Die Glaubwürdigkeit hat einen Riß

Vor ein paar Tagen abends in einer Männerrunde - Geburtstagsnachfeier in einer Laube, also: einer Datscha, mit Holzofen, Bier, kleinem Buffet. Der, welcher einlud, hätte selbst kochen können, kann er nämlich. Aber: Er weiß um den schweren Stand, den eine Selbständige hat, die in der Kleinstadt einen Imbiß betreibt und darüber hinaus in Terrinen und Pfannen kleine Gesellschaften mit Hausmannskost beliefert: Schnitzel, Gulasch, Nudeln, Gemüse, ein paar Spießchen, Nachtisch.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek leitet den Verlag Antaios

Der Kame­rad hat dort vor­be­stellt, die Lie­fe­rung ist pünkt­lich, über Stöv­chen köcheln die Gerich­te, man wird satt und kann, was übrig­bleibt, ein­frie­ren. Wäh­rend wir spei­sen, geht es um den Win­ter, um Anek­do­ten von fest­ge­fah­re­nen Autos im Wald und um Poli­tik. Die Rede kommt auf die ver­ba­len Ver­ren­kun­gen, die AfD-Poli­ti­ker in Sach­sen-Anhalt anstel­len müs­sen, um zu erklä­ren, war­um man Ver­wand­te unter­ein­an­der ange­stellt und mit Pos­ten auf Kos­ten des Steu­er­zah­lers ver­sorgt habe.

Das Ergeb­nis des Gesprächs, die ein­hel­li­ge Mei­nung in einem Raum, in dem die AfD ein Wahl­er­geb­nis von min­des­tens 100 Pro­zent hät­te, ist rasch zusam­men­ge­faßt: Bes­ser ist, man geht gar nicht mehr wäh­len, wenn die Neu­en nicht anders sind als die Appa­rat­schiks  aus den Altparteien.

Man müß­te so ein Gespräch auf­zeich­nen oder in Dia­lekt und Ver­lauf mit­ste­no­gra­fie­ren: Das ist kein Gerum­pel und kein pau­scha­les Weg­wi­schen. Am Tisch: vier Selb­stän­di­ge, zwei Ange­stell­te, ein Sol­dat, ein Früh­rent­ner – eine klas­si­sche Kon­stel­la­ti­on für hier, kei­ne Bei­spiel­fal­le, sehr reprä­sen­ta­tiv, und das Gespräch bezog die schlech­ten Erfah­run­gen, die man mit “den Medi­en” und dem ver­lo­ge­nen Gere­de der Kon­kur­renz mach­te, mit ein.

Aber es gibt eben nichts schön­zu­re­den, und dabei lag vor Tagen noch gar nicht auf dem Tisch, was heu­te nun aus Nie­der­sach­sen dazu­kam – und wohl alles in den Schat­ten stellt, das in Sach­sen-Anhalt Schat­ten warf: Berich­te über eine Art Geheim­bünd­nis mit dem Namen “Alli­anz” unter Betei­li­gung der dor­ti­gen Füh­rungs­spit­ze der AfD, über einen Schwei­ge­ko­dex rund um ein Berei­che­rungs­netz­werk, über Filz und Parallelstrukturen.

Mei­ne Nei­gung, solch ein Ver­hal­ten mit fin­di­gen Argu­men­ten und Begrif­fen “ein­zu­ord­nen”, geht gegen Null. Natür­lich wur­de ich dar­auf ange­spro­chen, ob das alles so stim­men kön­ne, ob es das wirk­lich gebe, in einer Par­tei, die ange­tre­ten sei, eine “Alter­na­ti­ve für Deutsch­land” auf allen Ebe­nen und in allen Berei­chen nicht nur zu for­mu­lie­ren und vor­zu­ha­ben, son­dern doch vor allem vor­zu­le­ben. Lei­der konn­te ich es nicht dementieren.

Oft genug war das ja mög­lich, ist das mög­lich: Immer wie­der kommt es zu Fra­gen, ob das, was in den Medi­en über das Pro­jekt der Remi­gra­ti­on, über Mar­tin Sell­ner, über die Iden­ti­tä­re Bewe­gung und Höcke und natür­lich auch über Ran­ge­lei­en mit Jour­na­lis­ten in Schnell­ro­da geschrie­ben und behaup­tet wür­de, so den Tat­sa­chen ent­sprä­che oder viel­leicht doch ganz anders sei. Jedes­mal ist es gut, wenn man dann aus­führ­lich und nach bes­tem Wis­sen und Gewis­sen das eine zurecht­rü­cken, das ande­re anders erzäh­len und das drit­te als Not­wen­dig­keit auf den Begriff brin­gen kann. Dabei ist Ehr­lich­keit die har­te, die ein­zi­ge Wäh­rung – sol­che Abend­run­den haben feins­te Ohren für aus­wei­chen­des Gesül­ze und pro­fes­sio­nel­len Sprech.

So also auch dies­mal. Kein Beschö­ni­gen, kein Aus­wei­chen, kein Erklä­rungs­ver­such außer dem, der so alt ist wie die­se neue Par­tei selbst: daß sie auch und von Anfang an einen kor­rum­pie­ren­den Sog ent­wi­ckelt habe, weil sich in ihr nicht nur jene Kräf­te sam­mel­ten, die ums Vater­land kämp­fen und rin­gen woll­ten, son­dern auch dritt­klas­si­ges Per­so­nal aus den Alt­par­tei­en selbst, also Leu­te, die dort nichts wur­den, und Glücks­rit­ter und Schlau­mei­er und sol­che, die der all­zu­mensch­li­chen Ten­denz zur Ver­haus­schwei­nung nicht viel Dis­zi­plin ent­ge­gen­zu­set­zen hätten.

Ver­haus­schwei­nung – ein Begriff aus dem Wort­schatz des Ver­hal­tens­for­schers Kon­rad Lorenz. Erin­nert sich noch jemand dar­an, daß die War­nung vor die­ser Ver­haus­schwei­nung, vor der war­men Suh­le im Zen­trum jener Rede stand, die Björn Höcke vor zehn Jah­ren in Dres­den hielt und aus der die Medi­en aus­schließ­lich die Revi­si­on der Geschich­te filterten?

Dabei war die­se Rede nach innen aus­ge­rich­tet, war eine Rede für den Nach­wuchs der Par­tei, die ein­ge­la­den hat­te ins Ball­haus Watz­ke, und die­sem Nach­wuchs rede­te Höcke ins Gewis­sen, damals: nicht zu früh in die Poli­tik, nicht gleich von der Poli­tik leben, erst ein­mal etwas abschlie­ßen – eine Aus­bil­dung, ein Stu­di­um, Lebens­er­fah­rung sam­meln, in die Leh­re gehen, einen Stand­punkt gewin­nen, Schu­le der Tugend, und begrei­fen, daß wirk­lich eine “Alter­na­ti­ve für Deutsch­land” not­wen­dig sei, und zwar vor­ge­dacht, vor­ex­er­ziert, vorgelebt.

Par­tei­en sind Gebil­de, die so gebaut sind, daß es zu der­lei kommt: zu Berei­che­run­gen, Ver­sor­gungs­netz­wer­ken, Begehr­lich­kei­ten. Aber eine neue Par­tei, die eine Alter­na­ti­ve sein will, muß die­se Ten­den­zen (oder Gesetz­mä­ßig­kei­ten) so lan­ge wie irgend mög­lich bekämp­fen, äch­ten, zurück­drän­gen, vor allem doch, weil in die­sem Land nicht mehr viel in Ord­nung ist und weil auf­ge­räumt wer­den muß – und das heißt immer auch: ent­filzt, und der Beu­te­sinn des Par­tei­en­staats entlarvt.

Mir fällt dabei nun eine mei­ner liebs­ten Stel­len aus Jochen Klep­pers Preu­ßen­ro­man Der Vater ein. Die­ser Vater, also: der Sol­da­ten­kö­nig, der Vater Fried­richs des Gro­ßen, kehrt aus dem hun­gern­den Ost­preu­ßen zurück nach Ber­lin. Er hat dort zu hel­fen und zu ret­ten ver­sucht, hat Zuver­sicht ver­brei­tet und Hil­fe ver­spro­chen und den Land­adel an die Kan­da­re genom­men und an sei­ne Pflicht erinnert.

Er kommt also nach Ber­lin zurück und gerät im Schloß sei­ner Frau in eine Abend­ge­sell­schaft, über­ra­schend. Dort geht es üppig zu, und auf einem Tisch sind exqui­si­te Tabak­do­sen ange­rich­tet, die er noch nicht wahr­nahm. Nun nimmt er sie wahr und fragt nach Her­kunft und Preis und erfährt von Paris und von Unsum­men für die­sen Plun­der, der gera­de “à la Mode” sei. Der Sol­da­ten­kö­nig wischt das Zeug vom Tisch und sagt, bevor er die Par­ty ver­läßt: “In Ost­preu­ßen ist gera­de Hun­ger à la Mode”.

Ich mei­ne dies: Kaum etwas kann der AfD gefähr­lich wer­den, fast nichts von außen, kei­ne Remi­gra­ti­on-Debat­te, kei­ne Ruß­land-Debat­te, kein Ver­fas­sungs­schutz, kei­ne Ver­leum­dung, kei­ne Igno­ranz, und die Gewalt gegen ihre Reprä­sen­tan­ten schon gar nicht. Aber sich selbst schwe­ren Scha­den zufü­gen – das kann sie, und zwar, indem sie sich ver­strei­tet oder indem sie offen­bart, daß sie nicht bes­ser, dis­zi­pli­nier­ter, kon­se­quen­ter agiert als die anderen.

Der Scha­den ist schon da, die Glaub­wür­dig­keit hat einen Riß. Tün­che reicht nicht, auf­räu­men muß man. In Sach­sen-Anhalt hat man damit bereits begon­nen und gegen den Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Jan Wen­zel Schmidt, den Dreh- und Angel­punkt sol­cher Machen­schaf­ten, ein Par­tei­aus­schluß­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet, und zwar schon im Dezember.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek leitet den Verlag Antaios

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Kommentare (25)

Martha

8. Februar 2026 18:29

Wahre Worte. Volle Zustimmung. Die AfD ist kein Selbstzweck, sie ist Mittel zum Zweck.

Freichrist343

8. Februar 2026 18:31

Der 8. März 2026 wird der wichtigste Tag aller Zeiten sein. Ausgerechnet in der grünen Hochburg BW wird die AfD die Grünen überholen. Wir brauchen keine grüne Planwirtschaft, sondern eine öko-konservative Politik gemäß Herbert Gruhl.
https://jlt343.wordpress.com

Ein gebuertiger Hesse

8. Februar 2026 18:35

Ein wichtiges Wort. Ja, darin besteht der Auftrag, der auch ein innerer, in das Eigene genommener Auftrag ist: im Zweifelsfall gegen "Gesetzmäßigkeiten" zu agieren, die dem laissez-faire, dem sich anheimzugeben man doch immer wieder bereit ist, dem "einer geht noch", "one for the road", "mir san ja mir" entgegenläuft. Kostet was. Aber nur dann kann was werden.

Majestyk

8. Februar 2026 18:59

Frei nach dem Motto, wenn der Gegner kein Tor schießt, schenkt man sich halt selber einen ein. Zum Glück sind heuer Olympische Spiele und Epsteinwochen, da gehen die vermeintlichen "Ausrutscher" vielleicht im Medienalltag unter. Wie meinte schon Adenauer:„Nehmen Sie die Menschen wie sie sind, andere gibt's nicht.“ 
 

Ulrike

8. Februar 2026 20:00

Selbst die FAZ muß zu o. g. Thematik der wechselseitigen Anstellung von Verwandten einräumen: „Zu ihrer Verteidigung kann die AfD allerdings darauf verweisen, dass es nach ihrem erstmaligen Einzug in den Landtag im Jahr 2016 tatsächlich schwer gewesen sein dürfte, als junger Landesverband viele Mitarbeiterstellen auf die Schnelle zu besetzen, zumal ein längerfristiger Erfolg der Partei damals noch keineswegs sicher erschien und eine Tätigkeit damals auch erhebliche negative Konsequenzen für das spätere berufliche Fortkommen hätte haben können.“ Dies und auch die von Ulrich Siegmund vorgebrachten Argumente klingen plausibel. Vielleicht empörungsmäßig erstmal einen halben Gang runterschalten und natürlich AfD wählen gehen.

RMH

8. Februar 2026 20:11

Ja, der Artikel trifft es natürlich. Den Nepotismus der Altparteien braucht man nicht als Aufguss. Schade, dass auch solche Hoffnungsträger-Verbände wie S.A. betroffen sind. Da muss die Parteiführung klare Standards festlegen, denen sich jeder unterwirft, der für die AfD kandidiert. Dazu gehört dann, dass er nicht mehr "freihändig" einstellen darf, wenn er Mandatsträger ist. Was mir schon länger aufgefallen ist: Die AfD ist quasi von 0 auf 100 in 2 Sekunden gestartet, "organisches" Wachstum war nicht möglich. & so ergab es sich, dass ganze Ortsverbände eigentlich in Familienhand waren, weil kein anderer da war/ sich für den job gemeldet hat. Mit der Stigmatisierung der AfD kam dann auch nicht die Breite an Leuten dazu, die sich auch engagieren wollen (Pateibücher alleine bringen wenig, außer Mitgliedsbeitr.). Bürgerliche sind abgeschreckt. & was mir besonders auffällt: Dieses unsägliche Doppelengagement von Paaren. Kann der Mann oder die Frau nicht mal was allein machen? Muss da immer der "Partner" überall mitdackeln? Oft dann auch noch die Kinder, als ob so ein Parteieng. ein Kirchgang wäre - entsprechend Sektenhaft gehts dann ab & an auch zu.

RMH

8. Februar 2026 20:29

"Vielleicht empörungsmäßig erstmal einen halben Gang runterschalten und natürlich AfD wählen gehen."
@Ulrike,
Denke, hier im Debattierkreis wird deswegen kaum einer was anderes wählen, außer denjenigen, die ohnehin schon anders wählen (oder nicht wählen. Die Fraktion war hier traditionell auch immer dabei).

Adler und Drache

8. Februar 2026 22:32

Wer irgendwie bei der AfD beschäftigt ist, muss mit einem ständigen Misstrauen leben. Vielleicht ist ja grad der andere MA ein Spitzel, der einen einseift. Zu dramatisch? Vielleicht, aber ich denke nicht.
Kohl verteidigte noch die "Seilschaft", weil es im ursprünglichen Sinn genau darum geht: Dass alle an einem Seil hängen und blindes Vertrauen im Angesicht der Gefahr möglich ist. Selbstverständlich müssen deshalb alle Posten soweit wie möglich mit Vertrauensleuten besetzt werden. Das ist kein "Nepotismus" und keine "Vetternwirtschaft" (das wäre nur aus einer Position staatlicher Macht möglich, über welche die AfD gar nicht verfügt). Das ist Notwendigkeit, die ich (noch) für richtig und geboten halte. Der Bundesrechnungshof kritisiert schon seit Jahren den wilden Stellenaufwuchs bei den Altparteien, ohne Erfolg. Worüber also reden wir hier?

Laurenz

8. Februar 2026 22:48

Der Teilnehmer @Ulrike hat schon Recht, es gilt 16 Parlamente in Bundesländern (Bremen, Hamburg, Saarland & Berlin könnten sicher weg) zu besetzen, 294 Landkreise, 11k Kommunen & den Bund. Und das mit knapp über 50k Mitgliedern? Es haben also nicht viele den Mut, in der Öffentlichkeit mutig den Ernst Jünger zu machen. Es gibt dafür auch keinen Pour-le-Mérit. Natürlich muß die Parteiführung von Fall zu Fall hinschauen, wie sie es auch bei politischen Ausschlußverfahren macht. Es gibt, grob geschätzt, nur 1,2 Mio. Mitglieder in Parteien. Davon ist nicht mal jeder 20. in der AfD. Kann jeder selbst mal in die Suchmaschine nachschauen.

Hartwig aus LG8

8. Februar 2026 23:40

"aufräumen muß man" - Ich würde eher sagen, "einen zeitgemäßen Standard anlegen" (... so traurig das sein mag.) Man sieht es bei einer Größe wie Trump, der mit seinem breiten Arsch immer wieder die Hälfte dessen einreisst, was er gerade eben mühevoll errichtet hat.
Die "Alternative für Deutschland" definiert sich über den Kern ihres Programms, nicht über die Integrität ihrer Leute der zweiten Reihe. Beides wäre gewiss schöner. Aber jeder Wähler, der sich die Mühe macht, sein Antlitz eine einzige Minute im Spiegel zu betrachten, weiss, dass er nicht in Frage käme, den ersten Stein zu werfen.
Ich habe Kameraden, die AfD-Politik anhand kommunalpolitischer Detail-Entscheidungen bewerten. Oder ganz grundsätzlich längs der Positionierung "freie oder soziale Marktwirtschaft". Für mich sind das nachrangige Debatten. Die AfD hat eine einzige vorrangige Aufgabe: Die Änderung der Einwanderungspolitik. Falls das durchgreifend gelingt, leben wir in einer anderen Tektonik.

lucianocali2

9. Februar 2026 05:14

Die AFD muß damit leben, dass ihr alle Vergehen, die auch in einer "normalen" Partei schwer wiegen, aber dort die Existenz nicht gefährden, doppelt und dreifach aufs Brot geschmiert werden. Das wiederum weiß zumindestens der Wähler, der keine Alternative zu ihr sieht. Wer es nur, jetzt wo der Aufwind stärker wird, auch mal mit ihr probieren will, kann natürlich abgeschreckt werden dadurch, daß hier alles nun auch so zu werden scheint wie in den Kartellparteien. Doch kann die AFD eben von denen hier lernen. Der CDU hat die legendäre Korruption von Helmut Kohl nicht geschadet? Weil man sich hart von ihm absetzen konnte. Was uns allerdings Merkel bescherte. Und nur dieser Weg hilft auch der AFD: Hartes und konsequentes Abschneiden der wuchernden Triebe. Wozu es aber Leitfiguren wie Höcke bedarf? Hat Niedersachsen die? Und wenn nein, warum nicht? 

Rheinlaender

9. Februar 2026 06:01

@Freichrist343
Ihr „Freichristentum“ scheint ja eine unglaublich tiefe und spannende Angelegenheit zu sein, wenn für Sie der Tag der Landtagswahl „der wichtigste Tag aller Zeiten“ ist und nicht z.B. der erste Tag der Schöpfung, der Tag der Erschaffung und der des Sündenfalls des Menschen; die Tage der Verkündigung, Empfängnis, Geburt, Auferstehung und Kreuzigung des Herrn oder der Tag des Jüngsten Gerichts.

Karl Otto

9. Februar 2026 07:12

Ein generelles Problem junger, kleiner (was im falle der AfD schon nicht mehr gilt) Parteien. kann mich an ähnliches auch aus der Frühzeit der Grünen erinnern, bei der FDP kam es häufig vor.
Man hat wenige Leute und relativ viele Posten zu besetzen, da kommen dann schon mal Leute zweifelhafter Qualität zum Zuge.
Habe meiner südamerikanischen Frau geraten, sie sollte zu den Grünen gehen, in ein paar Jahren könnte sie Abgeordnete sein. Als sie gehört hat, dass die das "Recht auf Abtreibung" fordern, war allerdings Schluss mit dem Gedanken bei der Katholikin.

Karl Otto

9. Februar 2026 07:15

Falls es jemanden interessiert: Bei den Regionalwahlen im spanischen Aragon haben die Rechten von VOX ihren Stimmenantiel verdoppelt, die Linken von Podemos sind aus dem Parlament geflogen. Kopf hoch!

nagini

9. Februar 2026 07:39

Vor Kurzem (glaube sogar es war ein AfD Post) wurde geschrieben, dass es Stimmen aus der CDU gab, die irgendeinem Vorhaben nicht zustimmen wollten, dann hätte die Partei aber doch geschlossen dafür gestimmt. Irgendwie so. Springender Punkt ist: Diese Meldung sollte die CDU negativ darstellen. Einheitliche Stimmergebnisse in einer Partei stellen aber nicht unbedingt eine Schwäche dar, sondern signalisieren dass man zusammenhält und stabil ist. Insofern spricht so ein Verhalten natürlich für eine Partei und nicht gegen sie. Interne Konsistenz wirkt stark und verlässlich. Interner Zank oder Skandale genau gegenteilig. 

RMH

9. Februar 2026 08:21

"Worüber also reden wir hier?"@Adler & Drache, darüber, dass die AfD von Anfang an immer den Anspruch hatte, anders als die Etablierten zu sein. Die AfD kritisiert regelmäßig die Karrieren der Etablierten mit Sätzen wie Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal & ist zu recht stolz darauf, dass wohl fast alle Mandantstr. keine Politikerkar. hatten von der Uni, über die von der Parteistiftung stipendierte Promotion, dann Abg.-Mtarbeiter, dann selber Mandatstr. Wenn man dann sieht, dass halbe bis ganze Familien quasi "all in" gehen & ihre wirtschaftl & berufl Existenz an den Staat knüpfen, dann ist das in sehr vielschichtiger Weise bedenklich. Wer heute (im Westen, Osten kenne ich nicht) bei der AfD frisch einsteigt, sollte bereits - wie bei den Altparteien - mindestens 1 starken Mentor in La Famiglia haben, um etwas werden zu können, denn die Partei ist über den Hinterzimmer closed shop nicht weit hinaus gekommen usf. Als Bayer sage ich: Das ist einfach zu sehr CSU. Im Ergebnis schafft man mit diesem closed shop es noch nicht mal, flächendeckend bei der Kom-wahl anzutreten.

Mitleser2

9. Februar 2026 08:28

Das Thema ist schwierig. Ich fand einen Vergleich zwischen Sachsen-Anhalt und dem grünen Graichen-Clan. Die einen Amateure, die anderen Profis. Das soll nichts beschönigen. Aber es charakterisiert, was Sache ist. Ich glaube nicht, dass man mit moralischer Rigorosität weiterkommt. Und nicht vergessen: die AfD ist der Paria. Da wird immer mit Dreck geworfen.

Le Chasseur

9. Februar 2026 09:00

@Laurenz
"Es haben also nicht viele den Mut, in der Öffentlichkeit mutig den Ernst Jünger zu machen."
Dazu zwei Jünger-Zitate:
"Man kann sich heute nicht in Gesellschaft um Deutschland bemühen; man muß es einsam tun wie ein Mensch, der mit seinem Buschmesser im Urwald Bresche schlägt und den nur die Hoffnung erhält, daß irgendwo im Dickicht andere an der gleichen Arbeit sind."
"Die Politik jeglicher Färbung ist mir seit langem zuwider, und ich marschiere hinter keiner Fahne mehr her."

Valjean72

9. Februar 2026 09:22

Tja, was soll man hierzu äussern, ausser Zustimmung zum Artikel? Als ich vor ein paar Tagen von diesem Sachverhalt erfuhr, war ich erst einmal perplex, da ich so etwas, zumal in einem östlichen Landesverband, nicht für möglich gehalten hätte. Hinterher las ich dann sogleich die Begründung wieso, weshalb, warum dies so notwendig gewesen wäre. Das konnte aber meine Verstörung nur zu einem Teil reduzieren. Wie passt das zum aufs Schild gehobenem Preussentum?
Für mich gilt noch einmal mehr: die AFD steht und fällt für mich mit Björn Höcke und ähnlich gelagerten Mitstreitern: keine Berufspolitiker, sondern mit Lebenserfahrung auch ausserhalb des Politbertiebes, intelligent, gebildet, nicht korrumpierbar, mit einem unverrückbaren moralisch-sittlichem Kompass.

RMH

9. Februar 2026 09:33

"Die AFD muß damit leben, dass ihr alle Vergehen, die auch in einer "normalen" Partei schwer wiegen, aber dort die Existenz nicht gefährden, doppelt und dreifach aufs Brot geschmiert werden."
@lucianocali2, das ist auf den ersten Blick richtig. Erweitert man den Blick, kommt man aber schnell zum Ergebnis, dass die AfD eben nie eine "normale" Partei sein wollte sondern nicht nur eine inhaltliche Alternative zum Rest der Parteien sein wollte, sondern auch eine parteipolitische. Die Grünen wollten das auch mal (siehe Ämterrotation & andere Ideen) & wurden geschliffen. Ich habe volles Verständnis, dass die AfD durch ihren schnellen Erfolg personelle Kapazitätsgrenzen bekommen hat. Aber mittlerweile besteht die Partei auch schon 13 Jahre & hat nach wie vor massive Probleme in die Breite & die Fläche zu wurzeln. Das wurde offenbar nicht professionell angegangen & so erntet auch die AfD, was sie strukturell ein Stück weit selber gesäht hat. In BAY halte ich bspw. den Fall Halemba für so ein Beispiel, wo Vertrauen vor Qualifikation gegangen ist, mit dem bekannten Ergebnis. Ich denke übrigens, dass dieses Thema der AfD gar nicht so viele Stimmen kosten wird, aber gerade in Ländern, wie SA, braucht sie gerade jede einzelne Stimme, damit es langt.

Joerg

9. Februar 2026 10:56

Es ist ein Trauerspiel. Nicht anders als bei Krah der sich als reiner Selbstvermarkter mit jederzeit anpassungsfähigen "Werten" erwiesen hat. Ich hoffe auf einen Dominoeffekt: Wenn die AfD erstmal salonfähig geworden ist, ist sie auch für mehr gute Leute als bisher akzeptabel.

fw87

9. Februar 2026 11:35

Die hier beschriebenen Missstände existieren in gewissem Umfang, keine Frage. Das ganze durch noch mehr Regulierung lösen zu wollen, ist aber definitiv der falsche Weg. Gute Mitarbeiter tragen maßgeblich dazu bei, die Partei an ihren eigentlichen Auftrag zu erinnern und lebendig zu halten.

RMH

9. Februar 2026 12:18

@fw87,
sind Familienmitglieder, Verschwägerte oder Leute die, da es nirgends eine offizielle Ehe gab, aber mit Familienmitgliedern, Verschwägerten etc. vergleichbar sind, automatisch "gute Mitarbeiter"? Wenn ich lese, wie manche Damen offenbar sich von einem Hoffnungsträger zum nächsten begeben haben, dann ist das eben zu viel closed shop, zu viel schmoren im eigenen Saft, zum Teil in der Tat natürlich auch verursacht durch den Bannstrahl, den das Establishment auf die Partei richten konnte, der abschreckt.  Dennoch steigen die Mitgliederzahlen aber offenbar kommen dann von den Neumitgliedern in der Parteiarbeit zu wenige an oder aber werden von den Altstrukturen zu wenig eingebunden. Man hat 2013 mit immerhin ca. 17.700 Mitgliedern angefangen (wie viele davon wohl noch dabei sind? Auch Fluktuation kann zu Personalproblemen führen!) und lt. google hatte man - allen Widerständen zum Trotz - 2024/25 rund 48tsd Mitglieder. Da sollte doch eine gewisse Auswahl da sein, so dass man nicht zu einer Familiengesellschaft werden braucht. Zudem wird das Thema "offene Listen" bei Kommunalwahlen zu wenig verfolgt.

Schobbepetzer

9. Februar 2026 13:12

Da kommen soviele Faktoren zusammen: Stigmatisierung von Mitarbeitern, Demografischer Faktor, Angst vor Unterwanderung, zu schnelles Wachstum, keine pol. Stiftung zur Ausbildung etc. 
Klar ist das nicht optimal, aber falls das wäre, dann gäbe es was anderes. 
Den Anspruch zu haben, anders zu sein, als die Altparteien kann ich verstehen und ist wünschenswert.
Aber auch hier gilt, der Mensch ist der Mensch. Wenn die Mitarbeiter aus der Familie einen guten Job machen, dann finde ich es akzeptable. In vielen Unternehmen wurden früher Mikis und Kukis (Mitarbeiterkinder und Kundenkinder) eingestellt, war nicht zum Schaden. Wenn sich Leute aus dem eigenen Lager aufregen, bitte sich selber bewerben und mitmachen.

RMH

9. Februar 2026 13:43

"bitte sich selber bewerben und mitmachen."
@Schobbepetzer,
Sie zählen gute Punkte auf. Im Eigeninteresse sollte man bei der AfD jede Stelle also ausschreiben. Bewirbt sich keiner oder niemand, der geeignet ist, spricht aus meiner Sicht, wenn es keine entsprechenden gesetzlichen Vorgaben gibt, wenig dagegen, auch mal einen Verwandten eines anderes Parteifreundes einzustellen (einen eigenen Verwanten sehe ich hingegen kritisch). Der bayerische Landtag hatte nach dem CSU- Skandal bekanntermaßen strenge Regeln für ALLE Parteien eingeführt, so dass auch Überkreuzbeschäftigungen nicht mehr möglich sein sollen. Hier hatte die CSU aus dem eigenen Skandal einmal Konsequenzen gezogen, wobei der CSU- Skandal natürlich deutlich tiefer ging, als das, was einigen AfD Abgeordneten vorgeworfen wird. Bei der CSU gab es auch Scheinanstellungen. Soweit scheint es bei der AfD ja nicht zu gehen. Wenn das aber auch noch kommen sollte, dann hätte man einen ernsthaften Schaden.

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