Krisen-PR: drei Vorschläge

von Wiggo Mann - Was ist die Markenpersönlichkeit der AfD, wen verkörpert sie? Keinesfalls den aufgeputzten, etwas skurilen Partygast, der versucht, einen Stehplatz im Salon zu ergattern, um ein wenig mitreden zu können.

Wäre sie so, wäre sie kal­ku­lier­te Oppo­si­ti­on. Kal­ku­lier­te Oppo­si­ti­on hät­te Hand­lungs­spiel­raum – zur Belus­ti­gung, für Schein­ge­fech­te, zur Legi­ti­ma­ti­on: Seht her, das alles ist mög­lich, das alles las­sen wir zu.

Aber die AfD will kein Bei­werk sein inner­halb der obs­zö­nen Par­ty namens „Unse­re­De­mo­kra­tie“. Sie ist echt. Sie will das Sys­tem in Deutsch­land nicht dele­gi­ti­mie­ren, son­dern hat sich eine para­do­xe Auf­ga­be gestellt: Die­se Par­tei will das destruk­ti­ve Sys­tem hei­len, indem sie es von innen her­aus­for­dert. Dazu gehört, daß sie an man­chen Stel­len den Ver­lo­ckun­gen verfällt.

Denn die­ses Sys­tem, die­se in einen Par­tei­en­staat gemün­de­te par­la­men­ta­ri­sche Demo­kra­tie för­dert schlech­te Eigen­schaf­ten. Zum Bei­spiel Hab­gier, Neid, Träg­heit, Zorn. Um es moder­ner, sogar tages­ak­tu­ell aus­zu­drü­cken: „Vet­tern­wirt­schaft“ gehört dazu.

Ob es ein Dra­ma ist, wenn man Pos­ten inner­halb einer Orga­ni­sa­ti­on gern mit Freun­den und Ver­wand­ten besetzt, kann man dis­ku­tie­ren – und soll­te dabei berück­sich­ti­gen, daß die Mit­glieds-Res­sour­cen der AfD nur 15% des wich­tigs­ten Wett­be­wer­bers betra­gen. Die steu­er­fi­nan­zier­ten Gehäl­ter inner­halb des über­züch­te­ten poli­ti­schen Selbst­be­die­nungs-Ladens BRD wären vor dem Hin­ter­grund von 50% Staats­quo­te am BIP gene­rell zu hinterfragen.

Ver­mut­lich gibt es an man­cher Stel­le der Par­tei sogar Seil­schaf­ten abseits einer neu­tra­len Meri­to­kra­tie und Schlim­me­res. Ist nicht schön, aber: ist echt, und das ist wich­tig. Denn Ver­trau­en ent­steht nicht, weil jemand per­fekt ist, son­dern weil er echt ist, aus Fleisch und Blut und fehl­bar. Ver­trau­en ent­steht dort, wo jemand sei­ne Feh­ler sieht, sie abzu­stel­len ver­sucht und den Teil, der bleibt, als schwa­chen Punkt benennt und einkalkuliert.

Das ist das Ech­te. Wir mögen Per­sön­lich­kei­ten, die sich red­lich bemü­hen, selbst­kri­tisch und mit Kraft zur Opti­mie­rung. Und wie bei einer Per­son ist auch für die “Per­sön­lich­keit” AfD der wei­te­re Mar­ken-Auf­bau eine Fra­ge von Klar­heit und Offenheit.

Was kann die AfD also ler­nen, wenn jemand „Vet­tern­wirt­schaft“ ruft? Drei Vorschläge:

1. Kei­ne Panik – Fast jeder Vor­wurf gegen die AfD ist ein Angriff von BRD-Sys­tem-Zög­lin­gen gegen das selbst gebau­te Kon­strukt aus Hab­gier, Neid, Träg­heit und Zorn. Der Kor­rup­ti­ons-Sumpf der füh­ren­den Insti­tu­tio­nen von UN über WEF bis ÖRR ist so über­mäch­tig, daß Feh­ler eines Par­tei­en-Start­Ups wie der AfD dar­in gera­de­zu nied­lich aus­se­hen. Da steht die erfolg­rei­che, aber kaum erwach­se­ne Par­tei in der Ecke, schaut betrof­fen zu Boden, wäh­rend die Pelo­sis, Graichens, Wei­mers, Selen­sky­is und Mios­gas die­ser Welt vor Lachen nicht in den Schlaf kom­men. Anders gesagt: Wenn der „Stern“ aktu­ell etwas halb­wegs Wohl­wol­len­des über Herrn Höcke schreibt, um die Par­tei zu dis­kre­di­tie­ren, dann wis­sen wir, daß bei uns kom­mu­ni­ka­tiv etwas falsch gelau­fen ist.

2. Kunst und Künst­ler kann man nicht von­ein­an­der tren­nen – Ob man ein Gemäl­de lie­ben darf, des­sen Künst­ler schwe­re pri­va­te Ver­feh­lun­gen begeht, ist seit Jahr­hun­der­ten Gegen­stand der Dis­kus­si­on. Für die Per­sön­lich­keit einer Par­tei gilt jeden­falls: Das tolls­te Par­tei­pro­gramm ist für die Katz, wenn man die ideel­le Grund­la­ge im All­tag unterläuft.

Die Par­tei ist also auf­ge­for­dert, in Kri­sen einer­seits geschlos­sen auf­zu­tre­ten und ande­rer­seits Kri­tik- und Dis­kurs­fä­hig­keit zu zei­gen. Dis­kurs und dia­lek­ti­sche Ana­ly­se sind Errun­gen­schaf­ten, die wir auf der rech­ten Sei­te des Spek­trums lie­ben. Auch wenn es kri­selt. Reden statt aus­gren­zen. Ideen ent­wi­ckeln und pro­ak­tiv han­deln, statt stö­ren und zer­stö­ren. Ist das nicht sogar der Kern unse­rer Weltanschauung?

3. Mar­ke-Ting – Reagie­ren und Kom­mu­ni­zie­ren braucht Kon­ti­nui­tät, Raum und Struk­tu­ren. Die rech­te Bubble ist der­zeit die glo­bal Krea­tivs­te. Aber die Par­tei hat Mar­ke­ting und Krea­ti­on nie geliebt. Man ließ sich trei­ben, kleb­te irgend­wel­che Pla­ka­te und hielt kopier­te Gags für Mar­ken­kom­mu­ni­ka­ti­on. Das rächt sich in Kri­sen-Zei­ten. Was die AfD braucht, sind pro­fes­sio­nel­le Bot­schaf­ten und ein Auf­tritt der beein­druckt. Pres­se-State­ments sind Sil­ber, direkte

Bür­ger-Anspra­che ist Gold. Bil­der und Tex­te, die zei­gen, daß man nicht nur Wut­bür­ger­tum kana­li­siert, son­dern zur Staats­füh­rung geeig­net ist. Klar­heit, Wahr­heit, Hand­lungs­fä­hig­keit. Luft­ho­heit über das eige­ne Gelän­de gewin­nen. Basis dafür wäre ein Gre­mi­um im Her­zen der Par­tei, wel­ches die Füh­rung der Mar­ke in der Öffent­lich­keit beglei­tet. Ein klei­nes Team zur Ent­schei­dungs­fin­dung und Vor­be­rei­tung von Reak­tio­nen. Ein Mar­ke-Ting ger­ma­ni­scher Prägung.

Drei Vor­schlä­ge, die Ruhe schaf­fen kön­nen. Drei Vor­schlä­ge, die zei­gen, daß die Par­tei sich nicht ver­ste­cken muß. War­um auch? Bei aller Fehl­bar­keit ist sie die ein­zi­ge Ret­tung für die­ses Land. Wer mag, wer­fe den ers­ten Stein.

– –

Dr. Wig­go Mann heißt nicht so. Er arbei­tet für eine gro­ße PR-Agen­tur in Süd­deutsch­land und wür­de mit der Nen­nung sei­nes Namens ein mitt­le­res Erd­be­ben in der Bran­che aus­lö­sen. Ab und an greift er für Sezes­si­on zur Feder. “Wie man eine Par­tei opti­miert” heißt sein jüngs­ter Text. Er ist in der 130. Sezes­si­on abge­druckt – hier kann man das Heft ein­se­hen und bestel­len.

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Kommentare (3)

RMH

12. Februar 2026 20:12

"daß die Mitglieds-Ressourcen der AfD nur 15% des wichtigsten Wettbewerbers betragen."
Und genau von solchen Fakten bitte mehr und diese dann klar verbreiten, zusammen mit dem Hinweis, dass die Leute auch wirklich & echt gearbeitet haben und nicht nur zum Schein eingestellt waren, wie weiland bei der CSU geschehen und das dies vollkommen legal ist. Gerne darf man auch einen internen "code of conduct", "Compliance" und den ganzen bullshit präsentieren, was sich die sog "freie Wirtschaft" ab einer gewissen Größe selber zur Selbstverknechtung gibt. Und man darf darauf hinweisen, dass man im Gegensatz zur linken eine Unvereinbarkeitsliste hat und nicht Streetfighter, Ex -Terroristen & Co einstellt und sondern sich schon immer freiwillig selbst beschränkt.
Auf jeden Fall sachlich bleiben, denn zu deutlich mit dem Finger auf andere zeigen, kennt der Wähler von den "Anderen" nur zu gut und es langweilt ihn. Und Langweile kann zur Abwendung führen.

Le Chasseur

12. Februar 2026 20:22

"Ob es ein Drama ist, wenn man Posten innerhalb einer Organisation gern mit Freunden und Verwandten besetzt, kann man diskutieren"
Wenn die Angestellten für die Stelle entsprechend qualifiziert und ihre Gehälter marktüblich sind und sie tatsächlich die Arbeitsstunden leisten, für die sie bezahlt werden, dann kann man darüber reden. Aber bitte beachten: die eigentlichen Arbeitgeber von Abgeordneten sind die Deutschen. Denn für diese sollen Abgeordnete arbeiten, nicht für eine Partei. Und sie zahlen mit ihren Steuern die Gehälter.

Ein gebuertiger Hesse

12. Februar 2026 21:51

"Sie will das System in Deutschland nicht delegitimieren, sondern hat sich eine paradoxe Aufgabe gestellt: Diese Partei will das destruktive System heilen, indem sie es von innen herausfordert. Dazu gehört, daß sie an manchen Stellen den Verlockungen verfällt."
Schöner hätte man das nicht sagen können.