Weltherrschaft – Amerikas Kriege nach 1945

PDF der Druckausgabe aus Sezession 124/ Februar 2025

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph.

Noch vor sei­ner Amts­ein­füh­rung hat Donald Trump gezeigt, daß er unter »Ame­ri­ca First« eine Vari­an­te des ame­ri­ka­ni­schen Impe­ria­lis­mus ver­steht. Bei einer Pres­se­kon­fe­renz in sei­nem Anwe­sen in Flo­ri­da hat er auf die Not­wen­dig­keit hin­ge­wie­sen, Grön­land und den Pana­ma­ka­nal unter US-ame­ri­ka­ni­sche Kon­trol­le zu brin­gen, Kana­da könn­te der 51. Bun­des­staat der USA wer­den. Zumin­dest bei den ers­ten bei­den Zie­len schloß Trump auch den Ein­satz von Gewalt nicht aus:

Ich wer­de mich nicht dar­auf fest­le­gen. Es könn­te sein, daß wir etwas tun müs­sen. Der Pana­ma­ka­nal ist für unser Land lebens­wich­tig […]. Wir brau­chen Grön­land aus Grün­den der natio­na­len Sicher­heit. (1)

Im Rah­men der Außen­po­li­tik der Ver­ei­nig­ten Staa­ten sind die­se Aus­sa­gen nichts Beson­de­res. Jeder ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent seit 1990 war bestrebt, die Welt­herr­schaft zu ver­tei­di­gen. Mil­der aus­ge­drückt: Die USA waren immer dar­auf bedacht, ihren welt­wei­ten Ein­fluß zu sichern. Selbst wenn Trump durch ande­re Aus­sa­gen den Ein­druck erweckt hat, eine neue Pha­se des Iso­la­tio­nis­mus ein­zu­läu­ten, dürf­te deut­lich gewor­den sein, daß die »Ame­ri­ca First«-Ideologie natür­lich vor­aus­setzt, welt­weit ohne ernst­zu­neh­men­de Kon­kur­renz zu bleiben.

Der Iso­la­tio­nis­mus, der Selbst­ge­nüg­sam­keit und Sät­ti­gung vor­aus­setzt, hat heu­te schlech­te­re Kar­ten als vor 100 Jah­ren. Die USA brau­chen unge­hin­der­te inter­na­tio­na­le Waren­strö­me und den Zugriff auf Roh­stoff­quel­len, um ihre Wirt­schaft am Lau­fen zu hal­ten. Daß es mit Chi­na seit etwa zwei Jahr­zehn­ten wie­der einen welt­weit agie­ren­den Kon­kur­ren­ten gibt, macht die Situa­ti­on nicht leichter.

Man könn­te Dro­hun­gen wie die Trumps aus ver­schie­de­nen Grün­den für blo­ße Rhe­to­rik hal­ten. Immer­hin sind Angriffs­krie­ge laut Kriegs­völ­ker­recht ver­bo­ten, dar­un­ter fal­len Inva­sio­nen eben­so wie Bom­bar­die­run­gen und Blo­cka­den. (2) Das gilt für die Ver­ei­nig­ten Staa­ten nur sehr theo­re­tisch, denn sie sind Atom­macht und gehö­ren dem Sicher­heits­rat an. Sie kön­nen jede Reso­lu­ti­on, die ihnen das Krieg­füh­ren ver­bie­tet und bei Nicht­be­fol­gung Stra­fen androht, mit ihrem Veto verhindern.

In kei­nem denk­ba­ren Fall müs­sen sie ernst­haf­te Kon­se­quen­zen befürch­ten. Sie sind die größ­te Mili­tär­macht der Welt und beherr­schen ihren Kon­ti­nent sou­ve­rän. Die letz­te aus­län­di­sche Macht, die die Ame­ri­ka­ner ver­trei­ben muß­ten, waren die Bri­ten in den Unab­hän­gig­keits­krie­gen, der letz­te Krieg auf hei­mi­schem Boden war der Sezessionskrieg.

Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten sind in der Lage, welt­weit auf Bedro­hun­gen gleich wel­cher Art zu reagie­ren. Vor 15 Jah­ren ver­füg­ten die USA über 766 aus­wär­ti­ge Stütz­punk­te in vier­zig Län­dern, heu­te sol­len es bereits 917 in 98 Län­dern sein. (3) Eine der­art aus­ge­stat­te­te Macht muß sich nicht an Regeln hal­ten, kann aber von (fast) allen ande­ren ver­lan­gen, sich an die ame­ri­ka­ni­schen Regeln zu halten.

Inter­ven­tio­nen die­nen regel­mä­ßig der Durch­set­zung die­ses Anspruchs. Seit Grün­dung der Ver­ei­nig­ten Staa­ten 1776 hat es daher nur 21 Jah­re gege­ben, in denen die USA nicht in einen Krieg ver­wi­ckelt waren. (4) Über US-ame­ri­ka­ni­sche Betei­li­gun­gen an Krie­gen nach 1945 gibt es kei­ne gesi­cher­ten Zah­len. Wiki­pe­dia lis­tet für die­sen Zeit­raum ca. 60 Mili­tär­ope­ra­tio­nen der USA auf. Zählt man aller­dings ver­deck­te Ope­ra­tio­nen des Mili­tärs und der CIA (1947 gegrün­det) sowie die seit 2001 gesetz­lich gere­gel­te Unter­stüt­zung von »Part­ner­streit­kräf­ten« dazu, kommt man auf das Drei- bis Vier­fa­che. (5)

Inter­ven­tio­nen, die vom posi­ti­ven Völ­ker­recht abge­lehnt wer­den, kön­nen nach Mei­nung pro­gres­si­ver Ethi­ker einen gerech­ten Krieg ­begrün­den, wenn sie der Not­wehr und der Abwen­dung schlim­me­ren Übels die­nen. Meis­tens wer­den sie mit dem Ziel begrün­det, die Bevöl­ke­rung vor Schlim­me­rem zu bewah­ren oder zu ver­hin­dern, daß die innen­po­li­ti­schen Span­nun­gen zu einem äuße­ren Krieg füh­ren, der ande­re Staa­ten in Mit­lei­den­schaft zieht. Inso­fern besteht die Mög­lich­keit, Kon­flik­te zu ver­min­dern. Aller­dings füh­ren Inter­ven­tio­nen seit dem Zwei­ten Welt­krieg häu­fig nicht zum Ziel, son­dern sind sogar kon­tra­pro­duk­tiv. (6)

Krieg und Inter­ven­tio­nen las­sen sich immer begrün­den. Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten waren und sind krea­tiv, wenn es dar­um geht, einen Grund für eine Inter­ven­ti­on zu fin­den. Für den ers­ten Krieg der USA im 20. Jahr­hun­dert, den Phil­ip­pi­nisch-Ame­ri­ka­ni­schen Krieg, bei dem sich die Ame­ri­ka­ner eine Kolo­nie in Rich­tung Chi­na sicher­ten, lau­te­te die Begründung:

Fili­pi­nos zu erzie­hen, sie empor­zu­he­ben, zu zivi­li­sie­ren und zu chris­tia­ni­sie­ren und mit Got­tes Gna­de das Bes­te für sie zu tun wie für unse­re Mit­men­schen. (7)

Nicht anders war es in den bei­den Welt­krie­gen, als man der Mei­nung war, dem Rest der Welt Men­schen­rech­te und Demo­kra­tie brin­gen zu müs­sen, dabei aber, was den Zeit­punkt der Inter­ven­tio­nen betrifft, vor allem die eige­nen Inter­es­sen im Blick behielt.

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg waren die USA eine Welt­macht. Sie waren zunächst sogar die ein­zi­ge Welt­macht. Euro­pa war zer­stört, die alten Kolo­ni­al­mäch­te stan­den welt­weit unter Druck, die Sowjet­uni­on muß­te erst ein­mal auf die Bei­ne kom­men und ver­füg­te bis 1949 nicht über Atom­bom­ben. Die Wirt­schaft in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten brumm­te, die Ver­lus­te hiel­ten sich (ver­gli­chen mit dem Bür­ger­krieg und den Ver­lus­ten, die die ande­ren Völ­ker zu bekla­gen hat­ten) in Gren­zen, und der Erfolg über Deutsch­land und Japan schien die ame­ri­ka­ni­schen Stra­te­gen dar­in zu bestä­ti­gen, daß man die Welt zu einem Ort der Demo­kra­tie machen kön­ne, wenn man auch mit Gewalt nach­hel­fen mußte.

Schaut man sich die Krie­ge der Ver­ei­nig­ten Staa­ten wäh­rend des Kal­ten Krie­ges an, so ist dabei vor allem ein Motiv zu erken­nen: die Ein­däm­mung des Kom­mu­nis­mus, der welt­weit auf dem Vor­marsch war. Dabei setz­te man auf Unter­stüt­zung der­je­ni­gen vor Ort, die sich gegen den Kom­mu­nis­mus stell­ten, und man schreck­te, nach anfäng­li­chem Zögern (»Welt­macht wider Wil­len«), nicht davor zurück, sich in zwei lang­jäh­ri­ge Kämp­fe ver­wi­ckeln zu las­sen. (8) Der Korea- und der Viet­nam­krieg sind sich in die­ser Hin­sicht sehr ähnlich.

Korea hat­ten die Ame­ri­ka­ner und die Sowjets nach der Kapi­tu­la­ti­on der japa­ni­schen Streit­kräf­te, die Korea besetzt hat­ten, ent­lang des 38. Brei­ten­gra­des geteilt. Im Juni 1950 griff der kom­mu­nis­ti­sche Nor­den den Süden an und brach­te ihn an den Rand der tota­len Nie­der­la­ge. Die Ame­ri­ka­ner lan­de­ten im Sep­tem­ber 1950 mit star­ken Kräf­ten und besieg­ten den Nor­den inner­halb weni­ger Wochen fast, der dar­auf­hin Unter­stüt­zung von Chi­na bekam, was schließ­lich zur Patt­si­tua­ti­on und zum bis heu­te anhal­ten­den Ein­frie­ren des Krie­ges auf Höhe des 38. Brei­ten­gra­des führte.

Der Korea­krieg wur­de kon­ven­tio­nell geführt, das Kon­zept des Ein­sat­zes aller zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel gegen einen unter­le­ge­nen Geg­ner war dar­an geschei­tert, daß die poli­ti­sche Füh­rung in den USA kei­nen »gro­ßen Krieg« pro­vo­zie­ren woll­te und auf den Ein­satz der Atom­waf­fe ver­zich­te­te. Der bis dahin dritt­größ­te aus­wär­ti­ge Krieg der Ame­ri­ka­ner (nach den Welt­krie­gen) gehört zu den »här­tes­ten und ver­lust­reichs­ten mili­tä­ri­schen Kon­flik­ten der US-Geschich­te«. (9) Den­noch blieb man bei der Über­zeu­gung, daß sol­che Inter­ven­tio­nen not­wen­dig sei­en, wenn man ver­hin­dern woll­te, daß ein Staat nach dem ande­ren kom­mu­nis­tisch wird (Domi­no­theo­rie).

In Viet­nam ver­such­ten die Fran­zo­sen nach der Kapi­tu­la­ti­on der Japa­ner ihre Kolo­ni­al­herr­schaft zu erneu­ern, was auf den erbit­ter­ten Wider­stand der Viet­minh unter Ho Chi Minh stieß. Hat­ten die Ame­ri­ka­ner die­sen noch im Kampf gegen die Japa­ner unter­stützt, war er jetzt der Feind. Nach der Nie­der­la­ge Frank­reichs wur­de Viet­nam geteilt, in den kom­mu­nis­ti­schen Nor­den und den ame­ri­ka­freund­li­chen Süden, des­sen Regie­rung seit 1961 Waf­fen und Bera­tung durch die Ame­ri­ka­ner erhielt, im Land selbst aber kaum Rück­halt hatte.

1965 grif­fen die USA mit eige­nen Trup­pen ein, aber bereits seit 1968 wur­de der Krieg im eige­nen Land immer unpo­pu­lä­rer. Die Ver­lus­te waren zu hoch, das Kriegs­ziel unklar.

Zwi­schen 1965 und 1972 wur­den 3,4 Mil­lio­nen ame­ri­ka­ni­sche Sol­da­ten und Mili­tär­be­diens­te­te nach Viet­nam geschickt, davon kamen etwa eine Mil­li­on zum Front­ein­satz. Über 47 000 G.I.s sind gefal­len, über 300 000 wur­den ver­wun­det. (10)

Der Krieg kos­te­te auf sei­nem Höhe­punkt monat­lich zwei Mil­li­ar­den Dol­lar. Der erbar­mungs­lo­se Kampf, des­sen Ver­bre­chen medi­al ver­brei­tet wur­den, und das schmäh­li­che Ende bescher­ten den Ame­ri­ka­nern das unge­wohn­te Gefühl, auf der fal­schen Sei­te gekämpft und ver­lo­ren zu haben.

Der Zusam­men­bruch der Hei­mat­front war der ent­schei­den­de Grund für die Been­di­gung des Viet­nam­krie­ges. Man hat daher spä­ter unter­sucht, wel­chen Ein­fluß der Grad der Mobi­li­sie­rung und der Grad der wahr­ge­nom­me­nen Bedro­hung im Kriegs­fall auf die Einig­keit der Bevöl­ke­rung Ame­ri­kas haben. Das wenig über­ra­schen­de Ergeb­nis: Je höher die Bedro­hung, des­to höher der Zusammenhalt.

Jedoch schwächt eine anhal­tend hohe Mobi­li­sie­rung die­ses Gefühl und erzeugt Unei­nig­keit. Nied­ri­ge Bedro­hung und hohe Mobi­li­sie­rung sor­gen sofort für Unei­nig­keit. Aller­dings: Über einen lan­gen Zeit­raum kann auch eine gerin­ge Mobi­li­sie­rung bei gerin­ger Bedro­hung in die Unei­nig­keit füh­ren, ins­be­son­de­re dann, wenn media­les Stör­feu­er hin­zu­tritt. (11) Als Kon­se­quenz des Viet­nam- Deba­kels schaff­te man die (sowie­so völ­lig inkon­se­quent umge­setz­te) Wehr­pflicht ab, was Inter­ven­tio­nen in Zukunft leich­ter machen sollte.

Neben der Stim­mung im eige­nen Land war es im Kal­ten Krieg ent­schei­dend, fle­xi­bel auf die Aktio­nen der Sowjets zu reagie­ren und die­sen kei­nen Vor­wand zu bie­ten, wei­te­re Staa­ten auf ihre Sei­te zu zie­hen. Bereits die Suez­kri­se (1956) mach­te das deut­lich: Die ara­bi­sche Welt wand­te sich den Sowjets zu, nach­dem die­se ihre Unter­stüt­zung zuguns­ten Isra­els ver­wei­gert hat­ten. Bei­de Sei­ten scheu­ten in den nächs­ten Jah­ren nicht davor zurück, mit der tota­len Eska­la­ti­on zu dro­hen, wenn es dar­um ging, eige­ne Inter­es­sen durch­zu­set­zen und dazu in dem geo­po­li­ti­schen Vor­hof des jeweils ande­ren zu wildern.

Was die Sowjets in Kuba ver­such­ten (gegen die USA gerich­te­te Rake­ten zu sta­tio­nie­ren), hat­ten die Ame­ri­ka­ner in der Tür­kei schon längst umge­setzt. Durch Diplo­ma­tie ließ sich die­se Situa­ti­on auf­lö­sen. Über­haupt mach­ten mili­tä­ri­sche Inter­ven­tio­nen seit den 1970er Jah­ren nicht den Haupt­teil der ame­ri­ka­ni­schen Herr­schafts­si­che­rung aus. Viel­mehr ver­such­te man durch ver­deck­te Ope­ra­tio­nen vor Ort für Regime­wech­sel zu sor­gen (Chi­le), oder man unter­stütz­te mit Geld und Waf­fen die Geg­ner der Sowjets (Afgha­ni­stan). In vie­len Fäl­len erfolgreich.

Den­noch blie­ben Inter­ven­tio­nen ein pro­ba­tes Mit­tel der Außen­po­li­tik. Dabei nahm man auf die Befind­lich­kei­ten ande­rer Mäch­te sel­ten Rück­sicht. Mit Aus­nah­me der Sowjet­uni­on war das schon vor 1990 der Fall, wie die Akti­on in Gre­na­da zeig­te. Das gehör­te zum Com­mon­wealth, so daß die Bri­ten gegen den Ein­satz pro­tes­tier­ten, was Ronald Rea­gan ledig­lich zur Kennt­nis nahm:

Ein­hun­dert Natio­nen in der UN waren mit so ziem­lich allem nicht ein­ver­stan­den, was ihnen da, wo wir betei­ligt waren, wider­fuhr, und es hat mein Früh­stück in kei­ner Wei­se gestört. (12)

Ande­re Ein­sät­ze ver­lie­fen nicht so erfolg­reich. So der in Soma­lia, an dem 28 000 ame­ri­ka­ni­sche Sol­da­ten betei­ligt waren, die den Bür­ger­krieg nicht been­den konn­ten und nach dem trau­ma­ti­schen Schei­tern der Fest­nah­me Gene­ral Aidids 1994 das Land verließen.

Die 1990er Jah­re waren vor allem durch die Krie­ge in Ex-Jugo­sla­wi­en geprägt, an denen sich die Ame­ri­ka­ner 1992, gedeckt durch die UNO, mit Luft­schlä­gen zuguns­ten der Bos­ni­er und Kroa­ten betei­lig­ten und für einen vor­über­ge­hen­den Frie­den auf dem Gebiet sorg­ten. Das Ein­grei­fen im Koso­vo­krieg 1999 auf sei­ten eines abtrün­ni­gen Gebiets, das sich durch ame­ri­ka­ni­sche Hil­fe von Ser­bi­en lösen konn­te, sorg­te für einen Prä­ze­denz­fall. Nicht nur, weil es sich um einen Angriffs­krieg han­del­te, son­dern auch, weil das Ergeb­nis der Unver­letz­lich­keit der Gren­zen widersprach.

Mög­lich war die­ses Han­deln nur, weil die Rus­sen zu einer Regio­nal­macht abge­stie­gen waren, die zu die­sem Zeit­punkt nicht bereit und in der Lage war ein­zu­grei­fen. Der Ukrai­ne­krieg zeigt, daß die Ame­ri­ka­ner nicht bereit sind, ein ähn­li­ches Vor­ge­hen bei einer ande­ren Macht zu dul­den. Hier sind die Ame­ri­ka­ner offi­zi­ell nicht mit Sol­da­ten betei­ligt, haben aber seit der Auf­lö­sung der Sowjet­uni­on auf allen Ebe­nen dar­auf hin­ge­ar­bei­tet, die Ukrai­ne aus dem Ein­fluß­ge­biet der Rus­sen her­aus­zu­lö­sen. Der Schlüs­sel dazu war nicht die krie­ge­ri­sche Gewalt, son­dern die Steue­rung der öffent­li­chen Mei­nung mit den geeig­ne­ten Leu­ten, die sich auf die ame­ri­ka­ni­sche Soft Power stüt­zen konnten.

Seit dem 11. Sep­tem­ber 2001 befin­den sich die USA in einem per­ma­nen­ten, welt­wei­ten Kampf gegen den Ter­ro­ris­mus, in des­sen Rah­men vor allem die Krie­ge in Afgha­ni­stan (2001 – 2021) und dem Irak (2003 – 2011) her­aus­ste­chen. Zuvor konn­ten die Ame­ri­ka­ner im ers­ten Irak­krieg (1991) unter Beweis stel­len, daß sie in der Lage waren, als Anfüh­rer einer rie­si­gen Kriegs­ko­ali­ti­on einen kon­ven­tio­nel­len Krieg zu gewin­nen. Die »Ope­ra­ti­on Desert Storm« erreich­te das Kriegs­ziel, die Ver­trei­bung der Ira­ker aus Kuwait, in weni­gen Wochen und durch das Air­Land-Batt­le-Kon­zept mit einer gerin­gen Zahl eige­ner Verluste.

Beim zwei­ten Irak­krieg sah es zunächst ähn­lich aus. Die »Ope­ra­ti­on Iraqui Free­dom« begann am 20. März 2003, bereits am 7. April erreich­ten die Ame­ri­ka­ner das Stadt­zen­trum Bag­dads, am 1. Mai wur­de der Krieg offi­zi­ell für been­det erklärt. Die Pro­ble­me began­nen danach im besetz­ten Land: »Die mäch­tigs­te Kriegs­ma­schi­ne der Geschich­te ver­schlang fast 450 Mil­li­ar­den Dol­lar im Jahr, müh­te sich aber ver­geb­lich, 20 000 bis 30 000 Rebel­len zu besie­gen.« (13)

Im Irak fie­len 4800 ame­ri­ka­ni­sche Sol­da­ten, über 90 Pro­zent nach dem offi­zi­el­len Ende der Kampf­hand­lun­gen. Hin­zu kam, daß die­ser Krieg von Anfang an auf will­kür­lich kon­stru­ier­ten Vor­wür­fen gegen die ira­ki­sche Füh­rung beruh­te, die mit den Anschlä­gen vom 11. Sep­tem­ber nichts zu tun hat­te. In die­sem Zusam­men­hang ist daher von einer Isra­el­lob­by gespro­chen wor­den, die zuse­hends dafür sorgt, daß die Ame­ri­ka­ner sich in Krie­ge stür­zen, von denen sie nichts haben. Der Irak war für die ame­ri­ka­ni­sche Herr­schaft kei­ne Gefahr, aber Isra­el ein Dorn im Auge. (14)

Der Krieg in Afgha­ni­stan war ein ähn­li­ches Fias­ko wie der zwei­te Irak­krieg. Es gelang zwar zunächst, die Tali­ban zu stür­zen und eine neue Regie­rung ein­zu­set­zen, aller­dings gaben sich die Tali­ban nicht geschla­gen, son­dern führ­ten ihrer­seits einen per­ma­nen­ten Gue­ril­la­krieg gegen die Besat­zer. Ein Sieg war, zumal mit dem ver­an­schlag­ten Mit­tel­an­satz, nicht zu errei­chen, so daß die Ame­ri­ka­ner beschlos­sen, das Land zu ver­las­sen. Die ande­ren Län­der folg­ten ihnen, die Tali­ban über­nah­men wie­der die Herrschaft.

Hun­ting­ton sieht die Nei­gung Ame­ri­kas, ande­re Natio­nen nach des­sen Vor­stel­lun­gen umzu­ge­stal­ten, kri­tisch. Die betrof­fe­nen Län­der wür­den sich zu Recht weh­ren. Und:

Was immer die Zie­le der ame­ri­ka­ni­schen Eli­ten sein mögen, die ame­ri­ka­ni­sche Öffent­lich­keit hat der Ver­brei­tung der Demo­kra­tie im Aus­land kon­ti­nu­ier­lich einen nied­ri­gen Rang auf der Lis­te der außen­po­li­ti­schen Prio­ri­tä­ten ein­ge­räumt. (15)

Trump hat das ver­stan­den und spricht es deut­lich aus: Ame­ri­ca First.

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(1)  Vgl. »Trumps For­de­run­gen. Fünf Pro­zent für Ver­tei­di­gung – und wie­der Dro­hun­gen«, in: tagesschau.de vom 7. Janu­ar 2025.

(2)  Vgl. Wis­sen­schaft­li­cher Dienst des Deut­schen Bun­des­ta­ges: »Zum Begriff des Angriffs­krie­ges« (WD 2 – 3000 – 083/20) vom 6. Okto­ber 2020.

(3)  Pedro Baños: So beherrscht man die Welt. Die gehei­men Geo­stra­te­gien der Welt­po­li­tik, Mün­chen 2019, S. 128, aktu­el­le Zah­len: worldbeyondwar.org/military-empires/

(4)  Vgl. ebd., S. 346. Vgl. dazu: Nico­le Schley, Sabi­ne Bus­se: Die Krie­ge der USA. Chro­nik einer aggres­si­ven Nati­on, Mün­chen 2003.

(5)  Vgl. Jim Lobe: »Wie das US-Mili­tär die Welt zum Schlacht­feld erklärt«, in: telepolis.de vom 21. Novem­ber 2022.

(6)  Vgl. Vitto­rio Hös­le: Moral und Poli­tik. Grund­la­gen einer poli­ti­schen Ethik für das 21. Jahr­hun­dert, Mün­chen 1997, S. 1036 – 1039.

(7)  Rai­ner Wer­ning: »›Der größ­te Mensch seit Jesus Chris­tus‹: Gene­ral John Joseph Pers­hing wur­de in den USA als Held gefei­ert und in den Süd­phil­ip­pi­nen als ›Schläch­ter der Moros‹ ver­ach­tet«, in: hintergrund.de vom 13. Sep­tem­ber 2016.

(8)  Vgl. Gert Rai­thel: Geschich­te der nord­ame­ri­ka­ni­schen Kul­tur, Band 3: Vom New Deal bis zur Gegen­wart, Wein­heim 1989, S. 195 – 199.

(9)  Alex­an­der Emme­rich, Phil­ipp Gas­sert: Ame­ri­kas Krie­ge, Darm­stadt 2014, S. 188.

(10)  Rai­thel: Geschich­te, S. 374.

(11)  Vgl. Samu­el Hun­ting­ton: Who are we? Die Kri­se der ame­ri­ka­ni­schen Iden­ti­tät, Wien 2004, S. 450 f.

(12)  Zitiert nach: »US-Inva­si­on in Gre­na­da«, in: wikipedia.de (The New York Times vom 4. Novem­ber 1983).

(13)  Mar­tin van Cre­veld: Die Gesich­ter des Krie­ges. Der Wan­del bewaff­ne­ter Kon­flik­te von 1900 bis heu­te, Mün­chen 2009, S. 310. Zum zwei­ten Irak­krieg vgl.: Wolf­gang Sof­sky: Ope­ra­ti­on Frei­heit. Der Krieg im Irak, Frank­furt a. M. 2003.

(14)  Vgl. John J. Mears­hei­mer, Ste­phen M. Walt: Die Isra­el-Lob­by. Wie die ame­ri­ka­ni­sche Außen­po­li­tik beein­flußt wird, Frank­furt a. M. 2007, S. 320 – 349.

(15)  Hun­ting­ton: Who, S. 454.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph.

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