Weiblicher Mut

Daß die Fülle am Anfang war und wir daher immer in Zeiten des Schwundes leben, ist eine konservative Grundüberzeugung.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Über die Fra­ge, wann man die­sen “Anfang” setzt, gehen die Auf­fas­sun­gen frei­lich aus­ein­an­der. Einig dürf­te man sich hin­ge­gen sein, daß es den Schwund über­all zu beob­ach­ten gibt.

War­um schaf­fen es Archi­tek­ten nicht mehr, einen schö­nen Bahn­hof zu bau­en? War­um sehen alle Stra­ßen­la­ter­nen gleich aus? Und war­um sind Möbel heu­te Weg­werf­pro­duk­te? Micha­el von Poser hat in der Zeit­schrift Mut eine ein­leuch­ten­de Ant­wort gefun­den: “Das Aus­se­hen der Frau­en prägt die Welt”. Wenn die­se alle die glei­che, uni­for­me Klei­dung tra­gen und auf eine “Ästhe­tik der Selbst­sti­li­sie­rung” ver­zich­ten, habe das Fol­gen für das Aus­se­hen der Welt.

Die Kunst dege­ne­riert, Häu­ser wer­den zu unmo­del­lier­ten Käs­ten, abs­trak­te For­meln bestim­men das Gesicht der Städ­te. Über Geschmack braucht man dann nicht mehr zu reden, denn es fehlt der Ansporn, eine Ken­ner­schaft dar­in zu erwer­ben, und damit ent­fällt ein wesent­li­cher Ein­wand gegen den puren Kommerz.

Doch war­um gera­de die Frau­en? Ja doch wohl, weil es bis vor kur­zem aus­schließ­lich Män­ner waren, die das Aus­se­hen der Welt zu ver­ant­wor­ten hat­ten. Also gab es eine Bezie­hung zwi­schen den Geschlech­tern, die dar­auf beruh­te, daß die einen schön anzu­schau­en waren und die ande­res sich davon inspi­rie­ren ließen.

Von Frau­en wür­de man am ehes­ten erwar­ten, daß sie sich nicht uni­for­mie­ren las­sen, son­dern als Ein­zel­we­sen her­vor­ste­chen wol­len. Dazu gehört Mut, und wenn der erkenn­bar fehlt, dann hat das Grün­de. Zwar gibt es einen Mut zur Pro­vo­ka­ti­on (Bei­spiel: grü­ne Haa­re und Unter­welts­ha­bit), aber die Pro­vo­ka­ti­on geht fast immer in Rich­tung Selsbt­ver­häß­li­chung. Weil das längst selbst ein Stan­dard ist und sich in stets ähn­li­chen For­men abspielt, wird dadurch kein wirk­li­ches Auf­se­hen mehr erregt, wäh­rend jede Frau, die sich ganz indi­vi­du­ell anzieht und sich nicht scheut, ein rich­ti­ges Kleid zu tra­gen, eine Sen­sa­ti­on darstellt.

Die­se Erwar­tung muß ent­täuscht wer­den: Die Vor­aus­set­zun­gen dafür exis­tie­ren heu­te nicht mehr. Seit­dem sich die Frau­en eben­falls am Macht­kampf betei­li­gen dür­fen, wol­len, müs­sen, bleibt die Inspi­ra­ti­on auf der Stre­cke. Die Frau hat sich mitt­ler­wei­le das Recht erstrit­ten, “als Indi­vi­du­um Mas­se” zu sein (Peter Slo­ter­di­jk). Mit ver­hee­ren­den Folgen.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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