Neokons und Populisten – Denken und Macht

PDF der Druckausgabe aus Sezession 124/ Februar 2025

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von Felix Dirsch –

Daß eine »Welt­macht« wie die USA, egal ob als heim­li­che (wie über wei­te Stre­cken des 19. Jahr­hun­derts), als fak­ti­sche (wie über einen län­ge­ren Zeit­raum des 20. Jahr­hun­derts), als »ein­zi­ge« (Zbi­gniew Brze­ziń­ski) wie kurz­zei­tig nach 1989/90, aber auch als all­mäh­lich abstei­gen­de (wie seit unge­fähr einem Vier­tel­jahr­hun­dert) in beson­de­rer Wei­se Bezü­ge zu glo­ba­ler Herr­schaft auf­weist, ist eine tri­via­le Erkenntnis.

Obwohl sich die macht­po­li­ti­sche Stel­lung seit der Grün­dung im 18. Jahr­hun­dert natur­ge­mäß stark ver­än­dert hat, zei­gen sich Kon­ti­nui­tä­ten wie Dis­kon­ti­nui­tä­ten im Wech­sel der letz­ten über 200 Jah­re. Eine frü­he Zäsur der Macht­ge­schich­te läßt sich 1823 mit der Ver­öf­fent­li­chung der Mon­roe- Dok­trin fest­stel­len. Carl Schmitt ver­wies in diver­sen Stu­di­en auf die­ses Schlüs­sel­da­tum, das nicht nur die His­to­rie der Ver­ei­nig­ten Staa­ten betrifft. (1) Die­se Ver­laut­ba­rung signa­li­siert para­dig­ma­tisch, wie sehr die Bedeu­tung eines Tex­tes als Macht­in­stru­ment im Lau­fe der Jahr­zehn­te ange­paßt, ja sogar ins Gegen­teil der ursprüng­li­chen Inten­ti­on gewen­det wer­den kann.

Mon­roe beton­te das Prin­zip der Nicht­ein­mi­schung (non-inter­ven­ti­on) der Ver­ei­nig­ten Staa­ten in euro­päi­sche Kon­flik­te eben­so wie das Ver­bot des Ein­grei­fens »raum­frem­der« Mäch­te in die ame­ri­ka­ni­sche Hemi­sphä­re, mit­hin ein Ende aller Kolo­nia­li­sie­rungs­be­stre­bun­gen in Räu­men, die zur west­li­chen Zivi­li­sa­ti­on zähl­ten. Das völ­ker­recht­lich fol­gen­rei­che Doku­ment zeig­te also das erwach­te Selbst­be­wußt­sein des einst unter­wor­fe­nen Lan­des an. Mitt­ler­wei­le war die­ser Staat so mäch­tig, daß er die Nicht­in­ter­ven­ti­on ins­be­son­de­re der durch die »Hei­li­ge Alli­anz« im Prin­zip mon­ar­chi­scher Legi­ti­mi­tät ver­bun­de­nen Län­der als Basis der eige­nen Außen­po­li­tik for­dern konn­te. Aller­dings taug­ten die von den Ver­ei­nig­ten Staa­ten ver­tre­te­nen libe­ral-demo­kra­ti­schen Grund­sät­ze im 19. Jahr­hun­dert, anders als nach dem Ers­ten Welt­krieg, noch nicht als zün­den­der Exportartikel.

Daß die Mon­roe-Dok­trin im Lau­fe fast eines Jahr­hun­derts immer stär­ker eine glo­bal- impe­ria­lis­ti­sche Aus­rich­tung erken­nen ließ, ver­deut­licht vor­nehm­lich die Aus­ge­stal­tung des Arti­kels 21 des Gen­fer Völ­ker­bun­des. (2) Dar­in schrie­ben die USA 1920 die Prio­ri­tät der Mon­roe-Dok­trin für die Mit­glieds­staa­ten fest. Obwohl der neue Hege­mon auf­grund des Ein­spruchs des Kon­gres­ses nicht bei­getre­ten war, blieb Arti­kel 21 erhalten.

Die eige­nen Grund­wer­te, ins­be­son­de­re Frei­heit, Demo­kra­tie, Men­schen­rech­te und Kapi­ta­lis­mus nach US-Ver­ständ­nis, soll­ten nicht nur pro­pa­gan­dis­tisch hoch­ge­hal­ten, son­dern in Form von Inter­ven­tio­nen mili­tä­risch ver­brei­tet wer­den. Dies zeich­ne­te sich in Umris­sen schon vor 1917 ab. In Wil­sons berühm­ten 14 Punk­ten wird die­se Absicht nur indi­rekt ange­spro­chen, schie­nen die Hor­te des Auto­ri­ta­ris­mus doch verschwunden.

Über Frank­lin D. Roo­se­velts Pos­tu­lat vom Janu­ar 1941, alle Macht­mit­tel gegen die Fein­de der Frei­heit welt­weit ein­zu­set­zen, in der Spra­che von Carl Schmitt: also »huma­ni­tä­re Krie­ge« zu füh­ren, reicht der »Wil­so­nis­mus« zum neo­kon­ser­va­ti­ven US-Publi­zis­ten Charles Kraut­hammer. (3) Die­ser schuf um 1990 den Aus­druck »uni­po­la­rer Moment«, an dem sich bis heu­te eine gan­ze Pha­lanx an Kri­ti­kern abar­bei­tet. Sie erken­nen in die­ser For­mu­lie­rung die Quint­essenz des US-Impe­ria­lis­mus. Frei­heit schaf­fe Frie­den und Fort­schritt und müs­se des­halb, kos­te es, was es wol­le, welt­weit aus­ge­dehnt wer­den, so die mis­sio­na­ri­sche Auslegung.

Mit sei­nem Nach­den­ken über die Lage nach der Implo­si­on des Ost­blocks war Kraut­ham­mer nicht allein. Der Ver­lust eines adäqua­ten Geg­ners beför­der­te libe­ra­les (Wunsch-)Denken, daß sich Markt­wirt­schaft, Men­schen­rech­te und Demo­kra­tie prak­tisch von selbst über den Erd­ball ver­brei­ten und alle Kul­tu­ren von die­sem Sie­ges­zug beglückt wür­den; aber auch ein von Hegel / Kojè­ve eupho­ri­sier­ter Poli­to­lo­ge wie Fran­cis Fuku­ya­ma erkann­te früh das Pro­blem, einen sol­chen Aus­nah­me­zu­stand zu sta­bi­li­sie­ren und dabei die Lan­ge­wei­le von Nietz­sches »letz­tem Men­schen« zu ver­hin­dern. Nun­mehr droh­te den USA das Post- Kar­tha­go-Syn­drom Roms. (4)

Einer der intel­lek­tu­el­len Väter des Neo­kon­ser­va­tis­mus, der zeit­wei­li­ge Prä­si­den­ten­be­ra­ter Zbi­gniew Brze­ziń­ski, war zu sehr Stra­te­ge, als daß er sich von dem in den frü­hen 1990er Jah­ren unver­meid­li­chen Nar­ra­tiv vom »Ende der Geschich­te« hät­te blen­den las­sen; viel­mehr betrach­te­te er den Kampf um das alte »Schach­brett« Eura­si­en von neu­em eröff­net. (5) Als Brze­zińskis Über­le­gun­gen, die in den 2020er Jah­ren einen regel­rech­ten Boom an Neu­re­zep­ti­on erfah­ren, 1997 im Ori­gi­nal erschie­nen, dau­er­te es nicht mehr lang, bis die von ihm geför­der­ten neo­kon­ser­va­ti­ven Lehr­mei­nun­gen in der Ära von Geor­ge W. Bush die Welt­po­li­tik ver­än­der­ten. Neo­kon­ser­va­ti­ve, die Meta­mor­pho­sen über zwei Gene­ra­tio­nen durch­lau­fen hat­ten, waren um 2000 kei­ne Unbekannten.

Die Hin­ter­grün­de die­ser hete­ro­ge­nen Strö­mung sind oft dar­ge­stellt wor­den. (6) Lin­ke und libe­ra­le Intel­lek­tu­el­le wie Irving Kris­tol und sei­ne Frau Ger­trud Him­mel­farb schlos­sen sich in den 1950er Jah­ren mit jun­gen Nach­wuchs­ge­lehr­ten, die ihre Auf­fas­sun­gen weit­hin teil­ten (Dani­el Bell, Sey­mour M. Lip­set. Nathan Gla­zer, Irving Howe, Nor­man Podho­retz und ande­re), zu Gesprächs­krei­sen zusam­men. Sie pfleg­ten auch Kon­tak­te zur Wirtschaft.

Bald ent­stan­den um die­se Zir­kel Peri­odi­ka, als viel­leicht bekann­tes­tes The Public Inte­rest. Zuerst enga­gier­te man sich wie der Groß­teil der US-Intel­li­genz gegen die Hexen­jag­den des McCar­thy­is­mus. Doch das in den 1960ern wach­sen­de Gewicht der Lin­ken, das vor­nehm­lich in den Demons­tra­tio­nen gegen den Viet­nam­krieg unüber­seh­bar wur­de, bewog eini­ge zu einem Kurs­wech­sel: Gewen­de­te Ex-Lin­ke pro­tes­tier­ten gegen die Ver­harm­lo­sung des Kom­mu­nis­mus und plä­dier­ten für strik­te Ein­däm­mung. Da die meis­ten von ihnen jüdi­scher Her­kunft waren, miß­fiel ihnen die Pro-Paläs­ti­nen­ser-Begeis­te­rung der Neu­en Lin­ken. Die Ent­span­nungs­po­li­tik unter Jim­my Car­ter erschien ihnen zu lax.

In den 1970er Jah­ren kamen neue poli­ti­sche Schwer­punk­te hin­zu, vor allem die Kri­tik des Wohl­fahrts­staa­tes. In der Ära von Ronald ­Rea­gan gerie­ten ein­zel­ne Ver­tre­ter die­ser immer ein­fluß­rei­che­ren Grup­pe ins Licht der Welt­öf­fent­lich­keit, so die Poli­tik­wis­sen­schaft­le­rin Jea­ne Kirk­patrick, Kabi­netts­mit­glied und Bot­schaf­te­rin bei der UNO. Der außen­po­li­ti­sche Fokus setz­te sich end­gül­tig durch. Doch der Anti­kom­mu­nis­mus ver­lor durch den offen­kun­di­gen Nie­der­gang real­so­zia­lis­ti­scher Regimes in der zwei­ten Hälf­te der 1980er Jah­re an Bedeu­tung. In der­sel­ben Deka­de wur­de das Den­ken der US-Neo­kon­ser­va­ti­ven auch in Deutsch­land the­ma­ti­siert, vor allem durch Kri­ti­ker wie Jür­gen Haber­mas. Sie sahen durch die­se Ein­flüs­se die rech­te »Wen­de-Rhe­to­rik« am Ende der Schmidt-Jah­re befeu­ert. (7)

Als Ende der 1990er Jah­re der neu erstark­te Islam als wich­tigs­te Trieb­kraft des glo­ba­len Anti­ame­ri­ka­nis­mus auf­trat, zeig­te sich, daß der Neo­kon­ser­va­tis­mus nicht nur in Denk­fa­bri­ken über­lebt hat­te. Es tauch­te eine teil­wei­se neue Prot­ago­nis­ten­ge­ne­ra­ti­on auf, die unter Geor­ge W. Bush wich­ti­ge poli­ti­sche Ämter beklei­de­te: Donald Rums­feld, Dick Che­ney, Paul Wol­fo­witz, Richard Per­le und ande­re. Mit Robert Kagan und ­Wil­liam ­Kris­tol, der sich früh für eine »Neo-Rea­gani­te For­eign Poli­cy« ein­setz­te und damit Grund­li­ni­en der Bush-Ära vor­weg­nahm, äußer­ten sich neue publi­zis­ti­sche Reprä­sen­tan­ten. (8)

Zur Über­ra­schung man­cher berie­fen sich sowohl die poli­ti­schen Prak­ti­ker als auch die Intel­lek­tu­el­len neben Rein­hold Nie­buhr vor allem auf Leo Strauss. Letz­te­rer jedoch inter­es­sier­te sich nicht pri­mär für inter­na­tio­na­le Poli­tik, und man­che Neo­cons hat­ten über­haupt kei­ne Ahnung von sei­nem Werk. Ledig­lich der – in Anleh­nung vor allem an Pla­ton – ver­mit­tel­te eli­tä­re Ges­tus von Strauss schlug eine plau­si­ble Brü­cke. Die Neo­cons setz­ten sich schon in den 1980er Jah­ren vom »Popu­lis­mus der Neu­en Rech­ten« ab und ver­stan­den sich nie als »Mas­sen­phä­no­men«. (9)

Neo­kon­ser­va­ti­ve Denk­fa­bri­ken for­mu­lier­ten die Bush-Dok­trin als zeit­wei­li­ges außen­po­li­ti­sches Leit­be­kennt­nis der USA nach dem 11. Sep­tem­ber. (10) Ame­ri­ka­ni­scher Exzep­tio­na­lis­mus hieß nun­mehr: Das Land habe die Pflicht, Demo­kra­tie als Mis­si­ons­gut welt­weit zu ver­brei­ten, wie es ­Podho­retz for­der­te. Die Fein­de sei­en über­all auf­zu­spü­ren und aus­zu­schal­ten. Jedes Mit­tel sei dabei recht. Völ­ker­recht­li­che Grund­sät­ze sei­en dar­auf­hin neu aus­zu­le­gen. Ange­sichts der nach dem 11. Sep­tem­ber neu­en glo­ba­len Bedro­hung müs­se Gewalt, wenn nötig, auch prä­ven­tiv ange­wen­det werden.

Die von Neo­kon­ser­va­ti­ven theo­re­tisch fun­dier­ten Mis­sio­nen ins­be­son­de­re im Nahen Osten schlu­gen bekannt­lich fehl. Man­che schät­zen die Kos­ten der Inter­ven­tio­nen in Afgha­ni­stan und im Irak auf drei Bil­lio­nen US-Dol­lar. Noch gra­vie­ren­der waren die Opfer an Leib und Leben. Als Schmach emp­fan­den vie­le den kopf­lo­sen Abzug aus Afgha­ni­stan 2021. Der Stern der Neo­kon­ser­va­ti­ven hat­te schon im Lau­fe der 2000er Jah­ren zu sin­ken begon­nen. Ihre Lösungs­mo­del­le stie­ßen ver­stärkt auf Ableh­nung auch klas­si­scher Kon­ser­va­ti­ver wie Pat Buchanan. Die­se hat­ten schon vor der popu­lis­ti­schen Wen­de unter Trump den her­kömm­li­chen Iso­la­tio­nis­mus als die prin­zi­pi­ell rich­ti­ge Vor­ge­hens­wei­se für ihr Land hochgehalten.

Eine Ände­rung der außen­po­li­ti­schen Stra­te­gie konn­te nicht aus­blei­ben. Wand­lun­gen zeig­ten sich schon unter Barack Oba­ma. Im Umschwung des Pen­dels auf die ande­re Sei­te fiel es der Mehr­heit der US-Repu­bli­ka­ner nicht schwer, als neue Stra­te­gie die Ame­ri­ca-first-Dok­trin zu befür­wor­ten, die Donald Trump per­so­ni­fi­ziert. Eine brei­te Strö­mung der Bevöl­ke­rung frag­te nun, ob es sinn­voll sei, Rie­sen­sum­men für frucht­lo­se Aus­lands­ein­sät­ze auf­zu­wen­den, wäh­rend die (tra­di­tio­nell ohne­hin unter­fi­nan­zier­te) Infra­struk­tur im eige­nen Land zuse­hends ver­kommt. Die viel­dis­ku­tier­te außen­po­li­ti­sche »Über­deh­nung« mach­te eine Keh­re unausweichlich.

Der Wan­del der Arbeits­welt (Digi­ta­li­sie­rung, Ratio­na­li­sie­rung) sowie spür­ba­re Nach­tei­le der USA im glo­ba­len Han­del (gera­de im Ver­hält­nis zu Chi­na) bewirk­ten eine wach­sen­de sozia­le Spal­tung der US-Bevöl­ke­rung. In Gegen­den wie dem Rust Belt im Nord­os­ten des Lan­des zeigt sich die­ser indus­tri­ell-sozia­le Struk­tur­wan­del eben­so dra­ma­tisch wie fol­gen­reich. (11)

Sol­che Ver­än­de­run­gen bil­de­ten den Humus, auf dem eine neue popu­lis­ti­sche Strö­mung gedei­hen konn­te. Sie muß­te nicht zuletzt brei­te­re Bevöl­ke­rungs­tei­le abho­len, die vom sozia­len Wan­del betrof­fen waren, wäh­rend beson­ders High-Tech- (und sons­ti­ge) Eli­ten zum Teil mär­chen­haf­te Gewin­ne ein­strei­chen konn­ten. Von sol­chen Ent­wick­lun­gen blie­ben auch die US-Repu­bli­ka­ner nicht ver­schont, die noch unter Ronald Rea­gan als Hono­ra­tio­ren- und kapi­ta­lis­ti­sche Steu­er­sen­kungs­par­tei auf­ge­tre­ten waren.

Der infla­tio­när-glo­ba­li­sier­te Gebrauch des Popu­lis­mus-Begriffs seit etwa Mit­te der 2010er Jah­re, von der poli­ti­schen Kor­rekt­heit stets mit nega­ti­ven Unter­tö­nen ver­wen­det, rich­te­te die Per­spek­ti­ven auf die ame­ri­ka­ni­schen Wur­zeln die­ser Bewe­gung im spä­ten 19. Jahr­hun­dert. Die­se his­to­ri­sche Epo­che war eben­so wie die gegen­wär­ti­ge von gro­ßen Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­sen geprägt. (12) Sie führ­ten von der Domi­nanz des land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­ons­sek­tors zum all­mäh­li­chen Vor­rang des indus­tri­el­len Bereichs. Die­se Ver­schie­bung ging mit einer signi­fi­kan­ten Umlen­kung der Kapi­tal­strö­me ein­her. Das Estab­lish­ment war von Kor­rup­ti­ons­skan­da­len erschüt­tert. 1892 ent­stand die Grup­pie­rung People’s Par­ty. Ihr ging es um öko­no­mi­sche Refor­men wie um nach­hal­ti­ge Ver­än­de­run­gen des poli­ti­schen Systems.

Ver­gleicht man die Ziel­set­zun­gen der Par­tei der klei­nen Leu­te von damals mit heu­ti­gen popu­lis­ti­schen Vor­stel­lun­gen, so sehen vie­le den Sozia­lis­ten Ber­nie San­ders inhalt­lich eher als Erben die­ser Strö­mung als den Immo­bi­li­en­ty­coon Trump. San­ders’ Kam­pa­gne for­der­te ein pro­gres­si­ves Steu­er­sys­tem, das die Rei­chen stär­ker belas­ten soll­te, und eine inten­si­vier­te Kon­trol­le der Groß­ban­ken. Der Min­dest­lohn soll­te zudem erhöht und die öffent­li­che Infra­struk­tur aus­ge­baut wer­den – Vor­ha­ben, die auch Trump im Wahl­kampf 2016 ver­tre­ten hat­te, die dann aber wäh­rend sei­ner ers­ten Amts­zeit kaum eine Rol­le spielten.

Wenn­gleich die Pro­gram­ma­tik San­ders’ stär­ker als popu­lis­tisch zu wer­ten ist denn die der US-Repu­bli­ka­ner, ver­kör­pert der lin­ke US-Demo­krat weit weni­ger das Image eines Volks­hel­den als Trump. Zu des­sen Auf­stieg wäre es nicht ohne vir­tuo­se Beherr­schung der ent­schei­den­den pop­kul­tu­rel­len Dekor­ele­men­te des Poli­ti­schen gekom­men. (13) Sie gehö­ren zwin­gend zum Popu­lis­mus des 21. Jahr­hun­derts, der nicht ein­fach bloß als Stra­te­gie am Schreib­tisch erson­nen wur­de, son­dern als Grund­kon­zept eine Ant­wort auf ver­än­der­te poli­ti­sche wie sozi­al­öko­no­mi­sche Struk­tu­ren gibt. Das bedeu­tet aber nicht, daß die­ses Kon­zept nur die Deklas­sier­ten anspricht oder anspre­chen soll.

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(1)  Vgl. Carl Schmitt: Völker­rechtliche Groß­raum­ord­nung mit Inter­ven­ti­ons­ver­bot für raum­frem­de Mäch­te. Ein Bei­trag zum Reichs­be­griff im Völ­ker­recht, Berlin/Wien 1939, S. 23; wei­ter ist auf Rein­hard C. Wil­de: »Die letz­te glo­ba­le ­Linie«. Carl Schmitt und der Kampf um das Völ­ker­recht, Ber­lin 2014, bes. S. 149 – 266, hinzuweisen.

(2)  Vgl. Schmitt: Groß­raum­ord­nung, S. 53, der auf die Umdeu­tung bei Wood­row Wil­son und Theo­dor Roo­se­velt verweist.

(3)  Vgl. Alexis Four­mont: Der ame­ri­ka­ni­sche Neo­kon­ser­va­tis­mus – ein »star­ker« Wil­so­nis­mus, Mün­chen 42010.

(4)  Zu die­sen Ver­glei­chen, die vor gut zwei Jahr­zehn­ten omni­prä­sent waren: Peter Ben­der: Welt­macht Ame­ri­ka – Das Neue Rom, Stutt­gart 52004.

(5)  Vgl. Zbi­gniew Brze­ziń­ski: Die ein­zi­ge Welt­macht. Ame­ri­kas Stra­te­gie der Vor­herr­schaft und der Kampf um Eura­si­en, Neu­auf­la­ge, Frank­furt a. M. 2024.

(6)  Als Über­blick: Bernd Vol­kert: Der ame­ri­ka­ni­sche Neo­kon­ser­va­tis­mus: Ent­ste­hung – Ideen – Inten­tio­nen, Müns­ter 2006.

(7)  Vgl. die Erör­te­run­gen bei Hel­mut Dubiel: Was ist Neo­kon­ser­va­tis­mus? Frank­furt a. M. 1985.

(8)  Beson­ders beach­tet: Robert Kagan: Macht und Ohn­macht. Ame­ri­ka und Euro­pa in der neu­en Welt­ord­nung, Mün­chen 2004.

(9)  So Jür­gen Haber­mas: »Die Kul­tur­kri­tik der Neo­kon­ser­va­ti­ven in den USA und in der Bun­des­re­pu­blik« (1983), in: ders.: Die Moder­ne – ein unvoll­ende­tes Pro­jekt. Phi­lo­so­phisch-poli­ti­sche Auf­sät­ze 1977 – 1990, Leip­zig 1990, S. 75–104, hier S. 75.

10  Dazu Patrick Kel­ler: Neo­kon­ser­va­tis­mus und ame­ri­ka­ni­sche Außen­po­li­tik. Ideen, Krieg und Stra­te­gie von Ronald Rea­gan bis Geor­ge W. Bush, Pader­born et al. 2008, S. 183 – 194.

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