Kleine Ketzerei

Die Turbulenzen der Politik können nicht die Hauptfrage unseres Daseins verdecken, sondern werfen sie im alltagsdramatischen Erleben immer neu auf:

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

Sind wir letzt­lich auf uns zurück­ge­wor­fen, also Teil eines rein natu­ra­lis­tisch und reduk­tio­nis­tisch anzu­se­hen­den Pro­zes­ses, dabei kom­for­ta­bler- bzw. elen­der­wei­se aus­ge­stat­tet mit einem Bewußt­sein, oder wir­ken in allem doch geis­ti­ge Wesen­hei­ten, die alles Sein tra­gen, es beein­flus­sen, för­dern oder stö­ren, mit­hin auch uns hal­ten und bestimmen?

Reli­gio­nen gehen in offen­siv indi­ka­ti­vi­scher Rede davon aus, ja sind davon über­zeugt, weil es vom höhe­ren und damit eigent­li­che­ren Wir­ken – Angeb­lich? – siche­re, ja unab­weis­li­che Zeug­nis­se gäbe. Denen die einen trau­en, die ande­ren – und davon immer mehr – jedoch nicht, weil sie die Gül­tig­keit die­ser Ver­si­che­run­gen bezwei­feln und weil ihnen selbst nun mal kei­ne sol­chen gege­ben wur­den oder weil sie die, säku­lar abge­stumpft, nicht empfingen.

Wer sich etwa mit der Anthro­po­so­phie Rudolf Stei­ners beschäf­tigt, die nicht nur von einer, son­dern von der geis­ti­gen Welt kün­det, wird über­rascht davon sein, mit wel­cher Genau­ig­keit von die­ser Welt, ihren Hier­ar­chien und ihrem Wir­ken gespro­chen wird. Und wer nicht zum Mit­be­ken­ner wer­den möch­te, obwohl es einen ja sehr ver­lockt, wird min­des­tens still fra­gen, wes­halb über Stei­ner hin­aus selbst in der Anthro­po­so­phi­schen Gesell­schaft bis­lang kein Zwei­ter auf­stand, der die Kun­de in sei­ner Wei­se ver­tie­fend gar fortsetzte …

So wie alle Hei­li­gen der Chris­ten­heit zwar wie­der­um – zuerst durch ihr Han­deln – ein star­kes Bei­spiel gaben, aber das, was ihnen geof­fen­bart schien, nicht plau­si­bler ver­mit­teln konn­ten, als es durch den sagen­haf­ten Ursprung geschah.

Mys­te­ri­um fidei … – „Dei­nen Tod, o Herr, ver­kün­den wir, und dei­ne Auf­er­ste­hung prei­sen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“

Dabei blieb es. Und alles Begeh­ren dar­über hin­aus muß wohl als Unge­duld gel­ten. Trost spen­det allein die Annah­me, daß man sich nicht allein auf Escha­to­lo­gie ver­las­sen muß, son­dern mei­nen darf, das Wun­der­ba­re wir­ke schon jetzt in der Welt und vor­zugs­wei­se in unse­rer Gat­tung wei­ter. Die reli­giö­se Mys­tik fand dafür sogar Begrif­fe, u. a. in der Spra­che von Jacob Böh­me oder Ange­lus Sile­si­us.

Den phi­lo­so­phisch Über­bil­de­ten hin­ge­gen ist mit Kants „Kri­tik der rei­nen Ver­nunft“ und allem, was dar­aus ent­lang der Geschich­te der Epis­te­mo­lo­gie so wur­de, ohne­hin der Zugang zum Tran­szen­den­ten verschlossen.

Gleich­wohl quält selbst die ratio­nals­ten Natu­ren, so sie sich nicht völ­lig ans Öko­no­mi­sche ver­lie­ren, zuwei­len eine meta­phy­si­sche Sehn­sucht – spä­tes­tens, wenn sie Wun­der­ba­res oder Kata­stro­pha­les erle­ben bzw. erlei­den. Und noch eines bleibt sowie­so, eine Theo­lo­gie des Als-ob. Oder noch Karl Barth: Gott als das radi­kal Ande­re, wir in von ihm getrenn­ten Raum, nur von sei­ner Offen­ba­rung zu durchbrechen.

Was alle im Sin­ne eines ech­te Exis­ten­ti­als unaus­ge­spro­chen ver­bin­det, ist der Zwei­fel. Inter­es­sant in die­sem Zusam­men­hang, daß genau die­ser Zwei­fel, so wich­tig und pro­duk­tiv, in der Poli­tik als Schwä­che gilt und dort fast eben­so aus­ge­schlos­sen wer­den soll wie im Glau­ben. Alle Poli­tik spricht ja gleich­falls im indi­ka­ti­vi­schen Duk­tus der Glau­bens­be­kennt­nis­se. Ist das vermessen?

Es erregt jeden­falls auf­fal­lend wenig Abwehr. Was wie­der­um auf Erlö­sungs­wün­sche hin­deu­tet, die sich eine Mehr­heit fata­ler­wei­se von der Reli­gi­on nicht mehr, um so mehr aber von der Poli­tik zu erwar­ten scheint. AfD-Chat­grup­pen sind dafür gera­de ein ein­drucks­vol­les Bei­spiel: Wenn wir erst regie­ren, dann end­lich wird es final rund­um licht!

Die unfrei­wil­lig bit­te­re Komik sol­cher Ver­hei­ßun­gen dürf­te nicht nur den nach­denk­li­che­ren Beob­ach­tern auffallen:

Daß man heu­te an ein poli­ti­sches Werk mit eben­sol­cher Selig­keit und Inbrunst zu glau­ben meint wie frü­her an ein Mys­te­ri­um. Und dies dann sogar mit der eige­nen Ver­nunft begrün­det. Was für ein Wag­nis doch. Ver­dammt dün­nes Eis!

Der Mensch, die­ses fra­gi­le Wesen, die­ses „Schilf­rohr im Wind“ (Blai­se Pas­cal), sucht nach Halt, hat eine Ahnung wohl unmit­tel­ba­rer von sei­ner Ver­lo­ren­heit als von Sicher­heit, inso­fern es uns ja tat­säch­lich täg­lich umbla­sen kann und wir schnel­ler ver­zwei­felt als glück­lich sind. Aber um so mehr bedarf es des­we­gen der Beschwö­rungs­for­meln, der Ritua­le, des Gebe­tes und der Gewiß­heit der Ver­ge­bung aller Sün­den, die wir uns immer­fort auf­la­den. Und um so mehr zie­hen uns Ver­spre­chun­gen an.

Solan­ge dies reli­gi­ös erfolgt, mag man die nun glau­ben oder anzwei­feln, aber die Reli­gi­on bie­tet dafür immer­hin einen fes­ten Raum und ein glau­bens­ge­schicht­lich gewach­se­nes Gebäu­de, als Platz­hal­ter für ein Reich, das nicht von die­ser Welt ist. Wird’s aber poli­tisch, spielt sich die mal dort­hin, dann wie­der dahin argu­men­tie­ren­de Poli­tik als Reli­gi­ons­er­satz auf, droht es gefähr­lich zu wer­den – in der Wei­se bereits all­zu vie­ler his­to­ri­scher Beispiele.

Darf man die Kir­che immer­hin als ein Schiff in stür­mi­scher See auf­fas­sen, im erwei­ter­ten Sin­ne als eine Arche in den Fähr­nis­sen der Welt, so ist ver­gli­chen damit die Poli­tik nicht mal ein Wrack­teil, an das man sich hal­ten könn­te, nur so schwimm­fä­hig wie ein nas­ses Wahlprogramm.

Wo Poli­ti­ker Wort und Ges­tus der Pro­phe­ten kopie­ren, wo sie über den all­zu selbst­si­che­ren Indi­ka­tiv hin­aus sogar zuneh­mend den Impe­ra­tiv bevor­zu­gen, da mel­de sich das wich­ti­ge Exis­ten­zi­al des Zwei­fels und die einst wesent­li­che, heu­te all­zu ver­ges­se­ne Hal­tung der Demut. Mit Bekennt­nis­sen blei­be man außer­halb des reli­giö­sen Rau­mes acht­sam. Min­des­tens dort.

Ein „Super­wahl­jahr“ ist alles ande­re als ein hei­li­ges Jahr. Selbst die Erleuch­te­ten aus der AfD-Gemein­de soll­ten das im stil­len wissen.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

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Kommentare (25)

Ernestina

21. Januar 2026 12:17

Ich muss Ihnen recht geben! Was man da zur Zeit z. B. im Landtagswahlkampf in Baden-Württemberg an "Halleluja-Rufen" - "Wir gewinnen und werden die Politikwende einleiten!" - hört, entlockt mir ein ungläubiges Staunen... Glauben die das wirklich? Oder geht es nur darum, die Wahlkämpfer und Wähler bei der Stange zu halten? Aus der Chatgruppe des KV bin ich seit einigen Monaten raus. Meine Anregungen, doch realistisch zu bleiben, verhallten entweder ungehört oder stießen auf heftigste Gegenrede, bis hin zur offenen Gotteslästerung. Ich vermute, denkende Spitzenpolitiker, wie z. B. Björn Höcke, wissen genau um den Ernst und die schiere Aussichtslosigkeit (?) der Lage. Doch was tun? Als Politiker bleibt nur das Versprühen von Hoffnung... Vielleicht ist das auch ab und zu der persönliche Rettungsanker...

Freichrist343

21. Januar 2026 12:17

Der 8. März 2026 wird der wichtigste Tag aller Zeiten sein. Die AfD wird in BW die Grünen überholen. Die AfDler sollten mit Anthroposophen und Sozialkonservativen (wie Darwin Dante) zusammenarbeiten.
https://jlt343.wordpress.com

Laurenz

21. Januar 2026 12:23

@HB ... warum tun Sie Sich das an, auf der Katholischen Indymedia diesen Artikel zu publizieren? Wollen Sie keine Kontroverse? Keine Debatte? Das gesichert linksextreme Gehabe auf der SiN in religiösen Fragen hieß früher Inquisition, heute CancelCulture oder NetzDG. Wodurch unterscheiden Sich Ihre Kollegen EK, ML & CS noch von Lenin Günther, der in seiner Religion (Religion ist zuvorderst immer Politik) dasselbe will, was die 3 genannten SiN-Autoren schon auf der SiN praktizieren? Wir alle wissen, das Deutsche Wahlvolk mag keine innerparteilichen Streitigkeiten in der Öffentlichkeit, wird als Schwäche interpretiert. Aber, wo letztendlich sollen dann die Kontroversen ausgetragen werden, wenn nicht hier? Tichys & Achse zensieren auch. Aber da geht mittlerweile wesentlich mehr. Achijah Zorn (Protestant) & Anna Diouf (Sänger & Katholik) schreiben regelmäßig Artikel mit religiösem Bezug. https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/vorwort-zum-sonntag/eine-kleine-freiheitslehre/ da geht es ganz anders ab (hab da denselben Avatar). Frau Diouf neigte früher auch zu inquisitorischer Zensur, bis ich mich Maximilian Tichy per Epost beschwerte. Seitdem wird auch unter Diouf-Artikeln debattiert.

Ernestina

21. Januar 2026 12:31

Und was ich noch vergessen habe: Gekämpft wird natürlich von meiner Seite weiter! Da halt ich's mit David Engels' Idee vom Hesperialismus, Transzendenz eingeschlossen...

Gracchus

21. Januar 2026 13:07

Ist religiöses Sprechen nicht primär "imperativisch", namentlich Gebot und Gebet, Anruf, erst dann Aussage? Hierauf hat Rosenstock-Huessy seine gesamte Sprachlehre aufgebaut. 
Politiker sind ja dazu da, Befehle zu erteilen. Ob diesen Folge geleistet wird, ist dann ihr Risiko. Ich würde @Laurenz umdrehen: Alles Politische ist religiös.
@Laurenz: Ihren Kommentar hätte ich gradseläätz (saarl. - k. A., wie übersetzbar) nicht freigeschaltet. 
 
 
 

MarkusMagnus

21. Januar 2026 13:16

@ Ernestina
Ich sehe keine Aussichtslosigkeit. Und ich bin nicht unbedingt als Optimist bekannt. Unsere Gegner laufen auf 99%, eine Steigerung ist kaum noch möglich, während wir gerade mal etwa 10% unseres Potentials mobilisiert haben. Wir haben noch eine Menge Luft nach oben. 
Widersprüche werden sich vielleicht sogar von selbst "auflösen", wie jetzt wieder in Connewitz zu beobachten war. Der Gegner ist selbst stark fragmentiert, wenn es hart auf hart kommt.
Brutal gesagt:
Vielleicht schlagen sie sich gegenseitig tot und wir brauchen nur noch etwas Öl ins Feuer giessen. Hier ein bisschen und da ein bisschen...
Und was übrig bleibt, wird remigriert.

Laurenz

21. Januar 2026 13:22

@Ernestina ... Religion & Politik sind identisch. Es geht nie um die Gegenwart, in der es keine Erlösung gibt, sondern immer nur um die Zukunft, in der, wie HB schreibt, die Erlösung versprochen wird. In der Politik ist es leichter, die Möglichkeiten des Machbaren in Entscheidungsfindungen rational mit einzubeziehen. Religionen sind meist schwarz/weiß totalitär, entweder oder, totalitär links. Es gibt in der Religion, ähnlich Schwangerschaften, kein ein bißchen Auferstehung oder Erlösung nach Gefechtslage. Das hat damit zu tun, daß Politik im dieseits stattfindet, Religion im dieseits das jenseits tangieren soll, ein etwas makabres Versicherungs-Business. Linke haben das jenseits (Paradies der Werktätigen) ins diesseits verlegt, was nicht funktioniert. Das ist die Frage erlaubt, warum links im jenseits funktionieren soll? ... @Freichrist343 ... die AfD könnte mit vielen zusammenarbeiten, ist aber mittlerweile so groß, daß sie das nicht nötig hat. Das ist auch völlig konkludent. Wer mit der AfD zusammenarbeiten will, kann einfach Mitglied dieser Partei werden. Ansonsten haben Sich Frau Dr. Fürst (FPÖ) & Herr Sellner (Identitäre) schon desöfteren zur Zusammenarbeit geäußert. Beide sagten mehr oder weniger dasselbe. Es gibt Phasen kongruenten Vorgehens & Zeiten, in denen man getrennt marschiert.

RMH

21. Januar 2026 13:23

"AfD-Chatgruppen sind dafür gerade ein eindrucksvolles Beispiel: Wenn wir erst regieren, dann endlich wird es final rundum licht!"
Ist das so? Ich selber bin in keinen solchen Chat-Gruppen, bin ja auch kein Parteimitglied, kenne nicht einmal eines persönlich (also im echten Leben), aber diese Schilderung löst in mir, als Wähler dieser Partei, schon ein kleines bisschen Fremdschämgefühle aus. Hat denn keiner dort "Politik als Beruf" von Max Weber gelesen? Oder kennt keiner zumindest uralte Binsenweisheiten wie "Du sollst den Tag nicht vor dem Abend loben", "Man zerteilt nicht das Fell des Bären, bevor er erlegt ist" etc. ?
So wichtig gute Stimmung für die Motiviation in einer politischen Partei ist, so wenig darf man die Rechnung ohne den Wirt machen.

Majestyk

21. Januar 2026 13:30

@ Laurenz:
Lag ich mit meiner Andeutung (konnten Sie nicht lesen), ob Sie der Inquisition zum Opfer gefallen sind, doch richtig. Die Frage muß tatsächlich gestellt werden. Ist hier auch eine innere Debatte erlaubt oder nur Debatten über Gegner und ansonsten Applaus. Speziell in jüngerer Zeit bemerke ich eine zunehmende Moralisierung bei allen möglichen Themen. Man bewertet Trump, Israel oder Industrie moralisch, als ob das in irgendeiner Form sachdienlich wäre.
Diese Kritikunfähigkeit findet sich allerdings nicht nur auf SiN, wo Betrachtungen eh gerne philosophisch übersteigert werden, sondern in fast allen Foren. Gerade jene mit blauen Herzen nehmen mittlerweile eine Unbelehrbarkeit an, wie man sie früher von Grünen kannte, und ersetzen gerne Wissen mit Glauben.
Gleichfalls werden Oppositionspolitiker im In- wie Ausland verehrt, als seien sie der Messias, aber medial gesteinigt, sobald sie sich erlauben, nicht so zu funktionieren, wie erwartet oder erhofft.
So werden Debatten zu Glaubenskriegen, und dann ist es vorbei mit interessenbasierter Politik, noch ehe ein Machtwechsel vollzogen werden kann. Überzeugungen sind wichtig, Glaube sei jedem Menschen gestattet, aber die Religion sollte man aus der Politik heraushalten, dogmatisches Denken sowieso.
Genau dies hat Deutschlands Absturz verursacht, als der Wirtschaftsriese BRD vergaß, weltpolitisch ein Zwerg zu sein, und Faschingskommandanten glaubten, die Spielregeln ändern zu können, nach denen die Welt sich dreht.

Laurenz

21. Januar 2026 13:32

@Gracchus ... HB hat mutmaßlich meinen Kommentar freigeschaltet. Um mal Ihren Verführer & angeblichen Erlöser frei zu zitieren, "Wer zur Zensur greift, wird durch die Zensur umkommen." Sie argumentieren nicht logisch, Gracchus. Erst wird das Parteiprogramm geschrieben, dann Politik gemacht. Bei den Christen (Katholiken) dauerte es 300 Jahre bis zum Konzil von Nicäa, wo man sich endlich auf das himmlische Partei-Programm zwangseinigen konnte & erst ab da betrieb man effizient Politik im diesseits.

Majestyk

21. Januar 2026 13:33

"@Laurenz: Ihren Kommentar hätte ich gradseläätz (saarl. - k. A., wie übersetzbar) nicht freigeschaltet." scheibt Gracchus und beweist einmal mehr, was er unter Redefreiheit versteht.

RMH

21. Januar 2026 13:37

@Laurenz, da sind Sie ja wieder. So sehr ich den Spruch "Zensur verfeinert den Stil" als generelles Prinzip ablehne, so sehr ist er speziell Ihnen für alle Ihre regelmäßigen Religions-Rants anzuempfehlen. Sie steigern sich da mittlerweile ausnahmslos so rein, dass es regelmäßig irrational, unsachlich und zu sehr persönlich betroffen wirkt. Drüber stehen, nicht persönlich werden (fällt Ihnen bekanntermaßen schwer) und mit kühlem Verstand das Irrationale argumentativ angehen. Das Beachten des in der Tat abgestandene Spruchs "Fortiter in re, suaviter in modo." oder umgedreht "Suaviter in modo, fortiter in re." hilft sicher weiter. Bei Ihnen kann daher zur Abwechslung in der Tat eine Stiländerung weiterhelfen. Gibt genug hier, die auch keine Anhänger der Pius-Brüder, des Katholische etc. sind, geschweige denn Christen, und deren Inhalte sind regelmäßig zu lesen. Und das ist auch gut so.

Mitleser2

21. Januar 2026 13:39

Das Problem der AfD im Superwahljahr wird sein, dass die Weltpolitik von der Innenpolitik ablenkt oder sie sogar dominiert. Und dass dann die Schafe zusammenrücken, bis zum Befolgen der EU-Rhetorik. Geht ja schon los. "Wir" müssen gegen Trump zusammenstehen. Schlechtes Timing. 

Laurenz

21. Januar 2026 13:48

@Majestyk @L. ... es gibt in jeder Redaktion Rote Linien. Früher hieß das auf der SiN Kopfschuß-Lyrik, deren Publikation die Existenz aller aufs Spiel setzt. Aber jetzt sind wir (die SiN-Gemeinde) spätestens seit der Corona-Diktatur, wo sich gemäßigte Alternative Medien entschlossen, einen härteren Ton zu implementieren, dabei, die intellektuelle Deutungshoheit rechter Politik an andere Plattformen zu verlieren. Vielleicht ist das ja auch gewünscht & der Chef will Sich mehr auf das Publizistische des Verlagshauses zurückziehen. Aber wer kann das schon wissen, außer der Chef Selbst? Aus meiner Sicht, kann man sich dann aber Scheindebatten sparen. Auch die Auswahl der Autoren läßt nach. Es wäre klüger gewesen, den Streit im MAGA-Lager der Republikaner in den USA einen Polit-Profi, wie Sellner, schreiben zu lassen & nicht einen Feuilleton-Autoren.

Gracchus

21. Januar 2026 13:56

@Majestyk: Ach, und was verstehe ich darunter? 

Majestyk

21. Januar 2026 14:17

@ Laurenz:
"Sie argumentieren nicht logisch, Gracchus." 
Für einen Juristen erschreckend häufig. Im zensurfreien Raum würde mancher Teilnehmer keinen einzigen Stich machen. Irren ist menschlich. Ich liege auch zuweilen daneben, mußte mich selbst über die Jahre korrigieren. Auch ich spekuliere über Intentionen, um eigene Standpunkte zu prüfen. Ein langer Weg für jemanden, der zum katholischen Sozialdemokraten erzogen werden sollte.
Der Fehler beginnt dort, wo ich jegliche Korrektur ausschließe, weil ich dem Gegner in Debatten oder generell im politischen Raum das Wort untersage. So erhalte ich zwar im ersten Moment ein Stimmübergewicht, das muß sich aber nicht mehr an der Realität justieren. Beste Beispiele sind Migrationspolitik oder Energiewende.
Es ist ja erstaunlich, daß ein Larry Fink in Davos zugibt, daß man jahrelang Migration und Green-Deal-Kritiker mundtot gemacht hat, diese aber recht behalten haben und man nun keine weitere Migration wolle, weil man auf KI setze. Und weil man für KI stabile Energieversorgung benötigt, sind auch Wind und Solar tot.
Trump hat insofern gewirkt, als dem Erhalt von Macht alles andere untergeordnet wird und selbst dessen Gegner einknicken, um den eigenen Einfluß nicht zu verlieren. Damit ist Trump aber eben nicht bloß Dealmaker, sondern tatsächlich politischer Gestalter dank Machtausübung. So geht interessengeleitete Politik.

Le Chasseur

21. Januar 2026 14:40

@Laurenz
"die AfD könnte mit vielen zusammenarbeiten, ist aber mittlerweile so groß, daß sie das nicht nötig hat."
Sie glauben also, dass die AfD in absehbarer Zeit auf Bundesebene mindestens 51% der Mandate holt und es dann auch in ausreichend vielen Bundesländern AfD-Alleinregierungen gibt, so dass die AfD "durchregieren" kann? Wenn dies nämlich nicht der Fall ist, käme die AfD in der durch Politikverflechtung geprägten Bundesrepublik ohne Bündnispartner nicht weit.
AfD-Alleinregierungen halte ich auf Landesebene für realistisch (vor allem im Osten), auf Bundesebene dagegen für nahezu ausgeschlossen. Grundvoraussetzung dafür wäre ein charismatischer Spitzenkandidat. Den hat die AfD aber nicht.

Ernestina

21. Januar 2026 14:54

@MarkusMagnus: Danke für Ihre Gegenrede! Ich bin froh, dass es noch Leute wie Sie gibt, die Optimismus ausstrahlen! Wunder gibt es immer wieder... Das stimmt!

Ernestina

21. Januar 2026 15:01

@Laurenz: Also, ich habe durchaus Auferstehungserfahrungen im Diesseits erlebt, z. B. wenn nach Phasen tiefster seelischer Dunkelheit wieder die Sonne scheint. Dann ist Verwandlung geschehen, vom Tod zum Leben. Warum soll sich Ähnliches nicht im politischen bzw. gesellschaftlichen Bereich vollziehen können?

Monika

21. Januar 2026 15:08

Unseren lieben Herrn Bosselmann treibt die Spannung zwischen der Erlösungsbedürftigkeit des Menschen (als Existenzial und nicht als subjektive Bedürftigkeit eines Menschen) und der pseudoreligiösen Antwort der Politik darauf doch gewaltig um. Warum eigentlich? Und wieso ist das eine Ketzerei ? Es ist nicht mal eine kleine Ketzerei! Auch "philosophisch Überbildeten" ist der Zugang zum Transzendenten nicht verschlossen. Im Gegenteil. Siehe Blaise Pascal (Memorial, Gott Abraham, Isaak, Jakob nicht der Gott der Philosophen). Wladimir Solowjew berichtet poetisch von drei mystischen Erfahrungen (Sophia) "Nicht mein Gedanke war's, der Dich erschuf/Nein, tiefste Wirklichkeit war dies Erleben". Das passt natürlich nicht mit der Vorstellung einer politischen Erlösungsmacht zusammen. Weiterführende Gedanken zum Wesen der Macht finden sich bei Romano Guardini "DIE MACHT". Er beschreibt den wesentlichen Unterschied von weltlicher und religiöser Macht auch im Hinblick auf die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen.

Laurenz

21. Januar 2026 15:10

@RMH @L. ...Haben Sie in bald 10 Jahren meiner Kommentare auf der SiN jemals gelesen, daß ich die Christen hier gerne zensiert sähe? Ich hatte maximal darum gebeten, in realpolitischen Debatten Religion außen vor zu lassen, weil diese unser Lager spalten (interessiert aber die Religiösen/linker Flügel nicht), aber niemals versucht, theologische Debatten zu diskreditieren, insofern man überhaupt von Debatten sprechen kann, sind eher Ergüsse + (wie @Majestyk schreibt,) Applaus-Orgien, wie in der Volkskammer. Ich habe meinen Ton in diesen fast 10 Jahren bereits eklatant geändert, zivilisiert. Ihr Kommentar, moderaten Ton, Stärke in der Sache fordernd, ist eben gesichert linksextrem. Es ist nichts anderes, exakt dasselbe, wie das, was Lenin Günther bei Lanzwurst von Nius forderte. Da diese verfassungsfeindlichen Äußerungen Günthers keine Konsequenzen nach sich ziehen, es existiert keine politische Verantwortungsübernahme mehr in diesem Land, ist es für Günther nicht so schlimm, für Lanzwurst schon. Precht, der die letzten Monate immer mehr dissidental bezüglich der Meinungsfreiheit agiert, kann sich doch in den gewohnten Podcasts mit Lanzwurst nicht mehr blicken lassen.

RMH

21. Januar 2026 15:17

"und Sozialkonservativen"
@Freichrist343: Was soll das sein? Anhänger der ersten oder zweiten Internationalen?

MarkusMagnus

21. Januar 2026 15:23

@ Ernstine
Ich sehe das relativ nüchtern. Die Masseneinwanderung soll uns als Volk vernichten. Punkt.
Die haben aber Leute aus aller Herren Ländern angekarrt, die sich oftmals selbst spinnefeind sind. Araber gegen Türken, Türken gegen Kurden, Schiiten gegen Suniten, Zionisten gegen Antizioniszen, Iraner gegen Exiliraner, ISiS gegen Yeziden usw. Klar, man versucht die allesamt gegen den weissen, christlichen Deutschen aufzuhetzen, aber das funktioniert auch immer weniger. Gerade unter diesen Gruppen gibt es oft viel mehr Gewalt untereinander als sie gegen uns Deutsche anwenden, was natürlich nicht an die grosse Glocke gehängt wird.
Schön blöd, wenn wir das nicht ausnutzen könnten. Vielleicht können wir "denen" das Ding noch komplett herumdrehen.
So gesehen sind wir immer noch die stärkste "Minderheit" unter allen anderen. Minderheit deswegen, weil Grüne, Antifas usw. natürlich schon abgezogen wurden.
Wenn wir zusammenhalten, schlagen wir den Teufel aus der Hölle.

Laurenz

21. Januar 2026 15:31

@Ernestina @L. ... muß das immer wieder betonen, bin kein Atheist. Bevorzuge sogar mehr Spiritualität, als von der Amtskirche geboten wird & orientiere mich an modernen Spiritualisten, wie Castaneda, Hellinger oder Tolle. Es ist nicht so, daß diese 3 gar nichts interpretieren würden, was am optimalsten wäre, aber sie interpretieren, vermenschlichen also das Göttliche weitaus weniger als Religionen. Man kann zwar Spiritualität kollektiv wahrnehmen, ist aber schwieriger, in der Masse gefährlich. Die Nationalsozialisten waren da am erfolgreichsten. Im kulturellen Bereich, Fußball oder Konzerte, ist es akzeptabel. Stimme auch @MarkusMagnus zu. Das, was wir erleben, mag schlimm sein. Aber, was ist das schon gegen eine Bombennacht in Dresden, hungernde Kinder oder Stalingrad? Wenn man will, positiv denkt, kann man die Gegenwart überleben. ... @Le Chasseur @L. ... mit unserem Verhältniswahlrecht gab es nur ein einziges Mal eine 1-Parteien-Mehrheit, 1957. Aber weil jetzt mehr Parteien mitmischen, die teils an der 5%-Hürde scheitern, braucht man keine 51% mehr, wie 1957. Bei einer Mehrheit der AfD geht nur das Machbare, was keine HB-Erlösung darstellt, weil sich auch die AfD mit den Institutionen arrangieren muß.

RMH

21. Januar 2026 15:37

"Es ist nichts anderes, exakt dasselbe, wie das, was Lenin Günther bei Lanzwurst von Nius forderte. Da diese verfassungsfeindlichen Äußerungen Günthers keine Konsequenzen nach sich ziehen, es existiert keine politische Verantwortungsübernahme mehr in diesem Land, ist es für Günther nicht so schlimm, für Lanzwurst schon."
@Laurenz, da übertreiben Sie wieder & verstehen meinen Kommentar #21. Januar 2026 13:37, falsch. In einem kleinen Forum privater Verleger wie diesem, gibt es nunmal Hausherren & keine Meinungsfreiheit im klas. Sinn, da sich die Meinungsfreiheit, klas. liberal, als Abwehrrecht des Bürgers, von dessen Zusammenschlüssen & Unternehmen & Medien gegen den Staat gestaltet. In einem priv. Rahmen wie hier herrscht Hausrecht. Und mein Kommentar war lediglich der Rat, was von Ihnen & anderen evtl. als anmaßend empfunden werden kann, es einmal mit einem anderen Stil zu probieren, um den Hausherren das Freischalten zu erleichtern. Wenn ein D. Günther als MP & damit Repräsentant des Staates in einem öftl-rechtl. Medium auf eine zugespitzte Frage platt "Ja" antwortet, dann ist das zwar ehrlich, aber eher als Angriff auf die Meinungsfreiheit zu sehen, da er nach staatl. Regulierung (Verbot von ganzen Medien) ruft, als wenn in einem privaten, nicht öfftl-rtl Forum die Teilnehmer über die Freischalt-Praxis der Inhaber schreiben.