Schlachtfeld “Remigration”

2026 beginnt gut für die Idee der Remigration. Meine Einladung an Lena Kotré und die Einladung in den Thüringer Landtag jagten Schockwellen durch Redaktionsstuben und Abgeordnetenbüros.

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Wie­der wur­de gelo­gen, daß sich die Bal­ken bie­gen. Kotré wur­de eine Remi­gra­ti­ons­for­de­rung von 25 Mil­lio­nen ange­dich­tet. Wenn ich „Euro­pä­er“ sage, hört die Pres­se „Ari­er“. Ich spre­che von „Bevöl­ke­rungs­aus­tausch“, und sie ver­steht „Umvol­kung“. Doch die Empö­rungs­rou­ti­nen haben sich abge­nutzt. Unse­re Geg­ner kom­men nicht mehr dage­gen an: Sie sind in ihren Dämo­ni­sie­rungs­ri­tua­len und Empö­rungs­schlei­fen gefangen.

War­um bahnt sich die Idee der Remi­gra­ti­on gegen alle Wider­stän­de von innen und außen ihren Weg? Zwei Grün­de dafür will ich in die­sem Arti­kel vorstellen.

1. Der Effekt der ver­bo­te­nen Frucht

Indem das Estab­lish­ment die Remi­gra­ti­on zum abso­lu­ten Bösen hoch­sti­li­sier­te, haben sie einen Kraft­ort des Ver­bo­te­nen geschaf­fen. Das, was am meis­ten ver­dammt wird, übt stets eine unwi­der­steh­li­che Anzie­hungs­kraft auf alle Unzu­frie­de­nen aus – und die ver­bo­te­ne Frucht schmeckt immer am bes­ten. Je grö­ßer die Kri­se, des­to höher steht der im Kurs, der von den Macht­ha­bern ver­folgt wird. Der Griff zum Buch Remi­gra­ti­on oder gar ein Gespräch mit mir wer­den damit zur ulti­ma­ti­ven Her­aus­for­de­rung des Sta­tus Quo. Remi­gra­ti­on ist „Rebel Chic“.

Die vom Sys­tem geschaf­fe­ne Tabu­zo­ne wird zur Chan­ce. Remi­gra­ti­on ist ein „Cheat-Code“ für Auf­merk­sam­keit, einer wich­ti­gen Res­sour­ce in der poli­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung. Wer sich in den Kraft­ort begibt, rich­tet alle Schein­wer­fer auf sich. Er enga­giert das Empö­ri­um als unfrei­wil­li­ge Wer­be­agen­tur für sein “per­so­nal bran­ding”. Die „Omas gegen Rechts“ betrei­ben eben­so Mar­ke­ting für die Remi­gra­ti­on wie die Leitartikler.

Der Ein­tritts­preis in die­ses semio­ti­sche Kraft­feld ist (noch) schmerz­haft. Zur Auf­merk­sam­keit kom­men Repres­si­on und Dämo­ni­sie­rung. Doch je mehr Leu­te den Mut auf­brin­gen und nach der “ver­bo­te­nen Frucht” der Remi­gra­ti­on grei­fen, des­to gerin­ger wird der Effekt. Genau­so sinkt aber auch der Skan­dal- und Auf­merk­sam­keits­wert. Klu­ge Beob­ach­ter ver­kau­fen daher bereits in Scha­ren ihre “Mul­ti­kul­ti-Akti­en” und stei­gen in den “Remi­gra­ti­ons-ETF” ein.

2. Die Schlacht im Teu­to­bur­ger Wald

Der Geg­ner hat sich final fest­ge­legt: Remi­gra­ti­on und Volks­be­griff mar­kie­ren die wich­tigs­ten Schlacht­fel­der im Kampf gegen Rechts. Man brauch­te im Jahr 2024 irgend­ei­nen “radi­ka­len Außen­sei­ter”, um die AfD zu kri­mi­na­li­sie­ren und zu dif­fa­mie­ren, und da – so schien es – kam mein Remi­gra­ti­ons­kon­zept gera­de gelegen.

Mit dem Vor­wurf der “völ­ki­schen” Ver­fas­sungs­wid­rig­keit soll­ten JA und COMPACT, IBD und am Ende die AfD zer­schla­gen wer­den. Mein Buch und sein Remi­gra­ti­ons­kon­zept sind das “cor­pus delic­ti”. Der Geg­ner stellt sich im Remi­gra­ti­ons­dis­kurs dabei kei­ner sach­li­chen Debat­te. Neben plum­per Ver­teu­fe­lung nutzt er die Kon­trol­le über die Jus­tiz scham­los aus.

Das Pro­blem der Geg­ner ist, daß mein Remi­gra­ti­ons­vor­schlag eine Kri­mi­na­li­sie­rung schlicht nicht her­gibt. Weder for­de­re ich Mas­sen­aus­bür­ge­rung noch Mas­sen­de­por­ta­tio­nen von Staats­bür­gern. Auch für die Ent­rech­tung von Bür­gern auf­grund ihrer Her­kunft fin­den sich kei­ne Anhalts­punk­te, son­dern expli­zi­te Absagen.

Tat­säch­lich ver­tritt Remi­gra­ti­on. Ein Vor­schlag eine ver­gleichs­wei­se mode­ra­te, sach­li­che und dif­fe­ren­zier­te Migra­ti­ons­kri­tik, die auf Kern­be­grif­fe der CDU wie Assi­mi­la­ti­on und Leit­kul­tur zurück­greift. Die Inter­pre­ta­ti­on des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt läßt mein Buch geflis­sent­lich aus und inter­pre­tiert Remi­gra­ti­on gegen des­sen Wortlaut.
Sie kämp­fen gegen einen Strohmann.

Die­se Fest­le­gung ist fol­gen­schwer: Denn wenn mein mode­ra­tes Kon­zept ver­fas­sungs­feind­lich wäre, wür­de das wei­te Tei­le der AfD- und CDU-Pro­gram­ma­tik betref­fen. Jede poli­ti­sche Maß­nah­me, die Staats­bür­ger mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund stär­ker trifft, sei es ein Kopf­tuch­ver­bot, eine Reform der Fami­li­en­bei­hil­fe, Deutsch­pflicht auf Ämtern etc., wäre damit poten­ti­ell ver­fas­sungs­feind­lich. In die­ser Schlacht geht es nicht nur um mein Buch, son­dern um die Bedin­gung der Mög­lich­keit pro­deut­scher Poli­tik in Deutschland.

Wie über­all bil­den sich auf­grund demo­gra­fi­scher und öko­no­mi­scher Dyna­mi­ken zwei Blö­cke, die die alte Mit­te zwi­schen sich zer­rei­ben: eine lin­ke isla­mo-mar­xis­ti­sche, anti­na­tio­na­le, “anti­fa­schis­ti­sche” Koali­ti­on, die von Köp­fen wie Jean-Luc Mélen­chon und Zohr­an Mamda­ni ver­tre­ten wird und auf die eth­ni­sche Wahl setzt. Ihr steht eine Remi­gra­ti­ons­al­li­anz natio­nal­kon­ser­va­ti­ver, liber­tä­rer und soli­dar­pa­trio­ti­scher Ein­hei­mi­scher  und Assi­mi­lier­ter gegen­über. Migran­ten, die eben­falls zu Ver­lie­rern des Bevöl­ke­rungs­aus­tauschs zäh­len, wer­den sich eben­falls anschließen.

Der­zeit ist mein Buch in Deutsch­land nicht ver­bo­ten. Die Bul­le des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts kam ohne mei­ne Anhö­rung und mei­ne Wider­re­de zustan­de. Man woll­te das Kon­zept salopp in ein paar juris­ti­schen Neben­sät­zen erle­di­gen, um es poli­tisch zu „töten“. Doch das Gegen­teil ist eingetreten.

Eine juris­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung über die Remi­gra­ti­on war ohne­hin unaus­weich­lich. Das Ter­rain, auf dem sie nun statt­fin­det, ist ide­al für einen juris­ti­schen und meta­po­li­ti­schen Gue­ril­la­krieg. In einem Mus­ter­pro­zeß kom­men alle Kar­ten auf den Tisch.

Selbst­si­cher und arro­gant wie einst die Legi­on des Varus betritt die Pha­lanx aus lin­ken Jour­na­lis­ten, Rich­tern, Staats­an­wäl­ten, Akti­vis­ten und Poli­ti­kern das Schlacht­feld. Doch das Schlacht­feld könn­te sich als Teu­to­bur­ger Wald entpuppen.

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

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Kommentare (7)

Freichrist343

4. Februar 2026 12:33

Am 8. März wird die AfD die Grünen in BW überholen. In Sachsen-Anhalt wird die AfD wahrscheinlich die absolute Mehrheit bekommen. Parallel dazu gewinnen Apollo, Overton, Freie Welt und Sezession an Einfluss 
Es muss ein Kapitalzinsverbot geben. Abtreibungen müssen verboten werden. Und die Einwanderung muss stark begrenzt werden.
https://jlt343.wordpress.com

Hesperiolus

4. Februar 2026 13:00

„Schlachtfeld“ im Titel beiseite, zur nationallegendär-symbolisierten „Teutoburgerisierung“ der Fronten, die mir bildlich hier doch recht schief erscheint, - bei Zustimmung zu der durch 2015 fraglos und spätest ernötigten und von Sellner verdienstvoll begrifflich und forciert eingeforderten „Remigration“ - nebenbei bemerkt; erinnere eine vor Ewigkeiten bei Sezession erschienene, geschichtspolitisch differenzierte, Sammelrezension zur clades variana, Die luthersche „Hermannsschlacht“, möglicherweise eine völlige Verkennung ihrer sinsitren figurae und ab origine unheilvollen Bedeutung für unser Volk; alternativgeschichtlich hätte ich einer Durchlatinisierung bis wenigstens zur Elbe, besser zur Oder, wohl manches abgewinnen können! - Zuweilen liest man doch neidvoll bedauernd in der älteren, pro-lateinischeren Historiographie der benachbarten Romano-Gallier.

Majestyk

4. Februar 2026 13:42

"Eine Nation, die ihre Grenzen nicht kontrollieren kann, ist keine Nation." - Ronald Reagan
Reagan mag hier verpönt sein, ändert nichts an der Richtigkeit dieser Aussage.
Mit dem Verlust der Hoheit über die eigenen Grenzen war klar, daß irgendwann Dämme brechen. Politische Entscheidungen entfachen eine Dynamik. Asylreform, Staatsbürgerrecht, Sozialstaatsausweitungen, Geburtenraten, Frauenquoten, industriefeindliche Protestbewegungen, Produktionsverlagerungen.
Man braucht keine Verschwörungstheorie um zu erkennen, daß einzelne Entscheidungen sich aufsummiert haben und deswegen in einer Katastrophe mündeten. Deswegen bleibe ich ja dabei, die Deutschen (auch andere Europäer) haben über die Jahre bestellt und genauso wurde es auch geliefert. Und wie das mit Bestellungen so ist, die hinterher doch nicht passen, wenn die Umtauschfrist abgelaufen ist, fängt der Ärger an.
 
@ Martin Sellner:
Ich beobachte Sie seit ein paar Jahren. Wenn ich das sagen darf, ich finde, Sie sind über die Jahre sehr gewachsen und mittlerweile eine Persönlichkeit mit Format. Und Sie eiern nicht rum, sondern sind in Ihren Reden sehr präzise und in der Sprache klar. 
Ich danke Ihnen für Ihren unermüdlichen Einsatz und Ihre Standhaftigkeit. Und ich rechne es Ihnen hoch an, daß Sie über politische Gräben zwischen Rechten, Konservativen, Libertären hinausdenken können, auch über den deutschen Raum hinaus. Chapeau!
 

Majestyk

4. Februar 2026 14:00

@ Freichrist343: "Am 8. März wird die AfD die Grünen in BW überholen. (...)Es muss ein Kapitalzinsverbot geben."
Was würde das nützen, wenn Leute wie Sie die AfD inhaltlich in eine rotgrüne Partei verwandeln wollen, nur mit gelenkter und begrenzter Zuwanderungspolitik?

Monika

4. Februar 2026 14:12

Wieso Schlachtfeld ? Man kann sich sein Schlachtfeld auch selbst erschaffen wie ein Don Quijote, der gegen Windmühlenflügel kämpft. 2.  Ich verstehe nicht, daß man sich immer wieder darüber aufregt, daß das Sellnersche Remigrationskonzept falsch verstanden wird. Dann muß man halt klarer formulieren, was gemeint ist. Die durch dieses permanente Mißverstehen (bewusst) erzeugte Spannung beginnt zu langweilen. 3. Die Tabuzone wird zwar vom System geschaffen, aber gleichzeitig ist sie dadurch auch  Nährboden für einen Tabubruch. Wenn das der einzige Nährboden ist, dann heben sich die Kräfte auf. Ein originärer Widerstand ist gar nicht möglich. Es bleibt beim Ungefähren, beim Identitären. 4. Remigration ist zunächst ein neutraler Begriff, den man soziologisch, politisch etc. ausführen kann ( etwas bei Sieferle soziologisch). Ihn zu einem Schlüsselbegriff der Rechten zu machen durch ideologisches Framing, als "Vision, wie damals für die Linke Kommunismus" ( Sellner) halte ich für ver-messen. Man erreicht damit nicht den Kern des Problems.1/2 

Monika

4. Februar 2026 14:26

1/2 Martin Sellner hat den Begriff Remigration, den es schon viel länger als solchen gibt, popularisiert, ideologisch umgedeutet und zum Kampfbegriff gemacht. Dadurch gehen aber viele wichtige andere Begriffe verloren und unter.  Es wird nicht mehr unterschieden zwischen Asylrecht, Asylmißbrauch , Arbeitsmigration , illegaler Einwanderung, kontrollierte Einwanderung usw. Das trägt zu einer Problemlösung wenig bei und schafft eine permanente Kampfstimmung. Wenn sich die Neue Rechte auf den Begriff "Remigration" als bestimmenden Begriff des Selbstverständnisses reduziert, bekommt sie den Charakter einer Sekte. Man ist etweder dafür oder dagegen. Binnenkritik ist nicht mehr möglich, man macht sich verdächtig. Man wird zum Feind. Dann lieber: Ego Non. Auch wenn ich Herrn Sellner inhaltlich nicht mehr folgen kann, so halte ich ihn für einen genialen Marketing Manager, der sein Produkt hervorragend verkauft und dazu jede sich ihm bietende Bühne nutzt. Das verdient Anerkennung. 

Majestyk

4. Februar 2026 15:19

@ Monika:
Wie sehr soll der Begriff Remigration denn der politischen Korrektheit angepaßt werden, damit er Ihnen mit Ihrem "Wir sind eine Menschheitsfamilie" Denken genehm ist?
Wie verträgt sich dies mit Forderungen politische Akteure sollen zu Überzeugungen stehen und nicht immer Konventionen, Narrativen, Mainstream nach dem Mund reden, sondern mit ihren Überzeugungen den Mainstream in eine andere Richtung lenken und so Narrative verändern?