Wäre sie so, wäre sie kalkulierte Opposition. Kalkulierte Opposition hätte Handlungsspielraum – zur Belustigung, für Scheingefechte, zur Legitimation: Seht her, das alles ist möglich, das alles lassen wir zu.
Aber die AfD will kein Beiwerk sein innerhalb der obszönen Party namens „UnsereDemokratie“. Sie ist echt. Sie will das System in Deutschland nicht delegitimieren, sondern hat sich eine paradoxe Aufgabe gestellt: Diese Partei will das destruktive System heilen, indem sie es von innen herausfordert. Dazu gehört, daß sie an manchen Stellen den Verlockungen verfällt.
Denn dieses System, diese in einen Parteienstaat gemündete parlamentarische Demokratie fördert schlechte Eigenschaften. Zum Beispiel Habgier, Neid, Trägheit, Zorn. Um es moderner, sogar tagesaktuell auszudrücken: „Vetternwirtschaft“ gehört dazu.
Ob es ein Drama ist, wenn man Posten innerhalb einer Organisation gern mit Freunden und Verwandten besetzt, kann man diskutieren – und sollte dabei berücksichtigen, daß die Mitglieds-Ressourcen der AfD nur 15% des wichtigsten Wettbewerbers betragen. Die steuerfinanzierten Gehälter innerhalb des überzüchteten politischen Selbstbedienungs-Ladens BRD wären vor dem Hintergrund von 50% Staatsquote am BIP generell zu hinterfragen.
Vermutlich gibt es an mancher Stelle der Partei sogar Seilschaften abseits einer neutralen Meritokratie und Schlimmeres. Ist nicht schön, aber: ist echt, und das ist wichtig. Denn Vertrauen entsteht nicht, weil jemand perfekt ist, sondern weil er echt ist, aus Fleisch und Blut und fehlbar. Vertrauen entsteht dort, wo jemand seine Fehler sieht, sie abzustellen versucht und den Teil, der bleibt, als schwachen Punkt benennt und einkalkuliert.
Das ist das Echte. Wir mögen Persönlichkeiten, die sich redlich bemühen, selbstkritisch und mit Kraft zur Optimierung. Und wie bei einer Person ist auch für die “Persönlichkeit” AfD der weitere Marken-Aufbau eine Frage von Klarheit und Offenheit.
Was kann die AfD also lernen, wenn jemand „Vetternwirtschaft“ ruft? Drei Vorschläge:
1. Keine Panik – Fast jeder Vorwurf gegen die AfD ist ein Angriff von BRD-System-Zöglingen gegen das selbst gebaute Konstrukt aus Habgier, Neid, Trägheit und Zorn. Der Korruptions-Sumpf der führenden Institutionen von UN über WEF bis ÖRR ist so übermächtig, daß Fehler eines Parteien-StartUps wie der AfD darin geradezu niedlich aussehen. Da steht die erfolgreiche, aber kaum erwachsene Partei in der Ecke, schaut betroffen zu Boden, während die Pelosis, Graichens, Weimers, Selenskyis und Miosgas dieser Welt vor Lachen nicht in den Schlaf kommen. Anders gesagt: Wenn der „Stern“ aktuell etwas halbwegs Wohlwollendes über Herrn Höcke schreibt, um die Partei zu diskreditieren, dann wissen wir, daß bei uns kommunikativ etwas falsch gelaufen ist.
2. Kunst und Künstler kann man nicht voneinander trennen – Ob man ein Gemälde lieben darf, dessen Künstler schwere private Verfehlungen begeht, ist seit Jahrhunderten Gegenstand der Diskussion. Für die Persönlichkeit einer Partei gilt jedenfalls: Das tollste Parteiprogramm ist für die Katz, wenn man die ideelle Grundlage im Alltag unterläuft.
Die Partei ist also aufgefordert, in Krisen einerseits geschlossen aufzutreten und andererseits Kritik- und Diskursfähigkeit zu zeigen. Diskurs und dialektische Analyse sind Errungenschaften, die wir auf der rechten Seite des Spektrums lieben. Auch wenn es kriselt. Reden statt ausgrenzen. Ideen entwickeln und proaktiv handeln, statt stören und zerstören. Ist das nicht sogar der Kern unserer Weltanschauung?
3. Marke-Ting – Reagieren und Kommunizieren braucht Kontinuität, Raum und Strukturen. Die rechte Bubble ist derzeit die global Kreativste. Aber die Partei hat Marketing und Kreation nie geliebt. Man ließ sich treiben, klebte irgendwelche Plakate und hielt kopierte Gags für Markenkommunikation. Das rächt sich in Krisen-Zeiten. Was die AfD braucht, sind professionelle Botschaften und ein Auftritt der beeindruckt. Presse-Statements sind Silber, direkte
Bürger-Ansprache ist Gold. Bilder und Texte, die zeigen, daß man nicht nur Wutbürgertum kanalisiert, sondern zur Staatsführung geeignet ist. Klarheit, Wahrheit, Handlungsfähigkeit. Lufthoheit über das eigene Gelände gewinnen. Basis dafür wäre ein Gremium im Herzen der Partei, welches die Führung der Marke in der Öffentlichkeit begleitet. Ein kleines Team zur Entscheidungsfindung und Vorbereitung von Reaktionen. Ein Marke-Ting germanischer Prägung.
Drei Vorschläge, die Ruhe schaffen können. Drei Vorschläge, die zeigen, daß die Partei sich nicht verstecken muß. Warum auch? Bei aller Fehlbarkeit ist sie die einzige Rettung für dieses Land. Wer mag, werfe den ersten Stein.
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Dr. Wiggo Mann heißt nicht so. Er arbeitet für eine große PR-Agentur in Süddeutschland und würde mit der Nennung seines Namens ein mittleres Erdbeben in der Branche auslösen. Ab und an greift er für Sezession zur Feder. “Wie man eine Partei optimiert” heißt sein jüngster Text. Er ist in der 130. Sezession abgedruckt – hier kann man das Heft einsehen und bestellen.
RMH
"daß die Mitglieds-Ressourcen der AfD nur 15% des wichtigsten Wettbewerbers betragen."
Und genau von solchen Fakten bitte mehr und diese dann klar verbreiten, zusammen mit dem Hinweis, dass die Leute auch wirklich & echt gearbeitet haben und nicht nur zum Schein eingestellt waren, wie weiland bei der CSU geschehen und das dies vollkommen legal ist. Gerne darf man auch einen internen "code of conduct", "Compliance" und den ganzen bullshit präsentieren, was sich die sog "freie Wirtschaft" ab einer gewissen Größe selber zur Selbstverknechtung gibt. Und man darf darauf hinweisen, dass man im Gegensatz zur linken eine Unvereinbarkeitsliste hat und nicht Streetfighter, Ex -Terroristen & Co einstellt und sondern sich schon immer freiwillig selbst beschränkt.
Auf jeden Fall sachlich bleiben, denn zu deutlich mit dem Finger auf andere zeigen, kennt der Wähler von den "Anderen" nur zu gut und es langweilt ihn. Und Langweile kann zur Abwendung führen.