The Sound Of Joy – bitte?

Vom 3. bis 6. Januar fand in Augsburg erneut das Glaubensfestival MEHR statt – eine gigantische Veranstaltung mit 11.000 Teilnehmern. Ich war dabei.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Das Mot­to hieß „The Sound of Joy“, und es sorg­te inner­fa­mi­li­är für Stirn­run­zeln, was ich bei „sowas“ wol­le. Denn: Mei­ne Ent­frem­dung von der Kir­che hat­te im jugend­li­chen Alter gera­de mit der Moder­ni­sie­rung der Lit­ur­gie und der Auf­wei­chung der über­kom­me­nen For­men begonnen!

Ich hat­te damals unter Gän­se­haut der schlim­men Art gelit­ten, als Sacro-Pop-Bands die hei­li­ge Mes­se mit­ge­stal­ten durf­ten und die­se möch­te­gern-ver­we­ge­nen Spät-Jugend­li­chen in Sak­ko und Jeans mit ihren ver­weich­lich­ten „Songs“ die Kir­che beschall­ten. Grau­en­haft! Noch grau­en­haf­ter, daß dann selbst die Alten zu den seich­ten Tex­ten mit­wipp­ten und wie erlöst waren dar­über, end­lich mal im Got­tes­raum laut klat­schen zu dür­fen. Lan­ge her, die­se unschö­ne Mode.

Ich bin nun durch die Wochen­zei­tung „Die Tages­post“ auf das Glau­bens­fes­ti­val auf­merk­sam gewor­den. Die­se Zei­tung ist recht kno­chen­tro­cken erz­ka­tho­lisch, aber die Repor­ta­gen von der „MEHR“ waren immer so mit­rei­ßend (inklu­si­ve kri­ti­scher Leser­brie­fe nach dem Mus­ter „wie kann man bit­te etwas Öku­me­ni­sches prei­sen?“), daß ich neu­gie­rig wurde.

Plus: Mei­ne Kin­der sind in der mit­tel­deut­schen Dia­spo­ra groß­ge­wor­den. Heißt: Sie ken­nen abge­se­hen von man­chen Pil­ger­fahr­ten nur Sonn­tags­mes­sen, wo sie die ein­zi­gen Jun­gen neben viel­leicht drei­ßig (wenn’s hoch­kommt) Alten sind. Das ist wie tag­täg­lich tro­cke­nes Grau­brot kau­en und froh sein sol­len, daß man satt ist.

Sprich: Ich woll­te gern, daß sie mal die vol­le Wucht des Glau­bens erleben.

Für die bei­den Töch­ter hat­te ich bloß eine Tages­kar­te gebucht, ich selbst war für alle vier Tage akkre­di­tiert. Sonn­abend­nach­mit­tag mach­te ich mich auf.

Vom Hotel aus leg­te ich zu Fuß nach kur­zem Blick auf die Kar­te (4,1 km) ab, han­dy­los, da han­dy­frei. Ich frag­te mich so durch. Ein­mal wur­de ich ori­en­tie­rungs­los und irr­te von einer Hal­te­stel­le an die gegen­über­lie­gen­de Hal­te­stel­le, um sicher­zu­stel­len, daß ich über­haupt in die rich­ti­ge Rich­tung ging. Kommt ein Aus­län­der in Jog­ging­ho­sen vor­bei: „Ey jun­ge Frau [grrr…] wo geht’s hin?“- „Zur Mes­se.“ – „Gehst du da, und da, und dann da. Ey was is da los, was wol­len alle bei die Mes­se?“ – „Dort ist ein christ­li­ches Glau­bens­fes­ti­val.“ – „Oh Wahn­sinn, das ist so gut, daß es das gibt. Isa ist Pro­phet, Schwes­ter!“ Jaja, weiß man. Wit­zig übri­gens: Aus­län­der­deutsch mit ost­schwä­bi­schem Akzent. (Spä­ter, beim Glau­bens­fes­ti­val, wird gesam­melt für eine Orga­ni­sa­ti­on, die Mus­li­me in Deutsch­land zum christ­li­chen Glau­ben bekeh­ren will.)

In der ers­ten Mes­se­hal­le sind etwa 70 Aus­stel­ler. Alle Stän­de schwach besucht. Naja, denk ich mir… SO wild ist das jetzt nicht. Viel­leicht ist in der Haupt­hal­le bereits etwas mehr los?

Die Haupt­hal­le ist schwer bewacht von Secu­ri­ty. Ich erwar­te einen etwas grö­ße­ren Raum. Die Tür öff­net sich, und ich tre­te in eine über­gro­ße Kon­zert­hal­le in zwei Eta­gen. Sie ist voll besetzt, und gera­de heben alle ihre Hän­de zum Lob­preis Got­tes: „Gott ist König“, alle sin­gen mit. Eti­am si omnes…  Ich ste­he stau­nend, Hän­de in den Rocktaschen.

Das macht was mit einem. Auf der Büh­ne, die in zahl­rei­che Rie­sen­bild­schir­me über­tra­gen wird, ste­hen fünf, sechs über­durch­schnitt­lich gut aus­se­hen­de Sän­ger (m/w), die Gott prei­sen, rüh­men, ehren, hei­li­gen. Die Tex­te kann man per Unter­ti­tel mit­sin­gen (und das wird laut getan), die Melo­dien sind ein­fach. Die Teil­neh­mer haben ent­we­der ihre Hän­de zum Lob­preis gereckt, hal­ten sie in Ver­sen­kung an der Brust oder gut­ka­tho­lisch gefaltet.

Nach die­sem Lob­preis-Intro hält Johan­nes Hartl (der Initia­tor des Fes­ti­vals und Lei­ter des Augs­bur­ger Gebets­hau­ses, in dem seit 125.330 Stun­den unab­läs­sig gebe­tet wird) sei­nen Ein­stiegs­vor­trag. Hier könn­te man aus­ufern. Kurz: Es geht um den Nar­ziss­mus des Apos­tel Petrus. Hartls Refe­rat ist ein Mit­tel­ding aus Exege­se und Psy­cho­edu­ka­ti­on. Es ist glän­zend, so ein­fach wie “deep” und regt zu dut­zen­der­lei Gedan­ken an. Es ist so inten­siv, daß ich mich kri­tisch befra­ge: Bin ich bereits mani­pu­liert, und wenn, dann wie? Wie sämt­li­che Red­ner in den kom­men­den Tagen trägt Hartl völ­lig frei vor, ohne Manu­skript, ohne Kärt­chen. Das ist extrem beein­dru­ckend. (Und das wird es auch blie­ben. Manch­mal wer­den Über­set­zer zwi­schen­ge­schal­tet. Sie agie­ren professionell.)

Danach kommt wie­der die­se Lob­preis-Band. Ein gro­ßes Kreuz domi­niert die Büh­ne. Alle tau­sen­de Men­schen um mich her­um schwel­gen im Kreuzop­fer Jesu. In den vor­ge­tra­ge­nen Psal­men­zei­len wer­den die unzähl­ba­ren Qua­li­tä­ten Got­tes geprie­sen: über­groß, all­mäch­tig, anbe­tungs­wür­dig, Quel­le allen Seins, König, Sie­ger… Mei­ne Hän­de in den Rock­ta­schen kom­men mir bald bockig vor. Logisch prei­se ich mit. Eigent­lich hal­te ich nichts von trun­ke­nem Öku­me­nis­mus, denn: Wir sind nicht gleich. Also wur­de ich so rasch manipuliert?

Das fra­ge ich mich an die­sen Tagen dut­zend­mal. Jedoch: Was ich hier tue, was ich hier höre, ver­kör­pert mei­ne Wer­te, Punkt!

Am kom­men­den Tag, Sonn­tag, sind die Kin­der dabei. Wir tre­ten unmit­tel­bar ein in einen Lob­preis. Die Kin­der sind sofort ange­faßt, über­wäl­tigt, sin­gen mit. Weil sie so kon­zen­triert sind, schau­en sie nicht auf mich. Danach: „Gell, Mama, dir war das alles super­pein­lich?“ Oh nein.

Am Nach­mit­tag wird durch Weih­bi­schof Flo­ri­an Wör­ner eine hei­li­ge Mes­se gefei­ert. Klei­ne Toch­ter: „Ich ver­mu­te mal, das wird über­schau­bar. Ver­mut­lich sind hier die wenigs­ten katho­lisch.“ Die älte­re Toch­ter, die extra­ver­tiert und enorm kon­takt­freu­dig ist, hat­te bis dahin schon zahl­rei­che Gesprä­che geführt: „Ja, denk ich auch. Obwohl fast alle, mit denen ich gespro­chen hab, katho­lisch sind. Aber das dürf­te Zufall sein und auf einer Art Anzie­hung beruhen.“

Die Mes­se beginnt. Höchst­fei­er­li­cher und (die Men­ge der Geist­li­chen betref­fend) nicht enden wol­len­der Ein­zug, dich­ter Weih­rauch­ne­bel. Die Mes­se­hal­le ist knall­voll. Ich ver­mu­te, es sind vor allem sym­pa­thi­sie­ren­de Evan­ge­li­ka­le, die neu­gie­rig auf eine katho­li­sche Mes­se sind.

Wich­tig: Vor der Gaben­be­rei­tung sagt der Zele­brant, daß aus­schließ­lich katho­lisch Getauf­te im Stand der Gna­de zur Kom­mu­ni­on gehen dür­fen. Alle ande­ren dürf­ten mit vor der Brust gekreuz­ten Hän­den bedeu­ten, daß sie gern geseg­net wer­den wol­len. Also, nach mei­ner Pro­gno­se, die allermeisten.

Aber nein: Die Kom­mu­ni­ons­pen­dung ver­lief zwar als geord­ne­tes Cha­os, ein Dut­zend Geist­li­che ver­teil­ten sich über die Hal­le, und es bil­de­ten sich Schlan­gen kreuz und quer. Man soll bei der Aus­tei­lung kei­nes­falls nach links und rechts spech­ten, son­dern sich sam­meln, aber es war ja unüber­seh­bar: Mund­kom­mu­ni­on, Mund­kom­mu­ni­on knie­end, Hand­kom­mu­ni­on, Segens­wunsch, Mund­kom­mu­ni­on knie­end – etwa in die­ser Verteilung.

Nein, es gab in die­ser hl. Mes­se kein Mari­en­lied, Maria als Säu­le des katho­li­schen Glau­bens fand außer an ein­zel­nen Aus­stel­ler-Stän­den nicht statt. Ob das eine Kon­zes­si­on der katho­li­schen Mehr­heit hier an die Chris­ten pro­tes­tan­ti­scher Kon­fes­si­on war? Mari­en­ver­eh­rung ist ein all­er­gi­scher Punkt. Hier gab es Beicht­räu­me, aber kein Rosenkranzgebet.

Am Ende des Sonn­tags kommt das, wor­auf alle war­te­ten: der Auf­tritt der O´Bros!

Wir hat­ten bei den Vor­trä­gen oder Wor­ships immer irgend­wo am Rand gestan­den, es hat­te ja auch nie­mals Aus­sicht auf drei Sitz­plät­ze am Stück gege­ben. Nun hieß es: Ent­we­der irgend­wo Sitz­platz suchen oder Row Zero! Natür­lich waren mei­ne bei­den Kin­der sofort Row Zero! Wie haben sie aus­ge­las­sen und begeis­tert getobt und getanzt und gesungen!

Irgend­wer hat­te mir vor sie­ben oder acht Jah­ren die­se O‘Bros vor­ge­führt, und damals fand ich das ähn­lich pein­lich wie den „Sacro-Pop“ anno­da­zu­mal. Das hat sich radi­kal ver­än­dert. Wir haben hier eine hoch­pro­fes­sio­nel­le Leis­tung, nur eben alles ad maio­rem Dei glo­ri­am! Was für eine hef­ti­ge, vita­le Büh­nen­show! Wuch­tig, authen­tisch! Mei­ne Töch­ter im Mosh­pit, hei­ser, enthu­si­as­miert und naßgeschwitzt.

Als wir nach Mit­ter­nacht die Hal­len ver­las­sen, geht kein ÖPNV mehr, es hat minus 6 Grad, und die Kin­der frie­ren. Ich stre­cke den Dau­men aus, und das ers­te Auto hält, zwei Frau­en vor­ne, die Rück­bank vol­ler Kin­der­sit­ze: „Es ist so komisch, daß ich wegen Euch anhal­te. Ich neh­me nie Anhal­ter mit, eigent­lich haben wir auch kei­nen Platz. Steigt halt ein.“

Tja, das ist wohl sowas wie Kar­ma, und das ist ja auch kein streng­ka­tho­li­scher Gedan­ke. Ich selbst neh­me jeden mit, und in die­ser klei­nen Not hat sich´s aus­ge­zahlt. Mehr davon, von dem allen.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (33)

Carsten Lucke

6. Januar 2026 22:33

"Das war's" habe ich immer sehr gemocht; die neueren Texte der Chefin befremden mich daher zunehmend.
"Zu viel Abendland. Verdächtig.
Zu viel Welt ausgespart. 
Keine Möglichkeit für Steingärten."
(Günter Eich)

Brettenbacher

7. Januar 2026 01:17

Schon mal wieder sehr schön!

nagini

7. Januar 2026 06:18

Toll, wie Ihnen der Ausländer regelrecht erlaubt hat, in Ihrem eigenen Land einem Fest der christlichen Religion beizuwohnen. Solche Ausländer sind es wohl, auf denen unsere Hoffnung auf Erbarmen ruht. 

Kositza: Die ironische Kommentierung des "gnädigen" Ausländerkommentars hab ich eigtl. bereits im Text vorgenommen

Maiordomus

7. Januar 2026 07:12

In der Tagespost veröffentlicht Artikel zur spirituellen Kultur der im gedruckten Heft hier ebenfalls mutig auftretende "Engelforscher", so wie die Zeitung diesbezüglich, es geht nicht um Tagespolitik, oft hervorragende Beiträge liefert , die Sie in der herkömmlichen Mainstream-Presse so fast nirgends finden. 
Habe über Neujahr ein höchst ergiebiges älteres Buch gelesen über Heimat und Identität, und zwar vom Balten Kurt Stavenhagen, einem Zeitgenossen von Werner Bergengruen. Wie er in seinem Buch "Heimat als Lebenssinn",  1938 im Baltikum erschienen zehn Jahre, später in Göttingen, analysiert einerseit kurländische Identität kleinräumig, so wie das Heimatgefühl zum Beispiel von Gerüchen,Bräuchen, Essgewohnheiten, typischen Wörtern, aber durchaus in körperlichen Eigenschaften der Bewohner sich konstituiert, beschreibt er für das Baltikum das jeweils typologisch Russische wie auch das Deutsche, einerseits abgrenzend, mit Erklärung, dass gegenseitige Abneigung entstehen kann, aber im Grunde positiv mit Warnungen vor verständnisfernem je einseitigem Heimat-Chauvinismus. Im Ganzen würde die Darstellung heute trotzdem wohl als "identitär-rechtsextremistisch" abgelehnt werden, wiewohl von der Methode her durchaus im besten Sinne phänomenologisch. Er zitiert u.a. noch regelmässig den später "umstrittenen" baltischen Kulturphilosophen Lutz Mackensen.          

Maiordomus

7. Januar 2026 07:33

@Carsten Lucke. Nichts gegen Günther Eich, aber aus seiner Generation scheinen mir die Deutschbalten Werner Bergengruen und Edzard Schaper, die aus ihrer damaligen Situation heraus zumal nach dem 2. Weltkrieg ebenfalls "abendländisch" orientiert waren, für kulturphilosophische Überlegungen, "identitär", wozu nun mal das Christlich-Brauchtümliche gehört, von noch bedeutenderer heute aktueller Orientierung zu sein.Beide beschrieben sowohl zum Russischen wie zum Deutschen ein positiv identitäres Verhältnis. bei Ablehnung sowohl des Nationalsozialismus als erst recht des Stalinismus in Verbindung mit russ. Imperialismus bei Respektierung z.B. monarchischer Traditionen. 
Lehrreich wohl auch für @EK die Studien v. Hugo Rahner, "Abendland", u.a.mit der Wiedereröffnungsansprache der theol Fakultät Innsbruck (1945) mit dem christl. Abendland als Chance für ein künftiges Österreich und Deutschland, ferner der berühmte, Ihnen wahrscheinlich bekannte Essay von Jos. Pieper "Was heisst christliches Abendland?" mit Betonung auf "theologisch begründete Weltlichkeit", mit Akzent auf Weltlichkeit, nicht Klerikalismus. Das Buch "Abendland" v. Rahner, 1966 bei Herder publiziert, ist ein Dokument für christlichen Humanismus und das "Identitäre" v. Abendland mit theol. Schwerpunkt , durchaus differenzierend, wirkt nicht à la Sellner. 

Laurenz

7. Januar 2026 08:46

@EK ... wenn ich mich recht erinnere, war ich auf Mehr-Klassenfahrt (Gagern-Gymnasium Frankfurt) in der VI. Klasse, also mit 11 oder so, auf der Wegscheide. Den Laden scheint es nach insgesamt über 100 Jahren immer noch zu geben, nachdem ich vor fast 50 Jahren da war. https://de.wikipedia.org/wiki/Schullandheim_Wegscheide Dort wurden auch am Sonntag Messen gelesen/abgehalten. Der Katholische Pfarrer, der die ökomenische Messe abhielt, an der ich teilnahm, war einfach schlauer, als die Messe-Organisatoren der Veranstaltung, die Sie in Augsburg besuchten. Als es zur Kommunion ging, wurde klar, die Protestanten schauten komisch. Der Pfarrer sagte zu uns, "schaut, hier in dem Pott, haben ich geweihte Hostien für die Katholiken & in dem Pott hier ungeweihte Hostien für die Potestanten." Problem gelöst, fertig. Die industrielle Verarbeitung des Glaubens, die Sie hier schildern, ist nichts für mich, weil sie, wie alle Massenveranstaltungen, ... funktionieren...(auch bei Ihnen, EK), am wenigsten authentisch überzeugend im real existierenden Sozialismus, bei Leni Riefenstahl schon. Auch die Konzertbesucher weltweit bei Rammstein beten & lobpreisen gemeinsam auf Deutsch, nur eben nicht zu Gott.

RMH

7. Januar 2026 09:08

Vielen Dank für den Bericht. Das war dann ja ein guter Start ins neue Jahr. Ich selber hatte in den 80ern eine Phase, wo ich eine zeitlang bei Evangelikalen dabei war. Meine Meinung: Der Spruch, alle Wege führen nach Rom gilt in Glaubensdingen nicht. Aber viele Wege führen dahin, wenn man Rom als Platzhalter für Gott nimmt. Mein Weg war es nicht, aber für viele andere ist er es. Genauso, wie für viele Katholisches, Alt-Evangelisches etc., etc. der Weg ist. Es gibt dann immer die, die sagen "Sekte", "Synkretismus", nur das ist die wahre Lehre etc. Was die Wahrheit ist, werden wir alle erst erfahren, wenn wir sterben. Davor glauben wir, wozu auch der Glaube zählt, es gibt keinen Gott. Meine Wanderungen durch verschiedene Ausprägungen des Christentums haben mich jedoch eines gelehrt: Jede Form von Gottesdienst, Liturgie ist der Versuch, Glaubenserlebnisse, das "Numinose" (Otto), wiederholbar, tradierbar zu machen. Wer also an der Liturgie, an der "Messe", schraubt, verändert die Möglichkeit, eine spezifische relig Erfahrung zu erleben. Daher führte der Reformismus im Katholizismus dazu, dass die Leute eben keine numinose Erfahrung in Stuhlkreisen mit Klampfe machen, in einer tridentinschen Messe aber schon. Manche erleben diese eher bei einem Lobpreis-Gottesdienst. Viele Wege führen nach Rom, manche nicht. Seit etlichen Jahrzehnten gibt es das Schicksal jedem auf, selber seinen Weg zu suchen. da die gesell. Einbettung schon lange verloren ist.

Monika

7. Januar 2026 10:12

Für mich klingt das alles etwas cringe. Ich verstehe, daß Jugendliche mal die "volle Wucht des Glaubens" erleben wollen, meine Generation fuhr mit dem R4 nach Taizé. Aber auch dort war ich schon der Typ "Etiam si omnes, Ego non". Ich suchte die volle Glaubenserfahrung eher bei den Einsiedlern und Abtrünnigen. In den 20er und 30er Jahren gab es die katholische Jugendbewegung "Quickborn" auf der Burg Rothenfels mit dem Priester und Theologen Romano Guardini. In diesem Kreis bewegten sich auch die Geschwister Scholl. Johannes Hartl, der Gründer des Gebetshauses Augsburg ist m.E.  damit nicht zu vergleichen, obwohl er auch Kritik an woker Weltsicht übt und entsprechend als "umstritten" gilt. ( BR, Sendung, die "Hippen Missionare"). In Frankreich begeistert sich die katholische Jugend für die Chartre Wallfahrt an Pfingsten. Da findet auch eine Marienverehrung statt.https://www.parischartres.info/ Meine Frage: wie passt das jetzt alles mit der neurechten Jugend zusammen, den Identitären ???Das wäre auch auf dem nächsten Jugendseminar zur Selbstoptimierung  Ende Januar ein Thema, oder ? 

Ernestina

7. Januar 2026 10:37

Danke für Ihren Beitrag! 
Seit kurzem in einer katholisch-traditionalistischen Gemeinde beheimatet, jedoch in der katholisch-charismatischen Erneuerung sozialisiert, stehe ich freien Formen der Glaubensausübung grundsätzlich positiv gegenüber. In der charismatischen Gemeinschaft, der ich mehr als zwei Jahrzehnte angehörte,  wurde z. B. die Handkommunion ausgeteilt. Dort befanden sich auch eine Kapelle und mehrere Oratorien mit dem Allerheiligsten. Wir hatten die kirchliche Erlaubnis, den Tabernakel zu öffnen und jederzeit vor dem Allerheiligsten eucharistische Anbetung zu halten. Ich habe in den ganzen Jahren niemanden gesehen, der dies unwürdig getan hätte. Auch die Feier der Heiligen Messe mit modernen Liedern samt Gitarren-, Klavier- oder Flötenbegleitung habe ich nie als verwerflich empfunden. Es geht letztlich um die richtige Einstellung, nämlich die tiefe Ehrfurcht vor der Heiligkeit Gottes. Da ist die Verantwortung des Menschen gefragt! Die katholische Tradition hat durch ihre engen Vorschriften dem Menschen diese Verantwortung abgenommen. Ich habe kein Problem damit! 
Dass man auf der Veranstaltung die Muttergottes "ausgesperrt" hat, ist für mich ein absolutes Nogo. Anbiederung an den Protestantismus und falsch verstandene Ökumene. Geht gar nicht!

RMH

7. Januar 2026 11:45

Meine Frage: wie passt das jetzt alles mit der neurechten Jugend zusammen, den Identitären ???
@Monika, Gegenfrage: Muss das überhaupt zusammenpassen? Muss wirklich immer alles aus einem Guss sein, darf es hier nicht ein schönes "Mosaik" geben?
@Ernestina,
"Dass man auf der Veranstaltung die Muttergottes "ausgesperrt" hat, ist für mich ein absolutes Nogo."
Wars denn wirklich so? Einmal unabhängig von dem genannten Stand, trugen die katholischen Teilnehmer sie nicht in ihren Herzen? Wie kann man die Muttergottes aussperren?
"Anbiederung an den Protestantismus und falsch verstandene Ökumene. Geht gar nicht!"
So etwas muss ja fast schon naturgesetzlich auf so einen Bericht folgen. Die Veranstaltung dauerte knapp 4 Tage & die restlichen 361 des Jahres 2026 kann doch jeder wieder in seiner Gemeinde sein religiöses Erleben so finden, wie er/sie das für angemessen & richtig hält. Für ein "christliches Abendland" ist doch am wichtigsten, dass nach 2 Jahrtausenden der Spaltungen die Schnittmengen, das Gemeinsame, nachwie vor da zu sein scheint & dass dies außerhalb der Amtskrichen offenbar mehr zum Leben gebracht wird, als innerhalb.

Kositza: Wort!!

Laurenz

7. Januar 2026 11:54

@Monika ... Meine Frage: wie passt das jetzt alles mit der neurechten Jugend zusammen, den Identitären? ... Warum stellen Sie überhaupt die Frage? Am Beitrag vom Teilnehmer @Ernestina, wie auch am Artikel, können Sie doch leicht festmachen, daß die Christen sich selbst uneins sind. Warum wollen Sie die Neurechten, oder die Neurechte Jugend, die Identitären über solche Fragen spalten? Soll doch in Glaubensfragen oder Fragen der Spititualität jeder seine eigene Antwort finden. Sie vermitteln dem Leser Ihres Kommentars, daß Sie Ihre Prioritäten bezüglich der Jugend falsch setzen. Im Grunde sollten Kinder & Jugendliche überhaupt nicht indoktriniert werden, weder durch ÖRR, DEI noch sonst irgendwas. Propaganda-Schlachten lenken vom wesentlichen ab, dem jungen Deutschen Volk. Das muß lernen, in Abkehr vom betreuten Denken, selbst zu denken.

MARCEL

7. Januar 2026 12:07

"Wer nicht gegen uns ist, ist für uns" (Matthäus und Lukas)
Die wohlwollende sog. Heils-Ökonomie Gottes
Auch hier ein Aber: Das ist "nur" der Anfang, nicht das Ende und auch nicht der Höhepunkt des Glaubenslebens. 
An der Stille, an der Krise, an der Einsamkeit, der Anfechtung, an den vielfachen "Häutungen" in der "Dunkelkammer" der Seele führt kein Weg vorbei, sonst ist es (und bleibt) es Unterhaltung, Ablenkung, "Emotionsdusche"...
Als Kontrastprogramm für männliche Gläubige sei eine Fahrt auf den Heiligen Berg Athos empfohlen: Die christliche Antwort auf Taliban und Tibet.  

Gracchus

7. Januar 2026 12:30

Anscheinend konnte EKs ästhetisches Urteilsvermögen nicht die Security passieren. SCHERZ - aber ich hege dieselben Vorbehalte wie die der "alten" EK, also ästhetische, sowie - man glaubt es kaum - wie die von Laurenz ("Massenveranstaltung"). Wenn nach alter Vorstellung die irdische an die himmlische Liturgie anschließt, fällt es mir schwer, mir vorzustellen, dass Engel nunmehr Popmelodien trällern und E-Guitarre und Schlagzeug und gar DJ-Samples benutzen (vor Jahrzehnten gab es einen Hit: God is a DJ). Trotzdem bin ich solchen Veranstaltungen gewogen, vor Ort ließe ich mich wahrscheinlich auch mitreißen, in einem weitaus kleineren Rahmen - einem Lobpreis-Abend - tat ich das schon halbwegs, ausserdem ist mein Patenkind davon begeistert. Gewogen auch, weil der baldige Ex-Mainstream dagegen agitiert oder zumindest das Label "umstritten" anhängt. 

fw87

7. Januar 2026 12:32

Bei der Sprache und den religiösen Ausdrucksformen von so manchen Charismatikern dreht sich bei mir regelrecht der Magen um. Ich schiebe das dann einfach auf mich, zumal ich mir diese instinktive Abneigung gar nicht erklären kann. Denn oft ist das, was sie sagen gar nicht falsch, sondern sogar sehr gut. Es ist auch unbestreitbar, dass es in der Charismatischen Bewegung auch gute Früchte gibt, dass merkt man, wenn man mit den Leuten zu tun hat. Menschen sind wohl auf ganz verschiedene Art "religiös musikalisch", da gefällt nicht jedem das gleiche. Da ist es auch gut, dass sich jeder innerhalb des Katholischen seinen Weg suchen kann. Für mich ist mittlerweile eine mit schlichter Ehrfurcht gefeierte Neue Messe das Optimum. Alles was ich als pompös, unnatürlich oder übertrieben empfinde, stößt mich ab.
Von Johannes Hartl habe ich "Eden Culture" und "Mission Manifest" gelesen. Beides hat mich nicht überzeugt, denn das genuin Katholische hat gefehlt. Hartl hat einmal sinngemäß folgendes gesagt: "Ich will Menschen nur zu Jesus führen, welche Kirche sie dann wählen, ist nicht meine Sache." Wie kann man das als Katholik sagen? Denn als Katholiken glauben wir ja, dass Jesus vor allem in den Sakramenten gegenwärtig ist, wirkt und handelt.

MarkusMagnus

7. Januar 2026 12:32

"Tja, das ist wohl sowas wie Karma, und das ist ja auch kein strengkatholischer Gedanke"
Ich halte Karma für soetwas wie ein Naturgesetz. Wie Einfallswinkel = Ausfallswinkel. 
Gott mischt sich auch nicht immer ein, nur manchmal wenn es ihm gefällt. 
Uns steht ein harter Kampf um Deutschland bevor, und dafür brauchen wir einfach einen Glauben. An unser Volk genauso wie an höhere Mächte. 
Gib einem Krieger einen Glauben, und sein Kampfwert verzehntfacht sich.
"Nach Gaius Iulius Caesars De bello Gallico und Diodors Bibliotheca historica glaubten die Gallier an Reinkarnation, weswegen sie keine Angst vor dem Tod hatten und daher im Kampf besonders tapfer waren."
Wiki 
Die Moslems haben einen Glauben, der ihnen sagt das sie ins Paradies kommen wenn sie Dschihad betreiben. Wir benötigen sowas auch. 

Gracchus

7. Januar 2026 12:36

Ich würde auch anders als Laurenz meinen, dass Energie und Atmosphäre bei solchen Veranstaltungen - auch wenn massenpsychologische Effekte eine große Rolle spielen - letztlich anders sind als bei Rockkonzerten wie von Rammstein.
 

Gracchus

7. Januar 2026 12:40

Die Vorträge von Herrn Hartl kenne ich als durchaus theologisch tiefgründig.
Für 2026 hat Herr Hartl u. a. folgende Trends genannt:
- mehr Promi-Christen
- mehr Muslime zu Christen
- mehr rechte Christen
- mehr Kulturchristen.

Karl Otto

7. Januar 2026 12:55

Ich selber bin Agnostiker, begleite aber meine katholische Frau aus Südamerika regelmäßig zur Messe.
Frau Kositza, gehen sie mal auf eine Messe in Westdeutschland. Da treffen sie alte Deutsche und junge Migranten. Afrikaner, Latinos, Philippinos, Tamilen. Erstaunlich besonders die vielen Schwarzen, die nicht nur an der Messe teilnehmen, sondern deren Kinder auch viele Messdiener stellen.
International gesehen ist der Katholizismus mit Sicherheit nicht gefährdet. 

Kositza: Ich hab ab Taufe 27 Jahre in Westdeutschland gelebt, bin immer noch häufig dort und hab daher sicher 1000 Messen in Westdtschl. mitgefeiert! (Schwarze und andere Dunklere kenne ich in Messen allerdings nur aus England und ja, die beten oft besonders inbrünstig.)

Adler und Drache

7. Januar 2026 13:28

(1) Von Herrn Hartl habe ich dies & das gehört, mich aber nicht weiter mit ihm beschäftigt. Er ist der "charismatischen" (neopfingstlerischen) Bewegung zuzuordnen, sie kommt aus den USA und hat verschiedene Ausprägungen, u.a. Jesus-People, also christliche Hippies, bzw. Jesus-Freaks, also christliche Punks, welche ich sehr interessant fand, weil sie eine andere Lebens- und Glaubenserfahrung haben als der bürgerliche Kirchgänger. Teilweise geht es allerdings auch hart ins Esoterisch-Magische hinein. Ich war in meiner Jugend eine Zeitlang mittendrin, wollte auch die "volle Wucht" der Glaubenserfahrung, hatte eine glaubensdurstige Seele. Leider musste ich lernen, dass ich mich da in etwas hineinsteigerte bzw. hineinsteigern ließ, dass meine Seele manipuliert wurde. Es war eine Form von Missbrauch, es schmerzt mich bis heute, und zugleich schäme ich mich, davon zu sprechen. Ich verstand es erst nach und nach, es dauerte, bis ich mich lösen konnte.  

lucianocali2

7. Januar 2026 13:32

Tausende Gläubige habe ich zuletzt auf dem Petersplatz erlebt. Urbi et Orbi, 25. 12. ca 2008. Wenn man in den Gottesdienst im Petersdom vorher geht, der von immerhin von einem Kardinal zelebriert wird, und dann aus der Kirche rauskommt, kann bzw muss man direkt unter der Loggia stehenbleiben und Zehntausende schauen einem entgegen. Während dann Benedikt in einer halben Stunde den Segen plus Kurzpredigt absolviert, keine Weihnachtswünsche in gefühlt 100 Sprachen wie Johannes Paul II, kann man in 20 000 Gesichtern nach Ergriffenheit forschen und sieht sie in jedem 10. höchstens. Da hatte Ellen wohl mehr Glück. Aber die lateinischen Messen mit 20 Teilnehmern, auch auf dem Rittergut früher, haben doch mehr Gemeinschaft im Mystischen mir eröffnet. Aber gesehen hätte ich MEHR  auch gerne. Was so etwas dann macht mit einem, man weiss es ja nicht vorher. Das wäre auch zu einfach? Man soll, ja man muß es riskieren? 

Adler und Drache

7. Januar 2026 13:37

(2) Als ich selbst "mitarbeiten" sollte, wurde mir bewusst, was da gerade bei unreifen Kindern und Jugendlichen angerichtet wird. Ich habe mich geweigert, was zu einer sofort einsetzenden Machtdynamik führte, die zu meiner Abkapselung und zu meinem Ausschluss führte. Das war das erste Mal, dass ich aus ideologischen Gründen "gecancelt" wurde (und es war sehr lehrreich für mich und hat mich in gewisser Weise aufs zweite Mal vorbereitet). Ich habe dennoch längere Zeit gebraucht, um psychisch loszukommen, es war wie eine Droge, und um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Meine Familie stand mir rat-, hilf- und verständnislos gegenüber. Ich war bereit gewesen, alle zu verwerfen und alles hinter mir zu lassen. Zum Glück verfuhr man dann nach dem pragmatischen Motto "Schwamm drüber!", gewiss auch aus einer Sprach- und Interesselosigkeit der Sache gegenüber.    

Adler und Drache

7. Januar 2026 13:53

(3) Notabene: Die Schilderung meiner Erfahrungen sind nicht als Urteil über den Herrn Hartl oder über die Sache zu verstehen, die er macht, dazu weiß ich zu wenig. Aber wie heißt es: "Gebranntes Kind scheut das Feuer." Ich urteile nicht, dennoch warne ich. Eigentlich wollte ich gar nichts dazu sagen, bei der Lektüre Ihres Textes ging jedoch gleich ein rotes Alarmlicht in mir an. Es sind viele Verführer und Bauernfänger unterwegs, auch im Gewand von Missionaren und Predigern, und das betrifft keineswegs nur die charismatische Bewegung, sondern überhaupt jede Erweckungsbewegung, auch z.B. in der Trad-Cat-Szene (wobei immer zu gelten hat: abusus non tollit usum - es gibt nachvollziehbare Anliegen, die man nicht einfach verwerfen oder ignorieren darf). Christus warnte schon selbst vor falschen Propheten und Messiassen, diese wollen, dass wir für eine Sache brennen. 
Gut, dass Sie die Erfahrung mit Ihren Kindern teilen, denn so kann wenigstens kein Keil zwischen Eltern und Kinder getrieben werden. 
 

RMH

7. Januar 2026 15:31

Sehr interessante Diskussion. Am meisten konnte ich mich - evtl. wegen ähnlicher Erfahrungen (?) - bei den 3 Beiträgen von @Adler u. Drache wiederfinden. Auch bei den Charismatikern, Evangelikalen ist es so, dass die ziemlich breit gefächert sind, man sich also hüten darf, alle über einen Kamm zu scheren. Daher meine Frage: Ist das bei Herrn Hartl so richtig pfingstlerisch, mit "Zungenreden", Handauflegungen, Leute, die wegkippen oder gar ihre Brillen & Krücken wegschmeißen, weil sie meinen, geheilt zu sein? Ich hab das damals auch zum Teil als übergriffig empfunden, wie sich da manche nach vorne gespielt haben, einem erzählt haben, Schule, Studium, Ausbildung ist eigentlich für die Katz, weil ohnehin bald die Endzeit anbricht & man sich darum sorgen sollte, dass man zu den "Entrückten" gehören kann (hier gab/gibt es eine kleine, them. Überschneidung zu den Zeugen J., die aber im Ergebnis ganz anders sind, ja auch die Dreieinigkeit Gottes ablehnen). Jetzt, 40 Jahre später, kann ich schon sagen, na, wo war denn die Entrückung? Wie viele haben wieder die Brillen auf? Dennoch: Es hat sich eine Art "Altersmilde" eingestellt. Ich weiß zwar, dass das für mich persönlich nichts ist, aber, wie ich oben schon geschrieben habe, wenn es Christen zumindest ab & an zusammenbringt, warum nicht? Die Gefahr, dass irgendjemand eine Bewegung mit Führungsanspruch daraus macht, ist natürlich immer da, wenn Menschen beieinander sind.

Kositza: Zungenreden, loszittern etc.: eben NICHT! Ich hab dort keine "ekstatische Spiritualität" vorgefunden, keine Entrückungen. Die Lobpreis-Einlagen waren ohnehin nur das eine, die Vorträge und Interviews waren klar und instruktiv. Darüber hinaus gab es überhaupt keinen Anhaltspunkt, daß Hartl sich als Guru o.ä. zelebrieren läßt.

RMH

7. Januar 2026 15:49

"dass Energie und Atmosphäre bei solchen Veranstaltungen - auch wenn massenpsychologische Effekte eine große Rolle spielen - letztlich anders sind als bei Rockkonzerten wie von Rammstein."
Kenne Beides, insbesondere Rammstein habe ich bereits gesehen, als sie noch Vorgruppe waren. Massenpsychol. Dynamiken sind fast schon technisch betrachtbare Verarbeitungsprozesse, bei denen es schon sehr auf den Input ankommt, der verarbeitet werden soll & es kommt am Ende, auch wenn es klar vergleichbare Symptome gibt, je nach Input jeweils etwas anderes dabei raus. Bei Rammstein (oder anderen Rockgrößen) hatte ich nie das Gefühl, ich soll da jetzt irgendwo mich regelmäßig sehen lassen oder mein Leben ändern. Insofern hinkt der Vergleich. Wo man m. M. n. eher einen Vergleich ziehen kann, sind die Veranstaltungen von sog. Motivationsgurus ("Tschakka!"). Diese arbeiten mit den gruppendyn. "Highs", die bei ihren Veranstaltungen entstehen & der am Ende eines solchen Wochenendes eintretenden Leere & des sich einstellenden Versagens danach, was dafür sorgt, dass man jetzt unbedingt gleich das nächste, teure Seminar "bucht". So ähnlich habe ich das bei den "Charismatikern" auch erlebt. Auf das "High" folgt die Zeit der "Anfechtungen", des harten Alltags, also möglichst schnell wieder zu einem Lobpreis, sich wieder ein "High" holen ... mit diesem emotionalen Auf & Ab kann man Menschen fangen & abhängig machen. Das ist korrekt, @Marcel.

Laurenz

7. Januar 2026 15:54

@Gracchus ... versuche meine Gedanken neutral in die Debatte zu werfen. Ich will nicht behaupten, daß die Altlinken von Rammstein oder der Literat Till Lindemann der Papst einer Kirche ist, aber die Inbrunst der Franzosen in Nimes hier vor 20 Jahren https://youtu.be/35OcbGg1l-E?list=RD35OcbGg1l-E oder von "Du hast" vor 8 Jahren in Paris ist echt & läßt manchen Priester sicherlich vor Neid erblassen. Gut gemachte Massenveranstaltungen entfesseln immer ihre Wirkung auf einen Glauben, ob an den Führer, Gott, den eigenen Fußballverein, die Revolution oder sonstwas. Sie können statt Rammstein auch Schneiderlein Flink einsetzen, sie ist Presbyterianer, aber eben auf die linke Nummer. Hier eher apolitisch, "Send me an Angel" von den alten Opas, den Scorpions. Schauen Sie bis zum Ende. Klaus Meine nimmt den bewegten Besucher im Kamera-Fokus genauestens wahr. https://youtu.be/Gg-tkMSUzW4?list=RDGg-tkMSUzW4 Ich empfehle Ihnen den stillsten Raum der Welt, gebaut im Hauptquartier von Microsoft. Gleiches tut aber auch eine kleine Höhle ohne Fledermäuse. Wenn Sie wollen, was Gott uns zu sagen hat, brauchen Sie Stille. Aber dem Menschen fällt es eklatant schwer, völlige Stille mehr als ein paar Sekunden auszuhalten.

Laurenz

7. Januar 2026 16:05

@MarkusMagnus, Lucianocali2 & Karl Otto ... will hier nicht rumnölen. Aber 100 Sprachen auf dem Petersplatz zu Rom sind das globalistische Problem, nicht die Lösung. Man spricht eben nicht mehr nur universal Latein. Vielleicht machen sich die Christen hier mal Gedanken darüber, ohne mich in die Pfanne zu hauen oder Ausflüchte zu suchen. Wenn, wie der Teilnehmer @MarkusMagnus sagt, der Glaube für das Kriegerdasein existenziell ist, warum lassen sich die Christen dann, trotz des Glaubens, in vielen Regionen des Planeten abschlachten? Ist mir völlig unverständlich, nicht nachvollziehbar. Meine rein persönliche Antwort an @MarkusMagnus ist, daß im politischen Sinne nur der Glaube an das Vaterland zählt. Man muß als überzeugter Deutscher Prioritäten setzen & kann nicht gleichzeitig 2 Herren dienen.

Le Chasseur

7. Januar 2026 16:10

@MarkusMagnus
"Die Moslems haben einen Glauben, der ihnen sagt das sie ins Paradies kommen wenn sie Dschihad betreiben. Wir benötigen sowas auch. "
Wieso, wollen Sie auch Dschihad betreiben? Jetzt gilt's erstmal Freiwilligen-Bataillone zu bilden, um Grönland gegen die Amis zu verteidigen.

Boreas

7. Januar 2026 16:42

Ich bin ja so mehr der Naturreligiöse und feiere das Göttliche bei gitarrenbegleitetem Gruppengesang am Feuer. Aber die Suche nach Anschlußfähigkeit an dieses Christending aufgrund der jahrtausendalten Tradition und der Überlegung, daß Jünger, Tolkien oder Waugh mit der Hinwendung zum Katholischen doch nicht so falsch liegen konnten, wird mich vielleicht demnächst in Erfüllung der Prophezeiung von Herrn Hartl doch noch zum Culturchristen werden lassen. Formen sind nun mal kein leerer Wahn. Wobei ich, was die Bibelei betrifft, eher ein Rex Mottram bin, ich kann alles und nichts glauben. Der einzige Mann Gottes, der mich bislang neben Pfarrer Milch, von dem ich allerdings nur Tonkonserven kenne, wirklich beeindruckt hat, war Tobias Riemenschneider, Prediger einer Freikirche in Frankfurt/Main, den ich auf einer Weihnachtsgala der Schwefelpartei  in Magdeburg im vergangenen Jahr erleben durfte. Der hatte Charisma und sprach schwungvoll und geradeheraus. Bei allen anderen bisher erlebten Pfaffen nur Salbaderei und Sermon.

Majestyk

7. Januar 2026 17:40

"Ich würde auch anders als Laurenz meinen, dass Energie und Atmosphäre bei solchen Veranstaltungen - auch wenn massenpsychologische Effekte eine große Rolle spielen - letztlich anders sind als bei Rockkonzerten wie von Rammstein." schreibt Gracchus.
So oder so, es ist was für Herdentiere. Wo ist denn bitte der Unterschied zu diesen Predigern die wie Nomaden durch den mittleren Westen ziehen und den Leuten das Geld aus der Tasche locken? Ich habe gerade mal nachgeschaut. Ticketpreise zwischen 10 und 229 Euro! Da sage doch mal einer Glauben sei kein Geschäft. 
"Der Pfarrer sagte zu uns, "schaut, hier in dem Pott, haben ich geweihte Hostien für die Katholiken & in dem Pott hier ungeweihte Hostien für die Potestanten." schreibt Laurenz.
Also quasi für jeden was dabei. Ich nenne sowas Beliebigkeit. Schön entkernt und glatt geschliffen. Da braucht man sich doch nicht wundern, wenn Kirchen dem Zeitgeist hinterher hecheln. Das ist noch nicht einmal Rammstein, das ist Pop für jedermann, sowas wie Taylor Swift oder Ed Sheeran.

Kositza: Sie nennen "entkernt, herdentierhaft und glattgeschliffen", was ich aus eigener Anschauung als intensiv und nachdenkenswert beschrieb. Auf dieser Basis läßt sich schlecht diskutieren. Allerdings: Sie wirken auf mich (nicht allein wegen dieses Kommentars, sondern wg. der Summe) nicht wie ein glücklicher Mensch. Das ist nicht ad personam, Sie sind anonym hier, aber es sagt was aus, ob jemand permanent schlechtgelaunt schreibt oder eben nicht.

MarkusMagnus

7. Januar 2026 17:52

"Christus warnte schon selbst vor falschen Propheten und Messiassen, diese wollen, dass wir für eine Sache brennen."
An ihren Früchten werdet ihr Sie erkennen. Und die Wahrheit wird uns frei machen. 
Wir müssen unser Land befreien. Nur wir selbst können das tun.
Gott will es! 

Beta Jas

7. Januar 2026 18:03

In Anbetracht solcher Veranstaltungen, die den Teufel im Detail, in unzähligen Aspekten haben, schlimmstenfalls sind Jim Jones im Anzug und der Bibel in der Hand, da, die mit einer entsprechenden Aura ausgestattet die Leute verrückt machen oder Joyce Meyer amerikanische Alltagsweisheiten zum besten auf der Bühne gibt. 
Da denke ich mir immer das ich konvertieren sollte, zum Judentum oder Islam. Warum? Da ist der glaube authentisch oder das vielleicht routinierte Ritual der Feiertage, wenn auch nicht mit richtigen Glauben noch getragen, dennoch authentisch, den man ist das was man ist. Ich verachte solche christlichen "Pop"-Veranstaltungen, die man zuhauf auch auf Bibel TV sehen kann, wo junge Menschen zwischen 20 und 30, die betont "modern" gekleidet mit der Gitarre in der Hand und dem Mikrofon, Jesus Christus plastikhaft preisen. Meistens sieht man an der nicht vorhandenen eigenen Kinderzahl wie "sauber" und authentisch der Glaube ist. Das Judentum braucht das nicht und der Islam ist da auch, mehr oder weniger vorbildlich und die Derwische sind dort, der einzige mystische abgedrehte "Zauber".

Gracchus

7. Januar 2026 20:45

@Majestyk: Als Christ ist man ja Teil der Herde. Diese Metapher hat der gute Hirte selbst verwendet.
Nichtsdestotrotz muss man sagen, dass alles Religiöse, was aus den USA kommt, schauderhaft ist und mit Kapital + Show (+ teils Science Fiction) unheilig verquickt. 
Dem von einem Foristen erwähnten Pastor Riemenschneider möchte ich rhetorisches Geschick nicht absprechen, wie man aber bei den Piusbrüdern hospitierend zu einer Baptistengemeinde changt, bleibt mir ein Rätsel. Der ebenfalls erwähnte Pfarrer Milch war wohl ein Unikum; im Katholischen spielt die Predigt nicht die Rolle und man lässt sie meist über sich ergehen wie einen Platzregen, der ja auch erfrischend sein kann. 

Ein gebuertiger Hesse

7. Januar 2026 21:06

Betreffs einiger Kommentare hier:
Erstbegeisterung ist IMMER überschwänglich, überbordend und will keine Grenzen kennen. Dieses Gefühl ist so lebensnah wie nur etwas. Wenn junge Leute es auf Jesus Christus hin empfinden, sich diesem Gefühl auf den Sohn Gottes hin aussetzen, sollten wir die letzten sein, es zu kritisieren.