Kleiner Kreis

Jeder ist zunächst seinen engeren Umständen verhaftet.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

Die­se Aus­sa­ge weist über eine blo­ße Bana­li­tät hin­aus. So schät­ze ich mich glück­lich, in einer Art Mär­chen­land groß­ge­wor­den zu sein, das, lau­schig gele­gen hin­term Eiser­nen Vor­hang, aus all­zu beschleu­nig­ten Glo­bal­pro­zes­sen zunächst her­aus­ge­hal­ten war. Par­zi­va­li­sche Kind­heit, weltfern.

Bei allem, was Älte­re – und spä­ter mich selbst – an poli­ti­scher Enge stör­te und auf­brach­te, sicher­te mir das Auf­wach­sen in einem absei­ti­gen Pri­g­nit­zer Kaff neben der Nähe zur Natur den so ruhi­gen wie gründ­li­chen Erwerb einer sprach­li­chen und natur­wis­sen­schaft­li­chen Elementarbildung.

In deren Genuß gelang­te damals über­haupt eine Mehr­heit, eben dank ver­gleichs­wei­ser Welt-Ver­lo­ren­heit. Heu­te ist das Bil­dungs­sys­tem bank­rott. Ein Drit­tel der Neunt­kläß­ler schei­tert an den Min­dest­stan­dards in Mathe­ma­tik und Deutsch. Kaum jeman­den regt das auf. Bit­ter kuri­os zudem:

Die soge­nann­ten Bil­dungs­for­scher emp­feh­len zur Ver­än­de­rung des Desas­ters ein Mehr genau von jener Päd­ago­gik und Didak­tik, die die­ses Pro­blem ganz maß­geb­lich ver­ur­sach­te. Die­ses Ver­fah­ren ist gleich­falls typisch für ande­re Pro­blem­fel­der in Deutsch­land – von der Indus­trie- und Finanz- bis zur Migra­ti­ons­po­li­tik: Mehr von dem, was die Kri­se ver­ur­sacht, nichts oder zu wenig von dem, was sie klärt, weil dies all­zu sehr schmerzt.

Was einem the­ra­peu­tisch bei jeder Lebens­kri­se hilft, davon will Poli­tik nichts wis­sen – ers­tens: Über­sicht her­stel­len, zwei­tens: Reduk­ti­on von Über­maß und Nicht­re­gu­lier­ba­rem, drit­tens: inten­si­ves Gegenhalten.

Ich also ver­dan­ke mei­nen beschei­de­nen Lebens­er­folg und ‑genuß eher dem welt- und poli­tik­fer­ner Abseits inner­halb eines abge­schot­te­ten Unrechts­staa­tes als der „Welt­of­fen­heit“ mit ihren all­sei­ti­gen Abhän­gig­kei­ten, der ner­vö­sen Dau­er­kom­mu­ni­ka­ti­on in Echt­zeit und dem Ein­ni­vel­lie­ren alles Mar­kan­ten und Unver­wech­sel­ba­ren zuguns­ten einer genorm­ten und faden Uni­for­mi­tät des Ver­wert- und Verbrauchbaren.

Du bist dem eben nicht gewach­sen, hält man mir ent­ge­gen. Aber: Wir alle schei­nen dem nicht gewach­sen zu sein; die Appa­ra­te über­stei­gen in jeder Hin­sicht unser Ver­mö­gen. Das mag nicht anders zu den­ken sein, ins­be­son­de­re mephis­to­phe­lisch nicht, aber genau des­we­gen muß man der For­cie­rung nicht noch eine eige­ne auf­ge­reg­te Hyper­ki­ne­tik hinzufügen.

Gleich­falls ver­spü­re ich heu­te, daß jene The­men, die als vor­dring­lich gel­ten, für mich unwe­sent­lich sind. Sie mögen mich be-tref­fen, durch­aus, aber sie tref­fen mich nicht.

Pro­vo­kant: Das Umgra­ben des Gar­tens, das Lesen von selbst gewähl­ter Lite­ra­tur, eine Rad­fahrt durch die Ucker­mark, die sechs Par­ti­ten Bach­wer­ke­ver­zeich­nis 825 bis 830 – das alles geht mich viel mehr an, qua­li­fi­ziert mich „nach­hal­ti­ger“ und läßt mich inten­si­ver leben und rei­fen als der Nach­voll­zug der wech­seln­den Generaldebatten.

Die ver­fol­ge ich – not­wen­dig von Berufs wegen und beob­ach­tend als Zei­tungs­le­ser. Ich kom­me also Pflich­ten nach, da ich lohn­ab­hän­gig und pflicht­be­wußt als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter tätig bin, und ich blieb neugierig.

So lebe ich wie ein Decks­ma­tro­se, der zwar beflis­sen sei­ne Auf­ga­ben erfüllt, aber den Kopf wei­ter in den Wol­ken des hohen Him­mels über sich hat, wäh­rend ihm die Offi­zie­re auf der Kom­man­do­brü­cke weit­ge­hend einer­lei sind, obwohl die Macht über ihn haben. Ja, ich emp­fin­de die best­be­zahl­ten Typen auf der Brü­cke als bemit­lei­dens­wert bis tra­gisch. Ihre Ope­ret­ten­dienst­gra­de und ihre Uni­for­men mit dem bun­ten Lamet­ta mögen sie trösten.

Um im Bild zu bleiben:

Der See­wet­ter­be­richt betrifft mich zwar, sogar exis­ten­ti­ell, klar, aber ich wer­de gegen das See­wet­ter nichts aus­rich­ten kön­nen. Wie die ande­ren vom Per­so­nal hof­fe ich, das Schiff fin­det sei­nen Hafen, aber sicher kann ich des­sen nicht sein. Sinkt der Pott, darf ich nur auf’s Schick­sal oder Got­tes Gna­de hof­fen. Bis­her stand ich in die­ser Gna­de und bin dafür bewußt und erstaunt dank­bar. Ich fühl­te mich immer getragen.

Lebens­bi­lanz:

Die Auto­ri­tä­ten haben mir immer wie­der sug­ge­riert, daß es jetzt, genau jetzt, also eigent­lich immer, um alles ging. Wenn ich jetzt, also immer, nicht alles geben wür­de, wäre ich mit­schul­dig dar­an, daß es – Auch zu mei­nem Scha­den! – zu Kri­se und Schei­tern käme.

Die klei­ne DDR, Kulis­se mei­ner frü­hen Jah­re, neig­te bis zur Lächer­lich­keit zu die­ser Panik und Mobil­ma­chung. Aber sie schei­ter­te wenigs­tens tat­säch­lich – und für ihre Ver­hält­nis­se ziem­lich famos, näm­lich in der Wei­se einer undra­ma­ti­schen Implo­si­on mit anschlie­ßen­der feind­li­cher Übernahme.

Wor­um es vorm Desas­ter so wich­tig, so über­aus wich­tig gegan­gen war, wozu man dau­ernd ange­spornt wur­de, das hat­te min­des­tens dem Staat, die­sem Abs­trak­tum, nichts genützt. Fast über Nacht war der Spuk vor­bei, rich­tig gefähr­lich nur eini­ge Stun­den am 9. Okto­ber 1989, bis zur Erklä­rung der „Sechs von Leip­zig“. An dem Tag saß ich als Stu­dent in der Leip­zi­ger Niko­lai­kir­che. Die anschlie­ßen­de Demons­tra­ti­on sah ich mir vom Men­de-Brun­nen aus vorm Gewand­haus an. Ich demons­trie­re nicht gern.

Die Skep­sis gegen­über Beschwö­run­gen blieb dem Osten ja glück­li­cher­wei­se erhal­ten. Des­we­gen lau­fen hier nicht so vie­le bei den „Omas gegen rechts“ mit wie im Wes­ten. Wir wuch­sen mit einer sol­chen Über­do­sis an Ideo­lo­gie auf, daß wir davon bis heu­te genug intus haben – so wie Obe­lix vom Zau­ber­trank. Wir brau­chen kei­nen wei­te­ren Schluck aus dem Faß „Ideo­lo­gie“, gera­de jetzt nicht, wo’s längst wie­der ideo­lo­gi­scher wird.

Mehr zu bewe­gen, das mag ehren­wert sein, wie einem sogleich ver­spro­chen wird, aber es bringt einen in zwei­fel­haf­te Gesell­schaft: Man müß­te sich in einer Par­tei enga­gie­ren, sich also machia­vel­lis­tisch dar­in üben, immer ein Sti­lett im Gewand zu füh­ren – zum Umgang mit „Par­tei­freun­den“.

Man müß­te mög­lichst sogar „ein Man­dat anneh­men“ – in der Ver­mes­sen­heit, mit sehr zwei­fel­haf­ter Legi­ti­ma­ti­on für ande­re zu spre­chen und deren „Inter­es­sen zu ver­tre­ten“. Obwohl es doch schon eine Lebens­kunst ist, mün­dig für sich selbst zu reden und die eige­nen Inter­es­sen gesund wahr­neh­men zu können.

Sol­che Erfah­run­gen füh­ren zu einer Art vul­gär-zen­bud­dhis­ti­schen Haltung:

Jen­seits der dau­er­flim­mern­den Screens erst mal ruhig und kon­tem­pla­tiv atmen ler­nen, den aller­ein­fachs­ten Ver­rich­tun­gen höchs­te Auf­merk­sam­keit wid­men, etwa dem Zube­rei­ten eines guten Tees. Auf die Zei­chen ach­ten, der Natur und den ande­ren gegen­über Wert­schät­zung ent­wi­ckeln, ohne auf­dring­lich zu sein. Die Abläu­fe ablau­fen las­sen, wie sie nun mal ablau­fen, und dar­in ste­hen wie das Abbild des Mon­des im nächt­li­chen Fluß. Er bleibt still und reg­los, wäh­rend sich Zeit und Strom durch ihn hin­durch­be­we­gen, ohne daß er selbst sei­nen Ort verändert.

Ja, das hat einen Nachteil:

Man über­läßt den ande­ren und oft den Fal­schen die Geschi­cke von Land und Welt. Aber die rei­ßen das Regie­ren sowie­so immer an sich, und man möch­te sie zum einen nicht bekämp­fen, zum ande­ren aber noch weni­ger mit ihnen tau­schen. Wer denn woll­te je an Hon­eckers, Merz‘, Trumps oder Putins Stel­le sein? Schon als Bür­ger­meis­ter zu fun­gie­ren ver­langt nach Kom­pe­ten­zen, die kaum einer mitbringt.

Wer denn woll­te sich den Bul­lys auf dem Schul­hof in den Weg stel­len, wenn er nicht selbst ent­we­der Bul­ly oder ein Hei­li­ger sei­nes blu­ti­gen Schei­terns wäre? Die Ran­ge­lei und eins in die Fres­se zu ver­mei­den hat nicht zuerst mit Feig­heit zu tun. Es ist ein Unter­schied, ob man sei­ne Sache ver­tei­digt oder der Sache eines Kraft­mei­ers oder Fana­ti­kers im Wege ist. Hohe Kunst, Angrif­fe ins Lee­re lau­fen zu las­sen oder deren Ener­gie über Schub­um­kehr gegen ihren Ursprung zu richten.

Der Vor­wurf dann:

Du stellst dich abseits, nimmst dich ja raus, enga­gierst dich zu wenig, ver­mei­dest Ver­ant­wor­tung. – Man über­neh­me die Ver­ant­wor­tung dort, wo man sie über­neh­men kann und wo man kraft sei­nes Ver­mö­gens hand­lungs­fä­hig ist. Die­ser Radi­us ist klein, aber zugleich: Alles! Man darf sich zudem dar­auf ver­las­sen, daß die ande­ren, die sich eine Men­ge zutrau­en, einen maxi­mal auf eben die­sen klei­nen Umkreis ver­wei­sen wer­den. Man akzep­tie­re das.

Fuß­no­te für jene, die mei­nen, ein sol­ches Sich-Beschei­den wäre arm­se­lig, fei­ge und klein­lich, und zudem hie­ße es, Kon­se­quen­zen zu scheuen:

Wenn der pol­ni­sche Fran­zis­ka­ner-Mino­rit Maxi­mi­li­an Kol­be (1894–1941) im KZ Ausch­witz sein Leben opfer­te, um einen Mit­häft­ling zu ret­ten, indem er sich frei­wil­lig an des­sen Stel­le für den Hun­ger­bun­ker anbot, so tat er dies, reli­gi­ös inspi­riert, aus frei­en Stü­cken. Mit enor­mer Konsequenz.

Er ret­tet Fran­cis­zek Gajow­nic­zek. Der leb­te bis 1995 und erklär­te ster­bend, er habe stets eine Gegen­wart Pater Kol­bes wahr­ge­nom­men und wer­de nun zu ihm gehen. Kol­be selbst wur­de am 14. August 1941 mit­tels Gift­sprit­ze ermor­det – und 1982 als „Mär­ty­rer der Nächs­ten­lie­be“ heiliggesprochen.

Zu Recht. Er han­del­te in sei­nem Ermes­sen und in sei­nem Umkreis. Wie gesagt: Kon­se­quent. Zu den Gro­ßen der Poli­tik gehört er nicht, er ist groß in ganz ande­rer Hin­sicht. Und er ist nicht gescheitert.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

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Kommentare (46)

Dietrichs Bern

12. Februar 2026 10:13

Lieber Herr Bosselmann, zunächst teile ich Ihre Einschätzung Pater Kolbes. Aber wenn Sie von den Apparaten schreiben, die so viel mehr vermögen als wir: Glauben Sie nicht, wenn Sie Stasikader an der Spitze staatlich finanzierter Organisationen sehen, die nie versiegte Liebe zum Sozialismus und Ausforschung bei den Mächtigen - haben Sie nicht das Gefühl genau von dem Apparat beherrscht zu werden, der dafür schon in ihrer ersten Lebenshälfte verantwortlich war? 

Dr Stoermer

12. Februar 2026 11:13

Danke für den bewegenden, tiefgreifenden Text. Ernstgemeinte Frage: Wie verändert sich die Schlußfolgerung, wenn man - zum Beispiel als Elternteil 1 oder 2 - aus Sorge um die Kinder sich gegenüber der Kommandobrücke verhalten will?

Franz Bettinger

12. Februar 2026 11:38

Trotz der enormen Anstrengungen, die Hirne der Bürger nach links zu drehen, gelang es den Ulbrichts & Honeckers nicht wirklich. Sogar in diesem Punkt scheiterte das DDR-Regime. Das gibt mir Hoffnung für heute. Das Gegacker, Ge-Gendere und Geschmacklose der woken Kultur-Banausen zerschellt am inneren bürgerl. Widerstand. Es ödet nur noch an, Miosga & Konsorten der Acht-Uhr-Tages-Lügen zu hören. Wir lachen drüber, mittlerweile sogar laut. Ich bin optimistisch. Wir werden das Scheitern der Volksverräter erleben.

Kurativ

12. Februar 2026 11:41

In kleineren Kreisen kann man besser entscheiden, weil man die Dinge sensuell eigens erfassen und beurteilen kann. Die Nachrichten aus NY oder Tokio schaffen eine Illusion der Allmächtigkeit. Von dort aus ist es nicht weit, bis zum Wahn des "Alle Menschen werden Brüder".
Partiten und Selbstoptimierung: Man spart in jungen Jahren viel Zeit und Mühen, wenn man gleich die Abkürzung zu Bach & Beethoven nimmt. Es ist wie beim Lesen: Man muss sich eine Zeit lang dazu zwingen

Gracchus

12. Februar 2026 11:47

Mir ist diese Haltung sympathisch. Mich erinnert sie an die Figuren eines Hermann Lenz oder den Stifter des Nachsommers und der Mappe. 

Laurenz

12. Februar 2026 11:47

@HB & Dietrichs Bern ... eine Beurteilung des Schicksals von Maximilian Kolbe ist eine Frage der Perspektive. Tragen die Polen als Volk Schuld an der eigenen Militärdiktatur oder dem aggressiven Vorgehen der eigenen Junta gegen alle Nachbarstaaten nach dem I. Krieg? Wenn ja, ist jegliches Opfer sinnlos. Es gibt aktuell auch keine sichtbaren politischen Kräfte in Polen, die in irgendeiner Art & Weise bereit wären, die definitive Schuld Polens zu sühnen. Das wird zwangsläufig wieder dazu führen, daß Polen absehbar auf die Fresse bekommt, wenn auch nicht von uns. ... Um Ihre Oase an der Prignitz einzuschätzen, danken Sie, HB, einfach der analogen Epoche, in der Sie aufwuchsen. Die DDR konnte nicht wirklich die rustikale Pampa steuern. Dafür war Robotron nicht weit genug. Ohne echte globale Mitbewerber mutieren Weltmächte zum (heute informellen) Bolschewismus. Prägend für eine völlige geopolitische Fehleinschätzung waren die 90er Jahre. Um sich die Planwirtschaft der USA zu Gemüte zu führen, reichen 30 Min. Recherche zum desaströsen militärisch-industriellen Komplex der USA, inkl. der NASA. Es handelt sich um eine einzige Steuergeld-Umverteilungs-Maschinerie, um Zulieferer-Jobs in 52 Bundesstaaten zu garantieren, mit katastrophalen Folgen für die USA & ihre Vasallen.

Franz Bettinger

12. Februar 2026 11:48

Bosselmann fragt sich wie neulich ein Freund: "Wenn wir übernehmen,“ und er meint mit wir die AfD, „was kommt dann? Haben wir genug Kompetenz, Willen & Kraft in unseren Reihen, um den Wiederaufbau Deutschlands hinzubekommen?“ - Es bleibt gar nichts übrig, als es zu versuchen. Wirtschaft-Konzept? Ganz einfach: Leistung muss belohnt werden, und Eliten (Intelligenz, Fleiß ...) müssen gefördert werden. Das alte mehrteilige Schulsystem muss wieder her inklusiv der Dumm-Schulen. Faulenzer zurück ins Glied! Die Grundlagen des Lebens (Wasser, Wald, Müll, Elektrik, Bahn, Post) müssen in der Hand des Staates bleiben. Zurück in die Zukunft mit Atomkraft, Verbrenner und Bildung Bildung Bildung! Ich hab keine Sorge, dass wir bereits in den ersten 100 Tg. die Weichen richtig gestellt haben werden & das Volk dies auch merkt und begrüßt. 

Laurenz

12. Februar 2026 12:01

@HB (2) ... Elon Musk ist dehalb ein politischer Störenfried, weil Er Russisch baut & vorgeht. SpaceX benutzt vor allem verläßliche Materialien, wie Edelstahl für die Raketen & keine Leichtbau-Komponenten. Wenn ein Ventil Schwächen aufweist, muß man nicht beim Zulieferer anrufen, sonder gießt oder druckt in der Nachbarhalle ein verbessertes. Der gesamte Produktionsprozeß wird von SpaceX kontrolliert. Bei der Raketen-KI ist die Hardware so angelegt, daß permanent neue Steuerungs-Updates aufgespielt werden, anders als die restliche Industrie, die einen Blackbox-Produktionsauftrag an eine IT-Firma für 3 Jahre vergibt. Das Spannungsfeld zwischen den Bürokraten & Musk, Google oder Bezos ergibt sich aus der Notwendigkeit, die USA weiter vorne zu halten. Ohne Elon Musk fällt die NASA hinter China, Indien & Rußland ausweglos zurück. Um sich die Katastrophe per se anzuschauen, reicht ein Blick auf das gescheiterte, über 2 Bio. US$ teure F-35-Projekt zu werfen. Hier wird das sozialistische Desaster des Westens offenkundig. Die USA bekommen jetzt auch die Schwächen der Zollpolitik des II. Reichs zu spüren. Die USA sind nicht mehr mächtig genug, Zölle global durchzusetzen.

Dietrichs Bern

12. Februar 2026 13:43

@Laurenz: Das Opfer von Maximilian Kolbe ist im Grunde außerhalb einer christlichen Perspektive sinnlos; dagegen Glaubenszeugnis schlechthin innerhalb derselben. Wir werden alle erfahren, was zutrifft.
Ihre Einschätzung der Polen lässt mich ratlos zurück. Es gibt schlicht nichts, was Polen sich haben zuschulden kommen lassen, das in irgendeiner Weise den Auslöschungsphantasien der Nationalsozialisten gegenüberstünde.
Ansonsten sehe ich nicht, wie und wer diesem Lande "auf die Fresse" geben sollte. Russland ist es jedenfalls mit Sicherheit nicht, davon dürfte die Entwicklung des Ukraine-Kriegs ja nachdrücklich Zeugnis gegeben haben.

Monika

12. Februar 2026 13:57

Der Frühlingsregen/Läßt wieder schöner werden/Fast alle Dinge. Chiyo-ni
Was denn nun ? Aktivismus, Selbstoptimierung, identitäre Weltrettung, ICH oder NICHT-ICH ? Aufwühlendes und Abregendes. Haiku oder Widerstand ? Ich finde dieses Hin- und Her zwischen Aktion und Kontemplation anstrengend und verwirrend, schlimmenfalls dysfunktional .Wie geht das zusammen ? Hier fehlt für mein Empfinden das Verbindende .https://www.backwinkel.de/blog/double-bind/
 

Laurenz

12. Februar 2026 14:44

@Dietrichs Bern @L. (2) ... was das christliche Märtyrium angeht, so stellte die Katholische Kirche relativ schnell fest, daß sie keine Märtyrer mochte, als das Martyrium zur Modeerscheinung wurde.

Le Chasseur

12. Februar 2026 14:48

@DietrichsBern 
"Ansonsten sehe ich nicht, wie und wer diesem Lande "auf die Fresse" geben sollte."
Die Polen geben sich selber auf die Fresse. Sie versuchen, Deutschland zu schaden, wo sie nur können, und sägen damit letztendlich an dem Ast, auf dem sie selber sitzen. Aber die lernen es nicht mehr. Demografisch sieht's auch nicht gut aus.

nom de guerre

12. Februar 2026 15:02

@ Monika 
Wieso verwirrend? Handelt es sich nicht einfach um verschiedene Autoren, die unterschiedliche Sichtweisen vertreten? Eine Doppelbindung kann ich darin jedenfalls nicht erkennen, dazu fehlt es schon allein an dem in dem von Ihnen verlinkten Artikel ja genannten Machtgefälle. Hier konkret zwischen Autor und Leser.

Majestyk

12. Februar 2026 15:07

Ich halte es für einen Fehler, die Idylle einer völlig anderen Zeit als systembedingt zu betrachten. 

Kurativ

12. Februar 2026 16:07

Hallo @Monika. Vielleicht so: 
Alles zu seiner Zeit. Alles unter einem Himmel. Tue nichts allzu sehr. Medien Agan.
Die andere Seite wäre dann das "Karthago muss zerstört werden" oder ähnlich. Es hat den Römern nichts genützt.

MARCEL

12. Februar 2026 16:23

Wie ehrlich ist man? Wie ehrlich ist man zuallererst zu sich selbst? 
Im selben Atemzug: Ab wann macht man sich was vor?
(Einen rasenden ICE hält man nicht auf, in dem man sich ihm auf den Schienen entgegenstellt)
Bis wohin ist man selbst "die Sache" und ab wann sollte/darf man nicht "zur Sache" werden?
Ja, ich habe nur Fragen zu bieten, vielleicht noch einen Spruch von der Seitenlinie:
"The real Guru frees you from himself!" (U.G. Krishnamurti)
 
 

Valjean72

12. Februar 2026 17:16

@Dietrichs Bern: "Es gibt schlicht nichts, was Polen sich haben zuschulden kommen lassen, ..."
---
Die von Ihnen genannten Auslöschungsphantasien fussen auf Propaganda unserer Feinde. Polen spielt diese Jokerkarte immer wieder gerne aufs Neue und ebenso alle anderen, die es nicht gut mit Deutschland meinen.
 
Merken Sie sich eines: Falls jemand  vorgehabt hätte Polen auszulöschen, dann hätte er zuallererst Krakau, die alte polnische Krönungsstadt, zerstört und schleifen lassen.
 
Krakau aber überstand den Krieg mehr oder weniger unzerstört.

Zauberer von Oz

12. Februar 2026 17:41

Neben Maksymilian Kolbe fällt mir noch Henryk Goldszmit alias Janusz Korczak ein. Korczak opferte sich und ging mit seinen anvertrauten Kindern ins Vernichtungslager....

Monika

12. Februar 2026 17:55

@ Nom de guerre, inwiefern verwirrend. Da sollen zwei Töchter der Familie die "volle Wucht des Glaubens" beim Glaubensfestival in Augsburg ( "The Sound of Joy") erleben. ( siehe entsprechenden Beitrag ).  Auf der anderen Seite geht es um das "Schlachtfeld Remigration" und Selbstoptimierung, wo sich eine doch eher weltliche Heilssehnsucht ausdrückt. Das sind schon zwei grundverschiedene Weltsichten, die da aufeinandertreffen. Das müßte ja innerhalb einer Familie zu Diskussionen führen. Das hätte mich in jungen Jahren irritiert und ich hätte da schon nach verbindenden, bzw. trennenden Gedanken gesucht. Nur das meinte ich. 

Valjean72

12. Februar 2026 18:00

Wenn ich so zurückdenke, dann war auch meine Kindheit und Jugend in der nodostbayerischen Provinz privilegiert.
 
Ein funktionierendes dreigliedriges Schulsystem und in allen Schulen und Sportvereinen fast nur ethnisch Deutsche.
 
Die Bahn kam pünktlich und fuhr zuverlässig, das Label "Made in Germany" stand weltweit als leuchtendes Qualitätssiegel.
 
Ebenso wie der Fussball der deutschen Nationalmannschaft für Erfolg stand ...

Rheinlaender

12. Februar 2026 19:36

Kolbe war der Beginn meines religiösen Lebens. Die Vorstellung des Moments der Entscheidung, als er seine Schritt nach vorne tat und sich aus der scheinbaren Schwäche auf dem Weg des totalen Opfers über alles andere erhoben wurde, ließ mich, damals zunächst noch agnostischer Kulturprotestant, nicht mehr los. Später las ich, das solche Bilder Symbole darstellen, die zu Gott weisen. Etwas von Gott muss sich in Kolbe widergespiegelt haben.

Dietrichs Bern

12. Februar 2026 19:44

@Valjean72: Sehen Sie mir nach, wenn ich mich unverständlich ausgedrückt habe. Ich meine die Absicht ganz Polen in deutschen Siedlungsraum umzuwandeln und Kriegsführung mit der Bombardierung Warschaus, der Verbrechen der mobilen Tötungseinheiten, Konzentrationslager usw. Ich sehe nicht, wo da Propaganda verwendet wird.

Majestyk

12. Februar 2026 20:21

@ Gracchus:
OT. Für unsere Mißstimmung bin ich nicht verantwortlich, sondern die Postzustellung. Ob es diesmal klappt? Ich hoffe auf das Verständnis von Herrn Bosselmann. Warum dem so ist, kann ich beantworten. Ich habe jedenfalls nichts gegen Sie persönlich.

Maiordomus

12. Februar 2026 20:28

Lieber Kollege HB. Im Zusammenhang mit der Schilderung Ihrer "Parzivalesken" Kindheit erlauben Sie sich sprachlich saloppe Formulierungen wie "abseitiges Prignitzer Kaff", so hätte Jean Paul weder Joditz, den Schauplatz seines Wutz, noch Schwarzenbach an der Sahle tituliert. Wobei diese Welten von ihm schon als ordentlich gestörte Idyllen realisiert wurden, was eine DDR-Hinterdorfwelt bei genauerem Hinsehen mit Sicherheit auch war. Dass es Landkreis Prignitz noch Dörfer gab wie "Kuhbier" und "Kuhsdorf" charakterisiert die Gegend als Paradies für Namenforscher, eine im übrigens im 3. Reich und auch in der DDR noch mögliche Nische für Namenforschung als Exil in der Heimat. Ihre Zeilen wirken indes überproportional resignativ, vielleicht unweit des Parteimannes, der sich neulich über die Einspiesserung auch von AfD-Funktionären in S-Anhalt öffentlich beklagte. Es braucht indes enormen Mut, gerade auf lokaler Ebene u. in seiner eigenen Umgebung Zeichen zu setzen selbst unterhalb des Todesmutes Kolbes. Ohne unpolitisch zu sein, empfinden Sie dem Politischen gegenüber offensichtlich Ekel. Ja, mit einer Prise Bosselmann wäre GK wohl nie Pegida-Redner geworden, was meines Erachtens eine Sackgasse war.        

Maiordomus

12. Februar 2026 20:40

PS. Dass Kolbe bei den Areligiösen hier Widerwillen erzeugt, liegt auf der Hand, umso mehr aber bewegt es, wie sehr er offenbar für mehr als einen von hier so etwas wie ein religiöser Erwecker war. Bei genauerem Hinsehen realisiert man aber bei Pater Maximilian eine durchaus auch sokratische radikal-ethische Handlung, ging es doch für den Zölibatär Kolbe darum, einem Familienvater das Leben zu retten, eine Haltung, die auch ausserhalb der Ethik der Bergpredigt als Bestehen einer extremen Lebenssituation nachvollziehbar ist. Auch glaube ich nicht, dass Kolbe mit dieser Handlung den Himmel "verdienen" wollte. Im Zusammenhang mit Forschungen über das Verhungern und generell über Anorektiker fällt auf, dass bewusst und freiwillig Hungernde weit länger überleben als verzweifelt Verhungernde. Kolbe soll als einziger den Hungerbunker überlebt haben., Ein Beispiel für die Kraft des Geistes auch gegenüber qualvollstem Leiden, was jedoch so oder so eine Art Begnadung darstellt. 

nom de guerre

12. Februar 2026 20:46

@ Monika Beides - Glaube auf der einen und diesseitige Probleme wie die Massenmigration, die mit diesseitigen Mitteln zu adressieren sind, auf der anderen Seite - sind doch aber Facetten menschlichen Daseins, insofern sehe ich da gar keinen Widerspruch. Allerdings habe ich Sellners Remigrationskonzept nie im Sinne einer irdischen Heilslehre aufgefasst, also in der Art, dass für den Fall seiner Umsetzung alle anderen Probleme hinfällig und wir alle glücklich wären. Ich verstehe es vielmehr dahingehend, dass nur eine (wieder) relativ homogene Gesellschaft uns überhaupt in die Lage versetzen würde, irgendeinen Einfluss auf unsere sonstigen Probleme zu nehmen.

Liselotte

12. Februar 2026 22:44

Irgendwie ist mir dieses Lob der Kleinen Kreise unheimlich. Das ist so ... Vormärz. Wenns dann knallt, kommt es ganz anders raus, als gedacht.

ofeliaa

12. Februar 2026 22:54

Ich suche die Menschlichkeit weiterhin in allen Ecken und Enden der Welt. Kaum einer würde auf die Idee kommen, sie bei den Neurechten zu suchen, und doch habe ich feine Antennen für eben diese Menschlichkeit und sie hier auf dieser Seite oder in Aussagen Bosselmanns, Kositzas, Kubitscheks u.a. vernommen. Die Hochhaltung der Menschlichkeit und der Hinweis, dass das Schlimmste ist, die Menschlichkeit gegen den Menschen zu verwenden. Nun ist es doch so: Wir kommen auf diese Welt und wissen nicht wieso; wir sterben und wissen nicht wieso. In der Zwischenzeit verlieren wir Geliebtes und vieles, was uns existenziell erscheint. So sehe ich diejenigen, die sich zurückziehen, wie diejenigen, die in die Bresche springen: Wir hadern mit einer verwirrenden Existenz, weil wir als Menschen in diese Welt geworfen sind und nun leben müssen, natürlich auch dürfen, aber eben auch müssen. Diejenigen, die sich die Haare blau färben und Pronomen neu erfinden, sind genauso Suchende wie manche, die den Hitlergruß machen. Schlimm ist nur, wenn diese Verwirrung, der wir alle unterliegen, von Mächten und Agenden gegen uns verwendet wird, wenn Menschen auf der Suche nach Orientierung und Sicherheit in etwas gedrängt werden. Somit kann ich nur sagen: Ich verstehe Ihren Lebensweg wie den anderer. Sie treffen Ihre Entscheidungen, andere ebenso, und wir kommen zu unterschiedlichen Wegen, aber der Ursprung ist bei jedem gleich. Die Aufgabe bleibt, aus diesem unverhofft geschenkten Leben einen sinnvollen und erträglichen Weg zu machen. Mehr ist nicht zu erwarten. Wir sind nur Menschen.

Maiordomus

13. Februar 2026 08:48

@offellaa. "Bei den Neurechten Menschlichkeit zu suchen" scheint auf den ersten Blick eine Kuriosität, so wie man im Ernst glauben könnte, Linke wollten ihre Feinde weniger gern "tot sehen" (Canetti) als Rechte, dabei war das Lieblingsverb Lenins im Telegrammverkehr mit Stalin "erschiessen". Es gibt in Sachen Bedürfnis nach Massenmord letztlich zwischen Robespierre, Himmler, Lenin und auch pathologischen Antifaschisten, Antikommunisten, Antisemiten usw. kaum einen Unterschied. Andererseits gab es linksradikale echt Gewaltlose und  erzkonservative echte Märtyrer, so am 20. Juli. Und wer glaubt, Bundestagsvizepräsident und Massenmörderverehrer Ramelow bleibe an Hasspotenzial Herrn BH. auch nur das Geringste schuldig, ist analyseunfähig. Nicht zu unterschätzen Mordlust bei radikalen Abtreibungsbefürworterinnen, am schlimmsten war, so bei Himmler und Robespierre, pseudohumanitär unterlegte Mordlust. Dass es unter Neurechten Hasspotential geben kann, liegt ebenso auf der Hand wie echte Bemühungen von Autoren bei Sezession u. bei rechtsorientierten Denkern und Schriftstellern, generell Intellektuellen, ihre Haltung nicht nur vordergründig auf ein ethisches Fundament zu stellen und sich selber vor einem unbequemen, d.h. selbstkritischen Gewissen verantworten zu wollen.    

Maiordomus

13. Februar 2026 09:16

@Dietrich Bern. "Das Opfer v. Maximilian Kolbe ist ausserhalb einer christlichen Perspektive sinnlos." Wie oben von mir schon ausgeführt, können Sie Kolbe nicht in die Frömmlerkategorie derjenigen reduzieren, die mit dem gesuchten Martyrium in den Himmel zu kommen versuchen, was z.T. den Täufern bei ihren provokativen Handlungen zur Reformationszeit vorgeworfen wurde. Die Entscheidung, sich für einen polnischen Familienvater zur Verfügung zu stellen, gehört mit zur Ethik des Risikos der Hingabe des eigenen Lebens mit Rücksicht auf die Hinterbliebenen. Es gibt hier Überlegungen, die auch Kant betr. seinen Kategorischen Imperativ hätte anstellen können; Kant, gewiss kein Apologet des Wegwerfens des eigenen Lebens, hätte Kolbe weit besser als noch diverse andere christliche Märtyrer als Beispiel eines ethisch rationalen Heroismus im Sinne des Imperativs mutmasslich durchgehen lassen. Kolbe ist wohl auch aus der Sicht der christlichen Philosophie eher ein philosophischer als bedingungslos aufopferungswilliger Märtyrer. Seine Handlung passt in jedes Lehrbuch der Ethik als nicht verpflichtendes heroisches Verhalten in einem absoluten Grenzfall.  

Monika

13. Februar 2026 09:31

Ein sich Bescheiden auf einen kleinen Kreis empfinde in der Tat als "armselig". Warum ? Manchmal geht es auch und gerade im Kleinen um Alles. Der Märtyrertod von Maximilian Kolbe geht weit über seinen Umkreis hinaus, er hat auch eine politische Bedeutung und ist sogar von universeller Bedeutung. Das mag man nachlesen in Josef Piepers Büchlein "Vom Sinn der Tapferkeit". Dort steht: "Den Tod auf sich zu nehmen, ist nicht an sich zu loben, sondern allein wegen der Hinordnung auf das Gute" ( Thomas von Aquin, summa) . Die Tapferkeit steht in der Sinnfolge der Kardinaltugenden ( d.s. Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Maß ) an dritter Stelle. Sie ist der Klugheit und Gerechtigkeit untergeordnet. Ohne Klugheit und Gerechtigkeit gibt es keine Tapferkeit. Solche ethischen Überlegungen gehen auch jeder Politik und Metapolitik voraus und können somit nicht ins Private oder in den Kleinen Kreis verlegt werden. Das gilt @ nom de guerre auch für das Sellnersche Remigrationskonzept. Die Frage ist nicht, wie Sie das verstehen, sondern wie Herr Sellner das versteht. Und von dort aus zu hinterfragen. Gerade auch unter dem Aspekt der Klugheit und Gerechtigkeit.

Monika

13. Februar 2026 09:47

@ Liselotte Danke. Geht mir Genauso. Klingt mir zu sehr nach " so a bisserl heile Welt" . Natürlich ist jeder seinen engeren Umständen verhaftet. Aber das Abenteuer Leben zwingt uns, enge Umstände zu verlassen, weil wir das selbst wollen oder das Schicksal uns dazu zwingt. Wir müssen lebenslang Anpassungsleistungen vollziehen, es gibt keine Sicherheitsgarantien und selbst unser Glaube an Gott kann ins Wanken geraten. Und genau das macht das Leben aus. Dazu muß man auch nicht unbedingt Hermann Hesses " Stufen" zum hundertsten Male bemühen.😃😵‍💫🥴Ein fröhliches Wochenende. Feiert das Leben bis zum Aschermittwoch.

Maiordomus

13. Februar 2026 09:47

@Laurenz. Nach Ihnen mochte die Kath. Kirche das Martyrium nicht, "als es zu einer Modeerscheinung wurde".  Nie aber wurden mehr Märtyrer heilig- oder seliggesprochen wie unter Papst J.P. II. u. Papst Benedikt. Letzterer hat dreistellige Zahl von durch Linke ermordeten Katholiken des span. Bürgerkrieges kollektiv seliggessprochen, für mich fragwürdig, kein Vergleich zu Kolbe. 
@Majestik. "Idylle einer früheren Zeit." Diese Idyllen waren Pseudo-Idyllen, bei genauerem Lesen von Stifter u. Jean Paul ersichtlich.
@Kurativ. "Karthago muss zerstört werden." Der Satz v. Cato d. Älteren aus dem 2. Jhd. v. Chr. ging in Erfüllung und gewährleistete dem Weströmischen Reich immerhin 600 Jahre Weiterexistenz. Ein "Sieg" über Putin böte wohl kaum solche Aussichten. Auch Wünsche v. Siegern, Deutschland solle ab 1945 lediglich "verbauern", waren illusionär, selbst Grüne schaffen dies hoffentlich nicht.   

Valjean72

13. Februar 2026 09:52

@Dietrichs Bern: Was sind Ihre Quellen in Bezug darauf ganz Polen in deutschen Siedlungsraum umzuwandeln?
 
Wahrschau wurde im Zuge des schnellen Feldzuges 1939 auch nicht grossartig bombardiert, es wurde im Spätsommer/Herbst 1944 in Zusammenhang mit der Niederschlagung des Aufstandes hauptsächlich durch Artillerie zerstört.
 
Vielleicht könnten Sie sich mal mit den über Antaios erhältlichen Werken von Stefan Scheil in diesem Zusammenhang beschäftigen oder natürlich auch "Der Krieg der viele Väter hatte" von Schultze-Rhonhof.
 
Regierungsnahe polnische Nationalisten hatten schon einige Jahre vor dem 2.WK Ansprüche auf deutsche Gebiete formuliert, bis hin zur Oder/Neisse-Linie (teilweise sogar darüber hinaus), Danzig und ganz Ostpreussen.

Maiordomus

13. Februar 2026 10:16

@Monika."Klugheit" u. "Gerechtigkeit": Es bleibt zu bedauern, dass der von Ihnen hier mehrfach zitierte Pieper trotz schriftstellerischer Brillanz nur rezipiert wird in katholisch-konservativen Kreisen, die bekanntlich beim "synodalen Weg" der heute mehr als nur unklugen kath. Kirche Deutschlands so gut wie ausgeschlossen sind, daher nichts mehr zu sagen haben. Und auch bei Rechten sind Pieper-Leser Randfiguren. Ein Seminar über ihn in Schnellroda wäre kaum vorstellbar.
Zu "Remigration".Offensichtlich und vorsätzlich dumm, extrem und vorsätzlich unklug waren und sind für die Betroffenen widerstandsloses willkürliches Einreisen in ein von traditionellen Ethnien belegtes Siedlungsgebiet. Hier wird das Gebot der Klugheit vielfach krass missachtet, nicht minder bei Privilegierung v. Landnehmern und Begünstigung von Kriminellen. Es liegt am Tage, dass Opfer dieser Politik die Zahl der Maueropfer übersteigt. Insofern könnte man ebenso gut wie AM Egon Krenz zum BP vorschlagen, wobei er (im Vergleich zur Sauna-Besucherin am Tag X) in Sachen gewaltlosem Übergang sich immerhin gewisse Verdienste erworben hat.     

Monika

13. Februar 2026 10:22

@ Berner Dietrich Ist das Opfer von Maximilian Kolbe außerhalb einer christlichen Perspektive sinnlos ? Das kann sein, muß es aber nicht. Die Christen haben ihre Helden und Märtyrer, die Linken und die Rechten haben ihre Helden. Das ist mir alles lieber als eine Lebenshaltung, die jegliches Risiko, das auch den Tod in Kauf nimmt, wohltemperiert vermeidet. So bedauerte etwa Brunhilde Pomsel, die Sekretärin von Joseph Goebbels ( Film von 2016)  die "armen jungen Leute" ( sie meinte Sophie Scholl und die Widerstandskämpfer der Weißen Rose),  die "nur wegen eines Flugblattes hingerichtet wurden": "Wenn sie doch den Mund gehalten hätten, dann würden sie heute noch leben." 

Maiordomus

13. Februar 2026 10:49

Nachtrag zu Pater Maximilian Kolbe:
"Den Tod auf sich zu nehmen, ist nicht an sich zu loben, sondern allein wegen der Hinordnung auf das Gute." Wegen der Zitierung aus der "Summa"  des obersten kath, Kirchenlehrers Thomas von Aquin wird übersehen, dass es sich um eine Paraphrase aus Aristoteles Nikomachischer Ethik handelt mit den Kardinaltugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Besonnenheit als Tugend des Masses. Dabei hängt die Tapferkeit von der Gerechtigkeit ab, also der "Sache", um die es geht, die Gerechtigkeit wiederum von der Klugheit. Das ist  platonisch-aristotelische Ethik, wie später von den Stoikern übernommen, in Deutschland im Naturrecht Pufendorfs. Im Sinne Kants handelte Kolbe ethisch-vernünftig auch aus Berufsgründen als Seelsorger mit der Aufgabe, Menschen beim Sterben zu begleiten. Die eigene Berufstätigkeit bei hohen ethischen Zwecken war für Kant ein Grund, den Tod nicht zu fürchten. Insofern eine vernünftige aufgeklärte Handlung. Als Kolbe die Todesspritze erhielt, dachte er freilich als Christ eher an seine Sünden und das Gericht Gottes, wohl kaum an sein Heldentum. Letzteres wäre nach Luther und Meister Eckhart als Selbstanrechnung eigener Verdienste eine teuflische Versuchung gewesen.       
 
 
 
 

RMH

13. Februar 2026 11:26

Zu der gesamten Opfer/Märtyerer Darstellung einmal eine Geschichte mit komplett umgedrehten Vorzeichen, so wie es plus gibt, dann eben minus:
Mir hat vor über 40 Jahren ein WKII Soldat einmal spontan folgendes erzählt: Ja, er hat an Erschießungskommandos teilgenommen & zwar freiwillig (genaueres hat er nicht erwähnt, aus dem Kontext erschien es mir so, dass es um Aktionen im Zshang mit dem Partisanenkampf ging). Es war bei ihm in der Kompanie üblich, dass diese Kommandos sich nie auf Befehl bildeten, sondern sich aus Freiwilligen zusammensetzen. Dabei war es "Ehrensache", dass er sich als junger, unverheirateter, kinderloser Soldat meldete (so wie andere auch), damit die Familienväter diesen Auftrag nicht ausführen mussten & bessere Überlebenschancen haben. Er meinte, fast jeder rechnete damit, deshalb einmal später selber erschossen zu werden, da sie alle wussten, dass es um den Kriegserfolg schlecht steht. Er habe sich aus selben Beweggründen auch zu versch. Himmelfahrtskommandos gemeldet & war am Ende verwundert, alles überlebt zu haben, auch die Gefangenschaft. Er sah das Töten als Ausdruck von Kameradschaft, Treue & Opferbereitschaft an, so hat er es mir nahegebracht. Friede seiner Seele, er ist seit über 30 Jahren tot. Er weiß jetzt, ob er richtig handelte oder nicht.

Maiordomus

13. Februar 2026 11:52

@ Geschwister Scholl. Bedingungslos imponierend ihr Verhalten vor Gericht, vor dem entsetzlichen Freisler, der in der Offenbarung eines teuflischen Charakters schlimmer als der Todesbürokrat Eichmann als möglicherweise in der Weltgeschichte unübertroffen unbeherrscht boshafter Jurist für die Justiz an sich  und für Deutschland wie kaum ein anderer abgrundtiefe Schande repräsentiert. Dass Helmut Schmidt da als befohlener Prozess-Zeuge auch mal dabei sein musste, wird ihm früher oder später wohl noch von "Antifaschisten" angerechnet werden. Es bleibt aber dabei, dass es für die Scholls andere, weniger symbolische Handlungen des Widerstandes hätte geben können, so wie letztlich der 20. Juli nun mal ein suboptimaler Putschversuch war, selbst bei echten Widerständlern nicht grundlos umstritten und vom Kriegsfeind nicht wirklich ernst genommen. Die Handlung u. Haltung Kolbes hingegen, unter Auschwitz-Bedingungen, macht auch bei Skepsis vor dem Martyrium, welches zu oft nur als Propaganda gemeint ist, bleibenden Eindruck. Ein fürwahr nicht nur unvergessliches, auch echt exemplarisches Beispiel. Gehört in jedes Ethik-Lehrbuch.  

nom de guerre

13. Februar 2026 12:22

@ Monika 
Ich verstehe nicht, was Sie mir sagen wollen. Natürlich kommt es darauf an, was Herr Sellner meint. Aber um das zu beurteilen, steht mir nur mein eigenes Verständnis seines Konzepts zur Verfügung. Und Ihnen Ihres. Das ist aber immer so, wenn wir versuchen, uns den Gedanken anderer Leute anzunähern. Eigentlich eine Binse.

Maiordomus

13. Februar 2026 12:37

@Bosselmann. Der wichtigste Satz in Ihrem Text, der auch sonst viel Relevantes enthält und einmal mehr eine repräsentative Debatte entfacht: "Ich demonstriere nicht gern." Dies betraf den Spätherbst 1989, als wohl viele demonstrierten, die sich viel zu lange. bis zuletzt und darüber hinaus über das DDR-System Illusionen gemacht haben oder umgekehrt über die Kehrseite der Bundesrepublik nicht oder zu wenig im Bild waren. Wobei aber Millionen allein schon in ihrer Eigenschaft als Konsumenten plus Reisefreiheit mit dieser Kehrseite allzu gern gelebt hätten, sie als "Luxusproblem" betrachtet. Aber dieses "Ich demonstriere nicht gern" charakterisiert den Selberdenker, so den Jüngerschen Anarchen, "bleibt auch Anarch, wenn er in Reih und Glied marschiert". Erinnert mich an HB als Soldat. Bei den Geschwistern Scholl war nun mal das Flugblätterverteilen leider "nur"  Demonstration, paradoxerweise bloss wegen dem spektakulären Prozess langfristig bedeutsam, kurzfristig realpolitisch eigentlich wertlos. Bei Ian Pallach (CSSR 1968/69) war bei konsequenten Antikommunisten, die ich kannte, die Meinung vertretbar, er hätte statt Selbstverbrennung sein Leben lieber einem längerfristigen radikalen Widerstand gegen das damalige System gewidmet. 

Maiordomus

13. Februar 2026 12:48

@RMH. "Töten als Ausdruck von Kameradschaft." Das ist zwar ein Text mit Quellenrang, aber wirklich makaber. Man versteht aus dem Zusammenhang, wie es gemeint ist, zuckt aber doch zusammen. Ernst Jünger hätte es in den Stahlgewittern und im 2. Pariser Tagebuch zumindest nicht so formuliert. Vor allem sein bestellter Zeugenbericht bei einer Hinrichtung eines deutschen Deserteurs, zu der er befohlen wurde, verhehlt nichts, ist eine der allerstärksten Originalbeschreibungen einer Hinrichtung in der Weltliteratur, macht aber mit keiner Silbe den Eindruck einer Verharmlosung. Der Text, unvergleichlich unheimlich, machte sogar Böll und anderen späteren Autoren Eindruck, die noch nicht aus der ahnungslosen Perspektive der heutigen "Antifaschisten" schrieben. Habe noch Faksimile eines Böll-Kriegstagesbuches, so für den 30.4.45: "Gott sei seiner Seele gnädig", notierte er damals. 
Jünger: 2. Pariser Tagebuch. Diesen Text wird man mutmasslich in 100 Jahren noch lesen.   

Marcus AC Severus

13. Februar 2026 13:17

Schönes Beispiel von Pater Kolbe und der doch potentiellen großen Wirkmöglichkeit auf Außerhalb - wenn auch zeitlich verschobener und nachhaltiger Natur - durch Taten innerhalb eines kleinen Kreises. 

Marcus AC Severus

13. Februar 2026 13:33

@Maiordomus 
Ich würde ergänzen, was durchgehend zu erkennen ist, dass Taten/Politik die durch Hass betrieben werden/wird, sich immer irgendwann gegen einen Selbst richtet. 
Was hat der ganze Hass der selbsternannten Patrioten von 33-45 fürs Vaterland angerichtet? Totale Vernichtung, geografisch, physisch wie auch psychisch. Millionen Deutsche tot für gar nichts. Millionen Europäer tot für gar nichts. Der Kontinent seitdem völlig destabilisiert.
Jahrzehnte später führte dass dann zu einer Politik die stark auf Selbsthass gebaut ist. Was folgt aus dieser wiederum? Man zerstört sich wieder selbst. 
Hoffen wir dass diese Spirale durchbrochen wird. Liebe zu sich selbst, Gnade den Kontrahänten gegenüber. Handeln aus Notwendigkeit und Nüchternheit, nicht aus Hass und ohne Hass zu schüren.
Bismarck war so ein Staatsmann der das konnte. Friedrich der Dritte wäre ein Kaiser gewesen der das wohl auch gelebt hätte. 
 
 

Rheinlaender

13. Februar 2026 13:59

@Dietrichs Bern
Bezüglich des Gedankens, dass das Opfer des Christen außerhalb einer christlichen Perspektive sinnlos sei: Das sieht zumindest das katholische Denken anders, wie es z.B. in diesem Artikel über den faszinierenden heiligen Severinus beschrieben wird. Dieser kämpfte sowohl militärisch als auch geistig mit asketischen Opfertaten gegen die Feinde seiner Gemeinschaft, wobei er das asketische Opfer für besonders wichtig hielt. Das Opfer ist demnach nicht nur ein Weg des Individuums zu Gott, sondern öffnet den Opfernden auch für die Gnade Gottes, die von ihm ausgehend dann auch in seiner Umgebung wirken kann. Berichte über ungewöhnliche Dinge, die in der Umgebung von Heiligen geschehen, gibt es auch in der Gegenwart, und einige sind recht gut belegt.

heinrichbrueck

13. Februar 2026 15:31

DDR: "ein Unrechtsstaat mit anschließender feindlicher Übernahme". Friedliche Revolution = feindliche Übernahme. Was ist die BRD? 
Kein normaler Mensch sucht den Märtyrertod. Kolbe starb mit 47 als Priester, sogar für den Priesterstand nicht typisch. 
Falls einige Kommentatoren das 21. Jahrhundert finden, was ich nicht glauben kann, werden sie das Remigrationskonzept besser verstehen.

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