Kritik der Woche (75): Gauleiter in Schwaben

von Werner Bräuninger -- „Sie könnten landauf, landab in Schwaben reisen, Sie werden keinen Menschen finden, dem ich persönlich etwas angetan habe“. Dieser für Karl Wahl wohl ziemlich charakteristische Ausspruch sagt bereits viel über seine nun wieder vorgelegten Lebenserinnerungen, deren Besonderheit darin liegt, daß er einer der ganz wenigen und zugleich der erste Gauleiter der NSDAP gewesen ist, der sich nach 1945 überhaupt schriftlich geäußert hat.

Außer ihm taten dies danach nur noch zwei wei­te­re der 19 ehe­ma­li­gen Gau­lei­ter, die das Kriegs­en­de über­leb­ten. Wir ken­nen Erin­ne­run­gen von Ange­hö­ri­gen des poli­ti­schen Füh­rer­korps der NS-Bewe­gung ohne­hin nur von Hel­mut Sün­der­mann, einst stell­ver­tre­ten­der Reichs­pres­se­chef der Par­tei, von dem eins­ti­gen Stabs­amts­lei­ter Wil­li Krä­mer sowie den stell­ver­tre­ten­den Gau­lei­tern von Hal­le-Mer­se­burg Wal­ter Tiess­ler und sei­nes rabia­ten Kol­le­gen in West­fa­len-Süd, Hein­rich Vetter.

Die Gestalt die­ser „Pro­vinz­fürs­ten“ könn­te ambi­va­len­ter nicht sein. Wir fin­den unter ihnen eine Anzahl äußerst nega­ti­ver Erschei­nun­gen, wie den Tyran­nen Erich Koch, den kor­rup­ten Gau­lei­ter Sach­sens Mar­tin Mut­sch­mann, der wie ein selbst­herr­li­cher mit­tel­al­ter­li­cher Land­vogt auf­trat, den völ­lig unfä­hi­gen Karl Wein­rich oder den fana­ti­schen und undog­ma­ti­schen Dr. Sieg­fried Uiber­reit­her. Karl Wahl gehör­te dem Typus des schon älte­ren, väter­lich auf­tre­ten­den „Lan­des­her­ren“ an.

Der 1892 als drei­zehn­tes Kind eines Loko­mo­tiv­hei­zers im würt­tem­ber­gi­schen Aalen gebo­re­ne Wahl kam früh zur Sani­täts­trup­pe, in der er als Sani­täts-Vize­feld­we­bel auch an der Front ein­ge­setzt wur­de und bei Kriegs­en­de die chef­ärzt­li­che Kanz­lei des Augs­bur­ger Gar­ni­sons­la­za­retts lei­te­te. Seit 1921 war er bei der Stadt Augs­burg beschäf­tigt, trat der NSDAP bei und wur­de rasch Orts­grup­pen- und Kreis­lei­ter, bevor Hit­ler ihn 1928 zum Gau­lei­ter in Schwa­ben ernannte.

Wahl war alles ande­re als ein Intel­lek­tu­el­ler, jedoch auch kein pri­mi­ti­ver Bier­kel­ler­ra­bau­ke. Sei­ne behä­big-schwä­bi­sche Gemüt­lich­keit kam bei sei­nen Lands­leu­ten gut an. Und so ist auch sein Schreib­stil immer ein wenig altväterlich.

Wahls Lebens­beich­te hat eine merk­wür­di­ge ver­le­ge­ri­sche Odys­see hin­ter sich, denn sie erschien unter dem Titel Es ist das deut­sche Herz zunächst 1954 im Selbst­ver­lag des Autors, zwan­zig Jah­re spä­ter dann nahe­zu unver­än­dert als Patrio­ten oder Ver­bre­cher und schließ­lich noch ein­mal stark gekürzt als Aus Lie­be zu Deutsch­land. Er berich­tet dar­in über die “Kampf­zeit” der NSDAP, inner­par­tei­li­che Macht­kämp­fe, den zukünf­ti­gen “NS-Senat” und die Pla­nun­gen für ein monu­men­ta­les “Gaufo­rum” in Augsburg.

Inter­es­sant sind die Streif­lich­ter auf Begeg­nun­gen mit Hit­ler, der ihm gegen­über etwa beteu­er­te, daß Deutsch­land kei­nes neu­en reli­giö­sen Refor­ma­tors bedür­fe und er sich Rosen­berg nicht als Bischof und Ley nicht als Gene­ral­prä­ses vor­stel­len kön­ne. Auch von den mehr­fa­chen Zusam­men­künf­ten Hit­lers mit dem Augs­bur­ger Weih­bi­schof Eber­le weiß Wahl Auf­schluß­rei­ches zu berichten.

Wahl wur­de auch Zeu­ge des äußerst gespens­tisch anmu­ten­den Gesche­hens, bei dem Hit­ler im Novem­ber 1941 eine unge­wöhn­lich har­te Straf­ak­ti­on an einem sei­ner ältes­ten Mit­kämp­fer, dem Gau­lei­ter Josef Wag­ner, voll­zog, weil die­ser trotz sei­nes ein­deu­ti­gen Bekennt­nis­ses zum Natio­nal­so­zia­lis­mus sei­nem Katho­li­zis­mus nicht völ­lig ent­sa­gen woll­te. Wie para­ly­siert, so Wahl, hät­ten die anwe­sen­den Gau­lei­ter die Sze­ne­rie verfolgt:

Toten­bleich stand Wag­ner auf und bat ener­gisch ums Wort, wor­auf Hit­ler ihn noch­mals und noch schrof­fer als vor­her zum sofor­ti­gen Gehen auf­for­der­te. Noch nie hat­te ich Hit­ler so gesehen…Wir waren bestürzt, ja fast gelähmt vor Entsetzen.

Wie Hans-Ulrich Dan­ner in sei­ner ver­dienst­vol­len Stu­die Bewäl­ti­gung des Schei­terns kürz­lich nach­wies, sah sich auch Karl Wahl in sei­ner Publi­zis­tik als unei­gen­nüt­zi­ger Kün­der his­to­ri­scher Wahr­heit. Man will dem “glü­hen­den Patrio­ten” durch­aus abneh­men, daß er stets “Gutes” für Deutsch­land woll­te und ent­setzt auf den Aus­bruch des zwei­ten Welt­krie­ges reagier­te. Die von ihm geüb­te vage Kri­tik an der NS-Macht­aus­übung aber steht im Kon­trast zu sei­nem ohne jeden Zwei­fel vor­han­de­nen Wis­sen über die aus sei­nem Gau in die Ghet­tos und Lager des Ostens depor­tier­ten Juden. Wahl schweigt dazu.

Ende Febru­ar 1945 war er auf jener spuk­haf­ten letz­ten Gau­lei­ter­ta­gung in Ber­lin zuge­gen, wäh­rend der Hit­ler aus­rief “wenn auch mei­ne Hand zit­tert, und wenn selbst mein Kopf zit­tern soll­te, mein Herz wird nie­mals zit­tern“. Es sind vor allem sol­che Erin­ne­rungs­frag­men­te, die das Buch durch­aus lesens­wert machen. Auch weil Wahl – trotz aller vor­sich­tig vor­ge­brach­ten Kri­tik – die Nai­vi­tät besitzt, immer noch als eine Art “Lie­ben­der” zu schrei­ben, hat sein Bericht, dem ein Per­so­nen­re­gis­ter gut getan hät­te, doku­men­ta­ri­schen Wert.

Nach­dem Wahl – der Bor­mann noch im März 1945 vor­schlug, Kami­ka­ze­pi­lo­ten zur Zer­stö­rung der pro­vi­so­ri­schen US-Rhein­brü­cken ein­zu­set­zen und eine Art “schwä­bi­schen Wer­wolf” auf­zu­bau­en (was im Buch uner­wähnt bleibt) – sei­ne Gau­haupt­stadt den ame­ri­ka­ni­schen Trup­pen kampf­los über­gab, blieb er in Augs­burg und stell­te sich.

Nach Inter­nie­rung in 13 Arbeits­la­gern ent­ließ man den eins­ti­gen Pala­din Hit­lers, da er „nach sei­ner Ver­an­la­gung kei­ne Gefahr für den demo­kra­ti­schen Auf­bau“ dar­stel­le. Wahl schlug sich spä­ter als Tex­til­ver­tre­ter und Lei­ter einer Fir­men­bi­blio­thek durch und starb 1981.

– –

Karl Wahl: Gau­lei­ter in Schwa­ben. Erin­ne­run­gen 1928–1945. 284 Sei­ten, 25.95 – hier bestel­len

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Kommentare (21)

fw87

18. Februar 2026 11:25

Auch wenn Hitler immer wieder beteuerte, kein religiöser Reformator sein zu wollen, so war doch seine persönliche Feindseligkeit gegenüber dem Christentum eindeutig. Gerade in den "Monologen" findet man zahlreiche verbale Totalausfälle gegenüber dem Christentum, die wohl auch im Zeitkontext untypisch waren. Ernst Nolte sagt über Hitlers Verhältnis zum Christentum einmal: Wenn ein Mensch über viele Jahre hinweg immer wieder exakt dieselben Gedanken äußert, muss man davon ausgehen, dass es sich dabei um eine tiefgehende Überzeugung handelt. Das ist sicher eine plausible Annahme. Zu einer offenen Christenverfolgung ist es im NS meiner Ansicht nach nicht gekommen. Es war eher eine Politik der tausend Nadelstiche. Man wollte dem Christentum "Sterbehilfe" leisten sozusagen. Diese Politik spiegelt wohl auch Hitlers eigene ambivalente Position wieder: Er wollte sich nicht direkt in religiöse Belange einmischen, war aber auf der persönlichen Ebene ein Christenfeind. 

Le Chasseur

18. Februar 2026 14:24

@fw87
"Zu einer offenen Christenverfolgung ist es im NS meiner Ansicht nach nicht gekommen. Es war eher eine Politik der tausend Nadelstiche. Man wollte dem Christentum "Sterbehilfe" leisten sozusagen."
Hitler sagte sinngemäß, "Um die Kirchen kümmere ich mich, wenn der Krieg gewonnen ist". Mit der Indoktrination der Jugend (HJ etc.) nahm man den Kirchen ja schon den Nachwuchs.

RMH

18. Februar 2026 15:29

Angeblich ist A.H. nie offiziell aus der Kirche ausgetreten und mit den abgeschlossenen Konkordaten waren die Amtskirchen ja halb gekauft.
Unabhängig davon: Es ist bei derartigen "Erinnerungen" (also nicht nur bei der hier rezensierten von K. Wahl) immer wieder interessant, wie gewisse Themen einfach ausgelassen werden, so als ob sie nie vorkamen. Beredtes Schweigen nennt man so etwas. 

Marcus AC Severus

18. Februar 2026 15:49

Spätestens ab 1938 hätte ein Einzelner, durch eine einzelne bestimmte Tat zum Nachteil des wahnsinnigen Narzisten Hitlers, das Schicksal Deutschlands komplett wie noch nie zuvor in der Geschichte, zum Besseren wenden können. Das ist die eigentliche Tragödie des Ganzen. Die Wenigen die es versucht haben sollten heute als Helden gefeiert werden. Egal welcher politischer Colouer sie waren. Besonders jemand wie Georg Elser.
Ich hoffe es wird auch einmal aufgearbeitet werden, wie es dazu kommen konnte dass ein Einzelner einen gottähnlichen Status für große Teile des Volkes erlangen konnte, obwohl er alles dafür getan hat, dass es Deutschland sehr sehr schlecht geht. 
Der einfache Mensch mag weit überwiegend unglückliches Opfer seiner Zeit gewesen sein, die damalige Elite (abseits einzelner proletarischer Parteibonzen) aber war sehr gut gebildet und konnte erahnen  wohin das Ganze für Deutschland -binnen weniger Jahre - führen wird. Innerhalb dieser Elite gab es nur wenige wie Fritz Todt ("Flugzeugabsturz") die das auch offen ansprachen.
 
 

Boreas

18. Februar 2026 16:05

 
Ergänzend sei einer der beiden anderen Gauleiter erwähnt, die nach dem Krieg publizierten. Walter Jordan (1902-1988), Gauleiter von Halle-Merseburg (1931-1937) und Magdeburg-Anhalt (1937-1945), war bis 1955 in sovjetischer Haft und kam im Rahmen der von Adenauer erwirkten "Heimkehr der Zehntausend" frei und nach Deutschland. Seine Bücher:Erlebt und erlitten. Weg eines Gauleiters von München nach Moskau., 1971.Im Zeugenstand der Geschichte. Antworten zum Thema Hitler., 1974.Der 30. Juni 1934. Die sog. "Röhm-Revolte" und ihre Folgen aus der Sicht eines Erlebniszeugen., 1984.

heinrichbrueck

18. Februar 2026 16:50

@ fw87
Hitler hätte sich die CDU nicht ausdenken können. 

Franz Bettinger

18. Februar 2026 18:11

@Marcus wundert sich "wie es dazu kommen konnte, dass ein Einzelner einen gottähnlichen Status für große Teile des Volkes erlangen konnte." Die Antwort ist einfach: Er hatte Erfolg. Im Übrigen sollten sie den Historiker Dr. Stefan Scheil lesen, damit ihr Weltbild nicht weiter schief in der Luft hängt.

Le Chasseur

18. Februar 2026 18:30

@Marcus AC Severus
"Ich hoffe es wird auch einmal aufgearbeitet werden, wie es dazu kommen konnte dass ein Einzelner einen gottähnlichen Status für große Teile des Volkes erlangen konnte, obwohl er alles dafür getan hat, dass es Deutschland sehr sehr schlecht geht."
Wurde das nicht schon aufgearbeitet? Die Demütigung von Versailles als Grundvoraussetzung + der Verfall der Sitten während der Weimarer Republik + wirtschaftliche Krise + ein Charismatiker mit rednerischen Talent + beachtliche Erfolge in den ersten Jahren bei der Senkung der Arbeitslosigkeit und der Anhebung des allgemeinen Lebensstandards + professionelle PR-Arbeit
Es wurde ja schon mal geschrieben: Wäre Hitler 1938 gestorben (sei es durch Krankheit, Unfall oder Attentat), wäre er als einer der größten deutschen Politiker in die Geschichte eingegangen.

Krohn

18. Februar 2026 21:55

Ergänzend zu den von Boreas genannten Werken ist auf ein weiteres hinzuweisen: Hartmann Lauterbacher (1909–1988), Stabsführer und stellvertretender Reichsjugendführer der HJ sowie Gauleiter des Gaus Süd-Hannover-Braunschweig, veröffentlichte 1984 seine Erinnerungen unter dem Titel "Erlebt und mitgestaltet. Kronzeuge einer Epoche 1923–1945".

Waldgaenger aus Schwaben

18. Februar 2026 23:47

@Marcus AC Severus
ich formuliere mal vorsichtig und bringe ein Zitat, für das ich hier schon mal heftigen Gegenwind bekommen habe:
Als General Osborne nach dem Sieg zu mir kam, fragte er, was denn meiner Meinung nach getan werden sollte, um die Deutschen umzuerziehen. Ich sagte, da gibt es nur eins und das ist ihnen Ungehorsam beizubringen, so lange sie gehorsam sind, so lange werden sie früher oder später von einem Schurken herumkommandiert und es wird Unheil geben ...
Quelle: https://beruhmte-zitate.de/zitate/2034515-gertrude-stein-als-general-osborne-nach-dem-sieg-zu-mir-kam-frag/
Ich befürchte, dass die Umerziehung zum Ungehorsam nicht so ganz funktioniert hat, wie speziell die Merkel-Ära gezeigt hat. Vielleicht lernen sie es endlich jetzt an der allumfassenden Weisheit der Obrigkeit zu zweifeln, wenn sie die Folgen aus ihrer Wahlentscheidung zu spüren bekommen.

Ordoliberal

19. Februar 2026 00:04

1/2
@Marcus AC Severus
"Der einfache Mensch mag weit überwiegend unglückliches Opfer seiner Zeit gewesen sein, die damalige Elite [...] aber war sehr gut gebildet und konnte erahnen, wohin das Ganze für Deutschland [.. ] führen wird."
Bei den Reichstagswahlen 1932 und 1933 wählte die absolute Mehrheit der Deutschen die beiden totalitären Parteien NSDAP und KPD. Der Rest wählte die christ- bzw. sozialpaternalistischen Parteien SPD und Zentrum. Die Liberalen waren so mausetot wie die FDP heute. Die Kaiserzeit, die bürgerliche Epoche überhaupt, war damit endgültig untergangen. Aber der deutsche Untertan lebte noch und erfeute sich bester Gesundheit. Sein brennendster Wunsch: Sich wieder voll und ganz einem Herrn unterwerfen zu dürfen.
Übrigens: Nicht die ganze gebildete Elite hat es kommen sehen. Der große Dichter Gottfried Benn ist das klassische Beispiel dafür, was für politische Idioten Intellektuelle im Normalfall sind. Und er war nur einer von vielen.

Ordoliberal

19. Februar 2026 00:05

2/2
@Marcus AC Severus
Die Deutschen waren nicht unglückliche Opfer ihrer Zeit. Man darf dieses Volk nicht idealisieren. Ihre großen Kulturbeiträge sind oft von Männern geschaffen worden, die die Deutschen verachteten: Lichtenberg, Goethe, Schopenhauer, Nietzsche, Heinrich Mann, Einstein. Sie sind auch meist gegen die deutsche Mentalität geschaffen worden, oft von naturalisierten Juden. Was aus der deutschen Mentalität stammt, wie der deutsche Idealismus nach Kant, war immer eine geistige Pest. Selbst Thomas Mann hat in seinen späten Jahren einsehen müssen, dass Diederich Heßling den Deutschen besser repräsentiert als Hans Castorp oder Serenus Zeitblom. Und falls Sie mir jetzt mit dem Dr. Faustus kommen: Der Deutsche von heute hat nichts Faustisches mehr.

Kurativ

19. Februar 2026 03:35

Nach dem Ersten Weltkrieg hätten die anglo-amerikanischen Kapitalisten Deutschland schwerlich besetzten können (das offensichtliche Unrecht und der Widerstand wären zu groß gewesen). Dazu wurden im zweiten Schritt die europäischen Faschisten und Nationalsozialisten zunächst unterstützt und dann gestürzt. Die Verbrechen der Nationalsozialisten waren vorraussehbar und eingeplant. Detaileinsichten wie im Buch von Wahl sind in so fern interessant , als das man sehen kann, wie man ein System des Unrechts und des "Teile und Herrsche" nutzt, um Macht auszuüben (Gauleiter vs Regierungsstellen)

Laurenz

19. Februar 2026 04:04

(1) Die bisherigen Kommentare gehen mit Abstand nicht weit genug, selbst das historische Faktenzitat von @RMH wird nicht weiter auf seine Ursachen hinterfragt. Die anderen 4 bisherigen Kommentatoren verzichten auf eine historische Faktenlage & gehen gleich in ein (linkes) Haltungsbekenntnis über. Deswegen ist das Buch Karl Wahls in der Tat extrem spannend. Unter seinen Gauleitern ging es Hitler mutmaßlich um das Loyalitätsprinzip, welches er erwartete. Hitler hätte es nie gewagt, diese Haltung vom gesamten Deutschen Volk zu erwarten. Wäre dem so gewesen, bliebe das Reichskonkordat ja völlig sinnentleert. Mit dem Reichskonkordat kaufte Hitler die Opposition von der Kanzel. Er ging konkludent davon aus, es sich nicht leisten zu können, es nicht zu tun. Daß manche vom Christentum befreiten Fraktionen der NSDAP, wie die SS, gegen Kirchen vorgingen, war wohl nicht kontrollierbar. Da wo SS-Verbände im Frankreichfeldzug an vorderster Front eingesetzt waren, mußten Verbände der Wehrmacht nur den zerstörten Kirchen folgen. Hitler hatte schon in seiner Jugendzeit zu Wien gelernt, daß säkulare, nationale Parteien bei Wahlen nicht über 25% in der Spitze hinauskamen. So blieb Hitler formal Katholik, Hitler zahlte bis zum Tod Kirchensteuer.

deutscheridentitaerer

19. Februar 2026 07:53

@Ordoliberal
Das deutsche Volk war und ist immer noch ein sehr gutes Volk, mindestens Top5 weltweit. Es gibt ja gar keine schlechten Völker, es gibt nur verschiedene Völker, deren Vorzüge mit den damiteinhergehenden Schwächen auftreten. Wer nun charakterlich verkommen ist, stellt die Schwächen hervor. Wer besonders charakterlich verkommen ist tut das bei einem besonders guten Volk wie dem Deutschen, dem er auch noch selbst angehört. Deutschenhass ist international ein verlässlicher Indikator für charakterliche Minderwertigkeit. 

Franz Bettinger

19. Februar 2026 09:11

@Lau schreibt: "Da wo SS-Verbände im Frankreich-Feldzug an vorderster Front eingesetzt waren, mussten Verbände der Wehrmacht nur den zerstörten Kirchen folgen.“ - Dazu hätte ich gerne die Quelle. Wäre das geschehen, wäre dies zumindest in der damaligen und in der heutigen Feindpresse zu lesen gewesen. Ich las nichts davon. 

RMH

19. Februar 2026 09:21

"Die Dt waren nicht unglückliche Opfer ihrer Zeit" @Ordol., wer "die" Dt sagt, der will genauso betrügen wie der, der Menschheit sagt. Die Masse der Dt waren über Jahrhunderte hart arbeitende Menschen, die mehrheitlich das Beste für ihre Kinder (!) wollten, also überwiegend hoffnungsvoll in die Zukunft gesehen haben, selbst bei Kriegen, Hungersnöten etc. Man mag sie deshalb als idealistische Trottel betrachten, denen der notwendige Schuss Egoismus fehlte & die gerne jeder Mohrrübe, die man ihnen gleich Karren ziehende Esel vor die Nase band, folgten (jugendsprachlich "Opfer"), aber die Ergebnisse in Kultur & Technik sprechen für sich & vor allem, sie sind unsere AHNEN, ihr Geist, ihr Blut, ihre DNA steckt in uns. Daher lehne ich Respektlosigkeiten geg.über ihnen ab. Jetzt, wo die Gesell. egoistischer, Ich-zentrierter ist & vor allem bei vielen Wohlstand da ist, den sie nicht vererben (keine KINDER!), sondern verleben, sind "die Dt" auch nicht mehr die, die sie in der Verg. waren, trotz Ahnenlinie, DNA etc. In dem Moment, wo Dt meinen, sie können auch so nett liberal sein & ihre Shares selber geniesen, gehts den Bach runter. Rechte identifizieren dann billig "den Liberalismus" als Feind & Ursache & Sie eben die dt. Blödheit. In Wahrheit ist es aber nicht der Liberalismus oder sonstwas, sondern dass der innere Kompass nicht mehr da ist & schon lange kein solcher bei der Mehrheit in eine ähnliche Richtung zeigt. Finis Germania.

fw87

19. Februar 2026 10:05

@RMH:
Das Reichskonkordat sehe ich nicht so negativ. Das von dem Katholiken Franz von Papen und dem späteren Pius XII. maßgeblich eingefädelte Konkordat sollte die Kompetenzbereiche von Kirche und Staat abstecken. Die dazu gefundene Regelung war für beide Seiten absolut fair. Einerseits bekam die Kirche volle Freiheit für Religionsausübung. Auf der anderen Seite wandte man sich gegen die "politisierenden Bischöfe" (und das ist doch auch heute wieder ein Problem). Hitler hat das Konkordat zugelassen, da ihm am Anfang seiner Regierungszeit daran gelegen war, sich mit der Kirche gut zu stellen. Wenn man seinen Aussagen Glauben schenken darf, war er sich zudem der moralischen Bedeutung des Christentums für den Staat bewusst.
Das Reichskonkordat hätte einen praktikablen Weg aufzeigen können, wie das Verhältnis von Kirche und Staat in einem modernen Staat aussehen kann. Allein dazu ist es nicht gekommen, da das Konkordat vielfach gebrochen wurde. 
 

dojon86

19. Februar 2026 10:05

@Franz Bettinger Ich gebe ihnen recht. Hitler hatte bis mindestens Anfang 1939 Erfolg. Im übrigen sind viele Kommentare hier Ausdruck deutscher Wolkenkraxeleien. Nichts ist im deutschen Volk wesentlich anders wie in anderen Völkern Europas. Selbst der Genozid war in anderen europäischen Ländern und in den USA bis 1945 durchaus eine denkbare Option. "Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer". Oder man lese europäische Historiker vor 1945. Wie leicht ging ihnen der Terminus Ausrottung von der Feder. (z. B. Kornemann, römische Geschichte). Deutschland ist kein Sonderfall sondern im Guten wie im Schlechten ein Teil Europas. Seine geopolitische Lage bestimmte sein Schicksal. Potentiell die stärkste Nation Europas aber trotzdem zu schwach, um Europa zu dominieren. Nicht umsonst sprach Bismarck vom "Alptraum der Koalitionen". Das und nicht irgendwelche deutschen Besonderheiten bestimmten sein Schicksal.

Maiordomus

19. Februar 2026 11:11

@deutscher Identitärer. Ich war seit 1954, damals die deutsche Mannschaft, wirklich echt deutsch, deutschfreundlich gesonnen, was damals in meiner Umgebung, besonders den Gebildeten, nicht selbstverständlich war. In diesem Sinn kann ich ihren "Post" von heute morgen früh gut nachvollziehen. Im Studium der deutschsprachigen Volkskunde befasste ich mich früh mit Schlesien, auch mit den deutsch-polnischen Spannungen, die ich nicht mit Hitler identifizierte.  

Maiordomus

19. Februar 2026 11:19

@Ordoliberal. Kann nicht nachvollziehen, dass Goethe, dessen 75bändige Sophienausgabe offenbar nicht zu Ihren Grundnahrungsmitteln gehört, angeblich Deutschenhasser gewesen sein soll, bloss weil er kein offensiver Nationalist war und bei Napoleon auch das Positive sah wie Hegel, der im Korsen "den Weltgeist zu Pferd" sah, ähnlich Zschokke. Goethe repräsentiert, das betonte auch Nietzsche, die Deutschheit wie kaum einer, nicht zuletzt als Lyriker, und erst recht war für ihn das Elsass deutsch, nicht zu vergessen der Brocken, die Walpurgisnacht, die Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter und seine allerschönste volskundliche und auch katholikenverstehende Novelle "St. Rochusfest zu Bingen", dazu ist George sozusagen eine Fussnote. Er sagte auch "Wir Deutschen" usw. Sogar Schiller war mehr Kosmopolit als Goethe. Letztlich blieb auch Schopenhauer ein Ur-Deutscher. Es musste indes nicht jeder von Bismarck begeistert sein. Umgekehrt blieb ich selber lebenslang Fichte-Leser, schon weil dieser Philosoph zur deutschen und weltweiten Geltung von Pestalozzi wesentlich beigetragen hat, auch wie Hegel ein konstruktives Verhältnis zur Schweiz pflegte, wo er auch als Hauslehrer gewirkt hat. 

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