Schlachten um das Erbgut

PDF der Druckausgabe aus Sezession 122/ Oktober 2024

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von Felix Dirsch –

Als sich das Ende des letz­ten Jahr­hun­derts näher­te, erhielt die bun­des­re­pu­bli­ka­ni­sche Chro­ni­que scan­da­leu­se einen ihrer letz­ten rele­van­ten Ein­trä­ge in die­sem Zeit­raum. Die Auf­re­gung ist vor dem Hin­ter­grund eini­ger wich­ti­ger Zeit­ten­den­zen zu erklä­ren: Vor allem das ob sei­nes erwart­ba­ren Erkennt­nis­wer­tes geprie­se­ne Human­ge­nom­pro­jekt, des­sen Abschluß abseh­bar war, und die schaf­ge­wor­de­ne Dol­ly-Klon­zel­le bil­de­ten die span­nungs­ge­la­de­ne Atmo­sphä­re für Debat­ten über Gentechnik.

Daß Peter Slo­ter­di­jks Rede »Regeln für den Men­schen­park« aus dem Jah­re 1999 eine umfang­rei­che Debat­te über Gen­tech­nik aus­lös­te, hing nicht mit einem beson­de­ren »Rüst­zeug« (Robert Spae­mann) zusam­men, auf das der dama­li­ge Karls­ru­her Phi­lo­so­phie­pro­fes­sor hät­te zurück­grei­fen kön­nen; viel­mehr beinhal­ten Signal- und Code­wör­ter wie Züch­tung, Selek­ti­on, Zäh­mung und Über­mensch in dem inkri­mi­nier­ten Text ein Spreng­stoff­po­ten­ti­al, das auch jene regis­trier­ten, die sich aus mäan­dern­den Andeu­tun­gen ein »Zara­thus­tra-Pro­jekt« (Tho­mas Ass­heu­er) zusammenreimten.

Bald dar­auf warn­ten dies­seits und jen­seits des Atlan­tiks soge­nann­te Bio­kon­ser­va­ti­ve (wie Fran­cis Fuku­ya­ma und Jür­gen Haber­mas) davor, mit dem gene­ti­schen Code auch das Wesen des Men­schen umzu­schrei­ben. Des­sen mani­pu­lier­te Vari­an­te habe nichts mehr mit sei­ner her­kömm­li­chen Dasein­s­aus­prä­gung zu tun, so die Befürch­tung. Auf genaue­re gene­ti­sche und gen­tech­ni­sche Aus­füh­run­gen ver­zich­te­te Slo­ter­di­jk. Immer­hin the­ma­ti­sier­te er die Pro­ble­ma­tik der Keim­bahn­ver­än­de­run­gen im Anschluß an Dis­kus­sio­nen um sei­nen Bei­trag. In sei­ner Selbst­in­ter­pre­ta­ti­on leg­te er dar, eine Betriebs­an­lei­tung zum Umgang mit Anthro­po­tech­ni­ken vor­ge­legt zu haben, die seit dem Faust­keil die Natur des Men­schen stets ver­än­der­ten. Mit moder­nen Metho­den gesche­he dies weit­aus inten­si­ver und schneller.

Die media­le Öffent­lich­keit ord­ne­te die Aus­sa­gen des Elmau­er Refe­rats als rechts­ste­hend ein, wie ein gutes Jahr­zehnt spä­ter die (wesent­lich prä­zi­se­ren und eben­falls bio­lo­gisch grun­dier­ten) Ein­las­sun­gen von Thi­lo Sar­ra­zin in dem Buch Deutsch­land schafft sich ab zur Zuwan­de­rungs­fra­ge. Die­se Kon­tex­tua­li­sie­rung in die poli­ti­sche Gesäß­geo­gra­phie mag mit Blick auf die Geschich­te berech­tigt sein. Stark an bio­lo­gisch-gene­ti­schem Gedan­ken­gut ori­en­tier­te Wis­sen­schaft­ler im 20. Jahr­hun­dert ver­or­te­ten sich selbst meist auf der rech­ten Sei­te, wenn­gleich Karl Marx Charles Dar­wins Werk bewun­der­te und sei­ner Gesell­schafts­theo­rie Anschluß ver­schaf­fen woll­te an den sei­ner­zei­ti­gen Stan­dard der Natur­wis­sen­schaft. Marx’ Erben in der Sowjet­uni­on igno­rier­ten den For­schungs­stand bewußt.

Ein poin­tier­tes Bei­spiel für ideo­lo­gi­sches Vor­ge­hen ist der Lys­sen­ko­is­mus. Der Sta­lin-Günst­ling Tro­fim Lys­sen­ko dekre­tier­te als Star-Anti­ge­ne­ti­ker, daß mensch­li­ches Ver­hal­ten aus­schließ­lich umwelt­be­dingt und damit ver­än­der­lich sei. Den rech­ten Wider­part bil­den die Sozio­bio­lo­gen, deren Bibel 1975 Edward O. Wil­son publi­zier­te (Socio­bio­lo­gy). Fast 40 Jah­ren nach die­ser Ver­öf­fent­li­chung mahn­te er Kor­rek­tu­ren an bestimm­ten The­sen an, etwa der Ver­wand­ten­se­lek­ti­on. Wie Wil­son zen­tra­le sozia­le Pro­zes­se aus bio­lo­gi­schen Mecha­nis­men ver­ste­hen und ablei­ten will, so stellt Richard Daw­kins (Das ego­is­ti­sche Gen) die gene­ti­sche Ebe­ne als Basis für Selek­ti­ons­pro­zes­se heraus.

Die Wider­stän­de der Post-68er-Lin­ken gegen die­se angeb­lich rück­schritt­li­che Deu­tung reich­ten weit über den US- Cam­pus hin­aus. Deutsch­spra­chi­ge Rezi­pi­en­ten die­ser Gelehr­ten bemüh­ten sich um Ent­schär­fung der The­sen. Von den diver­sen Schwie­rig­kei­ten die­ser wis­sen­schaft­li­chen Theo­rie ragt eine her­aus: das nur unvoll­stän­di­ge Ver­ständ­nis von dem, was das Wort »Gen« eigent­lich bedeu­tet. Fast jedes Jahr­zehnt des gen­tech­ni­schen Fort­schritts bringt neue Defi­ni­tio­nen mit sich. Wei­ter­hin ist das Ver­hält­nis von Gene­tik und Epi­ge­ne­tik unklar, ver­ein­facht aus­ge­drückt: Wel­che Mecha­nis­men steu­ern das Erbgut?

Zu den plau­si­blen, wenn auch nicht unbe­strit­te­nen Inter­pre­ta­tio­nen der Gene zählt ihre Bedeu­tung als dis­po­nie­ren­de Kraft. Umwelt­spe­zi­fi­sche Rei­ze kön­nen bestimm­te Gene akti­vie­ren und deak­ti­vie­ren. Hier läßt sich eine Ver­bin­dung zur Links-rechts-Distink­ti­on her­stel­len, die unge­ach­tet ihrer Unter­kom­ple­xi­tät immer noch ori­en­tie­rungs­stif­ten­de Wir­kung ent­fal­tet. Eine erstaun­li­che Unter­su­chung zeigt fun­dier­te Zusam­men­hän­ge zwi­schen Gene­tik und Poli­tik auf.

Die­se Publi­ka­ti­on setzt auf einem zen­tra­len For­schungs­feld der Sozio­bio­lo­gie an, näm­lich an zwei um Res­sour­cen kon­kur­rie­ren­den Fort­pflan­zungs­stra­te­gien: der r/K‑Selektion. Von die­sem uni­ver­sa­len Umgang mit der Ver­tei­lung vor­han­de­ner Bestän­de aus­ge­hend, läßt sich ein neu­er Blick auf den poli­ti­schen Grund­code wer­fen. Die­ser ist auch als Aus­fluß die mensch­li­che Exis­tenz prä­gen­der Arche­ty­pen zu begreifen.

Was ist unter r/K‑Auswahl zu ver­ste­hen? Mit »r« ist die Repro­duk­ti­ons­ra­te gemeint, der Maxi­mal­an­stieg einer Popu­la­ti­on. »K« gibt die Kapa­zi­täts­gren­ze an, die größ­te Zahl von Arten also, die unter einem gege­be­nen Fun­dus in einem bestimm­ten Umwelt­teil und zu bestimm­ten Zei­ten exis­tie­ren kann. Zu unter­schei­den sind Orga­nis­men, die über grö­ße­re Res­sour­cen zur Fort­pflan­zung und Ver­sor­gung ver­fü­gen, etwa Kanin­chen, Insek­ten und Mäu­se, von Lebe­we­sen, denen es dar­an man­gelt. Zu nen­nen sind für die­se zwei­te Grup­pe exem­pla­risch Wöl­fe, Ele­fan­ten und Löwen. Letzt­lich las­sen sich alle Orga­nis­men unter die­sem Gesichts­punkt klas­si­fi­zie­ren. Nicht alle sind ein­deu­tig zu bestimmen.

An den Nah­rungs­re­ser­ven müs­sen sich die jewei­li­gen Über­le­bens­stra­te­gien ori­en­tie­ren: r‑Selektierte brin­gen vie­le Nach­kom­men zur Welt, die meist eine kur­ze Lebens­span­ne haben; ihr Gehirn ist meist klein; Quan­ti­tät ran­giert vor
Qua­li­tät; es wird wenig Ener­gie in die Auf­zucht der Brut inves­tiert. Die ent­ge­gen­ge­setz­te Fort­pflan­zungs­stra­te­gie wird von den K‑Typen gepflegt: Sie bevor­zu­gen eher klei­ne Wür­fe, inves­tie­ren viel Ener­gie in elter­li­che Pfle­ge; die stär­ke­re Aus­bil­dung des Gehirns kor­re­liert mit län­ge­ren Rei­fungs­pro­zes­sen und einem eher zurück­hal­ten­den Reproduktionsverhalten.

Inter­es­sant sind vor allem die Aus­wir­kun­gen hin­sicht­lich der Sozi­al­sys­te­me: Der r‑Typus neigt zu einer gerin­gen sozia­len Orga­ni­sa­ti­on und meist zu einem über­schau­ba­ren altru­is­ti­schen Ver­hal­ten. Gegen­tei­li­ges läßt sich beim Pen­dant fest­stel­len. Auch im Hin­blick auf die bei­den basa­len Über­le­bens­stra­te­gien gilt der Grund­satz von gene­ti­schen Anla­gen und sie aus­lö­sen­den epi­ge­ne­ti­schen Anla­gen. Phä­no­ty­pi­sche Aus­prä­gun­gen und Expri­mie­run­gen kön­nen in kom­ple­xer Wei­se auf gene­ti­sche Struk­tu­ren rückwirken.

Alle Orga­nis­men las­sen sich im kar­te­si­schen Koor­di­na­ten­sys­tem dar­stel­len, das Aus­kunft gibt über durch­schnitt­li­ches Alter und Gene­ra­tio­nen­fol­ge (Abszis­sen­ach­se) sowie die Grö­ße (Ordi­na­ten­ach­se). Das Spek­trum reicht vom Bak­te­ri­um Esche­ri­chia coli bis zum Mam­mut­baum. Ten­den­zi­ell gilt: Je grö­ßer der Orga­nis­mus, des­to stär­ker K‑selektiert ist er. Der Mensch gehört zu den Lebe­we­sen, die sta­tis­tisch als K‑selektiert gel­ten. Die­ses Resul­tat ist sorg­fäl­tig zu dif­fe­ren­zie­ren und zu spezifizieren.

Beson­ders tabu­be­haf­tet ist eine Anwen­dung der r/K‑Auslese auf die Ent­wick­lung vom Vor­men­schen zu heu­ti­gen eth­ni­schen Popu­la­tio­nen (»Ras­sen«). Der kana­di­sche Psy­cho­lo­ge J. Phil­ipp Rush­ton hat unge­ach­tet pole­mi­scher Ein­wän­de mit viel Mate­ri­al belegt, inwie­fern mon­go­li­de ­Eth­ni­en über einen stär­ke­ren Trend zur K‑Selektion ver­fü­gen als Euro­päi­de und erst recht Negri­de. Kri­ti­sche Refle­xio­nen dar­über sind gera­de in die­sem Fall not­wen­dig, schlägt der kul­tu­rel­le Fak­tor hier beson­ders deut­lich durch. Genau­er gesagt: Die Kul­tur­stu­fe spielt in die­sem Kon­text eine ent­schei­den­de Rol­le: Auch im Deutsch­land des 17. Jahr­hun­derts gebar eine Frau noch sechs, acht oder gar zehn Kin­der. Es war klar, daß nur weni­ge das Erwach­se­nen­al­ter erreich­ten – und das vor allem aus medi­zi­ni­schen Grün­den, unab­hän­gig von der Brut­pfle­ge. Die Unter­schie­de etwa zu lai­chen­den Fischen lie­gen auf der Hand.

Par­al­lel zu die­sen ent­ge­gen­ge­setz­ten evo­lu­tio­nä­ren Ver­hal­tens­wei­sen ist die poli­ti­sche Grund­dif­fe­renz zu betrach­ten. Daß die bis in unse­re Zeit wirk­sa­me Schei­dung zwi­schen der Lin­ken und der Rech­ten zur Zeit der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on ihren poli­ti­schen Durch­bruch erleb­te, ist nur auf dem Fun­da­ment einer lan­gen Ent­wick­lung der Mensch­heit zu ver­ste­hen, die über kul­tu­rel­le Über­lie­fe­run­gen hin­aus­geht. Es ist kein Zufall, daß die »Late­ra­li­tät«, die »Sei­tig­keit«, beim Men­schen über­all zu beob­ach­ten ist – und zwar mit Nach­druck auf dem Recht, auf dem Rech­ten wie auf dem Rich­ti­gen und gegen das Lin­ke (Hin­ter­lis­ti­ge) und das Lin­ki­sche (Unge­schick­te). Hier fin­det man luzi­de Bei­spie­le für »asym­me­tri­sche Gegen­be­grif­fe« (Rein­hart Koselleck).

Die über­wie­gen­de Rechts­hän­dig­keit beim Men­schen, die sich bei unge­fähr 90 Pro­zent der Ange­hö­ri­gen der Gat­tung kon­sta­tie­ren läßt, lie­fert ent­schei­den­de Vor­tei­le bei der Koor­di­na­ti­on zahl­rei­cher All­tags­auf­ga­ben. Die evo­lu­tio­när-gene­ti­schen Hin­ter­grün­de sind offen­kun­dig und schla­gen sich in allen Kul­tu­ren ent­spre­chend nie­der. Gene­rell fin­den sich vie­le Hin­wei­se für die in den letz­ten Jah­ren immer wie­der ver­tre­te­ne Per­spek­ti­ve von der gene­ti­schen Prä­gung kul­tu­rel­ler Phänomene.

Die moder­ne Rech­te kann nicht ein­fach mit Bezug auf tra­di­tio­nel­le Pri­vi­le­gi­en punk­ten, wie einst Ade­li­ge und Kle­ri­ker, die sich zur Rech­ten des Königs, eines Abbilds des himm­li­schen Herr­schers, auf stän­di­schen Ver­samm­lun­gen (und das noch 1789!) posi­tio­nier­ten; viel­mehr ist sie auf ein bestimm­tes Res­sour­cen­ma­nage­ment ange­wie­sen: Rech­te sind wett­be­werbs­ori­en­tiert, set­zen sich in der Regel für eine effi­zi­en­te­re Güter­al­lo­ka­ti­on ein, die am bes­ten der Markt regelt. Nicht von unge­fähr ist der Kampf um Bestän­de ein Schlüs­sel­the­ma vie­ler Über­le­gun­gen aus kon­ser­va­ti­ver Sicht. Wei­ter­hin bevor­zu­gen Kon­ser­va­ti­ve in punc­to Kin­der­er­zie­hung den Vor­rang der Fami­lie und das Eltern­recht, weil damit der Gedan­ke der K‑ausgewählten, per­sön­li­chen Ver­ant­wor­tung ein­her­geht. Die Affi­ni­tä­ten sind auch hier unübersehbar.

Anders sieht es bei Inter­ven­tio­nen des anony­men Wohl­fahrts­staa­tes aus, die das per­sön­li­che Risi­ko min­dern und eine Risi­ko­fol­gen­ab­schät­zung, etwa im Rah­men der Fami­li­en­pla­nung, prak­tisch über­flüs­sig machen. Pro­mis­kui­tät ist nicht sel­ten die Fol­ge. Lin­ke ste­hen im all­ge­mei­nen für Umver­tei­lung, mit­hin für die infla­ti­ons­an­fäl­li­ge Auf­blä­hung staat­li­cher Bud­gets, die den Regie­ren­den oben­drein neue Kli­en­ten zufüh­ren soll. Ohne­hin sind nicht pri­mär bedürf­ti­ge eige­ne Staats­bür­ger der Bezugs­punkt der sich gern huma­ni­ta­ris­tisch gebä­ren­den r‑Selektierer, son­dern Unter­pri­vi­le­gier­te der gan­zen Welt. Nichts belegt so sehr die Ver- und Über­nut­zung des öffent­li­chen Inven­tars wie die Fol­gen der unkon­trol­lier­ten Masseneinwanderung.

Nun kennt man sol­che evo­lu­ti­ons­be­ding­ten Dif­fe­ren­zen schon lan­ge. Neu jedoch sind wich­ti­ge Erkennt­nis­se aus der Neu­ro­bio­lo­gie und Gene­tik. Die­se deter­mi­nie­ren zwar nicht in die genann­ten Rich­tun­gen, schaf­fen jedoch zumin­dest gewis­se Dispositionen.

Neh­men wir ein Bei­spiel für essen­ti­el­le Kor­re­la­tio­nen und für prä­dis­po­nier­tes Ver­hal­ten: Der prä­fron­ta­le Cor­tex, der am wei­test vor­ne lie­gen­de Teil des Fron­tal­lap­pens, ist neben vie­len ande­ren Funk­tio­nen für Ver­hal­tens­re­gu­la­tio­nen ver­ant­wort­lich. So kon­trol­liert er die Dopa­mi­n­ak­ti­vi­tä­ten sowie Beloh­nun­gen im Gehirn, aber auch sexu­el­le Bedürf­nis­se. Es ist offen­kun­dig, wie rele­vant sol­che Akti­vi­tä­ten für bei­de grund­le­gen­den Aus­prä­gun­gen sind. Eine spe­zi­fi­sche Varia­ti­on des Gens für D4-Dopa­min­re­zep­ti­on, näm­lich DRD4-7r, erleich­tert unter Umstän­den eine lin­ke Aus­rich­tung mit­tels Steue­rung von Dopa­min­aus­schüt­tun­gen. So kön­nen auf die­se Wei­se sowohl Depres­sio­nen als auch moti­vie­ren­de Beloh­nun­gen geför­dert wer­den, mit­hin zwei wesent­li­che Fak­to­ren für r/K‑Differenz. Ohne Beloh­nung wird mensch­li­cher Antrieb in der Regel geschwächt.

Der prä­fron­ta­le Cor­tex steht dar­über hin­aus für eine Unter­drü­ckung von Amyg­da­la-Akti­vi­tä­ten. Sie neh­men unter ande­rem eine Abschät­zung von Gefah­ren auf der Basis bis­he­ri­ger Erfah­run­gen vor. Über­trie­be­ne Annah­men von Gefah­ren kann die Risi­ko­be­reit­schaft zum Teil erheb­lich schwä­chen, mit­un­ter sogar von Kin­des­bei­nen an Lethar­gie fördern.

Als eines der Gene, das für r‑selektierte Ver­hal­tens­wei­sen (Pro­mis­kui­tät, lin­ke Ideo­lo­gie und so fort) cha­rak­te­ris­ti­scher­wei­se mit­ver­ant­wort­lich ist, gilt ein Allel des DRD4-Dopa­min­re­zep­tor-Gens. Die­ses geht nicht sel­ten mit Angst­zu­stän­den und Depres­sio­nen ein­her. Die Aus­wir­kun­gen lie­gen also auf der Hand. Wenn­gleich vie­le Mecha­nis­men noch gar nicht oder erst ansatz­wei­se ver­stan­den sind, ist es für Rech­te sinn­voll, gera­de auf der Grund­la­ge des Ansat­zes von Phil­ipp A. Men­de, Fort­schrit­te beson­ders der gene­ti­schen wie neu­ro­bio­lo­gi­schen For­schung im Auge zu behal­ten. Auch lin­ke Inter­pre­ten, die bio­lo­gi­sche Erklä­run­gen expres­sis ver­bis ver­wer­fen, sind ent­spre­chen­den Pro­zes­sen und Prä­ge­kräf­ten unterworfen.

Ein Blick zurück auf Slo­ter­di­jk, der die Schlach­ten um das Erb­gut zu wenig ernst genom­men hat­te und mein­te, sie mit eini­gen Aper­çus abhan­deln zu kön­nen: Er spricht zwar in Anleh­nung an Pla­ton vom »Rie­sen­kampf um das Sein«, der heu­te beson­ders auf gen­tech­ni­schem Gebiet statt­fin­det. Wie die­ser aber kon­kret aus­ge­tra­gen wird, dar­über fin­det sich in dem skan­da­li­sier­ten Text kein Ster­bens­wört­chen. Gewiß war damals die exak­te Funk­ti­on einer Gen­sche­re, heu­te unter dem Stich­wort CRISPR/Cas bekannt, auch Fach­leu­ten noch nicht geläu­fig; aber Ansät­ze von Gen- Mani­pu­la­ti­on waren schon 1999 bekannt. So hat­ten die Gene­ti­ker Stan­ley Cohen und Her­bert Way­ne Boy­er bereits 1973 gezeigt, wie sich das Erb­gut ver­än­dern läßt. Ein hal­bes Jahr­hun­dert spä­ter sind sol­che Ein­grif­fe prä­zi­ser, leich­ter und bil­li­ger vorzunehmen.

Slo­ter­di­jks Ant­wort auf Heid­eg­gers Huma­nis­mus-Brief ver­rät eini­ges über das Men­schen­bild von Huma­nis­ten und Kri­ti­kern des Huma­nis­mus, lei­der aber nichts dar­über, wie Huma­ni­tät im Zeit­al­ter fast unbe­grenz­ter Opti­mie­rungs­mög­lich­kei­ten zu den­ken ist.

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