies im Namen wirtschaftlicher Prosperität, die ja mit Vernutzung und beständiger technischer Innovation einhergeht. Hier sehe ich ein Dilemma. Auch eine echte ökologische Politik, die den Namen anders als der Klimaschutz verdient, würde zu materiellem Wohlverstandsverlust führen. 
 

Gracchus

1. März 2026 16:56

Den späten Stifter des Nachsommer lese ich hierauf bezogen prophetisch-resignativ. Spätestens die 1848er-Revolution scheint Stifter jedweden Geschichtsoptimismus ausgeblasen zu haben. Im Nachsommer, erschienen 1857, soll gerettet (restauriert) werden, was noch zu retten ist, die Dinge nämlich, künstliche wie natürliche, und deren Einklang zueinander. Der, der dies ins Werk setzt, der Freiherr von Risach, hat sich aus seinen politischen Geschäften zurückgezogen. Er agiert also nicht vor-, sondern postpolitisch. Der Nachsommer bekommt dadurch eine geradezu eschatologische Dimension. 

Freichrist343

1. März 2026 17:48

Wir brauchen keine grüne Planwirtschaft, sondern eine öko-konservative Politik gemäß Herbert Gruhl.
https://jlt343.wordpress.com

Wahrheitssucher

1. März 2026 18:28

Etwas off topic: Ein Lesehinweis auf ein äußerst lesenswertes Interview mit Götz Kubitschek in der "Berliner Zeitung". Sehr gewinnbringende Äußerungen seinerseits und ein Beispiel für fairen Journalismus!

Eo

1. März 2026 19:09

Andreas Gryphius

Es ist alles eitell
(Vanitas, vanitatum et omnia vanitas)

Du siehst / wohin du siehst, nur Eitelkeit auff Erden.Was dieser heute bawt / reißt jener morgen ein;Wo itzund Städte stehn / wird eine Wiesen seinAuf der ein Schäfferskind wird spilen mitt den Heerden;
Was itzund prächtig blüht, soll bald zutretten werden;Was itzt so pocht vndt trotzt, ist morgen Asch und Bein.Nichts ist, das ewig sey / kein Erz, kein Marmelstein.Itzt lacht das Gluck vns an / bald donnern die Beschwerden.
Der hohen Thaten Ruhm muß wie ein Traum vergehn.Soll denn das Spiell der Zeit / der leichte Mensch bestehn ?Ach ! was ist alles dis, was wir für köstlich achten /
Als schlechte Nichtikeitt / als Schaten, Staub vnd Windt,Als eine Wiesenblum / die man nicht wiederfindt.Noch wil was ewig ist, kein einzig Mensch betrachten.
(1637)

Mußte alsbald an das wunderbare Sonett von Gryphius denken, das mich mit einer tiefen Traurigkeit erfüllt, aber auch gleichzeitig durch den Klang der Worte aufrichtig Trost spendet.Ja, die Welt ist im gleichen Maße schön, wie sie grausam ist.

Mitleser2

1. März 2026 20:42

@das kapital: Sie haben mich missverstanden. Natürlich ist es nicht die Aufgabe Deutchlands, jemand jenseits der 84 Mio zu  versorgen. Das Problem ist trotzdem, dass die da sind. Und sie werden sich nicht alle vor Ort entsorgen, um es zynisch zu formulieren. Denn es gilt eben, was Sie selbst schreiben: "Oder sie sind so verzweifelt, dass sie unter Lebensgefahr versuchen, über das Mittelmeer Europa zu erreichen."
Deswegen habe ich Probleme mit dem zivilisationskritischen/antikapitalistischen Ansatz. Der ist nur irgendwie lokal/unabhängig umsetzbar.

RMH

1. März 2026 21:20

"Etwas off topic: Ein Lesehinweis auf ein äußerst lesenswertes Interview mit Götz Kubitschek in der "Berliner Zeitung". Sehr gewinnbringende Äußerungen seinerseits und ein Beispiel für fairen Journalismus!"
@Wahrheitssucher, deshalb muss sowas auch hinter paywall versteckt werden.

Gracchus

1. März 2026 21:35

@Fra Aimerich, Maiordomus: In Ihre Filmreihe würde noch Kurosawas Dershu Uzala
Von Tarr habe ich bisher nur Werckmeister Harmonies gesehen. Filmisch durchaus beeindruckend. Ich sehe ihn eher als Antipoden zu Tarkovski, nämlich als nihilistisch. Deshalb bin ich nicht so wahnsinnig ersichtlich, mir weitere Filme von ihm anzusehen. "Au hasard balthazar" ist einer meiner Lieblingsfilme, ist aber nicht nihilistisch.

Marcus AC Severus

1. März 2026 21:42

Danke für diesen Beitrag! Regt zum Nachdenken an

Marcus AC Severus

1. März 2026 21:53

@Franz Bettinger 
Mündig zu sein, bedeutet eine Wahl zu haben und was Technologie und Neuerungen angeht, so macht die Auswahl dessen was gut für einen ist die Musik. 
Wer heute auf KI verzichtet, der hat morgen keine Zukunft mehr. Wer morgen auf Robotik verzichtet, der wird übermorgen zur historischen Randnotiz, usw. 
Niemand reist heute mehr von Hamburg nach München mit der Kutsche, auf dem Pferd oder zu Fuß. Für 99% aller Menschen die bisher lebten war es aber Regel. In Zukunft werden auch 99% aller Menschen die noch leben werden Cyborgs sein. Niemand wird auf künstliche Körperupgrades verzichten, wenn er dadurch  länger lebt, stärker ist oder sonst was für Vorteile hat, ohne irgendwelche Nachteile .
Social Media und andere Dinge abseits von X  kann man sich aber sparen. Auch sonst vieles was kommen wird. Die Auswahl ist das entscheidende. Totalverweigerer sind Narren. Denn nur ein Narr glaubt die Erde zurückdrehen zu können.

Le Chasseur

1. März 2026 22:08

@Franz Bettinger
"Ergebnis des weltweiten Rechtsrucks könnte eine bessere Demokratie sein."
Träumen Sie weiter. 

FraAimerich

1. März 2026 22:27

@Gracchus  -  Etwas Nihilismus darf man einem Regisseur, der sich selbst als atheistischen Anarchisten beschrieben haben soll, wohl zugestehen. Habe in anderem Zusammenhang mal die Position vertreten, daß man das Tal des Nihilismus durchqueren und hinter sich lassen muß - ohne dabei die Empathiefähigkeit angesichts der geschundenen Kreaturen und des menschlichen Elends zu verlieren. Und diesen Vorwurf zumindest kann man Tarr - soweit ich mit seinem Werk vertraut bin und meinem Empfinden trauen darf - nicht machen. Ein Test, den man bestehen muß. Denn betreten muß dieses Tal (irgendwann) wohl fast jeder einmal. Heutzutage werden viele darin schon geboren...

Gracchus

1. März 2026 22:49

@Mitleser2, Majestyk: Ich verstehe nicht, worauf in GKs Text sich Ihre Kommentare beziehen. Konkrete politisch umsetzbare - und dann auch noch weltweit - Forderungen kann ich dem Text nicht entnehmen.
Vielleicht so: Der Text richtet sich ja vorrangig an die, die sich an der genannten Wegkreuzung stehen sehen - vielleicht gehören Sie nicht dazu? 

FraAimerich

1. März 2026 23:20

Jedenfalls läßt sich für mich gut nachvollziehen, daß @Maiordomus zur Wiedervorlage der obigen Gedanken zur "Dunklen Ökologie" Tarrs "Satanstango" als filmische Darstellung einer apokalyptischen Verfallszeit in den Sinn kam. Auch Ransmayrs "Letzte Welt" - von  Götz Kubitschek als Jahrhundertroman wärmstens empfohlen - könnte einem hierzu einfallen. Gelesen als dystopische Umkehrung Ovids und düstere Verfallsprophetie eines in Gier, Schlick und Rost untergehenden Geschlechts.
Die düstere Verfallsvision einer hochtechnisierten, demokratisch befriedeten, gleichwohl von den eigenen Urbedürfnissen völlig entfremdeten Gesellschaft zeichnete Willy Seidel in "Der Gott im Treibhaus" bereits 1925. Widerstand leistet eine kuriose, von einem Nordländer gegründete Sekte, die Naturnähe und schlichte Lebensführung vertritt und ihre Zeit gekommen sieht, als unvermittelt ein Krieg ausbricht, der Millionen von Opfer fordert. Hoffnung erwächst aus dem Glauben an die Natur, die ein neues Leben - freilich erst "übermorgen" - ermöglichen wird.

Wahrheitssucher

1. März 2026 23:46

@ RMH1. März 2026 21:20"Etwas off topic: Ein Lesehinweis auf ein äußerst lesenswertes Interview mit Götz Kubitschek in der "Berliner Zeitung". Sehr gewinnbringende Äußerungen seinerseits und ein Beispiel für fairen Journalismus!"@Wahrheitssucher, deshalb muss sowas auch hinter paywall versteckt werden.
Verstehe Ihren Unmut, aber wenn sie es nur hätten verstecken wollen, hätten sie es gar nicht erst gebracht. Habe selber nur den online Zugang, es ist nun mal die Praxis dieser Portale, das Lesen ihrer besten Beiträge zahlungspflichtig zu machen...
Will hier nicht unbedingt Werbung betreiben, aber die Zeitung ist allemal eine lohnende Lektüre im Vergleich zur sonstigen Tagespresse. Im Hause Schnellroda sollte man sich einmal Gedanken machen, wie man dieses Interview einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen könnte! Es ist sicher noch aussagekräftiger als das Gespräch mit Jasmin Kosubek, eben auch, weil die Fragen viel prägnanter und intelligenter waren...
 

Mitleser2

2. März 2026 07:43

@Gracchus: Es liegt mir fern, weltweite Forderungen zu stellen. Aber der Text thematisiert die Ablehnung vom Zivilisation und Kapitalismus (GK mag trotzdem völlig anders denken). Und ich fragte nach Lösungen. Aber Sie mögen dahingehend recht haben, ich stehe nicht an der genannten Wegkreuzung.

RMH

2. März 2026 08:39

1. Da ist er wieder, der romantische Dünger & genug Beitragspflanzen wachsen. Bislang wenig Löschkalk eingestreut - dabei sind die am Realismus liegenden Beiträge von @Majestyk & Mitleser2 so logisch, wie auf A das B im Alphabet folgt. Klingsworth kommt von den brit. Inseln, ein Lebensraum, der uns teilweise wild, ursprünglich & weniger dicht bevölkert vorkommt, als D. Dabei ist er Ergebnis radikaler menschlicher Eingriffe, schon die Römer holzten hier Wälder für ihre Schiffe ab, die Engländer umso mehr & eroberten damit ein Weltreich. Die Kleinbauern wurden vertrieben, um Platz für große Weideviehwirtschaft mit Schafen & Rindern zu haben, die alles, was verbuschen & am Ende zum Wald führt, kleinhielten. Die Industrie kam mit Feuer & Stahl, ein Tolkien hat nicht nur seine WK1 Erlebnisse verarbeitet, wenn er von Mordor, Orks etc. schrieb. Dennoch heute: Highlands etc., british country side, alles schön saftig grün.

RMH

2. März 2026 08:40

2. Auch unsere dt Landschaft ist zu über 95% Kulturlandschaft, die Wälder Ergebnis einer "Vernutzung". Einer der schönsten Wälder, der Reinhardswald, war Hütewald, man hat das Vieh zur Eichelmast hineingetrieben. Nur so konnten die schönen, großen Bäume bleiben. Klingsworth scheint Sohn von Aufsteigern zu sein, die vom britischen Erfolg profitierten. Insofern arbeitet er entweder vermeintlich karmische Schuld ein Stück weit ab oder gehört eben zur romantischen Dekadenz, wie es sie seit 250 Jahren gibt, wo die Söhne nicht mehr hart arbeiten, wächst es im Geist, manchmal auch wild. Aber: „Jede Kultur bedarf der Sklaverei“, das hat Nietzsche richtig erkannt. Jeder Geistesauftrieb bei den einen, wächst auf Materialismus der anderen. Und ja, selbst mit nur 50 Mio Einwohnern müsste D noch ein Industrieland sein, damit der Geist nicht Eicheln im Wald zum Essen suchen muss, sondern am Schreibtisch sitzen darf & publiziert.

das kapital

2. März 2026 08:41

@ mitleser 2 - ich möchte Sie gar nicht miss- sondern richtig verstehen. Eine funktionierende Welt stelle ich mir in meiner naiven zivilisierten Vorstellung in etwa wie folgt vor. Die Deutschen sorgen dafür, dass es in Deutschland gut läuft, die Inder in Indien die Russen in Russland usw. Dann läuft es gut in der gesamten Welt. Wenn jeder selbst sich gut und zukunftsfähig organisiert und die anderen als Menschen mit ihren Bedürfnissen leben und machen lässt und ihre Interessen respektiert. Auf dieser Basis könnten alle gut zusammenleben und sich gegenseitig im Rahmen des Möglichen bei einem guten und geglückten Leben unterstützen und sich kulturell und wirtschaftlich austauschen. /// Nun, die letzten Jahrtausende der Menschheitsgeschichte sind deutlich anders verlaufen, als es diesem Ideal entspricht. Siehe nur mal Magdeburger Bluthochzeit im Mai 1631 oder Karl der Sachsenschlächter. In den über 30 Jahre dauernden Sachsenkriegen (772–804) führte Karl zahlreiche Feldzüge, um die Sachsen zu unterwerfen und zu christianisieren. /// Es ist schon auffällig, dass auch in vermeintlich aufgeklärten Zeiten Freiheit und das Recht, sich selbst bestmöglich zu organisieren, nicht respektiert wird. /// Ja, sollen wir die Menschheit etwa verhungern lassen ? Das ist der Preis, wenn Menschen nicht lernen, sich regional bestmöglich zu organisieren.

Blue Angel

2. März 2026 10:28

@Marcus AC Severus:
" 99% aller Menschen ": Im materialistisch betäubten "Wertewesten" - vielleicht, obwohl ich auch das bezweifle. 99% im Rest der Welt - ganz sicher nicht: Dort gibt es noch viele, die wissen, daß Materialismus eine Sackgasse ist und daß das Leben nach Beendigung des physischen Teils eine Fortsetzung auf einer anderen Ebene findet.
Auch hier, insbesondere im Umfeld dieses Forums gibt es sie, ich z. b. gehöre dazu.  
"Ohne Nachteile" - Abgesehen von totaler Abhängigkeit bzgl. "Wartung"/"Updates", was das absolute Ende jeder "Wahl" und des Rests jeder Freiheit bedeutet. 
M. E. handelt es sich bei solchen Dystopien um die feuchten Träume ranshumistisch-satanistischer Globalisten, die selbst Gott-gleich sein und den Teil des zu nutzenden "Viehs", den sie übrig lassen, zwecks optimierter Nutzung umbauen wollen. - Solche Ideen sindder Gipfel an Menschenverachtung weil sie das So-Sein des Menschen frontal angreifen.

Maiordomus

2. März 2026 10:37

@Das Kapital. Das mit Christus als "Influencer" kommt mir etwas salopp vor. Eher schon halte ich mich an Reinhold Schneider, Winter in Wien, eines der bedeutendsten Bücher Europas im 20. Jahrhundert: "Christus ist nicht der Ordner der Welt. Er ist unsere tödliche Freiheit." Unterschätzen Sie auch Pascal nicht: "Nous ne nous connaissons nous-mêmes que par Jésus Christ."
@Luther in Ehren , aber Sie überschätzen ihn massiv, seine bedeutendste Prägung erhielt er, wenn schon, durch die deutsche Mystik, die "theologia teutsch" des Frankfurters, der die Linie von Meister Eckhart fortsetzt, letzterer an Weltbedeutung allesfalls mit Buddha vergleichbar, aber man müsste ihn natürlich erarbeiten, aber die deutsche Pseudo-Rechte um den NS-Chefideologen Rosenberg hat sich massiv an ihm versündigt, indem sie ihn, analog mit Paracelsus, zum deutschnationalen Theologen verfremdete, was aus dem Text in keiner Weise zu entnehmen ist. Was die Bibel betrifft, bleiben Erasmus und Zwingli mindestens gleich wichtig, und natürlich auch die mystische Tradition bis hin zu Nikolaus von Cues, Trithemius von Sponheit und natürlich Jacob Boehme. Luther orientierte sich noch sehr lange Zeit lediglich an der Vulgata.  

Blue Angel

2. März 2026 10:49

Fortsetzung:
Größenwahn führt nie zu einem konstruktiven Ergebnis. Aktuell zu sehen beim "präemptiven" Angriff auf den Iran: Dort versetzt sich grade ein weiteres materialistisch-degeneriertes Imperium selbst den Todesstoß.
Warum? Weil Materialisten Menschen nicht dauerhaft unterwerfen können, die wissen, daß der physische Tod kein End- sondern ein Übergangspunkt zu einer anderen Ebene ist. Man kann vom Islam halten was man will (in meinem Fall nicht viel) aber diesbezüglich sind überzeugte Muslime, überzeugte Christen (von denen es im Wertewesten m. E. nur noch wenige gibt), Buddhisten und überzeugte "Spiritualisten" etc Materialisten überlegen. 
Der Glaube an ein "ewiges Leben" inform transhumanistischer "Optimierung" ist destruktiver Auswuchs materialistischer Machbarkeitshybris. Dieses jämmerliche Möchtegern-Konstrukt wird genauso scheitern wie alles, was auf Größenwahn aufgebaut wurde. 

Maiordomus

2. März 2026 12:52

@das kapital. Die Geschichte mit Karl dem Sachsenschlächter ist bezogen auf heutige Verhältnisse sehr weit hergeholt, wäre noch gut, sie würden sich näher mit der Zivilisationsgeschichte der althochdeutschen Zeit befassen, die immerhin auf der Basis des Mönchstums erfolgte. Den Sachsen ging es damals auf jeden Fall besser als den Indios auf dem Gebiet des Gründungsterrains der VSA , haben sie doch physisch besser überlebt, wofür aber die gegenwärtige Geburtensituation keine im Vergleich zur Zeit von Karl optimistischen Aussichten vertritt, das Schlachten der Sachsen hält auch nicht mit der gegenwärtigen deutschen Abtreibungsquote nicht mit. Auch die Religionskriege des Mittelalters  und die Kreuzzüge sollten beim Vergleich der sog. Werte-Prioritäten nicht zu direkt mit der heutigen Situation verglichen werden. 
 
  

Gracchus

2. März 2026 12:59

@RMH: Die Notwendigkeit, natürliche Ressourcen zu kultivieren und zu nutzen, bestreitet wohl niemand. Die Sense, die Kingsnorth gefällt, dient ja auch der Nutzung. Zwischen Nutzung, z. B. als Hütewald, und industrieller Vernutzung besteht doch ein Unterschied. Vernutzung führt dazu, dass z. B. Böden dann überhaupt nicht mehr genutzt werden können. Der Wille, die Natur technisch beherrschen zu wollen, ist allzu begreiflich. Wer aber die Natur samt Tieren nur als nutzbare Ressource betrachtet, der verkennt, dass die Natur in erster Linie einen Lebensraum für Mensch, Tier, Pflanze bildet. In diesem Lebensraum hat auch der Mensch oder schafft, kultiviert sich eine Heimat. Heimat ist aber mehr als die Befriedigung materieller Bedürfnisse. Zwischen Bewahrung der Heimat und Bewahrung der Natur besteht also ein enger Zusammenhang. Bewahrung der Heimat ist aber doch das rechte Projekt. Zudem ist der Mensch selbst auch Naturwesen; er macht sich oder wird in einem Prozess der immer in- und extensiveren Ressourcennutzung selbst zur Ressource. 
 

Gracchus

2. März 2026 13:05

@Fra Aimerich: Tarr sei sein Nihilismus gestattet, aber mir auch, dass ich mir seine Filme nicht so gern ansehe, auch wenn er - das würde ich nicht in Abrede stellen - Empathie behält. Stimme Ihnen zu, dass wir das Tal des Nihilismus durchschreiten. Frage mich: Kann man als Einzelner in einer nihilistischen Kultur den Nihilismus hinter sich lassen?

Maiordomus

2. März 2026 13:19

Korr. Der bedeutendste Frühreformator, der allerdings nur kritisierte und nicht handelte, heisst natürlich Trithemius von Sponheim, Abt und Lehrer des Paracelsus und schonb um 1500 und vorher vernichtender Kritiker der damaligen Missstände, leider 1516 verstorben, dem gleichen Jahr, da Luther, den ich natürlich seinerseits nicht unterschätzt haben möchte, die Theologia teutsch herausgab, für den Kenner der Geistesgeschichte eigentlich nicht weniger bedeutend wie die legendenumwitterten 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg.  

Ein gebuertiger Hesse

2. März 2026 13:43

@Blue Angel
"Der Glaube an ein "ewiges Leben" inform transhumanistischer 'Optimierung' ist destruktiver Auswuchs materialistischer Machbarkeitshybris. Dieses jämmerliche Möchtegern-Konstrukt wird genauso scheitern wie alles, was auf Größenwahn aufgebaut wurde."
Ihre Hoffnung in allen Ehren, aber: warum glauben Sie, das dieses Konstrukt scheitern wird?"

heinrichbrueck

2. März 2026 13:51

"Eine funktionierende Welt stelle ich mir in meiner naiven zivilisierten Vorstellung in etwa wie folgt vor. Die Deutschen sorgen dafür, dass es in Deutschland gut läuft, die Inder in Indien die Russen in Russland usw. Dann läuft es gut in der gesamten Welt. Wenn jeder selbst sich gut und zukunftsfähig organisiert und die anderen als Menschen mit ihren Bedürfnissen leben und machen lässt und ihre Interessen respektiert. Auf dieser Basis könnten alle gut zusammenleben und sich gegenseitig im Rahmen des Möglichen bei einem guten und geglückten Leben unterstützen und sich kulturell und wirtschaftlich austauschen."
Machtlogik ist kompromißlos. Man stelle sich einen Berg vor, so wie die Natur ihn geschaffen hat. Einer will hinaufsteigen beziehungsweise hinaufklettern, ohne Seil, ohne Aufzug, ohne Hubschrauber. Eine ganz andere Art des Lernens bricht sich Bahn, wenn klar ist, wie viele (auch wieviele) Fehler gemacht werden können. 

das kapital

2. März 2026 14:07

@Maiordomus Alles hat seine Zeit. Damals wurde das Christentum mit dem Schwerte verbreitet und mit dem Schwerte bekämpft. Heute sind es die "westlichen Werte" angefangen mit den Rohölvorräten der Welt. Niedersachsen gibt es auch heute noch. Die haben sich nach dem Massenmord wieder breit gemacht, haben Thor hinter sich gelassen und andere Götter angenommen.So wie die Indianer ihren Manitu hinter sich ließen. Bis in die 1970er Jahre wurde das in der westlichen Welt genauso erzwungen, siehe Kanada."Die Rolle der römisch-katholischen Kirche bei der Zwangsassimilation indigener Kinder in Kanada ist ein dunkles Kapitel der kanadischen Geschichte, das als kultureller Genozid bezeichnet wird. Über 150.000 indigene Kinder wurden über 160 Jahre lang (bis 1996) aus ihren Familien gerissen und in von der Regierung finanzierte, aber überwiegend von Kirchen (ca. 70 % von katholischen Orden) geführte Internate, die "Residential Schools", gezwungen." Das ist gar nicht so altdeutsch, sondern es war noch zu unseren Lebzeiten so. Leider.

das kapital

2. März 2026 14:14

@ Maiordomus II Das mag salopp sein, aber 2,5 Milliarden Follower sind gigantisch. Da kommt kein Heutiger ran. Und auch in den elektronischen Medien darf gerne für Christus - und bei mir auch Luther - Werbung gemacht werden.Christus ist der Weg zu Gott und Luther ist der direkte deutschsprachige Weg zu Christus und zu Gott und zur Bibel. Da können viele andere einpacken im direkten Vergleich. Das Meister Eckardt spirituelle Höchstleistung ist - kein Zweifel daran. Der ist aber absolutes Minderheitenprogramm. In einer gutgefüllten Kirche weiss so in etwa einer von 100 Besuchern, wer das ist.

Adler und Drache

2. März 2026 14:24

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass im Prozess der Vernutzung halbwegs eine Balance eintritt, wo nicht mehr ausschließlich vernutzt, sondern vielmehr so zugerichtet wird, dass es nicht zu einer Totalvernutzung der Welt kommt. Diese Balance wäre aber nur mit konsequenter Technisierung aller Lebensbereiche rigiden politischen Mitteln herzustellen und aufrecht zu erhalten. Die Grünen scheinen vorerst daran gescheitert zu sein. Wo auf der liberalen Seite das Problem gesehen wird (die sind ja auch nicht blind oder doof), hofft man augenscheinlich auf einen Durchbruch durch die technologische Singularität, die jüngsten Berechnungen zufolge etwa 15 Jahre in der Zukunft liegt. (Ich halte es für eine Utopie.)
Im Grunde steht man vor einer Ausweglosigkeit, allerdings denke ich, dass "die Vorsehung" ihre eigenen Mittel und Wege hat. Es wäre ja auch möglich, dass unsere Spezies ihren Höhepunkt schon überschritten hat. Die Intelligenz nimmt ab, die Spermienqualität sinkt - beides anscheinend beständig. Von der Geburtenquote gar nicht zu reden.     

Maiordomus

2. März 2026 14:56

Blue Angel. Der "Todesstoss" bewegt sich derzeit auf der Ebene der iranischen Führung, wobei Frau Wageknecht bei ihrer neuesten Predigt von unschuldigen Opfern sich diesmal doch eher ausnahmsweise im Bereich sträflicher Naivität bewegt. Der Organisationsgrad des Vorstosses, bei dem man klar den Eindruck gewinnt, dass hier der israelische Schwanz mit dem amerikanischen Hund wedelt, bewegt sich vorläufig auf dem Perfektionsgrad von Churchills einstiger Aktion zur Beseitigung Heydrichs in Prag, was bereits ein Zeichen war, wie sehr sich die Besetzer mit ihrem "Protektorat Böhmen und Mähren" irrten, von da an ging's mit dem 3. Reich bereits bergab. Das materialistische Imperium, von dem Sie schreiben, wird wenn schon aus anderen Gründen zu Ende gehen. Dabei sind weder die Amerikaner, etwa Charlie-Kirk-Anhänger, noch die Israeli reine Materialisten. Das Regime in Teheran ist noch nicht überm Berg. Hingegen fürchte ich, weil Trump zu gut bewacht ist, dass als grösstmöglicher symbolischer Anschlag auf den christlichen Westen und die USA derzeit der amerikanische  Papst sehr auf der Hut sein muss, dass er Trump-Gegner ist, wird ihm so wenig helfen wie die noch kürzlichen Warnungen der Golfstaaten vor Trumps Aktion. 

Maiordomus

2. März 2026 17:15

@das Kapital. Respekt vor Ihrer Annahme. Aber als Leser der Nachfolge Christi von Thomas von Kempen kann ich bei Jesus Christus unmöglich von 2,5 Milliarden "Followern" ausgehen, wirklich nicht, das ist mein Ernst. Im Sinne der Nachfolge können auch die Kirchensteuerchristen in unseren Ländern nicht so genannt werden. Über die Nachfolge formulierte Tolstoi, der es vor seinem Tode durch eine Flucht von zu Hause versuchen wollte: "Lebe wie Franziskus. Stirb wie Christus." Selber frage ich mich, ob dieser Satz auch nur für Papst Franziskus, vor bald Jahresfrist verstorben, zugetroffen habe. Für die Umstrittenheit von Jesus, genannt der Christus, spricht die Überlieferungslage der Texte, die sich über ihn erhalten haben. Der sicherste Text bleibt wohl dass Herrengebet Vater Unser, wiewohl Papst Franziskus mit Recht das Übersetzungsprobleme aus dem Aramäischen anmahnte, besonders auch betreffend den Satz betr. die Versuchung. Immerhin, wenn ich aus tiefster Überzeugung, aber ohne sog. Gebetsanliegen, dieses Gebet spreche und nachzuvollziehen versuche, bin ich wohl dem Bezirk des "Followers" ziemlich nahe. Er selber formulierte "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind", das trifft es wohl eher als das statistische Registriertsein gemäss Religionssoziologie.      

Blue Angel

2. März 2026 17:52

@Ein gebürtiger Hesse:  Z. B. aus Gründen der ungeheujren Energiemaßen, die dafür verfügbar sein müßten. Daran wird schon die "AI/KI"-Hybris scheitern. 
@Maiordomus: Sie meinen, es gäbe im Iran (und u. a. Libanon) keine unschuldigen Opfer oder verstehe ich Ihre Wagenknecht-Bemerkung falsch? 
Zustimmung zu "Schwanz und Hund". Bzgl. "Organisationsgrad": Einen echten Plan, geschweige Plan B, scheint die globalistische Mörderbande nicht zu haben, weshalb jetzt wohl schon Bodentruppen in Erwägung gezogen werden. *Reine* Materialisten sind m. E. nur die "Bandenführer", ihre Landsleute/Glaubensbrüder größtenteils genauso Leidtragende wie der Rest der Menschheit. 
Im Gegensatz zur o. g. Bande halte ich nichts von Enthauptungsschlägen (falls Sie darauf mit der Bemerkung über Trump hinaus wollten), m. E. sind sie fast immer ineffektiv.

Le Chasseur

2. März 2026 18:05

@Maiordomus
"Hingegen fürchte ich, weil Trump zu gut bewacht ist, dass als grösstmöglicher symbolischer Anschlag auf den christlichen Westen und die USA derzeit der amerikanische  Papst sehr auf der Hut sein muss, dass er Trump-Gegner ist, wird ihm so wenig helfen wie die noch kürzlichen Warnungen der Golfstaaten vor Trumps Aktion."
Der Iran wird keinen Anschlag auf den Papst ausführen, weil er der Papst ist. Völlig Wurst, ob er Amerikaner ist oder nicht. Die Iraner wissen außerdem, dass die Katholiken auch unter israelischer Bombardierung zu leiden haben. Ein false flag-Attentat auf den Papst ist allerdings nicht auszuschließen.
Trump, Netanjahu und ihre Familien werden sich jedenfalls bis zum Ende ihrer Tage nicht mehr frei bewegen können.

Maiordomus

2. März 2026 18:15

@das kapital. Es bleibt dabei, dass die gewaltsame Bekehrung der Sachsen mit Sicherheit nicht in Korrelation mit Massenmorden des 20. und zum Teil 21. Jahrhunderts zu vergleichen ist, wobei schon in der Gegenwart die Zahl von 50 000 Getöteten in Gaza wenn schon beurkundet werden müsste, um anders als Propagandazahl beurteilt werden zu können. So viele Sachsen mussten bestimmt nicht "dran glauben". Ehrlich gesagt sind die Opferzahlen schon des im Prinzip stattgehabten Völkermordes an den Indios, wie sie Las Casas angab, längst falsifiziert, weil das Verschwinden der Indios auf Westindischen Inseln wie man unterdessen weiss nachweisbar viel stärker auf Seuchen zurückgeht, so wie im Mittelalter keine Böswilligkeit an das Wüten der Seuchen herankam. Und es bleibt dabei, dass die Opferzahlen moderner Massenverbrechen, Armenier, Kommunismus, Nationalsozialismus nicht nur aus ideologischen Gründen immer schwankend waren, vielfach herabgesetzt wurden, im Zusammenhang mit UdSSR heraufgesetzt, dass Streit um Opferzahlen eigentlich nicht mehr juridisch verfolgt werden dürfte, weil nachgerade ein Gesetz der historischen Propaganda. Es wäre aber falsch, wenn die AfD bei Regierungsbeteiligung in dieser Sache aktiv würde.    

Maiordomus

2. März 2026 18:36

PS.@Das Kapital Nachtrag Ihrem angeblichen Völkermord Karls des Grossen an den Sachsen. Die Quellenlage der damaligen Zeit verwirrt zum Teil dergestalt, dass , wenn auch übertrieben, die ganze Epoche von einem historischen Aussenseiter (über den hier vor Jahren auch schon mal debattiert wurde) in ihrer Existenz in Frage gestellt wurde. Das ist sicher übertrieben. Aber bei den Spekulationen über  Opfermassen ist nun mal Vorsicht geboten, die Beschwörung der Mass ist Ausdruck von Macht (Canetti). . Wiewohl ich das Mullah-Regime seit den Tagen Khomeynis eine Katastrophe finde, halte ich es für unverantwortlich, wie gerade dieser Tage von einem sonst meist recht seriösen Portal wie "Nebelspalter" verbreitet, die es von irgendeiner Propaganda hergenommen haben, von 30 000 "Erschossenen" aus dem Lager der iranischen Oppositionellen allein in den letzten Monaten zu berichten. Hier kommt es fürwahr auf jeden einzelnen dokumentierten Toten an. Wer so mit runden Zahlen um sich herumschlägt, siehe einst auch beim Sturz Ceausescus, will nun mal für die wie immer "gute Sache" Propaganda machen bei Betonung der abgrundtiefen Schlechtigkeit des Feindes.  

Le Chasseur

2. März 2026 20:03

@Maiordomus
"wobei schon in der Gegenwart die Zahl von 50 000 Getöteten in Gaza wenn schon beurkundet werden müsste"
Sie sind nicht ganz auf dem Laufenden:
Israels Armee bestätigt Zahl von 70.000 Kriegstoten in Gaza
Deutlich mehr Opfer im Gazastreifen laut neuer Studie
Wahrscheinlich mehr als 100.000 Menschen im Gaza-Krieg getötet
Die meisten Opfer sind Frauen und Kinder. 

Maiordomus

2. März 2026 20:06

@Le Chasseur. Ihr Zitat von Ludwig Klages erzeugt mir in seinem unwissenschaftlichen Pathos Widerwillen. Dies wohl auch deswegen, weil Klages und den nach 1933 ermordeten Theodor Lessing eine Freundschaft verband, die letztlich ein Opfer des Antisemitismus wurde. Klages, im schweizerischen Exil, war gewiss einer der fragwürdigsten Exilanten bei uns in jener Zeit. Dies hat der Autor und Publizist Erwin Jaeckle in seinen publizistischen Memoiren eindrücklich aufgezeigt. 

FraAimerich

2. März 2026 20:28

@Gracchus: "Kann man als Einzelner in einer nihilistischen Kultur den Nihilismus hinter sich lassen?"
 
Es bleibt einem im Zweifel ja gar nichts anderes übrig, als es zu versuchen. Heroisch scheitern ist keine Schande. Nobody's perfect. Immerhin gibt es verschiedene Techniken, die einen auf Kurs und Trab halten, so daß man den Nihilismus zumindest auf Distanz halten kann. Wenn man seinen keuchenden Atem auch immer mal wieder fast schon im Nacken zu spüren meint. Die letzten Schritte aus dem Tal führen ohnehin unweigerlich nach innen.
Habe ansonsten vollstes Verständnis, daß Sie auf siebeneinhalb Stunden "Satanstango" nicht gerade erpicht sind. Auch das "Turiner Pferd" habe ich Ihnen nicht persönlich empfohlen. Zum Thema Nihilismus, Ausweglosigkeit und der Gefahr, an der Welt verrückt zu werden, würde der Film allerdings vortrefflich passen.
 

Maiordomus

2. März 2026 20:29

@Blue Angel. Natürlich und leider  gibt es auch im Iran unschuldige Opfer, wohl kaum zwar nicht die bis dato nicht belegte Zahl von 30 000 der unlängst bei Demonstrationen usw. Erschossenen. Aber zumindest bei den Attacken am und kurz nach dem 28. Februar scheint das mit dem Enthauptungsschlag gestimmt zu haben, ein solcher Erfolg gegen ein totalitäres System ist zu Zeiten, da AH noch wirklich auf dem Sattel sass, kaum je gelungen, wobei immerhin der von London gesteuerte und sogar angeblich von Churchill mitorganisierte Schlag gegen den zwar nachlässig im Raum Prag herumchauffierenden Reinhard Heydrich noch eines der wenigen erfolgreichen Beispiele eines solchen Enthauptungsschlages darstellt, wiewohl natürlich nicht 1 zu 1 vergleichbar mit noch tragischen Folgen für die Ausführenden. Diese Art Widerstand war nun aber wirklich professionell und mehr als nur symbolisch wie leider später bei den Scholls, die sich vor Gericht von Freisler noch, um es in heutiger Sprache zu sagen, als naive Gutmenschen verspotten lassen mussten, freilich dergestalt, dass ihr Blutzeugentum trotz des geringen praktischen Widerstandswertes in die Geschichte eingegangen ist.  Zu @Blue Angel: für Wagenknecht hätte hier mal gegolten, sich zurückhaltender und weniger moralistisch zu äussern.  

Maiordomus

2. März 2026 20:38

@Eo. Ihren Beitrag mit dem Gedicht von Andreas Gryphius aus der Epoche des 30jährigen Krieges finden ich höchst beeindruckend, es steht für die vielfach vernachlässigte Trauer bei der Betrachtung geschichtlicher Katastrophen und Schicksale. In diesem Sinne dichtete auch der wohl bedeutendste Barockdichter Königsbergs, Simon Dach, der  auch auf den jungen Immanuel Kant Eindruck machte. Von ihm entstammt indes das von Herder berühmt gemachte Volkslied "Aennchen von Tharau", notabene eines auch der schönsten Hochzeitsgedichte in deutscher Sprache, eine Hymne auf die Ehe gewiss nicht nur als Brutstätte des Volkstums.  

Blue Angel

2. März 2026 21:24

Richtig erkannt, Maiordomus, die Zahlen der getöteten, iranischen Demonstranten sind extrem übertrieben. Im "Wertewesten" wird auch nicht erwähnt, daß ein großer Teil der Toten iranische Ordnungskräfte/Polizisten waren, die, wie auch viele echte Demonstranten, von Mossad- u. a. Agenten angegriffen und erschossen wurden. - Dasselbe "bewährte" Szenario wie im Februar 2014 auf dem Maidan u. a. 
@Le Chasseur: Richtig, im Iran leben Christen, Juden und andere religiöse Minderheiten so unbehelligt wie noch unter "dem Schlächter Assad"TM in Syrien.
Al Quaeda (mit wechselnden Bezeichnungen), zu welcher Gruppierung auch der neu installierte, syrische "Präsident"gehört, verfolgt nicht nur die dort noch lebenden Christen u. a. sondern hat auch die Unterstützung des US-/israelischen Angriffskriegs verkündet. Ein Grund mehr für Iraner und andere Schiiten, den Widerstand auf keinen Fall aufzugeben. Bis jetzt halten sie sich dabei sehr gut
 

Blue Angel

2. März 2026 22:11

@Maiordomus: Bei welchen Themen sich Sahra Wagenknecht in welcher Art besser zurückhalten würde, darüber gehen unsere Ansichten wohl auseinander: Als Patrioten können wir doch eigentlich alle nicht wollen, daß unser Land (noch) weiter in Kriege hineingezogen wird, die unseren Interessen und seinem Überleben entgegensetzt sind, oder? 
Spanien hat den US-Globalisten die Nutzung der dortigen Basen untersagt um nicht involviert zu werden. Sie haben ihre dort stationierten Kampfflugzeuge tatsächlich abgezogen und wohin verbracht? - Nach Ramstein! Und die sog. Bundesregierung unterstützt damit u. a., daß die Zielscheibe auf unser aller Rücken noch vergrößert wird. Das ist eine echte Schande. 

Gracchus

2. März 2026 23:52

@Maiordomus: "Jesus-Follower". Wer echter Christ ist, entscheidet ja gottseidank - Christus. 
Soeben habe ich bei Tauler, den Luther sehr schätzte, gelesen (Predigt 19, Johannes-Verlag): Ein Mensch könne - analog der 40 Tage zwischen Auferstehung und Himmelfahrt - erst ab dem 40. Lebensjahr ein Mensch des Himmels werden und müsse dann - analog der 10 Tage zwischen Himmelfahrt und Pfingsten - 10 Jahre warten, bevor er den Hl. Geist empfange. 
 

Gracchus

2. März 2026 23:53

@Fra Aimerich: ja, das meine ich auch. Und was sind Ihre Techniken?

Gracchus

2. März 2026 23:59

@Adler und Drache: "Vorsehung" - warum die Anführungszeichen? An die dachte ich auch. Frage mich: Lässt Gott die Naturzerstörung zu, damit wir aus dem Naturzusammenhang gerissen umso mehr auf seine Vorsehung vertrauen? 

FraAimerich

3. März 2026 00:52

Ich finde, das von @Le Chasseur eingebrachte Zitat von Ludwig Klages aus einem Gründungstext der deutschen Ökologiebewegung paßt ausgezeichnet in diesen Strang. Besser jedenfalls als die Nebengefechte um offenbar recht wirkungslose Enthauptungsschläge gegen einen schwer krebskranken Greis und seine offenbar ersetzbaren Generäle. Man beginnt jetzt schon zu ahnen, welchen Gefallen sich Trump, Israel und der Westen damit getan haben.
Der beklagenswerte, teils pathologische Antisemitismus von Klages steht auf einem anderen Blatt.
 

Asenpriester

3. März 2026 06:27

"Ökologie geht nur von rechts !"
Über 20 Jahre verwahren wir das wertkonservative  Wissen der Ökologie in der "Herbert Gruhl-Gesellschaft"
Nun sind mir aber doch einige Fehler in der naturkonservativen Ökologiebewgung aufgefallen !
z.B. "Der Mensch zerstört die Natur" Der Mensch erobert die Erde und das All usw. 
Nein, es ist nicht der Mensch ! Es ist eine winzige Elite egozentrischer Machtspekulanten, die unsere Erde zerstören. Wir haben leider keine Möglichkeit, diese Unmenschen (Satanisten, Kinderschänder, Kannibalen) abzusetzen. Wir kennen nicht einmal ihre Namen in den obersten Zirkeln. Meine Wählerstimme verschwindet meistens ins Nirwana. Medien, Politik und Technologien sind alle in dessen Händen. 
Man könnte sich tatsächlich aus der Konsumgesellschaft, wer kann, fernhalten und  soweit es geht, autark leben, keine Giftspritzen usw. Über 40 Jahre politische Aktivität, ohne jegliche Wirkung und wir haben nun wieder eine Diktatur !!
 

Adler und Drache

3. März 2026 08:45

@ Gracchus
"Vorsehung" - warum die Anführungszeichen? An die dachte ich auch. Frage mich: Lässt Gott die Naturzerstörung zu, damit wir aus dem Naturzusammenhang gerissen umso mehr auf seine Vorsehung vertrauen? 
Ist halt Hitlerslang. Gemeint ist natürlich Gott. 
Leider habe ich auf die Frage keine gescheite Antwort, ich stelle sie mir auch. Möglich, dass dies eine Art Schwelle ist, wie sie die Menschheit seit ihrem Bestehen (aus anderen Ursachen) schon ein paarmal zu nehmen hatte. Es ist ja noch nicht wirklich lang der Fall, dass der Mensch die Natur nicht nur beherrscht, sondern tatsächlich zerstören kann. Und wenn man die DDR-Mondlandschaften um Leipzig herum noch aus eigener Anschauung (oder die Luftqualität im Raum Bitterfeld oder Sokolov aus eigenem Atmen) kennt, muss man schon sagen, dass sich vieles gebessert hat. Dem deutschen Volk ist schon ein starker Drang zur Naturbewahrung gegeben. 

Adler und Drache

3. März 2026 08:47

@ Asenpriester
Satanisten, Kinderschänder, Kannibalen
Brunnenvergifter, Hexen, Ritualmörder ... 
Sind Asenpriester nicht eigentlich auch Satanisten?

das kapital

3. März 2026 08:52

@ Asenpriester Es genügt nicht zu wählen, um das Übel zu überwinden. Ganz im Gegenteil, es hilft dem Übel, wenn gewählt wird und dadurch die Herrschaft des Übels legitimiert wird. Die Herrschaft der Reichen und Mächtigen ist der Normalzustand. Die Demokratie ist Opium fürs Volk. Es lindert die Schmerzen der Armen und Ohnmächtigen und verhilft jedem Fünfzigtausendsten zu einem Job als Clown des Volkes und Diener der reichen und mächtigen transatlantischen Perversen. Bundesregierung Bundestag EU Kommission EU Abgeordneter. Da lässt sich´s gut leben als korrupter Clown und Diener der exquisiten "Elite" der Welten-zerstörer. ///Die verschärfte Machtsituation dieser Weltenzerstörer ergibt sich gerade aus dem zahlenmäßigen Wachstum der Menschheit und den verknappten Ressourcen und der technologischen Perfektionierung der Zerstörung. Vorm Overkill kannst Du Dich nicht mal im brasilianischen Urwald verstecken. Der findet dich auch dort, wenn du nicht vorher in eine der gottgegebenen Fallen geräts, die der Urwald auch ohne Atombomben für dich bereit hält. Im 19. Jahrhundert gab es noch Rückzugsorte vor dem Zugriff der Irren und der Staaten, im 21. Jahrhundert gibt es sie nicht mehr. Du bist den Irren und ihren korrupten Clowns ausgeliefert, egal ob Coronazüchtung, Coronamaßnahmen, Impfdruck, Energiewende ins Nichts, Nordstreamsprengung usw.

RMH

3. März 2026 10:15

Die Debatte dreht sich also darum, dass sich jeder seinen Ekel vor der mod. Konsumgesellschaft & allen ihren Auswüchsen, bis hinein in einen neuen "soften" Totalitarismus bestätigen lässt, bei gleichzeitiger Überbietung, wer jetzt welche Nische noch besser warmgesessen & abgeschnuppert hat. Der 2x geäußerte Kerneinwand von @Mitleser2, wie soll man mit Mil. Menschen auf der Welt & mit Millionen auch im Lande D umgehen, diese ernähren, ihnen eine Lebensaufgabe geben, bleibt unentkräftet, ja man geht nicht einmal substantiell darauf ein. Alles Böse kommt von Eliten - so einfach ist das nicht. Mill. Menschen wollen Essen, konsumieren, versorgt sein, Familien gründen etc. Natürlich können einige Snobs mit Geld "aussteigen", aber das Problem des Aussteigens ist doch stets, was passiert, wenn es auf einmal substantiell viele machen? Von einer komplett anderen Seite aus gibt es auch die "FIRE" Bewegung, platt übersetzt, 25 Jahre ranschaffen, geizen wo es geht, danach Ruhestand. Kann auch nur funktioneren, wenn es nur wenige machen. Grünen vorzuwerfen, sie hätten die Öko-Bwegung durch Kapitalismus "entweiht", greift also zu kurz. Alle Kriege, die wir erleben gehen, da hatte U.s.A recht, um Lebensraum, heute nicht mehr so sehr um Raum, sondern um Kontrolle der Resourcen. Die Öko-Bewegung, auch von rechts, hat keinen Ansatz, keine polit. Lösung für die Massen, außer Unbehagen über die Massen zu äußern.

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